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Die Abenteuer des Captain Branford
Defiance
Die Bewährungsprobe: Teil 1, Teil 2
Exeter
Begegnung mit der Vergangenheit: Teil 1, Teil 2
Die neuen Verbündeten: Teil 1, Teil 2
Der Feind auf eigener Seite: Teil 1, Teil 2
Der Fluß, des Blutes: Teil 1, Teil 2
Der Reifeprozess: Teil 1
Die Auserwählten: Teil 1
Monarch
Der Rückzug: Teil 1, Teil 2
Zwischen den Fronten: Teil 1
Kampf für die Freiheit: Teil 1, Teil 2

 
Exeter: Die neuen Verbündeten
Teil 2
© by Ruppert, T.J. ()

 

Disclaimer: Alle Rechte an Elementen, die aus ST-TOS, ST-TNG, ST-DS9 oder ST-Voyager stammen, liegen ausschließlich bei Paramount Pictures. Alle Rechte an Elementen, die von mir selber erfunden wurden, liegen beim Autor.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Star Trek-Sektion

 

Branford überprüfte die Sensorenberichte der letzten sechs Stunden. Es gab jedoch keine untypischen Scanwerte.

"Computer, wo befindet sich Lieutenant Crusher?" fragte er den Computer.

"Lieutenant Wesley Crusher ist in der vorderen Torpedoluke." erwiderte er.

Der Captain erhob sich aus seinem Sessel: "Lieutenant Unas, Sie haben die Brücke."

 

Crusher arbeitete zusammen mit zwei Systemdiagnostikern an dem Ladesystem. Sie bemerkten gar nicht, dass Branford den Raum betrat.

"Lucas, die Zufuhr der Torpedos dauert mir etwas zu lange! Meinen Sie, wir können noch ein paar Sekunden heraus holen?"

Lieutenant j.g. Lucas Simons, ein junger Waffensystemexperte, sah skeptisch drein: "Sir, wir haben die Zugriffszeit schon um eineinhalb Sekunden verkürzt. Wir können bei der Ladegeschwindigkeit vielleicht noch eine bis zwei Sekunden gewinnen. Allerdings müssen wir zuerst überprüfen, ob diese Veränderung nicht die Sicherheit beeinträchtigt. Ich werde das mit Fähnrich Barel übernehmen." Er drehte sich herum und sah den Captain: "Guten Tag, Sir. Wir legen uns mächtig ins Zeug, um hier noch eine Verbesserung zu erzielen. Mister Crusher läßt uns keine Ruhe mehr."

Branford nickte: "Das gefällt mir, Lieutenant. Machen Sie ruhig weiter. Mister Crusher, kann ich Sie kurz sprechen?"

"Sicher, Sir. Um was geht es?" erwiderte Crusher und ging etwas zur Seite.

Branford sah ihn besorgt an: "Lieutenant, kommen Sie mit Ihren Bemühungen voran?"

"Nun, wir konnten das Zielsystem der achteren Phaserbanken genauer justieren, so dass sie die Objekte schneller erfassen können. Zudem versuchen wir hier, die Torpedoladezeit zu verringern." erwiderte Crusher.

Branford nickte: "Sie kriegen das schon hin. Ihre Bemühungen tragen bereits Früchte. Machen Sie weiter."

Die Brücke meldete sich: "Brücke an Captain Branford. Wir erreichen Caridian II."

 

Unas erhob sich aus dem Kommandosessel, als Branford die Brücke betrat.

"Gehen Sie auf Impulsgeschwindigkeit, Fähnrich." befahl er.

Der Planet kam in Sicht. Jacobs führte einen Sensorenscann der Umgebung durch.

"Sir, ich orte keine Schiffe in Sensorenreichweite." meldete er.

Branford nickte: "In Ordnung. Standardorbit, Miss Waringthon."

Die junge Frau bestätigte nicht und führte den Befehl aus. Unas stand neben ihr und bemerkte, dass etwas schief lief: "Fähnrich, Sie setzen den Kurs zu niedrig an. Wir werden in die Atmosphäre eintreten!"

Branford warf Unas einen Blick zu: "Übernehmen Sie, Lieutenant!" Waringthon erhob sich: "Ich bitte um Erlaubnis, die Brücke verlassen zu dürfen."

Der Captain deutete auf die Tür zum Bereitschaftsraum: "Erst möchte ich mit Ihnen reden. Lieutenant Unas, Sie haben die Brücke."

 

Waringthon folgte Branford wie ein geprügelter Hund in den Raum.

"Sir, ich will mich entschuldigen, dass ich eben..."

Branford schnitt ihr das Wort ab: "Deswegen wollte ich Sie nicht sprechen. Ich weiß, was es für ein schmerzlicher Verlust für Sie war. Ihr Vater bedeutete Ihnen sicherlich viel. Auch ich habe, wie Sie wissen, einen sehr geliebten Menschen verloren. Ich fühle mit Ihnen. Nehmen Sie sich bitte frei. Wenn Sie sich besser fühlen, können Sie ihren Dienst wieder antreten."

Waringthon schüttelte trotzig den Kopf: "Nein, Captain. Sie sind mir in diesem Fall ein Vorbild. Wie Sie werde auch ich meine Pflicht erfüllen. Ich danke Ihnen für Ihre Großzügigkeit, aber ich muss ablehnen."

Branford nickte: "In Ordnung. Ihre Schicht beginnt in drei Stunden. Ruhen Sie sich noch etwas aus. Sie können gehen."

Als die junge Frau den Raum verlassen hatte, meldete sich Unas.

"Sir, wir haben den Planeten gescannt. Die Ergebnisse sollten Sie sich selbst ansehen."

 

Branford konnte kaum glauben, was er auf dem Bildschirm sah. Die Kolonie war besetzt von einer Infanterieeinheit. Aus der Entfernung konnte man die Lebensformen nicht identifizieren, aber es waren mehrere hundert.

"Vielleicht eine Jem´Hadar-Einheit, Sir." bemerkte Jacobs.

Branford grübelte. Es wäre eine Möglichkeit. Die Jem´Hadar waren Söldner, die für das Dominion arbeiteten. Ihre Bezahlung bestand aus Drogen, mit denen sie bei der Stange gehalten wurden.

"Haben Sie die Kolonie gerufen, Lieutenant?"

Jacobs schüttelte den Kopf: "Nein. Ich wollte nicht, dass wir entdeckt werden."

"Sehr vernünftig. Gegen diese Kampfmaschinen hätten wir keine Chance. Wir haben entdeckt, dass sie überall in der Stadt sind. Es würde ein blutiger Häuserkampf werden." erwiderte Unas.

Randolph hatte einen Vorschlag: "Sir, könnten wir nicht runterbeamen, um vielleicht mit dem Polizeichef oder dem Präsidenten zu reden? Dadurch hätten wir mehr Informationen."

Branford war skeptisch: "Keine schlechte Idee. Aber ihre Systeme würden die Transportertätigkeit orten. Das können wir nicht riskieren."

Fogarty sah sich die Lage ebenfalls an. Er machte ein mutloses Gesicht.

"Wir müssen Hilfe holen, Captain. Alleine haben wir so gut wie keine Chance."

Branford nickte: "Sie haben recht, Nummer 1. Wir verlassen den Orbit. Lieutenant, setzen sie Kurs auf das Wurmloch. Warp 9,5."

Sie nickte: "Bereit, Sir."

"Beschleunigen Sie, Lieutenant." befahl Branford.

 

Die Ernüchterung folgte eineinhalb Stunden später. Jacobs meldete: "Sir, die Weitbereichsscanner erfassen vier Schiffe beim Wurmloch. Zwei cardassianische Kreuzer und zwei der Schlachtschiffe, die die Defiance vernichtet haben."

Branford stand auf: "Taktische Analyse, Lieutenant Crusher."

Der Sicherheitschef analysierte die Daten und schüttelte den Kopf: "Wir haben keine Chance, das Wurmloch unbeschadet zu erreichen. Ich kann nur empfehlen beizudrehen, Captain."

Der Captain ließ sich in seinen Kommandosessel sinken.

"Also gut. Wenden Sie um 180 Grad, Lieutenant. Gleiche Geschwindigkeit." befahl er.

Fogarty sah ihn an: "Was meinen Sie? Was sollen wir nun tun?"

Branford strich sich die Haare aus dem Gesicht.

"Der Geheimdienst vermutet im Maicon-System eine Jem´Hadar-Einheit, die sich vom Dominion abzulösen versucht. Vielleicht können wir sie überzeugen, uns zu helfen."

"Es ist einen Versuch wert, Captain." bemerkte Unas.

Ein Wink von Branford genügte und Unas änderte den Kurs des Schiffes.

 

Branford verließ die Brücke und ging zu seinem Quartier. Nachdem er eine Stunde lang die Situation Stück für Stück durchgegangen war, ertönte der Türsummer. Branford rief "Herein" und Kelly Pizoll betrat den Raum.

"Störe ich Sie, Sir?" fragte die junge Frau.

Branford erhob sich und schüttelte den Kopf: "Aber nein doch. Kommen Sie, setzen Sie sich."

Pizoll ging langsam zum Sessel. Auf halben Weg stolperte sie. Branford stützte sie sofort.

"Danke Sir. Der Oberschenkel war durchtrennt. Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich wieder richtig gehen kann." Sie nahm im Sessel Platz. Branford bestellte beim Replikator zwei Tassen Tee und nahm im anderen Sessel Platz.

Lange Zeit sprachen sie kein Wort. Dann fasste sich Pizoll ein Herz.

"Ich wollte ihnen etwas sagen. Es geht um Nella." Sie zögerte kurz, dann redete sie bedrückt weiter: "Kurz bevor es auf der Brücke zu der Explosion kam sagte mir Nella noch etwas. Sie sagte mir, falls sie sterben sollte, soll ich Ihnen sagen, dass sie Sie immer lieben wird. Auch wenn sie nicht mehr da ist."

Branford konnte nur mit Mühe seine Tränen zurückhalten. Er blickte Pizoll an: "Danke, Kelly. Das bedeutet mir sehr viel."

Branford sprach noch eine Weile mit dem ehemaligen Steueroffizier der Defiance, dann verabschiedete sie sich und ging.

Der Captain grübelte noch eine Weile nach und lief ziellos durch die Korridore des Schiffes. Nach einer weiteren halben Stunde rief ihn Fogarty.

"Fogarty an Branford, bitte kommen Sie auf die Brücke."

 

Branford betrat die Brücke. Sein 1.Offizier stand aus dem Kommandosessel auf.

"Bericht, Nummer 1." ordnete Branford an, während er sich setzte.

Fogarty nickte: "Sir, wir haben ein cardassianisches Schiff der Enhanced-Penetrator-Klasse geortet. Es bewegt sich in Richtung 211,010. Noch hat es uns nicht entdeckt, da wir zwischen uns und dem Gegner einen Meteornebel haben. Unsere Sensoren konnten das Schiff kurz erfassen."

Branford sah Crusher an: "Lieutenant, orten Sie andere Schiffe?"

Crusher schüttelte den Kopf: "Negativ, Captain. Keine anderen Schiffe im Sensorenbereich."

"Roter Alarm! Gehen Sie auf Abfangkurs, Miss Waringthon!" befahl Branford.

Jacobs meldete: "Sir, Flugzeit bis Abfangen fünf Minuten, zwanzig Sekunden."

"Danke sehr, Mister Jacobs. Geschwindigkeit Warp 9,6."

Den Captain packte das Jagdfieber. Aber er wollte den Kreuzer nicht aus Rachegelüsten jagen. Er wollte Informationen haben, und dieses Schiff kam ihm gerade recht.

Drei Minuten später meldete Crusher: "Sir, der Kreuzer hat uns bemerkt. Er flüchtet in Richtung 185,008. Geschwindigkeit Warp 8."

"Aufschließen mit Warp 9,6. Kurs angleichen!" befahl Branford.

Fogarty sah sich die Daten an: "Captain, mit den Torpedos können wir ihn zwingen, unter Warp zu gehen."

Branford stimmte seinem 1.Offizier zu: "Sie haben recht. Mister Crusher, nehmen Sie die Schilde hoch. Photonentorpedos aktivieren!"

Der taktische Offizier bestätigte: "Zu ihrer Verfügung, Sir."

Branford erhob sich: "Auf Ziel einstellen, Level 5. Feuern Sie wenn bereit!"

Crusher feuerte zwei Torpedos ab, die den Kreuzer hart am Heck trafen. Er verminderte auf Impulsgeschwindigkeit und drehte bei, um die Exeter zu beschießen.

"Gehen sie auf Impulskraft, Phaser auf Ziel einstellen!" befahl Branford.

Der Kreuzer eröffnete das Feuer. Die Exeter wurde steuerbord getroffen, als sie ein Ausweichmanöver flog.

"Bericht, Mister Jacobs!" ordnete Branford hektisch an.

Jacobs erwiderte: "Schilde halten, Captain.Impulsantrieb auf 90% vermindert, sonst kein System beschädigt."

Branford deutete auf den Schirm.

"Phaser auf 80%, Feuer eröffnen!"

Die Feuerstoß erwischte den feindlichen Kreuzer voll. Man sah deutlich seine Schwierigkeiten beim Manöverieren.

"Seine Schilde sind auf 50% runter und sein Backbord-Impulsantrieb ist hin."

Branford überlegte. Informationen konnte er sich in einer Machtposition leichter holen. Er ließ die Phaser nochmal feuern und verminderte die Schilde seines Gegners auf 20%.

"Sir, wir werden von dem Kreuzer gerufen!" meldete Crusher.

Branford nickte: "Legen Sie das Gespräch auf den Hauptschirm."

Auf dem Bildschirm erschien ein jung wirkender Cardassianer.

"Ich bin Gul Tarot vom 5.Orden der Cardassianer. Ihre agressiven Handlungen werden zu entscheidenden Konsequenzen unsererseits führen."

Branford sah ihn deutlich an:"Sie machen mir Spaß. Womit wollen Sie denn entscheidende Konsequenzen durchführen? Kommen wir zur Sache: Für wen arbeiten Sie, Tarot? Welche Schiffe befinden sich noch hier?"

Der Cardassianer lachte: "Es wird Ihnen nicht helfen und ich werde es Ihnen nicht sagen! Bereiten Sie sich darauf vor, dieses Leben zu beenden."

Der Bildschirm erlosch und zeigte wieder den Kreuzer.

"Sir, er aktiviert seinen Torpedos. Zwar kann er nur mit einer Phaserbank feuern, aber wir sollten handeln." meldete Crusher.

"Schießen Sie ihn manövrierunfähig, Lieutenant." befahl Branford.

Crusher feuerte maßvoll mit den Phasern und schaltete Schilde und Waffensysteme des Gegners sowie seinen Antrieb aus.

"Rufen Sie ihn und teilen Sie unsere Bedingungen mit. Sie sollen kapitulieren!"

Jacobs scannte den Kreuzer und meldete: "Sir, die haben ihren Selbstzerstörungsmechanismus aktiviert! Wir müssen hier weg!"

Branford nickte: "Setzen Sie einen Kurs, der uns in eine ausreichende Entfernung bringt! Maximum-Impuls!"

Der Kreuzer wurde in einer gewaltigen Explosion vernichtet.

"Ich kann keine Überlebenden orten, Sir."

Branford nickte: "In Ordnung. Die Schadenskontrolle soll die erlittenen Schäden reparieren. Setzen Sie Kurs auf das Maicon-System, Warp 6."

Galen sah ihn an: "Informationen haben wir nicht erhalten, Captain."

"So gesehen nicht. Aber dieser Kommandant war ziemlich jung, selbst für einen cardassianischen Gul. Das sind Abtrünnige der regulären cardassianischen Truppen. Junge Offiziere, die sich einen Namen im Kampf machen wollen und sich deshalb dem Werben des Dominion hingegeben haben."

Jacobs hatte etwas entdeckt: "Sir, ich orte ein Schiff in unserer Flugbahn. Fliegt in Richtung 288,010. Niedrige Warpgeschwindigkeit."

Branford sah von dem Monitor auf: "Können Sie es identifizieren, Lieutenant?"

"Aye, Sir. Es ist eine Fregatte der Constellation-Klasse. ID-Nummer NCC 21674. Laut Sternenflottenverzeichnis die U.S.S. Petersburgh."

Fogarty sah Branford an: "Da kommt Hilfe, Captain."

"Vermutlich, Nummer 1. Mister Crusher, rufen sie die Petersburgh und bitten sie sie um ein Treffen." erwiderte Branford.

Crusher führte den Befehl aus und meldete: "Sir, Captain Baxter von der Petersburgh ist einverstanden, sich mit uns zu treffen. Rendezvous-Koordinaten wurden übermittelt."

Branford nickte: "Danke, Lieutenant. Fähnrich Waringthon, setzen sie Kurs zu den Koordinaten, Warp 9,5. Beschleunigen."

 

Zehn Minuten später traf sich die Exeter mit der Petersburgh.

Crusher meldete einen eingehenden Funkspruch. "Sir, wir werden von der Petersburgh gerufen."

Branford nickte: "Auf den Schirm schalten, Mister Crusher."

Ein Mann mit Admirals-Abzeichen erschien auf dem Schirm.

"Ich grüße Sie, Captain Branford. Mein Name ist Admiral Lesley Unix. Ich bin Befehlshaber der Raumforschungsgruppe des Gamma-Quadranten."

Branford erhob sich und erwiderte den Gruß: "Admiral, wir haben ein sehr ernstes Problem. Caridian II ist von einer Einheit der Jem´Hadar besetzt. In diesem und dem angrenzenden System halten sich drei cardassianische Kreuzer und zwei Schlachtschiffe der Jem´Hadar auf. Sie haben den Rückweg durch das Wurmloch versperrt. Das Schlimmste jedoch ist, dass sie die U.S.S. Defiance vernichtet haben. Mit beinahe der gesamten Crew."

Unix sah betroffen drein: "Ich bin erschüttert, Captain. Captain Baxter und ich werden zu ihnen rüberbeamen, um die Lage zu besprechen."

Der Bildschirm erlosch.

"Nummer 1, Sie werden den Admiral und Captain Baxter empfangen. Führen Sie sie in die Aussichtslounge." befahl Branford.

Fogarty nickte und verließ die Brücke.

 

Fünf Minuten später erschienen Fogarty, Baxter und Unix in der Aussichtslounge. Branford erhob sich und begrüßte die zwei per Handschlag. Er bat Fogarty ebenfalls zu bleiben.

"Sir, die Lage habe ich ihnen schon erklärt. Wir können nicht in unseren Quadranten zurück. Irgendwoher müssen wir Hilfe erhalten." erläuterte Branford.

Unix nickte: "Sicher, Captain. Was schlagen Sie vor?"

"Laut Berichten des Geheimdienstes befindet sich im Maicon-System eine abtrünnige Jem´Hadar-Einheit. Wir könnten versuchen, sie zur Zusammenarbeit zu bewegen." erwiderte Branford.

Baxter schaute interessiert drein: "Eine interessante Variante. Der Versuch könnte erfolgreich sein und uns neue, mächtige Verbündete in diesem Kampf bescheren."

Unix schüttelte den Kopf: "Ihre Meinung in Ehren, Captain Baxter, aber ich halte diese Idee für sinnlos. Die Kolonie auf Caridian II zu befreien hat absolute Priorität."

Fogarty warf dazwischen: "Admiral, wir haben die Lage analysiert. Wir sind ohne jede Chance, die Kolonie zu retten. Unsere Feuerkraft reicht bei weitem nicht aus."

"Nun, Commander, ihre Analyse beruhte auf der alleinigen Feuerkraft der Exeter. Wir werden es folgendermaßen machen: Die Exeter deckt die Petersburgh, die zum Planeten vordringt und die Bewohner schützt." erwiderte Unix ungerührt.

Branford startete einen letzten Versuch: "Sir, ich bitte Sie, sich das nochmal zu überlegen. Die Jem´Hadar könnten uns eine große Hilfe sein. Mit Sicherheit."

Der Admiral war stur.

"Nein, Captain. Wir werden den Plan so ausführen wie vorgeschlagen."

Branford schüttelte energisch den Kopf: "Ich bitte Sie, Admiral. Wir riskieren die beiden Schiffe, wenn wir diesen Plan ausführen. Hören Sie, das können wir keinesfalls..."

Unix schnitt ihm das Wort ab: "Das wäre alles, Captain. Sie haben ihre Befehle." Er erhob sich und wandte sich zum Gehen.

"Captain Baxter, wir kehren auf die Petersburgh zurück."

Einige Minuten später wurden die beiden auf die Petersburgh gebeamt.

 

Branford und Fogarty nahmen ihre Plätze auf der Brücke ein.

"Sir, die Petersburgh setzt einen Kurs nach Caridian II. Warp 8." meldete Jacobs.

Branford nickte: "Lieutenant Unas, setzen Sie eine Formationskurs, gleiche Geschwindigkeit. Energie."

 

Die beiden Schiffe brauchten eineinhalb Stunden, bis sie Caridian II erreichten.

Jacobs meldete ziemlich skeptisch: "Sir, ich orte zwei dieser Schlachtschiffe und einen cardassianischen Kreuzer in der Nähe des Planeten. Die haben uns erwartet!"

"In Ordnung, Lieutenant. Roter Alarm, Schilde aktivieren!"

Die Exeter ging auf Gefechtsbereitschaft.

"Sir, die Petersburgh teilt uns mit, dass sie den direkten Anflug wagt. Wir sollen ihr Rückendeckung geben." meldete Crusher.

"Bestätigen Sie den Funkspruch." Er sah sich die taktische Lage an. "Setzen sie Kurs auf 109,010. Volle Impulskraft."

Der cardassianische Kreuzer und ein Schlachtschiff nahmen sich die Petersburgh vor, die stur ihren Kurs hielt.

"Sir, die beiden Schiffe feuern auf die Petersburgh. Ihre Schilde wurden auf 70% reduziert!"

Branford ballte die Faust: "Phaser auf das Schlachtschiff ausrichten! Einstellung 75%. Und Feuer!"

Der Feuerstoß traf das Schiff an der Backbordseite, hinterließ aber keine sichtbaren Schäden.

"Schilde des Gegners unverändert. Keine Beschädigung."

Branford nickte: "Kurs ändern auf 198,030, halbe Impulskraft. Achtertorpedos auf Ziel Cardassianer ausrichten. Doppelsalve, Level 6."

Crusher bestätigte: "Eingerastet, Sir."

Branford deutete auf den Schirm: "Feuer!"

Die zwei Torpedos trafen den Kreuzer voll. Jacobs meldete ein Absinken seiner Schilde. Mittlerweile feuerte das zweite Schlachtschiff auf die Exeter. Es waren mehrere Phaser- und Disruptorschüsse. Die Exeter wurde stark erschüttert.

Jacobs sah ernst drein: "Sir, Schilde auf 60% gefallen. Hintere Sensorenphalanx ausgefallen, ebenso Weitbereichskommunikation."

Branford befahl, eine enge Kurve zu fliegen und feuerte gleichzeitig seine Phaser auf das verfolgende Schlachtschiff ab, das leicht beschädigt wurde.

"Captain, die Petersburgh steckt einiges ein. Das andere Schlachtschiff und der Kreuzer decken sie mit Phaserschüssen ein!" meldete Jacobs.

"Feuern sie unsere vorderen Torpedos ab! Zielen sie abwechselnd auf die beiden Schiffe. Wir müssen die Petersburgh schützen und das Feuer auf uns ziehen."

Das Schlachtschiff drehte nach einem Torpedotreffer und feuerte mit einer vollen Phaserbreitseite auf die Exeter. Branford erkannte sofort, dass es ein größerer Schaden war.

"Maschinenraum an Brücke. Captain, wir haben ein Problem. Die Motoren zur Verstellung der Warpgondeln sind ausgefallen. Somit können wir die Gondeln nicht mehr anpassen. Die Höchstgeschwindigkeit sinkt dadurch auf Warp 5." meldete Cassels.

Branford bestätigte: "Verstanden. Wie lange brauchen sie, Jake?"

"Etwa eine halbe Stunde, Sir. Tut mir leid.Cassels Ende."

 

Unterdessen kämpfte die Crew der Petersburgh ums Überleben. Sie hatte mehrere Torpedotreffer wegstecken müssen und ihre Schilde waren auf 20% gefallen. Lieutenant Tim Russow, der taktische Offizier, blickte ernst drein.

"Captain, wir müssen weg hier! Die Waffensysteme sind so gut wie ausgefallen, mit dem Rest könnten wir nicht mal ein Ferengi-Shuttle beschädigen."

Commander Brian Raulos, der 1.Offizier, pflichtete Russow bei. Er hatte Verbrennungen an der Hand, die eine explodierende Konsole verursacht hatte.

"Tim hat recht. Wir müssen fliehen, sonst wird das unser Ende!"

Unix, der neben ihm saß, schüttelte energisch den Kopf: "Nein, wir können diese Leute nicht im Stich lassen!"

Baxter reichte es: "Admiral, wenn Sie wollen, können Sie mich wegen Befehlsverweigerung anklagen." Er stand auf: "Lieutenant Miller, Fluchtkurs setzen Richtung 300,043. Voller Impuls, alle Energie in die Schilde leiten!"

Die Petersburgh versuchte, den zwei Gegern zu entkommen, aber ihre Chancen standen schlecht.

 

Branford sah die Petersburgh aus einiger Entfernung. Die Exeter war abgedrängt worden und befand sich im Kampf mit dem zweiten Schlachtschiff.

"Lieutenant Unas, setzen sie einen Kurs in Richtung der Petersburgh. Sie ist schwer beschädigt." befahl er.

Die Exeter flog auf das Schiff zu. Plötzlich meldete Jacobs aufgeregt: "Captain, die Petersburgh hat ernsthafte Schwierigkeiten. Ihr Maschinenraum verliert so langsam die Eindämmung! Noch ein Treffer, und.."

Branford nickte: "Ja, verstanden. Feuer auf das Schlachtschiff eröffnen. Mit allen Waffensystemen!"

Die geballte Feuerkraft der Exeter traf das Schlachtschiff. Es wurde beschädigt, konnte aber nochmals auf die Petersburgh feuern.

Das Resultat war vernichtend. Die Petersburgh explodierte vor den Augen der Exeter-Crew.

"Verdammt! Lieutenant, Kurs auf 322,010. Volle Impulskraft!" befahl Branford. "Orten Sie Fluchtkapseln, Mister Jacobs?"

Der Einsatzleiter schüttelte traurig den Kopf: "Nein, leider nicht. Sie konnten nicht mehr rechtzeitig entkommen."

"Alle verfügbare Energie in die Schilde und den Impulsantrieb leiten! Bringen sie uns hier weg!" befahl Branford energisch.

Das Schlachtschiff feuerte noch zwei Torpedos auf die Exeter ab.

Jacobs zeigte ein ernstes Gesicht: "Sir, die achteren Schilde sind im Begriff zu auszufallen! Wir müssen etwas unternehmen!"

"Schildenergie nach achtern verlagern. Feuern Sie noch zwei Torpedos ab!" befahl Branford.

Das Schlachtschiff fiel durch die Einschläge etwas zurück.

"Sir, wir können auf Warp gehen!" meldete Unas.

Branford ballte die Faut: "Beschleunigen auf Warp 5! Los!"

Die Exeter ging auf Überlichtgeschwindigkeit und flog aus dem System.

"Sir, die Schlachtschiffe verfolgen uns! Wir können ihnen so nicht entkommen!"

Branford rief den Maschinenraum: "Jake, wir brauchen mehr Warpenergie!"

"Captain, ich versuche alles, was ich kann!" erwiderte Cassels gereizt.

Branford wurde autoritär: "Commander, spannen Sie jeden verfügbaren Mann und jede Frau ein! Wir brauchen diese Energie!"

Cassels brummte ein genervtes "JA SIR!" und beendete die Verbindung.

Fünf Minuten später, die Schlachtschiffe kamen der Exeter immer näher und feuerten erste, ungezielte Torpedoschüsse ab, meldete Jacobs: "Sir, die Gondelmotoren funktionieren wieder! Volle Kraft steht zur Verfügung!"

Branford stand auf: "Jawohl, gut gemacht! Warp 9,5, Lieutenant Unas. Bringen Sie uns weg, Kurs auf das Maicon-System!"

 

"Captain, wir erreichen das Maicon-System." meldete Fähnrich Waringthon eine Stunde später.

Branford wandte seinen Blick vom Bildschirm seiner Station ab.

"Gehen Sie auf Impulsgeschwindigkeit, Fähnrich." Er stand aus dem Kommandosessel auf.

"Beginnen Sie einen Sensorenscan des Systems, Mister Jacobs. Orten Sie andere Schiffe?"

Der Einsatzleiter schüttelte den Kopf: "Negativ, Sir. Keine anderen Schiffe auszumachen."

"Captain, was wollen Sie nun tun?"

Branford blickte seinen 1.Offizier an und wusste nicht so recht, was er antworten sollte. Dann überwand er sich.

"Nun, Commander. Ich habe vor, mit einem Shuttle zu starten und nach den Jem´Hadar zu suchen. Allerdings müssen wir zuerst die Planeten nach Lebensformen absuchen."

Fogarty nickte: "Dann wollen wir mal. Lieutenant Jacobs, scannen Sie auf den vier Planeten Lebenszeichen?"

Jacobs suchte die Planeten mit den Scannern ab und meldete: "Commander, auf dem dritten Planeten kann ich unbestimmte Lebensformen ausmachen. Könnten die Jem´Hadar sein."

Der Captain grübelte nach und ging auf und ab.

"Captain, über was denken Sie nach?" fragte Sandra Galen.

Branford lächelte kurz und erwiderte: "Ich überlege, ob dieser Einsatz so großen Nutzen bringt, dass er das Risiko wert ist."

"Es ist Ihre Entscheidung, Sir. Aber wir haben vermutlich keine andere Wahl, als es zu versuchen." bemerkte sein 1.Offizier.

Branford nickte entschlossen: "Wir machen es. Commander, informieren Sie die Shuttlerampe, dass sie ein Schiff klarmachen sollen." Er wandte sich zu Jacobs: "Lieutenant Jacobs, Lieutenant Crusher, Sie kommen mit. Doctor Sanders soll uns in der Shuttlerampe treffen. Commander Fogarty, Sie haben die Brücke. Halten Sie die Exeter außerhalb des Systems. In zwei Tagen erwarte ich Sie wieder hier. Das wäre alles."

Er wandte sich um und verließ mit Jacobs und Crusher die Brücke.

 

Der Deckoffizier checkte das Shuttle nochmals durch. Im gleichen Moment betraten Branford, Jacobs, Crusher und Doctor Sanders die Shuttlerampe.

"Chief, ist alles bereit?" fragte Branford noch im Näherkommen.

Der Deckoffizier erwiderte nickend: "Wie befohlen, Sir. Das Schiff ist startbereit."

Branford nickte und bestieg mit den drei anderen das Shuttle. Jacobs, der als der beste Pilot an Bord galt, nahm die Position des Piloten ein, Branford die des Co-Piloten. Die Tür schloss sich.

"Shuttle Haydn, Sie haben Starterlaubnis. Viel Glück, meine Herren." erklang die Stimme von McLure.

Die Docktüren öffneten sich und gaben den Blick auf den Weltraum frei. Jacobs beschleunigte das Shuttle und steuerte es aus dem Schiff hinaus.

"In Ordnung. Lieutenant, setzen wir Kurs auf Maicon III. Voller Impuls." befahl Branford.

 

Jacobs landete das Shuttleschiff sicher auf einer größeren Lichtung in einem riesigen Waldgebiet, in welchem die Lebenssignale am stärksten waren.

Die vier betraten mit gemischten Gefühlen den feuchten Boden von Maicon III. Branford beruhigte auch der Typ-II-Phaser an seinem Gürtel nicht besonders. Wenn es eine Jem´Hadar-Einheit war, bestand sie aus bestens ausgebildeten Kriegern, die sicher zu mehren Hundert zusammengeschlossen waren.

"Captain, ich orte einige unbestimmte Lebenzeichen in Richtung 174. Entfernung cirka zehn Kilometer." meldete Crusher.

Branford nickte: "Also los. Gehen wir!"

Die Gruppe musste sich ihren Weg durch dichtes Gestrüpp bahnen. Sie scannten ständig mit ihren Tricordern die Umgebung, aber die Anzeigen waren zu ungenau, um Bestimmtes sagen zu können.

 

Nach einer Marschzeit von dreißig Minuten ordnete Branford eine kurze Pause an. Sanders nahm einen Schluck Wasser aus seiner Flasche. Plötzlich hörte er ein Knacken im Unterholz. Doch dieses Warngeräusch kam schon zu spät. Bevor die Offiziere ihre Phaser ziehen konnten, waren sie schon von etwa zwanzig vermummten Gestalten umzingelt, die Phasergewehre trugen.

"Ergeben Sie sich! Werfen Sie ihre Waffen weg!" schrie der Anführer, der etwas weiter vorn stand.

Branford bedeutete seinen Offizieren, der Aufforderung Folge zu leisten.

Ihnen wurden die Waffen, Kommunikatoren und Tricorder abgenommen. Danach wurden sie zu einem Lager geführt und in einen Bunker eingesperrt. Kurz danach strömte eine Art Gas ein und sie wurden bewußtlos.

 

Jacobs erwachte als erster. Er rappelte sich auf und untersuchte die Tür. Enttäuscht stellte er fest, dass sie durch ein Kraftfeld so gut gesichert war, dass sie ohne Hilfsmittel nicht zu knacken war.

Mittlerweile waren seine Begleiter erwacht.

"Meinen Sie, das sind die Jem´Hadar?" fragte Crusher.

Branford nickte überzeugt: "Da bin ich mir sicher, Lieutenant. Ihre Taktik ist offensichtlich die der Jem´Hadar. Warten wir ab, was sie wollen."

 

Das Warten dauerte zwei Stunden, wie Branford schätzte. Dann wurde die Türe geöffnet und drei Wesen betraten den Raum. Als das Licht auf sie fiel erkannte Branford die Jem´Hadar. Zwei blieben an der Tür stehen und richteten ihre Phasergewehre drohend auf sie. Der eine trat nach vorn.

"Ich bin Lorwak, der Tar´La dieses Regiments." sprach er.

Branford hob die Augenbrauen: "Also der stellvertretende Kommandant. Oder habe ich das falsch verstanden?"

Der Jem´Hadar sah ihn verwundert an: "Sie wissen also über uns etwas Bescheid." Er musterte die vier Offiziere, die vor ihm standen.

"Dem Rang nach sind Sie Captain, das Rot ihrer Uniform bestimmt Sie als Mitglied des Führungsstabes." stellte er bei Branford fest.

Er sah Jacobs an: "Sie sind Lieutenant junior grade, technische Sektion." Lorwak musterte Crusher und Sanders: "Sie sind Lieutenant senior grade, ebenfalls technische Sektion oder Sicherheit. Ihr Rang hingegen ist Lieutenant Commander, vermutlich sind sie Arzt."

"Was wollen Sie von uns?" fragte Branford.

Lorwak entgegnete: "Nun, Sie wissen vielleicht, dass wir von einer Droge abhängig sind. Tetracell White nennt sie sich, und das Dominion benutzt sie zur Kontrolle der Jem´Hadar. Wir können nur dann frei werden, wenn wir von Tetracell White unabhängig werden. Ihr Arzt könnte uns von Nutzen sein. Sie und der Doctor werden mich begleiten. Ich bringe Sie zum Kommandanten."

 

Branford und Sanders mussten vor der Hütte des Kommandanten warten.

Lorwak war jedesmal beeindruckt, wenn er seinen Kommandanten sah. Er war zwei Köpfe größer als er, ein alter,ehrenvoller Krieger.

"Sie sind also der festen Ansicht, Sie könnten uns helfen." Er zog hörbar die Luft ein und blickte Lorwak scharf an.

"Ich bin jedoch nicht der Ansicht! Meiner Meinung nach sollten wir sie strengstens verhören. Und zwar mit allen Mitteln!"

Lorwak näherte sich demütig: "Ehrenwerter Ornar, ich stelle Eure Meinung nicht in Frage. Aber wir könnten von diesem Arzt profitieren. Er hat unter Umständen die Fähigkeit, uns von der Sucht zu heilen."

Ornar nickte mürrisch: "Tun Sie, was immer Sie wollen, Lorwak. Sie haben volle Handlungsfreiheit. Aber falls wir innerhalb einer Woche kein Ergebnis haben, werde ich so fortfahren, wie ich es für richtig halte! Gehen Sie!"

 

Lorwak führte Branford und Sanders in ein Labor, welches selbst nach Sternenflottenkriterien gut eingerichtet war.

"Doctor, beginnen Sie bitte mit ihre Arbeit. Wenn Sie etwas benötigen, die Wache wird Ihnen helfen."

Sanders sah Branford an. Dieser musste nun eine Entscheidung treffen. Sollte er kooperieren oder nicht?

"Lorwak, bevor wir Ihnen helfen, brauche ich Garantien. Die Garantie, dass Mister Jacobs und Mister Crusher nichts passiert. Und ich muss mit Ornar über eine wichtige Angelegenheit reden. Ist das möglich?"

Lorwak schüttelte den Kopf: "Ausgeschlossen, Captain. Der Kommandant will nicht mit Ihnen sprechen. Und zur ersten Garantie: Ich versichere Ihnen, solange der Doctor arbeitet, wird Ihnen kein Leid zufügt. Aber: Sollte er in einer Woche keinen Erfolg aufweisen können, wird Ornar nach seinem Ermessen fortfahren! Sie können sich innerhalb des Lagers mit Ihren Männern frei bewegen. Sollten Sie jedoch irgendeinen Fluchtversuch unternehmen, werden Sie sterben! Vergessen Sie das nicht!"

Lorwak verließ den Raum und ließ Sanders und Branford zurück.

"Beginnen Sie, Doctor. Sie sind unsere einzige Hoffnung, die Jem´Hadar zur Zusammenarbeit zu bewegen. Ich spreche mit Jacobs und Crusher. Bis später."

"Meinen Sie, der Captain hat Erfolg mit seiner Bitte?"

Crusher blickte nervös im Raum herum. Die Frage von Jacobs hatte ihn aus den Gedanken gerissen.

"Ich weiß nicht, Sam. Wollen wir es hoffen." erwiderte Crusher.

Branford betrat den Raum und begrüßte die Zwei.

"Kommen Sie. Wir dürfen uns im Lager frei bewegen. Sammeln wir ein paar Informationen."

 

Die Zwei folgten Branford. Das Lager wimmelte von bestens ausgerüsteten Kriegern. Aber Branford fiel auf, dass auch viele Familien da waren. Es waren offensichtlich die Angehörigen der Kämpfer.

"Captain, könnte ich vielleicht dem Doctor helfen? Ich habe einige Erfahrung im Bereich der Medizin, besonders der Gentechnik." schlug Jacobs vor.

Branford nickte lächelnd: "Gute Idee, Lieutenant. Gehen Sie nur."

Sein taktischer Offizier ließ seinen Blick kreisen. Die Bewachung war gut, zu gut für vier Offiziere der Sternenflotte.

"Captain, ich habe eine Frage. Ich finde es erstaunlich, dass alle Jem´Hadar dem Kommandanten und Lorwak gefolgt sind. Die können doch unmöglich alle bereit sein, Abtrünnige zu werden."

Der Captain nickte: "Es ist für uns schwer verständlich, Mister Crusher. Aber die Krieger sehen in ihrem Anführer eine unantastbare Gestalt. Sie würden ihm in den Tod folgen. Anders als bei uns sind die Krieger auf ihren Kommandanten vereidigt. Sie gehorchen blindlings. Deswegen stellen sie eine so große Gefahr für die Föderation dar."

 

Branford durchstreifte mit Crusher noch eine Stunde das Lager, dann suchten sie wieder das Labor auf.

Doctor Sanders bereitete gerade eine Testreihe mit Blut eines Jem´Hadar-Kriegers vor. Jacobs assistierte ihm.

"Kommen Sie voran, Doctor?" fragte Branford.

Sanders sah ihn ausdruckslos an: "Nun, ich konnte einige Fortschritte machen. Diese Droge verändert ein bestimmtes Gen so, dass es beinahe unmöglich wird, sie auf herkömmliche Weise zu entwöhnen. Wir müssen eine Weg finden, dieses Gen so zu rekonfigurieren, dass der Suchteffekt aussetzt."

Branford hörte sich eine Weile die Ausführungen des Arztes an, dann war er schlußendlich so erschöpft, dass er einschlief.

 

"Wachen Sie auf!"

Branford wachte erschrocken auf. Es war die Stimme von Lorwak.

"Kommen Sie mit, ich gehe mit einigen anderen auf die Jagd. Wenn Sie möchten, können Sie mitkommen."

Er stand auf und zog seine Uniform zurecht.

"Gerne. Gehen wir gleich?"

Lorwak nickte langsam: "Genau jetzt, Captain."

Branford folgte dem Jem´Hadar nach draußen.

"Aber passen Sie auf, Captain. Sollten Sie einen Fluchtversuch unternehmen, werden Sie sterben. Hier, das ist Ihre Waffe."

Er reichte ihm eine Art Armbrust, die aus einem ihm nicht bekannten Material hergestellt war. Zusätzlich bekam er eine Art Köcher mit cirka zwanzig Pfeilen, die eine Art Stahlspitze hatten.

Zusammen mit drei anderen Jem´Hadar verließen Lorwak und Branford das Lager und gingen in den Wald hinaus. Nach einer Marschzeit von einer Dreiviertelstunde erreichten sie einen Platz, auf dem sie sich auf die Lauer legten.

Es verging über eine weitere Stunde, dann flüsterte Lorwak:

"Sehen Sie, dort auf der Lichtung. Das sind vier Ter´kar."

Branford sah sich die Tiere an. Sie waren Hirschen nicht unähnlich, aber von der Größe her etwa anderthalb mal so groß.

"Und was tun wir jetzt?"

Der Jem´Hadar deutete auf seine Begleiter: "Sie werden von der anderen Seite an die Ter´kar herangehen. Dann greifen wir an."

Die drei Begleiter schlichen um einige Bäume herum und gingen in Position.

"Laden Sie Ihre Waffe, Captain." sagte ihm Lorwak.

Branford zog zwei Pfeile aus dem Köcher und legte sie auf die Doppelarmbrust. Sie besaß ein Zielfernrohr, welches mit einem roten Punkt den optimalen Auffasspunkt zeigte.

"Ich gehe weiter nach vorn. Bleiben Sie hier und halten Sie die Ter´kar erfasst. Ich signalisiere Ihnen, wann es losgeht." bemerkte Lorwak und schlich sich weiter vor.

Branford überlegte. Er könnte Lorwak ohne viel Mühe erledigen. Er hatte ihm den Rücken zugewandt und zwei Pfeile sollten selbst für einen ausgewachsenen Jem´Hadar genügen. Er verwarf den Gedanken. Solch eine Tat würde jede Chance vernichten, die Jem´Hadar als Verbündete gewinnen.

Lorwak legte seine Armbrust an. Dann gab er ein Handzeichen und feuerte. Er erwischte das letzte Tier. Branford feuerte gleichzeitig auf das daneben stehende. Es brach von zwei Pfeilen getroffen zusammen.

Die restlichen Jem´Hadar feuerten, erwischten aber nur ein Tier leicht. Es entkam mit dem anderen.

Lorwak sprang auf und brüllte etwas in einer Sprache, die sein Universalübersetzer nicht verstand. Es war wohl so etwas wie ein Siegesschrei.

Branford stand ebenfalls auf. Er ging zu den zwei Tieren hin. Sie waren beide tot. Lorwak und Branford hatten jeweils einen Blattschuss gelandet.

"Guter Schuss, Lorwak. Ein gute Beute." bemerkte Branford anerkennend.

Der Jem´Hadar blickte ihn an.Plötzlich zeigte er eine Art Lächeln.

"Mein Kompliment, Captain Branford. Sie sind ein guter Jäger."

Branford erwiderte: "Mein Vater hat es mich gelehrt. Ich war erst sieben, da habe ich meinen ersten Hirsch erlegt. Ein Hirsch, das ist ein Tier, etwa wie dieses hier."

Einer ihrer Begleiter grunzte verächtlich: "Der Mensch hat nur Glück gehabt."

Lorwak blickte ihn scharf an: "Behalte deine Meinung für dich! Ihr habt allesamt versagt! Der Mensch ist ein vielfach besserer Jäger als ihr. Nehmt eines der Tiere und kehrt ins Lager zurück!"

Die Drei verließen kleinlaut mit dem einen Tier den Ort. Lorwak und Branford waren alleine.

"Branford, Sie haben mich erstaunt."

Er blickte ihn erstaunt an: "Inwiefern, Lorwak?"

Lorwak deutete auf den Ort,an dem Branford auf der Lauer lag.

"Sie hätten versuchen können, mich zu erschießen und zu entkommen, als ich Ihnen den Rücken zuwandte. Sie taten es nicht."

Branford nickte: "Richtig. Damit würde ich meinen Prinzipien zuwiderhandeln."

Der Jem´Hadar lachte: "Bevor Sie mich erledigt hätten, wären Sie schon tot gewesen. Ich habe Sie immer beobachtet. Auch wenn es nicht danach aussah."

"Ich unterschätze niemals einen Jem´Hadar. Und im besonderen nicht Sie, Lorwak." erwiderte Branford.

Lorwak deutete auf das Tier: "Den bringen wir zusammen ins Lager zurück. Dann wird gefeiert. Sie sind ein würdiger Jagdpartner."

Branford und der Jem´Hadar schleppten gemeinsam das Tier zurück. Offensichtlich hatte er das Gewicht des Tieres grob unterschätzt. Als sie nach eineinhalb Stunden das Lager erreichten, war Branford erschöpft und verschwitzt.

Unverzüglich begannen die Jem´Hadar, das Tier zu häuten und es über einem offenen Feuer zu grillen. Branford wurde an den Platz Lorwaks gebeten und trank mit ihm eine brandyähnliche Flüssigkeit. Danach wurde das Fleisch des Tieres, das ebenfalls sehr wohlschmeckend war, gegessen. Der Captain fühlte sich zum ersten Male im Lager nicht als Gefangener, sondern als Gast.

 

"Auf Impulsgeschwindigkeit heruntergehen, Lieutenant."

Lieutenant Commander Ian Fogarty erhob sich aus dem Kommandosessel und betrachtete den Bildschirm. Er hatte sich exakt an die Anweisungen gehalten und nach zwei Tagen in das Maicon-System zurückgekehrt.

"Sir, ich kann kein Shuttle orten. Offensichtlich sind sie noch auf dem Planeten." meldete Lieutenant Randolph, der taktische Offizier.

Fogarty nickte: "Verstanden. Gehen Sie auf ein Viertel Impulskraft. Wir halten Kurs 231,010."

Eine halbe Stunde passierte absolut nichts. Alle auf der Brücke gingen ihren Tätigkeiten nach. Fogarty sah sich die Sensorenberichte der letzten zwei Stunden an, als McLure aufgeregt meldete: "Commander, ein Schiff nähert sich aus 309,025! Entfernung schnell abnehmend, Phasereichweite in zehn Sekunden erreicht!"

Der 1.Offizier schreckte auf: "Roter Alarm! Lieutenant Unas, bringen Sie uns hier weg! Maximum-Impuls!"

Die Exeter versuchte, dem anfliegenden Schiff zu entkommen, aber es war schon zu dicht bei ihnen.

"Das Schiff gehört zu der Art, die die Defiance zerstört haben! Sie sind uns in der Bewaffnung haushoch überlegen! Das Schiff aktiviert seine Torpedos!" meldete Randolph.

"Nehmen Sie die Schilde hoch! Ausweichmanöver einleiten, Sequenz Delta 4!" befahl Fogarty.

Noch während die Exeter das Ausweichmanöver durchführte, feuerte der Gegner vier Torpedos ab. Sie alle trafen die Exeter und richteten beträchtlichen Schaden an.

"Commander, Schilde sind auf 60% runter! Der Warpantrieb ist wieder ausgefallen, der Impulsantrieb auf 75% vermindert! Wir können so nicht kämpfen!"

Fogarty stimmte seinem Einsatzleiter zu: "Sie haben recht, Fähnrich. Öffnen Sie einen Kanal zu dem Schiff."

McLure meldete: "Sie können sprechen, Sir."

"Hier spricht Lieutenant Commander Ian Fogarty von der U.S.S.Exeter. Wir bitten Sie, das Feuer einzustellen, um uns Ihre Bedingungen mitzuteilen."

McLure sah Fogarty an: "Sir, sie antworten mit einer Textnachricht. Offensichtlich gehört dieses Schiff zu den abtrünnigen Jem´Hadar. Sie fordern uns auf, unsere Schilde und Waffensysteme zu deaktivieren und in einen Orbit um Maicon III einzuschwenken."

Der 1.Offizier nickte: "Bestätigen Sie, Fähnrich. Waffen sowie Schilde abschalten und Standardorbit um Maicon III einnnehmen. Auf gelben Alarm zurückgehen. Wollen wir mal sehen, was passiert." Er drehte sich herum und ging langsamen Schrittes zur Station des taktischen Offiziers.

"Mister Randolph, wieso haben die Sensoren das Schiff nicht gemeldet?" fragte Fogarty. Dann sah er die Antwort. Die Sensorensysteme waren auf Nahbereichsscannung eingestellt. Dieser Modus wurde meistens in Kampfsituationen und ähnlichen Mission benutzt, wo ständig die neue Position eines Objektes festgestellt werden mußte.

"Sie wissen, dass Sie sich da einen enormen Fehler geleistet haben. Das sollte Ihnen nicht wieder passieren." bemerkte Fogarty und ging zum Kommandosessel zurück.

Lara Unas sah ihn an: "Was meinen Sie sollten wir tun, Commander?"

Fogarty schaute vielsagend drein: "Abwarten, Lieutenant."

 

"Ich habe es! Wachen Sie auf, Sam! Los, wachen Sie auf!"

Lieutenant Samuel Jacobs schlug langsam die Augen auf und sah einen Doctor Sanders, der sich wie ein kleines Kind freute.

"Was haben Sie, Doctor?" fragte er brummend.

Sanders strahlte ihn an: "Die Lösung! Sehen Sie, das ist die Substanz, mit der wir die Jem´Hadar von Tetracell-White losbekommen."

Jacobs stand auf: "Und wie haben Sie das geschafft?"

Der Arzt hielt ihm ein Datenpad hin, auf dem eine Genstruktur abgebildet war: "Sobald die Jem´Hadar aufhören, die Droge zu konsumieren, setzt exakt dieses Gen eine Zelle frei, welche die Suchteffekte auslöst. Die hier ist der Antikörper, der diese Zelle aufhält."

"Und wie lange müssen die Jem´Hadar dieses Mittel nehmen? Falls sie es ständig einnehmen müssen, ist es auch nicht viel besser als die Droge. Sie wollten doch unabhängig von jeglichen Mitteln sein." fragte Jacobs skeptisch.

Sanders winkte ab: "Schätzungsweise zwei Wochen. Dann hat sich das Gen sprichwörtlich beruhigt." Er tippte seinen Insignienkommunikator an: "Sanders an Branford."

 

Captain Branford hörte den Ruf und tippte seinen Kommunikator ebenfalls an: "Ja, Doctor? Was gibt es?"

"Captain, ich habe ein Mittel gegen Tetracell-White gefunden. Wir müssen mit Ornar sprechen." erwiderte Sanders.

"Verstanden. Ich versuche mein Möglichstes. Branford Ende."

Er machte sich auf den Weg zu Lorwaks Hütte.

 

Lorwak saß gerade in eine Art Sessel, als Branford hereinkam.

"Was ist mit Ihnen?" fragte er.

Branford strahlte über das ganze Gesicht: "Gute Neuigkeiten, Lorwak. Wir haben vermutlich das Mittel!"

Der Jem´Hadar stand auf: "Kommen Sie, gehen wir zu Ornar."

 

Der Kommandant der Jem'Hadar zeigte sich skeptisch, als Lorwak und Branford von Sander´s Erfolg berichteten.

"Nun wollen Sie, dass ich einen Test an einem meiner Krieger gestatte?"

Lorwak nickte ergeben: "Ja. Ich würde mich freiwillig zur Verfügung stellen, wenn es Ihnen recht ist."

"Ornar, das einzige, was das Mittel anrichten kann, ist, dass es nicht wirkt." fügte Branford hinzu.

Der Anführer nickte mürrisch: "Versuchen Sie es, Lorwak. Ich erwarte Ihren Bericht morgen früh. Sie können gehen."

 

Doctor Frank Sanders hatte gerade die siebte Ampulle mit dem Mittel hergestellt, als Branford und Lorwak hereinkamen.

"Doctor, Sie werden das Mittel an mir ausprobieren. Jetzt gleich."

Sanders sah ihn an. Der Ton in der Stimme des Jem´Hadar ließ keinen Zweifel an der Ernstheit seines Befehls.

"Wie Sie wünschen. Hier, dieses Mittel müssen Sie trinken."

Der Arzt reichte Lorwak eine der Ampullen. Er öffnete sie und trank sie ganz aus. Noch trat keine Wirkung ein.

"Es wird zwei bis drei Stunden dauern, bevor Sie spüren müssten, ob es wirkt. Bleiben Sie bitte in der Nähe." unterrichtete Sanders den Jem´Hadar.

 

Es dauerte vier Stunden, dann war Lorwak wieder da. Sanders vermochte in seinem Gesicht einen Ausdruck von Freude erkennen.

"Es wirkt! Ich habe seit zehn Minuten keine Beschwerden mehr, die Suchteffekte haben ausgesetzt."

Sanders nickte: "Sehr gut. Aber Sie müssen das Mittel noch mindestens zwei weitere Wochen nehmen, bevor Sie darauf verzichten."

"In Ordnung. Ich werde mit dem Kommandanten sprechen. Bereiten Sie das Mittel in größeren Mengen zu." erwiderte Lorwak und verließ den Raum.

 

Die nächsten zwei Tage brachte Sanders damit zu, das Mittel herzustellen und den Jem´Hadar zu verabreichen. Doch der Kommandant Ornar war nach wie vor sehr misstrauisch gegen die Föderation eingestellt. Er erlaubte ihnen zwar, sich auch im Wald frei zu bewegen, aber die Bitte nach einer Hilfe bei der Befreiung von Caridian II lehnte er ab. Branford und seine Begleiter wussten sich keinen Rat mehr.

 

Am zweiten Tag passierte es. Branford und Jacobs waren im Wald unterwegs, sprachen über die Situation. Ein Schrei riss sie aus ihrem Gespräch.

"Hörte sich wie ein Hilfeschrei an, Captain. Sehen wir besser mal nach."

Branford nickte Jacobs zu und die beiden liefen in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war.

Sie erreichten wenig später eine kleinere Lichtung und sahen, wer da in Not war. Ein kleiner Jem´Hadar-Junge wurde von einem cirka 2,50 Meter großen, bärenartig aussehenden Tier verfolgt. Gerade als sie den Schauplatz betraten, schlug das Tier den Jungen zu Boden.

Branford und Jacobs zögerten keinen Augenblick. Sie stürzten sich mit vereinten Kräften auf das Tier. Jacobs nahm sich einen starken Ast und reichte Branford ebenfalls einen. Damit prügelten sie auf das Tier ein. Es wehrte sich blitzschnell und erwischte Jacobs mit seiner Pranke so, dass er zu Boden ging. Er blutete stark an seinem Arm. Branford rammte dem Tier den Ast mehrmals in den Magen und es war deutlich zu sehen, dass es Schmerzen hatte. Dann wich Branford einem Schlag nicht aus und wurde von einer Pranke getroffen. Die Krallen schlitzten seine Uniform am Ärmel auf. Ein brennender Schmerz duchfloss ihn. Jacobs hatte sich wieder aufgerappelt und griff an. Gemeinsam gelang es ihnen, das Tier derartig zu beschäftigen, dass es irgendwann das Interesse verlor und das Weite suchte.

Branford beugte sich zu dem Jungen hinab, dessen Gesicht mit dem grünen Blut der Jem´Hadar verschmiert war. Er hob ihn sanft auf und trug ihn ins Lager zurück.

 

Die Jem´Hadar erkannten den Jungen gleich, als sie ihn sahen. Es war der Sohn von Ornar, aber das war Branford im Moment egal. Er brachte ihn zu Doctor Sanders, welcher ihm helfen konnte. Branford saß neben dem Bett des Jungen und betrachtete ihn. Wie gleich die Rassen doch in ihrer Kindheit sind, dachte er sich. Dieser kleiner Kerl sah in dieser Lage einem menschlichen Jungen nicht unähnlich.

 

Der Kommandant stürmte zur Tür herein. Als er seinen Sohn sah, trat ein trauriger Ausdruck in seine Augen.

"Ornar, Ihr Sohn wird wieder ganz gesund werden. Machen Sie sich keine Sorgen." versuchte Sanders, den Jem´Hadar zu beruhigen.

Der sah auf einmal Branford an: "Wieso haben Sie das getan? Ich meine, dass Sie einem völlig Unbekannten zu helfen."

Branford stand auf und erwiderte: "Ornar, dieser Junge war völlig hilflos und konnte sich nicht alleine gegen das Tier wehren. Wir mussten helfen."

Der Jem´Hadar bekam einen fast freundlichen Gesichtausdruck: "Ich sehe da Gemeinsamkeiten mit Ihrer Situation, Captain. Ich habe beschlossen, dass wir Ihnen helfen werden. Wir helfen, Ihren Planeten zu befreien."

 

Eine Stunde später wurde in Ornars Hauptquartier eine Konferenz abgehalten, bei denen Ornar, Lorwak, Branford, Jacobs und Crusher zugegen waren.

Der Kommandant würde mit seinem Schiff, der Rok Pan, gemeinsam mit der Exeter nach Caridian II fliegen, um alle anwesenden Gegner zu bekämpfen. Da die Rok Pan außerdem über eine komplett ausgerüstete Infanterieeinheit von 600 Mann vefügte, konnte auch die auf Caridian II stationierte Feindtruppe bekämpft werden. Branford war sich nun sicher, dass es ihnen gelingen würde, Caridian II zu befreien.

 

Branford und seine Begleiter erreichten nach einer Stunde Marsch ihr Shuttle. Man hatte ihnen die Kommunikatoren, Tricorder und Phaser zurückgegeben. Jacobs startete mit dem Shuttle unverzüglich und steuerte es aus der Atmosphäre hinaus.

 

"Haydn an Exeter, wir bitten um Landeerlaubnis. Bestätigen."

Auf der Exeter war man überrascht, die vier zu hören. McLure öffnete einen Kanal: "Hier ist die Exeter, Captain. Wir hören Sie deutlich. Landeerlaubnis erteilt."

 

Jacobs setzte das Schiff sicher in der Shuttlerampe auf. Lieutenant Unas erwartete ihn bereits.

Branford lächelte sie an: "Bitte um Erlaubnis an Bord zu kommen."

Sein 2.Offizier strahlte zurück: "Erlaubnis gewährt. Willkommen an Bord, Captain."

"Wir konnten die Jem´Hadar zur Zusammenarbeit bewegen. Ihr Schlachtschiff wird gemeinsam mit uns nach Caridian II fliegen." Er sah an sich herab: "Erstmal besorgen Sie mir eine neue Uniform."

 

Fogarty drehte sich herum und erblickte seinen Captain, der in einer neuen Uniform die Brücke betrat.

"Captain, schön Sie wiederzusehen. Befehle?"

Branford nickte ihm zu: "Freut mich auch, Commander. Ich übernehme das Kommando." Er drehte sich zu Crusher herum, der die taktische Station besetzt hatte: "Mister Crusher, öffnen Sie einen Kanal zu der Rok Pan. Ich will Ornar sprechen."

Auf dem Bildschirm erschien der Kommandant der Jem´Hadar.

"Wir sind bereit, Captain. Geben Sie das Startsignal."

Branford nickte: "Verstanden. Wir setzen Kurs auf Cardian II. Bitte folgen Sie uns in Formation. Branford Ende."

Nachdem die Verbindung beendet war, gab Branford den Startbefehl: "Bringen Sie uns aus dem System. Geschwindigkeit nach Verlassen Warp 8. Kurs auf Caridian II. Beschleunigen."

Die Exeter ging auf Warpgeschwindigkeit und die Rok Pan folgte ihr.

 

Eine Stunde später erreichte die Exeter das äußere Ende des Caridian-Systems.

"Auf Impulskraft gehen, Alarm Gelb. Weitbereichsscan des Systems vornehmen." befahl Branford.

Crusher führte wie befohlen den Scan durch und meldete: "Ich erfasse ein Schiff im Orbit von Caridian II. Laut Computer-Identifizierung ein cardassianisches Schiff. Enhanced-Penetrator-Klasse."

"Danke, Lieutenant. Teilen Sie der Rok Pan diese Information mit. Setzen Sie Kurs auf 183,025. Volle Impulskraft!" befahl Branford.

 

"Captain, der Cardassianer hat uns bemerkt! Sie setzen Kurs in unsere Richtung." meldete Crusher zehn Minuten später.

Branford erhob sich aus dem Kommandosessel: "Schilde aktivieren, Mister Crusher! Legen Sie Kurs an auf 167,010. Geschwindigkeit beibehalten."

Die Rok Pan nahm einen Kurs auf, in der sie und die Exeter den Cardassianer in die Zange nahmen.

"Captain, die Rok Pan feuert auf den Cardassianer!" Kurze Zeit später meldete Jacobs weiter: "Die Schilde des Cardassianer sind auf 60% gefallen. Die Feuerkraft dieses Schlachtschiffes ist beeindruckend!"

Branford sah ausdruckslos drein: "Sicher. Aber wir sind auch noch da, Lieutenant. Phaser aktivieren, Einstellung 75%. Erfassen Sie die Waffen und Maschinen des Gegners!"

Crusher bestätigte: "Aye, Sir. Wir haben Ziel erfasst."

"Feuern Sie die Phaser ab!" befahl Branford.

Der Feuerstoss traf den Kreuzer erheblich. Jacobs führte einen Scan durch und meldete: "Schilde sind weiter gefallen! Sie liegen jetzt bei 45%! Ihr Warpantrieb ist ausgefallen, der Impulsantrieb auf 75% Leistung abgefallen."

Branford sah sich die taktische Situation an und meinte: "Nun, wir können sie kampfunfähig machen. Stellen Sie die Phaser auf 60% und feuern Sie, bis alle Waffen und..."

Jacobs unterbrach ihn: "Sir, die Rok Pan nimmt eine Angriffsposition ein! Sie feuern!"

Das Schlachtschiff feuerte mit seinen gesamten Waffensystemen. Der Cardassianer hatte keine Chance. Er wurde in einem Feuerball vernichtet.

"War das eben wirklich nötig, Captain?" fragte Sandra Galen und sah Branford dabei an.

Der machte eine hilflose Miene: "Das war mir klar, Counselor. Die Jem´Hadar machen keine Gefangenen im Kampf. Sie sind wie Klingonen in Kampfsituationen." Er bedeutete Unas,den Kurs auf Caridian II beizubehalten.

 

"Sir, die Rok Pan nimmt einen Standardorbit ein. Sie beginnen damit, kleinere Schiffe auszusenden." meldete Jacobs.

Branford nickte: "Das sind Landungsfähren. Sie transportieren ihre Infanterieeinheiten und die Fahrzeuge. Wir sollten unseren Teil tun. Lieutenant Unas, schwenken Sie in einen Standardorbit ein. Schilde deaktivieren."

Er stand aus dem Kommandosessel auf und zog seine Uniform zurecht.

"Wir bilden ein Außenteam und versuchen, die Regierung in Sicherheit zu bringen. Ich werde es führen. Lieutenant Unas, Fähnrich McLure und Lieutenant Crusher, sie kommen mit. Nummer 1, sie übernehmen das Kommando."

 

Branford und sein Außenteam materialisierten im Regierungsgebäude von Caridian II. Crusher und seine drei Sicherheitswachen durchsuchten mit gezogenen Phasern die angrenzenden Räume und meldeten anschließend, dass kein Jem´Hadar zu finden sei.

"Captain, ich habe Lebensformen gescannt. Sie befinden sich im Südflügel des Gebäudes." meldete McLure.

Branford deutete auf die Tür: "Kommen sie mit. Phaser auf Betäubung."

 

Das Außenteam ging schnellen Schrittes in den Südflügel. Als sie um eine Ecke bogen, ging eine Wache voraus und vergewisserte sich nicht vorher, ob alles sicher war.

Die Wache stürzte zu Boden, von einem Schuss in die Brust getroffen. Branford riss Lara Unas zu Boden. Gerade noch rechtzeitig, denn ein Schuss fuhr genau über sie hinweg. Branford nahm seinen Phaser und zielte auf einen der zwei Jem´Hadar, die auf dem Flur standen. Sein Schuss traf einen der Jem´Hadar, der daraufhin zu Boden stürzte. McLure hatte sich zu Boden geworfen, um den Schüssen auszuweichen. Der Jem´Hadar legte genau auf ihn an und wollte feuern.

Unas sah es und betäubte ihn mit einem gezielten Schuss.

Lieutenant Crusher war bei der getroffenen Wache und untersuchte ihn. Branford trat hinzu und fragte besorgt: "Lebt er noch?"

Crusher nickte: "Ja, Captain. Wir müssen ihn auf die Exeter bringen." Er tippte seinen Insignienkommunikator an: "Crusher an Exeter, Nottransport! Beamen Sie Fähnrich Holding direkt auf die Krankenstation."

Der junge Mann entmaterialisierte.

Branford sah zu der Tür,die vom Flur abging. Er zielte auf sie und feuerte seinen Phaser ab. Dann öffnete er die Tür.

Im angrenzenden Raum waren drei Männer. Branford ging auf sie zu und begrüßte sie, während er seinen Phaser in die Tasche zurücksteckte.

"Ich bin Captain Branford von der U.S.S. Exeter. Wir bringen Sie in Sicherheit. Kommen Sie."

Der eine Mann, der etwas älter aussah, nickte: "Vielen Dank, Captain. Ich bin Walter Right, der Präsident von Caridian II. Frank van Smeither, mein Stabschef und Garry Bruman, unser Polizeichef."

Branford sah Bruman an: "Mister Bruman, inwiefern ist Ihre Polizeitruppe einsatzbereit?"

Bruman sah pessimistisch drein: "Nun, Caridian II ist eine friedliche Welt. Ich habe 30 Mann, die mit Typ I-Phasern ausgerüstet sind. Sie befinden sich im Polizeipräsidium. Sie werden von sechs Jem´Hadar-Kriegern bewacht."

Branford nickte: "In Ordnung. Lieutenant Unas, Sie bringen Präsident Right und Stabschef van Smeither auf die Exeter. Geben Sie Mister Bruman Ihren Phaser."

Unas nickte, händigte Bruman ihre Waffe aus und beamte mit Right und van Smeither hoch.

"Branford an Exeter, beamen Sie uns auf die Koordinaten des Polizeipräsidiums. Acht Personen. Energie."

 

Das Licht im Polizeipräsidium war gedämpft, die Sicht schlecht. Branford schlich mit dem Außenteam durch die Flure. Sie scannten nach den Jem´Hadar und orteten sie in einem Raum, der wohl der Arrestzellentrakt war. Bruman wies ihnen den Weg. Die Tür war nicht verriegelt. McLure öffnete sie und das Team stürmte mit gezogenen Waffen hinein. Die Jem'Hadar waren zu überrascht, um Gegenwehr zu leisten. Sie wurden allesamt betäubt.

Die Polizisten waren in den Zellen eingesperrt. Während sie befreit wurden, rief Branford Lorwak über Funk.

"Lorwak, wie kommen sie voran?"

Der Jem'Hadar erwiderte: "Gut, Captain. Wir haben schätzungsweise 35% ihrer Einheiten außer Gefecht gesetzt. Wir sollten die Bevölkerung evakuieren."

Branford bestätigte: "Wenn Sie mir hundert Mann als Sicherung zur Verfügung stellen können, dann können wir sofort beginnen."

"Einverstanden. Meine Männer werden die Stadt sichern. Lorwak Ende."

 

Zehn Minuten später konnte Branford die Genauigkeit der Jem´Hadar bestaunen. Sie besetzten alle Zufahrtsstraßen in Windeseile und sicherten so die Evakuierung. Branford ließ alle 30 Mitglieder des Sicherheitskommandos von der Exeter herunterbeamen. In Zusammenarbeit mit den Jem´Hadar gewährleisteten sie den sicheren Abtransport.

Branford sprach mit seinem ersten Offizier: "Nummer 1, wieviele Menschen können wir auffnehmen?"

Fogarty erwiderte: "Sir, ich schätze mal maximal 1200. Mehr können wir beim besten Willen nicht unterbringen."

"Alle Offiziere haben ihre Quartiere zur Verfügung zu stellen und teilen sich eben zu mehreren ein Quartier. Auch mein Quartier wird besetzt. Ich schlafe im Bereitschaftsraum. Veranlassen sie alles.Branford Ende."

 

Branford stand mit Lieutenant Crusher auf der Hauptstraße. Er sah sich die vielen Menschen an, die alle ihre Heimat verlassen mussten.

"All das hier macht mich traurig. Diese vielen Menschen, die hier alles aufgeben müssen. Alles." bemerkte Crusher.

Branford schüttelte den Kopf: "Nicht alles, Lieutenant. Sie haben überlebt, sie haben ihre Familien gerettet. Das ist das Wichtigste."

Der Lieutenant nickte: "Sie mögen recht haben, Captain."

Ein Signal zeigte eine eingehende Nachricht an: "Exeter an Branford, bitte kommen."

Branford tippte seinen Insignienkommunikator an: "Ich höre, Commander. Was gibt es?"

"Captain, die Evakuierung ist zu 70% abgeschlossen. Die Exeter ist voll beladen. Wir konnten 1411 Bewohner unterbringen. Alle Quartiere sind belegt. Die Rok Pan nimmt die restlichen Einwohner auf." meldete Fogarty.

Branford schloss das Gespräch: "Ich habe verstanden, Nummer 1. Branford Ende." Er sah Crusher an: "Kommen Sie, wir treffen Lorwak in zehn Minuten."

 

Der Jem´Hadar stand mit zwei seiner Offiziere um einen Kommandopanzer herum. Er zeigte sich erfreut, Branford zu sehen.

"Gut dass Sie kommen. Wir haben die II.Jetral Cor in die Enge getrieben. Sie haben vor 20 Minuten kapituliert. Wir sind siegreich gewesen!"

Branford lächelte: "Sehr gute Arbeit. Unsere erste Zusammenarbeit war erfolgreich, Lorwak. Ich danke Ihnen."

"Sie haben uns ebenfalls geholfen, Captain. Wir haben ebenfalls zu danken. Sobald die restlichen Einwohner an Bord der Rok Pan sind, können wir abfliegen." erwiderte Lorwak.

Branford nickte: "Wir brechen zu meinem Schiff auf. Leben Sie wohl."

Lorwak hielt ihn zurück: "Bei Ihnen sagt man "Auf Wiedersehen"."

"Ihren Bericht,Commander." ordnete Branford an, als er die Brücke betrat. Der 1.Offizier erhob sich: "Wir haben die Einwohner so gut es geht untergebracht. Wie befohlen wurden alle Offiziersquartiere belegt. Die Offiziere schlafen nun in den Mannschaftsquartieren. Doctor Sanders hat eine zweite Behandlungsstation auf dem Shuttledeck eingerichtet. Alle Mitglieder des Sicherheitsdienstes sind von der Oberfläche zurückgekehrt. Soweit zur Lage."

Branford nickte: "In Ordnung, Commander." Er sah Sandra Galen an: "Counselor, ich möchte Sie gerne in meinen Raum sprechen."

 

Branford setzte sich in seinen Sessel im Bereitschaftsraum: "Ich wollte dich wegen unserer Gäste sprechen. Kümmere dich um sie. Sie sind verängstigt, was verständlich ist. Übernimm das bitte. Wenn wir noch in einen Kampf verwickelt werden, müssen wir größtmögliche Routine bewahren."

Sandra Galen nickte: "In Ordnung. Ich werde tun, was ich kann. Noch etwas?"

Branford schüttelte den Kopf: "Nein." Er stockte: "Sandra, ich danke dir. Ich weiß deine Arbeit zu schätzen."

 

"Captain, die Rok Pan ruft uns. Es ist Lorwak." meldete Crusher.

Branford nickte: "Auf den Schirm, Lieutenant."

Auf dem Bildschirm erschien Lorwak: "Captain, wir haben alle restlichen Bewohner aufgenommen. Alle überlebenden Jem´Hadar der II.Jetral Cor wurden auf Caridian II interniert. Wir sind bereit zu Abflug."

"Verstanden, Lorwak. Wir setzen Kurs auf das Wurmloch. Folgen Sie uns in enger Formation. Branford Ende." Er lehnte sich im Sessel zurück: "Fähnrich Waringthon, setzen Sie Kurs auf das Wurmloch. Warp 8. Beschleunigen Sie."

Die Exeter ging auf Warpgeschwindigkeit. Branford musste gähnen. Er hatte seit über 20 Stunden nicht mehr geschlafen.

"Captain, Sie sollten etwas schlafen. Das wäre das Beste." bemerkte Sandra Galen.

Er blickte sie an und nickte: "Sie haben wohl recht." Er sah sich auf der Brücke um. Außer ihm waren Sandra Galen, Jenny Waringthon, Luke McLure und ein junger Fähnrich der taktischen Sektion auf der Brücke.

"Fähnrich Waringthon!" Die junge Frau drehte sich beim Klang ihres Namens um: "Ja,Captain?"

"Sie haben die Brücke." befahl er und stand auf.

Fähnrich Waringthon nickte: "Zu Befehl, Captain."

 

Branford betrat seinen Bereitschaftsraum. Er sah auf die Couch, wo eine Decke für ihn bereitgelegt war. Er orderte noch einen Kaffee beim Replikator und legte sich dann schlafen.

 

"Captain Branford, bitte kommen Sie auf die Brücke. Wir erreichen in zwanzig Minuten das Wurmloch." erklang die Stimme Fogartys nach vier Stunden.

Branford erhob sich und zog seine Uniform zurecht. Er hatte sich nicht umgezogen und in seiner Uniform geschlafen. Er verließ den Bereitschaftsraum und ging auf die Brücke.

"Captain, wir müssen für den Anflug zum Wurmloch auf Impuls gehen." meldete Jacobs. Branford nickte: "Dann tun Sie das, Lieutenant. Scannen Sie nach feindlichen Schiffen."

Jacobs meldete: "Ich kann zwei Schiffe orten, die das Wurmloch passieren! Da, da sind sie!"

Das Wurmloch öffnete sich und zwei Schiffe flogen in Formation heraus.

"Sir, laut ID-Signal sind es zwei Kreuzer der Nebula-Klasse. Es sind die U.S.S. Phoenix und die U.S.S. Midway." meldete Crusher.

Lieutenant Jacobs empfing einen Funkspruch: "Sir, wir werden gegrüßt. Es ist die Midway."

Auf dem Bildschirm erschien ein Mann mit einer dunkleren Gesichtsfarbe und einem jugendlich wirkenden Gesicht.

"Ich grüße Sie. Mein Name ist Captain Reginald Tallas. Können wir Ihnen helfen?"

Branford stand auf: "Ich bin Captain Christopher Branford. Danke für Ihr Kommen. Bitte sichern Sie uns, während wir in den Alpha-Quadranten zurückkehren. Diese beiden Schiffe transportieren die Einwohner von Caridian II. Die Kolonie wurde von einer Jem´Hadar-Einheit angegriffen. Dank der Hilfe der abtrünnigen Jem´Hadar auf dem anderen Schiff konnten wir die Kolonie retten. Leider sind die U.S.S. Defiance und die U.S.S. Petersburgh bei der Schlacht verloren gegangen."

Tallas nickte: "Vom Verlust der Defiance haben wir gehört. Deswegen sind wir hier. Aber das mit der Petersburgh tut mir leid. Captain, Ihre Leistung ist hoch anzurechnen. Und diesen Jem´Hadar sind wir auch einiges schuldig. Wir werden ihnen den Rücken freihalten, während sie das Wurmloch passieren. Tallas Ende."

Der Bildschirm erlosch.

"Bringen Sie uns nach Hause, Lieutenant Unas. Volle Impulskraft." befahl Branford.

 

Der Durchflug verlief ereignislos. Zurück im Alpha-Quadranten nahmen die Schiffe Kurs auf Bajor, um die Kolonisten abzusetzen. Unter der Aufsicht von Fogarty gingen die Kolonisten von Bord.

Nachdem diese Aktion beendet war, kehrte Branford in sein Quartier zurück. Er musste es erst aufräumen. Dann legte er sich schlafen.

 

"Captain, wir erreichen Deep-Space-Nine in zehn Minuten. Kommen Sie bitte."

Branford folgte der Aufforderung seines 1.Offiziers und trat seinen Dienst an.

Die Raumstation kam in Sichtweite.

"Öffnen Sie einen Kanal, Mister Crusher." ordnete Branford an.

Auf dem Bildschirm erschien der wissenschaftliche Offizier, Jadzia Dax.

"Ich grüße Sie, Commander Dax. Wir bitten um Andockerlaubis." begrüßte Branford den Trill.

Sie lächelte kurz und antwortete: "Schön, Sie gesund wiederzusehen. Sie haben Andockerlaubnis an Pylon 2. Willkommen zu Hause."

Branford nickte: "Ich danke Ihnen im Namen der gesamten Crew. Branford Ende."

Er stand auf: "Nun denn. Langsam voraus. Nur Manöverdüsen."

Die Exeter glitt langsam an den Dockpylon heran. Unas stoppt das Schiff so, dass der Pylon sich über dem Rumpfrücken befand.

"Andocken jetzt, Lieutenant. Systeme auf äußeren Versorgungsmodus. Leiten Sie alle erforderlichen Wartungsarbeiten ein, Mister Jacobs. Vorbereitungen für Deuterium- und Antimaterieübernahme treffen."

Er sah, dass die Rok Pan am unteren Pylon 3 angedockt war.

"Sir, ich habe eine Nachricht. Sie sollen sich sofort bei Admiral Peterson melden." meldete Jacobs.

Branford nickte: "Verstanden. Lieutenant Unas, Sie haben die Brücke."

 

Admiral Peterson sah ausnahmsweise freundlich drein, als Branford ihn sah.

"Captain, ich freue mich. Setzen Sie sich."

Branford nickte: "Danke, Sir. Wir hatten Schwierigkeiten im Gamma-Quadranten. Mein Bericht liegt Ihnen vor."

"So ist es. Allerdings, wieso Admiral Unix diesen aussichtslosen Einsatz befahl, ist mir schleierhaft. Sein Handeln hat der Crew der Petersburgh das Leben gekostet." Er wirkte nachdenklich. "Sie haben sehr gute Arbeit geleistet. Aber was ist mit den Jem´Hadar, die ihnen geholfen haben?"

Branfords Gesicht erhellte sich: "Ich glaube, in diesen Leuten haben wir neue Verbündete gefunden. Und gerade da, wo ich nie welche vermutet hätte. Ohne die Hilfe von Ornar und seinen Truppen wären alle Bewohner von Caridian II gestorben."

Peterson war anscheinend beeindruckt: "Wirklich gute Arbeit. Ich möchte diesen Ornar gerne kennenlernen. Ich werde zu Ihnen an Bord gehen. Und was Sie und Ihre Crew betrifft: Sie haben alle zwei Wochen frei. Das haben Sie sich redlich verdient."

Branford erwiderte: "Admiral, ich möchte Sie um die Erlaubnis bitten, nach Aldeberan III zu fliegen. Die Beisetzung von Commander Darin findet dort statt."

"Natürlich, Captain. Fliegen Sie nur. Und Captain, mein Beileid zu Ihrem Verlust." nickte Peterson verständnisvoll.

 

Branford ging schnellen Schrittes den Korridor entlang, der zur Schleuse führte. Auf dem Weg kamen ihm Commander Coburn und Lieutenant Pizoll entgegen. Er begrüßte sie: "Commander, Lieutenant. Verlassen Sie uns?"

Coburn nickte: "So ist es. Nochmals vielen Dank für Ihre Hilfe. Ohne Sie wären wir verloren gewesen. Ich hoffe, wir sehen uns wieder. Leben Sie wohl."

Pizoll verabschiedete sich ebenfalls sehr herzlich und ging mit Coburn fort.

 

"Lieutenant Jacobs, ich brauche für den Flug nach Aldeberan III eine Notcrew. Sie kann dort Urlaub machen. Sorgen Sie bitte für alles."

Branford blickte seinen Einsatzleiter mehr oder weniger bittend an.

Jacobs wusste um den Grund des Fluges und nickte: "Aye, Sir. Ich fliege mit, Fähnrich Waringthon und Fähnrich Tompson von der taktischen Sektion. Von der restlichen Crew benötigen wir 75 Mann, da wir die Exeter nicht voll automatisieren können."

 

Die Maschinencrew war noch in voller Besetzung an der Arbeit. Lieutenant Commander Cassels, Lieutenant j.g. Austin und Valerie Gansburry standen an der Hauptkonsole.

"Wollen Sie noch länger bleiben, Jake?"

Der Chefingenieur drehte sich zu seinem Captain um: "Nun,es sind noch ein paar Sachen zu erledigen, Captain. Dann werde ich mich auf einen Urlaub auf den klingonischen Heimatplaneten begeben. Ich will meinen Vater besuchen."

Branford ging zu Valerie hin und reichte ihr die Hand: "Von Ihnen wollte ich mich im besonderen verabschieden. Obwohl Ihr Einsatz hier Sie in ein Gefecht geführt hat. Ich hoffe, Sie behalten uns trotzdem in guter Erinnerung."

Die junge Frau lächelte: "Auf alle Fälle, Captain. Diese Erfahrung hier kann mir nur weiterhelfen." Sie lächelte kurz: "Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft bekam ich die Nachricht, dass ich in die Sternenflottenakademie aufgenommen wurde."

Branford lachte: "Meinen herzlichen Glückwunsch! Sie werden ohne Zweifel dort gut zurechtkommen. Viel Erfolg."

 

Branford ging im Bereitschaftsraum noch einige Berichte durch, da ertönte der Türsummer.

"Kommen Sie bitte herein." bat Branford.

Es waren Lieutenant Crusher und Sandra Galen. Sie traten ein und nahmen Platz.

Branford sah sie interessiert an: "Was gibt es denn?"

Sandra Galen erwiderte: "Ich habe gehört, dass Sie nach Aldeberan fliegen. Zu Nella Darins Beisetzung. Wir beide würden Sie gerne begleiten."

"Ich war auch mit Nella befreundet. Wir würden uns geehrt fühlen, sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten." fügte Crusher hinzu.

Branford legte das Datenpad hin und nickte: "Ich danke Ihnen beiden. Ihr Mitgefühl tut mir sehr gut. Sie dürfen mich gerne begleiten."

 

Dreißig Minuten später startete die Exeter und nahm Kurs auf Aldeberan. Jacobs berechnete die Flugzeit auf 7,9 Stunden.

 

Jacobs blickte von seinem Kontrollpult auf: "Captain, wir erreichen das Aldeberan-System."

Branford war in Gedanken versunken, die sich einzig allein um Nella drehten.

"Gehen Sie unter Warp, Fähnrich." befahl er knapp.

Crusher scannte den Planeten und meldete: "Sir, ich orte im Orbit ein Schiff der Sternenflotte: Registernummer NCC 1701-E, U.S.S. Enterprise."

Branford horchte auf. Die "neue" Enterprise war erst vor zwei Monaten in Dienst gestellt worden. Sie war das Ursprungsmodell einer neuen Raumschiffklasse, die noch keine Bezeichnung hatte.

Er nickte: "Grüßen Sie das Schiff, Mister Crusher. In Standardorbit einschwenken."

Waringthon manöverierte die Exeter in einen Umlaufbahn.

"Captain, die Enterprise hat uns mitgeteilt, dass die Beisetzung in einer halben Stunde stattfinden wird." meldete Jacobs.

Branford erhob sich aus dem Kommandosessel: "Ich beame runter. Mister Jacobs, Sie haben die Brücke."

 

Zehn Minuten später hatte er seine Galauniform angezogen und wurde zusammen mit Crusher und Galen nach Aldeberan hinunter gebeamt.

 

Aldeberan war eine spärlich besiedelte Welt. Die Bewohner waren größtenteils über die Weiten des Planeten verstreut. Die drei materialisierten in der Ortschaft Falkirk, in der Nella geboren wurde. Branford sah sich um. Der Friedhof lag unübersehbar am Rande des Dorfes.

"Entschuldigen Sie mich, aber ich möchte etwas alleine sein. Wir sehen uns später." zog sich Branford diskret zurück.

 

Der Friedhof von Falkirk war gesäumt von alten Eichen, die irgendwie bedrohend auf Branford wirkten. Er schritt einen engen Kiesweg zwischen den Gräbern hindurch und dachte an all die vergangenen Zeiten zurück. Er hatte sie geliebt und nun war sie einfach fort. Komisch, dachte er sich, man hat immer noch so viel zu sagen und kann es nicht mehr. Er ging ziellos weiter und dachte über seinen Verlust nach, den härtesten, der ihn wohl je getroffen hatte.

"Captain Branford?" erklang eine sanfte Stimme hinter ihm.

Er wandte sich um und sah einen Mann in einer Sternenflottenuniform, der die Rangabzeichen des Captains trug. Der Offizier brauchte sich nicht vorzustellen, denn jedes Mitglied der Sternenflotte kannte ihn nur zu gut. Es war Captain Jean-Luc Picard, der Captain der U.S.S. Enterprise. Er war die Legende unter den Sternenflotten-Kommandanten.

"Captain Picard, welch eine Ehre. Was kann ich für Sie tun?" meinte Branford.

Der Mann lächelte knapp und erwiderte:"Ich wollte mit Ihnen sprechen."

Branford nickte: "Gerne. Nella hat mir einiges von Ihnen erzählt. Ihr Verlust ist ein großer Verlust für uns alle."

"Ich weiß. Nach ihrer Versetzung von der Enterprise weg habe ich es öfters versucht, die Beziehung aufrecht zu erhalten. Aber es ist mir nicht geglückt. Ich bin sehr froh darüber, dass ich die Gelegenheit habe, Sie kennenzulernen. Somit habe ich wenigstens die Gewissheit, dass sie in guten Händen war." teilte ihm Picard offen mit.

"Ehrlich gesagt, ich kann es noch nicht glauben. Aber ich habe ihren toten Körper in den Händen gehalten. Das war der traurigste Moment in meinem gesamten Leben. Einen Moment, den ich niemand wünsche." lautete Branfords leise Antwort.

Picard sah ihn lange an und sagte: "Erweisen wir Nella die letzte Ehre. Kommen Sie."

 
Ende

 
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