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Serie
Stille Nacht Happy New Year Eine Katastrophe kommt selten allein Happy New Year!© by Lady Charena () und T'Len (), (Sylvester 2001)
"Daddy, wann ist es denn endlich soweit?", erkundigte sich Tommy wohl zum hundertsten Mal an diesem Morgen. Jim strich ihm geistesabwesend übers Haar, was von seinem Sprössling mit einem Naserümpfen quittiert wurde. Seit er von dem Feuerwerk gesprochen hatte, dass es um Mitternacht geben würde, konnte für Tommy die Zeit gar nicht schnell genug vergehen. Jim hatte die ehrenvolle Aufgabe übernommen, für den Sylvesterumtrunk der Erwachsenen eine Bowle und Schnittchen vorzubereiten und brütete nur über diversen Rezepten, um eine Einkaufsliste zu erstellen. Die Zeit drängte, denn die Geschäfte würden am frühen Nachmittag schließen und die Skihütten waren nun einmal nicht mit Replikatoren ausgestattet, was ihm ermöglichen würde, fehlende Zutaten mal eben schnell herzustellen. Ausserdem musste er rechtzeitig wieder zurück sein, um für die Kinder das Mittagessen zu kochen. überhaupt war es gar nicht nett von Spock, ihn wegen einer Jahres-Abschluss-Besprechung an der Akademie mitten im Urlaub einen ganzen Tag alleine mit zwei quengligen Kindern und den Partyvorbereitungen sitzen zu lassen. Wenn nur das Wetter besser wäre... "Um 12.00 Uhr, Schatz. Und jetzt geh' schön spielen." Er hob den Kopf und spähte ins Wohnzimmer. "Sara? Kümmere dich doch mal um deinen kleinen Bruder!" Sara sah seufzend auf. Sie war ganz in das Ausprobieren des tragbaren Computers vertieft, den sie zu Weihnachten bekommen hatte. Nachdem ihr Daddy ihr nach dem Auspacken unbedingt zeigen wollte, wie sie ihn zu bedienen hatte und dabei ganz offensichtlich die Grundeinstellungen veränderte, zeigte das Gerät drei Tage lang die merkwürdigsten Funktionsstörungen. Erst nachdem Spock einen Abend darauf verwendete, das Gerät neu zu überprüfen und fast völlig neu zu programmieren, konnte sie ihn auch benutzen. Und jetzt sollte sie statt dessen mit ihrem kleinen Bruder spielen? Die Welt war einfach ungerecht... "Ja, gleich", rief sie zurück. Tommy verzog den Mund und trottete ins Wohnzimmer. Sara war ja immer noch mit ihrem blöden Computer beschäftigt. Es war ungerecht, dass er keinen bekommen hatte. Sooo klein war er schließlich auch nicht mehr! Er ließ sich in einen Sessel fallen und blätterte durch die Modezeitschriften, die sein Daddy gestern vom Einkaufen mitgebracht hatte. Es war einfach gemein, dass es jetzt regnete. Der ganze schöne Schnee war weggeschmolzen und er konnte noch nicht einmal nach draußen - oder rüber zu ihren Nachbarn, um Mascha und Andrej zu besuchen. Jim erschien an der Tür zum Wohnzimmer. "Ich gehe rasch zum Einkaufen. Ihr beide bleibt schön hier und spielt, okay? Sara, du hast ein Auge auf Tommy. Und wenn etwas ist, dann könnt' ihr euch jederzeit an Onkel Pille wenden." Er zog seine dicke Jacke an und die Mütze über die Ohren. "Eür Vater ist in ein paar Stunden zurück, bis dahin ist das Wohnzimmer aufgeräumt, verstanden?" Er wartete das Nicken seines Nachwuchses ab, dann verließ er das Haus.
"Jim?" Er stoppte, zog den Nacken ein - es regnete immer noch, und es war wirklich ganz schön kalt - und drehte sich um. Angelo kam auf ihn zu. "Gehst du zum Einkaufen?", fragte er atemlos. "Ja. Willst du mitkommen?" Jim wies auf das Aircar, das sie für ihren Aufenthalt hier gemietet hatten. "Scotty wird auch dabei sein. Er sollte eigentlich schon warten, ich habe mich ein wenig verspätet." Der Schotte war allerdings noch nicht in Sicht. "Gerne." Angelo ließ sich ohne weitere Umstände auf den Beifahrersitz gleiten und strich sich das feuchte Haar aus der Stirn. "Es ist super, dass ich dich erwischt habe. Ich muss mir nämlich unbedingt noch ein paar Kracher zulegen. Harry findet es kindisch, aber ich liebe Feuerwerk." Irgendwie machte ihn diese Gemeinsamkeit Jim gleich viel sympathischer. Spock war nämlich auch der Ansicht, dass es sich dabei um unnötige Ausgaben handelte. Aber Jim wollte seinen Kindern doch so gerne zeigen, wie die Menschen früher das neue Jahr begrüssten. Durch den Regen kam eine weitere Gestalt auf sie zugeeilt. Scotty stieg jedoch nicht ein, sondern reichte Jim eine Liste. "Die Zwillinge sind krank und ich will Len nicht mit ihnen alleine lassen. Macht es dir etwas aus, uns die paar Sachen mitzubringen?" Jim warf einen Blick darauf. Paar? Er überflog es rasch, da standen mindestens 20 Sachen. "Na gut", seufzte er. "Was fehlt Scarlett und Duncan denn? Hoffentlich nichts Ernstes?" "Sie haben ein wenig Fieber, aber Len meint, es ist nichts Ernstes. Eine Erkältung - sie haben sich gestern im Regen herumgetrieben. Aber es ist eine Heidenarbeit, sie im Bett zu halten und sie zu beschäftigen." Scotty zog den Kragen seines Regenmantels enger zu. "Es ist wirklich nett von dir, dass du unsere Einkäufe mit erledigst. Bis dann!" Damit wandte er sich ab und eilte in Richtung Scott'scher Skihütte zurück. Angelo nahm Jim die Liste ab. "Wie wäre es, wenn ich das erledige?", schlug er vor. "Als kleines Dankeschön fürs Mitnehmen?" Jim war einen Moment sprachlos, dann lächelte er Angelo an. "Das ist super, danke. Ich fürchte, ich habe mit meinen eigenen Einkäufen bereits genug zu tun." Ja, eindeutig ein sympathischer Mensch... Er startete das Aircar.
* * *
Drei Stunden später betrat Jim mit zwei bis obenhin vollbepackten Tüten das verdächtig stille Haus. "Ich bin wieder da", rief er und schubste die Tür mit dem Fuß zu - und landete beinahe auf seinem Hinterteil, als er auf dem feuchten Fußboden schlidderte. Das Wohnzimmer glich nach wie vor einem Schlachtfeld, wie er nach einem Abstecher in die Küche feststellte. Eine Notiz in Saras Handschrift informierte ihn darüber, dass die beiden bei Mascha und Andrej zum Spielen waren. Nun gut. So hatte er mehr Ruhe, während er die Häppchen und die Bowle für heute abend vorbereitete. Gutgelaunt verstaute er die Feuerwerkskörper auf einem Regal im Wohnzimmer - außer Reichweite von neugierigen Kinderhänden - und legte noch ordentlich Holz in den offenen Kamin nach, damit es schön warm sein würde, wenn die beiden zurückkamen. Während das Nudelwasser kochte (es gab heute das Lieblingsessen von Tommy und Sara - Nudeln mit roter Soße), machte Jim sich daran, die Bowle anzusetzen. Er hatte sich nach einigem hin und her schließlich für eine Pfirsichbowle entschieden. Die Früchte hatte er bereits geputzt und geschnitten und mit Zucker in das Bowlegefäß gegeben, dass er für diesen Anlass extra ausgeliehen hatte. Jetzt stibitzte er sich eine Pfirsichhälfte und steckte sie ganz in den Mund - und verschluckte sich prompt daran - während er sich daran machte, eine Flasche mit Weisswein zu öffnen. Hustend und nach Atem ringend ging er rückwärts und stieß die erste Platte der liebevoll vorbereiteten Häppchen vom Tisch. Vor Schreck ließ er auch noch die Flasche fallen, die auf dem Boden zerschellte. Die Reste des Pfirsichs in seinem Mund verhinderten allerdings, dass der Fluch verständlich über seine Lippen kam. Stöhnend schluckte Jim hastig und machte sich dann daran, die Scherben aufzusammeln und den Boden von den Häppchen zu säubern. Glücklicherweise hatte er eine zweite Flasche Wein mitgebracht, notfalls mussten sie die Bowle etwas mit dem Sekt, den er zum Anstoßen besorgt hatte, strecken. Er goss Wein und eine Flasche Mineralwasser in das Bowlegefäß... Jim kippte die Nudeln in das wildkochende Wasser und öffnete eine Packung mit der fertigen Soße, die er glücklicherweise nur noch warm machen musste. Das ließ ihm gerade genug Zeit, um zu Pavel und Hikaru zu laufen und die Kinder abzuholen. Glücklicherweise hatte es inzwischen aufgehört zu regnen und fünf Minuten später befand sich Jim mit seinen beiden schmollenden Sprösslingen auf dem Rückweg.
Als er eintrat roch es angebrannt. Alarmiert rannte Jim in die Küche, während Sara und Tommy ihre Jacken und Stiefel auszogen. Doch das Nudelwasser war nicht übergelaufen und auch die Sosse blubberte friedlich vor sich hin, ohne angebrannt zu sein. Trotzdem, er roch doch ganz deutlich Rauch? Hinter ihm kamen die Kinder in die Küche. "Daddy, wann ist denn jetzt endlich das Feuerwerk?", quengelte Tommy. "Bald, Tommy, bald." Jim sah ins Wohnzimmer. Er hatte doch keine Kerzen brennen lassen? Nein, eine Kerze war das auch nicht, was da brannte... In diesem Moment explodierte der erste Böller auf dem Regal neben dem offenen Kamin mit einem ohrenbetäubenden Krachen. Eine Rakete zischte funkensprühend durch das Zimmer. Wie erstarrt stand Jim in der Tür. Natürlich hatte der Händler ihn gewarnt, sie nicht zu warm zu lagern. Aber so heiß war es doch hier gar nicht! Heulend zischte eine weitere Rakete durch das Wohnzimmer, einen grellen Funkenschweif hinter sich herziehend. Hinter ihm tauchte Tommy auf und klatschte begeistert in die Hände. "Toll, da ist ja das Feuerwerk", rief er lachend. Das riss Jim aus seiner Schreckstarre. Er schob Tommy beiseite, griff in der Küche nach dem erstbesten Gefäß, dass ihm in die Hände kam und goss dessen Inhalt über die restlichen Raketen auf dem Regal, um sie vor dem Explodieren zu bewahren. Leider hatte es sich bei seinem "Löschwasser" um die Bowle gehandelt. Die Pfirsichstücke machten sich zwischen den durchweichten Feürwerkskörpern wirklich sehr apart aus und tropften dekorativ an der Wand entlang auf den Fußboden. Entsetzt ließ sich Jim in den nächsten Sessel fallen. Das durfte doch alles nicht wahr sein... In diesem Moment kam Sara aus der Küche. "Daddy, die Nudeln kochen über." Jim sprang fluchend auf. Na, das war ja ein guter Start in ein neues Jahr...
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