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Unberührbar© by Birgitt ()
Unfair. Gemein. Gefährlich. Gemeingefährlich.
Methos hakte ab, gedanklich. Methos schaltete ab, gedanklich. Überließ seinem Körper die Führung, ließ seinen Instinkten freien Lauf.
Und MacLeod? Er stank. Methos konnte ihn riechen, aber das hielt ihn nicht ab, im Gegenteil. Es zog ihn an. Der scharfe Geruch vor allen Dingen, aber auch der Anblick. Dieses leichte Zittern war die perfekte Ergänzung für die Empfindung Angst, zusammen mit den weit aufgerissenen Augen, dunkel, fast schwarz, anscheinend unfähig, sich zu schließen. Sich zu verschließen vor dem, was kommen könnte. Würde. Unausweichlich. Aber das war genau der Punkt, nicht wahr? MacLeod hatte begriffen, viel eher als er selbst, wohin dies steuerte... Wenn er - Methos - es wollte. Denn bis hierhin war MacLeod für ihn nur eins gewesen: unberührbar. Es paßte nicht, dieses Bild. Noch nicht? Methos mußte nur die Hand ausstrecken; er wußte, sobald seine Fingerspitzen die nackte schwitzende Haut auch nur leicht touchierten, wäre es vollbracht, und es gäbe kein Zurück mehr. Doch noch konnte er nicht. Die Anziehung war noch nicht stark genug, um die Blockade zu überwinden. Sie war nicht nur in seinem Kopf; seinen Geist konnte er leicht kontrollieren, ignorieren. Es war einfach in ihm, dieses Zögern.
Methos trat ein paar Schritte zurück, um die Szene noch einmal zu betrachten. Doch in der Sekunde, in der er sich regte, zuckte es in MacLeods Gesicht, die Muskeln spannten sich an, wie er es schon so oft gesehen hatte, wenn er MacLeod im Kampf beobachtet hatte. Auch wenn dies jetzt eher eine Vorbereitung für die Flucht als für den Angriff war. Genau das war es. Noch nichts in ihm hatte sich an den Gedanken gewöhnt, daß MacLeod, der Kämpfer und Krieger, Angst in einer Situation zeigte, die eigentlich seine Wut anstacheln müßte, Widerspruch und Widerstand erzeugen müßte. Und doch war davon nichts zu sehen. Lediglich Angst und Erschrecken und gespannte Erwartung. Methos konnte glauben, daß MacLeod nicht erst bei seinem Eintreffen, nicht erst in dem Augenblick, als MacLeod seinen Buzz wahrgenommen hatte, diese äußere und vor allem innere Haltung angenommen hatte. Dazu war die Spannung im Zimmer, die Luft, der Geruch bereits zu intensiv gewesen, als Methos ins Zimmer getreten war. MacLeod, nackt bis auf eine Rüschenschürze, hatte angstvoll seine Ankunft erwartet. Die Ankunft seines Herrn und Gebieters. Methos ignorierte die Verspannung in MacLeod und umrundete die Gestalt, langsam; langsam, um alle Einzelheiten des Bildes in sich aufzunehmen, des Bildes, das sich ihm hier bot, anbot, um genau zu sein. Er ließ Anblick, Geruch und das flache rasche Atmen auf sich wirken, um in Stimmung zu kommen. Er befahl seinen Händen sich zu entspannen, denn er hatte diese unwillkürlich zu Fäusten geballt, als er ins Zimmer getreten war; die Nägel hatten sich in die Ballen gegraben, und jetzt, wo er die Finger streckte, übernahm sein Quickening die Heilung der kleinen Wunden, vertrieb nicht nur die Spuren seiner ersten Reaktion, sondern auch den leichten Schmerz, den sie hervorriefen. Unwillkürlich hob er den Kopf noch etwas mehr an, genoß die Besonderheit seiner Art. Machte sich klar, welche Möglichkeiten diese Besonderheit ihm eröffnete. Ihm und MacLeod. Er spreizte die Finger, nahm die Schultern zurück, richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Hielt inne, im Rücken von MacLeod. Forderte ihn durch sein Warten zu einer Reaktion heraus. Doch Mut gesellte sich zur Angst, kämpfte sich an die Oberfläche. MacLeod änderte seine Haltung nicht. Nicht einmal seine Atmung. Methos trat einen Schritt auf MacLeod zu, hörbar. Doch da MacLeod bereits auf dem Sprung war... Keine Reaktion. Es war keine mehr nötig. Alle Karten lagen offen auf dem Tisch, es ging nur noch um seinen Einsatz. MacLeod hatte bereits signalisiert, daß er jeden Preis akzeptieren würde. Gleichzeitig mit dem letzten Aufflackern des Quickenings berührte Methos die rechte Schulter MacLeods, nur leicht, als fürchte er eine Explosion. Doch MacLeod ließ nur den Kopf etwas sinken, um Sekunden später seinen Nacken wieder zu straffen. Ohne die Hand zurückzunehmen, ging Methos weiter um MacLeod herum, bis er ihm gegenüber stand. War es so einfach? War der Weg vom unnachgiebigen Kämpfer zum opferbereiten Untergebenen so kurz und gerade, wie MacLeod ihn für sie beide geebnet hatte? War die Frage schon die Lösung?
Er zog seine Hand nach vorn, über MacLeods schweißnasse Haut, führte die Finger zum Mund und schmeckte die Feuchtigkeit, die die Kuppen bedeckte. Nein, ganz und gar nicht unberührbar. Nicht für ihn. MacLeod war sein, wann immer er es wollte. Er überkreuzte die Arme und zog sich den Sweater über den Kopf, warf ihn Richtung Couch, ließ dann die Arme an die Seiten sinken. MacLeod stieß einen kurzen, unverständlichen Laut aus, seine Rechte schoß nach vorne und im letztmöglichen Augenblick vor dem Kontakt sprang Methos zurück, blockte MacLeods Hand mit dem Unterarm ab. Er starrte MacLeod wütend an, und MacLeod ließ seinen Kopf sinken, bis das Kinn fast die Brust berührte. Methos sog scharf die Luft ein; dies war es, was die ganze Zeit gefehlt hatte. Eine kleine Geste. Das einzig Unberührbare in diesem Moment jenseits aller Zeiten war nun Methos selbst. Er konnte gehen; er konnte bleiben. Es machte keinen Unterschied. Es machte ihn frei. Was immer auch geschah, MacLeod war sein. Ein letzter Atemzug, bevor Methos mit dem linken Hand zum Schlag ausholte. Einem Schlag, von dem er jetzt noch nicht wußte, ob er ihn jemals ausführen würde.
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