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(T)Raumschiff - Adventskalender

© by Lady Charena (), 2002

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
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1. Dez.: Auf den Hund gekommen

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n und Mr. Schpuck:
"Fernsehabend an Bord des Schiffes...

 

"Ja mei", seufzte Käpt'n Kork zufrieden und nahm noch einen Schluck von der Diätcola. "Der Film ist doch immer wieder schön. Findets ihr des nicht auch?" Und griff nach der Chipstüte.

"Ich würd' aber lieber im Ersten Titanic sehn", maulte Schrotty. "Einer meiner Vorfahren hat da mitgebaut."

Verächtlich rümpfte Mr. Schpuck die Nase. "Im Dritten kommt der Beauty-Ratgeber, von dem verpasse ich keine Folge. Heute geht es darum, wie man Nagelfeilen richtig pflegt und außerdem kommen die neuesten Schönheitstipps." Er tippte nachdrücklich mit der Spitze seiner Nagelfeile auf die vor ihm liegende Programmzeitschrift.

"Kuck' lieber nach, wann im Vierten die Schwarzwaldklinik läuft", brummte Die Pille, die bis eben noch selig vor sich hingeschnarcht hatte und nun von dem Gezanke aufgewacht war. "Man lernt schließlich als Arzt nie aus."

"Nichts da! Seid's ihr noch ganz dicht?" Kork schnappte sich die Fernbedienung. "Ich will im Zweiten Lassie sehn. Und ich bin der Käpt'n. Basta."

"Aber den haben wir doch schon hundert Mal angesehen", maulte Mr. Schpuck.

"Der ist doch viel zu traurig", wandte Schrotty ein.

"Bin ich etwa Tierarzt?", knurrte Die Pille. "Gib' mir mal die Chips."

"Pah, wenn ihr alle nur was zu meckern habt, dann gucke ich halt in meiner Kabine Lassie." Kork stand auf, wischte sich die Chipsbrösel von der Hose und ging. Oder wollte gehen, denn nach zwei Schritten fiel ihm ein, dass er in seiner Kabine ja überhaupt keinen Fernseher hatte. Den hatte der letzte Käpt'n mitgehen lassen und bisher hatte das Budget keinen neuen hergegeben. Er wandte sich um und setzte sich wieder in seinen Stuhl.

"Na gut, ich bleibe. Aber unter Protest. Jemand muss ja schließlich aufpassen, dass nicht wieder einer von euch beim Shoppingkanal landet und die Kreditkarte zum Glühen bringt." Er entriss seinem Bordarzt die Chipstüte. "Ihr wisst, was das letzte Mal passiert beinahe ist. Noch eine singende Klobrille lässt uns das Oberkommando nicht durchgehen."

 

Er wurde allgemein ignoriert, weil zwischen den drei anderen inzwischen ein Streit über das Programm ausgebrochen war. Dem Käpt'n war das aber ganz recht. Er nahm die Fernbedienung und schaltete um. Lassie hatte gerade angefangen. "Ach ja", seufzte er. "So ein Hundchen hätte ich auch gerne."

 

* * *
 

Einige Tage später:

 

Schrotty kam auf die Brücke gestürzt. "Käpt'n, Käpt'n, gerade hat jemand ein Paket für dich hergebeamt. Und da kommen so komische Geräusche raus."

"Komische Geräusche?", fragte Kork. "Keine Ahnung." Er gähnte. "Lass' es einfach stehen, wo es ist."

"Willst du es nicht auspacken?", fragte Schpuck von seiner Station her neugierig. "Vielleicht ist es was Wichtiges."

"Es ist ein Paket und kein Telegramm", brummelte Die Pille, damit beschäftigt, aus ein paar Zungenspateln und etwas Gips eine schneebedeckte Skihütte zu bauen.

"Ach nö, das eilt sicher nicht", meinte Kork und streckte sich. Dann stand er auf. "Tja, ich bin müde, es war ein langer Tag - ich werde dann mal ins Bett gehen." Er marschierte schnurstracks und ganz munter in den Lift. "Und das ihr mir fei ja schön brav seids", sagte er gerade noch, bevor sich die Lifttüren schlossen.

 

"Hey, es ist aber doch erst vier Uhr nachmittags. So früh ist er noch nie ins Bett", stellte Mr. Schpuck nach einem Blick auf die Uhr fest. "Vielleicht ist ihm schlecht?"

"Vielleicht ist er krank?", mutmaßte Schrotty.

"Vielleicht ist er schwanger", bemerkte Die Pille beißend.

"Ui, echt? Von wem?", fragte Schrotty staunend.

Die Pille ignorierte ihn. "Das ist doch alles Quatsch. Er will uns nicht dabei haben, wenn er das Paket auspackt, das ist alles." Er sprang auf. "Alle Mann mir nach!" Und marschierte zum Lift. Die beiden anderen folgten ihm natürlich.

"Allemann?", fragte Schrotty. "Ich wusste gar nicht, dass hier jemand arbeitet, der so heißt. Ich kenne nur einen Alexand..."

Mr. Schpuck packte ihn am Arm und zog ihn in letzter Sekunde in die Liftkabine.

 

"Pscht, jetzt ganz leise", wandte Die Pille, als der Lift hielt und die drei Männer ausstiegen. "Sonst hört er uns."

Lautlos - oder fast, denn als Die Pille vor der Tür zum Transporterraum etwas zu plötzlich anhielt, stoppte auch der hinter ihm gehende Schpuck - und Schrotty lief auf ihn auf. Fluchend rieb er sich die Nase.

"Pscht!!!", zischte Die Pille.

Schrotty fluchte schweigend. Schließlich drängte er sich vor und stieß Mr. Schpuck beiseite, um auch einmal in den Transporterraum zu spähen - die Tür stand einen Spalt breit offen. Leider konnte er nicht mehr erkennen, als Korks Rücken. Nun kann der zwar bekanntlich auch entzücken, aber wenn man so neugierig war, ist freie Sicht noch viel entzückender. Der Käpt'n kniete vor dem Paket - und schien mit ihm zu sprechen. Schrotty spitzte die Ohren.

"Ist ja gut, mein Kleiner", hörte er Kork murmeln. "Du darfst ja gleich raus."

Die Pille tippte ihm auf die Schulter. "Und?"

"Ich kann nichts sehen", flüsterte Schrotty ohne den Blick abzuwenden. "Aber in dem Paket ist irgend etwas drin, dass er gleich rauslassen will. Er spricht mit ihm."

Die Pille und Mr. Schpuck blickten sich ratlos an und zuckten beide mit den Schulter.

 

Inzwischen sprach Kork weiter mit dem unsichtbaren Paketinhalt. "Dann kriegst du ein feines Fressi-Fressi."

"Es scheint etwas zum Essen zu sein", übersetzte Schrotty, der natürlich nur die Hälfte mitbekam.

"Vielleicht eine Käsesahnetorte?", freute sich Mr. Schpuck.

"Quatsch", beschied Die Pille. "Torten kann man doch nicht als Paket verschicken."

"Und Gassi gehen wir dann auch", fuhr drinnen Kork fort.

"Gassi-gehen will er", soufflierte Schrotty.

"Gassi?", echote Mr. Schpuck.

"Gassi!" Die Pille stieß Schrotty zur Seite. "Lass' mich mal sehen. Der Käpt'n wird sich doch keinen Hund gekauft haben?"

Er konnte nichts genau erkennen, denn Kork kniete noch immer vor dem Paket und Schrotty drängelte von links genauso wie Schpuck von rechts. "Jetzt gebt's doch amal Ruhe", zischte er. Zu spät. Einen Augenblick später purzelten alle drei in den Transporterraum, als Schrotty versehentlich den Öffnungsmechanismus berührte.

 

Kork fuhr herum. Auf seinem Arm saß ein kleiner, weißer Hund mit vielen, noch viel kleineren, schwarzen Punkten überall. Der wedelte begeistert mit dem Schwanz, hüpfte von Korks Arm, bevor der Käpt'n sich versah und stürzte sich begeistert auf seine neuen Spielkameraden. Kork schüttelte verschnupft den Kopf. "Also Geschmack hat das Zamperl keinen. Und außerdem sah er im Fernsehen irgendwie größer aus. Ich glaub' ich muss gleich amal bei diesem Shoppingsender anrufen. Vielleicht kann ich ihn umtauschen..."
 
Ende

 


 

02. Dez.: cooking for friends

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"An die Töpfe, schwingt den Löffel - Liebe geht schließlich durch den Magen. Oder heißt das... schlägt auf den Magen?"

 

"Also irgendwie is des heut wieder verdammt fad", seufzte Käpt'n Kork und rutschte unruhig in seinem Kommandosessel umher. "Gibt's denn überhaupt nix Neues?"

"Und wenn du noch hundertmal fragst - nein." Mr. Schpuck blickte nur flüchtig von seiner Zeitschrift auf. "Nicht mal ne' Staumeldung ist heute reingekommen."

Seufzend schlug Kork das andere Bein über, stützte den Arm auf und legte das Kinn in die Handfläche. "Mir is aber langweilig."

"Dann mach halt a Kreuzworträtsel."

Bevor dem Käpt'n eine passende Antwort einfiel, ertönte plötzlich ein schrilles Piepen. Mr. Schpuck warf vor Schreck seine Zeitschrift im hohen Bogen weg und schlug dann mit der flachen Hand auf einen blinkenden Schalter. Das Piepen verstummte.

"Ja, was war jetzt des?", fragte Kork sofort.

"Nix", entgegnete Mr. Schpuck und holte sich seine Zeitschrift wieder.

"Aber da war doch was", bohrte der Käpt'n weiter.

"Nein", beharrte Mr. Schpuck. "Da war überhaupt nix."

 

Kork stand auf und schlenderte betont beiläufig zur wissenschaftlichen Station, um Schpuck über die Schulter zu spähen. Nicht, dass ihm das irgendwie weiterhalf. Da blinkte es hier und dort, doch was die vielen bunten Lichtlein zu bedeuten hatten, blieb ihm verschlossen. "Jetzt sag' schon", drängelte er. "Da war doch was."

Seufzend ließ Schpuck seine Zeitschrift sinken. "Es war die Mikrowelle", gab er zu.

"Mikrowelle?", fragte Kork ungläubig. "Seit wann haben wir so was auf der Brücke?"

"Schrotty hat sie neulich eingebaut, als du nicht da warst." Schpuck machte Anstalten, sich wieder in seine Lektüre zu vertiefen.

"Warum erfahr' ich so was eigentlich nicht?", empörte sich der Käpt'n.

"Na, weil du sonst den ganzen Tag vor der Mikrowelle hängst - verfressen wie du bist."

Sprachlos - nur einen Moment lang natürlich - stemmte Kork die Hände in die Hüften. "Was soll das heißen? Ich bin verfressen?"

"Is doch so. Das Märchen mit der eingelaufenen Uniform kannst du deiner Großmutter erzählen."

"Ha-ha, da spricht der Richtige", höhnte der Käpt'n. "Mir ist aber zum Beispiel noch nie beim Schwimmen die Badehose geplatzt."

 

"Tag Leute, wie geht's, wie steht's?" Schrotty kam wieder mal genau im richtigen Moment, bevor es zu einer Streiterei kommen konnte. "Ist schon Zeit für's zweite Frühstück?" Mit dieser eher harmlosen Bemerkung lenkte er jedoch nur den Zorn seines Käpt'ns auf sich.

"Da ham wir ja den zweiten Vielfraß", meinte Kork säuerlich. "Was fällt euch eigentlich ein, eine Mikrowelle einzubauen, ohne mir Bescheid zu sag'n? Das ist doch wohl die Höhe."

Seufzend verdrehte Schrotty die Augen. "Mei, bist du heute wieder empfindlich. Schon mal was von Überraschung, Überraschung, Käpt'n gehört? "Das Magazin für den Sternenflotten-Ingenieur von heute." Da stand das als Tipp drin und wir wollten dich damit überraschen."

"Ehrlich?", fragte Kork.

"Ehrlich", entgegneten Schrotty und Mr. Schpuck unisono und im Brustton der Überzeugung - und wechselten einen leidenden Blick...

"Na, wenn des so ist." Ein freudiges Lächeln erschien auf Korks Gesicht. "Das ist aber wirklich nett von euch."

"Ich hab' auch schon was für uns gekocht, du kannst gerne mal probieren." Schrotty zog eine Klappe auf, hinter der sich die Mikrowelle verbarg und zog einen Teller heraus. Darauf lagen zwei Scheiben Toast, bedeckt mit einer braunen Masse in der kleine Würfelchen zu entdecken waren, ähnlich wie... Gulasch. In der Mitte lag jeweils eine Cocktailkirsche.

"Was ist das?", fragte Kork und beäugte das ganze misstrauisch. Es roch ja nicht schlecht, aber wie das aussah.

"Toast Hawaii", meinte Schrotty stolz.

"Den hatte ich aber anders in Erinnerung", zweifelte der Käpt'n.

"Na ja, ich habe ihn ohne Ananas gemacht, weil ich die nicht mag", erklärte Schrotty.

"Trotzdem", beharrte Kork. "Es fehlt doch was."

"Es ist kein Schinken drauf, weil Schpucki den nicht mag", fuhr Schrotty fort. Zögernd nahm der Käpt'n einen der Toasts in die Hand und schnupperte daran. Wie gesagt, es roch wirklich gut.

"Und der Käse fehlt auch, weil wir den beide nicht mögen." Schrotty sprach unbeirrt weiter. "Aber dafür habe ich die Kirschen aufgetrieben. War gar nicht so einfach."

"Und was is jetzt eigentlich auf dem Toast?", erkundigte sich Kork und fischte die Kirsche herunter, um sie - unauffällig - unter Schpucks Konsole plumpsen zu lassen.

"Ich weiß nicht", meinte Schrotty mit einem Achselzucken.

"Was heißt, du weißt nicht?" Kork stoppte den Toast mitten auf dem Weg zum Mund - er hatte sich eben zum ersten Bissen durchgerungen, denn es roch gar zu verführerisch.

"Na keine Ahnung eben. Es stammt aus einer Dose."

"Oh, gut." Kork biss endlich ab, kaute zunächst vorsichtig, dann mit zunehmender Begeisterung. Er vertilgte den ersten Toast und schnappte sich auch den zweiten. Erst, als er den auch bereits fast zur Hälfte verschlungen hatte, fiel ihm etwas ein. "Stand auf der Dose nicht drauf, was es ist?"

Schrotty blickte melancholisch auf den nun leeren Teller. Schpuck beschäftigte sich eingehend mit seinen Fingernägeln und schmollte, weil Kork hinter ihr Geheimnis gekommen war. "Ich weiß nicht", meinte der Ingenieur. "Ich habe sie bei unserem letzten Landurlaub gekauft. Da war so ein alter Mann mit zwei süßen Hundchen, der tat mir so leid, da habe ich ihm eine abgekauft, obwohl ich die Aufschrift nicht lesen konnte."

Korks Begeisterung ließ merklich nach. "Du meinst, du hast keine Ahnung, was ich da gegessen habe?" Er wurde etwas blass um die Nase. "Und wenn es nun giftig ist?"

"Das glaube ich nicht", meinte Schrotty achselzuckend. "Die Hunde des Alten haben es ja auch gefressen und die waren putzmunter."

Kork wurde noch ein wenig blasser. Schwer ging er zu seinem Kommandostuhl und ließ sich in ihn plumpsen. "Mir is aber plötzlich gar nimmer gut...", klagte er.

"Soll ich Die Pille rufen?", erkundigte sich Schrotty hilfsbereit. "Aber ich glaube nicht, dass es an meinem Essen liegt. Du solltest nur mal das süße Hündchen auf dem Etikett sehen..."

Kork sprang auf und stürmte, die Hand auf den Mund gepresst, in den Lift.

Kopfschüttelnd sahen ihm die beiden anderen nach. "Also, das war auch das letzte Mal, dass ich den probieren lasse, was ich gekocht habe", bemerkte Schrotty säuerlich.
 
Ende

 


 

03. Dez.: Die Qual der Wahl

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Wer die Wahl hat, hat die Qual - und über Geschmack soll man ja bekanntlich nicht streiten..."

 

"Ich hab' Neuigkeiten, Kinder." Käpt'n Kork kam auf die Brücke und musterte seine Mannschaft. Schrotty und Schpuck fuhren auseinander, sie hatten eben noch angestrengt miteinander getuschelt und blickten ihn neugierig an.

"Eine Nachricht vom Hauptquartier." Kork wedelte mit einem Blatt Papier.

"Ich war's nicht!", kam es wie aus einem Mund von den beiden anderen.

"Was?", fragte Kork verdattert.

"Ich bin nicht schuld", kam es sofort von Mr. Schpuck.

"Aber ich, was?", empörte sich Schrotty.

"Um was geht's hier eigentlich?", fragte Kork leicht genervt.

"Na, um den Strafzettel, oder?", erkundigte Schrotty.

"STRAFZETTEL?", brüllte Kork los. "Was habe ich euch nach dem letzten gesagt? Ihr zahlt den nächsten von euerem Taschengeld."

"Aber auf keinen Fall ohne eine vorherige Erhöhung", flocht Mr. Schpuck rasch ein. "Sonst reicht's wieder nicht fürs Haarspray."

"Wofür war der überhaupt schon wieder?", hakte Kork nach.

"Schrotty hat wieder mal falsch geparkt", petzte Schpuck.

"Aber wenn ich doch gar nicht Schuld war", verteidigte sich Schrotty. "Dieser Eisverkäufer hat den einzigen Parkplatz blockiert."

"Okay", brachte sich Kork wieder in Erinnerung. "Okay, verschieben wir das auf später. Jetzt sind erst mal meine Neuigkeiten dran." Er wedelte wieder mit seinem Zettel. "Wir bekommen neue Uniformen, na, was sagt ihr dazu?"

"Na, ich weiß net", monierte Schpuck. "Und wenn das Zeugs dann wieder so kratzt, wie damals die neue Unterwäsche? Oder...", fügte er mit einem Seitenblick auf Kork hinzu, "...beim ersten Waschen einläuft, wie die letzten Uniformen vom Käpt'n."

"Das Beste kommt erst noch", fuhr Kork fort, ohne die Sticheleien zu bemerken. "Wir sollen Vorschläge einreichen, wie sie aussehen sollen."

"Vorschläge?" Schrotty grinste. "Hey cool, dann will ich eine Uniform mit vielen Taschen für mein Spiel... ähem... Werkzeug."

"Das Hauptquartier hat ein Formular mitgeschickt, auf dem wir alles eintragen sollen. Okay, ich schreib viele Taschen auf." Kork fummelte mit dem Kugelschreiber. "Dieses Mistding funktioniert schon wieder nicht", murmelte er genervt.

"Und welche Farbe?", warf Mr. Schpuck ein. "Die Farbe ist viel wichtiger, als deine dämlichen Taschen. Ich brauch' lediglich ein Täschchen für meine Nagelfeile."

"Also ich wäre für schickes, schlichtes Gold", meinte Kork.

"Argh! Auf keinen Fall, ich will doch nicht wie ein Goldfisch aussehen", plusterte sich Schrotty auf. "Ne, ich stimme für ein elegantes Schottenkaro. Am besten fände ich es sowieso, wenn wir Schottenröcke tragen würden, wie in meiner Heimat." Er blickte seine beiden Kameraden zweifelnd an. "Okay, vielleicht besser keine Röcke."

"Also ich wäre ja für ein dezentes Pink", widersprach Schpuck. "Am besten mit putzigen weißen Tupfen."

"Pink?" Kork runzelte nachdenklich die Stirn und kritzelte ein Strichmännchen auf den Rand des Formulars. "Ich weiß nicht, ich finde, das macht so dick um die Taille."

"Pink?" Schrotty kratzte sich am Kopf. "Geh', da seh' ich ja aus wie ein Ferkelchen."

"Bäh! Dann wirst's schon auch eins sein", maulte Schpuck gekränkt.

Schrotty wollte etwas darauf antworten, wurde aber vom Rattern des Faxgerätes hinter sich unterbrochen. Kork schnappte sich das Papier noch vor seinem Chefingenieur und überflog es rasch, vor sich hin brummelnd.

"Welche Farbe denn nun?", quengelte Schrotty.

"Das hat sich erledigt", meinte Kork. "Es gibt keine neuen Uniformen, das Budget ist aufgebraucht." Er blickte auf. "Zu viele Strafzettel in diesem Quartal."

Schrotty und Schpuck blickten sich an.
 
Ende

 


 

04. Dez.: In der Weihnachtsbäckerei

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Backe, backe, Plätzchen. Der Käpt'n ist ein Schätzchen. Wer will feine Plätzchen backen, der muss ein fleißig Helferlein haben..."

 

"Wo ist das Mehl?" Schrotty stürmte auf die Brücke.

"Mehl?" Drei Augenpaare musterten ihn erstaunt.

"Klar." Schrotty kam neugierig näher. "Ich bin beim Backen. Was macht'n ihr da?", fragte er und blickte über die Schulter des Käpt'ns.

"Nicht kiebitzen!", murrte der und drehte seine Karten weg. "Wir spielen Raumschiff-Quartett."

"Oach, toll. Darf ich mitspielen?" Schrotty schob sich hinter Mr. Schpuck, der natürlich ebenfalls sofort seine Karten umdrehte und ihm einen giftigen Blick zuwarf. Beleidigt wich Schrotty einen Schritt zurück. "Bäh, oller Spielverderber!", maulte er. Über die Schulter der Pille zu blicken, versuchte er gar nicht erst, da der Arzt schon vorsorglich die Hand über seine Karten gelegt hatte.

"Vielleicht beim nächsten Spiel", beschwichtigte Kork rasch. "Was machtst'n du mit dem Mehl?"

"Den Maschinenraum auf weiße Weihnacht' trimmen, was denkst du denn?", kam es von Schrotty sarkastisch zurück. "Plätzchen backen, natürlich. Schließlich muss man ja langsam damit anfangen."

"Du kannst Plätzchen backen?", fragte Schpuck ungläubig.

Schrotty zuckte mit den Schultern. "Ich hab als Kind immer mit meiner Mom gebacken. Sie hat immer so richtig schön altmodisches Weihnachten mit uns gefeiert."

Kork, der wieder mal am Verlieren war, witterte Morgenluft, eine weitere Niederlage abzuwenden. Er warf seine Karten auf den Tisch, der im Zentrum der Brücke platziert war. "Hmh, Mutti hat mich immer aus der Küche geworfen, wenn sie gebacken hat. Sie meinte, ich würde eh nur alles durcheinander bringen."

"Das kann ich mir ja gut vorstellen", bemerkte Die Pille spitz.

"Okay", sagte Schrotty. "Ich stör' dann mal nicht länger. Das Mehl werd' ich schon irgendwo auftreiben." Ihm schwante nämlich allmählich, was der verzückt-nostalgische Ausdruck auf dem Gesicht seines Käpt'ns bedeutete. Er ging langsam rückwärts, auf den Lift zu.

"Hey, warte!" Kork sprang auf. "Ich komme mit", rief er - sehr zu Schrottys Unglück und zum Erstaunen der beiden anderen, die seinen Abgang mit offenem Mund betrachteten.

 

* * *
 

Seufzend saß Schrotty auf dem Fußboden und stützte den Kopf in beide Hände. Rund um ihn zeigte sich ein wahres Chaos. Mehlspuren auf dem Boden der Kantine, Teigreste pappten auf allen ebenen Flächen. Auf einer Ablage qualmten still zwei Blech voll kohlraben-schwarzer Plätzchen vor sich hin - vermutlich kein großer Verlust, denn Schrotty hatte zuvor schon gefunden, dass der von Kork "fachmännisch" abgeschmeckte Teig ein merkwürdiges... Aroma... aufgewiesen hatte.

Ein paar Schritte von ihm entfernt, verzierte der Käpt'n gerade - fröhlich vor sich hinsummend - ein weiteres Blech voll Weihnachtsplätzchen mit rosa Zuckerguss und Liebesperlen. "Das macht wirklich Spaß", erklärte er strahlend. "Ich fühle mich wieder wie ein Kind." Als keine Antwort kam, reckte er den Kopf nach Schrotty. "Hey, du wirst doch nicht noch wegen des Missverständnisses mit dem Walkholz sauer sein?", fragte er mit einem Stirnrunzeln. "Aber du musst doch wirklich zugeben, dass es gewisse Ähnlichkeit mit einem Di..."

"Schon gut, ich hab's ja verstanden." Schrotty winkte ab. Nochmal ließ er sich nicht auf eine ermüdende Diskussion über die Ähnlichkeit eines gewissen Küchenutensils mit einem gewissen Spielzeug ein. Er massierte seine Schläfen. Kopfschmerzen kündigten sich an. Und er wusste jetzt auch ganz genau, warum Mrs. Kork ihren Sprössling immer aus der Küche verbannt hatte... Das war ja nicht auszuhalten. Wozu gehört dies? Mir ist schlecht... Wozu gehört das? Wie geht dies? Habe ich das nicht toll gemacht? Das schmeckt gut. Woher sollte ich wissen, dass man keinen Pfeffer an Pfefferkuchenteig tut?

 

"Ich finde, das sollten wir jetzt jedes Jahr machen, am besten alle zusammen. Das macht wirklich Spaß", drang Korks Stimme in seine Gedanken.

Schrotty stöhnte auf und verfluchte stumm seine Ideen...
 
Ende

 


 

05. Dez.: Besuch auf dem Traumschiff, Teil 1

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Gastfreundschaft ist bekanntlich eine Tugend. Aber was passiert, wenn dieser Gast eine uns wohlbekannte Nervensäge ist? ..."

 

"Weißt du des Neueste schon?", fragte Käpt'n Kork. "Wir bekommen Besuch."

"Ich hoffe bloß, es ist nicht wieder deine Mutti", ließ sich Mr. Schpuck sofort hören. Er wandte sich dem Käpt'n zu. "Des kann man ja nicht mitanhören, dieses Mutti hier und Mutti da."

"Ich weiß überhaupt nicht, was du gegen Mutti hast. Ich dachte, du fandst sie nett." Kork blickte beleidigt drein. "Außerdem ist es nicht Mutti, die kommt, sondern irgendso ein junger Wissenschaftler."

"Ach ne, sag bloß, wir bekommen an Lehrling?"

Interessiert unterbrach Mr. Schpuck das Studium seiner Frisur im Spiegel. "Ich finde, so einer fehlt uns schon lange."

"Pah!", winkte Kork ab. "Zum Kaffee holen können wir Schrotty schicken. Ich weiß überhaupt net, was des soll. Immer diese fremden Leut' an Bord. Man kommt ja zu nix mehr."

"Apropos Kaffee holen. Is net langsam wieder mal Zeit für eine Pause, mein Käpt'n?"

"Schaden könnt's freilich nix." Kork zielte sorgfältig und drückte auf einen Schalter in der Armlehne seines Kommandostuhles. Rauschend begann es auf dem großen Bildschirm zu flimmern.

"Nein", seufzte Schpuck. "Das war wieder mal der Fernseh-Schalter."

"Wenn die Schalter auch ständig anderswo sind. Immer diese Umbauten", grummelte Kork und drückte erneut. Das Flimmern auf dem Bildschirm erlosch. Er wählte einen anderen Schalter aus. "Brücke an Schrotty?"

"Hier Schrotty. Was gibt's, Käpt'n?", kam es aus dem Lautsprecher.

Kork warf einen triumphierenden Blick zu Schpuck. "Sei doch so nett und bring' uns rasch an Kaffee und zwei Stückerl Kuchen aus der Kantine, Schrotty."

"Warum eigentlich immer ich?", maulte der Ingenieur. "Bin ich hier das Dienstmädchen?"

"Weil du viel näher an der Kantine bist und weil ich der Käpt'n bin und dir's sage. Brücke Ende." Befriedigt drückte er wieder auf einen Schalter - und ein schrilles Rückkopplungsgeräusch kam aus den Lautsprechern. Hektisch und mit hochrotem Gesicht hämmerte Kork auf den Schaltern herum, bis es verstummte. "Mei, so was kann jedem mal passieren", sagte er und schoss einen giftigen Blick in Richtung des leise kichernden Mr. Schpuck.

 

"Hab' ich da was von Kaffee gehört?", erklang es hinter ihm. Die Pille trat aus dem Lift. Wie immer genau zur rechten Zeit. "Ihr wißt schon, dass des überhaupt nicht gut für euren Blutdruck ist."

Kork drehte sich in seinem Sessel nach ihm um. "Weißt du schon das Neueste?", entgegnete er. "Wir bekommen Besuch."

Der Arzt seufzte. "Hoffentlich nicht wieder deine Mutti. Mir reichts noch vom letzten Mal, als sie mir alle deine Kinderkrankheiten aufgezählt hat." Er ahmte die Stimme von Mrs. Kork nach. "Mein armer Kleiner hatte alles: venusische Mumps, Mars-Masern, Windpocken vom Pluto und mit Fünf bekam er dann eine wirklich schlimme Windelallergie. Ich musste ihm den Popo jeden Tag..."

"Es ist nicht meine Mutti", unterbrach ihn ein gekränkter Kork rasch, bevor noch mehr peinliche Enthüllungen einem interessiert lauschenden Mr. Schpuck zu Ohren kamen. "Du hast vielleicht eine Auffassung von Schweigepflicht."

"Wir bekommen einen Lehrling", warf Schpuck ein. "Einen jungen Wissenschaftler."

"Na so was", wunderte sich Die Pille. "Gibt's die heutzutage noch?"

"Is ja prima", ließ sich Schrotty vernehmen, der gerade mit einem Tablett aus dem Lift trat. "Dann kann der ja in Zukunft Kaffee holen."

"Für die faulen Witze is der Käpt'n zuständig", entgegnete Mr. Schpuck, als er sich eine Tasse vom Tablett nahm, das ihm Schrotty hinhielt. "So was kann man doch keinen Lehrling nicht machen lassen. Wann kommt der überhaupt?"

Kork zuckte mit den Schultern. "Irgendwann heute", murmelte er um den Kuchenbissen in seinem Mund herum.

Die Pille schnappte Schrotty grinsend das dritte (und letzte) Stück Kuchen weg, worauf sich der schmollend in eine Ecke verzog.

 

Plötzlich ging eine gewaltige Erschütterung durch das Schiff. Schpuck verschüttete den Kaffee über seine Hose, Kork hüpfte der letzte Bissen Käse-Sahne von der Gabel und fiel auf den Boden und Die Pille landete gar unsanft auf seinen vier... beziehungsweise fünf Buchstaben.

"Des war jetzt aber ein Rumsen." Kork blickte wehmütig dem Kuchen nach. "Was is'n los?"

"Meine Hose ist ru-i-niert!", klagte Mr. Schpuck.

"Von mir spricht natürlich keiner." Die Pille rappelte sich grummelnd hoch und rieb sich den Hosenboden.

"Offensichtlich ist uns einer hinten reingefahren, Käpt'n", meldete Schrotty aufgeregt. "Ich bekomme gerade eine Nachricht rein."

Und in diesem Moment flackerte der Bildschirm auf, dann erschien das erstaunte Gesicht eines jungen Mannes, dominiert von überdimensionalen Brillengläsern. "War ich das etwa?", fragte er entsetzt.
 
Fortsetzung am 07.Dez.

 


 

06. Dez.: Ni(c)k-o-laus

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Es herrscht allerortens Feiertagslaune an Bord des Schiffes..."

 

Die Lifttüren öffneten sich und Käpt'n Kork fiel auf die Brücke. Das lag nicht etwa an einer plötzlichen Schwankung der künstlichen Schwerkraft im Bereich des Brückensegments, auch kein Angriff der Klingonen - noch der von der letzten Adventsfeier übriggebliebene Punsch, den es zum Mittagessen gegeben hatte - trug Schuld daran: er stolperte schlicht über seinen Mantelsaum.

"Himmel, Ar...chitektur und kein Regenschirm!" Fluchend rappelte sich der Käpt'n auf und schob seine rote Bommelmütze aus dem Gesicht. "So ein Mist, jetzt ist die ganze schöne Überraschung futsch."

 

Mr. Schpuck, Die Pille und Schrotty blickten ihn entgeistert an.

"Gibst du hier in deinem Gartenzwergkostüm vielleicht eine Sondervorstellung der Sieben Zwerge?", fragte schließlich Die Pille sarkatisch. "Oder muss ich deine Trollwutimpfung auffrischen?" Er lachte meckernd.

Mr. Schpuck runzelte die Stirn. "Hoffentlich ist das kein B-S-W!"

"B-S-W?", erkundigte sich Schrotty. "Du meinst sicher B-S-E."

"Nein, B-S-W", beharrte Schpuck. "Besonders-Schwerer-Wichtelwahn."

"Die Diagnosen stell' hier immer noch ich, dass des klar ist!", knurrte Die Pille dazwischen.

"RUHE!!!", donnerte Kork, dem die Spekulatius... äh... Spekulationen jetzt doch zu bunt wurden. Er rappelte sich auf und sein Gesicht war mindestens so rot, wie seine Mütze. Oder sein Mantel. Er sammelte Sack und Rute auf und warf sie in den Kommandosessel.

"Ihr habt gebrüllt, mein Käpt'n?", fragte Mr. Schpuck ausgesprochen höflich.

"Seit wann trägst du eigentlich einen Bart?", erkundigte sich Die Pille interessiert. "Du solltest ihn allerdings gelegentlich sauber machen, ich kann bis hierher die Plätzchenkrümel sehn."

Kork lief noch ein wenig dunkler an. "Das sind Knäckebrotkrümel, wenn da überhaupt welche sind", behauptete er und wischte hastig an seinem Bartungetüm.

"Da fällt mir ein, meine Mama hat mir ein Päckchen mit Plätzchen für unsere Weihnachtsfeier geschickt", warf Schrotty ein. "Ich hatte es im Turnraum versteckt, weil da ja eh keiner von euch auftaucht. Aber als ich gestern abend nachsehen wollt', war's weg. Hat einer von euch eine Ahnung, wer's genommen hat?" Er blickte alle der Reihe nach an.

"Ich war nicht turnen", meinte Mr. Schpuck und tätschelte seine Hüften. "Des hab' ich bei meiner Figur nicht nötig."

"Und ich mag keine Plätzchen", knurrte Die Pille. "Davon krieg' ich Kopfweh."

"Ha!", schrie Schpuck plötzlich auf. "Du warst doch gestern abend in der Turnhalle, mein Käpt'n - ich hab dich gesehn."

"War ich nicht!", verteidigte sich Kork. "Außerdem hört mir hier vielleicht endlich mal einer zu? Was ist heute für ein Tag?"

Die Pille verdrehte die Augen zur Decke. "Früher Morgen und schon so besoffen", murmelte er. "Freitag natürlich."

"Freitag?", wiederholte Mr. Schpuck. "Ich muss heut' unbedingt noch zum Frisör." Er zückte den Spiegel und zupfte an seinen Haaren. "Morgen hab' ich nämlich eine wichtige Verabredung."

"Ich dachte, du gehst nicht mehr zu Blind Dates?", stichelte Schrotty.

"Ihr sollt mir gefälligst zuhören!", donnerte Kork dazwischen. "Heute ist Nikolaus. Na, fällt euch dazu nichts ein?" Er warf sich in Pose, zupfte Kostüm und Bart zurecht.

"Nikolaus isst heute?", überlegte Mr. Schpuck laut. "Ich kenn' niemanden, der so heißt." Er klappte den Spiegel zu. "Und ich würd' auch keinem raten, hier was zu essen..."

"Nicht isst - ist", verbesserte Kork.

"Ich bin mit einem Nick O'Laus in den Kindergarten gegangen", sinnierte Die Pille. "Den meinst du nicht zufällig?"

Kapt'n Kork blickte ihn nur vernichtend an.

"Ist das nicht der Typ mit dem Bart, dem Sack und der Rute?", fragte Schrotty.

"Genau." Erleichtert atmete Kork auf.

"Der Türsteher von der Venus-Bar auf 11 Novelis 12? Ich wusst ja gar nicht, dass du den auch kennst."

"Ich kenne auch keinen Türsteher einer Transvestitenbar - und außerdem ist die auf 12 Novelis 12. Auf 11 Novalis 12 gibts keine Bars, sondern nur Nagelpflegestudios." Kork klang definitiv beleidigt.

"Und woher weißt du dann von der Venus-Bar?", fragte Die Pille lauernd.

"Ja mei, ich wollt mir halt die Nägel machen lassen und hab mich a bisserl verlaufn..." Verlegen kratzte sich Kork am Kopf. "Aber jetzt lenkt nicht dauernd ab. Heute ist Nikolaus. Ich habe ein Geschenk im Sack" ...das aufkommende Kichern ignorierte er... "und ihr kriegt es nicht, bevor ich nicht mindestens ein Gedicht gehört habe."

"Müde bin ich, geh zur Ruh, mir fallen schon die Äuglein zu. Bin noch klein und ganz brav. Der Käpt'n ist groß und schnarcht wie ein Schaf", kam es wie aus der Pistole geschossen von Mr. Schpuck.

"So ein Gedicht meinte ich nicht", beschied Kork. "Außerdem schnarche ich nicht. Dafür hast du dir die Rute verdient."

"Ach ne - nicht heute. Ich hab' keine Lust", maulte Schpuck. "Ich könnt' mir einen Fingernagel dabei einreißen."

"Gedichte sind was für Mädchen", grummelte Die Pille.

"Ein Gedicht..." Schrotty kramte in seiner Hosentasche. "Ich hätte einen Dichtungsring, geht der auch?"

"EINEN DICHTUNGSRING???", fragten die anderen drei im Chor. "Woher?"

"Ja", meinte Schrotty. "Der hing irgendwo so an einer Leitung im Maschinenraum rum. Ist doch nicht so wichtig."

 

Seufzend ließ sich Kork in seinen Kommandostuhl fallen - und fuhr wie von der Tarantel gestochen sofort wieder auf. Er hatte Sack und Rute ganz vergessen. Wütend schleuderte er die Rute auf den Boden und rieb sich den Hintern.

"Wo ist jetzt das Geschenk?", meinte Mr. Schpuck. "Immerhin wusste ich ein Gedicht." Er angelte den Sack vom Stuhl und spähte hinein. "Was ist das denn?" Er zog mit spitzen Fingern ein zylinderisches rot-silbernes Objekt hervor. Als er es vorsichtig schüttelte, klapperte es im Inneren. "Scheint kaputt zu sein", diagnostizierte er fachmännisch.

Käpt'n Kork riss es ihm aus der Hand. "Natürlich ist ein Schokoladen-Nikolaus nicht dazu gedacht, dass man darauf sitzt", erklärte er erbost. "Jetzt is er hin."

 
Ende

 
Nachtrag: Da Schrotty den Dichtring von der Wasserzuleitung für die Waschmaschine entfernt hatte und Freitags immer großer Waschtag ist, dauerte es zwei Tage, bis der Maschinenraum wieder trocken war..."
 


 

07. Dez.: Besuch auf dem Traumschiff, Teil 2

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Chaos - du hast einen Namen..."

 

"Es tut mir wirklich außerordentlich leid." Der Besucher entschuldigte sich nun mehr zum dritten Mal. "Ich hoffe, der Schaden ist nicht zu groß? Aber ich bin ja gut versichert. Hehe, hehe, hehe. Das war ein toller Einstand, nicht? Hehe, hehe, hehe" Er lachte - und grunzte. Und lachte.

Kork blickte ihn irritiert an. Was für einen komischen Vogel hatten sie da an Bord genommen? Diese unmöglichen Schuhe, die viel zu kurzen Hosen - von Hosenträgern gehalten, was ja so was von out war - und ein weißer Kittel darüber. Weißkittelsyndrom, was? Ein Möchtegern-Herr-Doktor wohl. Ganz zu schweigen von diesem Riesending von Brille, das ihm ständig davon zu rutschen drohte. Kork beschloss fast sofort, den Neuen nicht zu mögen. "Äh..."

 

Schrotty stürmte auf die Brücke und unterbrach ihn. Er hatte den Schaden begutachtete, nachdem er den Neuen an Bord gebeamt hatte. "Die ganze Stoßstange ist verbeult", klagte er. "Die is hin. Ich kann sie glatt wegschmeißen."

"Das ist schon die dritte in diesem Jahr." Kork schüttelte betrübt den Kopf. "Des gibt wieder an schönen Anschiss vom Hauptquartier, wo's Budget doch eh so knapp ist." Er blickte seinen Ingenieur an. "Schrotty - sei' doch so nett und bring unseren Gast in seine Kabine."

 

Als die beiden im Lift verschwunden waren, wandte sich Mr. Schpuck an seinen Käpt'n. "Sag' mal, wie lange will der hier bleiben?"

"Mindestens drei Wochen", seufzte Kork. "Und das werden drei sehr lange Wochen werden, dass kann ich dir sagen..."

 

* * *
 

Es war noch sehr früh am nächsten Morgen, als Mr. Schpuck schlaftrunken auf die Brücke schlurfte. Er gähnte und kratzte sich am Kopf. Normalerweise stand er nicht so früh auf, aber heute kam ein Interview mit einem seiner Lieblingssoapstars im Frühstücksfernsehen und der Videorekorder hatte unlängst den Geist aufgegeben. Auf ungeklärte Weise waren Kekskrümel in das Gerät gelangt. Plötzlich stoppte er, rieb sich die Augen und sah dann noch einmal ungläubig zu seiner Station. "Heilige Makrele!", murmelte er. "Was ist denn hier passiert?" Die Konsole war geöffnet, überall lagen Kabel und andere Bauteile auf dem Boden. "Ich glaub' mich knutscht ein Elch."

In diesem Moment öffneten sich die Lifttüren und ihr Gast spazierte fröhlich pfeifend auf die Brücke. "Guten Morgen, Mr. Schpuck", meinte er freundlich. Er hielt einen großen Schraubenschlüssel in der Hand, den er betont lässig hin- und herschlenkerte.

"Was soll das denn?", fragte Schpuck irritiert. "Was ist mit meiner Station passiert?"

"Ach, ich dachte nur, ich nehme ein paar Verbesserungen vor", erklärte der junge Wissenschaftler. "Es war ja alles voll Krümel." Er schob seine Brille hoch, machte einen Schritt, stolperte und landete so unglücklich auf dem Boden, dass der Schraubenschlüssel quer über die Brücke flog.

Schpuck kicherte hämisch - allerdings nicht lange, als der Schraubenschlüssel mit einem ohrenbetäubenden Klirren im Bildschirm des großen Fernsehers landete.

"War ich das etwa?", fragte hinter ihm verblüfft der Wissenschaftler.

Mr. Schpuck ging fassungslos auf den Fernseher zu. "Das ist doch... das ist doch...", mehr brachte er geschockt nicht hervor. "Der Fernseher..." Langsam fiel er vor dem qualmenden Gerät auf die Knie. "Scheiße."

 

* * *
 

Wenig später hatten sich auch die anderen auf der Brücke versammelt. Die verbeulte Stoßstange war eine Sache gewesen, der kaputte Fernseher dagegen empörte alle ohne Ausnahme. Unberührt von dem ganzen Aufruhr blieb nur der Schuldige, der fröhlich pfeifend in der Konsole kramte.

 

"Ne, echt, das darf doch nicht wahr sein. Wie soll ich jetzt die Schwarzwaldklinik sehen?", grollte die Pille.

"Und ich meine Lieblingssoap?" Schpuck fächelte sich Luft zu. Er war noch immer ganz blass und lehnte schwer gegen den Sessel des Käpt'ns. Von so einem Schock erholte man sich schließlich nicht so schnell.

Schrotty seufzte nur vorwurfsvoll.

"Das heißt, ich kann mir Lassie heute abend abschminken", murmelte Käpt'n Kork düster. Er stemmte sich aus seinem Sessel hoch. "Jetzt ist Schluss, ich schmeiß' ihn aus dem nächsten Luftschacht." Er trat zu ihrem Gast und tippte ihm auf die Schulter. Erschrocken drehte der sich um und schlug Kork glatt nieder.

"War ich das etwa?", fragte er verblüfft.

"Sieg durch k.o.", bemerkte Die Pille sarkastisch, bevor er sich zu seinem Patienten begab.

 

* * *
 

Stöhnend richtete sich Kork auf und hielt sich den Kopf. Er blinzelte. "Wo ist er, dieser Urkel, dieser Unglücksrabe?" Er versuchte, sich aufzurappeln.

"Schrotty hat ihn weggesperrt, bis wir ihn loswerden können", informierte ihn Die Pille. "Liegenbleiben!"

Seufzend fiel Kork zurück. Eine große, hässliche Beule prangte auf seiner Stirn. "Sag' ihm, er soll abschließen und den Schlüssel wegschmeißen."


 
Ende

 


 

08. Dez.: Alles Banane?

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Ja, ja - das Leben ist schon hart und ungerecht. In einer perfekten Welt wären Schokoküsse und Käse-Sahne-Torten nämlich Schlankheitsmittel..."

 

Die Pille starrte brummelnd auf den Bildschirm des Med-Trikorders. "Also Jungs, es ist ein eindeutiges Ergebnis - ihr seids zu fett. " Diese unverblümte Bemerkung rief natürlich Empörung bei seinen beiden Patienten hervor.

"Des kann überhaupt net sein", protestierte Mr. Schpuck. "Ich hab seit der letzten Untersuchung höchstens ein oder zwei Gramm zugenommen."

"Und ich bin jeden Tag in der Turnhalle", warf Käpt'n Kork ein.

"Ja, weil in der Umkleidekabine ein Süßigkeitenautomat steht", raunzte Die Pille grimmig.

Kork verzog beleidigt den Mund, schwieg aber wohlweislich. Mr. Schpuck versuchte auf das Display des Trikorders zu linsen, doch Die Pille zog das Gerät rasch weg und klappte die Anzeige nach unten. "Des hilft alles nix, es is wieder mal eine Diät fällig." Das Aufstöhnen seiner Patienten überhörte er. "Ich werd' euch gleich mal was Hübsches raussuchen."

"Kann ich dann so lange wieder auf die Brücke?" Kork hatte es schrecklich eilig, die Krankenstation zu verlassen.

"Ich auch? Außerdem muss ich mal für kleine Raumschiffkä..." - ein giftiger Blick von Kork ließ Schpuck mitten im Wort abbrechen - "ähem... Wissenschaftsoffiziere."

"Gut, verschwindets alle beide." Die Pille sah ihnen nach, als sie die Krankenstation verließen, als wäre eine Horde rigellanische Falsche-Kuschelhäschen hinter ihnen her. (Harmlos erscheinend, handelte es sich dabei um fürchterliche, blutrünstige Parasiten, die ihr Opfer so lange herzten und mit ihm kuschelten, bis dem sprichwörtlich die Luft wegblieb.) Seufzend zog Die Pille eine Schublade auf und nahm einen Stapel Frauenzeitschriften heraus. In einer von ihnen ließ sich doch sicherlich eine Diät finden. Ohne gute Fachliteratur kam heutzutage eben kein Mediziner mehr aus.

 

"Mein Käpt'n - denkst du, Die Pille hat das mit der Diät ernst gemeint?", fragte Mr. Schpuck einige Minuten später auf der Brücke.

Kork nickte traurig. "Ich glaub' schon." Er seufzte. "Ich seh schlimme Zeiten auf uns zukommen. Wenn er bloß net wieder den Schrotty dazu überredet, alle Süßigkeitenautomaten außer Funktion zu setzen. Man braucht ja ab und zu auch mal was für die Nerven. Und ich komm' einfach nicht dahinter, wie man diesen saublöden Kaugummi wieder aus dem Münzschlitz bringt."

Mr. Schpuck nickte zustimmend. "Das letzte Mal hab ich mir doch glatt einen Fingernagel eingerissen, als ich versucht hab, von unten reinzufassen."

Sie verfielen für eine Weile in bedauerndes Schweigen.

 

"Hoffentlich ist's nicht wieder so eine Eiweißdiät. Austern mochte ich noch nie und ich kann heut noch kein gekochtes Ei sehn", sinnierte Kork schließlich.

"Oder eine Ananas-Diät. Ich hab überall Pusteln bekommen." Mr. Schpuck schüttelte sich bei der bloßen Erinnerung.

"Und weißt du noch, als er mit dieser komischen Kur ankam... ich komm' jetzt net auf den Namen... bei der's nix zum Essen, aber dafür Wein und Schnaps zu trinken gab? Er hat alles allein getrunken und danach einen solchen Kater, dass er glatt vergessen hatte, dass wir auf Diät waren." Kork grinste.

Mr. Schpuck verzog den Mund. "Des war ja gar nix gegen die Saft-Diät, die er uns voriges Jahr verordnet hat", wandte er ein. "Ich brauch ein Glas Orangensaft nur ansehen und schon hab ich Magenkrämpfe."

"Oder..."

Doch in diesem Moment öffnete sich die Tür des Turbolifts und Die Pille kam auf die Brücke. "Ich habe die ideale Diät für euch", verkündete er, die Hände hinter dem Rücken versteckt. "Einfach, gesund und wohlschmeckend."

"Und das wäre?", fragte Käpt'n Kork misstrauisch.

"Eine Bananendiät. Zwei Wochen lang gibt's nichts als Bananen für euch." Die Pille zog die Hände hinter dem Rücken hervor und hielt ihnen grinsend zwei Bananen hin. "Und hier ist schon mal euer Mittagessen."

 

* * *
 

Drei Tage später:

 

"Na Leute, alles Banane?", fragte Schrotty fröhlich, als er auf die Brücke trat. Und er hatte nur ein paar Sekunden lang Zeit, sich zu wundern, was er falsches gesagt hatte, als der Käpt'n und Mr. Schpuck sich wütend fluchend auf ihn stürzten.
 
Ende

 


 

09. Dez.: Der grüne Daumen

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Jeder braucht ein Hobby..."

 

"Ich möchte nur wissen, was er die ganze Zeit da drin treibt", murmelte Mr. Schpuck, als er Schrotty hinterher blickte, der eben im Hangardeck verschwand und dabei die Tür sehr sorgfältig hinter sich schloss. "Immer diese Geheimniskrämerei, ts, als wäre er was Bedeutendes." Dann zupfte er seine Uniform zurecht und schlenderte langsam Richtung Brücke. Aber die Neugier ließ ihm keine Ruhe und als er wenig später an seiner Station saß, grübelte er immer noch darüber nach.

 

"Sag' amal, hast du ein Problem mit den Ohren?"

Schpuck schrak zusammen, als sein Käpt'n ihn so plötzlich ansprach. "Muss' des jetzt wieder sein, dass du mi so erschreckst?", zeterte er.

"Was is', ein schlechtes Gewissen, oder was?", spottete Kork. "Du wirst doch net auf deine alten Tage schreckhaft werden."

"Man, bist du heute wieder witzig." Verächtlich winkte Schpuck ab. "Ich war in Gedanken."

Kork schwang sich auf den Rand der wissenschaftlichen Konsole. "Was gibt's?", fragte er neugierig

. "Is dir am Schrotty nix aufgfallen?"

"Ne", meinte Kork nach kurzem Überlegen. "Hat er ne neue Frisur?"

"Pah!" Schpuck wischte das beiseite. "Ich mein', dass er immer so geheimnisvoll tut."

"Ach so." Kork zuckte mit den Schultern. "Er hat halt wieder mal ein neues Hobby."

"Ja, aber was treibt er im Hangardeck?" Schpuck gestikulierte wild mit der inzwischen gezückten Nagelfeile. "Es zerreißt mich noch vor Neugier."

"Eh, warum gehn wir nicht einfach nachgucken?" Unternehmungslustig schwang sich Kork wieder von der Konsole und zupfte seine Uniform zurecht. "Na los! Komm schon, du Trantüte."

 

Und so machten sich die beiden auf kürzestem Weg zum Hangardeck. An einer Biegung des Korridors direkt vor dem Eingang hielten sie tuschelnd inne.

"Und was jetzt?", fragte Schpuck. "Gehn wir einfach rein?"

"Klar, warum nicht?`" Kork bog um die Ecke, wurde aber von seinem Ersten Offizier zurückgehalten.

"Und wenn das irgendwie gefährlich ist?", fragte Schpuck. "Erinner' dich ans letzte Mal, als er an einem neuen Ofen für die Kantine bastelte und das Ding beim ersten Testlauf explodierte."

"Er hat versprochen, keine gefährlichen Experimente mehr zu machen." Kork zog seinen Ersten hinter sich her und drückte auf den Öffner des Hangardecks. Nichts passierte. "Mist, er hat abgesperrt."

"Na, dann mach' auf. Bist du jetzt der Käpt'n, oder nicht?", maulte Schpuck, dem es langsam langweilig wurde, sich auf dem Korridor herumzudrücken.

"Ja, ja, ich mach' ja schon." Kork drückte auf der Schalttafel herum, bis die Tür mit einem Summen aufglitt. "Viola, oder wie das heißt."

 

Neugierig spähten alle beide in den Raum. Und der war nicht wieder zu erkennen.

"Das gibt's doch nicht", murmelte Kork verblüfft.

"Hey, was macht's ihr hier?", ertönte plötzlich Schrottys Stimme hinten ihnen. "Jetzt is die ganze schöne Überraschung futsch."

Die beiden fuhren zu ihm herum. "Du warst das?", fragte Kork verblüfft. "Da drin sieht es aus wie in einem botanischen Garten."

"Na, net gleich übertrieben", meinte Schrotty und drückte sich an ihnen vorbei in den Raum. "Ich hab nur einen Gemüsegarten angelegt. Jeder braucht doch schließlich ein kleines Hobby..."
 
Ende

 


 

10. Dez.: Schmeiß' die Mama über Bord

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Ein Mutterherz hat niemals Ruh'...

 

Entspannt lehnte sich Käpt'n Kork zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Ah, was für ein herrlicher Tag, dachte er. Nicht einmal die Tatsache, dass Schrotty und Mr. Schpuck schon wieder miteinander tuschelten, brachte ihn heute aus der Ruhe. Er angelte einen Mini-Dickmanns aus der Packung auf seinem Schoss, holte noch einen zweiten und stopfte sich beide gleichzeitig in den Mund. Mhmmm, Zartbitter und weiße Schokolade zusammen...

 

Hinter ihm ging die Lifttür auf. Und Schpuck und Schrotty schrieen aus vollem Hals: "ÜBERRASCHUNG, KÄPT'N!!!"

Kork fuhr zusammen, vor Schreck blieben ihm fast die Dickmanns im Hals stecken. "Was...? Mami?? Was--- was---machst du---?", stotterte Kork, als er sah, wer da im Lift stand. "Mami..."

"Mein Liebling!" Die Arme ausgebreitet segelte Mrs. Kork auf ihren Sohn zu, der aufsprang. Die Schokoküsse flogen durch die Gegend. "Ich freue mich so, dass ich hier bin." Sie umarmte ihn.

"Aber Mami!" Verlegen befreite sich Kork mit hochrotem Kopf aus der Umarmung. "Was machst du denn hier?"

Schrotty und Mr. Schpuck kicherten und tuschelten - und kicherten noch mehr...

"Na, ich komm' dich besuchen, Schätzchen." Strahlend zupfte Mrs. Kork ein paar Staubfusselchen vom Ärmel ihres Sprösslings. "Weil ich doch leider an deinem Geburtstag nicht kommen konnte - du weißt ja, ausgerechnet da war das Wohltätigkeitsturnier meines Bridgeclubs. Und es ist doch wirklich nett von deinen Freunden, dass sie dir diese Überraschung bereitet haben. Sie müssen dich sehr gern haben."

Kork schoss einen wütenden Blick in Richtung besagter Freunde ab, die vor Lachen fast aus dem Stuhl kippten. "Ja, wirklich nett von ihnen", entgegnete er lahm.

"Ich hab dir natürlich auch was Schönes mitgebracht", fuhr Mrs. Kork fort und begann in ihrer voluminösen Handtasche zu kramen. "Hier, mein Spatz." Sie drückte ihrem Sohn eine Tupperdose in die Hand. "Ein paar Stückchen deines Lieblingskuchens, den bekommst du hier sicher nicht so oft. Tante Trudi hat ihn gebacken, du weißt ja, ich komme selbst zu nichts mehr."

"Kuchen?" Gierig riss Kork die Tupperdose auf. "Mami, was ist das?", fragte er pikiert.

Mrs. Kork strahlte. "Rüblitorte, die hast du doch als Kind immer so gerne gegessen."

"Niemals", wies Kork empört diese Behauptung zurück. "Bäh, igitt. Von Möhren habe ich früher schon Pickel bekommen."

"Ach ja?" Mrs. Kork runzelte für einen Moment zerstreut die Stirn. "Dann muss ich dich wohl mit einem deiner Vettern verwechseln." Sie lächelte. "Aber das macht ja nichts. Es wird dir bestimmt nicht schaden." Und schon wieder kramte sie in der Handtasche. "Hier ist noch ein Geschenk, Herzchen." Ein in buntes Geschenkpapier verpacktes und hübsch verziertes Päckchen landete in Korks Händen, auf der offenen Tupperdose. "Pack' schon aus", forderte sie ihren Sohn auf.

Der Käpt'n ließ sich nicht zweimal bitten und riss das bunte Papier auf, nachdem er die Tupperdose auf den Kommandostuhl gelegt hatte. Zwei unförmige Wollklumpen erschienen zwischen Schleifen und Bändern. "Mami - was ist das nun wieder?"

"Bettsocken, Liebling." Mrs. Kork tätschelte ihrem Sohn die Wange. "Damit du dich nicht verkühlst."

"Wie... nett von dir, Mami", entgegnete Kork matt. "Die kann ich wirklich gut brauchen." Er verpackte die Socken wieder und warf sie in Richtung seines kichernden Ersten Offiziers, der sich gerade noch rechtzeitig duckte. "Wirklich gut. Danke."

"Dann bin ich froh, mein Herzchen. Jetzt erzähl deiner alten Mutter doch mal, wie es dir so geht." Sie musterte ihn und tätschelte ihm dann den Bauch. "Ich glaube, du hast ein bisschen zugenommen. Naschst du wieder heimlich?"

"Mami!", protestierte Kork empört und wurde wieder rot. "Du kannst doch so was nicht vor meinen Freunden sagen."

"Ach ja? Warum nicht?" Mrs. Kork warf einen Blick auf die beiden Unschuldsengel Mr. Schpuck und Schrotty. "Es ist doch nichts dabei."

"Trotzdem." Kork ergriff seine Mutter und zog sie Richtung Turbolift. "Warum gehen wir nicht in die Kantine? Ich besorg dir eine schöne Tasse Kaffee und du ruhst dich erst einmal von der Reise aus."

"Aber das ist doch gar nicht nötig, Liebling", protestierte Mrs. Kork.

Doch ungeachtet dessen zog Kork sie in den Lift. Schrotty und Mr. Schpuck brachen in helles Gelächter aus - und machten sich über die Schachtel mit den Mini-Dickmanns her.

 

* * *
 

Kurz darauf kam Kork auf die Brücke zurück. "Puh", seufzte er. "Sie ist erst mal gut in der Kantine aufgehoben. Ich hab ihr eine Kanne Kaffee besorgt." Er baute sich vor Mr. Schpuck und Schrotty auf. "Und jetzt zu euch beiden. Was zum Teufel habt ihr euch dabei gedacht, meine Mami aufs Schiff zu holen?"

Mr. Schpuck zog eine Schnute. "Wir wollten dir doch nur eine Freude machen", sagte er. Und als Kork sich abwandte: "Herzchen." Schrotty kicherte los.

Kork blickte ihn wütend an. "Witzbold", knurrte er und ließ sich in den Kommandosessel plumpsen. Ein sehr... anstößiges Geräusch ertönte und er sprang erschrocken auf. "Was...?"

Schrotty und Mr. Schpuck kicherten los. Kork hatte sich auf die Tupperdose und damit in die Rüblitorte gesetzt...
 
Ende

 


 

11. Dez.: Frische Fische

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Fischers Fritz fischt frische Fische. Oder fischen frische Fische Fischers Fritz? Oder fischt gar der frische Fritz den Fischer mit Fischen..."

 

Also hatte der Besuch seiner Mutter doch noch etwas Gutes. Käpt'n Kork winkte ihr fröhlich nach, als Schrotty sie auf den Planeten A-QU-A hinabbeamte, von wo aus sie zur Erde zurückfliegen würde. Das Hauptquartier hatte ihm nämlich zwei Tage Sonderurlaub gewährt. Das heißt, ihm und der Mannschaft. Die Entscheidung darüber, wer Urlaub auf A-QU-A machen durfte, lag allerdings ganz allein beim Käpt'n.

Schrottys schmeichelnde Bemerkung über seine neue Frisur und die Tatsache, dass er heute morgen beim Frühstück das letzte Brötchen bekommen hatte ohne darum kämpfen zu müssen, ließ darauf schließen, dass sich das mit dem Landurlaub bereits herumgesprochen hatte. Aber so einfach war das nicht vergessen. Pah, die konnten mal schön brav auf dem Schiff bleiben und sich schwarzärgern, bis sie grün wurden. Oder andersrum, wie auch immer. Kork griff sich sein Gepäck und trat auf die Transferplattform.

"Und was is nu mit Landurlaub?", wagte Schrotty zu bemerken.

Kork grinste. "Die Liste liegt auf meinem Sessel. Und jetzt beam' mich schon runter. Tschüssi und noch viel Spaß."

 

* * *
 

Kaum hatte Schrotty den Käpt'n hinuntergebeamt, als er sich auch schon auf den Weg auf die Brücke machte. Er stürmte aus dem Lift, doch im Kommandosessel lag überhaupt nichts!

"Diese blöde Kuh!"

Schrotty drehte sich um, um zu sehen, ob er damit gemeint war. Doch Mr. Schpuck, von dem diese Bemerkung gekommen war, drehte ihm den Rücken zu. Neugierig schlenderte er näher. "Was is los?"

Schpuck hielt ihm anklagend einen Zettel hin. "Er hat uns nicht auf die Urlaubsliste gesetzt. Statt dessen müssen wir die Brücke putzen."

"Putzen?", fragte Schrotty pikiert. "Des seh ich ja schon gar nicht ein."

"Ich erst recht nicht. Alles bloß, weil du die blöde Idee hattest, seine Mami einzuladen!"

"Hab ich gar nicht!", widersprach Schrotty. "Das war deine Idee."

"War sie nicht!"

"War sie doch!"

"Gar nicht wahr!"

"Doch wahr!"

"Dumme Kuh!

"Doofe Ziege!"

"Blöde Gans!"

 

* * *
 

Während auf seiner Brücke das ganze Tierreich zur Klärung der Schuldfrage bemüht wurde, hatte Käpt'n Kork es sich inzwischen so richtig gemütlich gemacht und begonnen, seinen Koffer auszupacken. A-QU-A war als der ideale Urlaubsort für Angler bekannt und Kork fand dies eine gute Gelegenheit, endlich einmal das Angelzeug auszuprobieren, das er vor vielen Jahren mal von Tante Trudi zu Weihnachten bekommen hatte. Und so schwer konnte das schließlich nicht sein. Diese Meinung revidierte er allerdings, als er nach einer halben Stunde noch immer mit einem guten Dutzend verschieden langer Stöckchen kämpfte, die laut Anleitung zu einer Angelrute zusammengesteckt werden sollten. Leider war die Bauanleitung in einer ihm unbekannten Sprache verfasst und die beiden Bilder waren auch nicht wirklich hilfreich. Eine gute Stunde später hatte er so etwas Ähnliches wie eine Angel zusammengebaut. Sie war zwar irgendwie ziemlich krumm und die Schnur war auch nicht mehr so lange, wie eigentlich gedacht, denn er hatte einiges davon verwendet, um die widerspenstigen Teile zusammenzubinden, aber zumindest sah es schon mal wie eine Angel auf einem der Bilder aus.

Mit ihr stieg er vorsichtig das Ufer eines der zahllosen Seen auf A-QU-A hinab und stellte sich in Pose, ganz so, wie er es mal in einem Film gesehen hatte. Schwungvoll holte er aus - und prompt hing der Angelhaken in seinem Hosenbein fest. Fluchend zerrte Kork daran, schließlich gab der Haken - und leider auch der Stoff seiner teuren, neuen Hose - nach. Wehmütig betrachtet er den sauberen Triangel, den er hineingerissen hatte.

Dann also auf ein Neues. Wieder holte er aus. Die Schnur zischte durch die Luft - doch als Kork die Augen öffnete, die er vorsorglich geschlossen hatte, konnte er vor sich auf dem Wasser den Schwimmer nicht schwimmen sehen. Verwirrt blickte er sich um. Wo war dieses Ding nur gelandet?

 

* * *
 

An Bord des Schiffes hatten sich die Wogen inzwischen etwas geglättet. Mr. Schpuck und Schrotty hatten sich in ihrer Not verbündet und die Klärung der Schuldfrage auf unbestimmte Zeit verschoben. Dazu hatte sicherlich die Flasche Wodka aus Korks Kabine beigetragen...

Mr. Schpuck hatte es sich im Kommandosessel bequem gemacht und kicherte unkontrolliert. Er hielt ein Glas in der Hand, mit der anderen tippte er wahllos auf den Knöpfen auf der Armlehne herum. Jedes Summen, Piepen oder Blinken rief einen neuen Heiterkeitsanfall hervor.

Schrotty hatte die Abdeckung von einer der Konsolen entfernt und fuhrwerkte darin herum. Dabei sang er ziemlich laut und leider auch ziemlich falsch vor sich hin.

 

* * *
 

Nach wie vor war Kork auf der Suche nach dem abtrünnigen Schwimmer. Schließlich kam er auf die Idee, nach oben zu sehen. Und tatsächlich, da hing der Schwimmer samt Haken an einem Ast direkt über ihm. Man sollte nie unter einem Baum angeln...

Eine Zeitlang starrte Kork unschlüssig und hilflos nach oben, zerrte dann einige Male an der Angel. Bis auf ein paar Blätter löste sich jedoch nichts.

Seufzend legte er die Angel weg und machte sich unter allerlei Gejammer und Gestöhne auf, den Baum hinauf zu klettern. Das war gar nicht so einfach, doch schließlich war es geschafft. Kork robbte auf dem Ast so weit nach vorn, dass er gerade so mit den Fingerspitzen den Schwimmer erreichen konnte. Mühsam fummelte er an dem widerspenstigen Ding herum.

"Aua!" Er hatte sich mit dem Haken in den Finger gestochen und steckte ihn sich jammernd in den Mund. Mit der unverletzten Hand zerrte er weiter an der verknoteten Angelschnur. Und dann war das Unglück auch schon passiert - er verlor das Gleichgewicht und landete schreiend und planschend im See.

Prustend rappelte er sich auf, hielt sich abwechselnd den Kopf und den Hintern. Oder er steckte den verletzten Finger in den Mund. Ein wirklich beklagenswertes Bild des Elends - nur schade, dass niemand da war, um ihn zu bedauern...

 

* * *
 

Auch anderswo bot sich ein Bild des Jammers.

"Is mir schlecht", stöhnte Mr. Schpuck und hielt sich den Bauch. Seine Gesichtsfarbe wechselte zwischen rot, grün und gelb - fast wie eine Ampel.

Schrotty saß wie ein Häufchen Elend vor der offenen Konsole, seine Werkzeuge um sich herum verstreut und hielt seinen Brummschädel. "Wenn ich nur wüsste, was ich gemacht habe", murmelte er verwirrt. "Da drin ist alles durcheinander." Es war nicht ganz klar, ob er damit seinen Kopf meinte, oder das Innere der auseinandergenommenen Konsole...

 

* * *
 

Eines war allen Dreien klar: Nie wieder!!!
 
Ende

 


 

12. Dez.: Angriff der Kuschelviren

 

Lady Charena in Vertretungals Krankheitsvertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Aaaaaatttaaaacckkkeee!!!!!"

 

"Mir geht's ja ssoooooo schlecht", jammerte Kork.

"Stell' dich nicht so an", brummte Die Pille und packte das Fieberthermometer aus. "Und jetzt den Mund weit auf!", kommandierte er.

"Ich bin krank", quengelte der Käpt'n und zog die Bettdecke bis unters Kinn hoch.

"Es ist mir aufgefallen", erwiderte der Arzt ungeduldig - immerhin hörte er sich diese Tiraden jetzt schon seit zwei Stunden an. "Aber ich habe eine gute Nachricht für dich - du wirst überleben." Vorausgesetzt, er brachte ihn nicht um.

Beleidigt schniefte Kork. "Du nimmst mich nicht ernst."

Die Pille nutzte die Gelegenheit und steckte Kork das Thermometer in den Mund. "Genau!", bestätigte er.

"Hmmmpf." Nun ja, es ist nicht gerade einfach, zu sprechen, wenn man ein Thermometer im Mund hat...

"Komisch", brummte Die Pille ein paar Minuten später vor sich hin, als er die Werte ablas. "Du hast überhaupt kein Fieber."

"Mir ist aber so heiß", beschwerte sich Kork.

"Dann deck' dich nicht bis zur Nasenspitze zu."

"Aber dann ist mir wieder kalt", quengelte der Käpt'n weiter. Anklagend hielt er eine Hand hoch und nieste. "Schüttelfrost, siehst du? Das ist eine Grippe, eine Lungenentzündung!"

"Quatsch", beschied der Arzt. "Du hast dich erkältet. Warum musstest du auch in den See fallen."

Korks Unterlippe zitterte verdächtig. "Ich hab es schließlich nicht mit Absicht gemacht", entgegnete er trotzig, raffte die Decke erneut hoch und drehte dem Arzt den Rücken zu. "Ich hoffe, es wird ein schönes Begräbnis", murmelte er mit ersterbender Stimme.

Das Klopfen an der Tür verhinderte nur knapp, dass es tatsächlich eines gab...

 

"Was ist los?", bellte Die Pille.

Verschüchtert streckte Schrotty den Kopf herein. "Ich... Hatschi!"

Der Arzt schnitt eine Grimasse. "Nicht noch einer", brummte er. Dann hellte sich seine Miene auf. Er wies auf ein freies Bett. "Bitte Platz zu nehmen." Dann schnappte er sich sein Arztköfferchen und genehmigte sich nebenan erst einmal eine Dosis seiner Spezialmedizin. Schließlich durfte der Arzt nicht sein eigener Patient werden!!

Als er zurückkehrt, hatte sich seine Patientenanzahl auf drei erhöht. Mr. Schpuck klagte über Halsschmerzen und putzte sich dauernd die Nase. Offensichtlich hatten sie nichts besseres zu tun gehabt, als sich gleich mit Korks Erkältung anzustecken.

Die Pille verordnete allen erst einmal eine kräftige Dosis Hustensaft. Seine Oma hatte immer gesagt, dass Hustensaft niemals schaden konnte und sowieso gegen alle Krankheiten helfen würde. Wenn man davon ausging, dass Medizin schlecht schmeckte und gut wirkte, musste dass das reinste Wundermittel sein. Grinsend beobachtete er die Grimassen, die seine eingebildeten Patienten schnitten. Geschah ihnen ganz recht!

Da es immerhin schon reichlich spät war, schickte er alle Schlafen und legte sich in seiner Kabine aufs Ohr.

 

* * *
 

Plötzlich riss ihn ein Klopfen aus dem Schlaf. "Was'n los?", murmelte er schlaftrunken.

Die Tür ging auf und herein marschierten der Käpt'n, Schrotty und Mr. Schpuck. "Dürfen wir heute Nacht bei dir schlafen?", ertönte es unisono. "Und kuscheln? Wir sind doch so krank." Und dann machten sie tatsächlich Anstalten in sein Bett zu klettern. Der Käpt'n nieste ihn an, bevor er sich an ihn schmiegte.

 

"Was?" Geschockt schreckte Die Pille aus diesem Alptraum hoch. "Puh, zum Glück sind es nur ganz normale Grippeviren und keine Kuschelviren..." Er nieste.
 
Ende

 


 

13. Dez.: Invasion der Teddybären

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Auch nach Halloween schlägt das Grauen erbarmungslos zu..."

 

Liebes Tagebuch,

 

Es war ein ganz gewöhnlicher Freitagmorgen. Er begann so gewöhnlich, wie gewöhnliche Freitagmorgen eben für gewöhnlich beginnen. Alles war wie immer. Der Kaffee schmeckte nach allem möglichen, nur nicht nach Kaffee - obwohl ich glaubte, eine Spur Maschinenöl von der letzten Überholung der Kaffeemaschine darin auszumachen, was eine gewaltige Verbesserung des Geschmacks darstellte.

Schpuck und Schrotty stritten sich um das letzte Schokoladencroissant und keiften einander an wie zwei Waschweiber. Am Ende musste ich schließlich schlichtend eingreifen, das Schokoladencroissant beschlagnahmen und es natürlich selbst essen. Ein Mann in meiner Position muss seine Freundschaften pflegen. Und Kampfgetümmel am Frühstückstisch, dazu noch an einem absolut gewöhnlichen Freitagmorgen verdarb mir für gewöhnlich die Laune - so was schlägt sich mir immer ganz schnell auf die Hühneraugen.

Als diese Angelegenheit zu meiner Zufriedenheit gelöst war, schlenderte ich ganz lässig auf die Brücke, um auf den ersten Krisenfall dieses Tages zu warten. Noch hatte kein anderer Hintern meinen Kommandostuhl vorgewärmt, was meine Laune ganz gewaltig verbesserte. Es gibt doch nichts unangenehmeres, als in einem angewärmten Sessel zu sitzen. Während ich es mir bequem machte, ein Kissen in den Rücken schob und die Beine hochlegte, kam mein Erster Offizier Schpuck auf die Brücke. Sein niedliches Schmollmündchen verriet mir, dass der Schokoladencroissant-Frühstücks-Zwischenfall noch lange nicht gegessen war. Bei diesem Gedanken wischte ich mir ein paar Schokoladencroissantkrümel aus dem Mundwinkel. Und stellte fest, dass ich wieder einmal vergessen hatte, mich zu rasieren. Aber was machte das schon, einen attraktiven Mann entstellt schließlich so rasch nichts.

Alles sah nach einem ruhigen, ganz gewöhnlichen Freitag aus und ich begann mich mit meinen Plänen für das Wochenende zu beschäftigen. Leider sah alles danach aus, als würde mir wieder nichts anderes übrigbleiben, als mit Schpuck Tischtennis zu spielen. Oder Schrotty zu ärgern, indem ich ihm unter falschem Namen Mails mit Blind-Date-Verabredungen schrieb und ihm dann für diesen Tag nicht freigab. Das ist immer sehr lustig. Bei der Pille hatte ich das gleiche auch einmal versucht, nur leider kam er mir dahinter und ich brauchte drei Wochen um diesen hässlichen Hautausschlag wieder loszuwerden...

Ich konnte mich natürlich auch beiläufig bei Chekov erkundigen, ob ihm seine Mom eine neue Ladung Wodka geschickt hat oder Solo damit zur Weißglut treiben, dass ich ihn aus dem Fremdwörterlexikon vorlesen ließ. Ja, mir standen plötzlich viele Möglichkeiten offen, wenn auch keine davon wirklich neu oder aufregend war.

 

Doch dann geschah es! ES!

 

Oder ich sollte besser sagen - ER. ER trat auf die Brücke. Ein Neuer. ER war erst seit ein paar Tagen an Bord und ich hatte außer seinem Namen auf den Papieren noch nichts von ihm gesehen. Welche Wonne für meine müden Augen! Groß und mit breiten Schultern, einem ebenso breiten, muskulösen Brustkorb, der das dünne Uniformhemd fast zu sprengen schien, stand er einen Moment da, bevor er an Schpucks Station trat. Dabei wandte er mir seine nicht minder entzückende Rückseite zu. Unter einer schmalen Taille fand sich der knackigste Hintern, den ich seit langem gesehen hatte. Abgesehen von meinem eigenen natürlich. Das war meine Verabredung für das Wochenende! ER und kein anderer. Wozu bin ich schließlich der Käpt'n.

Also stand ich rasch auf und ging zu Schpucks Station. Der giftige Blick meines Ersten Offiziers zeigte mir deutlich, dass die Attraktivität des Neuen auch von ihm nicht unbemerkt geblieben war. Ich schenkte ihm ein zuckersüßes Lächeln und ein falsches, bedauerndes Kopfschütteln. Dann sprach ich IHN an. "Hallo Süß... ähem... Lieutenant. Wir kennen uns ja noch gar nicht. Ich bin der Käpt'n."

ER blickte mich an und lächelte. Meine Knie wurden weicher als warmes Wachs. Dann reichte ER mir die Hand. "Ich freue mich, Sie endlich persönlich kennen zu lernen, Käpt'n Kork", sagte ER und seine Stimme war samten wie die Nacht, die uns hier stets umgibt. "Ich habe schon viel von Ihnen gehört."

"Und ich würde gerne noch viel von Ihnen hören", entgegnete ich. "Warum nicht gleich an diesem Wochenende? Oder noch besser - heute abend?" Ich war entzückt über meinen unwiderstehlichen Wortwitz und Charme - und ignorierte den Fußtritt ans Schienbein, den mir Schpuck gemeinerweise verpasste.

"Ja, warum nicht." ER lächelte erneut und seine dunklen Augen blitzten amüsiert auf. Sie erinnerten mich urplötzlich an dunklen, aromatischen Honig. ER machte einen Poeten aus mir! "Meine Name ist übrigens Lieutenant Bär. Ted Bär. Meine Freunde nennen mich Teddy."

"Bis... bis dann, Teddy." Mehr brachte ich wirklich nicht hervor. Er war einfach umwerfend.

"Bis heute Abend, Käpt'n."

Und ich sah ihm nach, bis sich die Lifttüren schlossen.

"Willst du den ganzen Tag hier herumstehen und Fliegen fangen?", giftete Schpuck, doch ich hörte seine Worte kaum. Wie auf Wolken ging ich zurück zu meinem Sessel und verbrachte den Rest des Tages damit, mich auf den Abend zu freuen.

 

Und die Zeit wollte kaum vergehen. Aber schließlich war es Abend und ich traf mich mit dem süßen Lieutenant Teddy in der Kantine. ER trug ein ärmelloses T-Shirt, das seine muskulösen Oberarme besonders gut zur Geltung und mich zum Schmelzen brachte. Ich weiß gar nicht mehr, über was wir uns unterhalten haben. Die meiste Zeit über achtete ich nur auf seine Augen und sein Lächeln. Und schließlich schlug er vor, dass wir uns doch viel besser in meiner Kabine unterhalten könnten. Der Abend verlief also ganz nach meinem Geschmack.

 

Wir hatten es uns also gerade in meiner Kabine etwas gemütlicher gemacht, als plötzlich... ich weiß auch nicht, was passierte. Teddy wurde auf einmal so schweigsam. Ich dachte schon, ich hätte was Falsches gesagt. Doch dann lachte er und meinte, es wäre ziemlich warm hier drin und ob es mich stören würde, wenn er sein Hemd ausziehe. Hehe, als hätte ich das was dagegen gehabt, ganz im Gegenteil.

Teddy zog sich aus und wir plauderten weiter. Eine etwas einseitige Unterhaltung, ich gestehe - aber ich konnte den Blick kaum von ihm abwenden. Zwischendurch verschwand ich mal kurz auf die Toilette, um mich frisch zu machen, die... Unterhaltung... nahm mich doch sehr mit. Hihi. Und als ich zurück kam, hatte ich den merkwürdigen Eindruck, Teddy hätte plötzlich mehr Haare auf Armen und Brust, als zuvor! Ich dachte, ich würde mich irren. Und dann auf einmal stoppte Teddy mitten im Wort, blickte mich an und seufzte. Als ich fragte, was los sei, sagte er nichts.

Und dann... dann... platzte er einfach. Ich meine, ich habe ein Date mit einem Traumtypen und dann platzt der einfach. Und statt neben dem großen, muskulösen Lieutenant meiner Träume saß ich plötzlich neben einem Berg an Kuschelteddys in allen Pastellfarben.

Der reinste Horror. Die Teddys grinsten mich an und starrte erschrocken zurück.

Und dann... hmh... dann bin ich zum Glück aufgewacht, denn mein Wecker dudelte mit der Titelmelodie von Lassie 3 los. Es war nämlich Zeit zum Aufstehen.

 

Tja, liebes Tagebuch, ich muss für jetzt Schluss machen. Ein neuer Lieutenant kommt heute an Bord...
 
Ende

 


 

14. Dez.: Der Ton macht die Musik

 

Lady Charena in zuschauender Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Tja, leider bekommt man(n) nicht immer, was man(n) will..."

 

Käpt'n Kork warf einen vielsagenden Blick auf die versammelte Mannschaft. "Das mir jetzt fei nicht wieder dieses Gemecker anfängt. Ich bestimme, was wir angucken und damit basta!" Er griff nach der Chipstüte und wandte sich dem Bildschirm zu.

Schrotty nutzte diese Gelegenheit und streckte seinem Hinterkopf die Zunge raus. "Ich will aber nicht zum tausendsten Mal Lassie angucken", flüsterte er Mr. Schpuck zu.

"Kommt heut net", raunte der zurück. "Ich hab schon nachgesehen."

Das war dann doch einigermaßen überraschend, sonst veranstaltete der Käpt'n doch nur bei Lassie dieses Theater. Schrotty kratzte sich nachdenklich am Kopf. "Was dann?"

Mr. Schpuck zuckte nur mit den Achseln.

"Pscht", zischte Die Pille, der neben den beiden saß. "Könnt's ihr jetzt nicht ein Mal mit diesem Getuschel aufhören!", beschwerte er sich. "Des stört einfach wahnsinnig."

Verstimmt verschränkte Schrotty die Arme vor der Brust und starrte nach vorne. Schöner Fernsehabend, wenn das schon so losging! Und natürlich war wieder einmal nur noch eine einzige Tüte Kartoffelchips da und die hatte sich Kork schon geschnappt...

 

Erwartungsvoll seine Chips futternd, drückte der Käpt'n auf den Ein-Schalter der Fernbedienung. Heute kam "Peterchens Mondfahrt" und zwar in der X-X-XXL-Kinofassung. Darauf hatte er sich schon die ganze Woche gefreut. Mit einem zufriedenen Seufzen lehnte er sich zurück. Um gleich darauf entrüstet aufzuspringen, als statt des erwarteten Zeichentrickfilms ein ganz anderer Film begann. "Was...?"

"Cool", ließ sich Schrotty vernehmen. "Das ist "Free Willy", den Film wollte ich immer schon mal sehen. Willy ist ein Wal", setzte er eifrig erklärend hinzu.

"Ach nein und ich dachte schon, es wäre eine Biene", stichelte Die Pille.

"Eine Biene?", verwirrt blickte ihn Schrotty an. "Wieso das?"

"Vergiss es", winkte der Arzt ab.

Kork ließ sich schwer in seinen Sessel plumpsen. "Das darf doch nicht wahr sein", stöhnte er. "Es sollte "Peterchens Mondfahrt" kommen. Wo ich mich doch schon die ganze Woche so drauf gfreut hab."

"Programmänderung - so was kommt vor", meinte Die Pille lakonisch und mopste die unbewachte Chipstüte von der Korkschen Armlehne.

Kork schmollte. "Das is aber gemein. Wo ich mich doch so drauf gfreut hab." Er schniefte beleidigt. Wo er doch eigentlich nach den Erlebnissen auf A-QU-A von Wasser und Fischen ein-für-alle-Mal genug hatte! Es schüttelte ihn förmlich, wenn er nur daran dachte! "Pswah, wer will schon so einen dämlichen Fisch-Film sehen."

"Wir wollen den Film sehen", kam es einstimmig von Schrotty und Die Pille, die sich brüderlich die Chips teilten - das heißt, Schrotty hatte eine (sehr kleine) Handvoll bekommen, während Die Pille sich die noch mehr als halbvolle Jumbotüte Kartoffelchips zu Gemüte führte...

"Außerdem ist der Wal kein Fisch", belehrte Mr. Schpuck und schlug die Beine anders übereinander. Seine Stimme klang etwas undeutlich, aber wie sonst sollte man auch mit einem Mund voll Eiskonfekt klingen...

"Außerdem ist der Wisch kein Fal", äffte ihn Kork nach. Und presste ärgerlich die Lippen zusammen, als die anderen daraufhin in prustendes Gekichere ausbrachen. Das kränkte ihn zutiefst. Schließlich konnte sich jeder mal ein bisschen versprechen... Beleidigt verschränkte er die Arme vor der Brust und versank in dumpfes Brüten über sein Unglück. Dann plötzlich hellte sich seine Miene auf. "Das lass ich mir nicht gefallen", verkündete er und sprang auf, um in seine Kabine zu verschwinden - sehr zur Freude der anderen, die nun in Ruhe fernsehen konnten.

 

Gut eine Stunde später marschierte ein gutgelaunter Käpt'n auf die Brücke und ließ sich grinsend in seinem Sessel nieder.

"Du bist ja so gut drauf, mein Käpt'n?", fragte Mr. Schpuck misstrauisch. (Es war ohnehin gerade Werbepause.) "Warst wieder beim Chekov saufen?"

"Nein", entgegnete Kork huldvoll. "Ich habe ein Fax an den verantwortlichen Programmdirektor des Fernsehsenders geschrieben. Ich lass' mir eine Programmänderung nicht so einfach gefallen, schließlich bin ich Stammkunde."

"Und hat schon einer geantwortet?", fragte Die Pille gespannt.

"Nein." Kork lehnte sich zurück. Jetzt ertrug er sogar diesen dämlichen Fisch-Film. "Aber das kommt schon noch. Der Ton macht die Musik."

 

* * *
 

"Und? Is es ein Fax vom Fernsehsender?", drängte Mr. Schpuck zwei Tage später, nachdem das Gerät stotternd seine Nachricht ausgespuckt hatte.

Kork blickte auf und schluckte. "Nein. Vom Hauptquartier. Die beim Fernsehen haben sich über mein Fax beim Boss beschwert. Und jetzt habn's uns für zwei Monate den Satellitenempfang gesperrt!"

"Na wundervoll", meckerte Mr. Schpuck. "Der Ton macht die Musik, ja?", zitierte er seinen Käpt'n. "Dann musst du dich aber mächtig vergeigt haben..."
 
Ende

 


 

15. Dez.: Ein Computer ist auch nur ein Mensch

 

Lady Charena in fachmännischer Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Wie verloren ist der Mensch ohne die Wunder der modernen Technik...

 

Ein ganz gewöhnlicher Tag kündete sich an. Alles war friedlich, alles war still an diesem Morgen...

 

Käpt'n Kork schlurfte als Letzter auf die Brücke und warf sich schwer in seinen Kommandosessel. Es war am Abend zuvor doch etwas spät geworden. Seufzend griff er nach einem Stapel Berichte, die schon darauf warteten, gelesen zu werden. Während er versuchte, sich darauf zu konzentrieren, fielen ihm immer wieder die Augen zu. Und schließlich sank ganz langsam sein Kinn auf die Brust und er fiel in seligen Schlummer.

Mr. Schpuck hatte sich Kopfhörer aufgesetzt und war - wie üblich - auf der Suche nach neuen Welten und Zivilisationen, beschäftigte sich aber mehr mit seinem "Spanisch lernen leicht gemacht"-Hörkurs, als mit den Anzeigen seiner Geräte.

Schrotty hatte sich unter eine Konsole verzogen und gab vor, die Schaltkreise ihrer routinemäßigen Überprüfung zu unterziehen, las aber heimlich im Schein seiner Taschenlampe Superman-Comics.

Die Pille hatte sich erst gar nicht auf der Brücke sehen lassen. Vermutlich amüsierte er sich in seiner Krankenstation damit, irgendwelche neuen Diätvorschriften für seine Lieblingspatienten auszuhecken.

Mr. Solo und Checkov waren dazu verdonnert worden, das Hangardeck aufzuräumen, nachdem Schrotty inzwischen jedes Interesse an der Pflanzenzucht wieder verloren hatte.

Alles in allem ein friedlicher, fleißiger Tag, wie man ihn sich besser nicht wünschen konnte...

 

...bis es plötzlich einen Knall gab, alle wild durcheinander geschüttelt wurden und das Licht auf der Brücke erlosch. In der Dunkelheit erklang vielstimmiges Ächzen und Stöhnen, während sich die Brückencrew aufrappelte und auseinander sortierte.

Schrotty war der Erste, der wieder auf den Beinen war. Glücklicherweise funktionierte seine Taschenlampe noch (der Superman-Comic hatte das ganze leider nicht so unbeschadet überstanden) und er leuchtete über die Brücke, auf der Suche nach seinen Kameraden.

Fluchend schob der Käpt'n gerade Mr. Schpuck von sich, der aus seinem Sessel und auf Kork geschleudert worden war. Unglücklicherweise hatte sich sein Walkman samt Sprachkurskassette bei ihm befunden. Und während auf der Stirn des Käpt'ns langsam eine Beule an der Stelle wuchs, an der ihn der Walkman getroffen hatte, lag das Kabel der Kopfhörer um seinen und Schpucks Hals und schnürte sie fest aneinander. Bei der Landung war er wohl auf den Einschalter des Lautsprechers gekommen, denn auf einmal ertönten auf der Brücke Spanisch-Sprachübungen. Bei dem Versuch, sich durch Zerren am Kabel zu befreien, erwürgte Schpuck Kork fast, bis ihm endlich einfiel, die Kopfhörer von den Ohren zu nehmen. Verlegen schaltete er den Walkman hastig ab.

Kaum voneinander befreit, rappelten sie sich auf und standen einem kichernden Schrotty gegenüber. "Übt' ihr fürs Ringen oder fürs Schlammcatchen?", fragte er bemüht unschuldig.

Kork blinzelte ihn wütend an. (Die Taschenlampe blendete ihn nämlich.) "Was is eigentlich los?", fragte er. "Hast du schon wieder an den Sicherungen rumgefummelt?"

Schrotty verzog augenblicklich beleidigt den Mund. "Ich hab überhaupt nichts gemacht. Wieso bin eigentlich immer ich an allem Schuld?"

"Ja, mei, dann machts halt s' Licht einfach wieder an", schlug Mr. Schpuck vor und betastete vorsichtig seinen Hals.

Da Schrotty abwartend und beleidigt stehen blieb (immerhin hatte er ja die Taschenlampe), trottete Kork mürrisch zu seinem Kommandosessel zurück und drückte auf einen Knopf auf der Schalttafel. Nichts passierte. Verwirrt versuchte er es noch einmal. Mit dem gleichen Ergebnis. Auf der Brücke blieb es dunkel.

 

"Soll'n wir jetzt noch lange im Dunkeln rumstehen, oder was?", maulte Mr. Schpuck. "Was is'n überhaupt los?"

"Woher soll ich das wissen", fauchte Kork gereizt. Immerhin tat ihm alles weh, so ein Fliegengewicht war Schpuck schließlich auch nicht! "Bin ich vielleicht a Elektriker? Schrotty! Marsch in den Maschinenraum und nachsehen."

"Immer ich." Schrotty trat missmutig zum Lift und drückte auf den Knopf, der die Türen öffnen sollte. "Geht auch nicht."

Kork setzte sich seufzend in seinen Sessel. "Na toll. Hat irgend jemand einen intelligenten Vorschlag zu machen, wie wir hier raus kommen sollen?"

"Wir können doch auf Die Pille oder Solo warten", schlug Mr. Schpuck vor.

"Ich könnte auch versuchen, durch den Lüftungsschacht zu kriechen", kam es von Schrotty, der mit der Taschenlampe Lichtkringel auf den Fußboden zeichnete.

Kork wandte sich ihm zu. "Warum bist du dann nicht schon längst unterwegs?"

"Ja, ja, ja. Nur net hetzen." Schrotty schlenderte langsam zu dem Gitter, das den Luftschacht verdeckte und betrachtete es zweifelnd im Schein seiner Taschenlampe. Irgendwie hatte er sich das Ding größer vorgestellt... Er klappte das Gitter zurück und starrte in den dunklen Schacht. "Da pass' ich nicht durch, sorry."

"Vielleicht mit ein bisschen Hilfe?" Kork trat zu ihm und spähte ihm neugierig über die Schulter.

Schrotty beugte sich noch ein wenig weiter vor, um in den Schacht zu sehen. "Ne, auch dann nicht, das ist einfach viel zu en...aaaaaaahhhhhhhh!!!!"

Da hatte Kork ihm auch schon einen Schubs gegeben und Schrotty sauste wie eine überdimensionale Billardkugel in den Schacht. Oder sagen wir... zumindest ein Teil von Schrotty. Bis zur Hälfte passte er hinein, doch von da ab steckte er fest.

"Hilfe", drang es dumpf nach draußen. "Holt' mich auf der Stelle hier raus! Käpt'n!!! Hol' mich sofort hier raus!" Schrotty strampelte wild mit den Beinen.

 

Kork stützte sich erst mal an der Wand ab, um zu überlegen, Schrottys Hilferufe und Strampeln ignorierend. Wie sollte er das anfangen? Leider war ja mit Schrotty auch die Taschenlampe im Luftschacht verschwunden und im Dunkeln dachte es sich so schlecht.

"Was is jetzt wieder los?", quengelte Mr. Schpuck.

Kork überhörte ihn und war inzwischen zu einem Entschluss gekommen. "Steh' hier nicht so blöd rum, sondern hilf mir", sagte er und wartete ungeduldig, bis Schpuck den Weg zu ihm gefunden hatte. "Du nimmst das linke Bein und ich das rechte und wir ziehen ihn raus. Verstanden?"

Mr. Schpuck murmelte seine Zustimmung.

"1 - 2 - 3 - los", zählte Kork und beide begannen nach Leibeskräften an Schrottys Beinen zu zerren. Und Schrotty begann zu brüllen, da jeder in eine andere Richtung zog...

 

Wenig später saß Schrotty auf dem Boden und betastete besorgt seine Beine. Einen Moment lang hatte er wirklich geglaubt, sie würden ihn in der Mitte auseinanderreißen!

Kork stand da, die Hände in die Hüften gestemmt und beobachtete, wie Mr. Schpuck den Schein der wiedergewonnenen Taschenlampe (Schrotty hatte sie die ganze Zeit über eisern fest-gehalten) dazu benutzte, seinen kleinen Taschenspiegel zu zücken und sich die Frisur wieder zu richten. "Und was machen wir jetzt?", fragte er ungeduldig.

"Ja mei, warten halt. Es wird schon irgend jemand auffallen", meine Schpuck. "Du hast net zufällig a bisserl Haarspray da?"

In diesem Moment ging plötzlich wieder das Licht an.

"Na bitte", meinte Mr. Spuck so zufrieden, als hätte er ganz allein dieses Wunder vollbracht. "Die ganze Aufregung wieder mal umsonst."

"Was war jetzt des?", wunderte sich Kork. "Los, frag' mal deine schlaue Kiste."

 

Seufzend (und sehr lustlos) begann Schpuck auf die verschiedenen Knöpfe seiner Station zu drücken. Es dauerte einen Moment, dann tauchte plötzlich eine Textzeile auf einem der Bildschirme auf.

"Was soll das heißen?", fragte Kork verblüfft und las laut vor, was dort in Leuchtbuchstaben stand. "April! April!"

"Tja, so ein Computer ist eben auch nur ein Mensch", bemerkte Mr. Schpuck weise und zückte die Nagelfeile. "Und macht gern mal ein Spässle..."
 
Ende

 


 

16. Dez.: Katzen und andere Überraschungen

 

Lady Charena in kratzender Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Hat hier irgend jemand gesagt, trojanische Pferde wären nicht mehr in Mode???"

 

"Hey-ey, ratet mal, was ich hier hab." Strahlend kam Schrotty auf die Brücke und hielt irgend etwas hinter dem Rücken verborgen. "Hat einer von euch Schlingeln Geburtstag und mir nichts davon gesagt?"

Mr. Schpuck beäugte ihn misstrauisch. "Des weißt du doch genau, das keiner von uns heut Geburtstag hat", meinte er. "Was is'n das?"

Käpt'n Kork schreckte durch ihren Disput endgültig aus seinem Mittagsschläfchen auf. "Was is jetzt schon wieder los?", murmelte er schlaftrunken und drehte sich zu Schrotty um, der beim Lift Hof hielt. "Muss der Krach sein?"

Etwas beleidigt zog Schrotty eine Schnute. "Was seid's ihr für ein lahmer Haufen", beklagte er sich. "Ich hab ne Überraschung."

"Dann zeig sie uns endlich", mischte sich nun auch Die Pille ein. "Mach's nicht so spannend."

Immer noch verstimmt, zog Schrotty einen Karton hinter dem Rücken hervor, der mit einer großen, rosafarbenen Schleife geschmückt war.

"Ui", kam es von Kork. "Für wen ist das? Steht kein Name drauf?"

"Nein", entgegnete Schrotty. "Ich hab überall nachgesehen. Ich habs im Transporterraum gefunden. Also eigentlich gehört's dann mir, weil ich..."

"Bestimmt nicht", unterbrach ihn Mr. Schpuck. "Rosa ist meine Lieblingsfarbe, das Päckchen ist sicher für mich."

"Warum eigentlich immer für dich?", beschwerte sich Die Pille. "Könnte ja auch zufällig für mich sein."

"Ruhe!" Kork war inzwischen wieder munter wie ein Fisch im Wasser. "Ich bin der Käpt'n, also gehören alle Päckchen ohne Namen schon einmal prinzipiell mir. Ist das klar? Und jetzt gib schon her."

Widerwillig händigte Schrotty das Päckchen aus. Wenn er gewusst hätte, das Kork es sich unter den Nagel reißen würde, dann hätte er es gar nicht erst auf die Brücke gebracht. Aber das war mal wieder typisch Käpt'n!

 

Kork fummelte inzwischen schon an der Schleife rum, deren Knoten heftigen Widerstand leistete. Mr. Schpuck und Die Pille, die nähergetreten waren, damit ihnen auch nicht die kleinste Kleinigkeit entgehen konnte, grinsten einander vielsagend an. Doch schließlich gab das Band nach und der Käpt'n konnte es entfernen. Er öffnete den Deckel des Kartons und holte... eine Katze daraus hervor. Keine echte Katze natürlich, denn die hätte den Transport schwerlich überlebt, sondern ein... na ja, es war kein Kuscheltier, denn dazu war es zu hart, als er prüfend darauf drückte. Andererseits war sie auch nicht aus Porzellan oder so was ähnlich Nippeshaftem. Verwundert drehte Kork sie hin und her und betrachtete sie von allen Seiten. Sah ziemlich echt aus, musste er zugeben, wenn sie sich bewegt hätte, wäre kaum ein Unterschied zu bemerken gewesen. "Ist das ein Spielzeug?"

Mr. Schpuck hatte sich den leeren Karton geschnappt und durchstöberte die Papierschnipsel, die wohl zur Auspolsterung dienten, nach einer Karte oder sonstigen Hinweisen auf den Absender. Das fand er nun nicht, aber dafür einen großen, schweren schlüsselförmigen Gegenstand. "Was ist das denn?"

Die Pille nahm es ihm weg. "Hmh, sieht aus wie ein Aufziehschlüssel. Als Kind hatte ich eine Maus, die man aufziehen konnte und dann bewegte sie sich. Guck mal, ob die Katze irgendwo einen Schlitz zum Reinstecken hat." Er fragte sich, was denn an seinen Worten so lustig gewesen war, als die anderen Drei anfingen zu kichern.

Kork drehte die Katze ein paar Mal und schließlich entdeckte er auf dem Rücken eine Stelle, an der sich das Fell zurückklappen ließ. Darunter erschien eine Art Schlüsselloch, in die das schlüsselförmige Dingsbums perfekt passte. Haarscharf kombinierend, schloss Kork daraus, dass Die Pille mit seiner Theorie recht gehabt hatte, schnappte sich das Schlüssel-Dings und zog die Katze damit auf. Sofort begannen sich die Beine zu bewegen. Er setzte das Spielzeug auf den Boden und alle Augen folgten begeistert der über die Brücke wackelnden Katze. Gehen konnte man das nämlich nicht nennen. Schien ein ziemlich billiges Spielzeug zu sein, so wie es hin und her schwankte und knatterte und krachte. Trotzdem war es wirklich entzückend.

 

"Ich glaube, die behalten wir", erklärte Kork grinsend - und kratzte sich am Kopf.

"Und bestimmt finden sich irgendwo ein paar Blechmäuse, um sie zu füttern, was?", flachste Die Pille. Sein Bein juckte furchtbar und er kratzte geistesabwesend.

Plötzlich schien es, als wären alle mehr und mehr damit beschäftigt, sich zu kratzen. Schrotty versuchte verzweifelt eine Stelle auf seinem Rücken zu erreichen, für die seine Arme aber offensichtlich zu kurz waren. Und Mr. Schpuck rieb sich die juckenden Oberarme.

Die Pille schüttelte sich. "Was ist denn jetzt los? Hat einer von euch Witzbolden Juckpulver verstreut?" Natürlich wiesen die anderen Drei diese Behauptung empört von sich. Schließlich waren sie ja von dem geheimnisvollen Juckreiz auch nicht verschont geblieben.

Da lenkte auf einmal die Katze, die die ganze Zeit über munter weitermarschiert war, die Aufmerksamkeit wieder auf sich. Sie ratterte und knatterte und Qualmwolken stiegen aus ihrem Inneren auf. Und dann... gab es einen Knall und Rauch stieg auf. Als er sich verzogen hatte und man wieder etwas sehen konnte, war sie nicht explodiert! Aber in ihrem Rücken war nun ein weit größeres Loch - da wo zuvor der Schlüssel gesteckt war - aus dem ein Schild hervorkam: "Rache ist süß. Rigellanische Katzenflöhe gemein. gez. Die Klingonen"
 
Ende

 


 

17. Dez.: Überraschungsinspektion

 

Lady Charena in prüfender Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Lieber Besuch ist doch immer eine Überraschung wert, oder?"

 

"Das seh' ich überhaupt nicht ein", meckerte Schrotty, die Arme vor der Brust verschränkt. "Schpuck ist diese Woche mit Abspülen dran."

"Is ja gar nicht wahr", setzte Mr. Schpuck sofort dagegen. "Das war letzte Woche. Und überhaupt habe ich jetzt gar keine Zeit für so was!"

"Aber ich soll Zeit haben, was? Und außerdem stammen die ganzen schmutzigen Kuchenteller sowieso nur von dir und vom Käpt'n. Schwachsinnige Idee, diese Trennkost. Wie wenn das etwas bringen würde, die Sahne auf einen Extra-Teller zu tun. Und dann auch noch für jedes Stück Käse-Sahne einen eignen Teller benutzen!"

"Ja mei", mischte sich Kork ein. "Du isst doch auch nicht von einem schon mal benutzten Teller, oder Schrotty?"

Das machte den allerdings erst einmal sprachlos. Und bevor er seine Sprache wiedergefunden hatte, glitt die Lifttür auf und spuckte einen Besucher aus... um ganz genau zu sein, es handelte sich sogar um eine Besucherin!

Überrascht starrten drei Augenpaare sie an. Dann raffte sich Käpt'n Kork auf. "Hey, das muss die Putzhilfe sein, die ich beantragt habe. Wahnsinn, dabei habe ich den Antrag erst gestern abgeschickt. Schrotty, zeig ihr die Küche."

"Auf Ihr Angebot komme ich später gerne zurück", entgegnete die Frau eisig. "Aber zuerst möchte ich mich hier auf der Brücke umsehen."

Kork zuckte mit den Achseln. "Auch gut. Es müsst mal dringend abgestaubt werden und der Boden ghört gewischt. Seit ich Cherry-Coke verschüttet habe, klebt alles ein bisschen." Er lehnte sich zufrieden zurück und verschränkte die Beine übereinander. Führungsqualitäten zeigen und den Neuen gleich sagen, wo's lang ging, das war alles, was man als erfolgreicher Käpt'n heutzutage so brauchte...

Die Frau blickte ihn entgeistert an. "Haben Sie eigentlich eine Ahnung, wer ich bin?", fragte sie streng.

Kork runzelte milde neugierig die Stirn. Wen hatten sie denn da geschickt? "Tut mir echt leid, wenn du deinen eigenen Namen nicht kennst", meinte er grinsend. "Aber wir finden sicher was hübsches für dich. Wie wär's mit..."

"Ich bin die Oberinspektorin der Raumflotte", fiel ihm die Frau ins Wort. "Sie siezen mich jetzt gefälligst und nennen mich Frau Oberinspektor, ist das klar?"

"Ober-Boden-Inspektorin, oder was?", fragte Kork immer noch grinsend. "Nennen die im Hauptquartier die Putzfrauen jetzt so?" Stumm holte die Frau einen Ausweis aus der Brusttasche ihres Overalls und hielt ihn Kork vor die Nase. Und um eben diese wurde der Käpt'n nun merklich blasser.

"Pst, du, Käpt'n", flüsterte Schrotty hilfreich. "Ich glaube, die ist echt."

 

* * *
 

Ungefähr so gut gelaunt, wie ein ausgehungerter Tiger an einem heißen Tag in einem viel zu kleinen Käfig, der in der prallen Sonne steht, machte sich die Inspektorin auf Inspektionstour durch das Schiff. Käpt'n Kork natürlich im Schlepptau. Schrotty, Die Pille und Mr. Schpuck, die sich die Show nicht entgehen lassen wollten, trotteten hinterher.

Die Liste der Mängel, die sie feinsäuberlich in ein Notizbuch eintrug, war lang: im Maschinenraum tropfte eine Leitung und es war einfach nur ein Eimer darunter gestellt worden, anstatt dass das Leck repariert wurde. Es gab keine sauberen Uniformen mehr, weil keiner die schmutzigen gewaschen hatte. In der Küche stapelte sich das ungespülte Geschirr fast bis zur Decke und natürlich hatte wieder niemand den Müll rausgebracht. Die Wände in den Toiletten waren mit obszönen Sprüchen und Bildern beschmiert. In allen Ecken und Nischen fanden sich leere Wodka- und Eierlikörflaschen. Die Instrumente auf der Brücke waren zum Teil mit Sahne verschmiert und unter den Konsolen kleben Kaugummis. Schließlich reichte es der Inspektorin. Mit einem knappen: "Das war die schlimmste Überraschungsinspektion meines Lebens. Sie hören von mir!", rauschte sie ab. Käpt'n Kork sah ihrem Bericht mit Bangen entgegen. Obwohl, wenn er es genau bedachte, sahen die im Hauptquartier jetzt vielleicht endlich ein, dass sie eine Putzhilfe wirklich dringend brauchten.

 

* * *
 

Es dauerte auch kaum vier Tage, als ein Fax und ein großes Paket vom Hauptquartier eintrafen.

"Was ist da drin?", fragte Schrotty neugierig. "Ein Putzroboter?"

Kork seufzte, knüllte das Fax zusammen und ließ es fallen. "Nein. Besen, Schürzen, Putzlappen und so was sind drin. Wir sollen gefälligst selbst putzen. Und diese Inspektorin soll jetzt jede Woche vorbeikommen..."
 
Ende

 


 

18. Dez.: Der Froschkönig: sweet dreams are made of this

 

Lady Charena in märchenhafter Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Traue nie einem Frosch, denn er könnt' ein Käpt'n sein..."

 

"Wie wundervoll! So ein schöner Park! Frische Luft, Blumen, grünes Gras, Bäume - und viel Sonnenschein", freute sich Schrotty. Er trat auf eine Lichtung und sah sich begeistert um. Hier ließe es sich ein Weilchen aushalten, dachte er. Dort im Schatten des kühlen Brunnens. Er machte sich also auf, um sich dort im weichen Gras niederzulassen.

Aber noch bevor er ihn ganz erreicht hatte, tauchte plötzlich eine Gestalt vor ihm auf. Es war Mr. Schpuck. Und er wirkte ganz und gar nicht erfreut, Schrotty hier anzutreffen. "Das ist meine Story", beschwerte er sich. "Mach gefälligst, dass du von hier verschwindest."

Schrotty zog eine beleidigte Schnute - und von dannen.

Nun war es Mr. Schpuck, der zum Brunnen ging und sich auf den Rand setzte. Prüfend zückte er seinen goldenen Spiegel, der blitzte und blinkte, als ihn ein Sonnenstrahl traf. Kritisch suchte er seine Haut ab. "Pah, Sonnenschein. Von wegen wundervoll. Sommersprossen, Mallorca-Akne, Sonnenbrand! Und erst dieses Viehzeugs überall in der Luft. Mücken, Bienen und weiß der Geier, was noch! Ich mit meiner Blütenstauballergie." Bekräftigend nieste er ein, zwei Mal.

Dabei fiel ihm unglücklicherweise der Spiegel aus der Hand und plumpste in den Brunnen. Nun war das Elend groß. Mr. Schpuck zerquetschte sogar ein paar Tränchen.

Da bewegte und wogte und wirbelte plötzlich die Wasseroberfläche und ein sehr großer, hässlicher und fetter Frosch schwang sich auf den Brunnenrand. "Was soll das Geflenne?", fragte er barsch.

"Mir ist mein goldener Spiegel in den Brunnen gefallen", entgegnete Mr. Schpuck ausgesprochen unfreundlich. "Geht's dich was an?"

Der fette Frosch bekam einen knallroten Kopf. (So weit man natürlich bei einem Frosch ungefähr bestimmen kann, wo der Kopf endet und der Hals anfängt.) Seine Augen quollen noch weiter hervor, so dass es aussah, als würden sie jeden Moment aus ihren Höhlen plumpsen. "So! Du warst das also! Was fällt euch eigentlich ein, immer eueren Müll in meinen Brunnen zu schmeißen? Das wäre ein Geschrei, von euch Landbewohnern, wenn ich das gleich tun würde. Mein armer Kopf. Der Spiegel hat mich fast erschlagen!"

"Pah, wärst halt net so dämlich in der Gegend rumg'schwommen." Schpuck zuckte mit den Achseln. "Wenn's weiter nix war."

Der Frosch lief komplett rot an und sah so aus, als würde er jeden Augenblick vor Wut platzen. "Frechheit!", schimpfte er. "Warte nur, dir schmeiß ich auch was an den Kopf. Dann werden wir ja sehen, wie dir das gefällt." Sprach's und ließ sich über den Brunnenrand zurück ins Wasser plumpsen, dass es nur so spritzte.

Empört sprang Mr. Schpuck auf. "Jetzt guck dir nur diese Schweinerei an! Ich bin ja ganz nass geworden." (Dass die Sonne die paar Tropfen Wasser schnell trocknen würde, ignorierte er in seinem Ärger.) Verärgert machte er sich auf die Suche nach einen Ort ohne grantige, alte, fette Frösche.

 

Kaum hatte er den Rand der Lichtung erreicht, als der Frosch wieder auftauchte und schweratmend auf den Brunnenrand hopste. (Der Brunnen war ziemlich tief, es war ein weiter Weg bis zum Grund der Frosch nicht mehr der Jüngste und Fitteste.) Er schleppte schwer an Schpucks goldenem Spiegel und ganz offensichtlich hatte er ihn nur mitgebracht, um ihn seinem Besitzer an den Kopf zu werfen. Leider sah er gerade den in der Ferne verschwinden. Der Frosch hätte gerne wütend geflucht, doch leider fehlte ihm dazu im Moment die Luft. Keuchend setzte er den Spiegel ab und lehnte sich dagegen - nun sind Spiegel aber von Natur aus reichlich unstabil und so kam es, dass er über den Brunnenrand kullerte und wieder ins Wasser plumpste. Der Frosch, der sich dagegen gelehnt hatte, fiel natürlich hinterher.

 

Mr. Schpuck hatte sich inzwischen eine einsamere Lichtung gesucht - wenn auch ohne Brunnen (Das Wasser hatte sowieso nur die Schnaken angezogen.) - und es sich dort so richtig im Schatten eines Baumes gemütlich gemacht. Recht bald schlummerte er dann auch ein.

 

* * *
 

Nach einiger Zeit erwachte er frisch und munter und - wenn dieser Scherz erlaubt war - fröhlicher, als ein Frosch auf einer Fliegenparty. Bis auf eine winzige Tatsache, sein leerer Magen begann sich nämlich bemerkbar zu machen. Aber da konnte leicht Abhilfe geschaffen werden. Schließlich hatte er in seinem Rucksack Proviant mitgenommen. Er nahm also die Tasche und packte aus.

Kaum hatte er begonnen, sich daran gütlich zu tun, als eine Stimme schnarrte: "Hey, Mr. Landbewohner! Guck mal, was ich hier habe."

Mr. Schpuck blickte auf. Ein paar Schritte von ihm entfernt saß der alte, hässliche, fette Frosch und zwar mit seinem goldenen Spiegel! "Hey, mein Spiegel. Toll!" Er sprang auf und ging zu dem Frosch, um ihm das vermisste Gut abzunehmen.

Doch der Frosch weigerte sich. "Nix da", meinte er giftig. "Hast du eine Ahnung, was das für eine Arbeit war, dieses schwere Ding bis vom Grund des Brunnens zu holen? Und was ist mit Finderlohn, häh?"

Mr. Schpuck musterte ihn, als würde er überlegen, ob es nicht einfacher wäre, diese unverschämte Kröte mit einem Fußtritt dorthin zurück zu befördern, wohin sie gehörte. Doch dabei hätte der teuere Spiegel beschädigt werden können. "Na gut", meinte er. "Was willst du?"

Der Frosch grinste breit. "Für den Anfang gebe ich mich mal damit zufrieden, wenn du mit mir deinen Proviant teilst."

So geschah es dann auch. Allerdings vertilgte der Frosch alles allein. Schpuck verging der Appetit bei diesem Anblick völlig.

 

* * *
 

Als schließlich nur noch ein paar Krümel übrig waren, fragte Mr. Schpuck: "Kann ich jetzt den Spiegel haben?" (Denn der Frosch war sicherheitshalber die ganze Zeit über darauf gesessen und er konnte dieses glitschige Ding unmöglich anfassen. Sowieso hatte er keine Ahnung, wie er den Spiegel jemals wieder sauber bekommen sollte...)

Der Frosch rülpste und schüttelte dann den Kopf. "Nein. Zuerst will ich mich noch ein wenig ausruhen und ein kleines Mittagsschläfchen halten."

"Geht das vielleicht nicht auch ohne mich?", wagte Mr. Schpuck einzuwenden. "Ich will noch weiter und mein Landurlaub dauert schließlich nicht ewig. Ich nehm' einfach meinen Spiegel und verzieh mich und du kannst hier in Ruhe schlafen."

"Da denk ich gar nicht dran", meinte der Frosch und grinste erneut. "Ich lieg' nicht gerne auf dem harten Boden. Ich will auf deinem Bauch schlafen."

"WAS!!??!!" Mr. Schpuck schüttelte den Kopf. "Auf keinen Fall! Das mache ich nicht."

"Pah, wie du willst." Der Frosch angelte nach einem Stein ganz in der Nähe. "Wieviel hält eigentlich so ein goldener Spiegel aus? Wetten wir, dass ich es schaffe..."

"Okay, okay", unterbrach ihn Schpuck hastig. "Ich mach's. Aber bitte lass den Spiegel in Ruhe, das ist ein Erbstück."

 

Der Frosch grinste nur und schwieg. Mr. Schpuck streckte sich im Gras aus und der Frosch kletterte tatsächlich auf ihn - natürlich ohne den Spiegel los zu lassen, was das ganze erheblich erschwerte - und machte es sich auf seinem Bauch bequem, nicht ohne einige Male hin und her zu trampeln. Doch schließlich ließ er sich mit einem zufriedenen Seufzen niederplumpsen, schob den Spiegel unter sein Doppelkinn und war ratz-fatz eingeschlafen.

 

* * *
 

Irgendwie war Mr. Schpuck wohl auch eingeschlafen - obwohl das kaum möglich schien, so wie der Frosch schnarchte - denn das nächste, was er wusste, war etwas komisch kaltes und glitschiges in seinem Gesicht. Erschreckt öffnete er die Augen und starrte direkt in die Glubscher des Frosches. "Küss' mich", hauchte der und spitzte seine wulstigen Lippen. "Küss' mich. Ich bin ein verwunschener Raumschiffkäpt'n."

 

 

"UUUUHHHHAAAAAA!!!!!" Mit einem Schreckensschrei fuhr Mr. Schpuck auf. Er sah sich um. Nirgendwo ein Frosch. Glücklicherweise. Völlig außer Atem ließ er sich zurückfallen. Ein Traum, zum Glück war es nur ein Alptraum! Das war aber auch das letzte Mal gewesen, dass er Kork ein Gute-Nacht-Märchen vorgelesen hatte.
 
Ende

 


 

19. Dez.: Relax!

 

Lady Charena erholenderweis' in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Nach all der Aufregung ist erst einmal ein wenig Entspannung angesagt..."

 

"Aaaaahhhh..." Kork stöhnte lustvoll auf, als kräftige Hände in seinen Nacken griffen. Nein, es war wirklich keine Verschwendung gewesen, diesen Masseur einzustellen. Ganz und gar nicht.

Schrotty und Mr. Schpuck hatten es sich inzwischen am Pool in ihren Liegestühlen bequem gemacht. "Mei, ich hab wieder die Sonnencreme vergessen", beklagte sich Mr. Schpuck und rührte mit dem Trinkhalm in seinem farbenfrohen Drink.

"Macht doch nix", murmelte Schrotty schläfrig und rückte seine Sonnenbrille zurecht. "Ich hab hier noch nie einen Sonnenbrand bekommen."

"Ja, du." Schpucks verächtlicher Tonfall machte klar, dass er diesen Einwand nicht sehr zu schätzen wusste. "Aber ich hab eine empfindliche Haut."

"Hmmh..." Schrotty brummte eine Antwort, drehte Schpuck dann demonstrativ den Rücken zu.

Der schlürfte - kaum weniger ausdrucksvoll - lautstark seinen Drink. "Mir is langweilig", meinte er schließlich. Doch aus Schrottys Richtung kam nur nachdrückliches Schnarchen. Nach einer Weile stand Schpuck auf und schlenderte zum Rand des Pools. Vorsichtig streckte er einen Fuß aus und tauchte ihn ins Wasser. Er schüttelte sich. Uaah, ne, doch nicht. Viel zu kalt. Er verschränkte die Arme vor der Brust und mopste sich.

Die Pille sah sich um - niemand zu sehen - und schlüpfte dann in eine der Badekabinen. Er zog die Tür hinter sich zu und stellte seine Tasche ab. Während das heiße Wasser in die Wanne rauschte, warf er seine Klamotten auf einen Haufen und gab Badeschaum hinein. Schließlich schwang er sich mit einem zufriedenen Seufzen in die Wanne. Nach einer Weile griff er nach der Tasche und kippte ihren Inhalt ins Wasser. Vergnügt stimmte er ein Liedchen an.

 

Schpuck war auf dem Weg in die Garderobe, als er ein schreckliches Geräusch hörte, das ganz offensichtlich aus einer der Badekabinen kam. Folterte einer da drin ein Gummibärchen? Neugierig öffnete er die Tür und spähte hinein. Kein Gummibärchen. Aber dafür saß Die Pille in der Wanne und spielte singend mit einer Schar Quietschentchen...
 
Ende

 


 

20. Dez.: Musik liegt in der Luft

 

Lady Charena in musikalischer Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Wartet die große Karriere etwa irgendwo da draußen?..."

 

Fröhlich vor sich hinträllernd kam Kork schwungvoll auf die Brücke. Er warf sich in seinen Sessel, schlug die Beine übereinander und trommelte im Takt mit den Fingern auf der Armlehne. Sein Blick ging geistesabwesend ins Leere.

Schrotty trat zu Mr. Schpuck und stupste ihn an. Schpuck zuckte zusammen, er hatte gerade konzentriert einen Asterix-Comic gelesen. "Was ist denn?", fragte er ungehalten.

"Was is'n mit ihm los?" Schrotty wies mit dem Kinn auf Kork. "Hat Mutti wieder einen Besuch angekündigt?"

Mr. Schpuck schüttelte den Kopf. "Erinnerst du dich an dieses Musical, das wir während des Landurlaubs auf A-L-Webber gesehen haben?"

"Klar." Schrotty schauderte bei der Erinnerung. "Das war grässlich."

"Grässlich ist noch untertrieben", stimmte Schpuck zu. "Er war aber ganz hingerissen. Seitdem hat er diese Musical-Zeitschrift abonniert. Und da war neulich eine Rollenausschreibung drin. Die Hauptrolle in einer Musical-Neufassung von Schneewittchen. Und unser Käpt'n hat sich in den Kopf gesetzt, sich für diese Rolle zu bewerben."

Schrotty prustete los. "Unser Käpt'n? Das ist nicht sein Ernst, oder? Er singt ungefähr so gut wie eine Giraffe mit Halsentzündung. Und da will er den Prinzen spielen?"

Mr. Schpuck verdrehte die Augen. "Nein - Schneewittchen..."
 
Ende

 


 

21. Dez.: Wer schön sein will...

 

Lady Charena in kosmetischer Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Cremes, Lotions, Gurkenmaske. So ein Schönheitstag muss drin sein..."

 

"Das darf doch nicht wahr sein!" Mr. Schpuck trat noch näher an den Spiegel. Prüfend zupfte er hier und tastete dort. "Das ist ja schrecklich!" Er drehte den Kopf nach links, nach rechts und schielte dabei auf sein Spiegelbild. "Ich bekomme Falten!!" Da musste etwas unternommen werden und zwar schnellstens!

 

* * *
 

Als Käpt'n Kork auf die Brücke kam, traute er seinen Augen kaum. "Was is'n des hier für eine Veranstaltung?", fragte er verblüfft.

Überall standen Tiegel und Cremetöpfe, Flaschen und Flakons, Tuben lagen herum. Auf Korks Sessel lag ein Stapel Handtücher, darauf stand eine Schüssel mit weißem Zeugs. Und dann erst Schrotty und Mr. Schpuck - sie hatten ihre Stühle zurückgekippt, waren in Bademäntel und Handtücher gewickelt und hatten Gurkenscheiben auf den Augen.

Schrotty richtete sich auf. "Schönheitstag", verkündigte er. "Willst auch ein bisserl von unserer Quarkmaske? Gut gegen Falten."

Kork bekam die Quarkmaske in den falschen Hals. "Soll das etwa heißen, ich habe Falten?"

Schrotty zog vor, nicht zu antworten.

"Okay, wir werden ja sehen." Wahllos griff sich Käpt'n Kork eine der herumliegenden Tuben, öffnete sie und schmierte sich das weiße Zeug ins Gesicht.

Schrotty begann zu kichern. "Ich bin mir nicht sicher, ob Enthaarungscreme helfen wird..."
 
Ende

 


 

22. Dez.: Hausputz

 

Lady Charena in Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Wie sagt schon eine alte Volksweisheit? Darum putze, wer sich binde, ob sich nicht doch ein Reinlicherer finde..."

 

"Also nein, des is hier ein Saustall", schimpfte Käpt'n Kork, als er auf die Brücke trat. "Und da soll übermorgen das Christkind kommen?"

Mr. Schpuck blickte flüchtig auf. Er war vollauf damit beschäftigt, seine Fingernägel zu feilen. "Ja mei, wenn du da drauf wartest..."

Tadelnd schüttelte Kork den Kopf. "Staubgewischt hat hier auch wieder keiner seit Wochen - ach, was sag ich, seit Monaten." Er wischte mit der Handfläche über die wissenschaftliche Station, wirbelte eine Staubwolke auf und nieste.

"Gesundheit, mein Käpt'n", meinte Mr. Schpuck sofort - und hickste.

"Was war jetzt des?", fragte Kork erstaunt.

"Na, ein Niesen."

"Des war doch kein Niesen!", hielt der Käpt'n dagegen.

Empört blickte Schpuck ihn an. "Freilich war des ein Niesen." Und hickste noch einmal.

"Da! Schon wieder! Des war eindeutig ein Schlucken! Hast an Schluckauf, was?"

Schpuck schüttelte verständnislos den Kopf. "Ich musste niesen, bei dem ganzen Staub, den du aufgewirbelt hast. Pfui Teufel." Er wedelte mit der Hand vor dem Gesicht. "Ich niese immer so."

"Hab' ich das was von Niesen gehört? Wer ist krank?" Die Pille rieb sich unternehmungslustig die Hände. "Bin schon zur Stelle."

"Ach, niemand ist krank", seufzte Kork genervt. "Aufg'räumt g'hört halt amal wieder."

Enttäuscht klappte Die Pille sein Köfferchen wieder zu. "Was guckst du mich so an? Ist das vielleicht meine Brücke?", knurrte er griesgrämig. "Räum' doch selber auf." Sprach's und rauschte empört ab.

"Ich? Ich bin schließlich der Käpt'n." Kork drückte die Sprechtaste an seinem Kommandostuhl. "Schrotty, sofort auf die Brücke!"

"Aye, Käpt'n", flötete es zurück. Und wenige Augenblicke später stürmte Schrotty aus dem Lift. "Was gibt's, wo brennt's, mein Käpt'n?"

Kork musterte ihn streng. "Fällt dir vielleicht irgendwas hier auf?"

Schrotty sah sich um. "Neue Vorhänge?", riet er.

Kork seufzte.

"Ich hab's! Schpuck war beim Frisör!"

Kork schüttelte stöhnend den Kopf.

Schrotty zuckte mit den Achseln. "Wie wär's mit einem kleinen Tipp?"

Mr. Schpuck kicherte. "Tiefer", meinte er.

Schrotty riss die Augen auf. "Du hast dich doch nicht etwa... da.... piercen lassen?"

"Geht das nicht auch etwas ernster, meine Herren!", mischte sich Kork ein, bevor das zu einem Privatgespräch verkam. "Und - nein, kein Piercing."

"Kann ich dann jemanden anrufen?", fragte Schrotty grinsend.

"Vielleicht nimmst du zuerst den fifty-fifty Joker oder fragst das Publikum", warf Mr. Schpuck ein.

"Ruhe!!", donnerte Kork und warf und einen giftigen Blick zu. "Hab ich eine Frisur wie Günter Gülle, oder was?" Er ignorierte das aufkommende Gekicher. "Ich mein' den Saustall hier. Da muss mal wieder gründlich aufg'räumt werden. Und du...", er blickte Schrotty an, "...wirst dich drum kümmern."

"Warum immer ich?", maulte Schrotty. "Ich bin Ingenieur, keine Putzfrau."

"Ich bin der Käpt'n", entgegnete Kork sofort.

"Und ich... ich habe eine Hausstauballergie", verkündete Mr. Schpuck. "Schon seit frühester Kindheit. Ich muss ein Staubtuch nur sehn und schon krieg' ich Ausschlag."

 

Angetan mit Schürze und Kopftuch tobte Schrotty einige Zeit später staubwedelnd über die Brücke. Rechter Erfolg wollte sich aber nicht einstellen. Er wirbelte jedoch genug Staub auf, um sich selbst und die anderen beiden zu Hustenanfällen zu reizen.

Schließlich stoppte er und lehnte sich nach Atem ringend gegen den Kommandostuhl. "Vielleicht... sollte ich...", keuchte er, "...einfach wieder mal einen Dichtungsring abmontieren... und und... die Brücke unter Wasser setzen." Er holte tief Luft, hustete und gestikulierte mit dem Staubwedel. "Ihr müsst... doch zugeben, dass der Maschinenraum noch nie... so sauber gewesen ist, wie nach der Überschwemmung."

"Hast du an Knall?", fuhr ihn Kork an - und musste prompt wieder husten. "Wo ich mir heute morgen erst die Füss' gewaschen hab."

"Und ich vertrag' sowieso überhaupt keine Staunässe", protestierte auch Mr. Schpuck lautstark.

"Aber so wird das nix", meinte Schrotty. "Auf die Weise schrubbe ich hier ja Neujahr noch."

"Hmh", nachdenklich stützte Kork das Kinn in die Hand. "Irgendwas sollte uns doch einfallen, wenn wir uns alle drei mal richtig anstrengen und nachdenken."

Und das taten sie dann auch. Bis die Köpfe qualmten.

 

* * *
 

"Na, was meint ihr dazu?", erkundigte sich Schrotty stolz. Er schwenkte die Fernbedienung und die Putzmaschine beschrieb einen eleganten Bogen um Käpt'n Kork, der ihm nach wie vor beleidigt den Rücken zuwandte.

"Also ich find' sie toll", bemerkte Mr. Schpuck und versteckte sein Grinsen hinter seinem Taschenspiegel.

"Ich finds im höchsten Grad lächerlich", kam es eisig von Kork, der sich immer noch nicht umdrehte.

"Aber du hast doch selbst gesagt, du ziehst die Dinger nicht an und sie sind einfach perfekt", verteidigte sich Schrotty.

"Meiner Mama würd's Herz brechen, wenn sie sehn könnt, was ich mit ihrem letzten Geburtstagsgeschenk mache", schmollte Kork.

Schrotty steuerte seine neueste Erfindung, den Staubwischroboter in die Mitte der Brücke. Leise summend fuhren seine Greifarme aus und begannen den Boden mit zwei großen, unförmigen Wollklumpen zu schrubben. Dazu tauchte er einen davon in den Wassereimer auf seinem Rücken, mit dem anderen polierte er nach. "Also, du kannst sagen, was du willst, die Bettsocken, die dir deine Mutter gestrickt hat, sind die besten Putzlappen, die man sich vorstellen kann. So sind wir im Handumdrehen mit dem Hausputz fertig..."
 
Ende

 


 

23. Dez.: Schpuck um Mitternacht

 

Lady Charena in schauriger-schlummernder Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Wer schlafwandelt, sündigt nicht. Oder???"

 

Tiefrot leuchteten die Ziffern auf dem Radiowecker - 11:45 Uhr - als er sich aus dem Bett erhob. Alles war still und auch seine bloßen Füße erzeugten nicht mehr als ein leises Tapp-Tapp auf dem Boden, als er den Raum verließ. Er huschte durch die verlassenen Korridore, stets darauf bedacht, niemandem zu begegnen, der ihn nach dem Grund seiner Anwesenheit hier und um diese Stunde befragen konnte.

Endlich erreichte er das ersehnte Ziel. Nur eine Tür noch trennte ihn von der Erfüllung seiner Wünsche. Doch leider war sie verschlossen. Aber auch darauf war er vorbereitet und zog eine Haarnadel hervor. Damit stocherte er dann im Türschloss herum. So einfach, wie er sich das vorgestellt hatte, ging es zwar nicht, doch schließlich musste das Schloss doch nachgeben und er öffnete frohlockend die Tür.

Leise trat er ein. Es war sehr dunkel und er tastete eben nach dem Lichtschalter, als plötzlich vor ihm eine Taschenlampe angeknipst wurde. Etwas Weißes bewegte sich in ihrem schwachen Schein und eine laute, tiefe Stimme rief: "BBBBUUUUUHHH!!""

Erschreckt wandte sich Mr. Schpuck um und rannte so schnell er konnte in seine Kabine zurück. (Wo er die Tür sorgfältig verriegelte und sich bibbernd die Decke über den Kopf zog.)

 

* * *
 

Hämisch vor sich hinkichernd, ließ sich Die Pille wieder auf seiner Luftmatratze nieder. Da lohnte es sich doch glatt, sich auf diesem Ding den Rücken zu ruinieren, den Schönheitsschlaf zu opfern und ein bisschen Geist zu spielen.

Er warf einen Blick auf die Uhr - es war kurz nach Mitternacht - und knipste dann die Taschenlampe aus, um auf den dritten "Schlafwandler" zu warten. Schrotty war nämlich der Einzige, der bisher noch nicht versucht hatte, an die Weihnachtsgeschenke zu kommen.

Er lauschte - waren das auf dem Flur nicht eben Schritte gewesen? Die Pille unterdrückte ein erneutes Kichern und bereitete sich vor, noch einmal in Erscheinung zu treten. Geisterstunde war doch was Herrliches!
 
Ende

 


 

24. Dez.: Alle Jahre wieder

 

Lady Charena in feiertäglicher Vertretung von Käpt'n Kork und Mr. Schpuck:
"Endlich, endlich ist es soweit und die Zeit des Wartens vorbei. Sehr zur Erleichterung so manches Herren..."

 

Lady Charena berichtet via versteckte Kamera live vom Traumschiff:

 

Nun endlich ist es also soweit. Auch auf dem Traumschiff kehrt feiertägliche Ruhe und Besinnlichkeit ein. Momentan wird gerade in trauter Runde das Abendessen eingenommen...

 

"Ich mag aber keine Gans", nörgelt Mr. Schpuck und schiebt seinen Teller weg.

Käpt'n Kork ist damit beschäftigt, einem Gummiball-ähnlichen Knödel nachzujagen, der ohne Erlaubnis den Teller verlassen hat und hübsche Soßenflecken auf die Tischdecke zaubert.

"Das ist nun mal das traditionelle Weihnachtsessen schlechthi... AU!!" Stöhnend unterbricht sich Die Pille und beginn hektisch, seinen Mund zu untersuchen. "Ich hab auf was Hartes gebissen", nuschelt er. "Oh, nein, ich glaube meine Plombe ist futsch."

Nur Schrotty ist offenbar wunschlos glücklich. Er knabbert zufrieden an seiner Gänsekeule und schenkt dem ganzen Trubel um sich herum keine Beachtung.

"Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt." Kork ist endlich erfolgreich und befördert den Knödel wieder dorthin, wo er gehört.

"Phsaw." Schpuck beginnt aus seiner Serviette ein Schiffchen zu falten. Er ist mies gelaunt, nachdem er letzte Nacht nicht gut geschlafen hat. Und außerdem nagt an ihm, dass er auf den Gespenster-Trick von Die Pille hereingefallen ist. "Wann ist denn nun endlich Bescherung?"

"Was gibt's zum Nachtisch?", schaltet sich in diesem Moment Schrotty in die Unterhaltung ein.

"Ich glaube, Vanillepudding mit Erdbeeren", murmelt Die Pille. "Gib mir mal deinen Spiegel", fährt er Schpuck an. Der ist zwar beleidigt, rückt den Spiegel aber raus.

"Ich liebe Erdbeeren", sagt Mr. Schpuck. "Aber wann ist denn nun Bescherung?"

"Nach dem Essen", entscheidet Käpt'n Kork. "Ich will auf keinen Fall die Weihnachtscartoons verpassen. Und wehe, du fragst noch ein Mal."

"Bla-bla-bla", äfft ihn Mr. Schpuck nach, aber so leise, dass Kork es gar nicht hört.

 

* * *
 

Zeit für die Bescherung. Alle haben sich auf der Brücke um den... ähem... sehr bunt und... äh... durchaus geschmackvoll mit Traumschiff-Emblemen geschmückten Baum versammelt. Die Lichter sind an und es glitzert und blinkt, dass es eine wahre Freude ist. Und bei längerer Betrachtung ist sicherlich mein Augenlicht gefährdet...

 

Die Pille hält sich grollend und fluchend die Backe, denn sein Zahn tut ziemlich weh. Doch dann fällt sein Blick auf Mr. Schpuck und er grinst.

Der Ärmste hat nämlich ganz vergessen, dass er an einer Erdbeer-Allergie leidet und nach dem Verzehr des Nachtischs einen hässlichen Ausschlag bekommen.

Käpt'n Kork verteilt unverdrossen guter Laune Wunderkerzen, während Schrotty schon mal eine CD mit Weihnachtsliedern auflegt.

Und als sich dann alle mit brennenden Wunderkerzen um den Baum aufstellen und Jingle Bells leiernd aus den Lautsprechern kommt - geht die Sprinkleranlage los. Das waren wohl ein paar Wunderkerzen zu viel...

 

Es dauert gut eine Stunde, bis sich alle umgezogen haben und auch die meiste Nässe vom Boden aufgetrocknet ist. Doch dann ist es endlich soweit, die Geschenke dürfen ausgepackt werden.

Korks Päckchen von seiner Mutti enthält zu seinem Entsetzen ein paar Bettsocken zum Wechseln in fluffigem Rose. Seine Kameraden haben zusammengelegt und ihm ein Buch gekauft: "Angeln für Dummys".

Die Pille findet in seinem Päckchen eine Magnumpackung seiner Lieblingspralinen, von denen er aufgrund seiner fehlenden Plombe noch nicht mal kosten kann.

Mr. Schpuck hat ein rosa Plüschkaninchen bekommen, das schwarze Strapse trägt.

Und Schrottys Geschenk? Einen gehäkelten Schoner für die Beamkonsole in der Tarnfarbe Olive.

 

Da bleibt mir nur noch zu sagen... Fröhliche Weihnachten!!! (...und alle sind froh, es wieder für ein Jahr hinter sich zu haben...)

 

...Das war die Liveübertragung von "Weihnachten an Bord des Traumschiffes" mit Lady Charena - over and out...

 
Ende

 
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