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Begegnungen

© by Aisling (), 2000

 

Disclaimer: Leider gehört weder Highlander noch Raven mir sondern einzig und alleine absolut und unwiderruflich Wyden, Panzer/Davis, Rysher, Miramax. Diese Gechichte wurde von mir nur zum vergnügen und ohne jegliche Gewinnabsichten geschrieben.
Ein ganz großes Dankeschön an Kadira fürs Betalesen ohne sie wäre die Umsetztung dieser Strory nur halb so gut.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) in der Highlander-Sektion.
Über irgendwelche Reaktionen, positiv oder negativ (solange es konstruktiv ist Kommentare wie 'das ist Scheiße' werden sofort gelöscht) freue ich mich sehr.
Diese Fanfic fängt nach der dritten oder vierten Raven Folge an. Nick kennt weder Joe noch die Beobachter......

 

Beverly Hills

 

Sie stritten wieder einmal auf dem Weg zu ihrem Appartment. Nein, Streit war es nicht, eigentlich nur eine Diskussion.

"Nick, warum kannst du nicht verstehen, daß ich die Kämpfe mit anderen Unsterblichen alleine austragen muß. Du wirst es nicht glauben, aber mit meinen über 1000 Jahren bin ich alt genug, um auf mich selber aufzupassen."

Es war eine gute Portion Sarkasmus mit dabei, denn seit einigen Tagen hatte Nick es sich in seinen Kopf gesetzt, Amanda vor anderen Unsterblichen zu schützen, was für Nick früher oder später tödlich enden würde.

"Aber du bist viel kleiner als deine Gegner, und als Frau hast du einfach nicht soviel Kraft wie ein Mann!"

"Das mache ich durch Erfahrung und Training wett..."

Amanda hörte auf zu reden und hob angespannt ihren Kopf. Da war es wieder. Ein anderer Unsterblicher war in ihrer Nähe und das keine 100 Meter von ihrer Wohnung entfernt. Scheiße war ihr erster Gedanke. Mein Schwert liegt oben in der Wohnung. Wieso habe ich auch dieses Kostüm angezogen, wo ich kein Schwert, noch nicht einmal ein Messer unauffällig unterbringen kann? Sie schaute sich um, ob sie den anderen Unsterblichen irgendwo sehen konnte. Vielleicht war es ja Duncan, der auf einen Besuch vorbeikam. Aber der hat sich ja mal wieder in ein Kloster zurückgezogen, um seine Wunden zu lecken, und sonst weiß keiner, wo ich mich jetzt aufhalte.

Nick hatte natürlich gemerkt, daß irgend etwas nicht stimmte

"Ach, ist etwa ein Unsterblicher in der Nähe? Und Du bist nicht bewaffnet: Ja, ja mit deinen 1000 Jahren bist du wirklich alt genug, um zu wissen, was du tust."

"Mir ist schlagartig jede Lust auf eine Diskussion vergangen, lieber Nick! Ich gehe da vorne in das Cafe und wäre ziemlich glücklich, wenn du mir mein Schwert aus der Wohnung holen könntest. Solange ich mich auf belebten Plätzen aufhalte wird mir nichts passieren." Sie versuchte ihn mit hingebungsvollen Augenaufschlag zu überzeugen.

Amanda hörte zwar wie Nick antwortete, reagierte aber nicht, da sich eine ihr sehr vertraute Gestalt auf sie zubewegte. Sie ging ihm sofort entgegen, ohne auf Nicks verdatterten Gesichtsausdruck zu achten.

Als sie ihn in den Arm nahm flüsterte er: "Der Name Adam Pierson hat sich noch nicht geändert."

Als sie sich voneinander trennten sah sie ihn prüfend an. Nein, Methos hat sich nicht verändert. Immer noch die scheinbar schlaksige Gestalt, der man nicht ansieht welche Kraft sich dahinter versteckt und immer noch dieses zynische Grinsen, das so typisch für ihn ist. Ihre Gedanken fingen an Saltos zu schlagen Woher weiß er, wo ich wohne, und wieso hat er auf mich gewartet? Der will doch etwas von mir. Aber es war schön zu wissen, daß er in der letzten Zeit seine Identität nicht gewechselt hat.

Nick war inzwischen an ihre Seite getreten und beäugte Methos mißtrauisch, denn für ihn bedeuteten andere Unsterbliche einfach nur Ärger.

"Nick, daß ist Adam Pierson, ein Freund von mir. Adam, daß ist Nick. Er weiß Bescheid über uns."

Methos sah sich Nick genau an. Einen guten Geschmack hat Amanda ja, aber die haben bestimmt noch nichts miteinander waren seine ersten Gedanken. Ich frage mich nur, wieso sie ihm von uns erzählt hat?

Als sich das Schweigen zwischen Nick und Methos auszudehnen begann und langsam unangenehm wurde, versuchte Amanda, die Situation zu entspannen: "Adam, hast du Lust auf einen Kaffee? Lucie wird uns bestimmt gerne einen machen."

"Ich habe da ein Problem, das ich mit dir besprechen muß. Ich brauche deine Hilfe."

So, jetzt war es raus. Wie er es haßte andere um Hilfe zu bitten. Aber Joe war es wert, und er konnte es nun nicht selber machen, genauso gut konnte er sich selber enthaupten.

 

Als Methos und Amanda in ihr Appartement gingen, folgte Nick ihnen unaufgefordert. "Ich wußte gar nicht, daß du Dir einen Wachhund zugelegt hast!" Der Sarkasmus in Methos Stimme war nicht zu überhören: "Hat der Kerl Sorge, daß ich in deiner Wohnung über dich herfalle und dir deinen schönen, dickschädeligen Kopf nehme?"

So, jetzt sind die Fronten geklärt und die beiden Männer fallen übereinander her. Ich hatte ganz vergessen, wie empfindlich Methos ist, wenn es um die Wahrung seiner Geheimnisse geht. Besonders um die Tatsache das er ein Unsterblicher ist und dann erst sein Alter. Aber egal. Entweder erzählt er es, wenn Nick und Lucie dabei sind oder gar nicht. "Tut mir leid Me.. Adam." Verdammt, jetzt wäre ihr beinahe ein ziemlicher Fehler unterlaufen "Aber ich hatte Nick schon vor dir zu Kaffee eingeladen und ich habe weder vor ihm noch vor Lucie irgendwelche Geheimnisse."

"Wenn du meinst..." Unsere Kratzbürste hat mal wieder zugeschlagen. Wenn doch nur Duncan da wäre, dann bräuchte ich sie nicht um Hilfe zu bitten. Aber so... Methos haßte es seine Vergangenheit anderen zu erzählen und jetzt auch noch Sterblichen, die sowieso keine Ahnung haben wie das Leben vor 3000 Jahren war. Es war ja schon schlimm genug, daß er Amanda von der Sache erzählen mußte, aber auch noch anderen...

Amanda und Nick konnten sehen, wie Methos' eh schon ziemlich undurchdringliches Gesicht zu einer Maske wurde, in der keine Gefühlsregung mehr zu erkennen war.

Ich bin ja mal gespannt was es so wichtiges gibt, daß Methos mich trotz ihrer Anwesenheit sprechen will. Ob ich für ihn irgendwo einbrechen soll?

Amanda erinnerte sich noch gut an den Einbruch bei den Beobachtern, als Methos für Alexa den Kristall stehlen wollte. Er war ziemlich katastrophal verlaufen. Nun wußten die Beobachter, daß Adam Pierson ein Unsterblicher war. Sie hielten ihn jedoch für einen Schüler von Duncan und brachten ihn nicht mit Methos in Verbindung.

Endlich waren sie in Amandas Wohnung angekommen und zu ihrer Überraschung bemerkte Amanda, daß Methos auch ohne Schwert unterwegs war. Auf ihren fragenden Blick bemerkte er: "Ich wollte nur zu dir und heute abend habe ich schon wieder den Rückflug nach Paris gebucht, da ist es einfach zu aufwendig, ein Schwert durch den Zoll zu bringen. Und in der Nähe habe ich auch kein anderes deponiert. Aber einen Revolver habe ich mir schon wieder besorgen können. Ich bin also nicht ganz wehrlos."

Mit einem Schulterzucken ging Methos ins Wohnzimmer, wo Lucie begann, den Tisch zu decken. Amanda fing an, sich zu fragen, ob es wirklich eine gute Idee war, daß Nick alles mithören sollte. Denn, wenn Methos fast alle Vorsichtsmaßnahmen außer acht ließ, mußte es etwas sehr ernstes sein. Mit ziemlich bedrückter Miene folgte Amanda Methos ins Wohnzimmer.

Nick, der auch Methos Kommentar gehört hatte, fing an, sich zu fragen, was denn los sei. Es erschien ihm ziemlich seltsam, daß ein Unsterblicher ohne Schwert von Europa nach Beverly Hills flog, nur um Amanda zu sehen. Da lief wohl einiges schief.

 

Nachdem Methos seine erste Tasse Kaffee getrunken hatte, lehnte er sich zurück und sah, immer noch schweigend, Amanda an. Langsam wurde es ihr unheimlich. Man mußte ihm zwar sonst auch fast jedes Wort aus der Nase ziehen, aber so führte er sich unter normalen Umständen nicht auf. "Nun sag' schon was ist los." Sie hielt dieses Schweigen nicht mehr aus.

"Joe liegt schwer krank in Paris im Krankenhaus"

"Joe!?!?!?"

"Ja, Joe"

Amanda wußte nun wirklich nicht mehr, was sie denken sollte.Wenn sie zu Joe ins Krankenhaus sollte, um ihn zu besuchen, dann hätte wohl ein Anruf genügt und Methos riskanter Flug über den Teich wäre nicht notwendig gewesen. Also würde noch etwas anderes folgen. Sie legte sich scheinbar entspannt im Sessel zurück und wartete darauf, daß Methos endlich fortfuhr.

"Wer ist Joe?" Diese Frage kam natürlich von Nick, dem Amanda nichts über Joe und die Beobachter erzählt hatte.

Langsam fing sie an zu bereuen, daß sie Nick zum Kaffee mitgenommen hatte. Sie hätte es doch besser wissen müssen, daß Methos seine Gründe hatte, ihr etwas unter vier Augen zu erzählen.

"Joe ist ein gemeinsamer Freund von uns, er war eigentlich Duncans Beobachter." Als sie das vollkommene Unverständnis in Nicks Gesicht sah fügte sie noch hinzu: "Höre einfach nur zu, wenn du noch Fragen hast, beantworte ich sie dir später. Ansonsten dauert es jetzt zu lange."

Nick begriff, daß es da wohl noch so einiges gab, was ihm Amanda bisher verschwiegen hatte. Aber nicht mehr lange. Nahm er sich vor.

"Joe liegt in Paris im Krankenhaus, im Koma", nahm Methos den Faden wieder auf. "Die Ärzte sind ratlos und wissen nicht, was sie tun sollen."

"Und was soll ich jetzt machen?" Amanda war ratlos. Was wollte Methos von ihr?

"Ich vermute, daß das, was Joe mit Duncan und uns durchgemacht hat, einfach zu viel für ihn war, und er keine Lebensenergie mehr hat. Die können ihm ganz normale Ärzte aber auch nicht wiedergeben", setzte er bitter hinzu.

"Und du denkst, ich weiß, wo Duncan ist, hole ihn und Simsalabim Joe wieder gesund wird? Aber leider habe ich nicht die geringste Ahnung, wo er steckt. Ich weiß nur, daß er in irgendeinem Kloster meditiert. Seit der Sache mit Richie hat er sich immer mehr von mir zurückgezogen. Ich würde dir gerne mehr sagen, kann es aber nicht."

Methos nickte zu Amandas Kommentar sagte aber "Duncan war mir auch in den Kopf gekommen, aber ich glaube, das ist nicht genug. Ich wollte dich bitten, Cassandra aufzusuchen und sie zu bitten, Joe zu helfen."

"Und warum machst du das nicht selber?" langsam wurde Amanda einiges klar. Cassandra war eine 3000 Jahre alte Heilerin, die durch die apokalyptischen Reiter ihre Familie verloren und ihre Unsterblichkeit bekommen hatte. Duncan hatte Amanda zwar nie viel darüber erzählt, hatte aber durchsickern lassen, daß Cassandra ein ziemlich großes Interesse an Methos' Kopf hat und er es nur um Haaresbreite verhindern konnte, daß sie Methos köpfte. Sie war gespannt, was Methos ihr jetzt über die alte Sache erzählen würde.

"Das ist eine ziemlich alte Geschichte. Jedenfalls könnte ich mich genausogut selber köpfen, wenn ich sie in London aufsuchen würde. Aber wenn du sie als eine Freundin von Joe aufsuchen und um Hilfe bitten würdest, würde sie zusagen."

Nick hatte die ganze Diskussion mit grossem Interesse verfolgt, konnte sich nun aber eine Frage nicht verkneifen: "Soviel ich weiß, bekommt ihr doch die ganze Erfahrung des anderen Unsterblichen, wenn ihr ihm dem Kopf nehmt. Warum fliegst du dann nicht nach London, schlägst ihr den Kopf ab und fährst anschließend nach Paris um Joe zu helfen?"

Da Amanda nicht mit einer Antwort von Methos rechnete, übernahm sie es Nick aufzuklären: "Da sind nur zwei kleine Probleme 1. Man bekomme zwar ihr ganzes Wissen, aber es ist nicht bewußt. Ich habe keine Ahnung wie Adam dieses Wissen in seinem Kopf finden sollte. Und wenn 2. Cassandra ihn besiegen sollte, wüßte sie immer noch nicht das Joe krank ist.. Ausserdem vermeidet Methos es zu kämpfen."

Methos gab nur noch einen Kommentar ab: "Es soll nicht heißen das ich, nur weil ich einmal ohne Schwert unterwegs bin, ein potentieller Selbstmordkanidat bin. Im Gegenteil, ich hänge an meiner bescheidenen Existenz."

Ohje, langsam wird er wieder zynisch und mehr erfahren werde ich auch nicht. Aber wenn ich Cassandra in London aufsuche, wird sie mir vielleicht etwas mehr erzählen. Außerdem ich bin es Joe schuldig. "Ok Adam, ich mache es, aber dann mußt du mir bei Gelegenheit einige Hintergründe erzählen."

"Dann fang am besten schon mal mit packen an. Dein Flug geht um 23.30 Uhr. Hier ist dein Ticket. Ich fliege eine halbe Stunde später nach Paris."

Langsam wurde es Nick zu bunt "Und was ist mit mir, Amanda? Soll ich hier Däumchen drehen, während du in London evtl. von einer Unsterblichen gekillt wirst? Ich fliege mit. Ich wollte schon immer einmal nach Europa."

"Gut, dann fliegst du aber mit Adam nach Paris. Er braucht jemanden, der ihn begleitet, da er unbewaffnet ist. Keiner von euch beiden erhebt Einspruch, sonst mache ich nicht mit. Nur eine Frage hätte ich noch Adam: Kannst du mir sagen, wie du mich gefunden hast?"

Methos trank nur seinen Kaffee und grinste.

Der Scheißkerl hat sich überhaupt nicht verändert waren Amandas letzte Gedanken, bevor sie in ihr Zimmer ging, um ihre Sachen zu packen.

 

* * * * *

 

Flug Los Angeles nach Paris

 

Nick hatte Glück und bekam einen Platz neben Methos. "Da Amanda ja dank deiner Planung keine Zeit hatte, mir noch ein einige Sachen zu sagen, fände ich es sehr nett, wenn du mir etwas erklären würdest. Ich habe zwar schon verstanden, daß ein gemeinsamer Freund namens Joe sehr krank ist, und daß ihr zur Behandlung Cassandra braucht. Sie ist auch mit Joe befreundet, will dich aber am liebsten umbringen und du gehst ihr möglichst aus dem Weg. Habe ich das soweit richtig verstanden?" Als Methos nur nickte, fuhr er fort: "Aber was sind die Beobachter? Wieso will Cassandra dich killen und warum will Amanda, daß ich auf dich aufpasse?"

"Beobachter sind Sterbliche, die seit ca. 4.000 Jahre die Unsterblichen beobachten und jeden unserer Schritte aufzeichnen, sich aber nicht in unser "Spiel" einmischen. Die Sache mit Cassandra geht dich nichts an und Amanda hat Sorge, daß sich ein falscher meinen Kopf nehmen könnte, weil er zu wertvoll ist." Methos fing an zu grinsen, denn die nächste Frage konnte er vorhersehen. Da kam sie auch schon.

"Warum sollte dein Kopf so viel wertvoller sein als jeder anderer?"

"Das ist eine Sache der Unsterblichen."

Nick stöhnte laut auf. Der Kerl war ja noch schlimmer als Amanda und das sollte wirklich einiges heißen. Mehr bekam er aus Methos nicht heraus, denn dieser schloss die Augen und gab waehrend des restlichen Fluges vor zu schlafen.

 

Aber das war nicht der Fall, denn Methos hatte viel zu große Sorgen, um zu schlafen. Würde Joe noch leben, wenn er zurückkam? Als er ihn zuletzt im Krankenhaus gesehen hatte, lebte er nur noch durch die Hilfe der Beatmungsmaschine. Nachdem Duncan sich das letzte Mal von Joe verabschiedet hatte, weil er wieder diverse Kloster zur Meditation aufgesucht hatte, war es mit Joe stetig bergab gegangen. Er hatte die Leitung seiner Kneipe anderen Leuten überlassen, fing an mehr zu trinken, als er vertragen konnte, und weniger zu essen, als notwendig gewesen wäre. Er hatte getan, was er konnte, um Joe wieder aufzuheitern. In langen Gesprächen mit Joe war herausgekommen, daß er sich im Gewissenskonflikt zwischen seiner Aufgabe als Beobachter und seiner Freundschaft zu den Unsterblichen befand.

Er hatte den Beobachtern bisher immer noch verschwiegen, daß Adam Pierson, ehemaliger Beobachter und Schüler von Duncan McLeod und Methos, ältester lebender Unsterblicher ein und dieselbe Person sind. Seit Duncan's Kampf mit Ahriman kamen noch die Gewissensbisse hinzu, daß er trotz besserer Informationen, Beobachter mit in den Kampf hineingezogen hatte und diese starben. Aber das konnte nicht alles sein. Joe war eine starke Persönlichkeit und gerade deswegen hielt Methos es für unmöglich, daß Joe wegen dieser Dinge sein Leben wegwarf und sterben wollte. Dann hatte er ihn eines morgens bewußtlos im Bett gefunden und es nicht geschafft, ihn wieder aufzuwecken. Da die Ärzte im Krankenhaus ihn nicht aufwecken konnten und nach mehreren Untersuchungen auch keine Krankheit feststellen konnten, hoffte Methos nun auf Cassandra's Hilfe. Zudem verlor Joe trotz künstlicher Ernährung immer mehr an Gewicht.

Cassandra, die einzige Frau, die ihm nach über 3.000 Jahren noch immer etwas bedeutete. Was hatte er damals alles angestellt, um sie vor Kronos zu retten und zu verhindern, daß sein Bruder ihr den Kopf nahm. Und was war dabei rausgekommen?? Seit über 3.000 Jahren verfolgt ihn Cassandra und will seinen Kopf. Aber um dieses Problem konnte er sich erst kümmern, wenn er Cassandra wieder gegenüberstand. Vielleicht hatte Amanda ja einen beruhigenden Einfluß auf sie und konnte verhindern, daß sie sich sofort auf ihn stürzte. Aber damit hatte ja selbst Duncan Probleme.

Methos' Gedanken kreisten während des ganzen Fluges um diese Probleme. Als sie endlich in Paris landeten hatte er keine Minute geschlafen.

 

* * * * *

 

Paris

 

Kaum gelandet und durch den Zoll, gingen sie zu Methos' Landrover, der auf dem Flughafengelände geparkt war. Mit einem erleichterten Seufzer nahm Methos seinen Revolver mit Schalldämpfer und sein Messer aus dem Handschuhfach und brachte sie in die übliche Positionen. Dann nahm er aus dem Kofferraum sein Schwert, befestigte es in seiner Halterung im Mantel und legte beides auf den Rücksitz.

Nick schaute dem ganzen etwas befremdlich zu. Amanda hatte, wenn überhaupt, nur ihr Schwert und sonst gar nichts. Methos stieg jedoch ohne ein Wort zu verlieren ins Auto und startete den Motor.

Wohl oder übel mußte Nick sich zu ihm ins Auto setzten. Als er ansetzte, um Methos eine Frage über seine Bewaffnung zu stellen, blickte Methos ihn dermaßen sarkastisch und zynisch an, daß er sich diese Frage verkniff. "Wo soll ich eigentlich für die nächsten Tage mein Quartier aufschlagen?" fragte er stattdessen.

"Duncan hat mir den Schlüssel für sein Hausboot überlassen. Es ist zwar ziemlich spartanisch eingerichtet, aber ich denke, daß du es da für einige Tage aushalten kannst. Dort werden übrigens auch Amanda und Cassandra hinkommen, wenn sie in Paris eintreffen. Ich werde dich dort absetzen und anschließend zu Joe ins Krankenhaus fahren. Ich hoffe, daß er noch lebt, wenn ich dort eintreffe."

 

Methos setzte Nick am Hausboot ab und fuhr sofort weiter ins Krankenhaus. Er hatte schlicht und einfach Angst, daß er zu spät kommen würde und statt Joe eine andere Person in dessen Zimmer liegen würde. Also fragte er höflich am Empfang nach Joe Dawson. Madame Dupont kannte ihn bereits. Er hatte mit ihr Joes Einlieferungsformalitäten erledigt und bei seinen täglichen Besuchen regelmäßig mit ihr gesprochen.

"Es tut mir sehr leid Mr. Pierson, aber seine Schwester war gestern hier und hat eine Überweisung in eine Spezialklinik veranlaßt. Gestern abend hat ihn ein Krankenwagen abgeholt. Hat man ihnen denn nicht Bescheid gesagt?"

"Ich mußte beruflich ins Ausland und war nicht erreichbar. Ich komme gerade vom Flughafen. Wissen sie denn, in welche Klinik er gebracht wurde?" Methos lächelte sie verlegen an. Er wußte, daß sie es ihm, wegen des Datenschutz, eigentlich nichts sagen durfte, hoffte aber, daß sie eine Ausnahme machen würde. Schließlich war er der einzige, der Joe im Krankenhaus besucht hatte.

"Einen Moment bitte, da muß ich in den Unterlagen nachschauen." Die ältere Dame stand auf und ging in das angrenzende Büro. Methos konnte durch die offene Tür sehen, dsaß sie am Computer einige Daten aufrief. Als sie wieder zurückkam, schüttelte sie bedauernd den Kopf "Es tut mir sehr leid, aber es ist nicht verzeichnet, wohin er verlegt wurde. Ich kann ihnen da nicht weiterhelfen. Vielleicht kann ihnen der zuständige Arzt, Mr. Pinto, sagen wo er ist. Ich kann es leider nicht. Ich verstehe es nicht, normalerweise steht es immer in den Akten."

"Wo kann ich denn Mr. Pinto finden?!?"

"Ein Moment, ich schaue mal nach....... Tut mir leid, aber er hat heute Nachtdienst und wird erst gegen 22.00 h im Hause sein. Ich bin dann auch noch da, und könnte sie, wenn sie dann anrufen, mit ihm verbinden."

 

Methos bedankte sich für diese Auskunft und fuhr nachdenklich zum Hausboot. Dawson lebte also noch. Aber wieso war seine Schwester in Paris? Sie hatte Joe nie die Sache mit ihrem Eheman verziehen, und jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen, nachdem Horton's Leiche in die USA überfuehrt worden war.

Oder hatten die Beobachter Joe aus dem Krankenhaus gebracht? Aber das ergab doch keinen Sinn, sie konnten ihm doch auch nicht helfen.

 

Als er am Hausboot ankam, wurde er schon von Nick erwartet. "Amanda hat angerufen. Sie hat Cassandra gefunden und wird morgen früh gegen 10.00 h hier eintreffen. Sag mal, wer wohnt hier eigentlich?? Der Ausdruck spartanisch ist ja wohl eine Untertreibung! Hier würde sich ja nur ein Mönch in Klausur wohl fühlen."

Der letze Kommentar brachte Methos zum grinsen. Irgendwie kam ihm in diesem Moment die Vorstellung von Duncan in einer Mönchskutte mit einer Tonsur vor seinem inneren Auge. Aber das verging ihm sehr schnell. Noch nicht einmal 24 h und er würde Cassandra wieder gegenüberstehen. Aber ich bin noch nicht bereit dafür! Ich habe Angst, daß es zu einem Kampf kommt. Ich will und kann sie nicht töten, aber ich will auch nicht sterben.

"Wie geht es Joe?" war natürlich Nicks nächste Frage.

"Ich weiß es nicht!"

"Aber Du warst doch im Krankenhaus!"

"Aber dort ist er nicht mehr! Angeblich hat seine Schwester eine Überweisung in eine Spezialklinik veranlaßt. Aber sie hat vor ca. 3 Jahren jeglichen Kontakt mit ihm abgebrochen, weil sie ihn für den Tod ihres Ehemanns James Horton verantwortlich macht. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie über seinen Krankenhausaufenthalt informiert ist, da sie in Amerika lebt."

Methos informierte Nick über alles was er im Krankenhaus erfahren hatte. "Heute abend werde ich aber nicht anrufen, sondern noch einmal hinfahren und mit Mr. Pinto sprechen. Bisher hat er mich auch über alles informiert. Vielleicht erfahre ich so mehr."

"Eventuell kann ich dir helfen Adam. Ich habe drüben einige gute Beziehungen und könnte herausfinden ob Joes Schwester noch in Amerika ist oder in Paris."

"Dann wärst du ja doch nicht so unnütz, wie ich befürchtet habe."

Am liebsten hätte Nick Methos nach diesem sarkastischen Kommentar den Hals umgedreht, aber er begnügte sich mit einem mörderischen Blick, während er zum Telefon griff. "Während ich versuche, etwas über Mrs. Horton, Mrs. Dawson, oder wie auch immer diese Dame jetzt heißt, herauszufinden, kannst du mir ja etwas zu essen machen. Ich habe nämlich Hunger."

Diesen Seitenhieb konnte Nick sich nicht verkneifen, aber Methos zuckte nur mit den Schultern und ging. "Hoffentlich holt er jetzt wirklich was zu essen,..." Aber dann ging Meyers auch schon ans Telefon und unterbrach Nicks Gedankengänge.

"Hallo hier ist Nick! Kannst du mir einen Gefallen tun?..."

 

Als Methos 2 Stunden später mit vollen Tüten zurückkam, wurde er schon sehnlichst von Nick erwartet, der es eigentlich nur auf den Inhalt der Tüten abgsehen hatte, die er Methos auch sofort entriß.

Aber zu seiner Enttäuschung waren es nur ganz normale Vorräte. Er hatte auf ein warmes Fertiggericht gehofft.

"Wenn ich nicht auf einen Rückruf warten würde, wäre ich schon längst selber losgegangen, um mir etwas zu essen zu besorgen. Nur um euch zu helfen, sitze ich hier und hungere!" Nick legte extra viel Pathos in seine Stimme, um eine Reaktion bei Methos zu bewirken. Irgendwie nervte ihn dieser Typ, der bisher, außer Zynismus und Sarkasmus, noch keine Gefühlsregung gezeigt hatte.

"Das bist du selber schuld", kam sofort Methos' Antwort "Du wolltest ja unbedingt mit nach Europa."

"Ich habe dich nur begleitet, weil Amanda mich darum gebeten hat. Man bin ich froh, wenn sie morgen eintrifft. Ich würde sie zwar nicht als vernünftig bezeichnen, aber mit ihr kann man wenigstens noch reden." Bevor Methos antworten konnte, klingelte das Telefon und Nick hechtete an den Apparat "Ja, ich höre." Nick lauschte eine ganze Weile, sagte ab und zu nur "Ja, ich verstehe" und legte dann auf.

Methos wußte genau, daß Nick darauf wartete, daß er ihn nach dem Ergebnis fragen würde. Aber den Gefallen würde er ihm nicht tun! Um nicht rumzustehen, räumte er die Tüten aus und fing an, das Abendessen zuzubereiten. Es war zwar eigentlich der falsche Zeitpunkt, um Nick zu ärgern, aber es machte ihm Spaß und lenkte von seinen Sorgen ab.

Nick sah nach dem Telefonat zu, wie Methos in aller Ruhe anfing, das Essen zuzubereiten. Er hatte ihn zwar dazu aufgefordert, aber er wunderte sich über Methos' Gelasseneheit. Selbst Amanda, nein, ganz besonders Amanda hätte ihn sofort ausgequetscht, um das Ergebnis seiner Nachforschungen zu erfahren. Adam schien das nicht zu interessieren. "Na gut, wie du willst. Ich beherrsche dieses Spiel auch. Wer zuerst anfängt zu reden, der hat verloren und ich werde der Gewinner sein." Schweigend fing er an, den Tisch zu decken.

 

Nachdem sie schweigend gegessen hatten, stand Methos auf, räumte mit absolut ruhigen und gelassenen Bewegungen den Tisch ab und kümmerte sich um den Abwasch.

Trotz aller guten Vorsätze explodierte Nick: "Verdammt! Wie schaffst du es nur, so ruhig und gelassen zu bleiben? Willst du denn überhaupt nicht wissen, was ich rausbekommen habe? Ich habe in den letzten 36 Stunden, die ich dich nun kenne, nicht eine Gefühlsregung von dir bemerkt! Wer bist du, daß du einen Freund sterben siehst und keine Gefühle zeigst??"

"Ich bin auch nur ein Mensch", war der einzige Kommentar, den Methos dazu von sich gab. "Aber da du scheinbar eine Frage hören möchtest: 'Kannst du mir bitte sagen, was du herausgefunden hast?'"

Na toll, jetzt hast du schon wieder gegen diesen Adam verloren. Wie schafft er es nur, daß ich jedesmal gereizt bin, wenn er nur in meiner Nähe ist? "Dawsons Schwester hat wieder ihren Mädchennamen angenommen und hat Amerika nicht verlassen. Sie ist zum letzten Mal heute morgen beim Einkaufen gesehen worden. Sie hat ihn also nicht aus diesem Krankenhaus geholt."

"Danke für die Information. Ich werde in ca. 1 Stunde ins Krankenhaus fahren und mit den Arzt sprechen. Willst du mitkommen?"

Nick war sich nicht sicher, ob dies ein Friedensangebot war, oder ob Methos ihn nur im Auge behalten wollte, aber egal... "Ist immer noch besser als hier herumzusitzen und zu warten. Ich komme gerne mit."

 

* * * * *

 
Im Krankenhaus angekommen war Madame Dupont immer noch da und begrüßte die beiden mit einem freundlichen Lächeln. "Hallo! Sie hätten sich wirklich nicht die Mühe zu machen brauchen, noch einmal hier vorbeizukommen. Ich habe bereits mit Mr. Pinto gesprochen. Er hatte gestern mehrere Notfälle und die Eintragung vollkommen vergessen. Mr. Dawson ist in eine Klinik in der Nähe von Lyon verlegt worden, da seine Schwester ihn in ihrer Nähe haben wollte. Jetzt ist die Adresse auch im Computer. Ich habe sie aber schon herausgesucht mit der Telefonnummer, damit sie dort anrufen und sich erkundigen können. Lyon ist für einen Besuch doch zu weit weg." Sie senkte ihre Stimme. "Sie müssen wissen, daß ich ihnen diese Auskünfte eigentlich nicht geben dürfte. Aber da sie der einzige waren, der sich um Mr. Dawson gekümmert hat, mache ich eine Ausnahme."

Sie war so bemüht Methos zu helfen, daß sie nicht bemerkte, wie sich sein Körper bei der Erwähnung des Ortes Lyon fast unmerklich versteifte. Also doch die Beobachter! Vielleicht wollen sie ihn wirklich nur in der Nähe haben. Aber er antwortete wieder ganz anders "Mr. Dawson ist ein guter Freund von mir, aber er hat mir nie erzählt, daß seine Schwester in Lyon wohnt. Können sie mir sagen wo sie dort wohnt?"

"Tut mir leid, das würde ich gerne machen, aber alles hat seine Grenzen. Wegen des Datenschutzes darf ich sie nicht herausgeben."

Methos bedankte sich noch einmal und verließ mit Nick das Krankenhaus.

 

"Wieso hast du nicht der Dame einen Geldschein zugesteckt? Dann hätte sie dir bestimmt die Adresse gegeben."

"Bestimmt nicht! Sie wäre tödlich beleidigt gewesen. Für sie ist das kein Beruf, sondern eine Berufung. Sie macht es nicht, um Geld zu verdienen. Aber ich weiß schon, wie ich an die Adresse herankomme."

"Wie denn? Indem du im Krankenhaus einbrichst?" Als Nick das spöttische Grinsen auf Methos' Gesicht sah, wußte er, daß er voll ins Schwarze getroffen hatte. "Ihr Unsterblichen habt auch kein Moralempfinden!!" schimpfte er vor sich hin. "Wie willst du das denn anstellen?" setzte er neugierig hinzu.

"Unsere gute Dame hat scheinbar nur noch auf meinen Anruf gewartet, bevor sie Feierabend machen wollte, denn neben ihrem Tisch lag schon ihre Jacke. Der Computer im angrenzenden Büro war aber noch an. Mit etwas Glück vergißt sie, ihn auszumachen und ich brauche mir nur die Daten runterzuladen. Und reinkommen werde ich über den Hintereingang. Wenn ein Krankenwagen ankommt, wird man sich bestimmt nicht um mich kümmern. Du brauchst nicht mitzukommen, daß schaffe ich schon alleine. Ich kann von keinem Cop erwarten, daß er so etwas tut." Methos wußte genau, daß er Nick mit dem letzten Satz dazu brachte, erst recht mitzumachen.

Nick wurde auch klar das er von Methos manipuliert wurde, und das ärgerte ihn. Aber er war auch neugierig und wollte herausfinden, ob der Plan funktionieren würde. "Ich denke, daß du jemanden brauchen wirst, der aufpaßt, daß du nicht im Büro von anderen überrascht wirst. Deswegen werde ich mitkommen. Was soll ich sonst Amanda sagen, wenn man dich schnappt und du im Gefängnis sitzt, statt sie am Hausboot zu erwarten."

Auch eine Möglichkeit um Cassandra aus dem Weg zu gehen! Aber der Unsterbliche verwarf den Gedanken sofort wieder und ging wortlos zum Hintereingang. Nick blieb nichts anders übrig als ihm zu folgen.

 

Der Einbruch klappte ohne Probleme. Die Dame von der Rezeption hatte tatsächlich vergessen, ihren Computer auszuschalten. Als Methos die Adresse von Joes angeblicher Schwester las, war er nicht einmal weiter überrascht. Es war die Anschrift des Hauptquartiers der Beobachter. Er ließ den Computer an, nahm Nick, der in der Nähe der Türe aufgepaßt hatte, mit und gemeinsam verließen sie unbeobachtet das Krankenhaus.

 

Die Rückfahrt zum Boot verlief schweigend. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.

Methos dachte wieder einmal an Cassandra.

Und Nick machte sich langsam Gedanken, wie alt wohl der Typ neben ihm war, und freute sich darauf, am nächsten Tag Amanda wiederzusehen.

Methos setzte Nick nur am Hausboot ab und fuhr dann in seine Wohnung. Er wollte erst wieder zum Hausboot fahren, wenn Amanda und Cassandra bereits da waren. Dann hätte er die Möglichkeit sofort wieder wegzufahren, falls Cassandra ihn angreifen würde. Nick hatte von ihm alle Informationen bekommen, die nötig sein würden, um Joe zu helfen.

Zu Hause angekommen schüttete er ein Glas Whiskey ein. Unbewußt registrierte er, daß es immer noch Duncans Lieblingsmarke war. Er setzte sich auf seine Couch und fing an zu grübeln.

 

* * * * *

 

Nächster Tag Methos Wohnung kurz vor 10.00 h

 

Methos wachte mit stechenden Kopfschmerzen auf. Eine leere Whiskeyflasche erinnerte ihn an den Grund. Wie lange habe ich bloß dagesessen und nach einem Ausgangspunkt für ein Gespäch gesucht? Er wußte es nicht. Aber als er auf seinen Wecker schaute, wußte er, daß es eindeutig zu lange war. Er hechtete aus seinem Bett, bemerkte aber, daß die Kopfschmerzen immer noch nicht weg waren, und zog sich mit vorsichtigen Bewegungen an. Als er zum Auto joggte, waren die Kopfschmerzen wieder verheilt.

Auf der Fahrt zum Boot ging er seinen Plan noch einmal durch. Er wollte sein Schwert und den Mantel im Auto lassen, aber sicherheitshalber seinen Dolch hinter den Rücken verstecken und dann.... ja dann war sein Plan zu Ende. Alles hing von Cassandras Reaktion ab.

 

* * * * *

 

Gleichzeitig Duncans Hausboot

 

Nick war schon bei seiner zweiten Tasse Kaffee angelangt, aber Methos war noch immer nicht erschienen. Er wußte noch nicht einmal, wo Methos wohnte.

Als er auf Deck Schritte und Amandas Lachen hörte, wurde ihm klar, daß Adam wohl nicht die Absicht hatte, pünktlich aufzutauchen. Als sich die Türe öffnete, trat zuerst Amanda ein und zwei Schritte später eine andere Frau.

Nick war es inzwischen gewohnt, daß Unsterbliche ziemlich attraktiv waren, aber Cassandra war für ihn mehr als das. Wundert mich gar nicht das Adam nicht gegen sie kämpfen will, ich wüßte auch was ich stattdessen lieber mit ihr machen würde.

Als er Amandas amüsiertes Lachen hörte und sah, wie Cassandra grinste, wurde ihm klar, daß er sie ziemlich entgeistert angestarrt hatte. Um das wieder gutzumachen, bot er ihnen Kaffee an. Amanda nahm ihn an, aber Cassandra bat um Tee.

"Muß ich mal nachschauen." Er fing an, in der Küchenecke nach Tee zu suchen und hoffte, daß Methos auch welchen gekauft hatte. Er hörte, wie die beiden Frauen über ihre Einkäufe, die sie noch in London gemacht hatten, redeten und ihn ignorierten. Im letzten Schrank fand er endlich den Tee.

Während er den Tee aufschüttete, schaute er immer wieder verstohlen zu den beiden Frauen rüber. In noch nicht einmal 24 Stunden haben die sich aber schon ziemlich gut angefreundet. Das kann ich von Adam und mir nicht behaupten. Als er sah, wie die beiden ihr Gespräch unterbrachen und lauschend den Kopf hoben, wußte er, daß Adam da war.

Cassandra fing an zu lächeln. Amanda hatte bei ihrem ersten Treffen in London behauptet, daß Duncan nicht in Paris war. Aber welcher andere Unsterbliche würde sonst freiwillig zu Duncans Hausboot kommen, wenn er die Anwesenheit zweier anderer spüren konnte? Als sich die Türe öffnete und Methos eintrat, gefror ihr Lächeln.

"Du Mistkerl wagst es mir unter die Augen zu treten!"

Mit einen Wutschrei griff sie ihr Schwert und rannte auf Methos zu. Sie registrierte, daß Methos kein Schwert hatte, aber es war ihr egal. Sie wollte seinen Kopf. Und es war kein sturer Schotte da, der es verhindern könnte.

 

Methos öffnete die Türe und sah Cassandra. Bemerkte wie in Zeitlupe, daß ihr Lächeln gefror, hörte ihren Ausbruch und sah wie sie mit gezücktem Schwert auf ihn zurannte. Ihm wurde klar, daß er nicht mehr weglaufen konnte. Um zu überleben, mußte er kämpfen und zog seinen Dolch. Er hatte den Nachteil der kürzeren Waffe und den Vorteil des klaren Kopfes. Er war nicht wütend. Er beurteilte seine Chancen 60:40.

 

Amanda mußte dem Kampf tatenlos zusehen. Die Regeln erlaubten keine Einmischung. Sie wich in die hinterste Ecke zurück, um den Kampf aus dem Weg zu gehen.

Den beiden ersten Schlägen wich Methos aus. Er vermied den Kontakt beider Waffen, da seine höchstens ein oder zwei Hiebe von Cassandras Schwert aushalten würde. Anschließend würde es brechen. Bei Cassandras dritten Schlag vernachlässigte sie ihre Verteidigung. Sie rechnete damit, daß Methos wieder zurückweichen würde, und wollte ihn in eine Ecke treiben. Methos wich aber nicht aus, sondern tauchte unter ihrem Schlag durch. Plötzlich fühlte sie den kalten Stahl seines Dolches an ihrem Hals.

"Methos, bitte tue es nicht." Amanda versuchte zu verhindern, daß Methos sich Cassandras Kopft nahm.

Er schaute aber nur zu ihr rüber und sagte mit ruhiger, eiskalter Stimme "Nick, Amanda, ihr geht jetzt raus. Das was jetzt kommt, geht euch nichts an."

Nick wollte protestieren. Aber da war schon Amanda bei ihm und zog ihn mit. An Deck angekommen sagte sie "Wenn Adam sie hätte töten wollen, hätte er uns nicht rausgeschickt. Wir können jetzt nur noch abwarten."

 

Cassandra fühlte noch immer den Dolch an ihrer Kehle, hatte aber keine Angst.

"Worauf wartest du noch Methos! Nimm dir endlich meinen Kopf! Führe endlich zu Ende, was du vor 3000 Jahren angefangen hast."

Doch dieser schüttelte nur seinen Kopf. "Ich will dich nicht töten. Ich wollte es noch nie! Warum kannst du das nicht begreifen?"

"Vielleicht willst du mich nicht töten. Aber jedesmal wenn ich dir begegne, zerstörst du mein Leben! Ich kann das nicht mehr ertragen!"

"Aber ich will dein Leben gar nicht zerstören! Ich habe mich verändert! Ich bin kein Reiter mehr! Gib mir bitte eine Chance es dir zu beweisen."

"Ich habe dir einmal eine Chance gegeben! Erinnerst du dich nicht mehr? Damals hast du auch mein Leben zerstört!"

 

* * * * *

 

550 vor Christus, Hohenasperg Deutschland

 

Ich stand im Eingang von Traums Haus und sah meiner Tochter bei der Arbeit zu. Es ist erschreckend, wie schnell die Sterblichen altern. Es kam mir wie gestern vor, daß ihre sterbende Mutter mich bat, mich um ihr zweijähriges Kind zu kümmern. Mittlerweile war das kleine Kind von damals schon 20 Sommer alt und somit längst im heiratsfähigen Alter. Aber ich wußte genau, daß es zwei Gründe gab, warum meine Pflegetochter, Traum genannt, noch nicht verheiratet war. Zum einem war es mein Wissen, dsaß Traum um so schneller altern würde, je mehr Kinder sie bekam. Aber deswegen haette ich Traum nie daran gehindert, eine Ehe einzugehen. Nur ermunterte ich 'meine Kleine' nicht dazu. Der Hauptgrund war jedoch, daß Traum schon seit einigen Jahren unglücklich in den Fürsten verliebt war. Er war zwar mehr als doppelt so alt, weit über 40 Jahre, dafür aber sehr groß und stattlich. Und er ist sehr gütig. erinnerte ich mich. Er vermied den Kampf und verlegte sich mehr auf den Handel, hauptsächlich mit Griechen. Der Hohenasperg war seit dem Beginn seiner Regierung, vor mehr als 20 Jahren, kontinuierlich immer dichter besiedelt worden. Und wenn in 2-3 Wochen die griechischen Händler eintrafen, würden es sogar noch mehr Menschen sein.

Daß Traum keine Chancen beim Fürsten hatte, hätte meiner Tochter spätestens dann klar werden müssen, als er vor einigen Monaten anfing, Pläne für sein Grab zu entwickeln. Einen Platz hatte er auch schon gefunden. Als seine persönliche Heilerin hatte ich ihn darauf angesprochen.

"Ich weiß das ich für mein Alter erstaunlich gesund bin", war seine Antwort. "Ich habe erst einige wenige graue Haare und keinerlei Anzeichen einer Krankheit. Aber tief in meinem Inneren fühle ich, daß ich nicht mehr lange zu leben habe."

Dem konnte ich nicht widersprechen. In den letzten Jahrhunderten hatte ich die Erfahrung gemacht, das viele Sterbliche die Nähe ihres eigenen Todes spüren konnten.

"Aber wer soll dein Erbe werden, Herr? Du hast keine Kinder die dein Werk fortführen könnten!" war meine Frage.

Er lächelte nur und meinte: "Wozu gibt es eine so weise Frau wie dich, Cassandra? Du wirst nach meinem Tod bestimmen, wer die Regierung übernimmt. Und wenn niemand geeignetes vorhanden ist, wirst du solange herrschen, bis es jemanden gibt."

Ich war auch jetzt noch entsetzt über seine Entscheidung. Es widersprach dem Gesetz. Außer dem Fürsten durften nur die Druiden so wichtige Entscheidungen treffen. Er konnte sich doch nicht über geltendes Recht hinwegsetzen. Ich sprach ihn darauf an.

"Ich habe diese Entscheidung schon lange mit ihnen durchgesprochen, Cassandra. Sie sind damit einverstanden. Wir wissen nicht, wie alt du bist. Aber ich bin mir sicher, daß du viel älter und weiser als unser ältester Druide bist. Seit ich dich kenne, und das ist über 20 Jahre her, bist du um keinen Tag gealtert. Ich beneide dich um diese Fähigkeit. Du wirst sehen, ob der Hohenasperg sich so entwickelt, wie ich es geplant habe. Du kannst diese Planung noch lange Zeit fortführen, auch wenn es nur im Hintergrund ist. Bitte Cassandra, lehne nicht ab."

Ich war sprachlos und mir wurde bewußt, einen großen Fehler begangen zu haben.

 

Die letzten 500 Jahre war ich max. 10 Jahre an einem Ort geblieben. Ich war regelmäßig weitergezogen, da ich mich noch immer von den 4 Reitern verfolgt fühlte. Die Angst saß tief.

Aber hier hatte ich Ruhe und Frieden gefunden und dabei ganz vergessen, daß ich künstlich altern mußte, um mich nicht von den Sterblichen auszugrenzen. Doch der nächste Kommentar des Fürsten überraschte mich noch mehr.

 

"Ich weiß nicht, ob du es verstehst, aber du bist für uns ein Segen der Götter. Wer könnte uns besser heilen, beraten oder beherrschen, als eine Frau, die so einen gütigen und liebevollen Charakter hat wie du und nicht altert? Sag bitte nicht direkt nein, sondern denke erst einmal darüber nach." Ich war verwirrt nach Hause gegangen. In allen Kulturen, die ich bisher kennengelernt hatte, waren Unsterbliche Verfluchte gewesen. Niemals ein Segen der Götter. Es war schon eine seltsame Kultur, die zwar die Schrift der Griechen kannte und sie auch lesen konnte, selber aber keine hatte. Kein Druide hinterließ eine Schrift. Die Schüler mußten alles auswendig lernen.

Und ich sollte nun Klawus Erbe fortführen. Für Frieden und Wohlstand sorgen. Ich wußte, daß es schwierig sein würde. Die Druiden wollten Kriegsgefangene als Opfer für die Götter haben, und Klawu hatte schon Probleme, ihnen immer wieder triftige Gründe gegen den Krieg zu nennen. Wie will ich das als Frau und Heilerin verhindern? Seit diesem letzten Besuch hatte ich den Fürsten nicht mehr aufgesucht.

 

Noch immer in ihren Gedanken vertieft schüttelte ich heftig den Kopf. Nein, ich hatte noch keine Entscheidung getroffen.

Durch diese Bewegung merkte Traum das ihre ich in der Nähe war. Sie unterbrach ihre Brettchenweberei, indem sie sich losband, ging zu mir und berührte mich sanft an der Schulter. Ich sah sie liebevoll an. Traum wußte zwar von den Alpträumen, die mich noch immer plagten, aber nicht das deren Ursache fast fünfhundert Jahre her war. Immer noch träumte ich von den Reitern. Ganz besonders von jenem Tag, als Methos mich an Kronos weiterreichte. Manchmal wachte ich sogar schreiend auf.

Aber hier war ich sicher. Die Reiter existierten nicht mehr. Und der Ort war viel zu stark befestigt um für umherziehende Banden ein leichtes Ziel zu sein.

"Schaffst Du es, den Auftrag für Klawu rechtzeitig fertigzustellen?" mit dieser Frage zog ich meine Pflegetochter wieder auf. Ich wußte genau, daß die Aufträge des Fürsten immer sofort bearbeitet wurden.

"Ich mag es nicht, wenn du unseren Fürsten mit diesen Spitznamen anredest", antwortete Traum. "Aber du müßtest inzwischen wissen, daß ich seine Aufträge bevorzugt bearbeite", setzte sie mit einem verlegenen Grinsen hinzu.

"Ja, ja, wenn er nicht fast 1,90 m hoch und gutaussehend wäre, sondern nur ein verschrumpelter alter Mann, müßte er ewig warten!" Kam von mir die entsprechende Antwort.

Ich wußte, daß Traum nicht gerne von mir geneckt wurde, obwohl ich diesmal recht hatte. Eine Weberei für einen anderen hatte sie liegengelassen, weil der Fürst sie persönlich um diese Handarbeit gebeten hatte. "Du weißt doch, daß er mir sogar das Material stellt! So gutes Garn bekomme ich von keinen anderen!" versuchte sie sich zu verteidigen.

Ich ging zu Traums Arbeitsplatz und schaute mir ihre neueste Brettchenweberei an. Es war eine Weberei in rot und blau. "Ich habe selten leuchtendere Farben gesehen", sagte ich bewundernd. Ich hatte mir gewünscht, daß Traum Heilerin würde. Ihre Tochter hatte dafür aber nie Interesse gezeigt und hatte dafür auch keinerlei Begabung, war aber eine sehr gute Brettchenweberin.

Nur in Ägypten hatte ich bessere Künstler gesehen. Das würde ich meiner Tochter, die keinerlei Wissen über meine Unsterblichkeit hatte, aber nie erzählen. "Wird das ganze Band nur das Sonnensymbol darstellen?"

Traum lächelte. Ich verstand nicht viel von ihrer Arbeit, zeigte aber immer Interesse, da ich an ihrem Leben teilhaben wollte. "Ja, er wünscht sich eine Borte nur mit dem Sonnensymbol für eine große Decke. Letzte Woche hat der Fürst von einem Gast das Garn geschenkt bekommen. Normal hätte die Menge nur für die Hälfte gereicht, aber ich bekomme es schon hin."

Ich war überrascht. Der Hohenasperg war zwar ziemlich groß, aber ich kannte immer alle Neuigkeiten.

Normal hätte mir einer meiner Patienten von Klawus Gast erzählt. "Ich wußte noch gar nicht, daß ein Gast da ist! Kenne ich ihn?"

"Ich glaube nicht. Ich habe ihn noch nie hier gesehen. Ein wirklich gutaussehender Mann und so gebildet. Er kleidet sich nicht wie ein Grieche, scheint aber deren Sprache zu sprechen. Ich konnte sogar mit ihm den Musterentwurf besprechen. Er gab mir den entscheidenden Tip, wie ich das Garn strecken kann. Und dann erst seine Augen..."

Ich hörte überrascht zu. Es war das erste Mal, daß Traum von einem anderen Mann als Klawu schwärmte. "Wie heißt denn dieser phantastische Gast??" Ich wollte mir diesen Mann so schnell wie möglich anschauen. Wollte wissen, ob er der Richtige für meine Tochter sein könnte. Es sollte ein besonderer Mann sein. Genauso wie meine Tochter.

"Er heißt Methos."

 

* * * * *

 

Ich hatte das Gefühl, als ob mein Herz stehenblieb. Methos! Dieser Name war sehr selten. Ich wollte aber sicher gehen. "Wie sieht er denn genau aus? Doch nicht etwa besser als Klawu?" Ich hoffte das meine Stimme normal klang.

"Er ist etwas kleiner als unser Fürst. Hat eine helle Haut, dunkle Haare, grün-braune Augen und ist sehr schlank. Er sieht zwar nicht besser aus als der hohe Herr, ist aber auf seine Weise auch sehr attraktiv. Und eine Nase hat er..." Traum hielt inne.

"Ist etwas Mutter? Kennst du ihn? Du siehst so seltsam aus. Kann ich dir helfen?"

"Nein, es ist nichts. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn kenne. Ich merke gerade, daß ich alt werde. Meine Tochter schwärmt nicht nur für Klawu, sondern ist in einen Fremden verliebt."

"Und dieser Fremde war wahrscheinlich mein schlimmster Feind", setzte ich in Gedanken dazu.

"Du hast doch nichts dagegen?"

"Wie sollte ich? Du bist schon viel zu lange ohne Mann. Und wenn sich dieser Methos als ein netter zuverlässiger Mann herausstellt, bin ich die letzte die nein sagt. Aber jetzt entschuldige mich bitte, ich muß noch zu einem Patienten."

Ich drehte mich um, und verließ fast fluchtartig Traums Haus. Ich hoffte, daß ich nicht zu viel von meinen Gefühlen gezeigt hatte, denn ich wollte sie nicht erschrecken. Und mein Geheimnis der Unsterblichkeit sollte sie auch nicht kennenlernen.

Ich ging, nein, ich rannte in meine Wohnung, nahm das unter dem Bett liegende Schwert, versteckte es in meinen Mantel und ging zur Hohen Halle.

 

Am Versammlungssaal und Wohnsitz des Fürsten wurde ich von den Wächtern kommentarlos durchgelassen und ging sofort zu Klawus privaten Räumen. Fast dort angekommen fühlte ich eine inzwischen vertraute Berührung in meinem Geist. Ein anderer Unsterblicher war in der Nähe. Nun war ich sicher, daß es sich bei diesem Methos um einen der vier Reitern der Apokalypse handelte. Meine Wut steigerte sich. Ich wollte ihm zeigen, daß ich nicht mehr das junge unbedarfte Mädchen war, mit dem er machen konnte, was er wollte. Inzwischen kannte ich die "Spielregeln" der Unsterblichen und hatte einen hervorragenden Lehrer, der mich zu einer guten Schwertkämpferin ausgebildet hatte.

Ich war überzeugt ihn besiegen zu können..

Die Räume betretend wurde mir klar, daß ich Methos nicht einfach herausfordern und töten konnte. Er genoß die Gastfreundschaft des Fürsten. Sein Tod durch meine Hand würde große Schande über Klawu bringen. Und dann wäre seine Arbeit für den Frieden im Land gefährdet. Ich atmete noch einmal tief durch, und ging auf meinen Fürsten und seinen Gast zu.

Als Klawu mich sah, stand er auf um mich zu begrüßen. "Ich grüße dich, Cassandra. Darf ich dir meinen Gast vorstellen?"

Ich nickte nur. Wenn ich jetzt den Mund aufmache, würde ich Methos beschimpfen. Das darf nicht sein. Beruhige dich, beherrsche dich. Mit diesem im Geiste hergesagten Refrain versuchte ich, mich selbst zu beruhigen.

"Cassandra, das ist Methos ein weitgereister und für seine Jugend sehr weiser Mann. Methos, dies ist Cassandra. Unsere beste Heilerin und Traums Mutter."

Für einen Augenblick hatte ich den Eindruck, ein Gefühl der Unsicherheit auf Methos' Gesicht zu sehen, aber es war sofort wieder verschwunden. Ich beobachtete ihn intensiv. Bis auf seine Kleidung schien er sich nicht verändert zu haben. Sogar der arrogante Gesichtsausdruck war derselbe.

Was würde ich nicht alles dafür geben, ihm diese Maske vom Gesicht zu reißen, um wenigstens einmal seine wirklichen Gefühle, seinen Schmerz zu sehen. Und dies am besten kurz bevor ich seinen Kopf nehme.

Der Fürst schien das Chaos in meinem Inneren nicht zu bemerken. Er wandte sich an mich. "Methos hat eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Kannst du uns weiterhelfen?"

"Stellt diese Frage und ihr werdet es wissen", war meine einzige Bemerkung und ich hatte nun einen Grund, mir Methos noch genauer anzusehen. Aber sein Gesicht war wieder eine Maske.

"Mein letzter längerer Aufenthalt war in Griechenland. Dort ist es Sitte, daß ein Mann eine Frau nur mit Erlaubnis ihrer Eltern näher kennenlernen darf. Ich möchte Traum näher kennenlernen. Wenn wir uns gut verstehen, möchte ich sie auch heiraten."

Ich schluckte. Ich hatte alles erwartet, aber sicherlich nicht dies. Ich durfte jetzt nicht den Mund aufmachen, durfte ihn nicht beschimpfen. Ich konnte nicht mein Schwert nehmen und ihm den Kopf abschlagen. Nicht in der Öffentlichkeit.

 

Ich blickte den Fürsten an, um nicht meine Beherrschung zu verlieren und konzentrierte mich auf ihn. Klawu war amüsiert. Er deutete meinen Gesichtsausdruck als Überraschung. Für seine Kultur war Methos' Antrag sehr ungewöhnlich. Bei den Kelten war die Sitte anders. Mann und Frau waren gleichberechtigt. Und wenn eine Mädchen alt genug war, entschied sie selbst, mit wem sie ihre Zeit verbringen wollte, und nicht ihre Eltern.

Und Traum war alt genug. Inzwischen hatte sie nicht nur ihr eigenes Haus und eine Dienerin, sondern verdiente mit ihren Webereien soviel, daß man sie schon als wohlhabend ansehen konnte.

Mittlerweile hatte ich mich gefangen und konnte antworten. "Normalerweise habe ich keinen Einfluß, mit welchen Männern sich Traum trifft. Aber da ihr nicht aus unserer Kultur stammt, möchte ich Euch erst etwas näher kennenlernen. Wenn der Fürst nichts dagegen hat, möchte ich Euch bitten, mich in mein Haus zu begleiten." Ich blickte zum Fürsten und sah sein zustimmendes Nicken.

Methos' Reaktion lautete nur: "Ich habe keine Einwände." Er drehte sich um und ging zum Ausgang.

 

Schweigend legten Methos und ich den Weg zu meinem Haus zurück. Dort angekommen schaute Methos sich aufmerksam um.

Ich kam direkt zum Kern der Sache "Was willst du hier? Spionierst du aus wie man den Hohenasperg am leichtesten erobern kann? Ist meine Tochter nur das Ablenkungsmanöver? Ich werde nicht zulassen, daß sie dasselbe Schicksal wie ich erleidet. Vorher nehme ich deinen Kopf."

"Ich will nicht spionieren, Cassandra. Ich habe die Reiter schon vor langer Zeit verlassen und mich verändert. Ich bin nicht mehr aufs Rauben und Morden aus. Ich will auch nicht deinen Kopf. Gib mir eine Chance, dir zu beweisen, daß ich mich wirklich verändert habe." Es lag viel Überzeugungskraft in seiner Stimme.

Aber ich wußte nicht, ob ich ihm wirklich trauen konnte. Für mich war die Erinnerung an die Reiter immer noch schmerzlich präsent. "Und warum willst du ausgerechnet meine Tochter kennenlernen?"

"Als ich Traum kennenlernte, wußte ich nicht, daß es deine Tochter ist." Methos seufzte. "In Griechenland sind die Frauen anders. Sie sind schüchtern, zurückhaltend und ungebildet. Damit kann ich nichts mehr anfangen. Meine Frau muß auch meine Partnerin sein. Sie muß stark genug sein, um zu verkraften, daß sie altert und ich nicht. Traum ist eine intelligente und selbständige Frau. Und sie ist wunderschön. Ich möchte sie näher kennenlernen, um herauszufinden, ob sie auch stark genug ist."

Ich habe noch nie eine längere Rede von ihm gehört. Vielleicht sagt er die Wahrheit. Aber wie soll ich es herausfinden? Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf und auch die Gewißheit, daß ich Traum keine Befehle mehr erteilen konnte. "Ich könnte einen näheren Kontakt nur verhindern, wenn ich das Gastrecht mißachten und deinem Kopf nehmen würde. Sollte ich aber herausfinden, daß du Traum nur für deine Zwecke nutzen willst, werde ich mich über dieses Gesetz hinwegsetzten und Dich töten. Du hast nur diese eine Chance." Setzte ich als Warnung hinzu.

Methos nickte nur und verließ mein Haus.

 

* * * * *

 

Gegenwart Duncans Hausboot

 

"Ich habe zwar den Fürsten getötet, aber Traums Tod war ein Unfall. Sie war die letzte die ich töten wollte. Glaube mir doch bitte."

Methos hielt den Dolch noch immer an ihrer Kehle, er wollte noch kein Risiko eingehen.

"Oh ja, denn sie war dein einziger Garant, an die Macht zu kommen. Nach Klawus Tod war sie die einzige, die seine Nachfolge antreten konnte und du hättest an ihrer Seite geherrscht. Nur schade, daß sie herausgefunden hatte, daß du ihn vergiftet hattest."

"Cassandra, es ist 2.500 Jahre her, ich kann das, was damals geschah, nicht mehr ändern. Ich bitte dich doch nur um Hilfe für einen Freund von Duncan und mir. Wenn du mir schon nicht helfen willst, dann tue es doch bitte Duncan zuliebe." Er hoffte, daß wenigstens dieses Argument sie beruhigen würde.

"Woher soll ich wissen, daß du mich nicht schon wieder manipulierst, wie schon damals und in Bordeaux? Ich will nicht mit irgendwelchen Halbwahrheiten und Lügen abgefertigt werden, damit ich so reagiere wie du es willst. Diesmal will ich die Wahrheit wissen!"

"Wenn ich die Wahrheit wüßte, dann würde ich dich nicht um Hilfe bitten. Ich kann dir nur das erzählen, was ich weiß. Und das ist leider nicht sehr viel."

Methos blickte auf Cassandras Kopf. Wenn er überhaupt eine Chance auf Zusammenarbeit haben wollte, dann mußte er sie jetzt loslassen.

Er senkte seinen Dolch, trat einen Schritt zurück und als sie sich zu ihm umdrehte, warf er sein Messer zur Seite. Er bemerkte ihren prüfenden Blick, wich ihm nicht aus und wartete auf ihre Reaktion.

Cassandra sah ihn einige unangenehme Minuten an. Irgendwie wünschte Methos, daß sie außer 'der Stimme' und ihren Heilkräfte vielleicht noch Telepathie beherrschte, denn dann wüßte sie, daß er ihr wenigsten dieses eine Mal alles erzählt hatte.

Schließlich drehte sich Cassandra mit einem frustrierten Seufzer um und ging auf Deck.

 

Amanda und Nick waren sehr erleichtert, als Cassandra lebend und unverletzt an Deck kam, ohne daß das Boot von irgendwelchen Blitzen zerstört wurde.

Ein Blick auf Cassandras Gesicht genügte Amanda, um zu merken, daß diese heute nicht mehr in der Lage war, eine Entscheidung zu treffen. Sie wirkte verunsichert und geschockt. Vorsichtig ging sie auf Cassandra zu, nahm sie in den Arm, leitete sie über die Gangway und bugsierte sie in ihren PKW, um sie zum Hotel zu fahren.

 

Nick blieb mit Adam auf dem Boot zurück und fragte sich, womit er es verdient hatte, ausgerechnet jetzt mit dem seltsamsten Unsterblichen zusammen zu sein, den er bisher kennengelernt hatte.

Er schaute auf seine Uhr und stellte erstaunt fest, daß noch nicht einmal 30 Minuten vergangen waren, seit Amanda und Cassandra auf dem Boot aufgetaucht waren. Seufzend ging er zur Kabine und beschloß, egal was Adam jetzt machen würde, sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen und dieses ganz genüßlich zu trinken.
 
... Fortsetzung folgt..... irgendwann ganz bestimmt ...

 

 
Du bist der 1632. Leser dieser Geschichte.