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Rhazaghan© by Dreher, G. ()
Der Schiffsarzt Ribat seufzte erleichtert. Der Körper seines Patienten hatte hervorragend auf die Infusionen angesprochen und inzwischen war er sicher, daß keinerlei Gefahr mehr für ihn bestand. Vor einiger Zeit hatte das eigentümliche Gewebe in der Brust des Fremden begonnen, eine Art Kleidung zu simulieren, und er nahm an, daß es sich dabei um ein gutes Zeichen handelte. Auch die Funktionen der übrigen Organe hatten sich erstaunlich rasch stabilisiert. Die Spezies, der der Gefangene angehörte, mußte von Natur aus sehr robust sein. Allerdings fragte sich Ribat noch immer, warum dieser Körper kollabiert war. Zwar befand er sich in einem erbärmlichen Zustand, doch es war deutlich erkennbar, daß noch nicht alle Reserven verbraucht waren. Der Arzt ließ sich auf den einzigen Stuhl im Raum sinken und betrachtete nachdenklich den Bewußtlosen, dessen Hand- und Fußgelenke man am Pritschenrahmen fixiert hatte. Trotz seiner erfolgreichen Maßnahmen bezweifelte Ribat, daß dieser Mann in der nächsten Zeit gefährlich werden konnte. Am Vortag war er in höchster Eile hierher gebracht worden und hatte auf der Pritsche einen Sterbenden vorgefunden, dessen abgemagerter Körper lediglich von einer groben Decke verhüllt wurde. Gul Renek hatte sich vor Ribat aufgebaut und ihm in wenigen Worten angekündigt, daß er keinen ruhigen Augenblick mehr auf diesem Schiff verleben würde, sollte ihm der Patient unter den Händen wegsterben. Zitternd hatte sich Ribat an die Arbeit gemacht. Daß die Gründerin ihn währenddessen mit aufgeregten Fragen bestürmte, hatte ihm die Sache alles andere als erleichtert, und fast hätte er sich zu einer scharfen Bemerkung hinreißen lassen. Es war leicht zu erraten, was mit diesem Mann passiert war, und der Arzt nahm stark an, daß die Gründer die Verantwortung dafür trugen. Er empfand es als abstoßend, einem hilflosen Gefangenen eine solche Behandlung angedeihen zu lassen. Überhaupt hatte sich Ribats Leben in einen einzigen Alptraum verwandelt. Während des Friedens war er ein geachteter Mediziner gewesen, der sich einen ansehnlichen Patientenkreis aufgebaut hatte. Einige seiner Artikel waren bereits in größeren Fachzeitschriften publiziert worden und hatten im Kollegenkreis ein durchaus positives Echo hervorgerufen. Dann war es zum Umsturz gekommen. Ein knappes Jahr darauf erhielt er ein Schreiben, in dem man ihm mitteilte, daß es der vergrößerten Flotte an qualifizierten Schiffsärzten mangelte. Der Brief endete mit der Aufforderung, sich unverzüglich an Bord der Bezwinger zu melden. Ribat schloß erschöpft die Augen. Er haßte den derben Umgangston, der an Bord dieser Kriegsschiffe herrschte, und das ständige Leben in Angst entsetzte ihn. Allein an das letzte Gefecht dachte er nur mit Schaudern. Ein einzelnes Feindschiff sollte mit Hilfe von acht Schlachtkreuzern aufgebracht werden, ein völlig unkomplizierter und risikoloser Auftrag, wie es hieß. Aber wie hatte dann die Wirklichkeit ausgesehen? Die ganze Bezwinger hatte sich unter dem feindlichen Geschützfeuer geschüttelt, die Krankenstation füllte sich binnen kurzem mit Verletzten, und zum Schluß kam heraus, daß zwei Schiffe aus dem Verband zerstört worden waren. Inzwischen fragte sich Ribat, ob er seine Heimatstadt jemals wiedersehen würde. Ein leises Stöhnen riß ihn aus seinen Gedanken. Er beugte sich vor und beobachtete, wie der Gefangene sich leicht bewegte, um dann die Augen zu öffnen. Ribat lächelte ermutigend. "Willkommen unter den Lebenden!" Der Fremde richtete den Blick seiner ungewöhnlich gefärbten Augen auf ihn. Dann schüttelte er schwach den Kopf. "Sie haben mir hiermit keinen Gefallen getan." sagte er leise. Ribat schwieg verunsichert. Er fragte sich allen Ernstes, was man diesem Mann angetan haben mochte, daß er seinen Lebenswillen derart vollständig verloren hatte. Bereits im nächsten Augenblick hörte er schwere Schritte den Gang herunterkommen, und er atmete nervös durch. Der Kommandant hatte die Zelle bereits mehrfach aufgesucht, sich nach dem Befinden des Bewußtlosen erkundigt und außerdem seinen Druck auf den Schiffsarzt erneuert. Es war deutlich, daß er auf diesen Gefangenen besonderen Wert legte. Gul Renek betrat die Zelle und lächelte, als er den Rhazaghaner sah. "Wie ich sehe, geht es ihm schon wesentlich besser." bemerkte er. "Bravo, Ribat, gut gemacht! Und nun verschwinden Sie! Ich habe ein paar Worte mit unserem Freund zu reden." Ribat sah zu ihm auf und zögerte für einen kurzen Moment. Es widerstrebte ihm, seinen Patienten hilflos zurückzulassen, doch dieser Mann flößte ihm eine maßlose Angst ein. Widerstandslos erhob er sich und verließ den Raum. Der cardassianische Kommandant ließ sich auf Ribats Stuhl nieder und musterte den Liegenden. "Wir beide haben noch eine Rechnung miteinander offen." begann er. "Du hast es doch sicher nicht vergessen?" Tarkin lag mit geschlossenen Augen da und schwieg. "Du hast mir nichts zu sagen?" fuhr Renek fort. "Auch recht! Ich kann eine solche Unterhaltung problemlos allein bestreiten, zumal ich dir einiges erzählen wollte." Noch immer erfolgte keine Reaktion, und so begann der Cardassianer wieder zu sprechen. "Vielleicht hast du schon erfahren, daß es uns durch deine Hilfe möglich sein wird, deinen Heimatplaneten erneut in unseren Besitz zu bringen. Die Gründer waren sehr dankbar für unsere Unterstützung und haben uns die rhazaghanischen Dilithiumvorkommen zugesagt, alles andere auf Rhazaghan natürlich auch. Ich bin bereit, mich überraschen zu lassen, denn ich habe vor, meine dortige Stationierung zu beantragen." Renek beobachtete, wie sich der Körper des Liegenden verkrampfte. Nach kurzer Pause sprach er weiter. "Anscheinend haben wir Cardassianer den Bewohnern Rhazaghans beim letzten Mal recht wenig Aufmerksamkeit geschenkt, ein schwerer Fehler, wie ich finde. Wie ich auf deinem Schiff gesehen habe, verdient der weibliche Teil eurer Bevölkerung durchaus Beachtung. Natürlich, es gibt da ein paar Hindernisse zu überwinden, aber das macht die Sache nur um so reizvoller. Wahrscheinlich reicht es vollkommen aus, das entsprechende Organ zu zerstören, dann dürfte es zwischen einer eurer Frauen und einer Bajoranerin keine Unterschiede mehr geben." Tarkin riß entsetzt die Augen auf. Renek lächelte. "Du hattest mir von deiner Gefährtin erzählt. Ihr Name ist Aslari, nicht wahr? Ich habe für so etwas ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Außerdem gehe ich jede Wette ein, daß sie hübsch ist. So ein Bursche wie du wird sich doch gewiß etwas besonders Reizvolles ausgesucht haben." Er stützte seine Hände auf die Pritsche und beugte sich über Tarkin. "Ich muß dir sagen, daß ich schon außerordentlich gespannt auf sie bin. Mit Sicherheit werde ich eine Menge Spaß an ihr haben, wenn du verstehst, was ich meine. Ich hoffe doch, daß du an uns denkst, wenn du dich mit den Jem'Hadar herumschlägst." "Du wirst sie nicht finden!" stieß Tarkin verzweifelt hervor. "Darum mache ich mir keine Sorgen." erwiderte der Cardassianer gelassen. "Glaub mir, mit so etwas habe ich ausreichend Erfahrung. Um an mein Ziel zu gelangen, werde ich nicht mehr als ein paar beliebige Rhazaghaner und etwas Zeit brauchen."
Sofort nachdem die Gründerin ihre Regeneration abgeschlossen hatte, verließ sie ihr Quartier, um erneut Tarkins Zelle aufzusuchen. Der Schiffsarzt hatte ihr zwar zugesichert, daß der Zustand des Rhazaghaners nicht mehr allzu kritisch war, dennoch war es ihr schwer gefallen, diesen in der alleinigen Obhut des Cardassianers zurückzulassen. Allerdings hatte sie den Eindruck erhalten, daß es dem Mediziner nicht an Kompetenz und Motivation mangelte, und so hatte sie es sich schließlich gestattet, ihrem Bedürfnis nach Erholung nachzugeben. Als sie in den Gang einbog, der zu dem Gefangenentrakt führte, erkannte sie überrascht die Gestalt Gul Reneks, der ihr von dort entgegenkam. Als er sie passierte, neigte er leicht den Kopf. "Gründerin!" grüßte er respektvoll, doch auch sein höflicher Tonfall vermochte die Formwandlerin nicht von dem Ausdruck tiefster Befriedigung abzulenken, welcher die Züge des Cardassianers beherrschte. Betroffen sah sie ihm nach, dann wandte sie sich um und hastete Tarkins Zelle zu. Der Rhazaghaner reagierte nicht, als sie eintrat. Er hatte das Gesicht zur Wand gedreht, und seine Rippen hoben und senkten sich unter raschen, krampfhaft wirkenden Atemzügen. Sofort eilte sie zu ihm. "Hat er dir etwas angetan?" fragte sie erschrocken. Tarkin antwortete nicht sofort. Weiterhin hielt er sein Gesicht mit geschlossenen Augen zur Wand gerichtet. "Er hat mir keine körperlichen Schmerzen zugefügt, wenn du das meinst." kam es schließlich von ihm. Voller Mitleid stand sie da und blickte auf ihren vom Hunger gezeichneten Gefangenen hinab, dessen Hände in Höhe des Kopfes auf die Pritsche gefesselt waren. Das Gefühl von Schuld erstickte sie fast. "Kann ich irgend etwas für dich tun?" fragte sie hilflos. Zunächst blieb er still, doch dann wandte er ihr zögernd das Gesicht zu und öffnete die Augen. "Ja!" sagte er leise. "Eine einzige Sache gibt es, die du für mich tun könntest." Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, doch dann starrte sie ihn erschüttert an. "Ich kann dich nicht töten." erklärte sie verzweifelt. "Es ist mir einfach nicht möglich. Du bist zu wichtig für uns, das mußt du doch verstehen, Tarkin!" Sein Gesicht, das für einen Augenblick Anflüge von Hoffnung getragen hatte, wurde starr. "Dann geh!" sagte er hart. "Laß mich bitte allein und komm nicht wieder hierher! Ich benötige keinen Trost mehr." Er schloß die Augen und wandte sein Gesicht wieder der Wand zu. Stumm verließ sie den Raum und begab sich zu dem Unteroffizier, dem Verwaltung und Sicherung des Gefangenentraktes unterstanden. "Errichten Sie ein codiertes Kraftfeld um den Zellenbereich mit dem Gefangenen!" befahl sie dem überraschten Cardassianer. "Der Codeschlüssel ist einzig und allein mir auszuhändigen. Ich bin auf der Brücke." Anschließend machte sie sich auf den Weg, um den Befehl zum Aufbruch zu geben. Sie hatte jetzt nur noch einen einzigen Wunsch: Sie wollte diese bittere Mission, die für sie längst die Grenze des Unerträglichen überschritten hatte, so schnell wie möglich beenden. Danach würde sie die ihren aufsuchen, um erneut mit ihnen zu verschmelzen, doch zum ersten Mal in ihrem Leben brachte ihr die Aussicht auf die Rückkehr zur Verbindung keine Erleichterung. Dort erwartete sie nicht jene Art von Verständnis, die sie benötigt hätte, um über die Erfahrungen der letzten Zeit hinwegzukommen. Kurz darauf beobachtete sie auf der Brücke die Vorbereitungen für den Abflug. Der Cardassianer am Funk wandte sich zu ihr um. "Die Erstürmung ist soeben längsseits gegangen." teilte er ihr mit. "Sie melden Bereitschaft." Sie nickte. "Gut! Sagen Sie ihnen, daß wir den Orbit verlassen! Wir nehmen direkten Kurs auf den Stützpunkt."
Talan hatte bereits einige Zeit in seinem Quartier geschlafen, als unvermittelt das Licht anging. "Wach auf!" sprach die Arrhinia D'jah ihn an. "Da draußen tut sich was." Der Romulaner schoß augenblicklich hoch und griff nach seiner Uniform. "Wieviele Schiffe?" "Zwei, Galor-Klasse! Sie haben gerade den Verband verlassen und Kurs auf den Stützpunkt gesetzt. Soll ich ihnen folgen?" "Ja, aber halte erst einmal den abgesprochenen Sicherheitsabstand ein! Wir dürfen kein unnötiges Risiko eingehen. Ich bin gleich auf der Brücke." Nur wenig später trafen auch Rilkar und Nirrit auf der Brücke ein, nach und nach gefolgt von Tybrang und den Clanführern. Talan und Aslari betrachteten die Darstellung der beiden Schiffe auf dem Hauptbildschirm und unterhielten sich in gedämpftem Tonfall. "Wie sieht es aus?" fragte der Ingenieur. Talan warf einen Blick über die Schulter. "Schwer zu sagen! Bis jetzt wissen wir nur, daß da vorn zwei Schiffe sind, die in Richtung Stützpunkt fliegen. Wir müssen abwarten, bis sie mehr als die Hälfte der Strecke hinter sich gebracht haben, dann werden wir einen Blitzscan wagen. Ich hoffe nur, daß wir danach klüger sind." Die Zeit verging, und die cardassianischen Schlachtkreuzer näherten sich immer mehr ihrem Ziel. Währenddessen nahm die erwartungsvolle Spannung an Bord der Arrhinia D'jah geradezu fühlbare Ausmaße an. Mittlerweile war jedes einzelne Besatzungsmitglied auf den Beinen, die Enterkommandos hatten sich formiert, und das für die Enterung benötigte Material war in den Transporterraum geschafft worden. Nun kam es nur noch darauf an, daß der Scan das sehnsüchtig erhoffte Ergebnis brachte. Talan ging kein Risiko ein. Er wartete, bis die Kriegsschiffe nahezu zwei Drittel der Entfernung überwunden hatten, dann nickte er. "Arrhinia D'jah! Nähere dich von oben bis auf vier Schiffslängen an den hinteren Schlachtkreuzer an, dann laß eine Blitzabrasterung erfolgen! Du weißt ja Bescheid, daß wir zunächst nur einen oberflächlichen Scan durchführen dürfen." Die Anwesenden beobachteten atemlos, wie die Darstellung des bewußten Schiffes auf dem Bildschirm anwuchs, bis auch das kleinste Detail sichtbar war. Dann blieb die Entfernung konstant. "Abrasterung erfolgt, keine Ortung!" meldete die Sternschwinge. Talan atmete durch. "Na schön! Wenden wir uns also dem ersten Schiff zu! Sollte uns das auch nicht weiter bringen, müssen wir das Risiko eines sorgfältigeren Scans eingehen. Annäherung jetzt, Arrhinia D'jah!" Kurz darauf meldete sich die Stimme des Schiffes erneut. "Ich habe keinen Rhazaghaner an Bord des Schlachtkreuzers orten können." Enttäuschung machte sich auf den Gesichtern der Anwesenden breit, als die Sternschwinge auch schon weitersprach. "Allerdings sind meine Sensoren auf ein Sicherheitskraftfeld gestoßen, das einen kleinen Bereich im Inneren des Schiffes umgibt." Rilkars Kopf fuhr zu Talan herum. "Eine zusätzlich gesicherte Gefangenenzelle! Tarkin! Er ist dort drüben." "Und das ist noch nicht alles!" fuhr die Arrhinia D'jah fort. "Ich habe außerdem etwas Ungewöhnliches ausgemacht. Eine Lebensform, die ich nicht habe einordnen können." Aslaris Augen wurden schmal und sie begann zu lächeln. "Die Gründerin!" "Kampfstationen besetzen!" kommandierte Talan. "Es geht los! Arrhinia D'jah!" wandte er sich an das Schiff. "Du weißt Bescheid: Sofort nach Deaktivierung der Tarnvorrichtung besteht wieder Feuerbereitschaft. Rilkar hat dir erklärt, worauf du zielen mußt. Gleich bekommst du die Gelegenheit zu zeigen, was du kannst."
In der Befehlszentrale der Bezwinger herrschte gelassene Stille. Während Gul Renek einige Routineberichte entgegennahm, widmete sich die Brückenbesatzung ihren Aufgaben, die zur Zeit hauptsächlich in der Überwachung der Kontrollen bestanden. Die Gründerin lehnte im Sessel des ersten Offiziers und betrachtete gedankenvoll die Sterne auf dem Bildschirm. Nicht mehr lange, und sie würde ihre traurige Pflicht erfüllt haben. Urplötzlich zuckte der Mann an den Sensoren zusammen und wandte sich mit aufgerissenen Augen zu seinem Vorgesetzten um. "Gul Renek! Direkt vor uns enttarnt sich ein Schiff." "Was?" rief der Angesprochene entgeistert. "Kampfschilde aktivieren! Worum handelt es sich?" Im nächsten Augenblick glitt eine verschwommene Silhouette über den Bildschirm, die im Anflug zu einer raubvogelartigen Konstruktion erstarrte und augenblicklich zu feuern begann. Durch die Bezwinger ging eine heftige Erschütterung. "Ausweichmanöver! Formieren zum Gegenangriff!" befahl der cardassianische Kommandant. Gleichzeitig erhob sich die Gründerin und blickte fassungslos auf die Darstellung des angreifenden Schiffes. Sie erkannte die Konturen sofort. Sie hatte sie viele Male unter der gigantischen Decke des Kavernenhangars gesehen. "Die Arrhinia D'jah!" rief sie entsetzt. "Sie haben es fertiggebracht, die Arrhinia D'jah mit der Tarnvorrichtung der Dolch auszurüsten." Sie wandte sich panikerfüllt dem cardassianischen Kommandanten zu. "Lassen Sie die Bezwinger abdrehen! Wir dürfen uns auf keinen Kampf mit ihr einlassen. Dieses Schiff da vorn ist ungemein aggressiv und noch gefährlicher als jenes, mit dem Sie es kürzlich zu tun hatten." Der Cardassianer starrte sie verständnislos an. "Wie bitte?" fragte er überrascht. "Drehen Sie um, sagte ich!" schrie die Gründerin ihn an. "Ich habe das Kommando hier, haben Sie das vergessen? Fliegen Sie unserer Verstärkung entgegen! Unsere einzige Chance besteht darin, sie noch rechtzeitig zu erreichen."
"Das bewußte Schiff dreht ab!" meldete der an den Kontrollen sitzende Tybrang. Talans Reaktion bestand in einem Lächeln. "Dummer Fehler!" bemerkte die Arrhinia D'jah mit grimmiger Zufriedenheit. Dann schoß sie auf die allein zurückgebliebene Erstürmung los.
Nur wenig später wandte sich der Cardassianer am Funk an seinen Vorgesetzten. "Gul Renek! Die Erstürmung ruft uns. Sie haben die Schilde verloren und sind manövrierunfähig. Außerdem teilen sie uns mit, daß das rhazaghanische Schiff abgedreht und Kurs auf uns gesetzt hat." Renek sah die Gründerin wütend an. "Wir hätten zusammenbleiben und dieses Ding gemeinschaftlich in die Zange nehmen sollen, aber Sie mußten sich ja durchaus auf Ihre Position berufen. Jetzt können wir nur noch versuchen, sie abzuhängen." Die Formwandlerin warf ihm einen gereizten Blick zu. "Machen Sie sich keine Hoffnungen, das können wir nicht." murmelte sie. Dann verließ sie die Brücke und eilte dem Gefangenentrakt zu. "Hecksicht!" befahl Renek. Sofort schaltete der Bildschirm um und zeigte die nachfolgende Sternschwinge, deren Distanz zur Bezwinger erschreckend rasch zusammenschmolz. "Sie sind verflucht schnell!" knurrte der cardassianische Kommandant. "Und es wird einige Zeit dauern, bis wir Hilfe bekommen, also werden wir sie noch etwas beschäftigen müssen. Trotzdem: Der Chefingenieur soll aus dem Triebwerk alles herausholen, was machbar ist. Je weiter wir kommen, desto besser." Trotz aller Bemühungen dauerte es nicht lange, bis die Cardassianer beobachteten, wie die Arrhinia D'jah an ihnen vorbeizog, in einem weiten Bogen wendete, um dann im Anflug auf sie das Feuer zu eröffnen. Verzweifelte Ausweichmanöver fliegend, bemühten sie sich, die Sternschwinge auf Distanz zu halten, mußten jedoch schnell erkennen, daß ihnen ihr Gegner an Wendigkeit überlegen war. Gul Renek fluchte, während sein Schiff unter einem weiteren Treffer erzitterte. "Sie versuchen gezielt, die Schildgeneratoren zu überlasten. Wenn das so weitergeht, werden wir bald die Heckschilde verlieren. Irgend jemand muß die verdammten Rhazaghaner genauestens über die Schwächen dieser Baureihe aufgeklärt haben." Nur zu bald erfolgte der Einschlag, der den Schlachtkreuzer auch seiner letzten Schilde beraubte. Danach ging alles sehr schnell. Die Arrhinia D'jah feuerte nur noch zwei gut gezielte Salven ab, und das Kriegsschiff lag manövrierunfähig im Raum.
Rilkar umarmte Nirrit flüchtig, dann stieg er rasch hinauf auf die Transporterplattform, wo schon die übrigen Angehörigen des Enterkommandos standen. Die Romulaner hielten ihre Disruptoren in Bereitschaft, während sich die Rhazaghaner ohne Ausnahme in der Grundform befanden. Alle Mitglieder der Einheit machten einen ruhigen und entschlossenen Eindruck. Der Ingenieur lächelte seiner Gefährtin ermutigend zu. "Mach dir keine Sorgen, wir bringen ihn zurück." Nirrit nickte stumm, worauf Rilkar einen Blick auf seine Freunde warf, die sich um sie geschart hatten. Mutub sah gefaßt zu ihm hoch, während die beiden Jüngeren nervös zappelten. "Gib bloß gut auf dich acht!" riet ihm Knut. "Ich glaube, für meinen Schutz ist hinreichend gesorgt." erwiderte der Ingenieur. Im nächsten Moment lösten er und seine Begleiter sich auf.
In der Ambientenkontrolle der Bezwinger war Rukam mit seiner Technikermannschaft verzweifelt an der Arbeit. Die vorletzte Salve hatte eine Überladung im Energienetz verursacht mit dem Ergebnis, daß Teile der Lebenserhaltungssysteme ausgefallen waren. Nun bemühte man sich hektisch, die entstandenen Schäden zu beseitigen. Rukam nahm soeben erleichtert zur Kenntnis, daß der Geongenerator mit einem schwachen Summen wieder in Betrieb ging, als er im Augenwinkel erkannte, daß etwas seitlich von ihm materialisierte. Er und seine Leute fuhren herum und sahen sich einer größeren Anzahl von Personen gegenüber. Etwa die Hälfte von ihnen bestand aus Romulanern, die ihre Disruptoren auf sie gerichtet hatten. Gleich darauf beendete ein zweiter gemischter Trupp den Transfer. Rukam und seine Männer standen wie versteinert. Sie waren Techniker, und niemand von ihnen pflegte bei der Ausführung der Arbeit Energiewaffen zu verwenden. Außerdem war ihnen allen klar, daß jeglicher Anflug von Heldentum mit dem Tod des Betreffenden geendet hätte. Aus der schweigenden Gruppe der Eindringlinge löste sich ein hochgewachsener Mann und kam auf Rukam zu. Als er vor ihm stehenblieb, bemerkte der Techniker überrascht, daß bei der Entstehung seines Gegenübers mit Sicherheit ein Cardassianer eine Rolle gespielt hatte. "Machen Sie bitte keine Schwierigkeiten!" wandte sich der Mann auf akzentfreiem Cardassianisch an ihn. "Schließlich wollen wir alle wieder gesund nach Hause, wenn diese Sache vorbei ist, habe ich recht?" Rukam nickte stumm. "Ich freue mich, daß wir hier einer Meinung sind." fuhr der Eindringling freundlich fort. "Wenn Sie vernünftig sind, wird niemandem etwas geschehen." Sein Blick fiel auf das schwere Spezialwerkzeug, das Rukam in der Hand hielt. Er lächelte. "Ich darf doch?" Der Techniker hielt ihm wortlos sein Arbeitsgerät hin, und sein Gegenüber nahm es ihm ab. Dann ging der Mann die wenigen Schritte zum Geongenerator hinüber und brachte den leisen Brummton mit ein paar wuchtigen, gut gezielten Schlägen zum Schweigen. Rukam wußte genau, daß es ihn mindestens einen Tag Arbeit kosten würde, diese Schäden zu beseitigen. Im nächsten Augenblick verlosch das Licht, doch unmittelbar darauf wurde das Dunkel von mehreren Lampen erhellt. Borial steckte seinen nutzlos gewordenen Disruptor weg und gab seinen Leuten ein Zeichen, dasselbe zu tun. Im Raum blitzte es mehrere Male. Mongaris reckte sich in der Zahnluum. "Das ist besser!" seufzte sie erleichtert. Zarab, der die gleiche Gestalt angenommen hatte, trat neben sie. "Und wo geht es nun zu Tarkin?" fragte er ungeduldig. Rilkar wandte sich lächelnd zu dem entsetzt dastehenden Rukam um. "Ich vermute doch richtig, daß Sie sich auf diesem Schiff auskennen?" Der cardassianische Techniker nickte hilflos.
"Sorgen Sie dafür, daß man den Eindringlingen eine bewaffnete Abteilung entgegenschickt!" befahl Renek seinem zweiten Offizier. "Wir müssen versuchen, uns zu halten, bis die Verstärkung eintrifft." Der Mann war im Begriff, loszustürmen, als Renek leises Transportersirren hinter sich wahrnahm. Noch während er herumfuhr, ging bereits das Licht aus. Die Schwärze war total. Noch nicht einmal die Kontrolleuchten an den Konsolen glühten. Renek konnte sich nicht erinnern, jemals ein derart vollständiges Dunkel erlebt zu haben, und er spürte, wie ein übelkeiterregendes Gefühl von Desorientierung in ihm aufstieg. Gleichzeitig wußte er, daß sich nun der Feind mit ihnen gemeinsam im Raum befand. Irgendwo in der Nähe war leises Scharren zu hören. Dann endlich wurde das Dunkel vor ihm von dem schwachen Licht einer Lampe durchdrungen, doch nach der vollkommenen Finsternis wirkte es auf den Cardassianer blendend hell. Blinzelnd erkannte er eine durch Metallplatten gepanzerte Montur, helmförmig geschnittenes Haar und dunkle Augen. "Du schmutziger Romulaner!" schnaubte Renek empört. "Was hast du auf meinem Schiff zu suchen?" Der Mann vor ihm lächelte. "Ich? Eigentlich nichts! Allerdings bin ich nicht allein." Er hob die Hand, worauf zwei weitere Lichtquellen aktiviert wurden. Renek und seine Leute erkannten entsetzt, daß sie von riesigen vierbeinigen Alptraumgestalten umgeben waren. Schattenhaft und unwirklich füllten sie die Brücke, und ihre schrägen Augen reflektierten das Licht der Lampen. "Schießt!" kommandierte Renek außer sich vor Entsetzen. Nun erst kam Leben in seine erstarrten Männer. Mehrere rissen ihre Waffen hoch, doch Renek wartete vergeblich auf das erlösende scharfe Geräusch. "Verdammt, warum schießt ihr nicht?" schrie er verzweifelt. "Die Waffen!" hörte er die angstvolle Stimme von Drabashs Nachfolger. "Sie reagieren nicht! Irgend etwas muß die Auslösung unterdrücken." Der Romulaner hatte gelassen abgewartet. Nun wies er mit einer unverschämt eleganten Geste auf seinen Hintergrund. "Es gibt hier jemanden, der dir gern ein paar Fragen stellen möchte. Ich gebe dir nur den guten Rat, keine Schwierigkeiten zu machen." Die zottigen Ungeheuer wichen zur Seite und machten einer jungen Frau Platz, deren Gesichtsausdruck nichts Gutes erahnen ließ. Ohne ihren Blick abzuwenden, wechselte sie ein paar Worte mit einem Mann, der ebenfalls vorgetreten war. Renek erkannte ihn sofort. Bei der Gefangennahme des rothaarigen Rhazaghaners hatte er seinen Leuten Befehl gegeben, ihn niederzustechen. "Ist er das, Tybrang?" fragte Aslari knapp. Der bernsteinfarbene Rhazaghaner lächelte und nickte. "Ja! Das ist er tatsächlich!" Mit wenigen schnellen Schritten war die Rhazaghani bei dem Cardassianer angelangt. Dann packte sie ihn mit einem entschlossenen Griff am oberen Rand seines Uniformpanzers und schmetterte ihn mit der gesamten Kraft ihrer Wut rückwärts an die Wand. Reneks Kopf schlug so hart auf, daß ihm die Zähne klapperten. "Und jetzt hör mir gut zu!" zischte Aslari ihn an. "Du hältst meinen Gefährten hier gefangen, und ich will ihn wiederhaben, verstehst du das? Ich gebe dir jetzt die Möglichkeit, uns zu ihm zu führen. Solltest du dich weigern, wirst du gleich feststellen, daß du nicht genug Hände hast, um deine Eingeweide festzuhalten. Wie sieht es also aus? Wirst du uns helfen, oder legst du Wert darauf, meine Lieblingsluum kennenzulernen?" Renek sah angsterfüllt in zwei funkelnde Augen, die sich auf der gleichen Höhe wie seine eigenen befanden. Das orangebraune Haar der Frau schien sich vor Wut und Haß buchstäblich zu sträuben. Der Cardassianer streckte eine zitternde Hand aus. "Es geht dort entlang!" stieß er hervor.
Kurz darauf befanden sie sich auf dem Weg zum Gefangenentrakt. Talan und Aslari bildeten gemeinsam mit der in der Zahnluum befindlichen Selembri die Vorhut, während Tybrang direkt hinter ihnen den cardassianischen Kommandanten mit sich schleifte. Dann folgten einige Vari und Dana und schließlich Raleb, der sich mit seinen Laro am Schluß der Einheit bewegte. Direkt nachdem sie die Brücke verlassen hatten, hatte der Huftritt eines seiner Leute dafür gesorgt, daß sich die Zugangstür bis auf weiteres nicht mehr öffnen ließ. Überall wohin sie kamen, verlosch das Licht, doch sie waren nicht in der Lage, diesen Effekt zu beobachten, da sich die Dalibs schon weit vor ihnen bemerkbar machten. Mehrmals trafen sie auf cardassianische Truppen, die ihre Waffen auf die unheimlichen Eindringlinge richteten. Allerdings zogen sie sich stets rasch zurück, sobald sie erkannten, daß es ihnen nicht möglich war, zu feuern. Spätestens beim Anblick der zähnefletschenden Selembri machten sie sich davon. Als sie sich dem Gefangenenbereich näherten, begegneten sie Rilkars Trupp, der ebenfalls auf keine nennenswerten Schwierigkeiten gestoßen war. Dann bogen sie gemeinsam in den Gang ein, der zu Tarkins Zelle führte. Aslari blieb stehen und drehte sich zu den anderen um. "Das was nun folgt, ist in erster Linie meine Aufgabe, darum werde ich vorangehen." erklärte sie. "Ein Teil der Einheit folgt mir wie vereinbart, aber ich will auf keinen Fall, daß sich jemand in die Auseinandersetzung einmischt. Kümmert euch stattdessen um Tarkin!" Sie wartete, bis die Anwesenden zögernd genickt hatten, dann warf sie dem zusammengeschrumpften Renek einen schrägen Blick zu. "Tybrang, paß bitte gut auf ihn auf!" wandte sie sich an den bernsteinfarbenen Rhazaghaner. "Ich will nicht, daß er uns zum Schluß noch irgendwelchen Ärger macht." Tybrang antwortete mit einem grimmigen Lachen. "Keine Sorge!" Als Aslari vor Tarkins Zelle stehenblieb, war das Kraftfeld bereits erloschen. Mit einem Aufblitzen ging die Rhazaghani in die Steppenluum und zerschmetterte die Schloßvorrichtung mit zwei kraftvollen Hufschlägen. Dann wechselte sie zurück in die Grundform, ließ sich von Talan eine Lampe reichen und öffnete die Tür. Als sie in den Durchgang trat und den abgezehrten Tarkin erkannte, stieß sie einen entsetzten Schrei aus. Ihr hilflos daliegender Gefährte drehte ihr den Kopf zu. "Aslari, nein!" flehte er. "Bitte bleib dort stehen! Du darfst nicht hereinkommen. Sie ist hier!" Ohne Zögern betrat seine Gefährtin den Raum, doch im selben Moment geriet ein Teil der Wand in Bewegung, floß herab, um sich schnell zu der Gestalt der Gründerin zusammenzuziehen. Sie schob sich vor Tarkin und schüttelte langsam den Kopf. "Nicht weiter, Aslari!" sagte sie warnend. "Bleib weg von ihm! Zwing mich nicht, dich zu verletzen!" Aslari duckte sich leicht und starrte ihre Feindin haßerfüllt an. Dann warf sie die Lampe zur Seite und wechselte in die Krallenluum. "Nein!" schrie Tarkin entsetzt, als seine Gefährtin sprang, doch bereits im nächsten Augenblick füllte ein grelles Leuchten den Raum. Die Formwandlerin gab ein schrilles Kreischen von sich. Fassungslos starrten Tarkin und die Eintretenden die helle Lichtgestalt an, die etwa drei Atemzüge lang in Kontakt mit der sich windenden Gründerin blieb, dann erlosch das Leuchten, und Aslari fiel in die Grundform zurück. Heftig atmend sank sie in die Knie, um kurz Kraft zu schöpfen, dann war erneut der Raum strahlend erhellt, und die Gründerin begann wieder zu kreischen. Tarkin merkte plötzlich, daß Darrab sich über ihn beugte. "Schnell, binde mich los!" forderte er den Arzt verzweifelt auf. Dieser untersuchte ihn eilig. "Bleib ganz still liegen, mein Junge!" versuchte er seinen Patienten zu beruhigen. "Du darfst dich nicht anstrengen." Tarkin sah ihn fest an. "Binde mich los!" sagte er scharf. "Jetzt!" Darrab erwiderte erstaunt seinen Blick, dann gehorchte er und ermöglichte es Aslaris Gefährten, sich zu erheben. Rilkar kam herangeeilt, um dem Arzt zu helfen. Links und rechts von den beiden Männern gestützt, wankte Tarkin auf Aslari zu, die gerade zum vierten Mal aus dem Zwischenzustand in die Grundform zurückgefallen war und nun wieder erschöpft auf dem Boden kniete. Doch ehe sie sich erheben konnte, um sich erneut auf die wimmernde Gründerin zu stürzen, war Tarkin bei ihr. Vorsichtig ließen Darrab und Rilkar ihn zu Boden sinken. Tarkin streckte die Hand nach seiner keuchenden Gefährtin aus. "Bitte, nicht noch einmal, Aslari!" sprach er liebevoll auf sie ein. "Tu ihr nicht mehr weh! Glaub mir, sie kann nichts dafür!" Aslari sah ihn schwer atmend an, dann nickte sie und ergriff seine Hand. Gleich darauf ließ er sich zu der auf dem Boden liegenden Formwandlerin hinüberhelfen. Es war deutlich erkennbar, daß sie ihre humanoide Gestalt kaum noch halten konnte. Ein feucht wirkender Glanz bedeckte ihren Körper, und an einzelnen Stellen schienen ihre Extremitäten zu schmelzen. Tarkin kniete mühsam bei ihr nieder und berührte sanft ihre Schulter. "Unsere Freundschaft endet hier." erklärte er ihr leise. "Wir werden uns mit Sicherheit nicht wiederbegegnen. Euer Plan ist gescheitert, doch ich glaube nicht, daß ihr deswegen Grund zur Sorge habt. Ihr wißt, daß die natürliche Lebenserwartung eurer Krieger äußerst begrenzt ist. Haltet ihre Schiffe von uns fern, und die Sache wird bald in Vergessenheit geraten." Er sah sie ernst und eindringlich an. "Allerdings muß ich euch warnen!" fuhr er fort. "Ich werde persönlich dafür sorgen, daß sowohl die Clanführer als auch die Sternschwingen von euren Plänen mit Rhazaghan erfahren. Sollten uns die Cardassianer noch einmal angreifen, so werden sie keinen Planeten, sondern eine Festung vorfinden, und jedes unserer Schiffe wird mit der Entschlossenheit einer Arrhinia D'jah kämpfen. Vor allem schickt nie wieder die Jem'Hadar in unseren Sektor! Solltet ihr das tun, so werden wir euer Götterbild mit einer Gründlichkeit in den Boden stampfen, wie ihr es euch nicht vorzustellen vermögt. Nichts könnte euch mehr vor der Rache eurer eigenen Krieger retten." Er hielt inne und betrachtete die Gründerin aufmerksam. Sie blickte stumm zu ihm hoch. "Sag deinen Leuten, daß mein Angebot weiterhin Bestand hat! Solltet ihr also eines Tages den Wunsch nach Frieden haben, dann werden wir da sein. Ansonsten ist es besser, ihr verlaßt diesen Quadranten, wenn das Wurmloch euch noch einmal passieren läßt. Solltet ihr weiter in die Tiefen dieses Raumbereiches vordringen, werdet ihr unweigerlich auf andere Völker stoßen, die Fähigkeiten ähnlich der euren besitzen." In Talans Kommunikator knackte es. "Ich weiß nicht, wie weit ihr seid." wurde eine ungeduldige Stimme hörbar. "Aber ich würde es begrüßen, wenn ihr euch etwas beeilt. Andernfalls werden wir hier bald eine Menge Gesellschaft bekommen." Der Romulaner warf Tarkin einen fragenden Blick zu. Dieser nickte. "Wir sind soweit!" antwortete Talan der Sternschwinge. "Du kannst uns herüberholen." Die Gründerin beobachtete, wie Talan und der Ingenieur ihrem ehemaligen Gefangenen hochhalfen und ihm Halt gaben, dann stellte sich Aslari neben ihren Gefährten, nicht ohne ihr einen warnenden Blick zuzuwerfen. Gleich darauf setzte auch schon der Transportereffekt ein. Die Anwesenden entmaterialisierten, hell strahlten die Lampen auf, und die erschöpfte Formwandlerin war allein. Einen Moment lang sah sie dorthin, wo nur noch Leere zurückgeblieben war. "Ein langes Leben, Tarkin von Rhazaghan!" sagte sie leise.
Gestützt auf Rilkar und Talan rematerialisierte Tarkin auf der weiten Transporterplattform. Er sah auf. Weiches grünliches Licht fiel auf ihn herab. Die Dalibs waren noch während des Transportvorganges deaktiviert worden. "Bist du das, Tarkin?" fragte eine entgeisterte Stimme. Der Rhazaghaner lächelte. "Ich bin es noch immer, Arrhinia D'jah! Und ich freue mich, dich wiederzusehen." "Arrhinia D'jah! Geh in den Tarnmodus, sobald alle an Bord sind!" wies Talan sie an. "Wir verschwinden von hier. Ich komme gleich auf die Brücke." Er überließ seinen Platz an Tarkins Seite Aslari, dann stieg er eilig von der Transporterplattform und verließ den Raum. Tarkin ließ sich von Rilkar und seiner Gefährtin von der Plattform helfen, als sein Blick auf Nirrit fiel. Sie stand da und sah fassungslos zu ihm auf. Dies war ohne Zweifel Tarkin, aber wie sah er aus! Die Augen standen groß in dem schmalen Gesicht, alle Rippen waren sichtbar und der gesamte Körper zitterte vor Schwäche. Nirrit hatte noch niemals einen Rhazaghaner in einem solchen Zustand gesehen. Einen Augenblick stand sie regungslos, doch dann warf sie sich ihm entgegen. Tarkin hob mühsam den Arm von Aslaris Schultern und drückte sie an sich. "Nirrit!" sagte er leise. Aslari lachte glücklich. "Mach dir keine Sorgen, Nirrit! Er ist am Leben, und alles andere wird bald wieder werden, dafür wird Darrab sorgen. Schließlich gibt es kaum ein Geschöpf, das sich schneller erholt als ein Rhazaghaner." Nirrit sah zu ihrem Gefährten hinüber, der ihren Blick lächelnd erwiderte. "Komm, Nirrit! Bringen wir ihn zur Krankenstation!" Kurz darauf ließ sich Tarkin erleichtert auf einem Krankenbett nieder. Während sich Darrab um ihn kümmerte, sah er nachdenklich zu seiner Gefährtin auf. "Wie bist du nur auf die Idee gekommen, die Gründerin durch einen verzögerten Luumwechsel zu bekämpfen?" fragte er schließlich. Sie betrachtete ihn zärtlich. "Ich habe sämtliche Föderationsdateien nach nützlichen Informationen durchsucht. Irgendwann stieß ich auf einen Bericht, in dem ein bestimmter Vorfall erwähnt wurde. Ein getarnter Formwandler hatte das Leben einer Raumschiffbesatzung gefährdet, war aber dann durch einen heftigen Energieausstoß ums Leben gekommen. Da nahm ich an, daß es für einen Gründer zumindest äußerst unangenehm sein würde, der beim Luumwechsel auftretenden Entladung ausgesetzt zu werden." Tarkin schüttelte den Kopf. "Ich hatte nicht einmal geahnt, daß es möglich ist, den Wechsel derart lange hinauszuzögern. Es war ein verrückter Gedanke." Aslari beugte sich über ihn. "Mir hat einmal jemand gesagt, daß es Unternehmungen gäbe, die vielleicht nach außen hin verrückt wirkten, es jedoch nicht wirklich wären, wenn man sich nur gut genug vorbereitet hätte." Sie lächelte. "Ich habe diesen Rat beherzigt. Ich habe mich vorbereitet."
Auf dem Hauptbildschirm zeigte sich nichts als friedliche Schwärze, durchsetzt mit Sternen. Die einzigen Schiffe, die von den Sensoren ausgemacht werden konnten, waren vier behäbige Dilithiumfrachter mit Eskorte, die vor einiger Zeit den Orbit verlassen hatten. Talan saß entspannt im Kommandosessel und beobachtete aufmerksam seine Brückenbesatzung. Die Zusammenarbeit zwischen Rhazaghanern und Romulanern schien ihm bisher reibungslos und effektiv zu verlaufen. "Ich habe mich präzise ausgerichtet." riß ihn eine weibliche Stimme aus seinen Gedanken. "Soll ich ihm Bescheid geben, daß er den Transporterraum aufsuchen kann?" Talan bemerkte, wie die Rhazaghani an den Kontrollen einen Blick über die Schulter warf und daraufhin ihren Nachbarn anstieß. Talan drehte den Kommandosessel dem Brückeneingang zu. "Das wird nicht nötig sein, Arrhinia D'jah!" antwortete er. "Da kommt er gerade." Tarkin betrat die Brücke und nickte Talan freundlich zu. "Du meine Güte!" bemerkte das Schiff in spöttischem Tonfall. "Das gesamte Hüllbild in Dunkelrot! Ich möchte wirklich wissen, wann du deine verdammte Eitelkeit aufgibst." Tarkin lachte gutgelaunt. "An dem selben Tag, an dem du dir dein vorlautes Mundwerk abgewöhnst, Arrhinia D'jah! Beides wird nie eintreten. Nebenbei bemerkt: Deine neue Stimme paßt vorzüglich zu dir." "Danke! Sie erfüllt auch mich mit Zufriedenheit. Das mit den Stimmen war tatsächlich einmal eine gute Idee." Der Rhazaghaner wollte sich schon abwenden, doch die Sternschwinge hielt ihn noch einmal auf. "Du denkst doch daran, unser Anliegen vorzutragen?" "Euer gemeinsamer Orbitdienst? Natürlich! Ich werde dafür sorgen, daß man es berücksichtigt. Ich rechne ohnehin damit, daß sich in dieser Beziehung einiges tun wird." Wenig später rematerialisierte er mit seinem Begleitern auf dem Nordostplatz vor dem Sirk-Habitat, wo warmer Sonnenschein auf sie herabflutete. Tarkin atmete tief die scharfe Luft des Nordkontinents ein, die schon leichte Anflüge des nahen Herbstes mit sich trug. Es war eine gute Jahreszeit für die Jagd. Vielleicht würde er am nächsten Tag Mongaris, Raleb und einige andere Clanführer zu einem Ausflug überreden können. Er drehte sich zu den anderen um. "Kommt!" forderte er sie auf. "Gehen wir einmal um das Habitat herum! Ich hatte mir nach Abschluß der Restaurierungsarbeiten noch nicht die Zeit genommen, es mir anzusehen." In aller Ruhe umrundeten sie das mächtige Bauwerk, machten sich gegenseitig auf einige besonders gelungene Details aufmerksam und blieben von Zeit zu Zeit stehen, um den Gesamteindruck auf sich wirken zu lassen. "Es wird wirklich zu Recht gerühmt." dachte Tarkin bei sich. "Die gewaltigste und komplizierteste Konstruktion von ganz Rhazaghan. Dennoch kann sich seine symmetrische Struktur nicht mit der gefälligen Anmut des Vari-Habitates vergleichen. Es sind die elegant geschwungenen Linien inmitten der herrlichen Umgebung, die ihm seinen besonderen Charme verleihen." Wie üblich herrschte reger Betrieb um das Habitat, der nicht allein von Angehörigen des Sirk-Clans bestritten wurde. Es gab zahlreiche Clanführer, die die Zeit bis zum Versammlungsbeginn noch ein wenig nutzten, indem sie sich untereinander austauschten oder sich mit ihren Beratern besprachen. Tarkin bemerkte vor einem der Tore ein kurzes Winken und winkte zurück. Er freute sich bereits darauf, sich etwas später mit der liebenswürdigen Selembri zu unterhalten. Als sich der Platz zunehmend leerte, strebte auch Tarkin mit seinen Begleitern einem der Tore zu. Kurz darauf trafen sie in dem Saal der Berater ein, der dem Sirk-Versammlungssaal direkt gegenüber lag. Es herrschte ein lebhaftes Gedränge, und so blieben sie unweit des Einganges stehen, um den weiteren Verlauf abzuwarten. Dabei stellte Tarkin fest, daß es etliche Anwesende gab, die verständnislose, ja zum Teil fast verärgerte Blicke auf seine Gruppe warfen. Er störte sich nicht daran. Es war charakteristisch für die Vari, daß sie den Mut zu ungewöhnlichen Wegen aufbrachten. Es dauerte nicht lange, bis eine ältere Rhazaghani auf sie zukam, um direkt vor Tarkin stehenzubleiben. "Folge mir, Tarkin von den Vari!" forderte sie ihn auf. "Du wirst im Versammlungssaal erwartet. Deiner Bitte, vor die Clanführer treten zu dürfen, wurde entsprochen." Tarkin nickte ernst, dann verließ er gemeinsam mit der Sirk den Beratersaal und begleitete sie den Gang hinunter, der zum großen Versammlungsraum führte. Seine zurückbleibenden Begleiter folgten ihnen ein paar Schritte, um ihm nachsehen zu können. Aslari und Tabantani hatten die Arme verschränkt und schwiegen würdevoll, doch Nirrit sah sich außerstande, sich eine Bemerkung zu verkneifen. "Eines steht jedenfalls fest:" meinte sie stolz und glücklich. "Kaum einer von den anderen wird sich mit ihm vergleichen können." Tybrang holte soeben Luft, um sie darauf hinzuweisen, daß gerade hier Äußerlichkeiten völlig ohne Belang waren, als sie auch schon weitersprach. "Ich glaube nicht, daß ihn einer an Klugheit und Ideenreichtum übertrifft. Seid ihr nicht auch der Ansicht?" Tybrang sah einen Augenblick auf Nirrit hinunter, die ihn verschmitzt anblickte, dann gab er auf und lächelte. "Nein, Nirrit!" antwortete er aufrichtig. "Du hast vollkommen recht! Ich glaube das auch nicht."
Als Tarkin vor der Tür des Versammlungssaales angekommen war, drehte er sich noch einmal um und sah den Gang hinauf, wo in einiger Entfernung sein Beraterstab vollzählig versammelt stand. Liebevoll betrachtete er Aslari, die ihm hochaufgerichtet und mit verschränkten Armen nachsah, dann glitt sein Blick über Tybrang und Tabantani, um schließlich bei Nirrit anzuhalten. "Ihre geringe Größe wird noch lange Zeit überall Aufsehen erregen." dachte er amüsiert. Wegen Nirrit würde er sich in der nächsten Zeit mit der Föderation in Verbindung setzen. Sie hatte ihren Gefährten gefunden, und es war zu erwarten, daß sie und der Ingenieur irgendwann daran denken würden, Nachwuchs zu zeugen. Um sicherzustellen, daß dieser über die notwendige Lebenstüchtigkeit verfügte, würde man sachkundige Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Tarkin machte sich deswegen keine großen Sorgen. Er wußte, daß die Föderation über langjährige Erfahrungen mit Mischverbindungen verfügte. Ein leises Räuspern riß ihn aus seinen Gedanken, und er wandte sich um. Die Sirk, die ihn hergeführt hatte, stand noch immer wartend da, um ihn in den Saal zu geleiten. Er lächelte ihr entschuldigend zu, dann setzte er sich wieder in Bewegung und folgte ihr hinein. Mit langen Schritten legte er die Entfernung bis zur Mitte des Saales zurück. Dort blieb er stehen und hob den Kopf, um seinen Blick über die Anwesenden wandern zu lassen. Selembri von den Dana, Mongaris von den Sirk, Raleb von den Laro, Zarab von den Sim, sie alle waren da und ließen erwartungsvoll ihre Augen auf ihm ruhen. Im Saal herrschte gespannte Stille. Tarkin schöpfte tief Atem, und Glück und Dankbarkeit über diesen Moment füllten seine Seele. Er wußte, daß er noch keine Entscheidung mit solcher Überzeugung getroffen hatte. Dann kamen die ersehnten Worte. "Ich bin Tarkin!" hallte seine Stimme volltönend durch den Saal. "Ich spreche für die Vari."
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