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Eine merkwürdig verschwommene, aber dennoch vertraute Gestalt, die sich über ihn beugte, war das Erste, was er sah. "Blair? Na los, wach auf, Chief..." Das klang eindeutig nach Jim. Er blinzelte einige Male um eine klarere Sicht zu bekommen, setzte sich auf und murmelte benommen: "Wo sind wir, Mann? Was ist passiert?" "Ich weiß es nicht, aber...", weiter kam Jim mit seiner Antwort nicht, denn plötzlich sagte eine weibliche Stimme: "Da anscheinend alle ihre Gehirnzellen wieder einigermaßen beisammen haben, würde ich vorschlagen, jeder sucht sich einen Stuhl und platziert seinen Hintern darauf!" Blair beäugte die Inhaberin der schneidenden Stimme skeptisch. Diese Frau - so attraktiv sie auch sein mochte - war ihm durch und durch unsympathisch. In ihrem schwarzen Lederoutfit, bestehend aus figurbetonter Jacke, extrem kurzem Minirock und langen, hochhackigen Stiefeln, sah sie verdammt autoritär aus - und Blair hatte so seine Schwierigkeiten mit Autorität. Wenn er es sich recht überlegte, fehlte eigentlich nur noch eine Peitsche, um aus ihr eine perfekte Domina zu machen. "Die Meisten von Ihnen haben vermutlich keine Ahnung, wo sie hier eigentlich sind." "Die Meisten?", schoss es Blair durch den Kopf, und zum ersten Mal seit seinem jähen Erwachen blickte er sich konzentriert im Raum um. Neben ihm selbst, Jim und der Ledertante befanden sich noch sechs weitere Männer in dem geräumigen Zimmer, das vage an einen Klassenraum erinnerte - wären da nicht die vergitterten Fenster gewesen. Alle Beteiligten sahen gleichermaßen verwirrt aus, setzten sich aber ohne Widerworte auf die recht unbequemen Plastikstühle, und Blair sah keinen Grund, dem Beispiel nicht zu folgen. Direkt neben ihm ließ sich Jim mit grimmiger Miene auf einen weiteren Stuhl fallen. "Ganz toll. Lassen Sie uns gleich zur Sache kommen. Mein Name ist Parker. Sie befinden sich in der geschlossenen Abteilung des intergalaktischen Irrenhauses. Station 1 C - gestörte Fanfiction-Charaktere. Sie sind hier, weil sich eine Vielzahl von Autoren und Autorinnen über Ihr unmögliches Verhalten beschwert hat. Einige von Ihnen sind sich vielleicht nicht darüber klar, welche Probleme sie insbesondere den weiblichen Autoren bereiten, deshalb soll Ihnen in dieser Therapie gezeigt werden, wo die Schwierigkeiten liegen. In den nächsten Tagen werde ich mit jedem von Ihnen mehrere Einzelgespräche führen, und sobald Sie ein wenig mehr Erkenntnis und Verständnis zeigen, können Sie zu Ihren Autoren und Autorinnen zurückkehren, damit diese wieder mit Ihnen arbeiten können. Haben Sie das verstanden?" Schockiertes Schweigen herrschte im Raum. Auch Blair starrte die Therapeutin nur entgeistert an. Er war doch eigentlich immer recht kooperativ gewesen... "Haben Sie das verstanden?", wiederholte Parker mit Nachdruck, als sie keine Antwort bekam. Die sichtlich entsetzen Fanfiction-Charaktere nickten vehement. "Gut." Parker zog sich ebenfalls einen Stuhl heran, setzte sich darauf und schlug die langen Beine effektvoll übereinander, bevor sie fortfuhr: "Um es kurz zu machen - Sie leiden alle unter dem gleichen Problem. Ständig versuchen Sie, den Autorinnen Ihre eigenen Ideen aufzuzwingen, auch wenn diese armen kreativen Leute vielleicht ganz andere Pläne mit Ihnen haben. Das führt zwangsläufig dazu, dass sie mit zu vielen widersprüchlichen Ideen überschüttet werden und nicht mehr wissen, was sie eigentlich schreiben sollen." Parker wandte sich der neben ihr sitzenden Person zu, "Fangen wir doch einfach mit Ihnen an. James Ellison. Die Autorinnen haben sich schon mehrfach über Ihre Dickköpfigkeit beklagt. Besonders in punkto Bekleidung. Was sagen Sie dazu?" Jim grollte leise, "In fast jeder Story muss ich mit nacktem Oberkörper durch die Gegend laufen. Dabei wird einem nicht nur verdammt kalt - ganz abgesehen davon, dass mein Schnupfen fast schon chronisch ist - das ist einfach nur... frustrierend. Ich hätte viel mehr zu einer vernünftigen Geschichte beizutragen als meine Muskeln. Aber nein, ich darf bloß in Boxershorts oder mit einem Handtuch um die Hüften durch die Wohnung rennen..." "Und Du musst mich ständig vor irgendwelchen Psychopathen retten!", warf Blair ein, "Das nervt!" Mit leisen Rascheln blätterte Parker in ihrem Block, "Wen haben wir denn da? Ach ja, Blair Sandburg... Sie liegen den Autoren ständig damit in den Ohren, dass Sie sich durchaus imstande sehen, ihren Partner auch mal gegen die bösen Jungs zu verteidigen!" "Wieso auch nicht?!", fragte der Lockenkopf aufgebracht. Parker beugte sich weit nach vorne, um mitleidig Blairs Knie zu tätscheln: "Nicht wirklich, Kleiner! - Sie dürfen Ihrem Sentinel mit seinen Sinnen helfen, das reicht. Geben Sie sich damit zufrieden!" Kopfschüttelnd ließ sie sich zurücksinken, als mit einem Ruck die Tür aufgerissen wurde. Während die Fanfiction-Charaktere angesichts eventuell nahenden Unheils alarmiert auf die beiden Neuankömmlinge starrten, fuhr Parker von ihrem Stuhl hoch. "WAS???" Ein durchtrainierter Mann mit schwarzem Haar und auffällig grünen Augen trat ein und konstatierte geradezu übertrieben gut gelaunt: "Wir haben uns leider ein wenig verspätet, aber wir mussten noch kurz die Welt retten. Wo steigt die Party?" Neben ihm stellte ein deutlich kleinerer Mann, der offenbar südländischer Herkunft war, eine Kiste mit klirrenden Bierflaschen vor sich ab, auf der sich außerdem eine Kette bunter Lampions befand. Er musterte die schweigende Ansammlung von Leuten und meinte: "Das sieht nicht unbedingt nach einem tollen Barbecue aus, Dirk, höchstens nach 'ner Beerdigung." Ohne dem Angesprochenen Zeit für eine Antwort zu lassen, schritt Miss Parker energisch auf das ungleiche Duo zu, stemmte die Hände in die Hüften und musterte den abgestellten Behälter und seine Besitzer verächtlich. "Der Grillabend für Roman-Charaktere ist eine Etage weiter oben", erklärte sie kühl und ließ ihnen kaum Zeit die vollgepackte Kiste wieder aufzunehmen, bevor sie die beiden entschlossen hinaus bugsierte. Sie murmelte noch ein paar unverständliche Verwünschungen, während die Fanfiction-Charaktere sehnsüchtig auf die wieder geschlossene Tür blickten, die sich offenbar nur von außen öffnen ließ. "Wo war ich stehen geblieben? Ach ja... Methos, Methos, Methos... tztztz... so alt und so stur..." Parker wandte sich dem braunhaarigen Mann zu, der sich auf seinem Plastikstuhl räkelte, als säße er in einem bequem gepolsterten Sessel. "Hey, Moment mal, was heißt hier stur? Ich habe mich nur einmal beschwert", erwiderte der Unsterbliche nachsichtig grinsend, "Und das war nicht mal eine richtige Beschwerde. Ich habe die Autorin bloß gefragt, ob ich statt Bier vielleicht auch mal Tequila haben kann." "Wo wir gerade dabei sind - gibt's hier nichts zu trinken?", warf eine andere Stimme ein und rettete den Unsterblichen damit vor einer drohenden Enthauptung. Miss Parker begnügte sich mit einem Blick, der jeden anderen zur Salzsäule hätte werden lassen und wandte sich dann mit steinernem Gesichtsausdruck dem schlanken Mann mit den angegrauten Haaren zu. "Sie sind Jack O'Neill, wenn ich mich nicht irre." "Könnte schon sein. Wie kommen Sie darauf?" Sie baute sich mit verschränkten Armen vor seinem Stuhl auf und blickte mitleidig auf ihn herab. "In Ihrer Diagnose steht: stellt zu viele unnütze Fragen und versucht ständig, sich bei den Autoren Missionen zu erbetteln, die Grips erfordern." "Ach kommen Sie, keiner glaubt ernsthaft, dass ich wirklich dermaßen dämlich bin..." Parker zog erstaunt die Augenbrauen in die Höhe, gab ihm aber keine Antwort, sondern fuhr ungerührt fort: "Ganz wie Sie meinen. Auch daran werden wir in den nächsten Tagen arbeiten... Wen haben wir denn hier noch? Ah ja, Liam Kincaid... Sie halten sich wohl für besonders toll, hm? Die Liste mit Beschwerden ist inzwischen so lang, dass sie nicht mehr auf den Diagnosebogen passt. Sagen Sie, wissen Sie eigentlich, was das Wort KOOPERATION bedeutet?" "Ich soll tun, was meine Autoren und Autorinnen mir sagen, ohne wenn und aber", gab Liam monoton von sich. Ein strahlendes Lächeln erschien auf Parkers roten Lippen, "Schlaues Kerlchen! Aber statt dessen überhäufen Sie die Ärmsten mit Änderungswünschen, weil Ihnen das Outfit nicht in den Kram passt, oder weil Sie zur Abwechslung mal..." "Was denn?!", nörgelte Liam sofort los und deutete auf Jim und Blair. "Die beiden dürfen ständig mit irgendjemandem in die Kiste hüpfen, die halbe Zeit sogar einfach miteinander, aber ich..." "Dieser Punkt steht auch auf der Liste", unterbrach sie ihn um den drohenden Monolog abzukürzen. "Aber eigentlich wollte ich sagen: oder weil Sie zur Abwechslung mal nicht wie der Trottel der Nation von einem Fettnäpfchen ins nächste tappen wollen." Liam schloss hastig den Mund und unternahm keine weiteren Protestversuche, während Miss Parker weiter den Stuhlkreis abschritt und bei einem Mann mit asiatischem Aussehen stehenblieb. "Nehmen Sie sich ein Beispiel an Agent Sandoval hier - er versucht niemals die Handlung zu beeinflussen..." "Ist ja toll, und wieso ist er dann hier?", erklang es gelangweilt von O'Neill. Nach einem kurzen, vorwurfsvollen Schweigen antwortete sie: "Weil er die Computer einiger Autorinnen sabotiert hat, damit diese ihre Geschichten nicht weiterschreiben konnten. Eine Idee, die Ihren geistigen Horizont garantiert um 200 % übersteigt, also belasten Sie Ihr armes Spatzenhirn nicht damit, O'Neill. Nun, möchten Sie etwas dazu sagen, Agent Sandoval?" "Ich bin nicht für meine Handlungen verantwortlich zu machen. Mein CVI zwingt mich..." "Jaja, schon gut", fuhr Parker genervt dazwischen. "Kommen wir nun zu Ihnen, .....Spike. Sie wissen, wieso Sie hier sind?" "Keine Ahnung", entgegnete der weißblonde Vampir. "Nun, dann will ich Ihnen ein wenig auf die Sprünge helfen. Es ist strengstens verboten, das Privatleben der Autorinnen zu beeinflussen. Damit meine ich nicht nur den Diebstahl von Lebensmitteln aus dem Kühlschrank und das mehrfach beanstandete 'nervt damit, daß er den ganzen Tag nur Soaps im TV ansieht', sondern insbesondere die Tatsache, dass Sie keine Freunde oder Familienangehörigen der Autoren als Geiseln nehmen dürfen, um sie dazu zu zwingen eine Szene umzuschreiben, nur weil Ihnen diese aus irgendeinem Grund nicht in den Kram passt. Ist das klar?" Spike gab ein undefinierbares Schnauben von sich und widmete sich der Betrachtung seiner Fingernägel. Anscheinend erschien sein Fall Parker nicht wichtig genug, denn sie ließ sich von dieser Provokation nicht beeindrucken, sondern ging mit einem boshaften Grinsen durch den Stuhlkreis zum nächsten und auch letzten Patienten. Neugierig beobachteten die restlichen Fanfiction-Charaktere wie sie sich leicht nach vorne gebeugt eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich und dem dunkelhaarigen Mann mit verführerischer Stimme ins Ohr flüsterte: ,,Und Sie....Jarod...Sie sind ein ganz böser Junge! Ein besonders schwieriger Fall..." Ihr Gegenüber lehnte sich völlig entspannt zurück, warf ihr einen Blick aus seinen dunklen Augen zu und konterte in einem vergleichbar verführerischen Tonfall: "Ich weiß, ich war auch schon Psychotherapeut..." Parker schnitt eine womit-hab-ich-das-verdient Grimasse und nahm wieder auf ihrem Stuhl Platz. ,,Dann muss Ihnen doch klar sein, dass Sie sämtliche Autorinnen mit Ihren wechselnden Persönlichkeiten in den Wahnsinn treiben! Es hilft einfach nicht weiter, wenn Sie zwar laut Story ein Polizist sein sollen, aber felsenfest behaupten ein Kellner zu sein und der Autorin am laufenden Band Cappuccino und Baileys servieren!" Jarod zuckte entschuldigend die Schultern und erklärte: "Hat bis jetzt aber immer gut funktioniert!" "Ach ja, und dass Sie einige Autorinnen vom Schreiben abhalten wollten, indem Sie sich halbnackt neben den Computer gestellt haben , hat vermutlich auch gut funktioniert?" "Er hat was?", fragte O'Neill ungläubig. "Hey, cooler Trick! Vielleicht sollte ich das auch mal ausprobieren!", meinte Blair, während er einen bewundernden Blick in Richtung des Pretenders warf. Ellison zügelte die Begeisterung seines Partners sofort, "Das bringt nichts, glaub mir, Chief. Das vernichtet bei diesen selbsternannten Schriftstellerinnen auch noch die letzten Gehirnzellen und anschließend kriegen sie überhaupt keine Handlungen mehr zustande und schreiben nur noch PWPs." Liam grinste von einem Ohr bis zum anderen. "Klasse, ist einen Versuch wert!" Methos brach in helles Gelächter aus und auch Spike konnte sich ein mitleidiges Grinsen nicht verkneifen. "Lass ihn doch. Er wird schon sehen, was er davon hat..." Plötzlich war der Raum erfüllt von den Stimmen der verschiedenen Fanfiction-Charaktere, die laut über das Für und Wider von PWPs diskutierten. Miss Parker sprang von ihrem Stuhl auf und ließ den Diagnoseblock auf den Kopf des ihr am nächsten Sitzenden krachen. "Ruhe! Haltet sofort die Klappe!..." In diesem Moment wurde die Tür ohne Vorwarnung ein weiteres Mal schwungvoll geöffnet, und ein älterer Mann im weißen Arztkittel betrat den Raum. "Bitte entschuldigen Sie, dass Sie so lange warten mussten..." Er hielt verdutzt inne, als er Parker inmitten der Fanfiction-Charaktere stehen sah und schüttelte dann ungläubig den Kopf. "Ich weiß zwar nicht, wie Sie die anderen davon überzeugen konnten, dass Sie hier das Sagen haben, Miss Parker, aber nehmen Sie sich bitte einen Stuhl und setzen Sie sich. Ich werde Sie für die morgigen Einzelgespräche in meinem Terminplan gleich an erster Stelle vormerken!"
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