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Vari und Numa
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Vari und Numa

Teil 7
© by Dreher, G. ()

 

Disclaimer: Das StarTrek Universum gehört Paramount/Viacom und ich habe nicht die Absicht, durch diese Fanfiction Story irgendwelche Rechte zu verletzen. Die Welt Rhazaghan und ihre Bewohner allerdings sowie sämtliche hier auftretenden Charaktere haben ihren Ursprung und ihr Zuhause in meinem Kopf .
An dieser Stelle möchte ich noch einmal Jörg, meinem Mann und Gefährten danken. Ohne sein Verständnis, seine Liebe und seine nie endenwollende Gesprächsbereitschaft hätte ich diese Geschichte wohl niemals geschrieben.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der StarTrek-Sektion

 

 

N U M A
 
1.

 

Tybrang hatte das Gefühl, langsam vom Boden eines kalten Sees aufzutauchen, dem Licht, den gedämpften Stimmen entgegen. Er blinzelte, um die Schleier vor seinen Augen zu vertreiben und wunderte sich über die Heftigkeit, mit der die Rauhkrankheit ihn befallen hatte. Das letzte Mal, daß sie ihn mit solcher Gewalt auf das Lager geworfen hatte, war in seiner Kindheit gewesen.

Jemand sprach ihn an, doch als er den Kopf der Stimme zuwandte, stellte er fest, daß er noch immer nicht gut sehen konnte. Dann wurde das Bild schärfer, und er erkannte undeutlich einen Mann mit angegrautem Haar, der sich über ihn beugte.

"Darrab!" dachte Tybrang bei sich, doch gleich darauf begriff er, daß er sich getäuscht hatte. Während seine Sicht an Schärfe gewann, kam er ungeachtet der Haarfarbe seines Gegenübers zu der Überzeugung, daß es sich um Nirrits Gefährten handeln mußte. Dann wich auch die letzte Trübung von seinen Augen und ließ ihn in ein vollkommen fremdes Gesicht blicken.

Tybrang schnappte erschrocken nach Luft. Er sah sich an Bord der Narhamak am Boden liegen, von erbarmungslosen Feinden umstanden, Gul Reneks kaltes Lächeln über sich. Hastig versuchte er sich hochzustemmen, mußte jedoch erkennen, daß er noch zu schwach war, um sich aus eigenen Kräften erheben zu können. Er sank wieder zurück, doch bereits im nächsten Augenblick griff der Mann zu. Ein Arm legte sich sanft, aber fest um Tybrangs Schultern, während gleichzeitig jemand von der anderen Seite herankam und half, den Rhazaghaner zu stützen. Tybrang fühlte, wie behutsame Hände ihn aufrichteten und in der Sitzposition hielten.

"Langsam, mein Junge!" sprach eine freundliche Stimme beruhigend auf ihn ein. "Wenn du jetzt aufstehst, kannst du dich nicht auf den Beinen halten. Laß dir noch etwas Zeit!"

Tybrang sah zu dem Sprecher auf, dann schaute er zu der zweiten Person, die sich als jüngere Frau entpuppte. Sein Blick wanderte wieder zu dem Mann zurück.

"Wo befinde ich mich hier?" fragte er rauh.

Sein Gegenüber runzelte mitfühlend die Stirn.

"Dort, wonach es aussieht, fürchte ich! Dieses Gebäude steht am Rande der Hauptstadt von Cardassia Prime. Ich kann mir vorstellen, was für ein Schock diese Nachricht für Sie sein muß."

"Aber wie...?" Tybrang verstummte und versuchte seine Erinnerungen zu ordnen. Er war mit dem Jagdtrupp auf der Raumstation gewesen, dann war es zu einem Angriff gekommen. Sein Gedächtnis zeigte ihm Scharen von Flüchtenden, ein Gedränge aus Angehörigen der verschiedensten Spezies, dann eine Biegung, hinter der sich ein bekanntes Gesicht ihm zuwandte - Aryshtin.

"Wir wurden von Jem'Hadar überfallen!" erinnerte er sich schlagartig. "Meine Begleiter - wissen Sie, ob sie noch am Leben sind?"

"Eine Gruppe von Männern und Frauen, insgesamt dreiunddreißig Personen?"

"Ja, das stimmt!"

Der Cardassianer neigte den Kopf in Richtung der Tür schräg hinter ihm.

"Wir haben sie im benachbarten Neubau untergebracht. Sie sind alle wohlauf, allerdings befinden sich die, die wir bis jetzt geweckt haben, in einem ähnlichen Zustand wie Sie. Darf ich Sie nach Ihrem Namen fragen?"

"Was sagten Sie?" stammelte der Rhazaghaner, der Mühe hatte, die verwirrenden Neuigkeiten zu verarbeiten. "Oh, natürlich, bitte verzeihen Sie! Ich bin Tybrang!"

"Ty..." Die Stimme des älteren Mannes verharrte einen Moment bei dem Laut, um dann der zweiten Silbe eine geringfügig stärkere Betonung zu geben. "...brang! Ist es so richtig?"

Der Rhazaghaner nickte.

"Gut!" Der Cardassianer begann zu lächeln. "Nachdem wir vorhin die ersten Ihrer Leute geweckt hatten, haben wir uns nach ihrem Anführer erkundigt. Nach anfänglichem Zögern nannte man uns Ihren Namen und gab uns eine Beschreibung Ihres Äußeren. Eigentlich war danach kein Zweifel mehr möglich, aber ich wollte dennoch sichergehen. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Luratar. Ich bekleide die Position des Indiv an dieser Einrichtung, man könnte es schlicht mit Institutsleiter übersetzen." Er sah hinüber zu der jungen Frau, die noch immer schweigend neben ihnen stand. "Dies dort ist Obtanas. Sie ist momentan meine Dringam, das heißt also meine erste Assistentin."

Über das Gesicht der Cardassianerin glitt ein Lächeln. Dann äußerte sie etwas in einer fremden Sprache, doch Indiv Luratar unterbrach sie sofort.

"Sagen Sie es so, daß er Sie verstehen kann!"

"Entschuldigen Sie, Indiv!" erwiderte die Frau, indem sie zu einem akzentschweren Föderationsstandard wechselte. "Ich hatte lediglich vorschlagen wollen, dem Patienten eine zweite Dosis des Kreislauftonikums zu geben. Er macht noch immer einen sehr geschwächten Eindruck."

Ihr Vorgesetzter schüttelte den Kopf.

"Wir wollen es lieber nicht übertreiben. Zwar hat das Mittel bei allen gut angeschlagen, aber ich möchte kein Risiko eingehen. Ich bin mir ohnehin bei der Dosis sehr unsicher gewesen."

Er wandte sich Tybrang wieder zu.

"Bitte verzeihen Sie, aber wir wissen einfach zu wenig über die Körperchemie Ihres Volkes, um leichten Herzens in den Medikamentenschrank greifen zu können. Sie können aber sicher sein, daß sich Ihr Kreislauf bald von selbst stabilisieren wird."

Der Rhazaghaner sah ihn noch immer ratlos an. Er suchte tastend Halt auf der Liegefläche, dann gelang es ihm, sich aus eigener Kraft aufzusetzen. Luratar beobachtete ihn noch einen Augenblick, dann ließ er sich ihm gegenüber auf einem Stuhl nieder.

"Sie... Sie sagten, dies sei ein Institut, habe ich Sie da richtig verstanden?" begann Tybrang unsicher.

"Das xenobiologische Institut von Cardassia, das ist richtig!"

"Können Sie mir erklären, wie wir hierher gekommen sind?"

"Das will ich gern tun, obwohl wir uns das eine oder andere zusammenreimen mußten. Es begann jedenfalls damit, daß eines unserer Schiffe von einem Schlachtkreuzer der Jem'Hadar angehalten wurde. Der Vorta, der die Verhandlungen führte, machte den Berichten nach einen außerordentlich aufgeregten und besorgten Eindruck. Er erklärte, daß sich auf seinem Schiff vierunddreißig Lichtwandler in Stasisbehältern befänden und beschwor unsere Leute, sie entgegenzunehmen. Es sei weder den Jem'Hadar noch den Vorta erlaubt, kleine Götter bei sich zu behalten, stattdessen hätten sie Anweisung von den Gründern, solche im Zustand der Stasis an uns weiterzugeben. Außerdem schien er sich nicht unerheblich vor dem Zorn der Schlafenden zu fürchten. Das was er vorbrachte, führte bei uns zu dem Verdacht, daß es schon einmal zu einer unliebsamen Begegnung zwischen Gründern und den Angehörigen Ihres Volkes gekommen sein muß. Ist diese Überlegung richtig?"

Tybrang nickte nur, und der Cardassianer betrachtete ihn nachdenklich.

"Es sieht ganz so aus, als ob unsere werten Verbündeten Ihnen ein Plätzchen in ihrem privaten Götterreich eingeräumt hätten." fuhr er nach kurzer Pause fort. "Allerdings ziemlich widerwillig, wie es scheint, immerhin haben sie ihre Diener angewiesen, solche Leute wie Sie möglichst schnell wieder loszuwerden. So gab der Kommandant unseres Schiffes schließlich dem Drängen des Vorta nach und nahm die Stasisbehälter samt ihrem Inhalt entgegen, um planmäßig seinen Flug nach Cardassia Prime fortzusetzen.

Als man mit Ihnen hier eintraf, reagierte die Regierung recht ratlos auf das 'Geschenk' der Jem'Hadar. Zwar stellte man nach einigen Recherchen fest, daß es sich bei Ihnen um nichts anderes als Angehörige der rhazaghanischen Spezies handeln konnte, hatte allerdings keine Vorstellung, wie man weiter mit Ihnen verfahren sollte. Schon begann das Militär damit, abstoßende Ideen zu äußern, als einige Informationen über die Sache unser Institut erreichten. Von da ab bemühten wir uns nach Kräften, Ihren Fall in unseren Zuständigkeitsbereich zu bekommen. Schließlich, nach zahlreichen Versprechungen von unserer Seite, stimmte die Regierung zu und entschied, Sie nach hierher zu überstellen, allerdings hatten wir zuvor eine große Anzahl von Auflagen zu erfüllen. Wir mußten eigens für Ihre Leute einen Sicherheitstrakt errichten, während wir gleichzeitig dazu verpflichtet wurden, die Führungspersönlichkeit der Gruppe festzustellen und vom Rest zu trennen. Ich weiß, wie sich das jetzt für Sie anhören muß, aber wir sahen leider keine andere Möglichkeit, um Sie der drohenden Gewalt des Militärs zu entziehen."

Tybrang nickte langsam.

"Sie haben viel für mich und meine Leute getan, und dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Wären wir in die Hände des Militärs gelangt, so hätte uns mit Sicherheit ein entsetzliches Schicksal erwartet. Wie ist es Ihnen gelungen, Ihre Regierung zu überzeugen?"

"Es ist Ihr gutes Recht, das zu erfahren!" erwiderte der Indiv ruhig. "Sehen Sie, mittlerweile wird unser militärisches Bündnis allgemein mit Sorge betrachtet. Nach und nach gerät unser Volk immer mehr ins Hintertreffen, der Krieg laugt es aus, dezimiert es auf furchtbarste Weise, und ohne die Gegenwart des Dominion wäre man sicherlich längst an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Tatsächlich sieht es aber ganz so aus, als ob uns diese Option nicht mehr zu Verfügung steht. Unser Verbündeter ist dabei, uns über den Kopf zu wachsen, uns zu beobachten und zu kontrollieren, und selbst unsere naivsten Guls begreifen allmählich, daß wir dabei sind, die Macht im eigenen Hause zu verlieren. Keine sonderlich überraschende Entwicklung, wenn Sie mich fragen, aber leider war unsere Regierung zu engstirnig, um das rechtzeitig zu erkennen. Inzwischen hat sie jedoch begriffen, daß wir kurz davor stehen, uns in die Dienerschar unserer göttlichen Verbündeten einzureihen.

Wir wissen natürlich, daß die ganze Göttlichkeit der Gründer auf nichts weiter als ihrer Wandlungsfähigkeit basiert, für die Krieger des Dominion sind diese beiden Begriffe buchstäblich einander gleichzusetzen. Nichts ist logischer, als zu behaupten, daß, wer Wandlungsfähigkeit besitzt, auch die Jem'Hadar kommandiert. Und an dieser Stelle kommen Sie und Ihre Leute ins Spiel."

Er beugte sich vor und sah dem Rhazaghaner ernst in die Augen.

"Wir haben der Regierung in Aussicht gestellt, die Funktionsweise der rhazaghanischen Wandlungsfähigkeit zu untersuchen, ja, sie so weit zu erforschen, daß sie durch technische Hilfsmittel simuliert werden kann."

Tybrang starrte ihn entsetzt an.

"Glauben Sie, daß das möglich ist?" brachte er heraus.

Luratar schwieg einige Augenblicke, dann zeigte sich plötzlich ein verschmitztes Lächeln in seinen Zügen.

"Nun," begann er, "niemand weiß, was für wissenschaftliche und technische Möglichkeiten uns in einigen Jahrhunderten zur Verfügung stehen werden, nicht wahr? Ich befürchte allerdings, im Moment..."

Der Rhazaghaner verstand und atmete erleichtert auf.

"Sie haben Ihrer Regierung bewußt falsche Versprechungen gemacht?"

Der Cardassianer hatte sich zurückgelehnt und erwiderte Tybrangs Blick mit einer gewissen Heiterkeit.

"Es gibt in unserer Geschichte zahlreiche amüsante Parallelen. Eine unserer bedeutendsten Wissenschaftlerinnen erreichte sogar die lebenslange Finanzierung ihrer Forschungen, indem sie einem Fürsten vorspiegelte, auf künstlichem Wege Dilithium erzeugen zu können. Man kann also sagen, daß ich mich in vortrefflicher Gesellschaft befinde."

"Aber wie wollen Sie sich nun weiter verhalten?"

Luratar seufzte.

"Eine gute Frage! Ich fürchte, es bleiben mir nicht allzuviele Möglichkeiten. Die einzige Chance, die ich momentan sehe, ist, meine Regierung so lange hinzuhalten, bis dieser unglückselige Krieg sein Ende gefunden hat. Als Erschwernis kommt leider noch hinzu, daß wir ab sofort ständig mit Kontrollen rechnen müssen. Man legt großen Wert auf die Einhaltung der vereinbarten Sicherheitsvorschriften und hat eigens einen Offizier für unregelmäßige Inspektionen abgestellt, einen Mann namens Gul Drugan. Genaugenommen ist er nichts weiter als ein ungehobelter Idiot, allerdings befindet er sich zur Zeit in einer sehr gereizten Stimmung, weil ihm die Romulaner sein Schiff zusammengeschossen haben. Unsere Raumwerften arbeiten zwar auf Hochtouren, sind aber nicht in der Lage, mit dem augenblicklichen Verschleißtempo mitzuhalten, und so sieht sich Drugan bis auf weiteres gezwungen, den Gefangenenaufseher zu spielen. Er weiß, daß Sie und Ihre Leute am heutigen Tage geweckt werden sollten, daher wird er mit Sicherheit bald hier auftauchen, um sich wichtig zu machen."

Der Cardassianer verstummte und beobachtete, wie der Rhazaghaner seine Beine über den Bettrand schwang und gleich darauf Anstalten machte, sich zu erheben. Die Dringam Obtanas kam nervös herangeeilt, in der Absicht, ihn zu stützen, doch Tybrang wehrte höflich ab. Luratar runzelte die Stirn.

"Es wäre besser, wenn Sie noch etwas abwarten würden. Sie haben zweiundsiebzig Tage in der Stasis verbracht, da ist Vorsicht angemessen. Warten Sie lieber bis morgen, dann dürfte Ihr Herz in der Lage sein, seine gewohnte Schlagfrequenz wieder aufzunehmen."

Er näherte sich besorgt, doch gleich darauf konnte er staunend verfolgen, wie sein Patient erst langsam, dann mit zunehmender Sicherheit im Raum auf und ab ging.

"Sie besitzen eine ungewöhnlich widerstandsfähige Natur." bemerkte er anerkennend. "Oder handelt es sich generell um eine Eigenschaft Ihres Volkes?"

"Sowohl als auch!" erwiderte Tybrang. "Aber meine Leute werden sich ebenfalls rasch erholen, Sie werden sehen!"

Er zögerte, dann wandte er sich mit deutlicher Verlegenheit Luratar zu.

"Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber könnte ich vielleicht eine Kleinigkeit zu essen bekommen? Als wir den Jem'Hadar begegneten, lag meine letzte Mahlzeit schon etwas zurück. Das gleiche dürfte für meine Artgenossen gelten."

"Selbstverständlich!" antwortete der Cardassianer verblüfft. "Nennen Sie einfach Ihre Wünsche, wir werden unser Möglichstes tun, sie zu erfüllen."

"...wenn Sie vielleicht etwas Fleisch hätten? Seine Herkunft spielt keine Rolle, das Blut des Tieres müßte nur auf Eisen basieren."

"Eisen stellt hier kein Problem dar, etwas anderes hätten wir allerdings replizieren müssen. Bevorzugen Sie eine bestimmte Zubereitungsart?"

"Vielen Dank, aber in der Hinsicht sind wir flexibel. Das Stück muß noch nicht einmal gegart sein, aber wahrscheinlich ist es leichter für Sie, fertig zubereitetes Fleisch zu besorgen."

Der Cardassianer lachte. "Da haben Sie allerdings recht!" Er wandte sich an seine Assistentin. "Soviel ich weiß, steht heute unter anderem auch Ulab-Teller auf dem Plan. Besorgen Sie eine Portion, aber lassen Sie die Brankons weg! Ich bin mir nicht sicher, ob unser Gast sie verträgt."

Die Frau verließ gehorsam den Raum, während der Rhazaghaner an das kleine Fenster trat und hinausblickte. Er sah seine Erwartungen jedoch enttäuscht; seinem Auge bot sich lediglich die glatte Wand eines Nachbargebäudes dar.

"Block zwei, die botanische Abteilung!" erklärte der Indiv. "Ich würde Sie gern einmal dort herumführen, aber das hieße unsere Bewacher auf den Plan rufen. Ich muß Sie außerdem darauf aufmerksam machen, daß es nicht möglich ist, das Fenster zu öffnen, es ist durch ein Kraftfeld gesichert." Er schwieg einen Moment. "Es tut mir leid!" fügte er dann hinzu.

Tybrang wandte sich vom Fenster ab und lächelte.

"Es ist schon gut! Sie haben unser Leben gerettet, und das ist es, was zählt. In Anbetracht der Umstände wäre es reichlich unangemessen, die Details unserer Unterbringung diskutieren zu wollen."

Wenig später kehrte Obtanas zurück und stellte die angeforderte Mahlzeit auf dem kleinen Tisch der Unterkunft ab. Nach einer einladenden Handbewegung Luratars ließ sich Tybrang auf einem Stuhl davor nieder und begann heißhungrig zu essen. Sein leerer Magen hatte sich geradezu schmerzhaft in ihm bemerkbar gemacht.

Die Portion war reichlich bemessen, und das gebratene Fleisch erwies sich als außerordentlich zart und recht schmackhaft, wenn es auch für Tybrangs Geschmack zu reichlich gesalzen war.

"Von was für einem Geschöpf stammt das Stück?" erkundigte er sich neugierig.

"Es handelt sich um die Larve einer großen, räuberisch lebenden Amphibie." erklärte ihm der Indiv. "Sie wird in abgedunkelten Bassins herangezogen und gilt bei uns als geschätzte Delikatesse. Das Fleisch ist fettarm, reich an Proteinen und leicht verdaulich, daher eignet es sich vorzüglich für Kranke und Genesende."

"Wie lebt das Tier dort draußen? Bildet es Schwärme?"

"In unseren Zuchtbecken schon! In freier Natur werden Sie es jedoch nicht finden. Die Wildform ist schon vor geraumer Zeit ausgestorben."

Gleich darauf öffnete sich die Tür und ein junger Mann schaute herein. Er brachte in großer Eile einige für Tybrang unverständliche Sätze hervor und gestikulierte aufgeregt. Luratar seufzte.

"Noch schneller als ich dachte! Tybrang, ich fürchte, Sie müssen sich auf einen unangenehmen Besucher einstellen. Wie man mir gerade sagte, befindet sich Gul Drugan bereits auf dem Weg hierher."

Nur einen Moment später öffnete sich die Tür erneut und ein großer Cardassianer betrat den Raum, während ein weiterer Soldat hinter ihm stehenblieb und die Öffnung mit seinem Körper blockierte. Der zuerst Eingetretene schenkte dem Indiv nur wenig Beachtung, sondern richtete als erstes seine Aufmerksamkeit auf den Rhazaghaner, der sich langsam von seinem Platz erhob und ein Stück zur Seite wich.

"Das also ist ihr Anführer!" bemerkte der Mann mißmutig, während er Tybrang nicht aus den Augen ließ. "Ich muß Sie warnen, Indiv! Dieser Bursche da ist gefährlich, soviel steht fest."

"Aber nein, Gul!" erwiderte Luratar in besänftigendem Tonfall. "Ich habe bereits mit ihm gesprochen, und er hat mir aus freiem Willen seine Kooperation zugesagt. Er wird mit Sicherheit keine Schwierigkeiten verursachen."

"Das sagen Sie!" Drugan kam auf den Rhazaghaner zu, der sich noch etwas weiter vor ihm zurückzog. "Und ich bin der Ansicht, daß man bei ihm mit Ärger rechnen muß. Wenn man eine Zeitlang Soldat war, hat man einen Instinkt für so etwas."

Er trat dicht an den Gefangenen heran und gab ihm einen Stoß vor die Brust.

"Sieh mich gut an, Freundchen!" richtete er drohend das Wort an ihn, indem er zu einem rauhen Föderationsstandard wechselte. "Die Sicherheit hier untersteht meiner Aufsicht, und ich habe unter anderem auch die Befugnis erhalten, aufsässige Gefangene zu Disziplinierungszwecken mitzunehmen. Ich gebe dir also den guten Rat, dich hübsch folgsam zu verhalten, denn glaub mir: Solltest du oder einer deiner Leute irgendwelche Tricks versuchen, werdet ihr anschließend den Tag verfluchen, an dem ihr euren elenden Planeten verlassen habt."

In Tybrangs Augen blitzte es auf. Er war größer und schwerer als der Cardassianer und hatte dem Stoß problemlos standgehalten. Allerdings hatte der Anblick von Drugans Uniformpanzer sofort eine Vielzahl quälender Erinnerungen in ihm wachgerufen. Sein Gedächtnis zeigte ihm Gul Renek, der Nirrit roh an den Haaren riß, während er selbst blutüberströmt zu Füßen der Soldaten lag, unfähig ihr zu helfen. Er sah die gierigen Blicke, mit denen die Eindringlinge die bei ihm kniende Tabantani bedachten, den stöhnenden Tarkin, den man von ihnen fortzerrte, und plötzlich verspürte er den Wunsch, sein cardassianisches Gegenüber zu packen und an die Wand zu schmettern.

"Bitte, Gul!" wurde Luratars ärgerliche Stimme hörbar. "Dieser Übergriff ist vollkommen unnötig. Sie sehen doch, daß sich der Mann nicht zur Wehr setzt. Außerdem halte ich seine Einschüchterung nicht für hilfreich; vielmehr strebe ich eine friedliche Zusammenarbeit mit ihm an."

Drugan wandte sich von ihm ab, und Tybrang riß sich zusammen. Er wollte Luratar auf gar keinen Fall durch mangelnde Selbstbeherrschung in Bedrängnis bringen, und so beschloß er, eine ergebene Miene zur Schau zu stellen. Es stand außer Frage, daß die Machtbefugnisse des Offiziers weit genug reichten, um Maßnahmen der übelsten Sorte zu ergreifen, und eine Gegenwehr wäre nur dazu geeignet gewesen, ihre augenblickliche Situation zu verschlimmern. So blieb er schweigend vor der Wand stehen und lauschte den ihm unverständlichen Worten, die zwischen dem Indiv und Drugan hin und her gingen.

Er merkte schnell, daß sich der fast zerbrechlich wirkende Luratar durch die laute und hochfahrende Art seines kräftigen Gegenübers nicht einschüchtern ließ. In ruhigem, festen Tonfall vertrat der ältere Cardassianer seinen Standpunkt, ungeachtet der Tatsache, daß er mehrmals schroff unterbrochen wurde. Nach einiger Zeit knurrte der Offizier etwas, und die Diskussion der beiden ungleichen Männer fand ein Ende.

Kurz bevor Drugan den Raum verließ, wandte er sich noch einmal Tybrang zu, um ihm einen warnenden Blick zuzuwerfen. Dann drehte er sich um und ließ die beiden Wissenschaftler mit ihrem Patienten allein. Obtanas schloß hastig die Tür und sah erleichtert zu ihrem Vorgesetzten hinüber.

"Möglich, daß er jetzt eine Zeitlang Ruhe gibt." murmelte dieser. "Dennoch müssen wir äußerst vorsichtig sein. Er wird mit Sicherheit darauf warten, daß man ihm einen Grund gibt, seine Macht auszuspielen. Es gibt nichts Unberechenbareres als einen Soldaten, der sich langweilt."

 

Als Luratar am nächsten Tag Tybrangs Unterkunft betrat, fand er diesen am Fenster vor, die Schläfe gegen die unzerbrechliche Scheibe gelehnt in dem Versuch, einen Blick auf den Himmel zu erhaschen. Als der Rhazaghaner seinen Besucher bemerkte, zog er hastig den Kopf zurück.

"Verzeihen Sie, Indiv! Ich habe Sie nicht hereinkommen hören."

Der Cardassianer trat neben ihn und warf durch das Fenster einen Blick nach oben.

"Ich hatte Sie nicht erschrecken wollen... Haben Sie gut geschlafen, Tybrang?"

"Sehr gut, Indiv!"

Er verschwieg damit, daß er die halbe Nacht versucht hatte sich über die Verantwortung und die Verhaltensweisen klar zu werden, die diese beängstigende Situation ihm abverlangen würde. Schließlich, gegen Morgengrauen, hatte er etwas Schlaf gefunden, aus denen ihn nur allzu früh ein unruhiger Traum geschreckt hatte.

Luratar warf ihm einen nachdenklichen Seitenblick zu.

"Ich hatte leider nicht daran gedacht, daß Ihnen der Ausblick wichtig sein könnte. Hätte ich das geahnt, wäre ein anderer Raum für Ihre Aufnahme vorbereitet worden, aber ich hatte Sie wenigstens in der Nähe des Neubaus unterbringen wollen."

"Es ist schon gut, Indiv, es macht nichts!"

"Vielleicht sind Sie etwas getröstet, wenn ich Ihnen sage, daß da draußen graues ungemütliches Wetter herrscht, typisch für diese Jahreszeit. Wir Cardassianer sind ein ausgesprochen wärmeliebendes Volk, dennoch ist unseren Vorfahren nichts besseres eingefallen, als unsere Hauptstadt ausgerechnet nach Lirdash zu legen, einzig und allein wegen der zahlreichen Bodenschätze, die in diesen Breiten zu finden waren. Mittlerweile sind die einstmals reichen Lagerstätten längst erschöpft, doch das Wetter ist eher noch schlechter geworden. In den wärmeren Regionen Cardassias pflegt man sich viel im Freien aufzuhalten, während die Bewohner von Lirdash meist froh sind, wenn sie die eigenen vier Wände nicht verlassen müssen. - Was für eine Witterung ist Ihnen am angenehmsten, Tybrang?"

"Verwenden Sie ruhig die vertraulichere Form der Anrede, Indiv!" erwiderte der Rhazaghaner, der dankbar für die Ablenkung und die Gesellschaft war. "Es gibt keine andere in meiner Heimat."

Luratar sah ihn überrascht und etwas betrübt an.

"Das ist wirklich ein sehr liebenswürdiges Angebot von Ihnen, aber ich muß es leider ablehnen. Meine Position an diesem Institut verbietet mir, mich anders als durch meinen offiziellen Titel ansprechen zu lassen. Es ist einfach nicht üblich, verstehen Sie? Ich möchte mir die Achtung meiner Leute nicht verscherzen."

"Das geht schon in Ordnung, Indiv! Vielleicht ist jedem von uns beiden damit gedient, wenn er sich auf die Weise ansprechen läßt, die er gewohnt ist. Und um Ihre Frage zu beantworten: Wir Rhazaghaner bevorzugen kein bestimmtes Klima. Normalerweise pflegen wir uns bei jeder Wetterlage wohl zu fühlen, sei es nun Sonne, Schnee, Regen oder Wind. Unsere Fähigkeiten erlauben es uns, uns rasch und mühelos an jegliche Witterung anzupassen."

"Ja, natürlich, die Wandlungsformen!" bemerkte der Indiv fasziniert. "Aber ich glaube, das ist noch nicht alles, nicht wahr? Bevor wir die ersten von Ihren... deinen Artgenossen aus dem Kälteschlaf weckten, haben wir sie sorgfältig untersucht, und dabei ist uns dies aufgefallen." Er wies an Tybrangs Äußeren herab, das wie üblich den Schein von schlichten Ledersachen erweckte. "Was es auch ist, Kleidung ist es nicht, darüber waren wir uns einig."

"Mein Hüllbild!" Tybrang nickte. "Zwar simuliert es normale Kleidung lediglich, aber es schützt und isoliert mindestens ebenso gut."

"Du generierst es selbst, nicht wahr?"

"Das ist richtig! Auf Rhazaghan tragen lediglich jüngere Kinder und besonders Behinderte Kleidungsstücke. Ab einem bestimmten Alter lernen wir, unser Hüllbild zu erzeugen und zu variieren. Manche Rhazaghaner entwickeln einen solchen Spaß daran, daß sie es darin zur Meisterschaft bringen."

"Und du kannst es sogar abschalten?"

"Das Hüllbild ablegen? Aber selbstverständlich!"

Der Indiv staunte sichtlich und dachte dann nach.

"Wärst du vielleicht bereit, mir diesen Vorgang einmal zu demonstrieren?" fragte er dann.

Tybrang erwiderte unsicher Luratars Blick. Er war nicht prüde. Tatsächlich hätte er Mühe gehabt, den Inhalt dieses Begriffes völlig zu erfassen, aber er war sich noch immer sehr der Tatsache bewußt, daß er einem Cardassianer gegenüberstand. Die Vorstellung, sich seiner schützenden Hülle zu entledigen und seinen Körper den Blicken des anderen preiszugeben, erweckte ein sonderbar fremdes Unbehagen in ihm. Einen Moment lang zögerte er, doch dann schloß er die Augen und überwand sich. Ein leichtes Aufblitzen erhellte den Raum.

"Es ist gut, Tybrang!" hörte er gleich darauf Luratars sanfte Stimme. "Du kannst dein Hüllbild wieder anlegen."

Der Rhazaghaner öffnete die Augen und vervollständigte sein gewohntes Äußeres. Der Indiv saß ihm gegenüber und betrachtete ihn freundlich.

"Das ist dir schwer gefallen, ich habe es wohl bemerkt." erklärte er. "Ich danke dir, es war sehr großzügig, die Neugier eines alten Wissenschaftlers zu befriedigen."

"Es ist etwas ungewohnt, wenn einem dabei solche Aufmerksamkeit geschenkt wird." erwiderte Tybrang verlegen.

"Ich verstehe vollkommen. Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen." beschwichtigte ihn der alte Cardassianer. "Übrigens - ich vermute, daß du sehr stark bist, ist das richtig?"

Tybrang lachte. "Schon, aber nicht so wie Tarkin! Er ist unser Clanführer, und seine Kräfte sind unglaublich. Im letzten Sommer hat er einen Goroch getötet, und in diesem Jahr brachte er es fertig, auf den Rücken eines vierzehn Schritt langen Atalans zu springen und ihm das Genick zu brechen. Alle waren sich darüber einig, daß nur Tarkin zu so etwas in der Lage sein konnte. Seine Tat hat bei jedem einzelnen Clan Begeisterung hervorgerufen."

"Ihr habt jemanden aufgrund seiner bloßen Kraft zum Anführer gemacht?" erkundigte sich Luratar verwundert.

"Wie?" fragte der Rhazaghaner verwirrt und fühlte sich einen Moment lang aus dem Konzept gebracht. "Aber nein, natürlich nicht!" beteuerte er dann. "Genaugenommen ist Tarkins Kraft seinem Weg zum Clanführer eher hinderlich gewesen, vielmehr ist es sein ungewöhnlicher Verstand und sein Einfallsreichtum, der den Clan bewog, ihn an die Spitze zu rufen. Man ist sich darüber einig, daß er einer der klügsten Köpfe in der Clanführerversammlung ist, und seine Ideen erwecken allgemein Bewunderung. Jeder Rhazaghaner ist der Ansicht, daß wir froh sein können, einen solch außergewöhnlichen Clanführer bekommen zu haben, und ich teile diese Meinung wirklich, auch wenn..." Er verstummte plötzlich.

Luratar runzelte die Stirn.

"Ja?"

Tybrang sah ihn nervös an.

"Ich wollte nur sagen, daß es sich gelohnt hat, eine gewisse Wartezeit für ihn in Kauf zu nehmen." erklärte er dann.

Der Cardassianer schüttelte den Kopf.

"Nein, das war es nicht! Ich glaube, du hast zunächst etwas ganz anderes sagen wollen."

Der Rhazaghaner zögerte.

"Nun ja, es ist lediglich so, daß Tarkin ein paar Eigenheiten hat. Er hat eine gewisse Schwäche für Alleingänge und duldet nur widerwillig den Jagdbegleiter, den wir ihm zur eigenen Sicherheit zur Seite gestellt haben. Er kommt hin und wieder mit merkwürdigen Einfällen an." Er lächelte verlegen. "Und er neigt eben etwas zur Hitzköpfigkeit."

Der Indiv erwiderte sein Lächeln nicht.

"Das ist eine ausgesprochen negative Eigenschaft für einen Anführer." erklärte er streng.

"Aber..." begann Tybrang.

"Nein, bitte, ich möchte gern, daß du meinen Standpunkt verstehst." unterbrach ihn der Indiv. "Siehst du, dieses Institut untersteht meiner Führung, und damit habe ich die Verantwortung für sämtliche Personen, die hier arbeiten. Ich weiß, daß sie mir vollständig vertrauen, weil sie wissen, daß ich für sie sorge, daß ich alles tun werde, um sie aus diesem mörderischen Krieg herauszuhalten. Aber diese Aufgabe ließe sich nicht ohne ein hohes Maß an Pflichtbewußtsein und Opferbereitschaft erfüllen. Ich befinde mich durch die momentane politische Lage häufig in Situationen, die mir das Äußerste an Beherrschung und Selbstdisziplin abverlangen, und dabei denke ich noch nicht einmal an solche Schwachköpfe wie Drugan, sondern an Personen, die weitaus mächtiger und gefährlicher sind. Bisher habe ich es geschafft, dieses Institut und seine Leute vor der Barbarei dort draußen zu bewahren, und das ist etwas, worauf ich stolz bin. Meine Vorgängerin zeigte sich dazu leider nicht in der Lage; als nach dem Fall der alten Regierung die ersten Angehörigen des Militärs hier auftauchten, verlor sie die Nerven, verfluchte Gul Dukat und seine Anhänger und erklärte, sie würde diese Anstalt niemals den Regeln des neuen Regimes unterwerfen. Nach ihrer Verhaftung stand das Institut dann kurz vor der Auflösung, die Einberufungsbefehle für seine Angehörigen lagen schon bereit, da erhielt ich die Chance, das Ruder noch einmal herumzuwerfen. Ich schwor mir, daß diese Einrichtung nicht wie vieles andere der Ignoranz und dem Zerstörungswahn des Militärs zum Opfer fallen sollte, sondern beschloß, eine Insel des Wissens zu schaffen. Wie du siehst, existiert sie noch immer, trotz des erbarmungslosen Krieges dort draußen, der dabei ist, sämtliche kulturellen Leistungen meines Volkes zu vernichten. Kannst du dir vorstellen, daß ein aufbrausendes Gemüt dazu fähig gewesen wäre, dies zu erhalten? Gewiß, ich kann natürlich verstehen, daß ein so vielfältig begabter Mann wie euer Clanführer deine Liebe und Bewunderung finden muß, aber das ändert nichts daran, daß Besonnenheit und Pflichtgefühl die grundlegenden Tugenden eines Anführers sind."

Er verstummte und sah den Rhazaghaner an.

Tybrang senkte den Blick. Erst schwieg er eine Weile. Dann begann er leise zu sprechen.

"Er sieht nichts dabei, das Habitat ganz nach Lust und Laune zu verlassen. Ständig muß man befürchten, daß er einfach verschwindet. Er ist starrköpfig und unbelehrbar. Er leistet sich den Luxus der Eitelkeit. Anstatt sich wie jeder andere mit einem speziellen Braun- oder Grauton zufriedenzugeben, trägt er Dunkelrot als Individualfarbe. Er ist der einzige Rhazaghaner, der jegliche Tarnzeichnung für sich ablehnt, gerade als ob er die ganze Welt dazu auffordern wollte, ihn zu finden und sich mit ihm zu messen. Sein unbändiger Stolz auf seine Fähigkeiten läßt ihn glauben, mit jeglichem Gegner fertigwerden zu können, obwohl ihn diese Überzeugung im letzten Jahr fast das Leben gekostet hätte. Er gibt spontan seinen augenblicklichen Gefühlsaufwallungen nach, ohne auch nur einen Gedanken an mögliche Konsequenzen zu verschwenden. Es ist zum Verrücktwerden mit ihm."

Luratar hatte die Stirn gerunzelt.

"Ich glaube zu begreifen." sagte er langsam. "Du machst dir nicht nur Sorgen um ihn. Dich beunruhigt auch die Vorstellung, daß eine Zeit kommen könnte, in der er in seiner von sich selbst überzeugten Art der Verantwortung nicht mehr gerecht wird. Soweit ich die Situation von hier aus überblicken kann, muß ich sagen, daß diese Befürchtung keineswegs von der Hand zu weisen ist."

Tybrang hob den Kopf.

"Ich bin froh, daß Sie mich verstehen. Sehen Sie, bei meinen Artgenossen stoße ich leider nur auf taube Ohren. Wenn ich meine Bedenken vorbringe, so erfolgt lediglich ein Hinweis darauf, wie klug Tarkin sei, wie scharfsinnig und begabt. Für seine Fehler scheint nahezu jeder Angehörige meines Volkes absolut blind zu sein, sie werden ignoriert oder heruntergespielt. Ich bitte Sie, verstehen Sie mich jetzt nicht falsch! Es ist nicht so, daß ich keine Zuneigung für Tarkin empfände. Ich glaube, daß ich ihn schätze wie nur wenige von uns. Wir entstammen einem Frühjahr, und das schafft meistens eine Bindung, im übrigen hatten unsere Mütter dieselben Eltern. Wir wuchsen nebeneinander auf, Tarkin und ich, spielten, aßen und lernten gemeinsam. Später verließen wir Seite an Seite das neue Habitat, vervollkommneten uns in der Jagd und machten uns einen Spaß daraus, miteinander zu wetteifern. Als ich dann spürte, wie sich der Blick des Clans auf ihn richtete, freute ich mich für ihn, auch wenn ich wußte, daß ihm sein ungezügeltes Temperament bei seiner zukünftigen Aufgabe hinderlich sein würde. Ich nahm mir vor, ihm nach Kräften zu helfen, ihm zu zeigen, wo sein Charakter noch der Vervollkommnung bedurfte, doch meine Ratschläge und Ermahnungen schienen einfach an ihm abzuperlen. Schließlich kam der Tag, an dem er mir das erste Mal in Rot gegenübertrat und erklärte, er habe seine Farbe gefunden. Ich glaubte im ersten Augenblick wahrhaftig, er wäre übergeschnappt."

Er zögerte einen Moment, dann fuhr er fort.

"Danach schien er von Tag zu Tag verrückter zu werden. Er unternahm weite Streifzüge, um noch schnellere, noch stärkere, noch wehrhaftere Beute zu finden, und langsam wurde es unmöglich, mit ihm mitzuhalten. Eines Tages lieferten wir uns ein Rennen in der Steppenluum, als er unvermittelt seitlich in den Fluß sprang. Wir hatten einen heißen Spätsommer, und der Wasserpegel war stark abgesunken, aber er reichte Tarkin immer noch bis zu den Knien. Ich lief nebenher, aber es gelang mir tatsächlich nicht, ihn zu überholen, trotzdem ich mich nach Kräften bemühte, und ich wußte, daß er es nicht einmal böse meinte. Es war lediglich so, daß Tarkin in diesem Moment zwei Gegner hatte, den Fluß und mich, und er besiegte uns beide, obwohl er hinterher vor Erschöpfung fast zusammenbrach.

Als man an ihn herantrat und um Führung bat, lehnte er rundheraus ab und lief davon. Er hatte Gefallen an seinem Lebenswandel gefunden, und die Vorstellung, seine Freiheit dem Clan opfern zu müssen, erschreckte ihn. Dennoch hatten wir alle die Hoffnung, daß er sich irgendwann besinnen würde, um sich der Verantwortung zu stellen. Aber erst nachdem wir ihn im letzten Jahr fast verloren hatten, fand er sich dazu bereit, vor die Clanführer zu treten.

Ich hatte geglaubt, daß er sich angesichts seiner neuen Pflichten bereit finden würde, an sich zu arbeiten, aber das stellte sich als Irrtum heraus. Ich bemühte mich, ihm ein angemessenes Verhalten vorzuleben, aber Tarkin widersetzte sich hartnäckig allen Versuchen, ihm zu einem würdigen Führungsstil zu verhelfen. Vielmehr schien er die Clanführerschaft lediglich als Chance für neue Ideen und Herausforderungen anzusehen. Vor kurzem bekundete die Föderation zum ersten Mal intensiveres Interesse an uns, aber anstatt sich um etwas Diplomatie zu bemühen, fand Tarkin nichts dabei, unsere Bündnispartner durch sein Verhalten zu brüskieren. Dennoch hält der Clan eisern zu ihm. Können Sie nachempfinden, warum ich diese Entwicklung beängstigend finde?"

Der Indiv atmete tief durch.

"Ja!" antwortete er dann. "Ja, ich verstehe dich vollkommen. Dein Clanführer betreibt da leichten Herzens ein gefährliches Spiel. In schwierigen Zeiten sind es gerade die Bündnisse, die uns am Leben erhalten, und es ist unvernünftig, ja geradezu unverzeihlich, einen Alliierten vor den Kopf zu stoßen. Auch ich war gezwungen, mir in der Regierung ansässige Bundesgenossen zu suchen. Natürlich begeistert mich die Tatsache nicht, daß manche unserer Labors inzwischen ausschließlich der Produktion rar gewordener Genußmittel dienen, aber wenn man für eine Sache kämpft, lernt man es, seinen wissenschaftlichen Stolz zu unterdrücken. Es gibt inzwischen einige einflußreiche Guls, die mir verpflichtet sind, und jeder bedeutet ein weiteres Stück Sicherheit für uns. Ich kann also deine Sorge sehr wohl begreifen. Trotz allem muß ich aber bemerken, daß ich die Loyalität und Fürsorge, die aus deinen Worten spricht, erfreulich finde. Es ist eine gute Eigenschaft, seinen Freunden trotz auftretender Probleme zur Seite zu stehen, auch wenn deine Hilfsbereitschaft in jenem Fall keine Anerkennung fand."

Der Rhazaghaner schwieg daraufhin, was der Indiv zum Anlaß nahm, das Thema zu wechseln.

"Erzähl mir noch ein wenig von deiner Heimat!" forderte er ihn freundlich auf. "Ich habe versucht, mich in unserem Computerarchiv über euer Volk zu informieren, aber nur beschämend wenig gefunden. Eigentlich kein Wunder, denn sämtliche Daten stammen aus jener Zeit, als meine Welt damit begann, euren Planeten auszubeuten. Sie wurden von Angehörigen des cardassianischen Militärs gesammelt, und solche Leute pflegen sich selten für die Kultur des Unterjochten zu interessieren. Du hast sicher Berichte von damals gehört, nehme ich an?"

Tybrang erwiderte erstaunt den Blick des Cardassianers.

"Ich kann mich daran erinnern." erklärte er schlicht.

Der Indiv schwieg einen Moment verblüfft, dann kniff er die Augen zusammen und beugte sich vor.

"Ich weiß, daß die Umlaufzeiten unserer beiden Planeten recht ähnlich sind. Wie alt bist du, Tybrang?"

"Es müßten etwas mehr als acht Jahrzehnte sein. Es ist allerdings eine Weile her, daß ich genau nachgehalten habe."

"Erstaunlich!" murmelte Luratar. "Damit bist du nur zwei Jahrzehnte jünger als ich, obwohl du in etwa das biologische Alter meines jüngsten Sohnes hast. Wir Cardassianer gelten eigentlich als relativ langlebig, aber deine Spezies scheint eine ähnliche Lebenserwartung wie die romulanische zu besitzen. Du siehst, unser Wissen über euch ist erbärmlich gering, dabei konnte ich unseren Unterlagen entnehmen, daß sogar eine Angehörige deines Volkes hier an diesem Institut gearbeitet hat, wenn auch nur für kurze Zeit. "Von den Vari" war ihr Namenszusatz, wenn ich mich recht erinnere."

In Tybrangs Gesicht breitete sich ein strahlendes Lächeln aus.

"Ich bin ein Vari, und acht von meinen Leuten sind es ebenfalls. Meine Güte, Nirrit! Hier war sie also? Ich war nicht so genau darüber informiert, weil Tarkin damals die Verhandlungen geführt hat, aber eigentlich hätte ich schon gestern hellhörig werden müssen. Xenobiologie ist schließlich ihr Wissensgebiet."

"Habe ich richtig verstanden? Du kennst sie persönlich?"

"Sogar sehr gut, Indiv! Sie ist eine Angehörige meines Clans, und ich habe sie eine Zeitlang geschult. Sie war zwischenzeitlich von Rhazaghan fortgegangen, um sich auf der Erde ausbilden zu lassen, aber mittlerweile ist sie wieder bei uns. Sie hat übrigens damals während ihrer Zeit auf Cardassia ihren Gefährten getroffen."

"Sie hat eine Ehe mit einem Cardassianer geschlossen?" fragte der Indiv überrascht.

"Einem Halbcardassianer, um genau zu sein, obwohl er sich in erster Linie als Kind Ihres Volkes betrachtet. Er ist Ingenieur, und seine Tüchtigkeit bedeutet einen großen Gewinn für uns. Wir wissen ihn alle sehr zu schätzen."

Luratar lächelte.

"Ich muß sagen, die mich die Offenheit deines Volkes beeindruckt, Tybrang! Es ist schon recht erstaunlich, daß sich eine eurer Frauen für einen Cardassianer entschied, aber daß deine Leute, anstatt ihr mit Verachtung zu begegnen, ihren Erwählten großzügig und aufgeschlossen willkommen heißen, imponiert mir wirklich. Ich fürchte," fügte er bekümmert hinzu, "daß diese ungewöhnliche Liebesgeschichte hier auf Cardassia kaum ein glückliches Ende gefunden hätte. Wir Cardassianer stehen allem Fremden meist voller Widerwillen und Mißtrauen gegenüber."

"Das cardassianische Volk hat andere Erfahrungen gemacht als das rhazaghanische." versicherte Tybrang rasch nach einem Blick in Luratars Gesicht. "Cardassia liegt in einem wesentlich stärker bevölkerten Raumgebiet als das abgelegene Rhazaghan, und so konnte es auch leichter in Konflikte verstrickt werden."

Der Indiv seufzte. "Da magst du recht haben." Er richtete den vollen Blick seiner dunklen Augen auf den Rhazaghaner. "Dennoch wünschte ich manchmal, daß mein Volk noch in der Lage wäre, sich so vertrauensvoll wie das deine zu verhalten."

Sie schwiegen beide.

"Wie geht es meinen Leuten?" begann Tybrang nach einer Weile mit leiser Stimme.

Luratar wiegte nachdenklich den Kopf.

"Sie sind nicht sehr glücklich über die augenblickliche Situation, aber sie finden sich damit ab. Dennoch habe ich den Eindruck, daß sie vor allem die räumliche Trennung beunruhigt. Sie fragen nach dir."

"Ich bin ihr Jagdführer." murmelte Tybrang.

"Eine seltsame Bezeichnung!" hörte er Luratars Stimme. "Du mußt mir nicht antworten, aber darf ich fragen, auf was für einer Jagd ihr euch befandet?"

Der Rhazaghaner sah auf.

"Ich glaube nicht, daß es jetzt noch eine Rolle spielt, wenn ich Ihnen das verrate. Wir hatten die Aufgabe, einen Formwandler auf einer Raumstation der Föderation aufzuspüren. Unser Volk besitzt in seinen Wandlungsformen sehr scharfe Sinne, müssen Sie wissen. Allerdings war unsere Suche vergebens; der Gründer hatte die Station schon wieder verlassen. Kurz nach unserer Ankunft kam es dann zu dem Überfall."

"Dennoch, es war eine kühne Idee, die unter anderen Umständen sicherlich zum Erfolg geführt hätte." bemerkte der Indiv. "Ich glaube aber, mich an den Vorfall erinnern zu können, immerhin wurde der Sieg damals von der Regierung ziemlich hochgespielt. Die Station lag im Jotan-Sektor, nicht wahr?"

"So ist es! Wissen Sie, ob sie noch existiert?"

"Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber sie wurde vollständig vernichtet."

Tybrang schloß die Augen.

"Was ist mit der Besatzung?" fragte er einige Augenblicke später. "Wissen Sie, ob sie überlebt hat?"

"Soviel ich weiß, war neben der Zerstörung der Station eines der Hauptziele, möglichst viele Gefangene zu machen, um sie gegen strategisch wertvolle Gebiete einzutauschen. Nach meinen Informationen hatte man damit auch Erfolg. Außerdem hieß es im Propagandatext, unsere Verbündeten hätten es geschickt fertiggebracht, zuvor verschiedene Anlagen des Gegners wie Schilde, Geschütze und Langstreckensensoren zu sabotieren. Dann wurde noch die siebte cardassianische Flotte gerühmt, die es durch einen Scheinangriff verstanden hätte, sämtliche Kriegsschiffe der Föderation aus dem Nahbereich der anvisierten Raumstation abzuziehen."

"So war das also!" murmelte Tybrang. "Es ist gut, es wenigstens zu wissen."

"Ja, ihr seid vollkommen ahnungslos in eine von langer Hand vorbereitete Offensive hineingeraten. Wer hatte euch eigentlich ausgesandt? Tarkin?"

"Er sowie die Clanführer von vier weiteren Clans. Man hatte entschieden, die Last aufzuteilen, da die Mission leider gerade in den Beginn der Fortpflanzungszeit fiel."

Die ganze Zeit über war der Cardassianer Tybrangs Bericht zwar staunend, aber ruhig und gelassen gefolgt. Jetzt bekam der Rhazaghaner allerdings den Eindruck, daß der Indiv kurz davor stand, die Fassung zu verlieren. Kerzengerade aufgerichtet und mit aufgerissenen Augen starrte er ihn an.

"Die... die Fortpflanzungszeit, sagst du?" brachte er heraus. "Bitte entschuldige, ich hoffe, daß ich hiermit kein Tabu verletze, aber... würdest du mir das bitte etwas näher erklären?"

"Natürlich, es handelt sich um kein Tabuthema, Indiv! Es ist lediglich so, daß bei den weiblichen Angehörigen unseres Volkes die fruchtbare Zeit grundsätzlich auf den Hochsommer fällt. Hält ein Paar die allgemeinen Bedingungen für ungünstig, so meidet es in dieser Zeit den Umgang miteinander. Kommt es dagegen zu der Ansicht, das sich die Umstände für die Zeugung von Nachwuchs eignen, so..."

"Ich glaube, ich habe verstanden!" wurde er rasch von Luratar unterbrochen. "Demzufolge kommen eure Kinder natürlich ausnahmslos in derselben Jahreszeit zur Welt. Jetzt weiß ich auch, was du meintest, als du sagtest, du und Tarkin entstammtet demselben Frühjahr."

"Ja, das ist richtig!"

Der Indiv lehnte sich zurück und betrachtete den Rhazaghaner nachdenklich.

"Bemerkenswert! Eure Spezies spürt in sich tatsächlich noch den Pulsschlag ihrer Welt." stellte er fest. "Bitte entschuldige die Frage, aber was ist mit dir?"

"Ich bin ungebunden." erklärte Tybrang schnell.

Luratar nickte verständnisvoll.

"Wissenschaftler sind neugierig." begann er nach einer Weile von neuem. "Ich hoffe, hier wiederum keinen Fehler zu begehen, wenn ich frage, wie bei euch die Paarbildung erfolgt."

"Das will ich Ihnen gern erklären, Indiv!" antwortete Tybrang bereitwillig. "Es ist bei uns so, daß, wenn ein Rhazaghaner in sich den Wunsch nach einem Partner verspürt, er das heimatliche Habitat verläßt. Er macht sich meist auf den Weg zu einer benachbarten Wohnstätte, aber wenn es sich um eine unternehmungslustige Persönlichkeit handelt, kann es auch geschehen, daß er eine Reise von beträchtlicher Länge auf sich nimmt. Hat er sein Ziel erreicht, weist man ihm ein leerstehendes Quartier zu, worauf er sich dem Leben des Gastgeberclans anschließt. Er beteiligt sich an Gemeinschaftsjagden und anfallenden Arbeiten, nimmt an Geselligkeiten teil und tauscht Neuigkeiten aus, gleichzeitig sieht er sich aufmerksam unter den ungebundenen Habitatsbewohnern um. Dabei kann es übrigens durchaus geschehen, daß er unter den Gästen des Habitates fündig wird.

Ist auf beiden Seiten Sympathie vorhanden, so einigen sich die Reifungspartner auf eine der beiden angestammten Wohnstätten, um dort gemeinsam zu leben. Bevorzugt wird grundsätzlich jener Clan, der Verluste ausgleichen muß oder dem am meisten Platz zur Verfügung steht. Wenn die Partnerschaft nach einer gewissen Zeit zu Ende geht, so verabschieden sich beide voneinander, worauf die Gastseite wieder zu ihrem Heimatclan zurückkehrt, oder sich wieder auf Partnersuche begibt."

"Moment!" bemerkte der Indiv mit gerunzelter Stirn. "Wie...?"

"Erreicht die Verbindung aber nach einiger Zeit eine solche Tiefe, daß die beiden Partner ein Fließen zwischen ihren Seelen wahrnehmen, so bezeichnen sie einander als Gefährten. Eine Fortpflanzung findet nur innerhalb dieser endgültigen Verbindung statt." schloß Tybrang.

"Was ist mit dem Kind?" hakte Luratar nach. "Zu welchem Clan wird es in Zukunft gehören? Immerhin stammen die Eltern niemals aus demselben Habitat, wenn ich recht verstanden habe."

"Das Kind gehört zu jenem Clan, in dessen Habitat es geboren und durch dessen Clanführer es begrüßt worden ist. Im übrigen muß man betonen, daß ein Clan zu nicht geringem Teil aus zugewanderten Gefährten besteht. Matani, die zu meinen Leuten gehört, ist eine Vari, während ihr Gefährte Trysnar aufgrund seiner Herkunft den Namenszusatz 'von den Kelp' trägt. Dennoch gehört er wie auch alle anderen Zugewanderten der Gemeinschaft der Vari an."

Der Indiv schwieg eine Weile und dachte über das Gehörte nach.

"Interessant!" bemerkte er dann leise. "Auf alle Fälle wird so die Ausbildung nationalistischen Denkens jeglicher Art sehr erschwert. Der Kontakt zwischen euren Stämmen ist einfach zu rege." Er sah auf. "Kriege kommen bei euch nicht vor, nehme ich an?"

"Kriege? Das... nein! Nein, es gibt keine!" antwortete Tybrang unangenehm berührt.

"Ihr seid zu beneiden!" Der Indiv erhob sich. "Bitte nimm es mir nicht übel, aber es bleibt mir nichts anderes übrig, als dich jetzt erst einmal zu verlassen. Ich tue es nicht gern, eigentlich würde ich es vorziehen, noch einiges über euer Volk zu hören, aber ich habe nun lange genug meinem egoistischen Wissensdrang gefrönt. Ich stehe nun einmal diesem Institut vor, und damit wartet noch einiges an Arbeit auf mich."

Er reckte sich behutsam, um seine steif gewordenen Gliedmaßen in Gang zu bringen, dann wandte er sich wieder dem Rhazaghaner zu.

"Nachher wird Bralis, einer unserer Institutsdiener, nach dir sehen. Er spricht leider kein Föderationsstandard, aber ich habe ihm einen Translator ausgehändigt, wenn ich auch sagen muß, daß ich eine direkte Kommunikation vorziehe. Auf alle Fälle wird er in der Lage sein, deine Wünsche entgegenzunehmen."

Luratar war bereits im Begriff, den Raum zu verlassen, drehte sich dann jedoch noch einmal um.

"Verzeih mir meine nicht enden wollende Neugier!" bemerkte er mit einem feinen Lächeln. "Du hattest vorhin etwas von einer Individualfarbe erwähnt, und wie ich gesehen habe, weist jeder deiner Leute einen etwas anderen Haarton auf." Er wies auf Tybrangs kurz gehaltenen bernsteinfarbenen Schopf. "Ist es wahr, daß du dir diese Färbung selbst gewählt und dann an dir umgesetzt hast?"

"Doch, das stimmt, Indiv!"

Der Cardassianer legte den Kopf etwas schräg.

"Dann ist eure Haartracht wahrscheinlich ebenfalls eurem Willen unterworfen, ist diese Vermutung korrekt?"

"Das ist ebenfalls richtig!"

Tybrang überlegte einen Moment, dann begann er zu lächeln.

"Schauen Sie her!"

Ein kurzes Flackern erhellte den Raum und erlosch augenblicklich wieder. Luratar trat heran und betrachtete fasziniert die bernsteinfarbene, leicht gewellte Mähne, die dem Rhazaghaner ein Stück über die Schultern fiel.

"Hochinteressant!" murmelte er. Er sah zu Tybrang auf. "Ich glaube aber zu wissen, warum du dich für die andere Haartracht entschieden hast."

"Warum meinen Sie?"

"Sie paßt besser zu dir. Sie läßt auf eine Persönlichkeit schließen, für die Disziplin und Selbstbeherrschung eine große Rolle spielen. Wir sehen uns morgen, Tybrang!"

"Auf Wiedersehen, Indiv!"

Kurz darauf war der Rhazaghaner allein. Einige Zeit später wurde die Tür geöffnet, und ein unauffällig wirkender Cardassianer mittleren Alters betrat den Raum. Er erkundigte sich nach Tybrangs Wünschen, ging aber auf dessen Versuch, ein Gespräch anzufangen, nicht ein. Schweigsam nahm er die Essensbestellung entgegen und kehrte wenig später mit der Mahlzeit zurück, um gleich darauf die Unterkunft wieder zu verlassen.

Mitten in der Nacht schreckte dann Tybrang aus einem Traum hoch, in dem festen Glauben, Gelächter wahrgenommen zu haben. Er starrte eine Weile horchend in die Dunkelheit, so wirklich war ihm der Laut erschienen. Es war eindeutig Tarkins Stimme gewesen, sein Lachen bei ihrem Abschied, heiter, ausgelassen und vertrauensvoll - das Lachen eines Freundes.

 

 
2.

 

Die Tage, die darauf folgten, waren still und monoton. Dreimal am Tag pflegte der Institutsdiener Tybrang das Essen zu bringen, wobei er sich ebensowenig gesprächig wie am Anfang zeigte. Die Mahlzeiten selbst waren reichlich und entsprachen Tybrangs körperlichen Bedürfnissen, wenn ihm auch die Aromen der verwendeten Gewürze neu waren. Dennoch bestand kein Zweifel daran, daß die Gerichte liebevoll zubereitet worden waren, und da der Gaumen des Rhazaghaners nicht sehr anspruchsvoll war, hatte er sich bald an die cardassianische Küche angepaßt.

Ein weitaus größeres Problem stellte dagegen die Untätigkeit dar. Um sich etwas beschäftigen zu können, hatte Tybrang um Lesestoff gebeten, dabei aber erfahren, daß man ihm lediglich in cardassianischer Schrift gehaltene Literatur anbieten konnte. Das Institut verfügte seit dem Krieg über keine Bücher in Föderationsstandard mehr und sah sich auch nicht in der Lage, solche aufzutreiben. Der Zugang zu einem Computerterminal war ihm laut Sicherheitsvorschrift untersagt, und so blieb ihm schließlich nur übrig, auf seiner Bettstatt zu sitzen, zum Fenster zu blicken, wo das graue Tageslicht zu ihm hereinsickerte, und seinen Gedanken nachzuhängen. Dabei kam ihm immer stärker zu Bewußtsein, wie sehr er die anderen beneidete.

Gewiß, auch sie befanden sich in der gleichen unsicheren Situation, in der Gewalt des Feindes, einem furchtbaren Ende knapp entronnen, lediglich geschützt durch die Beziehungen und die rechtschaffene Gesinnung des Institutsleiters. Sie allerdings waren nicht in völliger Isolation zur Passivität verdammt, sondern sie waren allesamt dort drüben im Neubau und konnten wenigstens ihre Lage miteinander besprechen. Reden, sich austauschen, die Stimmen der anderen hören, das war es, wonach Tybrang sich sehnte; aber er besaß nun einmal den Status des Anführers, und dieser verurteilte ihn zur Einsamkeit.

Manchmal ertappte er sich bei der Überlegung, wie Tarkin an seiner Stelle reagieren würde, und er kam jedesmal zu dem Schluß, daß diesen das andauernde Eingesperrtsein schon längst in den Wahnsinn getrieben hätte. Tybrang stellte ihn sich vor, wie er in die Steppenluum wechselte, die Tür zerschmetterte und sich einen Weg zum Neubau bahnte. Und erahnte die hämische Freude, die ein solcher Aufruhr Drugan bereitet hätte.

Bisher hatte der großspurige Offizier dem Institut noch zwei weitere Besuche abgestattet, hatte jedoch darauf verzichtet, zu ihm hereinzukommen, sondern sich damit begnügt, ihn durch das winzige gesicherte Fenster in der Tür zu beobachten. Tybrang hatte den trampelnden Schritt beide Male frühzeitig erkannt und sich daraufhin schlafend gestellt, dennoch hatte das schleifende Geräusch, das der Uniformpanzer auf der anderen Seite der Tür verursachte, sein Herz zum Rasen gebracht. Gleich darauf hatte er zu seiner Erleichterung die Stimme des Indiv vernommen, die eine Weile mit dem Soldaten verhandelte, bis sich dann die Schritte beider Männer von Tybrangs Unterkunft entfernten.

Die einzigen Lichtblicke in diesem Schwebezustand zwischen Monotonie und Angst waren jene Momente, in denen Luratar seine Pflichten ruhen ließ, um sich Zeit für den Rhazaghaner zu nehmen, und das tat er täglich. Oft waren es nur einige Augenblicke, die der Indiv erübrigen konnte, manchmal aber saß er einen guten Teil des Vormittags bei ihm, um ihm zuzuhören, seine Meinung zu dem Gehörten abzugeben, vor allem aber um sich weitere Details der rhazaghanischen Lebensweise erklären zu lassen. Er interessierte sich für Fragen der Ernährung ebenso wie für den Werdegang des Nachwuchses, erkundigte sich nach Jagdmethoden und ließ sich die Organisation einer Wohnstätte beschreiben. Es war zu spüren, daß er sich oftmals nur mit Mühe von seinem Gast losriß, und Tybrang bewunderte den unstillbaren Wissensdurst, der immer noch in diesem angegrauten Mann steckte. Luratar gehörte eindeutig zu jenen Personen, die sich die Freude am Lernen ihr Leben lang bewahrt hatten.

Um sich von seiner bedrückenden Einsamkeit abzulenken, begann Tybrang schon bald, auf diese wenigen freudigen Momente hinzuleben. Bereits am frühen Morgen richtete er seine Aufmerksamkeit hinaus auf den Gang jenseits der Tür, bis dann sein feines Gehör den bedächtigen Schritt des Indiv erkannte. Oftmals nahm er die vertraute Stimme schon frühzeitig wahr, wenn sich der Cardassianer in Begleitung eines oder mehrerer Untergebener näherte, sich in ruhigem Tonfall unterhaltend. Dann wußte Tybrang, daß er wieder für eine kleine Weile in ein Gesicht blicken durfte, und für die Aufmerksamkeit und das Mitgefühl, das er in diesem Gesicht erkannte, war er dankbar. Luratar leistete ihm nicht nur Gesellschaft, er brachte ihm vor allem Verständnis entgegen, und das erschien Tybrang mehr, als er in der letzten Zeit von seinesgleichen erfahren hatte.

Der Rhazaghaner war sicher, daß er ohne die Besuche des Indiv schon längst von seiner Verzweiflung erdrückt worden wäre, als jener eines Tages mit einem stolzen Lächeln seine Unterkunft betrat. In den Armen trug er einen in mehrere Lagen Tücher gehüllten Gegenstand, dessen genaue Form nicht zu erkennen war. Luratar stellte das Bündel behutsam auf dem kleinen Tisch ab und weidete sich an dem neugierigen Blick seines Gastes.

"Was ist das, Indiv?" fragte Tybrang verwundert.

"Die Leihgabe eines entfernten Bekannten! Mach es auf, aber sei vorsichtig! Er hängt sehr daran."

Tybrang zögerte kurz, dann erhob er sich und nahm das Paket auf. Nur einen Moment später fielen die letzten Stoffbahnen zu Boden, und der Rhazaghaner starrte ungläubig auf den hölzernen Gegenstand, den er in Händen hielt.

Ein geradezu grotesk kleiner Kopf, der auf einen langen, zur Seite geschwungenen Hals hinauslief. Nach diesem schlangengleichen Anfang ging es mit einem massigen Rücken weiter, dessen polierte Wölbung sich in sanfter Linie hinauf und dann wieder abwärts zog. Dunkle Maserungsringe, die in wechselnder Dichte das gesamte Holz bedeckten, hoben wirkungsvoll die Muskulatur über den stämmigen Beinen hervor. Mehr als ein Drittel der Figur aber bestand aus einem Schwanz von ungeheurer Länge, der in stummer Warnung erhoben war.

Tybrangs Hände begannen zu zittern, und er stellte eilig den geschnitzten Sabresh auf dem Tisch ab.

"Wie kommt das hierher?" fragte er heiser.

Der Indiv hatte ihn schweigend beobachtet. Nun begann er erneut zu lächeln.

"Der Bekannte, von dem ich dir erzählte, ist seit vielen Jahren ein begeisterter Sammler von nicht-cardassianischen Artefakten. Vor einigen Jahrzehnten kaufte er diese Skulptur von einem älteren Soldaten, der auf Rhazaghan stationiert gewesen war. Nach dem, was der Mann erzählte, hatte seine Kolonne Befehl erhalten, eine Wohnstätte der Einheimischen zu überprüfen. Das Bauwerk wäre allerdings verlassen gewesen, und als er innerhalb des Trupps die Räume durchsuchte, sei er unter anderem auch auf diese Skulptur gestoßen. Zwar handelte es sich bei ihm um einen primitiven Soldaten, aber seltsamerweise muß er erkannt haben, was für ein wunderbares Kunstwerk er da vor sich hatte. Er nahm die Figur also an sich. Sie hatte sich schon eine Zeitlang in seinem Besitz befunden, als er sie wegen Geldschwierigkeiten jenem Sammler anbot."

Tybrang seufzte tief.

"Das alte Vari-Habitat!" sagte er leise. "Sie stammt aus dem alten Vari-Habitat!"

Luratar hob überrascht die Brauen.

"Was sagst du da?"

Der Rhazaghaner senkte den Blick wieder auf den hölzernen Sabresh.

"Wir hatten die Wohnstätte überstürzt verlassen müssen, dabei ist das Meiste zurückgeblieben. Ich bin mir nicht völlig sicher, wer dies schuf, aber ich glaube, daß es von Elrigardim stammt. Ich kann mich erinnern, daß sie so etwas machte."

Der Indiv beobachtete ihn stumm.

"Ihr seid fortgegangen? Aus welchem Grund?" fragte er dann.

Tybrang blickte geradeaus, während die alten Bilder in seinem Inneren erwachten. Er hatte das Thema bislang gemieden, aber nun, angesichts der alten Figur, sah er sich nicht mehr dazu in der Lage. Alles drängte ihn, zu erzählen

"Im Gebiet jenes Clanes, der sich die Numa nannte, gab - und gibt es noch heute - Dilithium." begann er langsam. "Es handelt sich um bedeutende Mengen, und sie liegen relativ dicht an der Oberfläche. Das war wohl der Grund, aus dem die Cardassianer dort als erstes landeten. Sie errichteten befestigte Lager. Sie setzten Maschinen von gewaltiger Größe zusammen. Und dann begannen sie, das Land aufzureißen."

Er verstummte kurz, um tief durchzuatmen, dann fuhr er fort.

"Die Numa beobachteten fassungslos, wie sich ihr Gebiet von Tag zu Tag mehr in ein gähnendes Loch verwandelte. Zudem begann das Wild nach kurzer Zeit, aus der Gegend abzuwandern, und so entschied man sich, mit den Neuankömmlingen zu reden. Der Clanführer wählte einige seiner klügsten und erfahrensten Leute als Unterhändler aus und schickte sie zum Lager der Fremden, in welches sie tatsächlich eingelassen wurden. Am übernächsten Tag fanden die Numa sie draußen, wo man sie hingeworfen hatte."

Der Rhazaghaner hatte seine Erzählung in ruhigem Tonfall begonnen, aber nun wurden in seiner Stimme immer mehr Zorn und Trauer hörbar.

"Der Einzelne zählt viel bei uns, und für die Numa, die jetzt erkannten, daß sie nichts als räuberische Eindringlinge vor sich hatten, war das Maß voll. Sie griffen nachts an, fegten die Arbeitsgerätschaften in den Krater hinunter und zerstörten systematisch die Maschinen, die zu groß waren, um sie in den Abgrund zu kippen. Die Antwort der Cardassianer erfolgte am nächsten Tag und bestand aus einem gut gezielten Schuß, der direkt aus dem Orbit erfolgte. Die Numa sahen nicht einmal, was sie traf.

Ein einziger Schuß nur, aber er reichte aus, um ein rhazaghanisches Habitat vollständig zu vernichten. Ein dreizehntausend Personen starker Clan, einfach pulverisiert, verbrannt im Bruchteil eines Augenblickes. Die Rauchsäule stieg binnen kurzem so hoch in den Himmel, daß sie noch vom Vari-Habitat aus gesehen wurde. Was von den Numa übrigblieb, waren lediglich ein Jagdtrupp und jene, die sich wegen Partnersuche nicht im Habitat befunden hatten. Alle anderen waren ausgelöscht. Unser Planet hatte mit einem Schlag einen ganzen Clan verloren.

Unsere Clanführerin reagierte sofort. Es stand zu befürchten, daß die Eindringlinge ihre Aufmerksamkeit nun jenem Clan zuwenden würden, der in direkter Nachbarschaft zum Numa-Gebiet lebte. In der Hoffnung, man würde sich mit unserer Flucht zufriedengeben, gab sie Befehl, die Wohnstätte zu verlassen. Eigentlich verstehe ich es bis heute nicht, wie Jarsali es fertigbrachte, binnen eines Tages das komplette Habitat räumen zu lassen, aber in der Nacht war es tatsächlich leer, und der Clan hatte Schutz in einer riesigen Kaverne gefunden. Sie sollte unsere Heimat für mehr als ein Jahrzehnt werden.

Wie recht Jarsali getan hatte, das Habitat aufzugeben, zeigte sich, als zwei Tage nach unserem Auszug bewaffnete Cardassianer dort erschienen. Sie drangen in die Wohnstätte ein und hausten dort schlimmer als eine ganze Horde Uraukhs, so daß wir nach der Befreiung Rhazaghans mit dem Bau eines neuen Habitates beginnen mußten. Die Befreiungsschlacht selbst hat die Vari fast eine ganze Generation und seine Clanführerin gekostet. Unser Schiff brachte nicht ein einziges Mannschaftsmitglied lebend zurück."

"Richtig, das Schiff!" murmelte Luratar. "Ich habe natürlich davon gehört. Was...?"

"Ein gestohlener Schlachtkreuzer, ausgestattet mit einer empfindungsfähigen künstlichen Intelligenz. Der Verlust ihrer Bezugspersonen versetzte sie in die Lage, das zu bewerkstelligen, was unsere kleine Flotte wahrscheinlich nicht fertiggebracht hätte: Sie schlug die Eindringlinge in die Flucht. Die Stahlgefährtin wacht auch nach all den Jahren noch über Rhazaghan, aber mittlerweile ist sie nicht mehr allein. Die gemachten Erfahrungen ließen uns viel Freude am Schiffsbau entwickeln."

Tybrangs letzte Bemerkungen hatten fast den Klang einer Herausforderung gehabt, was dem Indiv keineswegs entgangen war. Er nickte nachdenklich.

"Ja!" sagte er schließlich und richtete sich auf. "So etwas in der Art hatte ich vermutet. Eigentlich war es die einzig vernünftige Erklärung, wenn auch noch einige völlig absurde Geschichten über den damaligen Vorfall kursieren. Dein Volk hat mit viel Mut und Phantasie gehandelt, Tybrang!"

"Wir folgten der einzigen Möglichkeit, die wir sahen." erwiderte der Rhazaghaner, dem allmählich wieder zu Bewußtsein kam, wer ihm gegenüber saß.

Der Indiv betrachtete ihn eine Weile aufmerksam.

"Es ist zu spüren, daß dich diese Ereignisse selbst nach all den Jahren noch sehr stark aufwühlen." ergriff er schließlich wieder das Wort. "Nimm es mir daher nicht übel, wenn ich dir sage, daß meiner Meinung nach der Clanführer der Numa unüberlegt handelte. Er entschied sich kurzerhand zum Angriff, ohne auch nur die geringsten Informationen über die Bewaffnung seiner Gegner zu besitzen. Es war nicht zuletzt seine übereilte Reaktion, die das Ende seines Clans besiegelte."

"Indiv..."

"Beeindruckt hat mich dagegen die Handlungsweise deiner Clanführerin." fuhr der Cardassianer freundlich fort. "Sie hatte verstanden, daß weitere Gewaltanwendung zur Katastrophe geführt hätte, und so brachte sie als erstes ihre Leute in Sicherheit, um dort eine Änderung zu ihren Gunsten abzuwarten. Eine fähige und besonnene Frau, kann man nur sagen."

"Clanführerin Jarsali wird niemals vergessen werden. Sie gilt als eine der herausragendsten Führungspersönlichkeiten, die die Vari jemals an die Spitze riefen."

"Zu Recht, kann ich nur sagen! Sie traf die richtigen Entscheidungen, und darum lebt ihr Clan, während die Numa untergingen."

Er erhob sich.

"Tybrang, ich weiß, es muß hart in deinen Ohren klingen," wandte er sich sanft an den Rhazaghaner, "aber irgendwann muß man sich der Erkenntnis stellen, daß man die Toten ruhen lassen sollte. Die Numa sind schon lange dahin, sie gehören zur Vergangenheit, und nichts und niemand wird sie wieder zurückbringen. Wenn man aber Verantwortung trägt, dann muß man an die Lebenden denken und seinen Blick in die Zukunft richten."

Der Rhazaghaner schwieg und gleich darauf war er wieder allein. Er wußte, daß Luratar ein kluger und fürsorglicher Mann war, der versuchte, ihm seelischen Halt zu geben und der obendrein seine schützende Hand über sie alle hielt. Schuldbewußt gestand er sich ein, daß er einen kurzen Moment lang nur schwer das Bedürfnis hatte unterdrücken können, ihm zu widersprechen.

 

Der Verlust seiner Freiheit entwickelte sich zu einem immer größeren Problem für Tybrang. Niemals hätte er sich träumen lassen, daß es ihn einmal derart verzweifelt nach einem freien Himmel und frischer Luft verlangen würde, und inzwischen war es ihm vollkommen gleichgültig, um was für einen Himmel es sich handelte. Seine zur Untätigkeit verdammten Muskeln zitterten vor Bewegungshunger, und manchmal riß dieser ihn von seinem Lager und zwang ihn, in seiner Unterkunft auf und ab zu laufen, auf und ab. Dreimal am Tag öffnete sich die Tür, und der schweigsame Institutsdiener Bralis trat ein, um ihn mit sorgfältig zubereiteten Delikatessen zu versorgen, aber es gab nichts, woran Tybrang seinen Hunger nach Weite hätte stillen können.

Die schlichten Wände seines kleinen Gefängnisses schienen von Tag zu Tag näher zu rücken und ihn dabei zu verspotten. Manchmal erschien es dem Rhazaghaner, als säße er in dem aufgerissenen Rachen eines Raubtieres, der sich langsam und unaufhaltsam um ihn schloß, und bei dieser Vorstellung pflegte ihm regelmäßig der Schweiß auszubrechen. Wechseln, aus dieser gefräßigen Enge entrinnen, um dann nur noch zu laufen und den Wind um sich zu spüren, danach sehnte er sich. Er spürte geradezu, wie er allmählich den Verstand verlor.

In seinem angestrengten Ringen um Selbstkontrolle hielt er sich immer wieder warnend ein Bild vor Augen: Tarkin, der in wilder Unbeherrschtheit einen Fluchtversuch unternahm und die cardassianischen Soldaten auf den Plan rief, womit er Luratar und alle anderen ins Verderben stürzte. Dennoch kostete es Tybrang immer mehr Kraft, seinen Wunsch nach Freiheit zu unterdrücken. Selbst in der Nacht vermochte der Rhazaghaner seiner Gefangenschaft nicht mehr zu entkommen; sein Schlaf glich einem blassen, unruhigen Geist, der in steter Fluchtbereitschaft über ihm schwebte und sich nur noch selten vertrauensvoll und schwer auf ihm niederließ. Spätestens mit der ersten Morgendämmerung kehrte Tybrangs Bewußtsein zu ihm zurück und mit ihm die immer schärfer werdende Erkenntnis, daß er nur noch eines wollte: Hinaus!

Solange der Indiv bei ihm saß, bemühte er sich nach allen ihm noch zur Verfügung stehenden Kräften, sich den Anschein von Ruhe und Selbstbeherrschung zu geben. War er dann wieder allein, verspürte er fast Erleichterung, wieder unbeobachtet seinem Bewegungsdrang nachgeben zu können. Luratar verließ sich auf ihn, und Tybrang wollte ihn nicht mit Sorgen belasten, indem er offenbarte, wie schlecht es inzwischen um seine Fassung stand. Dennoch spürte er, wie die Augen des Institutsleiters von Mal zu Mal aufmerksamer auf ihm ruhten.

"Ich weiß, daß etwas mit dir nicht stimmt, Tybrang!" bemerkte der Indiv dann eines Tages unvermittelt. Sein ernster Blick glitt hinauf zu den feinen Schweißperlen auf der Stirn des Rhazaghaners. "Versuch nicht, es abzustreiten, ich bemerke es schon seit längerem. Sag mir jetzt bitte offen und ehrlich, was dir fehlt."

Hastig bemühte sich Tybrang um eine erstaunte Miene, doch dann kapitulierte er und blickte beschämt zu Boden.

"Es... es ist nur dieser Raum, Indiv!" gestand er nervös. "Durch meine Arbeit auf Rhazaghan war ich es gewohnt, mich viel durch das Habitat zu bewegen. Die Vorratshaltung, das Kraftwerk, Schulungsräume... Dort gibt es auch eine große Zahl an Fenstern und Terrassen, die einen Blick in die Ferne ermöglichen. Dazu die Untätigkeit..."

Er zuckte hilflos mit den Schultern.

Der Indiv nickte mitfühlend. "Natürlich!" murmelte er. "Für dich muß dies hier kaum zu ertragen sein. "Deine Artgenossen haben ihre Gemeinschaft, während du..."

Er seufzte, dann erhob er sich mit plötzlicher Entschlossenheit.

"Komm!" forderte er ihn auf. "Wagen wir es! Drugan hat uns jetzt schon längere Zeit mit seinen Besuchen verschont, vielleicht ist er mittlerweile seinen Wächterposten leid geworden. Machen wir also einen kleinen Rundgang über das Gelände!"

Tybrang warf einen hastigen, begehrlichen Blick hinüber zur Tür, doch dann beherrschte er sich und sah er den Cardassianer zweifelnd an.

"Dort hinaus? Meinen Sie wirklich? Aber was ist, wenn Ihre Leute...?"

Luratar hob selbstbewußt lächelnd die Hand.

"Mach dir keine Gedanken! Wenn sich jemand auf diesem Planeten der Loyalität seiner Untergebenen sicher sein kann, dann bin ich es. Sie wissen, daß sie hier bei mir sicher sind, daß ich Sorge für sie trage, und dafür bringen sie mir ihr uneingeschränktes Vertrauen entgegen. Du kannst dich darauf verlassen, daß niemand außerhalb des Institutes von unserem kleinen Spaziergang erfahren wird."

Mit klopfendem Herzen folgte Tybrang dem Institutsleiter hinaus auf den Gang. Es schien ihm eine Ewigkeit her zu sein, daß er mehr als fünf Schritte getan hatte, ohne dabei kehrtmachen zu müssen. Manchmal war ihm danach zumute gewesen, einfach gegen die Wand zu laufen, nur weil er es leid war, von ihr zum Umdrehen gezwungen zu werden.

Es war ein Gefühl von unvernünftiger Leichtigkeit, neben dem Indiv herzugehen, und Tybrang empfand fast Euphorie über die Aussicht, gleich ins Freie treten zu dürfen. Gleichzeitig stellte er sich vor, wie sich noch vor wenigen Jahren Nirrit durch diese Gänge bewegt, daß sie vielleicht einige der Anwesenden gekannt und gegrüßt hatte. Es war ein Gedanke, der sie ihm auf wehmütige Weise ein Stück näher rückte.

Gemeinsam bewegten sie sich eine Treppe hinunter, während einige Entgegenkommende überrascht aufsahen, jedoch kein Wort der Kritik verloren. Sie folgten einem weiteren Gang, bogen um die Ecke, durchschritten ein breites gläsernes Portal, und Tybrang stand im Freien.

Glücklich legte er den Kopf in den Nacken und betrachtete die tiefhängenden grauen Wolken, die über den Himmel zogen. Der Indiv hatte recht gehabt, es herrschte kühles, trübes Wetter, und das Licht war zudem etwas düsterer als auf Rhazaghan, aber es war wirklich. Tybrang dachte kurz darüber nach und kam zu dem Schluß, daß die Wände seines Quartiers genaugenommen keine echte Realität besaßen. Auch er selbst hatte sich, während er von ihnen eingeschlossen war, mit jedem Tag blasser und unwirklicher gefühlt.

Der Indiv rief einem jüngeren Cardassianer, der sich auf das Nebengebäude zubewegte, ein paar Sätze zu, worauf dieser eine kurze Bestätigung von sich gab und in die entgegengesetzte Richtung eilte. Luratar legte die Hand auf Tybrangs Arm und forderte ihn mit einer Geste auf, ihm zu folgen.

"Ich habe Anweisung gegeben, den Eingang zum Institutsgelände zu beobachten. Sollte Drugan oder einer seiner Leute auftauchen, so wird man uns das augenblicklich mitteilen. Es ist nur unbedingt nötig, daß du dich an meiner Seite hältst."

Während sie sich zwischen den beiden Gebäudefronten entlang bewegten, sog der Rhazaghaner schnuppernd die Luft ein. Einige der fremden Aromen waren ihm schon in seiner Unterkunft aufgefallen, aber hier wehten sie ihm mit ihrer ganzen Intensität entgegen. Viele von ihnen waren künstlichen Ursprungs, aber es waren auch ein paar natürliche darunter, die ihm gemeinsam mit dem ungewohnten Licht bestätigten, daß er sich auf einer anderen Welt befand. Mochte sie auch die Welt des militärischen Gegners sein, so erschien sie ihm dennoch in keiner Weise böse oder erschreckend, wenn sie ihn auch daran erinnerte, daß seine eigene Heimat weit fort war.

Als sie um den Häuserblock bogen, blieb er überrascht stehen. Vor ihnen erstreckte sich ein weiter Platz und ermöglichte endlich einen Blick zum Horizont, und dort, dunstig verschwommen, erhob sich eine mächtige Gebirgskette, die sich immer weiter in die Ferne zog. Tybrang begann zu lächeln.

Der Indiv warf ihm einen erstaunten Seitenblick zu.

"Warum gehst du nicht weiter? Stimmt etwas nicht?"

"Ein Gebirge!" seufzte der Rhazaghaner leise. "In meiner Heimat gibt es auch solch ein Gebirge. Wir nennen es die Südbarriere."

"Das da vorn ist Nar-Ristal, die Erzschmiede. Inzwischen ist sie ausgebeutet, aber du hast recht, sie wirkt nach wie vor imposant. Es freut mich, daß sie dich an deinen Planeten erinnert, Tybrang!"

Sie setzten ihren Weg fort, doch der Rhazaghaner vermochte seine Augen kaum vom Anblick der Berge loszureißen. Zum ersten Mal seit seinem Erwachen auf Cardassia erschien ihm etwas ursprünglich und vertraut, und für einige Momente war es ihm, als löste sich das Institut um ihn herum auf, während das graue Massiv dort draußen immer mehr in Reichweite rückte. Dann fiel sein Blick auf ein langgestrecktes ebenerdiges Bauwerk, was ihn erneut zum Anhalten veranlaßte.

"Ist das...?" fragte er leise.

Der Indiv nickte.

"Ja, der Neubau, in dem deine Artgenossen untergebracht sind. Wir mußten natürlich ihre Bewegungsfreiheit ebenso einschränken wie die deine, aber wir haben das Gebäude in Einheiten von jeweils sechs Einzelunterkünften unterteilt, damit ihre Bewohner die Möglichkeit haben, sich auszutauschen. Mehr war leider nicht zu erreichen, weitere Erleichterungen scheiterten am Veto der Regierung."

Tybrang starrte auf den flachen Bau, der nur etwa vierzig Schritte entfernt von ihm lag. Vergessen war der neben ihm stehende Luratar, ja sogar das lockende Gebirgsmassiv verblaßte angesichts der Nähe seiner Leute. Der Rhazaghaner spürte, wie eine verzweifelte Sehnsucht nach seinen Artgenossen in ihm aufstieg und ihn im Halse würgte. Er machte eine Bewegung in Richtung des Gebäudes.

"Könnte ich..." begann er hoffnungsvoll.

Im nächsten Augenblick wurden hinter ihnen Schritte hörbar, die sich in eiligem Tempo näherten. Eine Frau rief etwas Unverständliches, aber der Tonfall ließ keinen Zweifel an der Dringlichkeit ihrer Nachricht.

Luratar drehte sich abrupt um, als auch schon eine Cardassianerin bei ihnen anhielt. Sie stieß einige aufgeregte Worte hervor, die Bestürzung im Gesicht des Indiv hervorriefen. Hastig wandte er sich dem Rhazaghaner zu.

"Drugan ist am Institutseingang eingetroffen, gemeinsam mit einem Vertreter der Regierung. Ich gehe ihnen entgegen und versuche sie abzulenken. Lauf, Tybrang, sie dürfen dich auf keinen Fall hier draußen sehen!"

Tybrang wirbelte herum und rannte den Weg entlang, den er gemeinsam mit Luratar zurückgelegt hatte. Die Frau versuchte neben ihm zu bleiben, aber sie war zu langsam, um mit dem Rhazaghaner mithalten zu können. Er erreichte den schmalen Weg zwischen den beiden Institutsblöcken, erkannte in geringer Entfernung das Eingangsportal und befand sich gleich darauf im Inneren des Gebäudes. Sein Ortsgedächtnis hatte keine Mühe, ihm den Rückweg zu seiner Unterkunft zu zeigen. Mit weiten Sätzen sprang Tybrang die Treppe hinauf, jagte durch die Gänge, während Institutsangehörige erschrocken zur Seite wichen, bis er schließlich vor der Tür des bewußten Raumes anhielt. Voller Ungeduld wartete er auf seine Begleiterin, die nach endlos langen Momenten den Gang entlanggehastet kam und nach Atem ringend das Quartier entriegelte. Der Rhazaghaner schoß ins Innere und hörte im nächsten Augenblick erleichtert, wie sich die Tür hinter ihm schloß. Dann ließ er sich mit rasendem Herzen auf seiner Bettstatt nieder, in dem Bewußtsein, wie knapp er gerade dem Unheil entronnen war. Nun blieb ihm nur noch übrig, auf den Besuch des cardassianischen Offiziers zu warten. Zumindest wußte er, daß Luratar alles unternehmen würde, um diesen vom Betreten seiner Unterkunft abzuhalten.

Er wartete lange. Das trübe Licht, welches durch das kleine Fenster fiel, wurde schwächer, und noch immer horchte Tybrang vergeblich auf die Annäherung Drugans. Zwischendurch erschien Bralis, um ihm wie immer seine Mahlzeit zu bringen, doch auf die Fragen des Rhazaghaners zuckte der Institutsdiener nur die Achseln. Dann, nach weiterem ausgedehnten Warten, verrieten langsame Schritte, daß der Indiv zu ihm unterwegs war.

Luratar trat schweigend ein und ließ sich auf einem der beiden Stühle nieder. Tybrang hatte bisher vermieden, die künstliche Beleuchtung zu aktivieren, weshalb der Gesichtsausdruck des Cardassianers nur schwer zu deuten war.

"Indiv?" fragte der Rhazaghaner nach einer Weile.

Luratar, der bislang nach vorn gebeugt dagesessen hatte, atmete auf die Ansprache tief durch und richtete sich auf.

"Wir haben Probleme, Tybrang!" sagte er langsam.

"Probleme, Indiv? Inwiefern?"

"Eigentlich hatte ich von Anfang an damit gerechnet." bekannte der Cardassianer. "Allerdings hatte ich nicht gedacht, daß es so schnell gehen würde. Ich nehme an, daß die Regierung innerhalb des Bündnisses immer massiver unter Druck gerät."

Tybrang fing an zu begreifen.

"Sie wollen Ergebnisse sehen!"

Der Indiv nickte erschöpft.

"Der Regierungsvertreter drohte mir ganz offen, unsere wissenschaftliche Arbeit durch qualifizierte Fachleute beobachten zu lassen. Es ist nicht auszudenken, was geschieht, wenn er diese Drohung wahr machen sollte."

"Gäbe es vielleicht die Möglichkeit, ihn durch Teilerfolge hinzuhalten?" versuchte Tybrang zu helfen.

Luratar hob den Kopf.

"Offen gestanden ist das die einzige Hoffnung, die ich habe. Wie detailliert ist euer medizinisches Wissen, Tybrang? Gibt es etwas, das wir als Forschungsergebnisse verkaufen könnten?"

Der Rhazaghaner sah ihn ratlos an.

"Darrab hätte Ihnen weiterhelfen können. Er ist unser erster Habitatsarzt. Leider befindet sich nicht ein einziger Mediziner unter meinen Leuten, und auch ich besitze lediglich die üblichen praktischen Kenntnisse in der Versorgung von Verwundeten. Es tut mir leid, Indiv!"

Luratar sah ihn an, und Tybrang erkannte selbst in der schwachen Beleuchtung, daß sein Gegenüber verzweifelt war.

"Wir müssen ihnen irgendetwas geben!" sagte er leise und fast flehend. "Sonst werden sie sich euch vornehmen, einen nach dem anderen."

Tybrang dachte nach, und plötzlich hatte er die Lösung. Er lächelte erleichtert. Endlich gab es etwas, das er tun konnte.

"Untersuchen Sie mich, Indiv!"

"Dich?" fragte Luratar zweifelnd. "Du meinst, wir sollen Studien an dir vornehmen?"

"Natürlich! Sie brauchen Erkenntnisse, nicht wahr? Wodurch sollte die Regierung erfahren, daß die Ergebnisse nur von einer einzigen Person stammen? Vielleicht wäre es möglich, die Werte etwas zu variieren."

Der Indiv überlegte eine Weile. Dann begann er zu nicken.

"Ja!" sagte er fest. "Ja, das ginge! Es wäre eine Möglichkeit. Allerdings muß ich dich warnen, Tybrang! Du bist kein Angehöriger unserer Spezies. Ich weiß nicht, wie du auf die bei uns üblichen Testverfahren reagieren wirst."

"Machen Sie sich keine Sorgen!" lächelte Tybrang. "Mein Volk steht in dem Ruf, sehr robust zu sein, und ich bilde da keine Ausnahme. Ich bin nur froh, wenn ich etwas für meine Leute tun kann."

Luratar schwieg einen Moment.

"Das ist ein achtbarer Beweggrund, den ich akzeptieren kann." sagte er schließlich. "Gut, Tybrang! Beginnen wir also mit unserer Zusammenarbeit!"

 
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