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Das Ende einer Ära© by Tatjana ()
Die braunen Augen blickten sichtlich desinteressiert auf das weite Meer hinaus. Dort draußen hoben sich die strahlend weißen Segel der Schiffe klar gegen das tiefe Blau des Himmels und das Grün des Meeres ab. Möwen zogen ihre Kreise und ihre schrillen Schreie waren weithin zu hören. Die Gedanken begleiteten die Schiffe aus ihrem Weg in ferne Länder, hinaus auf die unendliche Weite des Meeres - hinaus in die Freiheit. Seit 8 Jahren lebte Methos nun schon als Methopholus in diesem beschaulichen kleinen Städtchen in Griechenland. Er hatte die Horsemen verlassen und seine Freunde hier hatten ihm den Zugang zur hiesigen Gesellschaft ermöglicht. Er hatte es als angenehme Ablenkung empfunden, seine Intelligenz mal nicht im Dienst von Terror und Tod zu nutzen, sondern einfach nur dazu, sich eine ordentliche Position zu erarbeiten. Eine Position, die seinem Ego schmeichelte, und eine, die es ihm ermöglichen würde, mit Kronos und seinen Vasallen fertig zu werden, sollten sie hier auftauchen. Und sie kamen garantiert, da war Methos sich sicher! Nachts lag er wach, seine Gedanken kreisten dann unablässig um dieses schier unlösbare Problem. Was sollte er nur tun? Er könnte sich Kronos stellen, ihn herausfordern, aber wollte er das wirklich? Methos war sich selber ehrlich gegenüber: Nein, das wollte er nicht! Wenn es nach ihm ginge, würde er Kronos sagen, was ihn dazu bewogen hatte mit den Brüdern zu brechen, und dann würden sie alle ihre eigenen Wege gehen und tun und lassen, wonach ihnen der Sinn stand. Ein Seufzen entrang sich schwer seiner Brust. Leider ging es nicht nach ihm und er war sich nicht sicher, ob er dem Verführer Kronos widerstehen konnte. Kronos konnte so überzeugend wirken, als würde er Geist und Seele mit seiner Stimme, mit seinen Worten gefangen nehmen, daß man gar nicht anders konnte, als ihm zu folgen. Ein Schauer rann Methos den Rücken runter und verstohlen hob er die breiten Schultern, die er dann langsam wieder sinken ließ. Hinter sich hörte er die nicht enden wollenden Tiraden seines Beraters. Freiheit.... Methos hatte gedacht, mit dieser einflußreichen Position hätte er auch endlich seine persönliche Freiheit erworben, und den Seelenfrieden, den er sich so sehr wünschte. Und dann... Tja, und dann hatte ihm sein Berater eröffnet, daß er heiraten müßte, wollte er seine Macht noch untermauern. Na wunderbar, das hatte Methos noch zu seinem Glück gefehlt: ein schnatterndes Weib, das ihn nervte, von einem Fest zum nächsten schleppte und unentwegt Ansprüche an ihn stellte! Methos war wenig begeistert von diesem Einfall und machte auch keinen Hehl aus seiner Unlust zur Ehe. Wenn er weibliche Gesellschaft brauchte, ließ er sich eine der besseren Huren von Lycos kommen. Der unbestreitbare Vorteil hierbei war, daß sie wieder verschwanden, wenn man genug von ihnen hatte. Eine Ehefrau.... Nun, sein Berater, Nimbus, hatte sich der Sache angenommen und sich auf die Suche nach einer möglichst passenden Gemahlin für seinen Arbeitgeber begeben. Und er war fündig geworden. Ein Mädchen aus angesehenem Haus, gesegnet mit einer stattlichen Mitgift,... Heute sollte sie eintreffen, um die letzten Tage bis zu ihrer Hochzeit damit zu verbringen, sich den Hausstand ihres Zukünftigen anzusehen und nach eigenen Wünschen umzuorganisieren. Und Nimbus redete und redete... Von den Vorteilen dieser Verbindung, von den Annehmlichkeiten der Ehe... "Du bist doch gar nicht verheiratet, Nimbus!" unterbrach Methos den anderen und lächelte flüchtig. "Wie kannst du da von Annehmlichkeiten reden?" Nimbus machte eine großartige Handbewegung, seine untersetzte Figur wabbelte vor Aufregung. "Das, Herr, tut nichts zur Sache. Wären sonst so viele Menschen verheiratet?" Grinsend gestand Methos sich ein, daß diese Antwort nicht einer gewissen Logik entbehrte. "Ist sie hübsch?" fragte er dann ganz unvermittelt. Nimbus wand sich verlegen. "Solange sie den Haushalt verwaltet und dir gesunde Kinder schenkt, ist es nicht wichtig, wie sie aussieht." Methos' Augen funkelten zornig, als er heftig herumfuhr. "Was heißt das im einzelnen?" verlangte er scharf zu wissen. Nimbus wurde noch etwas kleiner. "Ich habe sie nicht gesehen." gab er kleinlaut zu. "Aber ihre Mitgift wird es dir ermöglichen, deinen Einfluß zu vergrößern und..." "Selbst wenn meine Braut so häßlich sein sollte, daß selbst das gebrannte Geschirr bei ihrem Anblick zerspringt! Wolltest du das sagen?" Methos seufzte. Innerlich hatte er sich schon damit abgefunden, heiraten zu müssen. Trotzdem hätte er sich gewünscht, eine Braut zu bekommen, die ihn nicht abstieß, sondern deren Aussehen seinen Augen schmeichelte. Aber wahrscheinlich war dieser Wunsch unerfüllbar!? Seine Gedanken schweiften ab. Es war noch gar nicht so lange her, da hat er sich seine Gefährtinnen selber aussuchen können. Normalerweise waren sie immer sehr hübsch gewesen, nicht zu jung und leidlich willig. Manchmal hatte er ihrem Gehorsam nachhelfen müssen, doch meistens hatte ihre Angst sie ihm schon von selber in die Hände gespielt. Die Angst vor ihm und die Angst vor dem Tod, obwohl Methos sich heute nicht mehr sicher war, welches von beiden das schlimmere Übel war. Die Erinnerungen daran quälten ihn, wenn das Gefühl der Macht, die sie beinhalteten, auch verführerisch war. Über Hunderte von Jahren hatte er dieses Gefühl genossen: seinen Willen dem der Götter gleichzusetzen, über Leben und Tod ganzer Völker zu entscheiden und sich dem Rausch seiner Gewalt hinzugeben. Niemand hatte es gewagt, ihm etwas anzutragen, das er nicht ausdrücklich verlangt hatte. Niemand hätte ihn dazu bringen können, etwas zu tun, was er nicht wirklich wollte. Kronos hatte ihn immer wieder ermuntert, seine Gefühle auszuleben. Wie einfach war das Leben mit ihm doch gewesen!? Ein sehnsüchtiges Ziehen machte sich in Methos' Bauch breit und erschrocken zuckte der Unsterbliche zusammen. Wie konnte er nur in Erwägung ziehen, wieder zurückzukehren und sein altes Leben wieder aufzunehmen? Weil es einfacher wäre, als sich durch jeden neuen Tag zu kämpfen? Weil ihn die Vorstellung der eigenen, uneingeschränkten Macht erregte? Weil er das berauschende Gefühl vermißte, wenn Kronos die Jagd für eröffnet erklärt hatte? Ein eisiger Schauer rann ihm durch die Adern. Es war vorbei, ein für alle Mal! Die Zeiten änderten sich, die Welt veränderte sich und in dieser neuen Welt war kein Platz mehr für die Reiter des Bösen. Sie nahmen sich wie Schatten einer längst vergangenen Zeit aus, und Methos wollte Geschichte schreiben, nicht sein! Und dennoch... es fiel schwer, das vertraute Gefühl von Wut und die dazugehörige Lust sich abzureagieren zu ignorieren und sich wieder auf Nimbus zu konzentrieren, der immer noch wie ein Wasserfall redete. Nimbus mochte ein Schwätzer sein, aber er war seinem Wohltäter treu ergeben, und er sah mit Besorgnis, wie sich für Augenblicke die Miene Methopholus' veränderte. Sie wurde starr wie eine Maske, die Augen schmal und kalt. Nimbus schob es darauf, daß Methopholus nicht allzu glücklich mit seinem Los war. Verständlich, heute würde die Frau eintreffen, mit der er Jahre seines Lebens verbringen würde und er hatte keine Ahnung, wie und wer sie war. Nimbus ließ großzügig außer Acht, daß eine beachtliche Menge Geld in seine eigene Tasche geflossen war, um seine Entscheidung zugunsten der Tochter des Hirastes ausfallen zu lassen. Hirastes hatte alle Götter beschworen, daß weder Nimbus noch Methopholus diese Entscheidung bereuen würden, aber so ganz überzeugt war der kleine Mann nicht. Vielleicht war Estrach ja wirklich häßlich und ihre Eltern froh, sie unbesehen unter die Haube zu bringen? Achselzuckend verwarf er diese Gedanken wieder. Ihm war es gleich, er müßte nicht Tisch und Bett mit ihr teilen. Der erste Sklave unterbrach die beiden Männer in ihren Gedankengängen, indem er respektvoll die weitläufige Terrasse betrat und sich leicht verneigte. "Hirastes ist mit seiner Tochter und dem Brautzug eingetroffen, Master." teilte er mit gedämpfter Stimme mit. Methos nickte flüchtig, sandte noch einmal einen sehnsüchtigen Blick aufs Meer hinaus und ging dann, um seiner Braut und ihren Vater zu begrüßen.
Hirastes war ein hochgewachsener, hagerer Mann, dessen Gesicht man ansehen konnte, daß er in seinem Leben nicht viel gelacht hatte. Die verkniffenen Linien um Mund, Nase und Augen sprachen Bände. Er trug eine weiße Tunika und Sandalen, dazu einen purpurnen Mantel, der an den Rändern mit Gold abgesetzt war. Die schweren Ringe an den Fingern protzten förmlich vor Reichtum, ebenso wie der übertrieben pompöse Brautzug. Ein Schritt hinter Hirastes stand die Braut, von Kopf bis Fuß eingehüllt, so daß kein Sonnenstrahl ihre Haut traf. Methos runzelte die Stirn, besann sich aber auf seine Pflichten seinen Gästen gegenüber und trat den Neuankömmlingen mit freundlichem Lächeln entgegen. "Ich freue mich, euch in meinem Haus willkommen zu heißen. Ich hoffe, ihr werdet alles zu eurer Zufriedenheit vorfinden. - Ansonsten sind meine Sklaven angehalten, jeden geäußerten Wunsch sofort zu erfüllen." Hochmütig begegnete Hirastes dem Blick des zukünftigen Mannes seiner Tochter. "Es wäre wohl auch zuviel verlangt, daß sich der Präfekt selber um das Wohlergehen seiner Braut kümmert, nicht wahr!?" entgegnete er frostig. "Wir können den Göttern auf Knien dafür danken, daß sie uns Sklaven gaben!" Für den Bruchteil einer Sekunde verengten sich Methos' Augen zu schmalen Schlitzen, dann wandte er sich liebenswürdig an die verhüllte Gestalt, indem er beide Hände ausstreckte, um wenigstens ihre Hände zu sehen, aber Hirastes versperrte ihm mit einem Schritt zur Seite den Weg. "Es ist der Wunsch ihrer Mutter, daß sie bis zu ihrer Brautnacht vor den Augen der Welt verhüllt bleibt!" schnappte er bissig. Ernüchtert trat Methos wieder zurück. "Nun denn, wenn das ihr ausdrücklicher Wunsch ist... So werde ich mich beugen. Auch wenn ich diese Entscheidung nur schwer akzeptieren kann", schloß er mit einem Neigen des Kopfes in Richtung Braut hin. "Ich würde zu gerne noch mit euch plaudern, aber ich fürchte, die weite Reise hat euch erschöpft. Zudem muß ich zum Senat... Ich sehe euch zum Abendessen." Damit ging Methos und überließ es seinen Sklaven, sich um alles weitere zu kümmern. "Was für ein Ekel!" schimpfte Methos, als er mit Nimbus zum Senat ging. Beflissen nickte der kleine dicke Berater. "Doch denk nur immer daran, was für einen Gewinn sie dir bringen wird! Es ist alle Mal wert, Hirastes ein paar Tage zu ertragen, glaub mir." "Ja, wahrscheinlich hast du recht", murmelte Methos seufzend, dann hatten sie das Senatsgebäude auch schon erreicht und sofort war der Unsterbliche von Männern umringt und alle redeten auf ihn ein...
"Ich will ehrlich zu dir sein, Methopholus: du bist nicht derjenige, den ich mir für meine Tochter gewünscht hätte. Viel zu alt für sie!" Oh, wie recht du doch hast!, dachte Methos boshaft, hörte Hirastes aber mit ungeteiltem Interesse zu. "Der einzige Grund für diese Verbindung ist deine Position im Senat. - Obwohl ich sicher bin, daß du sie mit deiner Politik nicht lange wirst halten können und sie dich bald mit Schimpf und Schande aus der Stadt jagen. Oder Estrach zur Witwe machen." "Zu einer sehr reichen Witwe, meinst du wohl!?" warf Methos gelangweilt ein. Die beiden Männer saßen sich auf Kissen gestützt gegenüber. Methos war versöhnlich gewesen, als er heimkehrte, hatte sich auf ein Abendessen in angenehmer Atmosphäre gefreut. Doch statt neben Plaudereien mit Estrach hatte Hirastes ihn wissen lassen, daß seine Tochter ihr Essen in ihren Gemächern einnehmen werde. Das Essen war in eisigem Schweigen verlaufen, bis Hirastes sich zurücklehnte und seinen Schwiegersohn feindselig musterte. Verächtlich wischte Hirastes mit der Hand durch die Luft, als wollte er Methos' Einwand wegwedeln. "Das wenige, das du dein eigen nennst, ist wohl kaum der Erwähnung wert, Methophous! Aber als die Witwe des Präfekten könnte sie wieder einen Mann finden, der sie nimmt." "Die Gefühle, die du für deine Tochter hegst, überwältigen mich, Hirastes!" spottete Methos verächtlich. "Wie wäre es wohl, wenn sie bei dir in Ungnade fällt?" Der alternde Kaufmann schnaufte ärgerlich. "Meine Tochter bedeutet mir sehr viel!" "Sicher." Methos ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Schon beim ersten Satz des Kaufmanns hatte er seine letzten Hoffnungen auf einen kurzweiligen Abend aufgegeben. - Er hatte keine Lust, sich zu ärgern. "Hoffentlich ist dir schon aufgefallen, daß es sich bei deiner Tochter um einen Menschen handelt und nicht um ein Stück Vieh, das du nach Belieben hin und her schieben kannst?" Erzürnt über diese ungehobelte Frechheit stand Hirastes auf und ging einfach. Schweigend und ohne Methos noch einmal einen Blick zu schenken. Grinsend sah Methos ihm hinterher, bevor er sich dem Wein zuwandte und in düstere Gedanken versank.
Es war schon sehr spät, als Methos aus seinen Gedanken hochschreckte. Sein Körper spannte sich und angestrengt lauschte er in die laue Nacht hinaus. War da nicht eben ein Geräusch gewesen? Neugierig geworden erhob er sich lautlos und schlich hinaus. Zu gerne hätte er gewußt, wer da nachts durch sein Haus schlich und sich soviel Mühe gab, nicht entdeckt zu werden. Er lauschte kurz, dann wandte er sich in Richtung Terrasse. Dort angekommen verharrte er im schützenden Schatten der Rosenbüsche, die sein Mentor extra für ihn hatte importieren lassen, und beobachtete nicht wenig verwundert das Bild, das sich ihm bot: ein Mädchen, im schlichten Gewand der Haussklaven, stand an der Brüstung. Sie blickte aufs Meer hinaus und schluchzte krampfhaft unterdrückt. Ein prüfender Blick glitt über sie: dieses Mädchen war keine seiner Sklavinnen, also mußte sie folgerichtig zu Estrachs Gefolge gehören. Ein anmutiges Kind mit schlanken Gliedmaßen, die perfekt zu ihrer zierlichen Erscheinung paßten. Ihr Haar lag wie eine dunkle Flut auf den schmalen Schultern und floß von dort aus offen über den Rücken. Methos war entzückt von ihr und ganz leise näherte er sich ihr, um sie nicht zu erschrecken. "Eigentlich ist dies ein Ort, an dem die Menschen glücklich sein sollten. Weshalb weinst du, Mädchen?" sprach er sie leise an. Erschrocken zuckte sie zusammen und drehte sich dann hastig weg, ängstlich darauf bedacht, ihn nicht anzusehen. Sanft faßte Methos sie bei den Schultern und drehte sie wieder um. Verblüfft sah er in eines der hübschesten Gesichter, die er je gesehen hatte: ein schmales, ovales Gesicht, dessen Haut wie Samt schimmerte. Lange dunkle Wimpern hatten sich schamhaft auf die Wangenknochen gesenkt, die Lippen - die aussahen wie gemalt - zuckten verhalten. Diese Wimpern, die leicht geschwungenen Augenbrauen, diese Lippen.... Methos fragte sich unwillkürlich, wo die Kleine wohl herkam. Ihr Aussehen wirkte hier exotisch und trotzdem entsprach sie nicht dem gängigen Schönheitsideal. Methos fühlte Mitleid mit der Kleinen in sich aufsteigen und einer plötzlichen Eingebung folgend hob er die Hand und streichelte ihr eine Träne von der Wange. Heftig zuckte es unter seiner Hand, aber sie wagte es nicht, sich ihm zu entziehen. "Hör auf zu weinen", bat er sie sanft, ohne auch nur einen Blick von ihrem Gesicht zu wenden. "Deine Herrin wird es bestimmt nicht gerne sehen, wenn du unglücklich bist." Schniefend holte sie Luft. "Ich fürchte, ich würde mehr meinen Herrn erzürnen als die Herrin", stieß sie atemlos hervor. Fasziniert lauschte Methos dem Klang ihrer Stimme, die weich und süß war. Dann erst registrierte er den Sinn ihrer Worte und seine Schultern sackten zusammen. So war das also! Offensichtlich war sie eine Lustsklavin von Hirastes. - Obwohl sie gar nicht so aussah. Fast hatte es den Anschein, als würde ihr in diesem Moment bewußt werden, was ihr fremdes Gegenüber von ihr denken mußte, und erfreut sah Methos, wie sie errötete. "Ich... ich kenne ihn nicht, aber er muß ein guter Mann sein, denn ich hörte, wie er für mich eintrat." stammelte sie und es kam Methos vor, als würde sie unter seinen Händen - die immer noch auf ihren Schultern ruhten - immer kleiner werden. Dann stutzte er. Nur langsam dämmerte ihm die Erkenntnis: "Du bist Estrach???" Diese Offenbarung mußte Methos erst mal verarbeiten. Er ließ sie los und lehnte sich schwer gegen die steinerne Brüstung der Terrasse. Estrach... Das Mädchen war zu Tode erschrocken über die Reaktion ihres Gesprächspartners und als er sich nun anlehnte, lief sie an ihm vorbei, um wieder in ihre Gemächer zu gelangen. Leichtfüßig eilte sie davon, bis Methos sich gefangen hatte und sie anrief: "Warte!... Bitte..." Zögernd blieb sie stehen, drehte sich aber nicht um. Methos hatte sich von seiner Überraschung erholt. Er hatte eine ältliche Jungfrau erwartet, deren Aussehen ihn abstieß und deren unterwürfiges Wesen ihn in den Wahnsinn trieb. Weshalb sonst gaben sich ihre Eltern so viel Mühe, Estrach vor der Welt zu verbergen? Und nun stand vor ihm die lebendige Ausgabe seiner heimlichen Träume, und er benahm sich wie ein ausgemachter Idiot! "Estrach... Bitte geh noch nicht!" Wie fröstelnd zog das Mädchen die Schultern hoch. Noch nie hatte jemand so ihren Namen gesagt! Es klang wie ein zärtliches Streicheln, wie eine liebevolle Umarmung, und gab ihr fast augenblicklich ein nahezu blindes Vertrauen ihrem zukünftigen Mann gegenüber. Nur ein wirklich guter Mann konnte eine so wundervolle Stimme haben! Bittend streckte Methos eine Hand aus. "Bitte... Ich würde mich gerne noch etwas mit dir unterhalten." Noch immer regte sie sich nicht. "Es würde mir sehr viel bedeuten", setzte Methos seinen Worten noch einen drauf. Jetzt endlich drehte sie sich um und ihre großen Augen sahen den Unsterblichen ängstlich an. Methos beugte sich vor und hielt ihr weiterhin einladend seine Hand hin und lächelte sie freundlich an. Estrach lächelte scheu und nahm sie vorsichtig. Fest schlossen sich Methos' kräftige Finger um die kleine Hand und die Wärme, die er ausstrahlte, gaben dem verschüchterten Ding Sicherheit. Sanft zog Methos Estrach neben sich an die Brüstung und hob sie spielerisch hinauf. Lächelnd betrachtete er sie eine Zeit lang schweigend und war überrascht, als sie die Stille mit einem kleinen nervösen Lachen beendete: "Bist du... Bist du sehr enttäuscht?" Der Unsterbliche schüttelte langsam den Kopf. Er strich ihr andächtig über die Wange und erwiderte ehrlich: "Du bist die schönste Frau, die ich jemals gesehen habe, Estrach." Es flackerte in ihren dunklen Augen. "Meinst du das ehrlich?" stotterte sie verwirrt. Methos nickte ernst. "Ja.... Wieso bist du so traurig? Ist etwas nicht zu deiner Zufriedenheit?" Errötend senkte sich der dichte Wimpernkranz auf die Wangen. "Estrach..." Methos nahm ihr Gesicht in beide Hände und hob es an. "... Ich möchte, daß du glücklich bist. Wenn es also etwas gibt, daß dich traurig macht, dann sag es mir. Ich werde alles tun, damit es nie mehr vorkommt", drängte er leise. Eine neue Träne rollte verstohlen über ihre Wange. "Ich schäme mich so furchtbar!" Sie war kaum zu verstehen, so leise hauchte sie ihre Worte. "Weshalb?" "Meine Eltern... Ihr Verhalten dir gegenüber und... Bitte, darf ich dir eine Frage stellen?" "Bitte." "Ich hörte, wie du... wie du für mich eingetreten bist, obwohl du mich nicht kanntest..." "Findest du das falsch?" Methos strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hinter das Ohr. "Ich... ich weiß nicht... ich... Du verwirrst mich..." Methos lachte leise und wie gebannt hörte Estrach ihm zu. Für sie klang dieses Lachen wie das wunderschönste Geräusch, das sie jemals gehört hatte. "Hast du Angst vor mir?" neckte der Unsterbliche seine Braut gutgelaunt, seine Lippen näherten sich den ihren. Verwirrt sah Estrach ihm dabei zu. "Nein", flüsterte sie. "Ich habe keine Angst vor dir." "Du machst mich sehr glücklich damit." Sofort, als Methos' Lippen ihre weichen berührten, wußte er, daß noch nie jemand zuvor diese Lippen geküßt hatte. Estrach war offensichtlich vollkommen unberührt, allein ihre Unbeholfenheit, mit der sie seines Kusses harrte, sprach für sich und erregte ihn. Ganz sanft legte er seine Arme um den zerbrechlich wirkenden Körper und ließ ihn leicht zurücksinken, so daß sie in ihnen lag. Zärtlich drängte sich seine Zunge in ihren Mund und erforschten die aufregende, süße Wärme, die sich ihm bot. Spielerisch stupste er ihre Zunge und forderte sie zum Mitmachen auf. Seine rechte Hand streichelte über ihre nackte Schulter, über die empfindsame Haut am Hals und als sie einen kleinen Laut von sich gab, öffnete er die Augen. Estrach hatte ihre geschlossen, vom Ausschnitt an aufwärts war ihre Haut gerötet und siedend heiß; sie keuchte etwas, als er von ihr abließ, und Methos mußte sie halten, damit sie nicht fiel, so hatte dieser Kuß sie aus der Bahn geworfen. Methos bettete ihren Kopf an seiner Brust und hielt sie einfach nur fest, bis sie sich beruhigt hatte. Über Estrachs Kopf hinweg blickte er auf das glitzernde Meer hinaus, in dem sich der Mond spiegelte. - Er lächelte. Methos hatte ein verdammt gutes Gefühl für die Zukunft! Über 3000 Jahre hinweg hatte er seine Menschenkenntnis schon perfektioniert und glaubte, ihr blind vertrauen zu können; und eben diese Menschenkenntnis sagte ihm, daß Estrach die Frau war, mit der er viele glückliche Jahre verbringen würde, wenn man ihn ließ. Es gab ja so vieles, das er ihr beizubringen hatte; so vieles, das er über sie erfahren wollte. Sie war so süß! Es wäre noch ein gutes Stück Arbeit, aus ihr die Frau zu machen, die selbstbewußt an seiner Seite repräsentierte und seinem Status gerecht wurde, aber er war guter Hoffnung. Durch seine Tunika fühlte er ihren fliegenden Atem, spürte ihren Herzschlag, der raste, als wollte er sich nie wieder beruhigen. Sanft streichelte er ihr über das Haar.
Estrach wußte gar nicht, wie ihr geschah. Dieser Kuß.... Genauso mußte es sein; ihre Sklavinnen hatten manchmal davon hinter vorgehaltener Hand kichernd erzählt. Aber nie, nie!, hatten sie gesagt, daß einem davon so schwindelig wurde, daß man glaubte, ohnmächtig zu werden, - und daß es so glücklich machte! Zuerst hatte sie sich ja gefürchtet vor dem Fremden, den sie zum Mann nehmen sollte. Estrach hatte ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Sklaven und die hatten ihr gesagt, was sie wissen wollte: daß ihr Zukünftiger Präfekt in angesehener Position war, daß dies der einzige Grund für ihre Vermählung war, daß er angeblich so gut aussah, daß alle Frauen ihm zu Füßen lagen, und daß er weit weg lebte, am Meer. Sie wußte, daß sie für die Menschen hier nicht einmal als hübsch galt und war sich sicher, daß sie dankbar sein mußte, daß jemand - und sei es einer wie Methopholus - sie unbesehen zum Weib nahm. - Immerhin hatte ihre Mutter es ihr oft genug gesagt! Und dann hatte sie ihn gesehen und oh ja!, er sah wirklich unglaublich gut aus! Und er war so... so... Ihr fehlten die Worte um auszudrücken, was sie empfand, alles was ihr einfiel erschien ihr nichtssagend oder unzüchtig, daß sie lieber schwieg und diese Umarmung genoß. Sie lauschte dem regelmäßigen, kräftigen Schlag seines Herzens, sog seinen Duft tief ein und prägte ihn sich genauestens ein, damit sie ihn auch nie wieder vergessen könnte. Ihr kindliches Herz hatte sich für Methopholus weit geöffnet, auch wenn er es noch nicht wußte. "Es ist schon spät, ich muß gehen. Wenn sie merken, daß ich mich fortgeschlichen habe, werden sie sicher furchtbar wütend sein." Vorsichtig stemmte Estrach sich gegen seinen Griff und nur widerwillig ließ Methos sie los. Er wußte, daß sie recht hatte und wollte nicht, daß Hirastes sie für ihren Ungehorsam bestrafte. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und sah ihr tief in die Augen. "Versprich mir, daß wir uns wiedersehen!" bedrängte er sie. "Morgen Abend. Hier. Ich warte auf dich." Noch einmal berührte er ihre Lippen mit seinen. Estrach war sich gar nicht bewußt, daß sie selig lächelte, als er sie los ließ. "Ich werde hier sein, Master!" wisperte sie, dann drehte sie sich um und eilte lautlos davon. Mit einem versonnenen Lächeln sah Methos ihr nach.
"Du siehst so glücklich aus, Herrin. Hattest du schöne Träume?" Anaïs, Estrachs Leibsklavin, stand hinter dem Mädchen und bürstete das lange Haar ihrer jungen Herrin mit langen, gleichmäßigen Bewegungen, damit es schön glänzte. Sie gehörte zu dem kleinen eingeschworenen Kreis um Estrach, die in ihrem Leben nur ihr gedient hatte und der an dem bedauernswerten Mädchen mit zärtlicher Liebe hing. Estrach hatte fast ihr ganzes Leben nur in Gegenwart von Sklaven zugebracht und stand den Bediensteten gefühlsmäßig näher als den eigenen Eltern und Geschwistern; und dieses innige Verhältnis aus Vertrauen und Freundschaft erlaubte es der handvoll Sklaven mit Estrach wie mit ihresgleichen zu reden. Estrach hatte soeben ihren 14. Geburtstag hinter sich gebracht, aber so glücklich... Anaïs mußte lange überlegen, bis ihr eine Gelegenheit einfiel, bei der Estrach einmal glücklich gelächelt hatte. Doch niemals hatten ihre Augen dabei so geleuchtet, war ihr Lächeln so weich und träumerisch gewesen wie an diesem Morgen. Was mußte sie wohl für einen wunderschönen Traum gehabt haben? "Ja, es war wunderschön." Estrach lächelte verträumt. Rena, die blonde Sklavin aus dem kühlen Norden, tänzelte herein, auf ihrem Arm trug sie das heutige Gewand der kleinen Herrin. "Wenn ihr mich fragt, lächelt so nur ein Mädchen, das sich verliebt hat", lachte sie den schon Anwesenden fröhlich zu. Anaïs wollte Rena schon für ihre Worte ausschimpfen, da bemerkte sie, wie Estrach über und über errötete. Neugierig geworden hockten sich die jungen Sklavinnen vor ihre Herrin und warteten sensationslüstern auf die Dinge, die Estrach ihnen zu erzählen hatte. "Erzähl!" forderten sie einstimmig ihre Herrin auf. Bevor Estrach es überhaupt in Erwägung zog, ihr Geheimnis den Freundinnen anzuvertrauen, vergewisserte sie sich, daß niemand sie belauschte, dann beugte sie sich vor. "Ich habe ihn gesehen!" wisperte sie verschwörerisch. "Wen?" "Methopholus!" "Oh!" "Ah!" Die Augen der Mädchen wurden rund vor Staunen und glänzten neugierig. Nein, so was!... "Hast du mit ihm gesprochen?" Rena rutschte näher heran, sie hing mit den Augen förmlich an den Lippen Estrachs. Diese zögerte kurz. "Er hat mich geküßt!" hauchte sie dann und das Glück, das sie empfand, stand ihr ins Gesicht geschrieben. "Oh, wie schön!" "Das ist ja wunderbar!" Rena und Anaïs freuten sich wirklich mit ihrer Herrin. "Sag schon: wie ist er? Was hat er gesagt? Magst du ihn?" Viele Fragen stürmten auf Estrach ein, so daß die kaum wußte, wo ihr der Kopf stand. Es drängte sie, sich den einzigen Freundinnen anzuvertrauen, die sie hatte. Sie würden sie verstehen und nicht als töricht verurteilen. Sie freuten sich mit ihr und das bedeutete dem Mädchen sehr viel. "Er ist.... Ich glaube, er ist einfach der wunderbarste Mann, der lebt. Ich war auf der Terrasse und dann kam er und wir haben uns unterhalten... Er ist so... Ich weiß nicht, wie ich ihn beschreiben könnte... Er ist klug und furchtbar nett und als..." Hier senkte Estrachs Stimme sich noch weiter. "... er mich geküßt hat, war mir, als müßte ich ohnmächtig werden!" Eine leichte Röte überzog ihren Hals, während sie verlegen an ihrem Gewand nestelte. "Ist es immer so, daß einem ganz heiß dabei wird und es überall kribbelt?" fragte sie kaum hörbar. Die beiden Sklavinnen wechselten einen wissenden Blick, sie rutschten noch näher zusammen und zogen Estrach zu sich auf den Boden. "So, Herrin, ist es nur, wenn man sich Hals über Kopf verliebt hat", belehrte Rena kichernd das Mädchen und Anaïs nickte kichernd. "Und? Hat er dich im Arm gehalten? Sind sie stark?" Estrach verdrehte sie Augen und mit den Händen zeigte sie, wie umfangreich Methopholus' Oberarme waren. "Er muß stark wie Odysseus sein!" schwärmte sie und mußte es sich gefallen lassen, daß die beiden anderen sie herzlich auslachten. Sie steckten die Köpfe zusammen und kicherten ausgelassen und tuschelten aufgeregt.
"Estrach!!!" Die strenge Stimme Hirastes' ließ die Mädchen erschrocken auseinanderfahren. Schuldbewußt warteten drei gesenkte Mädchenhäupter auf die Schelte, die unweigerlich kommen würde. Hirastes betrachtete die drei aufs höchste verärgert. Estrachs vertraulicher Umgang mit den Sklaven war ihm ein stetes Ärgernis seit er mit ihr Mykonos verlassen hatte. Offenbar glaubte seine naive Tochter, die Sklaven seien mit den gleichen Rechten ausgestattet wie sie selber!? Wenn es nach ihm ginge, würde er die beiden Sklavinnen wieder mit nach Hause nehmen, um sie dort als Huren zu verkaufen. Aber zu seinem noch größeren Ärgernis gehörten Rena und Anaïs zur Mitgift seiner Tochter und ihm waren somit die Hände gebunden. Verärgert betrachtete Hirastes Estrach eingehend: sie trug immer noch ihr Schlafgewand, war halb gekämmt und ihre Wangen waren gerötet. Bei den Göttern, wieso mußte sie die Unvorteilhaftigkeit ihrer Erscheinung noch unterstreichen anstatt sich Mühe zu geben, wenigstens durch züchtige Zurückhaltung Anlaß zu geben, sie zum Weib zu nehmen? Ah, dieses Kind war unmöglich! "Wie siehst du aus?" schimpfte der Kaufmann ungehalten und zupfte mit spitzen Fingern an Estrachs Gewand herum; er ließ keinen Zweifel aufkommen, was er darüber dachte. "Kannst du nicht wenigstens versuchen, dich wie eine Ehefrau zu benehmen? Ich schäme mich für dich! Seht zu, daß Estrach geziemend aussieht!" blaffte er weiter und wandte sich dann wieder zum Gehen. "Vater?" ungnädig drehte Hirastes sich noch einmal um. "Was?" "Werde ich mit dir und Methopholus essen?" Der anzügliche Blick, der über Estrach glitt, sagte mehr als tausend Worte und betrübt senkte die junge Braut weiter ihren Kopf und deutete eine leichte Verbeugung an: die Geste, mit der Sklaven ihrem Herrn bedeuteten, daß sie ihre Befehle verstanden hatten. Rena und Anaïs hielten den Atem an. Wußte Estrach um die Anmaßung ihrer Geste? Hirastes hatte es noch nicht einmal bemerkt, er war schon hinaus. "Was immer du sagst, Master!" stieß Estrach hervor, ihre Stimme zitterte, Tränen rannen ihr über die Wangen. Tröstend schlang Anaïs ihre Arme um die schmalen Schultern ihrer gleichaltrigen Herrin und schmiegte ihre Wange an die der anderen. "Nicht weinen, Herrin. Bitte, hör auf", bat sie zärtlich und streichelte unbeholfen die nackten Oberarme Estrachs. Rena zuckte verächtlich die Schultern, schwieg aber. Wenn irgendjemand ihre lästerlichen Worte über den Vater ihrer Herrin hören und weitertragen würde, würde es ihr schlecht ergehen. Der Tod würde ihr dann noch wie ein göttlicher Segen vorkommen, das wußte sie. Es klopfte an den hohen Flügeltüren und Rena ging um zu öffnen, während Anaïs Estrach mit sich fort führte, um ihr beim Ankleiden behilflich zu sein. Als Rena zurückkam, trug sie einen riesigen Korb voller Blumen vor sich her. "Herrin? Diesen Korb schickt dir Methopholus mit seinem aufrichtigen Bedauern, daß ihr nicht gemeinsam das Essen einnehmt", verkündete sie voll atemlosen Staunen ob so viel opulenter Pracht. Verwundert drehte Estrach sich um und entzückt nahm sie eine der schneeweißen Rosen in die Hand und schnupperte daran. Ein wenig neidisch sahen die beiden Sklavinnen das glückliche Lächeln der Braut, deren Augen hell strahlten. "Ich werde ihn wiedersehen!" flüsterte Estrach aufgeregt. "Heute Nacht! Versprecht mir, daß ihr mich nicht verratet!" "Herrin, ist das klug?" fragte Anaïs ängstlich. "Du Gans!" schalt Rena ärgerlich, und dann zu Estrach gewandt: "Du kannst uns - wie immer - vertrauen!" Dankbar warf Estrach ihren Freundinnen ein Lächeln zu.
An Methos tröpfelte ein endlos langer Tag zäh vorbei: unfruchtbare Diskussionen im Senat, ausgesuchte Höflichkeiten von Hirastes, der ohne Umschweife seine Antipathie Methos gegenüber Luft machte und zwischendurch die nicht enden wollenden Tiraden von Nimbus, der immer noch sein Bestes tat, um Methopholus die Ehe schmackhaft zu machen. Mit einem kleinen Schmunzeln dachte der Unsterbliche daran, daß Nimbus' Bemühungen vergebens waren. Immer öfter ertappte Methos sich dabei, daß er an Estrach dachte. Dann rief er sich ihr Gesicht ins Gedächtnis zurück und dachte an ihre Stimme, fühlte wieder ihren leichten Körper in seinen Armen und ihren ersten, süßen Kuß. Dann kroch ihm eine Gänsehaut über den Rücken und es zog erregend in der Leistengegend, das unerträgliche Sehnen in ihm wurde dann stärker und machte es ihm fast unerträglich, sich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren. Heute Nacht... Er freute sich, Estrach wiederzusehen, mit ihr zu plaudern, sie vielleicht noch einmal zu küssen, wenn er das kleine, zarte Persönchen damit nicht allzu sehr erschreckte. Der Präfekt lächelte versonnen. Estrach... Ob sie sich über sein bescheidenes Geschenk freute? Er hatte eine Auswahl der schönsten Blumen aus seinen Gärten schneiden lassen, im jungfräulichen Weiß, um seine Braut zu ehren. Rosen, Orchideen, Lilien, Jasmin... Alles wunderschöne Blüten, die durch ihre Schönheit und ihren Duft bestachen und Estrach zeigen sollten, daß er sie nicht vergessen hatte. Die braunen Augen des Mannes wurden schmal, als er boshaft daran dachte, was Hirastes wohl dazu sagen würde, wenn er wüßte, daß Methopholus und seine Braut sich schon kennengelernt hatten. Er hoffte inständig, daß er Estrach auch ein bißchen sympathisch war.... Ungeduldig wartete er auf den Abend.
Es war schon fast Mitternacht, als Estrach sich nahezu lautlos von ihrem Lager erhob und hinaus strebte. An jeder Ecke blieb sie stehen und lauschte ängstlich, ob auch wirklich alles schlief. Endlich hatte sie die offenen Bogengänge erreicht und rannte erwartungsvoll zur Terrasse. Methos hatte schon länger und immer ungeduldiger gewartet und wollte schon wieder gehen, als er schnelle Schritte auf dem Stein hörte. Sein über Jahrtausende geschultes Ohr erwies ihm mal wieder hervorragende Dienste, und lächelnd lehnte er sich wieder zurück. Und schon fegte Estrach wie ein ungestümes Kind um die Ecke, sah ihn und stoppte in der Bewegung, um sich ihm dann im angemessenen Tempo zu nähern. Methos lächelte. Er stieß sich ab und reichte ihr beide Hände, um seine Braut an sich zu ziehen. "Daß du so schnell stehen geblieben bist,... hat es was mit deiner Vorfreude auf dieses Treffen zu tun?" neckte er sie halb scherzhaft, halb im Ernst. Estrach wurde über und über rot und senkte ihren Blick. "Meine Mutter brachte mir bei, daß es sich nicht ziemt wie ein Kind zu laufen. - Besonders wenn man im Brautstand steht", versuchte sie zu erklären. Zärtlich streichelte Methos ihre Wange. "Ich mag es, wenn du mir so offen zeigst, was dich freut", erwiderte er ernst, seine Stimme klang ganz weich dabei. "Meine Eltern sagen,..." "Estrach, du sollst deine Eltern ehren, aber bald wirst du meine Frau sein und ich wünsche, daß du immer offen und ehrlich zu mir bist.... Haben dir die Blumen gefallen, die ich dir geschickt habe?" Zuerst hatte Estrach, beschämt über diese Zurechtweisung, den Kopf gesenkt, aber beim letzten Satz hob sie ihn wieder und nickte glücklich. "Ja, sehr!" Methos führte ihre Hand an seine Lippen. "Das freut mich." "Sie waren unbeschreiblich schön. Noch nie..." Estrach brach ab, worauf Methos sie sanft um die Mitte faßte und wie in der letzten Nacht auf die Balkonbrüstung hob. Er ließ seine gespreizten Finger durch ihr Haar gleiten und genoß den Anblick ihrer genüßlich geschlossenen Augen, fühlte, wie sie ihre Wange in seine Hand schmiegte. "Ich möchte dich nur noch glücklich sehen, Estrach, und nie wieder sollst du Grund haben zum Weinen." "Du bist zu gut zu mir, Master." Eine steile Falte erschien zwischen Methos' Augenbrauen. "Ich verbiete dir, dieses Wort jemals wieder zu benutzen!" fuhr er sie ungewollt heftiger an als nötig gewesen wäre und eingeschüchtert zuckte das Mädchen zusammen. "Verzeih mir, ich wollte dich nicht verärgern." Insgeheim seufzte Methos aus. Wie sollte er ihr beibringen, daß er sie nicht als untertänige Dienerin an seiner Seite haben wollte, sondern als gleichberechtigte Partnerin? Ein wenig verwundert über diesen - ihm selbst fremden - Wunsch neigte er einfach den Kopf und küßte sie. Erst zurückhaltend, dann immer leidenschaftlicher und willig gab Estrach ihm nach. Es fiel ihm unsagbar schwer, von ihr zu lassen, bevor er sich nicht mehr beherrschen konnte. Schwer atmend legte er seine Stirn an ihre und atmete bewußt tief ein und aus, damit sich das Rauschen in seinen Adern beruhigte. "Sieh es mir nach, wenn ich zu heftig werde, meine Schöne, aber du machst es mir nicht leicht, mich zurückzuhalten", bat er sie leise. Verwirrt vom Überschwang der Gefühle, die auf sie einstürmten, lauschte Estrach dem Klang seiner Stimme, die Bedeutung seiner Worte registrierte sie kaum. "Ich liebe dich." flüsterte sie, ohne weiter darüber nachzudenken, ob diese Worte schicklich waren oder nicht. Sie sprach einfach aus, was sie fühlte. Fest schlossen sich Methos' Finger um die schmalen Schultern. "Sag nichts, was du nicht auch so meinst!" Die junge Braut hob ihre funkelnden Augen zu ihm auf. "Ich liebe dich!" wiederholte sie fest, und machte Methos mit diesen Worten zum glücklichsten Menschen auf Erden. Oh ja, diese Ehe würde wundervoll werden!
Methos bat Estrach, ihm aus ihrem Leben zu erzählen, und obwohl das Mädchen sich sehr zurückhaltend und respektvoll äußerte, hatte der Unsterbliche schnell einen Eindruck vom bedauernswerten Leben dieses kleinen Dings gewonnen: als drittes von sieben Kindern war sie die erste, die vermählt wurde. Die Tatsache, daß ihr exotisch anmutendes Aussehen ihr mit fortschreitendem Alter die Möglichkeiten einer Heirat in fast unerreichbare Ferne rückte, war Anlaß genug, sie so schnell wie nur möglich mit ordentlich viel Mitgift auszustatten und weit fort zu schaffen, wo sie alsbald in Vergessenheit geraten sollte. Hirastes war offenbar der festen Überzeugung, daß Estrach nicht sein eigen Fleisch und Blut war und hatte Estrach ihr ganzes Leben lang spüren lassen, daß er sie verachtete. Estrachs Mutter hatte sich nie für etwas anderes interessiert als für sich selber und hatte ihre Kinder und deren Erziehung der Obhut ihrer Haussklaven übergeben. Von den eigenen Geschwistern gequält für ihr "Anderssein" hatte Estrach sich auf der Suche nach Liebe und Anerkennung den Sklaven zugewandt, die ihr schnell näher standen als die eigene Familie. Während sie sprach, hielt Methos seine Braut im Arm und drückte sie sanft an seine Brust. Unablässig streichelte er ihre nackten Schultern und gab ihr damit eine nie gekannte Geborgenheit. Sie hatte ihre Wange an seine Schultern geschmiegt und wünschte sich, diese Nacht würde nie zu Ende gehen. Zu gerne würde sie ihre Arme um diesen flachen, muskulösen Bauch schlingen und fragte sich, wie seine Haut sich wohl anfühlte mußte. Sie hätte den Göttern auf Knien dafür danken können, daß sie ihr einen Mann wie Methopholus ausgesucht hatten! Es dämmerte schon, als sie sich endlich widerwillig trennten. Beide gingen zu Bett, voll freudiger Erwartung, weil sie sich nachts wiedersehen würden.
Das junge Paare lebte nur noch von Nacht zu Nacht, von Treffen zu Treffen. Methos konnte und wollte ohne Estrach nicht mehr sein und sie empfand es genauso wie er. Die Stunden ohne den Geliebten waren endlos und selbst das fröhliche Geplauder ihrer Sklavinnen, die sich alle nur erdenkliche Mühe gaben, ihre junge Herrin abzulenken, zerrte an Estrachs Nerven. Ohnehin wurde sie immer gereizter, ihr fehlte die Sonne und die Wärme; es war ihr nach wie vor verboten, sich außerhalb ihrer Gemächer aufzuhalten. In der Nacht stand sie schon lange vor Methos auf der Terrasse und blickte auf das glitzernde Meer hinaus. Lautlos trat Methos an sie heran, schlang seine Arme um sie und küßte sie sanft in den Nacken. Wie schutzsuchend schmiegte Estrach sich in diese Umarmung. "Was ist, mein Herz? Wieso bist du so traurig?" Lächelnd drehte sie sich um und legte ihren Arm um seine Mitte. "Wie könnte ich traurig sein, wo du doch bei mir bist?" fragte sie ihn weich. "Sag es mir!" Schuldbewußt nestelte das Mädchen an den Bändern ihres Gewandes. "Du wirst mich für töricht halten", mutmaßte sie. "Versuch es!" ermunterte der erfahrene Mann seine junge Braut. Aufgebracht befreite sie sich aus seinen Armen und ging erregt ein paar Schritte auf und ab. "Ich... Ich werde wahnsinnig in meinen Gemächern!" brachte sie endlich heraus. "Ich habe das Gefühl, als würde ich ersticken! Mir fehlt die Sonne und der leichte Wind! Ich darf dich nicht sehen, keinen anderen Menschen, keinen anderen Raum... Ich fühle mich wie eine Gefangene!!!" Erschrocken über ihren unbeherrschten Ausfall schlug Estrach sich mit der flachen Hand auf den Mund. Beschämt wartete sie auf Methopholus' Reaktion. Der betrachtete das Mädchen sehr lange und sehr ernst. Er konnte sie gut verstehen, aber leider nichts an diesem Zustand ändern. Nur noch drei Tage, dann könnte er sie endlich rechtmäßig in seine Arme nehmen! Drei Tage noch... Es fiel ihm nicht leicht, nachzuvollziehen, wie lange drei Tage für eine so junge Sterbliche wie Estrach waren. Es schien ihr wie eine Ewigkeit vorzukommen...
"Ich möchte dir was zeigen!" brach er unvermittelt das Schweigen, das entstanden war. "Mach die Augen zu, es ist eine Überraschung!" Estrach kicherte verwundert. "Eine Überraschung? Für mich??" "Augen zu!" kommandierte Methos lachend und kichernd tat sie, was er verlangte. Sanft nahm Methos Estrach beim Arm und führte sie über Treppen und durch Gänge, zum Ostflügel seines Hauses, wo er sie auf die Terrasse hinausführte und dann mit ihr stehenblieb. "Mach die Augen jetzt wieder auf!" Estrach öffnete ganz langsam ihre Augen, dann riß sie sie ganz weit vor Verwunderung auf und ein atemloses "Oh!" entrang sich ihrer Kehle. Vor ihr lagen auf terrassenförmigen Stufen die Gärten des Hausherrn. Der Mond warf sein weiches Licht auf dieses Wunder an architektonischem Können und ließ die schmalen Wassergräben wie Sterne am Himmel aufleuchten, die kleinen Brunnen und Wasserspiele sahen aus wie in einem wunderschönen Märchen. In einzelnen Parzellen, abgetrennt durch niedrige, immergrüne Büsche, standen Rosen, Lilien, Orchideen, kunstvoll in Farben und Formen zusammengestellt. Liebevoll arrangierte Ornamente, nur aus Blumen, in unendlicher Weite, durch die schmale, gepflegte Wege führten und zum Spazieren einluden. Und über all dem lag ein betörender Duft, der sich auch nachts noch hielt. Estrach fühlte sich wie in einem Traum! Ihr Entzücken stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie ihre leuchtenden Augen über die Gärten gleiten ließ. Methos freute sich über die Freude, die er ihr bereiten konnte. Dieses glückliche, strahlende Lächeln auf ihrem Gesicht, das Leuchten in ihren Augen.... Diese kleinen, eigentlich nichtssagenden Gesten gaben ihm mehr als irgendetwas anderes, an das er sich erinnern konnte; es erschien ihm als das Kostbarste auf Erden, nie wieder wollte er dieses Strahlen vermissen! "Ich möchte sie dir schenken." sagte er leise und wartete gespannt auf ihre Reaktion. "Mir schenken???" Ungläubig sah Estrach ihren Bräutigam an, dann legte sie lächelnd ihre kleine Hand auf seine Brust und schüttelte langsam, aber bestimmt den Kopf. "Ich... Ich möchte diese Gärten mit dir genießen, Methopholus, aber sie nicht besitzen. Dieses Geschenk wäre zu großzügig und ich..." Das Mädchen stockte, als sie seinen starren Blick bemerkte, und anstatt daß sie weiterredete, nahm sie sanft seine Hände und legte zärtlich ihre Lippen darauf. "Du würdest mich sehr glücklich machen." Noch ein Kuß. "Ich liebe dich!" "Das ist alles, was ich mir in diesem Leben wünsche." Methos preßte sie an sich, sein Mund suchte ihre Lippen, die sie ihm willig anbot. Leicht nahm er sie auf seine Arme, ohne aufzuhören sie zu küssen, und trug sie ein paar Stufen herab, zu einer niedriger gelegenen Terrasse hin, auf der eine große Schaukel stand; dort setzte er sich hin, Estrach auf seinem Schoß. Endlos war dieser sehnsüchtige Kuß, nach dem er sie einfach in den Armen hielt und mit ihr schweigend den Sternenhimmel betrachtete. Methos war zufrieden. Die Wärme, die seine kleine Braut ausstrahlte, der leichte Duft, der ihrem Haar und ihren Kleidern entstieg... bis in alle Ewigkeit könnte er an ihr schnuppern, diesen zierlichen Körper an seiner Seite spüren... Er ertappte sich dabei, wie er sich vorstellte, Estrach würde in ihrem Brautbett liegen: vollkommen nackt und in ängstlicher Erwartung. Er konnte ihre festen, kleinen Brüste sehen, das einladende, dunkle Dreieck zwischen ihren Beinen und in seiner Hose wurde es unangenehm eng. Wie lange würde er sich noch beherrschen können? "Geh schlafen!" bat er sie plötzlich gepreßt. Als Estrach ihn erschrocken ansah, drückte er sie sanft an sich: "Es ist nicht so, wie du denkst, mein Herz. Ich kann nicht für deine Ehre garantieren, wenn du noch länger so nahe bei mir bist. Bitte, versuch wenigstens mich zu verstehen." Estrach erhob sich fast augenblicklich. "Ich... will dich nicht quälen, Geliebter", flüsterte sie leidenschaftlich Dankbar küßte Methos ihre Handinnenfläche. "Wir werden uns erst zur Vermählung wiedersehen können, mein Herz. Ich werde die Stunden bis dahin zählen!" Geschmeidig stand er jetzt auch auf und geleitete das Mädchen bis kurz vor ihre Gemächer, wo er sie im Schatten einer Säule noch einmal heftig küßte, ehe er sich losriß und dann ging, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Wutentbrannt stürmte Hirastes in den Raum, in dem Methos mit seinen Beratern und ein paar Senatoren verweilte und über neue Pläne zur Verbesserung der Lebensqualität der Stadtbewohner redete. Sie alle wandten den Kopf in einer Mischung aus Ärger und Belustigung, als man sie so jäh unterbrach. Hochrot im Gesicht und bebend vor Zorn warf Hirastes Methos etwas Weißes vor die Füße. "Was ist das?" verlangte er gepreßt zu wissen. Gelangweilt streifte Methos den weißen Stoff mit einem Blick. "Das Brautkleid von Estrach." Antwortete er ruhig und löste damit einen Sturm der Entrüstung beim alternden Kaufmann aus. "Ihre Mutter hat ihr ein Brautkleid fertigen lassen und ich erwarte..." "Ich glaube, ich habe mir eure Ansichten lange genug gefallen lassen, Hirastes", unterbrach Methos ihn kühl. "Estrach wird den Rest ihres Lebens an meiner Seite zubringen und ich will, daß sie ein Kleid zu ihrer Vermählung trägt, das mir gefällt. Wenn du uns jetzt bitte entschuldigen willst, wir haben wichtige Dinge zu beschließen, die keinen Aufschub dulden. Strifos! Bring dieses Kleid meiner Braut und richte ihr aus, es sei mein ausdrücklicher Wunsch, daß sie es morgen trägt!" Betont wandte er sich wieder seinen Leuten zu. Noch für einen Augenblick starrte Hirastes auf den Rücken des Präfekten, dann stapfte er wütend hinaus. Er war gerade an der Tür angekommen, als er hörte, wie sich einer der Senatoren an Methopholus wandte: "Ich verstehe nicht, wieso du dir das alles so gefallen läßt, Methopholus. Jedes heiratsfähige Mädchen im näheren und weiteren Umkreis hätte sich glücklich geschätzt..." Den Rest hörte er nicht mehr, er hatte die Tür hinter sich zugeworfen.
Der Tag der Hochzeit glitt an Estrach vorbei, als würde sie träumen. Sie wußte nicht, wie schön sie aussah in dem weißen Kleid, das Methos ihr eigens ausgewählt hatte, mit dem Blumenkranz im Haar, als sie neben ihren Bräutigam trat. Die Glückwünsche, die anschließende Feier... Estrach hätte später nicht sagen können, ob sie das alles wirklich miterlebt hatte, würde Methos sie nicht scherzhaft damit aufziehen, daß sie ausgesehen hätte wie eine Schlafwandlerin. Sie kam erst richtig zu Bewußtsein, als Methos sie sanft beim Arm nahm und in seine Gemächer führte. Das Erschrecken in ihren Augen machte den Unsterblichen fast schwach. Sie wußte nicht, was vor ihr lag; niemand hatte sie jemals auf das vorbereitet, was ein Mann von einer Frau erwartete. Er fragte sich, ob ihre Sklavinnen diese schwierige Aufgabe übernommen hatten. Er wußte nicht, wie lange er der verzehrenden Sehnsucht widerstehen und so rücksichtsvoll mit ihr umgehen konnte, wie es sein sollte. Nächtelang hatte er sich vorgestellt, wie es wäre, wenn Estrach endlich in seinen Armen liegen würde. Vorsichtig streifte er ihr das Brautkleid ab. Er fühlte, wie sie zitterte, und zärtlich nahm er sie in seine Arme, hob sie auf und legte sie behutsam auf dem Bett nieder. "Ich werde dir nicht wehtun, Geliebte, vertrau mir", versuchte er das Mädchen zu beruhigen. Er neigte sein Haupt und küßte sie. Ein Kuß, so intensiv wie der bei ihrer ersten Begegnung, einer, der die Sinne schwinden und alles Negative unwichtig erscheinen ließ. Estrach keuchte leise und Methos' Lippen wanderten aufreizend langsam ihren Hals hinab. Er berührte sie fast scheu, als würde jeder noch so kleine Druck sie verletzen. Wie süß sie schmeckte! Estrach seufzte auf, ihre Finger krallten sich in seine Schultern und dieser kleine Schmerz ließ Methos aufstöhnen. Hastig zerrte er sich seine Tunika vom Leib. Die Augen seiner Frau glänzten wie im Fieber, als sie zaghaft ihre Hände nach ihm ausstreckte und seine Brust berührte. "Bitte!" flehte sie ihn an. "Bitte!" Sanft faßte Methos ihre Handgelenke und schob sie weg. "Noch nicht." flüsterte er rauh. Methos wollte nicht, daß sie Schmerzen hatte, wenn er zu ihr kam, nur deshalb nahm er sich so viel Zeit....
Kronos betrat die Räume, in die man ihn führte und wo er auf die Dame des Hauses treffen würde. Mit einem Blick registrierte er den geschmackvollen Luxus, der aus der Einrichtung sprach. Formen, Farben und Stoffe waren gekonnt aufeinander abgestimmt und ergänzten sich kunstvoll. Alles sprach von einem Hang zur Perfektion. - Alles sprach von Methos! Methopholus, korrigierte er sich in Gedanken. Nein, es hatte ihn nicht wirklich verwundert, seinen abtrünnigen Bruder hier anzutreffen. Methos war ein Überlebenskünstler, und die Tatsache, daß er einen Hang dazu hatte, seine Macht auszutesten, war ihm hier zum Verhängnis geworden. Was Kronos dann doch überrascht hatte, war die Eröffnung, daß Methos geheiratet hatte. Eine Sterbliche! Verächtlich spie der Horseman aus. Sicher, als Präfekt mit Weib würde er seine Stellung bei den traditionsbewußten Alten festigen können, trotzdem... Kronos grinste siegessicher vor sich hin. Ah, Methos wird nicht mehr lange hierbleiben und verheiratet sein, dessen war er sich sicher. Wer wollte ihm schon trotzen? So war der schlanke, dunkle Mann also zu Methos' Haus gegangen und hatte um Audienz gebeten. Der Sklave Remus hatte ihm gesagt, daß zwar sein Herr nicht zu Hause weilte, aber die Herrin da wäre. Neugierig hatte Kronos eingewilligt, mit ihr zu reden. Kronos mußte nicht lange warten, bis die Frau seines Beraters eintrat. Seine geraden Augenbrauen zogen sich bei ihrem Anblick in die Höhe. Nicht allzu groß und schlank, mit rabenschwarzen Haaren und heller Haut. Ein wirklich hübsches Kind, und Kronos begann zu begreifen, weshalb Methos gerade sie ausgesucht hatte. Sie trug ein einfaches Hausgewand, in dem sie sich kaum von einem gewöhnlichen Mädchen unterschied, und bewegte sich mit leichter Anmut. Gewiß hatte Methos eine gute Wahl getroffen. "Du wolltest mich sprechen?" Fragend musterten ihre wachen Augen den Fremden, der ihr gegenüber stand. Jemanden wie ihn hatte Estrach noch nie gesehen: zwar trug er eine Tunika, aber er schien nicht in sie hinein zu gehören. Etwas kleiner als ihr Gatte, aber mit denselben breiten Schultern und den sehnigen Händen, die - wie Estrach sich leicht errötend erinnerte - fest zupacken konnten. Sein dunkles Haar berührte fast seine Schultern und umrahmte ein männliches Gesicht, in dem die dunklen Augen dominierten... "Hast du etwas interessantes gefunden?" Das Mädchen wurde über und über rot, als Kronos sie nun belustigt fragte und ihr bewußt wurde, daß sie den Fremden unziemlich angestarrte hatte. Ein Lächeln teilte seine Lippen, als sie sich nun tödlich verlegen wand. Sie war wirklich süß! "Verzeih meine Ungeschicklichkeit. Du wolltest mich sprechen." Kronos lockerte seine Muskeln und grinste, als er sah, wie die Sklavin, welche die Dame des Hauses begleitete, trocken schluckte. "Eigentlich hatte ich Metho.... pholus sehen wollen. - Wir sind befreundet und ich verspürte eine unbändige Sehnsucht danach, ihn zu sehen, als ich erfuhr, daß er hier lebt." Er deutete eine anmutige Verbeugung an. "Mein Name ist Kronos." Scharf beobachtete er das halbe Kind, aber sein Name rief bei ihr keine Erinnerung hervor: arglos lächelte sie Kronos an. "Ich freue mich, dich kennenzulernen. Mach mir die Freude und sei unser Gast!" Ihre kleine Hand nahm scheu die große des Mannes und zog ihn sanft mit sich fort. "Anaïs, sorge bitte dafür, daß Erfrischungen für unseren Gast bereitgestellt werden. Wir werden auf die Terrassen gehen." Anaïs verfolgte sie stattliche Erscheinung mit großen Augen, dann eilte sie, ihre Befehle aufzuführen. "Mein Gatte ist nicht zu Hause." erklärte Estrach dem Horseman. "Aber wenn du es wünscht, werde ich Nachricht schicken lassen, daß du hier bist." Der Mann lächelte ihr freundlich zu. "Das ist nett von dir, aber wenn du nichts dagegen hast, warte ich hier auf ihn. Ich hoffe, du leistest mir Gesellschaft." "Gerne.... Danke, Anaïs." Estrach übernahm es selber, dem Freund ihres Mannes vorzulegen und einzuschenken, und Kronos genoß diese Aufmerksamkeit. Nachdem Estrach ihm ihren Namen genannt hatte, plauderten sie über belanglose Dinge und er mußte feststellen, daß sie eine angenehme Gesellschafterin war. "Ihr seid schon lange befreundet?" fragte Estrach fast schüchtern. Kronos nickte ernst. "Oh ja, schon sehr lange!" bestätigte er ruhig und fragte sich, wie viel sie wohl über die Unsterblichen wußte oder ob sie überhaupt wußte, wer oder was ihr Gatte war. Er fühlte den bewundernden Blick ihrer Leibsklavin auf sich ruhen und nahm sich vor, diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Anfangs war ihm der Gedanke gekommen, sich Estrachs auf seine eigene Art und Weise anzunehmen. Er war alleine mit ihr, er hätte sie töten können, vergewaltigen und wer weiß was noch mit ihr anstellen können, aber er wollte erst einmal abwarten, was er über Methos' Gefühle im Hinblick auf seine Frau herausfinden konnte. Danach würde sich seine weitere Vorgehensweise entscheiden. Bis dahin genoß er die leichte Unterhaltung mit dem Mädchen, das bar jeden Mißtrauens gegen ihn war.
Methos freute sich, wieder nach Hause zu kommen. Er vermißte das Gefühl, seine Frau in den Armen zu halten, ihren schnellen Herzschlag an seiner Brust zu spüren und zu fühlen, daß sie ihn wirklich aufrichtig liebte. Mit Estrach hatte sein Leben eine endgültige Wendung genommen: er genoß jeden Tag wie etwas sehr kostbares. Seine Stunden waren ausgefüllt mit einem einzigen Gedanken: Estrach. Er schenkte ihr Blumen, nachdem er gemerkt hatte, daß ihr Luxus wie Schmuck und Kleider nichts bedeutete, und er verbrachte jeden freien Augenblick mit ihr, damit er sie nicht schmerzlich vermissen mußte. Er gab sich ganz dem ungewohnten Gefühl in seinem Inneren hin und genoß es in vollen Zügen. So hatte er es - wie immer - eilig, heimzukommen. Als er sich seinem Haus auf gut 100 Schritte genähert hatte, erwischte ihn der Buzz! Methos' Kopf ruckte hoch, mit zusammengekniffenen Augen suchte er die Umgebung ab, fand aber nichts. Ein furchtbarer Verdacht brach sich Bahn und die letzten Schritte rannte er nach Hause, stürmte hinein und brüllte den Namen seiner jungen Frau. Eiskalte Angst hatte ihn gepackt und trotz der Gewißheit hatte der Unsterbliche die wahnwitzige Hoffnung, daß alles nicht so war wie es schien. Ein Sklave wies ihm schweigend den Weg zu seiner Frau und Methos stürzte auf die große Terrasse. Mitten im Schritt stockte er...
Kronos' Züge erhellte ein flüchtiges Lächeln, als er den Heimkehrenden fühlte. Er lauschte den schnellen Schritten und lehnte sich weit zurück, um die Ankunft seines Mitstreiters zu erwarten, der nicht lange auf sich warten ließ. Methos wurde übel, als er die Katastrophe im eigenen Haus sah: Estrach, die ihm etwas befremdet entgegensah, Kronos, der ihn harmlos angrinste.... Im ersten Impuls wollte er sein Schwert ziehen und Kronos unmißverständlich klarmachen, daß er sich von Estrach fernhalten sollte, aber dann wurde ihm klar, daß er damit das Leben seiner Geliebten mehr gefährden würde, als wenn er sich unbeeindruckt zeigte. Methos betete zu allen Göttern, daß Kronos ihm glaubte.
"Bruder!?"
Geschmeidig stand Kronos auf, kam zu Methos herüber und umarmte ihn herzlich. Stocksteif ließ der Ältere es geschehen. Fast zärtlich nahm Kronos seinen Arm und führte ihn zu der niedrigen Bank, von der er selber sich gerade erhoben hatte; dort nötigte er Methos zum Sitzen und ließ sich ebenfalls wieder nieder. Das alles mußte ein böser Traum sein! "Ich habe mich ein wenig mit deiner Gattin unterhalten und ich schätze mich glücklich, eine solch außergewöhnliche Frau als Schwester begrüßen zu dürfen." Estrach staunte nur noch: "Brüder??" Endlich kam Methos richtig zur Besinnung. Er machte eine leichte Handbewegung: "Estrach, laß uns bitte alleine", bat er sie. Sofort erhob das Mädchen sich und ging, ohne im geringsten beleidigt zu sein. Gedankenverloren sah Kronos ihr nach. "Sie ist niedlich." meinte er. "Was willst du hier?" Methos ging nicht auf den leichten Plauderton ein. Seine ganze Haltung drückte angespannte Abwehr aus, als er seinen Bruder nun herausfordernd ansah. Der lächelte leicht. "Ich habe mir Gedanken um dein Wohlergehen gemacht." Die leichte Ironie seiner Worte brachte Methos' Blut zum kochen. "Sicher." schnappte er frostig und bereute es sofort. Der prüfende Blick, den Kronos ihm flüchtig und recht desinteressiert zuwarf, sprach mehr als 1.000 Worte es gekonnt hätten. Unangenehm berührt dachte Methos an Estrach. Wenn er gekonnt hätte, er hätte sie ganz weit weg gewünscht; irgendwohin, wo es keinen Kronos gab, der ihr junges Leben bedrohte. "Hast du etwas anderes erwartet?" Kronos änderte seinen Plauderton in keinster Weise. Er legte den Kopf in den Nacken, als Methos nicht antwortete, und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen. "Sag mir, Bruder: wieviel hast du für sie bezahlt?" Diese Frage war wie ein Schlag ins Gesicht für den anderen Unsterblichen. "Estrach ist nicht so eine!!" stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Kronos lachte leise. "Sicher, Bruder. Wenn du es sagst..." Methos' Hand krallte sich in den Stoff seiner Tunika. "Sie scheint dich zu mögen." Kronos dachte gar nicht daran, das Thema fallen zu lassen. "Wie sieht es mit dir aus?" "Sie ist eine angenehme Gesellschafterin", murmelte Methos dumpf. "Dessen bin ich mir sicher... Hast du keine Angst, sie könnte unter dir zerbrechen? Oder mag sie es vielleicht, wenn du ihr wehtust?" Pure Bosheit triefte aus Kronos' Worten und der ließ sie schön tief bei Methos sacken. Er wollte nur austesten, ob noch Glut unter der Asche war. - Und das Glühen in den Augen seines ehemaligen Mitstreiters sagte ihm alles, was er wissen mußte. "Gebieter?" Rena verneigte sich vor Methos, der sie wie eine Fremde ansah. "Meine Herrin bittet euch zum Mahl, falls ihr es nicht lieber hier einnehmen wollt." Anaïs hatte recht: der fremde Besucher sah unglaublich gut aus! Ein richtiger Mann eben! Jetzt, wo er aufstand, kam seine imposante Erscheinung erst richtig zur Geltung. "Ich ziehe die Gesellschaft deiner bezaubernden Gattin vor, Bruder. Wir werden noch genug Zeit haben, um uns zu unterhalten." Ein eisiger Hauch streifte Methos. Verzweifelt suchte er nach einem Ausweg, aber in seinem Kopf war nur heilloses Durcheinander; und so blieb ihm nichts anderes übrig, als Kronos ins Haus zu folgen und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Kronos plauderte freundlich mit Estrach und des öfteren konnte man ihn lachen hören. Das Mädchen erheiterte ihn und er verstand, was Methos an ihr fand. Sie machte es einem leicht, sie zu mögen und um sich zu haben, forderte sie doch nichts und gab eine Menge. Und so sehr er sich auch bemühte, Methos konnte nicht verhehlen, was er für seine Gemahlin empfand. Und Estrach? Sie hing mit verschwenderischer Liebe an Methos, jede Geste, jeder Blick drückte die Tiefe ihrer Empfindungen aus und machte Fragen überflüssig. Ob sie dich wohl immer noch so ansehen würde, wenn sie wüßte, wie du wirklich bist, Bruder?, dachte Kronos boshaft. Obwohl, jemand wie Estrach im Lager.... Jemand, der sich um das leibliche Wohl sorgen würde, ihnen jeden Wunsch von den Augen ablas... Wie lange würde es dauern, bis der unschuldige Ausdruck in ihren Augen Vergangenheit und dem Wissen um die Kälte der Realität gewichen wäre? Kronos verfolgte ihre Bewegungen mit seinen Blicken. Mit ihrer sanften Anmut würde sie kein halbes Jahr überleben, so viel stand fest. "Anaïs, sorge bitte dafür, daß unser Gast ein angemessenes Ruhelager vorfindet. Du bleibst doch noch, oder?" Kronos lächelte, doch ehe er antworten konnte, mischte Methos sich ein: "Ich glaube nicht, daß Kronos die Zeit hat, hier zu bleiben. Gewiß hat er es eilig, weiterzukommen." Fragend richteten sich große Augen auf Kronos, der zunächst einen Augenblick lang nachdenklich aussah und sich dann anscheinend zu einer schwerwiegenden Entscheidung durchrang: "Nein, ich glaube, ich kann noch ein paar Tage erübrigen. - Natürlich nur, wenn es dir keine Umstände macht, meine Liebe." "Aber nicht doch!" lachte Estrach auf; sie bemerkte nicht einmal die Spannung, die sich zwischen den beiden Männern aufgebaut hatte.
Leise stand Estrach auf, ging zu ihrem Gatten hin, der am Fenster stand und aufs Meer hinaus starrte, schlang ihre Arme um ihn und schmiegte ihre Wange an seinen Rücken. "Warum bist du so unglücklich?" fragte sie ihn leise dabei. Methos legte seine Hand auf ihre kleine und drückte sie leicht. Hätte Estrach seine Augen gesehen, sie wäre wahrscheinlich zu Tode erschrocken gewesen über die Mordlust, die aus ihnen sprühte, über die Kälte und die bodenlose Wut, die er empfand. - Er war froh, daß sie hinter ihm stand. "Es ist nichts. Leg dich nur wieder schlafen." Gehorsam kroch Estrach wieder unter die dünne Decke und schlang ihre Arme um die angewinkelten Knie. Forschend betrachtete sie den Rücken ihres Mannes, der wie eine Statue im Zimmer stand und den das fast taghelle Mondlicht gespenstisch anleuchtete. "Es ist wegen Kronos, nicht?" "Nein... Ja.... Ich... äh... ich.... Kronos ist nicht wie jeder andere Mensch, weißt du." Methos setzte sich neben Estrach auf das Bett und legte seine Hand auf ihr Knie. Wie konnte er erwarten, daß sie verstand, was er ihr sagen wollte? Wie sollte er ihr erklären, weshalb sie sich von den "normalen Menschen" unterschieden, ohne daß sie sich voller Grauen vom ihm abwandte? Wenn er Kronos entlarvte, mußte er sich dann nicht auch als "anders" enttarnen? Wieso nur? Wieso er? Wieso immer dann, wenn es am schönsten war? "Das bist du auch nicht." Erschrocken über diese Worte ruckte Methos' Kopf hoch, aber Estrach sah ihn nur ganz ruhig an. Sie wußte es! Seit wann? Wie...? "Er ist hier, um dich zurückzuholen, nicht wahr?" Unfähig zu lügen nickte der Unsterbliche. Das 'Woher weißt du es?' lag ihm auf der Zunge, aber ein einziger Blick in Estrachs Augen sagte ihm, daß sie ihm darauf nicht antworten würde. Für sie war es unwichtig, - für ihn sollte es das auch sein. "Ja." "Und? Wirst du mit ihm gehen?" Hatte er in den letzten vier Jahren Estrach etwa derart verkannt? Hatte sie sich so verstellen können oder war es ihm nur nie aufgefallen? Hatte sie ihm das verletzliche Mädchen nur vorgespielt? "Nein." "Wenn er dein Nein nicht akzeptiert, was wird dann geschehen?" Ich weiß es nicht!, wollte er aufschreien, aber der Schauer, der ihm über den Rücken rann, belehrte ihn eines Besseren: natürlich wußte er! Er konnte sich ausmalen, was geschehen würde: Kronos würde alles zerstören, was Methos etwas bedeutete. Kronos würde sich nicht selber die Hände schmutzig machen. - Dafür hatte er seine Handlanger. Er würde Methos aus seinem Amt jagen lassen, seinen Besitz verschleudern und Estrach vielleicht sogar töten. Und dann, wenn ihm nichts mehr geblieben war, dann würde Kronos sich als Retter darstellen und Methos, gebrochen, würde ihm wieder als williges Werkzeug folgen. Eine kleine, weiche Hand schob sich in die große des Mannes. "Ich wünsche mir nur, daß du glücklich bist, Methopholus." "Das bin ich. - Mit dir." "Wird es dir genügen, hier zu leben? Wirst du nicht vermissen, was du hinter dir gelassen hast?" "Nein." Methos holte tief Luft. "Aber das wird Kronos nicht einsehen. Für ihn besteht der Sinn des Lebens darin, Angst und Schrecken zu verbreiten." "Und dafür braucht er dich?" Unbeholfen hob Methos die Schultern und ließ sie langsam wieder sinken. Diese hilflose Geste löste eine Welle des Mitleids bei Estrach aus, so daß sie ihren Mann an sich zog und zärtlich über das Haar streichelte. Aus dieser liebevollen Geste wurde ein langer, leidenschaftlicher Kuß, bis Methos die störende Decke zwischen ihnen wegzerrte...
"Nein, das kannst du nicht wirklich von mir verlangen wollen!" Entsetzt hob Estrach abwehrend die Hände und Methos, hin- und hergerissen zwischen Mitleid und verzweifelter Wut, nahm sie und drückte sie sanft. "Es muß sein", versuchte er ihr zu erklären, aber seine Frau wollte ihn gar nicht verstehen. Immer wieder schüttelte sie den Kopf. "Nein! Das kann ich nicht zulassen!" "Estrach..." Methos' Stimme wurde weich und zärtlich. "Wir haben doch die letzten Nächte so oft darüber geredet... Es muß sein. Sonst wird er alles zerstören, was mir lieb und teuer ist." "Ich werde keinen Mord auf dieses Haus laden!" "Estrach, Liebste... Es wird ihn nicht töten.... - Das könnte ich nicht. Trotz allem, was er getan hat.... Ich kann ihn nicht herausfordern, aber ich kann dafür sorgen, daß wir beide in Frieden leben können. Willst du das denn nicht auch?" "Doch, schon...." Unsicher geworden versuchte die junge Frau ihrem Mann ihre Hände zu entziehen, was er jedoch nicht zuließ. "Ich weiß, er kommt dir jetzt nicht böse vor: er plaudert mit dir, er lacht und scherzt mit dir... Aber glaube mir, das wird vorbei sein, wenn er merkt, daß er mich nicht mehr bekommen kann. Estrach, bitte, selbst wenn ich dich fortschicken würde, es gäbe keinen Ort auf dieser Welt, an dem du vor ihm sicher wärst. Er würde dich finden. - Und ich mag mir nicht ausmalen, was er dann tun wird.... Würde es dir besser gehen, wenn ich dich ein paar Tage fortschickte?" "Ich will nicht weg, ich will..." "Estrach, ich wünsche, daß du mir gehorchst!!" Als hätte er sie geschlagen, zuckte die junge Frau zusammen, dann entriß sie ihm mit einem heftigen Ruck ihre Hände, drehte sich um und ging. Nie würde Methos den verletzten Ausdruck in ihren Augen vergessen, den sie in diesem Moment trugen!
"Hast du keine Angst, sie würde sich nach einem anderen umsehen, wenn du sie so alleine losschickst?" Kronos' Grinsen war ebenso breit wie dreckig. "Nein, immerhin hat sie Geschmack." erwiderte Methos gelassen. Das Wissen darum, wie es für ihn und Kronos weitergehen sollte, machte ihn ruhiger und ließ ihn nachts wieder schlafen. Estrach war weit weg, alles andere schon in die Wege geleitet. Nicht mehr lange, und Kronos wäre Geschichte....
### An dieser Stelle mach ich einen wenig eleganten Cut und überlasse alles weitere dem Skript der Cut-Scene, das man - meines Wissens nach - unter den Methos-Chronicles bei Methos-Org nachlesen kann. ###
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