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The End© by Natascha/Norynia ()
Pure Energie, zu tödlichen Bällen geformt, schnellte über die Erde. Den, den sie traf, riß sie zu Boden und ließ alles um sich herum in der endlosen Dunkelheit verschwinden. Der Geruch von verbranntem Fleisch erfüllte die Luft und legte sich wie ein schweres Tuch über das Tal. Schien die noch Lebenden unter sich erdrücken zu wollen, tiefer in den Teufelskreis hineinzuziehen. Sie an den gegenwärtigen Tod zu erinnern, der sich langsam vorwärts fraß und jede Hoffnung ausmerzte. Die, die schnell genug reagierten, warfen sich auf die Erde, um den Salven des Feindes dort zu entgehen. Der aufgewirbelte Staub brannte in ihren Lungen, die sich krampfhaft zusammenzogen und die dringend notwendige Sauerstoffaufnahme zu einem schmerzhaften Unterfangen machte. Überall klebte Blut. Mischte sich mit dem braunen Boden und haftete an ihrer Kleidung. Gefallene Soldaten pflasterten das Feld. Die einen tot, die anderen wimmernd oder schreiend, während sie gegen ihre Wunden drückten und um Hilfe bettelten. Ständig neue Attakten, die kaum Raum zur Abwehr ließen. Kein Schutz, außer den leblosen Körpern, die man vor sich zog, um einem Treffer zu entgehen. Der Feind war nun zunehmend in der Überzahl. Ein Zurück gab es nicht. Jeder, der sich wieder auf die Beine wagen würde, wäre verloren. Ausgeliefert. Langsam kam die Angst zum Vorschein, die sie zu Beginn ihrer Mission noch tapfer verdrängt hatten. Sie bahnte sich ihren Weg und ließ die Körper erbeben. Zuerst ganz leicht, kaum spürbar, dann immer deutlicher. Machte jede Bewegung unvorsichtiger, unkontrollierter. Doch es gab keinen Weg sie zu verdrängen, sie war stärker und sie war berechtigt. Jahrelanges Training. Ewige Vorbereitung und jetzt fühlten sie sich so hilflos. Wußten nicht, was sie tun sollten. Also luden sie ihre MG's und feuerten weiter. Wirklich zielen konnten die wenigsten. Ihre Blicke, waren von den Tränen verschwommen oder von dem Staub vernebelt. Sie vertrauten ihren Instinkten - Vor allem dem Überlebensinstinkt - und verschossen ihre letzte Munition. Ans andere Ende des Tales, dort, wo der Feind war und von wo er unerbittlich näherkam. Ihre Hände tasteten nach den Toten. Entrissen ihnen ihre Waffen zum letzten verzweifelten Versuch der Abwehr. So viele Verluste...auf beiden Seiten und doch schienen sie den Kürzeren zu ziehen. Um sie herum nichts als Felsen, meterhoch und unbezwingbar. Eingekesselt von den Naturgewalten in einem Käfig, der sie nicht freigab. Colonel Jack O'Neill kroch über den Boden und suchte sein Team. Vergebens. Zu viele Menschen, zu wenig Zeit. Der Lärm der Maschinengewehre und der Stabwaffen übertönten seine Rufe. Machten jede Form von Verständigung zunichte. Doch er suchte weiter. Riß die Toten zitternd herum, um ihre Gesichter sehen zu können. Kein Daniel Jackson, kein Teal'c, keine Samantha Carter. Nur junge Männer oder Frauen, die ihn aus geweiteten, leeren Augen anstarrten und zu durchbohren schienen. Jedesmal diese Angst, das Gesicht eines Bekannten zu sehen, und jedesmal der Druck in seinem Magen, dessen Inhalt sich einen Weg durch seinen Körper bahnte. Alles um ihn herum schien sich wie in Zeitlupe zu bewegen, um dann los zu peitschen und ihn mit plötzlichen Bewegungen zu überraschen. Ihm zu zeigen, wie gefährlich seine geistige Abwesenheit für ihn war. Doch er konnte nicht anders. Die Bewegungen wurden wieder langsamer, der Lärm dumpf und schien von weit her zu kommen. Doch er war mitten drin, und er konnte nicht weg. Ein paar Meter weiter lagen zwei Handfeuerwaffen. Schwer atmend versuchte er, sich ihnen zu nähern, als der Schuss einer Stabwaffe nur knapp seinen Kopf verfehlte. Er rutschte zurück und vergrub sein Gesicht tief in der weichen Erde. Schmeckte Dreck und Blut in seinem Mund. Erneut meldete sich die Galle. Der Kloß in seinem Hals kroch langsam höher. Er schluckte hart und sah wieder auf. Ein Soldat riß ihn aus seinen Gedanken. Ebenfalls nur wenige Meter entfernt rief er nach ihm. Rief nach Hilfe. Blut bedeckte seinen Körper und machten eine Identifikation unmöglich. Daniel? War das Daniel, der dort lag und um sein Leben rang? Er wollte zu ihm gehen, als ein weiterer Schuß einschlug und ihm Erde ins Gesicht fegte. Dann war der Mann weg. Nur ein großer Krater war zu sehen. Von dem Soldaten keine Spur. Auch die Waffen, die er zuvor noch im Visier hatte, waren begraben worden. Nichts mehr da, wo es mal war. Alles veränderte sich. So, wie er es nicht wollte, wie es keiner wollte. Doch egal, was er tat, er konnte es nicht ändern. Er zog sich weiter nach vorn, oder zurück? Er wußte es nicht mehr. Seine Sinne schienen ihm einen Streich zu spielen. Einen sehr gefährlichen Streich. Er sah sich um. Die Schüsse schienen plötzlich von überall zu kommen. Waren sie eingekreist worden? Die Antwort, die sich in seinem Kopf breitmachte gefiel ihm nicht. Also nicht fragen. Suchen. Sein Team suchen. Etwas griff nach ihm. Zog ihn zu sich heran und hielt ihn fest. Er kannte den Mann nicht. Hatte ihn noch nie zuvor gesehen, oder nicht bemerkt. Auch er blutete. Aus einer großen Wunde unter seinem Hals. "Helfen Sie mir", kam es leise, als er ihn fester an sich presste und ihn eindringlich ansah. "Bitte." Jack wollte ihm helfen. Irgendetwas tun, doch er wußte nicht was. Er griff nach seiner Jacke und riß sie sich vom Körper. "Hilfe", kam es wieder, als Jack das Kleidungsstück auf die Wunde drückte und zusah, wie es sich rot färbte. Der Soldat begann Blut zu spucken. Jack zog ihn zur Seite, um zu verhindern, dass er daran erstickte, doch als er ihn wieder ansah, wurde ihm die Sinnlosigkeit dieser Aktion bewußt. Noch ein leiser, schwacher Atemzug, dann bewegte er sich nicht mehr. Jack schüttelte ihn vorsichtig. Dann immer heftiger, und schließlich schrie er dabei. Doch er bekam keine Reaktion von dem Soldaten. Kein Lebenszeichen mehr. Seine Hände waren rot und verklebt, als er abließ und sich auf den Rücken rollte. Der Himmel war dunkel und wirkte bedrohlich auf die, die sich darunter befanden. Die Welt wurde kleiner. Jack kam sich vor, wie in einer Schrottpresse. Alles rückte näher heran und schien ihn zerquetschen zu wollen. Langsam und schmerzhaft. Er schloss die Augen. Was würde passieren, wenn er hier liegenblieb? Würde er dann überleben, oder seinen Tot nur hinauszögern? Letzteres war im Moment wahrscheinlicher. Er würde sterben. Wenn nicht jetzt, dann bald. Auf jeden Fall würde er nicht mehr von diesem verdammten Planeten runterkommen. Keiner von ihnen würde das. Was Anfangs nicht so geplant war, war zu einem Himmelfahrtskommando geworden. Eine jener Missionen, für die man Orden bekam, die dann an die Verwandten geschickt wurden. Ein Energieball flog über ihn hinweg und traf kurz darauf einen Soldaten, der aus Panik aufgesprungen war und versuchte zu entkommen. Jack öffnete die Augen. Nebel hatte sich um sie gelegt. Der Himmel war tatsächlich näher gekommen. Er musste weg hier. Keine Ahnung wohin, aber weg. Er drehte sich um und spürte diese Hitze, die in ihm emporstieg. Hatten sie ihn erwischt? Stöhnend drehte er den Kopf zur Seite und sah an sich hinunter. Streifschuss. Er konnte die Wunde sehen. Den Rauch, der emporquoll und sich um ihn hüllte. Die Schmerzen raubten ihm fast den Verstand, als er seine Hände in die Erde krallte und aufschrie. Er biss die Zähne zusammen und zog sich weiter nach vorne. Suchte in der Erde Halt, auch wenn sie hin und wieder nachgab, oder sein Weg von anderen Soldaten versperrt wurde. Doch er blieb nicht liegen, wollte sich nicht dem Schmerz hingeben, der an seinem Körper nagte. Er musste weiter. Irgendwohin, nur nicht zurückbleiben. Die leblosen Körper zerrte er zur Seite oder umging sie. Er achtete nicht mehr auf die Menschen um ihn herum. Sah nicht mehr in ihre Gesichter, wollte nicht mehr immer und immer wieder dasselbe Bild sehen, das ihn verrückt machte. Wieder ein Körper. Er griff nach ihm und wollte ihn zur Seite schieben, als dieser plötzlich Laute von sich gab. Er drehte sich um und sah sie an, durch sie hindurch. Die plötzliche Erkenntnis zuckte durch seine Glieder und weitete seine Augen. Er kroch näher heran und beugte sich über die Person, die ihn traurig musterte. Spürte das warme Blut, das seine Hände umspülte und sie zu versenken drohte. Er wollte etwas sagen, doch die Worte verhallten in seinem Innern und verließen nicht seinen Mund. Wieder ein leises Stöhnen, das ihn in die Realität zurück riss. Wieder Erde, die auf ihn niederprasselte. "Nein", flüsterte er leise und spürte die Hand, die sich um sein Gesicht legte. "Bitte nicht." Ein gequältes Lächeln, das ihm antwortete. "Das darf nicht sein." "Jack." "Das darf einfach nicht sein." Er wollte es schreien, doch nicht mehr als ein Flüstern war zu hören. Keine Kontrolle mehr über seine Emotionen. Tränen liefen über sein Gesicht, streiften ihre Hand, die sich an ihm festzuhalten schien. "Jack", wiederholte sie sanft, "ich dachte, ich würde dich nie wieder sehen." "Ich bin hier, Sam." Er griff nach ihrer Hand und umschloß sie mit seiner. "Ich bin hier." Sie begann zu husten. Kleine Bluttropfen verteilten sich auf seiner Uniform. "Es wird alles wieder gut", versuchte er, ihr Mut zu machen. Aber eher versuchte er, sich damit selbst zu beruhigen. "Nein, wird es nicht." Und wieder hustete sie. Ihre Lippen färbten sich rot und ihr Gesicht wurde zunehmend blasser. "Doch das wird es. Es gibt doch immer ein Happy End." "Wir sind hier im Krieg, Jack. Da gibt es sowas nicht." Langsam löste sich ihr Griff. Jack spürte die Kälte, die ihren Körper emporkroch. Sah, wie das Blau in ihren Augen verblasste. Erneute Tränen, die über seine Wange liefen und auf den leblosen Körper tropften. Wieder redete er auf sie ein. Doch er bekam keine Antwort mehr. "Sam." Mit seinen Armen umschloß er ihren Körper und presste ihn an sich. Spürte, wie die Kälte in ihn überging. Dann ein Knall. Und sein Blut vermischte sich mit dem ihren.
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