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Futatsu no Kodou [Two Beats]© by Natascha/Norynia ()
Seit so vielen Wochen wandle ich umher. Versuche, nur diesen einen Ort zu meiden, und doch ist er es, den ich erreiche. Mein Blick wird trüb, dunkel. Hier wollte ich eigentlich nicht hin, auch, wenn mein Innerstes sich danach verzehrt, so wollte ich fern bleiben. Es tut mir so leid, was ich getan habe, und manchmal, da wünschte ich, ich könnte es wieder rückgängig machen. Doch das Schlimmste ist, dass ich es in einer Situation wie dieser wieder tun würde. Ich spüre eine falsche Reue, und ich verurteile mich dafür.
kusa no fue fuki kaze ni nose
[The playing of a reed flute carries on the wind] mugi no umi koe [over the sea of wheat.] Kann es sein? Darf es sein? Ich sehe mich um, werde fast magisch von den Klängen angezogen, die ich so sehr vermisst habe, und vor denen ich mich so sehr fürchtete, sie erneut zu hören. Kann ich es ertragen, dich so zu sehen? Schon einmal tat ich es, und es zeriss mich fast, aber jetzt bin ich daran Schuld, dass du dich an nichts mehr erinnerst. Dass du dich nicht an mich erinnerst, an uns. Ohne dich bin ich nur noch die Hälfte meiner Selbst. Unvollständig. Aber was soll ich tun? Du ziehst mich an, lockst mich mit den lieblichen Klängen deiner Flöte und erstickst jeden Widerstand im Keim. Ich bin machtlos, schwach in deinem Bann.
futasu no kodou deau hi wa
[Last night's destiny] Sakuya no sadame [was to be the day that two beats meet.] Mein Herz schlägt schneller, fast ohrenbetäubend und schmerzhaft in meiner Brust. Du hast aufgehört zu spielen, stehst ganz ruhig und siehst mich an, als würdest du in einen Spiegel schauen, und nicht einem Fremden gegenüberstehen, der so aussieht wie du. Wunderst du dich denn überhaupt nicht? Hast du denn keine Angst? Warum schaust du mir mit dieser Selbstverständlichkeit entgegen, als hättest du auf mich gewartet? Das kann nicht sein, du weißt doch gar nicht, wer ich bin, und ich trage die Schuld daran. Spüre jetzt noch meinen Kuss, den ich dir gab, und so Vergessen brachte.
nagaki hi wo hitori sugoshi
[Spending a long day alone,] tomoshibi ni te wo kazasu [I spread my hand before [shade?] the lamp.] Ich ziehe mich zurück, ich... ich laufe davon. Du erschreckst mich. Natürlichste Reaktionen, die man hätte erwarten müssen, hast du nicht gezeigt. Was ist passiert? Ich konnte nicht fragen, kein Wort wollte nach draußen dringen, um so von dir erhört zu werden. Nicht einmal ein bloßer Gedanke, nichts. Mein Wille war schwach, alles in mir, in diesem Moment. Das macht mir Angst. Ich mache mir Angst! Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin so glücklich, dich wiedergesehen zu haben, und gleichzeitig unglaublich traurig darüber. Einerseits möchte ich wieder zurücklaufen und dich aufsuchen, andererseits möchte ich so weit weg wie nur möglich. Es ist besser für dich, das weiß ich. Du bist nicht für diesen Krieg geschaffen, du hast eine Familie, Menschen, die dich lieben und bei denen du in Frieden leben kannst. Ich kann dich lieben, aber dennoch könnte ich dich nicht glücklich machen. Ich traue mir sowas einfach nicht zu. Ich bette meinen Kopf auf meine Knie und schlinge die Arme darum. Vergrabe mein Gesicht in der kleinen Höhle, die dabei entstand. Was soll ich nur tun? Ein kleiner Stein, der gegen meinen Fuß rollt, lenkt meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Umgebung. Ich halte meine Hand schattenspendend vor Augen und blinzle dem hellen Licht entgegen, das sich mir nähert. Den dunklen Wald erleuchtet, obwohl es über den Baumwipfeln erst langsam dämmert. Mit einem Sprung bin ich auf dem dicken Ast eines Baumes und schaue zu der Person hinab, die mir diesen Besuch beschehrt. Das Gas der Lampe wird runtergedreht, die Flamme kleiner. Sie blendet nicht mehr. Du schaust zu mir auf und lächelst. Woher wusstest du, wo ich bin? Und warum bist du zu mir gekommen?
haru wo matsu fuyu no you ni
[Each of our hearts] tagai no kokoro wa [is like winter that waits for spring,] Wenn der Kreis sich geschlossen hat und alles von neuem beginnt. Leben aus dem Schlaf erwacht und Gefühle spendet, die man unter einer dicken Eisschicht verloren glaubte. Ein Neubeginn? Geht das für uns überhaupt? Können wir noch einmal von vorne anfangen, mit dem Wissen, das dir fehlt, und dieser Leere in mir? Wie sollen wir das machen? Wie soll ich das machen, ohne dir alles zu erzählen und dich verloren zu wissen. Wenn du wüsstest, was ich dir alles antat, würdest du mir den Rücken kehren, bevor ich es schaffe, meine Reue unter Beweis zu stellen. Meine falsche Reue... ich erinnere mich, denn ich würde es wieder tun. Wie soll dann ein Neuanfang möglich sein, wenn alles sich im Kreis dreht und nie endet? Wenn sich an meiner Meinung nichts geändert hat und sich alles wiederholen würde? Bruder, ich liebe dich. Deshalb habe ich es getan, verstehst du? Und weil ich dich liebe, kann ich es dir nicht sagen, sollst du in deinem Geist unschuldig und rein bleiben. Glücklich bleiben. Alles, was du mit mir nicht sein kannst.
natsukashii sora no shita
[Underneath the dear [nostalgic] sky] kusa ikire [The scent of grass] Schön wie ein Morgen und doch der Einklang zum Ende eines Tages. Ich habe schon lange nicht mehr darauf geachtet. Es war alles so bedeutungslos, so grau und nichtig. Sag, woran liegt es, dass jetzt alles in neuen Eindrücken auf mich niederströmt? Es kommt so plötzlich, dass es mich erschreckt, fast so wie du. Aber erschreckst du mich wirklich? Überrascht du mich nicht eher? Du lächelst immer noch. Dieses Lächeln, ich habe es so vermisst, ich liebte es so... ich liebe es immer noch. Du streckst deine Hand nach mir aus, und ich lasse mich vom Ast fallen. Lande sicher auf dem harten Waldboden und versinke in dem Anblick meines zweiten Ichs, das eine Hälfte von mir ist, die ich durch eigenes Verschulden verloren habe. Ich habe mir dadurch selbst weh getan und fühle mich dennoch nicht gestraft genug für das, was du dafür ertragen musst, ohne es zu wissen.
yuuhi no nagorimichi saita
[The setting sun's farewell path bloomed,] hana no you [like a flower.] Die Luft scheint sich in ein rötlich-lilafarbenes Gemisch zu verwandeln, das es plötzlich schafft, die Dunkelheit des Waldes für wenige Minuten zu verdrängen und uns einzuhüllen. Deine Augen glitzern, du strahlst. Du siehst glücklich aus. Wäre es jetzt nicht an der Zeit für mich zu gehen? Der Augenblick, den ich gerade erhaschen konnte, sollte mir genügen, um sich in mein Gedächtnis brennen, und nie wieder entweichen. Mich bis in meine Träume begleiten. Das Bild von dir, meinem glücklichen Bruder, weit ab von jeder Gefahr. Sollte mich das nicht glücklich machen? Vielleicht, ein bisschen. Ich war schon so lange nicht mehr glücklich, dass ich kaum noch weiß, wie es sich anfühlt. Ich sollte es wieder lernen, um nachempfinden zu können, wie du dich hier fühlst und mein Gewissen rein zu waschen. Zu leben wie bisher wird mir auf Dauer nicht bekommen.
kataranai kuchibiru ni
[I put a flute] fue wo ate [to lips that don't speak.] Und du nickst und spielst für mich. Ich lehne mich zurück, gegen den Stamm des Baumes, auf dessen starkem Ast ich gerade noch gesessen habe, und lasse meine Kugeln tanzen, langsam zum Takt deiner Melodie. Sie erfüllt meinen Körper, schwemmt die Sorgen fort, die schwarzen Gedanken, und wäscht die Flecken von meinem Herzen. Du willst mir helfen, wieder zu erlernen, was Freude ist, und ich möchte dir danken, mein Bruder, aber ich wage es nicht, dich zu stören, oder gar zu unterbrechen. Das wäre unverzeilich. Es wäre genau so schlimm wie das, was ich tat und was mir diese Schatten vermachte, die auf meiner Seele ruhen und trotz lieblicher Klänge kaum nachgeben wollen.
tooku no kumo hedatsu toki sae
[Only time separates the distant clouds...] umeyou to [Let's try to fill it] Es fühlt sich furchtbar an, hin und her gerissen zu sein. Ich nahm dir dein Gedächtnis, als du in meinen Armen lagst und hofftest, ich würde mir meines nehmen, damit wir dem Kampf entfliehen und noch einmal neu beginnen könnten. Du warst so überzeugt, ohne meine Vorurteile würde sich alles bessern. Aber ich behielt meins. Ich musste weiterkämpfen. Etwas, was du nicht mehr konntest, und so habe ich dir deine Erinnerung genommen und dich zu deiner Familie zurückgebracht. Zu den Menschen, die dich damals fanden, als ich glaubte, man hätte dich getötet. Ich habe dich also einerseits verraten, dir jedoch andererseits ein Leben geschenkt, das dir Sicherheit gibt. Ist das so? Gleicht sich alles aus? Ergänzt sich das Schlechte mit dem Guten? Ist es eben nur Zeit, das alles braucht, um sich zu entwickeln und das Leben in Bahnen zu lenken, die man nicht zu hoffen wagte?
kanaderu neiro mizu wo uchi
[The tone that plays hits the water,] ai no mune saku [tearing the love in my heart.] Jetzt, in diesem Moment wünsche ich mir so sehr, dass du dich erinnerst. Dass du mich erkennst und alles wieder so wird, wie es damals war. Bevor wir Gegner wurden. Nein, mehr... bevor wir als Seishis geholt wurden. Als es nur dich und mich gab und niemanden sonst, der uns zu interessieren hatte. Diese Zeit sehne ich mir wieder herbei, jetzt, wo ich diese Melodie höre, die so oft ihren Weg zu mir fand. Wenn ich traurig war, es mir schlecht ging; du hast immer für mich gespielt. Du hast alles für mich getan, und für mich gab es nichts Schöneres, als dich nachts schützend in meinen Armen halten zu dürfen. Deinen warmen Körper zu spüren und mit dir eins zu sein. Zusammen sind wir vollkommen, getrennt sind wir unvollständig. In meinem Herzen sticht es, und für einen kurzen Moment setzt es aus. Mir wird schlecht, so traurig bin ich plötzlich. Trauriger als jemals zuvor.
futatsu no kodou hikiyoseru
[The two beats draw near] midareru omoi [Disturbed thoughts] Du hörst auf zu spielen und kommst auf mich zu. Ich weiche nicht aus. Ich kann nicht, ich will es nicht! Deine Fingerspitzen berühren meine kalten Wangen und lassen Röte unter die zuvor so blasse Haut schießen. Ich habe das so vermisst, dich so vermisst. Und obwohl ich versucht habe, dich mit aller Kraft zu meiden, hat mein Schicksal mich doch in deine Arme getrieben. Ich lebe mit dir, und ich sterbe mit dir. Etwas anderes darf es für mich nicht geben. Etwas anderes kann es nicht geben. Es ist egal, was ich davon halten möchte, das Schicksal fragt mich nicht nach meiner Meinung. Also werde ich mich fügen, und deine Hände, die mir Wärme spenden und Liebe geben, überzeugen mich, dass ich keine Wahl habe.
aoi fune futari nosete
[Riding a blue ship together] itamu kizu wakachiau [We share a painful wound.] In unseren Gedanken versunken sehen wir uns an und berühren uns, als wollten wir uns überzeugen, dass wir uns die Gegenwart des Anderen nicht einbilden. Wir reden nicht, aber wir spüren, dass den anderen etwas beschäftigt. Ich kann es an deinem Blick sehen, und ich kann spüren, dass dich etwas aufwühlt, das du lieber begraben würdest. Aus dir rausholen und auf eine lange Reise schicken, ohne Wiederkehr. Lass uns auf eine Reise gehen. Lass uns ein Schiff nehmen, davonsegeln, und wenn wir wieder Land betreten, frei von allen Sorgen sein. Wenn man fest genug glaubt und von ganzem Herzen wünscht, wird es dann wahr?
fuan ya osoreru kimochi
[Protect love from] ai kara mamotte [uneasiness and fear.] yuudachi nikushimi mo dou ka [Evening showers, please wash away] aratte yo [hate as well.] Ich will alles von uns wissen, das zwischen uns steht und in Zukunft noch stehen könnte. Aber habe ich überhaupt das Recht, mir so etwas herbeizusehnen? Wollte ich nicht gehen? Ja, das wollte ich, aber ich kann es nicht mehr. Ich kann mich nicht von dir lösen, meinen Blick nicht von dir nehmen, meine Hände nicht von deinem Körper lassen. Ich brauche dich, ich brauche alles von dir, auch wenn du mich vergessen hast, spürst du es. Wir sind eins, Bruder. Und ohne den anderen können wir nicht existieren, egal, mit welcher Identität, egal, mit welchen Erinnerungen. Wir werden ewig das Gefühl haben, als würde etwas Wichtiges fehlen, und das täte es ja auch. Ein Teil unserer Seele, unserer Selbst. Das, was uns ausmacht, wäre nicht da, und egal, wo es sonst wäre, fehl am Platz.
kage wo fumu komichi aruita
[Stepping on shadows, I walked along the path] ano hi e [to that day.] tourou kawa ni nagashite [I chased after] oikaketa [lanterns floating on the river.] Ich wusste nicht, was mich erwartet, als ich mich auf die Reise ohne Ziel begab. Obwohl - das stimmt nicht so ganz. Ich hatte ja ein Ziel, das Ziel, dich zu meiden, und doch tat es ich nicht. Tat mein Herz es nicht, denn jenes führte mich ohne mein Wissen hierher. Ich tat so viel, nur nicht das, was ich sollte. Ich dachte nicht nach, und nun ich bin froh darum. Denn jetzt bin ich hier und nehme dich an der Hand. Führe dich aus dem Wald hinaus unter den klaren Sternenhimmel. Der silberne Mond scheint sichelförmig auf uns hinab. Er lächelt. Siehst du das, Bruder? Er lächelt mit dir. Mit uns! Ich lächle wieder, und es fühlt sich so gut an. So gut, bei dir zu sein.
chiisa na itoshisa ni afureta
[Overfilled with a little affection,] kishi ni tatsu [I stand on the shore.] natsukashii sora no shita [Underneath the dear [nostalgic] sky] kusa ikire [The scent of grass] Ich lege meine Hände um dein Gesicht und ziehe dich an mich. Ich habe dieses Gefühl so sehr vermisst, diesen Geschmack, diesen Duft, einfach alles. Dich. Deine Lippen, so weich wie sie erwidern, deine Hände, so sanft wie sie sich an mich klammern. Ich könnte ewig so stehen, unter den strahlenden Sternen, den Duft von Gras in der Nase und das Plätschern eines Flusses in den Ohren und dich in meinen Armen haltend. Dann löst du den Kuss, holst eine kleine Flasche hervor und füllst deinen Mund mit der Flüssigkeit darin. Ich erinnere mich, und ich ziehe dich erneut an mich, um meinen letzten Kuss mit Schatten auf der Seele zu nehmen, und die Möglichkeit eines neuen Lebens zu bekommen. Ohne Reue, falsche Reue, schlechtes Gewissen. Ohne diese Schatten. Und während unsere Körper sich fester aneinander pressen, kann ich deinen Herzschlag spüren. Konzentriere ich mich darauf. Unsere Herzen schlagen gemeinsam in einem Rhythmus. Zwei Takte im Einklang zur letzten Melodie vor unserem neuen Leben. Vor unserem neuen, gemeinsamen Leben.
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