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Final Farewell
Teil 1
Teil 2
 
 

Final Farewell

Teil 2
© by AnnJ ()

 

Disclaimer: Nichts gehört mir! Schade eigentlich!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.8bitnet.de/fanfiction/) in der Highlander- und in der Buffy-Sektion

 
Part13: Begegnungen

 

Es war schon sehr spät. Oder sehr früh, um es genau zu sagen. Das erste entfernte Dämmern schien durch die dunklen Gassen, als Duncan, Richie und Buffy die Kneipe verließen und den wohl bekannten Weg bis zum Dojo liefen. Buffy war verwirrt. Soviel war heute Nacht passiert. Sie musste an Giles denken. Was machte es wohl gerade? Und ihre Mutter? Nicht zu vergessen Xander und Willow. Sie lagen wahrscheinlich in ihren Betten und schlummerten den Schlaf der Unschuldigen.

Und sie lief durch LA mit zwei Unsterblichen. Sie lächelte bitter. Als ob sie nicht schon genug Probleme hatte.

Zwei Unsterbliche! Wie war das doch gleich mit der Laune der Natur? Aber warum eigentlich nicht? Immerhin gab es ja auch Vampire, Dämonen, Geister, Hexen und so weiter. Da waren Unsterbliche doch gar nicht so abwegig... irgendwie.

Es war haargenau die gleiche Situation wie gestern um diese Zeit. Nur das Buffy jetzt wusste, was das eigenartige Gefühl bedeutete, welches ihr im Moment erneut den Rücken hinunter huschte.

"Kehlaar?" fragte sie.

"Kehlaar!" bestätigte Duncan.

Im Handumdrehen hatten beide Männer ihre Schwerter gezogen und durchsuchten mit zusammengekniffenen Augen die Gegend nach einem Zeichen von Kehlaar ab. Buffy wusste nicht so recht, was sie machen sollte und blieb stehen. Aus einer Seitenstraße einige Meter vor ihnen kam seine vermummte Gestalt heraus und stellte sich herausfordernd vor sie. Sein Schwert hielt er lässig nach unten gerichtet. Duncan und Richie nahmen Kampfhaltung ein und stellten sich schützend vor Buffy.

"Ich will die Kleine!" forderte er und machte einen Schritt auf sie zu. "Sowas macht man nicht mit mir, verstehst du? Du kleines Miststück!" zischte er. Man wirft mich nicht so einfach über die Schulter. Erst recht nicht du. Das wirst du büßen!"

"Kehlar!!! Lass sie in Ruhe! Du willst mich", versuchte Duncan ihn abzulenken.

"Dich heb ich mir für den Schluß auf. Eine Rechnung ist noch offen weißt du. Und die Zinsen will ich genießen." Er macht einen weiteren Schritt auf sie zu und hob seine rechte Hand. Oder das was davon übrig geblieben war. Dort wo einst die Hand gewesen sein musste erkannte Buffy einen silbernen Haken. Er glänzte selbst in dem dämmerigen Licht. Buffy musste unwillkürlich an Käptain Hook denken. Gefährlich ließ Kehlaar die Spitze des Hakens an seinem Kinn kratzen.

"Hm, weißt du es auch noch, Duncan? Das waren noch Zeiten, nicht wahr? Da wurde man für Morde noch bezahlt. Heute ist das viel zu umständlich. Deswegen habe ich eine eigene Firma gegründet. Und sie rentiert sich. Und da ich gerade meinen Urlaub genieße habe ich mir gedacht, schaust du doch mal bei deinem alten Freund Duncan vorbei und machst zur Abwechslung mal ihn etwas kürzer."

"Ich habe auch damals über dich gesiegt."

"Falsch! Ich lebe noch, wie du unschwer erkennen kannst."

 

 
Sussex, England 1798

 

Seit Tagen regnete es ununterbrochen. Das Wasser hatte den Boden aufgeschwemmt und die Straßen in reißende Bäche verwandelt. Durch die dunklen Seitengassen huschte ein Gestalt, vermummt in Leinen. Stolpernd rannte sie von Unterstand zu Unterstand, obwohl sie schon lange bis auf die Haut durchnässt war. Ängstlich sah sie sich um. Es war niemand in Sicht. Also nahm sie Anlauf und schaffte es mit einiger Mühe bis um die Ecke, um kurz darauf über ein unachtsam hingeworfenes, zerbrochenes Droschkenrad zu stolpern. Sie keuchte leise, als sie sich mühsam aufrappelte. Die Spelunke des Ortes war nur noch wenige Meter entfernt. Man konnte das Gelächter und Gegröle der betrunkenen Männer hören, die jede Nacht um diese Zeit ihre Sorgen im Alkohol vergessen wollten. Manche von ihnen tranken auch nur aus Spaß und Dummheit. So wie Duncan McLeod, der Highlander. Obwohl er schon viel zu viel getrunken hatte, kippte er sich mit Genuß ein weiteres Glas billigen Whiskey hinter die Kiemen.

"Du trinkst ja wie ein Bulle!" witzelte eine der aufgetakelten Bardamen und ließ sich grazil auf seinen Schoß gleiten.

"Was soll's. Ich sterbe schon nicht an Alkoholvergiftung", antwortete er mit rauer Stimme und fing dann laut an zu lachen. Freundschaftlich stieß er seinen Kumpel an, der neben ihm auf einem Schemel saß, und ebenfalls ein Glas nach dem anderen vertrank.

Mit einem lauten Knall wurde die Tür aufgerissen und eine Frau kam hereingestolpert. Erschöpft ließ sie sich auf die Knie fallen und griff hysterisch nach dem Hosenbein eines Mannes, der neben ihr auf einem Stuhl saß. Angeekelt zog der sein Bein zurück und brüllte die junge Frau an.

Sie war vollkommen durchnässt trotz der vielen Schichten Leinen, die sie sich um den Körper geschlungen hatte. Ihre großen Augen durchsuchten den Raum nach Hilfe.

"Bitte!" flehte sie. "Jemand verfolgt mich."

Charmant wie er war erhob sich Duncan, wobei er die halbnackte Bardame von sich stieß, und ging zu der Frau, um ihr auf zu helfen.

"Pah!" beleidigt drehte die Verlassene sich um und warf sich dem nächsten, gutaussehenden Mann in die Arme.

"My Lady, darf ich bitten?" schleimte Duncan überhöflich und reichte ihr die Hand.

Dankbar ergriff sie sie.

"Ich... er will mich töten, glaube ich. Ich bin gerade noch so entkommen", sprach sie verängstigt. Ihre Zähne klapperten vor Kälte.

"Na dann brauchen sie wohl ein Beruhigungsmittel, nicht wahr?" Lachend wandte er sich an seinen Kumpel. Doch das Lachen verging ihm in dem Moment, als die Tür sich erneut öffnete. Der Wind peitschte einige Regentropfen von draußen in sein Gesicht und er wischte sie mit dem Hemdsärmel weg. Der neue Gast jagte ihm den wohlbekannten Schauer über den Rücken und für kurze Zeit spürte er das leichte Schwindelgefühl. Ein Unsterblicher.

Abgelenkt von seiner ehrenwerten Aufgabe, der Lady auf die Beine zu helfen, erhob er sich und verfluchte noch im selben Moment den Umstand, sein Schwert nicht in der Hand zu haben. Es lag zusammen mit seiner restlichen Habe im oberen Stockwerk des Hauses in seinem Hotelzimmer.

Ihre Blicke trafen sich.

"Meine Name ist Duncan McLeod vom Clan der McLeod."

Innerhalb weniger Sekunden war sein Kopf wieder klar. Der Nebel in seinen Gedanken, verursacht von dem schlechten Fusel war wie weggepustet. In der Hoffnung keinen allzu lächerlichen Eindruck zu machen - mit seinen Hosenträgern und dem verdreckten Hemd - sah er den Neuankömmling an. Dieser musterte ihn abschätzend und antwortete: "Und ich bin nicht interessiert!"

Er zeigte mit der Schwertspitze auf die arme Frau, die vollkommen entsetzt winselte.

"Du verdammte Hure!! So was kann man mit mir nicht machen, verstehst du? Immerhin wirst du bezahlt", schrie er sie an.

Geistesgegenwärtig berührte er die drei tiefen Kratzer auf seiner Wange, die bereits vor den Augen aller Gäste zu heilen begannen. Winzige blau- weiße Blitze hüpften über die Verletzungen wie Heuschrecken über ein Weizenkorn.

Leises Gemurmel ging durch die Reihen, als sich einige der Männer erhoben, um sich klamm und heimlich aus dem Staub zu machen.

"Ich ... ich..." stammelte die arme Seele und kroch einige Zentimeter weiter.

"Such dir jemanden deines Kalibers!" versuchte Duncan den Unsterblichen abzulenken.

"Ach und du glaubst, das wärest du, huh?" Abschätzend spuckte er vor Duncans Füße.

"Ich suche mir schon meine Gegner aus. Und du bist es wahrlich nicht wert, Dummkopf!"

"Ach, deswegen bist du hinter der Frau her, die sich wohl kaum wehren wird?"

Man konnte dem Fremden den Zorn ansehen, als er blindlings auf Duncan losstürmte, um ihm vor den Augen aller den Kopf zu nehmen.

Gekonnt huschte Duncan unter seinem Angreifer hinweg, schnappte sich dessen Arm mit dem Schwert und drehte ihn schmerzhaft hinter den Rücken.

"Warum diskutieren wir das nicht wie zwei erwachsene Männer aus? Nur wir zwei! Und unsere Schwerter. Und der Stärkere gewinnt!"

"Ich bin nicht sonderlich für Fair Play", knirschte der Fremde. "Aber was bleibt mir anderes übrig?"

"Gut! Punkt Mitternacht. Auf dem Feld vor der Stadt", flüsterte Duncan ihm ins Ohr, um ungebetene Zuschauer zu vermeiden.

Mit einem Ruck befreite sich der Fremde aus Duncans hartem Griff und rieb sich den Unterarm. "Ich werde da sein!"

 

 
LA, 1998

 

"Ja, ja, Duncan. Das war ein harter Kampf." Er betrachtete den Haken an seiner Hand, als sähe er ihn zum ersten Mal.

"Weißt du eigentlich, wie schmerzhaft eine abgetrennte Hand ist. Und das Blut erst. Meinen Mantel konnte ich vergessen. Dafür habe ich dich um so weniger vergessen. Das wirst du büßen... nachdem ich mir die Kleine vorgenommen habe." Er grinste Buffy an.

Unsicher schummelte sich Buffy hinter Richie und Duncan hervor. Sie war es nicht gewohnt jemanden zu haben, der auf sie aufpasste. Sie fühlte sich hilflos. Was konnte sie einem Unsterblichen schon antun? Natürlich! Sie konnten ihm den Kopf abschlagen. Aber wie? So ohne Taschenmesser. Sie hatte noch nicht einmal einen kleinen Löffel bei sich. Fazit war, dass es wohl an Richie und Duncan war, sie da wieder raus zu holen.

Kehlaars Angriff war wohldurchdacht. Es gab eine Regel für Unsterbliche die besagte, dass sich keiner in einen Kampf von zwei anderen Unsterblichen einmischen durfte. Pech für Duncan, dass er sich immer an die Regeln hielt.

Kehlaar nahm Anlauf und stürzte sich auf den überraschten Richie. Mit mehr Glück als alles anderem gelang es Richie, das herabsausende Schwert mit seinem eigenen aufzuhalten. Funken sprangen und das klirrende Geräusch der aneinander reibenden Klingen schrillte in Buffys Ohren. Sie hatte es gar nicht so laut in Erinnerung.

Kehlaar kämpfte mehr mit Kraft als mit Geschicklichkeit, erkannte Buffy. Doch seine Technik war unberechenbar und unfair. Richie tat es genau anders herum. Duncan hatte ihn gut trainiert. Doch selbst Richies Geschicklichkeit konnte nichts gegen den Haken an Kehlaars Hand tun, der plötzlich hervorschnellte und einen roten Striemen quer über Richies Torso hinterließ. Er keuchte und sank erschrocken auf die Knie. Ungläubig starrte er auf sein Hemd, welches sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit blutrot färbte. Siegessicher stand Kehlaar mit erhobenem Schwert vor Richie, als Duncan sich in das Geschehen endlich einmischte. "Scheiß auf die Regeln!" entfuhr es ihm und er griff an. Wieder sprangen die Funken, als Duncan und Kehlaar miteinander kämpften. Sie nahmen sich beide nicht viel an Kraft, obwohl die Geschicklichkeit auf Duncans Seite stand. Mit raffinierten Angriffs- und Abwehrtechniken, die selbst Buffy teilweise nicht mitverfolgen konnte, schaffte er es Kehlaar im Zaum zu halten, während Buffy sich zu Richie wandte. Er war auf den Boden gesunken, und hielt sich die blutende Wunde. Buffy kniete nieder.

"Richie?" drängte sie ihn die Augen aufzumachen. "Komm schon, du kannst hier nicht liegen bleiben."

Richie war unsterblich, das wusste sie. Aber wie lange brauchte eine solche Wunde zum heilen?

Vorsichtig strich sie ihm über das Haar. Die Kampfgeräusche ließen sie sich umdrehen, und sie sah, dass Kehlaar trotz Duncans Widerstand schon viel zu nah an sie herangekommen war. Duncan atmete schwer vor Anstrengung.

Sie drehte sich wieder zurück und sah in Richies geöffnete Augen. Er sah erschöpft aus. Er holte einmal tief Luft und rollte sich auf den Bauch. Die Schmerzen ließen ihn stöhnen, als er sich mit Mühe und Not auf seine Knie stemmte. Schnell eilte Buffy an seine Seite und zog ihn nach oben.

"Bring sie weg von hier, Richie!" schrie Duncan ihn an und widmete seine Aufmerksamkeit erneut Kehlaar. So schnell wie nur irgend möglich, stolperten Buffy und Richie den dunklen Weg zurück, von wo sie gekommen waren.

"Verdammt, ich mag es nicht, wenn so was passiert!" ärgerte sich Buffy und erwiderte Richies verdutzten Blick.

Bevor sie um eine Ecke huschten, sah Buffy ein letztes Mal zurück und sah Duncan, der Kehlaar über eine Feuertreppe auf das Dach des Gebäudes gedrängt hatte. Er wollte Richie und Buffy so viel Vorsprung wie möglich verschaffen.

Der Weg zurück zum "Joe's" war zu weit, also nahmen Buffy und Richie die nächste offene Tür, die sie finden konnten, und verschwanden darin. Sie landeten in einem alten Lagerhaus vollgestopft mit alten Schaufensterpuppen und Staffeleien mit unvollendeten Gemälden.

Richie hatte nicht die Kraft um große Sprintaktionen zu veranstalten, weswegen es einige Zeit dauerte, sich durch das Gewirr von Plastikarmen und Plastikbeinen zu drängen. Alles war furchtbar unordentlich durcheinander gewürfelt und Buffy erkannte nur durch Glück die Tür, welche von einigen Styroporplatten verstellt war.

Hastig warf sie sie beiseite und versuchte die Tür zu öffnen. Sie war verschlossen. Fragend blickte sie zu Richie, der ratlos und erschöpft an der Wand lehnte. Seine Wunde schien bereits zu heilen.

>Wenigstens etwas < dachte Buffy. Sie ging ein paar Schritte zurück und nahm Anlauf.

"Buffy, was..." begann Richie, wurde aber von dem lauten Knarren und Quietschen der eingetretenen Tür übertönt.

Sprachlos starrte er auf die Metallsplitter, die ihm bei der Aktion entgegengeflogen waren.

"Verdammt!" fluchte Buffy und fummelte an ihrer Hand. "Ich glaub, ich habe mir `nen Splitter geholt."

Ein lautes Knallen und eine darauffolgende, bedrohliche Stimme ließ die beiden erstarren.

"Ich weiß, dass ihr hier seid. Es ist nur eine Frage der Zeit bis ich euch finde."

Panik erfasste Buffy.

"Oh mein Gott, er hat Duncan umgebracht!" entfuhr es Buffy.

"Nein hat er nicht. Das hätten wir gehört."

"Huh?!?"

Diesmal war es Richie, der Buffy an der Hand packte und mit ihr in der Tür verschwand. Zusammen schafften sie es, die Tür hinter sich wieder zu schließen.

"Was meinst du mit 'Das hätten wir gehört'?"

"Immer wenn ein Unsterblicher stirbt, gibt's ein Mega- Feuerwerk."

"Aha. Wie originell!"

Die Tür war zu und sie sahen sich um. Dieser Raum war kleiner und eine Treppe führte nach oben. Hinter der geschlossenen Tür hörten sie Kehlaar näher kommen. Sie flitzten die Treppe nach oben und blieben auf dem Balkon stehen, der die gesamte Wand der Lagerhalle entlang führte. Hier standen ebenfalls jede Menge Kisten und alter Kram. Sie hielten sich an den Händen fest um sich nicht zu verlieren, als sie auf die andere Seite liefen. Sie konnten von hier aus Kehlaar sehen, der noch immer in der unteren Etage nach ihnen suchte. Doch ihr Glück verließ sie, als Kehlaar die eingetretene Tür entdeckte. Kurz bevor er darin verschwand, sah er nach oben und winkte.

"Ei, ei, ei, was seh ich da!" summte er leise und stieg die Treppen nach oben. Er schien es nicht sonderlich eilig zu haben.

Buffy und Richie erkannten die Falle zu spät. Völlig außer Puste kamen sie auf der anderen Seite der Halle an. Es gab keine Tür. Die weitere Flucht wurde ihnen durch festes Mauergestein und durch einen mindestens drei Meter hohen Stapel wackelig stehender Kisten versperrt. Und Kehlaar war kaum zwanzig Meter entfernt. Verzweifelt suchte Buffy nach einem anderen Ausweg. Sie lehnte sich über das Geländer und sah nach unten. Etwa 6 Meter tief war der Weg nach unten. Und selbst Buffy war diese Lösung ziemlich unbequem. Erschrocken hörte sie das Aufeinanderprallen von zwei Klingen und wirbelte um ihre eigene Achse.

"Richie, verdammt! Was machst du da?" rief sie ihm hinterher. Doch dieser war bereits in einen unfairen Kampf verwickelt. Mit der einen Hand hielt er sich die Wunde, mit der anderen versuchte er krampfhaft sich gegen Kehlaar zu wehren und ihn zurückzudrängen. Doch er hielt es nicht lange durch. Vollkommen erschöpft konnte er sich nicht gegen den Schlag wehren, der ihn mit enormer Kraft über das Geländer segeln ließ. Es gab ein lautes Rumpeln, als der Aufprall alle Puppen im Dominoeffekt umfallen ließ. Verstört konnte Buffy seine regungslose Gestalt inmitten des Gerümpels erkennen.

Kehlaar war nahe gekommen und zwinkerte ihr zu.

"Nur du und ich. Und mein Schwert", zischte er und wollte auch auf Buffy losgehen. Verdutzt sah er, wie sie blitzschnell auf eine der Kisten sprang und mit einem eleganten Salto über ihn hinweg flog. Hinter ihm kam sie sicher auf und sandte ihn mit einem Tritt in den Rücken mitten in die Kisten, die geräuschvoll über ihm zusammen krachten.

Sie konnte sein wütendes Geschrei hören, als er sich bewusst wurde, dass er schon wieder von ihr überrumpelt worden war.

Und sie rannte.

Sie rannte, als wäre der Teufel persönlich hinter ihr her. Nach einigen Metern sah sie sich kurz um. Ein Fehler. Diesen Moment nutzte Kehlaar, der bereits zu ihr aufgeholt hatte. Er warf sich auf sie, und erwischte im letzten Moment ihren Fuß. Er hielt sie fest. Buffy wollte aufspringen doch sie kam nicht weiter. Sie drehte sich und versuchte ihn mit einem gezielten Tritt ins Gesicht loszuwerden. Doch so sehr sie auch zutrat, er ließ nicht locker. Stattdessen griff er nur fester zu und brüllte wütender bei jedem neuen Tritt.

"Du verdammte Schlampe!" donnerte er.

Verzweifelt merkte Buffy, wie Panik sie überkam.

In dem Moment hörte sie eine vertraute Stimme von unten nach ihr rufen und über den Fußbodenrand hinweg erkannte sie Duncan, der zu ihr aufblickte. Er sah sich um, konnte aber die Tür nicht entdecken, die nach oben führte.

Kehlaar hatte sich erhoben und wollte sein Schwert in Buffys Magen rammen, als sie im letzten Augenblick ihr Bein nach oben streckte und ihm die Balance nahm. Für kurze Zeit ruderte er mit seinen Armen in der Luft und stolperte einige Schritte zurück. Inzwischen schnellte Buffy nach oben.

"Oh Giles, wenn ich das überlebe, werde ich nie wieder unsere Trainingstunden versäumen."

Unsicher stand sie am Geländer. Es war so tief. Doch das zornige Geschrei Kehlaars nahm ihr alle Zweifel und sie sprang ohne zu überlegen.

Sie hatte das Gefühl, der Fall würde nie mehr enden. Mit riesigem Tempo sah sie den Boden auf sich zu kommen. Immer näher und näher. Im Hintergrund hörte sie Duncan. Er rief ihr etwas zu. Doch sie verstand es nicht.

Um sich abzurollen war zu wenig Platz. Also versuchte Buffy so gut wie möglich mit den Beinen den Aufprall abzufedern. Doch sie konnte ja nicht wissen, welche hohe Geschwindigkeit man bei einem Sturz von mehr als 6 Metern erreichte. Sie ging in sekundenschnelle in die Knie und fing sich mit den Händen auf. Doch der Schwung war zu groß. Sie rollte zur Seite und stieß kräftig mit dem Kopf gegen eines der Metallregale, die wahllos in der Halle aufgestellt worden waren. Sternchen funkelten vor ihren Augen und ein übelkeitserregender Schwindel drehte sich um sie herum. Sie schüttelte benommen den Kopf und versuchte die schwarze Welle der Bewusstlosigkeit abzuschütteln. Wie durch einen dunklen Nebel sah sie Duncan auf sich zukommen. Im nächsten Moment spürte sie, wie sie hochgehoben wurde. Dann wurde es schwarz.

 

 
Part 14: Die Wahrheit

 

Leicht wie eine Feder war Buffy in Duncans Armen. Besorgt betrachtete er ihr blasses Gesicht. Eine böse Platzwunde an ihrem Hinterkopf färbte ihre Haare rot. Sie hatte vermutlich eine Gehirnerschütterung, dachte Duncan und bedeutete Richie den Klingelknopf zu drücken. Sie waren den gesamten Weg von der Lagerhalle bis zu Joe's Appartement gerannt. Völlig außer Atem lehnte Richie an der Wand und drückte mit letzter Kraft auf besagten Knopf.

"Komm schon, Joe!" betete Duncan und atmete erleichtert auf, als er die Schritte hinter der Tür hören konnte. Mit zerzaustem Haar und einem ziemlich verschlissenen Morgenmantel öffnete ein übermüdeter Joe die Tür.

"Was um Himmels Willen..." entfuhr es ihm, als er die drei Gestalten erkannte, die vor seiner Haustür standen. Sie sahen wahrlich nicht aus wie die Zeugen Jehovas. Alle drei sahen aus, als hätten sie gerade den dritten Weltkrieg überstanden. Hastig ließ er die drei frühen Besucher eintreten.

"Kehlaar!" beantwortete Duncan die nichtgestellte Frage.

Groggy ließ sich Richie in einen Sessel fallen und betrachtete angewidert sein blutdurchtränktes Hemd. "Das Hemd kann ich vergessen."

Währenddessen ließ Duncan Buffy vorsichtig auf das Sofa gleiten. Zärtlich strich er ihr über das Gesicht und prüfte professionell ihre Pupillenreaktion.

"Was ist denn passiert, verdammt noch mal?" rief Joe aus dem Badezimmer, wo er den Erste-Hilfe-Kasten aufbewahrte.

"Kehlaar hat auf uns gewartet. Er ist hinter Buffy her, warum auch immer. Verletztes männliches Ego. Sie ist durch einen 6 Meter Sturz entkommen. Ein Wunder, dass sie das überhaupt geschafft hat."

"Wie geht es ihr?" ließ Richie verlauten, der sich inzwischen das versaute Hemd ausgezogen hatte und das restliche Blut von seinem Oberkörper wischte.

"Es sieht schlimmer aus, als es ist. Ich glaube, sie kommt zu sich."

Tatsächlich blinkerte Buffy leicht mit den Augen, bevor sie sie vollends öffnete und die zwei Männer betrachtete, die mit besorgten Gesichtern auf sie nieder sahen.

"Uff", stöhnte sie, als sie sich aufrichten wollte. "Oh Mann. Ich brauch 'ne Aspirin." Sie hob ihre Hände und hielt sich das Gesicht, als ob sie Angst hätte, es würde auseinander fallen.

Vorsichtig drückte Duncan sie zurück in die Kissen.

"Wie viele Finger halte ich nach oben?" fragte er skeptisch.

Etwas bedeppert sah Buffy ihn an und sagte: "Ich habe 'nen Brummschädel, keinen Knall."

"Wie viele?!" forderte Duncan.

"Gekonnt rollte Buffy mit den Augen. "Wurzel 16! Zufrieden?"

"Äh warte!" rief Richie und rechnete es an seinen Fingern nach.

"4! Richtig!"

Diesmal war es Duncan, der mit den Augen rollte.

"Das hätte ins Auge gehen können." Vielsagend sah er Buffy an.

"Ja, Daddy!"

In dem Moment kam Joe mit dem Verbandszeug in das Zimmer gestürmt und bemerkte erleichtert, dass Buffy zu sich gekommen war.

"Was hat dich aufgehalten?" richtete Buffy ihre Frage an Duncan und tupfte nebenbei ihre Wunde mit einem Tuch ab.

"Lass es mich so ausdrücken: Wir haben alle einen ziemlichen Sturz hinter uns." Er rieb sich den noch immer schmerzenden Nacken.

"Das war echt knapp." Meinte Buffy und zuckte zusammen, als Duncan damit begann, die Wunde zu säubern.

"Mach dir darum keine Sorgen Ich werde mich um ihn kümmern. Versprochen!" versuchte Duncan sie zu beruhigen.

"Du meinst, du willst ihn töten?!"

Sie sah ihn an und schon wieder wurde Duncan klar, wie jung sie doch eigentlich war. Dass er sie spürte, bedeutete nicht, dass sie eine von ihnen war. Sie hätte sterben können.

"Was?! Hab ich 'nen Pickel?"

Aus seinen Gedanken gerissen bemerkte Duncan, dass er sie angestarrt hatte.

"Was? Oh nein! Du hast keinen Pickel. Mach dir keine Sorgen!" Er stand von der Couch auf und verschwand im Badezimmer.

"Was ist denn in den gefahren?" bemerkte Buffy leicht gekränkt.

"Er hat manchmal solche Phasen."

"Was für Phasen?"

"Solche "Du-bist-in-Gefahr-und-es-meine-Schuld-deswegen-muß-ich-dich-beschützen-Phasen"."

"Ich kann auf mich aufpassen und ich vermute, das weiß er sehr wohl. Er ist wie mein ..."

Sie stockte.

"Buffy? Bist du OK?" Richie nahm neben ihr auf der Couch Platz. "Er ist wie wer?"

"Niemand!" Sie wollte auf keinen Fall darüber sprechen. Es tat einfach noch zu sehr weh.

Doch ihr harscher Tonfall tat ihr schon in dem Moment leid.

"Ich vermisse sie!"

"Deine Familie?"

"Ja." Sie seufzte schweren Herzens und verwünschte ihr Heimweh.

"Wo wohnst du eigentlich? Ich vermute, dass Detroit genauso wenig dein Heimatort ist wie Anne dein Name."

"Anne ist mein Name. Naja, zumindest mein zweiter Vorname. Die Schwester meiner Mutter heißt so."

"Klingelineling!!!" Richie klopfte ihr leicht auf die Stirn. "Wohnort! Erinnerst du dich?"

"Oh..ähm... Sunnydale."

"Was Sunnydale? Dieses kleine Kaff?" Er wuschelte sich durch seine Haare. "Die haben eine coole Mall."

"Das ist nicht das Einzige was die haben. Sunnydale liegt über dem Boca del Inferno, sagt dir das was?"

"Höllenbock?"

"Höllenschlund. Der Eingang zur Hölle!"

"Was ihr habt dort Spielhöllen? Die habe ich da aber noch nicht gesehen."

"Es ist sinnlos. Du willst es gar nicht verstehen."

Sie stand auf und lief zum Fenster.

Gekränkt sah Richie ihr hinterher. Er fragte sich ernsthaft, was er nun schon wieder falsch gemacht hatte.

"Was denn verstehen? Wenn du von Vampiren und so redest, hast du vollkommen recht. Es tut mir leid, wenn du daran glaubst, aber ich tue es nicht. Und ich werde es auch niemals glauben. Kannst du mir es übel nehmen?"

"Soll ich das wirklich beantworten?"

Er zuckte mit den Schultern.

"Hör mal!" Sie kam wieder näher und setzte sich Richie gegenüber auf einen einladenden Ledersessel. Sie zog die Knie an und stützte ihr Kinn darauf.

"Ich nehme es dir nicht übel. Als ich 15 war, hatte ich - mal abgesehen davon dass meine Eltern sich immer stritten - ein richtig schönes Leben. Ich war beliebt, hatte jede Menge Freunde und war jeden Samstag auf Parties zu finden. Ich galt als reich und verwöhnt... und ich beließ es dabei. Bis eines Tages ein fremder Mann nach der Schule auf mich wartete. Er faselte irgendetwas von meiner Bestimmung und dass ich auserwählt sei. Und ich dachte nur: Hey, aus welcher Klapse haben sie dich denn rausgeschmissen? Er erzählte mir von Vampiren und Dämonen und all so 'nem Zeug. Ich glaubte ihm nicht. Ich meine, ich besaß sogar einen kleinen Kuscheltiervampir mit kleinen Knopfaugen und einem schwarzen samtenen Umhang. Bis mich der Mann eines Nachts mit auf einen Friedhof schleppte und ich den ersten Vampir zu Gesicht bekam. Seitdem habe ich eine Menge mehr Vampire erledigt und hatte nicht vor damit aufzuhören. Bis vor drei Monaten..."

"Was ist passiert?"

"Angel." Sie schniefte leise und räusperte sich.

"Du... du musst es nicht erzählen wenn du nicht willst."

"Ich weiß!" Sie stand wieder auf und ging zurück zum Fenster.

"Er war ein Vampir. Und der Mann, den ich liebte."

"Aber..."

"Jaja, ist mir klar, dass sich das komisch anhört. Aber man muß dazu wissen, was Vampire überhaupt sind. Stirbt der Körper des Wirtes - oder wie auch immer du ihn nennen willst - nistet sich ein Dämon ein. Und die Seele des Menschen verfliegt. Angel hatte seine Seele noch. Aber das ist eine andere Geschichte. Er litt fürchterlich an seinen Erinnerungen an die Greueltaten die sein Körper begangen hatte als er noch keine Seele hatte. Er hat mir häufig den Ar... tschuldigung...das Leben gerettet. Nicht dass ich das nicht für ihn getan hätte, aber es ist meine Pflicht. Auf jeden Fall kam was dazwischen, um es vorsichtig auszudrücken. Am Ende habe ich ihn getötet und bin weggelaufen?"

"Du hast ihn umgebracht? Machst du das mit all deinen Freunden? Was war denn so wichtig, dass du ihn umbringen musstest?"

"Die Menschheit!"

"Achso. Na dann!"

Er nickte bestätigend und versuchte nicht zu lachen. Buffy sah ihn böse an. Sie hätte wissen müssen, dass er ihr nicht glaubte. Und das, obwohl er schon mehr oder weniger vorbelastet war. Sie starrte aus dem Fenster und beobachtete, wie Leben in die verlassen Straßen kehrte. Es war viertel nach sechs und die ersten Frühaufsteher strömten zu ihren Arbeitsplätzen. Sie sah eine junge Mutter über den Gehweg eilen. In der einen Hand hielt sie zwei Tüten und einen Aktenkoffer. An der anderen Hand zerrte sie ein kleines Mädchen hinter sich her. Wahrscheinlich ihre Tochter dachte sich Buffy und ließ den Blick weiter schweifen. Ein junger Mann strebte ebenso gehetzt in die andere Richtung. Ebenfalls mit einem Aktenkoffer in der Hand. Er trug einen schicken Anzug und einen teuren Schlips. Die Schuhe glänzten bei jedem Schritt. Er sah auf seine Uhr und bog um eine Ecke. Dort blieb Buffys Blick an einer weiteren Gestalt stehen. Lässig an der Wand gelehnt stand der Mann und feilte sich seine Fingernägel. Er blickte auf... direkt zu Buffy und grinste sie an.

Erschrocken machte sie einen Sprung nach hinten und brachte Joe zum Taumeln, der gerade mit einem Tablett aus der Küche zurückkam, auf dem vier Teetassen und eine dampfende Kanne standen.

"Uff." Grunzte Joe als er mit aller restlichen Balance versuchte sein Porzellan zu retten.

"Was ist?"

Besorgt folgte Duncan Buffys erschrockenem Gesicht und sah aus dem Fenster.

"Ich sehe nichts!"

Er zog die Gardine zu.

"Kehlaar stand da. Er hat mich gesehen."

"Vielleicht war es jemand anderes?" versuchte Richie sie zu beruhigen.

"Nein, verdammt! Ich bin doch nicht verrückt!"

"Naja, da bin ich mir manchmal gar nicht so sicher", flüsterte Richie und räusperte sich kurz darauf um das Gesagte zu vertuschen. Ein böses Paar Augen sahen ihn an.

"Ich bekomme plötzlich furchtbare Lust darauf, jemanden kräftig zu vermöbeln", giftete Buffy. Sie schnippte mit den Fingern. "Hey, mir fällt gerade was ein. Du bist ja unsterblich. Da stehen mir ja alle Möglichkeiten offen." Langsam ging sie auf Richie zu und ballte die Fäuste. Im letzten Moment trat Duncan dazwischen.

"Jetzt aber mal halblang. Wir stehen alle auf der selben Seite, erinnert ihr euch. Und die Situation löst sich nicht von alleine, wenn ihr euch benehmt Kinder!"

"Ich bin ein Kind!" verteidigte sich Buffy.

"Genau! Und Kinder kämpfen weder gegen Unsterbliche noch gegen Vampire", konterte Richie. Buffy nahm Kampfhaltung ein sah aus, als würde sie ihm jeden Moment an die Gurgel gehen wollen.

Genervt rollten Duncan und Joe synchron mit den Augen und verschwanden in der Küche, um sich nicht weiter mit den beiden Streithähnen auseinandersetzen zu müssen.

 

 
Part 15: Es ist nicht alles Gold was glänzt

 

Verstört griff Willow nach ihren Büchern, die in ihrem Spind standen. Auf dem Weg zum Biologielabor bemerkte sie, dass sie aus Versehen das Buch für amerikanische Geschichte in der Hand hielt. Sie stöhnte kaum hörbar und wollte zurück zum Spind gehen, um das richtige Buch zu holen, als sie mit Oz zusammenstieß.

"Hallo." Begrüßte er sie wortkarg und wollte sie umarmen.

Sie drückte das Buch an sich und versteckte ihre rotgeweinten Augen hinter ihren zotteligen Haaren, die vor ihrem Gesicht hingen.

Zärtlich schob Oz seinen Finger unter ihr Kinn und zwang sie so aufzusehen.

"Es geht ihr gut, Willow. Du musst es nur glauben."

"Aber Spike..."

"Spike kann viel sagen, wenn die Nacht lang ist."

"Ich weiß nicht Oz. Giles geht uns seit neulich aus dem Weg. Irgendetwas ist nicht richtig, das spüre ich doch. Warum ist Giles so komisch? Er hat nicht ein Wort gesagt zu Spike. Warum denn nur?"

Ihre Lippen begannen zu zittern und sie schluckte tapfer die Tränen hinunter. Nervös sah sie sich um, ob jemand ihren Gefühlsausbruch bemerkt hatte. Es tat so gut, als Oz sie fest an sich drückte und ihr über die Haare strich.

"Sie kommt zurück. Früher oder später muß sie ihre Wäsche waschen lassen, nicht wahr?" Ein kleines Lächeln umspielte Willows Lippen.

"Vielleicht hast du recht."

"Siehst du?"

"Aber..."

"Kein Aber!" Er küsste sie kurz auf die Wange.

"Ich seh dich nach der Schule in der Bibliothek, OK?"

Er wartete keine Antwort ab und war kurz darauf verschwunden. Der Schulflur leerte sich. Die Schüler strömten mit gelangweilten Gesichtern in ihre Klassenräume und ließen eine traurige Willow auf dem frisch gebohnerten Fußboden zurück. Es würde jeden Moment zum Stundenbeginn klingeln, doch Willow hatte nicht die Absicht, zum Unterricht zu gehen, um Frösche aufzuschnippeln. Sie wischte sich die Tränen mit dem Handrücken ab und machte kehrt. Zielsicher steuerte sie in Richtung Bibliothek. Ohne zu zögern, trat sie ein und blieb unsicher stehen, als sie Giles erkannte, der seinen Kopf auf die Arme gestützt am Tisch saß.

"Giles?"

"Willow? Ich..." Er stand auf und zupfte sich nervös an seinem Tweed-Jackett herum.

"Was tust du hier? Hast du keinen Unterricht?"

Er nahm die Brille von der Nase und putzte sie mit einem großen Taschentuch.

"Uhh... ich... wollte mit ihnen sprechen. Es ist..." sie zögerte und blickte zurück zum Eingang. Sie holte tief Luft.

"Sie ist nicht tot, nicht wahr?" Sie schüttelte den Kopf." Ich meine Buffy."

"Ähm..." stotterte Giles und verschwand in seinem Büro. Mit einem Stapel Bücher kam er heraus. Er stieg die Treppen hinauf und verschwand erneut hinter den Bücherregalen. Gedämpft hörte Willow ihn sich räuspern.

"Ich mache mir Sorgen um dich, Willow."

Verärgert rollte Willow mit den Augen. Sie wusste genau, was Giles vorhatte.

"Giles, bitte. Lenken sie nicht vom Thema ab. Ich bin doch nicht dumm. Sie wissen etwas, was sie uns verheimlichen. Geht es um Buffy?"

Hinter den Regalen blieb es still, bis Giles langsam wieder vorkam. Er hatte die Hände in die Hosentasche gesteckt, sah aus, als würde er konzentriert nach Staub auf dem Fußboden suchen.

"Ich weiß nicht, was ich tun soll, Willow."

Er sah sie an und setzte sich auf einen Stuhl. Er bedeutete Willow sich ebenfalls zu setzen.

"Sie hat angerufen"

Mit großen Augen öffnete Willow ihren Mund und wollte etwas sagen, als Giles sie mit der erhobenen Hand davon abhielt.

"Warte bevor du etwas sagst. Es ist nicht so, dass ich es verheimlichen wollte. Sie redete nicht mit mir. Sie hat nichts gesagt, außer dass es ihr leid täte. Dann hat sie aufgelegt. Ich weiß auch nicht, ob sie noch lebt. Ich weiß nur, vor einer Woche tat sie es noch."

"Sagen sie nicht so was!" forderte Willow mit wackeliger Stimme. "Was hat sie bloß davon abgehalten, uns das zu erzählen. Glauben Sie, es wäre für uns leichter zu glauben, dass sie tot ist? Denn wenn Sie das tun, bin ich enttäuscht. Seit einer Woche habe ich nicht mehr geschlafen. Ständig habe ich darüber nachgedacht, ob Spike recht hatte. Seit einer Woche lebe ich mit der Gewissheit, Buffy nie wieder zu sehen. Und jetzt das." Obwohl Tränen über ihr Gesicht strömten, blieb ihre Stimme überraschend ruhig. "Ich hätte nie geglaubt, dass Sie uns das vorenthalten würden."

Sie stand auf und verließ die Bibliothek, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Hinter ihr blieb ein zerrütteter Giles zurück.

Es wurde still in der Bibliothek. Es war noch Unterricht und alle Schüler saßen fleißig in ihren Klassenräumen und lernten. Mit zitternden Händen fuhr sich Giles durch sein Haar. Er hatte einen Fehler gemacht, das wusste er. Wahrscheinlich den größten Fehler seines Lebens... mal abgesehen von der Nacht mit Shelley Wallerts in der neunten Klasse.

Er hatte keine Ahnung, ob er jemals wieder Willow oder Xander unter die Augen treten konnte. Geschweige denn Buffy. Natürlich glaubte er das Beste für Willow und Xander zu tun. Aber konnte er sich denn immer sicher sein, was das Beste für sie war?

 

Dunkelheit lullte Sunnydale ein und nahm ihm alle Sicherheit, die das Licht des Tages gewährte. Die Läden in der Stadt wurden geschlossen. Laut rasselnd wurden die Metallgitter vor den Schaufenstern und Eingangstüren hinuntergelassen, und jegliches Leben wurde auf laufende Fernseher und Radios minimiert.

Es war die Zeit am Abend, zu der man in anderen Städten die Grillpartys begann oder gemütlich in einem Whirlpool mit dem Freund oder der Freundin schmuste. Verlassen lag der Heimweg vor Willow. Jeder Schritt auf dem Bürgersteig hallte durch die Wohngegend. Den Blick nach unten gesenkt, sah Willow nicht auf, als eine Gestallt mit einem kleinen Terrier auf dem Arm aus den Büschen hervortrat.

"Da ist sie! Sieh nur! Endlich können wir zusammensein", säuselte die wohlbekannte Stimme. Der Panik nahe erkannte Willow die Gestalt, die mit einer ausgestreckten Hand langsam auf sie zukam.

"Drusilla!?!" brachte Willow hervor und blieb wie erstarrt stehen. Verzweifelt kramte sie in ihren Taschen auf der Suche nach einem Kruzifix oder einer Flasche geweihten Wassers, ohne den Blick vom Feind abzuwenden. Drusillas Gesichtsausdruck war wie immer mehr oder weniger undeutbar. Ihre großen Augen waren auf Willow gerichtet. Näher und näher kam sie bis sie nur noch wenige Meter entfernt vor Willow stehen blieb.

"Was ...was willst du?"

"Sonnenschein hat mich zu dir gebracht. Er hat gesagt, er bräuche einen Spielgefährten. Und da habe ich an dich gedacht."

Mit scheinbar unschuldiger Mine kam sie immer näher an Willow heran. Zärtlich strich ihre kalte Hand über Willows glühendheiße Wange und glitt hinunter um ihren Hals.

"Willst du mich töten?" Willow merkte, dass sie ihre zitternde Stimme nicht mehr länger unter Kontrolle halten konnte. Schritte näherten sich von hinten und eine weitere, leider allzu vertraute Stimme, grollte durch die Nacht.

"Mann o mann, Drusilla! Ich bin nicht mehr der Jüngste. Bist du Marathonläuferin geworden oder so?"

Spikes Stimme änderte schlagartig ihren Ton, als er Willow erkannte.

"Du!" Anklagend erhob er seinen Finger und fuchtelte damit vor Willows Nase herum. "Da hast du mir was Tolles eingebrockt., Hexe." Wirr wuschelte er sich mit beiden Händen durch die Frisur, während Drusilla begann, an Willows Haaren heranzufummeln.

"Du musst irgendwas falsch gemacht haben!" Er grollte sie wütend an.

"Aber ...aber sie ist doch da, oder nicht?" versuchte Willow sich heraus zu reden. Trotzdem hatte auch sie schon bemerkt, dass da etwas schiefgelaufen sein musste. Drusilla sah sie mit großen, liebeshungrigen Augen an. Als sie im Begriff war sich an ihr Opfer anzuschmiegen, hielt Willow es nicht mehr aus. Mit einem lauten "Iiihhh!" ging sie einen Schritt nach hinten.

"Hey! Meine Drusilla ist nicht Iiiihhh!" griff Spike ein.

"Genau! Ich bin nicht Iiiihhh!" Drusilla sah auf und schien erst jetzt zu bemerken, dass Spike anwesend war. "Spiiiike!" säuselte sie in ihrer Singsang-Stimme. "Was machst du denn hier? Hast du schon meinen Gast begrüßt?" Sie sah zurück zu Willow.

"Ich will mit ihr spielen."

Spike rollte mit seinen Augen.

"Drusilla! Schätzchen! Wie oft habe ich dir gesagt, dass man als zivilisierter Vampir nicht mit seinem Essen spielt."

Er legte seine Finger um Willows Hals.

"Sieh hin und lerne, wie man es macht."

Er wollte sich nach vorne beugen, um Willow zu beißen, als Drusilla ihn mit einer kräftigen Rechten davon abhielt.

"Sie gehört mir!" schrie sie.

Ungläubig starrte Spike sie von seinem Platz auf dem Fußgängerweg an.

"Häääh?"

Willow war sich nicht ganz sicher, ob sie weinen oder lachen sollte. Die Szene war einfach zu komisch. Die Entscheidung wurde ihr leicht gemacht, als ein weiterer Beteiligter die Szene betrat.

"Willow!" rief ihr ein besorgter Giles zu. Blitzschnell hatte er aus seiner Jackentasche ein Kruzifix und einen Pflock geholt.

"Willow, geh hinter mich!" sagte er und kam den beiden Vampiren näher. Mit grollenden, gewitterähnlichen Geräuschen entfernten sich die beiden von ihrem Opfer und Willow flitzte hinter ihren Beschützer.

"Verschwinde Spike! Und nimm deine verrückte..." Er suchte nach dem richtigen Wort. "... B-B-Braut mit. Los!"

Erbärmlich winselnd zog sich Drusilla zurück und ein nicht minder betretener Spike folgte ihr auf geringer Distanz.

Erleichtert atmeten Willow und Giles synchron auf. Doch das, was Giles getan hatte, war nicht mit einer einfachen Rettungsaktion aufzuwiegen. Oder doch?

Spontan fiel Willow ihm in die Arme.

"Oh Giles. Danke- Ohne sie hätte mich Drusilla zum Frühstücksmenü erkoren. Ich habe sie schon fast wieder gerne." Sie ließ zögernd von ihm ab und sah verlegen auf ihre Fußspitzen.

"Tschuldigung!"

"Sch-schon in Ordnung. Ich muß mich entschuldigen" Mit zitterigen Fingern zog er seine Krawatte zurecht.

"Sie hätte dir mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts getan. Sie ist dir verfallen könnte man sagen. Ich glaube der Zauber ist geringfügig daneben gegangen."

"Woher wissen sie das schon wieder? Das darf nicht zur Gewohnheit werden." Sie stutze. "Was haben sie gesagt? Wieso ist der Spruch daneben gegangen?"

"Spike hätte im Kreis sitzen müssen, nicht du." Wütend schlug er sich auf die Stirn.

"Verdammt! Warum habe ich nicht daran gedacht?"

Willow sah ihn groß an und verzog langsam ihr Gesicht zu einer verwirrten Fratze.

"Oh oh. Da habe ich ja wieder was tolles angerichtet."

Sie stutzte erneut.

"Giles?"

"Äh ja?"

"Was machen Sie hier?"

"Ich... Das sollten wir drinnen besprechen." Er sah sich um.

"Dürfte ich mit reinkommen?" Er nickte mit seinem Kopf in die Richtung von Willows zu Hause.

"Sicher."

 

 
Part 16: 180°

 

Willow hatte noch nie einen älteren Mann in ihrem Zimmer gehabt außer ihrem Vater. Zum Glück waren ihre Eltern nicht daheim, was ihnen eine Menge Ausreden ersparte. Nun saß Giles auf dem Stuhl in ihrem Zimmer.

"Ich bin in erster Linie gekommen um mich zu entschuldigen. Was ich gemacht habe war falsch, ich weiß. Aber ich habe geglaubt, es wäre das Beste für euch. Anfänglich glaubte ich sowieso, dass Buffys Anruf nur ein Traum war. Ich war schlicht und einfach überrumpelt."

Nervös stand er auf und besah sich Willows Bücherregal. Seine Augen leuchteten auf, als er nach einem der Bücher griff.

"Oh, "Biologie der Gottesanbeter". Das habe ich noch nicht gelesen. Wie interessant."

Er drehte sich wieder um und begegnete Willows verständnislosem Blick.

"Verzeihung, wo war ich gerade?"

"Sie wollten gerade zur zweiten Linie ihres Erscheinens kommen."

"Was?"

"Warum sind sie hier?"

"Ah! Ach so, ja! Genau! Ich..." Er setzte sich wieder.

"Ich kann nicht mehr so weiter machen. Ich meine das rumsitzen. Buffy ist am Leben. Darin bin ich mir jetzt sicher. Wenn wir alle Fakten zusammentragen, müsste es doch möglich sein, irgendwie auf ihre Spur zu kommen, nicht wahr?" Er schielte mit einem hoffenden Blick auf den Computer auf Willows Schreibtisch.

Er machte eine kleine Pause und wartete darauf, dass Willow etwas sagte. Als sie schwieg, fuhr er fort.

"Was glaubst du, wo Buffy hin gegangen sein wird?"

 

Einige Nächte später:

Abends um halb 12 war die Bibliothek genauso verlassen wie auch tagsüber. Außer den zwei leise atmenden Gestalten, die über Atlanten, Reisekatalogen und vor dem Computer saßen und sich nach jeder verflossenen Minute die müden Augen rieben war die Stille beinahe fassbar.

Die Türen öffneten sich laut polternd und rissen Willow und Giles aus ihrem Halbschlaf.

Xander, gefolgt von einer griesgrämig aussehenden Cordelia, betraten die Bibliothek.

"Wer hat Schokodonuts und schwarzen Kaffee bestellt?"

"Was hat dich so lange aufgehalten?" fragte Willow vorwurfsvoll und stürzte sich auf den heissen Kaffee.

"Eine gewisse Person, deren Namen ich nicht laut auszusprechen wage, hat ganze 30 Minuten mit der Morgentoilette gebraucht." Ein böser Blick und eine Faust trafen ihn von rechts und er zuckte zusammen.

"Ich möchte dich mal sehen, wenn du nachts um elf aus deinen Träumen gerissen wirst und zu aller Verzweiflung auch noch eine Schlammmaske trägst." Cordelia wühlte aus ihrer Handtasche einen Spiegel und Lippenstift heraus und begann sich zu schminken.

Ungläubig starrten die drei Zeugen sie an, schüttelten die Köpfe und machten sich anschließend wieder an die Arbeit. Allerdings konnte sich Xander seine bissige Bemerkung nicht verkneifen:

"Mach dir keine Sorgen Cordy. Wir wissen doch alle, wie du ohne deine fünf Schichten Make'up aussiehst. Wir wurden schon des öfteren damit konfrontiert. Und der Schock wird von Mal zu Mal weniger."

Er grinste.

"Habt ihr schon was gefunden?" wechselte er das Thema und wandte sich an Giles und Willow.

"Nichts. Keine einziges Zeichen. Es ist, als ob sie vom Erdboden verschwunden wäre."

"Lasst uns die Sache doch mal logisch angehen. Sie ist achtzehn, gutaussehend und hat ausreichend große... Brieftaschen."

Der Bissen in Giles' Rachen brachte ihn zu einem zurückhaltenden Husten.

"Sie ist bestimmt in Kalifornien oder Florida. Wetten?" beendete Xander seine Ausführungen.

Giles hatte sich von seinem Schrecken erholt und sah Xander müde an.

"Da wäre ich mir nicht so sicher. Sie könnte überall sein."

Xander musste einsehen, dass seine Vermutung sehr weit hergeholt war.

"Schon möglich. Aber um ehrlich zu sein, glaube ich, dass wir sie erst finden, wenn sie gefunden werden will."

Es wurde still als die vier diese Annahme insgeheim bestätigen.

Sie waren im Begriff zurück an die Arbeit zu gehen, als das laute Schrillen des Telefons sie davon abhielt. Fragend sahen die drei Teenager den Bibliothekar an.

"Wer ruft um diese Zeit in der Bibliothek an?" wollte Cordelia wissen.

"Jemand, der seine Bücher zu lange ausgeliehen hat und nun voller Reue beichten will?" bot Xander an.

Giles ging um den Tisch in Richtung des Apparates. "Ich lasse alle Anrufe an mein Telefon zu Hause hierher umleiten."

"Das können sie?" Ungläubig starrte Willow ihn an. "Ich meine... ähm... wow! Ich bin stolz auf sie."

"Uhmm, ja. Die Bedienungsanleitung war recht ausführlich."

Giles räusperte sich und hob den Hörer ab.

"Hallo?"

Sein unbewegter Gesichtsausdruck ließ Willow, Cordelia und Xander raten.

"Was? Was ist denn los?" fragten sie gleichzeitig und rückten näher. Bis Willow auf die geistreiche Idee kam und den Lautsprecher des Telefons anschaltete.

--"-ist Joe Dawson. Es geht um ein junges Mädchen, das Sie möglicherweise kennen. Würden Sie mir zuerst sagen, wen ich hier gerade angerufen habe."--

Verwirrt blickte Giles seine drei Schützlinge an.

"Ähm, mein Name ist Rupert Giles. Und woher haben Sie bitte die Nummer?"

--"Das ist ein lange Geschichte. Ist ihnen ein junges Mädchen mit dem Namen Buffy bekannt?"--

Der blecherne Klang der Stimme aus dem alten Telefon hing in der Luft und es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis Giles den ersten Schrecken überwunden hatte und antwortete.

Willow, Xander und Cordelia hielten die Luft an. Irgendwas großes war hier gerade geschehen und sie wussten instinktiv, dass sie einige Schritte näher an Buffy waren. Näher als sie es sich noch vor wenigen Minuten hätten träumen lassen.

Giles Stimme zitterte merklich, als er antwortete.

"Was ist mit ihr? Wo ist sie?"

--"Machen sie sich keine Sorgen, Mr. Giles. Soweit ich weiß, geht es ihr gut. Es geht mir da..."--

Giles schnitt ihm in seiner Aufregung die Worte ab.

"Was heißt das "Soweit Sie es wissen"?"

--"Hören Sie, Mr. Giles. Es wäre das Beste, wenn wir persönlich diese Sache klären. Denn Buffy ist ganz offensichtlich von zu Hause weggelaufen und hat eine Menge durchmachen müssen. Ich habe nicht die Absicht, ihr mit unüberlegten Handlungen zu schaden. Kommen sie morgen gegen 10 Uhr vormittags ins "Joe's". Sie finden es Ecke 14 und Caber's Street in Georgetown City, Los Angeles. Kommen sie alleine!"

Er legte auf.

 

 
Part 17: Der Countdown läuft

 

Selbst einige Tage nach dem Vorfall mit Kehlaar war noch immer nichts passiert. Nicht der geringste Hinweis auf eine Attacke oder ähnliches. Duncan und Richie waren noch nie so feindlos gewesen. Doch genießen konnten sie es wahrlich nicht. Dass Kehlaar nicht aufgeben würde, stand außer Frage. Früher oder später würde es passieren. Höchstwahrscheinlich früher fürchteten Duncan und Richie. Sie hatten Buffy die letzten Tage nicht eine Minute aus den Augen gelassen. Ihre Verletzung war erfreulicherweise schnell verheilt... ebenso wie Richies blaues Auge.

Duncan hatte gehofft, den Tag mal etwas ruhiger zu beginnen. Er hatte Rührei gemacht. Dazu gab es gebratenen Speck und frischgepressten Orangensaft. Zusammen saßen sie nun am Tisch und versuchten sich mit unnützem Geplänkel abzulenken, was allerdings nicht sehr einfach war, bemerkten Richie und Duncan. Seit Tagen versuchten sie, Buffy etwas aufzumuntern, was ihnen selbst mit einem Kinobesuch nicht gelungen war. "Star Wars I". Ein toller Film! Leider nicht toll genug.

Das Telefon klingelte.

Hastig schob sich Duncan den letzten Bissen in den Mund und flitzte zum Telefon.

Besorgt beobachtet Richie das abwesende Mädchen. Sie stocherte lustlos in ihrem Frühstück. Richie konnte sich nicht daran erinnern, ob ihr Teller schon mal voller gewesen wäre.

"Du musst die Eier nicht zerkleinern, Buffy. Wenn du dir Atome in den Mund steckst, dann schmeckt's nicht."

Sie sah nicht auf. Hatte sie ihm überhaupt zugehört?

Richie konnte Duncan reden hören. Kurz darauf kam er zurück und schnappte sich seinen Mantel.

"Richie, ich muß was erledigen. Pass auf sie auf, während ich weg bin." Er sah Richie verheißungsvoll an.

"Er ist bestimmt nicht weit."

Mit diesen Worten ließ er das alte Gitter des Aufzuges nach unten rasseln und war verschwunden. Nicht ganz sicher, was er mit der Situation anfangen sollte, zog Richie eine Grimasse und sah missbilligend zurück zu der Jägerin.

"Hast du Lust auf eine Partie Rummy? Oder Black Jack? Wie wärs mit Blinde Kuh?"

"Huh?"

Verwirrt blickte Buffy auf und hörte auf in ihrem Essen herumzustochern.

"Hast du was gesagt?"

"Ich habe dich gefragt, was du jetzt von einer kleinen Runde Schlammcatchen hältst."

"Toll! Sicher! Warum nicht?"

"Meine Güte, das kann so nicht weitergehen. Du bist absolut deprimierend. Bei deinem Anblick fallen selbst Spatzen tot von den Bäumen."

"Oh Danke, wie charmant." Sie warf ihm einen verärgerten Blick zu.

"Es tut mir leid dass ich so eine Belastung für dich bin. Was hältst du davon, wenn ich auf der Stelle tot umfalle."

Sie erhob sich von ihrem Stuhl und ließ sich theatralisch auf den Boden gleiten. Dort blieb sie liegen und rührte sich nicht. Unbeeindruckt stieg Richie über sie hinweg und räumte das Geschirr in die Spüle. Verhalten blinzelte Buffy und sah im dabei zu. Nachdem er damit fertig war, richtete sie sich auf und stützte sich auf die Arme.

"Toll machst du das. Hast du jemals an eine Berufslaufbahn als Butler gedacht? Du könntest Karriere machen. Und da du ja unsterblich bist, könnte man dich von Generation zu Generation weitergeben. Toll, nicht?"

Ein winziges, wenn auch gehässiges Lächeln umspielte ihre Lippen als sie daran dachte, wie Richie wie ein Pinguin verkleidet Geschirr durch die Gegend tragen würde.

"Haha!" Er baute sich vor ihren Füßen auf. "Irgendwann wirst du dich an deinen Bemerkungen mächtig verschlucken. Und ich werde triumphieren." Er lachte übertrieben laut in seiner besten "Riddle-Imitation" und stemmte die Hände in die Hüften.

Doch sein Lachen verstummte, als das bekannte Kribbeln seine Wirbelsäule entlang kroch und in seinem Kopf einen kleinen Schmetterlingschwarm auslöste. An Buffys Gesichtsausdruck konnte er erkennen, dass sie ihn auch spürte.

"Das ist bestimmt Duncan und er hat seinen Autoschlüssel vergessen", versuchte Richie sie zu beruhigen. Er hielt ihr die Hand hin und zog sie mit einer kraftvollen Bewegung nach oben.

Die Tür zum Hinterausgang, der sich um die Ecke befand, öffnete sich.

"Duncan bist du das?"

Keine Antwort.

Hastig schnappte sich Richie sein Schwert, welches griffbereit auf dem Couchtisch lag, und zog Buffy an der Hand in Duncans Schlafzimmer. Den Aufzug nach unten zu nehmen, dafür war zu wenig Zeit. Mit einer schnellen Bewegung zog Richie die Tür hinter sich zu und schloss ab. Das würde Kehlaar allerdings nicht lange aufhalten.

"Warte, bis er hier ist. Ich werde versuchen ihn abzulenken. Du kletterst die Feuerleiter runter und rennst so schnell du kannst! Verstanden?"

"Aber... !"

"Verstanden???" betonte er.

"Ja!" versprach sie ihm. "Pass auf dich auf!" Sorge blitzte in ihren Augen auf.

Sie ging zum Fenster und besah sich den Öffnungsmechanismus.

Kehlaar war an die Tür gekommen und trat von der anderen Seite kräftig dagegen. Lange würde das die Tür nicht mitmachen. Quietschend schob sie sich bei jedem Tritt mehr aus den Angeln.

Kampfbereit stellte sich Richie vor die Tür und wartete.

Er sah noch einmal kurz zurück zu Buffy. Fluchtbereit stand sie am Fenster.

Mit einem lauten Krachen flog die Tür auf und Holzsplitter wirbelten herum.

"Jetzt!!!" schrie Richie Buffy an und wehrte sich gegen das herabsausende Schwert seines Gegners.

Zögernd sah Buffy zu Richie. Sie konnte ihn doch nicht einfach Kehlaar überlassen. Zwar hatte sie keine Waffe, aber jede Faser ihres Körpers sträubte sich dagegen, ihn alleine zulassen. Zweifelnd sah sie sich um.

"Verschwinde, verdammt noch mal!!!" schrie Richie ihr wütend zu. Der drängende Ton holte sie aus ihrer Starre und sie zwängte sich durch die schmale Öffnung des geöffneten Fensters auf das Metallgelände an der Außenwand des Gebäudes.

"Geh' nicht zu weit weg, Kleine. Wir haben noch Pläne zusammen!" hörte sie Kehlaar rufen. Die Kampfgeräusche verklangen, als sie die Treppe nach unten flitzte. Leise fluchend sah sie nach oben. Unten angekommen sah sie sich um.

Wohin nun?

Ein lauter Schrei durchfuhr die Gasse.

"Richie!" flüsterte sie als Tränen der Wut ihr die Sicht verschwimmen ließen. Der Drang ihm zu helfen war zu groß. Sie ging einen Schritt in Richtung der Treppe, die sie gerade hinunter gelaufen war. Doch zu spät. Auf dem Treppenabsatz des ersten Stockwerkes stand Kehlaar und winkte ihr mit seinem Schwert zu. Entsetzt sah sie zu, wie Kehlaar mit einem Hüpfer über das Geländer in die Tiefe sprang, und nur einige Meter vor ihr unverletzt auf dem Boden aufkam.

Er lachte.

So schnell wie nur möglich rannte Buffy los. Irgendwohin. Nur weg! Sie konnte seine Schritte hinter sich hören. Diesmal machte sie nicht den Fehler sich umzudrehen. Sie rannte und rannte, bis sie glaubte, ihre Lunge würde zerbersten. Seine Schritte waren verklungen. Die Gasse, in der sie auf einmal stand, war eng und wurde durch herumliegende Kartons noch enger. Sie war bestimmt 10 Minuten gerannt, dachte Buffy und wagte zum ersten Mal sich umzudrehen. Von Kehlaar war nichts zu sehen, obwohl Buffy ihn noch immer genau spürte. In diesem Augenblick erkannte sie die Falle. Er hatte es so geplant, von Anfang an, durchfuhr es Buffy. Eine Bewegung hinter ihr ließ sie herumfahren und das letzte was sie sah, war der Knauf von Kehlaars Schwert auf sich zurasen.

<Nicht schon wieder> war ihr letzter Gedanke.

 

 
Part 18: Männerbekanntschaften

 

"Darf ich vorstellen, Mc? Das ist Rupert Giles, Buffys Wächter. Mr. Giles, Duncan McLeod. Es war seine Telefonnummer, die Buffy in der Telefonzelle wählte. Ich habe dir davon erzählt." Begrüßte Joe Duncan. Duncan sah sich einem älteren Mann gegenüber. Seine Augen waren müde und schauten sich unruhig in Joe's um. Er war um die 40, glaubte Duncan und bemerkte die zitternden Hände des Mannes.

Mit einem gequälten Lächeln begrüßte Giles ihn.

"Wie ich gehört habe, haben Sie sich ein wenig um Buffy... gekümmert." Er schluckte.

"Danke!" Dankbar bot Giles Duncan die Hand an.

"Eine hervorragende Jägerin haben Sie da erzogen", lobte Duncan und erlaubte sich ein kleines Lächeln.

"Wo... woher... ich meine... woher wissen Sie von uns? Sind Sie ebenfalls Mitglieder der Wächtervereinigung?"

"Das könnte man so sagen", witzelte Joe und warf Duncan einen wissenden Blick zu.

"Die Wächtervereinigung ist weitaus größer und ausgeprägter als sie wahrscheinlich vermuten, Mr. Giles." Noch immer gestützt auf seinen Gehstock, ließ sich Joe auf einen Stuhl gleiten.

"Ich bin genau wie sie ein Wächter. Oder besser gesagt ein Beobachter." Er räusperte sich und bat Giles Platz zu nehmen.

"Beobachter gehören zu einer Art Zweigstelle der Wächtervereinigung, Mr. Giles. Unsere Aufgabe besteht in der Beobachtung der Unsterblichen."

"Sie meinen *die* Unsterblichen? Ich kenne die... Regeln für ihr ... Spiel. Aber ich habe es noch nie mit einem von ihnen zu tun gehabt. Während meiner Ausbildung wurde ich bezüglich ihrer Anwesenheit unterrichtet, habe jedoch eine Laufbahn als Wächter vorgezogen." Er lächelte ein wenig als seine Gedanken in der Vergangenheit schweiften.

"Ich habe es nie bereut. Buffy ist etwas ganz Besonderes."

"Das haben wir auch schon mitbekommen", fügte Duncan hinzu.

"Da gibt es allerdings noch etwas anderes." Joe fühlte sich unwohl bei dem Gedanken daran, Giles von Kehlaar zu erzählen. Eine weitere Gefahr, vor der seine Jägerin nicht sicher sein konnte, war wahrlich das letzte was sie brauchte. Doch konnte das Problem leider nicht einfach ohne weiteres aus dem Weg geschafft werden.

"Durch einen dummen Zwischenfall oder wie auch immer man es nennen kann, hat Buffy den Zorn eines Unsterblichen auf sich gezogen. Sein Name ist Kehlaar und er ist nicht zum spaßen aufgelegt, vorsichtig ausgedrückt."

"Ich habe es vor etwa 200 Jahren schon einmal mit ihm zu tun gehabt. Er ist ungewöhnlich gewalttätig und hat wenig Sinn für Recht und Unrecht."

Erstaunt sah Giles Duncan an.

"Sie sind ein Unsterblicher?" Aufgeregt rückte er seine Brille zurecht. "Das ist in der Tat äußerst faszinierend." Für einige Sekunden starrte er Duncan an, bevor er fortfuhr.

"Wo ist Buffy jetzt? Und wie geht es ihr? Haben Sie vielleicht etwas über den Grund ihres Weglaufens erfahren können? Das letzte, was wir wissen ist, dass sie sich dem Dämon Acathla gestellt hat."

"Nein! Nichts!" fragend sah Duncan zu Joe. "Allerdings hat sie einen gewissen Angel erwähnt Soweit ich verstanden habe, hat sie ihn getötet um Acathla aufzuhalten."

"Ja, das ist sehr wahrscheinlich", überlegte Giles. "Allerdings ist es leider etwas komplizierter. Angel war nicht ...uuhhh ... Angel als sie ihn tötete. Hat sie ihn vielleicht bei seinem Namen Angelus genannt?"

"Nein, soweit ich weiß nicht. Aber sie war in dieser Beziehung nicht besonders gesprächig", sagte Duncan.

"Das ist sehr eigenartig. Der Fluch war vielleicht..." Giles stutzte und schien in Gedanken versunken. "Es sei denn... Oh Mann. Verdammt!" Er schlug sich auf die Stirn. "Wieso bin ich nicht eher darauf gekommen. Willow hat doch gesagt, der Fluch wäre wirksam geworden."

Joe und Duncan waren ratlos. Doch Giles schien ihre Gedanken zu lesen.

"Ich erkläre es Ihnen später, meine Herren. Zuerst wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mich zu ihr bringen könnten."

"Sicher. Ein Freund von mir passt auf sie auf. Aber wir sollten doch etwas vorsichtig sein. Vielleicht würde eine direkte Konfrontation mit Ihnen mehr Schaden anrichten, als schon vorhanden. Ich werde sie vorbereiten."

Zusammen verließen sie das Lokal und fuhren mit dem Auto die kurze Strecke zum Dojo.

Dort angekommen stiegen sie aus und betraten das Gebäude. Doch irgendetwas stimmte nicht. Unruhig sah sich Duncan um.

"Hier ist etwas faul. Ich spüre nur eine Präsenz, Joe. Hier ist etwas mächtig daneben gegangen. Ich spüre Buffy nicht." Bei den letzten Worten sprintete er los und nahm die Treppen zur oberen Etage. Giles und Joe folgten ihm unmittelbar.

Das Wohnzimmer sah aus wie immer, außer das auf dem Tisch noch Geschirr vom Frühstück stand. Richies Schwert war verschwunden.

"Richie! Buffy!" rief Duncan in die scheinbar leere Wohnung.

Aus dem Schlafzimmer drangen stöhnende Geräusche zu ihnen und Duncan durchquerte mit wenigen Schritten das Zimmer durch die zerborstene Tür. Giles und Joe betraten soeben die Tür zur Wohnung und konnten Duncans besorgtes: "Richie!" hören. Der Boden des Schlafzimmers war vollkommen blutüberströmt. Inmitten des roten Teppichs lag ein stöhnender Richie, der gerade im Begriff war, sich in die Höhe zu stemmen.

"Es ... tut mir leid, Duncan." Er hielt sich die noch blutende Stelle in seiner Brust. "Er hat sie!" war alles, was er noch zwischen zusammengepressten Zähnen hervorbringen konnte. Duncan zog ihn vorsichtig in die Höhe und half ihm ins Wohnzimmer.

"Was ist passiert? Verdammt! Es ist meine Schuld. Ich hätte euch nicht alleine lassen dürfen."

Richie hustete gequält und krächzte: "Dann wärst du schon tot. Er sagte, er will dich Duncan. Und Buffy ist seine Falle." Er schloss die Augen und ließ sich auf den Sessel gleiten.

Duncan wusste, was er zu tun hatte.

"Er will mich haben, also bekommt er mich."

Er sah noch einmal zurück zu Giles und Joe. Der Schock stand ihnen ins Gesicht geschrieben.

"Wartet hier, bis Richie wieder kampfbereit ist." Beim Hinausgehen legte er Giles die Hand auf die Schulter.

"Ich werde sie finden! Lebend! Das verspreche ich!"

Mit diesen Worten verließ er die Wohnung.

 

 
Part 19: zweifelnde Hoffnung

 

"Hast du das gehört?"

"Was denn?"

Angestrengt lauschte Xander aber es blieb still.

"Doch nicht!"

Enttäuscht ließ er seinen Kopf auf die Tischplatte sinken.

Sie hatten sich vorgenommen, Biologie zu schwänzen um auf einen Anruf von Giles zu warten, doch inzwischen hatte sich das Schwänzen auch auf Englische Literatur und Geometrie ausgeweitet. Bedauerlicherweise blieb auch die Mittagspause nicht von ihrer Aktion verschont. Zu Xanders lautem Magengrummeln gesellten sich Willows Finger, die nervös auf der dunklen Eichenplatte trommelten.

"Willow, du könntest Karriere als Drummer machen. Dein Rhythmus ist wunderbar gleichmäßig."

"Verzeihung!" entschuldigte sie sich hastig und ließ ihre Finger unter dem Tisch verschwinden.

Wieder herrschte Stille.

"Hast du das gehört?"

"Nein! Was denn?"

Erneut horchte Xander, aber es blieb noch immer still.

"Doch nicht!"

Langsam wurde Willow sauer.

Es klingelte. Innerhalb weniger Millisekunden war Xander zum Telefon gestürzt und hob ab.

"Hallo? Hallo? Giles!"

Verwunderung machte sich auf seinem Gesicht breit als offensichtlich niemand antwortete.

"Haaallllooo?"

"Xander, beruhige dich."

Verärgert nahm Willow ihm den Hörer aus der Hand und knallte ihn zurück auf die Gabel.

"Willow, was tust du denn da? Das hätte Giles sein können! Wieso hast du aufgelegt?"

"Das war die Schulklingel, Xander."

"Oh!"

Sie wollten ihre Plätze wieder einnehmen, als tatsächlich das Telefon klingelte. Diesmal war Willow zuerst am Hörer. Ohne sich zu melden horchte sie in den Hörer. Nachdem sie einige Sekunden lang schweigend der Stimme gelauscht hatte, legte sie auf.

"Was? Was ? Was ist los Willow? Warum hast du nun schon wieder aufgelegt?"

"Giles hat gesagt, sie suchen nach ihr." Ihre Miene drückte in keinster Weise Beruhigung, geschweige denn Erleichterung aus, was Xander wiederum Anlass gab, nach zu fragen: "Und? Ist das gut?"

Sie zuckte mit den Schulter.

"Warten wir's ab."

 

 
Part 20:Entscheidungen

 

LA hatte entschieden zu viele verlassene Warenhäuser, fluchte Duncan und ließ wieder den Motor an. Es kam ihm vor, als hätte er schon hunderte von Warenhäusern durchsucht ohne auch nur den geringsten Hinweis auf Buffy oder Kehlaar zu finden. Verbissen ließ er seinen Blick über die größtenteils verfallenen Metallgerüste gleiten. Alte Autoteile, Reifen und aller möglicher Kram lag in den Ecken, sodass es schwer war, einen Überblick zu behalten. In der Ferne sah er einen großen Tanklaster an einem der Docks anlegen. Sein Griff wurde fester und mit nur ein wenig mehr Druck wäre es ihm gelungen, dem Lenkrad seine ursprüngliche Form zu nehmen. Auf einmal trat er hart auf die Bremse. Die Reifen seines Wagens quietschten und das laute Geräusch ließ ihn erschrocken zusammenzucken. Soviel zum leise anpirschen. Aber das hatte bei Unsterblichen sowieso keinen Sinn. Duncan spürte Kehlaar. Folglich spürte Kehlaar auch ihn. Entschlossen griff er sich sein Schwert, das er vorsorglich auf dem Beifahrersitz gelegt hatte. Er stieg aus und sah sich um. Es sah aus, wie überall wo er heute schon war. Links und rechts von ihm 10 Meter hohe Wellblechwände mit Aufschriften längst bankrott gegangener Firmen. Gleich um die Ecke des Warenlagers linkerhand begann der Ozean. Duncan konnte das Wasser hören, wie es an die betonierte Promenade klatschte. Es war relativ ruhig heute und wäre Duncan nicht auf einer Rettungsmission, würde er das Geräusch als beruhigend empfinden. Er ging auf den Eingang eines der Gebäude zu und öffnete die Tür. Die ungeölten Angeln beschwerten sich mit einem lauten Knarren. Vermutlich hatte Kehlaar ihn schon lange im Visier, dachte Duncan. Immerhin war es sein Spiel und Duncan hatte die Spielregeln einzuhalten, sonst würde er verlieren. Nicht über Los gehen und keine 2000 Dollar einkassieren. Duncan war eingetreten und sah sich um. Zum größten Teil war der Raum leer, abgesehen von ein paar alten Anhängern ohne Kennzeichen und mit zerschlissenen Reifen. In der einen Ecke stand die Uraltversion eines Schiffskranes. Pfützen voll öliger Streifen gaben dem Betonboden ein unregelmäßiges Fleckenmuster. Die Decke hing etwa 10 Meter über Duncan und Sonnenstrahlen schienen durch einige Löcher, was dem grauen Zwielicht des Raumes eine unheimliche Atmosphäre verlieh. Doch noch etwas anderes kam von der Decke. Aufgehängt wie ein Stück Lende eines Rindes baumelte Buffy an einer Metallkette von oben. Fünf Meter über dem Boden , zappelnd wie ein Fisch auf dem Trockenen. Sie war bei Bewusstsein und sie versuchte ihm etwas zu sagen. Doch mit geknebeltem Mund kam nicht mehr heraus als "mpf". Sie schüttelte mit dem Kopf, soweit es ihre Fesseln erlaubten und schielte verzweifelt auf ihre Hände, die über ihrem Kopf zusammengebunden waren und ihr gesamtes Gewicht tragen mussten. Lange so auszuharren war kein Kinderspiel, das wusste Duncan. Und er hatte keine Ahnung, wie lange sie schon hing.

"Verdammt, Kehlaar!!!" schrie er in den Raum und sah sich möglichst unauffällig nach dem Flaschenzugsystem um, welches Buffy in der Höhe hielt. Doch er sah nichts.

"Komm raus und stell dich!!!"

Kampfbereit drehte er sich langsam im Kreis auf der Suche nach seinem Gegner. Schritte aus einer der hinteren Ecke ließen Duncan herumwirbeln. Selbstsicher kam Kehlaar langsam auf Duncan zu. Lässig baumelte sein Schwert in der linken Hand. Er grinste und zeigte mit seinem Haken auf Buffy.

"Wie rührend. Ich hätte nicht gedacht, dass du kommst. Aber Duncan, der immerzuvorkommende Gentlemen, lässt eine junge Frau doch nicht alleine sterben. Er will mit ihr zusammen untergehen. Das ist das traurigste, was ich je in meinem Leben gehört habe." Er stutzte und kratzte sich mit dem Haken am Kopf. "Nein halt! Das traurigste war, als meine Stiefschwester sich von ihrem Mann getrennt hat. Das war wirklich herzergreifend. Besonders die Szene, als er sich den Revolverlauf in den Mund schob." Er schniefte theatralisch und schüttelte sich.

"Aber ich komme vom Thema ab, das ist eine dumme Angewohnheit."

Es war tatsächlich eine dumme Angewohnheit, dachte Duncan. Nervosität breitete sich in ihm aus. Alles in ihm dränge danach, ihm den Kopf mit einem einzigen sauberen Hieb von den Schultern zu heben. In Gedanken hob er schon den Arm und begann den Angriff. Allerdings hatte es Kehlaar nicht sehr eilig. Wütend überhörte Duncan, was Kehlaar noch zu sagen hatte und stützte sich betont gelangweilt auf sein Schwert.

"Ich habe das Gefühl, Duncan, du hörst mir nicht zu. Das ist nicht gut, sagt mein Psychiater. Damit macht man sich keine Freunde."

"Ich weiß. Enthaupten ist ein bessere Methode."

Der Kampf hatte begonnen.

Mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, ließ Duncan sein Schwert auf Kehlaar niedersausen. Der parierte und antwortete mit einer Gegenattacke. Duncans Verstand war erfüllt mit dem Klirren von Metall und dem vertrauten Gefühl von Adrenalin in seinem Körper. Kehlaars Schwert kam immer näher. Er machte einen Satz zur Seite und befand sich, mit einer geschickten Drehung unter Kehlaars Arm hinweg, hinter seinem Gegner, der noch damit beschäftigt war, seinen Schwung aufzufedern. Hier sah er seine Chance und nutzte sie. Sein Schwert fuhr durch die Luft, Kehlaars Hals immer näher. Doch im letzten Moment konnte Kehlaar abblocken.

Klirr

Duncan biß sich verärgert auf die Zunge. Nur eine Sekunde früher. Kehlaar begann eine neue Attacke und stürmte zornig auf Duncan zu. Rasende Wut schien ihn zu übermannen erkannte Duncan nicht ohne Genugtuung. Wut war hilfreich, solange sie für einen arbeitete. Kämpfte man *wegen* der Wut, waren Fehler unvermeidlich. Das wußte Duncan. Und Kehlaars Wut war irrational und außer Kontrolle. Er brüllte bei jedem Schlag. Ihre Schwerter kreuzten sich über ihren Köpfen und sie sahen sich für wenige Sekunden in die Augen. Was Duncan sah, machte ihm Angst. Also tat er das einzig richtige in dieser Situation und lächelte seinen Gegner so freundlich, wie es sein Gemütszustand erlaubte, an.

"Aaaaaaaaaaahhhhh!" donnerte Kehlaar. Er machte eine 360° Drehung und zielte auf Duncans Hals. Erneut duckte sich Duncan und das Schwert sauste um Haaresbreite über ihm hinweg.

 

 
Part 21: Drei... Zwei... Null

 

Sie konnte nichts sehen. Sosehr sie sich auch wand, die Fesseln wichen nicht einen Zentimeter. Selbst wenn, wäre das nicht unbedingt ein Fortschritt gewesen. Unter ihr kam mindestens 5 Meter Nichts. Und von Stürzen hatte sie wahrlich genug. Die Nerven bis zum Zerreißen gespannt, verfolgte Buffy den Kampf anhand der klirrenden Geräusche der Schwerter. Die beiden Männer schienen irgendwo hinter ihr zu sein. Kurz darauf waren die Kampfgeräusche fast verklungen. Der Kampf hatte sich nach draußen verlegt. Ein letztes Mal spannte Buffy ihre Armmuskulatur an in der Hoffnung, etwas gegen die scheinbar unlösbaren Fesseln zu tun. Doch sie waren zu fest. Es lag nun alles an Duncan. Schon wieder. Würde er unterlegen sein, wäre das Buffys Todesurteil. Kein schöner Gedanke, dachte Buffy frustriert.

Angestrengt lauschte sie. Lautes Poltern ertönte, als ob jemand einen Küchenschrank voller Aluminiumtöpfe umgekippt hätte. Dann wieder Klirren. Kehlaar schrie Duncan an, doch Buffy konnte nicht verstehen was er sagte. Es war grotesk, aber Scham erfüllte sie, an einer Kette zu hängen wie ein Stück Schlachtvieh. Kräftig biss sie die Zähne zusammen und versuchte sich in eine bequemere Lage zu hängen. Die Fesseln rieben ihr die Haut auf und die kleinste Bewegung fühlte sich an wie Reibpapier auf blankem Knochen. Sie wunderte sich, ob sie überhaupt noch Haut an den Armen hatte. Die Schmerzen hatten inzwischen ihre Schultern erreicht und sie fühlte einen leichten Schwindel. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, dass die beiden Männer angefangen hatten zu kämpfen.

>Hoffentlich vergessen sie mich nicht hier oben<, dachte Buffy grimmig.

>Egal wer von beiden gewinnt. Es ist besser durch ein Schwert zu sterben als durch gefesselte Handgelenke.<

Ein Luftzug ließ sie frösteln. Durch irgendein Loch in der Wand pfiff der Wind durch den Raum und wirbelte Staub auf. Verwirrt blinzelte Buffy. Sie hatte das Gefühl mit einem Finger in einer Steckdose zu stecken. Die Luft um sie herum knisterte und Funken sprangen unter ihr von Pfütze zu Pfütze. Das Atmen fiel ihr schwer und ein unglaublicher Druck schien sich um sie herum ausgebreitet zu haben. Dann kam der Schrei. Ein Schrei, der Buffy bis ins Mark erschütterte. Die Hölle brach los. Sie konnte nichts anderes tun als die Augen zu schließen und zu hoffen, wieder heil aus der Sache raus zu kommen. Funken sprangen auf ihrer Haut und versengten ihre Haare. Der Geruch von verbranntem Gummi und verbranntem Fleisch stieg ihr in die Nase. Sie schluckte in der Hoffnung, den unerträglichen Druck von ihren Ohren zu verbannen. Sie wimmerte leise und biss sich schmerzhaft auf die Zunge. Es schien gar kein Ende zu nehmen. Alles bewegte sich um sie herum, als ob die Gesetze der Schwerkraft für kurze Zeit außer Kraft gesetzt wären. Ihre Handgelenke brannten wie Feuer, da sie immer stärker vor und zurück schaukelte, bis die Glieder der Metallkette durch die enormen elektrischen Ladungen wie dünnes Eis auseinander brachen. Das laute Quietschen wurde durch das Feuerwerk übertönt. Und sie fiel. Erschrocken ruderte sie mit den Beinen in der Luft und bereitete sich bereits auf ein harte Landung vor. Doch die kam nicht. Jemand rief ihren Namen. Doch sie war viel zu sehr damit beschäftigt den Boden im Auge zu behalten. Sie schloss die Augen, riss die Arme nach vorn und ... landete weich.

Das laute Gewitter elektrischer Blitze hatte sich gelegt und zurück blieb eine willkommene Stille. Einige wenige Funken knackten noch in fernen Ecken der Halle. Die Luft roch verbrannt und gleichzeitig wie nach einem erfrischenden Schauer während einer Hitzedürre mitten im Sommer. Sauberer.

Sie hatte die Luft angehalten und blinzelte nun vorsichtig mit einem Auge um zu sehen, worauf sie gelandet war. "Geh von mir runter!" hörte sie Richie stöhnen und er rollte sie von seinem Oberkörper auf den Boden.

"Mmppfff!" nuschelte sie erleichtert und hätte ihn am liebsten mitsamt den gefesselten Armen umarmt. Vorsichtig löste Richie den Knebel.

"Bist du in Ordnung?"

Ihr war zum Heulen. Alles war durcheinander geraten. Solchen Ereignissen wollte sie entgehen und doch stolperte sie regelmäßig über sie wie ein Alkoholiker über die Flasche. Doch trotzdem beinhaltete all das ein Hauch von Gewohnheit. Sie konnte wahrlich ihrem Schicksal als Jägerin nicht entgehen. Selbst wenn, würde sie mit großer Wahrscheinlichkeit regelmäßig in anderweitige Katastrophen verwickelt werden. In Orkane, Überschwemmungen, Banküberfälle oder in Kämpfe um Leben und Tod zwischen Unsterblichen.

Ihr war zum Heulen zumute.

"Es geht mir gut... nach einem langen heißen Bad und einer Rundumerneuerung." Sie verkniff sich die Tränen und stöhnte leise, als Richie die Fesseln an ihren Handgelenken löste. Er half ihr auf die Beine.

"Was für ein Glück, dass ich gerade hier so rumstand."

Es war einer dieser Momente, die sie bis auf die Knochen verabscheute. Er hatte ihr vermutlich das Leben gerettet und nun musste sie wohl oder übel Danke sagen. Sie bedankte sich nicht gerne. Für Blumen oder Pralinen... vielleicht. Aber er hatte ihr Leben gerettet. Ein Danke reichte da nicht aus. Es kam ihr albern vor, beinahe banal. Peinlich berührt stand sie vor ihm und rieb sich die schmerzenden Handgelenke.

"Ich... ich..." Sie sah ihm in die Augen. "Ähm... Danke!" Sie sah weg.

"Duncan!" rief Buffy plötzlich erschrocken aus und stürmte los.

"Schon in Ordnung! Ich werd's überleben." antwortete ihr eine müde Stimme und wankend kam Duncan um eine Ecke auf sie zu. Erleichtert fiel sie ihm in die Arme. Duncan hatte seine Probleme, den stürmischen Teenager und sich auf den Beinen zu halten, doch schließlich umarmte er auch sie. Für einen Moment standen sie einfach nur so da, bis Duncan sich von ihr löste und auf einen Punkt hinter Buffys Rücken starrte. Lächelnd zwinkerte er ihr zu und sagte: "Ich glaube, da will dich noch jemand in die Arme nehmen."

Die verrostete Eingangstür, die Duncan ebenfalls hereingekommen war, öffnete erneut. Das Quietschen hallte in dem Raum und sie hatte das Gefühl, es würde ihre Zähne zum Klappern bringen. Doch das Klappern und ihre plötzliche Angst lagen nicht an der Tür. Ungläubig starrte sie Duncan an. Das konnte nicht wahr sein. Es war ein Traum. Sie hatte ihnen vertraut. War das Verrat? Wut und eine schier überwältigende Freude ließen ihr Tränen in die Augen steigen und sie war nicht überrascht über die zitternde Stimme, die leise und doch so laut ihren Namen wisperte. Sie blieb stehen und getraute nicht sich umzudrehen.

"Ich... " sie begann stärker zu zittern und hörte vorsichtige Schritte von hinten auf sie zukommen. Sich umzudrehen brachte sie nicht fertig. Starke Arme schlossen sich um sie, fassten ihre Schultern und drehten sie in seine Richtung.

Den Blick auf den Boden gerichtet, erkannte sie seine Schuhe. Sauber und glänzend. Die Tweedhose, mit Bügelfalte. Er hielt sie fest und drückte sie an sich, als wollte er sie nie wieder loslassen. Buffys Tränen tränkten seine Jacke und es kümmerte ihn nicht, dass die drei unbekannten Männer auch seine Tränen sahen. Sein Herz schlug vor Freude Purzelbäume und sein Brustkorb zog sich zusammen. Verkrampfte Muskeln, von denen er nicht wusste dass sie existierten lösten sich nach dreimonatiger Anspannung. Nie wieder würde er sie loslassen. Noch fester drückte er sie an sich und legte sein Kinn auf ihre blonden Haare.

Die Welt war in Ordnung.

 

 
Epilog: Willkommen Zuhause

 

Einige Tage später:

"Fertig?"

"Ja!"

"Sicher? Ich will nicht in eine Ratte verwandelt werden, hörst du?"

"Ja, ich bin fertig." Willow drehte sich um zu Buffy und Xander, die ein Auge auf Drusilla warfen. "Passt ja auf die Verrückte auf. Ich will nicht, dass sie mitten im Ritual auf mich losgeht wie eine läufige Katze."

Misstrauisch beäugte sie Drusilla, die mit einem leidend schmachtenden Blick zurückblickte.

"Nagut, wünscht mir Glück." Ihre Aufmerksamkeit voll und ganz auf die bevorstehende Aufgabe gelenkt begann sie mit der Zitierung der lateinischen Sprüche. Das gleiche Schauspiel wie vor nur wenigen Wochen begann die Bibliothek zu erhellen. Apfelblüten schwirrten umher wie trockene Laubblätter in einem Herbststurm und Buffy beobachtete stolz ihre beste Freundin. Wie hatte sie Willow vermisst. Jetzt wo sie wieder beisammen waren, konnte sich Buffy gar nicht mehr vorstellen, warum sie überhaupt weggelaufen war. Natürlich nagten innerlich noch immer die gleichen Zweifel, aber Willow, Xander und auch Giles schienen absolut keinen Groll gegen Buffy zu hegen. Zufrieden lächelte Buffy und war in Gedanken schon bei dem Videoabend, den sie zu dritt heute veranstalten wollten. Bisher hatten sie noch keine richtige Zeit gefunden, um miteinander zu reden. Drusillas Liebessucht hatte sie mächtig auf Trab gehalten und bis der Zirkus endlich ein Ende nahm, hatte keiner von ihnen richtig Ruhe gehabt, um wieder eigenen Gedanken nach zu gehen. Doch gleich war es soweit. Die "Apfelblüten" legten sich du der Wind kam zum Stillstand. Erwartungsvoll saß Spike in dem Pentagramm. Schließlich erhob er sich langsam und räusperte sich herausfordernd. Erhobenen Hauptes trat er zu Drusilla.

"Pet! Voulez vous chasser avec moi?..." Er küsste ihr ergeben die Hand. Drusilla war ganz offensichtlich die Alte. Verträumt sah sie Spike an und verlor keinen Blick an Willow.

"Spikiiiee." Sie kicherte wie ein verliebtes, zehnjähriges Schulmädchen und schnurrte anschließend leise. Spike sah zu Willow und schenkte ihr ein selbstzufriedenes Grinsen.

"Das hätte ich auch ohne deine Hilfe gekonnt, Hexe. Aber so war es leichter."

An Drusilla gewandt fuhr er fort: "Komm Drusilla, wir haben einige Menschenleben zu ruinieren." Eingebildet rauschte er an der Jägerin vorbei und scheuchte Xander mit einem bösen Blick zur Seite.

Verdutzt sah die Slayerettes ihm hinterher.

"Entschuldigt mal. Jemand muß mir noch mal erklären, warum wir ihm nicht ein schönes Holzpiercing durch die Brust verpasst haben. Das ist doch üblich so." Er zog seine Schulter nach oben und öffnete die Arme in einer ratlosen Geste. "Oder habe ich was verpasst?"

Von draußen in den verlassen Schulfluren hörten sie Spikes Stimme laut brüllen.

"Drusilla, lass ihn los! Was hast du nur mit diesen verdammten Chaosdämonen.... Druuusiiillaaaa!!!"

Ein Schmunzeln huschte über Buffys Gesicht und sie verbiss sich ein Kichern. Sie war eindeutig wieder zu Hause. Ihr war nicht wohl in ihrer Haut als sie sich zu Xander, Willow und Giles umdrehte, die erwartungsvoll darauf warteten, dass Buffy das Gespräch begann. Immerhin hatte sie viel zu erzählen. Verlegen starrte sie den Fußboden an.

Das unangenehme Schweigen wurde unterbrochen, als die Türen sich öffneten und Duncan und Richie die Bibliothek betraten. Beim Anblick der vier schweigenden Salzsäulen, blieben sie stehen.

"Kommen wir ungelegen?" fragte Duncan. "Wie wollten uns nur verabschieden, bevor wir wieder nach LA fahren."

"Nein, nein. Ihr kommt gerade richtig", antwortete Buffy hastig, froh, aus der unangenehmen Lage befreit zu sein.

"Wußtet ihr, dass vor der Schule zwei Verrückte rumlungern die sich streiten wie ein 75Jahre verheiratetes Ehepaar?" Er stutze und machte ein verwundertes Gesicht. "Und die Frau scheint zu gewinnen." Er stutzte erneut und war ganz in Gedanken versunken als er fortfuhr. "Wie soll das erst werden, wenn die wirklich 75 Jahre verheiratet wären... Brrrrrr!" Er schüttelte sich.

"Hallo Buffy!" begrüßte er sie.

"Ähem... die sind mindestens seit 100 Jahren das Traumpaar Nummer eins in jeder Klatschspalte", mischte sich Xander ein.

"Wie?"

"Das waren 120 Jahre alte Vampire, Richie", meinte Buffy mit einem Lächeln auf den Lippen.

"Ja sicher!" lachte Richie.

Geschlagen rollte Buffy mit den Augen. Es hatte keinen Sinn mit ihm zu diskutieren. Stattdessen ging sie zu Duncan und umarmte ihn fest.

"Danke, für alles!" flüsterte sie leise und trat von ihm weg.

Erwartungsvoll stand Richie ihr gegenüber.

"Kriege ich keine Umarmung? Ich habe dir immerhin dein Leben gerettet."

"Ich bin auf dich gefallen."

"Und?"

Ohne ein weiteres Wort gab sie ihm einen kleinen Kuß auf die Wange. Aus den Augenwinkel sah sie Xander, der den Finger hob und etwas sagen wollte. Mit einem bösen Blick hielt sie ihn davon ab und wandte sich wieder den beiden Unsterblichen zu.

"Ich hoffe, ich sehe euch irgendwann wieder."

Duncan und Richie nickten den anderen zum Abschied zu und wollten gehen.

"Passt auf eure Köpfe auf!" Sie drehten sich nochmals um.

"Klar doch!"

"Häh wie jetzt?" wollte Xander wissen und starrte die beiden Männer an.

"Das ist ne lange Geschichte", würgte Buffy Xanders Neugier ab.

"Wir sind unsterblich", klärte Richie ihn auf.

"Doch nicht so lang", wisperte Buffy unterlegen.

"Ja sicher!" lachte Xander und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Verständnislos sahen sich Richie und Duncan an und verließen den Raum.

Wieder waren sie alleine.

"Ähem, wir sollten los. Der Videorecorder wartet auf uns. Und meine Mutter auch. Ich glaube sie wird erst wieder glücklich, wenn sie mich in meinem Zimmer an mein Bett fesseln könnte, um mich mit selbstgebackenen Keksen und Dingdongs zu füttern."

"Wow, was für ein Bild!" träumte Xander vor sich hin und bemerkte die bösen Blicke, die schon wieder auf ihn gerichtet waren.

"Waaasss?" zischte er.

"Buffy hat Recht", bestätigte Giles und nahm seine Brille ab, um sie zu putzen. "Geht schon. Ihr habt eine Menge nachzuholen. Und Buffys Mutter macht sich bestimmt schon Sorgen."

Mit einem Blick bedeutete Buffy ihren Freunden schon vorzugehen. Verständnisvoll nickte Willow und zog den verwirrten Xander hinter sich her.

"Giles... ich..."

"Es ist gut Buffy, wir reden später."

"Ich will nicht später reden. Ich brauche jetzt Gewissheit." Nervös strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ich weiß, dass Sie böse sind, aber..."

"Böse?" unterbrach er sie schroff und sah ihr in die Augen. Einen Moment lang überlegte er seine nächsten Worte. Sein Gesicht zeigte Verwirrung.

"Ich bin nicht böse, Buffy. Nicht auf dich." Erleichtert ließ sie die Luft entweichen, zog sie aber wieder tief ein als sie bemerkte, dass das nicht alles war, was Giles zusagen hatte.

"Weißt du Buffy, das waren die drei schlimmsten Monate meines Lebens. Und ich bin wütend auf das, was dich mir weggenommen hat. Ich bin wütend, dass ich nicht derjenige war, den du in dein Vertrauen gezogen hast, nachdem du Angel..." Er zögerte und seine Worte taten ihm schon wieder leid, als er die Angst und die Verwirrung auf Buffys Gesicht entdeckte.

"Ich weiß, was passiert ist, Buffy. Und ich verstehe, dass du tun musstest, was du getan hast: Abstand gewinnen. Aber ... tu das nie wieder, hörst du? Du musst deinerseits auch verstehen, was du mir... und auch Willow und Xander angetan hast. Hast du so wenig Vertrauen in uns, dass du uns so aus dem Leben verbannen wolltest?"

Tränen rannen ihr über das Gesicht, aber ihr war klar, dass sie es verdiente.

"Ich will dich nicht verlieren Buffy, verstehst, du das? 'Verlassen sie mich nicht. Ich schaffe es nicht alleine' hast du gesagt." Er ging auf Buffy zu und nahm sie fest in die Arme. "Denkst du, ich schaffe es allein? ... Und deswegen, verlass auch du mich nicht!"

Ihre Schluchzer waren laut in dem Büro zu hören. Doch es waren keine Tränen der Verzweiflung und der Angst. Es waren Tränen der Hoffnung und der neugewonnenen Zuversicht.

In Giles Armen.

Er ließ sie los und gab ihr einen Kuß auf die Stirn.

"Geh schon, Buffy." Er lächelte ihr aufmunternd zu. "Sie warten auf dich."

Ein letztes Mal umarmte sie ihn schnell und flüsterte ihm ihr Dankeschön ins Ohr. Dann verließ sie das Büro. Sie ging nach Hause, für einen Videoabend mit Chips und Cola. Mit ihren Freunden.

Zu Hause.

 
Ende

 
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