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Touched

© by Natascha/Norynia ()

 

Disclaimer: Nix mir, und wenn, täten mir die Jungs furchtbar leid!
Kommentar: Das, was mich an Yuki fesselt, ist mal wieder an die Oberfläche gekommen...
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/).

 

Berührt. Das wurden wir beide. Falsch berührt. Schlecht berührt. Zu etwas gezwungen, das wir nicht wollten, zu etwas genötigt, das wir nicht verdient hatten. Das du nicht verdient hast. Ob ich es habe? Ich weiß es nicht. Ich habe nie ihm die Schuld gegeben, ich habe sie immer bei mir gesucht. Ich habe mir eingeredet, ihn dazu getrieben zu haben. Dazu, mich zu verkaufen, mich schänden zu lassen. Warum? Das habe ich mich auch immer gefragt, ich weiß es nicht. Habe keine Bedeutung in dieser Handlung gefunden, dennoch mir einen Fehler zugeschrieben. Hat er mich so sehr gehasst, dass er mir das angetan hat? Warum? Warum hat er das, und warum hat er es mir nie gesagt? Mich verstoßen, bevor es soweit kommen konnte? Konnte er es nicht? Mich allein lassen, sich von mir lossagen? Vielleicht. Ich hatte keine Gelegenheit mehr, ihn zu fragen. Es ging alles so schnell, und doch hat es sich unendlich in die Länge gezogen, dass ich meinte, es müsste mich innerlich zerreißen. Ich wurde Zeuge, wie alles in mir mit wenigen, schmutzigen Berührungen zerstört wurde, bevor es mit einem Schlag völlig zu Staub zerfiel und alles, was mich einst ausgemacht hatte, starb. Warum bin ich so geworden, wie ich bin? Weil ich Angst hatte? Angst vor der Verletzbarkeit, die ich damals noch besessen hatte? Vielleicht. Ich weiß es nicht so genau, und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr verwirrt es mich. Nach all der Zeit habe ich es immer noch nicht verstehen können, hat es mir nur immer wieder weh getan, mir die Vergangenheit vor Augen zu führen, die mich nicht in Ruhe läßt. Ich werde an sie erinnert, wenn ich am wenigsten damit rechne, und doch in den Momenten, vor denen ich mich gefürchtet habe. Wieder zu fühlen. So, wie ich es damals getan hatte. Ich wollte das nicht mehr, wollte nie wieder Gefahr laufen, verletzt zu werden, bis ich eines begriff: Ich bin nicht der jenige, der verletzt werden kann. Ich habe mir damals einen inneren Schutzwall errichtet, der so etwas nicht mehr zulässt. Nein, jetzt bin ich in der Position, Menschen, die meinem damaligen 'Ich' so ähneln, zu verletzten. In einer gewissen Art und Weise bin ich wie er geworden, oder? Du hast gesagt, ich wäre nicht an dem schuld, was mit mir passiert ist. Du magst so denken, du warst nicht dabei, du hast nicht gesehen, was ich gesehen habe, du wurdest nicht von dem verraten, den du geliebt und dem du vertraut hast. Und du hast noch nie den Selbsthass gespürt, so wie ich ihn erlebt habe und viel zu oft immer noch erlebe. Du wolltest für mich da sein, mich nicht mehr allein lassen, mich trösten, mich lieben, mir vertrauen. Und was habe ich getan? Ich habe dich verraten. Ich bin daran schuld, was sie mit dir gemacht haben. Ich habe dir den Rücken gekehrt, als du mich gebraucht hast, und du hast dennoch unerschütterlich zu mir gehalten. Du bist wie ich. Diese Ähnlichkeit ist erschreckend. Wir beide, in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, von anderen Menschen zu etwas gezwungen worden, das wir nicht wollten. Und keiner von uns beiden hat dem anderen, dem, der uns das antat, die Schuld gegeben, sondern sie uns selbst zugeschrieben. Und jetzt, nach all den Jahren, bin ich es, der verletzt. Der den Menschen verletzt, der mich liebt, der zu mir steht, obwohl er so wenig, ja, fast gar nichts von mir weiß.

 

Die Vergangenheit ist nicht wichtig, hast du gesagt. Was zählt, ist die Gegenwart und die gemeinsame Zukunft. Denkst du das wirklich? Kannst du mit jemandem leben, der gemordet hat? Seinen Sensei, den Mann, den er liebte, und das, was ihn selbst ausmachte, gleich dazu? Kannst du das? Du sagst ja, und manchmal glaube ich dir das auch. Doch dann kommen wieder diese Zweifel, das Gewissen, die Schmerzen von damals. Ich möchte dir glauben, wirklich, aber ich kann es nicht. Ich sehe dich nur an und sehe alles wieder vor mir. Ich möchte nicht, dass du so wirst wie ich. Der erste, entscheidende Schritt ist bereits getan und nicht mehr rückgängig zu machen, aber ich werde alles tun, um dich von dem Rest dieses Teufelskreises zu bewahren, und wenn das heißt, dich zu verlassen. Es ist besser für mich, es ist besser für dich... aber ist es nicht auch schon zu spät? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was ich tun soll, fühle mich wieder so unfähig. Dabei gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen uns beiden. Mich hat es damals gebrochen, doch dich konnte es nicht in die Knie zwingen. Ich weiß nicht, wie du das gemacht hast, aber du bist stärker, als du denkst, als ich jemals von dir gedacht hätte. Ein Bonus, den ich nicht hatte. Ich war zu schwach und bin jetzt zu stark, um es wirklich zuzugeben. Manchmal gestehe ich es mir ein, doch dieses Geständnis gefällt mir nicht, und so versuche ich, es gleich wieder rückgängig zu machen, aus meinem Gedächtnis zu verbannen. Ich kann nicht mehr der Mensch sein, der ich damals war, denn ich habe ihn getötet. Ich habe meine Vergangenheit getötet. Das, was ich liebte und niemals verlieren wollte. Es ist weg. Ist es jetzt wirklich an der Zeit, noch ein neues Leben zu beginnen? Kann ich das? Kann ich jemanden glücklich machen, wenn ich mir nicht einmal selbst dieses Recht zugestehe? Wie soll das gehen? Du vermittelst mir immer den Eindruck, im Positiven etwas Besonderes zu sein. Du gibst mir Liebe, die ich nicht haben wollte, der ich aber nicht entfliehen kann. Vielleicht muss man mir gewisse Dinge aufzwingen, damit ich sie akzeptiere, aber ob ich wirklich mit ihnen leben kann? Muss ich es vielleicht nur lernen, sträube mich aber zu sehr dagegen? Die Vergangenheit ist nicht wichtig... vielleicht. Aber man kann sich nicht vor ihr verstecken. Sie lauert im Dunkeln und schlägt zu, wenn man nicht mehr damit rechnet. So ging es mir, so wird es dir auch irgendwann gehen. Wir sind uns zu ähnlich, das macht mir Angst. Ja, ich fürchte mich, davor, dass es dir so ergeht wie mir, ich mache mir Sorgen um dich. Ich liebe dich. Und damit komme ich nicht klar. Weil ich Angst habe, dich dann zu verlieren, wenn ich es nicht mehr ertragen würde. So, wie ich damals ihn verlor.

 

Berührt. Das wurden wir beide. Falsch berührt. Schlecht berührt. Zu etwas gezwungen, dass wir nicht wollten, zu etwas genötigt, das wir nicht verdient hatten. Das du nicht verdient hast. Und du bist etwas, das ich nicht verdient habe. Sollen wir uns länger mit unserer Zweisamkeit quälen, oder ihr endlich ein endgültiges Ende ohne Wiederkehr bereiten? Ich wollte es, aber ich schaffe es nicht. Jetzt nicht mehr. Und das macht mir Angst. Denn ich fühle mich dadurch wieder ausgeliefert, hilflos. Etwas, vor dem ich mich jahrelang schützen konnte. Hinter einer dicken Mauer, die du langsam zum Einstürzen bringst. Und ich weiß nicht, ob ich bereit dazu bin, wieder das Tageslicht zu sehen.

 
Ende

 
Du bist der 1813. Leser dieser Geschichte.