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Thin Red Line© by Natascha/Norynia ()
Es war dunkel und kalt. Nichts besonderes an einem Dezembermorgen in Paris. Die Straßenlaternen erhellten mit ihrem künstlichen, grellen Licht die nass glänzenden Gassen und boten dem Highlander so einen Blick auf die verregneten Straßen der Stadt, in der er die meisten letzten Jahre verbracht hatte. Duncan konnte sich nicht so richtig erklären, was ihn hier hielt. Das Wetter konnte es auf jeden Fall nicht sein, da hatte er die Jahreszeiten schon in Schottland schöner erlebt. Er zog die Kapuze seines grauen Sweaters über seinen Kopf und bedeckte so die dunklen Haare, die wie immer zu einem Zopf zusammengebunden waren. Feine Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn, bevor er den Arm hob und sie mit seinem Ärmel wegwischte. Der Atem stieg in dichten Wölkchen aus seinem Mund zum Himmel hinauf, um kurz darauf im Nebel unterzugehen. Den Blick starr geradeaus gerichtet, lief er die Seine entlang, und absolvierte sein morgendliches Training. Zumindest den Teil, der aus Joggen bestand. Soweit nichts besonderes für einen Mann, optisch Mitte dreißig, der seinen Körper fit hielt. Doch der Schotte erschwerte sich das ganze durch den langen Trenchcoat und das Katana, das er darunter trug. Auch wenn er um diese frühe Stunde noch nie einen anderen Unsterblichen auf seinem Weg getroffen hatte, so konnte man nie vorsichtig genug sein. Denn Nachlässigkeit konnte den Kopf kosten, und den wollte Duncan noch eine Weile behalten. Er kramte in seiner Tasche und zog einen kleinen, weißen Zettel heraus. In einer geschwungenen, sauberen Schrift war mit blauer Tinte eine Adresse auf das dünne Papier geschrieben worden, die durch die Nebelfeuchtigkeit etwas verblasst war. Aber man konnte sie noch lesen. Duncan betrachtete diese Adresse eindringlich, las sie sich immer und immer wieder durch, auch wenn er sie mittlerweile schon auswendig kannte. Die Straße war ganz in der Nähe, er kam sogar jeden Morgen an dem Haus vorbei, in dem sich die beschriebene Wohnung befand, doch seit den drei Wochen, die er diese Adresse nun schon hatte, war er noch kein einziges Mal stehengeblieben und hinaufgegangen. Hatte er sich nicht einmal umgedreht, um zu dem Fenster hochzublicken, das auf der Straßenseite war. Doch jedesmal hatte er aus den Augenwinkeln das Licht brennen gesehen, und auch den Schatten, der sich durch das aus dem Fenster dringende Licht auf dem blass erhellten Asphalt abzeichnete. Duncan wußte, dass er jeden Morgen dort oben war und auf ihn wartete, ihn beobachtete, für die wenigen Sekunden, die ihm blieben. Und das ärgerte den Schotten. Erst durch Joe hatte er erfahren, dass Methos nun schon seit fast zwei Monaten wieder in Paris war. Und auch von Joe hatte er die Adresse bekommen. Die Tatsache, dass Methos sich nicht bei ihm gemeldet hatte, traf den Highlander in seiner empfindlichste Stelle. In seinem Herzen.
"Jetzt sei nicht so stur, Mac. Laß Vergangenheit, Vergangenheit sein und vertrag dich wieder mit ihm." "Es geht nicht darum, was geschehen ist, sondern darum, dass er mir aus dem Weg geht." "Vielleicht wartet er darauf, dass du zu ihm kommst." "Ha! Ich zu ihm? Er ist derjenige, der einfach abgehauen ist ohne ein Wort!" "Ich dachte, es geht nicht darum, was geschehen ist."
Was bildete Joe sich eigentlich ein? Was fiel ihm ein, so altklug zu erscheinen. Altklug gegenüber einem Mann, der fünf Mal so alt war wie er? Duncan dachte ja gar nicht daran, Methos nachzulaufen. Er hatte das so oft getan, und gedankt worden war es ihm noch nie. Im Gegenteil, Methos schien die Begrüßungsbesuche des Schotten so selbstverständlich zu nehmen, dass er wohl gar nicht daran dachte, jemals den ersten Schritt zu tun. Immer wieder dasselbe. Methos verschwand ohne ein Wort, tauchte Monate später wieder auf und tat so, als wäre nichts gewesen. Doch jetzt war Schluß damit! Drei Wochen hatte Duncan schon hinter sich, und er würde nicht aufgeben. Wäre ja noch schöner bei dem alten Mann zu kreuze zu kriechen! Als die Straße auf dem Zettel nur noch wenige Meter entfernt war, verlangsamte Duncan seinen Schritt für wenige Sekunden. Das tat er jedesmal, doch die ersten Tage hatte er es nicht bemerkt. Es wurde ihm irgendwann ganz plötzlich, schlagartig bewußt, dass er insgeheim zögerte, durch diese Straße zu laufen. Das Licht und den Schatten nicht sehen wollte. Diese Gefühle nicht spüren wollte, die ihn jedesmal auf diesem kurzen Weg begleiteten und danach sofort wieder verschwanden. Nicht den Buzz, dazu war Methos zu weit weg. Nein, es war etwas anderes. Schmerz. Trauer. Über Methos' Verhalten. Über die unsichtbaren Hiebe auf Duncans Herz. Auf die Gefühle, die es in Methos' Nähe versprühte und die Duncan schon längst tot geglaubt hatte. Der Highlander stoppte an der Ecke und lehnte sich mit dem Rücken gegen die kalte, feuchte Wand. Spürte nur beiläufig, wie das Wasser aus der kaputten Regenrinne über ihm, über die Wand glitt und durch die feinen Fasern seines Pullovers drang. Sein Atem wurde wieder ruhiger, seine Erscheinung fast gespenstisch, so nah an der Straßenlaterne die ihr Licht in unregelmäßigen, kurzen abständen einstellte, um dann plötzlich wieder mit diesem gleißenden Licht zu erstrahlen und Duncans schattige Umrisse zu offenbaren.
Duncan zog die Kapuze noch tiefer in sein Gesicht und vergrub seine Hände tief in seinen Taschen. Warum nicht für Verwirrung sorgen, wenn man die Gelegenheit dazu hatte? Was wollte Methos eigentlich? Was brachte ihn dazu, in aller Herrgottsfrühe aufzustehen und Duncan beim Joggen zuzusehen? War das ein versteckter Aufruf? Für Duncan, endlich aufzuwachen und einzusehen, dass der älteste Unsterbliche nicht anrufen oder vorbeikommen würde? Und hielt Methos so dermaßen an seinen alten Gewohnheiten fest, dass er somit sogar diese Uhrzeit in Kauf nahm, um Duncan zu sehen und auf sich aufmerksam zu machen? Denn dass Duncan ihn nicht bemerken würde, war von vorneherein ein Ding der Unmöglichkeit gewesen... 'Was habe ich dir getan, dass du mir so weh tust?' Duncan stoppte und riß den Kopf nach oben. Zu Methos, der erschrocken einen Schritt zurücktrat und den Highlander aus großen, grüngolden glänzenden Augen musterte. Das bittersüße Grinsen in Duncans Gesicht wurde breiter. "Erwischt", murmelte er zufrieden und formte dieses Wort so langsam, dass Methos es ihm von den Lippen ablesen konnte. Erst dann lenkte er seinen Blick wieder auf die Straße und ging weiter, beschleunigte seinen Schritt und verfiel wieder in das Joggen, mit dem er beim verlassen des Hausbootes begonnen hatte. 'Vierhundert Jahre habe ich ohne dich gelebt, ich werde es auch die nächsten vierhundert Jahre schaffen.' Aber Duncan wußte, dass dies nur solange der Fall war, wie diese morgendlichen Begegnungen die einzigen blieben. Und dieses Wissen gefiel ihm nicht. Machte ihm seine einzige, präsente Schwäche deutlich. Seine Liebe... Die Wolken zogen sich am dunklen, grauen Morgenhimmel zusammen und kündigten das bald hereinbrechende Gewitter an. Duncan hatte sich seit verlassen dieser Straße nicht mehr umgedreht. Selbst jetzt, nachdem er abgebogen war, konnte er noch Methos' Blick spüren. Die Überraschtheit in seinen Augen. Es war ungewohnt. Ungewohnt Methos so zu sehen. Hatte er wirklich nicht damit gerechnet? Hätte er das nicht müssen? Was war passiert, dass er sich plötzlich so fremd verhielt. Fremd in seiner Reaktion. Das andere kannte Duncan ja nur zu gut. Der Highlander schüttelte mit dem Kopf und somit die Gedanken weg. Wurde schneller, bis er fast rannte. Ob er weg rannte? Weg von Methos? Seinen Gefühlen? Auch daran wollte Duncan nicht denken, wollte nur nach Hause, die nassen Klamotten ausziehen, duschen und sich auf die Couch werfen... obwohl... vielleicht würde ein grüner Tee gut tun. Irgendetwas beruhigendes. Mit einem schiefen Lächeln erinnerte Duncan sich an Amandas Ratschlag, als Methos zum ersten Mal spurlos verschwunden war und Duncan vor Sorge fast wahnsinnig geworden war. 'Eis', hatte sie gesagt, 'Schokoladeneis... eventuell auch Erdbeere. Tut gut, Duncan. Solltest du auch mal probieren!' Und mit einem Zwinkern hatte sie hinzugefügt: 'Aber auf keinen Fall das Training einstellen! Wir wollen doch nicht, dass bei deinem nächsten Einkauf ein Büstenhalter fällig wird.' Warum eigentlich nicht? Wäre ja nicht das erste Mal, dass er seine Feminine Seite zum Ausdruck brachte. Aber das alles wegen einer missglückten Liebe? Bisher nicht, und dabei würde es auch bleiben.
Als der Buzz durch seinen Körper flutete, riß er noch im selben Moment sein Katana unter seinem Mantel hervor und drehte sich um. Und genauso schnell, wie er es drohend präsentiert hatte, ließ er es auch wieder sinken, als er das Gesicht des anderen Unsterblichen unter der hellen Straßenlaterne erkannte. "Was willst du?" Seine Stimme war kalt, abweisend. Fühlen tat er jedoch etwas anderes. Jetzt war Duncan derjenige, der überrascht war. Doch er war wütend genug, um es nicht zu zeigen. "Ich weiß nicht." Methos zog seinen Mantel enger um sich und betrachtete die kleine Pfütze zu seinen Füßen. Rührte mit der spitze seines Schuhs darin herum. "Wie wär's mit... reden?" "Reden", wiederholte Duncan langsam und ließ sein Schwert wieder unter seinem Trenchcoat verschwinden. "Fällt dir ziemlich früh ein." Methos lächelte und hob seinen Blick wieder. Betrachtete Duncan mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck. "Du weißt, darin war ich nie der schnellste." Er seufzte leise auf und ging ein paar Schritte auf Duncan zu, behielt jedoch einen kleinen Abstand, als hätte er Angst vor Duncan, Angst vor seiner Reaktion. Der Highlander sagte nichts mehr. Verharrte in seiner Position und schwieg. Und hätte er Methos jetzt angesehen, hätte er wieder diesen überraschten Ausdruck erkennen können. Wieder dieses Fremde, das von Methos zu kommen schien. Doch Duncan sah ihn nicht an. Sah zur Seite und hatte sich als Fixpunkt einen Zigarettenautomat ausgesucht, der an einer ungepflegten Hauswand hing. "Woher weißt du das ich..." "Von Joe", murmelte Duncan dazwischen. "Wie immer von jemand anderem. Was dachtest du denn? Das ich hellseherische Fähigkeiten entwickle? Ich habe noch ein Leben, Methos. Und du bist nicht der Mittelpunkt davon." "Aber das war ich mal." Der älteste Unsterbliche trat einen weiteren Schritt an Duncan heran, stoppte aber augenblicklich, als dieser sich mit einem Ruck wieder zu ihm drehte und strafend ansah. "Vielleicht, vor einiger Zeit. Bevor du dir angewöhnt hast, einfach zu verschwinden wenn es dir gerade passte." Ein schiefes Lächeln formte sich auf Duncans Lippen, als er die Augen schloß und seinen Kopf wieder senkte. "Vor einiger Zeit. In der Vergangenheit." Er drehte sich um, und wollte seinen Weg fortsetzen. Alles wieder hinter sich lassen. Methos hinter sich lassen, doch eben dieser ließ ihn nicht. "Duncan!" Der Schotte blieb zögernd stehen. Jederzeit bereit, weiterzugehen. "Es tut mir leid." "Ach ja?" Duncan lachte spöttisch auf, drehte sich aber nicht zu Methos um. "Das hat bei den anderen ganzen Malen vielleicht funktioniert, aber jetzt nicht mehr, Methos! Dieses Mal war einmal zuviel! Ich bin nicht dein Spielzeug, das du nach Belieben aus der Ecke holen kannst, wenn du das Bedürfnis verspürst zu spielen. Ich bin auch nur ein Mensch, ich habe auch Gefühle, hast du daran schon mal gedacht?" Für einen kurzen Moment blieb es still. Der erste Blitz zuckte über den dunklen Himmel und bald darauf grollte schon der Donner. Mit einem Mal fing es an zu regnen. So stark, dass die Kleidung der beiden Unsterblichen die Nässe nicht lange von den darunter befindlichen Körpern abhalten konnte. Duncan wartete auf eine Antwort, so lange, bis er fror. Dann vergrub er seine Hände erneut in den Taschen und setzte sich wieder in Bewegung. "Ich liebe dich." Duncan drehte sich überrascht um und starrte Methos ungläubig an. Der Ältere hatte sein Haupt gesenkt und starrte wieder zu Boden. Der Regen tropfte von seinen Haarspitzen, perlte über sein Gesicht zu Boden. "Ich liebe dich, und möchte dich nicht verlieren. Bitte verlass mich nicht, gib mir... gib mir bitte die Gelegenheit es wieder gut zu machen." Er sah langsam auf, und unter dem ganzen Regen konnte Duncan eine Träne erkennen, die Methos' Auge entfloh. Sah auch, wie bald darauf noch mehr folgten. "Bitte", wiederholte Methos leise und schaffte es nur schwer, das Schwanken seiner Stimme soweit zu unterdrücken, dass Duncan ihn noch verstehen konnte. "Gib mir noch eine Chance!"
* * * * * * * * * *
Mit einem letzten, lauten Seufzer trennten sich die bebenden Körper voneinander und blieben dicht aneinander geschmiegt liegen. Duncan tastete nach Methos' Hand. Als er sie fand, umschloß er sie fest mit der seinigen und zog sie auf seine Brust, drückte sie fest an sich. "Spürst du das?" Sein Kopf rutschte zur Seite, als er den älteren betrachtete, der seine Augen geschlossen hatte und nach Atem rang. "Was?" Immer noch leise keuchend ließ er zu, wie Duncan seine Hand öffnete und mit der Innenseite auf die heiße Haut legte. "Wie es schlägt, mein Herz?" Methos lachte leise auf, als er Duncans Blick langsam erwiderte und mit einem Lächeln ansah. "Fünfmal, Duncan. Ein Wunder, dass unsere Herzen überhaupt noch schlagen und nicht schon längst zersprungen sind." Duncan umschloss Methos' Hand wieder fester und holte tief Luft, starrte zur Decke hoch, als er weiter redete. "Bis vor kurzem war ich mir nicht mehr sicher, ob es noch da ist." Schlagartige Stille setzte ein. Nichts war zu hören, gar nichts. Es war, als wäre die Zeit zum Stillstand gekommen und hätte jedes Geräusch unter der Bewegungslosigkeit begraben. Erst Methos war es, der diese Ruhe unterbrach, indem er sich in eine sitzende Position brachte und nach einem kurzen Blick zu Duncan schließlich aufstand. "Methos?" Auch Duncan erhob sich langsam. Blieb jedoch auf dem zerwühlten Lacken sitzen und sah Methos hinterher. Dieser drehte sich erst im Türrahmen zum Bad wieder zu dem Schotten um. "Ich geh' Duschen." "Seit wann gehst du direkt danach Duschen?" Eine Brise Humor schwang in Duncans Stimme mit, doch Methos' Miene blieb ernst. Versteinert. Zeigte keinerlei Emotionen mehr, als er sich von dem weiß gestrichenen Rahmen abstieß und im Innern des Bades verschwand. "Menschen ändern sich", meinte er nur und schloß die Tür, nachdem er das Licht angeknipst hatte. Duncan sprang mit einem Satz auf und wäre auf seinem hastigen Weg noch fast über seine eigenen Schuhe gefallen, die umgeben von seinen und Methos' restlichen Sachen überall verstreut im Zimmer lagen, als er die Bad Tür wieder aufriß. Methos zuckte unter der plötzlichen Begegnung augenblicklich zusammen und drehte sich überrascht zu Duncan um. "Was ist?" Der Highlander blieb für einen Moment ziellos im Raum stehen, bis er mit seinen restlichen Schritten zu Methos aufholte und ihn energisch, jedoch nicht schmerzhaft an den Schultern packte. "Das möchte ich von dir wissen! Was ist los mit dir, ich erkenne dich kaum noch wieder! Auf den ersten Blick scheint alles normal, doch diese Schreckhaftigkeit ist neu." Methos versuchte den Kopf zu senken, irgendwo anders hinzusehen, doch Duncan verlegte seine Hände um Methos' Gesicht und lenkte ihn so wieder zu sich. Dennoch konnte er nicht vermeiden, dass der ältere nach einem kurzen Blickkontakt wieder abbrach und sich mit einem ruckhaften Schritt zurück von Duncan löste. "Menschen --"
"Ja ja, Menschen ändern sich", seufzte Duncan und verringerte die aufgebaute Distanz zwischen ihnen wieder, solange, bis Methos sich an der weiß gekachelten Wand wiederfand und so scheinbar keine Fluchtmöglichkeit mehr vor Duncans Fragen hatte. "Aber du nicht, Methos. Zumindest nicht so! Was ist passiert?" Duncan war besorgt und das zeigte er auch, deutlich genug, dass Methos noch mehr versuchte sich in Schweigen zu hüllen und gar nichts mehr sagte. Nach kurzem Zögern schüttelte Methos leicht mit dem Kopf und ließ seine Hand über Duncans nackte Brust gleiten, ehe er ihn mit diesem traurigen Ausdruck in den Augen ansah. "Nicht jetzt." "Und wann dann? Nachdem du das nächste Mal abgehauen bist?" Duncan drängte sich noch näher zu Methos heran, registrierte, dass dieser seine Hand wieder weg nahm und seine Arme vor der blassen Brust verschränkte. Eine abwehrende Haltung annahm. "Hör zu, Duncan. Es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe, aber ich habe diese Auszeiten gebraucht. Es gibt Dinge im Leben, die muss ich alleine regeln und da kann ich keine Schwächen gebrauchen." "Schwächen?" Duncan zog die Augenbrauen zusammen und musterte Methos fragend. "Welche Schwächen? Was habe ich mit deinen Schwächen zu tun?" "Du bist meine Schwäche!" Methos war lauter geworden, als er eigentlich vor gehabt hatte und senkte seinen Blick sofort wieder beschämt zu Boden, machte mit seiner Hand eine abschwächende Geste durch die Luft. "Siehst du, ich gebe es sogar zu. Ist das Beweis genug?" Duncan sah Methos für einen Augenblick einfach nur an. Stumm. Bewegungslos. Bis er sich ganz plötzlich von dem Anblick des Älteren löste und zum Waschbecken trat. Seine Arme darauf stützte und auf den Wasserhahn starrte, aus dem in regelmäßigen Abständen kleine Wasserperlen tropften und mit einem leisen 'blobb' im Abflußrohr verschwanden. "Dein Wasserhahn ist kaputt." Duncan wußte nicht, warum er das gerade gesagt hatte und zog irritiert die Augenbrauen zusammen. Er wußte mit der derzeitigen Situation nicht so recht umzugehen, mit Methos' Geständnissen nicht umzugehen, wußte nicht, was er sagen sollte. Irgendwie hatte sich diese dumme Bemerkung über den Zustand von Methos' Badezimmereinrichtung ganz allein in seinem Kopf geformt und seinen Mund verlassen, ohne dass er es richtig wahrgenommen hatte. "Ja, ich weiß", seufzte Methos und rückte zu Duncan auf, um mit einem festen Hieb gegen den Wasserhahn zu schlagen und dem Tropfen somit Einhalt zu gebieten. "Das hält meist für eine Weile", kommentierte er seine Handlung und drehte sich um, lehnte mit den Armen wie der Schotte auf dem Waschbeckenrand, stand mit seiner Front jedoch zur anderen Richtung. Als er die Hand hob und mit dem Zeigefinger seinen Daumen berührte, zuckte ein kleiner blauer Blitz zwischen den Fingerspitzen umher. Seine Hand zuckte schmerzhaft unter der Elektrizität zusammen, doch Methos ignorierte es und starrte wie gebannt auf die kleinen, blauen Funken.
Der Donner grollte bedrohlich durch die dicke, graue Wolkendecke die sich hoch oben am Himmel ausgebreitet hatte. Blaue Blitze zuckten über den Horizont, huschten hin und her, suchten und fanden. Fanden ihren Weg zu dem optisch jung scheinenden Mann, zwangen ihn durch das Treffen von Elektrizität und menschlichem Fleisch in die Knie. Mit aufeinander gepressten Zähnen drehte der dunkelhaarige Mann seinen Kopf zur Seite, umklammerte immer noch fest sein Ivanhoe und betrachtete die Strommasten, die in unmittelbarer Nähe standen. "Das wird weh tun", keuchte er noch leise unter den Anstrengungen die sein Körper erlitt, als einige, die durch den gewonnenen Kampf hervorgerufene, blaue Blitze in einen Mast einschlug. Helle, fast weiße Blitze, gefolgt von grell sprühenden Funken, vermischten sich mit dem neonblau und rasten dem überlebenden Unsterblichen entgegen. Als die übernatürliche Ladung in seinen geschwächten Körper jagte, hatte er das Gefühl, als würde es ihn zerreißen. Schrie er so laut, wie schon lange nicht mehr in seinem endlos langen Leben...
"An was denkst du gerade?" Methos zuckte zusammen und riß seine Hand nach unten. "Ich?" Er drehte sich wieder zu Duncan um und lächelte ihn schief an. Ahnte, dass er durch diese Reaktion wieder Duncans volle Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte, versuchte dies jedoch zu vertuschen, oder durch eine abschwächende Geste, beruhigende Worte in den Hintergrund zu schieben. Er schlang seine Arme um den Schotten und legte seinen Kopf auf dessen Schulter. "Daran, dass ich jetzt am liebsten 24 Stunden durchschlafen würde." Und wieder hatte Duncan diesen Ausdruck in den Augen, nein, sogar im ganzen Gesicht. 'Was soll das jetzt', fragte er sich bestimmt. Und das spürte der älteste Unsterbliche sogar, ohne hinzusehen. "Dann... mach das doch", kam es schließlich zögerlich von dem Schotten, als er Methos leicht über den Rücken streichelte und sich zurücklehnte, um sein Gesicht sehen zu können. "Okay, auf Wiedersehen, Mac. Und denke daran, dass ich Langschläfer bin", grinste Methos und verließ das Bad wieder. Duncan blieb für einen Moment wie perplex zurück, bis er Methos folgte und mitten im Raum stehenblieb. "Du schickst mich weg?" "Ja, gute Nacht, Mac", nickte Methos, setzte sich auf den Bettrand und zog sich seine Shorts wieder an. "Gute Nacht? Das war's? Ein bisschen Süßholzraspelei, Emotionen, Zärtlichkeiten, Sex und dann verschließt du dich wieder und schickst mich weg?" "Die perfekte Basis einer Partnerschaft, findest du nicht?" Methos ließ sich aufs Bett fallen und blinzelte Duncan von der Seite an. Als er sah, dass Duncan seine letzten Worte wohl nicht so locker nahm, wie sie eigentlich von Methos gekommen waren, seufzte er leise auf und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf. "Hör zu, ich bin müde, rieche wie eine vollbesetzte Sauna und habe keine Lust mich dafür zu rechtfertigen. Das ist nicht gegen dich gerichtet, Mac. Ich möchte einfach nur ein bisschen Ruhe, ist das wirklich zuviel verlangt?" "Du hattest sieben Monate! Ist das denn immer noch nicht genug?!" blaffte Duncan zurück und wenn sie gekonnt hätten, hätten seine Augen bei diesen Worten vermutlich Funken gesprüht. Stattdessen blitzten sie nur wild und zornig. Und das war genug, genug für das neue in Methos. Für das, was Methos in den letzten Wochen unter Kontrolle zu bringen versucht hatte. "Ich habe gesagt, du sollst gehen!" Mit einem Satz sprang er auf und kam auf Duncan zu, stieß ihn zurück, immer weiter, bis Duncan gegen die Wand prallte. "Ich - habe - gesagt, du - sollst - gehen!" Methos' Stimme wurde dunkel, fast unmenschlich. Böse und wütend. Seine Augen wurden dunkelgrün und bekamen diesen kalten, aggressiven Ausdruck. "Methos, was ist los?" Panik schwang in der Stimme des Highlanders mit. Doch Methos' plötzlich so bedrohliche Erscheinung änderte sich nicht. Methos' Arme, die sich schmerzhaft gegen Duncans Brust stemmten zogen sich nicht zurück, verringerten den Druck nicht. "Ich habe gesagt, du sollst gehen!" wiederholte Methos noch mal, packte Duncan an den Schultern und riß ihn zu Boden. Hielt den sich wehrenden Körper dort, indem er sich auf Duncans Hüften setzte und ihn so mit seinem Gewicht am aufstehen hinderte. "Jetzt wirst du den Preis für deine Sturheit bezahlen. Dass du auch nie hören willst!" Noch bevor Duncan reagieren konnte, wurde sein Kopf von der Wucht Methos' Schlages zur Seite gerissen. Schmeckte Duncan das Blut, das aus der aufgerissenen Haut seiner Lippe drang. "Methos!" Es war ein schon fast verzweifelter Versuch, den ältesten Unsterblichen wieder zur Besinnung zu bringen, doch dieser schien ihn gar nicht zu hören, sondern schlug immer wieder auf Duncan ein, auf sein Gesicht. Die Knie gegen die Arme des Schotten gepresst, so dass Duncan weder aufstehen, noch schützend die Arme heben konnte. "Methos?" Der Ältere verfiel in ein dunkles, dämonisches Lachen. So dass es Duncan eiskalt den Rücken herunter lief. Duncan starrte Methos mit weit aufgerissenen Augen an, als dessen Grinsen nur noch breiter wurde, und sein Lachen in Duncans Ohren widerhallte. "Was ist nur los mit dir?" fragte Duncan heiser und spürte die erste Träne, die über die geschundene Haut floß. "Och, nicht weinen." Methos beugte sich zu Duncan hinunter und küsste sanft die aufgesprungenen Lippen, leckte das schon fast getrocknete Blut auf. "Spar dir das für später." "Später?" Der Schotte begann sich unter Methos hin und her zu winden. Schaffte es aber nicht, sich zu befreien. Kam nicht gegen Methos' an, der ihn mit ungeahnter Kraft am Boden hielt. "Ja, später. Wenn ich dir einen wirklichen Grund dazu gegeben habe!" Darauf erwiderte Duncan nichts mehr, starrte er Methos nur mit geweiteten Augen an und spürte, wie die Träne, die seitlich über seine Schläfe geperlt war, langsam trocknete. Angst, Panik und vollkommene Irritation. Alles Dinge, die seine tief braunen Augen, dem Mann über ihm jetzt zu vermitteln versuchten. Doch Methos' Miene veränderte sich nicht, blieb starr, düster, kalt. Das dunkle Grün seiner Augen hellte sich wieder etwas auf, wirkte jedoch immer noch furchterregend und unmenschlich.
Methos beugte sich wieder zu Duncan hinunter, leckte wieder nach dem Blut auf Duncans Lippen. Er zog die Augenbrauen zusammen und ließ seinen Blick für einen Moment Richtung Decke gleiten. Analysierte den Geschmack, das Blut auf seiner Zunge. Angewidert verzog er das Gesicht und sah Duncan wieder an, schüttelte langsam mit dem Kopf. "Nicht gut", murmelte er und rutschte etwas nach hinten, behielt den Schotten jedoch weiter im Griff. "Ich will dich schmecken, Highlander. Ich will dein Leben schmecken. Das süße, unsterbliche Blut, das rote, unsterbliche Fleisch." Eine Hand legte sich um Duncans Nacken, die andere krallte sich an der Schulter des Schotten fest, als Methos Duncans Erscheinung unter seinem Körper fast verschwinden ließ, mit den Lippen über die empfindliche Haut am Hals tastete, bis er schließlich zubiß. Der Schock über den plötzlichen, starken Schmerz jagte durch Duncans Körper, riß seinen Kopf in den Nacken. Seine Glieder verkrampften sich, alle Muskeln zogen sich zusammen, als er unter der Hitze, die von seinem Hals in seinen Kopf schoss aufschrie und versuchte, dem mit einer schnellen Wendung seines Kopfes Einhalt zu gebieten. Doch je mehr er sich wehrte, desto mehr biß Methos sich fest, wie die Wölfe der sibirischen Taiga. Vom Winter gezeichnet und ausgehungert. Blutrünstig und aggressiv. Bereit über ihre Artgenossen herzufallen, um das eigene Leben zu wahren. Doch egal wie grausam diese Tiere in ihrer Not werden konnte, so hatten sie wenigstens einen Grund, für das, was sie taten. Methos hatte diesen nicht. Und dennoch vergrub er seine Zähne tief in dem Fleisch des Schotten, knurrte er dabei, wie jene Wölfe, legte er seine ganze Kraft in diese einzige barbarische Handlung. "Laß..." Duncan Stimme war rau, und sehr leise. Jedes Wort schmerzte in seiner Kehle, jedes Wort setzte etwas in ihm in Bewegung, dass von Methos' Biß beeinträchtigt wurde. Dem Highlander standen die Tränen in den Augen, schoss das Blut ins Gesicht. Der Schmerz lähmte seinen Körper, setzten scheinbar jede Funktion außer Kraft. Seine Hände hatten sich zu Fäusten geformt, sich so fest geschlossen dass die Knochen weiß durchschienen. Duncan verspürte dieses dringende Gefühl sich irgendwo festzuhalten, festzukrallen. Doch immer noch bohrten Methos' Knie sich in seine Armbeugen, behinderten Bewegung und unterbrachen die Blutzufuhr. Ein Kribbeln zog durch Duncans Unterarme, zuerst ganz leicht, bis es den Stichen Tausender von Nadeln ähnelte. Doch Duncan nahm es nicht so wirklich wahr. Spürte an seinem ganzen Körper nur noch Schmerzen, ohne wirklich zu wissen, woher sie überall kamen. Laut keuchend fuhr Methos wieder in die Höhe und rang nach Luft. Die Augen geschlossen leckte er sich über die blutverschmierten Zähne und wischte sich mit dem nackten Unterarm über den Mund. Er lenkte seine Aufmerksamkeit erst wieder auf den Highlander, als er dessen immer lauter werdendes Wimmern hörte. Eine Weile beobachtete er ohne eine Gefühlsregung in seinem Gesicht, bevor er langsam seine Hand ausstreckte und über das tränennasse Gesicht fuhr, sich hinunter beugte und Duncans Stirn küsste. "Jetzt kannst du weinen, aber verschwende nicht. Was tut dir mehr weh? Die körperliche Wunde, die ich dir zugefügt habe..." Er umfaßte Duncans Gesicht mit beiden Händen und zwang ihn so, ihn anzusehen. Er wartete solange, bis Duncan seine Augen wirklich öffnete und Methos' Blick erwiderte. "...oder der Riß in deinem Herzen?" Duncan antwortete nicht. Er hatte Angst vor Methos' Reaktion. Hatte überhaupt Angst, was der Ältere noch mit ihm machen könnte. Aber wenn er ehrlich war, wußte er im Moment nicht, was ihm mehr weh tat, tat eigentlich alles nur noch weh, und er war im Moment nicht in der Lage, diese Schmerzen zu unterscheiden. Er war verstört, gepeinigt und verängstigt. Und er fühlte sich so vollkommen Hilflos. "Sieh mich nicht so an, Duncan." Methos schloß die Augen und lehnte seine Stirn an die Duncans. Ließ zu, dass ihre Nasenspitzen sich leicht berührten und er den schweren Atem des Schotten in seinem Gesicht spüren konnte. Seine Hände tasteten nach Duncan Hals, legten sich darum. Bedeckte er mit der einen die langsam abheilenden Wunde, während er mit den Daumen die erhitzten Wange entlang strich. "Ich habe dir doch gesagt, dass du gehen sollst. Hättest du doch nur dieses eine Mal auf mich gehört..." Ein leises Seufzen entfuhr ihm, als er sich wieder in die Höhe quälte und Duncans Kopf mit einem Ruck herum riß.
* * * * * * * * * *
Als Duncan langsam wieder zu Bewusstsein kam, rutschte seine Hand sofort in die Höhe um an das schmerzende Genick zu fassen, das nach der Heilung und Duncans Kopfbewegung laut knackte und wieder einen kurzen, jedoch extrem stechenden Schmerz freisetzte. Mit einem mühseligen Stöhnen rollte er sich zur Seite und wurde von dem Licht geblendet, das für den ersten Moment zurück im Leben unnatürlich hell erschien. Erst langsam gewöhnten sich seine Augen wieder an das selbstverständliche und gaben dem Highlander den Blick wieder frei. Die Haut an seinem Hals war rau, schien abzublättern. Duncan kratzte vorsichtig daran und betrachtete das getrocknete Blut zwischen seinen Fingern. Und so langsam, wie dieses alte Blut von seinen Fingern auf den Boden rieselte, so langsam kam auch wieder die Erinnerung an Methos' Folter und den Mord zurück. Doch nur, weil sie langsam kam, hieß das noch lange nicht, dass sie somit weniger intensiv war. Duncan konnte nicht fassen, was seine Erinnerung ihm berichtete, nicht fassen, was Methos getan haben sollte. Wie ein mordlüsternes Tier hatte er sich in seinem Hals verbissen, an dem warmen, roten Fleisch gezerrt, und danach hatte er ihm einfach das Genick gebrochen. All diese Anschläge auf Duncans Hals. Auf die empfindlichste Stelle eines Unsterblichen... Aus dem Bad drang ein lautes, würgendes Geräusch, begleitet von einem mühseligen Husten und Seufzen. Vorsichtig rappelte Duncan sich auf, immer noch etwas wackelig auf den Beinen und schwankte zum Ort, in dem er Methos vermutete. Tastend schob er die Tür weiter auf und lehnte sich an den Rahmen, betrachtete die zusammengekauerte Gestalt auf dem kalten Boden, den Kopf über die Kloschüssel gebeugt. Zitternd und keuchend. Methos bot einen dermaßen mitleiderregenden Anblick, wie der Highlander ihn vergleichsweise nur nach dem Doppelquickening in Bordeaux gesehen hatte. Damals hatte Methos um Silas geweint, um den Tod des Freundes getrauert und darunter gelitten. Wegen wem oder was litt er jetzt? Duncan war sich nicht sicher, was er tun sollte. Verschwinden? Sein Schwert holen und Methos an die Kehle setzen? Ihn trösten? Oder gar nichts? Im Moment tat er letzteres, weil er sich zu keiner Entscheidung durchringen konnte. Nicht wußte, welchem Gefühl, das durch seinen immer noch unnatürlich kalten Körper tobte, er nachgeben sollte. Er war doch sein Freund. Schon seit so langer Zeit. Er liebte ihn doch. Aber das, was Duncan in den frühen Morgenstunden erlebt hatte, war nicht wirklich Methos gewesen. Und der Mann, der über ihn hergefallen war, erst recht nicht. Duncan schob die Möglichkeit eines Dark-Quikenings sofort beiseite, wußte er doch, wie man sich danach verhielt, und hatte Methos sich zu Beginn ihrer Begegnung nach den vielen Wochen ganz anders verhalten. Aber was war es dann? Was oder wer hatte es geschafft, aus dem Mann den er liebte ein unberechenbares Monster zu machen? Wie dem auch sei, Duncan würde Methos nicht töten, aber er würde auch nicht so tun, als wäre nichts passiert. Ein Ruck fuhr durch seinen Körper, als er sich von dem Rahmen abstieß und ins Bad trat, sich auf den Badewannenrand setzte und Methos von der Seite beobachtete. Der drehte sich nicht zu ihm um. Hing immer noch mit geschlossenen Augen und schwer atmend über der Toilette und hatte seine Arme auf den Rand gelegt. "Laß mich allein." Duncan zog überrascht über eine Reaktion die Augenbrauen hoch und rutschte zur Seite, so dass er mit dem Rücken gegen die Wand lehnen konnte. "Laß mich allein, laß mich los... alles unwichtig, wenn keiner da ist, der befolgt." Er sagte das in einer Gelassenheit, die selbst ihn erschrak. Dennoch, er würde nichts zurücknehmen, den scheinbar stark geschwächten Mann neben ihm auf dem Boden nicht schonen. Würde bedingungslos durchziehen, bis er hatte, was er wollte. Eine Antwort. "Seit wann bist du unter die Kannibalen gegangen? Schmeckt dir das Essen dieser Welt nicht mehr?" "Hör' auf." Methos quälte sich langsam in die Höhe und tastete mit zitternden Händen nach der Spülung. "Du hast Recht, du und Kannibale? Nein. Ah...!" Duncan tat, als wäre ihm eben der alles entscheidende Geistesblitz bekommen, als er seine Füße schwer gegen den Boden fallen ließ und mit seinem Blick Methos zum Waschbecken folgte, der den Wasserhahn aufdrehte und begann, sich den Mund auszuspülen. "Vampire! Mensch, das ich nicht gleich darauf gekommen bin... na, wie schmecke ich denn? Oder nein warte, laß mich raten... dass ist irgend so ein altes Ritual aus deiner Vergangenheit, mit der man dem Menschen, den man mag zeigt, wie sehr einem an ihm liegt... muss wirklich sehr alt sein, ich denke nicht, dass heute noch jemand lebt, der es richtig deuten könnte. Ehrlich, Methos. Ich bin jetzt vierhundert Jahre alt und dachte doch tatsächlich, du hättest die Grenze des Wahnsinns überschritten und wolltest mich hier in deiner Wohnung zerfleischen, kannst du dir das vorstellen?" "Du. Sollst. Aufhören!" Methos schlug wütend gegen die gekachelte Wand über dem Waschbecken und zog seine schmerzende Hand nur langsam wieder zurück, um das Blut abzuspülen, das aus der aufgerissen Haut an den Fingerknöcheln floss. "Okay." Duncan sprang mit gespielter Leichtigkeit vom Badewannenrand und trat an Methos heran. Wartete, bis der Ältere seinen Blick erwiderte. Duncan die trüben, grüngoldenen Augen sehen konnte. Die Dunklen Ränder darunter und die noch auffälligere, blasse Gesichtsfärbung. "Du möchtest, dass ich aufhöre? Gern. Aber gestatte mir bitte eine Frage, die ich mir nach deiner Attacke wohl redlich verdient habe..." Als Methos seinen Blick wieder senkte und Duncan den Rücken kehren wollte, packte dieser in an den Schultern und riss ihn mit einem Ruck zurück. "Nein mein Freund, so nicht! Ich hatte Todesangst! Ich habe dich nicht mehr wiedererkannt! Willst du wissen wie sich so was anfühlt? Willst du das wirklich? Soll ich dir einen tollwütigen Pitbull besorgen? Allerdings wird dir dann das Gefühl erspart bleiben, die ganze Zeit zu wissen, dass es jemand tut, dem du vertraut hast, den du liebst und für den du dein Leben gegeben hättest!" "Ich dachte *das* wäre Vergangenheit", gab Methos bissig zurück, riß sich los und lief zurück ins Wohnzimmer. Kramte in einem der Schränke unter der Spüle nach einem kleinen Eimer und einem Lappen, um alles für die Reinigung des Bodens vorzubereiten. "Ist das das einzige, was du dazu zu sagen hast?" Noch während Duncan gesprochen hatte, hatte Methos das Wasser fest aufgedreht und den leeren Eimer darunter gestellt. Dies war laut genug, um die Worte des Highlanders zu übertönen. Doch Methos hatte sie gehört, sie verstanden. Ob es ihm gefiel oder nicht. Er schüttete etwas Essig in das Wasser, kramte erneut nach dem Lappen, um sich dann für einen robusteren Schwamm zu entscheiden, und kniete wenige Meter weiter auf dem Boden, dort, wo sich Duncans getrocknetes Blut befand. Beachtete den Schotten scheinbar nicht mehr und widmete sich ganz dem gekachelten Boden. Doch in Wirklichkeit brannte Duncans Blick in seinem Rücken, und er wußte, würde Duncan nicht bald nachgeben, wäre er diesmal derjenige, der zusammenbrechen würde. "Nein." Methos schrubbte fest über den Boden. Verflüssigte mit dem Wasser-Essig Gemisch das getrocknete Blut und sah zu, wie der helle Schwamm sich langsam in Rot färbte, die Schmiere auf den blass-braunen Kacheln weniger wurde, und schließlich verschwand. "Du willst eine Erklärung?" Der älteste Unsterbliche warf den schmutzigen Schwamm in den Eimer, richtete sich auf und stellte ihn auf die Spüle. "Okay." Methos wischte sich mit dem blanken Arm über die Stirn und somit ein paar schwarze Strähnen weg. Mit einem leisen Seufzer ließ er sich schwer in den breiten Sessel fallen und saß nun so Duncan direkt gegenüber. Dieser hatte seine Augen vor Überraschung geweitet, riß sich dan für einen Moment von Methos los, und suchte nach seiner Hose. Als er sie ausfindig gemacht hatte, schlüpfte er schnell hinein und zog darauffolgend seinen Pullover über seinen Kopf, ehe er wieder auf seinen Ausgangspunkt zurückkehrte und die Hände vor der breiten Brust verschränkte. Methos wartete geduldig und schloß die Augen, während er begann zu erzählen. "Es ist nun fast ein halbes Jahr her. Ich war in Deutschland. Im südlichen Westen. Ich weiß nicht warum, aber ich habe ein... nennen wir es 'Faible' für Weinberge. Ich gehe gern dort spazieren, wenn es dämmert. Höre den Grillen zu, den Vögeln. Höre das leise Rascheln der Mäuse und sonstigem Getier. Ich finde es sehr beruhigend, und die Aussicht auf den Hügeln, über die langen Reihen der Weinreben hinweg in die Dörfer hinunter, ist wunderschön bei Sonnenuntergang..." "Was hat das mit deinem Verhalten zu tun?" Duncan zog die Augenbrauen zusammen und tippte mit den nackten Fersen seiner Füße über die Kacheln. "Duncan. Du willst eine Erklärung von mir. Und um dir diese geben zu können, berichte ich dir von allem, was an diesem Abend passiert ist. Tut mir leid, wenn ich abschweife, aber es erleichtert mir die Erinnerung." Methos öffnete die Augen einen Spalt breit und sah Duncan direkt in die braunen Augen. Sofort verstummte das leise klatschen seiner nackten Füsse, und er stand wieder still da. Methos nickte leicht und lächelte, bevor er fortfuhr. "Wie gesagt, es war wunderschön, an diesem Abend. Und wie wohl so oft, fast zu schön um wahr zu sein. Immer wenn ich mich irgendwo wohl fühle und mir etwas gefällt, kommt etwas, dass mir alles vermasselt. Nun, die Sonne war untergegangen, die ersten Sterne prankten am Firmament, der silberne Mond strahlte voll und hell am Himmel. Ich genoß diesen Anblick, diese Ruhe, als ich den Buzz eines anderen Unterblichen spürte. Um ehrlich zu sein, wunderte es mich nicht, im Gegenteil, es musste ja so kommen. Wäre ja noch schöner, wenn ich einmal wirklich Ruhe finden würde. Auf den Kampf möchte ich nicht näher eingehen. Es war ein Kampf wie jeder andere auch, nichts besonderes, oder erwähnenswertes." Methos atmete tief durch und fuhr sich über das Gesicht, durch das dunkle, kurze Haar bis hinunter zum Nacken. Seine Schultern waren verspannt und schmertzten. "Du könntest mich nicht zufällig ein wenig massieren?" "Methos!" "Schon gut." Methos hob beschwichtigend die Hände und legte seine Arme auf die Lehnen des Sessels. "Kommen wir zum Punkt. Inmitten dieser Weinberge stehen oft lange Reihen von Strommasten. Wenn man nah genug dran ist und genau hinhört, kann man auch das leise Knacken der durchfließenden Elekrizität hören. Ich war nah genug dran, als ich meinem Gegner den Kopf nahm. Die Blitze des Quickenings vermischten sich mit dieser Elekrizität. Die Spannung war enorm. Und wer bekam alles ab? Natürlich so ein armer, alter Wurm wie ich." Methos lachte kurz auf. "Wie dem auch sei. Seit diesem Ereignis stimmt etwas ganz und gar nicht mit mir. Ich denke, ich bin einfach überladen. Manchmal, da sprühe ich wortwörtlich Funken. Ich kann die Elekrizität deutlich spüren und sehen. Und immer dann bekomme ich diese Attacken. Als ich allein war, habe ich jedesmal die halbe Einrichtung meiner Wohnung zerstört. Ohne es zu wollen... nein, besser gesagt: Ohne mein Zutun. Ich bin in diesen Momenten nicht mehr ich selbst. Schizophren, sozusagen. Mein Kopf schaltet sich ab und ich drehe vollkommen durch, verliere die Kontrolle an etwas... jemand anderen. Lasse Spannung ab. Vorhin, bevor ich über dich herfiel, habe ich die Elekrizität in meinem Körper sehen können. Ein Signal für diesen... Charakterwechsel. Deswegen wollte ich, dass du verschwindest." Methos lehnte den Kopf nach hinten und fuhr sich über die angespannten Schultern. "Und du willst mir wirklich nicht die Schultern massieren?" Duncan schwieg für eine Weile. Starrte Methos nur gebannt an, wie er es im Laufe seiner Erzählung schon getan hatte, bis er mit seinem Blick abschweifte und sich auf einen kleinen Hocker setzte, der hinter ihm an der Wand stand. "Und? Ich meine, was jetzt? Du kannst doch nicht dein restliches Leben lang mit diesen Anfällen leben." Methos nickte, als er sich aufrichtete und zur Heizung lief, um sie weiter aufzudrehen. Erst danach ging er zum Bett und fischte seine Kleidung vom Boden auf, um es Duncan gleich zu tun und sich anzuziehen. "Seit einem halben Jahr versuche ich, mich unter Kontrolle zu bekommen. Und als sich seit einem Monat nichts mehr tat, dachte ich, es wäre vorbei, aber dem war nicht so..." Wieder seufzte er leise und schlenderte gemächlich zu seinem Sessel zurück. "Es muss einen Weg geben, diese übernatürliche Spannung in mir loszuwerden, und vielleicht liegt die Lösung in diesen 'Anfällen'. Ich kann fühlen, wie sie nach und nach weniger wird. Je öfter ich durchdrehe. Ich schätze, noch ein paar Mal 'Luft ablassen' und die Sache ist erledigt." "Und wie oft werde ich noch darunter leiden müssen?" "So oft du nicht auf mich hörst!" Methos sah Duncan strafend an. "Ich habe dir gesagt, dass du gehen sollst, aber du wolltest nicht. Du bist ein stures Schaf und selbst für die Schmerzen verantwortlich, die ich dir zugefügt habe! Ich hoffe, sie waren dir die Erklärung wert, wenn nicht... es tut mir leid, doch selbst, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, könnte ich dich nicht schützen, es lag an dir, nicht an mir!" Duncan zog verärgert die Augenbrauen zusammen, erwiderte jedoch nichts. Irgendwie musste er sich eingestehen, dass Methos recht hatte. Er wäre ja nicht einmal gegangen, wenn der Ältere ihn vorher über die Attacke informiert, oder ihn mit dem Schwert bedroht hätte. Das alles war doch recht kompliziert, selbst, wenn es so einfach klang. "Wie lange wird es dauern, bis du wieder normal wirst?" "Wie ich sagte, nur noch ein paar Anfälle. Sie kommen nicht regelmäßig, aber normalerweise hatte ich so drei in einem Monat. Ich denke in vier Monaten dürfte endlich Ruhe sein." "Vier Monate", wiederholte Duncan leise und erneuerte seinen Zopf. "Und es gibt nichts, das ich tun kann?" "Nicht ohne dich selbst zu verletzen, nein." "Wie meinst du das?" Duncan sah überrascht auf. "Wie ich eben festgestellt habe, baue ich mehr Spannung ab, wenn ich sie nicht an Gegenständen, sondern an etwas Lebendem auslasse. An etwas, das sich wehrt. Es kostet mich mehr Kraft, und so auch mehr Spannung. Ist jedoch weitaus effektiver. Wie gesagt, du würdest wieder Schmerzen haben, vielleicht sogar noch schlimmere als vorhin, ich weiß es nicht. Ich bekomme von dem, was ich tue nichts mit, erinnere mich aber daran. Es wäre also für uns beide sehr schmerzhaft, und ich weiß nicht, ob ich dir und mir diesen zufügen will." Methos setzte sich auf die Lehne seines Sessels und lächelte schief. "Ich denke, ich will nicht. Selbstvorwürfe sind nichts schönes, Mac. Das weiß du genauso gut wie ich. Tu mir das nicht an. Ich habe in meinem Leben schon genug Menschen Leid zugefügt und ich möchte es nicht noch einem Mann zumuten, der mich liebt und der mir nur helfen will." "Vielleicht will ich mir damit auch nur selbst helfen." Duncan stand auf und trat vor Methos, dieser sah überrascht zu ihm auf, als der Schotte beide Hände um sein Gesicht legte. "Ich möchte den 'alten' Methos zurück. Den Mann, den ich liebe. Was kann mir schon passieren? Ich bin unsterblich und ich bin verliebt. Dafür nehme ich Schmerzen in Kauf, wenn es der Sache dient." Er beugte sich nach vorn und hauchte einen Kuss auf Methos' schmale Lippen, wartete einen Moment, bis er den Kuss festigte und den Älteren fester an sich zog. Als er abließ, blickte er in Methos' grüngoldene Augen und lächelte. "Ich würde durch die Hölle gehen, um nie wieder Angst vor diesen Augen haben zu müssen." "Du bist unverbesserlich." Methos schüttelte leicht mit dem Kopf, hob dann die Hände, um sie auf die des Schotten zu legen, die immer noch auf seinen Wangen ruhten. Für einen kurzen Moment schloß er die Augen und amete tief ein. "Der Ruf deines Herzens wird dich irgendwann noch den Kopf kosten." "Lieber ein kurzes, glückliches Leben, als ein langes, aber trauriges Leben." Duncan setzte sich auf den Sessel und zog Methos zu sich heran, umschloss den schmäleren Körper fest mit beiden Armen und presste ihn an sich. "Für nichts auf der Welt würde ich dich aufgeben, alter Mann. Jetzt, wo ich den Sinn meines Lebens gefunden habe, werde ich alles tun, um ihn nicht zu verlieren."
* * * * * * * * * *
Draußen wurde es schon wieder dunkel, als Methos aufwachte. In den vergangenen Tagen hatte er sehr viel geschlafen. Was sollte er denn auch anderes tun? Zum rausgehen hatte er keine Lust, auch wenn Duncan meinte, dass etwas frische Luft ihm gut tun würde. Pah! Wenn Methos frische Luft wollte, machte er das Fenster auf. So einfach war das. Da musste er nicht sinnlos draußen in der Kälte rumspazieren. Sowieso war es drinnen, in seiner warmen, trockenen Wohnung sehr viel schöner. Einkaufen gehen musste er auch nicht mehr. Das erledigte Duncan. Aufräumen und Putzen musste er nicht mehr. Das erledigte ebenfalls Duncan. Irgendwie war es angenehm, sich um nichts kümmern zu müssen, andererseits... war es auch nervig, ständig jemanden um sich herum zu haben, der einen bemutterte. Methos gähnte herzhaft und drehte sich zur Seite. Was sollte er machen? Duncan loswerden konnte er nicht. Er war eben stur, sturer als Methos selbst. Und ihn verjagen wollte Methos auch nicht. Daran hinderten ihn seine Gefühle zu dem jungen Schotten. Ob es ihm passte oder nicht, selbst, wenn Duncan ihn vielleicht manchmal an die Grenzen des Wahnsinns brachte, so liebte er ihn doch. Und der Gedanke daran, flutete ein leichtes Kribbeln durch seine Magengrube. Vielleicht hatte er das gebraucht. Genug positive Gefühle um die Aggressionen, basierend auf der extremen Spannung, zu veringern. Methos kuschelte sich fester in die weiche Decke. Sogar sie erinnerte ihn an Duncan, roch nach ihm. Ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen, als er schlagartig wieder ernst wurde. Mit einer hochgezogenen Augenbraue hob er den Kopf und sah an sich hinunter, spürte so nicht nur, sondern sah auch wie sein Bein unter der Decke zuckte. Mit einem Ruck zerrte er den warmen Stoff zur Seite und ließ seine Hand über sein Knie gleiten. Sofort ließ ein Stromschlag ihn zurückfahren. Erschrocken sprang er auf, als er dazu noch Duncans Buzz spürte und suchte nach seinem Schlüssel. Irgendwie musste er verhindern, dass Duncan in die Wohnung kam, sie verbarrikadieren oder eben zumindest das Schloss blockieren. Doch noch bevor er seinen Schlüssel finden konnte, hörte er schon das leise Klacken im Schloss und das darauffolgende Knarren der Türschaniere. "Du solltest sie mal ölen." Duncan schloß die Tür wieder hinter sich, und stellte die Einkäufe auf dem Küchentisch ab. In aller Ruhe begann er die braune Tüte zu leeren und alles in den Schränken zu verstauen. "Duncan geh!" Methos Atem wurde schwer. Seine Hand hatte sich in dem Stoff seines Sessels gegraben und Schweißperlen glänzten auf seiner blassen Stirn. "Ist es so weit?" Duncan schloß die Tür zum Kühlschrank und trat einen Schritt auf Methos zu. "Nein! Komm nicht näher, geh, verdammt!" keuchte der Unsterbliche und krallte sich fester an dem Sessel fest. "Nein." Duncan ging unbeirrt weiter, griff nach Methos und zog ihn hoch. "Erinnere dich! Ich habe dir gesagt, ich werde dir helfen, dir beistehen! Wir ziehen das jetzt zusammen durch, ob es dir passt oder nicht! Egal was du sagst, oder tust, es wird mich nicht zum gehen bringen!" "Deine Heldenhaftigkeit geht mir auf die Nerven, du dummes Schaf! Ich habe schon ganz andere Dinge in meinem Leben überstanden. Ich hatte damals auch keinen der mir half, und den brauche ich jetzt auch nicht!" "Du bist aber nicht mehr allein! Finde dich damit ab. Ich bin hier und werde bleiben!" "Idiot!" Methos stieß Duncan von sich und zog ihm noch im selben Moment die Füße weg. Der Schotte landete somit ziemlich unsanft auf dem harten Boden, blickte jedoch mit festem Blick zu dem Älteren auf. "Nun bring es schon hinter dich!" schrie er zu Methos rauf und blieb liegen. In ihm begann die Angst zu toben. Angst vor dem, was heute passieren würde. Schmerzhaft kam ihm die letzte Attacke wieder in den Sinn und er konnte nicht vermeiden, dass sich seine Hand in Gedanken schützend um seinen Hals legte. "Oh ja, sehr verlockend." Methos lächelte kalt. "Aber diesmal nicht. Sorge dich nicht um deinen Hals, denn er wird es nicht sein, an dem ich mich auslasse." Methos kam näher, stellte sich in den freien Raum zwischen Duncans Beine und schob sie noch weiter auseinander. "Dieses Mal, habe ich ein anderes Ziel." Duncan sah an sich hinunter, beobachtete Methos' Handlung und schluckte schwer. "Wenn es das ist, was du willst... ich werde dich nicht daran hindern." Er schloss die Augen. Bereit zu ertragen, als Methos laut wurde. "Du weißt, das ist es nicht, was ich will!" Wieder wurden seine Augen dunkel. Färbten sich in dieses bedrohlich wirkende Grün. Methos' Stimme wurde wieder rau und tief. Grollte geradezu. "Ich will nicht, dass du erträgst! Ich will nicht, dass du alles aus Liebe hinnimmst. Ich will, das du leidest!" Methos ließ sich auf die Knie fallen, riß mit einem Ruck die Knöpfe von Duncans Jeans auf und vergrub seine Hand im Schritt des Schotten. Mit der anderen fuhr er schroff unter den dicken Pullover und kratzte über die weiche Haut. "Ich will, dass du schreist!" Fest packte er zu und lehnte sich nach vorne. Festigte seinen Griff noch weiter, bis Duncan tatsächlich vor Schmerzen aufschrie und seine Hände um Methos' Arme legte. Der Ältere lächelte. Nahm seine Hände zurück und riß Duncans Hose nach unten, bis zu den Kniekehlen, schob den Pullover nach oben und leckte über die dunkle Haut. "Wie praktisch, dass du keine Unterhosen trägst." Seine Hände glitten weiter nach oben, packten Duncan an den Schultern und rissen ihn herum. Der Highlander fand sich mit einem Ruck auf dem Bauch liegend wieder. Sein Atem war zu einem Keuchen geworden, sein Körper zitterte und auf seiner Haut bildete sich kalter Schweiß. Er war noch nie vergewaltigt worden, hatte noch niemals diese Art von Schmerz erfahren müssen, und schon gar nicht von jemandem, den er liebte. Für einen kurzen Moment bedauerte er seine Entscheidung, Methos derart beizustehen und sich selbst so zu schinden. Dann jedoch, erinnerte er sich wieder daran, warum er das tat. Warum er das für Methos tat, und er wußte nicht, ob er sich für diese Liebe freuen, oder verfluchen sollte. Im Moment tat er wohl letzteres, jedoch wußte er, dass auch wieder andere Zeiten kommen würden. Und so biß er die Zähne zusammen, um nicht vor Angst aufzuschreien, als er hörte, wie Methos den Reißverschluß seiner Hose öffnete, die schwarze Jeans nach unten zog und über Duncans nackten Hintern leckte, ehe er sich wieder vorbeugte und die Beine des Schotten noch weiter auseinander schob. Ein letztes Mal strich er fast zärtlich zwischen Duncans Beine, ließ seine langen Finger über Duncans Männlichkeit gleiten, ehe er abließ, seine Hände um Duncans Hüften legte und zustieß. Schreie hallten durch den großen Raum der fast Methos' gesamte Wohnung ausmachte. Zwei Schreie. Einer, eines Mannes dem Leid zugefügt wurde, und ein unnatürlich dunkler, der fast einem dämonischen Lachen ähnelte, der dieses Leid zufügte. Beide schrien sie aus Schmerz, und wo der eine litt, gefiel es dem anderen. "Das hätten wir schon eher machen sollen, Highlander", keuchte Methos und festigte seinen Griff um Duncans Hüften. Sah zu, wie sich die Haut zwischen seinen Händen gelb färbte. "Es geht doch nichts über Schmerz. Süßen, echten Schmerz." Und damit stieß er wieder zu, immer fester, immer schneller, so dass Duncan dass Gefühl hatte, es würde ihn zerreißen. Erst, als er die Wärme spürte, die aus seinem Innern, zwischen seine Beine floß wurde es erträglicher. Linderte das Blut den Schmerz. "Das bist nicht du", flüsterte er und suchte nach Halt. Die Augen fest geschlossen tastete er um sich, und fand schließlich etwas. Ohne zu sehen, was es war, umklammerte er den dünnen Griff und zog ihn an sich. "Wer soll ich denn sonst sein? Was du hier erlebst, sind die tiefsten Abgründe Methos' Seele. Nichts anderes." Eine Hand des Älteren tastete sich über Duncans Rücken und den aufgerollten Pullover nach oben, umfasste Duncans Schulter und klammerte sich daran fest. "Selbst, wenn du es nicht wahrhaben willst, es ist so." "Nein!" Duncan riß die Augen auf und sah dass Messer in seiner Hand. Noch bevor er realisierte, was er tat, riß er ihn nach hinten und stieß ihn durch Methos' heißen Körper. Erschrocken hielt Methos für einen Augenblick die Luft an. Als Duncan das Messer durch den Körper des Älteren nach unten zog und noch fester zustieß, ehe er losließ. Methos entfernte sich von Duncan, löste sich aus ihm und rutschte zurück. Die Hand um den Dolch gelegt, der eine tiefe Wunde längs durch seinen Oberkörper hinterlassen hatte. Für einen Moment war nichts zu hören. Erst nach einer Weile grollte Methos' Stimme zu einem Schrei. So laut, dass Duncan sich aus Reflex die Ohren zuhielt. Blaue Funken sprühten aus der Wunde, zuckten über die blasse Haut, bis aus den Funken Blitze wurden, die mit einem Mal durch den Raum schnellten. Das Licht erlosch, als die Lampe explodierte. Mit einem lauten Knall zerplatzte alles, was aus Glas war in dem Zimmer, zersprangen sogar die Fenster. Große Risse zogen sich durch den gekachelten Boden, auf dem das Glas klirrte, der Boden schien zu beben und jeden Moment unter den beiden nachzugeben. Der ganze Lärm, der um die beiden enstand, vermischte sich mit Methos' Schrei, bis dieser erstarb und die Blitze verschwanden. Es wurde dunkel, still. Duncan nahm langsam die Hände von seinen Ohren und horchte. Vergebens. Kein Laut war zu hören, außer seinem eigenen Atem. Langsam quälte er sich in die Höhe, verzog das Gesicht, als er den stechenden Schmerz in seinem Unterleib wahrnahm. Mit einem leisen Stöhnen drehte er sich um, und betrachtete den leblosen Körper, der bei ihm lag. "Methos." Auf allen Vieren krabbelte er zu ihm, und strich leicht über die lange, aufgeklappte Haut. Qualm stieg aus der Wunde auf. Es roch nach verbranntem Fleisch. Duncan robbte weiter. Strich Methos ein paar Strähnen aus der Stirn. Eine Träne rann über seine Wange, als er sich in eine sitzende Position brachte und Methos' Körper an sich zog. Methos' Kopf in seinem Schoß bettete. "Hoffen wir, dass es hiermit ein Ende hat." Langsam beugte er sich nach unten, und seine Träne perlte auf Methos' blasses Gesicht.
* * * * * * * * * *
"Duncan, jetzt beweg dich!" Methos wippte nervös von einem Bein auf das nächste und trommelte mit seinen Fingerspitzen gegen die Wand. "Wir sind jetzt schon zu spät! Joe wird uns Beine machen, die warten alle schon!" "Bin gleich fertig!" schallte es aus dem Bad. Wenige Sekunden später kam Duncan heraus und knöpfte sich noch den letzten Knopf seines Hemdes zu. "Joe glaubt mir kein Wort, wenn ich ihm sage, dass wir wegen dir zu spät dran sind!" Methos lehnte sich an die Wand und sah Duncan vorwurfsvoll an. "Hätte ich gewußt, dass du noch so lange brauchst, hätte ich noch schnell ein Bier getrunken." "Davon bekommst du bei Joe doch genug", flötete Duncan und legte sich seinen Schal um. "Von Bier kann man nie genug bekommen", grinste Methos, stieß sich von der Wand ab und trabte zum Kühlschrank. Als er ihn öffnen wollte, zuckte ein kurzer, stechender Schmerz durch seinen Körper. Erschrocken fuhr er zurück und starrte auf seine Hand. "Was ist passiert?" Der Schotte schlüpfte in seinen Mantel und verstaute sein Schwert unter dem schweren Stoff. "Nichts", flüsterte Methos zögernd und vergrub seine Hände in seinen Manteltaschen. "Komm, ich möchte Joes Gesicht sehen, wenn du zu spät zu deiner eigenen Geburtstagsfeier kommst", grinste Methos schließlich und hängte sich bei Duncan ein.
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