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Die Abenteuer des Captain Branford
Monarch: Der Rückzug Teil 1 © by Ruppert, T.J. ()
Die Exeter befindet sich im Reparaturdock von Sternenbasis 27. Sie wurde bei einem Meteoritensturm schwer beschädigt und wird nun untersucht. Die Crew um Captain Branford ist ebenfalls auf der Sternenbasis und wartet auf das Resultat der Untersuchung.
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"Captain Branford, persönliche Aufzeichnungen, Sternzeit 51085,4. Wir sind immer noch auf Sternenbasis 27, wo die Exeter hingebracht wurde. Während mein Schiff auf eine Reparaturmöglichkeit hin untersucht wird, habe ich einem Freund beizustehen."
Der Verhandlungsraum der Sternenbasis wirkte düster und wenig freundlich. Die Jury und auch der vorsitzende Richter machten keinen anderen Eindruck. Die Jury betrat den Saal wieder und nahm auf ihren Stühlen Platz. Es waren größtenteils altgediente Offiziere, acht an der Zahl. Der Richter, ein Admiral mit Namen Staufenberg, blickte die Jury an. "Haben Sie ein Urteil gefällt?" fragte er ruhig. Der Vorsitzende der Jury nickte: "Ja, Sir." Er reichte das Datenpad dem Gerichtsdiener, der es Staufenberg übergab. Er las es kurz und blickte dann nach vorne. "Commander Riker, erheben Sie sich bitte", sagte er. Thomas Riker erhob sich langsam. Er fühlte eine zentnerschwere Last, die auf seinen Schultern zu liegen schien und den durchdringenden Blick der Anwesenden. "Das Gericht der Sternenflotte, Sektion VII, beschließt zur Sternzeit 51085,4 folgendes: Lieutenant Commander Thomas Riker ist der ihm vorgeworfenen Pflichtvernachlässigung unschuldig." Riker verzog keine Miene, obwohl er erleichtert war. "Er hatte keine Möglichkeit, den Unfall, dem die U.S.S. Exeter zum Opfer fiel, zu verhindern. Commander Riker erhält ohne Verzögerung seine Kommandoautorisation zurück. Der Vorfall wird aus den Akten entfernt. Die Sitzung ist hiermit geschlossen." Die meisten Anwesenden gingen sofort. Schließlich waren nur noch Riker und Branford in dem Saal. Der Captain war gekommen, um seinem 1.Offizier beizustehen. "Meinen Glückwunsch, Thomas." Branford trat zu Riker heran und klopfte ihm auf die Schulter. Riker erwiderte ein leises "Danke" und senkte seinen Blick. "Thomas, Du bist freigesprochen worden. Bist Du denn nicht froh darüber?" Der XO antwortete bedrückt: "Sicherlich. Aber ich denke, daß es doch zu einem gewissen Teil meine Schuld ist, Chris. Ich hatte das Kommando." Branford versuchte, etwas passendes zu sagen. "Das ist wohl richtig. Aber es gibt Momente im Leben eines Kommando-Offiziers, in denen auch er nichts mehr tun kann. Das war einer. Es ist immer schwer, wenn sowas passiert, wenn Tote und Verletzte zu beklagen sind." Der Captain unterbrach sich selbst und fuhr fort: "Ich habe Dir etwas Erfreuliches mitzuteilen. Deine Beförderung zum Commander s.c. ist vor einer Stunde betätigt worden. Meinen Glückwunsch." Riker blickte auf das volle Rangabzeichen, das ihm der Captain reichte. Er nahm das leere Abzeichen ab und befestigte stattdessen das volle. "Ich danke Dir, Chris." nickte er. Dabei blickte er immer noch genau gleich. Kein Anzeichen von Freude war zu sehen. Branford entschloss sich, Riker alleine zu lassen: "Wir sehen uns später, Thomas."
Lieutenant Commander Jake Cassels blickte sich in dem verwüsteten Maschinenraum der Exeter um. Die Schäden an dieser Sektion waren mit die schwersten gewesen. "Jake, sehen Sie sich das an." Cassels sah zu seiner Stellvertreterin, Lieutenant Robin Lefler, hinüber. Die junge Frau kniete am Boden und scannte die Dilithiumkammer. "Was haben Sie, Robin?" fragte Cassels und trat an sie heran. Lefler zeigte dem Chefingenieur die Scannwerte. Cassels betrachtete sie und sah sofort klar. Die Schäden hätten beinahe den Bruch des Warpkerns verursacht. "Dieses Schiff ist um Haaresbreite an einer Katastrophe vorbeigeschliddert", bemerkte Cassels nachdenklich. Lefler blickte Cassels fragend und vor allem unsicher an: "Jake, meinen Sie, daß wir die Exeter wieder hinkriegen?" Cassels bemerkte den kleinlauten Ton Leflers. Er erwiderte: "Robin, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber sollte es so sein, daß die Exeter aus dem Dienst ausscheiden muß, dann muß ich mir etwas überlegen. Und zwar, ob ich weiterhin in der Sternenflotte Dienst tue." "Commander! Das ist doch nicht das Ende der Welt!" Lefler reagierte sehr heftig auf Cassels' Reaktion. "Sie verstehen das nicht! Dieses Schiff habe ich mitgebaut, es ist ein Teil meines Lebens. Wenn es nicht mehr seinen Dienst tun kann, dann kann auch ein Teil von mir das nicht mehr. Machen Sie hier weiter, ich komme nachher zurück!" antwortete Cassels verärgert und verließ den Maschinenraum.
Wesley Crusher ließ seinen Blick über die Tische im Speiseraum der Sternenbasis gleiten. Er sah Thomas Riker an einem Ecktisch sitzen und aus dem Fenster sehen. Dort lag die Exeter im Dock. "Darf ich mich zu Ihnen setzen, Thomas?" fragte Crusher vorsichtig. Riker hob seinen Blick und nickte: "Natürlich." Er wandte sich wieder dem Fenster und der schwer beschädigten Exeter zu. "Gibt es schon irgend etwas Neues?" wollte der taktische Offizier wissen. Riker nahm einen Schluck aus seinem Glas und schüttelte den Kopf. "Nein, Wes. Commander Cassels untersucht das Schiff noch. Wir können nur warten." "Verstehe", erwiderte Crusher. Er schwieg kurz, konnte aber seine Neugier und Anteilnahme an Rikers Zustand nicht verbergen. "Thomas, kann ich Sie etwas fragen?" "Wenn Sie möchten", lautete die lustlose Antwort des 1.Offizier's. Crusher fragte: "Wieso machen Sie sich immer noch Vorwürfe?" Er hob den Kopf und blickte Crusher lange und nachdenklich an. Dann erwiderte er mit ruhiger Stimme: "Wenn Sie das Kommando führen, dann haben Sie die Verantwortung. Und ganz gleich wie das Gericht entschieden hat, ich muß alleine damit klarkommen. Dabei kann mir absolut niemand helfen." Riker erhob sich und zog seinen Uniformpulli glatt: "Trotzdem danke, Wes."
Dockdirektor Lawrence Pillar war ein schmächtiger, ruhiger Mann. Sein Büro im Dock war bescheiden eingerichtet, lediglich ein Tisch mit einem Computerterminal stand darin. Branford und sein Chefingenieur Cassels saßen vor dem Tisch und sahen Pillar gespannt an. "Also, meine Herren. Es sieht bisher sogar noch relativ gut aus. Der Antrieb, die Sensorenpaletten, die Waffen und so weiter sind mit erheblichem Arbeitsaufwand wieder hinzukriegen. Jetzt müssen wir nur noch die Raumrahmenstruktur und die strukturellen Integritätsfelder überprüfen", fasste Pillar zusammen. Cassels nickte mit erheblich angespannter Miene: "Das sind die Schlüsselfaktoren, Captain. Sollten diese nicht in Ordnung sein, können wir das Schiff abschreiben." Branford blickte Cassels an: "Wie lange brauchen Sie dafür, Jake?" "Zwei Tage. Mindestens", erwiderte der Ingenieur sofort. Branford nickte: "Beginnen Sie. Ich will bald Gewissheit haben."
"Captain Branford, persönliche Aufzeichnungen, Sternzeit 51089,7 Zwei Tage Urlaub liegen hinter der Crew und mir, während die Exeter zur Feststellung ihres Zustandes genau untersucht wird. Mein Chefingenieur und Lieutenant Lefler arbeiten beinahe ohne Unterbrechung, um die Ergebnisse zu erhalten. Ich bin guten Mutes, daß wir bald mit den Reparaturen beginnen können."
Captain Branford nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. "Möchtest Du auch eine Tasse, Sandra?" fragte er den Counselor. Sandra Galen nickte und er goss ihr eine Tasse ein. Sie nippte etwas und stellte sie wieder ab. "Chris, was ist mit dem Schiff?" "Nun, Jake und Lieutenant Lefler sind noch bei der Vermessung des Raumrahmens. Wir müßten bald Bescheid erhalten." Wie auf Kommando ertönte die Stimme seines Chefingenieurs. "Cassels an Branford. Melden Sie sich bitte im Maschinenraum der Exeter." Branford sprang auf und erwiderte: "Bestätigt, ich komme sofort."
Das große Doppelschott des Maschineraums stand halb offen. Branford betrat ihn und steuerte das Büro des Chefingenieurs an. Lefler und Cassels standen gemeinsam mit Dockdirektor Pillar an einem Computerterminal. "Captain! Gut, daß Sie kommen. Wir kriegen jeden Moment die Ergebnisse", begrüßte Cassels seinen Captain. Der Monitor zeigte die Exeter im Querschnitt, mit allen Raumrahmenabschnitten. "Jetzt!" sagte Cassels und deutete auf den Schirm. Er starrte gespannt darauf. Als das Ergebnis erschien, stolperte er zurück. "Verdammt!" schrie er. Branford sah sich die Daten an und verstand. Es war definitiv. Die Raumrahmenstruktur des Schiffes war irreparabel verzogen. Das Schiff konnte keine Warpgeschwindigkeit mehr erreichen, weil dazu die intakte Rahmenstruktur notwendig wäre. "Commander, es tut mir leid um die Exeter", meinte Pillar bedauernd. Cassels hatte sich wieder beruhigt. Er sah nur die Daten an. "Ich werde mich zurückziehen, Captain", flüsterte er und verließ geistesabwesend den Maschinenraum.
Branford räumte seine Kabine an Bord der Exeter auf. Viele persönliche Dinge lagen hier, das hier war sein Zuhause. Er öffnete den Schrank und nahm seine Kleider heraus. Im Wandschrank stand noch die Flasche Whiskey, die ihm sein Vater als besonderes Geschenk mitgegeben hatte. "Unglaublich, daß ich diese Flasche noch immer habe", sagte er zu sich selbst. Er packte die Flasche in seine Reisetasche und verließ das Quartier, allerdings nicht ohne einen langen Blick darauf zu werfen.
Branford stand vor der Türe des Konferenzraumes der Sternenbasis. Er sollte hier gleich seiner Crew mitteilen, daß die Exeter nie wieder in Dienst gehen würde, doch er konnte sich kaum überwinden, den Raum zu betreten. "Verdammt, deine Crew nimmt es genauso schwer wie Du! Du bist ihr Captain!" dachte er bei sich, um sich etwas zu motivieren. Die Tür öffnete sich vor ihm und er sah, daß bereits alle 154 Mitglieder seiner Crew anwesend waren. Seine höheren Offiziere saßen in der vordersten Reihe. Die Crew erhob sich, als ihr Kommandant den Raum betrat. "Bitte nehmen Sie Platz. Ich danke für Ihr Kommen", begann Branford und stellte sich an das Rednerpult. Er sah deutlich die Anspannung in den Gesichtern der Leute. Verwundert bemerkte er, daß Riker und Cassels fehlten. Gerade wollte er beginnen, da öffnete sich die Türe erneut und der 1.Offizier betrat den Saal. Mit einem kurzen Nicken begrüßte er seinen Captain und nahm neben Counselor Galen Platz. "Ich muß Ihnen allen eine traurige Mitteilung machen. Nach einer genauen Untersuchung haben die Dockcrew und Lieutenant Commander Cassels herausgefunden, daß die Raumrahmenstruktur der Exeter irreparabel beschädigt ist. Die Duranium-Träger weisen an mehreren wichtigen Stellen Materialermüdungen auf, die nicht behoben werden können. Ich habe hier eine Mitteilung der Einsatzplanung, die ich Ihnen hiermit verlesen muß: Anweisung an Captain Christopher Branford, kommandierender Offizier U.S.S. Exeter: Hiermit wird folgendes beschlossen: Nach der genauen Expertise, die von Doctor Pillar, Werftdirektor Sternenbasis 27, und Lieutenant Commander Cassels, Chefingenieur der Exeter, erstellt wurde, wird hiermit angeordnet, daß die U.S.S. Exeter, Sternenflottenregistrierung NCC-2893-A, bei Sternzeit 51089,9 außer Dienst gestellt wird. Genauere weitere Instruktionen für die Crew erfolgen baldmöglichst. Die Werftleitung wird angewiesen, die Exeter zum Abwracken nach Sternenbasis Relara IV zu transportieren. Gezeichnet Rear-Admiral James Whitmore" Branford machte eine kurze Pause. Der Großteil der Crew war fassungslos. Ihr Schiff wurde aus dem Dienst genommen. Branford glaubte zu sehen, wie sich viele der Crew um ihre Zukunft Angst machten. Die Exeter war ihre Heimat. Wohin würden sie gehen? "Ich weiß, daß das ein harter Schlag für uns alle ist. Mir selbst wurden noch keine Informationen zugetragen, was mit der Crew geschieht. Eines verspreche ich Ihnen auf alle Fälle: Ich werde mein Äußerstes versuchen, daß wir zusammen bleiben. Die Crew der Exeter ist eingespielt, sie ist ein Team. Das darf nicht zerstört werden." fuhr Branford mit bewegter Stimme fort.Natürlich wußte er,daß er dies nicht garantieren konnte.Mit Sicherheit würden in den nächsten Tagen Versetzungsbescheide in alle Himmelsrichtungen kommen. "Das wäre alles. Sie können wegtreten", schloss Branford die Besprechung.
"Herein!" Jake Cassels fühlte sich beim Packen gestört. Die Tür seines Quartiers öffnete sich und Sandra Galen betrat den Raum. "Störe ich dich, Jake?" wollte sie wissen. Dabei musterte sich den Halb-Klingonen intensiv. Cassels bemerkte ihren Blick:"Im Prinzip schon. Was willst du?" "Was hast du vor?" fragte sie mit einem verwunderten Blick auf die Koffer. Er wandte seinen Blick nicht von seiner Tasche ab und antwortete:"Ich quittiere den Dienst, Sandra. Ich werde nicht länger in der Sternenflotte Dienst tun." Galen war überrascht und irritiert:"Wieso, bitte, willst du das tun?" Im gleichen Moment erlebte Galen ihren Freund so, wie sie ihn noch nie zuvor erlebt hatte. Er rastete aus und warf die Tasche mit einer unglaublichen Wucht an die Wand. Galen wich vor ihm zurück. Sie hatte Angst. Cassels beruhigte sich wieder und sah Galen entschuldigend an:"Tut mir leid. Meine klingonische Seite ist durchgebrochen. Du mußt das verstehen. Die Exeter ist mein Lebenswerk. Ich habe vier Jahre am Bau dieses Schiffes mitgewirkt. Es ist für mich nicht so einfach, ich kann nicht auf ein anderes Schiff gehen." Galen nickte:"Ich verstehe dich. Aber der Captain braucht dich. Wenn er ein neues Schiff unterstellt bekommt, dann..." "Dann wird er einen anderen, mit Sicherheit hervorragenden Chefingenieur erhalten! Ich muß jetzt gehen, Sandra. Richte den anderen einen Gruß aus", unterbrach sie Cassels. Er nahm seine Tasche und verließ das Quartier,noch bevor Galen etwas weiteres sagen konnte.
Branford stand vor dem Fenster, das einen Ausblick auf das Dock gab. Die Exeter lag noch dort, an einem Ankermast festgemacht. "Von hier sieht es gar nicht so schlimm aus." Branford drehte sich herum und sah Thomas Riker. Er hatte den 1.Offizier nicht gehört,als dieser hereingekommen war. "Ja. Aber es ist so", meinte er niedergeschlagen. Riker sah Branford direkt in die Augen:"Ich wollte mich entschuldigen, daß ich zur Besprechung zu spät gekommen bin." "Es ist in Ordnung. Hast du Jake gesehen?" erwiderte Branford. "Nein. Keiner der Stabscrew hat ihn in den letzten Stunden gesehen. Ich mache mir so langsam Sorgen um ihn." "Wir haben gerade noch wichtigeres zu tun, Thomas. Zum Beispiel, was mit der Crew geschehen wird." Der 1.Offizier nickte zustimmend:"Ja,das bereitet mir ebenfalls Sorgen." Ein Kom-Signal ertönte:"Captain Branford, melden sie sich bitte bei Fleet-Admiral Franklin. Umgehend." "Ich muß gehen", sagte Branford und verließ den Raum.
Fleet-Admiral Lucas Franklin war ein grauhaariger Mann, Mitte sechzig. Er befehligte seit nunmehr sieben Jahren die Sternenflotte und galt als umsichtiger und weiser Oberbefehlshaber. Er hatte Branford bei mehreren Gelegenheiten getroffen und Branford empfand eine starke Loyalität für ihn. Franklin musterte Branford eingehend und bot ihm einen Platz an. "Captain, Sie werden wissen, weswegen ich Sie hergebeten habe", begann er ruhig. Branford nickte:"Ja, Sir." "Gut. Es geht um folgendes: Wir haben jetzt eine Crew, die kein Schiff hat. Es liegt mir fern, Sie und Ihre Crew auseinanderzubringen. Ich kann Ihnen ein neues Schiff anbieten." Branford fragte dazwischen:"Welches Schiff, Sir?" "Die U.S.S. Monarch. Sie wurde hier vier Monate lang gründlich überholt und umgerüstet. Sie gehört zur Galaxy-Klasse. Die meisten Crewmitglieder sind schon benannt, aber es fehlt eine Führungscrew und noch etwa 150 Mann der Besatzung." "Wurde die Monarch nicht aus einem ganz bestimmten Grund umgerüstet, Admiral?" "Ich weiß nicht, was sie meinen", erwiderte der Admiral ahnungslos. "Wie ich hörte,hatte dieses Schiff vielfach Fehlfunktionen. Einmal haben die Schilde gestreikt, als sie mit einem Kreuzer des Marquis im Kampf waren. Damals wäre die Monarch beinahe zerstört worden." "Das ist wohl ein Grund, Captain. Aber es ist so, wie es ist. Die Monarch stände zur Verfügung. Es ist das einzige Schiff, das ich anbieten kann." Franklin machte eine Pause und sagte eindringlich:"Es ist ein gutes Schiff, Christopher. Aber ein Schiff ist immer nur so gut wie die Crew, die es fliegt. Deshalb will ich Sie." Branford nickte:"Ich nehme an, Admiral." "Gut. Allerdings sind bereits drei Mitglieder der Führungscrew schon benannt worden. Admiral Barkley hat die Posten des 1.Einsatzoffiziers, des 2.taktischen Offiziers und die des 2.Steueroffiziers bereits vergeben. Sie werden mit diesen Leuten arbeiten müssen. Ich weiß,daß Lieutenant Jacobs bei Ihnen den Posten des 1.Einsatzoffiziers einnimmt. Reden Sie mit ihm darüber", erklärte Franklin. Branford wollte widersprechen, aber Franklin war sein Vorgesetzter. Er war immer fair gewesen, und diese Entscheidung mußte er akzeptieren. "Jawohl, Sir", nickte Branford. "Also dann, Captain. Das wäre alles. Viel Glück", verabschiedete ihn Franklin. Branford erhob sich:"Danke, Sir."
Commander Riker saß in der Bar auf dem Promenadendeck der Sternenbasis. Branford ging zu seinem Tisch. "Thomas, ich muß mit dir reden", sagte Branford in einem ernsten Tonfall. Riker sah von seinem Drink auf:"Natürlich. Bitte, setz dich." "Wir haben ein neues Schiff zugewiesen bekommen. Die Monarch." Riker stellte hastig sein Getränk ab:"Die Monarch? Über die man sich erzählt, daß jeder Ferengi-Frachter zuverlässiger funktioniert?" "Sie wurde umgerüstet, Thomas. Laut Admiral Franklin ist das Schiff in Ordnung und auf dem neuesten technischen Stand. Aber wir haben ein Problem." "Und das wäre,Chris?" horchte Riker auf. "Ein Teil der Führungscrew ist schon benannt worden. Der Posten des 1.Einsatzoffiziers wurde an eine gewisse Lieutenant Commander Andrea Bennett vergeben. Somit muß Mister Jacobs eine Position zurückweichen." "Das wird er nicht tun, Chris. Eher bittet er um eine Versetzung", widersprach Riker. Branford verzog sein Gesicht:"Ich rede mit ihm. Aber es geht noch um etwas anderes. McLure wird seinen Posten auch abgeben müssen. Teile ihm das bitte mit. Und sieh dir mal die Akten des 2.taktischen Offiziers und des 2.Steueroffiziers an. Das sind auch neue Leute." "Hast du sonst noch irgendwelche Befehle?" "Die Crew soll sich übermorgen früh an Bord melden. Vollzählig", ordnete Branford mit ernster Miene an. "Jake Cassels ist nicht aufzufinden. Wir haben bereits intensiv nach ihm gesucht. Er ist nicht auf der Station", bemerkte Riker nachdenklich. Branford stand auf:"Ich werde ihn suchen. Veranlasse du das restliche. Bis dann."
"Captain Branford, persönliche Aufzeichnungen, Sternzeit 51091,3. Auf der Suche nach meinem Chefingenieur habe ich beschlossen, bei der Person anzufangen, die den engsten Kontakt zu ihm pflegte. Seine Stellvertreterin, Lieutenant Robin Lefler."
"Lieutenant Lefler!" Robin Lefler, die sehr kindlich wirkende stellvertretende Chefingenieurin der Exeter, drehte sich beim Klang der Stimme Branfords um. "Ja,Sir?" fragte sie. Branford sah sie ernst an:"Lieutenant, wo ist Mister Cassels?" Lefler versuchte, sich um eine Antwort zu drücken. Branford bemerkte deutlich, daß sie etwas wußte. "Reden Sie! Wo ist Jake?" wiederholte er energisch seine Frage. Die junge Frau senkte ihren Blick und erwiderte:"Er ist auf Talbot II." "Was macht er denn da?" "Er wollte, daß ich Ihnen morgen sein Austrittsgesuch gebe", erwiderte Lefler. Branford riß die Augen auf:"Er will den Dienst quittieren?" "Ja, Captain. Er kommt mit dem Verlust der Exeter nicht klar." Branford nickte:"Sie haben mir sehr geholfen, Lieutenant. Danke. Melden Sie sich bei Commander Riker.Er wird sie wegen des neuen Schiffes genauer instruieren." "Ein neues Schiff, Captain?" fragte sie erstaunt. "Ja. Ich muß unseren Chefingenieur suchen. Wir sehen uns", sagte Branford und wandte sich zum Gehen. Lefler wagte es nicht, noch eine Frage zu stellen.
Das "Jocey's" war ein dunkle, unheimlich wirkende Kneipe in der Hauptstadt des Planeten Talbot II. Branford hatte sich auf der Suche nach Cassels hierher durchgefragt. Beim Betreten der Kneipe richteten sich viele unfreundliche Blicke auf ihn. Er trug seine Standarduniform, eine Kleidung, die dort offensichtlich nicht gern gesehen war. Branford ließ seinen Blick schweifen und erkannte Cassels an einem Ecktisch sitzend. Er ging schnellen Schrittes auf ihn zu. Kurz bevor er den Tisch erreichte, stellte sich ihm ein cirka zwei Meter großer, muskulös gebauter Tellarit in den Weg. Diese Geschöpfe, die Schweinen ähnelten, waren immer sehr aggressiv. Man ging ihnen besser aus dem Weg. "Was hat ein Typ wie Sie hier zu suchen?" fragte er provozierend. Branford stellte sich passiv:"Auf jeden Fall keinen Ärger." "Uniformen sind hier nicht gern gesehen! Verschwinden Sie!" Der Tellarit starrte ihn mit haßerfüllten Augen an. Branford mußte handeln. "Laß den Captain besser in Ruhe. Sonst wirst du hier nicht lebend herauskommen." Die kräftige und drohende Stimme von Jake Cassels errregte die Aufmerksamkeit des Tellarits. Er drehte sich um und sah Cassels an. Dabei bemerkte er offenbar, daß Cassels die typischen klingonischen Stirnhöcker hatte. "In Ordnung. Nichts für ungut", sagte er und zog sich an die Bar zurück. Cassels bot Branford einen Platz an. "Sie haben wirklich Nerven, Captain. In Uniform hierher zu kommen", sagte Cassels ärgerlich und trank sein Glas aus. Branford roch deutlich, daß Cassels stark nach Whiskey stank. "Ich habe Sie gesucht", meinte Branford und blickte Cassels direkt in die Augen. Er sah nicht von seinem Glas auf:"Und weswegen?" "Um Ihnen mitzuteilen, daß ich Ihren Antrag auf Austritt aus der Sternenflotte ablehnen werde. Ich brauche Sie." Cassels hörte die deutliche Entschlossenheit in der Stimme des Captains. "Für was brauchen Sie mich?" fragte Cassels mit einer gewissen Agressivität in der Stimme. "Für unser neues Schiff. Die Monarch", erklärte Branford. Cassels lachte. Es klang nicht besonders freundlich. "Die Monarch! Es wäre besser, Sie besorgen sich einen alten Bird-of-Prey. Der ist zuverlässiger als dieser Kahn." "Ich bitte Sie, Jake. Die Monarch wurde von Grund auf überholt, sie ist ein vollkommen anderes Schiff als zuvor. Auch ich kenne die Vergangenheit der Monarch", entgegnete Branford. Mit einem Handzeichen orderte er einen weiteren Drink. Als der Kellner mit dem Glas kam, nahm es Branford ab. "Was soll das? Wenn Sie etwas wollen, dann sagen Sie es!" beschwerte sich Cassels. Branford nahm das Glas und trank es in einem Zug auf:"Sie trinken nichts mehr. Wenn Sie noch etwas an diesen Tisch kommen lassen, dann werde ich es trinken. Sie haben Ihre Pflicht zu erfüllen, Jake. Das schulden Sie der Crew." Cassels stöhnte:"Sie können einem wirklich auf den Nerv gehen, Sir." "Kommen Sie schon. Wir beamen auf die Sternenbasis zurück. Und dann gehen sie unter die Dusche und anschließend in's Bett", meinte Branford und stand auf. "Aye, Sir", erwiderte Cassels und erhob sich ebenfalls.
"Sie wollten mich sprechen,Sir?" Lieutenant Samuel Jacobs, der immer gutgelaunte Einsatzoffizier der Exeter, stand in der Türe von Branfords Quartier. Jacobs war immer einer der besten Offiziere des Stabes gewesen. Branford schätzte ihn sehr, und um so schwerer fiel es ihm, ihn zurückzuversetzen. "Ja, Samuel. Setzen Sie sich", erwiderte Branford und bot Jacobs einen Platz an. Sichtlich nervös und unsicher, ganz anders, als von ihm gewohnt, nahm Jacobs Platz. "Ich habe Ihnen eine Mitteilung zu machen. Es ist nicht leicht für mich", begann Branford. Er stockte kurz, redete aber gleich weiter:"Die Crew hat die Monarch als neues Schiff zugewiesen bekommen. Allerdings hat mir Admiral Franklin gleich etwas mitgeteilt: Einige Posten der Führungscrew sind bereits vergeben. Der 1.Einsatzoffizier ist darunter." Jacobs wußte kaum, was er erwidern sollte. Schließlich begann er zögernd:"Wer ist dort eingesetzt,Sir?" "Eine gewisse Lieutenant Commander Andrea Bennett. Die Einsatzplanung war offenbar der Ansicht, daß für ein Schiff der Galaxy-Klasse ein höherrangiger Einsatzoffizier benötigt würde. Tut mir leid,Samuel", sagte Branford bedauernd. Jacobs senkte den Kopf:"Danke, Sir. Sie wissen aber, daß mir das nichts hilft." Er raffte sich auf und sah Branford selbstbewußt an:"Ich werde mich nicht mit dem 2.Posten begnügen, Sir. Ich bitte sie um die Versetzung." "Langsam,Samuel. Überdenken Sie den Schritt. Sehen Sie, ich werde jede Anstrengung unternehmen, daß Sie die Beförderung erhalten und den Posten wieder übernehmen. Aber Sie müssen schon Geduld aufbringen." Jacobs erwiderte erregt:"Geduld? Captain, ich habe bis dato zwei Jahre lang hervorragende Leistungen auf der Exeter erbracht. Obwohl Sie bereits zwei Mal die Empfehlung zu meiner Beförderung ausgesprochen haben, hat sich nichts getan." "Samuel, ich schätze Sie sehr. Aber glauben Sie mir: Wenn Sie jetzt von Bord gehen, dann haben sie ihre Chance auf ein baldiges Fortkommen vertan." Branford machte eine Pause und sah Jacobs ernst an:"Vertrauen Sie mir. Sie werden bald Ihre Chance erhalten. Früher als Sie denken." "Kann ich gehen, Sir?" fragte Jacobs. Branford nickte:"Ja." Als Jacobs schon an der Tür war, rief Branford ihm nach:"Wenn Sie sich entschieden haben, daß Sie bleiben wollen, dann melden Sie sich Punkt 9.00 Uhr morgen früh auf der Monarch. Dock 3."
Jennifer Waringthon saß in ihrem Quartier und las ein Buch. Ihr Freund, Luke McLure, war zu Commander Riker gerufen worden. "Es geht mit Sicherheit um die neue Einteilung an Bord der Monarch", dachte sie bei sich. Sie hatte zwei Stunden zuvor von dem neuen Schiff erfahren. Seltsamerweise fühlte sie sich nicht nervös. In ihrer Akademiezeit hatte sie mehrfach Schiffe der Galaxy-Klasse gesteuert, wenn auch nur in Simulationen. Genüßlich probierte sie einen Löffel des Schokoladeneises, das sie sich vom Replikator hatte kommen lassen. Das Öffnen der Türe unterbrach sie. McLure betrat langsamen Schrittes den Raum und ließ sich auf das Bett sinken. Sie sah auf den ersten Blick, daß er tief betrübt war. "Luke, was hast du?" fragte sie sanft. McLure sah sie mit einem merkwürdigen Gesichtausdruck an und erwiderte mit einer ärgerlichen Stimme:"Ich bin degradiert worden! Die Position des 1.Einsatzoffiziers ist auf dem neuen Schiff schon besetzt, dadurch rückt Samuel Jacobs auf die des 2.Einsatzoffiziers zurück. Commander Riker hat mich zu sich gerufen, um mir zu sagen, daß ich künftig nur noch als Missionspezialist eingesetzt würde. Er hat es zwar bedauert, aber er konnte nichts dagegen tun. Der Captain auch nicht." Waringthon legte ihre Arme um McLure und gab ihm einen Kuss:"Tut mir leid, Luke. Was hast du zu Riker gesagt?" "Natürlich, daß ich eine Versetzung beantrage", entgegnete McLure sofort. "Und was wird aus uns beiden? Wir wären zusammen auf der Monarch. Ist dir das nicht auch wichtig?" fragte sie mit einer gewissen Enttäuschung. McLure schluckte und erwiderte:"Jenny, es geht immerhin um meine Karriere. Ich bin bereits seit zweieinhalb Jahren Fähnrich. Du wurdest nach einem guten Jahr bereits befördert. Weißt du, wie frustrierend das ist?" "Ich verstehe dich, Luke. Aber du mußt Geduld haben", antwortete sie. Dann sah sie ihm lange in die Augen und fuhr fort:"Willst du nicht auch bei mir sein, Luke? Oder zählt die Karriere alles?" "Nein. Ich werde also dem XO sagen, daß ich bleibe", nickte McLure. Er ließ bei diesen Worten ein kurzes Lächeln durchblicken.
"Ihr Schiff,Captain." Admiral Franklin deutete durch das Sichtfenster in das Dock hinein. Dort lag ein Schiff der Galaxy-Klasse. Branford sah die Markierungen an: NCC-73457, U.S.S. Monarch. Mit Interesse betrachtete er die Teilungsfläche des Schiffes. Die Schiffe der Galaxy-Klasse konnten sich in zwei Sektionen teilen, die Untertassensektion mit der Hauptbrücke und ausschließlich Impulstriebwerken, und die Kampfsektion mit der Kampfbrücke, allen Hauptwaffen und den Warptriebwerken. Die Modifizierung, die ihm von außen auffiel, war der Quantentorpedolauncher, der anstelle des vorderen Doppeltorpedolaunchers der Kampfsektion montiert worden war. Es arbeiteten noch einige Arbeitsdrohnen und Werftmitarbeiter an der Außenhülle der Monarch. Franklin sah Branford auffordernd an:"Wollen Sie nicht an Bord gehen?" "Doch, Sir. Kommen Sie nicht mit?" erwiderte Branford. Franklin schüttelte den Kopf:"Nein, Captain. Auf der Brücke erwartet Sie Lieutenant Commander Mitchell, der Ihnen die Kommandoautorisation übergeben wird. Viel Glück."
Der Turbolift stoppte und die Tür öffnete sich. Branford setzte zum ersten Mal einen Fuß auf die Brücke seines neuen Schiffes. Die Brücke der Galaxy-Klasse war ihm wohlvertraut von seinem Dienst auf der Defiance. Im Gegensatz zur Brücke der Exeter wirkte diese sehr geräumig. Der Kommandobereich mit den drei Ledersesseln für den Captain in der Mitte,den 1.Offizier links und den Schiffsberater rechts lagen zentral. Darüber war eine Art Podest, das die taktische Station beinhaltete. Hinter dieser lagen zwei Wissenschaftsstationen, eine Station des Maschinenraumes und eine Station für spezielle Einsätze. Direkt vor dem Hauptbildschirm waren links die Station des Einsatzoffiziers und rechts die des Steueroffiziers. Am hinteren Teil der Brücke führte eine Tür nach links zu der Beobachtungslounge, die als Konferenzraum diente. Nach rechts ging es zum Turbolift. Am vorderen linken Teil der Brücke lagen zwei Türen. Die eine führte zum persönlichen Raum des Captains, die andere zu einem weiteren Turbolift. Auf der rechten Seite der Brücke, in der Nähe der Steuerstation, lag ein Notfallschacht, der einen Lift zur Kampfbrücke beherbergte. Die Brücke war leer, bis auf einen Sternenflottenoffizier, der an der taktischen Station stand. "Captain Branford?" fragte der Offizier. Branford nickte und reichte ihm die Hand:"Der bin ich. Lieutenant Commander Mitchell, nehme ich an." "Ja, Sir. Ich soll Ihnen die Kommandoautorisation übergeben. Bitte", erwiderte Mitchell und führte Branford nach unten zum Sessel des Captains. Er öffnete die rechte Armlehne und klappte ein Bedienfeld aus. "Computer, Kommandoautorisation übertragen. Genehmigung Mitchell, Alpha-Omega 90013", sagte er und berührte dabei eine Taste. Dann nickte er Branford zu. Dieser verstand und berührte die Taste erneut:"Computer, hier ist Captain Christopher Branford, Genehmigung Beta-Gamma-Delta 8552. Ich übernehme das Kommado über die U.S.S. Monarch zur Sternzeit 51092,5." "Code akzeptiert. Die U.S.S. Monarch steht nun unter dem Kommando von Captain Christopher Branford", bestätigte der Computer. Mitchell sah Branford an:"Das Schiff untersteht nun Ihnen, Sir.Wenn Sie gestatten, dann werde ich nun das Schiff verlassen." "Natürlich, Commander. Vielen Dank", nickte Branford.
Branford sah sich in seinem Bereitschaftsraum um. Ein sehr edler Tisch und ein Ledersessel standen in der Ecke, außerdem befand sich noch eine Couch und ein kleinerer Waschraum in dem Raum. Das Ertönen des Türsummers unterbrach Branfords Gedanken. "Herein", bat er. Die Tür öffnete sich und eine junge Frau mit den Rangabzeichen eines Lieutenant Commanders betrat den Raum. Sie hatte schulterlange, braune Haare und ein sehr liebenswertes Gesicht. "Lieutenant Commander Andrea Bennett meldet sich an Bord, Sir", sagte sie mit einem Lächeln. Branford reichte ihr die Hand:"Sehr erfreut. Captain Branford. Kann ich Ihnen Ihren Arbeitsbereich zeigen?" "Gerne, Captain. Ich würde gerne sofort loslegen", erwiderte sie.
Als die beiden die Brücke betraten, waren bereits Riker, Crusher, Cassels und Galen anwesend. Branford begrüßte sie kurz. "Guten Morgen zusammen. Willkommen an Bord", sagte er. Riker trat etwas vor:"Captain, der Großteil der Crew kommt erst in zwei Stunden. Möchten Sie nicht vorher in ihr Quartier?" "Doch, Commander. Begleiten Sie mich bitte ein Stück", erwiderte der Captain und deutete auf die Tür des Turbolifts.
Als sie alleine im Lift waren, sah Riker Branford irritiert an. "Was ist denn,Chris?" fragte er. "Ich will,daß du noch drei oder vier Tage Urlaub nimmst. Du hast es nötig." Riker protestierte:"Das ist nicht wahr! Ich bin wieder völlig fit. Dieses Schiff braucht mich, gerade jetzt." "Ich brauche einen 1.Offizier, der hundertprozentig bei der Sache ist, wenn wir losfliegen. Aber jetzt wirst du dich ausruhen." Sein 1.Offizier wollte schon widersprechen, aber Branford sah ihn nur kurz an und sagte streng:"Das ist ein Befehl."
"Lieutenant Jacobs?" Jacobs drehte sich von der Station für spezielle Einsätze weg und nickte der jungen Frau zu, die vor ihm stand. Sie hielt ihm ihre Hand hin:"Lieutenant Commander Andrea Bennett. Freut mich, Sie kennenzulernen." Jacobs schlug trotz einer gewissen Abneigung ein:"Ganz meinerseits, Madam." "Lieutenant, ich wollte mit Ihnen wegen der Arbeitsaufteilung reden. Haben Sie einen Augenblick Zeit?" "Sicher, Commander. Gehen wir in die Aussichtslounge", meinte Jacobs.
Jacobs ließ sich in einen Sessel der Aussichtslounge gleiten und sah Bennett erwartend an:"Nun, Commander?" "Lieutenant, zuerst wollte ich sagen, daß mir ihre Situation bekannt ist. Unsere Zusammenarbeit wird dadurch nicht leichter." Jacobs nickte ausdruckslos:"Das weiß ich, Madam." "Also, es wäre mir sehr lieb, wenn Sie mir bei den Systemzuteilungen und Außenteameinsätzen etwas Arbeit abnehmen", sagte Bennett. "Selbstverständlich, Commander. Werden Sie das dem Captain auch sagen?" Bennett nickte:"Sicher. Es ist mir nur lieb und recht, wenn Sie als langjähriges Crewmitglied die Außenteameinsätze betreuen. Sie kennen die Mitglieder dieser Crew besser, als ich es tue." Jacobs stand auf:"Kann ich gehen, Madam?" Bennett seufzte. Sie wollte mit dem Lieutenant ins Reine kommen, aber er wies sie immer wieder ab. "Sie können wegtreten,Lieutenant", erwiderte sie.
"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 51096,3, Captain Branford. Seit mittlerweile zwei Tagen befindet sich die Crew an Bord der Monarch. Bis jetzt sind jedoch einige Fehlfunktionen aufgetreten. Diese häufen sich zusehends. Meine Stabsoffiziere sind ständig darum bemüht, die Probleme zu lösen."
Bennett und Crusher saßen Branford gegenüber in seinem Bereitschaftsraum. "Zusammengefasst, Captain: Die Langstreckensensoren arbeiten nur zu 75%. Wir haben den Fehler noch nicht gefunden. Mister Jacobs, Mister McLure und ich arbeiten seit beinahe zwanzig Stunden an dem Problem", berichtete Bennett. Branford schüttelte den Kopf:"Das ist beunruhigend, Commander. Und was haben sie für ein Problem, Wesley?" "Die Zielerfassungsscanner arbeiten fehlerhaft. Sie sind nicht in der Lage, multiple Zielerfassungen vorzunehmen und Kurskorrekturen auszugleichen. Außerdem..." Branford beugte sich gespannt vor:"Außerdem was?" "Die Quantentorpedos weisen schwerwiegende Fehler auf. Mein neuer 2.taktischer Offizier, Lieutenant Bishop, berichtete mir folgendes: Wenn wir eine Salve abfeuern würden, dann würde es zu einer Explosion in der Torpedorampe kommen." "Weswegen denn das?" fragte Branford interessiert und auch geschockt. Crusher erklärte:"Weil der Auslösemechanismus einen Softwarefehler hat. Er macht die Torpedos schon in der Rampe scharf. Durch die Erschütterung beim Start würden sie dann bereits detonieren." "Kriegen Sie das wieder hin?" fragte Branford. "Ja, Sir", nickte Crusher. "Wie steht es mit Ihnen, Commander Bennett?" Bennett sah mißmutig drein:"Wir versuchen es, Captain." "Ich werde Ihnen etwas zur Hand gehen. Wenn Sie möchten", sagte Branford. Die Einsatzleiterin nickte lächelnd:"Es wäre uns eine Ehre, Sir." "Das wäre dann alles. Gehen wir zur Hauptsensorenphalanx. Dort versuchen wir..." meinte Branford und ging schon zur Tür. Als sich diese öffnete, stieß er mit Cassels zusammen. "Jake, was haben Sie?" fragte er den Chefingenieur. Cassels hatte einen hochroten Kopf. Man sah deutlich, daß er aufgeregt war. "Wir haben bis jetzt vier fehlerhafte Warpfeldspulen und eine gebrochene ETL", berichtete er aufgeregt. Bevor er weitermachen konnte, sagte der Captain:"Bitte schreiben sie einen Bericht darüber. Den schicke ich mit den anderen der Werftleitung zu. Commander Bennett, kommen Sie."
"Geben Sie mir den Tricorder." Branford lehnte in der engen Wartungsröhre der Hauptsensorenphalanx, die direkt hinter dem Hauptdeflektor lag. Fähnrich Luke McLure reichte seinem Captain das Gerät und beobachtete, wie er damit die Energieleitungen scannte. "In Ordnung. Der Weitwinkel-EM-Scanner arbeitet wieder", sagte Branford. Dann rief er die Brücke:"Branford an Brücke. Mister Jacobs, wie ist der Status der Sensoren?" "Arbeiten zu 100%, Sir", meldete der Lieutenant. Bennett nickte Branford zu:"Eine hervorragende Arbeit, Captain." Branford zwängte sich aus der Wartungsröhre und winkte ab:"Den Fehler hätte jeder andere auch gefunden. Die perforierten Zonen des Hauptdeflektors, die normalerweise die Sensoresignale durchlassen, waren durch tausende Minimeteoriten beinahe undurchlässig." Branfords Gesichtsausdruck veränderte sich:"Aber diesen Fehler hätte die Werftcrew ebenfalls erkennen müssen. Immerhin arbeiten die seit mehreren Monaten an diesem Schiff." Er sah sich in dem Kontrollraum des Hauptdeflektors um. Überall standen Werkzeugkästen und Arbeitsmaterial herum. "Fähnrich McLure, sorgen sie dafür, daß hier aufgeräumt wird", ordnete er an. Der junge Mann senkte den Kopf und erwiderte:"Aye, Sir." "Das werden aber nicht Sie oder jemand von der Crew machen! Sagen Sie es dem Vorarbeiter der Werft, er soll seine Leute herbeordern", fügte Branford mit einem kleinen Lächeln hinzu. McLure sah auf:"Verstanden, Captain."
Crusher betrat die mittlere Torpedorampe der Monarch. Von hier aus wurden die Quantentorpedos gestartet. Es gab noch zwei weitere Torpedorampen: Eine lag auf dem untersten Deck der Untertassensektion, die andere auf Deck 35 der Kampfsektion. Sie zeigte nach achtern. Lieutenant Charles Bishop, der neue stellvertretende Taktikoffizier des Schiffes, stand gemeinsam mit zwei Waffensystemtechnikern am Kontrollpult des Feuermechanismus. Er war ein großgewachsener Engländer, trug einen ausdrucksstarken Vollbart und wirkte um einiges älter als die 28 Jahre, die er alt war. "Das ist wohl nicht Ihr Ernst,Fähnrich! Sie wollen mir doch nicht erzählen, daß diese schlampige Analyse Ihr Arbeitsergebnis der letzten zwei Stunden ist!" Der impulsive Bishop schnauzte einen jungen Offizier an, der eine Analyse des Feuerleitcomputers vorgenommen hatte. "Sir, der Controller für taktische Situationen hat eindeutig diese Signale ausgesendet. Es muß eine Fehlfunktion vorliegen", widersprach der Fähnrich. Bishop reagierte aufbrausend:"Hören Sie mal zu, Fähnrich. Sie haben..." "Was gibt es denn für ein Problem,meine Herren?" fragte Crusher dezent und trat zu der Dreiergruppe hinzu. Bishop erklärte:"Fähnrich Sveigert versucht mir hier einen Bären aufzubinden, Sir. Er ist der Ansicht, daß der CTS für die katastrophale Störung verantwortlich ist." "Nun gut. Was haben Sie gefunden, Mister Sveigert?" wollte Crusher wissen. Er hatte es gern, erst einmal alle Meinungen zu hören und dann seine Entscheidung zu treffen. "Der CTS sendet Multiphasensignale, die sich gegenseitig überlagern, an den Feuermechanismus. Dadurch kann es zu unterkontrollierten Waffeneinsätzen kommen", erklärte Sveigert. Crusher nickte:"Gut. Können Sie das beheben, Mister Sveigert?" "Ich denke schon, Sir. Ich werde etwa drei Stunden brauchen", meinte er. "Beginnen Sie unverzüglich. Wenn Sie noch jemanden brauchen sollten, dann sagen Sie es", ordnete Crusher an. Dann sah er Bishop an:"Begleiten Sie mich, bitte."
Crusher ging mit Bishop in einen Nebenraum, wo sie alleine waren. "Sagen Sie, Lieutenant. Was haben Sie gegen Sveigert?" wollte Crusher wissen. Bishop schaute unschuldig drein:"Ich habe nichts gegen ihn, Sir. Aber er hat unrecht. Das ist alles." "Das wissen wir noch gar nicht. Lassen Sie ihn erstmal machen", entgegnete Crusher scharf. Dann wurde er versöhnlicher:"Sehen Sie, Sveigert ist ein talentierter Offizier. Das wird sich aber nur dann positiv bemerkbar machen, wenn er gefördert und auch gefordert wird." "In Ordnung, Sir. Ich werde mich zurückhaltender verhalten", nickte Bishop. Crusher klopfte ihm auf die Schulter und lachte:"Lassen Sie uns nach dem Feuerleitcomputer sehen, Lieutenant."
Robin Lefler sprang erschrocken zur Seite und wich einem Datenpad aus, das aus dem Büro von Cassels geflogen kam. Es waren laute Flüche des Chefingenieurs zu vernehmen. Vorsichtig schaute sie in das Büro und sah Cassels am Kontrollterminal des Warpantriebes stehen. "Commander, kann ich reinkommen?" fragte sie zaghaft. Cassels blickte sich um und nickte knapp:"Sicher. Was haben Sie denn?" Die junge Frau strich sich ihre blonden Haare aus dem Gesicht. Sie spürte deutlich, daß Cassels davor war auszurasten. "Wir haben die Backbord-ETL überprüft und repariert. Sie funktioniert soweit normal", berichtete sie. "Gut", erwiderte Cassels mürrisch. Er wandte sich für einen Augenblick seiner Kontrolltafel zu, dann schaute er Lefler wieder an. "Es tut mir leid, daß ich Sie fast getroffen hätte, Robin", sagte er mit einem kurzen Lächeln. Dabei blickte er entschuldigend drein. Lefler schmunzelte:"Sorgen Sie nur dafür, daß nächstes Mal kein Datenpad herumliegt, wenn Sie wieder mal wütend sind."
"Herein." Der Türsummer in Branfords Bereitschaftsraum ertönte und er bat einzutreten. Es war Counselor Galen, die wie immer ein Kleid trug. Branford hatte bei ihr gelernt, daß sie die Standarduniformen hasste. "Du wolltest mich sprechen, Chris?" fragte sie mit ihrer sanften Stimme. Branford nickte und erhob sich,um ihr einen Stuhl zurechtzurücken. "Ja, genau. Bitte, setz dich doch", sagte er. Galen blickte ihn neugierig an:"Was hast du, Chris? Ich spüre Besorgnis." "Damit hast du recht. Es geht um die Tatsache, daß dieses Schiff auch Kinder an Bord hat. Sieh mal, die Exeter war ein Schiff mit einer reinen Sternenflottencrew." "Verstehe. Du empfindest die Anwesenheit der Familien als ein Handicap, wenn du die Monarch in gefährlichen Situationen befehligst", meinte der Counselor. Branford nickte nachdenklich:"Richtig. Ich kann dagegen nichts tun, es ist einfach mein Gefühl. Es ist so: Auf der Exeter war ich für Sternenflottenpersonal verantwortlich, das wußte, was das All für Gefahren birgt. Aber kann ich von einem Kind erwarten, daß es sich der Bedeutung unserer Missionen im Klaren ist?" "Nein. Aber das brauchst du auch gar nicht. Du wirst wie immer das tun, was richtig für die Crew ist. Der Unterschied ist, daß es diesmal halt um eine anders zusammengesetzte Crew geht", erwiderte Galen. "Sorge bitte dafür, daß die Familien in Krisensituationen Ruhe bewahren. Das ist sehr wichtig", sagte Branford mit Nachdruck. Seine Beraterin nickte wortlos. "Nochwas: Sollte es zu einer gefährlichen Situation kommen, die ich voraussehen kann, dann werde ich die Untertassensektion abtrennen. Du wirst dann bei den Familien bleiben, egal, was passiert. Ist das klar?" fügte er hinzu. "Natürlich", erwiderte Galen und verließ den Bereitschaftsraum.
"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 51102,3, Captain Branford. Seit drei Tagen arbeitet die Crew fieberhaft, und mittlerweile sind die Defekte beinahe vollständig behoben. Lieutenant Crusher hat die Waffensysteme auf volle Einsatzbereitschaft gebracht, Lieutenant Commander Bennett hat die Sensorenpaletten instandgesetzt und Mister Cassels die Warp- und Impulstriebwerke repariert. Wir sind startbereit und warten auf unseren Einsatzbefehl."
Branford saß im Kommandosessel und beendete eine Routineüberprüfung der Missionsausrüstung. Es war eine Angewohnheit von ihm, obwohl er wußte, daß seine Offiziere mit höchstem Einsatz arbeiteten. "Captain, wir werden vom Einsatzkommando gerufen. Es ist Admiral Franklin." Branford sah zu Lieutenant Jacobs vor, der an der Station des Einsatzoffiziers saß. "Gut, geben Sie es auf den Schirm", nickte der Captain. Auf dem Hauptbildschirm erschien Lucas Franklin, der Oberbefehlshaber der Sternenflotte. Seine normalerweise freundlichen Gesichtszüge waren verschwunden. "Ich grüße sie, Captain. Wie ist ihr Status?" fragte er sofort. Branford erhob sich:"Schiff ist startklar, Admiral. Die Defekte wurden soweit behoben, die Crew ist vollzählig." "Gut. Sie werden sofort starten und Kurs auf Deep-Space-Nine nehmen. Dort erhalten sie weitere Instruktionen", erwiderte Franklin. Branford wollte mehr wissen, aber er hatte gelernt, nicht nachzufragen, wenn solche Befehle kamen. "Verstanden, Sir. Wir fliegen sofort los. Monarch Ende", antwortete er. Er sah seine Offiziere an:"Es geht los. Branford an alle Stabsoffiziere: Melden Sie sich auf der Brücke. Mister Jacobs, sorgen Sie dafür, daß alle, die nicht zur Crew gehören, von Bord gehen. Wir werden in einer Stunde starten."
Bennett nickte dem Captain von der OPS aus zu:"Alles bereit zum Start, Sir." "Verstanden. Commander, rufen Sie die Dockkontrolle und bitten Sie um die Starterlaubnis. Miss Waringthon, Verankerungen lösen und Systeme auf Reiseflugmodus umstellen", ordnete Branford an. Die junge Frau am Steuerpult bestätigte:"Aye Sir. Trägheitsdämpfer auf Flugbetrieb umgestellt. Bereit für Aktivierung der Triebwerke." "Manöverdüsen in Bereitschaft. Branford an Maschinenraum", erwiderte er. "Hier Cassels, Captain", meldete sich der Chefingenieur. "Jake, Warp- und Impulsantrieb einsatzbereit halten. Wie sieht das strukturelle Integritätsfeld aus?" fragte Branford. Cassels erwiderte leicht skeptisch:"Bis jetzt gut, Captain. Aber ich garantiere für nichts. Bis jetzt haben wir einige Überraschungen erlebt." "Checken Sie es nochmals. Branford Ende", befahl der Captain. Bennett hatte inzwischen die Startfreigabe erhalten und gab Branford ein Zeichen. Die großen Hangarschotten öffneten sich langsam. Er wartete, bis sie ganz offen und gesichert waren. "Bringen Sie uns raus, Lieutenant. Nur Manöverdüsen." Waringthon bediente die Steuerkontrollen. Langsam setzte sich die Monarch in Bewegung, glitt aus dem Hangar. Es dauerte etwa zwei Minuten, dann befand sie sich in freiem Raum. "Also dann. Wollen wir mal sehen, was das neue Schiff leisten kann. Miss Waringthon, Kurs auf Deep-Space-Nine setzen. Geschwindigkeit Warp 6." "Bereit, Captain", nickte sie. Branford fühlte eine große Anspannung, ließ sich aber der Crew gegenüber nichts anmerken. Er deutete auf den Schirm:"Beschleunigen Sie." Ohne die geringste Erschütterung oder Störung ging die Monarch auf Überlichtgeschwindigkeit. Das All bildete ein Streifenmuster, das Schiff raste seinem Bestimmungsort entgegen.
"Computerlogbuch der Monarch, Nachtrag. Wir haben Kurs auf Deep-Space-Nine gesetzt, um dort weitere Befehle zu erhalten. Admiral Franklin hat uns nicht weiter informiert, aber ich bin sicher, es handelt sich um eine größere Sache."
Fähnrich Marco Percano hatte Dienst als Steueroffizier. Der junge Mann überprüfte gerade die Kursdaten, als er auf der Anzeige sah, daß sich die Geschwindigkeit verringerte. Er versuchte, diesen Geschwindigkeitsverlust zu kompensieren, aber er schaffte es nicht. "Commander, wir verlieren an Geschwindigkeit", meldete er. Andrea Bennett, die im Moment das Kommando hatte, blickte auf. "Wie ist die Lage,Mister Percano?" fragte sie. Er überprüfte die Anzeigen und erwiderte:"Wir sind bis auf Warp 1 gefallen." Ein plötzlicher Ruck ließ das Schiff erzittern. "Was ist passiert, Fähnrich?" wollte Bennett wissen. Percano berichtete:"Wir sind unter Warp gefallen, Commander." "Bennett an Maschinenraum. Was ist bei Ihnen los?" fragte Bennett nach. Cassels meldete sich lautstark:"Wir haben Energiefluktuationen in der Backbordgondel. Deshalb brach das Warpfeld zusammen. Ich checke es." "In Ordnung. Erstatten Sie mir Bericht. Ende", schloss Bennett die Verbindung.
"Dieser verdammte Schrottkahn!" brüllte Cassels, während er mit Lefler zusammen in den Wartungstunnel der backbord gelegenen Warpgondel stieg. "Bleiben Sie ruhig, Commander. Wir finden den Fehler", meinte Lefler. Cassels scannte mit dem Tricorder die Energieflussleitungen und meinte:"Der Energiequerschnitt ist zu niedrig. Sehen Sie mal die ETL an." Lefler nickte und stieg herunter zu der Energietransferleitung und untersuchte sie mit dem Tricorder. Sie blickte zu Cassels auf. "Die Tritanium-Aluminium-Verbindung weist eine Menge Brüche auf, Commander. Kein Wunder, daß die Energie fluktuiert", sagte sie. Cassels nickte ihr zu:"Reparieren Sie es. Normalerweise sollte das nicht mehr als eine halbe Stunde dauern. Aber diese andauernden System- und Materialfehler ärgern mich ganz gewaltig." "Ich mache mich gleich an die Arbeit", meinte Robin Lefler.
Andrea Bennett wandte sich um, als sich die Turbolifttür der Brücke öffnete. Jake Cassels ging mit einem mürrischen Gesichtsausdruck zur Maschinenstation und aktivierte die Kontrollen. "Wie sieht es mit dem Warpantrieb aus, Commander?" fragte Bennett. Cassels sah sie verärgert an und erwiderte:"Noch fünf Minuten, Miss Bennett. Geben Sie mir nur noch fünf Minuten, damit ich diese verdammte Schrottkiste wieder auf Überlichtgeschwindigkeit bringen kann!" Die Einsatzleiterin entschloss sich, den Chefingenieur in Ruhe arbeiten zu lassen. Exakt nach der angegebenen Zeit meinte er:"Fähnrich, Sie können wieder auf Warp gehen. Aber maximal Faktor 5, bis ich den Antrieb ganz überprüft habe." Percano sah Bennett an. Diese nickte ihm lächelnd zu:"Führen Sie die Anweisungen des Commanders aus, Fähnrich. Warp 5." "Aye, Commander. Warp 5", bestätigte der Steueroffizier. Bennett fragte nach:"Flugzeit nach Deep-Space-Nine?" "Mit Warpfaktor 5 benötigen wir 38,9 Stunden", lautete die Antwort. Cassels deaktivierte die Kontrollen wieder und steuerte den Turbolift an. Bevor er die Brücke verließ rief Bennett ihm nach:"Vielen Dank, Mister Cassels."
Das brandenburgische Konzert Nummer 6 lief in Branfords Quartier. Er selbst lehnte in seinem alten Ledersessel, den er von der Exeter mitgebracht hatte. Bei Klassik konnte er sich am besten entspannen. Zwar hatte von den Problemen mit dem Warpantrieb einen Bericht erhalten, vertraute aber auf das Können seiner Offiziere. Der Türsummer zerstörte die Atmosphäre der Entspanntheit. Branford richtete seine Kopf zur Tür. "Computer, Musik aus. Ja, bitte?" sagte er. Die Tür glitt zur Seite und Thomas Riker betrat den Raum. Er sah reichlich frustriert und wenig glücklich aus. "Kann ich dich kurz sprechen?" fragte er kleinlaut. Branford nickte:"Natürlich, Thomas. Was hast du?" Sein 1.Offizier nahm auf dem Sofa Platz und blickte im Raum umher. "Ich wollte dich um die Erlaubnis bitten, meinen Dienst wieder aufzunehmen. Ich fühle mich fit", sagte er auf einmal. Branford hob die Augenbrauen:"Bist du dir sicher?" "Hundertprozentig, Chris. Ich kann nicht in meinem Quartier sitzen und die Wände anstarren. Und immer wieder auf das Holodeck oder nach Zehn-Vorne zu gehen ist auch keine Lösung", meinte er mit überzeugender Stimme. "Gut", nickte Branford knapp. Er schwieg einen Augenblick und dachte nach. Riker war ein guter Offizier, wenn nicht der Beste. Er hatte gelernt, Verantwortung als zweiter kommandierender Offizier zu übernehmen. Aber war er über den Verlust des Schiffes unter seinem Kommando hinweggekommen? "In Ordnung. Du kannst deinen Dienst wieder aufnehmen." Riker stand auf und blickte Branford nochmal an:"Danke, Chris." Der Captain sah ihm nach, als er den Raum verließ.
"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 51102,3, Lieutenant Commander Bennnett in Vetretung des Captains. Wir haben die Raumstation Deep-Space-Nine erreicht und bereiten uns auf das Dockmanöver vor. Die Crew ist gespannt, was uns hier erwartet."
Waringthon überprüfte ihre Anzeigen und meldete:"Commander, wir nähern uns Deep-Space-Nine." Thomas Riker erhob sich aus dem Kommandosessel:"Auf Impulskraft gehen. Captain Branford, bitte auf die Brücke." Die Monarch verlangsamte, als die Raumstation in Sicht kam. "Commander, ich orte zwei Bird-of-Prey, die in einer Kreisbahn um die Station kreuzen. Außerdem befinden sich noch zwei cardassianische Kreuzer der Enhanced-Penetrator-Klasse in unmittelbarer Nähe", meldete Crusher mit überraschter Stimme. Branford betrat die Brücke durch den vorderen Turbolift und ging auf Riker zu. "Bericht, Commander", ordnete er an, während er sich in den Sessel sinken ließ. Riker erwiderte:"Wir nähern uns DS9, Sir. Wir haben hier zwei klingonische und zwei cardassianische Schiffe gescannt. Sie kreuzen in der Nähe." "Captain, Commander, ich habe noch mehr entdeckt. An der Station ist ein schwerer Kreuzer der Vor'cha-Klasse und ein Schlachtkreuzer der Galor-Klasse angedockt. Außerdem befinden sich noch die Saratoga, die Swiftsure und drei weitere Föderationsraumschiffe dort", fügte Bennett hinzu. Branford sah Riker überrascht an:"Das Flaggschiff der Föderation, das neueste Schlachtschiff des klingonischen Reiches und das Flaggschiff der cardassianischen Flotte. Ungewöhnlich in dieser Konstellation." "Das sehe ich auch so, Captain. Es wird sich hier um eine größere Sache handeln", meinte der 1.Offizier nachdenklich. "Sir, wir werden von Deep-Space-Nine gerufen", meldete Bennett weiter. Branford nickte:"Auf Hauptschirm schalten, Commander." Eine Bajoranerin erschien. Sie trug die Uniform der bajoranischen Sicherheitskräfte. Branford kannte sie flüchtig. Sie hieß Kira Nerys und war der 1.Offizier der Station. "Ich grüße Sie, Major Kira. Mein Name ist Captain Christopher Branford von der U.S.S. Monarch. Wir bitten um Dockerlaubnis", sagte Branford und stand auf. Kira nickte lächelnd:"Ich grüße Sie ebenfalls, Captain. Sie haben Dockerlaubnis an dem oberen Pylon 4. Willkommen auf Deep-Space-Nine." "Vielen Dank. Monarch Ende", erwiderte Branford. Dann sah er Waringthon an. "Impulsantrieb aus, Lieutenant. Kurs ändern 247.086. Manöverdüsen auf halbe Kraft", ordnete er kühl an. Langsam glitt die Monarch dem Ankerpylon entgegen. Die Andockpunkte lagen auf dem Rumpfrücken der Kampfsektion. "Manöverdüsen aus. Beidrehen nach steuerbord, neuer Kurs 185.090. Andocken vorbereiten." Branford war völlig konzentriert, nahm keinen der Anwesenden wahr. Die Monarch befand sich unter dem Dockpylon. "Schubumkehr bis Schwebezustand erreicht. Andockverriegelungen ausfahren und einrasten", befahl er. Ein Ruck signalisierte, daß die Monarch fest mit der Station verbunden war. "Dockvorgang beendet, Sir", meldete Jenny Waringthon. Branford nickte Bennett zu:"Luftschleusen öffnen. Nehmen Sie alle benötigten Vorräte an Bord. Systeme bleiben auf Flugmodus." "Verstanden, Sir", nickte Bennett. Branford tippte Riker an:"Wir werden der Raumstation einen Besuch abstatten, Nummer 1. Commander Bennett, Sie übernehmen das Kommando." Die Einsatzleiterin hob den Kopf:"Ja, Sir. Captain, da ist noch eine Anweisung von der OPS von DS9 übermittelt worden. Sie lautete, daß sämtliches Sternenflottenpersonal nur bewaffnet die Station betritt. Und auch nur das nötigste Personal der Schiffscrew." Branford fragte irritiert zurück:"Gibt es eine Erklärung dafür, Commander?" "Nein, Sir", erwiderte Bennett kopfschüttelnd. "In Ordnung. Weisen Sie den Sicherheitsposten an der Schleuse an, daß er die Leute kontrolliert. Wenn sie keinen ausreichenden Grund nennen können, dann dürfen sie die Monarch nicht verlassen. Commander Riker, kommen Sie, bitte", meinte Branford und ging zum Turbolift.
Das Promenandendeck der Station wimmelte von unterschiedlichsten Gestalten. Sternenflottenoffiziere, klingonische und cardassianische Militärangehörige. Allesamt waren bewaffnet. Dieser Umstand war nur für Klingonen üblich. Sternenflottenoffiziere trugen nur bei gefährlicheren oder unsicheren Einsätzen ihre Phaser. "Das gefällt mir nicht, Thomas", meinte Branford mit einem Blick auf den Korridor unter ihnen, in dem zehn Klingonen sich lautstark unterhielten. "Du meinst wohl das", sagte Riker und deutete auf den Phaser in seinem Gürtelhalfter. "Das gesamte Sternenflottenpersonal schreitet schwer bewaffnet durch diese Korridore. Cardassianer und Klingonen befinden sich in großer Zahl auf der Station. Irgendwas stimmt nicht." Branford lehnte sich auf das Geländer:"Es hat wohl etwas mit dem Gamma-Quadranten zu tun. Sie befürchten offenbar eine Invasion des Dominion." "Was hast du jetzt vor?" fragte der 1.Offizier. Branford richtete sich wieder auf:"Ich werde nach Jadzia Dax sehen. Können wir uns in zwei Stunden im Quark's zum Essen treffen?" "Natürlich, Chris. Bis dann", nickte Riker sofort.
Branford hatte ein seltsames Gefühl in der Magengegend,als er an Jadzias Quartier stand. Er hatte seine Freundin seit zwei Monaten nicht mehr gesehen. Es waren zwei harte Monate, denn er vermisste sie schrecklich. Nur mit seiner Arbeit konnte er etwas Ausgleich schaffen. Die Tür öffnete sich und er betrat das Quartier. Jadzia blickte kurz und erkannte ihren Freund. Ohne ein Wort zu sagen, ging sie zu ihm hin und küsste ihn. Sie musterte ihn durchdringend mit ihren Augen, die eine eigene Sprache hatten. "Es tut mir leid um die Exeter. Benjamin hat es mir erzählt", sagte sie leise. Er nickte knapp:"Danke. Es war ein harter Verlust. Aber nun haben wir ein neues Schiff. Hoffen wir, daß wir mit ihm auch gute Zeiten erleben." Dann wechselte er sofort das Thema:"Ich habe dich vermisst, Jadzia." "Ich ebenso, Chris. Aber nun bist du ja hier", erwiderte sie. Branford ging zu einem Sessel und setzte sich:"Sag mal, was hat das alles hier zu bedeuten? Die Anwesenheit dieser ganzen Schiffe, der Klingonen und Cardassianer. Und auch diese Anweisung, daß wir nur bewaffnet die Station betreten sollen." Seine Freundin setzte sich ihm gegenüber in einen Sessel. Ihr Gesichtsausdruck hatte sich geändert. Er war ernst. "Unsere Spähsonden und Subraumteleskope im Gamma-Quadranten haben gemeldet, daß Jem'Hadar-Schiffe sich im Anflug auf Föderationskolonien, auf die eine klingonische und eine cardassianische Kolonie befinden. Anscheinend hat das Sternenflottenkommando gemeinsam mit den Klingonen und den Cardassianern entschieden, gemeinsam gegen die Jem'Hadar vorzugehen." Branford beugte sich vor und sah besorgt drein:"Und die Schiffe, die hier versammelt sind, sollen diesen Kampfverband bilden?" "Ja. Es werden vier Kampfgruppen werden. Mehr weiß ich auch nicht. Nur, daß die Defiant ebenfalls mitfliegt", erwiderte Dax. Branford antwortete zunächst nichts. Es war ihm mehr als unrecht, daß seine Freundin sich in Gefahr begab, aber es war unvermeidlich. Sie war Offizier der Sternenflotte und hatte ihre Pflicht zu tun. "Die Monarch ist zwar ausgesprochen kampfstark, hat aber noch technische Probleme. Ich bin mir nicht ganz sicher, daß sie dafür geeignet ist", meinte er. Dax blickte ihn an:"Hoffen wir das Beste, Chris."
Branford ging langsam mit seiner Freundin über das Promenadendeck. Es war Zeit,sich mit seinem 1.Offizier zum Essen zu treffen. "Und du willst wirklich in's Quark's?" fragte Dax zum wiederholten Mal. Branford sah sie genervt an:"Ja! Wieso fragst du das die ganze Zeit?" "Nun, bis jetzt habe ich dich nicht für einen Freund der Ferengi gehalten, Chris", schmunzelte Dax. "Das Quark's ist berühmt, Jadzia. Ich möchte mal wieder dorthin", sagte er. Sie standen vor dem Lokal, das einen legendären Ruf in diesem Sektor hatte. "Darf ich bitten?" sagte er mit einer galanten Handbewegung.
"Chris!" Eine freudige Stimme rief Branfords Namen,als er das Lokal betrat. Branford suchte die Quelle und erkannte Captain William Riker, der an einem großen Tisch mit einigen anderen Offizieren saß. Er ging zu ihm hin und umarmte ihn zu Begrüßung. Dann stellte er Dax vor. "Will, ich möchte dir Jadzia Dax vorstellen. Jadzia, Captain Riker von der Saratoga, ein sehr guter Freund von mir." Bei einem Blick in die Runde erkannte er weitere Bekannte von ihm. "Ich grüße Sie, Ian. Freut mich, Sie wiederzusehen." Commander Ian Fogarty, der 1.Offizier der Saratoga, hatte unter Branford diese Position auf der Exeter innegehabt. Der Schotte schüttelte ihm freundlich die Hand. "Mich ebenso,Captain. Das Schicksal führt uns immer wieder zusammen. Das mit der Exeter tut mir übrigens leid. Sie war ein gutes Schiff." "Danke", nickte Branford. "Sehe ich da nicht Captain Hipper?" Eine Frau mittleren Alters mit einem sehr ausdrucksstarken Gesicht und sehr kurzem, rotem Haar, horchte beim Klang ihres Namens auf. Sie lächelte ihn an:"Christopher Branford? Es ist schon lange her." Branford gab Hipper einen Kuss auf die Wange und setzte sich neben sie. "Verdammt lange, July. Nach der Akademiezeit habe ich dich zuletzt vor drei Jahren gesehen. Du warst damals XO auf der Cardiff. Und nun kommandierst du die Swiftsure", meinte Branford. "Sie ist ein etwas altes, aber liebenswertes Schiff, Chris. Ich bin froh, daß ich sie bekommen habe. Und du hast zuvor die Exeter kommandiert. Schade um sie." Branfords Lächeln verschwand:"Ja. Aber reden wir nicht darüber. Mir untersteht nun die Monarch. Sie ist ebenso ein gutes Schiff, hat aber noch technische Probleme." Aus den Augenwinkeln sah Branford,daß sein 1.Offizier näherkam. Er war gespannt, wie das Wiedersehen mit seinem "Zwillingsbruder" vonstatten ging. "Guten Tag allerseits", begrüßte er die Anwesenden. William Riker war aufgestanden und reichte Thomas Riker die Hand. Seltsam, das so zu sehen, dachte sich Branford. Die beiden gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Selbst wenn man die Entstehungsgeschichte von Thomas Riker kannte, war es unglaublich. "Hallo Thomas. Freut mich sehr, daß wir uns wiedertreffen", sagte der eine leise. Sein Zwilling nickte nur lächelnd:"Ganz meinerseits. Komm, laß uns etwas trinken." Die beiden verzogen sich an die Bar und bestellten etwas bei dem Ferengi-Barkeeper. "Wir sollten sie nicht stören, denke ich", sagte Fogarty etwas verblüfft. Branford zwinkerte ihm zu:"Da dürften Sie recht haben, Ian. Haben Sie schon das Essen bestellt?" "Nein. Aber die Wurzelsuppe valerianischer Art würde ich an Ihrer Stelle auf jeden Fall probieren. Hervorragend", meinte er. "Wenn Sie es sagen, Ian", nickte Branford und bestellte die Suppe. Jadzia lehnte sich zu Branford herüber:"Benjamin hat uns übrigens heute abend zum Essen eingeladen. Er bedauert, daß er dich nicht gleich sehen konnte." "Tolle Idee. Ich freue mich", antwortete Branford.
"Also, dann wollen wir mal sehen, was Benjamin zubereitet hat", meinte Jadzia, als sie gemeinsam mit Branford vor der Tür stand. Er nickte lächelnd:"Da bin ich mal gespannt." Jadzia betätigte den Türsummer und es wurde geöffnet. In dem Quartier roch es nach kreolischem Essen. Branford wußte, daß Siskos Vater ein solches Restaurant auf der Erde führte. Während sie gemeinsam auf der Erde weilten, hatte ihn Sisko einmal zum Essen dorthin mitgenommen. "Macht es euch gemütlich, ich komme gleich!" klang es aus der Küche. Daß das Quartier eine Küche aufwies, war wegen der Replikatoren verwunderlich, aber Sisko liebte es, selbst zu kochen. Branford rückte für Jadzia einen Stuhl zurecht. "Bitte, setz dich. Möchtest du etwas trinken?" fragte er zuvorkommend. Seine Freundin nickte:"Gerne. Früchtetee, heiß." "Wie du wünschst, Lady", sagte Branford keck und ging zum Replikator. "Computer, einen deltanischen Whisky und einen Früchtetee, heiß." Die Getränke erschienen und Branford trug sie zum Tisch. Er nahm neben Dax Platz. Sie beobachtete ihn interessiert. "Was hast du, Jadzia?" fragte er irritiert. Sie nahm seine Hand. Branford hatte plötzlich das Gefühl, daß die ganze Welt um ihn herum bedeutungslos war. "Ich habe dir noch nicht gesagt, wie sehr ich dich vermisst habe. Das will ich nun nachholen", flüsterte sie und küsste ihn. Die impulsive Stimme von Captain Sisko unterbrach sie:"Ah, Chris!" Branford stand auf und begrüßte seinen Freund per Handschlag:"Es ist gut, dich wiederzusehen, alter Freund. Es ist eine Weile her." Er nickte mit einem breiten Lächeln:"Ja, das ist richtig. Wo bleibt eigentlich Worf?" "Er kommt sicher gleich", meinte Dax. Im selben Moment ertönte der Türsummer. Sisko öffnete und der Klingone betrat das Quartier. Branford hatte immer großen Respekt vor ihm gehabt. Während der Mission im klingonischen Reich, als sie die Einsetzung des neuen Führers des hohen Rates sicherten, kommandierte Worf vertretungsweise die Exeter. "Commander Worf, es freut mich, Sie wiederzusehen", begrüßte ihn Branford. Worf nickte knapp:"Ganz meinerseits, Captain. Entschuldigen Sie meine Verspätung, Captain Sisko." "Das macht nichts, Mister Worf. Setzen wir uns. Ich hole das Jambalaya", erwiderte Sisko ablehnend. Er ging zurück in die Küche. "Also, warten wir auf das Essen", meinte Branford und nahm Platz.
Branford tupfte sich mit der Serviette den Mund ab und legte sie zur Seite. "Das Essen war ausgezeichnet, Ben. Kompliment", meinte Branford. Dax stimmte zu, ebenso wie Worf. Beide hatten sich das kreolische Essen schmecken lassen. Branford lag die Situation am Herzen, auch wenn das ein privates Abendessen war. "Ben, entschuldige, aber die Situation läßt mir keine Ruhe. Weißt du etwas, was du erzählen könntest?" Sisko hob die Augenbrauen:"Ich verstehe deine Neugier, Chris. Nun gut." Er lehnte sich zurück und nahm einen Schluck Wein. "Also, was im Gamma-Quadranten passiert ist, wirst du schon wissen. Das Sternenflottenkommando hat mich wissen lassen, daß ein Admiral Robert Morley morgen früh hier eintrifft. Er wird das Kommando über die Schiffe hier übernehmen und die Kommandanten genauer instruieren." Worf brummte etwas verärgert:"Admiral Morley." "Kennen sie den Admiral, Mister Worf?" fragte Dax interessiert. Der Klingone hob den Kopf:"Ja. Er hat einmal einen Einsatz der Enterprise gegen Kräfte des Marquis befehligt. Mit Erfolg, aber auch mit erheblichen Verlusten." Branford horchte auf. Wenn schon ein Krieger wie Worf über den Admiral derartig schlecht dachte, dann mußte etwas dran sein. "Nun gut, Commander. Ich kenne den Admiral nicht, aber das Oberkommando vertraut ihm die Leitung an. Warten wir ab", meinte Sisko versöhnlich. "Möchte noch jemand einen Nachtisch?"
Dax hatte aufgehört zu zählen, wie oft sich Branford schon im Bett gedreht hatte. Jetzt wurde es ihr zuviel. "Chris, wenn du nicht schlafen kannst, dann nimm ein Schlafmittel", sagte sie sanft. Branford richtete seinen Kopf auf:"Okay, ich kann nicht schlafen." "Was hast du denn? Ist es das, was Worf heute gesagt hat?" wollte sie wissen. "In gewisser Weise schon. Ich kann das nicht ganz glauben, aber mir wird unwohl, wenn ich daran denke, daß ein nicht voll einsatztaugliches Schiff in eine solche Kampfsituation gestellt wird. Noch dazu, wenn es Familien an Bord hat", gab Branford zur Antwort. "Ich werde noch etwas spazierengehen, Jadzia. Schlaf du nur", fügte er hinzu.
Die Brücke der Monarch war nur von zwei Offizieren besetzt, da sie angedockt war. Branford betrat sie durch den vorderen Turbolift. Lieutenant Thomas Kinkaid, ein junger Steueroffizier, hatte das Kommando. Er sprang erschreckt auf, als er seinen Captain sah. "Captain Branford!" sagte er überrascht. Branford nickte:"Guten Abend, Lieutenant. Ich wollte mir nur nochmals die Zustandsberichte ansehen. Machen Sie weiter, ich bin im Bereitschaftsraum."
Branford roch frischen Kaffee, als er erwachte. Er erinnerte sich, daß er bis kurz vor fünf Uhr die Zustandsberichte durchgesehen und die Monarch danach wieder verlassen hatte. Jadzia schlief schon, als er zurückkehrte. "Guten Morgen, Chris", sagte sie und reichte ihm eine Tasse. Branford blickte sie dankbar an:"Danke, Jadzia. Es war wohl etwas spät heute." "Was hast du gemacht?" wollte sie wissen, als sie sah, wie er gähnte. "Die Zustandsberichte meines Schiffes angesehen, meine Liebe. Und ich bin etwas beruhigter jetzt. Meine Stabsoffiziere haben das gut hinbekommen." Er stand langsam aus dem Bett auf. Beinahe gleichzeitig ertönte ein Kom-Signal. "OPS an Captain Branford." Branford erwiderte:"Hier Branford." "Captain, in zwei Stunden hat Admiral Morley eine Konferenz der Kommandanten angesetzt. Sie werden gebeten, sich pünktlich einzufinden." "Verstanden. Branford Ende", bestätigte er.
Branford betrat den Konferenzraum der Station. Benjamin Sisko stand neben dem Eingang, beinahe alle Stühle waren schon besetzt. Branford ließ seinen Blick kreisen und erblickte fünf Sternenflottencaptains, drei klingonische und drei cardassianische Kommandanten. "Guten Morgen, Chris", begrüßte ihn Sisko. Branford erwiderte den Gruß. "Eine erlesene Versammlung. Captain Torg von der Tlhab kenne ich gut", sagte er. Sisko horchte auf:"Woher denn?" "Wir besuchten 2369, als ich XO auf der Cornwall war, den klingonischen Heimatplaneten. Dabei lernte ich ihn kennen. Ein bemerkenswerter Mann." Sisko deutete auf den letzten freien Platz, der sich neben Captain Riker befand. "Setz dich, Chris. Wir beginnen gleich, wenn der Admiral kommt", meinte Sisko.
Riker sah von seinem Datenpad auf, als Branford Platz nahm. "Hallo Chris. Wie geht es dir?" fragte Riker interessiert. Branford seufzte:"Mehr oder weniger gut, Will. Kennst du den Admiral?" "Ja. Er hatte mal das Oberkommando über eine Mission der Enterprise. Sicher hat dir Mister Worf schon davon erzählt", erwiderte Riker mißmutig. Die Tür öffnete sich und ein Offizier mit den Rangabzeichen eines Senior-Admirals betrat den Raum. Er hatte graues Haar und verbissene Gesichtszüge, die nicht sehr freundlich dreinblickten. Mit ihm zusammen betrat eine junge Frau den Raum. Sie hatte lange,braune Haare und einen ähnlichen Blick. "Angela de Vienne!" dachte Branford. Er kannte sie von der Akademie her. Damals waren sie nicht besonders gut miteinander auszukommen, was in der Tatsache begründet lag, daß Branford immer einen Tick besser war und de Vienne mit teils unlauteren Mitteln versuchte, besser zu sein. Branford wandte sein Gesicht ab, um nicht gleich erkannt zu werden. Normalerweise war es üblich, sich zu erheben, wenn ein Vorgesetzter den Raum betrat. Aber das die Klingonen und die Cardassianer da waren, verzichtete man darauf. "Guten Morgen. Mein Name ist Admiral Robert Morley. Ich wurde vom Sternenflottenkommando in Rücksprache mit dem klingonischen hohen Rat und der cardassianischen Zivilregierung zum Kommandanten des allierten Kampfverbandes ernannt. Meine Stabschefin, Commander de Vienne", begann Morley mit lauter Stimme. De Vienne verteilte Datenpads, die Informationen über die Natur der Mission enthielten. Als sie zu Branford kam und ihn erkannte, setzte sie ein hämisches Lächeln auf. "Christopher. Ich könnte nicht sagen, daß es eine Freude ist, Sie wiederzusehen." Branford nickte zurück:"Ganz meinerseits, Commander." Morley fuhr fort:"Wie sie sehen, werden wir vier Kampfgruppen bilden, wenn wir in den Gamma-Quadranten vorrücken. Dort werden wir die bedrohten Systeme vor den Kriegern des Jem'Hadar schützen." Er machte eine kurze Pause, die mehr als gekünstelt wirkte. "Beginnen wir bei Kampfgruppe I. Captain Branford!" Branford nickte:"Ja,Sir?" "Sie werden mit der Monarch die Führung übernehmen. Captain Perry, Captain Hipper, Sie werden mit der Agincourt und der Swiftsure die Monarch begleiten." Branford verzog keine Miene, obwohl ihm diese Zusammenstellung nicht gefiel. Die Agincourt war ein veralteter Patrouillenkreuzer der Renown-Klasse. Ihre Bewaffnung und Warptriebwerke waren nicht mehr auf dem modernsten Stand. Auch die Swiftsure, die bereits 35 Jahre alt war, hatte trotz Modernisierungen ihre deutlichen Defizite. Branford schwieg jedoch. "Sie werden ob der geringeren Kampfstärke Ihrer Gruppe das abgelegene Gamma-Palomino-System anfliegen und dort die Evakuierung durch die Truppentransporter vorbereiten. Haben Sie verstanden?" "Aye, Sir", bestätigte Branford. Riker sah ihn vielsagend an und er wußte, was Sache war. Seinem Freund gefiel diese Sache auch nicht. "Captain Riker, Sie werden mit Ihrem Schiff die Vanguard, die Monterey und die Defiant in das Gefecht führen. Ihre Aufgabe besteht darin, Tolstoi IV zu schützen, das vermutlich das erste Ziel wird", ordnete Morley an. Riker erhob Einspruch:"Admiral, bei allem Respekt. Captain Sisko kennt die Region wesentlich besser, die Jem'Hadar eingeschlossen. Ich würde eher ihn mit der Führung betrauen." Morley blickte ihn böse an:"Das haben Sie mir zu überlassen, Captain! Führen Sie Ihre Befehle aus. Weiter!" "Die Kampfgruppe III, geführt von der Tlhab unter Captain Torg und bestehend aus den Bird-of-Preys Hek'ta und QI'tomer wird zum Delta-Arumi-System fliegen, die dortige klingonische Kolonie schützen", befahl Morley weiter. Captain Torg hob seinen Kopf. Der Klingone war ein altgedienter Krieger, obwohl er erst 42 Jahre alt war. Er kommandierte die Tlhab, das Flaggschiff der klingonischen Flotte, das erst seit einem halben Jahr im Dienst war. "Verstanden, Admiral. Wir werden Delta-Arumi schützen. Um jeden Preis!" Diese Worte klangen wie ein Schwur und das waren sie auch. Morley sah den ranghöchsten Cardassianer an. Er hieß Gul Eldet Tal,so wie Branford wußte, und war eine Legende unter den cardassianischen Militärs. "Gul Eldet Tal, Sie und Ihr Verband werden das Werias-System schützen, in dem sich eine Kolonie Ihres Volkes befindet", sagte er zu ihm. Eldet Tal verzog keine Miene und antwortete:"In Ordnung, Admiral." Morley setzte sich und stützte seine Hände auf den Konferenztisch. "Die taktischen Anweisungen sind wie folgt. Commander de Vienne, fangen Sie an." Sie erhob sich von ihren Sessel und sah in die Runde. "Sie werden unter allen Umständen Ihre zugewiesenen Positionen halten. Der Schutz der Kolonien hat Vorrang", sagte sie. Branford hob die Hand:"Commander, bedeutet das auch, daß ich meinen Kampfverband nicht teilen darf, um den anderen zu helfen?" De Vienne blickte ihn giftig an:"Die Anweisungen sind klar, Captain. Natürlich können wir die Situationen nicht voraussehen. Im Endeffekt liegt die Entscheidung wie immer bei dem Kommandanten. Bei Ihnen." De Vienne hielt noch einen längeren Vortrag, aber Branford hörte nur noch mit halbem Ohr zu. Ihre taktischen Ansichten waren größtenteils aus Lehrbüchern, sie selbst hatte nur einmal ein halbes Jahr auf einem Schiff gedient.
Riker folgte Branford dichtauf. Offenbar lag ihm etwas auf dem Herzen. "Was hast du,Will?" fragte er schließlich. Riker sah ihn mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck an. "Ich bin sehr beunruhigt über den Einsatzplan. Dein Kampfverband ist, wenn er angegriffen wird, in einer sehr schwachen Position", sagte er. Branford nickte:"Ich weiß. Aber wir werden unsere Pflicht tun, Will. Was immer auch kommen mag." "Ruf die Saratoga, wenn du Hilfe brauchst. Dann werden wir kommen", sagte Riker als Erwiderung und hatte dabei den Blick, den Branford von früher kannte. Er bedeutete "Das war ein Schwur." Branford und Riker reichten sich die Hände ein letztes Mal, als sie sich trennten.
"Commander Bennett, treffen Sie alle Vorbereitungen zum Start." Branford betrat hektisch die Brücke der Monarch, auf der Bennett das Kommando führte. Die Einsatzleiterin erhob sich aus dem Kommandosessel:"Aye, Sir." "Mister Crusher!" wandte sich der Captain an den taktischen Offizier. "Ja, Sir?" fragte er zurück. Branford befahl scharf:"Versetzen Sie alle Waffensysteme in unmittelbare Einsatzbereitschaft. Ergänzen Sie den Torpedovorrat und benachrichtigen Sie die Crew der Kampfbrücke. Ich erwarte Ihren Bericht in einer halben Stunde." "Wann sollen wir starten, Captain?" wollte Bennett wissen. Mit einem kurzen Seitenblick sagte er:"In einer Stunde, Commander. Beginnen Sie."
Der Captain betrachtete durch das Ausblickfenster seines Bereitschaftsraumes das All. Kein Schiff versperrte den Blick, nur Sterne waren zu sehen. "Was wird uns das draußen erwarten? Vielleicht der Tod? Die Jem'Hadar sind die grausamsten Krieger, die der Föderation je begegnet sind. Ihre Kampftaktik ist ausgefeilt, sie sind hochmotiviert", dachte er sich schweren Herzens. Die Verantwortung für die Familien an Bord lastete wie ein Klotz auf ihm. Er hatte sie nicht gewollt, aber nun war sie ein Teil von ihm. "Branford an Riker", rief er seinen 1.Offizier über Interkom. Beinahe gleichzeitig meldete sich Riker:"Hier Riker, Sir." "Nummer 1, veranlassen Sie, daß alle Familien auf die Untertassensektion verlegt werden. Postieren Sie Sicherheitskräfte an den Eingängen zur Kampfsektion. Ich will nicht, daß irgendwer, der nichts dort zu tun hat, die Kampfsektion betritt. Im Falle eines Falles müssen wir vielleicht die Separation durchführen." "Verstanden, Captain. Riker Ende", erwiderte der XO sofort.
Die Offiziere auf der Brücke blickten Branford gespannt an, als er aus dem Bereitschaftsraum kam. "Lieutenant Crusher, Ihren Bericht", sagte er kurz, aber bestimmt. Crusher richtete sich an der taktischen Station auf:"Torpedovorrat auf 275 Stück ergänzt, Phaser in Einsatzbereitschaft. Alle Torpedolauncher sind bemannt und innerhalb kurzer Zeit feuerbereit. Schilde leisten 100%." "Danke, Lieutenant. Commander Bennett!" sagte er, während er sich in den Kommandosessel gleiten ließ. "Schiff startklar, Sir. Sensoren arbeiten zu 100%", meldete die Einsatzleiterin. Thomas Riker betrat die Brücke und näherte sich Branford. Dieser sah ihn auffordernd an. "Befehl ausgeführt, Captain", nickte Riker, als er den Blick sah. Branford verzog keine Miene:"Gut. Warten wir auf den Startbefehl." Es waren angespannte Minuten, bis sich das Einsatzkommando meldete. "Sir, wir erhalten eine Nachricht von DS9. Wir haben Starterlaubnis." Branford nickte Bennett zu:"Lösen Sie die Verankerung. Miss Waringthon, Kurs auf 220.043, halber Impuls. Commander Bennett, signalisieren Sie der Agincourt und der Swiftsure, daß Sie eine Dreiecksformation einnehmen sollen." Die Monarch glitt langsam von der Station weg. Die drei Impulsmaschinen beschleunigten sie bis auf halbe Impulskraft, die beiden anderen Schiffe nahmen eine Flugformation ein. "Wurmloch auf 290.090 geortet, Sir", meldete die Einsatzleiterin. Branford deutete auf den Schirm:"Kurs entsprechend ändern, Lieutenant."
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