Zurück
 

Die Abenteuer des Captain Branford
Defiance
Die Bewährungsprobe: Teil 1, Teil 2
Exeter
Begegnung mit der Vergangenheit: Teil 1, Teil 2
Die neuen Verbündeten: Teil 1, Teil 2
Der Feind auf eigener Seite: Teil 1, Teil 2
Der FLuß, des Blutes: Teil 1, Teil 2
Der Reifeprozess: Teil 1
Die Auserwählten: Teil 1
Monarch
Der Rückzug: Teil 1, Teil 2
Zwischen den Fronten: Teil 1
Kampf für die Freiheit: Teil 1, Teil 2

 
Monarch: Kampf für die Freiheit
© by Ruppert, T.J. ()

 

Disclaimer: Alle Rechte an Elementen, die aus ST-TOS, ST-TNG, ST-DS9 oder ST-Voyager stammen, liegen ausschließlich bei Paramount Pictures. Alle Rechte an Elementen, die von mir selber erfunden wurden, liegen beim Autor.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Star Trek-Sektion

 
Vorgeschichte:
Seit den Ereignissen in "Zwischen den Fronten" sind nunmehr vier Jahre vergangen. Die Monarch ist weit in die Tiefen des Gamma-Quadranten vorgestoßen. Leider musste die Wellington schon nach einem 3/4 Jahr umkehren, da sich bei dem neuen Schiff die Systemausfälle häuften. Die Monarch entdeckte auf sich allein gestellt viele neue Planeten und meisterte einige Erstkontaktsituationen mit fremden Völkern. Der Aufregenste davon war mit dem Volk der Selasi und der Andianer. Die Monarch befindet sich nach einem 4-monatigen Aufenthalt auf Antipa, dem Heimatplaneten der beiden Völker, auf dem Rückweg in den Alpha-Quadranten. Branford und seine Stabsoffiziere fassen nun die Ergebnisse der "Operation Hope" zusammen.

 

==============================================

 

"Missionsbericht Operation Hope, Sternzeit 55143,2, Lt.Cmdr. Frank Delany, Wissenschaftsoffizier der Monarch.

Nach unserem viermonatigen Aufenthalt bei den Selasi und den Andianern, deren Heimatplanet Antipa heißt, befinden wir uns nun auf dem Rückflug. Noch immer ist die Crew begeistert von diesen friedliebenden Wesen. Wir schwenkten zur Sternzeit 55025,1 in die Umlaufbahn von Antipa ein. Unser erstes Außenteam, geführt von Lt.Cmdr. Celine Parker, dachte zuerst, daß die Selasi kleine Kinder wären. Sie besaßen das Erscheinungsbild von Mädchen,die etwa zehn- bis maximal dreizehn Jahre alt sein mochten. Erst mit der Zeit und mit dem Kennenlernen diese Volkes erfuhren wir ihre Lebensumstände: Die Selasi sind die domierende Spezies, die Andianer, die wie normale, humanoide Männer aussehen, sind ihre "Betreuer", wie sie genannt werden. Die Selasi altern sehr langsam. Sie sind nach menschlichem Ermessen dazu fähig, bis zu tausend Jahren alt zu werden. Sie sind die Führer der Völkergemeinschaft Selasi/Andianer. Mit der Zeit fanden wir heraus, daß sie unglaubliche telepathische Fähigkeiten besitzen, mit denen sie in der Lage sind, die meisten anderen Spezies zu täuschen. Die Andianer versorgen die Selasi mit allem Notwendigen, z.B. Nahrung, Kleidung,Wohnung u.s.w. Sobald die Selasi ein Alter von etwa 850-900 Erdenjahren erreicht haben, sorgen die Andianer als männlicher Gegenpart für die Fortpflanzung. Die Selasi werden in diesem Alter erst geschlechtsreif.

Captain Branford hat rasch mit der Führerin der Selasi, Alina Demesia, Freundschaft geschlossen. Sie zeigte uns auch das einzige Schiff des Planeten, die Ariana. Es sieht ähnlich aus wie ein Meeresrochen. Bemerkenswert ist, daß dieses Schiff lebt, selbstständig steuert, sich verteidigt und denkt. Die Geschwindigkeit ist für unsere Sensoren nicht messbar.

Meiner Meinung nach sollte der freundschaftliche Kontakt zu diesem Volk auf jeden Fall aufrechterhalten werden."

 

Das Kabinenfenster zeigte die Sterne, die an der Monarch vorbeiglitten. Das Schiff flog mit Warpgeschwindigkeit. Branford hatte sich in sein Quartier zurückgezogen. Er saß in seinem Lieblingssessel und sah durch das Fenster hinaus. Wenn er sich so zurückerinnerte an die vergangenen vier Jahre, dann fiel ihm auf, daß er älter geworden war. Nicht äußerlich, das hielt sich in Grenzen. Aber innerlich. Er wollte öfters seine Ruhe, besonders nach den letzten Monaten. Der Aufenthalt bei den Selasi hatte ihm einiges an Ruhe gegeben. Lächelnd nahm er aus einer Schatulle ein Medaillon. Es war einfach gearbeitet, das Material erinnerte etwas an irdische Bronze. Es war oval geformt und hatte ein kleines Dreieck in der Mitte eingraviert.

"Das Einzige, was wir von den Selasi mitgenommen haben", dachte er sich.

Alina Demesia, die Anführerin der Selasi, hatte es ihm am Tage vor dem Abflug um den Hals gelegt.

"Sie können jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen. Tragen Sie das Medaillon, wenn Sie schlafen. Dann sind Sie wieder hier und wir können uns unterhalten. Versprechen Sie mir, daß Sie wiederkommen, Christopher", hatte Alina mit ihrer warmen und unschuldigen Stimme dazu gesagt.

Branford konnte sie immer noch vor sich sehen. Alina hatte das optische Erscheinungsbild einer Fünfzehnjährigen, wenn man irdische Maßstäbe anlegte. Im Laufe der vier Monate, in denen Branford die Selasi immer wieder besuchte, hatte sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihr und ihm entwickelt. Man sah deutlich, daß Alina traurig war, als Branford ihr mitteilte, daß die Monarch wieder nach Hause fliegen würde.

Der Türsummer ertönte und unterbrach Branfords Gedankengänge.

Er legte das Medaillon auf seinen Schoß. "Ja bitte?"

Die Tür öffnete sich und Counselor Sandra Galen betrat das Quartier. Seine Beraterin trug zur Abwechslung mal eine Standard-Uniform.

"Hallo Chris. Störe ich Dich?" fragte sie mit ihrer sanften Stimme, die eigentlich keine negative Antwort erwartete.

Branford schüttelte den Kopf und deutete auf den zweiten Sessel neben sich.

"Nein. Nimm doch bitte Platz."

Langsam setzte sich der Counselor. Sie blickte auf das Medaillon.

"Das Geschenk von Alina?" fragte sie.

"Ja. Mit ihm könnte ich Kontakt zu ihr aufnehmen, wenn ich es will."

"Hast Du es schonmal probiert, Chris?" Galen schaute interessiert drein.

Er schüttelte erneut den Kopf und lehnte sich in den Sessel zurück. "Nein."

"Tue es, Chris. Ich spüre, daß es Dir eine Menge bedeutet", sagte sie.

Eigentlich wollte Branford nicht soviel reden an diesem Tage. Er war müde und erschöpft und wußte nicht mal warum.

"Ich habe festgestellt, daß durch unsere Mission die eigentlichen neuen Crewmitglieder sehr fest mit der Crew zusammengeschweißt wurden. Ich meine Celine Parker, Jeri Talma und auch Tim Russ", bemerkte sie nachdenklich.

Branford ließ seinen Kopf sinken. "Ich weiß, Sandra."

"Soll ich Dich besser in Ruhe lassen?" fragte sie und tippte ihn an der Schulter an.

Er lächelte sie an: "Ist wohl besser, Sandra. Gute Nacht."

Leise verließ sie sein Quartier. Er blickte wieder aus Fenster.

Einige Minuten lang saß er einfach nur so da. Dann tippte er seinen Kommunikator an: "Branford an Parker."

Sein 1.Offizier meldete sich sofort: "Parker hier, Sir."

"Nummer 1, würden Sie mir einen Gefallen tun?" fragte er bittend.

"Natürlich, Captain. Welchen?"

Branford entgegnete: "Könnten Sie meine Schicht in einer halben Stunde übernehmen? Ich wäre Ihnen sehr verbunden."

Parker antwortete erfreut: "Kein Problem, Captain. Gute Nacht."

"Ich danke Ihnen, Nummer 1. Branford Ende."

Er lehnte sich zurück und legte das Medaillon um.

"Also, versuchen wir es", meinte er zu sich.

 

Langsam öffnete Branford seine Augen. Er erblickte den klaren blauen Himmel. Verwundert sah er sich um.

"Ich bin auf Antipa!" dachte er sich.

Er erkannte den weitläufigen Park des Planeten wieder. In einiger Entfernung, es mochten gut drei- oder vierhundert Meter sein, stand das Haus von Alina Demesia.

Mit langsamen Schritten ging er zu Alinas Haus. Es war nicht besonders groß, aber sehr schön gebaut. Es besaß zwei kleine Türmchen und war weiss gestrichen. Ohne anzuklopfen, betrat er das Gebäude. Er durchschritt den Flur und betrat das Wohnzimmer.

"Captain Branford."

Ein junger Mann hatte von ihm unbemerkt das Zimmer betreten. Er hieß Tellor und war der Betreuer, der bei Alina lebte.

"Ich grüße Sie, Tellor", erwiderte Branford erfreut.

Tellor deutete auf die Terasse hinaus: "Alina ist draußen, Captain. Bitte."

 

Alina Demesia war ein bildhübsches Mädchen, wie Branford fand. Sie hatte hellbraunes, lockiges Haar, das bis über ihre Schultern ging. Eines war etwas unheimlich an ihr: ihre pechschwarzen Augen. Wie alle Selasi trug sie eine leichte, blau gefärbte Stoffhose und ein ärmeloses,weißes Oberteil.

Sie drehte sich herum. "Christopher!" rief sie erfreut und sprang auf.

Branford umarmte sie herzlich. "Hallo Alina."

"Ich freue mich, daß Sie mich besuchen kommen. Setzen Sie sich", bat sie lächelnd.

"Tellor, bring dem Captain bitte etwas zu trinken", bat sie den Andianer.

Sie blickte ihn interessiert an. "Wieso sind Sie erst jetzt gekommen?"

Branford nahm die Tasse, die Tellor ihm hingestellt hatte und trank etwas. Es war der Tee, den er während seines Aufenthalts immer gern getrunken hatte.

"Ich war mir nicht sicher, ob ich es gleich probieren soll, Alina", sagte er knapp.

"Es muß Ihnen nicht leid tun, Christopher. Ich verstehe es", meinte sie.

Mit ihren durchdringenden schwarzen Augen sah sie ihn an.

"Sie sind voller Erwartung", stellte sie fest.

Branford nickte: "Sie spüren das?"

"Überdeutlich. Es ist ihre Lebenspartnerin, Jadzia."

Branford fragte überrascht:"Habe ich Ihnen von ihr erzählt?"

Ein nettes Lächeln war die einzige Antwort.

"Ich verstehe, Alina. Aber an Empathen habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Meine Beraterin, Sandra Galen, ist auch eine Empathin", fügte er hinzu.

Sie nickte:"Ich weiß. Sandra ist eine außergewöhnliche Frau, Christopher. Behalten Sie sie gut im Auge."

"Das werde ich, Alina. Wie geht es Ihnen?" erwiderte Branford.

"Es geht mir gut, Christopher. Aber ich werde alt." Sie lächelte.

Branford lachte knapp. "Es fällt mir immer noch schwer zu akzeptieren, daß Sie beinahe 900 Erdenjahre alt sind."

"Das war schwierig für Sie zu verstehen,oder?"

Er nickte zustimmend. "Richtig. Als mir Commander Parker von ihrer ersten Begegnung erzählte, war ich verwundert. Ich wollte mich selbst davon überzeugen, was hier vorgeht."

"Das haben Sie ja auch. Und wir sind froh darüber", meinte Alina lächelnd.

 

Branford wachte ganz langsam wieder auf. Er hob seinen Kopf und schaute sich um. Er lag in seinem Bett.

"Unglaublich", dachte er sich. Es kam ihm alles noch so real vor. Er dachte nach, wie er sich noch kurz zuvor mit Alina unterhalten hatte.

Er stand auf und ging zu einem Schrank. Die Schatulle, in der das Medaillon gelegen hatte, stand noch geöffnet da. Er nahm es ab und legte es wieder hinein. Anschließend verstaute er es.

"Computer, ein Glas Wasser, Temperatur fünf Grad", ordnete er an.

Im Ausgabeschacht des Replikators erschien das Glas. Er nahm es und trank einen Schluck davon. Er setzte sich wieder in seinen Lieblingssessel.

Seine Gedanken schweiften wieder zu den Selasi zurück. Noch genau konnte er sich an seine erste Begegnung mit Alina erinnern. Das junge Mädchen hatte ihn mit ihrem genauen Wissen über ihn, sein Schiff und die Mission überrascht. Sandra Galen hatte ihm gesagt, daß Alina eine Telepathin war, aber diese Stärke ihrer Wahrnehmungsfähigkeit war außergewöhnlich.

Er lehnte sich zurück und schloss die Augen.

 

"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 55146,8, Captain Branford.
Wir haben das Wurmloch erreicht, das uns zurück in den Alpha-Quadranten führt. Die ganze Crew, ich eingeschlossen, fiebern dem Zeitpunkt unserer Rückkehr entgegen."

 

Einsatzoffizier Jacobs drehte seinen Sessel zu Branford um.

"Captain, wir nähern uns dem Wurmloch", berichtete er mit gutgelaunter Miene.

Branford nickte. Er konnte gut die Gefühle der Crew verstehen. Seine Gedanken sehnten den Moment herbei, wenn die Monarch an Deep-Space-Nine andocken würde und er Jadzia Dax wieder in seine Arme schließen könnte. Vier Jahre waren eine verdammt lange Zeit, in der man von seiner Partnerin getrennt sein konnte.

"Miss Waringthon, setzen Sie einen Kurs direkt hinein. Halber Impuls."

Celine Parker gab die Navigationsanweisungen. Das störte Branford nicht im Geringsten. Er fand, daß seine Stellvertreterin sich mehr engagieren könnte.

Die junge Frau wendete das Schiff nur leicht. Noch war vor dem Bug nichts zu sehen. Plötzlich erschien es. Wie immer war die Brückencrew fasziniert von dem Naturereignis.

"Fliegen Sie uns rein", befahl Branford.

Der Durchflug dauerte erwartungsgemäß nur wenige Augenblicke. Dann trat die Monarch wieder aus dem Wurmloch aus. Sie befand sich wieder im Alpha-Quadranten und zwar genau im bajoranischen System.

Talma, der intensiv die Region gescannt hatte, berichtete sofort mit aufgeregter Stimme: "Captain, ich orte nur schwache Energieausstöße von Deep-Space-Nine!"

"Mister Jacobs, schalten Sie die Station auf den Hauptschirm."

Branford beugte sich im Kommandosessel nach vorne.

"Aye, Sir."

Der Bildschirm wechselte seine Anzeige. Was die Brückencrew nun sah, ließ allen den Atem stocken. Deep-Space-Nine war schwer beschädigt. Mehrere Dockpylonen waren abgerissen worden, der innere Habitatring von Dutzenden von Einschüssen übersät.

Der Kommandant erhob sich rasch. "Scannen Sie die Station, Mister Jacobs."

"Ja, Sir." nickte er gefasst.

"Schwere Beschädigungen an den Dockeinrichtungen. Der innere Habitatring wurde mehrfach von Quantentorpedos und Phaserschüssen getroffen. Minimale Lebenserhaltung in diesem Sektor. Die Waffensysteme der Station sind samt und sonders vernichtet worden", berichtete er analytisch.

Branford sah ihn an: "Lebenszeichen, Lieutnant?"

Er schüttelte bedauernd den Kopf: "Nein, Captain."

"Roter Alarm!" ordnete Branford an. Im gleichen Augenblick wurde die dunklere Gefechtsbeleuchtung eingeschaltet, die Sirenen ertönten kurz.

"Wir sollten die weitere Gegend abtasten, Sir", schlug Parker vor.

Branford deutete mit seinem Finger auf Talma. "Tun Sie das, Lieutnant."

"Keine Schiffe in Sensorenreichweite, Captain", erwiderte der Saurianer.

Er fügte hinzu: "Es könnten jedoch auch getarnte Schiffe in der Nähe sein."

Branford ließ seinen Blick kreisen. Die Gesichter seiner Kameraden waren teilweise besorgt, teilweise auch geschockt. Celine Parker versuchte, möglichst neutral zu blicken. Sie konnte ihre Sorge aber nicht verbergen. Jenny Waringthon war immer eines von den Crewmitgliedern gewesen, die ihre Gefühle nicht versteckten. Ihr sah man den Schock an. Jacobs ging es ähnlich, ebenso Counselor Galen. Jeri Talma, der saurianische Sicherheitschef, blickte gefasst. Aber selbst ihm, der beinahe immer beherrscht war, sah man die Sorge an.

"Meinungen?" fragte er kühl.

"Captain, wir sollten rüberbeamen. Vielleicht finden wir Hinweise, was hier passiert ist", lautete der Vorschlag von Jacobs.

Parker widersprach: "Ich halte das für gefährlich, Sir. Wir wissen nicht, ob sich in der Nähe feindliche Kräfte aufhalten."

"Gut, Commander. Aber wir müssen Informationen beschaffen", sagte Jacobs.

Branford sah seine Stellvertreterin lange an.

"Ich stimme Mister Jacobs zu. Steueroffizier, bringen Sie uns auf Transporterreichweite heran und halten Sie die Position."

Waringthon nickte und führte die Anweisungen aus. Die Monarch glitt mit niedriger Impulskraft an die Station heran. In einem ausreichenden Abstand hielt sie das Schiff mit den Manövertriebwerken auf einer Position.

Branford nickte seiner Stellvertreterin zu: "Wir bilden ein Außenteam. Mister Jacobs, Mister Talma, Sie kommen mit mir. Ich wünsche, daß uns ein Sicherheitsteam begleitet. Zusätzlich halten Sie zwei Sicherheitsteams in Bereitschaft."

Talma nickte: "Verstanden, Sir."

"Captain, ich möchte Sie ersuchen, daß Sie mich das Außenteam führen lassen. Es könnte gefährlich sein. Sie werden auf der Brücke gebraucht."

Parker blickte Branford ernst an.

"Nummer 1, ich verstehe Sie. Unter anderen Umständen würde ich Ihnen auch den Vortritt überlassen. Hier aber nicht. Sie haben die Brücke", entgegnete Branford.

Parker nickte: "In Ordnung, Sir. Viel Glück."

"Branford an Cassels. Melden Sie sich in Transporterraum 3", befahl er weiter.

 

Das Außenteam materialisierte auf dem Promenadendeck der Station. Branford zog automatisch seinen Phaser und schaltete den Scheinwerfer ein.

"Phaser auf Betäubung", ordnete er an.

Er nahm seinen Tricorder und untersuchte die Umgebung.

"Die Station wurde geentert. Hier sind Einschusslöcher, die definitiv von Waffen der Jem'Hadar stammen", bemerkte er ruhig.

Talma blickte auf die zerstörten Innenbereiche des Decks.

"Captain, ich bitte um die Erlaubnis, den Habitatring untersuchen zu dürfen."

Branford überlegte kurz. Der Habitatring, der vorwiegend Wohnquartiere enthielt, könnte Hinweise auf die Geschehnisse geben.

Er nickte seinem Sicherheitschef zu: "In Ordnung. Nehmen Sie Mister Jacobs mit und berichten Sie mir rasch."

"Aye, Sir", erwiderte Talma. Er deutete auf zwei seiner Sicherheitsoffiziere.

"Begleiten Sie uns."

Branford warf dem Chefingenieur einen kurzen Blick zu.

"Jake, wir sehen uns auf der OPS um", sagte er.

 

Die Kommandozentrale der Station, kurz OPS genannt, war eine der am stärksten getroffenen Sektionen. Die Konsolen waren größtenteils zerstört.

Branford betrat langsam und bedächtig die Zentrale. Er leuchtete die Ecken des Raumes aus. In einer Ecke lag ein Phasergewehr.

"Sehen Sie", sagte er leise und hob die Waffe auf.

Cassels fletschte seine ausgeprägten Zähne: "Sie haben ehrenvoll gekämpft."

"Versuchen Sie, ob Sie den Zentralcomputer aktivieren können", meinte er.

Cassels runzelte die Stirn, was bei seinen klingonischen Stirnhöckern besonders zur Geltung kam. Er trat an die Hauptkontrollkonsole.

Er versuchte, das System einzuschalten. "Ich habe was. Den letzten Logbucheintrag des Kommandanten."

"Zeigen Sie mir ihn." Branford blickte angestrengt auf den Monitor der Konsole.

Der Bildschirm erwachte zum Leben. Er zeigte Captain Benjamin Sisko, der die Station kommandiert hatte. Sein Gesicht und der Hintergrund der Aufzeichnung ließen den schweren Kampf erahnen.

"Computerlogbuch Deep-Space-Nine, Sternzeit 52036,3, Captain Sisko.
Nach einem siebentägigen Kampf mit den Jem'Hadar sind wir gezwungen, die Station zu räumen. Es ist uns nicht mehr möglich, Widerstand zu leisten. Ich muß versuchen, alle Bewohner zu evakuieren. Es bleibt die Hoffnung, daß wir dies alles überleben werden."

Branford hob seinen Kopf. "Was ist mit den Runabouts und der Defiant?"

Cassels checkte kurz das System und erwiderte: "Kein Runabout ist mehr in der Dockschleuse und der Andockplatz der Defiant ist leer."

"Talma an Captain", meldete sich der Sicherheitschef.

Branford tippte seinen Insignienkommunikator an: "Sprechen Sie."

"Sir, wir haben die Wohnbereiche durchsucht. Es sind keinerlei menschliche Überreste zu entdecken. Wir haben aber auch keine Hinweise auf das, was hier passiert ist, entdeckt", berichtete er.

"Beamen Sie auf die Monarch zurück, Lieutnant. Ende", ordnete er an.

"Hier können wir nichts mehr tun, Jake. Wir kehren auch zurück."

Der Halb-Klingone nickte bedauernd: "Ja, Sir."

"Branford an Monarch", rief er sein Schiff.

"Parker hier, Captain", antwortete seine Stellvetreterin.

"Beamen Sie Mister Cassels und mich zurück, Nummer 1."

 

Intensiv musterte Branford seine Stabsoffiziere, die am Tisch saßen. Er hatte eine Besprechung in der Aussichtslounge einberufen, da er diese Situation genauer mit seinen Untergebenen erörtern wollte.

"Mister Talma, ihren Bericht", forderte er den Sicherheitschef auf.

Der Saurianer nickte: "Wir haben, wie bereits gesagt, keine menschlichen Überreste im Habitatring gefunden, Sir. Die persönliche Aufzeichnungen der Crew zeigen, daß sich die Station längere Zeit im Belagerungszustand befunden haben muß."

Celine Parker hob den Kopf. Allein durch diese Bewegung war ihr die Aufmerksamkeit sicher. In den letzten vier Jahren hatte sie sich zu einer absoluten Respektsperson gemausert, wie es Branford immer wollte.

"Nummer 1?" fragte der Kommandant.

"Captain, ich schlage vor, erstmal keinen Kontakt zur Sternenflotte aufzunehmen. Wir wissen nicht, was wirklich mit der Föderation passiert ist."

Der medizinische Offizier, Doctor Frank Sanders, schüttelte energisch den Kopf.

"Halten Sie das wirklich für klug? Ich möchte nicht anmaßend wirken, Commander, aber wir sind lange Jahre unterwegs gewesen. Unsere Crew ist erschöpft,unsere Vorräte dezimiert. Wie lange sollen wir ohne Kontakt herumfliegen?"

Parker entgegnete mit ihrer ungeheuren sanften und doch bestimmten Art:

"Ich verstehe Sie, Doctor. Aber sollte die Föderation mehr als nur DS9 an das Dominion verloren haben, dann sind wir im Nachteil, wenn wir unsere Position preisgeben und eine Hyperraum-Transmission losschicken."

Branford ließ seinen Blick kreisen: "Meinungen?"

"Ich stimme Commander Parker zu, Sir", gab Jacobs sofort zur Antwort.

Ehrlicherweise, mußte sich der Captain eingestehen, war er von Jacobs' Zustimmung nicht sonderlich überrascht. Er arbeitete gerne mit dem 1.Offizier zusammen. Auch hatte Branford schon des öfteren beobachtet, wie sie in der Freizeit zusammensaßen.

Cassels hob die Hand: "Meine Meinung kennen Sie, Captain."

"Ja, Jake. Sie sind auch dafür, Funkstille zu wahren", nickte Branford.

Der Chefingenieur hatte ihm seine Ansicht noch im Transporterraum mitgeteilt.

"In Ordnung. Mister Talma, wir behalten gelben Alarm bei. Ich möchte drei Sicherheitsteams in Bereitschaft. Mister Jacobs, scannen Sie ständig die nähere Umgebung und berichten Sie mir jede Stunde", gab Branford die Anweisungen.

Die angesprochenen Offiziere nickten sofort.

"Jake, wie ist der Gesamtzustand des Schiffes?" fragte er.

Cassels lehnte sich in den Sessel zurück.

"Wir sind ausreichend mit Rohdilithium und Deuterium versorgt. Die Warp- und Impulsmaschinen sind voll einsatzbereit", berichtete er.

Jacobs fügte hinzu: "Sollten wir in ein Gefecht verwickelt werden und dabei Schäden erleiden, könnte es Probleme geben, notwendige Teile zur Reparatur des Schiffes zu replizieren."

"In Ordnung. Ich habe das zur Kenntnis genommen", antwortete Branford.

Er nickte seinen Stabsoffizieren zu: "Das wäre alles. Wegtreten."

 

Eher bedächtig ließ sich Branford in den ledernen Kommandosessel gleiten. Die Offiziere sahen erwartend drein.

Er nickte Jenny Waringthon zu: "Kurs setzen auf Sternenbasis 220, Geschwindigkeit Warp 8."

"Kurs und Geschwindigkeit eingegeben", meldete sie.

Branford hob die Hand: "Beschleunigen."

Er wendete seinen Kopf nach links, wo Counselor Sandra Galen saß.

"Kann ich Sie kurz im Bereitschaftsraum sprechen?" fragte er leise.

Sie nickte: "Ja natürlich."

Branford blickte Celine Parker an: "Sie haben die Brücke."

 

In Branfords Bereitschaftsraum stand neben seinem Schreibtisch und drei dazugehörenden Sesseln auch eine Couch und ein niedriger Tisch. Branford setzte sich auf die Couch und bot Galen ebenfalls einen Platz an.

Sie blickte ihn auf die gleiche allwissende Art an, wie sie es immer tat, wenn sie allein waren. Sie wußte, was er von ihr wollte.

"Wieso hast Du in der Besprechung vorhin nichts gesagt, Sandra?"

Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen.

"Ich bin kein taktischer Offizier, Chris. Ich kann Dir nicht raten, was Du in dieser Situation tun sollst."

Branford faltete seine Hände: "Dennoch, Du hast bisher immer etwas gesagt."

"Chris, ich stimme Celine durchaus zu. Es ist richtig, Funkstille zu halten."

Sie nahm seine Hände in die ihren. "Aber beschäftigt Dich nicht etwas anderes?"

"Ja, Du hast recht. Jadzia", sagte er leise.

"Ich spüre, daß Du den Glauben, daß sie noch lebt, noch nicht aufgegeben hast. Behalte ihn weiterhin, Chris", ermahnte sie ihn.

Kurz lächelte er: "Ich will es versuchen. Danke, Sandra."

"Gern geschehen", erwiderte sie knapp.

 

"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 55147,6 , Captain Branford.
Wir halten seit nunmehr einem Tag Kurs auf Sternenbasis 220. Ich habe mich entschlossen, keinen Kontakt aufzunehmen, da ich befürchte, daß das Dominion die Föderation tiefer getroffen hat, als wir im Moment wissen."

 

Branford hatte die Gamma-Schicht übernommen. Das war eine alte Angewohnheit von ihm. Er mochte es, in der "Nachtschicht" Dienst zu tun.

"Wie ist der Status, Mister Jacobs?" fragte er den Einsatzoffizier.

Er erwiderte: "Ich habe bisher keine Schiffe geortet, Sir. Durch die Begebenheiten des Weltraums habe ich jedoch einige Schwierigkeiten, auf größere Entfernung Scans vorzunehmen."

"Erklären Sie das", forderte ihn Branford auf.

"Das Auftreten von Gamma-Strahlung ist in diesem Teil des Alls weit verbreitet, Captain. Unsere Sensoren vermögen das nicht auszugleichen."

Branford wandte seinen Kopf über die Schulter und blickte Delany an. Der Wissenschaftsoffizier arbeitete an der achteren Arbeitsstation, die hinter der taktischen Konsole lag.

"Mister Delany, haben Sie einen Lösungsvorschlag?" fragte er ihn.

Er trat nach vorne: "Ich glaube ja, Sir."

"Samuel, modifizieren Sie den Niedrigfrequenz-EM-Flux-Sensor so, daß er den Hauptsensorphalanxen zuarbeitet. Damit müssten wir die Reichweite erhöhen können", sagte er mit Blick auf Jacobs.

"Und wie?" fragte der Einsatzoffizier und drehte seinen Sessel herum.

Delany erwiderte: "Bauen Sie eine EM-Weiche ein, Samuel. Ganz einfach."

"In Ordnung", sagte Jacobs. Er erhob sich: "Captain, ich bitte um Genehmigung, die Brücke verlassen zu dürfen. Die Modifizierung muß ich auf Deck 6 vornehmen."

Branford nickte: "Gehen Sie. Und gute Arbeit, Mister Delany."

"Danke, Sir." Der Wissenschaftsoffizier ging zurück an seine Station.

Fähnrich Tim Russ übernahm den Posten an der OPS.

 

Einige Minuten später meldete sich Jacobs über Interkom.

"Captain, die EM-Weiche ist installiert."

Branford nickte Russ zu: "Scannen Sie die Umgebung und vergleichen Sie die Ergebnisse mit den früheren Scans, Fähnrich."

Nur kurz dauerte die Abtastung, dann berichete Russ: "Die Sensoren arbeiten um 35% besser als beim letzten Scan." Er stockte kurz.

"Was ist, Fähnrich?" fragte Branford sofort.

"Sir, ich orte ein Schiff, Richtung 326.044. Enfernung 2,9 Lichtjahre."

"Können Sie es identifizieren?"

Russ schüttelte den Kopf: "Leider nein, Sir."

"Steuermann,Abfangkurs auf das Schiff.Warp 9,5." ordnete er an.

Fähnrich Percano nickte: "Aye, Sir."

"Zeit bis zu Abfangen?"

"Bei gleichbleibender Geschwindigkeit erreichen wir es in 11,6 Stunden,Sir."

Branford lehnte sich angespannt zurück. "Wer ist das bloß?" fragte er sich leise.

 

Talma schnalzte aufgeregt mit der Zunge. Sofort wandte Branford seinen Kopf nach hinten zur taktischen Station.

"Haben sie etwas, Mister Talma?"

Knapp nickte er, während er auf seine Konsole sah: "Ja, Captain. Das nicht identifizierte Schiff gehört zur Nova-Klasse. Es ist die Saratoga."

Branford atmete auf. Die Saratoga war das Flaggschiff der Sternenflotte und unterstand dem Kommando von William Riker, einem guten Freund von ihm.

"Wann sind wir in Sichtweite, Mister Jacobs?" fragte er den Einsatzoffizier.

"In zwei Minuten, Sir."

Er lehnte sich angespannt zurück. Was würde Riker ihm wohl alles erzählen können? In Gedanken hatte er sich in den letzten Stunden die schlimmsten Dinge ausgemalt. Was war mit dem Rest der Föderation geschehen, was mit Jadzia?

"Sir, wir sind in Sichtweite", meldete Jacobs.

Branford erhob sich hastig: "Auf Impulsgeschwindigkeit gehen."

Die beeindruckende Front der Saratoga zeichnete sich auf dem Sichtschirm ab. Das Schiff war um etwa 50% größer als die Monarch, und sie war wahrlich nicht klein.

"Wir werden gegrüßt, Sir", berichtete Talma.

Branford nickte: "Auf den Schirm."

Das vertraute Gesicht von Captain William T. Riker erschien auf dem Bildschirm. Sein Gesicht lächelte, als er Branford sah. Jedoch bemerkte er das veränderte Design der Sternenflottenunformen. Anstelle der Farben Rot, Gold oder Blau war ein Grau getreten. Das Untershirt der Uniform hingegen wies nun diese Farben der Kommandoebene, der Technik/Taktik oder der Wissenschaft auf.

"Chris, wie schön,dich zu sehen", sagte er mit bewegter Stimme.

Branford erwiderte: "Das gebe ich zurück, Will." Er seufzte tief. "Was ist mit Deep-Space-Nine passiert, großer Bruder?"

Rikers Ausdruck verfinsterte sich: "Ein Jem'Hadar-Vorstoß hat die Station erwischt, Chris. Leider hat keiner überlebt. Es tut mir leid."

Branford war bemüht,gefasst zu wirken. "Ich verstehe", flüsterte er.

"Wir konnten die Jem'Hadar bei Adelphis Prime zurückschlagen, aber haben sieben Schiffe verloren. Unter anderem die Valley Forge", fuhr Riker fort.

Branford wandte seinen Blick vom Schirm ab und blickte auf der Brücke umher. Sein Sicherheitschef Talma warf ihm einen deutlichen Blick zu. Branford begriff und sah auf die Armlehne seines Sessels. Ein rotes Signal blinkte dort. Das bedeutete, daß er eine Gefahr entdeckt hatte.

"Will, warte bitte einen Moment", bat Branford mit Blick zum Schirm.

Er nickte Talma zu,der die Verbindung unterbrach.

"Was haben Sie, Lieutnant?" wollte Branford wissen.

Talma antwortete ruhig:"Ich habe Jem'Hadar-Lebensformen an Bord dieses Schiffes geortet, Captain. Mister Riker spielt ein falsches Spiel."

"Was denken Sie, Nummer 1?" wandte sich Branford an seinen 1.Offizier.

Celine Parker hob aufmerksam ihren Kopf: "Das Dominion könnte die Föderation überrannt haben, Sir. Captain Riker ist vielleicht nicht der, der er zu sein scheint."

"Mister Talma, auf mein Zeichen aktivieren Sie die Schilde und die Waffensysteme. Vorher nicht,verstanden?" ordnete Branford an.

Der Saurianer nickte: "Aye, Sir."

"Verbindung wiederherstellen."

"Was dauert denn so lange bei euch, Chris?" fragte Riker etwas gereizt.

Er erwiderte ruhig: "Mein Sicherheitschef hat mir beunruhigende Neuigkeiten erzählt. Kann es sein,daß das Dominion tiefer vorgedrungen ist, als du mir erzählt hast?"

Riker hob die Schultern:"Wieso sollte ich dich belügen, Chris?"

"Tut mir leid. Wir waren lange weg, und ich sehe vielleicht Dinge, die gar nicht da sind", entschuldigte sich Branford. Er hoffte, Riker bluffen zu können.

"Wenn du möchtest, können wir dich nach Sternenbasis 220 eskortieren."

Branford strich sich über das Kinn. "Das ist nicht nötig, Will. Aber danke."

"Doch, das ist es", entgegnete Riker hart.

Branfords Augen weiteten sich: "Aus welchem Grunde?"

"Befehle, Chris." Rikers Augen sahen kalt aus .Jetzt wußte Branford, was vorging.

Er schüttelte langsam den Kopf: "Ich habe keine Befehle vorliegen, Will. Ich werde alleine nach Sternenbasis 220 fliegen. Ende der Diskussion."

"Also gut", nickte Riker grimmig. Die Verbindung wurde abrupt beendet.

Branford hob die Hand.

"Ausweichmanöver einleiten,voller Impuls!" befahl er.

Diese Anweisung kam keine Sekunde zu früh. Die Saratoga feuerte ihre vorderen Waffensysteme ab. Nur haarscharf verfehlten die Phaserschüsse die Monarch.

"Phaser Feuer frei! Volle Breitseite!" rief Branford energisch.

Talma befolgte die Anweisungen. Die Monarch drehte ab, während die Phaserbanken der Untertassensektion das Feuer eröffneten. Einige Schüsse trafen die Saratoga. Diese drehte auf einen neuen Kurs und erwiderte das Feuer. Die Monarch mußte mehrere Schüsse einstecken.

"Schadensbericht!"

Branford ließ sich in den Kommandosessel gleiten.

"Schilde auf 80%, Sir. Keine Schäden", meldete Jacobs.

"Captain, ich möchte empfehlen, daß wir uns zurückziehen. Wir haben nur geringe Chancen, die Saratoga zu bezwingen." Talmas Stimme klang ernst.

Branford nickte: "Ausweichmanöver nach steuerbord, neuer Kurs 117.055."

"Brücke an Maschinenraum."

"Cassels hier", meldete sich der Chefingenieur.

"Jake, ich brauche Warp 9.8, wenn wir die Saratoga abschütteln wollen."

"Aye, Captain. Kriegen Sie", bestätigte Cassels sofort.

Branford nickte Waringthon zu: "Sie haben es gehört. Warp 9,8. Beschleunigen!"

Die Monarch beschleunigte auf Überlichtgeschwindigkeit.

"Verfolgt uns die Saratoga?" fragte Branford.

Talma nickte: "Ja, Captain. Entfernung 0,2 Parsec. Sie fliegt mit Warp 9,7."

"Diese Geschwindigkeit kann sie nicht sehr lange halten. Versuchen wir, diese Zeit noch etwas zu verkürzen", meinte Branford mit Blick auf Parker.

Seine Stellvertreterin verstand. "Aye, Sir. Quantentorpedos aktivieren, volle Streuung. Erfassen Sie den Gegner."

"Ziel erfasst", bestätigte der Sicherheitschef.

Sie nickte knapp: "Feuer."

Eine ganze Salve wurde aus den achteren Launchern abgeschossen. Die Saratoga wich nicht rechtzeitig aus und wurde von den Geschossen getroffen.

"Sie wird langsamer, Sir", berichtete Talma kühl.

Ein knappes Lächeln huschte Celine Parker über die Lippen.

"Berufen Sie eine Konferenz der leitenden Offiziere ein, Commander."

Branford deutete mit der rechten Hand zur Aussichtslounge.

 

Der Captain lehnte sich in seinem Sessel zurück und blickte der Reihe nach seine Stabsoffiziere an, die am Tisch saßen.

"Meinungen?"

Seine Stimme klang fordernd. Er wollte nicht alleine entscheiden, sondern erst die Ansichten der Offiziere hören.

Jacobs war der Erste, der etwas sagen wollte.

"Sir, ich denke, daß das Dominion die gesamte Föderation erobert hat. Die Tatsache, daß das Flaggschiff der Flotte unter dem Kommando eines Formwandlers steht, läßt diesen Schluss zu", meinte er.

Talma nickte knapp: "Ich stimme Samuel zu. Wir müssen von diesem Szenario ausgehen, Captain. Leider."

Branford mußte den beiden zustimmen, auch wenn das erschreckend war. Wenn das Dominion wirklich die Herrschaft über die gesamte Föderation hatte, dann war das wohl das Ende. Aber das wollte er sich nicht eingestehen.

"Nummer 1? Was meinen Sie?" fragte er seine Stellvertreterin.

Sie machte eine vielsagende Handbewegung.

"Sir, leider keimt in mir der Verdacht, daß Mister Jacobs und Mister Talma recht haben. Das stellt uns vor eine ganz andere Ausgangsposition."

Doctor Sanders beugte sich plötzlich nach vorne: "Könnten Sie das erklären?"

"Gerne", nickte sie und lehnte sich zurück. "Wenn wir von der Tatsache ausgehen, daß die Föderation in der Hand des Dominion ist, sollten wir herausfinden, ob wir noch Freunde da draußen haben."

Ihr Blickt wandte sich zu Branford hin. "Meiner Meinung nach müssen wir Kurs auf Sternenbasis 220 halten. Es ist die strategisch wichtigste Stellung in diesem Sektor. Dort können wir vielleicht herausfinden, was vorgeht."

Sanders wandte ein: "Was passiert, wenn wir dort auf feindliche Kräfte stoßen?"

Der Einwand war aus Branfords Sicht durchaus gerechtfertigt. Er wollte diese Sache klarstellen.

"Jake, wie sieht es mit unserer Höchstgeschwindigkeit aus?" fragte er.

Der Halb-Klingone antwortete:"Sie liegt bei Warp 9,8, Sir. Wir sind in der Lage, fast alle Schiffe, die in diesem Sektor stationiert sind, abzuhängen. Bis auf die drei Schiffe der Tarawa-Klasse. Aber das sind, wie sie wissen, kleinere Kreuzer. Kein Problem für unsere Waffen."

"Gut", nickte Branford. "Noch Vorschläge?"

Keiner der Offiziere hob die Hand oder sagte etwas.

"Dann wäre das alles. Wegtreten", befahl Branford.

 

"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 55148,2, Captain Branford.
Wir halten weiter Kurs auf Sternenbasis 220 in der Hoffnung, dort Hinweise über das Geschehene zu erhalten. Alarmstufe Gelb gilt weiterhin."

 

Die wachhabende Brückenbesatzung war hochkonzentriert. Jetzt,da klar war, daß sie in feindlichem Gebiet unterwegs waren, mußte jeder Handgriff sitzen.

Jeri Talma führte das Kommando. Er überprüfte zum bestimmt zehnten Male in dieser Schicht die Waffensysteme, die ihm als taktischem Offizier unterstanden. Es war mehr als wahrscheinlich, daß sie in ein Gefecht verwickelt werden würden.

"SIR!" rief Tim Russ, der an der Konsole des Einsatzleiters saß.

Sofort richtete sich Talmas Blick zu dem jungen Fähnrich. "Was haben Sie?"

"Die Sensoren erfassen ein Schiff, Peilung 224.044. Entfernung 0,8 Parsec."

Der Saurianer erhob sich aus dem Kommandosessel und ging zu Russ. Ein kurzer Blick, dann war auch er sich ganz sicher.

"Talma an Branford", rief er den Kommandanten über Interkom.

"Branford hier. Was gibt es?" meldete er sich sofort.

"Sir, wir haben ein unbekanntes Schiff geortet", meldete Talma.

 

Keine Minute später war Branford auf der Brücke. Talma erstattete Bericht.

"Mister Russ hat das Schiff identifiziert. Es ist die U.S.S. Swordfish, Constellation-Klasse."

Branford hob die Augenbrauen. "Die Swordfish?"

"Sie ist normalerweise eingeteilt zur Sicherheitspatrouille am äußeren Rand, Captain", fügte Talma hinzu.

"Abfangkurs auf die Swordfish, Miss Waringthon. Maximum-Warp."

Branford ließ sich nach dieser Anordnung in den Kommandosessel gleiten.

"Was denken Sie, Sir?" fragte Celine Parker.

Er antwortete leise: "Daß uns da die nächsten Probleme in's Haus stehen, Commander. Aber wir brauchen Informationen."

 

Die Schiffe der Constellation-Klasse waren zum größten Teil über fünfzig Jahre alt und technisch nicht auf dem neusten Stand. Die Swordfish, die sich jetzt auf dem Hauptbildschirm zeigte, war ein besonders altes Schiff.

"Scannen Sie die Swordfish, Mister Talma", ordnete Branford an.

Talma führte den Scan durch und meldete: "Keinerlei Anzeichen von Jem'Hadar, Sir. Sie hat ihre Waffensysteme aktiviert."

"Roter Alarm, Waffensysteme und Schilde aktivieren", befahl der Captain.

Er war fest entschlossen, sich auf kein Risiko einzulassen. Die Fregatte vor ihnen stellte rein taktisch gesehen keine größere Bedrohung dar, aber man konnte nie wissen.

"Wir werden gerufen", Talmas Stimme klang erstaunt.

Branford nickte: "Auf den Schirm."

Der Captain, der auf dem Bildschirm erschien, war nach Branfords Einschätzung etwa vierzig Jahre alt. Sein Gesichtausdruck wirkte auf ihn sehr unfreundlich.

"Ich bin Captain Milford von der Swordfish. Identifizieren Sie sich."

"Captain Christopher Branford von der U.S.S.Monarch. Ich grüße Sie."

Milford erwiderte barsch: "Sparen Sie sich besser die Höflichkeiten, Captain. Es sind Dinge im Gange, die einer sofortigen Klärung bedürfen."

"Könnten Sie sich etwas genauer ausdrücken?" fragte Branford im selben Tonfall.

Sein Gegenüber schüttelte den Kopf: "Nicht über Kommunikationskanäle. Ich möchte zu Ihnen an Bord kommen, um diese Sache persönlich zu bereden."

"In Ordnung. Wir beamen Sie herüber. Branford Ende", erwiderte Branford.

Der Bildschirm erlosch und zeigte wieder die Fregatte vor ihnen.

Er blickte Jeri Talma kurz an: "Empfangen Sie bitte unsere Gäste, Mister Talma.

Schilde deaktiveren. Waffensysteme bleiben auf Gefechtsbereitschaft."

 

Die hintere Turbolifttür der Brücke öffnete sich und Talma betrat zusammen mit Milford und einem weiteren Mann die Brücke. Die dritte Person trug eine blaue Sternenflottenuniform.

"Sir, Captain Milford und Doctor Sveigert", stellte Talma die beiden vor. Dann deutete er auf seinen Kommandanten: "Captain Branford."

Branford ging auf Milford zu. Wieder sah ihn der Offizier argwönisch an.

"Gehen wir am besten in die Aussichtslounge, meine Herren. Mister Talma, begleiten Sie uns bitte". meinte er.

Die beiden Angesprochenen nickten. Branford ging zur Türe, die zur Lounge führte. Plötzlich griff Sveigert seinen Arm und setzte einen Injektor an. Er fühlte einen kurzen Schmerz, dann hörte er das Zischen. Der Arzt hatte ihm Blut entnommen.

Sein Sicherheitschef hatte im selben Moment schon seinen Phaser in der Hand.

"Keine Bewegung, Doctor", rief er sofort.

Die auf ihn gerichtete Waffe machte Sveigert nervös. Er hielt mit zittriger Hand den Injektor mit Branfords Blut.

"Captain, ich muß mich bei Ihnen entschuldigen. Würden sie mir gestatten, den Injektor kurz zu nehmen?" sagte Milford in einem plötzlich verwandelten Tonfall.

Branford nickte langsam: "Aber keine Spielchen, Captain."

Der Arzt gab Milford den Injektor. Dieser schüttelte ihn und betrachtete intensiv das Blut darin.

Jetzt begriff Branford, was Milford wollte. Er hatte ihn getestet, um festzustellen, ob er ein Formwandler war.

"Sie sind noch einer von uns, Captain", stellte er mit einem Lächeln fest.

"Ich verstehe Sie nun. Wollen wir jetzt in den Besprechungsraum gehen?"

Milford deutete zur Türe: "Nach Ihnen, Captain. Und nichts für ungut."

 

Mit einem tiefen Seufzer lehnte sich Milford in seinem Sessel zurück.

"Ein Jahr, nachdem Sie zu Ihrer Mission aufgebrochen waren, griff das Dominion die Föderation auf breiter Basis an. Wir wehrten uns, so gut es ging, aber nach vier Monaten war der Kampf verloren. Die Jem'Hadar und die cardassianischen Verbände hatten das Gebiet der Föderation erobert, die Sternenflotte geschlagen. Nur ein paar Schiffe konnten der letzten Schlacht entkommen."

Talma warf ein: "Und Sie waren eines davon."

"So ist es, Lieutnant. Das Dominion ersetzte alle Offiziere der Sternenflotte sowie den Föderationsrat durch Angehörige ihres Volkes."

"Sie meinen, sämtliche Offiziere und Regierungsmitglieder sind Wechselbälger?"

Branfords Gesichtsausdruck war besorgt. Zwar hatte er so etwas geahnt, aber wollte es dennoch noch nicht so richtig wahrhaben.

Milford nickte traurig: "So ist es, Captain. Wie gesagt, einige von uns konnten entkommen. Im ganzen sind wir jetzt noch sechs Schiffe, die einen Partisanenkrieg gegen das Dominion führen. Fleet-Admiral Lucas Franklin und der ehemalige Föderationspräsident Jarish Indio sind die Anführer."

Er machte eine kurze, nachdenklich Pause. Dann fuhr er fort.

"Ich will Ihnen nichts vormachen, Captain Branford. Die Lage ist hoffnungslos. Das Dominion bekommt ständig Nachschub und verfügt über die restlichen, verbliebenen Schiffe der Flotte."

Branford faltete seine Hände und blickte Milford an: "Wie können wir helfen?"

"Schließen Sie sich uns an, Captain. Eine großartige andere Alternative haben Sie auch gar nicht", erwiderte er.

Talma nickte: "Ich fürchte, Captain Milford hat recht, Sir."

"In Ordnung, Captain. Wohin sollen wir fliegen?" wollte er weiter wissen.

"Folgen Sie meinem Schiff, Captain. Unsere Basis ist im Cottesmoore-System."

Milford und Sveigert erhoben sich.

"Haben Sie noch Fragen?"

Branford schüttelte den Kopf:"Nein, Captain. Wir werden Ihnen folgen."

 

"Wir erreichen das Cottesmoore-System, Captain", meldete Jenny Waringthon.

Branford nickte ihr zu: "Standardorbit, Lieutnant."

"Was sagen die Scanner, Mister Talma?" Er drehte den Kopf zu seinem taktischen Offizier um, der schon eifrig mit der Analyse des Systems beschäftigt war.

"In einem extrem niedrigen Orbit liegen fünf Schiffe, Sir. Es ist äußerst schwierig, sie zu orten. Die Interferenzen dieses Systems machen eine Erfassung von außerhalb her fast unmöglich", berichtete er.

Jacobs bemerkte: "Captain, die Swordfish nimmt einen ähnlichen Orbit wie die anderen Schiffe ein."

Der Kommandant nickte knapp: "Steueroffizier, folgen Sie der Swordfish."

"Aye, Sir", nickte Waringthon.

Die Fregatte verlangsamte und glitt in eine tiefe Umlaufbahn um den Planeten. Vorsichtig ließ Waringthon die Monarch folgen.

"Kommunikation vom Planeten, Mister Jacobs?" fragte er den Einsatzleiter.

Dieser war noch mit der Untersuchung der Oberfläche beschäftigt, antwortete aber sofort: "Bisher negativ,Captain."

Celine Parker sah Branford fragend an. "Was tun wir, Sir?"

Er erwiderte, während er sich in den Kommandosessel setzte: "Wir warten."

Die Überlegungen über die Situation hatte er während des ganzen Fluges bisher fortgeführt. War er sich wirklich der ganzen Tragweite der Geschichte bewußt, die passiert war? Immerhin hätte er solch eine Niederlage gegen das Dominion nie für möglich gehalten. Es mochte auch sein, daß er einfach nur zu sehr auf die Stärke der Sternenflotte vertraute. Sie hatte sich stets erfolgreich im Kampf bewährt. Dies war die erste große Niederlage in ihrer Geschichte.

"Wir werden gerufen, Sir", meldete Talma.

Branford nickte: "Auf den Schirm."

Das altehrwürdige Gesicht von Fleet-Admiral Lucas Franklin erschien auf dem Bildschirm. Er lächelte. Das machte Branford etwas Mut.

"Christopher, ich grüße Sie. Schön, daß Sie zurück sind", sagte er bewegt.

Branford erhob sich langsam.

"Admiral, es sind leider traurige Umstände, unter denen wir uns wiedersehen", erwiderte er mit einer gewissen Gerührtheit in seiner Stimme.

Der Admiral nickte: "So ist es. Wir wollen keine Zeit verschwenden. Bitte seien Sie so freundlich und beamen Sie herunter, damit wir einiges besprechen können."

"Natürlich, Sir. Branford Ende", schloss er die Verbindung.

Er blickte kurz seinen 1.Offizier und seine Beraterin an: "Nummer 1, Counselor, Sie begleiten mich auf den Planeten. Mister Talma, Sie haben die Brücke."

Der Saurianer nickte: "Zu Befehl, Captain."

 

"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 55152,6, Captain Branford.
Wir sind auf der Basis der Partisanen, wie sich die letzten freien Menschen und Sternenflottenoffiziere selbst nennen. Fleet-Admiral Franklin hat uns zu einem Treffen gebeten, um die Lage zu erörtern."

 

Franklin erwartete die drei in einem Konferenzraum, der so improvisiert wirkte wie der Rest der Basis. Sie war auf der Oberfläche angelegt worden, inmitten eines riesigen Dschungelgebietes.

"Willkommen auf Cottesmoore, Captain", sagte er und reichte Branford die Hand.

Branford erwiderte: "Danke, Sir. Commander Parker und Counselor Galen kennen sie ja bereits."

"Ja, natürlich", meinte er. Die beiden nickten dem Admiral zu.

"Setzen wir uns", bat er und deutete auf den runden Tisch.

Branford kam nicht umhin, sofort eine Frage zu stellen, die ihn quälte.

"Sir, können Sie mir etwas über den Verbleib von Commander Dax sagen?"

Kummervoll schüttelte Franklin den Kopf: "Leider nein. Ich wünschte, ich könnten Ihnen etwas sagen. Wenigstens etwas."

"Was denken Sie, was mit den Menschen passiert ist, die durch Formwandler ersetzt wurden, Sir?" fragte Galen vorsichtig.

"Counselor, ich wünschte auch hier, etwas sagen zu können. Aber ich weiß es nicht", gab er zur Antwort.

Sie fühlte deutlich, daß Franklin diese Fragen schon oft gehört haben mußte. Andererseits bewegten sie ihn tiefer, als er zu erkennen gab.

"Darf ich Ihnen kurz unsere Lage erklären?" wollte er wissen.

Sofort nickte Branford: "Gerne, Sir."

"Wir führen beinahe pausenlos Anschläge auf die vom Dominion besetzten Schiffe und Sternenbasen durch, um sie zu schwächen."

Er schluckte kurz und fuhrt dann fort: "Jedoch, einen durchschlagenden Erfolg konnten wir noch nicht verbuchen. Wir haben in den letzten sechs Monaten sieben Schiffe verloren. Unsere Flotte besteht jetzt noch aus sechs Schiffen. Allerdings, drei von denen sind Fregatten der Constellation-Klasse, eines ein Kreuzer der Ambassador-Klasse."

"Also nicht die Modernsten unserer ehemaligen Flotte, Sir", stellte Parker fest.

"Richtig, Commander", erwiderte der Admiral.

Branford fragte:"Was hat das Dominion, Sir?"

"Sie haben etwas vierzig Raumschiffe unserer Flotte übernommen, darunter drei Schiffe der Nova-Klasse. Dazu etwa zwanzig Jem'Hadar-Kreuzer und ein Dutzend cardassianischer Galor-Klassen", gab er zur Antwort.

Er seufzte tief. Das war man von dem immer gefassten Oberbefehlshaber nicht gewöhnt. Branford stellte fest, daß es wirklich ernst sein mußte.

"Wir haben so langsam keine Hoffnung mehr, Christopher. Ich habe jede erdenkliche Strategie getestet, aber gegen eine derartige Übermacht ist es sinnlos."

Branford beugte sich vor. "Wie verhalten sich die Klingonen?"

"Sie haben eine neutrale Position bezogen. Jedwede Einmischung wurde vom Führer des hohen Rates abgelehnt."

Branford schüttelte ratlos den Kopf: "Narek war immer ein Ehrenmann, Sir. Ich kann nicht verstehen, daß er uns jetzt im Stich läßt."

"Ich habe versucht, ihn zu überzeugen. Aber es hatte keinen Sinn. Wir haben vor eineinhalb Jahren die Gespräche mit ihm eingestellt", gab Franklin zurück.

"Das ist nicht unbedingt die Art der Klingonen, Admiral. Einfach so Abmachungen oder Versprechen zu brechen. Narek muß tiefere Gründe für sein Tun haben."

Leise, fast bedächtig sprach Branford die Worte aus, die er dachte.

Franklin faltete seine Hände und blickte ihn an.

"Christopher, ich muß ehrlich eingestehen, daß wir am Ende unserer Weisheit sind. Lange können wir einen solchen Partisanenkrieg nicht fortführen."

Er nickte zustimmend: "Natürlich. Ich würde das Dominion weiter schwächen und es auf eine Entscheidungsschlacht ankommen lassen, allerdings erst, sobald wir Unterstützung von außen haben."

"Wen meinen Sie?" fragte Franklin.

Ein kurzer Hoffnungsschimmer war in den Augen des Admiral zu erkennen.

"Nun, wir haben im Gamma-Quadranten Einiges erlebt, Sir. Wenn Die gestatten, werde ich Ihnen das näher erläutern. Wir begegneten einem Volk namens Selasi, die..."

 

Branfords Erklärung des Zusammentreffens mit den Selasi dauerte fast eine Stunde. Franklin hörte gebannt zu, unterbrach ihn kein einziges Mal. Als er mit seinen Erzählungen am Ende war, wiegte der Admiral wohlmeinend den Kopf.

"Ja, ich könnte mir vorstellen, daß das die Verbündeten sind, die wir ganz dringend brauchen. Gut, Christopher." Er stockte kurz.

"Nehmen Sie bald möglichst Kontakt mit den Selasi auf und bitten Sie sie um Hilfe. Allerdings können wir außer unserer Freundschaft nichts anbieten, zumindest im Moment nicht", fuhr er fort.

Branford hob nervös die Hand: "Sir, ich möchte aber eines anmerken. Die Selasi sind unsere Freunde, werden aber vermutlich kaum in einen bewaffneten Konflikt eingreifen. Vielleicht sollten wir es doch noch an anderen Stellen probieren."

"Wenn Sie meinen. Aber ehrlich gesagt, ich glaube an keine andere Rettung. Wir werden das noch erörtern", entgegnete Franklin.

Nach einer kurzen Pause fügte Franklin hinzu: "Ich habe vorher aber noch etwas, das Sie erledigen sollten,Christopher."

"Was haben wir zu tun,Sir?" wollte Branford wissen.

"Das Dominion unterhält im Delphi-System eine Versorgungsstation. Diese bietet Ihnen die Möglichkeit, die Konvois zum Gamma-Quadranten mit allem auszurüsten, was sie benötigen. Es wäre ein großer Erfolg für uns, wenn wir die Station ausschalten", erklärte Franklin.

Branford nickte: "Verstanden."

"Viel Erfolg, Christopher. Und kommen Sie zurück", schloss der Admiral das Gespräch mit einem ermahnenden Tonfall.

 

Der Blick von Jeri Talma wandte sich sofort zur Tür des Turboliftes um, als diese sich öffnete. Offenbar schien er geahnt zu haben, daß der Captain zurück war.

"Lieutnant Waringthon, setzen Sie Kurs auf das Delphi-System. Geschwindigkeit Warp 7", befahl er mit ernster Stimme.

Sie nickte knapp: "Eingegeben, Sir."

"Beschleunigen Sie", ordnete er an.

Seine Augen richteten sich auf seinen Sicherheitschef.

"Mister Talma, ich muß Sie im Bereitschaftsraum sprechen. Jetzt gleich."

Der Saurianer erhob sich aus dem Kommandosessel: "Ja, Sir."

Branford warf Samuel Jacobs einen kurzen Blick zu: "Lieutnant Jacobs, übernehmen Sie das Kommando."

 

"Nehmen Sie Platz, Lieutnant."

Branford deutete auf die Sitzgruppe, die vor seinem Schreibtisch stand.

"Danke, Sir", nickte Talma.

Der Kommandant ließ sich in seinen Sessel gleiten.

"Wir haben einen Angriffsbefehl erhalten. Das Dominion hat eine Versorgungsbasis im Delphi-System, die wir vernichten sollen."

Talma nickte gleichförmig. Die Neuigkeiten schienen ihn nicht zu überraschen.

"Weiter: Wir halten ständigen gelben Alarm, solange wir diesen Einsatz fliegen. Checken Sie die taktischen Systeme und setzen Sie Kampfübungen an, Lieutnant", befahl Branford.

"Zu Befehl, Sir. Ich werde das veranlassen", gab er zur Antwort.

Branford blickte Talma eindringlich an: "Ich verlasse mich voll auf Sie. Ich weiß, ich kann das. Denn Sie sind der Beste."

Kurz meinte Branford, daß der Saurianer lächeln würde. Aber das war völlig undenkbar bei dem 1.taktischen Offizier.

"Vielen Dank,Captain", erwiderte er.

Branford schloss das Gespräch: "Das wäre im Moment alles, Lieutnant."

 

Es waren mit Sicherheit einige Monate vergangen, seitdem Branford im botanischen Garten des Schiffes gewesen war. Er hatte einfach keine Zeit während der Mission im Gamma-Quadranten. Aber jetzt wollte er einmal wieder durch den Garten schlendern, nur etwas abschalten.

Die Gedanken an Jadzia beschäftigten ihn sehr, auch wenn er sich ständig in Erinnerung rief, daß er die Verabtwortung für die knapp 1200 Menschen an Bord trug und sich von diesen Emotionen nicht verwirren lassen sollte. Aber ganz konnte er die Gedanken an seine Partnerin nicht abschütteln.

"Captain?"

Eine vertraute Stimme holte ihn aus seinem Tagtraum heraus. Er hob den Kopf und erblickte Jenny Waringthon, die am Rande des Weges auf einer Bank saß.

"Lieutnant Waringthon, guten Abend. Suchen Sie auch etwas Ablenkung?"

Die junge Frau nickte:"Ja, Sir. Bei so vielen neuen Eindrücken, mit denen man nicht gerechnet hat, muß man etwas abschalten. Zu sich selbst finden."

"Ja, sie haben recht", nickte Branford. Er deutete auf die Bank: "Haben sie noch einen Platz für mich frei?"

Ein kurzes Lächeln huschte über ihr Gesicht: "Natürlich, Captain. Bitte."

Er nahm Platz und betrachtete sich die verschiedenartigen Pflanzen, die um ihn herum wuchsen. Es störte ihn nicht, daß er Jenny Waringthon getroffen hatte. Gespräche mit ihr waren stets unterhaltsam und sie war nie aufdringlich.

"Captain,könnten sie mir eine Frage beantworten?"

Ihre Stimme klang sehr vorsichtig.

Branford nickte:"Sicher. Nur zu."

"Glauben sie nicht, daß unsere Lage ziemlich hoffnungslos ist angesichts der Übermacht des Dominion?"

Der Kommandant war kurz überrascht. Mit einer derartigen Frage hatte er nicht gerechnet. Er suchte nach den passenden Worten.

"Doch. Aber ich selbst habe schon einige hoffnungslose Situationen erlebt. Zugegbenermaßen noch keine derartig hoffnugslose. Aber das ändert nichts an unserem Auftrag: Wir sind in solch einem Fall dazu verpflichtet, die Bürger der Föderation zu schützen."

Die junge Frau nickte langsam. "Sicher, Captain. Aber Sie wissen sicherlich, daß die Crew in großer Sorge ist."

Wortlos nickte Branford. Seine Beraterin hatte ihn schon darauf hingewiesen, das es mit der Moral an Bord nicht zum Besten stand. Aber zu diesem Partisanenkrieg konnte er in diesem Moment keine Alternative sehen.

"Ich weiß das, Lieutnant", sagte er schlicht.

 

Branford hegte an diesem Tage das Gefühl, daß wo immer er auf dem Schiff hinging, jemand mit ihm sprechen wollte. Überall sah er nur mutlose Gesichter in den Korridoren und Räumen.

Auch in "Zehn-Vorne", dem Gemeinschaftsraum und Speisesaal der Crew, war es nicht anderst. Schon als er durch die doppelflügelige Türe den Raum betrat sah er, daß Sandra Galen an einem Ecktisch saß.

Mit langsamen Schritten näherte er sich ihr. Natürlich hatte sie ihn schon bemerkt, ohne auch nur den Kopf zu heben und in seine Richtung zu blicken.

"Chris, setz dich." Ihre Stimme klang irgendwie fordernd.

Branford ließ sich auf dem ihr gegenüberliegenden Stuhl nieder.

Sie lächelte ihn knapp an: "Mit wem hast du gesprochen?"

"Woher weißt du denn jetzt schon wieder, daß ich mit jemandem geredet habe?"

Er schüttelte wiedermal fassungslos den Kopf.

"Deine Gefühlslage war vorhin auf der Brücke anders, Chris", analysierte sie.

Nun nickte er: "Richtig. Jenny Waringthon war im botanischen Garten."

Der Kellner kam an den Tisch und blickte Branford an.

"Kann ich ihnen etwas bringen, Sir?"

Branford erwiderte: "Gin-Tonic, bitte."

Er entfernte sich wieder.

"Übrigens, sie teilt deine Meinung zur Lage der Crew", fuhr er fort.

Ihre schwarzen Augen blitzten auf. Branford konnte diesen Blick bei ihr nie so recht deuten. Es konnte sein, daß sie meinte, er hätte ihren Rat nicht ernst genommen.

"Was hast du?" wollte er wissen.

Sie hob ihre Augenbrauen: "Chris, sei vorsichtig mit der Crew. Sie hat lange Jahre ihre Familien und Freunde nicht gesehen. Jetzt kommen wir zurück in den Alpha-Quadranten und finden die Föderation besiegt vor. Und jetzt sollen wir in einem möglicherweise tödlichen Kampf gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind die Niederlage der Föderation in einen Sieg verwandeln. Das ist eine große Herausforderung für diese Crew."

"Natürlich,daß weiß ich. Aber mir geht es nicht anders, Sandra. Ich weiß nicht, was mit meiner Familie oder Jadzia ist." Bei diesen Worten sprach er sehr leise.

Verständnisvoll nickte sie: "Ich verstehe dich. Aber wie immer, du trägst die Verantwortung. Die Leute sehen zu dir auf und erwarten, daß du sie führst."

Branford nahm einen Schluck aus seinem Glas. "Das werde ich", sagte er knapp.

 

"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 55154,0, Captain Branford.
Wir nähern uns der Versorgungsstation im Delphi-System. Die Crew ist kampfbereit, alle Waffensysteme auf ihre Einsatzbereitschaft geprüft. Wir erwarten den Gegner."

 

Branford ließ sich langsam in den Kommandosessel gleiten. Die Brücke war von der sogenannten "Alpha-Crew" bemannt. Jacobs saß an der OPS, Waringthon an der Steuerstation, Talma an der taktischen Station. Zusätzlich waren Lieutnant Commander Parker und Sandra Galen da, die links und rechts neben Branford Platz genommen hatten. Cassels hatte die Maschinenstation besetzt.

"Klare Scannererfassung der Station, Sir", meldete Talma.

Branford hob den Blick zum Hauptbildschirm. Noch war das Ziel nicht in Sichtweite, aber das würde nicht mehr lange dauern.

"Roter Alarm!" ordnete er an.

Augenblicklich wurde das Schiff in den Status "Klar zum Gefecht" versetzt. Die dunklere Gefechtsbeleuchtung wurde eingeschaltet.

"Irgendwelche anderen Schiffe zu erkennen, Mister Talma?" fragte Branford.

Der Saurianer verneinte: "Negativ, Captain."

Branford war stark beunruhigt. Das Dominion würde eine derartig wichtige Station nicht ungesichert lassen. Aber wo war der Gegner?

"Wann sind wir in Waffenreichweite?"

Celine Parker wandte ihren Blick zu dem taktischen Offizier.

"In Torpedoreichweite in vier Minuten, Commander", erwiderte er.

Branford fragte seinen 1.Offizier: "Schlagen Sie eine kombinierte Attacke vor?"

"Nein, Sir. Dies wäre zwar wirkungsvoller, aber für volle Phaserwirkung brauchen wir mindestens drei Minuten länger. Am besten wir schicken zwei Salven rüber und verschwinden schnellstens", antwortete sie.

Der Kommandant nickte: "Einverstanden. Mister Talma, Quantentorpedos aktivieren, Phaser ebenso. Einstellung 7 bei den Torpedos."

"Aye, Sir", lautete die sofortige Bestätigung.

"Captain, die Sensoren erfassen eine leichte Tachyon-Emission in Richtung 233.033. Ich habe keine Erklärung dafür", meldete Einsatzoffizier Jacobs.

Talma ergänzte: "Ein getarntes Schiff vielleicht, Sir."

Verneinend schüttelte Jacobs den Kopf: "Zu geringe Mengen, Lieutnant."

"Schilde hoch. Ich wünsche eine permanenten Nahbereichabtastung, Mister Talma. Wenn sich irgendwo ein Schiff enttarnt, dann werden wir das Feuer eröffnen. Sofort, und ohne jede Vorwarnung", entschied Branford.

Mit halber Impulskraft glitt die Monarch auf die scheinbar ungesicherte Station zu. Branford war mißtrauisch ob der Ruhe.

Angespanntheit machte sich auf der Brücke breit. Irgendwie schien jeder zu spüren, daß etwas da draußen war, das die Monarch bedrohte. Es war nur nicht greifbar.

"Sensorabtastung hat keine Schiffe in Sensorreichweite erkannt, Sir", meldete Talma. Seine Stimme war wie immer sehr ruhig und beherrscht.

Celine Parker wiegte bedächtig den Kopf: "Abwarten. Da kommt noch etwas."

"Was meinen Sie, Commander?" wollte der Kommandant wissen.

Langsam strich sie sich ihre kurzen, schwarzen Haare. Branford kannte diese Geste mittlerweile. Parker war dann immer kurz davor, etwas sehr Schwerwiegendes von sich zu geben.

"Da draußen ist in jedem Fall ein getarntes Schiff, Captain. Aber nicht diese Art Schiff, die wir erwarten", meinte sie.

Branford faltete seine Hände und blickte Parker an.

"Würden Sie etwas genauer werden, Commander?"

"Ich weiß es auch nicht, Sir. Aber wieviele unbekannte Schiffe hielt die Sternenflotte unter Verschluss in den Flottenwerften? Es mag sein, daß es ein Waffensystem hat, dem wir nichts oder nur wenig entgegensetzen können."

Der Kommandant lehnte sich zurück.

Gut, seine Stellvertreterin hatte im Prinzip recht. Aber er konnte sich auf keinerlei Spekulationen einlassen. Das könnte das Leben der Crew gefährden.

"Wann sind wir in Torpedoreichweite?"

Jacobs erwiderte: "In 45 Sekunden, Captain."

Angestrengt blickte Branford auf den Hauptbildschirm. Er hoffte nicht, daß sich die Befürchtungen bewahrheiteten, aber es deutete vieles auf die Anwesenheit eines anderen Schiffes hin.

"Unbekanntes Schiff entarnt sich auf 085.023!" schrie Jacobs heraus.

Branford ballte die Faust: "Phaser Feuer frei, Mister Talma!"

"Aye Sir!" bestätigte der taktische Offizier.

Die oberen Phaserbanken der Untertassensektion feuerten gebündelte Feuerstöße auf das andere Schiff, das rechts von der Monarch Position bezogen hatte.

"Ich kann ein Schiff der Excelsior-Klasse erkennen, Sir", meldete Jacobs.

"Keine Hoheitsabzeichen oder Subraumkennzeichen", fügte Talma hinzu.

Branford nickte:"Ich kenne das Schiff. Erinnern Sie sich, Samuel."

Der Einsatzoffizier brauchte das nicht zu überlegen: "Natürlich, die Repulse. Das Basisschiff der Force Omega, Captain."

"Genau. Leider ist sie diesmal nicht dazu da, uns zu helfen, sondern um uns zu vernichten", stellte der Captain trocken fest.

Die Repulse ging auf einen Angriffskurs. Dann eröffnete sie ihrerseits das Feuer aus den Phaserbanken. Die Treffer lagen entlang des Achterrumpfes der Monarch.

"Schilde auf 85%, Sir. Steuerbord-Energiekupplung ausgefallen", meldete Jacobs.

Branford antwortete: "Phaser auf Maximum, Feuer erwidern. Delta-Ausweichmanöver."

"Sofort", bestätigte Waringthon und drehte die Monarch um 30 Grad nach rechts. Dann rollte sie das Schiff zweimal um die eigene Achse, während Talma die Phaser aktivierte. Die Repulse mußte einige Frontaltreffer einstecken, als sie die Verfolgung der Monarch aufnahm.

"Leichte Schäden am Gegner, er hat am Bug noch etwa 85% Schildniveau", berichtete Talma.

"Feuer fortsetzen. Wie sieht es mit den Torpedos aus?"

"Einsatzbereit, Sir", erwiderte Talma.

"Dann kombiniertes Feuer, Lieutnant. Los!" ordnete Branford an.

Zwei Phaserattacken folgten zwei Salven Quantentorpedos. Die Repulse manövrierte jedoch geschickt um den Großteil der Feuerstöße herum. Sie mußte nur wenige Treffer verkraften.

"Keine weitere Beschädigungen beim Gegner, Sir."

Schon erschütterten zwei Explosionen die Monarch. Branford sah sofort zu Jacobs.

"Was ist los, Lieutnant?" fragte er energisch.

Der erwiderte: "Achterschilde auf 50%,Captain. Wir haben den achteren Torpedolauncher verloren. Impulsantrieb auf 80% verringert."

"Nach steuerbord auf 227.033, volle Impulskraft. Phaserfeuer fortsetzen", befahl er.

Während des Ausweichmanövers wurde die Monarch erneut getroffen.

"Es sieht ernst aus", sagte Cassels sofort. Er koordinierte die Reparaturmaßnahmen und sah, daß ein größerer Schaden aufgetreten war.

Branford fragte nach: "Was ist, Jake?"

"Der Impulsantrieb kollabiert, Captain. Noch ein Treffer in dem Bereich, und..."

Er führte den Satz nicht zu Ende.

"Gegen diesen Gegner werden wir nicht sehr lange bestehen", stellte Branford fest.

Talma warf ein: "Wir müssen unseren Auftrag zu Ende führen, Sir."

"Natürlich", Branford überlegte. "Erfassen Sie die Station, Lieutnant."

"Ziel erfasst, Sir", meldete er sofort.

Branford drehte sich zu ihm um: "Bestimmen Sie die notwendige Torpedomenge und machen Sie die Launcher feuerbereit."

"Alles bereit, Captain. Auf ihren Befehl löschen wir die Station aus."

Der Kommandant erhob sich. Er hob die Hand.

"Feuer, Mister Talma!"

Drei aufeinanderfolgende Salven verließen die Launcher der Monarch. Ohne eine Möglichkeit sich zu schützen, wurde die Raumstation vernichtet.

"Ausweichmanöver Omega, kombiniertes Feuer auf die Repulse", ordnete Branford an. Er hatte etwas im Hinterkopf. Jetzt, da die Station vernichtet war, mußte er sein Schiff schnellstens von diesem Gegner in Sicherheit bringen.

"Miss Waringthon, vorbereiten,auf Warp zu gehen."

Er wandte sich an seinen Chefingenieur.

"Was können Sie mir geben, Jake?"

Die Miene sah nicht zuversichtlich aus. "Warp 9,5, Captain."

"Gut, muß wohl reichen. Lieutnant Talma, was schafft die Repulse etwa?"

Der Saurianer antwortete: "Mit Sicherheit etwa Warp 9,7, Sir."

"Dann muß sie wohl langsamer werden. Konzentrieren Sie unser Feuer auf ihre Triebwerke", befahl Branford.

Die Monarch drehte für einen weiteren Angriff auf die Repulse zu. Talma steuerte das Feuer im Hinblick darauf, daß die Warpgondeln getroffen wurden. Dies gelang auch bei einigen Angriffen.

"Status, Mister Jacobs?" wollte Branford nach dem letzten Treffer wissen.

Der Einsatzoffizier schüttelte den Kopf: "Sir, wir werden die Repulse kaum vernichten können. Ihre Schilde sind nach wie vor bei 70%,wir haben ihnen kaum Schäden beibringen können."

"Unsere Schilde sind bei 20%,Captain. Auf Deck 21 hat die Lebenserhaltung versagt, zudem haben wir zwei Phaserbanken verloren", fügte Talma hinzu.

Branford rieb sich das Kinn. Lange konnte er die Monarch hier nicht mehr halten.

"Was denken Sie, wann können wir die Repulse abschütteln?" fragte er.

Cassels erwiderte:"Zwei weitere direkte Treffer an den Warpgondeln müssten reichen, Captain."

"Feuer fortsetzen. Miss Waringthon, abdrehen nach steuerbord, Richtung 115.030."

Das Schiff wendete und drehte der Repulse die Breitseite zu. Die Taktik war klar: Man mußte die Antriebssektion des Gegners treffen, um eine realistische Chance auf ein Entkommen zu haben. Gleichzeitig war es notwendig, so wenig als möglich die eigenen Triebwerke zu präsentieren.

Drei weitere Phasersalven erreichten ihr Ziel, die Warpgondeln der Repulse. Branford richtete seinen Blick zu Chefingenieur Cassels.

"Captain, ich denke, das hat gereicht", meinte er knapp.

Jacobs ergänzte ironisch: "Gereicht hat es uns auch, Jake."

"Maximum-Warp, Kurs 227.066. Beschleunigen", befahl Branford.

Jenny Waringthon programmierte den neuen Kurs, die Monarch ging auf Warpgeschwindigkeit. Ein kurzer Blick auf die taktische Anzeige, dann wußte Lieutnant Talma, was Sache war.

"Captain, die Repulse kann uns nicht folgen. Sie fällt zurück", meldete er.

Branford nickte erleichtert: "Mister Cassels, stellen Sie einen vorläufigen Schadensbericht zusammen. In einer Stunde bei mir im Bereitschaftsraum."

"Aye, Captain", erwiderte der Halb-Klingone.

 

"Computerlogbuch der Monarch, Nachtrag.
Die Station im Delphi-System wurde von uns zerstört,allerdings haben wir dabei ein schweres Gefecht mit der U.S.S. Repulse geführt. Wir konnten uns aus der Gefahrenzone retten. Das Gefecht hat leider 15 Todesopfer an Bord gefordert, 35 wurden verletzt."

 

"Herein."

Branford sah von seinem Monitor auf und die Tür glitt auf. Cassels betrat den Bereitschaftsraum.

"Jake, setzen Sie sich", bat Branford.

Der Chefingenieur nahm sich einen Stuhl. Sein Gesicht sah düster aus.

"Was haben Sie?" wollte der Captain wissen.

"Es sieht beileibe nicht gut aus. Wir benötigen mindestens 36 Stunden, um alle Schäden zu beheben. Das Schildniveau ist derzeit auf 30%,die zwei Phaserbanken noch nicht wieder einsatzbereit. Die evakuierten Crewmitglieder von Deck 21 können vermutlich in etwa zehn Stunden wieder zurück. Was schlimmer ist: die Dilithiumkristalle haben durch den Beschuss gelitten. Unsere Höchstgeschwindigkeit sinkt erstmal auf Warp 9,5. Zumindest bis wir sie austauschen können", fasste er zusammen.

"Hört sich so an, als könnte die Geschwindigkeit noch weiter sinken, Jake", stellte Branford nüchtern fest.

Er nickte: "Ja, Captain. So ist es."

"Gut. Wann haben wir wieder volle Gefechtsbereitschaft?" fragte Branford.

"In frühestens 40 Stunden, Captain", meinte er.

Branford blickte seinen Chefingenieur lange wortlos an. Wenn Cassels derartig hoffnungslos wirkte, dann war die Lage wirklich ernst. Er war normalerweise derjenige, der die Crew bei Laune hielt. Aber so hatte er den Mann noch nie gesehen.

"Jake, was haben Sie?"

Er hob den Kopf: "Was meinen Sie, Captain?"

"Es ist nicht Ihre Art, derartig niedergeschlagen zu sein. Selbst in einer solch hoffnungslosen Situation wie jetzt."

"So eine Situation hatten wir noch nie, Captain. Wir alle nicht", erwiderte er.

Branford nickte: "Da haben Sie recht. Aber von Ihnen kam immer Auftrieb, Jake."

"Auch ich kann nicht immer nur optimistisch sein, Captain."

Branford beugte sich vor und blickte ihm fest in die Augen.

"Jake, im Ernst: Glauben Sie etwa nicht daran, daß wir dies alles meistern können?"

Cassels antwortete nicht sofort, sondern wandte seinen Blick im Raum umher. Schließlich sagte er:"Captain, ich gebe nicht auf. Aber ich denke, unsere Chancen stehen nicht allzu gut."

"Sie haben schon wieder recht. Wie dem auch sei, wir versuchen unser Bestes. So wie immer", schloss der Captain.

Cassels erhob sich. "Natürlich, Captain."

 

Counselor Galen betrat die Krankenstation des Schiffes. Es führte sie kein Befehl oder irgendeine Anweisung hierher. Die brauchte es auch nicht.

Doctor Frank Sanders, der medizinische Offizier, saß in seinem Büro. Er ging Krankenberichte durch, wie sie erkannte.

"Doctor?" fragte sie sanft.

Sanders hob seinen Kopf: "Ah, Counselor. Kommen Sie rein."

Seine grünen Augen musterten sie aufmerksam. Galen nahm sich einen Stuhl.

"Was ist mit den Verletzten, Doctor?" fragte sie.

"Alle sind über den Berg. Dennoch, gut geht es ihnen deswegen noch lange nicht."

Er stockte kurz, dann fuhr er mit leiser Stimme fort: "Ich hatte hier einen achtjährigen Jungen, dessen Eltern beide getötet wurden. Was sage ich so einem Jungen, Counselor?"

"Wo ist der Junge, Doctor?" fragte sie.

"Im Quartier. Eine meiner Krankenschwestern ist bei ihm.Würden Sie..."

Sie stand auf: "Natürlich. Danke für die Information, Doctor."

"Deck 9, Quartier 331", ergänzte Sanders.

 

"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 55156,2, Captain Branford.
Wir sind wieder zurück im Cottesmoore-System. Hier habe ich nun eine Entscheidung zu fällen, die vielleicht von vielen nicht verstanden wird, die ich aber dennoch für wichtig halte."

 

"Standardorbit, Lieutnant", befahl Branford.

Er erhob sich aus dem Kommandosessel und ging nach vorne, wo er zwischen den Plätzen für Navigation und Einsatzleitung stehen blieb.

"Commander Parker, veranlassen sie, daß alle Zivilisten von Bord gebeamt werden", sagte er knapp.

Parker blickte ihn ungläubig an: "Sir?"

"Haben Sie mich nicht verstanden, Nummer 1?" entgegnete Branford sofort.

Sie nickte: "Doch, natürlich."

"Sie haben die Brücke, Commander. Ich bin in meinem Quartier."

 

Branford saß in seinem Lieblingssessel und hörte die "Feuerwerksmusik" von Händel, als ein Ruf über Interkom ertönte.

"Parker an Captain Branford."

Branford erwiderte: "Sprechen Sie, Nummer 1."

"Die Evakuierung der Zivilisten auf den Planeten ist in vollem Gange. Sie wird in etwa zwei Stunden abgeschlossen sein, Sir", meldete sie.

"Danke. Und Nummer 1: Ich weiß, daß Sie meine Entscheidung reichlich kurzfristig fanden. Ich hoffe, Sie verstehen sie."

"Sicherlich, Captain. Parker Ende", schloss sie die Verbindung.

 

Schon fast instinktiv drehte sich Lieutnant Talma im Kommandosessel um, als sich die Turbolifttüre öffnete. So als hätte er geahnt, daß der Captain die Brücke betreten würde.

Branford ging die Empore hinab zu den drei Sesseln, während sich der taktische Offizier erhob.

"Bericht", ordnete er an.

Der Saurianer erwiderte: "Keine Nachricht von der Oberfläche, Sir. Mister Cassels hat den Warpantrieb abgeschaltet, um die notwendigen Reparaturen vorzunehmen. Schilde haben wieder Maximum, Waffen sind ebenfalls zu 100% einsatzbereit."

"Danke, Mister Talma. Ich übernehme", nickte Branford und ließ sich in den Kommandosessel sinken.

Ohne ein weiteres Wort verließ der Saurianer die Brücke.

Branford hatte sich in der Zeit, als er in seinem Quartier saß, viele Gedanken gemacht. Was würden sie als nächstes tun? Ewig konnten solche Aktionen nicht den Erfolg bringen. Man würde das Dominion dadurch nicht stopppen. Also war ein großer Schlag nötig, und der würde nur mit einem Verbündeten gelingen. Die Klingonen hatten zwar gesagt, daß sie keine Verwicklung wünschen. Aber Branford hatte noch das Versprechen des Kanzlers der Klingonen, Narek. Als er ihm vor sechs Jahren auf diesen Posten geholfen hatte, versprach er, daß er ihm helfen würde, falls er irgendwann einmal Hilfe bräuchte. Das war nun soweit.

"Brücke an Transporterrraum 3."

"Lamar hier, Captain", meldete sich der Transporterchief.

Branford erwiderte: "Ich beame auf den Planeten, Chief. Bereiten Sie alles vor."

Er erhob sich und warf Jacobs einen kurzen Blick zu.

"Sie haben die Brücke, Mister Jacobs."

Dieser nickte: "Aye, Captain."

 

"Ein kühner Plan, Christopher."

Admiral Franklin wiegte bedächtig den Kopf. Soeben hatte ihn Branford um die Erlaubnis gebeten, in die klingonische Heimatwelt fliegen zu dürfen, um mit Narek zu sprechen.

"Sir, ich habe große Hoffnung, daß mir es gelingt, Narek umzustimmen. Er hat mir dieses Versprechen gegeben. Er ist ein Klingone und wird es halten."

Franklin blickte Branford lange an. Dann sagte er: "Wir haben die Klingonen um Hilfe gemäß unserem Abkommen gebeten, Christopher. Aber sie haben uns ihren Beistand verwehrt. Glauben Sie, wenn Sie den Kanzler persönlich bei seiner Ehre packen, daß Sie damit mehr Erfolg haben?"

Branford zuckte mit den Schultern: "Ich weiß es nicht, Sir. Aber die Möglichkeit besteht. Die Chance ist größer, da er mir persönlich seine Hilfe zugesichert hat."

Eine Augenblick lang wußte er nicht, ob Franklin nicht doch den Plan als zu unsicher abtun würde. Immerhin riskierte er die Monarch, die dringend bei diesem Kampf gebraucht wurde.

"In Ordnung, Christopher. Fliegen Sie zur klingonischen Heimatwelt. Viel Erfolg."

Branford nickte: "Danke, Sir."

 

Die Turbolifttür öffnete sich und der Captain betrat wieder die Brücke. Seine Mission war nicht einfach, aber sie war die nach seiner Ansicht beste Chance, gegen das Dominion anzugehen.

"Wir verlassen den Orbit, Fähnrich Percano. Setzen Sie Kurs auf die klingonische Heimatwelt, Warp 7", befahl er knapp.

Der Steuermann gab die Daten ein und bestätigte: "Bereit, Captain."

"Beschleunigen Sie", sagte Branford mit einer Handbewegung.

Langsam ließ er sich in den Kommandosessel sinken.

Sandra Galen, die neben ihm saß, sah ihn fragend an. Doch sie wußte genau, er würde ihr jetzt im Moment keine Antwort geben. Auch wenn sie gute Freunde waren, er teilte es entweder allen Stabsoffizieren oder keinem mit.

"Lieutnant Talma?"

Beim Klang der Stimme seines Kommandanten horchte der Saurianer auf.

"Ja, Sir?" erwiderte er.

"Durch die besonderen Umstände, in denen wir uns befinden, ordne ich an, daß ab sofort die Protokolle für Verteidigungssituationen Stufe 3 gelten. Alle Besatzungsmitglieder haben ab sofort einen Phaser Typ II bei sich zu tragen. Die restlichen Maßnahmen wissen sie", ordnete er an. Dabei sprach er ruhig,fast mechanisch.Die Brückencrew schaute sich teils verwundert an.So kannten sie den Captain wirklich nicht.

"Aye,Sir." nickte der taktische Offizier.

Auch die Beraterin war überrascht.Sie wußte,was die mit "den restlichen Maßnahmen" gemeint war.Stufe 3 umfasste eine Abgrenzung innerhalb des Schiffes,Ausgangssperren und das Sperren bestimmter Bereiche.Dazu kam natürlich noch,das ab jetzt jedes Crewmitglied ständig einen Phaser bei sich haben mußte,um auf ein eventuelles Entern des Schiffes vorbereitet zu sein.

Sie selbst hasste Waffen.Von allen Offizieren war sie diejenige,die wann immer möglich,für ein friedliches Vorgehen eintrat.

"Lieutnant Jacobs,sie berufen eine Konferenz der leitenden Offiziere ein.In einer halben Stunde."

Der Einsatzoffizier bestätigte knapp,ohne sich umzudrehen:"Ja,Captain."

"Außerdem ständig Alarmstufe Gelb,Mister Talma." fügte Branford hinzu.

Die Antwort seines taktischen Offizieres bekam Branford gar nicht mehr mit.Er war schon in sein Datendisplay versunken,welches die Aufzeichnungen des letzten Kontaktes zwischen der Föderation und den Klingonen beinhaltete.

 

"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 55160,4, Captain Branford.
Wir haben die Grenze zum klingonischen Raum erreicht, ohne von den Schiffen des Dominion entdeckt worden zu sein.Ich bin gespannt,wie sich die Klingonen verhalten werden."

 

"Grenze in Sichtweite, Sir", meldete Jacobs.

Branford erhob sich langsam. Bald schon würden sie mit Grenzpatrouillen zusammentreffen, das war ihm klar. Nicht klar war indes, wie sich dieses Treffen entwickeln würde. Immerhin gingen die Klingonen davon aus, daß sämtliche Schiffe der Föderation von Formwandlern bevölkert waren. Würden sie gleich das Feuer eröffnen?

"Scannen Sie die Umgebung, Mister Talma", befahl er.

Nur ein kurzer Augenblick, dann hatte der taktische Offizier die Ergebnisse.

"Keine Schiffe in Sensorenreichweite, Captain", meldete er.

Er schüttelte den Kopf: "Und wenn schon. Sie könnten sich getarnt haben."

"Sicher, Sir", nickte Talma zustimmend.

"Wir überqueren die Grenze. Mister Percano, Kurs weiter auf die klingonische Heimatwelt, Warp 8. Und los", entschied der Captain.

Die Monarch nahm ihren Flug wieder auf und ließ die Grenze hinter sich.

Branford war besorgt. Wenn die Klingonen ihre Schiffe tarnten, dann hatten sich meistens vor, ohne viel Aufhebens anzugreifen.

 

"Tachyon-Spuren auf 227.044, Captain! Ein Schiff entarnt sich!" rief Jacobs.

Auf dem Sichtschirm erschien ein klingonischer Bird-of-Prey, eine Kampfkreuzerklasse. Er hatte sich direkt in der Flugbahn der Monarch enttarnt.

"Unter Warp gehen, voller Stop!" befahl Branford.

Talma berichtete: "Die Waffensysteme des Bird-of-Prey sind aktiviert, seine Schilde oben. Sie sind kampfbereit!"

"Roter Alarm, Schilde hoch", ordnete Branford ruhig an.

Die Brücke wurde in die dunkle Gefechtsbeleuchtung getaucht.

"Captain, sollten wir nicht die Waffen..." fragte Jacobs.

Branford hob die Hand, was ihn zum Verstummen brachte. Er duldete keinen Widerspruch, das wußte der Einsatzoffizier.

Aus den an den Flügeln angebrachten Disruptorkanonen blitzte es kurz, dann wurde die Monarch von den Geschossen frontal getroffen. Ein kurzes Vibrieren war zu spüren.

"Schadensbericht", forderte Branford.

Jacobs sah nicht besonders angespannt aus: "Schilde auf 95%, kein System beschädigt. Das war wohl nur ein Warnschuss, Sir."

"Öffnen Sie einen Kanal, Mister Jacobs", ordnete Branford an und stand auf.

Die Anzeige des Hauptbildschirmes wechselte und zeigte einen Klingonen, der aufgrund seiner Uniform wohl der Kommandant des Kreuzers war.

"Ich bin Captain Christopher Branford von der U.S.S. Monarch. Wir repräsentieren die letzten freien Menschen der ehemaligen Föderation der vereinten Planeten", begrüßte er sein Gegenüber.

Der Klingone nickte knapp, was Branford auch als Begrüßung auffasste.

"Ich bin Commander Talep von der I.K.C. Tartok. Was ist Ihr Anliegen, Mensch? Und warum soll ich glauben, daß Sie kein Wechselbalg sind?"

Branford hob beschwichtigend die Hände.

"Commander, ich kann mir denken, warum Sie mißtrauisch sind. Aber ich habe eine wichtige Mission. Ich muß den Führer des hohen Rates sprechen."

Talep fletschte seine Zähne: "Wenn Sie weiter in den klingonische Raum vordringen, dann werde ich Sie zerstören! Kehren Sie um!"

"Ich bitte Sie, Commander. Kann ich Sie nicht überzeugen, daß ich kein Wechselbalg bin?" fragte Branford.

"Ich glaube, dazu gibt es nur eine Möglichkeit, Captain. Sie kommen an Bord meines Schiffes, schalten Ihre Schilde ab. Ihre Waffensysteme bleiben deaktiviert. Hier an Bord werden wir dann testen, ob Sie ein Mensch sind", erwiderte der klingonische Kommandant entschlossen.

"Ich akzeptiere, Commander. Ich werde rüberbeamen", willigte Branford ein.

Talep nickte: "Wir erwarten Sie. Ende."

Der Bildschirm erlosch und zeigte wieder den Weltraum.

"Sir, ich halte das für keine gute Idee. Wir sind ohne Verteidigungsmöglichkeit, Sie sind in deren Gewalt", protestierte sein 1.Offizier.

Branford blickte Celine Parker an und lächelte knapp: "Nummer 1, wir haben keine andere Wahl. Glauben Sie, die Klingonen helfen uns, wenn wir uns den Weg zu ihrer Heimatwelt freikämpfen? Mit diesem Bird-of-Prey würden wir fertigwerden, keine Frage. Aber das ist keine Alternative."

"Ja, Captain. Passen Sie auf sich auf", nickte sie.

"Das werde ich. Sie übernehmen das Kommando, Nummer 1", sagte Branford und verließ die Brücke.

 

Als er Commander Talep Auge in Auge gegenüberstand, bemerkte er, daß er für einen kommandierenden Offizier noch reichlich jung war. Aber nichtdestotrotz, er hatte es in der Hand, ob die Mission erfolgreich sein würde.

"Nun, Commander. Wollen wir beginnen?" fragte Branford.

Talep erwiderte:"Sofort, wenn Sie es wünschen. Ihren Arm, Captain."

Branford krempelte seinen Ärmel hoch und bot seinen Arm Talep dar. Dieser setzte einen Autoinjektor an. Ein kurzes Ziehen, dann war es vorbei. Talep nahm den Injektor und sah sich das Blut aufmerksam an. Wäre Branford ein Formwandler gewesen, dann hätte sich das Blut nach kurzer Zeit verflüchtigt. Aber es war immer noch da, selbst als er den Injektor geschüttelt hatte.

"Sie sind ein Mensch,Captain. Wenigstens etwas", meinte Talep.

"Sie wollen also zu Narek, unserem Führer?"

Branford nickte: "So ist es."

"Gut, ich werde unsere Heimatwelt kontaktieren. Kehren Sie auf Ihr Schiff zurück, Sie werden Nachricht erhalten", beschloss der Klingone.

Es war wohl so, daß Branford der Forderung nachgeben mußte. Er tippte den Kommunikator an: "Branford an Monarch, eine Person zurückbeamen."

Der Transporterstrahl erfasste und entmateralisierte ihn.

 

"Captain, wir werden von dem Bird-of-Prey gerufen", meldete Jacobs.

Branford erhob sich aus dem Kommandosessel und nickte.

"Auf den Schirm, Mister Jacobs", befahl er.

Commander Taleps Gesicht erschien auf dem Hauptbildschirm.

"Captain Branford, der Führer des hohen Rates hat angeordnet, daß Sie passieren können. Sie werden sich auf direktem Wege zu unserer Heimatwelt begeben."

Die Stimme klang eisig. Irgendwie kam Branford es so vor, als würde Talep am liebsten das Feuer eröffnen.

Branford nickte nochmals ergeben: "Danke, Commander. Branford Ende."

Er blickte Commander Parker an, kein Wort brauchte er zu sagen.

"Mister Percano, Kurs wiederaufnehmen, Warp 8. Energie", sagte sie.

Der Captain überlegte kurz, dann fuhr er fort: "Sie haben die Brücke, Nummer 1. Ich bin im Bereitschaftsraum, wenn etwas ist."

 

"Computerlogbuch der Monarch, Sternzeit 55161,2, Captain Branford.
Nach weiteren 24 Stunden des Wartens haben wir die klingonische Heimatwelt erreicht. Mir ist es nicht ganz wohl bei meinem Anliegen, da ich nicht weiß, wie der Führer des hohen Rates reagieren wird."

 

Der dunkle Planet, der als die klingonische Heimatwelt bekannt war, erschien eigentlich immer bedrohlich. Branford hatte ihn schon zweimal besucht, aber dieses Gefühl der Bedrohung hatte er immer.

Fähnrich Percano hatte die Monarch in einen hohen Orbit um den Planeten manövriert. Auf dem Hauptbildschirm zeichneten sich zwei Kreuzer der Vor'cha-Klasse ab, die ebenfalls in einer Umlaufbahn den Planeten umkreisten.

"Was können Sie berichten, Mister Talma?" fragte Celine Parker, die im Kommandosessel saß.

"Die beiden Kreuzer verhalten sich ganz normal, Commander. Keine Transmissionen zu orten, die Waffen und Schilde sind deaktiviert."

Wie immer klang die Stimme des Saurianers ruhig und überlegt.

Sie aktivierte das Interkom-System. "Parker an Captain Branford."

 

Gerade eben hatte sich Branford eine Strategie zurechtgelegt, als ihn der Ruf seines 1. Offiziers erreichte.

"Sprechen Sie, Nummer 1", erwiderte er.

"Sir, wir haben die klingonische Heimatwelt erreicht", berichtete sie.

Branford stand auf: "Ich komme sofort. Branford Ende."

 

Schnellen Schrittes betrat Branford die Brücke. Parker erhob sich aus dem Kommandosessel.

"Keine Meldungen von der Oberfläche, Sir", ergänzte sie ihren Bericht.

Branford warf Jacobs einen kurzen Blick zu: "Rufen Sie den hohen Rat."

"Aye, Sir", nickte der Einsatzoffizier.

Ein kurzes Signal zeigte an, daß offenbar kein direkter Funkkontakt zustande kam.

"Sir, wir haben eine Textnachricht empfangen. Man erwartet sie."

Der Captain wandte sich an seine Stellvertreterin.

"Nummer 1, Sie übernehmen das Kommando. Ich beame runter."

Besorgnis machte sich in ihrem Gesicht breit.

"Captain, Sie gehen alleine runter?"

Er nickte knapp: "Ja, so ist es."

Eigentlich war es für Branford verwunderlich, daß sie nichts weiter sagte. In seiner bisherigen Laufbahn hatte er noch nie einen 1. Offizier gehabt, bei dem er so deutlich gespürt hatte, daß er oder sie besorgt um ihn war.

Er bat sie zur Seite und sprach leise, so,daß sie niemand hören konnte.

"Ich weiß, Sie machen sich Sorgen. Aber wir können es uns nicht erlauben, mit einem kompletten Außenteam runterzugehen. Ich gehe alleine."

Sie nickte nur, ohne etwas zu erwidern.

"Sie haben die Brücke", sagte er abschließend betrat den Turbolift.

 

Die Hallen des hohen Rates waren ein düsterer Ort, nur durch wenige Lichtquellen erhellt. Die hohen Säulenhallen, die dem hohen Rat als Herberge dienten, wurden nur sehr selten von Nicht-Klingonen betreten.

Branford sah sich um. Er war alleine in dem großen Saal. Hier hatte er vor einigen Jahren dem heutigen Führer des hohen Rates geholfen, auf diese Position erst zu kommen. Nun würde er den Gefallen einfordern müssen, den ihm Narek damals versprochen hatte.

"Captain Branford, willkommen in den Hallen des hohen Rates."

Diese Stimme klang für ihn vertraut. Es war die von Narek.

Er wandte sich um und erblickte ihn. Als Führer des hohen Rates trug er eine lange, schwarze Robe. An seinem Gürtel trug er das traditionelle Ritualmesser, das jedes Mitglied des hohen Rates bei sich hatte.

"Ich grüße Sie, ehrenwerter Narek", erwiderte Branford.

Langsam näherten sich die beiden einander. Erstaunt bemerkte Branford, daß Narek seinem Blick auswich. Ein ungewöhnliches Zeichen der Schwäche bei einem Klingonen, das wußte er.

"Was ist Ihr Anliegen, Captain?" fragte der Kanzler.

Branford antwortete: "Narek, ich komme zu Ihnen, um Sie und das klingonische Reich formell um Unterstützung gegen das Dominion zu bitten."

"Eine große Bitte, Captain." Narek wiegte bedächtig den Kopf.

Jetzt mußte Branford deutlicher werden.

"Narek, Sie haben mir damals versprochen, daß Sie mir helfen werden, wenn ich Ihre Hilfe brauche. Darüber hinaus hat das klingonische Reich einen Vertrag mit der Föderation geschlossen, in dem beide Seiten sich zugesichert haben, bei einem Angriff einander beizustehen."

Der Kanzler fletschte kurz die Zähne. "Dieser Vertrag ist vom hohen Rat aufgelöst worden, Captain. Außerdem: die Föderation ist nicht mehr existent, zumindest nicht in der Form, in der wir mit ihr den Vertrag geschlossen haben."

"Bei allem Respekt, Narek. Aber das ist Paragraphenreiterei. Ich bitte Sie um Ihre Unterstützung bei unserem Kampf um's Überleben. Ich vertrete die letzten freien Menschen, die auf Hilfe hoffen", versuchte es Branford erneut.

Der Kanzler schüttelte den Kopf: "Captain, wir haben einen Nichtangriffspakt mit dem Dominion geschlossen. Wir können Ihnen nicht helfen."

Der Captain senkte seine Stimme und blickte dem Klingonen fest in die Augen.

"Ist es für Sie nicht ehrenvoller, Ihren langjährigen Verbündeten im Kampf beizustehen? Und ist es nicht ehrenvoller,wenn Sie Ihr Versprechen halten?"

Der Klingone antwortete nicht. Er starrte ihn einfach nur an.

Branford nickte verbittert: "Gut, dann müssen wir diesen Kampf wohl alleine gewinnen. Gemeinsam hätten wir eine Chance gehabt, aber es wird wohl so gehen müssen."

Er tippte den Kommunikator an: "Branford an Monarch. Beamen Sie mich hoch."

Der Transporterstrahl erfasste ihn und er verschwand.

 

Die Augen der gesamten Brückencrew richteten sich auf Branford, als er die Brücke durch den vorderen Turbolift betrat. Langsam ging er auf den Kommandosessel zu und nahm Platz.

"Captain?" fragte Celine Parker.

Er schüttelte knapp den Kopf: "Narek hat abgelehnt, Nummer 1."

"Aber warum, Sir?" Die Frage von Jenny Waringthon klang verzweifelt.

"Die Klingonen haben einen Nichtangriffspakt mit dem Dominion geschlossen, Lieutnant. Leider halten sie sich auch daran", erwiderte Branford.

Die Crew wußte genau, das bedeutete, daß man die Flotte des Dominion nicht schlagen konnte. Die Fortführung des Partisanenkrieges waren die einzige mögliche Form des Widerstandes unter diesen Umständen.

"Steueroffizier, setzen Sie Kurs auf das Cottesmoore-System, Warp 7."

Waringthon führte den Befehl aus und bestätigte: "Eingegeben, Sir."

"Beschleunigen Sie", ordnete er an.

Kurz darauf war er in seinen Aufzeichnungen versunken und kein Mitglied der Brückencrew wagte es, weitere Fragen zu stellen.

 

Immer wieder fragte sich der Captain, ob es eine gute Idee gewesen war, hierher zu kommen. Aber er brauchte etwas Ablenkung, und die bot ihm sich am besten in dem von Jake Cassels geschaffenen Billard-Salon auf dem Holodeck. Hier war immer was los, zu Ende jeder Schicht.

Als er durch die Türe trat, schlug ihm schon der typische Geruch dieses Ortes entgegen. Er mochte es. Hier roch es nach altem Holz, aus dem die Bar erbaut wurde, zumindest im Original.

"Guten Abend, Captain."

Cassels hatte ihn als erstes gesehen und kam auf ihn zu.

"Guten Abend, Jake. Ich dachte mir, ich geselle mich etwas zu Ihnen."

Beinahe etwas unsicher blickte er sich um. Außer Cassels waren auch noch Jenny Waringthon und ihr Freund Luke McLure, Samuel Jacobs und Celine Parker da. Insgesamt gesehen all die Leute, mit denen er gerne zusammen war.

"Gewähren Sie uns die Ehre eines Spiels, Sir?" fragte Jacobs.

Er nickte erfreut: "Sicher, Samuel. Wer spielt mit wem?"

"Ich dachte, Sie würden vielleicht gerne mit Commander Parker spielen. Jenny und ich würden gerne gegen Sie beide antreten", bot er an.

"Gut, ich bin einverstanden", erwiderte Branford.

Celine Parker reichte Branford ein Queue. "Bitte, Sir."

"Danke, Nummer 1. Wollen Sie beginnen?" Branford sah sie aufmerksam an. Bis jetzt hatte er selten die Möglichkeit gehabt, außer Dienst mit seiner Stellvertreterin zu reden. Spontan entschloss er sich, dies jetzt nachzuholen.

Sie lächelte und strich eine Strähne ihrer schwarzen Haare aus ihrem Gesicht.

"Gerne", erwiderte sie.

Branford trat einige Schritte zurück, um den Billardtisch genauer zu beobachten.

Sie legte an und führte den Eröffnungsstoß durch. Sofort versenkte sie zwei der vollfarbigen Kugeln.

"Guter Stoß, Commander", nickte Jacobs anerkennend.

Celine warf ihm ein kurzes Lächeln zu, das wohl Steine zum Erweichen gebracht hätte. Jacobs wurde etwas rot, das konnte man sehen.

Schon des öfteren hatte der Captain beobachtet, wie Jacobs' bewundernde Blicke auf Celine Parker warf. Und er konnte es gut verstehen. Mit ihren kurzen, schwarzen Haaren und ihren tiefen, braunen Augen, gepaart mit ihrem tollen Gesicht war sie eine wirkliche umwerfende Frau.

"Warten Sie mal ab, Sam", meinte sie und führte den nächsten Stoß aus.

Wieder waren zwei Kugeln versenkt, sie blickte triumphierend drein.

Erneut blickte sie Jacobs an, diesmal war ihr Blick um einiges direkter.

"Wollen Sie nicht gleich aufgeben, Sam? Oder soll ich weiter machen?"

Jacobs schmunzelte und erwiderte: "Commander, ich glaube, Sie sind zu gut für mich. Aber ich habe ja noch Jenny."

"Hüten Sie sich vor Lieutnant Waringthon, Nummer 1. Sie ist eine wahre Expertin in Sachen Billard", meinte Branford.

Sie hob die Augenbrauen: "Danke für die Warnung, Sir."

 

Etwa eine Stunde später hatten Branford und seine Stellvertreterin ihr drittes Spiel gewonnen. Sie hatten sich zusammen mit Jacobs und Jenny Waringthon an einen Tisch gesetzt. Jacobs war so freundlich gewesen, für alle einen Drink zu bestellen.

"Auf Sie beide. Sie haben uns haushoch geschlagen", prostete Jacobs den beiden Siegern zu.

Celine Parker meinte: "Ihr Spiel war aber auch nicht schlecht, Sam. Sie hatten bloß Pech ab und an. Und Sie, Jenny, Sie haben wirklich ein sehr gutes Spiel gezeigt."

Branford hatte sich mit dem Reden zurückgehalten, weil er sich nicht gut fühlte. Es war gut, daß er mit seinen Offizieren zusammen war.

"Ich verabschiede mich. Gute Nacht", sagte Jenny und stand auf.

Sie verließ das Holodeck zusammen mit McLure.

Branford beobachtete Jacobs und Parker intensiv. Sie flirteten miteinander, das war mehr als offensichtlich. Da wollte er eigentlich nicht stören.

"Ich gehe zurück auf die Brücke. Gute Nacht", sagte er und stand auf.

Parker blickte ihn überrascht an: "Gute Nacht, Captain. Schlafen Sie gut."

 

Mittlerweile war eine weitere Stunde vergangen. Noch immer saßen Celine Parker und Samuel Jacobs zusammen an dem Tisch. Es waren schon alle anderen gegangen, sie waren alleine.

"Was haben Sie vor ihrer Zeit auf der Monarch gemacht?" wollte Jacobs wissen.

Sie nahm einen Schluck ihres Gin-Tonic.

"Ich war auf der Ruben James als Offizier der Stellarkartographie. Kein Kommandoposten, wie Sie vielleicht erwartet haben."

Er hob abwehrend die Hand: "Ich bitte Sie, das habe ich nicht gemeint."

"Was war Ihre Spezialgebiete auf der Akademie?" wollte sie nun wissen. Dabei legte sie den Kopf etwas schräg und blickte ihm in die Augen.

"Logistik, Einsatzplanung und Molekularbiologie."

Sie öffnete die Augen etwas weiter:"Ah, ich habe Exobiologie gehabt."

"Aber was mich interessiert..." fuhr sie fort.

Jacobs nickte:"Ja?"

"Wie lange dienen Sie schon unter Captain Branford?"

"Fünf Jahre. Zuerst auf der Exeter, später dann hier."

Verlegen machte er eine Pause, er wußte einfach nicht, was er in Gegenwart dieser tollen Frau sagen sollte. Jedes Wort, das ihm einfiel, fand er nicht passend.

"Hat es Ihnen die Sprache verschlagen, Sam?" Celines Stimme klang fordernd.

Er schüttelte den Kopf: "Nein, nein. Aber mit Ihnen hier zu sein, alleine, das macht mich doch etwas nervös."

Seine Augen nahmen Blickkontakt zu den ihren auf. Er nahm allen Mut zusammen und schob seine Hand hinüber, um die ihre zu berühren.

"Celine, ich finde Sie unglaublich bezaubernd. Ich wollte Ihnen das sagen, obwohl mir absolut flau im Magen ist", gestand er ihr leise.

Kurz schwieg sie, blickte ihn an, dann zog sie aprupt ihre Hand zurück.

"Es tut mir leid, Sam. Ich finde es sehr nett, was Sie gesagt haben. Aber ich kann nicht das tun, was Sie vermutlich gerne würden. Glauben Sie mir, ich mag Sie auch gern, Sam. Wirklich. Es tut mir leid", sagte sie leise und mit Bedauern.

Jacobs fühlte sich vor den Kopf gestoßen, versuchte aber, Haltung zu bewahren.

"Celine, ich habe mich in Sie verliebt. Glauben Sie mir", sprach er traurig.

Sie schüttelte leicht den Kopf: "Ich glaube Ihnen. Aber es geht nicht. Gute Nacht."

Dann verließ sie den Raum, in dem Jacobs geknickt zurückblieb.

 

Branford glaubte zu sehen, daß etwas Celine Parker schwer belastete. Er wollte sich nicht einmischen, aber er vermutete, daß etwas mit Lieutnant Jacobs vorgefallen war.

Auf der Brücke herrschte Normalbetrieb. In Kürze würden sie die klingonische Grenze erreichen. Im Inneren schmerzte es Branford, wenn er daran dachte, daß er Admiral Franklin das Scheitern der Mission berichten mußte.

"Wann sind wir an der Grenze, Mister Russ?" fragte er den 2.Einsatzoffizier, der im Moment Dienst tat.

Der junge Centaurer erwiderte knapp: "In 2 Stunden, 14 Minuten,Sir."

"Gut", meinte er nur.

Gerade wollte sich Branford dem Logbuch zuwenden, als der 2.taktische Offizier, Lieutnant Bishop, etwas Ungewöhnliches bemerkte.

"Captain, die Scanner erfassen eine Tachyon-Emission, direkt voraus."

Branford hob den Kopf: "Unter Warp gehen!"

"Sir, ein Schiff entarnt sich, direkt voraus!" rief Russ.

Rasch erhob sich der Kommandant.

Der Hauptbildschirm zeigte einen schweren Kreuzer der Vor'cha-Klasse, der etwa die gleiche Größe wie die Monarch hatte.

"Roter Alarm, Schilde hoch!" ordnete er an.

Die Gefechtsbeleuchtung wurde eingeschaltet, Bishop fuhr die Schilde hoch.

"Scannen Sie den Kreuzer, Lieutnant." Branford kniff die Augen zusammen.

Bishop schüttelte den Kopf: "Seine Schilde sind unten, die Waffen abgeschaltet."

"Wir werden gegrüßt, Sir", berichtete Fähnrich Russ.

Branford nickte: "Auf den Hauptschirm schalten."

Die Überraschung war groß, als Narek erschien. Damit hatte keiner gerechnet.

"Captain Branford, ich will Ihnen etwas mitteilen", sprach er.

Die einzige Erwiderung bestand aus einem knappen Nicken. Zu mehr war Branford nicht bereit.

"Ich habe mich entschlossen, Ihnen zu helfen. Die klingonische Flotte wird den Aufständischen zu Hilfe kommen. Sagen Sie nur wann und wo."

Diese Worte trafen Branford unvorbereitet. Er hatte nicht gedacht, daß der Klingone seine Meinung ändern würde.

"Ich danke Ihnen im Namen aller Menschen, Narek", entgegnete der Captain.

Narek sagte würdevoll: "Die Ehre erforderte es doch, Seite an Seite mit den Menschen in die Schlacht zu ziehen."

"Nochmals unseren ergebensten Dank, Kanzler. Branford Ende."

Die Anzeige wechselte und zeigte wieder den Weltraum an.

 

Branford hatte seine Schicht beendet und das Kommando an Lieutnant Talma übergeben. Nun saß er in seinem Quartier und las ein Buch über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, welches er von seinem Vater geschenkt bekommen hatte.

Kurz ließ er das Buch sinken und blickte zum Fenster hinaus, an dem die Sterne vorbeiglitten. Sie hatten erreicht, was sie gewollt hatten. Die Klingonen würden kommen, sie würden den Menschen helfen.

Der Klang des Türsummers holte ihn aus den Gedanken.

"Ja bitte?" rief er und legte das Buch weg.

Die Tür öffnete sich und Celine Parker betrat sein Quartier. Sie sah sehr verwirrt aus, wie er empfand.

"Entschuldigen Sie die Störung, Captain. Wenn es Ihnen nicht passt, kann ich ein anderes Mal wiederkommen", sagte sie leise.

Branford schüttelte den Kopf und deutete auf den Sessel, der ihm gegenüber stand.

"Nehmen Sie doch Platz. Möchten Sie was trinken?"

Langsam setzte sie sich und antwortete: "Einen Früchtetee, bitte."

Der Captain stand auf und ging zum Replikator.

"Computer, einen Früchtetee und eine kalte Tasse Schokolade", orderte er.

Er reichte ihr den Tee und nahm wieder Platz. Nach einem Schluck aus seiner Tasse überwand er sich und fragte: "Was haben Sie?"

"Sir, ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie überhaupt damit behelligen kann."

Ihre Stimme klang wenig selbstbewußt, so kannte man sie nicht.

Der Captain zuckte mit den Schultern, ziemlich hilflos kam er sich vor.

"Wenn Sie es mir sagen, dann weiß ich es zumindest."

Celine trank einen Schluck, blickte Branford an und sagte: "Es geht um eine sehr persönliche Sache, Sir. Lieutnant Jacobs hat mir gestern abend gestanden, daß er sich von mir angezogen fühlt. Nein..." Kurz stockte sie. "Nein, ehrlich gesagt, er hat gesagt, daß er sich in mich verliebt hat."

Branford war nicht sonderlich überrascht. Das mußte irgendwann mal kommen, vielleicht war es so etwas schnell, aber es war nicht ungewöhnlich.

"Ich freue mich für Sie. Samuel ist ein netter Kerl", gab er überlegt zur Antwort.

Sie wiegte den Kopf,sagte schließlich: "Aber ich habe ihm einen Korb gegeben, Captain."

"Wieso?" fragte er überrascht.

"Ich bin seine Vorgesetzte, der 1.Offizier dieses Schiffes. Ich fürchte, es könnte Auswirkungen auf meine Arbeit haben, Sir", erläuterte sie.

"Aber sagen Sie, warum kommen Sie dann zu mir? Ich glaube, Ihnen tut es leid, daß Sie Samuel weh getan haben", vermutete Branford.

Celine hob die Augenbrauen. "Sie haben mich erwischt, Sir. Es stimmt."

Kurze Zeit herrschte Schweigen zwischen dem Captain und seinem 1.Offizier, die sich jetzt eigentlich eher wie Freunde unterhielten.

"Wollen Sie einen Rat?" hakte Branford nach.

Sie nickte: "Ja, bitte."

"Celine, es ist absolut kein Problem, wenn Sie mit Lieutnant Jacobs eine Beziehung eingehen. Ich vertraue Ihnen voll. Sie werden nicht zulassen, daß diese Beziehung negativen Einfluss auf den Dienst hat. Wenn Sie es in Ihrem Herzen möchten, dann sagen Sie ja zu Samuel. Er vergöttert Sie, das war schon oft zu sehen."

Nun hatte er ihr ein Lächeln abgerungen.

"Ich danke Ihnen, Captain. Ich werde es mir überlegen", sagte sie und stand auf.

Branford nickte ihr zu: "Keine Ursache, Nummer 1. Gute Nacht."

"Gute Nacht", erwiderte sie und verließ das Quartier.

 

Samuel Jacobs saß an einem der einsameren Ecktische von "Zehn-Vorne". Er war alleine, und er wollte es auch so.

Das zumindest spürte Sandra Galen, als sie ihn sah. Schon während ihrer Schicht hatte sie gespürt, daß er etwas hatte. Sie wollte dem nachgehen, denn sie sah in ihm einen guten Freund.

"Darf ich mich zu Ihnen setzen, Sam?" fragte sie sanft.

Er blickte von seinem Drink auf und nickte: "Natürlich, bitte."

"Was ist mit Ihnen, Sam?" wollte sie direkt wissen.

Jacobs schüttelte den Kopf: "Sie sind wirklich unglaublich, Sandra."

"In welcher Weise?"

"Nun, Sie kommen ohne lange Umschweife sofort und brutal direkt zum Thema. Erstaunlich", stellte er fest.

Sie warf ihm ein Lächeln zu: "Nun, Sie kennen die Betazoiden. So sind wir."

"In Ordnung. Sie werden so oder so keine Ruhe geben." Er nahm einen Schluck, sah aus dem Fenster hinaus, setzte das Glas wieder ab.

"Es geht um Celine Parker. Gestern abend habe ich ihr gestanden, daß ich mich in sie verliebt habe. Aber sie hat mich abgewiesen", sagte er mit trauriger Stimme.

Sandra hatte sowas geahnt, wollte aber nicht in seinen Gedanken herumschnüffeln.

"Es tut mir leid, Sam. Aber noch ist nicht alles verloren."

Sein Blick erstarrte: "Wieso das?"

"Sie war vermutlich überrascht durch ihr Geständnis, Sam. Vielleicht ist auch ihr Problem, daß sie ihre Vorgesetzte ist. Lassen Sie ihr Zeit", riet sie ihm.

Jacobs meinte: "Vielleicht haben Sie recht, Sandra. Ich versuch's. Aber es tut mir leid, ich muß los. Mein Dienst beginnt gleich."

Er stand auf. Bevor er ging, legte er ihr noch kurz die Hand auf die Schulter.

"Danke für Ihre Hilfe, Sandra", sagte er leise.

Sie lächelte: "Dafür sind Freunde da, Sam."

 

Fähnrich Percano kontrollierte die Anzeigen und meldete: "Sir, wir überqueren in einer Minute die Grenze."

Samuel Jacobs,der das Kommando führte, nickte nur knapp.

Obwohl es Percano ungewöhnlich fand, daß der Lieutnant nichts erwiderte, zog er es vor, nichts weiter zu sagen. Jacobs war ohnehin schon schlecht gelaunt.

"Mister Bishop, können Sie irgendwelche Schiffe im Sensorenbereich orten?" fragte Jacobs den taktischen Offizier.

Der Angesprochene schüttelte den Kopf: "Nein, Lieutnant."

"Ständig Weitbereichsscans durchführen, Mister Bishop. Wir wollen keinerlei unangenehme Überaschungen erleben", ordnete er weiter an.

"Aye, Sir."

Die hintere Turbolifttür öffnete sich und Celine Parker betrat die Brücke. Sofort richtete Jacobs seinen Blick auf sie. Sie sah ihn nicht direkt an, aber er konnte förmlich spüren, daß ihr seine Anwesenheit unangenehm war.

Rasch erhob er sich.

"Commander, alle Systeme arbeiten normal. Wir haben soeben die Grenze überquert und halten Kurs auf das Cottesmoore-System", berichtete er.

Sie nickte: "Danke. Ich übernehme."

"Zu Befehl", entgegnete er emotionslos und verließ die Brücke.

Celine Parker sah ihm nach. Er war verletzt, das war klar. Aber jetzt gerade war sie nicht fähig, mit ihm ein klärendes Gespräch zu führen. Später würde sie ihn aufsuchen, dazu hatte sie sich durchgerungen.

Sie nahm im Kommandosessel Platz und nahm ihren Dienst auf.

 

Langsam ging Celine Parker durch die Korridore zu Jacobs' Quartier. Sie hatte sich viel überlegt, was sie ihm hätte sagen können. Aber schlußendlich kam sie zu der Erkenntnis, daß sie ganz offen sein würde.

Sie betätigte den Türsummer. Kurz dauerte es, dann öffnete sich die Türe des Quartiers.

Es war dunkel in dem Raum. Vorsichtig trat sie ein und sah sich um. Nirgend konnte sie Samuel entdecken.

"Sam?" sagte sie.

Aus einer Ecke hörte sie seine Stimme: "Was möchten Sie, Commander?"

"Mir wäre es erstmal lieb, wenn ich Sie sehen könnte", bat sie.

"Natürlich", meinte er. "Computer, normale Beleuchtung."

Das Licht im Raum ging an.

Sie richtete ihren Blick in die Ecke und sah ihn, wie er in einem Sessel saß.

"Also, ich habe Ihren Wunsch erfüllt. Was möchten Sie?" wiederholte er ärgerlich.

Celine ging zu ihm hin und nahm im Sessel gegenüber Platz. Sie sah ihm in die Augen und stellte erstaunt fest, daß sie leicht feucht waren.

"Sam, ich muß mit Ihnen sprechen." Sie schluckte leicht. "Es ist mir gestern schwergefallen, Sie abzuweisen."

Er schüttelte den Kopf: "Nein, das ist es Ihnen nicht. Sie wirkten sehr bestimmt."

"Denken Sie wirklich so? Glauben Sie mir bitte, es war nicht leicht."

Sie fuhr sich nervös durch die Haare.

"Warum haben Sie es dann getan, Commander?" wollte er wissen.

Sie warf ihm ein Lächeln zu: "Bitte, Sam. Warum reden Sie mich mit dem Rang an? Gestern war es anders."

"Da waren wir uns auch viel näher", stellte er trocken fest.

Sie nickte: "Ich stimme Ihnen zu. Aber um auf das zurückzukommen, was ich sagen wollte: Mir war nicht wohl bei der Tatsache, daß ich Ihre Vorgesetzte bin. Wenn wir wirklich zusammen wären und ich müsste Ihnen Befehle erteilen, wie kann ich das so einfach? Ich würde vielleicht ständig darüber nachdenken, welche Auswirkungen das auf uns haben würde."

Jacobs beugte sich vor: "Celine, ich würde trotz der Tatsache, daß wir zusammen wären, niemals ihre Befehle in Frage stellen oder diese persönlich nehmen."

"Das habe ich mir auch überlegt", meinte sie lächelnd.

"Eines frage ich mich aber im Moment."

Sie schaute ihn erstaunt an: "Was denn?"

"Wie sehen Ihre Gefühle für mich aus, Celine? Das ist viel wichtiger als alle praktischen Aspekte", fragte er leise.

Sie lächelte kurz, beugte sich vor und küsste ihn.

"Ich habe mich auch in dich verliebt, Sam. Und ich bin sehr glücklich darüber, daß Du deine Gefühle offengelegt hast. Ich weiß nicht, ob ich dazu so leicht fähig gewesen wäre", flüsterte sie.

Er erwiderte ihren Kuss und nahm ihre Hand.

"Es war nicht leicht, wirklich. Aber es war notwendig, denn ich hätte es nicht viel länger ausgehalten."

 
weiterlesen im nächsten Teil

 
Du bist der 1966. Leser dieser Geschichte.