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Serie
Vollmond
Sonnenstaub
Mittagshitze

 

Mittagshitze

© by Natascha/Norynia ()

 

Disclaimer: Tja, gute Frage, wem gehört was? Ich denke, es reicht, wenn ich hier sage, dass Weiß Kreuz nicht mir gehört *bg* Dennoch: Archivierung nur mit Erlaubnis des Autors. Me, myself and I!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)

 

Der Duft von Lilien steigt mir in die Nase, hoch zu Kopf. Nebelt mich ein, gepaart mit der Süße von Rosen, der Würze von Akazien und der Wärme von Sonnenblumen. In einem unsichtbaren Dunst, dampfgleich durch die drückende Hitze, die sich durch die Luft zieht und mich umgibt. Meine Bewegungen sind leicht, nahezu schwerelos, als ich wie in Trance an einem Strauß bastle, der sich unter meinen jungen Händen formt und zu voller Blüte gelangt. Die lauten Stimmen der Mädchen, wie das tiefe Schweigen von Aya und das leise Gemurmel von Ken, perlen an mir ab. Übrig bleibt nur der berauschende Duft unzähliger Leben, den ich schon immer so sehr geliebt habe, in solcher Intensität jedoch erst jetzt wahrnehme. Durch Erwiderung meiner tiefen, ehrlichen Liebe, die meine Träume in der Vergangenheit erfüllte und die endlich den entscheidenden Schritt in die Wirklichkeit gemacht hat. Nie wieder werde ich schöner träumen können, als mir diese Realität nun zu teil werden lässt, und das soll sich auch niemals mehr ändern. Lieber verzichte ich auf das Träumen als auf deine wahre Gestalt, die mich festhält und mit diesem Glück durchtränkt.

Dein Blick ruht auf mir, ich kann es spüren und fühle mich geborgen, wie noch nie in meinem Leben. Und selbst, wenn du deinen Blick mal abwendest, so weiß ich doch, dass er zurückkehren wird. Zu mir. Nur zu mir. Denn ich allein bin es, der ihn braucht, um nie wieder in Träume flüchten zu müssen, die diese Süße des Augenblicks nie mehr übertrumpfen könnten.

Hitze schießt durch meinen Körper, mein Finger zuckt und das warme Fleisch beginnt zu pochen. Ein kleiner, roter Tropfen dringt aus dem winzigen Schnitt, verschmilzt mit dem Dorn der Rose, auf den ich in meiner Glückseligkeit nicht Acht gab. Ich hebe meine Hand, führe sie automatisch zu meinem Mund, als du sie umfasst und meinen Finger gegen deine Lippen presst. Ein kühler Hauch deines Atems gleitet über die befleckte Haut. Jagt einen Schauer des Entzückens durch meinen Körper, als die feuchte Wärme deiner Zunge das Rot beseitigt und deine Lippen zu saugen beginnen. Röte schießt nun in meine Wangen und Erregung durch meine Glieder. Ich schelte mich innerlich dafür, solch ein Verlangen gerade jetzt - oder besser - gerade hier zu empfinden. Dabei müsste ich dies nur, wenn ich dieses Verlangen bei diesem Anblick nicht spüren würde. Deine schmalen, seidigweichen Lippen warm auf meinem Finger. Deine dunkelgrünen, smaragdgleichen Augen halbgeschlossen in meinem Blick. Dein dunkles, glänzendes Haar weich auf meiner Hand. Deine langen, schlanken Finger zärtlich um mein Handgelenk gelegt, ruhend auf der kleinen, blauen Ader voll mit Blut und wild pochend.

Ich spüre eine süße Qual. Hier sitzend, mit der schweren Aufgabe, mich zügeln zu müssen, um dir nicht um den Hals zu fallen. Mit Liebkosungen zu überschütten und Kenntnisse anzuwenden, wie sie mir nur leitende Gefühle und keine Schule der Welt übermitteln können. Eine Qual, süß nur mit dem Wissen, mein Verlangen zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort bald stillen zu können. Mich in deinen Zärtlichkeiten, Worten und Armen zu verlieren, und in denselben am Morgen zu erwachen. Ein Wunder, dass ich es so lange Zeit mit einer Fantasie aushielt, jetzt, wo ich weiß, dass die Realität alle Vorstellungen übertrifft.

So kurz dieser Augenblick auch gewesen sein mag, er schien mir endlos, als du dich wieder erhebst und mit einem stillen Lächeln abwendest. Die Mädchen sind so ruhig geworden, ich bemerke es erst jetzt, aber es ist mir egal. So egal wie ihre Blicke, die ich sehe, aber nicht spüre. Das noch tiefere Schweigen von Aya und das überraschte Gemurmel von Ken.

Wissen sie es? Sie müssen es tun, ich strahle es aus, wirke zu direkt und zeige es offen. Warum sollte ich auch nicht? Sie sollen es wissen, sie alle, und es in ihrem Gedächtnis wahren. Ich, der Junge, bin kein kleines Kind mehr, bin selbst ein Mann, auch wenn einige es vielleicht anders sehen mögen. Es ist mir egal. Und ich, dieser junge Mann, verliere mich in einer tiefen Liebe zu einem Mann, der nur zu mir gehört und ewig gehören wird. Das schönste Gefühl überhaut. Nicht zu definieren. Weder richtig noch falsch. Weder schwarz noch weiß. Gut oder böse. Es ist, wie es ist. Eine Medaille mag nur zwei Seiten haben, aber es gibt so viele Perspektiven, aus denen man sie betrachten kann. Pro und Contra sind arm und unwichtig, solange man glücklich ist. Das bin ich nun und du mit mir. Das sagt mir dein Herz, das sich geöffnet hat und von dem meinigen erkundet wird. Unsere Herzen, die sich gegenseitig erforschen und Gefühle teilen, die man nicht in Worte fassen kann.

Viele geblümte Worte, die eigentlich nur ein einziges Wort umschreiben. Das Gefühl, das ist und die ersehnte Freiheit erlangte. Liebe. Einfach nur Liebe. Heilmittel, Nahrung, Schutz, Stütze, Tiefe, Krankheit, Hunger, Schmerz und Leben. Liebe hat so viele Seiten, so viele Arten, und jede davon möchte ich erleben. Möchte es vollkommen machen, zusammen mit dir. Wir lieben für uns, aber auch unbewusst zum Trotz gegen jene Menschen, die meinen, dass wir das nicht mehr könnten. Lieben. Doch jeder kann es, selbst, wenn er nicht mehr daran glaubt, meint, sie für immer verloren zu haben und nie wieder erlangen zu können. Sie sollten es besser wissen. Liebe ist unsterblich und in jedem Geist aufrecht zu erhalten. Nur weil man sie nicht spürt oder spüren will, heißt das nicht, dass sie nicht da ist. Liebe ist überall. In jedem Herz zu Hause und nur so stark wie die Menschen, die es tragen.

Wieder durchdringt die drückende Süße der Blüten meine Gedanken und steigt mir zu Kopf. Beflügelt mich noch mehr. Mein Blick fällt auf die Uhr, dann auf deine schlanke Gestalt im Treppenaufgang. Unsere Schicht ist vorbei, und ich lege das letzte, befestigende Band um die grünen Stile der Blumen. Ich grenze sie ein, während ich in meiner neuen Freiheit aufblühe. Welch Ironie. Doch Ironie bestimmt das Leben, und ich lege den Strauß beiseite, um dir nach oben zu folgen. Jeden deiner Schritte mit meinen zu paaren und die Schwelle des hellen Zimmers zu überschreiten, in dem mein Traum zur Wirklichkeit wurde. Mein Hals wirkt trocken, meine Lippen heiß. Sonne lacht durchs Fenster, wird gedämpft durch die dunkelblauen Vorhänge, die deine Hände vorziehen. Blasse Dunkelheit erfüllt das Zimmer, jedoch freundlich und einladend. Wie die Zeit verfliegt mit Hilfe weniger, jedoch wichtiger Gedanken, wie ich finde. Viele Minuten wurden mir in Sekunden gestohlen, dafür möchte ich sie in der Zeit mit dir doppelt und dreifach zurück. Ich habe ein Recht darauf. Ein Recht darauf, glücklich zu sein, und dieses endlose, vollkommene Glück finde ich nur in deiner Gegenwart, wenn ich sie genießen kann, wie ich es will, und wenn ich spüre, auch deine Bedürfnisse damit zu decken. Vor nur wenigen Stunden hat sich mein Sein auf so wunderbare Weise verändert. Mir kommt es vor wie ein ganzes, glückliches Leben, das kein Ende findet.

  Und wie in jener Vollmondnacht gleiten deine Hände über meinen Körper, suchen Finger nach nackter Haut. Dieses Mal begleitet von einem zu stillendem Fieber, das keine Vorsicht zulässt und baldige Befriedigung verlangt. Doch diese werden wir nicht gewähren, das Fieber hinauszögern, bis es uns wahnsinnig macht und in die Höhe katapultiert, auf dass wir niemals zurück zur Erde finden mögen. Schmetterlingsküsse wie am Morgen versuchen scheinbar meine glühenden Wangen zu kühlen, treiben das Feuer jedoch noch weiter voran, in elektrischen Bahnen durch meinen willigen Körper, der sich gegen deinen presst. Die ersten Seufzer der Genugtuung stehlen sich aus meinem Mund, dabei habe ich noch lange nicht genug, werde niemals genug von dir bekommen. Ich greife nach deiner Hand und lege sie in meinen warmen Schoß, treibe deine schlanken Finger an, wieder für mich zu tanzen und mich in neue Bereiche der Wahrnehmung zu führen, während ich die ersten Schweißperlen von deiner blassen Schulter lecke. Dieser Geschmack, er macht mich verrückt. Verrückt nach dir. Verrückt durch mein Verlangen, Gefangener meiner Selbst. Oh, sollte dies wirklich eine Krankheit sein, wie böse Zungen behaupten, so ist sie wie ein Segen, nach dem ich verlange und ohne den ich vergehe. Macht daraus eine Epidemie, eine Seuche, die mich ständig befällt, so dass ich niemals Angst haben muss, davon geheilt zu werden.

 
Ende

 
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