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Für immer© by Aphelion ()
"Johnny hat seine Unschuld verloren!" Gelächter, Gejohle und anerkennende Pfiffe folgen meiner Ankündigung. "Und wo ist der neugebackene Surfmeister?" "Ja, Bodey, wo hast du ihn gelassen?" Tyler sieht mich fragend an und ich zucke mit den Schultern. Als sie mich weiterhin unverwandt anstarrt, gebe ich nach. "Okay, schon gut, ich such' ihn." Ich stapfe in die Nacht hinaus.
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Der Mond glitzert über den sanften Wellen, während ich lautlos zu dir hinauspaddle. Weißt du eigentlich, wie schön du bist? Ätherisch beinahe in diesem Moment. Wir sind alleine auf der Welt, nur du und ich. Als mein Board sacht gegen deines stößt, lächelst du mir zu. Mein Mund wird trocken. "Das war... unglaublich," sagst du leise, immer noch gefangen im überwältigenden Erlebnis des Nachtsurfens. Ich schweige, lasse stattdessen meinen Blick über deinen Körper gleiten. Die Muskeln, die durch das silbrige Licht reliefartig hervorgehoben werden, die samtene Haut, auf der sich die Wassertropfen festkrallen, nicht loslassen wollen... Ich kann sie verstehen. Deine dunklen Augen mustern mich, ich bin mir sicher, dass du ahnst, was in mir vorgeht. Hundertprozent. Wir sind uns immerhin ähnlich, auf eine gewisse Weise. Ohne meinen Blick von deinem Gesicht zu nehmen, lege ich beide Hände auf deinen linken Oberschenkel. "Du hast eine Gänsehaut," murmle ich. Meine Stimme ist kurz vor dem Versagen. Keine Antwort von dir, ich kann die Gedanken förmlich sehen, die dich gerade bestürmen. Will er wirklich? Bilde ich mir das ein? Will ich...? Oh ja, Johnny, du willst. Das habe ich von Anfang an gesehen. Wie von selbst driften unsere Bretter näher zusammen, neigen sich unsere Oberkörper zueinander. Ich habe es bereits im ersten Moment gesehen, es lag in deinen Augen. Die Sehnsucht, die Faszination, die Suche. Und jetzt hast du mich gefunden. Unser erster Kuss... zart, aber nur für kurze Zeit. Du kannst dich nicht lange beherrschen, und mir geht es genauso. Die Hitze, die uns durchfährt, lässt das kalte Wasser vergessen, doch wir wissen beide, dass wir die Sache nur am Strand fortsetzen können. Also trennen wir uns und paddeln zurück. Beide wortlos. Beide lächelnd. Am Strand angekommen fallen wir übereinander her, wie zwei ausgehungerte Wölfe. Und ausgehungert bin ich, ja. Hungrig nach deinen verlangenden Lippen, hungrig nach deiner salzigen Haut, hungrig nach deinem hitzigen Stöhnen. Viel zu schnell kommen wir beide das erste Mal, und lachend kugeln wir durch den Sand. Befreit. Glücklich. Beim zweiten Mal lassen wir uns mehr Zeit und diesmal raube ich tatsächlich deine Jungfräulichkeit. Du liegst auf dem Rücken, die schlanken Beine über meine Schultern gelegt. Unsere Hände haben sich gefunden, sich ineinander verkrallt. Und in einem endlosen, uralten Rhythmus bewege ich dich, bringe ich deinen Körper zum Singen, wie ein kostbares Instrument. So muss das Paradies sein. Wellen, Sand und du. Wir. Du versuchst, eine Hand aus dem Griff zu ziehen, doch ich bin schneller. Meine Finger schließen sich fest um dein heißes Glied, massieren, necken, liebkosen. Und dann lässt du dich endlich fallen. So, wie es sein soll. Immer. Die einzig wahre Art, zu leben. Die Hingabe, der Augenblick. Die Ewigkeit. Ich beuge mich vor. Mein Atem vermischt sich mit dem deinen, schwere Süße in deinen Augen gepaart mit erregendem Salz auf deinen Lippen. Der Ritt dauert endlos, kommt mir vor, und ich liebe es. Nie soll sie enden, diese Perfektion, diese Verschmelzung zweier seelenverwandter Geister. Doch irgendwann... sehe ich ein, dass es auch hier keine Endlosigkeit gibt. Deine Finger krallen sich fest, in meine Hand, in meinen Rücken. Dein Keuchen macht dem ewigen Lied des Meeres Konkurrenz, und ich schließe mich dir an, lasse nun auch jegliche Hemmung fallen. Komm', jagen wir gemeinsam der Welle entgegen, lass sie uns gemeinsam einfangen! Auf ihr reiten, von ihr verschlungen werden.... Dein Schrei ist wie ein lange vergessener Laut aus meinen tiefsten Träumen, kaum zu erkennen, ob du aus Lust oder aus Schmerz schreist. Aber soviel Kraft steckt in diesem letzten Aufbäumen, soviel Wildheit, dass ich weiß, dass ich verloren habe. Mich. In dir. Als wir kraftlos ineinandersinken, erkenne ich, dass ich dich nicht mehr gehen lassen möchte. Nie mehr. Ich habe dich gefunden, dich, meinen Spiegel, meine Seele. Meine Welle. Und glücklich schlafe ich neben dir ein.
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"FBI - Keine Bewegung!" Der Schock, der meine Glieder durchfährt, hat nichts mit diesen Worten zu tun. Nein. Es ist die Stimme, die die Worte ruft. Selbst durch die Maske erkenne ich sie. Die Waffe in der einen, den Autotürgriff in der anderen Hand drehe ich mich um, und meine Befürchtung wird bestätigt. Du. Mit einer Pistole. "Ich knall ihn ab!" Augenblicklich stoße ich meinen Kumpel zur Seite. "Nein!" Nein. Nicht töten. Nicht dich töten. Wir fahren los, mit rauchenden Reifen. Mein Verstand versucht immer noch zu verarbeiten, was gerade passiert ist. Kein Anwalt. Ein Cop. Du hast mich belogen. Wir kommen zu einer Tankstelle und die Jungs schnappen sich die Beute. Ein armer Schlucker muss herhalten, als wir seinen Wagen klauen. Du hast mich wirklich belogen. Wut kommt in mir hoch, und zornig ergreife ich den Benzinschlauch, entzünde den Treibstoff. Die Flamme gleicht meinem Inneren, lodernd, aufbäumend, und ich beginne damit, den Fluchtwagen zu verbrennen. Doch die Wut dauert nicht lange, sie war nur ein kurzes Aufflackern verletzten Stolzes. Eigentlich imponierst du mir, Johnny. Ich wusste ja, in dir steckt mehr, aber *das* hier eröffnet ganz neue Dimensionen.... Plötzlich höre ich einen Schuss, nehme aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Sofort lasse ich den Schlauch fallen und laufe los. Und du folgst mir. Nach kurzer Zeit haben wir die lebhaften Straßen verlassen. Du rennst wenige Schritte hinter mir her, lautlos. Beide sind wir lautlos, sprinten, laufen durch enge Gassen, durch Hinterhöfe. Du jagst mich, und ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich es irgendwie... verflucht erregend finde. Mein Johnny... ein Cop. Aber was für einer! Hunde bellen aufgebracht, Menschen schreien, doch ich höre nur deinen Atem, dein Keuchen, das immer dichter an mich herankommt, mich erinnert... in jener Nacht hast du auch gekeucht. Beinahe so wie jetzt. Ich springe eine Böschung hinunter und als du mir folgst, höre ich dich fallen. Den Zaun vor mir erklimme ich mit einem Schwung. "Stehen bleiben, oder ich schieße!" Ich erstarre augenblicklich, dann drehe mich ruckartig um. Du liegst am Boden, gestürzt, das Bein verletzt, aber deine Hände halten die Pistole. Und ihre Mündung zielt auf mich. Die Sekunden verrinnen immer langsamer, tropfen, bis die Zeit schließlich still steht. Unsere Blicke haben sich ineinander festgehängt. Weißt du, dass ich es bin? Sicher, es muss so sein. Ich sollte enttäuscht sein. Aber ich bin es nicht. Noch nicht. Deine Miene zeigt den Kampf, den du austrägst, das sehe ich sogar von hier aus. Auf die Entfernung ist es nicht sicher, ob du mich nicht tödlich triffst, wenn du schießt. Ich weiß das. Du weißt das. Und dann... dann lässt du die Waffe etwas sinken, und uns ist beiden klar, dass du es nicht tun kannst. Noch während ich über den Zaun springe und wegrenne, höre ich deinen frustrierten Heuler, die Schüsse, die du ins Leere knallst. Du hast mich nicht enttäuscht.
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Wir fallen. Tief blauer Himmel umfängt uns, deine adrenalingeputschten Jubelschreie verklingen in der schneidenden Luft. Fallschirmspringen. Der ultimative Kick. Das ist meine Welt, Johnny. Und es kann auch zu deiner werden. Willst du es nicht auch zu deiner Welt machen? Wir fassen uns alle bei den Händen, bilden einen Kreis im Sprung. Dieser Moment.... er ist perfekt. Die Ewigkeit gehört uns in diesem Moment, wird uns nie mehr verlassen. Die anderen haben bereits ihre Schirme geöffnet, nur wir beide fallen noch, gemeinsam. Wir klammern uns aneinander, keiner will loslassen, keiner will zuerst an der Leine ziehen. Dann nehme ich dir die Entscheidung ab, und öffne deinen Fallschirm. Du hast den Test bestanden, Johnny. Den letzten der vielen Tests, die ich dich habe machen lassen. Immer ohne dein Wissen. Jetzt liegt es an dir, zu entscheiden. Noch haben wir das Versteckspiel nicht aufgegeben, noch tänzeln wir umeinander herum. Keiner spricht aus, was ausgesprochen werden muss. Doch nun ist es soweit. Nun ist der Augenblick der Wahrheit gekommen. Nachdem wir gelandet sind, führe ich dich zum Truck, und öffne die Tür zum Laderaum. Zögernd steigst du ein. Vertraust du mir noch, Johnny? Nein, vermutlich nicht. Aber tief in dir, ist dieser winzige Teil, der unerschütterlich und felsenfest an mich glaubt. Du kannst machen, was du willst. Es wird nichts an dieser Tatsache ändern, dass dein Herz an mich glaubt, wo dein Verstand sich weigert. Ich weiß das. Mir geht es nämlich genauso. Dein Blick fällt auf den kleinen Monitor. "Was ist das?" Ich liebe es, wenn du unsicher bist. Wenn du nicht weißt, was du zu erwarten hast. Du versteckst dich hinter deinen Anzügen, hinter deiner Waffe, aber du bist erst fünfundzwanzig, Johnny. Und du hast *keine* Ahnung vom wirklichen Leben. "Das ist eine Versicherungspolice. Es wird ein wenig weh tun, aber es macht dich um eine Erfahrung reicher." Verwirrt und etwas misstrauisch drückst du auf den Knopf, und das Video wird abgespielt. Ich spüre, wie jeder Muskel in deinem Körper anspannt, als du sie erkennst, ihre Lage. Tylor hat sich gewehrt, als wir sie gefesselt haben. Aber wir brauchten leider eine Geisel. "Sie ist eine kleine Wildkatze, nicht wahr Special Agent Utah?" Ich lächle dir zu, während sich mein Innerstes verknotet. Da - nun habe ich es also gesagt. Der Schock steht dir ins Gesicht geschrieben. Ihretwegen und auch meinetwegen. Unseretwegen. Ich weiß, dass du sie magst. Du stehst zwischen uns, zwischen ihr und mir. Und ich konnte noch nie wirklich gut verlieren, Johnny. Voller Wut rammst du mich gegen die Innenwand des Trucks, dein energiegeladener Körper presst sich hart gegen mich, in einem verzweifelten Versuch, mich zu brechen. Aber du weißt, dass es eigentlich etwas anderes ist, nicht wahr? Ja, du weißt es, denn nachdem du mich ein paar Mal gegen das aufgeheizte Metall gestoßen hast, lässt du mich los. Frustriert. Aber nicht besiegt. "Wir sind Partner, Johnny. Wir beide haben das selbe Ziel." Ich betrachte dich. Dir ist klar, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, wenn du sie retten willst. "Wir verschwenden kostbare Zeit." Als hättest du meine Gedanken gelesen. Deine Stimme klingt erstaunlich beherrscht. Kühl. Und so verdammt sexy. Ich muss plötzlich lachen. Siehst du es nicht? Wir passen perfekt zueinander, mein Geist und dein Körper. Meine abgehobenen Träumereien und deine nüchterne Realität. Du bist wie ein kühler Bach in der Hitze meiner Wüste. "Das ist genau das, was ich an dir liebe, Johnny. Du bist scharf wie eine Rasierklinge."
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Ich sehe dich bereits aus der Entfernung kommen, während wir das kleine Flugzeug beladen. Johnny... Ein Teil von mir ärgert sich, dass du nicht erkennst, wann Schluss ist. Aber ein anderer, größerer Teil ist erleichtert, dass du den Weg zu mir gefunden hast. Wenn auch nicht aus den Gründen, die ich gerne hätte. "Ich bin unbewaffnet!" Du hebst deine Arme, lässt uns demonstrativ deinen nackten Oberkörper sehen, bevor du das Shirt wieder herunterziehst. Ich betrachte dich mit unbewegter Miene. "Aber du bist nicht allein." Du schnaubst. "Natürlich nicht." Es ist dein Partner, der hier ist, ich bin mir sicher. Du klingst ein wenig spöttisch, als du weiterredest. "In diesem Moment ist eine Waffe auf deinen Kopf gerichtet. Dein ewiger Trip ist zu Ende, Bodey. Es ist aus." Ich lache. Junge, du hast ja keine Ahnung. Deine schmalen dunklen Augen betrachten mich. "Sie werden dich jagen, egal wo du hingehst. Ich kenne dich Bodey, auch wenn du in der Falle bist, du wirst sie zwingen dich zu töten." Schließlich habe ich meine Sachen verstaut, und antworte dir. "So ist es, Bruder." Ja, so ist es. Eher würde ich sterben, als mich einsperren zu lassen. Meine Antwort gefällt dir nicht, das sehe ich. "Sag mir, wo Tyler ist!" Noch bevor ich zu Wort komme, sehe ich deinen Partner. Er rennt auf mich zu. Er zielt auf mich. Du drehst dich um, und als du realisierst, was los ist, läuft plötzlich alles in Zeitlupe ab. "Angelo nicht schießen!" Ohne zu überlegen wirfst du dich zwischen uns, stellst dich vor mich, und breitest deine Arme aus. Beschüzt mich. In diesem Moment ist mir klar, dass wir einander nicht mehr verletzen können. Ich könnte dich nicht töten - niemals, und du kannst mich auch nicht sterben sehen. Ein Pech, dass wir beide solche Sturschädel sind. Keiner will seine Ideale opfern. Dein Partner ruft dir zu, aus der Schusslinie zu gehen, doch du bleibst. Und plötzlich bricht die Hölle los. Schüsse fallen, Schreie wehen über das Rollfeld, und dann herrscht Stille. Du stürzt zu deinem Partner, sinkst neben ihm auf die Knie. Siehst ihn sterben. Starrst ihn ungläubig an. Langsam gehe ich zu dir, traurig. Warum hatte es so kommen müssen? Alles, was ich gewollt habe, war Freundschaft, warst du. Wo sind die Wellen, wo ist unser Strand? Unsere Nähe...? "Steh' auf, mein Freund." Meine Stimme verrät nichts von der Leere in mir, der Trauer. "Wir werden dieses Ding durchziehen, du und ich bis zum bitterten Ende. Also steh' auf." Du antwortest nicht, lässt dich mitziehen, den Blick immer noch auf deinen toten Partner geheftet. Und ich weiß, dass die Chancen für uns beide, sollten sie jemals existiert haben, unter den Nullpunkt gesunken sind.
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Du siehst mich wütend an, dein Zorn ist beinahe greifbar. Und trotzdem musst du dich zurückhalten, hier über den Wolken, in der kleinen Chartermaschine. "Sie hat doch ihren Zweck erfüllt, lass sie gehen, verdammt noch mal! Was ist, wenn dein Fallschirm nicht öffnet?" Ich grinse dich an, wittere die Freiheit. Nicht mehr lange... "Ich weiß, es ist hart für dich Johnny, dein Hass ist so groß, dass du mich in Stücke reißen möchtest. Aber daraus wird leider nichts werden." Noch während ich abspringe, höre ich deinen gebrüllten Fluch. Dann falle ich. Es ist vorbei. Ich habe verloren. Der Fallwind zerrt an meiner Kleidung, an meiner Haut, doch ich spüre nichts. Johnny... Plötzlich stößt etwas gegen mich und mit absolutem Horror sehe ich dich neben mir fallen. Ohne Schirm. Du bist mir einfach nachgesprungen. "Zum Teufel, du bist wahnsinnig??" Du klammerst dich an mir fest und fuchtelst mit einer Waffe an meinem Arm herum. "Zieh die verdammte Reißleine!" Ich schüttle innerlich den Kopf, ungläubig und glücklich lachend zugleich. Johnny, Johnny, hast du mich immer noch nicht kennengelernt? "Nein, du wirst sie ziehen, aber du musst leider die Waffe fallen lassen!" Der Gedanke schmeckt dir nicht, dafür muss ich dir nicht erst ins Gesicht sehen. "Ich jage dir eine Kugel in den Kopf!" Statt einer Antwort auf deine Drohung beginne ich zu zählen. "5" Du weißt für einen Moment nicht, worauf ich hinaus will, dann ist es dir klar. "4" Der Boden rast auf uns zu. "3" "Scheiße, Bodey, zieh an der verdammten Leine!" "2" "FUCK!!" "1" "Scheiße, wir gehen beide drauf!" Du verlierst die Nerven und lässt die Pistole fallen. Hastig fummelst du an mir herum, dann findest du die Leine. Wir landen hart, kreuz und quer übereinander, vom Fallschirm zugedeckt. Ich lache hysterisch, kann mich kaum fangen. "Verdammt noch mal, was bist du für ein ausgeflippter Drecksack!" Du schweigst nur, und rappelst dich auf. Dann werde ich ernst. "Ich verschwinde, Johnny." Wie auf Komando stürzt du dich auf mich, doch dein verletztes Bein lässt dich aufstöhnend zusammensinken. Ich bin hin und hergerissen, will dich mitnehmen, muss dich zurücklassen.... ich flüchte mich in meinen heißgeliebten Sarkasmus. "Dein Knie, hä? So ein Pech, Johnnylein. Sieht aus, als kriegst du mich diesmal wieder nicht." Ich dreh mich um und rufe das Kommando für Tylers Freilassung. Sie hastet an mir vorbei, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Direkt in deine Arme. Während ich zum Wagen gehe, weiß ich, dass ich nun definitiv verloren habe. Du hältst sie fest, so, wie du mich festgehalten hast. Damals. Für so schrecklich kurze Zeit. Ich schlucke die aufkeimenden Gefühle hinunter und schwinge mich in den Jeep. Das Leben geht weiter, c'est la vie. Nur die Freiheit zählt, der Geist. Die Welle. Wie um mir selbst zu bestätigen, dass ich kein Problem damit habe, dich zu verlassen, drehe ich mich im Beifahrersitz um. Der Jeep rumpelt über den ausgetrockneten Wüstenboden, deine Gestalt wird kleiner. Und spontan gebe ich nach, winke dir zu und rufe: "Mach's gut Johnny! Wir sehen uns dann im nächsten Leben!"
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[Ein Jahr später]
Der Jahrhundertsturm rückt näher, die Wellen schlagen so hoch, wie in meinen Träumen. Nur diesmal ist es real. Ich stehe am Strand. Alle anderen verlassen die Gegend fluchtartig, aber ich bleibe. Darauf habe ich gewartet. Darauf, und... Die Reagan-Maske landet zu meinen Füßen. Ja, genau. Darauf auch. Es ist soweit. "Na, hast du irgendwas verloren?" Deine kühle, etwas spöttische Stimme übertönt mühelos den Sturm. Oh, wie habe ich diesen Klang vermisst! Ich lächle, ich kann nicht anders. Ich bin froh, dich wieder zu sehen. Deine Haare sind länger, nicht mehr gefangen in Gel. Jeans, Jacke. Gefällt mir, dein neuer Stil. Freier. Lebendiger. Du redest, zählst auf, wo du mich überall um Haaresbreite verpasst hast, wohin du mir überall gefolgt bist. Aber ich höre nicht richtig zu. Dein wunderschönes Gesicht, deine funkelnden schwarzen Augen, deine lebhaften Gesten.... mein Herz wird in seltsam schmerzender Erinnerung an jene eine Nacht eingefangen. Wie sehr möchte ich die Zeit zurückdrehen und für jenen Augenblick damals anhalten... dich lieben... endlos... Ich reiße mich zusammen und unterbreche dich. "Surfst du eigentlich noch?" Deine Antwort kommt ohne zu Zögern und deine Stimme wird leiser. "Jeden Tag," sagst du sanft. Jeden Tag. Ich schlucke, denn mir ist bewusst, was das bedeutet. Es ist genauso, wie bei mir. Jedesmal, jeden Tag wenn ich surfe, denke ich an dich. An unsere unwirklich perfekte Nacht. Wir sehen uns an. Für einen winzigen Bruchteil der Ewigkeit hängen unsere Seelen schwerelos im Raum, ineinander verschlungen, ihr Innerstes miteinander teilend. Dann scheinst du dich zu besinnen. Immer noch ein braver Cop, nicht wahr? "Komm' jetzt, Bodey, wir müssen gehen." Du weißt, dass ich nicht mitgehen werde. Du weißt, dass du mich mit Gewalt wirst wegschleppen müssen. Und obwohl ich Gewalt verabscheue, werde ich es dir diesmal nicht leicht machen. Mein Leben hänget von der kommenden Welle ab, meine Seele, und mit aller Kraft stemme ich mich gegen deinen Griff. Wir landen im feuchten Sand, der Regen peitscht in unsere Gesichter. Dann plötzlich spüre ich etwas an meiner Hand. Fassungslos hebe ich den Arm und sehe, dass du dich an mich gekettet hast. "Nein." Das darf doch nicht... "NEIN!" Den Hubschrauber, der hinter den Klippen auftaucht, nehme ich gar nicht richtig wahr. Ich sehe nur dich, flehe dich an. "Ich will nicht in so einem stinkenden Loch eingehen, Johnny, das mach' ich nicht!" Ich muss brüllen, um den Sturm zu übertönen. "Bedaure Junge, daran hättest du früher denken können. Du gehst in den Knast." Geschockt starre ich dich an. Das kann doch nicht alles sein! So kann es doch nicht enden, oder? *Das* war es, was du wolltest, all die Zeit? Nur das? Nein, ich kann nicht glauben, dass ich mich so in dir getäuscht habe. "Okay, mein Freund, du hast mich an der Kette." Meine Stimme verrät meine Gefühle, zeigt, wie verraten ich mir vorkomme. "Ich wandere in den Knast und Johnny Utah hat es erreicht. Gut gemacht." Ein letzter Versuch. Nur einen Versuch habe ich noch, das ist mir klar. "Aber sieh es dir an Johnny, sieh dir diese Wellen an. Lass mich da rausgehen, nur eine einzige Welle! Was denkst du, dass ich nach Neuseeland paddle?" Du folgst meinem Blick hinaus auf das tobende Meer. Dein Schweigen verrät dich, Johnny. Du verstehst mich. "Nur eine Welle!" Ich hebe meinen Arm und halte unsere Hände hoch, deute auf das kalte Metall, das uns verbindet. "Komm schon!" Ich weiß, ich werde nirgendwo mehr hingehen, wenn ich da rausschwimme. Ich weiß es, und du weißt es auch. Deine Augen zeigen es. Langsam ziehst du den Schlüssel hervor, öffnest die Handschellen. Es fällt dir schwer, aber dir ist klar, dass es keinen anderen Weg mehr für uns gibt. Keinen Neuanfang, kein perfektes Ende. Nur noch die Ewigkeit. Ich würde dich so gerne umarmen, ein letztes Mal. Aber vielleicht überlegst du es dir doch noch anders. "Vaya con dios. Adios." Deine Worte begleiten mich auf meinem Weg in die Wellen. Ja, ich werde mit allen Göttern und mit allen Dämonen dieser Erde untergehen, und es wird ein glorreicher Untergang werden! Das aufgewühlte Wasser umsprudelt mich, zieht mich immer weiter hinaus. Dann sehe ich sie. Sie ist ungeheuer groß, machtvoll, majestätisch. Sie ist es. Die Welle meines Lebens. Ich springe auf. Mein Board kennt mich, es wird mit mir diesen letzten Ritt bestreiten. Ja, dies ist der Moment. Der einzige Moment. Dafür habe ich gelebt. Dafür... und... Als die Welle über mir zusammenschlägt, gelten meine letzten Gedanken dir. Ich weiß, schlussendlich habe ich gewonnen. Du hast dein Leben aufgegeben. Mir zuliebe. Und du hast ein neues Leben begonnen, auch mir zuliebe. Ich war dein Zentrum, das gesamte letzte Jahr, und ich werde dein Wegweiser für die Zukunft sein. Ich werde immer bei dir sein, Johnny. Immer.
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