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Breaking through the walls

© by Aisling (), August 2003

 

Disclaimer: Nix ist mein, alles ist Cobra Film
Dank: An Birgitt fürs perfekte Beta, und ihren Ideen, wenn dabei nicht soviele Bunnys rausspringen würden, dann wärs besser :-)
Bemerkung: So kann es einer eingefleischten Shipperin ergehen. Da guckt man so ganz harmlos eine deutsche Komödie und ist unzufrieden mit dem Ende. Dann schaut man sich den Film noch mal an und ein riesengroßes Bunny hoppelt plötzlich hinter einem her.
Es ist ein Slash-Bunny. Dies ist der zweite Teil der Bunny-Bekämpfung, aber noch lange nicht der letzte.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) in der Echte-Kerle-Sektion.

 
CSD, Frankfurt 2002

 

Eddie bewegte sich in der Menge, er genoss den pulsierenden Rhythmus, das bunte Bild, das die Menschenmenge bot, und die Lebensfreude, die alle ausstrahlten.

Der Christopher-Street-Day war für ihn jedes Jahr immer noch etwas Besonderes.

Es war das einzige Wochenende, das er nicht in seiner Werkstatt verbrachte. Er traf sich mit Kumpels aus der Schwulenszene, die er nur noch an diesen Tagen sah und tanzte ab. Tanzte, bis er nicht mehr laufen konnte und abends nur noch erschöpft ins Bett fiel, alleine.

Die letzten Jahre hatten ihn verändert.

Seine letzte Beziehung hatte er mit Mike gehabt. Naja, Eddie musste zugeben, dass er Mike nie geliebt hatte. Er war nur mit ihm zusammen gewesen, um Chris nahe zu sein. Nachdem er kapiert hatte, dass Chris ihn zwar mochte, für ihn aber nie so viel empfinden konnte, um eine Beziehung aufzubauen, hatte er kapituliert. Eddie hatte Chris aufgegeben, damit dieser mit Helen glücklich werden konnte.

Durch seine Beziehung mit Mike war er stiller Teilhaber ihres Glückes. Er sah, wie verliebt Chris auch noch nach einem Jahr war, und gönnte es ihm. Es war zwar schade, dass Helen und Chris durch ihre Versetzung ins Drogendezernat kaum noch Zeit für ihre Freunde hatten, aber solange er sie wenigstens ab und zu sah, war er glücklich. Damals war die Welt trotz der Tatsache, dass er Chris nicht haben konnte, in Ordnung.

Und dann machte er eines Nachts diesen idiotischen Fehler und rief beim Sex mit Mike Chris' Namen. Bei Mike war dann der Ofen aus. Für Eddie war klar, dass Mike nach so einem Moment mit ihm Schluss machte und nichts mehr von ihm wissen wollte. Der Streit und die Trennung waren zwar unangenehm, berührten ihn aber nicht wirklich.

Was ihm wesentlich mehr schmerzte, war die Tatsache, dass auch der Kontakt zu Chris und Helen abbrach. In der ersten Zeit, gab es zwar noch das eine oder andere Telefongespräch, aber nachdem er zehn Mal auf ihren Anrufbeantworter gesprochen hatte, ohne dass sie darauf reagierten, gab er auf, obwohl es sehr weh tat.

Nach vielen schlaflosen Nächten war er so verrückt gewesen, sich eines Abends in der Nähe ihrer Wohnung zu positionieren, um auf sie zu warten. Als sie aber um zehn Uhr müde, verdreckt und mit einem irgendwie zufriedenen Gesichtsausruck nach Hause kamen, da fehlte ihm der Mut, so zu tun, als ob er einfach so vorbeigekommen war. Nachdem er eine Woche lang jeden Abend in der Nähe ihrer Wohnung gewartet hatte und sie nie vor halb zehn Uhr nach Hause kamen war ihm klar geworden, dass es egal war, ob Mike Chris etwas über den Trennungsgrund erzählt hatte oder nicht.

Chris hatte den Kontakt nicht abgebrochen, weil es ihm peinlich war, von einem Schwulen begehrt zu werden, sondern er hatte ihre Freundschaft einschlafen lassen, weil ihm sein Beruf keine Zeit mehr ließ.

Es tat zwar weh, dass der wichtigste Mensch in seinem Leben über ihre Freundschaft anders dachte, aber er sah keinen Weg, wie er ihre Beziehung reanimieren konnte. So zog er sich zurück.

Eddie hatte kein Interesse mehr an Affären, irgendwie kam ihm der Sex falsch vor, wenn Liebe nicht mit im Spiel war. Und nach Chris fand er einfach niemanden mehr, in den er sich verlieben konnte. Er schien das Pech zu haben, ein Mensch zu sein, der nur einmal im Leben liebte, und dann erwischte er einen Hetero.

 

Um sich abzulenken, stürzte er sich in die Arbeit. Er war dank Mikes und Chris' tatkräftiger Unterstützung aus der Autoschieberszene ausgestiegen und hatte sich auf das Lackieren und Tunen von Alfa Romeos spezialisiert. Aus seiner ehrlichen kleinen Reparaturwerkstatt wurde mit der Zeit ein erfolgreicher Betrieb. Als er merkte, dass er alleine die Arbeit nicht mehr schaffen konnte, machte er in der Abendschule seinen Meister nach.

Als er die Prüfung erfolgreich bestanden hatte, suchte er sich eine neue größere Werkstatt und stellte zwei weitere Mechaniker ein.

Diese wussten nicht, dass ihr Chef schwul war. Er hatte es ihnen nie gesagt, und da er in den letzten Jahren auch keine Lust mehr auf eine Beziehung gehabt hatte, hatte er einfach keinen Sinn darin gesehen hatte, ein schlechtes Arbeitsklima zu provozieren.

Manchmal fragte er sich, wie er soweit herunterkommen konnte. Früher hatte er die Männer, die ihre Homosexualität verheimlichten, bemitleidet. Heute war er nicht anders.

Wenn die Jungs Feierabend machte, dann legte er gewöhnlich eine zweite Schicht ein. Irgendeine Arbeit fand er immer. Ob es die Buchhaltung war oder ein Wagen, der ihm besonders am Herzen lag. Er beschäftigte sich so lange, bis er erschöpft ins Bett fiel.

Sieben Tage in der Woche. Nur nicht nachdenken. Nur nicht der verlorenen Liebe nachtrauern, nur nicht diesen elenden Schmerz im Herz fühlen, der ihn zu zerreißen drohte. Arbeit war das einzige Mittel, das half.

 

Und jetzt war er auf dem CSD und hatte wieder so einen Anfall. Die Einsamkeit in dieser Menschenmenge machte ihm zu schaffen. Wenn er hier nicht tanzen könnte, dann wäre er schon längst wieder weg gewesen. Egal, was seine Kumpels von ihm dachten.

Prüfend ließ er einen Blick über den Römer gleiten. Es war voll wie immer, nur an einer Stelle war eine Lücke in der Menschentraube. Neugierig verließ er seine Kumpel und näherte sich der Stelle.

Der Mittelpunkt war eine Laterne und an dieser Lampe lehnte Chris. Eddie blieb fast das Herz stehen, als er ihn in seiner schlimmsten Macho-Pose dort stehen sah.

Er näherte sich, um ihn zu betrachten, und erschrak.

Das war nicht mehr der Chris, den er zuletzt gesehen hatte. Seine Haare waren grau geworden. Wo war die glückliche und zufriedene Ausstrahlung geblieben? Und die Lachfältchen in seinem Gesicht waren einem sarkastischen Ausdruck gewichen.

Er wirkte auf Eddie wie ein Mensch, der meterdicke Mauern um sich aufgefahren hatte, um sich vor seiner Umwelt zu schützen. Was war nur passiert?

Und trotz allem wirkte er so ungeheuer attraktiv. Es war ein Wunder, dass er dort so unbehelligt stehen konnte.

Eddie wurde eines Besseren belehrt, als sich ein junger Mann Chris näherte und ihn ansprach. Unwillkürlich hielt er den Atem an. Was war, wenn Chris einwilligen würde? Wäre seine letzte Chance vertan, jemals wieder ein Teil von Chris' Leben zu werden?

Zu seiner Erleichterung sah Eddie, dass Chris den anderen nur einen einzigen Blickes würdigte. Dieser Blick ließ nicht nur den Typen erstarren, sondern das gesamte Umfeld, das auch nur einen Hauch dieses Ausdrucks mitbekam, rückte ein Stück weiter von Chris ab. Kein Wunder, dass er soviel Platz hatte.

Eddie bekam jetzt aber Zweifel, ob es wirklich gut war, Chris anzusprechen. Was wollte Chris hier? War er nur hier, um sich über alle anderen lustig zu machen?

Wie sollte er diese Mauer einreißen? Gab es wirklich noch eine Chance, zu dem sensiblen Kern des Machos vorzudringen, den er so sehr liebte, oder hatte er sich so eingemauert, dass es kein Durchkommen mehr gab?

Bevor ihn der letzte Mut verließ, ging Eddie auf Chris zu, setzte sein bestes Lächeln auf und legte seine Hand auf Chris' Arm. Eigentlich wollte er ihm nur einen Begrüßungskuss auf die Wange geben, aber Chris drehte sich zu ihm und so landete der Kuss bei Chris auf dem Mund.

Statt entsetzt zurückzuweichen, hatte Eddie das Gefühl, willkommen geheißen zu werden.

Er fühlte, wie die hart zusammengepressten Lippen weich und nachgiebig wurden und wie Chris sich an ihn schmiegte.

Vorsichtig, um Chris nicht zu verschrecken, spielte Eddie mit seiner Zunge an Chris' Lippen. Und sie öffneten sich und Chris' Zunge ging auf sein Spiel ein. Eddie fühlte sich wie im Himmel. Ein Traum erfüllte sich.

Als sich ihre Lippen wieder voneinander lösten und Eddie Chris anblickte, war er überrascht, wie sehr er sich verändert hatte. Sämtliche Mauern waren durchbrochen. Er hatte alle Steine mit einem einzigen Kuss zum Einsturz gebracht.

Chris schien einfach nur zu strahlen. Hatte er wirklich das Glück, dass seine Liebe doch noch erwidert wurde?

Eddie schwor sich, freiwillig diesen Mann nie wieder los zu lassen. Und Chris schien seine Meinung zu teilen, denn nach einem kurzen Augenblick, in dem er Eddie intensiv musterte, erwiderte er seinen Kuss.

 
Ende

 
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