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Stundenglas

© by Birgitt (), Juni 2003

 

Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an den Charakteren und den Ereignissen aus der TV-Serie Horatio Hornblower; diese Rechte gehören Arts & Entertainment Network (A&E), Celtic Films, Picture Palace und United Film & Television Production. Ich beabsichtige in keiner Weise, diese Rechte zu beschneiden. Zwar besitze ich die Rechte an dieser Geschichte, habe aber keine Intentionen, durch sie materielle Vorteile zu erlangen.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de)

 

Die Zeiten, in denen das Grauen meiner Tage vor meinen Alpträumen verblaßt, sind nur kurz. Ich bin mir ihrer Vergänglichkeit bewußt; zu oft habe ich erleben müssen, wie sich das Unvorstellbare als durchaus wirklichkeitstauglich entpuppte. Und der Geist ist anpassungsfähig genug, den Schrecken der Gegenwart an die Stelle vergangener Tragödien zu setzen. Der König ist tot. Lang lebe der König.

Mr. Jack Simpsons Vormachtstellung in meiner persönlichen Hölle hatte ich einst für unanfechtbar gehalten, war es ihm doch gelungen, alle Erinnerungen an eine unglückliche Kindheit und Jugend in sehnsuchtsvolle Gedanken an vergangene Tage zu verwandeln, hatte er es doch geschafft, mich körperlich und seelisch so zu deformieren, daß ich mich in meinen Wünschen und Taten selbst nicht mehr erkannte. Jack? Es tut mir leid. Laß mich jetzt nicht allein. Jack?

In den ersten Tagen der Kriegsgefangenschaft hatte ich mir tatsächlich eingeredet, daß ich zumindest sicher vor Simpson war. In den ersten Tagen? Es waren wahrscheinlich nur Stunden gewesen, bis ich begriffen hatte, welche Vorteile es gehabt hatte, Jacks guter Junge zu sein. Ich hatte das Protektorat verlassen, hatte alle Privilegien zurückgelassen. Und Horatio. Was wird aus der Erinnerung an einen bewunderten und geliebten Freund in zwei Jahren voll Folter und Einsamkeit? Es ist ganz leicht, Horatio, drücke die Mündung gegen die Schläfe und...

Der Ritter war endlich gekommen, aber sie hatten ihm die glänzende Rüstung genommen und all seine Waffen. Aber er brachte den Geruch der See, den Duft der Freiheit, das Aroma einer Vollmondnacht an Deck. Den Gestank vergessener Träume. Mit dem Wissen, daß er ohne mich nicht fliehen würde, gab er mir auch den letzten Baustein für mein Grabmal. Ohne Rücksicht auf meine Ängste riß er es wieder ein, nur, um nach süßen Stunden wieder fortzugehen. Um zu planen, um zu führen, um ihr Gesellschaft zu leisten. Mr. H., dies ist dein ganz persönliches Theaterstück. Aber mach dir keine Hoffnungen, sie allein bestimmt die Zugabe.

Ich wußte, daß Horatio zu den Spaniern zurückkehren würde. Ich wußte, daß ich mit ihm gehen würde. Brauchte es noch einen weiteren Beweis für meinen Geisteszustand? Wie ein Hund trottete ich meinem Herr hinterher, zurück in die Hölle, verließ die Indy - die Simpsonlose Indy. Wo Horatio war, wollte ich sein. Nur dort war meine Zufluchtsstätte. Mochten die anderen es als einen Versuch abtun, eine Tapferkeit zu beweisen, die ich nicht besaß. Mochte er meine egoistische Entscheidung als selbstlosen Freundschaftsdienst akzeptieren . Ich brauchte seine Nähe mehr noch als die Luft zum Atmen. Es ist beinahe wie Zuhause.

Was für ein Freund bin ich, der sich von dem Unglück seines besten Freundes nährt? Die Last in Horatios Armen war keine süße mehr, dennoch wollte er nicht von ihr lassen. Ich war es, der ihn wegriß, pervers froh, daß er meine Hilfe brauchte. Doch es währte nicht lange, und Horatio fand eine neue Leidenschaft. Sie hieß nicht für eine Sekunde Archie Kennedy. Es reicht für uns beide, Horatio, wenn du glaubst. Für uns beide.

Mr. Henry Wellard. Ich hasse ihn dafür, daß er mir meine Sicherheit nimmt. Nicht, daß ich Angst habe, einen Teil von Horatios Aufmerksamkeit zu verlieren. Nein, er zwingt mich, aus Horatios Schatten herauszutreten. Buckland wird nicht eingreifen, Bush ebensowenig. Und Horatio selbst würde alles nur schlimmer machen. Bleibt Fourth Lieutenant Archie Kennedy: Willig, unbeholfen, voll guter Absichten, belastet mit zu vielen schlechten Erfahrungen. Und einem neuen Gefühl in seinem Herzen. Gib mir etwas mehr Zeit, Gott! Gib mir soviel, wie du entbehren kannst. Sieh nur, wie schnell sie verrinnt!

 
Ende

 
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