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Das Schicksal der Kinder
Teil 1
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Das Schicksal der Kinder

Teil 1
© by Tara TP ()
 

Disclaimer: Star Trek Voyager gehört Paramount/Viacom.
Anmerkung der Autorin: Dies ist nun der zweite Teil meiner Geschichte "Krieg und Liebe". Diese Story spielt wie gesagt sieben Jahre nach dem Ende des ersten Teiles. Da die Handlung meiner Story anders verlaufen ist, als in der Serie, befindet sich Seven of Nine nicht an Bord. Die von mir selbst ausgedachten Charaktere Tara Loyess und Danielle Miller sind auch dieses Mal wieder dabei. Ein Verbesserungsvorschlag für den ersten Teil war, dass sich die Leute mehr duzen sollten, darum habe ich mir die Freiheit genommen, die Regeln der Voyager etwas zu lockern, auf dass sich jetzt alle, außerhalb des Dienstes, duzen können. An diesem Punkt will ich mich noch bei vielen Leuten bedanken und sie grüßen... also los: Zuerst natürlich meine beste Freundin Anja, der diese (eigentlich alle) Geschichte gewidmet ist. Dann bedanke ich mich bei Ilka, Bini und Irmi für das Gelese, verbessern etc., bei Maria für die Vorschläge und Unterstützung und besonders grüßen möchte ich noch Kerstin L., Kerstin E., Marion und Sven die meine Geschichten immer beurteilen müssen und auch Sabine, welcher ich den Chakotay & Janeway Teil gewidmet habe und die mir aus meinen ...künstlerischen Tiefs geholfen hat!! Viel Spaß also mit der Fortsetzung!
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) auf der ST-Voyager Seite

 
VOYAGER; FAMILIE PARIS' QUARTIER; 17:49 Uhr

 

Tom Paris lief nervös in dem Quartier umher, welches er sich bereits seit sechs Jahren mit seiner Frau und seiner Tochter teilte.

"Computer, wie spät ist es?", fragte er den Computer zum wiederholten Mal.

"Es ist 17:49 Uhr", kam als Antwort.

Es war typisch, dass sie zu spät kam. Sie würde nein sagen, dennoch war sie seine letzte Hoffnung.

Endlich ertönte das piepende Geräusch des Türmelders, welches sie hatten leiser stellen müssen, um die kleine L'Iarah Paris nicht zu wecken.

Erleichtert blieb Tom stehen und atmete auf.

"Herein."

Die Tür öffnete sich mit einem Zischen und wie erwartet stand Tara, die nun nicht mehr Loyess, sondern nach ihrer Heirat mit Harry vor einem Jahr, Kim hieß.

Tara hatte sich in den letzten sieben Jahren äußerlich kaum verändert. Sie trug ihre langen Haare noch immer in kunstvoll zurechtgemachten Dutts und auch ansonsten änderte sich ihr Erscheinungsbild nur gering.

"Warum kommst du erst jetzt, ich habe dich bereits vor einer halben Stunde kontaktiert!"

"Ich habe doch gesagt, dass es noch etwas länger dauern wird; jetzt bin ich ja hier! Was gibt es denn so Dringendes, dass mich davon abhält, meinen Bericht zu Ende zu schreiben?"

"Es geht um L'Iarah."

"Was ist mit ihr?"

"Kannst... kannst du auf sie aufpassen?", fragte Tom hoffend.

"Okay, morgen?"

"Ich meinte eigentlich... heute Abend!"

Wie erwartet fiel Tara augenblicklich in ihre künstlich aufgeregte, fast hysterische Stimmung.

"Oh nein, heute Abend ist mein erster freier Abend seit einem Monat und das weißt du! Harry hat Dienst und ich werde diesen Abend mit einem guten Buch in der Badewanne verbringen und nicht mit L'Iarah bei Flotter und Travis auf dem Holodeck!"

Nachdem Tara ihren Ärger in Worte gefasst hatte, holte sie tief Luft, da sie bei der Geschwindigkeit, mit der sie sprechen konnte, wenn sie verärgert war, kaum Zeit hatte, Luft zu holen.

"Oh komm schon, ich hätte dich nicht gefragt, wenn ich noch eine andere Wahl gehabt hätte."

Ein leichtsinniger Satz, doch sie fiel immer darauf hinein.

"Was soll das denn heißen?" Sofort wurde sie beleidigt wie ein vierjähriges Kind. "Willst du damit etwa sagen, dass ich nicht in der Lage bin, auf ein kleines Mädchen aufzupassen? Ich bin schließlich L'Iarahs Patentante!"

"Nein, Harry ist L'Iarahs Patenonkel, du bist lediglich seine Frau!", sagte Tom grinsend.

"Was auch immer! Ich finde es trotzdem ziemlich unfair, dass du mir das nicht zutraust!"

"Dann beweis doch, dass du dazu in der Lage bist, auf ein Kind aufzupassen!"

Darauf war sie bisher jedes Mal reingefallen.

"Netter Versuch!", antwortete sie jedoch "Warum kann Sam nicht auf L'Iarah aufpassen?"

"Sie verbringt den Abend heute mit Naomi und Neelix, da würde L'Iarah nur stören."

"Und was ist mit Helen und Jack?", fragte sie verzweifelt.

"Die beiden haben alle Hände voll mit Joey zu tun und wie du weißt, versteht sich L'Iarah nicht mit ihm. Du bist wirklich die Einzige, die heute auf sie aufpassen könnte!"

Tara seufzte. Dann kam ihr eine Idee.

"Einen Moment mal, was ist eigentlich mit dir? Du hast heute Abend keinen Dienst, wo bist du?"

"Ich und B'Elanna... wir brauchen mal wieder etwas Zeit für uns. Seit über zwei Wochen hatten wir keine Minute für uns!"

"Und ich hatte seit einem Monat keinen freien Abend!"

In ihre Diskussion vertieft, hatten die beiden nicht bemerkt, dass sich die Tür zum Nebenzimmer geöffnet hatte und L'Iarah neben ihnen stand.

Sie hatte ihr Nachthemd an und rieb sich vor Müdigkeit die blauen Augen.

"Daddy?", fragte sie leise, mit verträumter Stimme und zog leicht an der Hose ihres Vaters, um sich bemerkbar zu machen.

Tom reagierte sofort und nahm seine kleine Tochter auf den Arm.

"Prinzessin, du solltest doch jetzt deinen Mittagsschlaf halten. Haben wir dich aufgeweckt?"

Tara war immer wieder erstaunt, wie sehr sich Tom in Gegenwart seiner Tochter veränderte. Keine Spur mehr von dem egoistischen, selbstsüchtigen Paris, der er noch zu Beginn der Reise der Voyager gewesen war.

Die kleine L'Iarah klammerte sich um Toms Hals und spielte mit seinen Rangabzeichen herum.

"Ihr wart laut und habt mich aufgeweckt."

"Das tut mir leid, Prinzessin. Was hältst du davon, wenn du diesen Abend mit Tante Tara verbringst?"

Tara, die Tom eben noch für seine väterliche Fürsorge bewundert hatte, sah nun äußerst verärgert zu Tom hinüber, lächelte aber, als sie in die vor Freude strahlenden Augen L'Iarahs sah.

"Au ja!", kicherte die Kleine. "Kommen du und Mami mit?"

"Nein mein Schatz, wir... wir haben noch etwas Anderes zu tun. Und jetzt geh wieder ins Bett, damit du heute Abend ausgeschlafen bist!"

Vorsichtig setzte er sie wieder ab und L'Iarah lief fröhlich in ihr Zimmer. Als sich die Türen hinter ihr geschlossen hatten, verschwand das Lächeln Taras schlagartig.

"Das war unfair!"

"Ja,...", Tom machte eine Pause, grinste sie an und bückte sich dann, um einige Spielsachen aufzuheben. "...ja das war es", beendete er noch immer grinsend seinen Satz.

Wieder war der Tom Paris zum Vorschein gekommen, den Tara bis eben noch für verschwunden geglaubt hatte. Doch bevor sie etwas entgegnen konnte, hörte sie erneut das Zischen der Tür und als sie sich umdrehte, sah sie B'Elanna, die das Quartier betreten hatte.

B'Elanna war im dritten Monat schwanger, obwohl sie sich nach ihrer letzten Schwangerschaft geschworen hatte, nie wieder ein Kind in die Welt zu setzen. Tom konnte sich noch zu gut an L'Iarahs Geburt erinnern und an all die klingonischen Schimpfwörter, die er an diesem Tag zu hören bekommen hatte.

Die Aufmerksamkeit der Halbklingonin fiel als erstes auf Tara, die noch immer vor Wut kochte.

"Was ist denn mit dir los?", fragte B'Elanna schließlich.

"Auch schön dich zu sehen!", entgegnete Tara. Sie war diese Freundlichkeiten von B'Elanna gewohnt. "Dein reizender Ehemann hat mich soeben als Babysitter verpflichtet!"

Tom war inzwischen zu seiner Frau gegangen und hatte sie zur Begrüßung geküsst. Vorsichtig legte er seine Hand auf ihren Bauch, um zu fühlen, ob sich sein Kind bewegte.

"Was?", fragte B'Elanna mit Entsetzen und sah zu Tom. "Du willst tatsächlich, dass sie auf L'Iarah aufpasst?"

Tom wollte es unterdrücken, doch er konnte nicht anders und musste anfangen zu lachen. Die sonst so fröhliche Betazoidin versuchte mit aller Kraft, sich zusammenzureißen.

"Okay, wenn ihr es mir alle nicht glauben wollt, schön, ich werde heute Abend auf L'Iarah aufpassen. Wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet, ich muss noch einen Bericht schreiben. Ich bin heute Abend um 19:00 Uhr bei euch."

Sie lächelte das Paar noch einmal etwas gekünstelt und dennoch fast loslachend über sich selbst an und verließ dann schnellen Schrittes das Quartier.

Tom und B'Elanna mussten beide über den, wie immer übertriebenen Auftritt Taras lachen.

Dann drehte sich B'Elanna ganz zu Tom und legte ihre Arme um seinen Hals.

"Heißt das... wir sind heute Abend ganz für uns?"

Anstatt zu antworten nickte Tom bloß, lächelte und küsste sie wieder. Doch bevor daraus mehr werden konnte, stand L'Iarah wieder neben den beiden und sie brachen ihren Kuss erschrocken ab.

B'Elanna kniete sich vor ihre Tochter und nahm sie in den Arm.

"Warum bist du denn noch wach mein Schatz?"

"Ich kann nicht mehr schlafen. Kannst du mir etwas vorlesen Mami?"

B'Elanna hob sie hoch.

"Aber natürlich."

Gerade wollte B'Elanna mit L'Iarah in deren Zimmer gehen, da hielt Tom die beiden an und nahm L'Iarah zu sich.

"Ich mache das, ruh du dich ein bißchen aus."

"Tom, ich bin schwanger, nicht tot krank!" Das sagte sie in einem Ton, als würde sie einen kleinen Jungen tadeln.

"Keine Widerrede, du legst dich hin! Das ist ein Befehl!"

"Du kannst mir nichts befehlen, ich bin Lieutenant Commander, schon vergessen?"

Tom würde darauf beleidigt reagieren, doch B'Elanna wollte es vermeiden, sich vor ihrer Tochter mit Tom zu streiten, also folgte sie seiner Bitte und legte sich hin.

Sie wollte ihm nicht das Gefühl geben, sie würde ihm nicht zutrauen, L'Iarah ins Bett zu bringen, denn das war nicht der Fall. Tom war ein wirklich guter Vater und B'Elanna musste zugeben, das hatte sie ihm bei ihrer ersten Schwangerschaft nicht zugetraut.

Langsam kletterte sie auf ihr Bett und als sie sich hinlegte, merkte sie, dass sie wirklich ziemlich müde war und nach ein paar Minuten war sie eingeschlafen.

 

 
VOYAGER; BRÜCKE; 18:09 Uhr

 

Kathryn Janeway saß in ihrem Sessel und war völlig von einem Buch gefesselt, welches Chakotay ihr zu ihrem Geburtstag vor einigen Wochen geschenkt hatte. Es war ein war ein Roman über zwei Freunde, die nach 15 Jahren endlich zueinander finden. Die Anspielung auf ihre eigene Beziehung zu Chakotay war kaum zu übersehen, doch sie hatte sich bisher noch nicht getraut, ihn darauf anzusprechen.

Natürlich hatte es in den letzten Jahren Andeutungen gegeben, aber ob Chakotay wirklich eine Beziehung mit ihr wollte? Und wollte sie eine? Sie wusste es nicht genau, aber sie konnte es auch auf keinen Fall ausschließen. Chakotay war ihr erster Offizier, ihr Freund, warum konnte daraus nicht mehr werden?

"Captain, es nähert sich ein Schiff", unterbrach Harry Kim sie in ihrem Gedanken.

"Könnten Sie etwas präziser werden Lieutenant?"

"Es ist..", er traute seinen Augen kaum "... es ist ein Schiff der... Yeyt!"

Die gesamte Crew wurde in einen Schockzustand versetzt, bis auf Tuvok, der lediglich eine Augenbraue hob.

Alle erinnerten sich noch zu gut an den Krieg der Yeyt mit den Zuil und den Xaor und auch daran, wie verbissen Janeway damals versucht hatte, diesen Krieg zu beenden und damit alles nur verschlimmert hatte.

"Roter Alarm, Schilde hoch!", rief Janeway, nachdem sie sich von dem ersten Schock erholt hatte.

Das durfte einfach nicht wahr sein, nachdem Janeway gedacht hatte, sie hätte diese Zeit endgültig hinter sich gelassen.

"Das Schiff ruft uns." Harry betrachtete misstrauisch seine Anzeigen. "Captain, es werden keine Lebenszeichen angezeigt!"

"Vielleicht ist es eine Falle." Es war Janeway kaum aufgefallen, dass sie ihren Gedanken laut ausgesprochen hatte. Sie überlegte einen Moment und auf der Brücke war es still. Das rote Licht brachte eine unheimliche Stimmung, denn man wusste, dass jeden Moment etwas passieren würde.

Schließlich hob Janeway ihren Kopf wieder und erhob sich aus ihrem Sessel.

"Auf den Schirm!"

Das Erscheinungsbild der Yeyt war Janeway noch gut in Erinnerung und trotzdem überraschte es sie, als eine junge Frau auf dem Sichtschirm erschien.

"Sind Sie Captain Janeway?", entfuhr es der jungen Frau, die nervös schien, als hätte sie keine Zeit zu verlieren.

"Das bin ich. Und darf ich fragen wer..."

"Sie müssen mir Asyl gewähren, sonst werden sie mich vernichten!"

"Zuerst einmal würde ich gerne wissen, mit wem ich überhaupt spreche und wer Sie verfolgt!"

"Ich bin Ziu Nergnu, die Tochter von Zun Nergnu und es ist das Regime der Yeyt - Zuil Koalition, das mich verfolgt!"

"Eine Koalition der Yeyt und der Zuil, wie..."

"Wir haben jetzt keine Zeit Geschichten zu erzählen! Beamen Sie mich an Bord, setzen Sie einen Kurs, der so weit wie möglich von hier weg führt und ich werde Ihnen alles erzählen."

"Unsere Sensoren haben keine Lebenszeichen auf Ihrem Schiff registriert."

"Das liegt daran, dass ich eine holographische Projektion bin, damit müssten Sie sich auskennen, Sie haben soweit ich weiß auch ein Hologramm in Ihrer Crew."

"Wie können Sie Nergnus Tochter sein, wenn..."

"Erfassen Sie meine Matrix und beamen Sie mich auf Ihr Schiff, wir haben nicht viel Zeit!"

"Ich muss darüber nachdenken. Ich werde Sie kontaktieren, sobald ich eine Entscheidung getroffen habe."

Ziu stöhnte genervt und nickte dann.

"Na schön, aber beeilen Sie sich mit Denken!"

Ziu Nergnu war eindeutig so höflich wie ihr Vater.

Janeway nickte Harry zu, der daraufhin die Verbindung unterbrach.

"Tuvok, in meinen Bereitschaftsraum!"

Zwar wollte Captain Janeway keine Zeit verlieren, aber andererseits konnte sie diese Entscheidung auch nicht alleine treffen. Wie immer vertraute sie auf den logischen Rat ihres vulkanischen Freundes.

 

 
VOYAGER; JANEWAYS BEREITSCHAFTSRAUM; 18:14 Uhr

 

Eilig betrat Janeway, gefolgt von Tuvok, ihren Bereitschaftsraum. Sie hatte dies nicht vor der gesamten Brückencrew ausdiskutieren wollen, denn niemand sollte merken, wie nahe ihr diese Angelegenheit ging und wie unsicher sie eigentlich war.

"Was sagen Sie zu dieser Situation, Tuvok?"

"Es wird sich höchstwahrscheinlich um eine Falle handeln." Der Vulkanier war so ausdruckslos wie immer und nicht zum ersten Mal beneidete Janeway ihn um seine emotionale Kontrolle. "Die Yeyt haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie hinterhältig sind und man ihnen nicht trauen kann."

"Das ist richtig, aber was könnten sie jetzt, nach sieben Jahren noch von uns wollen? Unser Schiff? Das bezweifle ich, ihre Schiffe sind technisch weiterentwickelt als unsere. Und ich glaube auch nicht, dass sie uns zerstören wollen, denn sie haben diesen Krieg anscheinend gewonnen und wir stellen keine Bedrohung mehr da."

"Sie denken, sie sagt die Wahrheit?"

"Wir wissen nicht, was in den letzten sieben Jahren passiert ist. Wenn ihre Geschichte wahr ist, dann bin ich für ihre Situation verantwortlich und ich bin es ihr schuldig, ihr Asyl zu gewähren."

"Captain, Sie sollten sich nicht von Schuldgefühlen leiten lassen. Wie Sie wissen verfügen die Yeyt über eine Tarnvorrichtung, die..."

"Ich habe meine Entscheidung getroffen. Kontakten Sie sie und berichten Sie ihr von meiner Entscheidung. Wenn sie ein Hologramm ist, ist es besser sie auf die Krankenstation zu beamen. Ich werde Ziu dort treffen, schicken Sie außerdem ein Sicherheitsteam dorthin und informieren Sie den Doktor."

"Captain, ich halte es noch immer für unvorsichtig, auf Miss Nergnus Bitte einzugehen."

"Einwand notiert. Sie haben Ihre Befehle!" Der Captain wusste, sie war Schuld am Schicksal dieses Mädchens und sie musste ihr helfen, auch wenn es niemand verstehen würde.

Entschlossen verließ Janeway ihrem Bereitschaftsraum, Tuvok folgte ihr wenige Sekunden später.

 

 
VOYAGER; KRANKENSTATION; 18:18 Uhr

 

Als Captain Janeway die Krankenstation betrat, war Ziu Nergnu bereits an Bord gebeamt worden. Auch das Sicherheitsteam war bereits eingetroffen und bildete einen Kreis um Ziu.

Sie stand neben einem Biobett und beobachtete den Doktor, der sie mit einem Trikorder untersuchte. Ziu strahlte etwas Kaltes aus und Janeway war sich sicher, dass das nicht nur daran lag, dass Ziu ein Hologramm war.

Der Captain zögerte einen Moment, fasste dann all ihren Mut und ging in Richtung Ziu. Die Aufmerksamkeit des Hologrammes wanderte zu Janeway und sie zeigte Andeutungen zu lächeln, ihre Mimik blieb schließlich jedoch doch unverändert.

"Captain Janeway, wie schön, dass Sie sich nun doch entschieden haben, mir Asyl zu gewähren."

Dies war eine sehr interessante Form des Dankeschön.

"Nun, da Sie jetzt hier sind, wäre es an der Zeit mir zu erzählen, was in den letzten sieben Jahren zwischen Ihren Völkern vorgefallen ist."

"In Ordnung. Aber müssen all diese Leute um uns herumstehen, ich komme mir vor wie eine Gefangene." Sie deutete auf die Sicherheitsleute.

"Das war eine reine Sicherheitsmaßnahme." Janeway wandte sich zu einem der Sicherheitsmänner. "Sie dürfen wegtreten."

Inzwischen hatte der Doktor seine Scanns abgeschlossen und deutete Janeway mit einer Handbewegung, dass er sie in einiger Entfernung zu Ziu über ihren Zustand instruieren würde.

Janeway verstand und sie gingen in einige Entfernung.

"Was haben Ihre Scanns ergeben Doktor?"

"Sie ist eine hochentwickelte, holographische Projektion, ich habe diese Art von holographischer Technik noch nie zuvor gesehen, ich kann keine Diagnose stellen."

"Unsere Technik ist der ihren nun einmal weit überlegen", mischte sich Ziu ein. Der Doktor und Janeway sahen irritiert zu ihr hinüber. "Ich kann Ihr Gespräch hören, egal wie weit Sie sich von mir entfernen."

Der Doktor merkte, dass Janeway mit Ziu ein Gespräch unter vier Augen führen wollte, also zog er sich etwas beleidigt in sein Büro zurück.

"Das war nicht besonders höflich!", tadelte Janeway die junge Frau.

"Höflichkeit? Dieses Wort ist mir fremd."

Diese Antwort gab dem Captain zu denken. Ziu musste viel durchgemacht haben.

"Sie wollten mir berichten, was in den letzten sieben Jahren vorgefallen ist und es wäre auch interessant zu erfahren, wie Nergnu eine holographische Tochter haben kann."

"Wenn Sie darauf bestehen. In der Zeit, in der die Zuil vor langer Zeit den Planeten Zaor übernommen hatten, hatte mein Vater eine Affäre mit Xia Milmaj, Krofkars Schwester, die eine Tochter von ihm bekam, Xiu Milmaj.

Dann wurden die Zuil vertrieben und Xiu wuchst bei ihrer Mutter auf. Sie wurde bei einem Angriff der Zuil getötet, also erschuf mein Vater eine holographische Version seiner Tochter."

"Und warum flüchten Sie nun vor ihrem Vater?"

"Als die Voyager uns damals im Stich ließ, hielt es mein Vater für das Beste, ein Bündnis mit den Yeyt zu schließen, womit es auch zu der Vernunftehe mit Ministerin Yal Filpor kam. Die Koalition vernichtete die Xaor, nur noch wenige Hundert leben heute noch als Arbeiter oder in Strafanstalten. Aber um zu Ihrer Frage zurückzukommen, Hologramme haben zwar bei den Zuil den gleichen Stellenwert wie Lebende, aber das ist bei den Yeyt anders. Ich hatte eine Prüfung zu bestehen, um zu beweisen, dass ich nützlich bin und als ich bei dieser Prüfung versagte, befahl Filpor mich zu löschen und seitdem bin ich auf der Flucht."

Janeway war von Zius Erzählung sehr ergriffen und schwieg einen Moment.

"Sie haben Schuldgefühle!", erkannte Ziu jedoch sofort.

Es war Janeway ein Rätsel, wie diese junge Frau, die sie gerade mal eine Viertelstunde kannte, es sich anmaßen konnte, ihr das an den Kopf zu werfen. Und dennoch wusste sie, dass es die Wahrheit war.

"Sie kennen mich nicht", sagte Janeway jedoch und versuchte, unbetroffen zu wirken.

"Es ist jedoch offensichtlich, dass Sie von Schuldgefühlen geplagt werden und dass sie mich nur aus diesem Grund auf ihr Schiff geholt haben. Ihre Crew traut sich anscheinend nicht, Ihnen das zu sagen, da sie an Bord die höchste Position beziehen."

Offensichtlich beleidigt suchte Janeway nach Worten der Rechtfertigung, doch sie beschloss, sich nicht auf eine Diskussion einzulassen, da sie wusste, dass sie verlieren würde.

"Hören Sie, Sie kennen weder mich noch meine Crew und Sie sollten es unterlassen, Behauptungen über uns zu äußern."

"Das menschliche Ego ist wirklich sehr empfindlich, das sagte mir auch mein Vater."

Mit kühlem Gesichtsausdruck drehte sich Janeway um und ging zum Büro des Doktors, der in seinem Sessel saß, die Füße auf den Tisch gelegt hatte und ein Padd las. Als er Janeway in der Tür bemerkte, die seine Sitzhaltung kritisch beäugte, zog er die Beine schlagartig vom Tisch und stand auf.

"Was kann ich für Sie tun, Captain?"

Er war deutlich peinlich berührt und das amüsierte Janeway, ein Lächeln wurde jedoch von ihrem verletzten Ego und ihrer Wut auf Ziu unterdrückt.

"Kümmern Sie sich um sie. Ich werde versuchen herauszufinden, ob ihre Geschichte der Wahrheit entspricht."

"Aber... was soll ich mit ihr tun?"

"Sie sind beide Hologramme, Sie werden schon irgendwelche Gemeinsamkeiten finden. Benachrichtigen Sie Tom, er soll Sie während dieser Zeit hier vertreten."

"Ja Captain."

Es war mehr als offensichtlich, dass der Doktor nicht besonders froh über seine neue Aufgabe war. Jedoch nahm er es hin, da er eh nichts an seiner Situation ändern konnte.

Captain Janeway verließ das Büro, blickte noch einmal zu Ziu hinüber und verließ dann die Krankenstation.

 

 
VOYAGER; FAMILIE PARIS' QUARTIER; 18:29 Uhr

 

B'Elanna Paris wurde von einem sanften Kuß und einer Hand, die über ihre Wange strich, aus ihrem Schlaf geweckt. Als sie vorsichtig ihre Augen öffnete, erkannte sie ihren Ehemann, der neben ihr auf dem Bett saß.

Vorsichtig richtete sie sich auf und rieb sich die Augen.

"Was ist los?" Sie gähnte.

"L'Iarah schläft jetzt."

"Und deswegen weckst du mich?"

"Ich dachte nur, wir könnten diese freie Zeit nutzen."

B'Elanna lächelte.

"Und woran hast du da genau gedacht?", fragte sie überflüssigerweise.

Sie legte ihre Arme um seinen Hals und Tom küsste sie.

Plötzlich piepte Toms Kommunikator und die Stimme des Docs ertönte. "Krankenstation an Paris."

Tom ignorierte diesen Ruf jedoch und beugte sich erneut vor, um seine Frau zu küssen. B'Elanna jedoch schob ihn zurück.

"Tom, du musst ihm antworten, vielleicht ist es etwas Wichtiges!"

"Und wenn die Voyager in Flammen stehen würde, wir hatten seit Wochen keine freie gemeinsame Minute und ich werde mir diese Chance nicht entgehen lassen!"

Nach einem kurzen Zögern, gab B'Elanna schließlich nach und ließ ihn sie küssen. Wieso widersprechen, er hatte schließlich recht.

"Krankenstation an Paris, ich weiß, dass Sie mich hören Mr. Paris!", ertönte erneut der Doktor.

Genervt ließ Tom sich nach hinten auf das Bett fallen.

"Melde dich! Vielleicht will er ja nur etwas fragen und du musst gar nicht weg!"

"Seit wann glaubst du an Wunder?" Er berührte seinen Kommunikator. "Paris hier. Ich hoffe Sie haben einen guten Grund mich in meinen wenigen freien Minuten zu stören!"

"Es ist in der Tat wichtig, Sie werden mich hier vertreten müssen."

"Was?"

"Sie haben mich verstanden! Wir haben einen...Gast an Bord, um den ich mich für die nächste Zeit kümmern werde."

"Was genau heißt ...die nächste Zeit' ?"

"Die nächsten Tage, Wochen, Monate, ich kann Ihnen keine genaue Zeitangabe geben."

"Monate? Das ist ein Scherz, nicht wahr?" Tom konnte nicht glauben, was er hörte.

"Melden Sie sich auf der Krankenstation. Doktor Ende."

B'Elanna rutsche in eine andere Position, um neben Tom zu liegen und stützte sich auf ihren Ellenbogen, direkt neben Toms Kopf.

"Heißt das, dass wir heute Abend vergessen können?"

"Aber auf keinen Fall. Ich konnte Tara überreden, heute Abend auf L'Iarah aufzupassen, dann werde ich auch jemanden überreden können, mich heute Abend zu vertreten!"

Tom setzte sich wieder aufrecht hin, stand auf und streckte sich.

Seit Kes vor einem Jahr gestorben war, musste Tom in einem Notfall auf der Krankenstation arbeiten. Zusätzlich zu seinen Verpflichtungen als Pilot, Vater und Ehemann waren die Schichten auf der Krankenstation eine wirkliche Belastung. Dadurch ging für Tom viel Zeit verloren, die er lieber bei B'Elanna und L'Iarah verbracht hätte.

Auch B'Elanna stand nun auf und legte die verrutschte Decke wieder zurecht, dann wandte sie sich wieder Tom zu.

Dieser gab ihr noch einen Abschiedskuss und verließ dann das Quartier, um sich auf den Weg zur Krankenstation zu machen.

 

 
VOYAGER; KRANKENSTATION; 18:34 Uhr

 

"Melden Sie sich auf der Krankenstation. Doktor Ende."

Der Doktor war genauso unzufrieden mit der Entscheidung Janeways, dass er sich um Ziu kümmern musste, wie Tom.

Etwas unsicher trat er nun aus seinem Büro und ging langsam in Richtung Ziu. Diese drehte sich um, als sie ihn kommen hörte. Sofort wechselte die Haltung des Doktors und er versuchte so selbstsicher wie möglich zu wirken.

"Captain Janeway hat mir die Verantwortung für Sie übertragen."

"Und wie ist Ihr Name?"

" Ich... ich habe keinen", antwortete er und es war ihm bewusst, wie lächerlich das klingen musste.

"Und wie soll ich Sie dann ansprechen?"

"Die meisten nennen mich Doktor!"

"In Ordnung, Doktor, werden wir den ganzen Tag auf der Krankenstation verbringen?"

"Nun ja, wir können auf das Holodeck gehen und ich..."

"Das was?", irritiert runzelte Ziu die Stirn.

"Sie sollten es sich abgewöhnen die Leute zu unterbrechen!"

"Es ist...unhöflich, nicht wahr?"

Der Doktor lächelte und es kam erneut fast zu einem Lächeln Zius.

"Ganz recht, es ist unhöflich."

"Sie wollten mir erklären, was ein Holodeck ist", wechselte Ziu das Thema.

"Auf dem Holodeck kann man holographische Simulationen abspielen. Außer der Krankenstation ist es leider der einzige Raum auf der Voyager, der mit Holo-Emittern ausgestattet ist."

"Sie können sich nur in diesen beiden Räumen aufhalten?", fragte Ziu ungläubig.

"Nun ja..." Stolz holte der Doktor seinen mobilen Emitter von einem Tisch und präsentierte ihn Ziu. "Dank diesem Stück Technologie aus dem 29. Jahrhundert kann ich mich frei auf dem Schiff bewegen."

"Wie primitiv, Hologramme der Zuil oder Yeyt brauchen keine Einrichtungen wie Holo-Emitter, um sich frei bewegen zu können."

"Und wie, wenn ich fragen darf, soll das gehen, haben Sie einen...eingebauten Emitter?"

"Es wäre zu schwer zu erklären, Ihre Matrix würde diese Menge an Informationen nicht speichern können. Unsere Technik ist..."

"Der unseren weit überlegen, das sagten Sie bereits", unterbrach er sie dieses Mal.

Gekränkt in seinem Stolz legte der Doktor seinen Emitter wieder an seinen Platz.

"Unterbrechungen sind unhöflich. Sie befolgen Ihre eigenen Regeln nicht!"

"Sie haben noch viel über uns zu lernen, Miss Nergnu."

"Und Sie viel über uns. Zum Beispiel, dass man nur die Ranghöheesten der Familie mit dem Zweitnamen ansprechen darf. Mich Miss Nergnu zu nennen ist unangebracht und eine Beleidigung für meinen Vater."

Die Tür öffnete sich zischend und Tom betrat die Krankenstation. Als er Ziu erblickte, blieb er stehen und blickte fragend zum Doktor.

"Mr. Paris, das ist unser Gast, Ziu Nergnu."

Tom lächelte die junge Frau noch immer verwirrt an.

"Sehr erfreut." Er wandte sich wieder dem Doktor zu. "Dürfte ich Sie wohl kurz sprechen Doc?"

"Natürlich. Ich bin sofort wieder bei Ihnen... Ziu. Und versuchen Sie, nicht mitzuhören."

Tom war mittlerweile in das Büro des Doktors gegangen. Als der Doktor zu ihm kam, schien Tom direkt verärgert zu sein.

"Wer ist das?", fragte er.

"Das sagte ich bereits, dies ist..."

"Ihr Name interessiert mich nicht, was macht sie hier, sie ist wenn ich mich nicht irre eine Zuil!"

"Sie irren sich. Sie ist eine holographische Projektion der Tochter Zun Nergnus. Und sie ist an Bord, weil Captain Janeway ihr Asyl gewährt hat."

"Sie hat was? Wieso?"

"Das ist eine lange Geschichte. Es reicht zu sagen, dass Ziu unser Gast ist. Und ich werde mich um sie kümmern, solange sie sich an Bord befindet."

Mit diesen Worten wollte der Doktor Tom stehen lassen, doch dieser hielt ihn auf.

"Mr. Paris, ich werde jetzt nicht mit Ihnen darüber diskutieren."

"Das hatte ich auch nicht vor. Ich wollte bloß sagen, dass Parsons mich heute vertreten wird."

"Solange jemand hier ist, ist mir auch das recht. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden."

Der Doktor verließ sein Büro und ging wieder zu Ziu, die noch immer neben dem Biobett stand und wartete. Er konnte hören, wie Tom die Krankenstation verließ.

"Also Ziu, was möchten Sie jetzt tun?"

"Ich werde bald auf Ihr Angebot mit dem... Holodeck zurückkommen. Sie könnten mich jetzt durch das Schiff führen."

"Sehr gerne. Gibt es etwas, dass Sie gerne sehen möchten?"

"Zeigen Sie mir Ihre Brücke."

"In Ordnung." Er legte seinen mobilen Emitter an. "Wenn Sie mir bitte folgen würden."

 

 
VOYAGER; KORRIDOR; 18:48 Uhr

 

Auf dem Weg zur Brücke redeten der Doktor und Ziu kaum miteinander.

Der Doktor war sich nicht sicher, ob Ziu bloß schüchtern war oder ob sie sich einfach nur nicht mit ihm unterhalten wollte.

"Wie viele verschiedene Spezies gibt es an Bord der Voyager?", brach Ziu endlich das Schweigen.

"Es müssten acht verschiedene Spezies sein. Warum fragen Sie?"

"Sind sie alle aus Ihrem Quadranten?"

Ziu hatte anscheinend die furchtbare Angewohnheit, Fragen mit Gegenfragen zu beantworten.

"Nur Mr. Neelix ist aus dem Delta- Quadranten. Er ist Talaxianer."

"Weiß sein Volk von seinem Aufenthalt hier?"

"Die Talaxianer leben nicht wie andere Völker zusammen. Viele sind über den Quadranten verstreut."

Ziu wurde wieder still.

"Woher kommt Ihr plötzliches Interesse?", fragte der Doktor, um eventuell eine Konversation beginnen zu können.

"Ich wollte mich lediglich über die Crew informieren."

Sie bogen in einem anderen Korridor ab und zur Erleichterung des Doktors kam ihnen dort Tara Kim entgegen.

Alleine mit Ziu zu sein, war nicht gerade angenehm, da kam die Anwesenheit einer dritten Person gerade recht.

"Fähnrich Kim, darf ich Ihnen unseren Gast vorstellen. Das ist Ziu Nergnu."

Tara sah von dem Padd auf, das sie gerade las, und kam lächelnd auf die beiden zu.

"Ich habe schon von Ihnen gehört, es freut mich, Sie kennen zu lernen. Mein Name ist Tara Kim."

Tara streckte ihr die Hand hin, doch Ziu war sichtlich verwundert über diese Geste.

"Wissen Sie Ziu, diese unnatürliche Körperhaltung ist bei mir kein Dauerzustand, Sie müssen mir Ihre Hand geben!"

"Ich nehme an, es handelt sich um eine Form der Begrüßung?!"

"Volltreffer." Noch immer lächelte Tara den verwirrten Gast an.

Zögernd gab Ziu Tara ihre Hand. Plötzlich schaute sie mit gewohnt ausdrucksloser Miene wieder auf.

"Es wird nicht funktionieren", meinte sie schließlich zu Tara.

"Bitte was?"

"Sie haben versucht meine Gedanken zu lesen, es wird nicht funktionieren, da ich ein Hologramm bin."

"Sie...sind ein Hologramm?"

Ziu ignorierte Taras Frage und wandte sich wieder dem Doktor zu.

"Es ist unhöflich die Gespräche anderer Leute zu belauschen, ihre Gedanken zu lesen ist jedoch erlaubt. Wo ist da die Rücksichtnahme auf Intimsphäre?"

"Ich versichere Ihnen Ziu, das kommt sonst nicht vor", entgegnete der Doktor peinlich berührt.

"Nur bei Personen, denen Sie nicht trauen." Niemand konnte etwas dazu sagen, denn sowohl der Doktor, als auch Tara wussten, dass es die Wahrheit war. "Ich schlage vor, wir setzen unsere Führung nun fort Doktor.

Es... war nett Sie kennen zu lernen Tara Kim."

Tara lächelte etwas beschämt. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Ziu Taras Versuch ihre Gedanken zu lesen, bemerken würde.

"Wir sprechen uns noch Fähnrich", flüsterte der Doktor Tara im Gehen zu. Er war sichtlich verärgert über Taras Verhalten.

 

 
VOYAGER; FAMILIE PARIS' QUARTIER; 18:59 Uhr

 

Alles war vorbereitet für den ersten Abend seit Wochen, den Tom und B'Elanna Paris zu zweit verbringen konnten.

B'Elanna hatte im gesamten Quartier Kerzen aufgestellt, welche sie nun eine nach der anderen anzündete.

L'Iarah beobachtete ihre Mutter. Sie fragte sich, warum sie Kerzen anzündete, wenn sie das Quartier auch so beleuchten konnten.

Schließlich bemerkte B'Elanna ihre Tochter, welche noch immer mit nachdenklichem Gesichtsausdruck in der Tür stand.

"Hast du schon alles gepackt?", fragte sie ihre Tochter.

"Ja", war die kurze und knappe Antwort L'Iarahs. Sie wusste nicht, ob sie ihre Mutter nach den Kerzen fragen sollte, doch andererseits wollte sie es unbedingt wissen. Ihre Mama reagierte ziemlich schnell verärgert, dass wusste L'Iarah. Als sie einmal die Jeffreys Röhren auf eigene Faust erkunden wollte und sich dabei verlaufen hatte, war ihre Mama ziemlich sauer gewesen. Seitdem versuchte L'Iarah es zu vermeiden, Ärger zu bekommen. Aber es war ja bloß eine einfache Frage.

"Mama wofür sind die Kerzen?" Sie konnte nicht länger schweigen.

B'Elanna lächelte, was L'Iarah sehr beruhigte, denn das hieß, dass sie nichts Falsches gefragt hatte.

"Das ist romantisch."

"Mama, was heißt romantisch?"

"Mein Schatz, das erkläre ich dir, wenn du älter bist."

Es war klar, dass es für L'Iarah wieder auf diesen einen Satz hinauslaufen würde. Das war es, was ihre Mutter immer sagte, wenn L'Iarah sie etwas im Bezug auf ihren Daddy fragte. Sie fand diesen Satz blöd und wusste nicht, warum ihn ihre Mutter so oft sagte.

Der Türmelder ertönte, B'Elanna zündete schnell die letzte Kerze an und pustete dann das Streichholz aus.

"Herein."

Als B'Elanna Tara in der Tür stehen sah, war sie zunächst etwas irritiert.

"Was ist?", fragte Tara, die B'Elannas Blick bemerkt hatte.

"Du bist ja so pünktlich! Das ist eine ganz neue Erfahrung!"

"Ich tue ja fast alles, um dich glücklich zu machen."

Die schnippischen Wortgespräche zwischen den beiden Frauen waren schon selbstverständlich und auch L'Iarah hatte sich bereits an sie gewöhnt.

"Wann soll ich sie morgen zurückbringen?", fragte Tara wieder ernster.

"Auf keinen Fall vor 11:00 Uhr, es war eine echte Herausforderung Vorik zu überreden, morgen meine Schicht zu übernehmen."

Ein leichtes Grinsen zeigte sich in Taras Gesicht und sie biss sich auf die Lippe, um nicht lachen zu müssen.

"Warum lachst du?", fragte B'Elanna, der es augenscheinlich nicht entgangen war.

"Es ist schon eine Ironie, dass Vorik dir hilft, damit du bei Tom sein kannst!"

"Ich weiß nicht, was daran so ungewöhnlich sein soll."

"Ach komm schon, Vorik war in dich verknallt, das ist doch überall bekannt!"

"Er ist Vulkanier!", konterte B'Elanna.

"Und?"

"Diese Diskussion führt doch zu nichts. Du hast deine Ansichten und ich habe meine."

"Ja, nur das meine richtig sind!" Tara grinste.

"Du solltest langsam aufhören zu denken, dass alle nur nach deiner Nase tanzen!"

Tara gab keine Antwort, ihr Gesicht verdunkelte sich nur ein wenig. Dann wandte sie sich zu L'Iarah, die das Gespräche aufmerksam verfolgt hatte.

"Wollen wir gehen?", fragte sie.

Die Kleine nickte lediglich.

Mit der einen Hand nahm Tara L'Iarahs Sachen, mit der anderen nahm sie sie an die Hand.

"Bis morgen mein Schatz", verabschiedete sich B'Elanna, kniete vor ihrer Tochter, um diese noch einmal zu drücken.

"Tschüss Mami."

Gerade wollten die beiden das Quartier verlassen, als sie fast mit Tom zusammenstießen, der auf dem Weg zu diesem war.

"So pünktlich Tara?", wurde Tara von Tom begrüßt.

"Ja, es geschehen halt noch Zeichen und Wunder!"

"Daddy!" L'Iarah zog an Toms Hosenbein. "Ich schlafe heute bei Tante Tara!"

"Pass auf, dass sie nichts anstellt Prinzessin!"

"Klar Daddy."

Erst jetzt blinzelte Tom in sein Quartier und nahm die leuchtenden Kerzen wahr, die seine Frau aufgestellt hatte.

"Dann wünsche ich euch beiden noch viel Spaß."

Mit diesen Worten verschwand Tom in seinem Quartier.

Tara schüttelte lediglich lächelnd den Kopf.

"Am besten bringen wir erst mal deine Sachen zu mir und dann gehen wir ins Casino was essen, in Ordnung?"

"Gehen wir heute Abend aufs Holodeck?"

Tara atmete tief durch. Sie wusste nicht, ob sie noch eine Episode von Flotter überstehen würde.

"Wir werden sehen."

Während sie gingen war es einen Moment lang still. L'Iarah hatte es schwer, mir Tara Schritt zu halten und tippelte neben ihr her.

"Weißt du, Mami mag dich eigentlich."

"Ach ja?" Die Betazoidin lächelte etwas ungläubig.

"Ja. Sie ist bloß immer so gemein, weil sie Angst hat, dass ihr jemand weh tut!"

"Wo hast du denn das aufgeschnappt?"

"Das hat Daddy gesagt, als ich gefragt hab, warum er und Mami damals immer gestritten haben."

Tara lachte kurz auf.

"Aber Herzchen, ich glaube nicht, dass deine Mami Angst hat, dass ich sie verletze, sie ist bloß so gemein, wenn ihr die Argumente ausgehen."

"Was ist ein Agoment?"

"Wie soll ich dir das erklären... wenn deine Mami sagt, ich solle den Plasmaverteiler reinigen, und ich sage, es ginge nicht, weil ich krank wäre, dann ist das ein Argument." Ein schlechteres Beispiel gab es nicht.

"Aber du bist dann nicht krank, du sagst es bloß."

"Ähm... das wollen wir jetzt nicht vertiefen, okay?"

"Okay."

Wieder war es still.

"Du Tara, warum kommen Mami und Daddy denn nicht mit?"

"Weißt du Liebes, die beiden... die beiden spielen ihr eigenes Spiel!"

"Was für ein Spiel?"

"Sie sorgen dafür, dass diese Crew nicht ausstirbt!" Tara hob eine Augenbraue und konnte nicht anders und grinste.

"Und wie machen sie das?"

Tara überlegte und musste lachen. "Weißt du Schatz, das fragst du am besten deine Mami. Aber sag ihr nicht, dass ich dir von ihrem Spiel erzählt habe, sonst wird sie nämlich wirklich ziemlich... sauer."

"Aber dann sagt Mami wieder, dass sie mir das sagt, wenn ich älter bin. Wann ist denn das?"

"Das ist kein bestimmter Zeitpunkt Herzchen, du musst halt einfach warten...und immer wieder nachfragen, sonst vergisst sie es!"

L'Iarah stöhnte. "Na schön."

Es war erstaunlich, dieses Kind war wesentlich umgänglicher als ihre Eltern.

 

 
VOYAGER; BRÜCKE; 18:59 Uhr

 

Ein ruhiger Abend auf der Brücke. Das war es, was sich die meisten oft wünschten. Dieser Abend war einer der seltenen Abende, wo man sich entspannen konnte und einfach nur die Routinearbeit zu erledigen hatte.

Commander Chakotay saß in seinem Sessel und betrachtete die Sterne, die an der Voyager vorbeizogen. Captain Janeway hatte die Brücke bereits verlassen, bevor seine Schicht begonnen hatte. Sie wollte ihm aus dem Weg gehen, das wusste Chakotay.

Doch andererseits hätte er nicht länger warten wollen, endlich seine Beziehung mit Kathryn Janeway zur Sprache zu bringen. Er war sich sicher, dass sie genauso auf diesen Moment gewartet hatte wie er, doch nun ging sie ihm aus dem Weg. All die Jahre der Freundschaft, hatte er richtig gehandelt und sie aufs Spiel gesetzt?

Er wusste es nicht, aber wollte die Situation geklärt haben und wiederum dies machte ihn ärgerlich, denn er hatte nicht den Mut, aufzustehen, in den Bereitschaftsraum zu marschieren und endlich die Dinge zu klären.

Das zischende Geräusch des Turboliftes riss ihn aus seinen Gedanken.

Es war der Doktor, der gefolgt von Ziu Nergnu die Brücke betrat. Obwohl er lieber sitzen geblieben wäre, erhob sich Chakotay, er wollte nicht respektlos erscheinen.

"Ziu, darf ich Ihnen Commander Chakotay vorstellen, den ersten Offizier an Bord der Voyager."

Der Commander reichte ihr die Hand. Ziu betrachtete diese Geste erneut skeptisch, erwiderte den Gruß jedoch nicht.

Chakotay zog seine Hand zurück, Zius Verhalten verärgerte ihn nur noch mehr, doch er versuchte gelassen zu wirken.

"Ich führe Ziu auf dem Schiff herum, sie wird voraussichtlich einige Zeit hier verweilen", unterbrach der Doktor die gespannte Stille.

"Und wie gefällt Ihnen unser Schiff bisher Ziu?"

"Es ist von beachtlicher Größe, die Technik ist jedoch beschränkt und zurückgeblieben."

Wofür hielt sie sich? Mit solchen Leuten konnte Chakotay absolut nichts anfangen.

"Und warum geben Sie sich dann mit diesem... zurückgebliebenen Schiff ab und verstecken sich nicht auf einem Ihrer eigenen Schiffe?" Er hatte bereits gesagt was er gedacht hatte, bevor er sich dessen bewusst geworden war.

"Ich werde gehen wenn ich unerwünscht bin. Ihr Captain hat mir jedoch Asyl gewährt und da ich somit ihr Gast bin, sollten Sie mich auch dementsprechend behandeln."

Der Doktor wurde langsam nervös, diese Situation war kurz davor zu eskalieren.

"Ziu, was halten Sie davon, wenn wir unsere Tour für heute beenden und zur Krankenstation zurückkehren?"

Ziu hatte ihren Blick nicht von Chakotay entfernt. Erst als der Doktor sie an der Schulter berührte wandte sie sich von ihm ab. Mit einem schwachen Nicken signalisierte sie dem Doktor, dass sie seinen Vorschlag annehmen würde.

Er ließ ihr den Vortritt und bemerkte im Gehen den äußerst gereizten Blick des ersten Offiziers.

 

 
VOYAGER; FAMILIE PARIS' QUARTIER; 19:32 Uhr

 

Angesichts der lang ersehnten gemeinsamen Zeit, war das Essen für Tom und B'Elanna Paris schnell uninteressant geworden.

Das Ehepaar lag nun im gemeinsamen Bett, eng aneinandergeschmiegt.

B'Elanna hatte ihren Kopf auf Toms Brust gelegt und horchte nun dem stetigen Schlagen seines Herzens.

Sie konnte sich nur zu gut an ihre erste gemeinsame Nacht mit Tom Paris erinnern.

Es kam damals wohl durch einen Zufall, sie hatte Harry zuliebe die Aufgabe übernommen, sich um Tom zu kümmern. Dieser musste sich zu dieser Zeit von einer schweren Infektion erholen, die er sich in dem Gefängnis der Xaor zugezogen hatte. Ein unbekannter Virus der zu einer Blutvergiftung geführt hatte, das hatte der Doktor damals zu ihr gesagt. Zum Glück hatte er Tom heilen können.

Im Nachhinein war B'Elanna den Xaor in einer gewissen Weise sogar dankbar, durch sie hatte Tom damals den Mut gehabt, ihr seine Gefühle zu gestehen. Sie hatte in der Zeit unmittelbar nach diesem Vorfall oft an die Xaor und ihren Krieg denken müssen, doch mit der Zeit waren sie aus ihren Gedanken verschwunden.

Sie hatte Tom geheiratet, war schwanger geworden und wollte nebenbei ihre Pflichten als Chefingenieurin nicht vernachlässigen. Etwas, dass Captain Janeway mit einer Beförderung belohnt hatte. Nein, B'Elanna hatte in den letzten Jahren keine Zeit gehabt, an die Xaor zurückzudenken.

Doch jetzt, wo sie wieder mir dieser Auseinandersetzung konfrontiert wurde, kamen die Erinnerungen wieder hoch.

"Woran denkst du?" Tom musste bemerkt haben, dass sie mit offenen Augen träumte.

"An unsere letzte Begegnung mit den Xaor. Damals..." Plötzlich verstummte sie.

"Was ist los?" Besorgnis klang aus seiner Stimme.

B'Elanna nahm seine Hand und geleitete sie zu ihrem Bauch.

"Fühlst du es? Es bewegt sich!"

Er antwortete nicht, doch B'Elanna wusste, dass er lächelte. Er behielt seine Hand wo sie war, doch es herrschte für eine Weile Stille.

"Wie wird es sein?", fragte er schließlich.

"Was?"

"Zwei Kinder zu haben. Meinst du, wir werden es schaffen?"

"Die Frage kommt ein wenig spät, nicht wahr?"

Sie konnte spüren wie er lachte.

"Tom, wir haben uns das gleiche gefragt, bevor L'Iarah geboren wurde und es ist alles wunderbar geworden."

Wieder war es still. Tom atmete tief durch und zog seine Frau noch näher zu sich.

"Weißt du..", begann er "...ich frage mich manchmal, was mein Vater sagen würde, wenn er mich jetzt sehen würde."

"Jetzt in diesem Moment?" Beide lachten, doch B'Elanna wusste wie ernst ihm das war. "Er wäre sehr stolz auf dich, Tom."

Als B'Elanna Tom kennen gelernt hatte, hätte sie es nie für möglich gehalten, dass Tom Paris offen über seine Gefühle und Ängste sprechen könnte. Doch er hatte sie eines Besseren belehrt und sie liebte diese Gespräche, die sie ihrer Meinung nach einander noch näher brachten.

"Ob ich ihn je wi..."

Das Baby bewegte sich wieder. Tom hatte es offensichtlich bemerkt, er zuckte leicht zusammen und strich dann mit seiner Hand über B'Elannas Bauch.

"Tom, du wirst ihn wiedersehen und du wirst ihm die beiden wundervollsten Enkelkinder bringen, die man sich nur vorstellen kann."

"Und die wundervollste Ehefrau."

"Oh und wann stellst du sie mir vor?"

Tom grinste, zog B'Elanna zu sich hoch und küsste sie. Kurz machte er Pause und sie hörte ihn etwas murmeln. Er murmelte "Ich liebe dich."

 

 
VOYAGER; CASINO; 19:33 Uhr

 

Zu dieser Zeit war es immer relativ leer im Casino, die meisten hatten Dienst oder aßen in ihren Quartieren.

L'Iarah saß vor einem Teller, der bis eben noch mit einem Stapel Pfannkuchen gefüllt gewesen war.

"Mami würde mir nie erlauben am Abend Pfannkuchen zu essen."

"Darum bin ich ja auch deine Tante! Wir werden's ihr einfach nicht erzählen." Satt lehnte sie sich zurück, als ihr Blick auf eine ihr nicht sehr sympathische Person fiel.

Fähnrich Danielle Miller hatte das Casino betreten und steuerte geradewegs den Tisch Taras an. Sie setzte ihr zuckersüßes Lächeln auf und stellte sich demonstrativ vor die beiden.

"Guten Abend Fähnrich Loyess...."

"Kim..", unterbrach Tara "...das scheinen Sie vergessen zu haben, ich bin verheiratet!"

"Oh natürlich, es muss mir entfallen sein." Ihr Blick fiel auf L'Iarah. "Was machen Sie mit dem Paris-Kind?"

Tara wusste, dass es erneut zu einem Wortgefecht kommen würde und deutete L'Iarah von ihrem Stuhl zu klettern.

"L'Iarah Spatz, geh doch bitte kurz zu Onkel Neelix, du könntest hier Begriffe aufschnappen, für die mich deine Mutter töten würde!"

Die Kleine kletterte von ihrem Stuhl und rannte in Richtung Küche.

"Ich hätte nicht gedacht, dass man Ihnen die Verantwortung für ein Kind überlassen würde, wer weiß..."

"Und damit bin ich einem Kind von Tom Paris näher als sie es jemals sein werden Danielle!"

Der Punkt ging eindeutig an Tara und Danielle Miller suchte mit angespannten Gesichtszügen nach weiteren Gemeinheiten.

"Es ist ja auch kein Wunder, dass Sie ein Kind von jemandem anderen haben wollen, da es ja immer sein könnte, dass Ihr eigener Mann ja vielleicht schon ein Kind bei seiner Verlobten auf der Erde hat!"

Tara antwortete nicht. Stattdessen sah sie Danielle sehr tief in die Augen, was diese irritierte.

"Was ist, sind Ihnen die Argumente ausgegangen?"

Tara lächelte nur, schüttelte leicht den Kopf und stand auf um zu gehen.

Danielle hielt sie am Arm fest. "Sie haben meine Gedanken gelesen, nicht wahr?"

"Sind wir ein wenig paranoid? Was könnte ich denn so Schlimmes gesehen haben?"

"Das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben, ich werde Captain Janeway davon berichten und dann wird Ihnen Ihr Lächeln schon vergehen."

Tara riss ihren Arm los und ging in Richtung Küche, wo L'Iarah ihre Unterhaltung beobachtet hatte. Tara nahm sie an der Hand und verließ das Casino.

Verärgert zog Tara L'Iarah regelrecht den Korridor entlang.

"Warum bist du gemein zu der Frau?" L'Iarah konnte sich manche Namen noch nicht merken, dazu lebten viel zu viele Leute auf der Voyager.

"Aus dem selben Grund wie deine Mutter nicht möchte, dass du sie Tante nennst."

Die Betazoidin bemerkte die Anstrengung, mit der L'Iarah versuchte, Schritt zu halten und verlangsamte ihr Tempo wieder.

L'Iarah überlegte kurz.

"Sie ist ein böser Mensch oder?"

Tara lächelte. "So würde ich es nicht ausdrücken, sie ist bloß sehr verbittert."

"Was heißt verbittert?"

"Ähm, wenn man zum Beispiel über 30 Jahre alt ist und noch immer nicht verheiratet, dann wird man sehr schnell verbittert."

"Dann ist Tante Kathryn verbittert?"

Tara konnte nicht anders, sie musste einfach lachen.

"Nein Schatz, Tante Kathryn ist der Captain!"

"Dann ist man als Captain verbittert?"

"Lass uns das Thema wechseln, okay?"

"Gut." Eine kurze Weile war es still. "Warum hast du kein Kind?"

"Ach weißt du ich... ich weiß es nicht, ich hab nie darüber nachgedacht!"

"Musst du aber mal."

"Na wenn du mir das sagst!" Tara war dieser Gedanke zwar nicht zum ersten Mal gekommen, doch sie hatte es noch nie wirklich in Betracht gezogen. "Komm, du musst jetzt ins Bett, ich les dir vorher noch etwas vor!"

 

 
VOYAGER; KRANKENSTATION; 19:37 Uhr

 

Vor bereits einer Viertelstunde waren der Doktor und Ziu wieder auf die Krankenstation zurück gekehrt. In dieser Viertelstunde hatten die beiden kaum miteinander gesprochen, der Konflikt, der auf der Brücke stattgefunden hatte, lag noch in der Luft.

Der Doktor hatte sich sofort in sein Büro begeben, mit dem Vorwand, er hätte noch zu arbeiten. Alles, nur um diesem Gespräch aus dem Weg zu gehen.

Doch es sollte ihm nicht gelingen, denn Ziu hatte dies allem Anschein nach bemerkt und gesellte sich zu ihm in sein Büro.

"Ich bin nicht willkommen an Bord dieses Schiffes", schlussfolgerte sie.

"Ziu, Sie wissen, dass das nicht wahr ist."

"Sie lügen."

"Wissen Sie, diese Crew hat nicht besonders gute...Erfahrungen mit ihrer Spezies gehabt, Sie dürfen nicht erwarten, dass man Sie mit offenen Armen empfängt."

"Meine Spezies hat auch keine besonders guten Erfahrungen mit der Voyager gehabt! Sie haben diesen Krieg ausgelöst und waren Schuld an der Koalition."

"Wir haben lediglich versucht Ihnen zu helfen!"

"Und wir haben uns nur verteidigt. Ich denke wir haben zu verschiedene Ansichten in dieser Sache und sollten dieses Gespräch beenden."

"Das denke ich auch." Der Doktor wollte seine Tätigkeit fortsetzen, doch Ziu verließ sein Büro nicht. "Und was möchten Sie nun machen?"

Ziu überlegte einen Moment und wirkte noch finsterer als sonst.

"Wenn wir unsere Tour durch ihr Schiff verschieben müssen, hätten Sie Interesse daran, unsere Kultur ein wenig kennen zulernen?", fragte der Doktor

"Was haben Sie sich vorgestellt?"

"Wir haben ein Holoprogramm, das von Mr. Paris geschrieben wurde, in dem sich die Crew sehr gerne aufhält. Es heißt Sandrine's Salon."

"Was hat dieses Programm für eine Funktion?"

"Man kann sich dort...entspannen!"

"Eine interessante Lebensweise. Zeigen Sie mir das Programm!"

"Haben Sie es schon einmal mit dem Wort 'bitte' versucht?"

Es schien, als sei Ziu dieses Wort fremd, sie war sichtlich verwundert über die Aussage des Doktors.

Als er merkte, dass er keine Antwort zu erwarten hatte, ging der Doktor zu der Kontrollkonsole und seine holographischen Finger huschten über die Schaltflächen.

"Ich transferiere uns auf das Holodeck, halten Sie sich bereit."

 

 
VOYAGER; FAMILIE PARIS' QUARTIER; 20:04 Uhr

 

Tom Paris erwachte aus einem kurzen Schläfchen. Er tastete mit seiner Hand die andere Seite des Bettes ab, in der Hoffnung, seine Frau vorzufinden, jedoch ohne Erfolg.

Dieser Umstand zwang ihn, schließlich doch seine Augen zu öffnen. Und als er sich aufrichtete, bemerkte er B'Elanna, die mit dem Rücken zu ihm gewendet in ihrem Bademantel am Tisch saß.

Nach seinem eigenen Bademantel greifend, stand Tom gähnend auf und ging langsam in die Richtung seiner Frau.

Diese hatte ihn wohl nicht bemerkt, denn sie zuckte zusammen, als er ihr einen Kuss auf die Schulter gab.

"Ich wollte dich nicht wecken, tut mir leid", sagte sie leicht abwesend.

"Du hast mich nicht geweckt."

Tom nahm neben ihr Platz.

"Ist alles in Ordnung?", fragte er schließlich besorgt.

"Ja... ja, ich konnte nur nicht schlafen."

Es schien als würde B'Elanna wieder in die Realität zurückkehren.

"Unser Sohn ist ganz schön munter." B'Elanna schmunzelte.

"Unser Sohn?", fragte Tom irritiert. "Wieso bist du dir da so sicher?"

"Mütterliche Intuition. So etwas spürt man."

"Und was hat deine... 'mütterliche Intuition' damals bei L'Iarah gesagt?"

"Hey, glaubst du mir etwa nicht?"

Tom hob schützend die Hände.

"Wenn es um Frauensachen geht, werde ich mich bestimmt nicht mit dir streiten!"

"Ist auch besser so!"

B'Elanna zog ihren Mann am Kragen seines Bademantels zu sich um küsste ihn.

"Komm wieder ins Bett", meinte Tom schließlich.

Als keine merkbare Reaktion seiner Frau kam, nahm er ihre Hand und zog sie zu ihrem gemeinsamen Bett.

B'Elanna kuschelte sich eng an Tom, doch sie konnte noch immer nicht schlafen.

Etwas bewegte sie. Was wäre, wenn ihre Liebe irgendwann nicht mehr so stark sein würde, wie in diesem Moment? Tara hatte einmal zu ihr gesagt, Tom sei B'Elannas Suhli, also derjenige, der für sie bestimmt war. Auch wenn B'Elanna Taras Glauben nicht teilte, hatte dieser Satz sie sehr lange beschäftigt. War Tom ihr Schicksal? Würde sie den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen? Sie wusste es nicht.

Das Einzige was sie wusste, war dass sie in diesem Moment, mit Tom neben ihr und einem zweiten Kind unterwegs, glücklicher war als je zuvor in ihrem Leben.

Und sie wusste, dass es Tom genauso ging.

 

 
VOYAGER; HARRY & TARA KIMS QUARTIER; 20:16 Uhr

 

Zu Taras Erleichterung hatte L'Iarah auf ein weiteres Kapitel von Flotter verzichtet.

Während Tara nun schließlich doch zum Lesen kam, machte sich die kleine L'Iarah fürs Bett fertig.

Plötzlich kam sie in ihrem Schlafanzug aus dem Badezimmer gelaufen und sprang auf das große Bett.

Erschrocken zuckte Tara zusammen und lies ihr Buch fallen.

"Schatz, was sag ich dir immer?"

"Erzähl's nicht Mami?!"

"Nein! Ich meine, du sollst nicht auf dem Bett rumhüpfen!"

"Liest du mir noch etwas vor?"

"Ach Herzchen, ich fürchte in meiner Büchersammlung ist nichts für dein Alter dabei!"

"Erzählst du mir dann noch mal, wie Mami und Daddy sich verliebt haben?"

"Noch mal? Ich hab dir das schon mindestens hundertmal erzählt! Sie haben sich nicht besonders gemocht, dann wurden sie Freunde, sie stritten die ganze Zeit und haben sich verliebt."

"Dann wie sie sich verheiratet haben!"

Tara legte das Buch auf den Tisch, der sich neben ihr befand und stand aus dem großen Sessel auf, um sich dann neben L'Iarah auf das Bett zu setzen.

Die Kleine kuschelte sich unter die Decke, welche Tara eng um sie wickelte.

"Die Hochzeit deiner Eltern...hm, lass mich überlegen. Den Antrag hat er ihr an ihrem Geburtstag gemacht, vor der versammelten Crew. Er hat damals den Ring in das Champagnerglas getan und es wäre fast an die falsche Person gegangen. Es gab auf jeden Fall noch eine große Verlobungsfeier, die von Onkel Harry und Tante Kathryn geplant wurde, damals war die Verlobung der beiden das reinste Wunder für uns alle.

Die Hochzeit selber hat sich als etwas schwieriger erwiesen, es gab viele Streitereien. Es wurde schließlich eine klingonisch-menschliche Trauung. B'Elanna in dem traditionellen klingonischen Gewand und Tom im Smoking, es sah wirklich interessant aus. Auch die Trauung war sehr innovativ, irgendwie hatte es Tante Kathryn geschafft, klingonische Bräuche in die menschliche Zeremonie einzubauen.

Sie haben auf Kartios IV geheiratet, einem wunderschönen Planet, den wir einmal entdeckt haben. Es war fast so schön wie auf Betazed, alles schimmerte irgendwie magisch und es war eine fast mystische Atmosphäre. Wunderschöne Pflanzen überall, so schön, dass man es nicht beschreiben kann und ein kristallklarer türkisfarbener Fluss, der einen kleinen See bildete. Es war wirklich atemberaubend.

Die Feier haben wir..." Tara stoppte, als sie merkte, dass L'Iarah bereits eingeschlafen war.

"Schlaf schön", flüsterte sie, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und setzte sich dann wieder in ihren Sessel, nahm ihr Buch und schlief bald über diesem ein.

 

 
VOYAGER; HOLODECK 1; 20:17 Uhr

 

Es war mehr als deutlich, dass Ziu noch immer nicht wusste, was sie von dem Holoprogramm Toms halten sollte. Der Doktor hatte mehrmals vergebens versucht, ihr den Sinn eines solchen Holoprogramms begreiflich zu machen, doch anstatt sich weiterhin den ihrer Meinung nach sinnlosen Belehrungen des Doktors auszusetzen, zog Ziu es vor, die holographischen Leute einfach von einem der Tische aus zu beobachten.

"Wissen Sie Ziu, so faszinierend diese Beobachtungen auch immer sein mögen, sie werden langsam langweilig!"

Ziu warf ihm einen ausdruckslosen, kalten Blick zu.

"Zeit spielt für Hologramme keine Rolle", entgegnete sie trocken.

"Für mich schon! Wir sitzen hier bereits über eine halbe Stunde. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Beobachtungen Sie in irgendeiner Weise weiterbringen!"

"Genauso wie Ihre Bemühungen, mir das Verhalten Ihrer Crew aus Ihrer Sicht nahe zu bringen."

"Da haben Sie wohl recht", gab der Doktor misswillig zu. "Was würden Sie von etwas praktischer Erfahrung halten?"

"Was hatten Sie im Sinn?"

"Spielen Sie Pool, tanzen Sie..." er konnte keine große Begeisterung in ihrem Blick wiederfinden "... oder versuchen Sie es für den Anfang mit einfacher Konversation!"

"Mit wem soll ich mich unterhalten?"

"Wie wäre es mit der Besitzerin dieses Etablissements? Madame Sandrine ist eine sehr... interessante Person."

"In Ordnung. Wo finde ich diese Person?"

"Folgen Sie mir."

Der holographische Arzt erhob sich und reichte ihr die Hand.

Sehr zur Überraschung des Doktors schien sie diese Geste zu verstehen und legte ihre Hand in die seinige.

Sie fanden Madame Sandrine an der Bar wieder, wo es ihr ein Gast augenscheinlich angetan hatte.

Als sie jedoch den Doktor erblickte, ließ sie augenblicklich von ihrem Verehrer ab und ging mit geöffneten Armen auf ihn zu.

Der Doktor konnte nicht viel tun um der Umarmung zu entgehen, ließ sie also über sich ergehen. Ziu betrachtete diese Aktion sehr skeptisch.

"Madame Sandrine, darf ich Ihnen Ziu vorstellen?"

Sandrine wandte sich nur auf Nachdruck des Doktors von ihm ab, um ihren Blick auf Ziu zu richten. Ihr Lächeln verschwand, als sie ihre Konkurrentin musterte.

"Ist sie Ihre Freundin?", fragte sie.

"Sie ist ein Gast bei uns."

"Sie ist hübsch. Finden Sie sie attraktiv?"

Sandrine konzentrierte sich nun wieder voll und ganz auf den Doktor und fing an, an dem Kragen seiner Uniform herumzuspielen.

Der Doktor hatte sichtlich alle Mühe, Sandrine von sich fernzuhalten und ihren flinken Händen zu entgehen.

"Wissen Sie Ziu, ich denke es war doch keine gute Idee. Am besten wir gehen jetzt."

Er konnte sich schließlich von Sandrine befreien und ging mit Ziu zu der Konsole, mit der er die beiden zur Krankenstation transferieren wollte.

"Halten Sie sich bereit!", sagte er, während er auf der Konsole tippte.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen befanden sich die beiden wieder auf der Krankenstation.

"Ich muss gestehen...", begann Ziu "...dieser Abend hat mir viele Aspekte nahegebracht."

"Inwiefern?", fragte der Doktor. Er war davon ausgegangen, kläglich gescheitert zu sein.

"Diese Person hat einen gewissen Neid über mich gebracht."

"Neid?", fragte er und glaubte seinen Ohren nicht zu trauen.

"Man nennt es in ihrer Sprache soweit ich weiß... Eifersucht!"

Der Doktor schwieg. Er fühlte sich ohne Zweifel geschmeichelt. Und bei näherem Überlegen musste er gestehen, auch er hatte Ziu auf eine gewisse Weise liebgewonnen.

"Auch für mich war dieser Abend... etwas Besonderes."

Ziu zeigte zum ersten Mal etwas, dass man als Lächeln hätte deuten können.

"Ich schlage vor, wir deaktivieren uns jetzt!"

 

 
VOYAGER; FAMILIE PARIS' QUARTIER; 08:46 Uhr

 

Der Duft von frischem Kaffee, Brötchen und ein sanfter Kuss weckten B'Elanna aus dem Schlaf. Langsam öffnete sie ihre Augen. Das Zimmer war minimal beleuchtet, gerade genug, um etwas zu sehen.

Doch das Einzige, worauf sie achten konnte, waren die blauen Augen von Tom Paris, die sie im Moment lächelnd ansahen.

"Hey!", sagte er und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Frühstück ist fertig!"

Er drehte sich um und holte ein großes Tablett hervor, auf dem sich zwei Tassen Kaffee, Brötchen, Himbeermarmelade und Erdnussbutter befanden. B'Elanna hatte sich nie mit der Erdnussbutter anfreunden können, aber für Tom war sie unentbehrlich.

Frühstück im Bett, Dinge, die Tom entweder tat, wenn B'Elanna schwanger war, sauer auf ihn oder wenn sie Geburtstag hatte. Als sie gerade zusammengekommen waren, war dies öfter vorgekommen, aber der Alltag und die Arbeit hatten diese Geste bald verschwinden lassen.

Erst jetzt fiel B'Elanna auf, dass Tom bereits seine Uniform trug.

"Warum bist du schon angezogen?", fragte sie, obwohl sie sich die Antwort bereits denken konnte.

"Der Captain hat mir heute morgen mitgeteilt, dass ich heute dringend auf der Brücke benötigt werde."

Damit hatte sich der Grund für das Frühstück im Bett geklärt. B'Elanna seufzte und nahm einen Schluck Kaffee.

"Und wieso musst ausgerechnet du auf die Brücke? Du bist nicht der einzige an Bord der dieses verfluchte Schiff fliegen kann!"

"Ich weiß", sagte er reumütig " Janeway wollte mir noch nichts Genaueres sagen. Aber sie bestand darauf, dass ich komme!"

"Und wann musst du dort sein?" B'Elannas Stimmung hatte mehr als deutlich eine Kehrtwendung gemacht.

"In einer halben Stunde."

So hatten sich beide diesen Morgen nicht vorgestellt.

 

 
VOYAGER; HARRY & TARA KIMS QUARTIER; 08:46 Uhr

 

Ruckartig erwachte Tara aus einem Traum in ihrem Sessel. Sie hatte geträumt, dass sie Harry vorgeschlagen hatte, ein Baby zu bekommen und er hatte gemeint, sie sollten noch warten und im nächsten Moment waren sie furchtbar alt gewesen und er wollte noch immer warten.

Tara schüttelte sich, um diese Vorstellung wieder loszuwerden.

L'Iarah schlief noch immer ruhig und friedlich.

"Computer, wie spät ist es?", flüsterte Tara.

"Es ist 8:46 Uhr", gab der Computer unfreundlich laut zur Antwort.

Verdammt, sie hatte verschlafen. In zehn Minuten musste Tara bei Neelix sein. Als die Zahl der Kinder an Bord angestiegen war, hatte er einen kleinen Kindergarten eingerichtet, damit sie nicht allein in ihrem Quartier sein mussten.

Noch immer müde und gähnend stand Tara auf, streckte sich und setzte sich zu L'Iarah auf das Bett.

"Spätzchen, aufstehen!"

Sie erwachte nur äußerst schwermütig und blinzelte Tara mit verschlafenen Augen an.

"Wir haben ein wenig verschlafen und müssen uns ein bisschen beeilen", fügte sie hinzu.

Tara war sich nicht sicher, ob L'Iarah ihre Aussage überhaupt registriert hatte, denn sie schloss ihre Augen wieder.

"Spätzchen, steh bitte auf, wir müssen gleich los!", wiederholte sie.

Als noch immer keine Reaktion kam, nahm sie die kleine auf den Arm und trug sie ins Badezimmer.

Als sich beide schneller als sonst fertig gemacht hatten und L'Iarah schon fast wach war, griff Tara sich noch schnell ihr Padd und die, die L'Iarah für den Unterricht benötigte und stürmte dann mit der Kleinen an der Hand aus dem Quartier.

"Ich hoffe, es macht Neelix nichts aus, wenn wir etwas zu spät sind", überlegte Tara laut.

"Wieso muss ich immer in die Schule?", fragte L'Iarah müde und versuchte mit Tara Schritt zu halten.

"Ach Schatz, in deinem Alter solltest du noch Spaß an der Schule haben."

"Aber Joey ist immer gemein zu mir und er bewirft mich immer", quengelte L'Iarah.

Erneut grinste Tara.

"Glaub mir, wenn du älter bist, wirst du dazu eine andere Einstellung haben."

L'Iarah mochte ihre Tante Tara sehr gerne, doch oft wusste sie nicht, was sie meinte. Das ständige 'Wenn du älter bist...' oder ihre Art wie sie antwortete, wenn L'Iarah etwas über ihre Eltern fragte, verwirrten sie einfach. Sie konnte nur hoffen, dass sie alles verstehen würde, wenn sie älter wäre, wann das auch immer sein mochte.

 

 
VOYAGER; CASINO; 09:03 Uhr

 

Endlich erreichten sie das Casino, in welchem sich bereits die meisten der Kinder eingefunden hatten. Sie waren anscheinend nicht die einzigen, die zu spät gekommen waren.

Tara sah die ganzen Eltern, wie sie sich von ihren Kindern verabschiedeten und bekam ein ganz mulmiges Gefühl. Warum beschäftigte sie das so?

Als sie noch weiter in den Raum trat, sah sie Helen, die vor ihrem Sohn Joey kniete und ihm einen Kuss auf die Wange gab.

"Lauf schon mal zu den anderen", sagte Tara zu L'Iarah, die sich von ihrer Hand löste und zu ihren Freunden rannte.

Tara selbst steuerte auf Helen zu, die jetzt aufstand und ihr Kind ebenfalls zum Spielen schickte.

"Hey!", sagte Tara als sie sie erreichte.

"Hi! Was machst du denn hier?", fragte Helen überrascht.

"Ich habe L'Iarah hergebracht", antwortete sie.

Das schien Helen fast zu betrüben, sie lächelte dennoch etwas zaghaft. Die beiden hatten sich über die letzten Jahre hinweg voneinander entfernt, das hatte schon begonnen, als sie mit Harry zusammengekommen war. Anfangs hatten sie jeden Abend noch lange geredet, schließlich hatten sie zusammen gewohnt, doch je mehr Zeit sie mit Harry verbracht hatte, desto weniger mit Helen.

"Sag mal..", sagte Tara nach einem stillen Moment "... hast du kurz Zeit? Ich muss unbedingt mit jemandem reden."

"Es tut mir leid, aber ich habe jetzt Dienst. Vielleicht können wir uns ja in zwei Stunden treffen."

"Ja... ja, das können wir", sagte Tara enttäuscht.

"Dann bis später", sagte Helen und ließ Tara dann allein.

 

 
VOYAGER; JANEWAYS BEREITSCHAFTSRAUM; 09:13 Uhr

 

Müde suchte Captain Kathryn Janeway mit ihrer Hand nach der Tasse Kaffee, die auf ihrem Schreibtisch stand. Als sie sie gefunden hatte, nahm sie noch immer in ihrem Padd lesend einen großen Schluck, doch der Kaffee war mittlerweile schon fast kalt.

Sie stellte die Tasse wieder ab, lehnte sich in ihrem Sessel zurück und rieb sich die Augen. Sie hatte die ganze Nacht in ihrem Bereitschaftsraum verbracht und neben dem Buch auch einige Daten durchgearbeitet, die sie von Zius kleinem Schiff überspielt hatten.

Sie war müde und ihr taten die Augen weh und dennoch wollte sie nicht aufhören. Es erschien ihr merkwürdig, dass diese alte Geschichte sie nach so langer Zeit wieder einholte.

Jedoch schien alles Zius Geschichte zu bestätigen. Wie der Krieg ausging, die Bildung der Koalition und die Vernunftehe Nergnu und Filpors.

Was besonders interessant gewesen war, waren einige persönliche Aufzeichnungen Zun Nergnus. Wie es schien, hatte Ziu sein privates Schiff zur Flucht genommen. Er hatte in diesen Logbüchern oft erwähnt, wie groß der Druck zwischen den Völkern wäre und wie groß auch die Unterdrückung wäre.

Die Aufzeichnungen begannen mit einem Eintrag, vor wohl ungefähr einem Jahr, bei dem Nergnu mitteilte, dass er auf dieses Schiff ziehen würde, da es unmöglich sei, auf der Basis zu leben. Und die Aufzeichnungen endeten bevor Ziu ihre Prüfung haben sollte. Leider stimmten die Zeitmaße seines Volkes und der Voyager nicht überein, Janeway hätte gerne die Daten gewusst.

Erneut gähnend legte sie jetzt auch das Padd ab und griff wieder nach dem Buch. Sie hatte den unbewussten Beschluss gefasst, erst wieder mit Chakotay zu reden, wenn sie das Ende des Buches kannte. Vielleicht steckte ja doch mehr dahinter.

Sie blätterte zu der Stelle, bei der sie aufgehört hatte zu lesen. Mit einem Seufzer setzte sie das Lesen fort, als sie plötzlich von dem überraschend ertönenden Geräusch des Türmelders aufschreckte. Sie war nur froh, dass sie sich nicht wieder Kaffee über die Uniform geschüttet hatte.

"Ja bitte", sagte sie und legte das Buch wieder auf dem Tisch ab.

Als sich die Türen öffneten, weiteten sich Janeways Augen; In der Tür stand Chakotay.

Schnell versuchte sie das Buch irgendwie vor ihm zu verdecken, aber natürlich hatte er es bemerkt.

"Chakotay!", platzte es aus ihr heraus. "Guten Morgen", fügte sie schnell hinzu.

"Mal wieder eine durchgemachte Nacht im Bereitschaftsraum?", fragte er schmunzelnd.

Jetzt musste auch Kathryn lächeln.

"Ich habe die Daten von Zius Schiff durchgesehen", sagte sie.

"Etwas Interessantes?", fragte er, nicht weil es ihn wirklich interessierte, vielmehr um nicht bloß dazustehen und nichts zu sagen.

"Alles scheint Zius Geschichte zu bestätigen." Sie setzte erneut einen reuevollen Blick auf.

"Kathryn...du bist nicht Schuld daran!", versuchte er ihr zu versichern, obwohl er sich sicher war, dass er damit keinen Erfolg haben würde.

Und dennoch lächelte sie, es war ein netter Versuch gewesen.

"Wieso bist du hier?", fragte sie nach einer kurzen Pause.

"Es ist 9:15 Uhr und der Captain wird auf der Brücke vermisst", deutete er grinsend an.

"Schon so spät? Ich muss die Zeit vollkommen vergessen haben."

Mit diesen Worten stand sie auf und räumte einige Sachen auf. Chakotay beobachtete sie dabei und wurde nervöser.

"Wie... wie findest du das Buch?", fragte er zaghaft.

Das hatte ihre Aufmerksamkeit erlangt.

"Ich bin noch nicht dazu gekommen, viel darin zu lesen", log sie.

Chakotay nickte enttäuscht.

"Ich... ich werde jetzt Tara den Wissenschaftsdienstplan bringen", sagte er, um das Thema zu wechseln.

Tara, das hatte sie vollkommen vergessen. Danielle Miller hatte sich bereits gestern erneut über sie beschwert und sie hatte zugesagt, noch einmal mit Tara darüber zu reden. Und langsam hatte sie diese Gespräche über ein und dasselbe Thema satt und sie dachte, Tara würde es genauso gehen.

Als Chakotay keine weitere Antwort von Janeway erhielt, machte er kehrt und verließ ihren Bereitschaftsraum wieder. Janeway seufzte auf. Wie sollte sie sich nur je über ihre Gefühle klar werden?

 

 
VOYAGER; FAMILIE PARIS' QUARTIER; 9:17 Uhr

 

B'Elanna lag noch immer in ihrem Bett und hing ihren Gedanken nach. Sie starrte zur Decke und überlegte, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wäre sie nie auf die Voyager gekommen. Und hätte sie nie Tom getroffen.

Wieso fing sie gerade jetzt an, über solche Dinge nachzudenken?

Tom eilte aus L'Iarahs Zimmer auf sie zu.

"Ich muss jetzt los", sagte er hastig und beugte sich um ihr einen flüchtigen Abschiedskuss zu geben.

Doch sie wollte nicht loslassen und zog ihn weiter zu sich aufs Bett.

"B'Elanna, ich kann nicht schon wieder zu spät kommen." Er versuchte sichtlich mit aller Mühe seine Selbstkontrolle zu erhalten.

Doch sie ließ ihn nicht zu Wort kommen und arbeitete sich mit einer Mischung aus Küssen und leichten Bissen von seinem Mund über seine Wange zu seinem Ohrläppchen vor.

Tom schloss die Augen und versuchte krampfhaft zu widerstehen.

"B'E... B'Elanna bitte", schaffte er gerade noch zu hauchen.

"Willst du, dass ich aufhöre?", flüsterte sie ihm sanft ins Ohr.

Tom zog seinen Kopf etwas zurück, gerade soviel um seiner Frau in die Augen sehen zu können. So blieb er einen Moment sitzen und beobachtete sie einfach. Es gab bei weitem keine Frau, die er so schön fand wie sie.

Tom verringerte den Abstand zwischen ihnen schlagartig, um sie erneut zu küssen und rollte mit ihr über das Bett.

Jedoch wurden sie vom Geräusch des Türmelders unterbrochen und beide ließen seufzend die Anspannung aus ihren Körpern entweichen.

"Lass sie doch einfach denken wir wären nicht da", murmelte Tom auf sie herab und fing an ihren Hals zu küssen. "Und was ist, wenn es etwas Wichtiges ist? Du hast schließlich Dienst", sagte B'Elanna grinsend.

Das Geräusch ertönte ein zweites Mal und hätten sie es nicht besser gewusst, hätten sie schwören können, dass es dieses Mal energischer geklungen hatte.

"Tom, wir sollten wirklich die Tür öffnen."

Tom gab erneut keine Antwort und schien sie vollkommen zu ignorieren.

"Tom!", sagte sie jetzt wesentlich energischer und schubste ihn dabei vom Bett.

Mit einem lauten Knall landete er auf dem Boden und sah sie mit einem genervten Blick an.

"Ich dachte über diese Zeiten wären wir seit L'Iarah hinaus?!", sagte er und war sichtlich frustriert über die abrupte Unterbrechung.

"Die Tür!", sagte sie lediglich und zeigte zur Tür. Sie konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, es sah zu lustig aus, wie er auf dem Boden lag. Sie konnte sich noch zu gut an das letzte Mal erinnern, als sie ihn aus dem Bett geworfen hatte. Damals waren es jedoch andere Umstände gewesen.

Seufzend richtete Tom sich wieder auf und folgte der Aufforderung seiner Frau.

"Ja Ma'am", sagte er mit einem Grinsen und öffnete die Tür.

Die sich öffnende Tür gab Tara Loyess preis, die Tom ansah, als hätte er ein wichtiges Treffen verpasst.

"Wieso hat das so lange gedauert?", fragte sie irritiert uns schien ziemlich nervös. "Warte, wenn ich deinen Gesichtsausdruck sehe, denke ich, es ist besser, wenn ich nicht frage!", fügte sie hinzu.

Tom, der sie bis eben noch genervt durch die Störung angesehen hatte, musste jetzt unwillkürlich lächeln.

"Ich muss auf die Brücke", entschuldigte er sich, drehte sich kurz um, um B'Elanna zuzuzwinkern und dann im Korridor zu verschwinden.

B'Elanna setzte sich seufzend auf die Kante ihres Bettes, als Tara das Quartier betrat. War es das wirklich wert gewesen, Tom vom Bett zu werfen?

"Was ist los?", fragte sie und schreckte dann auf, als ihr etwas einfiel. "Ist etwas mit L'Iarah?"

"Nein, sie ist bei Neelix, wie jeden Morgen!", tadelte Tara B'Elanna und trat noch einen Schritt näher.

B'Elanna atmete innerlich auf und musterte dann Taras Hände, welche nervöse Gesten vollführten.

"Was ist es dann?" B'Elanna stellte sich innerlich auf eine lange Geschichte ein. Ihr blieb auch nichts erspart.

"Na ja, L'Iarah hat gestern etwas gesagt...es hat natürlich nichts mit ihr zu tun...es ist nur...das hat mich wirklich beschäftigt und ich glaube...ich meine, ich schätze, ich bin mir nicht sicher,...doch ich glaube ich bin mir sicher..", stammelte Tara.

"Tara!", unterbrach B'Elanna sie energisch und ließ die Betazoidin kurz aufschrecken. "Was zur Hölle ist los?"

"Ich...ich will ein Baby!", brachte sie es endlich heraus.

B'Elanna musterte sie zunächst mit großen Augen.

"Denkst du nicht, dass du dann hier falsch bist?", fragte B'Elanna dann trocken.

"Sehr komisch! Ich wollte mit jemandem reden, der das schon hinter sich hat und Helen hatte schon etwas zu tun und...und...ich wollte deinen...Rat."

B'Elanna schien mehr und mehr überrascht.

"Du willst meinen Rat in Sachen Kinder? Willst du wissen, ob ich dich für eine geeignete Mutter halte?"

Tara nickte hastig und setzte sich neben B'Elanna auf die Bettkante.

"Ich weiß, dass dir das ernst ist, also werde ich dir auch ernst antworten. Ja, ich denke du wärst eine gute Mutter", antwortete B'Elanna.

Tara strahlte förmlich.

"Wirklich? Ich meine, kann man sich auf so etwas irgendwie vorbereiten?"

"Zunächst mal solltest du Harry über deinen Kinderwunsch informieren! Ansonsten kann man sich nicht darauf vorbereiten, Mutter zu sein. Man ist einfach bereit", sagte B'Elanna mit einem leichten Lächeln.

"Wie wusstest du, dass du bereit warst?"

Als B'Elanna etwas über diese Frage nachdachte, musste sie grinsen.

"Sagen wir einfach, meine erste Schwangerschaft kam unerwartet", antwortete sie zu Taras großer Verdutztheit.

"Janeway an Fähnrich Kim", unterbrach Janeways Stimme die wohl ruhigste Unterhaltung, die Tara und B'Elanna je gehabt hatten.

"Tara hier, was gibt es Captain?"

"Melden Sie sich in meinem Bereitschaftsraum, wir haben etwas zu besprechen." Janeway klang nicht besonders erfreut.

"Ich bin auf dem Weg, Tara Ende." Sie sah zu B'Elanna. "Ich werde dann mal gehen."

Sie stand auf und als sie schon die Tür erreicht hatte, drehte sie sich noch einmal um.

"Danke", sagte sie und lächelte.

B'Elanna erwiderte ihr Lächeln, eine Geste die sehr selten war.

"Tara..", hielt B'Elanna sie noch ein letztes Mal auf. "... du solltest mit Harry reden!"

Tara nickte schwerfällig und verschwand dann.

 

 
VOYAGER; BRÜCKE; 9:34 Uhr

 

Tara stolperte beinahe aus dem Turbolift, so eilig hatte sie es, nicht erneut zu spät zu einer Vorladung des Captains zu kommen.

Sie warf einen flüchtigen Blick zur Ops, doch Harrys Schicht war offensichtlich bereits beendet, was den Schluss nahe legte, dass er wieder in ihrem Quartier war.

Bevor sie den Bereitschaftsraum erreicht hatte, hielt Chakotay sie auf.

"Fähnrich Kim, ich habe den Dienstplan für die Wissenschaft."

Er reichte ihr ein Padd und Tara nahm es nickend entgegen.

"Danke", sagte sie und drehte sich dann wieder zu der Tür des Bereitschaftsraum des Captains um.

Einige Sekunden, nachdem sie den Türmelder betätigt hatte, erhielt sie die Erlaubnis, einzutreten.

 

 
VOYAGER; JANEWAYS BEREITSCHAFTSRAUM; 9:36 Uhr

 

Als Tara den Raum betrat, legte Janeway ihr Padd aus der Hand. Tara lächelte sie, wie eigentlich immer, freundlich an.

"Was gibt es Captain?" Sie wollte möglichst gleich auf den Punkt kommen, um dann zu Harry zu können.

"Der gleiche Grund, wegen dem Sie immer und immer wieder herkommen. Tara ich dachte wir hätten das ein für allemal geklärt."

Tara sah sie einen Moment verwirrt an, verstand dann aber. Ihr Gedankenlesen war erst vor vier Monaten zum Problem geworden. Vor genau vier Monaten waren sie auf eine Rasse, die sich Azuri nannte, getroffen, die telepathisch zu den weitentwickeltsten Wesen gehörte, welche die Voyager je getroffen hatte.

Tara hatte als Betazoidin als einzige mit den Wesen kommunizieren können und hatte sich für eine einfachere Kommunikation auf eine telepathische Verschmelzung eingelassen. Die Verschmelzung hatte Taras Fähigkeiten verbessert, sie hatte sie jedoch auch eng mit diesem Volk verbunden, sie hatte ihren Glauben übernommen, ihre leichtfertige Handhabung der Telepathie und sie hatte an Selbstbewusstsein gewonnen. Gerade das hatte Janeway als sehr positiv empfunden, dennoch schien es für Tara nun geradezu unmöglich, der Versuchung zu widerstehen, anderer Leute Gedanken zu lesen.

"Captain, ich hatte keine Absicht ein Problem zu verursachen, ich war nur misstrauisch und... neugierig auf Nergnus Tochter!", versuchte Tara sich aus der Misere zu retten.

"Ich sprach von einem Vorfall mit Fähnrich Miller im Casino", sagte Janeway geradezu gefühllos. Ein Vorfall mit Ziu war ihr nicht gemeldet worden.

Tara riss die Augen auf und sah dann geschockt zu Boden, als hätte man sie beim Klauen erwischt.

"Es... es tut mir leid. Ich habe Fähnrich Millers Gedanken nicht gelesen, sie hat lediglich falsch interpretiert..."

"Was gab es für einen Vorfall mit Ziu Nergnu?", unterbrach Janeway.

Tara wagte es langsam wieder, den Kopf zu heben.

"Wie gesagt, ich wollte auf Nummer sicher gehen. Ich wusste nicht, dass sie ein Hologramm ist."

"Auf Nummer sicher?"

"Als...als ich hörte, dass sie an Bord ist, fiel mir ein Fehler ein, den ich damals gemacht habe." Tara atmete tief durch.

"Was für einen Fehler meinen Sie? Wenn ich mich richtig erinnere, sind Sie damals durch einen der Angriffe ins Koma gefallen."

"Der Fehler, dass ich damals nicht den Mut hatte, Ihnen meine Dienste als Telepathin anzubieten. Mir ist klar, dass es an der Situation zwischen den Völkern nichts geändert hätte oder an der Tatsache, dass es zum Krieg gekommen wäre, aber man hätte vielleicht einen Teil des Unheils vermeiden können. Ich wollte nicht denselben Fehler zweimal machen."

Janeway schwieg für einen Moment. Ihr war nicht bewusst gewesen, dass es noch andere an Bord gab, die seit dem Vorfall vor sieben Jahren eine Last auf dem Gewissen tragen.

"Sie haben Recht, Sie hätten nichts an der Situation ändern können, Sie hätten sie vielleicht nur etwas verzögert. Sie haben keinen Fehler begangen."

Tara zog die Augenbrauen hoch und ein leichtes Lächeln war auf ihrem Gesicht zu erkennen.

"Wenn ich nichts hätte ändern können, hätten Sie es dann gekonnt? Sie haben auch keinen Fehler begangen. War das alles?"

Dieser Satz hatte den Captain zum Nachdenken angeregt. Sie nickte lediglich halb abwesend und Tara wandte sich um zum Gehen. An Taras Worten war etwas Wahres dran.

 

 
VOYAGER; KRANKENSTATION; 10:13 Uhr

 

Da der Doktor keinen Schlaf brauchte, hatte er den Computer angewiesen, ihn jeden Morgen um 7:00 Uhr zu aktivieren. Und dementsprechend lange hatte er sich auch auf der Krankenstation gelangweilt. Normalerweise hatte er damit kein Problem, doch jetzt, wo er nicht mehr allein war, konnte er es nicht abwarten, bis Ziu sich aktivierte und die Zeit kam ihm endlos vor.

Die Krankenstation war tadellos aufgeräumt, es hatte noch keine Patienten gegeben. Er hatte seine Zeit sogar schon damit verbracht, Hyposprays nach Name und Krankheit zu ordnen. Er überprüfte seine Arbeit gerade, als sich plötzlich Ziu neben ihm aktivierte. Schon viele Leute hatte ihm gesagt, dass sie sich immer erschrecken würden, wenn er neben ihnen auftauchte und zum ersten Mal konnte er das nachempfinden.

"Guten Morgen", begrüßte er sie lächelnd.

Sie schien auch diese Geste nicht recht zu verstehen, zog lediglich die Augenbrauen zusammen und akzeptierte, was der Doktor gesagt hatte.

"Sind Sie immer für so lange Zeit deaktiviert?", fragte Ziu mit einem leichten Anschein von Verwirrung.

"Die Menschen schlafen nachts und ich sehe keinen Grund, in dieser Zeit aktiviert zu bleiben. Außerdem würde es nur zusätzlich meine Matrix verschlechtern."

Ziu setzte an etwas zu sagen, doch der Doktor unterbrach sie. "Ich weiß, unsere Hologramme sind gegen Ihre primitiv."

"Das wollte ich nicht sagen. Ich wollte lediglich anmerken, dass es bei uns keinem Hologramm gestattet ist, länger als sieben Minuten deaktiviert zu sein."

"Sieben Minuten?"

Ziu überraschte den Doktor mit ihrer Art mehr und mehr, was ihn zweifelsohne faszinierte.

"Diese Zeit benötigen unsere Hologramme zur Selbstdiagnose und möglichen Fehlerbehebung. Bei den Yeyt dienen Hologramme nur zur Arbeit und Effizienz. Jedoch werden wir für Straftaten genauso bestraft wie Lebende."

Lebende. An diesem Ausdruck blieb der Doktor einen Moment hängen, als plötzlich Fähnrich Marvin die Krankenstation betrat.

"Entschuldigen Sie mich Doktor, ich habe verschlafen", entschuldigte er sich und wurde sogar ein wenig rot dabei.

"Schon in Ordnung. Aber seien Sie morgen pünktlich, die Untersuchungen der Crew stehen wieder an und da kann ich jede Hilfe gebrauchen."

Marvin nickte und machte sich an seine Arbeit.

"Er entschuldigte sich bei Ihnen. Bei den Menschen haben Hologramme einen höheren Stellenwert als bei uns", stellte Ziu fest.

"Nun ja, die meisten Hologramme dienen den Menschen zur... Unterhaltung. Ich bilde da eine Ausnahme, aber es war nicht einfach, mir diese Privilegien anzueignen."

Der Doktor erschien wie immer sehr stolz auf seine Leistungen und lächelte stolz übers ganze Gesicht. Für einen Moment schwiegen beide.

"Wären Sie an einem kulturellen Erfahrungsaustausch interessiert?", fragte Ziu schließlich.

Der Doktor lächelte noch immer.

"Sehr gerne. Was halten Sie von der Idee, dieses Gespräch bei einer Besichtigung des Schiffes zu führen?", schlug er vor.

"Eine gute Idee. Hätten Sie etwas dagegen, mir den Maschinenraum zu zeigen?"

"Im Gegenteil. Bitte folgen Sie mir."

Er bot ihr den Arm und die beiden verließen die Krankenstation. Zum ersten Mal hatte der Doktor das Gefühl, jemand gefunden zu haben, der ihn verstand und der ihm wirklich ähnlich war. Ein beunruhigendes Gefühl.

 

 
VOYAGER; CASINO; 10:34 Uhr

 

Die Schule war an diesem Tag früher als sonst beendet. Neelix hatte den Kindern eine talaxianische Mythen Geschichte, die für Kinder vereinfacht worden war, vorgelesen. Die meisten Kinder waren bereits gegangen oder von ihren Eltern abgeholt worden.

L'Iarah war eine der Wenigen, die noch im Casino auf ihre Eltern wartete. Als Neelix bemerkte, dass sie allein dasaß, setzte er sich zu ihr.

"Wer wird denn so ein trauriges Gesicht machen?", sagte er.

"Onkel Neelix, kann ich dich was fragen?", brachte sie nach einer Weile heraus.

"Natürlich. Dafür ist der Moraloffizier ja da."

Er kitzelte sie leicht mit dem Finger, so dass sie zu lachen anfangen musste. Dann sah sie ihn mit großen Augen an.

"Mami und Daddy werden bald noch ein Kind haben oder?"

Neelix holte tief Luft. Er konnte nur hoffen, dass diese Frage nicht auf die Aufklärungspflicht der Eltern hinauslaufen würde.

"Das ist richtig. Wie kommst du darauf?"

"Joey hat gesagt, wenn Mami und Daddy noch ein Kind haben, dann wollen sie mich nicht mehr haben und ich muss alleine groß werden."

"Das hat er gesagt?" Neelix war oft von der Kaltherzigkeit mancher Kinder in manchen Situationen geschockt.

L'Iarah nickte ein bisschen traurig.

"L'Iarah Spätzchen, das stimmt nicht. Deine Mama und dein Daddy werden dich noch genauso lieb haben wie vorher. Sogar noch mehr! Denn dann bist du die große Schwester und dein Geschwisterchen wird zu dir aufsehen. Es gibt nichts Schöneres, als ein kleines Geschwisterchen zu haben, das kannst du mir glauben! Du hast dann jemand zum Spielen und du hast immer das Sagen, weil du dann die Ältere bist."

"Dann kann ich auf mein Geschwisterchen aufpassen!" Anscheinend hatten Neelix Worte sie aufgeheitert.

"Genau! Die Ältere hat auch eine Verantwortung für die Jüngeren."

"Und ich bekomm dann auch das größere Zimmer!"

Neelix lächelte und auch L'Iarah strahlte jetzt über das ganze Gesicht. Vielleicht war ein Geschwisterchen doch nicht so schlecht, wie sie es zunächst gedacht hatte.

Plötzlich sprang L'Iarah auf und umarmte Neelix.

"Danke Onkel Neelix!", sagte sie.

Es waren solche Momente, in denen Neelix genau wusste, dass es ihm nie besser gehen würde, als an Bord der Voyager.

"Hey!", hörten die beiden hinter ihnen die vertraute Stimme von B'Elanna Torres. "Versuch nicht, mir meine Tochter auszuspannen!", sagte sie schmunzelnd.

"L'Iarah und ich hatten ein Gespräch von Kind zu Moraloffizier", sagte er lächelnd.

"Die Schule ist heute aber früh aus. Wartest du schon lange hier?", fragte B'Elanna.

"Nein, Onkel Neelix und ich haben über Erwachsenensachen gesprochen!"

B'Elanna warf Neelix einen interessierten Blick zu, während er defensiv die Hände hob.

"Komm jetzt Schatz. Du musst mir noch erzählen, wie dein Abend war."

B'Elanna lächelte Neelix noch einmal zu, nahm dann die zum Abschied winkende L'Iarah an die Hand und verließ mit ihr das Casino.

Auf dem Weg zum Turbolift herrschte kurz Stille.

"Mami warst du auch verbittert, bevor du Daddy geheiratet hast?", fragte L'Iarah dann.

"Was? Wo hast du das denn aufgeschnappt?"

"Das hat mir Tante Tara gestern erklärt."

B'Elanna rollte mit den Augen. Soviel zu Tara als Babysitter für ihre Tochter.

 

 
VOYAGER; HARRY & TARA KIMS QUARTIER; 10:45 Uhr

 

Hastig betrat Tara das noch dunkle Quartier. Harry lag auf dem Bett und schlief, doch Tara wollte keine Gnade wallten lassen.

"Harry?", sagte sie neben dem Bett stehend und stupste ihn an.

Unter der Decke kam nur ein halblautes Grummeln hervor.

"Schatz, steh auf, ich will mit dir reden!", drängte sie weiter.

Doch es gab weiterhin keine Reaktion.

Vorsichtig kniete sie neben ihm nieder, zog die Decke ein wenig runter und küsste ihn auf die Stirn. Doch auch das sollte nichts bewirken.

"Schatz die Borg haben gerade das Schiff gekapert und alle außer uns wurden assimiliert!"

Jetzt schaute ein verschlafenes Gesicht unter der Decke hervor und blinzelte ein wenig, um seine Frau erkennen zu können. Als er ihrem Gesicht entnommen hatte, dass es bloß ein Scherz gewesen war, ließ er sich wieder aufs Kissen fallen.

Tara verdrehte die Augen und warf Harry aus letzter Möglichkeit zur anderen Seite aus dem Bett.

"Hey..", gab die Gestalt hinter dem Bett jetzt von sich.

"Ich muss dringend mit dir reden. Ich...ich habe mir etwas überlegt."

Langsam kletterte Harry wieder zurück auf das Bett und zog die Decke mit sich.

"Wo warst du die letzte Stunde?", fragte er dann.

"Ich hab meinen Dienst getauscht. Dafür muss ich morgen nicht hin und kann Gott sei Dank ein bisschen länger schlafen."

Sie überlegte einen Moment, wie sie die Unterhaltung am besten beginnen könnte.

"Worüber wolltest du mit mir reden?" Harry streckte sich. Er hatte es nach dem Nachtdienst nicht einmal mehr geschafft, die Uniform auszuziehen, bevor er ins Bett gegangen war.

"Nun ja, ich...es ist eine etwas...heikle Angelegenheit...willst du was trinken?"

"Ähm, ja gern, ein Wasser bitte."

Tara atmete tief durch, als sie zum Replikator ging. Sie bestellte ihm das Wasser und reichte es ihm dann.

"Danke", sagte er und nahm dann einen Schluck.

"Ich will ein Baby", platzte es aus Tara heraus und Harry prustete seinen Schluck Wasser wieder aus.

"Was?", fragte er dann.

Auf Taras Gesicht machte sich der Schock sichtbar. Hatte sie das wirklich gerade zu ihm gesagt?

"Tara, Schatz, denkst du denn nicht, dass man das vernünftig überdenken sollte? Ob wir uns bei unserem Leben auf der Voyager überhaupt ein Baby leisten können?" Er stellte das Glas ab und wischte das Wasser so gut es ging weg.

"Ob wir uns ein Baby leisten können?"

Spätestens jetzt merkte Harry, dass er gerade etwas Falsches gesagt hatte.

"Oder meinst du, ob sich ein Baby deiner Karriere in den Weg stellen würde?" Mittlerweile war Taras Ton wesentlich gespannter geworden.

"Nein ich meine...wir sollten noch einmal ruhig darüber reden. Das kommt doch alles etwas plötzlich."

"Ich habe mir das sehr gut überlegt, ich habe wirklich lange darüber nachgedacht, ich bin mir wirklich sicher, ich habe sogar B'Elanna um Rat gefragt, ich will jetzt ein Kind!"

Harry wusste darauf nichts mehr zu sagen, setzte zwar zum Sprechen an, schwieg dann aber.

Auch Tara konnte nichts mehr sagen, sie konnte nicht mal etwas mit seiner Reaktion anfangen.

"Wenn du mich suchst...frag den Computer."

Mit diesen Worten verließ Tara ihr Quartier, noch immer aufgelöst von dieser unproduktiven Unterhaltung.

Auch Harry musste zunächst verdauen, was er gerade gehört hatte. Ein Baby. Wieso kam sie gerade jetzt auf diese Idee? Und was wäre wenn es nur eine Phase wäre? Man konnte ein Kind nicht einfach ungeschehen machen, wenn es erst da ist. Sie stellte sich das alles einfach zu leicht vor. Man musste sich alles gut überlegen.

"Harry an Tom", sagte er von seinen eigenen Gedanken betrübt als letzte Lösung und klopfte auf den Kommunikator.

 
weiterlesen im nächsten Teil

 
Du bist der 2005. Leser dieser Geschichte.