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Das Schicksal der KinderTeil 2 © by Tara TP ()
"Tom hier", meldete sich Tom auf Harrys Ruf. "Ich muss mit dir reden. Ich brauche Rat auf einem Gebiet, auf dem du dich bestens auskennst." Harry klang noch immer verzweifelt. In dem Moment öffnete sich die Tür zu Toms Quartier und B'Elanna und L'Iarah traten ein. B'Elanna ließ die Kleine von ihrer Hand und gab Tom zur Begrüßung einen Kuss. "Harry, können wir das auf später verschieben?" Man konnte ein leichtes Seufzen hören. "Natürlich. Bis nachher. Harry Ende." Tom wandte sich wieder seiner Familie zu. "Prinzessin, warum guckst du nicht mal in dein Zimmer, ich habe eine Überraschung", sagte Tom, während er sich zu seiner Tochter kniete. L'Iarah lief sofort in ihr Zimmer, B'Elanna folgte ihr, Tom einen fragenden Blick zuwerfend. Tom stand nun ebenfalls auf und gesellte sich zu seinen beiden Frauen, die in L'Iarahs Zimmer vor einem replizierten kleinen Bettchen standen, für das Baby bestimmt. "Was ist das?", fragte L'Iarah und nahm ihrer Mutter damit die Worte aus dem Mund. "Eine Wiege. Für das Baby", sagte Tom als sei es selbstverständlich. "Was macht sie hier?", fragte nun B'Elanna ein wenig verständnislos, wie auch ihre Tochter. "Ich habe sie repliziert und sie schon mal an ihren Platz gestellt. Ich dachte, ihr freut euch darüber?!" "An ihren Platz? Aber Daddy, das ist doch mein Zimmer! Sie muss doch ein kleineres Zimmer bekommen!" L'Iarah war den Tränen nah. Tom kniete sich wieder zu ihr auf den Boden. "Aber Prinzessin, das hier ist das Kinderzimmer und du möchtest doch bestimmt mit deinem Geschwisterchen zusammen in einem Zimmer sein, damit ihr spielen könnt!" L'Iarah schüttelte nur den Kopf. Toms Worte beruhigten sie nicht gerade. "Nicht? Aber sieh mal Prinzessin, wenn dein Geschwisterchen da ist, haben deine Mami und ich sehr viel zu tun und du musst ein paar Kompromisse eingehen." "Ich will aber keine Komro... Komp... Kompromisse!" Sie war ärgerlich, auch wenn sie das Wort nicht verstand. "Ich weiß mein Engelchen, aber wir werden dann nicht mehr so viel Zeit für dich haben und..." L'Iarah kullerte eine Träne die Wange herunter und Tom konnte einfach nicht weitersprechen. "L'Iarah, ich und dein Daddy werden kurz etwas besprechen", sagte jetzt B'Elanna und signalisierte Tom, ihr ins Wohnzimmer zu folgen. Tom konnte seine Tochter in diesem Zustand fast nicht allein lassen, aber eine wütende halbklingonische Ehefrau ging in diesem Moment vor. "Was sollte das?", fragte sie ihn verärgert und stemmt die Hände in die Hüften. "Was das sollte, ich wollte euch eine Freude machen und..." "Das meine ich nicht", unterbrach sie ihn "Ich meine, dass du L'Iarah sagst, sie müsse Kompromisse eingehen und dass wir nicht mehr soviel Zeit für sie haben werden! Sie hat eben gerade noch mit Neelix darüber geredet und mir gesagt, wie sehr sie sich auf ihr Geschwisterchen freuen würde." "Aber es ist die Wahrheit! Denkst ich fühle mich wohl, wenn ich ihr so etwas sage? Aber sie muss so früh wie möglich damit klarkommen und wenn das Baby da ist, ist es zu spät!" "Tom, wir beide sind Einzelkinder und haben damit keine Erfahrung! Es wird ihr nicht helfen, wenn du ihr alles schon vorher schlecht machst!" "Schlecht machst? Ich möchte nur nicht, dass sie später enttäuscht ist! Es ist nun mal die Realität und..." "Ich habe nicht vor, sie wegen des Babys zu vernachlässigen!", unterbrach B'Elanna erneut. Sie beide hatten ihre Stimme bereits um einiges gehoben. "Oh dann bleibt also alles an mir hängen! Ich will L'Iarah auch nicht vernachlässigen, aber wir müssen uns um das Baby kümmern, oder hast du schon vergessen, wie anstrengend so etwas sein kann?" "Sicherlich nicht, schließlich hab ich schon beim letzten Mal den Großteil übernommen!" In dem Moment, als B'Elanna das ausgesprochen hatte, wusste sie, dass es nicht fair und auch nicht richtig war. Aber sie musste jetzt ihre Meinung vertreten. "Willst du damit sagen, ich sei kein guter Vater?", fragte Tom scharf. B'Elanna war einen Moment still und dachte nach. "Ich habe nicht vor, eines unserer Kinder zu vernachlässigen, wenn du es tust, dann..." sie unterbrach sich selbst. "Dann was?", fragte Tom wieder lauter, schrie fast. B'Elanna schwieg erneut und sah zu Boden, nach Worten suchend. "Soll ich dir mal was sagen?", fing Tom an zu sprechen, als er keine Antwort erhielt "Ich denke du hast Angst. Du hast Angst, dass L'Iarah dich nicht mehr lieben könnte, weil dein Vater dich nach einer gewissen Zeit vernachlässigt hat und du ihm das nie verziehen hast! Darum geht es doch!" B'Elanna sah schlagartig zu ihm auf. Sie spürte eine unglaubliche Wut in sich aufsteigen. "Du... hast keine Ahnung!", zischte sie. "Dann sag es mir! Warum regt dich das so auf?" Beide waren sich sicher, dass L'Iarah ihren Streit in ihrem Zimmer hören konnte, doch keiner konnte seine Stimme senken. "Worum es geht? Ich möchte unsere Tochter vor Schmerz bewahren!" "Du kannst sie aber nicht für immer davor bewahren! Früher oder später wird das auf sie zukommen! Du kannst nicht versuchen Fehler zu vermeiden, die du deinen Eltern nicht verzeihst." Aus einer spontanen Reaktion heraus trat B'Elanna in einer Sekunde auf ihn zu und ohrfeigte ihn im nächsten Moment. Tom schien nicht geschockt, er hatte diese Reaktion erwartet. B'Elanna stürmte in Richtung Ausgang. In der Tür blieb sie stehen und drehte sich um. "Ich schlage vor, einer von uns sollte sich zunächst etwas anderes zum Übernachten suchen. Und was meine Familie betrifft, ein wesentlicher Grund, wegen dem sich meine Eltern getrennt haben, war weil mein Vater nicht mehr mit mir klarkam. Ich habe versucht das bei uns zu vermeiden." Mit diesen Worten und Anzeichen für Tränen in den Augen verschwand sie nun im Korridor. Tom blieb wie angewurzelt stehen. Er atmete tief durch und dachte über das gerade Gesagte nach. Er wusste, dass sie in diesem Moment an der Wand neben dem Eingang zu ihrem Quartier lehnen würde. Das machte sie immer nach einem Streit. Doch dieses Mal würde, dieses Mal konnte er ihr nicht folgen. Auch wenn es beiden das Herz brach.
L'Iarah saß vor der replizierten Wiege und wischte sich die Tränen aus den Augen. Warum wollte ihr Daddy ihr bloß ihr Zimmer wegnehmen? Onkel Neelix hatte ihr gerade noch gesagt, dass sie sich auf ihr Geschwisterchen freuen sollte. Aber sie freute sich nicht. Ganz und gar nicht. Ihr Daddy und ihre Mami würden keine Zeit mehr haben, so wie Joey es gesagt hatte. Sie würden sie einfach ignorieren. Dieses Baby war doof. L'Iarah beschloss, den Doc später zu fragen, ob man das nicht rückgängig machen könnte, aber er würde ihr bestimmt nur wieder antworten, dass er ihr das sagen würde, wenn sie groß ist. Eine unglaubliche Wut schoss in L'Iarah auf und aus lauter Wut auf das Baby und ihre Eltern schmiss sie die Wiege um. Kein Baby würde hier bei ihr einziehen, egal ob sie die große Schwester war oder nicht. Schon eine ganze Weile hatte sie ihre Mami und ihren Daddy nicht mehr streiten gehört und sie hoffte, dass sie sich wieder vertragen hatten. Plötzlich ging die Tür zu ihrem Zimmer auf und ihr Daddy kam in das Zimmer. "Hey Prinzessin", sagte er und wirkte ein wenig bedrückt. "Ich will mein Geschwisterchen nicht! Ich will nicht dass du und Mami euch streitet!" Sie rannte zu ihrem Bett und verkroch sich unter der Decke. Man konnte ein leises Schluchzen hören. "Prinzessin... ich und Mami streiten nicht mehr. Versprochen." Er setzte sich zu ihr auf die Bettkante und zog ihr mit Widerstand die Decke über ihrem Lockenkopf weg. "Prinzessin, ich muss jetzt zu Onkel Harry gehen. Und wenn ich zurück komme, sprechen wir noch mal darüber." Er gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und verließ ihr Zimmer dann.
"... und es endete damit, dass Commander Paris ihm drei Wochen Dienst auf Deck 15 befahl", beendete der Doktor eine Anekdote aus dem Maschinenraum. Er selbst musste über die Geschichte lachen, Ziu beobachtete seine Reaktion skeptisch und zeigte den krampfhaften Ansatz eines Lächeln. Und gerade das brachte den Doktor erneut zum Lächeln. Ziu war wesentlich weiter entwickelt, aber es erschien, als würde sie alles mit den Augen eines Kindes erkunden. Seit bereits einer Stunde, waren sie im Maschinenraum umhergelaufen, hatten lange Zeit vor dem Warpkern gestanden und sich einfach nur unterhalten. Obwohl der Doktor normalerweise nicht am Maschinenraum interessiert war, fand er diese Zeit mit ihr hier alles andere als langweilig. "Es klingt, als hätten Sie alle immer etwas zu tun", sagte Ziu nach einer kurzen Pause. "Es ist nie langweilig auf der Voyager. Das werden Sie nach einer Zeit merken." Ziu nickte zustimmend. "Commander Paris... erzählen Sie mir von ihr", bat Ziu dann. "B'Elanna Paris... es ist eine Ironie, sie und Tom Paris, ihr Ehemann, verliebten sich, als sie in den Konflikt mit Ihrem Volk verwickelt wurden. Die beiden heirateten, B'Elanna wurde schwanger, sie wurde befördert... sie ist eine Person, die niemals etwas vernachlässigt, zumindest nicht ihren Beruf. Und auch um ihre Tochter kümmert sie sich vorbildlich." "Ihre Tochter..", wieder holte Ziu und dachte einen Moment nach. "Wie alt ist sie?" "Sie wird bald sechs. Wieso fragen Sie?" Sie blieben erneut vor dem Warpkern stehen und Ziu stützte sich mit der Hand auf einer Konsole ab. "In dem Alter war ich... war Xiu, als sie starb." Beide schwiegen einen Moment. "Das tut mir leid", sagte der Doktor mitfühlend. "Ich brauche kein Mitleid, ich habe keine Erinnerungen an diese Zeit. Ich las es lediglich in Berichten." "Und wie fühlen Sie sich dabei? Hat ihr Vater je mit Ihnen darüber gesprochen?" Der Doktor blieb mitfühlend, trotz Zius Bemerkung. "Nein", sagte Ziu skeptisch und runzelte die Stirn. "Warum sollte er?" "Weil es ihn interessieren sollte, was seine Tochter fühlt." "Ich bin ein Hologramm, ich habe solche Gefühle nicht." "Ziu warum versuchen Sie, es zu unterdrücken? Natürlich haben Sie Gefühle, Sie haben es nur vergessen, weil nie jemand diese Gefühle gefordert hat." Er kam sich vor, wie der neue Schiffs-Counselor. "Ich habe diese Gefühle nicht", wiederholte sie und drehte sich dann um, um den Maschinenraum wieder zu verlassen. "Dann haben Sie auch keine Gefühle für die Zeit hier, keine Gefühle für... mich?", sagte der Doktor und hielt sie damit auf. Sie blieb stehen und wartete einen Moment still. "Xem", sagte sie dann. "Wie bitte?" "Xem Gresdan, der Name des Mannes, der mir als Kind versprochen wurde. Dieser Name ist angemessen, ich werde Sie nicht auf ewig Doktor nennen." Der Doktor lächelte breit. Er trat einen Schritt auf sie zu und bot ihr den Arm. "Wollen wir?", fragte er. "Wohin gehen wir?" "Ich habe leider wieder Dienst auf der Krankenstation. Aber wir haben noch eine Menge zu bereden, damit Sie sich wieder an Ihre Gefühle erinnern." Ziu hakte sich, mittlerweile aus Gewohnheit, bei ihm ein und folgte ihm aus dem Maschinenraum.
Noch immer lag Harry auf seinem Bett und dachte nach. Was war da eben so völlig falsch gelaufen? Sie hätten dieses Thema ganz einfach ausdiskutieren können. Warum hatte sie so überreagiert? Endlich ertönte das Geräusch des Türmelders, auf welches Harry schon seit zwanzig Minuten gewartet hatte. "Herein", sagte er, ohne dabei aufzustehen. Tom betrat das Quartier und musterte seinen Freund, der noch immer auf dem Bett lag. "Was hast du angestellt?", fragte er dann mit einem leichten Grinsen im Gesicht. "Wie kommst du darauf, dass ich was angestellt hätte?", fragte Harry, richtete sich nun auf und setzte sich im Schneidersitz auf sein Bett. "Erstens weil du hier allein auf dem Bett liegst, zweitens weil du mich um Rat bitten willst und drittens weil du mich nicht mehr um Rat gebeten hast, seit du Tara den Antrag gemacht hast." Harry atmete tief durch. "Sie will ein Baby", sagte er dann. Tom risst ungläubig die Augen auf. "Also wenn du dabei meine Hilfe brauchst muss ich dich leider enttäuschen", sagte Tom und konnte ein Grinsen nicht zurückhalten. Tom zog sich einen Stuhl heran und setzte sich. Es sah so aus, als würde das noch eine längere Unterhaltung werden. "Sehr komisch. Sie hat mich damit heute überfallen, ich wollte es mit ihr diskutieren, habe anscheinend etwas Falsches gesagt und jetzt ist sie furchtbar sauer auf mich." Er seufzte erneut. "Solange du sie nicht gefragt hast, ob ihr euch im Moment eigentlich ein Baby leisten könnt..", sagte Tom scherzhaft und grinste. Als Harry ihn mit schuldiger Miene ansah, verging ihm das Grinsen schnell. "Das hast du nicht im Ernst zu ihr gesagt oder?", fragte Tom um sicherzugehen nach. "Es ist immerhin eine nicht unwichtige Frage! Wir haben beide unsere Karrieren hier. Und das Leben auf der Voyager ist auch nicht gerade das Sicherste!" "Du versuchst dich rauszureden! Ich habe selbst ein Kind an Bord, es gibt mittlerweile vierzehn Kinder an Bord und Naomi, die ja nun kein Kind mehr ist. Geht es hier um eure Karrieren oder um deine Karriere?" "Was willst du damit sagen?", fragte Harry ein wenig verärgert. "Ein Kind würde eine Einschränkung bedeuten, du hättest nicht soviel Zeit für die Arbeit wie jetzt." Harry dachte darüber nach. "Ich vernachlässige Tara, das weiß ich und ich versuche es so gut zu ändern wie möglich aber... ich finde ein Kind übereilt." "Übereilt? Harry du hast sechs Jahre gebraucht, bis du ihr einen Antrag gemacht hast, du hast sie damit fast in den Wahnsinn getrieben jetzt schieb das nicht auch noch ewig vor dich hin!" Und wieder seufzte Harry. "Und außerdem..", sprach Tom weiter "...wenn eine Frau sagt, sie will ein Kind, dann versuche unter gar keinen Umständen, mit ihr darüber zu diskutieren!" Harry lachte kurz auf. "Es ist ja nicht so, dass ich keine Familie mit ihr gründen möchte. Sie hat sich schon die ganze Zeit mit diesem Thema beschäftig und sie hatte Zeit, darüber nachzudenken. Und für mich kommt das alles einfach...zu plötzlich. Ich brauche auch Zeit, um darüber nachzudenken. Wie wusstest du damals, dass du dazu bereit warst?" Tom grinste breit, als er sich an damals erinnerte. "Na ja, sagen wir, ich hatte ebenfalls keine Zeit, darüber nachzudenken." Harry sah ihn mit fragendem Blick an, doch er bemerkte, dass er wahrscheinlich gar nicht wissen wollte, was damals passierte. "Im Ernst,..", sagte Tom jetzt ernster "... ein Kind zu bekommen ist die wundervollste Sache, die es in dieser Galaxie gibt." "Das sieht B'Elanna sicher anders." Jetzt war es Harry, der grinsen musste. "Wenn es nach mir ginge..", redete Tom weiter "... könnten wir noch vier Kinder bekommen. Ich habe nicht lange für den Beschluss gebraucht, dass ich noch ein Kind haben will...obwohl ich mir jetzt wünschte, ich hätte vorher alles überdacht." Tom sah zu Boden und wurde plötzlich viel nachdenklicher. "Was ist denn passiert?", fragte Harry besorgt. "B'Elanna und ich...wir hatten einen Streit." "Das ist doch nichts Neues." Harry merkte, dass er sich diesen Kommentar hätte sparen können. "Aber dieser Streit war...wir haben uns das erste Mal wegen L'Iarah gestritten." "Wegen L'Iarah? Was hat sie gemacht?" "Nichts. Sie hat nur Angst davor, was mit ihr passieren wird, wenn das Baby da ist. Und B'Elanna ist sauer auf mich, weil ich der Meinung bin, dass wir L'Iarah jetzt schon darauf vorbereiten müssten." Tom sah wieder auf. "Aber könnt ihr dabei keinen Kompromiss finden?" "Wie denn, wenn wir nicht mal so miteinander reden können." Tom dachte einen Moment nach. "Aber ich bin nicht hier, um über meine Probleme zu reden", wechselte er schnell das Thema. "Was willst du wegen Tara machen?" Harry seufzte. "Ich weiß es nicht. Kannst du nicht vielleicht...mit ihr reden?" Tom sah ihn ein wenig vorwurfsvoll an. "Harry das ist dein Job!" "Ich weiß, ich möchte ja nur...dass du ihr meine Sichtweise näher bringst." Harry sah ihn fast mit bettelndem Gesicht an. "Ich werde zu ihr gehen, aber du wirst über die Situation nachdenken und dann selbst mit ihr alles klären!" "Mehr will ich ja gar nicht." Tom verdrehte die Augen, als er Harrys zufriedenes Grinsen sah und erhob sich dann vom Stuhl. "Tom?", hielt Harry ihn kurz vor der Tür auf. Tom drehte sich um. "Wo ist B'Elanna jetzt?", fragte Harry. "Ich weiß es nicht. Ich schätze sie ist in den Maschinenraum gegangen. Warum fragst du?" "Dann weißt du ja, wohin du nach dem Gespräch mit Tara gehst." Zwar hatte Harry ein verschmitztes Lächeln auf dem Gesicht, aber man konnte die Ernsthaftigkeit seiner Stimme hören. Tom antwortete nicht und verließ schweigend Harrys Quartier. Harry sah sich um. Seit er mit Tara zusammengezogen war, lebte er lange nicht mehr so ordentlich wie früher. Sie hatte sein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Warum nicht noch auf noch eine?
Tara betrat mit einem breiten Lächeln die Krankenstation. Ziu half dem Doktor anscheinend bei der Präparation einiger Hyposprays. Die beiden stoppten ihre Unterhaltung, als sie bemerkten, dass jemand die Krankenstation betreten hatte. "Tara!", begrüßte der Doktor sie und trat auf sie zu. "Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls!", sagte er lächelnd. Er was in guter Stimmung. "Ich will ein Baby!", antwortete sie direkt. "Ich weiß nicht ob das gut gehen würde", sagte er nach anfänglicher Erstauntheit und versetzte Tara in Schock. "Wieso, was ist los?", fragte sie erschrocken. "Na ja, Sie sind verheiratet und ich habe Besuch, aber vielleicht versuchen wir es in ein paar Jahren noch mal", sagte er lächelnd. Als Tara erleichtert feststellte, dass es nur ein Scherz gewesen war, musste sie loslachen. "Aber im Ernst, denken Sie nicht, dass Sie damit eher zu Ihrem Mann gehen sollten?", fragte der Doktor dann. Tara verdrehte unwillkürlich grinsend die Augen. Wieso sagte ihr das bloß jeder? "Ich möchte mich untersuchen lassen. Ob alle Voraussetzungen vorhanden sind." Der Doktor sah sie überrascht an. "Das letzte Mal haben Sie sich vor sechs Monaten untersuchen lassen, seitdem habe ich Sie nicht mehr auf die Krankenstation bekommen. Ich bin in der Tat überrascht." "Das sind auch ungewöhnliche Unstände. Ich möchte einfach nur sicher gehen, dass alles in Ordnung gehen würde." Sie schien nervös. "Weiß Harry, dass Sie hier sind?", fragte der Doktor schlussfolgernd. "Wer von uns beiden ist Telepath?", fragte sie und lächelte. "Nein, er weiß es nicht. Aber... für den Fall dass er sich für ein Baby entscheidet, möchte ich...vorbereitet sein." Der Doktor nickte schmunzelnd. "Ich werde den Trikorder holen", sagte er und verschwand dann in seinem Büro. Tara beschloss, die Gelegenheit zu nutzen und ging auf Ziu zu. "Ähm, hören Sie, Ziu, ich...es tut mir leid, dass ich versucht habe... Sie wissen schon. Ich muss zugeben, ich habe Ihnen wirklich nicht vertraut, aber wissen Sie, nach der Erfahrung, die wir..." "Es ist in Ordnung", unterbrach Ziu. "W...was?" Tara konnte nicht wirklich glauben, was sie gerade hörte. "Ich kann Ihre Handlungsweise nachvollziehen. Auch wenn ich nicht verstehe, wie die anderen damit umgehen, dass ihre Gedanken Ihnen so offen daliegen." Tara dachte einen Moment nach. Ziu hatte recht. "Danke, dass Sie es verstehen", sagte sie dann und schenkte Ziu ihr breitestes Lächeln. "Xem hat mich eine Menge gelehrt." "Xem?", fragte Tara verwirrt. "Der Doktor. Ich beschloss, ihm einen Namen zu geben, das erleichtert die Kommunikation. "Meinen Glückwunsch, allein hätte er es nicht in 20 Jahren geschafft." Ziu nickte und sah dann zum Eingang des Büros des Doktors, aus welchem dieser gerade wieder kam. Er trug nicht nur einen Trikorder, sondern noch eine Menge anderer Geräte. "Wollen Sie mich untersuchen oder sezieren?", fragte Tara scherzhaft. "Wollen Sie eine umfassende und genaue Untersuchung oder nicht?", fragte der Doktor und bereitete das erste Gerät vor. Tara hob defensiv die Hände. "Also los, bringen wir's hinter uns!", sagte sie und setzte sich auf das nächste Biobett. Der Doktor begann damit, irgendein Gerät, das ein bisschen wie eine kleine Pyramide aussah vor ihr auf- und ab zu bewegen. Tara folgte den Bewegungen des Gerätes mit den Augen, doch nach einiger Zeit wurde ihr schwindelig davon und sie unterließ es. Als sie gerade, von dem Summenden Gerät des Gerätes beruhigt, ein wenig eingedöst war, kam plötzlich jemand zur Krankenstation herein. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie, dass Tom auf sie zukam. "Hey!", sagte sie zur Begrüßung. "Hey. Darf man fragen was das hier wird?", fragte er. "Der Doc versucht aus mir ein talaxianisches Omelett zu machen!", sagte sie sarkastisch. "Ich lasse mich untersuchen, was ist daran so ungewöhnlich?" "Es ist nicht Zeit für eine Routine Untersuchung. Bist du krank?" Tom grinste sie wissend an. "Du hast mit Harry gesprochen", schlussfolgerte Tara. "Und? Warum lässt du dich untersuchen? Ist es das, was ich denke?" "Es geht um die Bedingungen, die bei B'Elanna ja offensichtlich mehr als vorhanden sind." Tom sah zu Boden. "Hab...ich was Falsches gesagt?", fragte Tara unsicher nach. Tom sah sie wieder an. "Nein, gar nichts. Aber ich bin nicht hier, um über mich zu reden." "Und warum bist du hier?" "Um dir zu sagen, dass du mit Harry reden musst." Tara grinste. "Hast du ihn schon bearbeitet?", fragte sie. Tom erwiderte ihr Grinsen und beantwortete ihre Frage damit. "Warum will er kein Kind?", fragte sie wieder ernster. "Das hat er nicht gesagt, er braucht nur...Zeit, um darüber nachzudenken." Tara seufzte. "Was ist mit dir und B'Elanna?", fragte sie, um das Thema zu wechseln. "Bitte kein Gedankenlesen, das ist das Letzte was ich jetzt gebrauchen kann!", bat Tom. "Ich werde mich hüten! Es sei denn du verrätst mir nicht, was passiert ist." Sie grinste wieder. "Ich denke, wir sollten L'Iarah jetzt schon darauf vorbereiten, was auf sie zukommt, wenn ihr Geschwisterchen da ist und B'Elanna meint, wir sollten sie so lange wie möglich schützen. Und sagen wir's so, das Ende der Geschichte ist, dass ich mir heute Nacht eine neue Schlafgelegenheit suchen muss." Tara dachte einen Moment nach. "Ich weiß, dass du B'Elannas Gründe verstehst, das kannst du besser als jeder andere. Aber hast du ihr gesagt, warum du so denkst wie du denkst? Wahrscheinlich nicht, ihr Männer tut euch immer schwer mit so was, die Erfahrung habe ich mittlerweile gemacht." Sie schmunzelte ein wenig. "Ich denke du solltest ihr einfach sagen, dass du es lieber gehabt hättest, wenn du damals mehr auf das Leben vorbereitet worden wärst, sie wird das verstehen." Tom sah sie fragend und ein wenig vorwurfsvoll an. "Das...war geraten!", sagte sie schnell. "Halten Sie still", ermahnte der Doktor sie und sie setzte sich wieder ordentlich hin. "So und jetzt geh zu ihr!", forderte Tara und wies in Richtung Ausgang. "Ja Ma'am!" Tom lächelte sie an und verließ dann die Krankenstation. Tara schüttelte den Kopf. Warum schlichtete er den Streit der anderen und nicht den eigenen? "Sie können jetzt gehen", sagte der Doktor nach einer Weile und erweckte sie aus ihren Gedanken. "Ich werde Ihnen die Ergebnisse mitteilen, sobald ich sie untersucht habe." Tara nickte lächelnd, sah noch einmal zu Ziu und hüpfte dann vom Biobett, um ebenfalls die Krankenstation zu verlassen.
Zielstrebig stürmte Tom Paris durch die Korridore der Voyager, auf dem Weg zum Maschinenraum. Aber je mehr er über das nachdachte, was er vorhatte zu tun, desto mehr schwand seine Zielstrebigkeit bei jedem Schritt. Konnte er jetzt aufgeben? Oder würde er dieses Mal standhaft bei seiner Meinung bleiben? Er blieb stehen. Andererseits war der Versuch, einen Kompromiss zu finden, kein Aufgeben. Er würde vielmehr Reife beweisen. Er dachte erneut über Taras Worte nach und ging mit neu gefasstem Mut wieder weiter. Beiläufig fiel ihm auf, dass er Harry mit dieser Unterhaltung nicht wirklich geholfen hatte. Aber die beiden hatten das unter sich zu regeln. Den nächsten Korridor rechts und dann würde er den Maschinenraum erreichen. Er kannte den Weg dorthin besser als den zur Brücke. Er war gerade dabei, um die Ecke zu biegen, als der rote Alarm ausgelöst wurde. Im ersten Moment erschrocken, aber vielmehr verärgert über die Störung, machte er widerwillig kehrt und machte sich auf den Weg zur Brücke.
Schon seit einer ganzen Weile, waren ihr Daddy und ihre Mami nicht mehr aufgetaucht. Und jetzt war auch noch der rote Alarm angegangen. Vielleicht war ihnen etwas passiert. Vielleicht hatten sie sie auch vergessen. Was auch immer passiert war, L'Iarah wollte nicht mehr allein in ihrem Zimmer sitzen, mit der umgeworfenen Wiege und warten. Vielleicht konnte sie ja jemandem helfen. Sie legte ihren Teddy, den sie die ganze Zeit über im Arm gehalten hatte, auf ihrem Bett ab und hüpfte vom Bett. Wenn sie es überdachte, war es vielleicht doch sicherer, wenn sie Teddy mitnahm, vielleicht war ja etwas ganz Schlimmes passiert. Sie nahm ihren Teddy wieder vom Bett und verließ ihr Zimmer. Vielleicht waren ihr Daddy und ihre Mami auch sauer auf sie, weil sie das Baby nicht in ihrem Zimmer haben wollte. Aber Mami wollte das auch nicht und hatte sich deswegen sogar mit L'Iarahs Daddy gestritten. Vielleicht war es ja das, vielleicht waren sie sauer, weil sie sich wegen ihr gestritten hatten. Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr Angst bekam sie. Sie nahm schließlich allen Mut zusammen und trat aus dem Quartier heraus. Der Korridor leuchtete wie der Rest des Schiffes rot und das Geräusch des Alarms dröhnte überall. Wo sollte sie hingehen? Am besten zu ihrer Mami und ihre Mami war immer im Maschinenraum. Den Weg dorthin kannte sie mittlerweile sogar schon ohne Hilfe von ihrem Daddy. Einmal liefen ein paar Crewmitglieder an ihr vorbei. Aber sie war nicht ängstlich, Klingonen sind nicht ängstlich. Sie konnte sich das sehr lange einreden, aber sie hatte trotzdem ein ungutes Gefühl im Bauch. Endlich erreichte sie den Turbolift. "Maschinenraum", sagte sie und der Turbolift setzte sich in Bewegung.
Als Tom die Brücke betrat, waren Harry, Tuvok, Chakotay und der Captain bereits anwesend. Er konnte nicht leugnen, dass er gehofft hatte, dass B'Elanna ebenfalls hier wäre. "Gehen Sie an Ihre Station", sagte Janeway, als Tom zunächst in Gedanken versunken zögerte. Als er an ihr und dem Commander vorbeiging, fiel ihm auf, dass die beiden immer wieder flüchtige Blicke austauschten, ihren Blick aber abwandten, wenn der andere ihn erwiderte. "Was ist passiert?", fragte Tom als er an der Conn saß. Janeway sah nach hinten und nickte Harry zu, welcher diese Geste als Signal, das Bild auf den Schirm zu legen, deutete. Tom sah auf den Bildschirm und schreckte unwillkürlich zusammen. Er musste nicht nachdenken, um zu wissen, was für ein Schiff gerade auf dem Schirm erschienen war. "Die Yeyt", sprach Tom seine Gedanken laut aus. "Die Yeyt - Zuil Koalition", verbesserte Ziu, die zusammen mit dem Doktor die Brücke betrat. "Sie sind gekommen, um mich zu meiner Deaktivierung zu holen." Janeway sah Ziu an, überlegte einen Moment und entschloss sich, jetzt ihre Schuld abzutragen. "Harry öffnen Sie einen Kanal", befahl sie. "Kanal ist offen", berichtete Harry. "Hier ist Captain Kathryn Janeway vom Föderationsraumschiff Voyager, was können wir für Sie tun?" Für einen Moment füllte eine Totenstille den Raum. "Sie antworten", meldete Harry und Janeway atmete die angehaltene Luft aus. "Auf den Schirm!" Zu Janeways Überraschung erschien nicht irgendein Yeyt oder Zuil auf dem Bildschirm, es war Yal Filpor höchstpersönlich. "Ministerin Filpor, was verschafft mir die Ehre?", fragte Janeway mit einem scharfen Unterton. "Sie haben etwas, das mir gehört Captain Janeway", sagte sie ruhig. "Das sehe ich anders. Ziu hat um Asyl gebeten und ich habe es ihr gewährt. Wenn Sie sie eh deaktivieren wollen, können Sie sie auch gleich hier bei uns lassen." "Ich denke nicht daran. Ich lasse keine Technologie in die Hände einer anderen Spezies fallen. Ich denke, dass müssten Sie doch verstehen." Filpor blieb kalt, nur mit einem Ansatz eines boshaften Lächeln auf dem Gesicht. "Filpor, wir reden über ein empfindungsfähiges Wesen. Ich werde sie Ihnen nicht einfach übergeben, damit Sie sie umbringen können." Filpor verdrehte die Augen. "Sie sind noch immer viel zu emotional. Das war auch der Grund, wegen dem Sie damals die Zuil in das Zwangsbündnis und die Xaor in den Tod geführt haben." Janeway ballte die Fäuste. Wäre sie nicht der Captain, würde Filpor jetzt etwas zu hören bekommen. "Übergeben Sie mir jetzt Nergnu. Sie hat bewiesen, dass sie es nicht verdient zu existieren", sprach Filpor weiter. Ziu sah zu Boden. Als der Doktor das erste Mal Schmerz in ihrem Gesicht sah, trat er einen Schritt vor und nahm ihre Hand in die seinige. Ziu sah zu ihm auf und drückte seine Hand. "Ich werde Sie Ihnen nicht übergeben. Und ich denke nicht, dass Sie im Moment in der Position sind, um Forderungen zu stellen. Ihr Schiff ist meinem noch immer unterlegen, auch wir haben uns weiterentwickelt." Ein wenig triumphierend nahm Janeway in ihrem Sessel Platz. "Das menschliche Ego. Es ist noch immer sehr empfindlich. Ich bezweifle, dass Sie es mit diesem Schiff aufnehmen könnten und wenn doch, dann aber nicht mit dreien." Janeway sah fragend zu Harry, der bei dem Gedanken an diese verdammte Tarntechnologie die Augen verdrehte und mit den Achseln zuckte. "Überlegen Sie es sich Captain Janeway, ich gebe Ihnen eine Stunde Bedenkzeit, dann werden wir feuern." Kaum hatte sie diesen Satz beendet, verschwand ihr Gesicht auch schon wieder vom Bildschirm. Es war wieder das Schiff das Yeyt zu sehen, neben welchem plötzlich zwei weitere Schiffe auftauchten. Janeway dachte einen Moment nach und sah dann zu Ziu. "Wir werden eine Lösung finden. Da bin ich mir sicher", ermutigte sie sie. "Captain, vielleicht ist es das Beste, wenn ich Filpors Forderung nachkomme. Sie kommen mit Ihrem Schiff nicht gegen die Yeyt Schiffe an." "Ziu es ist sehr ehrenwert, aber Sie müssen sich nicht opfern. Wir werden einen anderen Weg finden." Janeway sah zum Doktor, der noch immer Zius Hand hielt. "Bringen Sie sie zurück zur Krankenstation. Ich werde Sie kontaktieren, wenn sich etwas Neues ergibt." Der Doktor nickte und führte Ziu zurück zum Turbolift. "Wenn mich jemand sucht..", sprach Janeway nach kurzer Stille weiter, "... ich bin in meinem Bereitschaftsraum." Sie sagte das halb im Gehen und war auch schon im Bereitschaftsraum verschwunden. Chakotay sah ihr nach. Es war jetzt seine Gelegenheit und er würde sie nicht noch einmal verstreichen lassen.
"Herein", ertönte eine Stimme von innen und Chakotay betrat den Raum. Janeway hatte sich wie erwartet eine Tasse Kaffee repliziert und trank diese nun, während sie einige Daten untersuchte. Es war also alles wie immer. Als sie Chakotay sah, stellte sie die Tasse ab. "Was gibt es?", fragte Janeway. "Wie geht es dir?", fragte Chakotay und ignorierte ihre Frage damit. Janeway senkte erneut den Kopf. "Ich weiß es nicht. Ich habe das Gefühl, dass mich alles überrennt. Ich kann Ziu nicht übergeben, aber ich sehe keine Lösungsmöglichkeit bis auf die Konfrontation, bei der wir unterliegen würden." Chakotay trat an ihren Schreibtisch heran und setzte sich. "Wir werden einen Weg finden. Wir finden immer einen", ermutigte er sie. Janeway lächelte leicht. "Nur dieses Mal bin ich mir nicht sicher. Es gibt Dinge, die man einfach nicht überwinden kann." "Alles ist möglich", sagte Chakotay und legte seine Hand auf ihre. Sie sah zu ihm auf und lächelte erneut. "Ich bin immer für dich da", fügte er hinzu. "Danke", hauchte sie fast. Einen Moment sahen sich die beiden einfach nur in die Augen, dann fiel Janeways Aufmerksamkeit auf das Padd, das Chakotay bei sich trug. "Was ist das?", fragte sie neugierig. "Oh, das." Chakotay reichte ihr das Padd. "Harry hatte für drei Minuten die Möglichkeit, Sensorendaten über ihre Computeraktivität zu sammeln. Nichts Interessantes, aber ich dachte, du möchtest es dir eventuell ansehen. Die Zeitangaben der Aufzeichnungen sind noch in der Yeyt Zeit, Harry hielt es nicht für nötig, sie noch zu ändern." Chakotay versuchte dieses Thema schnell abzuhaken, um wieder zu anderen Dingen zu kommen. "In Yeyt Zeit?", fragte Janeway plötzlich sehr aufgeregt und nahm das Padd. Chakotay nickte lediglich, ein wenig verwirrt durch ihre Reaktion. Sofort öffnete Janeway Dateien, begann zu rechnen und schien in einer völlig anderen Welt zu sein. "Was ich noch sagen wollte..", begann Chakotay, in der Hoffnung, ihre Aufmerksamkeit wiederzuerlangen "...in...dem Buch, das ich dir geschenkt habe, wird ein Dinner auf einem Segelboot erwähnt und ich dachte mir, wenn du heute noch nichts vorhast, könnten wir unser wöchentliches Dinner vielleicht..." "Das ist es!", platzte es plötzlich aus Janeway heraus und unterbrach Chakotay damit. "Das ist was?" "Ich habe die Zeitangaben in unsere Sternzeit umrechnen können und vergleiche es gerade mit den persönlichen Aufzeichnungen, die wir von Nergnu haben. Vielleicht finde ich etwas, dass uns weiterhelfen könnte", erklärte sie und begann zu lesen. Chakotay hielt es für besser, jetzt nichts mehr zu sagen, sie würde eh nicht hinhören. Von einem Moment auf den anderen, wurde Janeway plötzlich ganz blass im Gesicht und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den Bildschirm. "Was ist? Was hast du gefunden?", drängte Chakotay besorgt. "Das ist unmöglich..", sagte Janeway noch halb abwesend. "Was ist los?", fragte Chakotay energischer. "Nergnus letzte Aufzeichnung. Sie wurde an dem Tag gemacht, an dem wir auf Ziu trafen." Chakotay verstand nicht sofort und blickte sie fragend an. "Er erwähnte darin, dass Zius Prüfung anstehen würde. Das hier ist ihre Prüfung, die Voyager ist ihre Prüfung und jetzt will Filpor sie zurück." Beide waren für einen Moment still. Wie konnten sie nur zweimal auf dieses Volk reingefallen sein? "Janeway an den Doktor", sagte Janeway nach der kurzen Gesprächspause.
"Es ist das Beste, wenn ich gehe", sagte Ziu zum wiederholten Male, während sie mit dem Doktor durch die Korridore zur Krankenstation ging. "Ziu, es ist wie Captain Janeway gesagt hat, wir werden einen Weg finden." Ziu blieb stehen und sah ihn an. "Ich werde niemanden in Gefahr bringen. Ich werde...dich nicht in Gefahr bringen." Dich, dieses Wort hatte seine Aufmerksamkeit erweckt. Sie waren sich näher gekommen, er konnte sie doch jetzt nicht gehen lassen. "Und ich werde dich nicht gehen lassen", antwortete er und nahm erneut ihre Hand. "Ich habe noch nie jemanden wie dich getroffen, wir haben so vieles gemeinsam und wir können beide noch soviel lernen..." Beide schwiegen. "Du hast Filpor gehört, sie wird die Voyager ohne zu zögern zerstören. Ein Individuum ist nichts für das Wohl der Gruppe." "Aber es sind die einzelnen Individuen, die diese Gruppe ausmachen. Und du gehörst zu dieser Gruppe." Er legte seine zweite Hand auf ihre Wange und lehnte sich zögernd vor, um sie zu küssen. Ziu reagierte kaum, weder im positiven noch in negativen Sinne. Wahrscheinlich war ihr dieses Zeigen von Zuneigung unbekannt. Der Doktor beendete das kurze Berühren der Lippen wieder und Ziu sah ihn ein wenig verwirrt an. "Ich habe ebenfalls noch niemanden wie dich getroffen", sagte sie dann. Sie setzten wieder zum Weitergehen an, als dem Doktor plötzlich etwas einfiel. "Filpor nannte dich Nergnu. Ich dachte nur das höchste Familienoberhaupt wird so genannt?!" "Dann...ist mein Vater wahrscheinlich verstorben", sagte sie und sah ihn an. Er drückte ihre Hand. "Das tut mir leid." "Das muss es nicht." Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander her. "Warum kann Filpor dich nicht einfach gehen lassen", überlegte der Doktor laut. "Ich kann ihr Handeln nachvollziehen. Ich bin immer noch der Meinung, ich sollte auf ihr Schiff gehen." "Du hast eine Menge hier gelernt. Als du hier angekommen bist, hättest du dich noch nicht so heldenmutig opfern wollen." "Es hat nichts mit Heldenmut zu tun. Es hat etwas mit Pflichterfüllung zutun." "Mit Pflichterfüllung? Siehst du es als..." "Janeway an den Doktor", unterbrach ihn die Stimme Janeways. Der Doktor klopfte auf seinen Kommunikator. "Sprechen Sie", antwortete er. "Ist bei Ihnen alles in Ordnung?", fragte Janeway und Ziu blickte ihn ahnend an. "Ja natürlich. Was ist denn passiert?" Der Doktor schien mehr als verwirrt. "Kommen Sie sofort mit Ziu auf die Brücke. Es ist sehr dringend." "Verstanden. Doktor Ende." Der Doktor wandte sich wieder Ziu zu. "Es sieht so aus, als müssten wir doch wieder zurück auf die Brücke", sagte er seufzend. Er wollte gerade wieder umdrehen, als Ziu ihn plötzlich in eine Umarmung riss. Er erwiderte die Umarmung und drückte sie fest an sich. "Es wird alles wieder gut. Wir werden..." Er konnte den Satz nicht beenden, da Ziu ihm plötzlich den mobilen Emitter abgerissen hatte und der Doktor einfach verschwunden war. Ziu blickte erneut auf den Emitter und warf ihn dann auf den Boden. Dann aktivierte sie die eingebaute Scan Abschirmung. Als sie einige Crewmitglieder, wahrscheinlich Sicherheitsleute kommen hörte, setzte sie eilig ihren Weg fort, auf der Suche nach einer stilleren Ecke, wo sie Kontakt mit Filpors Schiff aufnehmen konnte.
Schon eine ganze Weile hatte Ziu es geschafft, den Sicherheitsleuten der Voyager zu entkommen. Doch sie schienen ihr dennoch auf dem Fuße zu folgen. Sie sah erneut nach hinten, konnte ihre Schritte ungefähr 50 Meter hinter ihr hören und bog in einen anderen Korridor ab. Als sie wieder nach vorne sah, bemerkte sie, dass jemand vor ihr stand. Es war ein kleines Mädchen mit dunklen Locken und blauen Augen, dass fasziniert zu ihr aufsah. "Hallo", begrüßte die Kleine sie. "Ich bin L'Iarah Paris und wer bist du?", fragte sie, ohne dabei ängstlich zu sein. Ziu musterte sie von oben bis unten und war dabei ebenso fasziniert wie die Kleine selbst. Ein kleines Mädchen, das keine Ahnung hatte, wer Ziu war und was sie getan hatte. Ein kleines Mädchen, das noch alles zu entdecken hatte und noch nichts über die Gefahren des Lebens wusste. "Commander Paris' Tochter", stellte Ziu fest. L'Iarah nickte stolz. "Meine Mami ist die allerbeste Ingenieurin an Bord und sie hat immer ganz viel zu tun. Deswegen muss ich auch wieder zurück in unser Quartier gehen, aber nachher wird sie mir was vorlesen, das hat sie mir versprochen. Eigentlich macht das sonst mein Daddy, aber der hat auch ganz viel zu arbeiten, weil er nämlich Pilot ist, auch der allerbeste. Er bringt mir aber schon das fliegen bei, damit ich auch Pilot werden kann." Es schien, als würde L'Iarah ihren Mund nicht mehr zubekommen, aber Ziu hörte ihr geduldig zu und verarbeitete jedes einzelne Wort. "Bist du neu hier an Bord?", fragte L'Iarah letztendlich. Ziu dachte einen Moment nach und fasste einen Entschluss. "Ja. Mein Name ist Ziu." Sie streckte ihre Hand aus, so wie sie es oft beobachtet hatte und wartete auf die Reaktion. L'Iarah verstand die Geste und reichte ihr die Hand. Gerade, als sich ihre Hände berührt hatten, zog Ziu sie ohne Mühe zu sich hoch und hielt ihr die Hand vor den Mund. "Dir wird nichts passieren. Schweig." Sie nahm ihre Hand weg und L'Iarah fing nicht an zu schreien, wie sie es eigentlich tun sollte. "Wohin gehen wir?", fragte sie lediglich. "Nach Hause", antwortete Ziu und hastete mit L'Iarah auf dem Arm in einen anderen Korridor. Als sie die Sicherheitsleute nicht mehr hörte, sie waren wahrscheinlich wo anders langgelaufen, berührte Ziu eine kleine Konsole, die plötzlich auf ihrem Handrücken erschien. "Nergnu. Ich sende die Schildfrequenzen. Transportieren Sie meine Matrix und eine Organische Geisel." Ziu tippte erneut auf der kleinen Konsole und ein Piepen, wahrscheinlich eine Bestätigung ertönte. "Ich will aber nicht weg", quengelte L'Iarah. "Ich will zu meiner Mama." Ziu ignorierte den Kommentar und wartete auf den Transport.
"Wir konnten die Abschirmung noch immer nicht durchdringen. Unsere Sensoren sind nicht in der Lage, sie zu finden", berichtete Tuvok, der schon seit einiger Zeit versuchte, Ziu aufzuspüren. Janeway und Chakotay waren gleich nach ihrer Entdeckung auf die Brücke zurückgekehrt, was Chakotay vielleicht nicht ganz so recht, aber sicherlich nötig war. "Verdammt", schimpfte Janeway. "Was ist mit dem Doktor? Können Sie seinen Emitter irgendwo lokalisieren?" Tuvok tippte auf seiner Konsole und brauchte einen Moment fürs Scannen. "Ich habe ihn gefunden. Der Emitter befindet sich auf dem Maschinendeck, Sektion 2", meldete Tuvok schließlich. "Janeway and B'Elanna." "B'Elanna hier", ertönte B'Elanna's Stimme, was Tom im ersten Moment zusammenzucken ließ. "Ziu versucht auf ihr Schiff zu kommen und hat den Doktor seines Emitters entledigt. Er liegt auf dem Maschinendeck, Sektion 2. Stellen Sie sein Programm wieder her und kommen Sie dann mit ihm her." "Ich bin auf dem Weg. B'Elanna Ende." Janeway setzte sich in ihren Sessel. Das Einzige, was sie jetzt tun konnte, war warten. Nur worauf? Darauf, dass irgendetwas ausfallen würde? Ziu war schließlich umsonst an Bord geschickt worden. Oder darauf, dass sie sich auf Filpors Schiff beamen ließe? Oder einfach nur auf Antworten. Chakotay setzte sich neben sie und nahm ihre Hand, um sie zu beruhigen und ihr zu zeigen, dass sie nicht allein war. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bis B'Elanna endlich gefolgt vom Doktor die Brücke betrat. "Doktor, was ist passiert?", fragte Janeway sofort und stand wieder auf. "Ich weiß es nicht. Sie hat meinen Kommunikator ohne weitere Vorwarnung entfernt. Ich weiß nicht, wo sie jetzt ist." Janeway atmete tief durch. Die Optionen verringerten sich. "Captain..", rief auf einmal Harry "... ich registriere einen Transport! Er geht von dem Yeyt Schiff aus und..", er zögerte einen Moment und sah dann auf "... Ziu ist nicht allein. Es wird ein Lebenszeichen angezeigt, meinen Scanns nach... klingonisch." Tom drehte sich augenblicklich um und sah Harry ungläubig und mit weit aufgerissenen Augen an. Auch B'Elanna zeigte eine ähnliche Reaktion, sah erst zu Harry und dann zu Tom. "Rufen Sie Filpors Schiff!", befahl Janeway unverzüglich. Wieder gab eines Moment der unerträglichen Stille. Janeway sah zu Tom, dessen Atem sich beschleunigt hatte, der dennoch erstaunlich ruhig blieb. Janeway konnte nur hoffen, dass auch B'Elanna sich zu beherrschen würde. "Wir erhalten keine Antwort", meldete Harry schließlich. Tom ließ den Kopf hängen und schloss die Augen. B'Elanna trat nach vorne und setzte an, etwas zu sagen, kam aber nicht dazu. "Warum nehmen sie sich eine Geisel, wenn sie eh in der Übermacht sind?", fragte Chakotay und hinderte B'Elanna am Sprechen. Tom sah wieder auf und auch den anderen schien förmlich eine Glühlampe über dem Kopf zu erscheinen. Sofort machten sich Tuvok und Harry unaufgefordert an die Arbeit. "Ich kann keines der drei Schiffe scannen, aber da sie eine Person an Bord des Führungsschiffes gebeamt haben, kann man davon ausgehen, dass zumindest dieses real ist", berichtet Tuvok nach vergeblichen Scanns. "Wenn ich mich erinnere, haben die Yeyt diesen Trick schon einmal verwendet. Wir werden nicht noch einmal darauf hereinfallen", sprach Janeway ihre Gedanken laut aus. "Aber was ist, wenn Sie sich irren und die Schiffe keine Hologramme sind?", fragte der Doktor. "Wir müssen das Risiko eingehen. Mr. Tuvok, zielen Sie auf die beiden Schiffe und feuern Sie einen leichten Phaserschuss ab. Wir wollen sehen, ob etwas da ist, was man treffen könnte", befahl Janeway. Keine Minute später konnte man auf dem Bildschirm beobachten, wie zwei Phaserstrahlen abgefeuert wurden und durch die zwei Schiffe hindurchschossen. Die gesamte Brückencrew atmete auf. "Gott sei Dank", murmelte Janeway und einen Moment später, wurde das Schiff erschüttert. "Anscheinend mögen sie es nicht, wenn man nicht auf ihre Falle hereinfällt", sagte Chakotay mit sarkastischem Unterton. Ein weiterer Treffer erschütterte die Voyager. "Mr. Tuvok machen Sie die Torpedos scharf und..." "Nein!", riefen Tom und B'Elanna synchron und tauschten einen flüchtigen Blick aus. "Wir können nicht auf sie feuern, wenn L'Iarah an Bord ist!", warf B'Elanna ein. "Ich fürchte, wir haben keine andere Wahl. Wir werden versuchen, ihre Schilde untauglich zu machen." Janeway fühlte sich sichtlich nicht wohl bei dieser Entscheidung. Man konnte B'Elanna ansehen, dass sie krampfhaft nach einer anderen Lösung suchte. Tom konnte das nicht länger ertragen. "Captain ich möchte einen Vorschlag machen. Selbst wenn ihre Schilde außer Funktion sind, können wir es nicht riskieren, die Schilde runterzunehmen, um L'Iarah an Bord zu beamen", sagte Tom. "Was schlagen Sie vor?" "Ich werde den Delta Flyer nehmen und L'Iarah an Bord beamen, wenn die Schilde unten sind", schlug Tom vor. "Das ist viel zu riskant. Sie müssten ebenfalls Ihre Schilde runternehmen und wir wissen außerdem nicht, wie lange es dauern würde, ihre Schilde auszuschalten", sagte Janeway. Auch B'Elanna schien nicht gerade erfreut über Toms Vorschlag zu sein. "Wir haben keine andere Wahl. Bitte Captain, ich weiß, dass ich es schaffen werde." Janeway atmete tief durch. Tom hatte recht, die Anzahl der Möglichkeiten war in der Tat nicht besonders groß. "Also schön, versuchen Sie es. Aber sobald es zu riskant wird, kommen Sie zur Voyager zurück, das ist ein Befehl!" Janeway betonte den letzten Satz bewusst. Tom nickte und wollte gerade aufstehen, als sich das Comm System erneut meldete. "Maschinenraum an Brücke", ertönte eine Stimme. "Janeway hier, was ist los?" Als hätte sie nicht schon genug Stress. "Es gibt eine extreme Warpfeld Instabilität. Es könnte zur Explosion kommen, wir müssen den Kern abschalten, aber es gelingt uns einfach nicht." "Ziu", sprach Janeway ihren Gedanken laut aus. "B'Elanna wird zu Ihnen kommen. Tun Sie ihr Bestes, Janeway Ende." B'Elanna ging sofort auf Janeway zu und schon ihr Gesichtsausdruck protestierte heftig gegen Janeways Entscheidung. "Captain, ich sollte mit auf diese Mission gehen! Wenn...wenn der Delta Flyer beschädigt wird, brauchen wir einen Ingenieur an Bord!" Sie hatte aus Verzweiflung beinahe Tränen in den Augen. Janeway sah zu Tom, der hingegen nicht zufrieden mit B'Elanna's Vorschlag zu sein schien. Wieder wurde die Voyager getroffen. "Schilde bei 73%", meldete Tuvok. "Haben Sie eine Ahnung, wie Ziu das getan haben könnte?", wechselte Janeway das Thema, um die wütende Klingonin etwas abzulenken. Der Doktor dachte nach und meldete sich dann zögerlich zu Wort. "Captain, ich glaube, ich habe eine Erklärung. Ich habe sie durch den Maschinenraum geführt, sie könnte beim Berühren einer Konsole ihre Matrix in die Schiffssysteme gekoppelt haben." Janeway nickte nachdenklich. Sie hatte das tatsächlich die ganze Zeit über geplant. "In Ordnung, B'Elanna, Sie werden im Maschinenraum dringender gebraucht, Tom wird es allein schaffen. Tuvok, leiten Sie alle verfügbare Energie in die Schilde, wir müssen das Feuer so lange wie möglich auf uns ziehen, wenn Tom im Flyer ist." Tuvok nickte und Janeway wandte sich dem Doktor zu. "Gehen Sie besser auf die Krankenstation, es wird sicher Verletzte geben." Noch immer schuldgeplagt verschwand der Doktor im Turbolift. "Warten Sie!", sagte Tom und stand von seinem Stuhl auf, um dem Doktor in den Turbolift zu folgen. Für einen Moment blieb er vor B'Elanna stehen. Keiner sagte etwas, sie blickten sich bloß einen Moment tief in die Augen. Sie mussten nichts sagen. Dann wandte Tom sich wieder ab und folgte dem Doktor in den Turbolift. Janeway legte B'Elanna die Hand auf die Schulter. "Es wird alles gut gehen, da bin ich mir sicher. Helfen Sie jetzt Ihren Leuten im Maschinenraum, ich werde Sie sofort informieren, wenn sich etwas Neues ergibt." B'Elanna atmete tief durch und schloss kurz die Augen. Dann verließ sie ebenfalls die Brücke.
L'Iarah saß auf dem ihr zugewiesenen Platz und schaute dem Treiben auf der Brücke zu. Sie klammerte sich fest an ihren Teddy. Gut, dass sie ihn mitgenommen hatte. Ziu war mit Filpor in einen anderen Raum verschwunden und schon einige Zeit nicht mehr rausgekommen. Es war kalt auf dem Schiff und auf dieser Brücke fühlte sich L'Iarah alles andere als wohl. Alles war so streng, so ungemütlich, auf Effizienz ausgerichtet. Ein absolutes Militär Schiff. Ziu kam nach einer Zeit wieder aus dem anderer Raum und stellte sich vor L'Iarah. "Was passiert? Wann kann ich wieder zu Mami und Daddy?", fragte sie. Ziu antwortete nicht, beobachtete die Kleine nur und kniete sich dann zu ihr hinunter. "Hast du Angst?", fragte Ziu nach einer Weile. "Klingonen haben keine Angst", sagte L'Iarah trotzig. "Du musst keine Angst haben. Es wird dir gut gehen. Du wirst sehen, für mutige Frauen gibt es eine gute Ausbildung." "Auf der Sternenflottenakademie", entgegnete L'Iarah. "Auf der militärischen Akademie des Planeten Yaor. Du sollst eine bessere Zeit haben als ich." "Warum hattest du es denn nicht gut? Waren die Leute gemein zu dir? Meine Mami sagt, wenn jemand gemein zu einem ist, muss man sich zu Wehr setzen." "Das ist unmöglich, man kann sich nicht gegen alles zur Wehr setzen. Aber du wirst es gut haben." L'Iarah dachte kurz nach. "Ich will aber gar nicht hier bleiben! Ich will wieder nach Hause, zu Mami und Daddy und Onkel Harry und Tante Kathryn. Warum muss ich hier bleiben?" "Weil es deine Mami und deinen Daddy nicht mehr gibt. Ich habe dich gerettet." L'Iarah fing plötzlich an zu weinen und haute mit ihren kleinen Fäusten auf Zius Bein. "Das ist nicht wahr! Mein Daddy wird mich nach Hause holen." Ziu schwieg und sah zu Boden. "Warum bist du so gemein? Du musst nicht gemein sein, du kannst wieder nett sein und auf der Voyager wohnen!" Ziu stand wieder auf und trat einen Schritt zurück. "Du wirst das Leben haben, das ich nie gehabt habe. Du wirst leben." Plötzlich wurde das Schiff stärker erschüttert, als zuvor. "Ein weiteres Schiff!", rief jemand von der Kommandozentrale. Filpor kam nun ebenfalls aus dem anderen Raum, warf Ziu einen flüchtigen Blick zu und setzte sich dann in den Kommandosessel. "Zeigen Sie es mir", befahl Filpor und auf dem Schirm erschien das zweite Schiff. "Was ist das?", fragte Filpor laut. "Mein Daddy!", rief L'Iarah und sprang auf. "Die Voyager attackiert uns weiter. Unsere Schilde sind auf 54% gefallen", berichtete der taktische Offizier. "Konzentrieren Sie das Feuer weiter auf die Voyager. Janeway hat einen Plan." Weitere Feuerstöße trafen die Voyager und weitere kamen von ihr und erschütterten das Schiff. Was sollte das zweite Schiff? Es feuerte nur vereinzelt und flog in größerem Radius um das Schiff herum. Ein Ablenkungsmanöver? Vielleicht sollte das Schiff das Feuer auf sich ziehen... oder vielleicht auch nicht. "Feuern Sie auf das zweite Schiff", befahl Filpor schließlich. L'Iarah sprang auf und wollte nach vorne rennen, wurde aber von Ziu aufgehalten. Sie durften doch ihrem Daddy nichts antun. "Die Schilde des zweiten Schiffes fallen auf 43%, Tendenz sinkend."
"Verdammt!", rief Janeway. "Versuchen Sie unter allen Umständen die Aufmerksamkeit wieder auf uns zu richten. Harry, öffnen Sie einen Kanal zum Flyer!" Alle arbeiteten im Akkord. "Kanal offen." "Tom, kehren Sie sofort zum Schiff zurück, ihre Schilde werden es nicht mehr lange aushalten!" Es gab keine Antwort. "Nichts", meldete Harry. Verzweifelt suchte Janeway nach einem Ausweg dieser misslichen Lage. Es gab nur noch einen Weg. Sie hatte ihn bis zuletzt aufgehoben, doch es war Zeit, auf ihn zurückzugreifen. "Mr. Tuvok, machen Sie einen Torpedo scharf." Alle schauten erschrocken auf. "Captain, darf ich Sie daran erinnern, dass die Explosionskraft eines Torpedos das gesamt Schiff zerstören könnte?", fragte Tuvok. "Nein, das dürfen Sie nicht, tun Sie es einfach. Ich vertraue auf die stabile Bauweise der Yeyt und auf Toms schnelle Reflexe."
Tom hatte Janeways Nachricht gehört und den Kanal nach kurzem Überdenken wieder geschlossen. Er musste das durchziehen, es ging um seine Tochter. Er erinnerte sich an B'Elannas Gesichtsausdruck, als er sie zurück gelassen hatte. Er hatte nicht mal die Gelegenheit gehabt, mit ihr zu reden. Sich mit ihr zu vertragen und ihr zu sagen, wie sehr er sie liebte. Wie hatten sie nur über solch belanglose Dinge streiten können? Alles kam ihm so unwichtig vor, im Vergleich zur Sicherheit seiner kleinen Tochter. Wahrscheinlich hatte B'Elanna recht, man durfte sie noch nicht solchen Gefahren aussetzen. Wieder fielen die Schilde um sieben Prozent. "Warnung, strukturelle Integrität bei 24%", meldete der Computer. "Danke, dass ermuntert einen wirklich!" Vielleicht war diese Mission doch keine so gute Idee gewesen. Er würde nicht nur seine Frau im Stich lassen, sondern auch seine zwei Kinder. Vielleicht sollte er einfach umkehren. Durch ein lautes Piepsen wurde er zurück in die Realität geholt. Ein Torpedo, die Voyager musste den Verstand verloren haben. Er würde das gesamte Schiff sprengen. Dann kamen die letzten Sekunden, der Torpedo schlug ein und Tom wurde von der Schockwelle vom Stuhl gerissen. Sofort raffte er sich wieder auf um die Kontrollen zu überprüfen. Das Schiff war noch in einem Stück, schwere Schäden an der äußeren Hülle und es war kurz vor der Explosion. Aber die Schilde, die Schilde waren unten. Sofort nahm Tom seine eigenen Schilde runter und aktivierte den Transporter.
B'Elanna hatte ein ungutes Gefühl. Die ganze Zeit über hatte sie ein ungutes Gefühl. Die Warpfeld-Instabilität war zum Glück das geringere Problem gewesen, Ziu hatte eine nachlässige Arbeit hinterlassen. Aber was war mit ihrer Tochter? Was war mit dem Mann, den sie liebte? Sie hatte sich nicht einmal von ihm verabschiedet. Nicht einmal den Mut, mit ihm zu sprechen und einen Kompromiss zu finden. "Wie unehrenhaft", murmelte B'Elanna und fand eine gewisse Ironie in ihren Worten. Plötzlich hörten die Erschütterungen auf. Was war passiert? "Harry an Maschinenraum", ertönte plötzlich eine Stimme. "B'Elanna hier, was ist los?" "Ich brauche alle Energie die du auftreiben kannst für den Transporter, wir müssen den Flyer an Bord beamen, bevor das Yeyt Schiff explodiert." Sofort rannte B'Elanna durch den gesamten Maschinenraum und stieß alle Leute um, die ihr in den Weg kamen. Energie, wo sollte sie Energie herbekommen? So gut wie alle Systeme hatten Schaden davon getragen. Verzweifelt stand sie vor der Kontrollkonsole und dachte nach. Wovon konnte man Energie abziehen? "Verdammt B'Elanna denk nach! Was braucht man nicht, was ist im Moment entbehrlich... Holodeck! Das Holodeck", rief sie plötzlich und leitete sofort die Energie um. "Harry hast du sie?" Eine Zeit kam keine Antwort. "Harry!", brüllte B'Elanna durch den Maschinenraum. Noch immer keine Reaktion. "Es wartet jemand auf Shuttlerampe eins auf dich", gab Harry dann mit erfreuter Stimme bekannt. B'Elanna atmete tief durch und stützte sich auf die Konsole vor sich. Dann aktivierte sich plötzlich der Warpantrieb, anscheinend war das Schiff dabei, zu explodieren. Aber das war im Moment nebensächlich.
"Das Schiff ist explodiert", meldete Tuvok. "Wir haben keine Schäden von der Explosion davongetragen." "Immerhin etwas", sagte Janeway und entspannte sich endlich in ihrem Sessel. "Was ist mit Tom und L'Iarah?", fragte sie dann. "Ein medizinisches Team betreut sie." Janeway nickte zufrieden. "Sie alle haben sich eine Pause verdient. Sie haben eine Stunde, nutzen Sie sie", sagte Janeway schmunzelnd. "Das gilt auch für den Captain", flüsterte Chakotay zu ihr hinüber. Harry wollte gerade seinen Posten verlassen, als sich plötzlich etwas auf den Sensoren zeigte. "Captain, ein Schiff enttarnt sich!", meldete er fast panisch. Einen weiteren Angriff würden sie nicht überleben. "Schilde hoch, Phaser bereit machen", befahl Janeway. "Sie... sie rufen uns", sagte Harry überrascht. Janeway sah ihn ebenso überrascht an. "Auf den Schirm!" Alle staunten nicht schlecht, als sie Ministerin Filpor auf dem Bildschirm erscheinen sahen. "Filpor! Wie..." "Sie denken doch nicht, dass ich mich wirklich diesem Risiko aussetze. An Bord des Schiffes, waren lediglich holographische Projektionen." "Warum haben Sie dann eine Geisel genommen, wenn es eh keine Rolle gespielt hätte, ob das Schiff zerstört wird?", fragte Janeway. "Nergnu hat in dieser Beziehung eigenwillig gehandelt. Es war ihr Risiko und sie hat die Strafe davon getragen. Ihr Programm wurde bei der Explosion eliminiert." "Wie kann Sie das nur so unberührt lassen?" Janeway verspürte nichts als Abscheu. "Dieses Schicksal hätte sie eh erwartet. Sie hat den zweiten Teil ihrer Prüfung fehlerhaft ausgeführt. Sie hat versäumt, die Logbücher an Bord ihres Schiffes zu löschen, so dass Sie den Komplott aufdecken konnten. Und ihre Sabotage war lächerlich. Sie war es nicht wert zu existieren, wie ich bereits sagte." "Warum? Warum war sie es nicht wert, zu existieren, nur weil sie eine Prüfung nicht bestanden hat? Wie kann eine Prüfung über eine ganze Existenz bestimmen?" Noch immer war Janeway fassungslos. "Sie verstehen noch immer nicht Captain. Hologramme dienen uns als Soldaten. Ziu hat, seit sie in die Koalition kam, mit Freude eine militärische Ausbildung absolviert, sie war eine Yeyt mir Leib und Seele, sie tötete ihren Vater, um das Oberhaupt ihres Volkes zu werden. Doch diese Position musste sie sich noch erkämpfen, mit dieser Prüfung, und sie hat versagt. Dabei waren die Testgebiete lediglich Sabotage und Spionage." Janeway senkte den Kopf. Wie konnten die beiden nur so kaltherzig sein? Wie konnte Ziu so kaltherzig gewesen sein? "Warum haben Sie gerade die Voyager ausgewählt?", fragte sie nach der kurzen Pause. "Die Voyager war gerade in diesem Sektor, deswegen hielten wie sie für einen geeigneten Ort für die Prüfung. Bilden Sie sich aber bloß nichts darauf ein. Ich muss jetzt eine weitere Prüfung untersuchen. Es war nett Sie wiederzusehen." Mit diesen Worten verschwand Filpor wieder vom Bildschirm. "Ich... ich bin in meinem Bereitschaftsraum", sagte Janeway leise und stand aus ihrem Sessel auf.
B'Elanna hastete in die Shuttlerampe und fand ihren Mann und ihre Tochter auf einigen Container sitzend, während sie von einem medizinischen Team untersucht wurden. Tom hielt sich den Kopf, der ein bisschen blutete, doch alles in allem schienen die beiden nicht ernster verletzt zu sein. Als L'Iarah ihre Mutter entdeckte, sprang sie sofort auf und rannte ihr entgegen. Toms Blick folgte seiner Tochter, bis auch er B'Elanna entdeckte. "Mami!", rief L'Iarah, als ihre Mutter sie in die Arme schloss. "Oh mein Schatz, ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist! Geht es dir auch gut, hast du irgendwo Schmerzen?" B'Elanna begutachtete ihre Tochter von oben bis unten. "Mami, es ist alles okay! Daddy hat mich gerettet! Ziu hat gesagt, dass du und Daddy nicht mehr da wärt, aber ich hab ihr nicht geglaubt! Ich hatte nur Angst, dass ihr sauer auf mich seid." "Nein mein Schatz, wir sind nicht sauer auf dich. Wie könnten wir auch, bei so einer tapferen Tochter?" L'Iarah strahlte förmlich. Aber B'Elanna saß der Schock noch in den Knochen. "L'Iarah, komm, wir müssen dich noch untersuchen!", rief Fähnrich Caring und L'Iarah lief wieder zurück zu den anderen. Wo war Tom plötzlich hinverschwunden? B'Elanna stand auf und ihr Blick wanderte suchend durch den Raum. Sie erschrak, als er plötzlich neben ihr stand. "Tom..", flüsterte sie. Die beiden sahen sich lange an, dann hob Tom seine Hand und strich mit ihr über B'Elannas Wange. B'Elanna konnte es nicht länger unterdrücken und zog Tom in einen innigen Kuss und eine feste Umarmung, welche die beiden fast umgeworfen hätte. "Es tut mir so leid", flüsterte Tom ihr ins Ohr. "Mir auch", gab sie zur Antwort. "Nein, ich meine... weil ich diese Mission wirklich durchgezogen habe. Es war viel zu riskant, ich hätte dabei sterben können und dann..." B'Elanna legte ihren Finger auf seinen Mund um ihn zum Schweigen zu bekommen. "Weißt du, ich glaube, du musst dir heute doch keinen anderen Schlafplatz suchen", sagte sie und küsste ihn erneut. "Das weiß ich doch", flüsterte Tom und fing sich einen Stoß gegen die Rippen ein.
Den gesamten Tag war Harry mit Reparaturen im Maschinenraum beschäftigt gewesen und hatte dabei eine Menge Zeit zum Nachdenken gehabt. Jetzt konnte er es nicht erwarten, in sein Quartier zu seiner Frau zu kommen, um ihr die gute Nachricht von seiner Entscheidung mitzuteilen. Fröhlich pfeifend erreichte er mit einem Strauss Blumen die Tür zu seinem Quartier und gab den Autorisationscode ein. Als sich die Türen öffneten, war der Raum völlig dunkel. Tara war hier drin, das hatte er vorher extra überprüft. "Schatz? Tara bist du hier?" Als er sich an die Dunkelheit gewöhnt hatte, sah er, dass sie auf dem Bett saß, die Knie angewinkelt. "Da bist du ja!" Er hob die Hand mit den Blumen. "Das... ist ein Versöhnungsgeschenk. Ich hab mich wie ein Idiot aufgeführt. Aber ich habe sehr lange und sehr gründlich darüber nachgedacht." Er trat vor das Bett und setzte sich auf die Bettkante. "Ich will eine Familie gründen. Meinetwegen können es fünf oder sechs Kinder werden, Hauptsache, sie sind von uns", Er strahlte vor Glück. "Erinnerst du dich noch an die Verschmelzung mit den Azuri?", fragte Tara plötzlich. "Sie sagten damals etwas von geringfügigen physischen Veränderungen." "Was... was meinst du damit?", fragte Harry zögernd. "Der Doktor hat mir die Ergebnisse der Untersuchung mitgeteilt. Er ist extra hergekommen um es mir persönlich zu sagen. Harry, ich bin nicht mehr in der Lage, Kinder zu bekommen." Sie verschluckte den letzten Teil fast, weil sie anfangen musste zu weinen. Harry stockte einen Moment. Er konnte nicht fassen, was Tara ihm gerade gesagt hatte. Er hatte sofort 1000 Fragen, wie das nur sein konnte, doch sie wurden alle nebensächlich, als er das verheulte Gesicht seiner Frau sah. "Oh mein Gott", war alles, was er dazu sagen konnte. Er rutschte auf dem Bett zu ihr und zog sie in seine Arme, wo sie noch stärker anfing zu weinen. Hätte er doch mit seiner Entscheidung noch gewartet, er hatte unnötig Salz in die Wunde gestreut. "Es... es tut mir... es tut mir so leid, hätte ich... hätte ich gewusst, was es für Auswirkungen hat, ich hätte niemals..", stotterte Tara von Weinkrämpfen unterbrochen. "Ich weiß ich weiß. Du darfst dir keine Vorwürfe machen, du wusstest es nicht", beruhigte Harry sie. "Harry, wir werden niemals... wir werden niemals ein Kind in die Welt setzen können!", stieß sie schluchzend hervor. Harry wusste nichts anderes zu tun, als sie im Arm zu halten und bei ihr zu sein. Doch er konnte sich nicht helfen, auch er spürte, wie Tränen über sein Gesicht liefen. Sie hatten kein Kind verloren, aber die Hoffnung, jemals eines zu haben.
Es war wohl der ereignisreichste und anstrengendste Tag der letzten Jahre gewesen. Zwar war der Rest des Tages relativ ruhig verlaufen, aber Janeway konnte und konnte nicht vergessen, was geschehen war. Von dem Beginn des Krieges vor sieben Jahren, über Zius Auftauchen auf der Voyager bis zu ihrem Tod. Wie hatte sie nur erneut so viele verhängnisvolle Fehler machen können? Sie trank eine Tasse Kaffee, von der sie aber nichts schmeckte und überflog einen Bericht, von dem sie nichts mitbekam. Erst als jemand ohne Vorwarnung den Raum betrat wurde sie aufmerksam. Es war Chakotay und er sah beides, besorgt und verärgert aus. "Den ganzen Tag versteckst du dich hier, das kann nicht so weiter gehen", sagte ohne weitere Begrüßung. "Ich verstecke mich nicht, ich arbeite", rechtfertigte sie sich. Chakotay ging zu ihrem Sofa und setzte sich. Er klopfte mit der Handfläche auf den Platz neben sich und signalisierte Janeway, sich neben ihm zu setzen. Seufzend folgte sie seiner Anweisung, stellte die Tasse ab und gesellte sich zu ihm aufs Sofa. "Was war dein Fehler Kathryn?", fragte Chakotay. Janeway sah ihn zunächst etwas verwirrt an. "Ich habe einen Krieg ausgelöst und damit zwei Rassen Untertan einer dritten gemacht, ich habe den Fehler ein zweites Mal gemacht und bin erneut auf den Feind reingefallen und habe damit die ganze Voyager in Gefahr gebracht!" Sie sprach, als würde sie ihre eigene Anklageschrift vorlesen. "So wie ich das sehe, hast du versucht einen Krieg zu verhindern und warst einfach zu vertrauensvoll, was kein Fehler ist. Und du hast jemandem Asyl gewährt, der darum gebeten hat. Dass sie der Feind ist, wusstest du da noch nicht." Janeway atmete tief durch und drehte sich so, dass sie die Sterne sehen konnte. "Filpors Antworten waren so kalt. Ich kann nicht glauben, dass das alles für sie alltäglich ist. Wie kann man über so etwas nur so einfach hinwegsehen?" Sie machte eine kurze Pause. "Nachdem wir das alles das letzte Mal hinter uns hatten, habe ich dir gesagt, dass mich das noch sehr lange verfolgen wird. Und ich hatte recht. Ich habe die Xaor ausgerottet, ich habe Nergnu getötet, Ziu... ich kann es nicht ignorieren. Ich habe es all die Jahre unterdrückt, aber jetzt ist wieder alles da, als wäre es gestern gewesen", sagte Janeway nachdenklich. "Und damals habe ich dir gesagt, dass ich immer für dich da sein werde. Und das hat sich nicht geändert." Chakotay nahm ihre Hand von ihrem Bein in die seinige. "Chakotay... warum tust du das? Diese Geduld, das Einfühlungsvermögen, deine Hilfe? Wie habe ich das verdient?" "Weißt du das nicht?" Er streichelte mit seiner Hand über ihre Wange. "Vielleicht... muss es mir einfach nur gesagt werden", flüsterte Janeway. Chakotay atmete tief durch. Endlich war seine Zeit gekommen, länger hätte er seine Gefühle nicht unterdrücken können. "Kathryn, ich tue das alles für dich, weil du meine beste Freundin bist, mein Captain... und die wichtigste Person in meinem Leben. Du hast mein Leben verändert und dass wir hier im Delta-Quadranten gelandet sind, ist das Beste, das mir je passieren konnte. Denn hier habe ich dich." Janeway war zu Tränen gerührt. Sie wusste nicht, weswegen ihre Tränen kamen, wegen Chakotays Worten oder wegen dem, was heute und in der Vergangenheit alles passiert war. Einen Moment schwieg sie reaktionslos und in diesen Moment wurde Chakotay unsicher und nahm seine Hand wieder weg. "Du..", begann sie zögerlich "...du sagtest etwas von einem Dinner auf einem Segelboot", sagte sie und lächelte. Chakotay erwiderte ihr Lächeln. "Genau das, was wir jetzt brauchen", sagte er, rückte dann ein Stück näher zu und küsste sie zögerlich. Janeway erwiderte den Kuss, endlich hatte sie den Mut dazu. Sie war sich sicher, dass sie das alles vielleicht verdrängen könnte, mit Chakotays Hilfe sogar damit leben, aber vergessen würde sie ihn nie, den Krieg der drei Völker der ihr Leben schon ein zweites Mal beeinflusst hatte.
Die letzten Patienten waren gerade gegangen und der Doktor hatte endlich Zeit, die Krankenstation wieder auf Vordermann zu bringen. Er begann damit, die Hyposprays einzuordnen, doch er konnte es einfach nicht. Sie erinnerten ihn an Ziu. Alles in diesem Raum erinnerte ihn an Ziu. Es war Ironie des Schicksals, dass gerade die Frau, die wie geschaffen für ihn war, eine Saboteurin und Terroristin war. Warum gerade sie? Warum hatte sie diesen Weg beibehalten? Sie hatte sich an Bord geändert, da war der Doktor sich sicher. Der Gedanke an Ziu als Mörderin wollte ihm einfach nicht in den Kopf. Doch wie sollte er über sie hinweg kommen? Er könnte die letzten beiden Tage aus seinem Programm löschen, doch er wollte die schöne Erinnerung nicht zerstören. Schließlich war er seit langer Zeit wieder verliebt gewesen, und es war etwas Besonderes gewesen, trotz Zius wahren Motiven. Ihre Gefühle waren sicher echt gewesen. Er setzte sich in sein Büro und dachte nach. "Computer, Änderung in der Datei Medizinisch holographisches Notfallprogramm." Der Computer piepte bestätigend. Dies war ein würdiges Andenken an Ziu, an die Ziu, in die er sich verliebt hatte. "Änderung des Namens in... Xem Gresdan." "Änderung gespeichert", meldete der Computer. So würde er sie nie vergessen. Aber würde er sich je wieder verlieben können? "Wahrscheinlich erst, wenn sich jemand in eine Borg verliebt", sagte er sarkastisch zu sich selbst und deaktivierte dann sein Programm.
Tara saß noch immer mit verheulten Augen auf dem Bett. Harry hatte ihr eine Tasse Tee repliziert, zur Beruhigung. Jetzt saßen die beiden, seinen Arm um sie gelegt, auf dem Bett und dachte einfach nur nach. "Weißt du Harry, mir war schon immer klar, alles hat seinen Preis, aber das..", sie schwieg wieder. "Schatz, ich... ich gebe zu, es hat mich auch getroffen. Aber du bist nicht Schuld daran und... und wir werden ein Baby adoptieren, was sagst du dazu?", er versuchte, so positiv wie möglich zu klingen. Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Danke, aber du musst das nicht sagen. Immerhin, wir haben... wir haben noch L'Iarah und Tom und B'Elannas Baby. Vielleicht ist es ja besser so." Er zog seine Frau näher zu sich. Es erleichterte ihn ungemein, dass sie ihren gewohnten Optimismus wiedergefunden hatte. Sie senkte ihren Kopf ein wenig. "Es ist dir wichtig, eine Familie zu gründen, oder?", fragte sie dann. Harry atmete tief durch und dachte nach. "Ja, ich dachte immer, dass mir das sehr wichtig sei." "Aber?" "Aber... ich habe festgestellt, gerade in diesem Moment, dass es mir viel wichtiger ist, mit dir zusammenzusein, dass du mir viel wichtiger bist", sagte Harry und küsste sie auf die Stirn. "Du hast mein Leben verändert. So wie noch niemand zuvor." "Du hast mein Leben auch verändert. Wir können noch so viel voneinander lernen." Sie sah zu ihm auf. "Ich liebe dich Harry Kim und das wird sich niemals ändern." "Ich liebe dich auch." Er drückte sie erneut an sich und konnte merken, wie sie erneut anfing zu weinen, auch wenn sie versuchte, es zu verstecken. Die Wunden waren tief, aber vielleicht, irgendwann, würden sie heilen.
"Was für ein Tag", sagte Tom seufzend und legte sich zu seiner Frau ins Bett. "Was du nicht sagst. Schon seltsam, wie einem bewusst wird, dass man keinen Tag verschwenden darf", sagte B'Elanna leise und kuschelte sich an ihn. L'Iarah hatten sie bereits ins Bett gebracht, sie war unglaublich erschöpft gewesen, was auch verständlich war. B'Elanna sah zu der hölzernen Wiege, die jetzt bei ihnen im Raum stand und dachte nach. "Tom?", fragte B'Elanna, nachdem es kurz still gewesen war. "Huh?" "Warum lassen wir sie nicht einfach hier stehen? Es wäre wesentlich einfacher, wenn das Baby nachts schreit", schlug B'Elanna vor. Tom nickte. Nach diesem Tag war er so kompromissbereit wie noch nie zuvor. "B'Elanna ich glaube du hattest recht. In diesem Alter sollte L'Iarah noch nicht mit so etwas konfrontiert werden." B'Elanna setzte an, etwas darauf zu erwidern, doch er legte seinen Finger auf ihre Lippen. "Lass mich das bitte ausreden,..", sagte er "... ich möchte... dass du verstehst, warum ich diese Meinung hatte. Mein... mein Vater, er hat mir immer eingeredet, dass... ich weiß nicht, dass mir niemals irgendetwas etwas anhaben könnte, dass ich eine perfekte Zukunft haben würde und meinem Leben niemals etwas Schlechtes wiederfahren würde. Aber das tat es und... ich war nicht darauf vorbereitet. Mich verfolgt das noch heute und ich wollte nicht, dass es L'Iarah irgendwann genauso gehen würde, denn... sie ist das Wichtigste in meinem Leben. Sie und die Frau, die ich liebe." Er lächelte und schwieg einen Moment. "Vielleicht stelle ich sie dir irgendwann mal vor..", fügte er grinsend hinzu und erhielt einen Stoß in die Seite als Strafe. "Tom ich weiß doch, warum dir das so wichtig war. Ich war nur so... stur und habe nicht einmal versucht, vernünftig mit dir zu reden. Es tut mir so leid, ich meine, dass ich gesagt habe, dass du kein guter Vater wärst. Denn das stimmt nicht", sagte sie ruhig und nachdenklich. Tom hob ihren Kopf mit einer Hand und küsste sie sanft. "Und mir tut es leid, was ich über deine Eltern gesagt habe. Ich habe nicht das recht, über irgendetwas in dieser Hinsicht zu urteilen und..." "Doch das hast du", unterbrach B'Elanna. "Du kennst mich besser als alle anderen, Tom. Manchmal ist das beängstigend. Aber Tatsache ist, du hattest recht, auch ich wollte nicht, dass es L'Iarah mal so ergehen wird wie mir." Wieder schwiegen sie. "Ich schätze, unser einziges Problem war, dass wir beide versucht haben, gegen die Dämonen unserer Kindheit anzukämpfen", schlussfolgerte Tom. B'Elanna sah wieder zu ihm auf und küsste ihn erneut. "Weißt du B'Elanna, wir sollten wieder öfter streiten", sagte Tom mit einem Grinsen auf dem Gesicht. B'Elanna hob ihre Augenbrauen an und sah ihn fragend an. "Ach ja? Und warum?" "Mir haben die Versöhnungen gefehlt", sagte Tom, doch die Hälfte ging dabei unter, als er sie wieder küsste, nur dieses Mal nicht so flüchtig wie beim letzten Mal. "Daddy?", hörten sie plötzlich die Stimme ihrer kleinen Tochter und brachen den Kuss seufzend ab. "Was ist denn Prinzessin?", fragte Tom, als er sich wieder aufgesetzt hatte. "Kann ich heute bei euch schlafen?", fragte sie und kletterte bereits auf das Bett. "Aber natürlich mein Engel", sagte Tom seufzend und rutschte, damit L'Iarah zwischen ihnen liegen konnte. "Und stell dir vor, wie es erst mit zwei Kindern sein wird", flüsterte B'Elanna ihm mit fiesem Grinsen zu. "Oh ich kann es kaum erwarten." Beide mussten grinsen. "Computer, Licht aus", befahl B'Elanna, als L'Iarah sich hingelegt hatte. B'Elanna dachte über diesen Tag und seine Bedeutung für ihr weiteres Leben nach. Er hatte L'Iarah sicher sehr verändert. Und er hatte Tom und sie dazu gebracht, endlich über ihre Befürchtungen zu sprechen. So hatte alles Schlechte doch in einer Weise auch immer etwas Gutes. Aber was ihr nach diesem Tag endlich klar geworden war, auch wenn sie nicht Taras Glauben teilte, Tom war ihr Suhli und das würde sich nie ändern. Die beiden waren einander Schicksal und nichts und niemand war in der Lage, das zu zerstören, was die beiden verband.
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