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Yield to song

© by Birgitt (), 2003

 

Disclaimer: Die Rechte für die Serie *Highlander* und ihre Charaktere gehören Davis/Panzer. Die Rechte für die Serie *Hornblower* und ihre Charaktere gehören A&E Entertainment. Die Rechte für die Serie *Wettlauf nach Bombay (La Nouvelle malle des Indes)* und ihre Charaktere gehören NFDC, Rizzoli Film, TF1, Technisonor, TMG, TSR, ZDF und ORF. *My Soul is Dark* ist ein Gedicht von Lord Byron, das ich hier ohne Erlaubnis widergegeben habe. Die Rechte für *Yield to Song* gehören mir; ich beabsichtige nicht, damit irgendeinen materiellen Vorteil zu erzielen.
Anmerkungen: Antwort auf die HLQueer-Challenge vom Pfingsttreffen Mai/Juni 2003
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de)

 

My Soul Is Dark
 
My soul is dark - Oh! quickly string
   The harp I yet can brook to hear;
And let thy gentle fingers fling
   Its melting murmur o’er mine ear.
If in this heart a hope be dear,
   That sound shall charm it forth again:
If in these eyes there lurk a tear,
   ‘Twill flow, and cease to burn my brain.
 
But bid the strain be wild and deep,
   Nor let thy notes of joy be first:
I tell thee, minstrel, I must weep,
   Or else this heavy heart will burst;
For it had been by sorrow nursed,
   And ached in sleepless silence long;
And now ‘tis doomed to know the worst,
   And break at once – or yield to song.
      (Lord Byron)
 

 
Seacouver 1999

 

"So sehr es mir mißfällt, unserer unsterblichen Schönheit beipflichten zu müssen..." Methos wartete, bis MacLeod zu ihm aufschaute und er sich seiner vollen Aufmerksamkeit sicher war. "Amanda hat recht, wenn sie sagt, dich könne man nicht alleine lassen." Bevor MacLeod dem Hochziehen seiner rechten Augenbraue eine verbale Reaktion folgen lassen konnte, fuhr Methos fort. "Versuch' es erst gar nicht mit Ausreden und langen Erklärungen. Ich bin hier, um mit dir zu Abend zu essen, und wenn du nicht sofort anfängst, dieses Chaos zu beseitigen, bekomme ich vor Mitternacht garantiert nichts in den Magen."

"Und wie ich merke, ist deine Laune jetzt schon beschissen genug. Darf ich dich daran erinnern, daß du zur Abwechslung mal eine eigene Wohnung hast? Ein geregeltes Einkommen und einen gut gefüllten Kühlschrank? Deine Rechnung bei Joe ist beglichen. Deinen Schlafsack halte ich schon seit Wochen nicht mehr als Geisel. Dir stehen alle Möglichkeiten offen. Bis auf eine." MacLeod deutete auf die Ansammlung von Werkzeugen und Ersatzteilen, die vor ihm auf einem weißen Laken verstreut waren. Er selbst hockte dahinter auf dem Fußboden, im Schneidersitz.

"Ist das nicht etwas unbequem?" Übertrieben seufzend ließ sich Methos auf seine Knie nieder, auf der anderen Seite des Lakens.

MacLeod sah ihm kopfschüttelnd zu. "Ich sitze gern auf was Hartem."

Es kostete Methos Mühe, diese Eröffnung unkommentiert zu lassen, doch es war ihm absolut nicht nach einem Wortgefecht. Allenfalls verspürte er eine brennend eisige Lust nach einem *echten* Gefecht. *Ich verbringe eindeutig zu viel Zeit mit dem Schotten. Freud hätte seine Freude an meinem akuten Anfall von Highlanderitis.* Er ließ einige Schrauben und Nägel von einer Hand in die andere gleiten, bis nur noch ein Gegenstand auf seiner Handfläche lag, den er nun wiederholt in die Luft warf. *Hohlraumdübel*, vermeldete ein längst verschüttet geglaubter Teil seiner Erinnerungen fröhlich und selbstsicher. Der Seufzer, der nun folgte, war nicht mehr übertrieben, sondern entsprach seinem tatsächlichen Gemütszustand.

MacLeod schnappte sich den Dübel, als dieser den höchsten Punkt der Flugbahn erreichte, und legte ihn dann demonstrativ zu den anderen Teilen.

Methos wußte, daß er sich anhörte, wie ein kleiner verzogener Junge, der vor Langeweile zu platzen drohte. Nicht, daß das, was in ihm vorging, irgendetwas mit Langeweile zu tun hatte. *Warum soll es nur mir miserabel gehen? Wozu sind schließlich Freunde da?* "Was ist jetzt mit Abendessen?"

"Ja, mach' dir's doch alleine!" Offensichtlich hatte der Freund keine Lust, den ihm zugedachten Part in dieser Tragödie von einem gemeinsamen Abend zu spielen. "Ich habe schon gegessen. Du kennst dich aus. Laß dich also von mir nicht stören."

Umständlich stand Methos wieder auf, und es traf ihn ein wütender Blick MacLeods, als er dem Gegenstand von dessen Aufmerksamkeit gefährlich nahe kam. Schützend hielt MacLeod seine Hände vor die Standuhr, ein zierliches Gebilde, das MacLeods Hände wie Pranken aussehen ließ. "Ist das nicht ein Geschenk von Ann?" Methos war stolz darauf, daß seine Frage so beiläufig klang, als hätte die Ann in der Frage gar nichts mit der Ann in seinen Gedanken zu tun.

"Eher eine Leihgabe. Kleine Kinder können so ungeschickt sein." MacLeod wurde leicht rot und dieses Mal konnte Methos nicht widerstehen.

"Wie gut, daß hier nur Erwachsene auftauchen, die ihre Bewegungsabläufe unter Kontrolle haben. Was ist denn passiert?"

"Ich denke, du stirbst vor Hunger?"

"Schadet mir nicht. Nicht auf Dauer jedenfalls. Komm schon, lenk' nicht ab, ich laß' dich nicht vom Haken." Methos schob die Hände in die Hosentaschen, ließ Schultern und Ellbogen hängen, um MacLeod klarzumachen, daß er jetzt alle Zeit der Welt hatte und diese auch zu seinem Vorteil verstreichen lassen würde. Vielleicht war ein Streit mit MacLeod - auch ohne Enthaupten und Quickening - doch gut genug, um seine Laune zu bessern. *Ich sollte mir so einen Riesenhasen anschaffen, mit dem ich mich anlegen kann, wenn MacLeod nicht reizbar genug ist. Aber bei meinem Glück erwische ich so einen Harvey in Latex, der sich zum Dominus meines Seelenlebens entwickelt.*

"Wie ein Mensch so stehen kann, ohne als trauriger Haufen auf dem Boden zu enden, wird mir immer ein Rätsel bleiben."

"Jahrhundertelanges Training, MacLeod. *Not so, I lied* - eigentlich habe ich das aus dem Internet. Phantom Menace Fanfiction. Tausende von Geschichten über die extremen Meditationen der Jedi. Und was die können, sollten Unsterbliche schon lange -" Methos zuckte mit den Schultern. "Ich habe die ganzen Obi-Wan und Qui-Gon-Stories so satt. Aber für die klassischen Filme etwas zu finden... Habe ich dir von der Geschichte von Darth Vader und dem Schwein erzählt?"

Er schwafelte und er wußte, daß er schwafelte, und er wollte nicht schwafeln. Er wollte, daß MacLeod diese verdammte Standuhr in die Ecke schleuderte, das Laken gleich hinterher. Sie sollten jetzt nebeneinander auf dem Sofa sitzen, ein kaltes Bier in der Hand, die Füße auf dem Tisch. Eine Pizza - oder zwei - war schnell bestellt. Und sie würden essen und trinken und sich streiten oder schweigen. Lachen... *oder weinen*?

"Weltschmerz, Methos?"

*Du kennst mich zu gut, MacLeod! Zu lange, zu gut, zu schön, um wahr zu sein. Zu spät, um einfach zu gehen.* "Mein eigener Schmerz ist mir Hölle genug, was interessiert mich die Welt?"

"Keine Ahnung, erklär's mir. Du bist hierher gekommen und nicht auf dem Weg nach Bora Bora." MacLeod streckte seine Hand aus und Methos ergriff sie und zog MacLeod hoch, ohne auch nur darüber nachzudenken, ob es Reflex oder vertraute Reaktion war. *Zu spät, um einfach zu gehen. Zu... rastlos, um einfach zu bleiben.*

"Venedig."

"Was?" MacLeod wartete seine Antwort nicht ab, nahm die Standuhr auf und stellte sie im Regal ab. Er sah auf seine Armbanduhr und stellte die Zeiger richtig.

"Sie funktioniert wieder?"

MacLeod drehte sich zu ihm um, schüttelte den Kopf. "Ach nein, ich muß wohl ein komplett neues Uhrwerk besorgen. Ich dachte, ich könnte die zerbrochenen Teile -" Er stemmte die Hände in die Hüften, legte den Kopf schief. "Venedig?"

Methos schluckte bei dem Anblick. Er hatte MacLeod schon in so vielen Situationen erlebt, nie schien er fehl am Platz, immer war er genau dort, wo er gebraucht wurde. Wo er sein sollte. Weil er es wollte. Sogar bei dieser unsäglichen Wohltätigkeitsveranstaltung vor zwei Wochen zugunsten von Joes Bar, als er sich in einer gar nicht witzigen Parodie seines wahren Ichs als der "sexy schwertschwingende Schotte" ankündigen ließ und auch auftrat, war er das, was er immer war. Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod. Eine Illusion. Aber eine, die funktioniert. Und nicht nur für ihn. *Zu spät, um einfach zu gehen? Das wollen wir doch mal sehen!*

"Ich wollte dich nicht stören." Methos deutete auf MacLeods Outfit, schwarze Leggins und ärmelloses graues Baumwollshirt. "Du wirst sicher noch trainieren wollen." *Sexy schwertschwingender Schotte. Ich hätte nichts gegen einen Wettbewerb Miss Wet T-Shirt. Mit männlichen Protagonisten. Mit einem männlichen Protagonisten.* "Ich hole mir einen Schlaftrunk bei Papa Joe -" Langsam wandte er sich um, doch MacLeod war schneller und an Methos vorbei und versperrte ihm den Rückzug. *Den Göttern sei Dank!*

"Verdammt, Methos, was soll dieser Auftritt?" Methos war klar, daß MacLeod ihn bei dem Versuch, an ihm vorbeizukommen, packen würde, und für einen Augenblick wünschte er sich genau das und nur das. "Du wolltest etwas essen, also kriegst du auch was zu essen. Und wenn ich es in dich reinstopfen muß!"

 

* * * * *
 

Methos schob das Essen auf dem Teller hin und her. Ein Blick auf den Couchtisch verriet ihm, daß MacLeod diese erstbeste Gelegenheit wahrgenommen hatte, sich an ihm für sein Benehmen als Armleuchtergewächs der Woche zu rächen. Offensichtlich hatte MacLeod versäumt, Importbier zu besorgen. *'Du magst doch Corrs?', begleitet von einem honigsüßen Lächeln. 'Aber ich habe auch noch Apfelwein!'* Leider waren genießbare Getränke nicht das Einzige, was im Angebot fehlte. Auf dem Tisch standen die Überreste einer Geburtstagstorte, ein Farbspektakel der abschreckenden Art - Guß in Rosa, der Kuchen selbst metallisch grün -, eine kleine Porzellanschüssel mit Gurken und Mixed Pickles, ein paar Brocken Parmesankäse und schließlich ein Dessertteller Schokoladenpudding, bei dem sich Großteile bereits verflüssigt hatten. Methos hatte sich für das Farbspektakel entschieden; die Torte schien das einzige zu sein, das den Aggregatzustand noch für ein paar Minuten aufrecht erhalten konnte.

"Mac, du wirst es mir nicht glauben, aber das mit dem Abendessen war nur ein Vorwand."

"Weiß ich. Aber wenn du schon mal hier bist: Ich habe da noch eine Auswahl an Resten, da fällt dir alles aus!" MacLeod lachte kurz auf. "Vergiß es einfach, Methos." Er nahm ihm den Teller aus der Hand und marschierte damit in die Küche. Nach ein paar Minuten tauchte er mit einer geöffneten Weinflasche und zwei Gläsern wieder auf. Methos nahm den Pudding und die Mixed Pickles und trug sie außer Sichtweite. Auf dem Weg zurück kam ihm MacLeod entgegen, beladen mit dem Rest des grauenhaften Mahls. "Aber dein Gesichtsausdruck war mir ein leichtes Unwohlsein wert."

"An deinem ersten Millenniumstag gebe ich dir einen aus, Highlander. Die Chancen, daß du dieses Ereignis erlebst, sind eh gering."

"Ich werde noch auf deinem Grab tanzen, alter Mann."

Ein Schlagabtausch wie tausend andere, aber heute war jeder kleine Pfeil, den MacLeod abschoß, ein schmerzender Treffer. Methos hatte das Gefühl, er könnte das Gift, das an den Spitzen klebte, spüren, fühlen und auch riechen. Die Tatsache, daß MacLeod völlig unschuldig an seinen Empfindungen war, machte alles nur noch schlimmer. Hoffnungslos. War er nicht genau deswegen hergekommen? Um etwas Hoffnung zu finden? Wortlos ging er zurück in das Wohnzimmer, ließ sich auf der Couch nieder und begann, mit der Weinflasche zu spielen. Die ersten Fetzen des Etiketts lagen schon auf dem Tisch, als MacLeod sich neben ihn setzte.

"Magst du lieber etwas anderes als Chablis? Ich dachte, wir fangen mit etwas Leichtem an?"

"Was hast du denn vor, Mac? Mich betrunken machen, ins Bett zerren und vernaschen?"

"Wenn's dir hilft..." Methos sah von der Flasche hoch. MacLeod wich seinem Blick nicht aus. Wieder einmal fand Methos MacLeod genau dort, wo er hingehörte. Was ihn selbst anging, war er sich nicht so sicher.

"Könnte sein. Aber du hast recht. Wir sollten mit etwas Leichtem anfangen." Mit seinen Fingerspitzen schlug er leicht gegen eines der Weingläser. MacLeod schenkte ein, ohne sich die Mühe zu machen, der offiziellen Zeremonie zu folgen. Ein Glas für Methos, eins für MacLeod, beide fast bis zum Rand voll.

*Scheideweg. Wenn ich das Zeug jetzt anrühre, bin ich in spätestens in einer Stunde jenseits von Gut und Böse. So hatte es schon oft geendet. Vielleicht verdiene ich etwas Besseres... Ganz sicher verdient MacLeod etwas Besseres.* "Um auf Venedig zurückzukommen... und auf dieses Arschloch, das dir deinen Feierabend kaputt gemacht hat..."

MacLeod hatte keine Schwierigkeiten, den Wein als das anzusehen, was er war, und nahm einen Schluck. "Schön, daß es nicht bleiben konnte. Du kannst mir helfen, den Rest des Abends zu retten." Er stellte das Weinglas ab und legte sich längs auf die Couch, geschickt genug, daß er Methos nicht einmal berührte. "Komm schon, alter Mann. Entspann dich endlich."

Die Aussicht war zu verlockend. Sekunden später räkelte sich Methos gegen MacLeods Oberkörper, ließ zu, daß MacLeod ihn mit Armen und Beinen gefangennahm. Nur daß er sich nicht gefangen fühlte, sondern so befreit, daß er den Erinnerungen, denen er hatte entfliehen wollen, endlich entgegentreten konnte.

"Ich hatte gedacht, daß ich meine Rolle in diesem Spiel kontrollieren könnte. Ich rede nicht davon, daß Spiel zu beherrschen, Mac, nur meine eigenen Züge darin."

MacLeod hatte keine Schwierigkeiten mit dem Themenwechsel. "Und meine und Amandas und die Aktionen derer, die das Pech haben, sich mit dem unerfahren Adam Pierson anzulegen."

"Jeder von uns hat so seine eigenen Manipulationsmethoden." Methos lauschte - fühlte - MacLeods Lachen, genoß jede Muskelbewegung, die es auslöste. "Und schließlich funktionieren sie nicht schlecht. In Anbetracht dessen, daß wir beide noch am Leben sind..." Das Lachen verstummte, aber das Gefühl von MacLeods Lebendigkeit schwang in Methos weiter. Es war gut, daß er hierher gekommen war. Venedig konnte warten.

"Verrätst du mir, wer raus ist? Vielleicht hatten wir einen weiteren gemeinsamen Bekannten..."

*Hatten. Muß es nicht 'haben' heißen? Selbst wenn sie tot sind?* Methos erschrak bei dem Gedanken, daß er sich noch immer weigerte, den Verlust zu akzeptieren. Oder besser, seine eigene Hilflosigkeit zu akzeptieren. Natürlich war es nicht fair, daß diejenigen, die mit dem verdammten Spiel nichts zu tun haben wollten, nicht einfach ihre Ruhe haben konnten. Vor allem dann nicht, wenn sie sich nicht nur weigerten, diesem 'Es kann nur einen geben' zu huldigen, sondern zudem nicht einsehen wollten, daß sie sich verstecken oder sich auf Heiligen Boden zurückziehen mußten, um diesem 'Wahnsinn', wie sie es nannten, den Rücken zu kehren.

 

* * * * *
 
Vancouver, 1875

 

"Es ist mir schon zuwider, für die Sterblichen Generation für Generation einen überzeugenden Abgang aufzuführen, damit sie unser Geheimnis nicht entdecken. Aber unter uns sollte es doch möglich sein, einfach nur zu leben, wie wir es möchten. Ohne diese ständigen Duelle um die Lebensessenz der anderen. Ich bin ich, ich brauche nicht die Erinnerungen und die Kenntnisse von anderen, um mich als vollwertiges Wesen zu begreifen."

"Martial, in Anbetracht dessen, daß sich der gute Doktor um deine Schulter kümmert, anstatt die Gunst des Augenblicks zu nutzen, macht deinen Monolog zu einer reinen Zeitverschwendung." Kennedy grinste auf den Verletzten herab. Methos konnte nicht anders und lächelte ebenfalls. Auch wenn er die Umstände verfluchte, die ihn in diese Situation gebracht hatten.

"Mr. Kennedy hat Recht, Monsieur Sassenage. Ich bemühe mich seit einiger Zeit, mich aus diesen infantilen Streitigkeiten herauszuhalten. Hätte ich nicht mit eigenen Augen gesehen, wie Ihr eine Herausforderung ignoriertet, wäre ich gewiß nicht hier." Methos beendete die Untersuchung mit einem Seufzen. "Ausgerenkt. Kein Bruch oder verletzte Sehnen. Das Fehlen des Quickenings ist ein weiterer Anhaltspunkt. Sobald das Gelenk wieder an seinem Platz ist, sollte der Heilungsprozeß nicht lange auf sich warten lassen." Er wandte sich an Kennedy. "Wenn Ihr dafür sorgen könntet, daß er sich nicht rührt..." Er zeigte Kennedy, wie er Sassenage festhalten sollte. "Gut so. Monsieur, entspannt Euch. Es wird nur kurz schmerzen."

Die Hand, die Methos hielt, verkrampfte sich. "Einen Augenblick noch, bitte." Er griff mit der freien Hand in seine Tasche, wühlte darin herum. In der Sekunde, in der der Druck in Sassenages Hand nachließ, riß Methos den Arm nach vorn.

"Auuuuh!" klang es überrascht und entrüstet.

"Verzeiht die kleine List, Monsieur." Methos beobachtete lächelnd, wie sich Sassenage die Schulter rieb und Kennedy sich mit dem Handrücken über die schweißnasse Stirn strich.

"Danke, Doktor", sagte letzterer und faßte Sassenages unverletzten Arm. "Du bist in Ordnung?" Sassenage nickte und Kennedy berührte leicht die verletzte Schulter, zuckte zurück, als kleine Blitze das Quickening ankündigten. "Ich gewöhne mich niemals daran. Niemals", sagte er leise. Er sah auf und nickte Methos zu. "Danke, Doktor. Für alles." Er wandte sich wieder an Sassenage. "Dich kann man keinen Augenblick allein lassen."

 

* * * * *
 
Seacouver 1999

 

"Ich muß gestehen, daß ich von beiden nie etwas gehört habe."

"Ich habe ihnen klargemacht, daß sie kaum eine Wahl hatten. Entweder spielten sie mit oder sie hielten sich bedeckt. Ein paar Mal habe ich sie getroffen, der Kontakt ist niemals abgebrochen. Die letzten Jahre war es leichter, ihre Spuren zu verfolgen."

"Sie hatten also Beobachter."

"Es gibt nicht viele, die den Beobachtern entgehen."

"Wann hast du sie das letzte Mal getroffen?"

"Vor fünf, nein, vor sechs Jahren. Zu Halloween. Archie brauchte ab und zu den Trubel, die Aufregung, man konnte niemals sagen, wenn er eine seiner Launen hatte. Dann hielt ihn nichts und niemand zurück, Martial schon gar nicht. Der beschränkte sich darauf, diese Ereignisse so gut wie möglich unter Kontrolle zu halten. Und lud er mich dazu ein. Ich hatte immer das Gefühl, hielt er mich für eine Art Glücksbringer, seitdem ich ihnen in Vancouver geholfen habe. Halloween in London, Drury Lane. Eine alte Wirkungsstätte von Archie. Es war eine wahnwitzige Nacht. Archie hatte eine seltsame Art. Wenn man ihn nicht kannte, wirkte er wie ein kleiner Junge, so voller Leben, nicht zu bremsen. Aber das war nur gespielt, nur Fassade, er war melancholisch und depressiv. Martial war ein guter Gegenpol. Doch dann gab es bei Archie diese Anfälle von... Lebenswut? Ein besseres Wort fällt mir nicht ein. Manchmal hielt es eine Woche an, manchmal nur eine Nacht. Diese Nacht damals war ein regelrechter Höllentrip. Sie verpaßten mir spitze Ohren, ein Schwert, Pfeile und Bogen, erklärten mir, ich sei ein Elbe namens Legolas. Archie selbst trug eine rote Mütze, ein weites Hemd und enge Hosen, im Gürtel steckten Säbel und Dolch. Ein Pirat wie er im Buche steht. Und Martial gab seine Vorstellung als Jack the Ripper, so wie er ihn sich vorstellte. In seinem Gehstock hatte er einen Degen verborgen, abgedichtet mit einem künstlichen Nippel." *Ich schwafele wieder. Und MacLeods Nähe ist nicht gerade gut für meine Wortwahl. Und eigentlich will ich ihm gar nichts erzählen.*

"Volle Bewaffnung also. Anscheinend haben die beiden deine Lektionen gelernt."

"Anscheinend nicht gut genug." *Venedig sehen und sterben...*

"Was ist passiert?"

"Warte, Mac, ich bin noch nicht mit dieser Nacht fertig. Wenn ich sagte, es war ein Höllentrip... so meine ich das. Was Martial und ich für eine von Archies Eskapaden gehalten haben, war nichts anderes als sein verzweifelter Versuch, mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Und er ging soweit, seine Freunde in seinen Absichten zu täuschen."

"Er hat dich reingelegt."

 

* * * * *
 
London 1993

 

"Nun mach schon, Adam! Der Sicherheitsdienst kann jede Sekunde seine Runde beginnen und -"

"Archie, halt endlich die Klappe. Ich kann das nicht bei all dem Lärm!"

"Brich' es doch einfach auf. Wenn ich gewußt hätte, daß du an dem Schloß rumdoktern -"

"Was genau hast du erwartet, Archie? Daß ich mit dem Generalschlüssel für alle Beobacherfilialen auftauchen würde? Hättest du mir nur gesagt, was du brauchst, hätte ich dir die Informationen ganz einfach besorgen können!"

Sassenage mischte sich leise flüsternd ein. "Seid beide ruhig und beeilt euch. Jetzt ziehen wir das Ganze durch, klar?"

Methos verfluchte innerlich seine beiden Freunde. Kennedy konnte so verbohrt sein. Und Sassenage in seiner Sorge um den Freund ebenso. Nichts wäre einfacher gewesen, eine Kopie der Akte anzufertigen und aus dem Beobachterhauptquartier rauszuschmuggeln. Aber sie hatten ihn nicht der Gefahr der Entdeckung aussetzen wollen. Natürlich war ein nächtlicher Einbruch in die Londoner Einrichtung völlig ohne Risiko. Methos vermutete, daß es für die beiden nicht nur um die Informationen ging, sondern um das Abenteuer. Eine phantastische Abwechslung in ihrem sonst so beschaulichen Alltag... Ihre leuchtenden Augen, als sie ihm berichteten, wie sie ihre Beobachter losgeworden waren... Die Neckereien und Sticheleien, als sie sich verkleideten... Und er machte auch noch mit!

Natürlich wußte er, was es für Kennedy bedeutete, Simpson gegenüber zu treten. Aber warum gerade jetzt, nach all den Jahren...

Ein leises Knacken im Schloß kündete von seinem Erfolg. Er öffnete Kennedy und Sassenage die Tür und ließ die beiden zuerst eintreten. Er folgte, zog die Tür zu. Mit der Taschenlampe fand er sich problemlos zurecht. Bevor er sich jedoch an einen der Terminals setzen konnte, griff Sassenage seinen Arm. "Nicht nötig. Archie weiß, wonach er suchen muß."

Methos beobachtete entgeistert, wie Kennedy zielsicher zu einem der hohen Aktenschränke ging, sich an den Schildern auf den Schubladen orientierte und schließlich eine aufzog. Er blätterte durch die Ordner, griff einen heraus und schlug ihn auf. Als hätte er alle Zeit der Welt, stand er dort und las. Es dauerte nicht mehr als ein paar Minuten, aber jeder Augenblick, in dem Sassenage ihn fest- und davon abhielt, sich auf Kennedy zu stürzen, waren die Hölle. Endlich schloß Kennedy den Ordner, klemmte ihn sich unter den Arm und kam wieder zu ihnen herüber. Im Schein der Lampe erkannte Methos ihn nicht. Alles, was Kennedy ausmachte, war aus seinem Gesicht verschwunden. Methos drehte sich zu Sassenage um; der zuckte mit den Schultern. Dies war weder Zeit noch Ort über das Geschehene zu diskutieren.

*Sie haben mich reingelegt.*

 

* * * * *
 
Seacouver 1999

 

"Martial hatte wahrscheinlich nichts mit der ganzen Sache zu tun, war da ähnlich hinein geraten wie ich selbst."

"Was hat Kennedy gesucht? Und gefunden?"

"Einen Brief. Einen Brief, der vor fast zweihundert Jahren geschrieben wurde. Er war für Archie bestimmt, hat ihn jedoch niemals erreicht. Dafür hat Simpson gesorgt. Er hat ihn solange verschwiegen, bis er Archie damit konfrontieren konnte, bis er damit sein eigenes miserables Leben retten konnte. Und Archies endgültig zerstören."

Methos hatte Schwierigkeiten, das Bild von Kennedy loszuwerden, so wie er es aus dieser Nacht erinnerte. Damals hatte er Kennedy und wohl auch Sassenage verloren, nicht erst heute nachmittag, als Simpson ihn anrief, seine Stimme voll Ekstase von einem Quickening, für das Methos viel gegeben hätte, hätte es nie stattgefunden.

"Simpson war Archies Nemesis. Sein erster Liebhaber, sein erster Lehrmeister, der Unsterbliche, der ihn das erste Mal die Vergänglichkeit des Todes kosten ließ. Er war bei ihm, als er danach wieder zu sich kam. Er hielt ihn in den Armen nach seinem ersten Quickening. Er vergiftete sein Leben, über jegliche Vorstellungskraft hinaus. Zerstörte seine einzige wahre Liebe, seine tiefe Freundschaft zu Martial. Und heute raubte er ihm den letzten Rest seiner Lebenskraft, seine Erinnerungen." *Wahrlich, Highlanderitis. 'Raubte ihm den letzten Rest seiner Lebenskraft.' Wie dramatisch!*

Er würde MacLeod nicht erzählen, wie Simpson Kennedys Kopf genommen hatte. Was er zuvor Sassenage angetan hatte. Wie er vor Methos geprahlt hatte, daß er jetzt auch sein Geheimnis kannte. Daß er der nächste auf der Liste sei. Simpson gehört mir.

"Archie war dir ähnlich, in seinen besten Momenten. Wer weiß, was aus ihm geworden wäre, hätte er Simpson nie getroffen."

Das Treffen mit Kennedy vor sechs Jahren war für Methos nichts anderes als ein dunkles Zerrbild seiner Begegnung mit MacLeod einige Monate später. Kennedys Zustand - sein Haß, sein Selbstmitleid - hatten Methos davon überzeugt, daß sein Status als Unsterblicher im Ruhestand genau das Richtige für ihn war. So wie Kennedy ihn zerrüttet hatte, so hatte MacLeod ihn wachgerüttelt. Kennedy wäre ein würdiger Champion gewesen - ohne Simpson. Methos wünschte, er könnte den Ablauf seiner Vergangenheit ändern. Nicht die Geschehnisse selbst, nur ihre Reihenfolge. Hätte er Kennedy nach der Begegnung mit MacLeod wiedergesehen... Aber so war er regelrecht geflohen, froh um die Ausrede, daß er Kennedy in der Fürsorge Sassenages zurückließ, daß er nichts weiter tun könne, daß es nicht sein Kampf war... *"Geh nur, Adam, ich werde mich um ihn kümmern. Simpson kommt nicht mehr an ihn ran."* Sie beide - Sassenage und er selbst - verschlossen die Augen vor der Tatsache, daß Simpson sich in Kennedys Geist und Seele eingebrannt hatte. Eigentlich war es erstaunlich, daß er noch weitere sechs Jahre überlebt hatte...

"Methos, egal, was du Simpson antust, du kannst deinen Freund -"

Typisch MacLeod, daß er in die offene Wunde faßte. "Simpson gehört mir." Es klang hart, selbst in seinen Ohren. Und MacLeods Schweigen bewies, daß er es sich nicht nur einbildete. Er hätte nicht herkommen dürfen; so wie sie inzwischen zueinander standen, würde MacLeod ihn nicht mehr aus den Augen lassen.

"Für wen hältst du mich? Ich mische mich bestimmt nicht in deine Angelegenheiten ein."

Hatte er es bis jetzt nur nicht bemerkt oder hatte MacLeod gerade erst begonnen, seine Brust zu massieren? Er verdiente diese Zuflucht nicht, aber er brauchte jede Sekunde dieser Sicherheit. Er brauchte jede Quelle der Kraft - dann würde Simpson einen Kampf bekommen, der ihn wünschen ließ, er wäre Kennedy niemals begegnet.

Methos genoß die Dunkelheit, die sich mit der Geborgenheit in MacLeods Armen zu einer betörenden Droge mischte. Es war immer noch zu schön, um wahr zu sein. Und wirklich zu spät, um einfach zu gehen. Methos streichelte mit der einen Hand MacLeods Unterarm, hob mit der anderen sein noch halbvolles Glas. "Wie wäre es mit einem Toast, MacLeod?"

MacLeods Nase grub sich in sein Haar. "Möge dein Weg nach Bora Bora immer über mich führen."

"Das ist kein Toast, MacLeod." Methos wandte sich um und lächelte in die Dunkelheit hinein. "Das ist eine Notwendigkeit des Überlebens."

 
Ende

 
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