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Zusammen© by Hmpf MacSlow (), August 2003
Die Tage hier sind lang; länger für Dich als für mich, vielleicht. Du schleichst durch die finsteren Flure, launisch und verdrossen wie ein Teenager, und ich sehe dein fünfzehnjähriges Selbst wie einen Schatten deiner Bewegungen, sehe den Jungen in der Art, wie du den Kopf neigst, der ungeduldigen Bewegung einer Hand, die dein Haar zurückwirft. Ein Nachbild, ein Echo; du ein zu lauter Schrei, der in mir widerhallt seit zwanzig Jahren. Ich habe mich immer zu klar an dich erinnert. Unsere Jugend war ein Wirrwar von Licht und Farbe, blendend hell in der Erinnerung. Wir hatten unser Teil Sorgen - Familie und Lykanthropie, der Krieg, der heraufzog wie schlechtes Wetter - doch was geblieben ist, was unversehrt alles überlebt hat, ist die Erinnerung an Sonne, Lachen, Freundschaft. Dein lässiges Lächeln, ein wenig gefährlich; ganz und gar verlockend. So sehr ich es auch versuchen mochte - und ich habe es oft versucht: Das konnte ich nicht aus meinem Gedächtnis schneiden.
Unser Erwachsenenalter ist dumpfes Grau und Schwarz, ein abgestandener Geruch, fadenscheinige Gewänder und ausgezehrte Gliedmaßen; die vorzeitigen Falten in unseren Gesichtern. Die Leblosigkeit in deinen Augen. Das Grau in meinem Haar. Ich kann mich nicht erinnern, wie ich alt geworden bin. Es war kein allmählicher Prozeß. Ich wachte einfach auf, eines Morgens, und entdeckte, daß sich das Alter in meinen Knochen und meiner Seele festgesetzt hatte wie ein schwerer Staub. Anfang November 1981. Oder vielleicht ein wenig später, denn ich glaube nicht, daß ich wirklich aufgewacht bin, bevor alles ganz und gar vorbei war, James und Lily und Peter begraben und auch du begraben, lebendig begraben, um in Azkaban zu verrotten. Sie waren tot, und du warst so gut wie tot - schlimmer als tot - doch ich fühlte mich am totesten. Oder zumindest schien es mir so, damals. Jetzt, wenn ich dich anschaue - jedes dieser 12 Jahre eingeschrieben in deine Bitterkeit, deine Unruhe, dein Schweigen - erscheint mir mein Selbstmitleid unangebracht. Du bist nur noch Linien und scharfe Winkel, eingeätzt durch all die Jahre, in denen man deine Seele einfror. Hätte die Karte es mir nicht gesagt (und dein Bild in allen Zeitungen), ich glaube nicht, daß ich dich erkannt hätte, an diesem Tag im Schuppen. Dann, als mein suchender Blick Spuren des Freundes, an den ich mich erinnerte, unter all dem Schmutz und der Verzweiflung fand, umarmte ich dich, um mich selbst vor dem Zusammenbruch zu bewahren - ebensosehr, wie um Dir zu sagen, wortlos, daß nun alles gut würde. Und erneuerte so unsere Freundschaft mit einer mitleidigen Unwahrheit. Ich wäre zum Mörder geworden gemeinsam mit dir in jener Nacht, und sie hätten uns gefaßt, hätten dir den Kuß gegeben, hätten mir die silberne Kugel gegeben. Vielleicht. Es liegt immer noch eine Richtigkeit in dem Gedanken, mit dir zusammen Peter zu töten, und mit dir zusammen zu sterben.
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12, Grimmauld Place, das angestammte Heim deiner Familie, ist tatsächlich ein grimmiger alter Ort - sogar ohne die entschiedene Unerquicklichkeit deiner Familie kann ich verstehen, warum ein sechzehnjähriger Junge von hier fortlaufen wollen würde. Es scheint hier keinen Raum für menschliches Leben zu geben. Sogar jetzt, fast völlig verlassen, ist das Haus bedrückend. Es ist ein zaubrischer Ort, der jahrhundertealte Magie atmet und nichts anderes duldet. Es würde mich nicht erstaunen, wenn es Dunkle Magie wäre. Wir könnten die Parodie eines verheirateten Paares sein, so wie wir hier leben: Ich bin oft unterwegs in Sachen des Ordens, während du im Haus herum werkelst und deinen lächerlichen täglichen Kampf mit dem Hauself kämpfst, über dem du all deinen verzweifelten Haß ausschüttest. Manchmal bist du einigermaßen gut gelaunt, wenn ich nachhause komme, machst Witzchen, wenn auch nicht ohne eine gewisse selbsterniedrigende Schärfe, über die neuesten Tipps der Hexenwoche zur Verwandlung von Wollmäusen in lapin aux herbes, und daß wir wirklich mal Cornelius Fudge zum Abendessen einladen sollten. Sogar an den guten Tagen hat dein Lächeln nun mehr von einem Hund als von einem Menschen. Du bleckst deine Zähne gegen die Vergangenheit, die Gegenwart. Knurrst in Selbstverteidigung.
Heute finde ich dich vor dem Bild deiner Mutter, wo du stumm ihrer endlosen, ohrenbetäubenden Schimpftirade lauschst. Du bist ein schlaksiger Umriß im Halblicht - immer Halblicht, egal, wieviele Kerzen und Zaubersprüche wir verwenden - und ich weiß, daß deine ungekämmte Mähne einen Blick verbirgt, der töten könnte. Als ich deinen Namen sage, wendest du dich mir zu, doch du siehst mich kaum. Sie läßt sich, wie zu erwarten, nicht durch meine Anwesenheit stören und flicht mich mühelos in ihre Keifarie ein. "Warum tust du dir das an?" sage ich, ohne eine Antwort zu erwarten, und du gibst keine, während ich den Vorhang zuziehe. Du stehst einfach nur da, als ob ein Uhrwerk in dir stehengeblieben sei, als ob du vergessen hättest, wer ich bin oder wer du bist, der finstere Blick eingefroren auf deinem Gesicht wie eine Maske. Dann wird dein Gesicht ausdruckslos, nur den Bruchteil einer Sekunde, und dann erwacht es wieder zum Leben, lächelst nicht, doch heißt mich nichtsdestotrotz willkommen, und du machst einen Schritt auf mich zu und wir umarmen uns und wir küssen uns und dein Kuß schmeckt nach Alkohol. Etwas in mir krampft sich zusammen. Doch ich kann mich dem jetzt nicht stellen, und so küsse ich dich dringender, denn ich brauche dich, ich brauche dich so sehr, und wenn du zerbrichst, werde ich dich wieder zusammensetzen müssen, wie ich dich immer noch und immer wieder zusammensetze, seit du letzten Sommer plötzlich auf meiner Türschwelle standest.
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Du hast den silbernen Löffel, mit dem du geboren wurdest, mit sechzehn ausgespuckt. Eigentlich sogar früher, denn du bist erst abgehauen, als die Dinge zuhause unerträglich wurden. Widersetzt hast du dich schon lang zuvor. Warst eine Schande für das Haus Black und stolz darauf. Vielleicht mußt du deine Mutter gegen dich wettern hören, um dich daran zu erinnern. In der Schule warst du ein Unruhestifter und ein Tyrann, ganz und gar verantwortungslos, mit einer bösartigen Ader so breit wie die Themse. Doch du warst niemals ein Snob, und jeder, der mit seinem 'reinen Blut' prahlte, machte sich dadurch sofort zum Ziel deines hinterhältigen Spotts, obwohl du so reinblütig wie nur irgendeiner warst. Später wurdest du ein wenig erwachsener. Ein wenig; nicht allzu sehr. Du bist immer noch nicht groß geworden - du bist ein wütender und verwirrter Junge im Körper eines gebrochenen Mannes. Hältst dich fest an kindischen Feindschaften und Vorurteilen, um dich selbst zu umreißen. Immer schon hast du dich durch Opposition definiert. Wenn es keinen Krieg gegeben hätte, in dem du dich deiner Familie und allem, für das sie standen, widersetzen konntest, hättest du eine andere Art gefunden, ihnen peinlich zu werden. Du hättest dir einen Irokesenschnitt machen lassen und dir eine Sicherheitsnadel durchs Ohr gesteckt, möglicherweise - wärest in eine Punkrockband eingetreten und hättest eine Horde kleiner Halbblut-Kinder mit Muggel-Groupies gezeugt. Oder wärst dem Büro für den Missbrauch von Muggelartefakten beigetreten. Oder hättest dich entschieden, mit einem Werwolf zusammen zu leben. Mit einem männlichen Werwolf. Ha.
Ich frage mich, wie ich jemals glauben konnte, daß deine Familie es wahrscheinlicher machte, daß du ein Todesser werden könntest. Wenn überhaupt, so machten sie es weniger wahrscheinlich. Sie hätten dir zugestimmt, und für dich gab es nichts Schlimmeres als die Zustimmung deiner Eltern. Ich habe dich Todesser bekämpfen sehen mit all der Kraft deiner rebellischen Jugend; ich hätte es wissen müssen. Doch du hättest es ebenfalls wissen müssen. Hättest wissen müssen, daß ich mich niemals Voldemort zugewandt hätte; niemals James und Lily verraten hätte, egal, wie frustriert ich manchmal sein mochte darüber, wie unsere Gesellschaft mit finsteren Geschöpfen umspringt - Nein. Keine Beschuldigungen. Wir haben bereits zu viel zu vergeben.
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"Erzähl mir von Harry," sagst du. Ich sehe dich an und du fängst an, nervös herumzuhantieren, stellst ein Paar Töpfe in die Spüle, als wolltest du abwaschen, nimmst einen Laib Brot in die Hand, starrst ihn eine Weile mit gerunzelter Stirn an, legst ihn wieder hin. "Weißt du, du mußt aufhören, James in ihm zu sehen," beginne ich vorsichtig. Deine Unruhe macht mich noch nachsichtiger als gewöhnlich. Du hörst auf mit deinen nervösen Verrichtungen und lehnst dich gegen die Spüle. Plötzlich müde und nüchtern. "Ich kenne ihn nicht," stellst du fest. "Er ist mein Patensohn und ich kenne ihn überhaupt nicht." "Hab' ein wenig Geduld," sage ich. "Ich habe schon zu viel Zeit verloren," klagst du. (Bittest du.) Also erzähle ich dir von Harry. Ein Jahr, in dem ich ihn unterrichtet habe, ein Schüler unter vielen; einige Privatstunden- was kann ich dir erzählen? Du hättest ihn aufwachsen sehen sollen, erste Schritte, erste Worte, erste Magie, hättest all die Zeit ein Teil seines Lebens sein sollen. Meine Erinnerungen können das nicht wettmachen. Und so gehen mir die Worte aus. Auch du bist still. Die düstere, riesige Küche scheint wie mit Schweigen ausgestopft, der Tisch, der uns trennt, plötzlich kilometerlang. Ich möchte dich berühren, doch du bist zu weit weg, jenseits der endlosen Wüste des Tisches, an einem kalten Ort voller verpaßter Chancen, ich weiß nicht, wie lange schon.
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All die Jahre, die ich dich gehaßt habe dafür, daß du mich zwangst, dich zu hassen; dafür, daß du mich zwangst, mich selbst zu hassen, weil ich dich liebte. Alles, was ich wirklich wollte, war dich wieder berühren zu können, ohne die doppelte Bitterkeit des Verrats: Deines Verrats, und meines eigenen. Und nun habe ich dich wieder, doch hier gibt es keinen Platz für Glück. Wir lieben uns hastig und wütend, in einem Fieber von Verlangen und Reue, in heftigen Stößen und gierigem Keuchen, und aus Keuchen wird Schluchzen, und dann weinen wir, denn das hier ist nicht, was wir uns gewünscht haben; das hier ist nicht, sagt eine unverschämte kleine Stimme, was wir verdienen. Und doch ist es so viel besser, mit dir zu weinen, als alleine in meinem Bett zu liegen, trockenen Auges, zu ruhig, innerlich kalt. Wenn ich nur diesen Schmerz haben kann, dann werde ich ihn willig auf mich nehmen; er ist soviel mehr, als ich all die Jahre gehabt habe.
Ich weiß, daß ich auf bessere Tage hoffen sollte, wenn du kein Gefangener dieses Hauses mehr sein wirst, wenn du nicht mehr halb gefangen in der Vergangenheit sein wirst, wenn wir keine Soldaten in einem geheimen Krieg mehr sein werden, doch ich habe beinahe vergessen, wie man hofft. Den Moment ergreifen und so fest halten, wie ich nur kann, ist so ziemlich alles, was ich tun kann.
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Irgendwann vor Morgen wache ich auf und finde deine Seite des Betts kalt und Tatze zusammengerollt und leise winselnd auf dem Teppich vor dem Kamin. Du sagst, dein Schlaf sei ungestörter unter Fell, doch vielleicht ist dies einfach nur deine verdrehte Art, mich vor deinem allnächtlichen Schrecken zu schützen. Hunde schreien nicht im Schlaf. Ich bin dunkel enttäuscht. Ich will, daß du im Bett bleibst, daß du ein Mensch bleibst, und mir erlaubst, meine Arme um deinen zitternden Körper zu legen, um die Kälte von Azkaban fernzuhalten und dich gegen die Dementoren der Nacht zu schützen. Möchte, daß du mir erlaubst, dein Wachhund zu sein, dein Wachwolf gegen alles, was dich heimsucht. Statt dessen stehe ich auf, setze schlafwarme Füße auf kalten Steinboden. (Hier lag ein Teppich von spektakulärer Häßlichkeit, den du hinausgeworfen hast, als wir dies hier zu unserem Zimmer machten; ein Lieblingsstück deiner Mutter, wie du mir in einem Aufblitzen deiner alten, unfugstiftenden Persönlichkeit triumphierend erzähltest.) Die Uhr auf dem Kaminsims teilt mir säuerlich die Zeit mit und fügt ein paar Beleidigungen hinzu, der Form halber. Keine ist von der Qualität, die man sonst von ihr erwarten kann, doch zugegeben, es ist spät, selbst für eine Uhr. Ich setze mich neben dich. Du zitterst trotz deines Fells und du atmest schnell. Eine Pfote zuckt. Du schreckst zusammen, als ich dich berühre. "Schhh, Tatze," murmele ich. "Du bist in Sicherheit. Ich bin's nur." Ich streichele deine zitternden Flanken und langsam, nach und nach, entspannst du dich und seufzst einen tiefen Hundeseufzer. Ich kann nicht aufhören, dich zu berühren. Ich brauche das Gefühl von dickem Fell unter meinen Fingerspitzen, von deinen Seiten, die sich jetzt langsamer, ruhiger heben und senken. Ich fühle dich wieder in tiefen Schlaf gleiten, und während ich dich streichele, wüte ich innerlich gegen die Welt, die dir - uns - ein solches Los zugedacht hat. Doch es hat keinen Sinn, gegen das Schicksal zu wüten, und so höre ich auf damit. Höre auf und horche auf die Uhr, die leise vor sich hin tickt. Höre auf, und horche auf deinen leisen Atem, und die Welt driftet davon.
Und vielleicht, denke ich, als ich einschlafe, zusammengerollt auf dem Boden mit dir, vielleicht sollte ich aufhören mich zu beklagen. Denn wirklich, das Leben ist gar nicht so schlecht, auch wenn wir traurig und alt und gebrochen sind und an diesem fürchterlichen Ort leben, denn wie schlecht kann das Leben sein, so lange ich neben dir einschlafen kann? Wie schlecht kann es schon sein, so lange wir zusammen aufwachen.
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