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X-File Nummer 9-7 geschlossen© by Elena ()
Das Zimmer war zum größten Teil in Dunkelheit getaucht, nur die Schreibtischlampe warf einen scharf abgegrenzten Lichtkegel auf die Arbeitsplatte, auf der sich einige Akten stapelten. Das Ticken der Wanduhr war lange Zeit das einzige Geräusch im Zimmer, plötzlich raschelte Papier. Eine Mappe wurde zugeschlagen und auf den Schreibtisch geworfen. Mulders Gesicht geriet in den Lichtkegel als er sich vorbeugte und müde zur Uhr schaute. Licht blitzte plötzlich auf. Scully war in das Büro getreten. Mulder blinzelte in das grelle Licht des Flurs der Sonderabteilung des FBIs. "Sie verderben sich noch die Augen", war Scullys erster Kommentar. Seine Partnerin drehte sich um, schloss die Tür und betätigte den Lichtschalter. Zwei Neonleuchten mit kaltem Licht flackerten auf. Mulder blinzelte erneut. "Ich habe nachgedacht Scully." "Über die Geschichte mit den Mann, der angeblich erschossen wurde?" "Es ist, als ob ich schon einmal davon etwas gehört hätte." "Also ich habe die Zeugenaussagen durchgesehen", Scully winkte mit einen Stapel Blätter in der Hand, "Alle behaupten nur, daß es eine Schießerei gab, der Mann zu Boden ging und wie tot liegen blieb, dann aber aufstand und fortging, als ob nichts gewesen wäre." "Genau das meinte ich. Ich habe das schon einmal gesehen." Jetzt setzte sich Scully ihrem Partner gegenüber, zog die X-Akte zu sich heran und schlug den Deckel auf. An der Innenseite klemmten Fotos vom Ort des Überfalls, ein Blatt mit den amtlichen Daten lag lose daneben, der Polizeibericht, mit einer Vielzahl von Tippfehlern, war eingeheftet - sonst war die Mappe leer. "Meiner Meinung nach", begann sie wieder, "hatte der Mann nur Glück gehabt." "Dann hat ihn der Schreck niedergestreckt, die Löcher in seinen Mantel gerissen und die Wunden bluten lassen?" "Mulder, die Zeugen befanden sich mindestens vierzig Meter weit weg und standen unter Schock. Viele saßen in dem Café und haben die Schießerei durch bunte Glasscheiben gesehen. Auf der Entfernung sind Irrtümer vorprogrammiert." Für einen Moment begegneten sich ihre Augen. Scully skeptischer Blick hielt den fragenden Ausdruck in Mulder Augen nicht stand. Sie verschanzte sich hinter der geöffneten Akte, tat als überflöge sie das Deckblatt und sah dann wieder auf. "Wollen Sie noch einmal zum Café fahren?" "Wozu?" Mulder ließ sich in seinen Sessel zurückfallen und rieb sich müde die Augen. "Die Zeugen haben alles gesagt, und es ist kaum anzunehmen, daß unser Unbekannter da wieder auftaucht." Er schob den Sessel zurück und stand auf. "Wir können Morgen versuchen, irgendeine Spur zu finden. Vielleicht hat der Computer bei vergleichenden Studien was anzubieten?" Auch Scully war aufgestanden, legte die Blätter mit den Zeugenaussagen in den Ordner. Die Akte verschwand in der Schublade, die Mulder sorgfältig verschloss. "Ist ihr Wagen schon aus der Werkstadt zurück?" Scully schüttelte den Kopf, "Nein, morgen!" "Kann ich Sie nach Haus fahren?"
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Regen prasselte auf die nassen Straßen. Es war sehr früh und noch dunkel. Scully und Mulder standen vor dem Café und betrachteten die Straße, wo der Fremde niedergeschossen wurde. "Laut Bericht kamen zwei Autos aus der Nebenstraße und eröffneten das Feuer auf den parkenden Wagen an der Ecke. Es kam sofort zum Schusswechsel. Passanten retteten sich in die Hausflure des Blocks da drüben", Mulder wies auf das Haus mit den hellen Fenstern "und in die Bank." Er deutete auf die Filiale, die gerade ihre Türen öffnete. "Unser Unbekannter überquerte die Straße, als es los ging. Er geriet in den Kugelhagel und fiel genau hier zu Boden." Mulder sah flüchtig auf den Verkehr und eilte mitten auf die Straße. Der Regen hatte die Markierungskreuze der Polizei noch nicht ganz verwischt. Hinter ihm stand Scully mit ihrem Schirm und betrachtete gleichfalls das nasse Pflaster. "Der mit diesem Fall beauftragte Beamte hat gesagt, daß unser Mann nicht zu einer der rivalisierenden Banden gehörte, er war nur ein Passant, der zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war." "Aussagen zufolge haben ihn mehrere Kugeln getroffen. Aber kurz bevor die Polizei und die Ambulanz eintraf, stand er auf und ging weg. Warum?" Mulder drehte sich zu Scully um, die ihn von der Straße zog und ihren Partner erwartungsvoll anschaute. "Keine Ahnung, sagen Sie es mir!" "Weil er etwas zu verbergen hatte, weil er unangenehme Fragen fürchtete?" "Bei der Art und Weise wie unsere Polizei zuweilen mit Zeugen umgeht, wäre ich auch nicht begeistert." "Sie wissen doch genau, was ich meine." "Schon gut Mulder, war ein Scherz in der frühen Morgenstunde." Noch einmal sah Scully zur Straßenmitte, dann setzte sie hinzu: "Wir haben keine Anhaltspunkte. Vielleicht war es nur ein Kratzer oder er trug eine kugelsichere Weste ..." "Zum Einkaufen?" "Vielleicht war er Polizist oder jemand vom Wachdienst, der von der Schicht kam?" "Keiner von denen würde davonlaufen Scully. Nein, an diesem Mann ist etwas Besonderes!"
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Der Drucker im Büro ratterte und Mulder griff eifrig nach dem Ausdruck. Fast amüsiert beobachtete Scully wie sich ihr langjähriger Partner in die Daten vertiefte und immer aufgeregter die Blätter hin und her wendete. Mit eiligen Schritten, ohne ein Auge von den Ausdrucken zu lassen, verließ er den technischen Raum und vergaß seinen Kaffee. Scully wartete auf das letzte Blatt des Ausdrucks, klemmte es sich unter den Arm, nahm ihren und Mulder Kaffeebecher in die Hände und folgte Mulder in sein kleines Arbeitszimmer. "Sehen Sie sich das an!" Mulder tippte mit den Fingern auf verschiedene Daten und legte Scully ein Blatt nach dem anderen vor. "Das sind Vorkommnisse der letzten fünf Jahre. Immer wieder wurde beobachtet, wie jemand, der in jeden Fall hätte tot sein müssen, wieder aufstand und munter, ohne einen Kratzer, verschwand." "Ist das unser Mann?" Die Frage war für Mulder ernüchternd. Er ließ sich auf seinem Sessel sinken und schüttelte den Kopf. "Nein." Jetzt betrachtete Scully die Daten näher. "Boston, ein Mann Mitte 40, wahrscheinlich mexikanischer Herkunft. Omaha, ein Mann Anfang 20, Weißer. Eine Frau um die 30 in L.A. Eine Frau Ende 40 in einer Kleinstadt mit einem unaussprechlichen Namen. Ein Mann um die 30 in Colorado Springs." zählte sie auf. "Das sind alles verschiedene Leute in ganz unterschiedlichen Städten." "Aber sie haben etwas gemeinsam; sie sind immer wieder auferstanden." "Wie Jesus?" "Wie Jesus!" "Es ist kein neuer Messias angekündigt." "Vielleicht sind sie ja unsterblich?" Scully ließ sich auf eine derartige phantastische Diskussion nicht ein. "Wenn wir keine Ansatzpunkte haben, und auch sonst niemand was sagen kann, wie wollen Sie weiter vorgehen, Mulder? Ich meine, wir haben nicht mal eine richtige Beschreibung von ihm. "Überhaupt nicht", Mulder klappte die X-Akte zu und tat sie in den Schrank. "Aber ich bin mir sicher, daß ich so etwas schon einmal gesehen habe."
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Endlich hatte der Regen nachgelassen. Die graue Wolkendecke zerriss und ließ erstes Sonnenlicht über die Gräber gleiten. Ein Mann, Mitte Dreißig, mit einem langen Mantel stand unter dem vorgeschobenen Dach der kleinen Kapelle und betrachtete einen zweiten, der gerade durch das schmiedeeiserne Tor schritt. Dieser wirkte älter, vielleicht um die Vierzig, in Wirklichkeit trennten sie Jahrhunderte. "Lange nicht gesehen", begrüßte der Jüngere den Älteren. "Wie gehen die Geschäfte?" "Man schlägt sich durch. Wir leben in unruhigen Zeiten." "Ja, es ist nicht mehr wie früher. Heute hat man Computer, Fahndungsfotos und Datenautobahnen. Man überquert den großen Teich in wenigen Stunden." "Ich vermisse die alten Pferdekutschen." "Du hast mich doch nicht hier her gebeten, um über alte Zeiten zu plaudern?" Der Jüngere löste sich von der Wand. Eine Böe blähte seinen Mantel auf und für einen kurzen Augenblick wurde etwas Helles sichtbar, dann legte sich der Mantel wieder über die Klinge. Der Ältere wies mit einer knappen Kopfbewegung auf die Waffe. "So misstrauisch? Wir stehen auf geweihten Boden!" Der junge Mann lachte gezwungen. "Du kennst sicher das kleine Gedicht von Fuchs und Igel?" "Na schön, ich wollte dir nur sagen, daß es mir leid tut. Du bist wirklich nur zufällig in die kleine Auseinandersetzung zwischen meinen Jungs geraten." "Ich hätte in Schwierigkeiten kommen können, wenn die Polizei auch nur eine Minute früher da gewesen wäre." "Es war kein Anschlag auf dich", versicherte der Ältere. "Wenn ich mir deinen Kopf hätte holen wollen, dann auf die übliche Weise." "Wann immer du willst!" "Wer weiß!" Der Ältere der beiden Unsterblichen lächelte unverbindlich und drehte sich um. Seine Sohlen erzeugten auf dem feuchten Kies knirschende Geräusche. Am Tor des Friedhofs angekommen drehte er sich noch einmal um. "Vielleicht komme ich darauf zurück. Wir wissen beide, es kann nur einen geben."
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Ein dunkler Wagen bog um die Ecke. Er hielt an der Ampel vor der kleinen Kapelle und wartete auf Grün. Ein Mann mit langem Mantel überquerte die Fahrbahn. Mulder sah ihn an, bevor er die Kupplung betätigte. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke, dann sprang die Ampel auf Grün. Der FBI-Agent gab Gas, passierte den Friedhof und war schließlich um den nächsten Häuserblock verschwunden.
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