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Ich oder dein Leben© by ZoeP ()
Er hörte das Freizeichen, einmal, zweimal, dreimal... Nach dem siebten Signalton meldete sich eine Stimme. "Was?" "Guten Abend, Parker." "Jarod... Was für eine Freude!" Sie seufzte genervt und musste den Wortschwall, der in ihr aufkam, unterdrücken. Das Triumvirat hatte ihr genaue Anweisungen gegeben, die sie einhalten musste - oder mit ihrem Leben bezahlen... Wer würde da wohl groß überlegen? "Miss Parker, haben Sie gerade viel zu tun?" Er hatte keinen genauen Grund für seinen Anruf. Er wollte sie einfach nur ein bisschen ärgern. Wenn sie wütend war, hatte sie die besten Einfälle, und es amüsierte ihn, ihr bei ihren Ausbrüchen zuzuhören. Auch wenn das nicht sehr nett war, konnte er sich einfach nicht zurückhalten. "Ja", log Miss Parker. In Wirklichkeit hatte sie auf seinen Anruf gewartet, sie musste das jetzt klären. "Dann werden Sie sich wohl ein wenig Zeit nehmen müssen... Ich habe lange nichts von Ihrer... Suche nach mir gehört, lahm geworden, oder hat das Center die Lust verloren?" Er grinste. "Weder noch", meinte sie. Er hatte das richtige Thema angeschnitten, das machte es ihr einfacher. "Die Regeln wurden geändert. Das Center weiß von Ihren Anrufen bei mir." "Das haben sie schon immer gewusst", erwiderte er gleichgültig. "Aber jetzt ziehen sie ihren Nutzen daraus." Sie hätte den Gedanken am Liebsten verdrängt, aber irgendwann musste sie es ihm mitteilen. "Worauf wollen Sie hinaus?" Er ging auf ihren Versuch, es ihm zu sagen, ein. "Jarod, ich erzähle Ihnen das nicht gerne, und wenn mich das Center nicht in der Hand hätte, würde ich Sie da ganz raushalten." Sie seufzte schwer. "Jarod, die Mächte des Triumvirat haben neulich ein... langes Gespräch mit mir geführt. Sie haben sämtliche Telefonate auf Band, und werden dieses hier mit Sicherheit auch abhören. Aber das tut nichts zur Sache..." Erneutes Seufzen. "Womit haben die Sie erpresst?" Wie einfach er die Dinge auf den Punkt bringen konnte... "Mit meinem Leben", meinte sie knapp. "Wie meinen Sie das?" Er musste sich zurückhalten. Es schien wirklich Einiges passiert zu sein. Jetzt durfte er sich keinen Fehler erlauben. "Sie haben mitbekommen, dass unsere... Beziehung auf mehr basiert, als nur Jäger und Beute. All die Anrufe, die Gespräche... Ich soll Ihnen eine Botschaft überbringen." "Welche?", fragte er, obwohl er es gar nicht wirklich hören wollte. Es konnte nichts Gutes sein. "Entweder Sie kommen zurück ins Center, oder die werden mich töten." Jetzt war es raus. Parker presste die Lippen aufeinander. Wie würde er reagieren? "Das ist nicht Ihr Ernst!" Er stieß die Luft aus, ohne zu registrieren, dass er sie angehalten hatte. In Sekundenschnelle hatte er eine Entscheidung getroffen. Er lachte und zwang sich zu einem Grinsen. "Jarod, Sie wissen genau, dass ich Sie auf diese Weise nicht zurückbringen würde. Nicht ich." Sie suchte nach Worten. Es stimmte, er wusste, dass sie das niemals tun würde. "Das Triumvirat ist aber sehr naiv." Er lachte wieder, dann verstummte er und hoffte, dass es klappen würde, dass es echt klang. "Naiv nennen Sie das? Jarod, die meinen es ernst." "Und wenn ich nicht zurückkomme?" Er wartete nicht auf die Antwort seiner kalten Frage. "Ich mache da nicht mit." "Oh..." Er konnte hören, wie ihre Stimme versagte. "Ich lasse mich doch nicht erpressen. So tief ist meine Bindung zu Ihnen ja nun auch wieder nicht." Die Kälte in seine Stimme erschütterte sie. Er würde sie im Stich lassen. Er hatte sie im Stich gelassen. "Jarod, ich kann Ihnen das nicht vorschreiben." Sie hätte nicht gedacht, dass er ablehnen würde. Mit allem hatte sie gerechnet, Wut, Verzweiflung, Hass - nur nicht damit. Aber sie konnte schließlich nicht von ihm verlangen, dass er seine Freiheit für sie aufgab, und doch es tat ihr weh. Nicht, weil sie sterben würde, sondern weil ihr Leben ihm nichts bedeutete. "Jarod?" "Ja?" "Nichts, schon gut..." Sie legte auf und ihre Gedanken waren bleischwer. Sie fühlte sich wie betäubt. Jarod legte das Handy beiseite. Es würde ihr nichts passieren. Vielleicht hatten sie geplant, sie zu töten, aber nach seiner Reaktion auf die Erpressung des Centers würden sie ihre Meinung ändern. Jarod behielt Recht. Ihr Gespräch wurde abgehört, und das Triumvirat hatte nicht erkannt, dass er eine Simulation durchgeführt hatte. Es war ihm schwer gefallen, und das Risiko war da gewesen. Aber das Triumvirat hatte Jarod geglaubt, dass sie ihm nichts bedeuten würde, und somit als Druckmittel sinnlos war.
Eine Woche später meldete er sich wieder bei ihr. "Jarod. Was wollen Sie noch von mir?" Tausend bissige Bemerkungen lagen ihr auf der Zunge. Seine Entscheidung hatte sie schwer getroffen. Sie hätte es für ihn getan. Sie liebte ihn. "Mich erkundigen, wie Sie sich fühlen", meinte er trocken. "Als ob Sie das interessieren würde. Aber vielleicht lassen Sie mich endlich in Ruhe, wenn ich Ihnen sage, dass ich Sie wieder jagen soll. Die vom Triumvirat haben beschlossen, dass Sie mich später immer noch beseitigen können." Ihre Stimme war kalt wie Eis. So fühlte man sich also, wenn man nur ein Spielzeug des Centers war. Sie konnte Jarod verstehen. "Und sie hören auch das Telefon nicht mehr ab, weil sie denken, Sie würden jetzt nicht mehr anrufen. Was ganz in meinem Sinne wäre." Miss Parker musste sich bemühen, ihre Verletztheit nicht zu zeigen. Jarod spürte dennoch den Schmerz, den er in ihr hinterlassen hatte. Doch anders hätte er sie nicht retten können. Und Schmerz vergeht. Miss Parker fühlte sich auf einmal so einsam. Für das Center war sie nur ein Werkzeug, kein Mensch. Und auch Jarod bedeutete sie nichts. Trotzdem wollte sie es genau wissen... Jetzt war es so oder so egal. "Ich wollte dir diese Frage nie stellen, weil es nicht fair ist. Aber ich tue es..." Sie holte tief Luft und schloss die Augen. "Was ist dir wichtiger, ich oder dein Leben?" "Mein Leben", antwortete er nach kurzer Zeit. Dann legte er auf. Jarod sah traurig auf den Hörer. Er hatte nicht gelogen, er hatte nur nicht die volle Wahrheit gesagt, und Parker brauchte die Wahrheit nicht zu wissen, zu ihrem eigenen Schutz. Jarod nahm ein Buch, in das er nach jedem Telefonat mit Parker etwas notierte, und einen schwarzen Stift. Dann schrieb er: Eines Tages wirst du mich fragen, was mir wichtiger ist, du oder mein Leben. Ich werde sagen, mein Leben, und du wirst gehen, ohne zu wissen, dass du mein Leben bist. Er schloss das Buch. Irgendwann einmal würde er es ihr geben. Später...
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