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Who wants to live forever?

© by Counselor () und Jeherion (), September 2003
 

Disclaimer: Alle Serien-Charaktere sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Diese Fanfiction dient nur zu Unterhaltungszwecken.
Anmerkung der Autoren: Man nehme einen gewissen Song von Queen, steigere sich in ein wirklich fieses emotionales Tief, dann kommt so ein Schluss zustande! Ein ganz dickes "Knuddel" an unsere Beta Gunni!
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de) auf der Stargate-Seite

 
PROLOG

 

Das Heulen der Sirenen mischte sich mit dem gewohnten Dröhnen, das dem Öffnen des Tores vorausging. Stakkatoartiges Hämmern dutzender Stiefel wich angespanntem Atmen als die Sicherheitstrupps in Stellung gingen. Hektische Betriebsamkeit schlug um in wachsame Nervosität. Freund oder Feind - die Frage, die sich bei jeder Anwahl von Außen stellte, verlor nichts von ihrer Brisanz. Eine falsche Entscheidung konnte das Leben Unschuldiger kosten und jeder war sich der großen Verantwortung bewusst, die der Befehlshaber innehatte. Unbeeindruckt vom Treiben in der dreidimensionalen Welt rauschten die einkommenden Datenströme durch das Labyrinth, vervielfältigten sich, speicherten sich hier und dort, während sie im selben Augenblick auf einem Terminal im Überwachungsraum eine Nachricht anzeigten, die bei den beobachtenden Personen Erleichterung hervorrief.

"Einkommendes Signal, Sir, Identifizierungscode von SG 1!"

"Iris öffnen."

Zwei harmlose Worte, gesprochen in tiefem Vertrauen auf die Sicherheitsvorkehrungen, besiegelten das Schicksal von mehr als vierzig Menschen.

Im Kontrollraum wandte sich General Hammond dem Stargate zu, doch statt SG 1 begrüßte er den Tod.

 

***
 

Frank Parker raufte sich seine ohnehin schon zerzausten Haare und schüttelte angewidert den Kopf. Es war einfach nicht sein Tag heute. Genau genommen war die ganze vergangene Woche ein einziger Reinfall gewesen - und es sah danach aus, als würde es so weitergehen. Nicht, dass es ihn besonders gestört hätte, dass Olga - SEINE Olga - nun plötzlich mit dem Neuen, diesem übermäßig muskelbepackten, blonden Typ aus Ramseys Sicherheitstrupp, ausging. Nein, warum sollte ihn das auch stören? Warum sollte ihn stören, dass sie diesen aufgeblasenen Möchtegern-Wikinger ihm und seinem athletischen Körper vorzog? Frauen gab es schließlich wie Sand am Meer. Oder nicht? Wer nicht will, der hat schon. Basta. Eigentlich übte er mit seiner charmanten Art eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Frauen aus, wenn er auch zugeben musste, dass dieses angeborene Magnetfeld auf Olga keine Wirkung zu haben schien. Nunja, sie würde nie erfahren, was sie verpasste. Er nippte an seinem Bier und nickte der Kellnerin mit einem süffisanten Grinsen zu, nur um kurz darauf völlig frustriert seinen Kopf auf die Tischplatte zu hämmern. Sie hatte ihn ignoriert, einfach durch ihn hindurch gesehen, das konnte nicht sein. Gefangen in einem Albtraum, wo waren nur die guten, alten Zeiten geblieben, in denen ihm die Frauen zu Füßen lagen? Na gut, realistisch betrachtet hatte es diese Zeiten nie gegeben, aber ein wenig Tagträumerei schien ihm vor dem Hintergrund des erlebten Rückschlags durchaus angebracht. Und wo, zum Teufel, blieben eigentlich Dirk und Al? Angesichts seiner Laune, die mit jeder verstreichenden Minute näher gen Gefrierpunkt sank, bereute er es bereits, dass er sich hatte überreden lassen, sich hier - in der entlegensten Ecke von Utah - mit den beiden zu treffen. Aber was tat man nicht alles für alte Freunde? Die zwei waren für einige Zeit beruflich in dieser Gegend, um unterirdische Wasserläufe und Höhlensysteme zu erforschen - da konnte er kaum von ihnen verlangen, dass sie an ihrem freien Tag für eine Stippvisite nach Nevada pilgerten. Also hatte er ein paar seiner kostbaren Urlaubstage genutzt, um dem Stützpunkt für eine Weile den Rücken zu kehren, Las Vegas ausnahmsweise zu meiden, um dann hier in einem einsamen Drive-In, mit einer - mittlerweile - lauwarmen Flasche Bier auf Freunde wartend, zu enden. Toller Urlaub. Ein überzeugendes Argument, das ihn davon abhielt, sich einfach aus dem Staub zu machen, war die Tatsache, dass die Sonne seinen Wagen mittlerweile in einen Mega-Backofen verwandelt hatte - ein anderes war die Aussicht auf die Party, die sich unweigerlich ergeben würde, sobald Dirk und Al auftauchten.

 

Das Knarren der Holzdielen kündigte einen weiteren Gast an und Parker warf einen prüfenden Blick über die Schulter. Natürlich weder Dirk noch Al. Wahrscheinlich waren sie wieder zufällig auf eine sensationelle Entdeckung gestoßen oder ... - bevor er den Gedanken weiterführen konnte, wurde seine Aufmerksamkeit auf ein sehr lautes zischendes, aber dennoch merkwürdig vertrautes, Geräusch gelenkt, das seinen Ursprung außerhalb des notdürftig klimatisierten Raumes hatte. Wie ein Blitz offenbarte sich eine Erkenntnis. Oh nein, das konnte nicht sein - nicht jetzt. Überhastet sprang er auf, stürzte nach draußen und suchte - mit den Händen die Augen vor der Sonne abschirmend - den Himmel ab. Wenige Schritte neben ihm blickte ein schlanker Mann mit Sonnenbrille mit skeptischem Gesichtsausdruck nach oben. "Also ein Flugzeug ist das nicht...."

"...aber es kommt trotzdem runter!!!!", beendete Parker den Satz, während er den verdutzten Mann mit sich zerrte und hinter einem Stapel Gerümpel Deckung suchte.

Das Zischen wurde zu einem Rauschen, das die Trommelfelle bis auf das Äußerste belastete. Beide Männer versuchten, ihre Ohren zu schützen, indem sie sie mit den Händen bedeckten, doch inzwischen hatte sich das Rauschen zu einem Dröhnen gesteigert, dem nichts entgegenzusetzen war.

Mit einem ohrenbetäubenden Knall, begleitet von Knirschen und metallischem Kreischen schlug das Etwas auf dem Boden auf. Die darauf folgende Druckwelle ließ Glassplitter und andere Kleinteile zu gefährlichen Geschossen werden, presste die Atemluft aus den Lungen und bedeckte alles mit aufgewirbeltem Sand.

Das erste was Parker danach hörte, war die aufgeregte Stimme seines Leidensgenossen.

"Das verdammte Ding ist auf mein Auto gefallen!!!! Ich fass' es nicht. Warum fällt dieses Ding ausgerechnet auf mein Auto?"

Frank Parker seufzte auf und wünschte sich erfolglos ein paar Men in Black, die mittels "blitzdingsen" die Erinnerung unbeteiligter Personen auslöschen würden.

 

Colonel Jack O'Neill setzte langsam seine Sonnenbrille ab und starrte entgeistert zuerst auf die riesige, bläulich schimmernde Kugel, die den Pick-up in ein zweidimensionales Faltauto verwandelt hatte, dann auf den neben ihm stehenden Kerl mit der markanten Nase, der meinte, sich für irgendetwas entschuldigen zu müssen.

"Haben Sie das gesehen?", O'Neill hatte das Geschehene noch immer nicht begriffen, "Das Ding landet genau auf meinem Auto...!"

"Jaaa, tut mir leid...", kam prompt die Antwort von seinem Gegenüber.

"Was?", hakte Jack entgeistert nach.

"Najaaaa, die Sache mit der Kugel ... mit Ihrem Wagen...und...", die weiteren Worte nahm O'Neill nicht mehr wahr, denn mit einem lauten Krachen flog ein Teil der Kugel beiseite und in der entstandenen Öffnung erschien ... ein Mann. Und zwar einer, der dem Typ neben ihm verdammt ähnlich sah. Verwirrt blickte er von einem zum anderen.

"Was soll das? - Halt, stop, sagen Sie nichts.", er richtete seinen durchbohrenden Blick auf den Kerl neben sich, "Lassen Sie mich raten.... ", weiter kam er nicht, denn der Angesprochene löste sich mit einem fast unhörbaren "Plopp" in Luft auf. Was zum Teufel sollte das denn? Er konnte zwar nachvollziehen, dass manche Leute einer Unterhaltung mit ihm lieber aus dem Weg gingen, aber musste es gleich die Houdini-Nummer sein? Carter. Natürlich, sie könnte ihm eine logische Erklärung dafür liefern, da war er sich sicher. Aber - wie immer, wenn man sie dringend brauchte - sie war nicht da! Also, musste er dieses Rätsel selbst lösen. Während sein Blutdruck unaufhaltsam stieg, gingen seine Erklärungsversuche von 'Maybourne beschmeißt mich neuerdings mit Kugeln und versucht, mich mit Klonen in den Wahnsinn zu treiben' bis hin zu 'Ich habe hohes Fieber und liege phantasierend auf der Krankenstation'. Als er gerade dabei war, die Schuld auf das - höchstwahrscheinlich - verdorbene Essen auf P3X-52 zu schieben, holte ihn ein heftiges Rütteln in die Realität zurück.

 

Oh Mann! Frank Parker verdrehte die Augen. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Eine - wenn auch kurze - Begegnung mit seinem vergangenen Ich, und dazu ein momentan geistig abwesender Colonel. Grinsend schüttelte er den Kopf, wie hoch war wohl die Wahrscheinlichkeit, dass er mit der Zeitreisekugel fast auf der Person landete, mit der seine Mission zu tun hatte? Ziemlich gering. Eigentlich konnte er ganz froh sein, dass er nicht direkt auf O'Neill gelandet war - dann hätte sich sein Auftrag wohl um einiges schwieriger gestaltet, als er ohnehin schon war. Ganz ehrlich, der Satz 'Ich hab zwar euren Colonel platt gemacht, aber dafür rette ich jetzt euer Stargate' klang selbst in seinen Ohren nicht sehr überzeugend. Zudem konnte er in diesem Fall nicht seinen NSA-Ausweis zücken, und damit Nachfragen über seine Informationen im Keim ersticken. Das Stargate-Center war eine ebenso von der Öffentlichkeit abgeschirmte Geheimsache, wie das Zeitreise-Projekt, dem er angehörte, somit mussten sie in diesem Fall mit offenen Karten spielen. Er musste schnellstmöglich Talmadge erreichen, damit dieser die nötigen Verbindungen spielen ließ und die Verantwortlichen überzeugte, einem völlig Fremden den Zutritt zu dem im Mt.Cheyenne verborgenen Stargate-Komplex zu gewähren. Nachdem sein Handy wie schon so oft bei der etwas unruhigen Reise mit der Kugel zu Bruch gegangen war, brauchte er jetzt dringend ein Telefon. Er holte tief Luft, es war an der Zeit, die in der Akte vermerkte psychische Stärke von Colonel Jack O'Neill auf die Probe zu stellen.

"Hey, Colonel, hallo...", beherzt packte Frank sein ziellos vor sich hin starrendes Gegenüber an den Schultern, "Erde an Jack..."

Fast augenblicklich schlossen sich zwei Hände wie Schraubstöcke um seine Handgelenke und braune Augen taxierten ihn misstrauisch. "Wer sind Sie und was wollen Sie?"

"Meine Name ist Frank Parker, NSA, und ich brauche ein Telefon, ein Auto ... und eine Pizza mit Peperoni und doppelt Käse hätte ich auch gern ... ich hab' nämlich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen!" Über seine kompetente, informative Aussage zufrieden grinsend, wartete Parker auf eine Reaktion. Diese folgte in Form eines Stirnrunzelns und der Nachfrage, aus welchem Irrenhaus er entsprungen sei.

"Ok, ok, vergessen Sie die Pizza, - aber Telefon und fahrbarer Untersatz sind wirklich wichtig!", nach einem prüfenden Blick, der bestätigte, dass sie allein waren - anscheinend waren die Leute aus dieser Gegend an derartige Vorkommnisse gewöhnt, sonst hätten sie sich nicht bereits wieder in die Kneipe zurückgezogen - fügte er hinzu, "Es geht um das Stargate, und die Zeit läuft uns davon!"

O'Neill schien fürs Erste zufrieden mit der Antwort und überließ Parkers Handgelenke wieder ihrem Besitzer. Dann zog er ein Handy aus seiner Jackentasche und streckte es ihm entgegen. "Hier! - Und wenn das Telefonat beendet ist, will ich eine ausführliche Erklärung! Achja, und was den Wagen angeht..., " er deutete mit dem Kopf in Richtung Kugel, "ich hatte ein Auto - - - bis Sie kamen!"

"Upps!"

 

Natürlich war Talmadge nicht sonderlich erbaut über Parkers "öffentliche" Landung, aber in Anbetracht der Dringlichkeit des Auftrages hatte er sich die Standpauke verkniffen und Frank ein schnelles Transportmittel zugesagt. Damit O'Neill nicht die ganze Zeit mit den Überresten seines Autos konfrontiert wurde, hatte Parker ihn in die Kneipe bugsiert und versuchte nun mittels eines großzügig spendierten, kalten Bieres 'schön Wetter' zu machen.

Langsam rannen dem Colonel die letzten Tropfen Flüssigkeit die trockene Kehle hinab und er betrachtete sein Gegenüber wieder mit forschendem Blick. "...wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, dann reisen Sie in der Zeit zurück, um Dinge gerade zu biegen, die andere vermurkst haben - jedoch nur falls die Regierung den Vorfall zur Änderung freigibt...?"

"Korrekt!", Frank Parker nickte gönnerhaft, "Und glauben Sie mir, ein Vergnügen ist das nicht! Außerdem bin ich die meiste Zeit auf mich alleine gestellt... nicht, dass ich nicht im Stande wäre, solche..."

"Jaja", unterbrach O'Neill ihn gereizt, "ich hab's kapiert. Sie sind der einsame Cowboy, der am Schluss alleine in den Sonnenuntergang reitet, und weder das Mädchen noch den Ruhm bekommt. Bei Gelegenheit werde ich Sie bedauern. - Was mich im Moment mehr interessiert, ist, weswegen Sie hier sind und was das mit dem Stargate zu tun hat!?"

Frank versuchte, sein Unwohlsein zu verbergen. Er hatte kaum Zeit gehabt, die spärlichen Informationen zu verdauen, als er sich auch schon in seiner Zeitkapsel mit Ziel Vergangenheit wieder fand. Außerirdische. Kein Problem. Schließlich existierte das Zeitreise-Projekt nur dank eines abgestürzten UFOs. Aber mussten es gleich wieder böse Außerirdische sein? Mit Würmern im Bauch? Dazu die Tatsache, dass sein Land Zugang zu einem Tor hatte, das die Erde mit unzähligen fremden Planeten verband... zu jeder anderen Zeit hätte dies seinen Entdeckerdrang geweckt, momentan war es nur der Ursprung allen Übels.

Das dröhnende Knattern eines Hubschrauber-Rotors rettete ihn vor einer Antwort. Mit einem Kopfnicken Richtung Tür bedeutete er O'Neill ihm zu folgen. Der Tag neigte sich langsam dem Ende, doch die drückend warme Luft kämpfte noch gegen die kühle, frische Brise des Abends an. Kleine Schweißperlen tanzten auf Parkers Stirn, während er sich zur Seite wandte, um den direkten Auswirkungen des vom landenden Helikopter verursachten Sandwirbels so gut wie möglich zu entgehen. Missmutig betrachtete Frank die feinen Sandkörnchen, die sich überall auf seiner Kleidung verteilten und sich fröhlich mit den Schweißtropfen auf seiner Haut vermischten - vielleicht hätten sie doch besser innerhalb der Kneipe warten sollen. Der Pilot hingegen gab seinen Passagieren ungeduldig Handzeichen - er hatte anscheinend nicht vor, allzu lange auf sie zu warten, denn kaum, dass Parker und O'Neill sich halbwegs in die Kabine gehangelt hatten, befand sich der Hubschrauber auch schon wieder in der Luft. Während die beiden Männer den Sicherheitsvorkehrungen folgten, sich angurteten und die Kombination aus Kopfhörer und Mikrofon überstülpten, hatte der Mann am Steuerknüppel bereits Kurs auf den Mount Cheyenne Komplex genommen.

 

Durch die geschlossene Tür drang gedämpftes Stimmengemurmel. Parker starrte auf seine Hände und versuchte sich vorzustellen, was dort draußen wohl vor sich ging. Seit über einer Stunde saß er nun in dem spärlich eingerichteten Raum und wartete. Langsam neigte sich seine Geduld dem Ende zu. Was gab es da noch zu diskutieren? Er stand auf und lief im Zimmer hin und her, aber das half ihm auch nicht, sich zu beruhigen. Nein, es lag sicher wieder an diesen Bürokratenhengsten; FBI, NSA, Army.. und weiß Gott wer noch an den Projekten beteiligt war....."oh, wir sind ja so geheim".... ,"...und wir sind noch viel geheimer...", flüsterte er vor sich hin und schnitt Grimassen. Letztendlich ging es nur darum, dass jeder den Oberbefehl haben wollte, und es schien niemanden zu scheren, dass eigentlich jede Minute zu kostbar war, um sie mit nutzlosen Streitereien zu vergeuden. Entschlossen riss er die Tür auf, doch der Wachtposten davor hatte seine eigenen Befehle - und die lauteten, dass der Besucher im Zimmer zu bleiben hatte, bis jemand nach ihm verlangte. Also fand sich Parker kurzerhand auf dem unbequemen Stuhl inmitten des Raums wieder, während der Posten ihm autoritäre Blicke zuwarf. Frank belegte ihn in Gedanken mit wenig netten Ausdrücken, schenkte ihm aber - wie er meinte - ein verständnisvolles Grinsen. Als sich die Tür wieder hinter dem unkooperativen Soldaten geschlossen hatte, lehnte der Chrononaut sich zurück, legte die Füße auf den Tisch und begann zu wippen. Neugierig blickte er sich im Zimmer um. Wer auch immer hier als Innenausstatter tätig gewesen sein mochte, man hatte ihn hoffentlich bestraft. Keine Fenster, keinerlei Dekorationen, keine Farben... nur tristes Grau. Wer weiß, vielleicht hatten die ja einen farbenblinden Innenausstatter und es hatte nur noch keiner gemerkt. Während er noch weitere belanglose Vermutungen anstellte, blieb sein Blick an dem makellos weißen Flipchart hängen, das ihn scheinbar geradewegs zu einer obszönen Krakelei einladen wollte. Ob es in diesem Raum wohl eine versteckte Kamera gab...? Vermutlich war dem so, aber das kam ihm gerade recht. Betont lässig erhob er sich - man konnte ja schließlich nicht wissen, wer gerade zusah - und schlenderte darauf zu. In großen, dicken Druckbuchstaben schrieb er einige Worte, riss das Blatt dann ab und nahm es mit zurück zum Stuhl, wo er sich wieder niederließ und das Blatt Papier demonstrativ in die Höhe hielt.

 

Jack O'Neill langweilte sich. Er langweilte sich entsetzlich. Er langweilte sich so sehr, dass er anfing mit Hilfe seiner Hände Schattentiere an die triste graue Wand zu zaubern. Nur unterbewusst nahm er wahr, dass das ständige Stimmengemurmel plötzlich verstummte, dann hörte er seinen Namen.

"Colonel O'Neill, ich muss doch sehr bitten!", General Hammonds Stimme hatte die Durchschlagskraft eines Eispickels. Jack brachte es fertig, nach dieser Ermahnung voll konzentriert zu scheinen, während er in Gedanken versuchte, den Text von 'Hänschen klein...' in die richtige Reihenfolge zu bringen.

"Ich verstehe nicht, wie wir unter diesen Bedingungen arbeiten sollen!", ergriff der stämmige dunkelhaarige Mann, dessen Name so geheim war, dass er ihn nicht genannt hatte, das Wort. O'Neill fragte sich, was dieser Typ für ein Problem hatte. Er tauchte einfach auf, machte ihnen allen das Leben schwer, und fast unbemerkt wurde die ihnen zur Verfügung stehende Zeit knapp. Wen interessierte es, wer ... was ... warum ... genehmigte oder nicht genehmigte? Bisher wussten sie nur, dass das Stargate zerstört werden würde, aber keinem kam in den Sinn, diesen Parker aus der Zukunft..... der Jacks Auto auf dem Gewissen hatte..... nach den näheren Umständen zu befragen.

".... und dieser Parker erst...", die Stimme des Namenlosen schien sich um eine Oktave gesteigert zu haben - Jack fragte sich, ob der Kerl wohl zu enge Unterwäsche trug. "... Sehen Sie doch - dieser Parker sitzt seit einer halben Stunde da und hält ein Schild mit der Aufschrift "Wo bleibt meine Pizza?" in die Überwachungskamera - wie könnten wir solch einen Mann ernst nehmen?"

 

"Es tut mir leid, aber ich muss Ihnen entschieden widersprechen!", Hammond schien kurz davor, die Beherrschung zu verlieren, "Das Stargate untersteht meiner Verantwortung. Ich werde diesen Mann jetzt anhören und dann werde ich die notwendigen Maßnahmen ergreifen, ob es Ihnen passt oder nicht! Seine Identität sowie die Operation, für die er eingesetzt wurde, sind bestätigt. Was wollen Sie mehr? Wir stehen kurz davor, eine der wichtigsten Entdeckungen unserer Zeit zu verlieren - ich denke nicht, dass das in Ihrem Interesse wäre. Entweder, Sie liefern mir stichfeste Argumente, warum ich diesen Mann nicht befragen sollte, oder, Sie lassen uns jetzt einfach unsere Arbeit tun. Uns bleiben schließlich kaum mehr als 72 Stunden Zeit."

Mister "Ich bin ja so geheim und muss euch alle umbringen, wenn ihr es wagt, jemandem zu erzählen, dass ihr mich gesehen habt" hatte es die Sprache verschlagen. Entweder hatte er die Lust an seinen Spielchen verloren oder zur Abwechslung mal seinen Verstand eingeschaltet. Jedenfalls raffte er die wild auf dem Tisch verstreuten Papiere zusammen und rauschte mit einem gefauchten "Tun Sie, was Sie nicht lassen können!" aus dem Raum.

 

Major Samantha Carter seufzte leise auf. Heute schien jedermann ziemlich angespannt zu sein und ihr ging es nicht anders. Im Komplex herrschte eine erhöhte Sicherheitsstufe und man hatte sie vor zwei Stunden mit höchster Dringlichkeit zum Mt. Cheyenne beordert. Weg von dem wunderbaren Buch, das sie sich vor Monaten gekauft hatte, und das noch immer darauf wartete, gelesen zu werden. Weg von dem süffigen Rotwein, den sie sich extra für diesen Abend - den ersten freien Abend seit längerem - geleistet hatte. Weg von dem sündhaft teuren Badeöl, das jetzt - anstatt ihren gestressten Körper zu verwöhnen - in der Kanalisation die Ratten erfreute. Auf das alles hatte sie verzichten müssen, nur um nun in "ihrem" Zimmer darauf zu warten, dass General Hammond sie zur Teambesprechung rief. Der Wachtposten vor der Tür hatte ihr bedeutet, dass sie im Zimmer zu bleiben hatte - und noch nicht einmal eine Stippvisite im Labor hatte man ihr genehmigt. Das hätte ihr wenigstens das Gefühl gegeben, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Aber nein, sitzen, grübeln, warten, während sich die Minuten zu Stunden dehnten. Bevor sich der kleine Funken Unmut, der aus einem Winkel ihres Gehirns hervorkroch, fest in ihren Gedanken einnisten konnte, erlöste sie ein kurzes Klopfzeichen an der Tür.

 

Begleitet von dem unvermeidlichen Sicherheits-Offizier standen Daniel und Teal'c im Gang. Sie ersparte sich die Frage, denn die beiden würden genauso wenig wie sie wissen, was vor sich ging. Aber wo war Jack O'Neill? Ein ungutes Gefühl beschlich sie. War er mit einem anderen Team zu einer Erkundungsmission gestartet? Nein. Das konnte nicht sein. Schließlich war Jack am frühen Morgen aufgebrochen, um seinerseits den freien Tag so entspannend wie möglich zu verbringen. Was man so Entspannung nannte, wenn man Jack O'Neill hieß. Ein kleines Grinsen schlich sich auf ihre Lippen.

 

Jack starrte auf den Tisch. Fassungslos. Sprachlos. Unfähig einen klaren Gedanken zu fassen.

"Jack?", flüsterte ihm Parker leise ins Ohr, "Was meinen Sie dazu?"

O'Neill ließ seinen Blick ein weiteres Mal über die ausgebreiteten Blätter schweifen, bevor er nach einem tiefen Aufseufzen kopfschüttelnd antwortete, "Was soll ich dazu sagen: eine abstrakt gemalte Pizza, drei Rezepte für Pizza, ein Einkaufszettel mit Pizza-Zutaten, die Telefonnummer eines Pizza-Liefer-Service..."

"Tja, und dann waren leider schon alle Blätter aufgebraucht!", Parker zog eine Grimasse. "Und das Schlimmste ist: Hat jemand auf meine schriftlichen Hilferufe reagiert? Nein! Ich habe immer noch keine Pizza bekommen. Noch nicht einmal IRGENDETWAS zu essen. Was ist das nur für ein unmöglicher Laden hier, Jack?"

"Hm, jedenfalls keine Pizzeria!", konterte der Colonel trocken. "Kommen Sie, Frank, General Hammond wartet."

Breit grinsend leistete Parker der Aufforderung Folge. Die Hände tief in den Hosentaschen vergraben schlenderte er aus der Tür und stieß prompt mit etwas sehr unnachgiebigem zusammen. Benommen machte er einen halben Schritt zurück und erntete einen abschätzenden Blick des ... Parker überlegte einen Moment halbherzig, wie das große, dunkelhäutige Ungetüm vor ihm hieß. In der Einsatzbesprechung hatte Donovan einen wirklich guten Witz aus dem Namen gebastelt; irgendetwas mit Apfelsinenkisten. Im Moment erinnerte er sich jedoch nur an den Ausdruck tiefer Missbilligung auf Olgas Gesicht - die Pointe und der Name waren ihm wieder entfallen. Früher oder später würde es ihm schon jemand erzählen. Frank blickte dem Koloss einen Moment in die unnachgiebig musternden Augen, bevor er sich den beiden Begleitern zuwandte, die nach wie vor auf dem Korridor standen. Vermutlich Dr. Jackson und... hoppla - Major Carter? Er schenkte der blonden Frau ein verschmitztes Grinsen. Wieso hatte er nicht versehentlich gegen sie laufen können?

 

O'Neill verdrehte demonstrativ die Augen. Das ging nun wirklich zu weit. Als wäre dieser unerträgliche Kerl nicht ohnehin schon eine wandelnde Katastrophe, jetzt starrte er auch noch Carter an, als hätte er noch nie eine Frau gesehen. Nicht, dass er selbst an Carter interessiert wäre, nein, auf gar keinen Fall, aber das konnte er unter keinen Umständen dulden. Eine Idee musste her, und zwar schnell, bevor dieser Parker auf dumme Gedanken kam.

Jack räusperte sich mehrfach, bis er sicher war, dass er die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden genoss.

"Und was wird nun aus der Pizza, Parker?"

Der Angesprochene schenkte Sam ein weiteres Lächeln, bevor er sich mit tadelnder Stimme an den Colonel wandte, "Aber, Jack! Wie können Sie beim Anblick eines solch wunderbaren Wesens nur ans Essen denken?"

 

Gemeinsam durchquerte die nun schweigsame Gruppe etliche Korridore und fuhr dicht gedrängt im Fahrstuhl mehrere Stationen in die Tiefe, während jeder Einzelne von ihnen seinen eigenen Gedanken nachhing. Parker wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn und nutzte die Gelegenheit um unauffällig seine Achselhöhle zu beschnuppern - mit niederschmetterndem Ergebnis. Aber ... hieß es nicht, dass mit dem menschlichen Schweiß auch die Sexualduftstoffe übertragen wurden? Pheromone! Genau, so nannte man das Zeugs. Also konnte er nur darauf hoffen, dass Carter empfänglich für seine Pheromone war und er trotzdem schnellstmöglich in den Genuss einer Dusche kam. Dieser Teal'c hingegen schien gegen Lockstoffe jedweder Art immun zu sein oder er hatte eine sehr empfindliche Nase; jedenfalls ließ er keine Gelegenheit aus, um Frank missbilligende Blicke zuzuwerfen. Vielleicht wäre es eine gute Idee, in der Zeitreise-Kapsel ein paar Kosmetik-Utensilien zu deponieren, ganz nach dem Motto "Deo macht Freunde - überall und jederzeit und ganz besonders im Fahrstuhl". Er sehnte sich nach einem kühlen Lüftchen, denn niemand von den Verantwortlichen schien sich bewusst zu sein, dass eine Klimaanlage in einem gut gefüllten Lift wahre Wunder wirken konnte. Endlich kündigte ein leichtes Rucken das Ende der Fahrt an und sie machten sich auf das letzte Teilstück des Weges. Parker flüchtete sich in einen Tagtraum, in dem er nicht durch graue Gänge stapfte, sondern stattdessen gemütlich an einem Sandstrand im Liegestuhl unter einem großen, roten Sonnenschirm lümmelte, die Kühlbox mit dem Sixpack in greifbarer Nähe...

 

Wenige Minuten später blickte Major Samantha Carter im Besprechungsraum ungläubig auf ihren Vorgesetzten. Während Daniel und Teal'c wie sie schweigend auf die Ankunft des Generals warteten, lieferten sich O'Neill und Parker ein absonderliches Duell. Mit Hilfe zweier Bleistifte bekämpften sich mit unermüdlichem Eifer Schatten-Häschen an der tristen grauen Wand des Zimmers. Carter schwankte zwischen dem Drang sofort Dr. Fraiser zu benachrichtigen und der Versuchung die Tischlampe zu zerschmettern. Sie fand keine vernünftige Erklärung für das Verhalten der beiden erwachsenen Männer, die sich in einer solch angespannten Situation kindischen Spielereien hingaben. Ihre Nerven waren zum zerreißen gespannt und auch in Teal'cs Miene war leichte Unmut zu erkennen. Als sich Schritte näherten atmete Sam hörbar aus.

"Hey, Carter!", ertönte sogleich O'Neills markante Stimme, "Ich wusste gar nicht, dass Sie solange die Luft anhalten können! Noch ein wenig länger und Ihr Kopf hätte ausgesehen wie eine reife Toma..."

Das Eintreffen des Generals verhinderte, dass O'Neill das Thema vertiefte und Carter zog eine Grimasse bevor sie sich auf die die Ausführungen des Generals konzentrierte.

"Um es kurz zu machen, Mr. Parker gehört einem geheimen Regierungsprojekt an, ich werde aber aus Zeitgründen darauf verzichten, Ihnen die Arbeitsweise zu erklären. Fakt ist, dass das Stargate laut den Informationen von 'Backstep' in 69 Stunden zerstört wird." Offen begegnete er den ungläubigen Blicken seines Teams und ließ ihnen Zeit, das Gehörte zu verarbeiten.

"Sir", meldete sich Carter zu Wort, "der von Ihnen genannte Zeitpunkt fiele genau in den Zeitrahmen unserer Mission nach P8X-59."

"Ganz recht, Major.", Hammond nickte zustimmend, "Es scheint, als wäre die geplante Mission zum Scheitern verurteilt, weswegen ich mich entschlossen habe P8X-59 von der Liste zu streichen."

Jack runzelte die Stirn. "Und wie können wir sicher sein, dass unser kleines zukünftiges Problem dadurch aus der Welt geschaffen ist?"

Das erste Mal ergriff nun Frank Parker das Wort. "Weil das Tor von P8X-59 aus mit Ihrem Identifikationscode angewählt wurde."

O'Neill rollte mit den Augen. "Ich wüsste nicht, was daran so schlimm ist!?"

Alle Mitglieder von SG-1 blickten gebannt auf den Chrononauten, der mit ruhiger Stimme antwortete, "Statt Ihres Teams kommt...", er zeigte auf Teal'c, "ein Kerl mit Bildchen auf der Stirn durch und ... bumm!"

"Bumm?", ertönte es aus mehreren Kehlen gleichzeitig.

"Ja, 'bumm' wie in 'bumm' die Bombe geht hoch, zerstört das Stargate und zerfetzt alle Leute in der näheren Umgebung!"

Betretenes Schweigen machte sich im Raum breit. Einige Minuten hing jeder der Anwesenden seinen eigenen Gedanken nach, bevor Jack die Stille mit einem genervten, "Na schön, und wie geht's jetzt weiter?", zerschnitt.

"Ganz einfach: Sie machen einen großen Bogen um den Planeten, ich fahre wieder nach Utah und genieße meine restlichen Urlaubstage - alle sind glücklich", erklärte Parker.

"Aber Sir", wandte sich Carter an Hammond. "Wie können wir sicher sein, dass derjenige, der die Bombe durch das Stargate geschickt hat, es nicht einfach zu einem späteren Zeitpunkt tun wird, wenn wir diese Mission ausfallen lassen? Möglicherweise verändern wir die Zeitlinie gar nicht, sondern..."

Frank Parker grinste innerlich. Offenbar brauchte jede geheime Militäroperation eine eigene "Olga", die meinte, für alle anderen mitdenken zu müssen. Aber vielleicht hatte er ja diesmal die Chance ein bisschen Eindruck zu schinden.

"Nun ja...", begann er. "Es gibt natürlich keine Garantie, aber wir gehen davon aus, dass Mister X Ihren Code irgendwie während der Mission erhalten haben muss und dann die Bombe durch das Tor geschickt hat. Andernfalls wäre es schon ein merkwürdiger Zufall, dass die Bombe geradewegs von dem gleichen Planeten kommt, auf dem sie gerade ihr Picknick veranstalten, oder?"

"Aber sollten wir nicht trotzdem versuchen herausfinden, wie es dazu kommen konnte, nur für den Fall, dass...", versuchte Carter es erneut.

"Sie gehen auf gar keinen Fall nach P8X-59", warf Hammond sofort ein.

Daniel Jackson, der bisher geschwiegen hatte, erwachte nun plötzlich zum Leben und kam Carter zu Hilfe. "Davon ist ja auch gar nicht die Rede, General. Aber möglicherweise hat Major Carter Recht, und wir sollten herausfinden, von wem diese Bombe stammt. Oder vielmehr: stammen wird. Andernfalls riskieren wir, dass man uns die Bombe tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt schickt."

Klasse Monolog, Milchbart, dachte Parker. Wollten diese Leute eigentlich nicht begreifen, dass sie nur die Füße stillhalten mussten um die Katastrophe zu verhindern? Als nächstes würden sie womöglich noch auf die Idee kommen, dass sie den Planeten doch unter die Lupe nehmen sollten. Er musste irgendetwas tun, um sie von diesen Gedanken abzubringen. Na los, denk nach, lass dir was einfallen, und zwar schnell...

"Lässt sich das nicht irgendwie recherchieren? Sie wissen doch vermutlich ziemlich genau, wer Ihnen das Ding geschickt haben könnte.", Parker blickte erwartungsvoll in die Runde.

"Nun ja..."

"Eigentlich nicht..."

"Nein..."

Frank schüttelte ungläubig den Kopf - soviel zu seinem genialen Plan. Offenbar musste er dieser merkwürdigen Truppe ein wenig auf die Sprünge helfen. "Ach kommt schon Leute, wem seid ihr denn in letzter Zeit so richtig auf die Füße getreten? Ich meine, wer ist so richtig sauer auf euch? Oder glaubt ihr vielleicht, die haben beim intergalaktischen Versandhaus einfach nur die Lieferscheine verwechselt und ihr solltet eigentlich 'ne neue Couchgarnitur bekommen?!"

Carter und Daniel blickten einander auf eine Art an, die Parker nur als hilfesuchend interpretieren konnte, während er selbst erneut von Teal'c gemustert wurde. General Hammond räusperte sich und setzte gerade zu einer Antwort an, als sich O'Neill wieder zu Wort meldete, "Na ja, die Liste ist irgendwie... ziemlich lang."

Unerwartet erklang Teal'cs Bariton, "Eigentlich hat er uns bereits einen Hinweis geliefert."

"Achja?", erwiderte Jack ungläubig, "Hat er?"

"Er sagte, es sei ein Jaffa durch das Tor gekommen."

"Echt?", O'Neil blickte fragend zu Parker, "Woher weiß er das überhaupt?"

"ER weiß das, weil ER ein kurzes Stück der gesicherten Videoaufzeichnung gesehen hat.", knirschte Frank gereizt.

"Dann kann ER uns doch sicher sagen, welche Tätowierung der Jaffa trug?", stichelte der Colonel.

"Nein, kann ER nicht."

"Nicht?"

"Nein. Zu geringe Auflösung der Kamera; unsere besten Spezialisten haben darüber gebrütet, doch es kam keine brauchbare Vergrößerung zustande.", Parker schüttelte entschuldigend den Kopf.

"Nunja", meldete sich Daniel erneut zu Wort, "das schränkt unsere Liste doch ein wenig ein..."

Der beinahe kahlköpfige General beobachtete seine Mitarbeiter noch einen Moment aufmerksam, bevor er die Diskussion beendete. "Die Entscheidung ist gefallen, das nächste Ziel wäre dann also P4X-76. Sie können gehen." Er schob die vor ihm liegenden Papiere zu einem ordentlichen Stapel zusammen und erhob sich von seinem Stuhl.

Das plötzliche Dröhnen der Alarmsirene ließ alle zusammenzucken.

"MIST!", entfuhr es Parker, der sich vor Schreck das Knie an der Tischkante gestoßen hatte. Fassungslos starrte er Hammond und seinem Team hinterher, die aus dem Zimmer stürmten. "Das ist ja wie mit Mädchen, wenn sie aufs Klo müssen - können nie alleine gehen! .... Hey! Was ist mit mir???", humpelnd versuchte er den anderen nachzueilen, aber wieder einmal stellte der Sicherheitsposten eine unüberwindliche Barriere dar. Enttäuscht hinkte er zum verglasten Aussichtsposten und blickte von dort auf das Stargate herab. Riesig und eindrucksvoll dominierte es den gesamten Raum, ein mächtiges Monument aus der Vergangenheit und dennoch ein Symbol für die Zukunft.

 

Samantha Carter starrte mit Unbehagen auf die geschlossene Schutz-Iris des Stargates. Hinter sich hörte sie Colonel O'Neill nach Luft schnappen.

"Vielleicht sollten Sie Ihre Fitness-Werte bei Dr. Fraiser überprüfen lassen, Colonel", neckte Sam ihren Vorgesetzten.

"Ach ja?", raunte Jack, "Und wer hat eigentlich gesagt, dass wir bei jedem Alarm hier runter hetzen müssen?"

"Colonel?", Carter blickte erstaunt in die Runde.

"Ihr wisst schon -", entgegnete Jack, "der Alarm geht los, wir rennen wie die Irren hierher und stellen uns dann mitten in die Schusslinie! Wo liegt der Sinn? Warum warten wir nicht einfach oben ab was passiert? Sind wir zu neugierig oder einfach nur lebensmüde?"

Teal'c und Daniel starrten mit gerunzelter Stirn auf O'Neill, während es General Hammond komplett die Sprache verschlagen hatte. Jack zuckte mit den Schultern und drehte sich in Richtung Überwachungsraum. "Was ist denn jetzt?"

Im gleichen Augenblick dröhnte eine Stimme aus den Lautsprechern, "Tok'ra Identifikation, Sir!"

General Hammond gab das Zeichen die Iris zu öffnen, und alle blickten gebannt auf das Tor.

Ein mittelgroßer Mann mit spärlichem Haarwuchs trat durch das wie eine Wasseroberfläche schimmernde Wurmloch und sofort stürmte Sam die Gangway hinauf. "Dad!"

Zwei Stockwerke weiter oben beobachtete Frank Parker entsetzt die Szene. "Nein, lieber Gott, das kannst du mir nicht antun. Lass diese Frau nicht ein Faible für alte, glatzköpfige Außerirdische haben, bitte!"

Der Chrononaut registrierte noch, wie auch die anderen Mitglieder des SG-Teams den Ankömmling herzlich begrüßten, dann ging er mit einem Seufzen zurück zum Besprechungstisch und ließ sich in seinen Stuhl sinken. Kurze Zeit später betrat General Hammond gefolgt von dem Besucher und SG-1 den Raum.

"Tut mir leid, Mr. Parker, ich fürchte wir müssen unser Gespräch verschieben. Ich lasse Sie rufen.", erklärte Hammond mit ernster Miene und einem kurzen Nicken. O'Neill gab ihm mit einem Schulterzucken zu verstehen, dass der General in diesem Fall keinerlei Widerspruch dulden würde, deshalb hielt es Frank für angebracht in aller Stille den angeordneten Rückzug anzutreten. Er warf dem ihm Fremden einen forschenden Blick zu, aber der Mann hatte bereits seinen Platz am Tisch eingenommen und schaute mit ausdrucksloser Miene ins Nichts.

 

Obwohl es Parker widerstrebte verließ er den Raum. Eskortiert von zwei Soldaten machte er sich auf den Rückweg zu seinem tristen, grauen Quartier. Insgeheim verfluchte er diesen Auftrag, der sich wesentlich schwieriger gestaltete als angenommen. Kaum, dass dieser Besuch auftauchte, schienen alle die Dringlichkeit seiner Mission zu vergessen. Wäre er in der Zukunft geblieben, würde er wahrscheinlich jetzt gemütlich mit Donovan und Ramsey ein kleines Pokerspielchen veranstalten. Doch der Regierung war diese Einrichtung so wichtig, dass er sich nun mit diesen verbohrten Typen, die den Ernst der Lage eindeutig unterschätzten, rumschlagen musste. Er seufzte und kassierte dafür einen missbilligenden Blick seiner Begleiter. Kurz bevor sie den Aufzug erreichten, wurden sie durch lautes Rufen gestoppt.

"Hey, halt, stopp - Parker!!!"

Als er die ihm mittlerweile vertraute Stimme vernahm, konnte Frank sich ein Grinsen nicht verkneifen und seine blauen Augen blitzten vor Übermut. "Jack! Was für eine Überraschung! Wie wollen Sie nach dem Auftrag nur ohne mich auskommen, wenn Sie immer so schnell Sehnsucht nach mir haben?"

O'Neill schnitt eine Grimasse. "Marsch zurück, wir haben ein Problem!"

"Achso, ein Problem", Parkers Grinsen wurde eine Spur breiter, "Ich dachte schon..."

"PARKER!!!"

Der vehementen Aufforderung betont gemächlich folgend schlenderte Frank am Colonel vorbei und kam nicht umhin, O'Neills ohnehin schon zum Zerreißen gespannte Nerven noch ein wenig mehr zu testen.

"Oh Mann, Jack!", flüsterte er, "Haben Sie es noch nicht gemerkt? Wenn Sie einen auf Autoritär machen, kann ich Ihnen einfach nicht widerstehen!", und verschwand um die nächste Ecke. Ein völlig perplexer O'Neill folgte ihm - mit einigem Sicherheitsabstand.

Als Parker und O'Neill in das Besprechungszimmer zurückkamen, übernahm General Hammond die Vorstellung des Besuchers. "Mr. Parker, dies ist Jacob Carter, Major Carters Vater - Jacob, das ist Frank Parker."

Frank erwiderte den festen Händedruck seines Gegenübers. "Freut mich Sie kennen zu lernen! - Ich weiß, es klingt neugierig, aber ...", er nickte Richtung Stargate, "haben Sie gerade einen Kurzurlaub gemacht oder arbeiten Sie auch für diesen Laden hier?"

Der ältere Mann schüttelte den Kopf. "Nein, keins von beidem. Ich lebe nicht mehr auf der Erde. Ich bin Tok'ra."

Parker starrte skeptisch auf seine Handfläche, "Ist das ansteckend?"

"Nein", meldete sich Samantha zu Wort, "keine Krankheit sondern ein Volk von Symbionten."

"Ich dachte, die Würmer seien die Bösen in diesem Spiel?", hakte Frank stirnrunzelnd nach.

"Die Tok'ra sind eine Widerstandsbewegung, die bereits seit mehreren tausend Jahren die Goa'uld bekämpfen. Leider sind auch sie auf humanoide Wirte angewiesen, doch im Gegensatz zu den Goa'uld übernehmen sie einen Körper nur mit Einverständnis des Wirtes", erklärte Jacob.

"Gute Würmer, böse Würmer - ehrlich gesagt können mir sämtliche Würmer gestohlen bleiben ... außer natürlich sie schwimmen in Tequila!"

"Das ist nicht witzig!", raunte O'Neill ihm zu, während sich Daniel Jackson zaghaft zu Wort meldete.

"Vielleicht sollten wir ... ähm ... wieder ..."

"Genau meine Meinung, Dr. Jackson!", griff der General das Stichwort auf, " Wir sollten zum eigentlichen Thema zurückkehren. Jacob, bitte, Ihr Bericht!"

Sams Vater nickte zustimmend, "Gut. Wie ich eben - bevor Jack aus dem Raum stürmte - bereits sagte, geht es um P8X-59, einen unserer Stützpunkte."

".... Von dem wir bisher nichts wussten...", merkte Jack an.

"Colonel!" General Hammonds Blick wurde eisig.

Jacob lächelte nachsichtig. "Jack, es ist zu eurer eigenen Sicherheit, wenn euch die Tok'ra Stützpunkte nicht bekannt sind."

O'Neill grinste säuerlich. "Aber natürlich."

"Ok, noch mal ganz kurz zum Mitschreiben, ", klinkte sich Parker in die Diskussion ein, "die Tok'ra haben einen Stützpunkt auf dem Planeten, von dem die Bombe kam ...kommen wird?"

"Bombe?", Jacob blickte entgeistert auf den Chrononauten, der sich gerade die Haare raufte.

Jack lehnte sich entspannt zurück und jonglierte mit einem Bleistift. Sam nickte schweigend, während Daniel nervös an seiner Brille rückte.

Hammond machte sich mit einem Stoßseufzer Luft und fühlte die fragenden Blicke seiner Untergebenen auf sich ruhen. Mit der Souveränität, die Menschen in Führungspositionen zu Eigen ist, fuhr er fort, "Es liegt wohl an mir, Ordnung in dieses Chaos zu bringen, also werde ich das jetzt tun."

Er wandte sich dem Tok'ra Wirt zu, "Jacob, ich muss Sie bitten, uns zuerst über den Stützpunkt auf P8X-59 und den Grund Ihres Besuches aufzuklären, bevor wir Ihnen unsere Situation erläutern. Wenn Sie also bitte fortfahren würden!"

Auch wenn er mit dieser Entscheidung nicht einverstanden war, ließ sich Sams Vater nichts anmerken und kam der Aufforderung Hammonds sofort nach. " Wir verloren den Kontakt zu einem unserer Schiffe, das sich im Orbit von PX8-59 befand, und auch der Versuch die Kommunikation mit dem Stützpunkt aufzunehmen schlug fehl. Daraufhin ging Aldwin mit einigen Sicherheitsleuten durch das Stargate. Seitdem haben wir nichts mehr von ihnen gehört."

"Ach? Und da habt ihr euch gedacht, ein Schiff samt Mannschaft ist verloren, Aldwin können wir auch abschreiben, also - bevor wir noch mehr Tok'ra opfern - fragen wir doch einfach SG-1, die haben sowieso nichts Besseres zu tun!", warf O'Neill missmutig ein und erntete dafür vorwurfsvolle Blicke von mehreren Seiten.

Einzig Parker nickte zustimmend. "Wie bei Monopoly! Gehe nach P8X-59, begib dich direkt dort hin, gehe nicht durch das Stargate und lass den Grill zuhause."

Jack runzelte die Stirn. "Gehe nicht durch das Stargate?"

"Nunja", argumentierte Frank, "wenn die Tok'ra so wild auf unsere Hilfe sind, könnten sie uns ruhig ein Taxi zur Verfügung stellen. Außerdem wäre dadurch der Überraschungseffekt größer falls das Stargate von Typen bewacht wird, die uns nicht so wohl gesonnen sind!"

"Es gibt kein UNS, Parker, Sie gehen nicht mit.", sagte O'Neill entschieden.

"Wer sagt das?", grinste der Chrononaut selbstgefällig.

"RUHE!!!", die pochende Schlagader an Hammonds Schläfe war der einzige Hinweis auf seinen äußerst gereizten Zustand. "Bevor Sie sich wie kleine Jungs über ungelegte Eier streiten, würde ich gerne Jacob unsere Ausgangssituation schildern. In Anbetracht der Tatsache, dass hier keine vernünftige Unterhaltung möglich ist, werden wir uns in mein Büro zurückziehen und Sie später informieren. Ich wünsche, dass Sie sich bis dahin einigermaßen zivilisiert benehmen, sofern Ihnen das möglich ist!"

Das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben starrten O'Neill und Parker den beiden hinterher, während Sam, Daniel und Teal'c vielsagende Blicke tauschten.

"Sie gehen trotzdem nicht mit!", zischte Jack trotzig.

"Werden wir ja sehen!"

Teal'c erhob sich langsam von seinem Stuhl, ging um den Tisch herum, setzte sich zwischen die beiden Streithähne und verteilte kommentarlos grimmige Blicke, die augenblicklich den gewünschten Effekt erzielten.

"Danke!", seufzte Carter angesichts der eingetretenen Stille.

 

Parker blinzelte einige Male gegen das viel zu grelle Sonnenlicht und rang nach Luft. Das machte einer Zeitreise eindeutig Konkurrenz! Er ignorierte die vernehmlichen Proteste seines Magens und sah sich um. Die Sonne schien tatsächlich, wenn sie auch der kargen Landschaft nichts Sommerliches oder Fröhliches verlieh. Sand und Felsen, einige spärlich begrünte Bäume - dies war eindeutig kein Ziel für den Sonntagsausflug.

Hinter ihm schloss sich das Tor mit einem merkwürdig Ekel erregendem Geräusch, und fast augenblicklich begann O'Neill mit dem routinierten Verteilen der mitgebrachten Gerätschaften.

Versonnen trat Frank nach einem kleinen Stein zu seinen Füßen, während er das schwarze Ungetüm von einer MP betrachtete, das O'Neill ihm soeben in die Hand gedrückt hatte.

"Hier."

Überrascht blickte Parker auf, nur um festzustellen, dass ihm der Colonel eine weitere MP entgegenhielt. Ohne einen einzigen Gedanken an das Warum zu verschwenden, schwang er den glänzenden Ledergurt des ersten Gewehrs über die Schulter und nahm die zweite Waffe entgegen. Als nächstes reichte Jack ihm ein Messer, welches Parker betont lässig in seinen Gürtel steckte. Parker war bereits drauf und dran sich nach einem passenden Patronengurt zu erkundigen um sein Rambo-Outfit zu komplettieren, als O'Neill ihm ein dunkelgrünes, unförmiges Etwas in die Arme drückte, das verdächtig nach einem zusammengeschnürten Zelt aussah. Bevor er jedoch protestieren konnte, lud O'Neill einen Erste-Hilfe-Kasten, ein Funkgerät, ein Päckchen mit Lebensmitteln und zwei kleinere Handfeuerwaffen darauf. Mit sichtbarem Entsetzen balancierte Frank die sperrige Masse vor sich aus den ausgestreckten Armen und fragte sich bereits, wie er diesen Stapel über eine größere Distanz transportieren sollte, als er das verdächtige Zucken um Davis' Mundwinkel bemerkte und ihm ein Licht aufging.

Ohne einen Moment zu zögern, ließ er das Zubehör unzeremoniell zu Boden fallen. "Hey, was soll das?"

"Schon mal was von Ablage P gehört?" gab O'Neill mit sarkastischem Grinsen zurück.

Teal'c hob skeptisch eine Augenbraue, blieb aber gewohnt ernst, als er sich mit dunkler Stimme erkundigte: "O'Neill, wenn ich mich nicht irre, hast du gesagt, Ablage P sei für die Missionsberichte..."

"Ich tu einfach mal so, als hätte ich das nicht gehört...", warf Davis ein.

"Jajaja, schon gut. Seht zu, dass ihr den Kram hier wegbekommt, damit ich das DHD sprengen kann."

"Vielleicht...", warf Carter ein, "...könnten wir es ja auch nur so schwer beschädigen, dass wir es später wieder reparieren können?"

O'Neill schüttelte den Kopf und brachte unbeirrt die Sprengladungen an. "Wenn wir es reparieren können, können es die Goa'uld auch. In spätestens drei Tagen rückt Jacob hier mit ein paar Tok'ra Schiffen an und sammelt uns wieder ein. Also kein Grund zur Panik. Kein DHD, kein Stargate, keine Bombe."

"Vielleicht sollten wir ein Schild 'Außer Betrieb' an das Tor hängen", meinte Parker grinsend.

"Carter!", knurrte O'Neill "Schaffen Sie diesen Typ hier weg, sonst sprenge ich ihn aus Versehen vielleicht doch noch mit in die Luft."

Frank grinste erneut, begab sich dann aber ohne weitere Worte gemeinsam mit den anderen in eine sichere Entfernung. Wenige Augenblicke später folgte ihnen O'Neill und begann in einer der Taschen mit Ausrüstung nach irgendetwas zu suchen. Die ohrenbetäubende Geräuschkulisse des explodierenden DHD schien ihn nicht weiter zu stören. Stattdessen blickte Jack konzentriert auf den Kompass in seiner Hand, drehte sich ein Stück nach links und starrte dann wieder prüfend auf das kleine Gerät.

"Ich wusste gar nicht, dass dieser Planet auch einen magnetischen Nordpol hat", merkte Major Davis an, nachdem er es geschafft hatte, seinen Blick von den qualmenden Überresten des DHD loszueisen.

O'Neill runzelte die Stirn. "Was?"

"Ich sagte..."

"Ich weiß, was Sie gesagt haben.", unterbrach Jack ihn. "Aber wieso sollte der Planet einen magnetischen Nordpol haben?"

"Aber was wollen Sie dann mit dem Kompass?!"

"Zum Beispiel die Richtung bestimmen?!", gab O'Neill gereizt zurück.

"Ohne magnetischen Pol?" Davis wandte sich hilfesuchend zu Major Carter, die aber nur mit den Schultern zuckte. "Machen Sie das immer so?", hakte er dann erneut nach, obwohl ihm im gleichen Moment bewusst wurde, dass ihm die Antwort möglicherweise nicht gefallen würde.

"Ja!", knirschte Jack mit zusammengebissenen Zähnen. Dann deutete er mit ausgestrecktem Arm in Richtung einiger Büsche und marschierte mit einem hörbar genervten "Wir müssen da lang." los.

Davis blickte ihm irritiert hinterher. Es gab keine vernünftige Erklärung, warum der Stützpunkt der Tok'ra ausgerechnet in dieser Richtung liegen sollte. Andererseits schien das niemanden außer ihn zu stören, sogar Major Carter schritt zielsicher davon und versuchte zum Colonel aufzuschließen. Und wenn er den Missionsberichten, die regelmäßig über seinen Schreibtisch flatterten, glauben durfte, hatte sich SG 1 bisher nicht auf irgendwelchen fremden Planten verlaufen. Offenbar jedenfalls nicht so sehr, dass sie nicht mehr zurück gefunden hätten.

Als die Mitglieder von SG 12 der Reihe nach an ihm vorbeiliefen, raffte sich auch Davis auf und bildete den Schluss der Kolonne.

Sam war inzwischen auf gleicher Höhe mit dem Colonel. Bevor sie jedoch irgendetwas sagen konnte, brummte O'Neill: "Carter?"

"Ja, Sir?"

"Warum genau mussten wir Major Davis mitnehmen?"

"Weil das Pentagon..."

"Carter?"

"Ja, Sir?"

"Haben Sie schon mal was von rhetorischen Fragen gehört?"

Einen Moment lang herrschte Schweigen, dann tauchte ohne Vorwarnung Parker neben ihnen auf.

"Hey, Leute, stoppt mich wenn ihr den schon kennt! Warum lief Moses vierzig Jahre durch die Wüste?"

Carter bereitete sich mental darauf vor, den Colonel davon abhalten zu müssen, Parker zu töten, aber zu ihrem großen Erstaunen beschloss Jack ihren Begleiter lediglich mit Gift spritzenden Blicken zu bestrafen und ohne jeden Kommentar stur weiter geradeaus zu stapfen. Frank warf Carter ein beinahe entschuldigendes Grinsen zu und ließ die beiden vorangehen, während er sich innerhalb der Gruppe zurückfallen ließ und schließlich neben Paul Davis landete.

"Reagiert der immer so gereizt?", fragte Parker mit verschwörerischem Unterton, wobei kein Zweifel daran bestehen konnte, auf wen sich die Frage bezog.

Davis schmunzelte kurz und erklärte: "Ich bin mir sicher, dass er einfach lieber Dr. Jackson mit auf diese Mission genommen hätte, statt uns beide."

Parker verdrehte die Augen. "Kann ich vielleicht was dafür, wenn dieser Milchbart auf den letzten Drücker auf der Treppe ausrutscht und sich den Fuß bricht?" Dann grinste er wieder. "Obwohl, bei dieser Ärztin würde ich auch gern mal auf der Krankenstation festsitzen..."

"Sagen Sie das nicht, das ganze Stargate Center beschwert sich schon wegen ihrer übergenauen Routineuntersuchungen. Sie muss wohl ziemlich... gründlich sein."

"Sie sind ziemlich gut informiert, oder?"

"Na ja, ich denke schon." Ein Funken Mißtrauen schlich sich in Davis Stimme. "Warum fragen Sie?"

"Ich warte immer noch auf die ausführliche Fassung der Story mit den guten und den bösen Würmern. Und so wie ich das sehe, werden wir jetzt erst mal eine ganze Weile durch die Gegend laufen."

Rechter Fuß. Linker Fuß. Rechter Fuß... Parker hielt inne als die Kolonne abrupt zum Stillstand kam und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Inzwischen hatte er tatsächlich den Eindruck, seit 40 Jahren mit Moses durch die Wüste zu laufen, auch wenn diese Wüste eher einem holprigen Berghang glich, die 40 Jahre genau genommen nur wenige Stunden waren und Jack bestimmt kein guter Vergleich zu Moses war. Nein, Moses hatte garantiert mehr Sinn für Humor gehabt.

Genau wie Jacob es beschrieben hatte, war das Gelände während ihres Marsches zunehmend uneben geworden. Frank legte den Kopf in den Nacken und begutachtete den Berg an dessen Fuß sie nun standen. Irgendwo hier musste dieser ominöse Tok'ra Stützpunkt sein, sie mussten ihn nur finden. Genau darin lag das Problem: Nicht einmal Jacob hatte ihnen mit Bestimmtheit sagen können, wo sich die versteckten Eingänge zu der unterirdischen Anlage befanden, also blieb ihnen nur eine Möglichkeit: Sie mussten danach suchen, und darauf hoffen, dass es dort überhaupt noch jemanden zu finden gab.

O'Neill musterte ebenfalls eine Weile die Umgebung und wandte sich dann seinen Begleitern zu.

"Wir teilen uns auf. Carter, Sie gehen weiter rechts hinunter am Fuß des Berges entlang. Wir gehen da vorne links lang und treffen sie auf der anderen Seite wieder. Nehmen Sie Davis und drei Leute von SG 12 mit. Der Rest kommt mit mir."

Sam nickte bestätigend und wanderte zielstrebig mit den ihr zugewiesenen Leuten davon. Nachdem sie einige Minuten über staubiges Geröll gegangen waren, verdichteten sich die bisher spärlich angesiedelten Bäume zu einem Wald. Carter seufzte innerlich. Es würde ausgesprochen schwierig werden hier einen verborgenen Eingang zu finden. Gemeinsam mit Major Davis und den verbleibenden Mitgliedern von SG 12 begannen sie, das Gebiet systematisch abzusuchen, jedoch ohne Erfolg.

"Ich komme mir fast vor, wie beim Ostereier suchen", bemerkte Carter trocken.

Davis grinste breit. "Ich bezweifle, dass die Tok'ra den Osterhasen auf ihrem Stützpunkt versteckt halten."

"Man kann nie wissen, bei unseren Missionen sollte man auf Überraschungen gefasst sein", scherzte Sam mit einem verschwörerischen Lächeln.

Das vertraute Sirren einer schussbereiten Stabwaffe jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken. Neben ihr sank Davis betäubt zu Boden und Carter griff ohne nachzudenken nach ihrem Funkgerät, um das zweite Team zu warnen. Als sie bereits das kühle Material an ihren Fingerspitzen fühlte, fraß sich der Energiestoß einer Zatwaffe durch ihre Nervenbahnen und raubte ihr das Bewusstsein.

 

O'Neill kletterte an der steil abfallenden Seite des Berges entlang, dicht gefolgt von Teal'c und den anderen. Vermutlich war der Eingang durch unauffälliges Grünzeug getarnt, also schob er die großen Blätter einer merkwürdigen Pflanze bei Seite, fand dahinter aber nur moosbewachsenen Fels. Plötzlich packte ihn der hünenhafte Jaffa am Arm und deutete mit finsterem Gesichtsausdruck zwischen einigen Sträuchern hindurch auf eine tiefer liegende Stelle am Berg.

 

Jack blickte ungläubig auf das schwarze Ungetüm, das ungeschützt am Abhang des Berges lag. Ein Mutterschiff. Ein abgestürztes und ziemlich demoliertes Mutterschiff, zugegeben, aber dafür vermutlich komplett mit umherstreunenden Jaffa ausgestattet. Das erklärte natürlich einiges und bescherte ihnen zudem ein neues Problem. Nun hieß es nicht nur möglichst zügig die unterirdische Anlage der Tok'ra zu finden, sondern auch, sich dabei auf keinen Fall von den Jaffa erwischen zu lassen. Jack bedeutete Teal'c und den anderen mit einer Geste, dass sie ihre Suche fortsetzen sollten. Sie drehten sich um...

... und sahen sich mit einem guten Dutzend schwer bewaffneter Tok'ra konfrontiert.

"SG 1, nicht schießen!", rief O'Neill in die Runde.

Die Tok'ra waren wenig beeindruckt und zielten unbeirrt mit ihren Waffen auf sie.

"Jacob hat uns geschickt, weil die Kommunikation abgebrochen ist. Ihr wisst schon... Jacob... Selmak..."

 

Der Name eines ihrer weisesten und ältesten Anführer ließ die Anspannung der Tok'ra etwas sinken, also versuchte Jack es weiter. "Euer Schiff im Orbit antwortet nicht, also hat er Aldwin hergeschickt, aber der hat sich offenbar auch in Luft aufgelöst, also sind wir jetzt hier und..."

"Bist du der, den man O'Neill nennt?", unterbrach ihn einer der Tok'ra.

"Bingo! Können wir jetzt bitte diesen Quatsch lassen?"

Der Tok'ra gab ein kurzes Handzeichen, worauf hin seine Begleiter ihre Waffen sinken ließen. Dann erklärte er: "Mein Name ist Dalrik. Bitte folgt uns. Wie ihr seht, ist unsere Situation zur Zeit etwas... unglücklich."

"Unglücklich?!", fragte der Colonel mit hochgezogenen Augenbrauen, als er Dalrik ins Innere des Höhlensystems folgte. "Ich sollte vielleicht mal zum Augenarzt gehen, aber für mich sieht das aus, als hättet ihr da ein abgestürztes Mutterschiff auf dem Dach eures tollen Stützpunkts. Hattet ihr zufällig ein Schild 'Notlanden bitte hier' aufgestellt?"

Dalrik schüttelte irritiert den Kopf. "Aldwin hat mir bereits von dem merkwürdigen Humor der Tau're berichtet."

"Aldwin ist hier?", fragte Teal'c überrascht.

"Nein", antwortete Dalrik mit einem weiteren Kopfschütteln. "Ich frage mich, wieso man ausgerechnet ihn geschickt hat, um uns zu helfen. Wie ich Aldwin kenne, ist er Apophis geradewegs in die Arme gelaufen."

"Apophis???", Das Echo der lautstarken Reaktion hallte von den Wänden wieder.

"Wir empfingen einen Notruf von unserem Schiff im Orbit. Soweit wir wissen, wurden unsere Gefährten von Apophis angegriffen. Kurz darauf brach die Kommunikation ab und das Mutterschiff stürzte hier ab. Leider hat der Aufprall den größten Teil unserer eigenen Systeme lahm gelegt. Wir haben bereits zwei mal versucht, jemanden zum Sternentor zu schicken um Hilfe anzufordern, aber beide Male vereitelten die vielen Jaffa dort draußen unser Vorhaben. Apophis hat offenbar nicht vor, durch das Sternentor zu gehen, bevor er uns nicht gefunden hat."

"Warum muss es immer Apophis sein?", grollte O'Neill.

"Wo liegt das Problem?", erkundigte sich Parker gelassen.

Jack setzte zu einer Antwort an, zögerte dann aber, als er bemerkte, dass ihn auch einige der Tok'ra erwartungsvoll anblickten. "Na ja...", meinte er schließlich, "Sagen wir einfach, er ist kein besonders angenehmer Zeitgenosse."

Parker nickte, und beschloss, später erneut auf das Thema zurückzukommen.

Die Tok'ra führten sie Schritt für Schritt tiefer ins Innere des Stützpunkts. Frank bemerkte staunend, dass der dunkle, grobe Fels rund um sie herum plötzlich durch eine merkwürdig glänzende Oberfläche ersetzt wurde, die offenbar künstlichen Ursprungs war.

"Hey, ist das die außerirdische Variante von Isoliermaterial?", fragte er und klopfte vorsichtig mit den Fingerknöcheln gegen die Wand.

"Wenn man damit Ihren Kopf isoliert hätte, wäre da vielleicht noch ein Stück Hirn drin", gab O'Neill trocken zurück.

Einige der Tok'ra warfen einander unbehagliche Blicke zu, marschierten aber unbeirrt weiter, bis sich der Gang zu einem Raum ausweitete, der außer einigen Tischen keinerlei Mobiliar aufwies.

"Bitte verzeiht die Umstände...", meinte Dalrik, "Durch den Absturz des Schiffes sind viele Gänge und Räume schwer beschädigt. Wir werden den Stützpunkt hoffentlich bald evakuieren können und haben deshalb keine neuen Räume mehr geschaffen, aber wir werden sicher noch irgendwo einen Platz für euch finden."

"Oh, ich bin sicher, die Gästequartiere bei Apophis sind nicht halb so gemütlich", warf Jack ein.

"Ihr habt großes Glück, dass ihr uns überhaupt so schnell gefunden habt", fuhr ihr Gastgeber fort. "Die Eingänge auf der anderen Seite des Berges sind alle verschüttet. Außerdem patrouillieren auch dort ständig Jaffa und..."

"Mist!", O'Neill warf Teal'c einen schuldbewussten Blick zu und griff zum Funkgerät.

"Carter? Carter, melden sie sich! Carter? - Verdammt!"

"Was ist los?", fragte Dalrik.

"Unser zweiter Suchtrupp meldet sich nicht."

"Es könnte an dem Störsignal liegen, das das Mutterschiff aussendet", gab Dalrik zu bedenken.

"Darauf können wir uns nicht verlassen, wir müssen davon ausgehen, dass Carters Team Apophis' Jaffa in die Arme gelaufen ist!", erwiderte O'Neill.

"Na toll!", seufzte Parker und widerstand der Versuchung, sich auf einen der Tische zu setzen. "Und was jetzt?"

"Jetzt...", meinte O'Neill, "müssen wir uns was einfallen lassen."

 

Mit einem Ruck fuhr Carter hoch. "Was?"

"Ganz ruhig, Major, ", erklang die sanfte Stimme von Davis an ihrem Ohr, "wir sind im Inneren eines Mutterschiffes. Der Tätowierung der Wachen nach zu urteilen, gehört es Apophis."

"Apophis? Das hört sich gar nicht gut an!", Sam bewegte vorsichtig Arme und Beine, um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen.

"Es kommt noch schlimmer", Davis griff Sams Arm und half ihr beim Aufstehen, "Riley wurde vor zwei Stunden zum Verhör abgeführt und ich fürchte..."

"Keine Sorge, " unterbrach ihn Sam und versuchte Zuversicht in ihre Stimme zu legen, "der Colonel und die Tok'ra sind sicherlich bereits auf dem Weg."

Davis seufzte resignierend. "Wir wissen nicht einmal, wie stark dieses Schiff besetzt ist. Selbst wenn O'Neill die Tok'ra gefunden hat - ist das noch keine Garantie, dass sie uns hier herausholen können." Wütend hämmerte er die Fäuste gegen die Wand. Nach kurzem Schweigen fügte er an, "Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich meinen Europa-Trip nicht auf Februar verschoben!"

"Mit Sicherheit hatten Sie sich ihren ersten Stargate-Einsatz ein wenig anders vorgestellt und - zugegeben - wir sitzen tief in der Tinte, aber ..." Sam wurde von sich rhythmisch nähernden Schritten der Jaffa unterbrochen. Einen Augenblick später erschienen zwei Wachen in ihrem Blickfeld und deaktivierten das Sicherheitsfeld der Zelle.

Die Stabwaffe auf Davis gerichtet trat einer der Jaffa vor. "Du!", dröhnte seine tiefe Stimme unheilschwanger durch den Raum, "kommst mit!"

Sam blickte in die Runde, sie waren zu viert - gab es eine Chance, die Jaffa zu überwältigen? Ihre Hoffnungen wurden jäh zunichte gemacht, als sich zwei weitere Wachen am Eingang postierten. Sie fühlte den verzweifelten Blick Davis' auf sich ruhen und kämpfte das beklemmende Gefühl in ihrer Kehle nieder. "Nehmt mich mit! Ich bin..."

"Auf keinen Fall!", Unsicherheit und Verzweiflung waren aus Davis Zügen verschwunden und er trat entschlossen vor, "Ich gehe."

Unsanft wurde er von den Jaffa aus der Zelle gezogen und schenkte Carter ein letztes Lächeln. "Leben Sie wohl, Sam!"

 

Die beiden Männer kletterten vorsichtig den Abhang hinunter, jederzeit darum bemüht hinter den spärlich wachsenden Büschen Deckung zu finden. Aufmerksam beobachteten sie ihre Umgebung und näherten sich langsam aber stetig ihrem Ziel.

Parker blickte skeptisch auf das riesige pyramidenförmige Raumschiff, dessen Ausmaße ihn immer mehr beeindruckten. "Und wie war gleich noch mal der Plan?", wandte er sich an seinen Begleiter.

O'Neill schob seine Sonnenbrille nach oben, damit er seinem Gegenüber direkt in die Augen sehen konnte. "Wir gehen erstmal rein", erklärte er Frank mit leichter Gereiztheit in der Stimme.

Frank biss sich auf die Unterlippe und nickte anerkennend. "Klar, toller Plan. Wir gehen erstmal rein. Könnte von mir sein."

"Haben Sie etwas daran auszusetzen?", fauchte Jack.

"Eigentlich würde mich mehr interessieren, ob es einen Plan gibt, wie wir da wieder raus kommen, falls es uns gelingt Carter und die anderen ausfindig zu machen?"

O'Neill runzelte nachdenklich die Stirn, "Nun seien Sie doch nicht so negativ - da findet sich schon was!"

Frank ging hinter dem nächsten Busch in Deckung und steckte sich den Rest seines Schokoriegels in den Mund. "Ach?", antwortete er kauend, "Ihr gehört wohl zu den Typen, die aus jeder noch so aussichtslosen Lage entkommen, weil sich plötzlich irgendwelche Fluchtmöglichkeiten auftun, die es eigentlich nicht geben dürfte, weil sie völlig unlogisch sind?"

"Äh..."

"Schon gut, schon gut, ich hab' nix gesagt. Hauptsache wir kommen irgendwie raus."

Jack blickte noch immer leicht irritiert auf den Chrononauten, der sich genüsslich die letzten Reste Schokolade von den Fingern leckte. "Können wir jetzt weiter?"

Parker war bereits aufgesprungen und einige Schritte voraus. "Also, an mir liegt es nicht..."

O'Neill verkniff sich einen Kommentar und folgte seinem Begleiter nach einem weiteren prüfenden Rundum-Blick.

Geraume Zeit später hatten sie das havarierte Schiff erreicht und standen etwas verloren wirkend vor einer der metallisch glänzenden Längsseiten.

"Und jetzt?"

"Hören wir mit der nervenden Siezerei auf! Siehst du Jaffa?"

Frank entschied sich für ein leicht sarkastisches Grinsen. "Nein, Jack, keine muskelbepackten Kerle mit Stirn-Tattoo in Sicht, wie übrigens seit Beginn unseres Abstieges nicht."

"Starr mich nicht so vorwurfsvoll an!", erwiderte Jack, "Ich kann ja schließlich nichts dafür, wenn die alle gleichzeitig Mittagspause machen! Also Plan B."

"Stopp! Plan A war was genau?"

"Ist doch egal, funktioniert jetzt sowieso nicht mehr!"

"Und Plan B?", hakte Parker unnachgiebig nach.

"Anklopfen."

Jack suchte sich am Rande des Berghanges mehrere große Steine und warf sie nacheinander mit ganzer Kraft gegen die Seite des Raumschiffes. "Hallo, aufmachen! PARKSCHEINKONTROLLE!!!"

 

Die Jaffa führten Davis in einen leeren Raum und stießen ihn unzeremoniell zu Boden.

"Mein Meister...", erklärte einer der Wächter, "wünscht Antworten. Und du wirst sie ihm geben."

Davis blickte sich um, konnte aber beim besten Willen keine Fluchtmöglichkeit entdecken. Seine einzige Hoffnung bestand darin, dass O'Neill die Tok'ra gefunden hatte und dass man ihn möglichst bald aus diesem Schlamassel retten würde. Bevor er wusste, wie ihm geschah, packten ihn zwei Jaffa, schleiften ihn quer durch das Zimmer und banden ihn an einem Pfeiler fest, während die anderen weiterhin mit ihren Stabwaffen auf ihn zielten.

"Mein Meister Apophis bevorzugt die Manipulation des Geistes, aber ich ziehe andere Methoden vor", erklärte der Sprecher der Gruppe und zog ein kunstvoll geschmiedetes Messer mit verziertem Griff hervor.

Davis schluckte schwer. Was immer der Colonel vorhatte, er würde sich hoffentlich beeilen.

 

Jack hoffte inständig, dass er mit seinen Vermutungen richtig lag, und die Ringtransporter des abgestürzten Schiffes nicht mehr einsatzbereit waren. Sollten die Jaffa auf sie aufmerksam werden und durch einen der Notausgänge das Mutterschiff verlassen, hätten die beiden Männer zumindest eine kleine Chance hinein zu gelangen. Außer natürlich die Jaffa benutzten einen Ausgang an der gegenüberliegenden Seite.

"Ich hoffe nicht.", murmelte Jack vor sich hin.

"Was?", kam die unvermeidliche Nachfrage von Parker.

"Dass die Jaffa einen uns abgewandten Ausgang benutzen und plötzlich hinter uns auftauchen."

"Klasse Aussichten, Jack! Diese Unwägbarkeiten hätten dir nicht zufällig ein wenig früher einfallen können?"

O'Neill zuckte nicht sonderlich beunruhigt mit den Schultern. "Naja, bisher liefen uns diese Typen immer direkt vor die Flinte."

"Achja, ich vergaß ..."

Plötzlich öffnete sich wenige Meter entfernt ein kaum sichtbares Schott in der Seitenwand des Goa'uld Schiffes.

 

Die Wunde in seiner Schulter brannte wie Feuer, ebenso wie das asymmetrische Muster von Schnitten und Stichen, das sich über seine Arme und seinen Oberkörper zog. Davis bemühte sich, gleichmäßig ein und aus zu atmen. Diese Jaffa genossen seinen Schmerz, und er würde ihnen nicht die Befriedigung gönnen, ihn um Gnade betteln zu hören.

"Wie lautet der Identifizierungscode von SG 1?"

"Ich weiß es nicht."

Erneut streifte das Messer hart seine Rippen und hinterließ eine blutende Spur. Er hätte den Schlangenwachen einen Vortrag über die neuesten Budgetkürzungen halten können, aber das war offenbar nicht die Sorte von Antworten, an denen Apophis interessiert war. Doch solange sie glaubten, dass er irgendetwas wusste, ließen sie zumindest Carter in Ruhe.

Davis biss sich stöhnend auf die Unterlippe und wiederholte im Geiste sein neues Mantra: Hilfe ist unterwegs. Nicht schreien, nicht betteln. Nur durchhalten.

 

Die Jaffa, die sich eher durch ihre gutgebauten Körper als durch überdurchschnittliche Intelligenz auszeichneten, hatten geglaubt, ein leichtes Spiel mit den zwei lebensmüden Ungläubigen zu haben. Die Unverschämtheit, sich auf solch eine respektlose Weise einem Schiff des Gottes Apophis zu nähern, musste bestraft werden - und zwar von ihrem Herrn höchstpersönlich. Die vier Wachen schritten in fester Überzeugung ihrer Überlegenheit mit schussbereiten Stabwaffen die steile Rampe hinab.

O'Neill und Parker gingen mit hoch erhobenen Händen ein paar Schritte rückwärts.

"Hey Leute, ich dachte wir reden mal ein Wörtchen über die Raumschiff-Verkehrsordnung, bevor ich euch einen Strafzettel verpasse!", rief Jack den bewaffneten Wachen entgegen. Diese verließen völlig unbeeindruckt die Rampe und betraten die ungeschützte Ebene.

Teal'c, Dalrik und die Tok'ra, die sich als Nachhut im Schutz der Felsen herangeschlichen hatten, nutzten die Gelegenheit, die sich dadurch ergab, und eröffneten sofort das Feuer auf die abgelenkten Jaffa.

Als der erste der Hünen zu Boden ging, stürmten Frank und Jack gleichzeitig los, erklommen die Rampe und stürzten sich mit gezogenen Waffen ins Innere des Raumschiffes. Kurze Zeit später erschien Teal'c in der Schottöffnung.

"Diese Jaffa sind keine Bedrohung mehr. Wir können jetzt Major Carter retten!", verkündete er mit ruhiger Stimme.

"Toll!", meldete sich Parker zu Wort, "Aber ich wette, wo die herkamen gibt es noch mehr von der Sorte!"

"Deshalb sollten wir uns beeilen", drängte Jack.

"Ach? Und woher wissen wir, wo wir hinmüssen? Hat der Oberwurm vielleicht Hinweisschilder aufgestellt?"

Jack schob seine Unterlippe leicht vor, "Naja ... Apophis sperrt uns eigentlich immer in dieselbe Zelle..."

"Aber klar doch!", Frank schlug sich die Hand vor die Stirn, "Warum habe ich nicht gleich dran gedacht?", verkniff sich aber nach einem eisigen Blick Teal'cs weitere Sticheleien.

Im Laufschritt eilten sie durch die langen Korridore und erreichten ohne weitere Feindbegegnung sehr bald ihr Ziel.

 

Ein heftiger Schlag gegen die Schläfe tauchte seine Welt für einen Moment ins Dunkel, nur um jäh wieder hell zu werden, als er die Augen aufriss, weil ihn einer der Jaffa packte und schüttelte.

"Ich weiß es nicht.", wiederholte Davis mühsam. Egal, was sie ihn fragten, seine Antwort war stets die Gleiche.

Der Jaffa gab ein lautes Grollen von sich und ließ das Messer mit einem schnellen Schnitt am Bein seines Opfers entlang gleiten. "Unkooperativer Tau're!"

"Er muß doch irgendwas wissen", meinte ein anderer Jaffa.

"Vielleicht sollten wir anders vorgehen..." sprach ein Dritter und löste eine der lodernden Fackeln von der Wand.

Davis schloss die Augen. Er musste einfach nur durchhalten. Sie würden ihn retten. Einfach nur durchhalten...

 

"Colonel!", ein erleichterter Stoßseufzer löste sich aus Carters Kehle, als sie ihren Vorgesetzten in der Tür erblickte.

"Carter!", setzte Jack an.

"Stopp, halt. Können wir die Wiedersehensfeier vielleicht auf später verschieben? Ich meine nur, falls sich eventuell doch noch ein paar Tattoo-Typen hier rumtreiben?"

Nach einem kurzen Seitenblick auf seinen Begleiter, der wohl immer das letzte Wort haben musste, nickte O'Neill.

Sam und die beiden Mitglieder von SG 12 traten auf den Gang.

"Riley? Davis?", erkundigte sich Jack.

Traurig schüttelte Sam den Kopf, "Seit Stunden beim Verhör, ich glaube nicht..."

"Teal'c! Bring sie hier raus, Parker und ich sehen uns noch ein wenig um."

"Tun wir das?", fragte Frank erstaunt.

Jacks vorwurfsvolle Grimasse und Carters hoffnungsvoller Blick ließen den Chrononauten verlegen hüsteln. "Ähem, natürlich tun wir das. Wir sind schon ganz wild darauf!"

Der Colonel gab ihm einen unsanften Schubs in den Rücken und die beiden Männer verschwanden im nächsten Zwischengang.

 

Benommen schüttelte Davis den Kopf, doch seine Sicht wurde nicht klarer. Immer wieder tanzten dunkle Flecken vor seinen Augen, vermischt mit den hellen Flammen der Fackel.

"Das hier ist Zeitverschwendung.", beschloss einer der Jaffa. "Nehmen wir uns die Frau vor."

"Nein!", setzte Davis zum Protest an, doch seine Worte wandelten sich zu einem Schmerzensschrei, als einer der Folterknechte ihm ein Messer tief in die Seite stieß.

Mit Entsetzen wurde ihm klar, dass die Jaffa nicht mehr auf Antworten aus waren. Jetzt, da sie sich sicher waren, dass er ihnen keine Informationen geben konnte, wollten sie ihn sterben sehen.

 

Mit den Waffen im Anschlag betraten O'Neill und Parker Apophis' Gemächer. Schweiß perlte beiden von der Stirn und die Anspannung stand ihnen in die Gesichter geschrieben als sie versuchten, den Goa'uld in den unübersichtlichen Räumen ausfindig zu machen.

"Scheiße Jack", stöhnte der Chrononaut, "das ist eine Falle, ich kann es fühlen. Ich fürchte, wir werden Davis nicht mehr lebend finden, lass uns abhauen."

Obwohl es Jack widerstrebte, musste er Parker Recht geben, sie waren nicht in der Lage Davis zu retten und nach den Überresten zu urteilen, die sie von Riley auf der Brücke gefunden hatten, war vermutlich nichts mehr übrig, was auf Rettung gewartet hätte. Er konnte nur hoffen, dass Carter, Teal'c und der Rest des Teams es mit Dalrik bereits zurück zum Tok'ra Stützpunkt geschafft hatten.

"In Ordnung", Jack nickte, "Raus hier!"

Lautlos huschten sie durch die endlos scheinenden Gänge des Raumschiffes, verständigten sich nur durch Blicke und Gesten und brachten so Deck für Deck unbehelligt hinter sich. Parker schätzte sich glücklich mit Jack einen Begleiter zu haben, der sich an Bord eines Mutterschiffes auskannte wie in seiner Westentasche. Wäre er auf sich alleine gestellt gewesen, er hätte sich in dem Labyrinth der Flure hoffnungslos verirrt. Ein Trupp Jaffa, der in donnerndem Laufschritt durch den Gang eilte, zwang sie Schutz in einem glücklicherweise geöffneten Frachtraum zu suchen.

"Wie weit noch?", erkundigte sich Frank atemlos.

"Zwei Decks.", kam die präzise Antwort des Colonels.

"Es geht zu glatt, Jack!"

"Wäre es dir anders lieber?"

"Nein", antwortete Parker ernst, "aber ich habe einfach ein ungutes Gefühl. Mein Gott, Jack, das ist 'real life' - nichts im Leben geht dermaßen glatt!" Endlich gelang es ihm O'Neills Blick zu erhaschen, die braunen Augen schienen bis auf den Grund seiner Seele zu blicken, aber die Entschlossenheit, die er darin sah machte ihm Mut.

"Wenn ich mich irre, schulde ich dir im nächsten Leben einen Drink!", stieß Jack plötzlich mit dem Anflug eines Lächelns hervor.

Frank grinste breit zurück, "Und mindestens eine Pizza!"

"Klar, warum nicht gleich eine Grillparty?"

"Mit Luxus-Gartenstuhl?"

"Oh verdammt, Parker, übertreib es nicht!", Jack warf einen Blick um die Ecke. "Wir können wieder."

Parker machte eine abwehrende Geste, "Moment. Ich ... Falls wir es doch nicht schaffen...."

Jack grinste, "Klar, ich dich auch..."

Schweigend eilten die beiden Männer weiter. Kurze Zeit später zog ein stechender Geruch durch die Gänge, der sie nach Luft schnappen ließ.

"Was um Himmels Willen ist das?", fluchte Jack.

Parkers Blick wurde ausdruckslos, als die Erinnerung an seine Zeit in Somalia wieder in ihm aufkeimte. "Fleisch", flüsterte er fast unhörbar, "Verbranntes Menschenfleisch." Er seufzte als er in O'Neills aschfahles Gesicht blickte. "Es bleibt uns nichts anderes übrig."

"Ich weiß", kam die stockende Antwort, "wir müssen da raus, auch wenn es uns nicht gefällt."

Rücken an Rücken suchten sie sich den Weg über die steile Rampe nach unten. Der Anblick, der sich ihnen auf der kleinen Ebene vor dem Mutterschiff bot, brannte sich tief in ihre Seelen. Der Kampf musste kurz und heftig gewesen sein. Viele Jaffa waren den Waffen der Tok'ra zum Opfer gefallen, doch auch die Widerstandsbewegung gegen die Goa'uld hatte Verluste zu beklagen. Während Parker ihm den Rücken deckte, schritt Jack vorsichtig zwischen den leblosen Körpern umher und suchte nach vertrauten Gesichtern.

"Oh verdammt", Jack ließ sich auf die Knie sinken und Frank drehte den Kopf, um zu sehen, was sein Begleiter entdeckt hatte.

Teal'cs Leichnam war übersät mit schwarzen Wunden, verursacht durch den Einsatz unzähliger Stabwaffen. Seine Bauchhöhle war geöffnet, der Symbiont verschwunden.

Parker legte dem Colonel die Hand auf die Schulter. "Jack! Du kannst nichts mehr für ihn tun."

O'Neill richtete sich auf und ging wortlos davon. Wenige Meter weiter fanden sie Samantha Carter, ihre einst strahlenden blauen Augen blickten ausdruckslos in den Himmel, aus einer klaffenden Kopfwunde sickerte noch immer Blut.

Mit versteinerter Miene drehte Jack sich um, "Verschwinde, solange du noch Zeit hast."

"Tut mir leid, Jack", Parker machte eine Geste in Richtung der Felsen, die bereits die Tok'ra als Deckung genutzt hatten. "Ich fürchte es ist zu spät."

Apophis lächelte überheblich, als er mit seiner Leibgarde die beiden Männer erreicht hatte. "Hofft nicht auf die Hilfe der Tok'ra. Die wenigen Verräter, die fliehen konnten, können sich nicht auf Dauer vor uns verstecken!"

Parker setzte zu einem bissigen Kommentar an, aber O'Neill kam ihm zuvor. "Eines Tages wirst du dafür büßen..."

"Aber nicht heute, Tau're!"

Apophis' Bewegung war kaum als solche wahr zu nehmen. Das nächste was Frank registrierte war der Dolch der bis zum Heft in Jacks Bauch steckte und der Schmerz, den er in den Augen des schlanken Mannes sehen konnte. Wutentbrannt stürzte er sich auf den Goa'uld. Seine Finger schlossen sich um die Kehle des selbsternannten Gottes, dann wurde ihm plötzlich schwarz vor Augen.

Als Parker wieder zu sich kam, rieb er sich vorsichtig über die Beule, die der Griff der Stabwaffe auf seinem Hinterkopf hinterlassen hatte. Es konnte nicht allzu viel Zeit vergangen sein, denn der Goa'uld stand noch immer selbstzufrieden vor ihm.

"Nun, Tau're", Apophis' Stimme klang höhnisch, "was wirst du tun? Selbst wenn ich dich jetzt gehen ließe, den Rückweg auf deinen Planeten hast du selbst zerstört - wie willst du meiner Rache entkommen?"

"Ohje, Glühauge ist nachtragend - ich hätte es wissen sollen!", Parker zupfte sich theatralisch am Ohrläppchen, während er die andere Hand unauffällig unter sein T-Shirt schob. "Eigentlich hatte ich gehofft, dass ich hier irgendwo ein Taxi kriege. Mal ganz ehrlich, besonders gastlich ist es hier nicht - und ich wollte nicht unbedingt länger stören als nötig... also...", er zuckte fragend mit den Schultern.

Die Augen des Goa'ulds schienen eine Spur heftiger zu glühen. "Nun, dir wird eine Ehre zuteil werden, die dir nicht zusteht. Aber diese Zeiten fordern ungewöhnliche Maßnahmen." Mit einer kleinen Geste winkte er einen Jaffa heran. "Eine unserer Larven braucht dringend einen neuen Wirt."

Parker unterdrückte den in ihm aufsteigenden Ekel, als er beobachtete wie der stämmige Jaffa die glitschige Larve aus seinem Bauch zog und Apophis überreichte.

"Ich muss dich leider enttäuschen, Glühauge, aber ich lass mir von keinem etwas einführen, und schon gar nicht so einen stinkenden Wurm!" Apophis wutentbrannter Blick verschaffte ihm ein letztes Mal das befriedigende Gefühl von Genugtuung. "Tut mir leid - na ja, nicht wirklich - aber ich muss jetzt los!" Mit Tränen in den Augen, aber ein triumphierendes Grinsen auf den Lippen zog Frank die Hand unter dem Shirt hervor, setzte sich die Pistole an die Schläfe und verabschiedete sich von dieser Welt.

 

***
 
Für alle die, die mit diesem Ende nicht leben können ...

 
EPILOG

 

Der vollbärtige Mann ließ den Stift, mit dem er den letzten Bericht unterzeichnet hatte, sinken, um zum Telefonhörer zu greifen. "Ja?"

Er lauschte einen Moment und legte wortlos auf. Nachdem er dreimal tief durchgeatmet hatte, drückte er einen Knopf an seiner Gegensprechanlage. "Sagen Sie Donovan, er soll sich für einen Zeitsprung bereithalten."

 
ENDE

 

***
 
In einer alternativen Zeitlinie

 

"Ok, noch mal ganz kurz zum Mitschreiben", klinkte sich Parker in die Diskussion ein, "die Tok'ra haben einen Stützpunkt auf dem Planeten, von dem die Bombe kam ...kommen wird?"

Sofort erhob sich aus allen Richtungen lautes Stimmengemurmel, aber bevor General Hammond für Ruhe sorgen konnte, trat ein Sicherheitsoffizier ein und steckte dem Leiter des Stargate-Centers eine Nachricht zu. Hammond überflog die Notiz kurz und nickte. "Bringen Sie ihn rein."

Schlagartig verstummte jedes Gemurmel und alle Anwesenden blickten interessiert zur Tür, durch die einen Moment später ein hochgewachsener, dunkelhaariger Mann trat.

"Verdammt", murmelte Parker mit aschfahlem Gesicht.

"Was ist?", O'Neills Miene ließ keine Gefühlsregung erkennen, aber in seiner Stimme schwang leichtes Unbehagen mit, als auch er einen genaueren Blick auf den Besucher warf.

"Das ist mein Partner, Craig Donovan!", mit leichtem Kopfnicken grüsste er den dunkelhäutigen Mann.

O'Neill beugte sich etwas näher zu Parker und flüsterte in sein Ohr, "Und? Wo ist das Problem?"

Den Blick unverwandt auf Donovan gerichtet, lehnte sich Frank ein Stück in Richtung des Colonels, "Seine Anwesenheit hier bedeutet, dass etwas ganz gewaltig in die Hose gegangen ist."

Jack schnitt eine Grimasse. "Und was heißt das etwas genauer?"

Ruckartig drehte Frank den Kopf, so dass sich ihre Nasenspitzen fast berührten. "Das heißt, ich bin tot."

Verwirrt griff Jack nach Franks Handgelenk. "Hm, der Puls fühlt sich für mich aber noch ganz gut an!"

"Jack!", zischte Parker genervt, "Es bedeutet, dass der Frank Parker aus einer anderen Zeitlinie tot ist. Donovan ist hier, um eben diese Zeitlinie zu verhindern."

"Wow", O'Neill überlegte kurz und fügte dann hinzu, "Also, haben Sie Mist gebaut, Frank."

"Halt, halt, halt!", fuhr Parker auf, "Sie haben zuerst Mist gebaut, sonst wäre ich ja wohl nicht hier!!!"

"Ja, aber wenn SIE nicht Mist gebaut hätten, wäre ER nicht hier!", argumentierte Jack hämisch grinsend.

"Vielleicht ist es aber IHRE Schuld, dass ich tot bin, und nun muss mein Partner noch den Kopf dafür hinhalten!"

"Pah!", grollte Jack, "Wer sagt denn, dass Sie alleine tot sind? Womöglich bin ich ebenfalls...", O'Neill verstummte mitten im Satz, als ihm bewusst wurde, was er beinahe ausgesprochen hätte, und sank kreidebleich in seinem Stuhl zurück.

"Ich störe ja nur ungern...", nutzte Donovan die Gelegenheit "... aber wir haben noch einiges zu klären. Laut unseren Informationen war der letzte Backstep beziehungsweise die darauf folgende SG-Mission ein völliger Fehlschlag. Ich bin hier, um das zu korrigieren."

Auch Carter war sichtbar blass geworden. "Das heißt, wir sind alle..."

"Tot, heißt das Wort, Carter. Mausetot", mischte sich O'Neill wieder ein. "Oder glauben Sie etwa, die Regierung schickt noch jemanden los, nur weil ER hier gerettet werden muss?"

"ER ist im Moment noch ziemlich lebendig und hat auch vor, es zu bleiben, vielen Dank", grollte Parker.

"Jetzt geht das wieder los", seufzte Daniel.

"Ja, aber hat ER sich nicht eben noch beschwert...", stichelte O'Neill weiter.

"Colonel O'Neill! Mister Parker!" General Hammond war offenbar am Ende seiner Geduld angelangt. "Halten Sie es für möglich, dass Sie sich lange genug zusammenreißen, damit wir die Besprechung fortsetzen können?"

"Oh, wir haben da unsere eigenen Methoden", warf Donovan mit anzüglichem Grinsen ein.

"Zum Beispiel?", erkundigte sich Sam.

"Na ja, wenn Frank uns zu sehr auf die Nerven geht, dann können wir ihm immer damit drohen, dass wir ihn wieder in die Irrenanstalt einliefern lassen, das hilft normalerweise."

"Irrenanstalt?!" erklang es von mehreren Seiten gleichzeitig.

"Danke." Parker warf seinem Partner einen bitterbösen Blick zu, doch Donovan zuckte lediglich mit den Schultern.

"Wenn ich gewusst hätte, dass Sie aus der Klapsmühle entlaufen sind..." setzte Jack zu einer neuen Debatte an.

"RUHE!", wetterte Hammond in den Raum um jede weitere Diskussion zu unterbinden.

Endlich. Wunderbare, selige Stille. Dann räusperte sich Jacob und blickte den General fragend an. "George, was ist hier eigentlich los???"

Hammond warf einen sichtbar gereizten Blick in die Runde und verkündete dann:

"In Anbetracht der Tatsache, dass hier keine vernünftige Unterhaltung möglich ist, werden wir uns in mein Büro zurückziehen und Sie später informieren. Ich wünsche, dass Sie sich bis dahin einigermaßen zivilisiert benehmen, sofern Ihnen das möglich ist!"

Das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben starrten O'Neill und Parker den beiden hinterher, während Sam, Daniel und Teal'c vielsagende Blicke tauschten.

 
Ende

 
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