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Süße Träume vom Weihnachtsmann

© by Chrissie ()

 

Disclaimer: Akte X gehört Twentieth Century Fox und Chris Carter. Dies ist Fanfiction und ist nur zu nicht kommerziellen Zwecken zu verwenden.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der AkteX-Sektion
Antwort auf den Weihnachts-Challenge 2001

 

Silent night, holy night, All is calm, all is bright
Round yon virgin mother and Child. Holy Infant, so tender and mild,
 
Sleep in heavenly peace.
Sleep in heavenly peace.

 
23.Dezember 1997, 03:00 hrs.

 

Ein lautes Atmen drang durch die Stille der des Raumes. Vor dem Fenster rieselten ein paar Schneeflocken hinab und man konnte auf einen hübsch geschmückten Tannenbaum sehen, auf dem sich im dunkeln langsam ein kleine Schneeschicht bildete.

Ein dunkelhaariger Mann wälzte sich in dem Bett des Zimmers in wilden heftigen Bewegungen ununterbrochen hin und her.

Plötzlich hörte man einen dumpfen Knall. Schweißgebadet riss Mulder die Augen auf und warf einen starren Blick in die Luft, dann auf das Bett, von dem er soeben gefallen war. Was war geschehen? Ein Traum. Ja, es scheint wirklich nur ein Traum gewesen zu sein, realisierte er langsam, doch wieso bloß hörte er es immer noch. Wieso hörte er noch immer dieses Lied.

 

silent night, holy night...

 

Noch immer die gleiche Melodie... mit dem gleichen Text. Er seufzte. Langsam fiel ihm alles wieder ein. Genau um diese Fragen zu beantworten, war er hier.

 

Gähnend begann der FBI Agent sich zu strecken, stand auf und bewegte sich geradewegs Richtung Hotelbar um dann gleich ausgerüstet mit einem Glas und einer Flasche Whisky die Couch anzusteuern. Schlafen könnte er nun eh nicht mehr und um ehrlich zu sein, wollte er das auch gar nicht mehr.

Mulder nippte an seinem Getränk und ließ sich alles noch einmal durch den Kopf gehen. Es schien, als ob sich da eines dieser übersinnlichen Wesen (Weihnachtsgeist, oder Weinachts-"alien" oder was auch immer es diesmal sein mochte), einen Weihnachtsspaß daraus zu machen, die Menschen in deren Träumen zu terrorisieren. Wenn Sie aufwachten, blieb ihnen nur noch der Schreck und das Weihnachtslied, welches dann kein Ende mehr nehmen wollte. Irgendwann sprangen sie dann schlafwandelnd aus dem Fenster, rammten sich ein Küchenmesser direkt ins Herz. Oder schlitzten sich die Pulsadern auf. Heraus kam immer dasselbe. Der Betroffene lag leblos und meist ziemlich blutig am Boden.

Genau dieser Gedanke war es, der Mulder nun doch arg beunruhigte. Bisher endeten 3 der 4 bekannten Fälle so (seinen eigenen noch nicht mitgezählt). Der vierte war der Anlass, dass sie überhaupt da waren. Mr. William Douglas. Es schien so, als ob den Mann diese Melodie in naher Zukunft auch ohne Traum in den Selbstmord treiben würde. Seine Frau hatte sich an die öffentlich Behörden gewandt, da ihr Mann mehr und mehr den Verstand verlor und Mulder musste zugeben, mittlerweile konnte er das sogar gut nachvollziehen.

Mit seiner rechten Hand Griff er nach dem Telefon auf dem Sideboard und tippte eine Nummer ein.

"Scully?" ...

 

 
10:00 hrs, Mr. Douglas' Haus

 

<<<Silent night, holy night, All is calm, all is bright, Round yon virgin mother and Child. Holy Infant, so tender and mild, Sleep in heavenly peace.>>>

 

Mulder musste mit Schrecken seinen Gedanken von letzter Nacht korrigieren, als er mit Scully durch einen Haufen von Scherben in Mr. Douglas' Wohnzimmer stiefelten. Er selbst, war doch der einzige mit diesen Träumen, der noch lebte.

"WOW", meinte Mulder mit einem Blick auf den Fußboden. "Da lernt man seine alltäglichen Alpträume doch zu schätzen."

"Sie sind wirklich überzeugt, dass er das im Schlaf getan hat, Mulder? Der Mann war wahnsinnig und um das heraus zu finden musste man nicht unbedingt Psychologie studiert haben."

"Nach Aussage seiner Frau war er nicht immer irre und glauben Sie mir, Scully, in dieser Situation würden selbst Sie irgendwann durchdrehen", mit diesen Worten begann Mulder sich in den Ohren rum zu fummeln.

"Verdammt, Scully...! Haben Sie einen Walkman dabei?", fragte er ernst und erntete von seiner Kollegin nur ein skeptisches Kopfschütteln.

"Das ist mein voller Ernst Scully. Dieses Lied ist auf Dauer reinste Folter", mit genervtem Blick nahm Mulder die Finger aus den Ohren. Langsam machte er sich wirklich ernsthafte Sorgen. Es war nichts zu machen. Das Lied schien sich in seinen Kopf gefressen zu haben. Er hörte es permanent, ohne Unterbrechung. Wie sollte er sich dabei noch auf den Fall konzentrieren?

 

"Haben Sie etwas gefunden?", fragte Mulder, als sich Scully über ein Sideboard in dem geräumigen, modern eingerichteten Wohnzimmer beugte.

"Ein Buch über einen gewissen Morpheus", antwortete Scully. "Mulder, wissen Sie etwas darüber?"

"Der griechische Gott der Träume. Sohn von Hypnos, Gott des Schlafes. Er erscheint den Menschen in ihren Träumen in der Form eines Mannes. Wenn er einen Traum kontrolliert, erscheint er einem immer wieder, doch hat man immer wieder das Gefühl, er würde nicht in den Traum gehören. Kommt Ihnen das bekannt vor, Scully?", fragte Mulder mit dem Hauch eines Grinsens auf den Lippen.

Seine Kollegin blickte ihn nur mit gerunzelter Stirn an.

"Jeder hat ihn schon mal gesehen", fuhr Mulder fort, "auch wenn man sich dem nicht immer wirklich bewusst ist."

Der FBI Agent begann zu überlegen. War er da gewesen? War er letzte Nacht wirklich da gewesen? Er konnte sich nicht daran erinnern. Er erinnerte sich nur noch an das Weihnachtsfest. An das Weihnachtsfest mit seiner Familie in ihrem alten Wohnzimmer.

Aus dem Radio kam deutlich die Melodie von "Silent Night". Er war noch ein Kind und das verblüffende daran war, das er seinem heutigen Selbst, völlig bewusst war. Er geriert beinahe in Panik als er in den Spiegel blickte und dort das Bild eines kleines Jungen sah, doch der Blick auf seine Eltern und seine Schwester wirkten irgendwie wieder beruhigend. Ja, seine Schwester war da. Samantha war wirklich und wahrhaftig auch in diesem Raum und sie war so real, das Mulder begann daran zu zweifeln ob es auch tatsächlich nur ein Traum war.

Es war alles wie früher. Der Raum, die Möbel, aber vor allem die Menschen, doch irgendwie machte es ihm Angst. Er spürte, dass etwas nicht stimmte und er wollte wieder weg. Zurück in die Realität.

Mit diesem Wunsch legte sich ein Schleier über sein Traumbild. Starr blickte er auf seine Familie vorm Weihnachtsbaum, die langsam verschwamm. Plötzlich trat Blut aus Ihrer Haut und lief schnell an Ihren Körpern hinunter. Mulders kindlicher Körper quetschte sich an die Wand. Das Gefühl ihnen nicht helfen zu können hätte ihn beinahe verrückt gemacht. Als die Menschen vor ihm verschwunden waren, stand Er vor ihm. Ein kleiner, hämisch grinsender Weihnachtsmann, der in seiner Hand ein blutiges Messer hielt. Er wirkte beinahe wie ein Kind, aber vielleicht, war es genau das, was Ihm Angst machte.

 

Mulder fuhr mit seinen Händen durch sein Gesicht um sich wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Kein Weihnachtsgeist? Könnte es wirklich Morpheus sein, der diese Menschen in den Tod trieb?

"Dieser Mann schien auch an Ihren griechischen Gott geglaubt zu haben", meinte Scully, die sich noch immer über das Buch beugte. "Henry Starfield, der Mythologe, der dieses Buch schrieb, stellte die Theorie auf, Morpheus würde in den Träumen eine derartige Macht auf den Menschen haben, dass er vollste Kontrolle über Seele und Körpers des Menschen hat. Hier steht allerdings auch, dass er, sobald der Mensch erwacht, jegliche Macht über ihn verliert."

Gerade hatte Scully diesen Satz zuende gesprochen, da schlug Mulder die Hände über den Kopf zusammen. Ein paar Minuten hatte er es nun geschafft, sich nicht weiter von dem Lied in seinem Kopf stören zu lassen, da kam es gezwungenermaßen wieder zu ihm zurück.

Es war kaum zu glauben, aber so schlimm hatte er dieses Lied zuvor nicht gefunden, doch war es einfach zuviel, dieses Lied wieder und wieder zu hören. Und dann war es so penetrant. Es schien sich richtig in seinen Kopf hinein zu fressen. Mulder sah es förmlich vor sich, sollte er dies überleben, würde er den Rest seines Lebens an Weihnachten auf eine einsame Insel flüchten...

 

 
24.12.1997 ,14 hrs. Auf dem Flug zurück nach Washington

 

<<<Silent night, holy night, Shepherds quake at the sight; Glories stream from heaven afar, Heavenly hosts sing Alleluia! Christ the Savior is born!>>>

 

"Mulder", begann Scully ein wenig genervt, "machen Sie die Musik leiser. Sie unterhalten ja das ganze Flugzeug."

Mit fragendem Blick nahm der FBI Agent seine Kopfhörer ab. "Was Scully. Was haben Sie gesagt?"

"Die Musik. Sie ist ein wenig zu laut", antwortete seine Kollegin.

"Sie ist gerade richtig um nicht einzuschlafen. Vor allem aber um diese Melodie aus meinem Kopf zu verbannen."

"Sie sollten sich wirklich überlegen nicht doch ein wenig zu schlafen, Mulder. Es gibt keine Garantie für einen Alptraum oder einen schönen Traum. Es gibt aber eine Garantie darauf, dass Sie ohne Schlaf irgendwann zugrunde gehen. Keine Angst Mulder, ich passe schon auf Sie auf", sagte Scully mit dem kleinsten Hauch eines beruhigenden Lächelns in ihrem ernsten Gesicht.

Mulder lehnte sich seufzend zurück und schloss ein wenig widerwillig die Augen. Wenn Sie in diesem Fall nicht ein wenig schneller voran kommen würden, würde dies wohl das letzte Weihnachten sein was er erlebte. Immerhin blieb ihn noch die Hoffnung, dass Langly und Co. mittlerweile noch ein wenig mehr über das Phänomen "Morpheus" heraus bekommen hatten und es munterte ihn irgendwie schon ein wenig auf, dass er bisher doch noch selbst aus den aussichtslosesten Situationen heraus gekommen war.

 

~~~Zufrieden öffnete Mulder die Augen und blickte direkt auf einen großen, reichlich geschmückte Tannenbaum. Verwirrte Blicke kreisten umher. Kannte er diesen Raum? Er schien wie das Wohnzimmer von Assistant Director Skinner, doch es war ungewohnt. Ja, es war irgendwie anders. So herausgeputzt.... so auffällig weihnachtlich und das war alles andere als Skinners Art. Das einzige, was er hörte, war das Lied, welches leise aus dem Radio drang, sonst beherrschte die nächtliche Stille den Raum.

Wie selbstverständlich zog Mulder plötzlich ein kleines Päckchen aus seiner Jackentasche und hielt es freundlich lächelnd Scully entgegen, von der er bis vor wenigen Sekunden nicht im geringsten gewusst hatte, dass Sie überhaupt da war. Er spürte, wie seine Hände zu zittern begannen. Mulder wusste, dass irgendwas nicht stimmte. Dass irgendwas falsch war, und er fühlte deutlich, wie Angst in ihm aufstieg, dennoch blickte er noch immer lächelnd auf Scully, die gespannt das kleine Päckchen auspackte. Beinahe noch im selben Moment kam Skinner mit einem breitem Lächeln durch die Küchentür ins Wohnzimmer. In seiner Hand hielt er einen knusprigen Gänsebraten.

Mulder fühlte sich steif. Unfähig sich selbstständig zu tätigen. Er fühlte sich wie eine Marionette, die von unsichtbaren Fäden geführt wurde. Er wollte aufstehen. Aufstehen und so schnell wie er konnte diesen merkwürdigen Ort verlassen, doch es war ihm unmöglich. Stattdessen nahm er, noch immer lächelnd, den Braten entgegen und stellte ihn auf den Tisch.

Das nächste was er spürte, war ein Kuss auf die Wange, von einer Scully, die er nie zuvor gesehen hatte. Die er nie so gekannt hatte. Sie streckte freudig eine Hand von sich und betrachtete das Funkeln des Ringes, den Sie wenige Sekunden zuvor in dem Päckchen von Mulder vorgefunden hatte.

Mittlerweile konnte er die Stille um sich herum beinahe fühlen. Niemand sprach ein Wort. Niemand gab ein Geräusch von sich, was er als mehr als nur unheimlich empfand.

Der FBI Agent wusste nicht wie ihm geschah. Es war alles so unrealistisch und doch hatte er nicht das Gefühl sich wirklich in einem Traum zu befinden. Krampfhaft versuchte er sich immer wieder zu sagen, dass er eigentlich schlief. Immer wieder versuchte er sich daran zu erinnern, worum es ging. Dass er mitten in einem Fall steckte. Dass dieser Traum manipuliert war, doch es gelang ihm nicht. Er ließ sich von der Angst, die diese Situation in ihm aufrief, überwältigen. Er ließ sich von der Welt, in der er steckte, mitreißen.

Mit einem freundlichen und zufriedenen Blick setzte Skinner das Messer an die Gans und begann zu scheiden. Blut trat aus dem Braten hinaus und floss langsam an dem Vogel hinab auf den Tisch. Mulder wollte vor Schreck aufspringen, doch stattdessen lehnte er sich zurück und legte lächelnd seinen Arm um seine Partnerin, als wäre das alles völlig normal.

Urplötzlich standen Teller auf dem Tisch und Skinner bat mit einem Handzeichen seine beiden Gäste sich doch zu bedienen. Mulder beugte sich vor, doch anstatt nach dem Braten, griff er nach blutigen Messer und hielt es an Skinners Kehle.

Mulders Herz raste. Mit aller Kraft versuchte er sich gegen die Macht die ihn führte zu wehren. Er wollte schreien, wollte rennen, doch nichts passierte.~~~

 

"Mulder!!! Mulder!!!!", hörte er plötzlich eine Stimme sagen und riss panisch seine Augen auf. Schweißgebadet blickte in Scullys Gesicht, die sich von ihrem Flugzeugsitz aus rüber gebeugt hatte. "Sie haben geschrieen Mulder. Ist alles in Ordnung?"

"Ich hätte beinahe Skinner ermordet", antwortete er in einem lockeren und erleichterten Ton und lehnte sich mit einem großen Seufzen zurück."Wir sollten uns denke ich ein wenig damit beeilen eine Lösung zu finden. Ich habe so das ungute Gefühl, das nächste Nickerchen wird nicht mehr so gut ausgehen."

"Sind sie sich sicher Mulder, dass Sie das gleiche Problem haben wie die anderen. Ich meine, schließlich sind sie doch nicht einmal schlafgewandelt, oder?"

Mulder nickte. "Wir wissen aber auch nur, das die anderen Opfer in Ihrer Todesnacht schlafgewandelt sind. Von den Malen davor, war nie die Rede, da ging es nur um das Lied."

"Zumindest sollten Sie Morgen ein wenig ausgeschlafen sein, Mulder. Morgen ist Weihnachten und wir sind bei Skinner zur Weihnachtsgans eingeladen."

 

 
24.12.1997, 21.00 hrs., bei Langly und Co.

 

<<<Silent night, holy night, Son of God, love's pure light; Radiant beams from Thy holy face With the dawn of redeeming grace, Jesus, Lord, at Thy birth.>>>

 

Völlig außer Atem platzte Byers zur Tür hinein. In seiner Hand hielt er ein großes, dickes altes Buch, mit dem er nun Mulder vor der Nase herum wedelte. "Das war das einzige, was ich finden könnte. Es ist fast 400 Jahre alt und wurde von einem Engländer namens William Deacon geschrieben. Er widmete sein ganzes Leben, das Phänomen Morpheus zu erforschen. 1645 beging er der Legende nach dann während des Schlafens Selbstmord. Ich hab's von einem alten Freund", berichtet Byers stolz und legte das Buch auf den Tisch. "Ich habe es auf dem Rückweg schon ein wenig durchgeblättert. Angeblich können die "Morpheus-Träume" so weit gehen, dass man irgendwann sein reales Leben nicht mehr von dem Traumleben unterscheiden kann. Wie man ihn dann allerdings wieder los wird, habe ich noch nicht gefunden. Es gibt allerdings auch Forscher, die dieses Phänomen mehr als eine Geisteskrankheit als als Gott oder Dämon sehen."

Langly nahm das Buch in Hand und begann darin zu blättern. "Es wäre doch eine wirkliche Lücke in dem Buch, würde da nicht zumindest drin stehen, dass es keine Lösung gibt."

Hoffnungsvoll nippte Mulder an seinem Kaffee Marke "Herztod" und blickte Langly über die Schulter. "Ich hoffe dieser Schinken hat ein Inhaltsverzeichnis, lange kann ich meine Augen nicht mehr aufhalten."

"Hat es nicht", antwortete Byers, "aber hinten drin ist ein Stichwortverzeichnis, das sollte hilfreich sein."

Während Langly sich daran machte nach den passenden Wörtern im Stichwortverzeichnis zu suchen, ließ Mulder sich zurück in den Schreibtischstuhl sinken.

 

 
12 Stunden später

 

Gähnend öffnete Mulder die Augen und blickte in einen leeren Raum. Vorsichtig begann er sich zu strecken und er schien jeden Knochen in seinem Körper einzeln zu spüren. Warum bloß hatte ihn niemand geweckt? Es gab bestimmt etliche bequemere Stellen zum Schlafen in diesem Raum als den Schreibtischstuhl.

Seufzend stand er auf und blickte sich um. Plötzlich legte er seine Stirn in fragende Falten. Immer noch hatte er dieses Lied in den Ohren, dennoch hatte er eine wunderbare Nacht verbracht. Na ja, mal abgesehen davon, dass er 12 Stunden auf einem Stuhl geschlafen hatte.

Auf dem Tisch lag das aufgeschlagene Buch vom Vorabend und der Blick den Mulder hinein warf, ließ ihn beinahe erstarren. Er sah direkt auf ein Bild des Traum Gottes. Es war ein kleiner, ein wenig kindlich wirkender Mann, dessen Augen über das gesamte Bild strahlten. Er wusste nicht warum, doch dieses Bild wirkte so erschreckend, dass er zurückwich.

Langsam näherte er sich wieder dem Buch und begann den Text auf der nebenliegenden Seite zu lesen.

Sieg über den Gott der Träume bringe nur derjenige, der die Stärke zeigt, der Macht Morpheus' zu widerstehen und ihn in die Tiefen des schwarzen Brunnens zu schicken.

Mit einem schnellen Ruck hatte Mulder das Buch wieder geschlossen. Was sollte das heißen... Ihn in die tiefen des schwarzen Brunnens zu schicken. Wenn dies eine Metapher war, war es eine ziemlich schlechte, dachte Mulder und machte sich auf den Weg Scully aufzusuchen. Er glaubte kaum, dass dieses Buch ihm noch irgendwie weiter helfen würde.

 

 
25.12.1997, 15.00 hrs. Vor Skinners Haustür

 

<<<Silent night, holy night Wondrous star, lend thy light; With the angels let us sing, Alleluia to our King; Christ the Savior is born! >>>

 

Der Duft der Weihnachtsgans zog schon durch die Tür zu Skinners Apartment und Mulder musste zugeben, dass ihm nicht wohl dabei war nun hier hinein zu gehen. Ein wenig zurückhaltend klopfte er an die Wohnungstür.

Nur einen kurzen Moment später stand ein strahlender Skinner in der Tür, eine leichtbekleckerte Schürze um und in der rechten Hand einen Kochlöffel. Irgendwie kam Mulder das alles doch sehr seltsam vor. Wieso bloß kam Skinner auf die Idee sie zum Weihnachtsessen einzuladen?

 

Na ja, dachte Mulder vielleicht möchte er an Weihnachten auch einfach nur nicht allein sein. Mulder versuchte ein wenig fröhlich zu lächeln und betrat mit seiner Kollegin den Raum.

Zumindest, so stellte Mulder erleichtert fest, sah die Wohnung genau so aus wie er es gewohnt war. Kein Tannenbaum, kein übertriebener Weihnachtsschmuck. Es war halt einfach nur Skinners Wohnung mit einem nett gedeckten Tisch im Wohnzimmer.

"Tut mir leid", begann Skinner lächelnd, "ich bin etwas spät dran. Eigentlich sollte die Gans schon auf dem Tisch stehen. Ich bin in 5 Sekunden wieder da." Mit diesen Worten verschwand der Assistant Director vom FBI in seiner Küche.

Mit einem Seufzen ließ sich Mulder auf einen der Stühle am Esstisch fallen.

"Können Sie sich vorstellen das ich hiervon geträumt habe, Scully?", fragte Mulder locker und begann sich umzusehen. Er entdeckte an der Wand einen Spiegel mit geschwärztem Glas, welcher an den Rändern mit goldenen Runen verziert war.

Scully blickte ihn ein wenig schräg an. "Ich hoffe die Gans war gut", meinte sie mit dem Hauch von Humor in Ihrer Stimme.

Es erinnerte ihn zu sehr an seinen Traum als Skinner stolz den Vogel auf den Tisch stellte und er fühlte eine gewisse Spannung in sich als er begann den Braten aufzuschneiden, doch nichts geschah. Ganz im Gegenteil, die Gans sah einfach zu lecker aus. Gerade wollte er sich sein erstes Stück Fleisch nehmen, da beobachtete er wie Skinners Augen auf eine gewisse Weise begannen zu Funkeln und aus seinem freundlichen Lächeln plötzlich zu einem hämischen Grinsen wurde.

Von einer Sekunde auf die andere hatte er sich Scully gepackt und hielt ihr das Messer an die Kehle. Ein starrer Blick fiel auf Mulder. "Sie konnten doch nicht allen Ernstes glauben, ich würde Sie einfach so zum Weihnachtsessen einladen", fauchte er, das Grinsen noch immer auf seinem Gesicht.

Beinahe noch im gleichen Moment begann er langsam das Messer durch Scullys Kehle zu ziehen. Irgendwas zwang Mulder dazu Scully in die Augen zu sehen und er spürte einen beinahe schrecklichen Schmerz mit dem Blick in ihre erschrockenen Augen. Aus irgendeinem Grund empfand er Schuld für das, was gerade geschah, doch er wusste nicht warum. Es tat ihm leid. Es tat ihm so leid um seine Kollegin, die nun in einer Pfütze aus Blut direkt neben ihrem Stuhl lag.

Wenige Sekunden später kam Skinner mit dem blutigen Messer auf ihn zu. Mulder sprang auf und bewegte sich rückwärts zum Fenster. Seinen Blick immer starr auf Skinner gerichtet. Er spürte wie seine Finger zitterten, wie sein gesamter Leib zitterte.

"Warum tun Sie das, Skinner? Was bringt Ihnen das?", fragte Mulder panisch.

"Das wissen Sie doch, Mulder", begann er gehässig. "Freude. Pure Freude. Weihnachtsfreude!"

"Nicht mit mir", meinte Mulder während er hastig versuchte das Fenster hinter sich zu öffnen. In einer schnellen Bewegung drehte er sich um und schwang sich auf das Fensterbrett. Ohne eine weitere Überlegung gab er sich einen Ruck und sprang. Er spürte keine Angst mehr, er fragte sich nicht, ob es richtig war, was er tat. Er sprang einfach die 20 Stockwerke hinab.

Mit jedem Bruchteil einer Sekunde kam der Boden näher, in seinen Ohren dröhnten lauter den je die Klänge von "Silent Night" und plötzlich begann er jemanden zu erkennen. Einen Weihnachtsmann. Einen kleinen kindlich wirkenden Weihnachtsmann der auf seinen Lippen ein hämisches Grinsen trug.

Nur wenige Meter vor dem Boden hörte er plötzlich ein Klingen, ein Handyklingeln. Hastig riss er die Augen auf und fand sich auf seiner heimischen Couch wieder. Nach einem kurzen Schütteln griff er nach seinem Telefon...

< Mulder, Sie müssen Ihre Sachen packen. Wir haben einen neuen Fall. In einem kleinen Ort in Ohio, haben bereits 3 Männer im Schlaf Selbstmord begangen...>

 
Ende

 
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