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Ein Leaper in Sunnydale© by Sam80853 ()
Summers' Haus Sunnydale
Kaum begann sich der Nebel um Sams Augen zu lichten, da spürte er Schmerz in der Magengegend. Er wurde kräftig getreten und fiel nach hinten. Seine Hände ruderten in der Luft und suchten krampfhaft nach Halt. Er berührte etwas Kaltes, Fliesen, auf denen er den Sturz abfing, bevor er zu Boden fallen konnte. Sam hob den Kopf und sah direkt in einen Spiegel. Sein Gesicht wurde blaß, aber das sah Sam nicht. Er sah überhaupt nichts! Unsicher berührte er die Spiegeloberfläche mit den Fingern, versuchte, zu ergründen, warum er sich darin nicht sehen konnte. "Verschwinde von hier!", hörte er die zornige und zugleich erschöpfte Stimme einer Frau. Als Sam den Kopf drehte, erblickte er eine junge Frau Anfang 20 mit langen, blonden Haaren, die in abwehrender Haltung vor ihm stand. Und er erkannte sogleich, warum sie sich so verhielt. Ihr Morgenmantel war zerissen, an ihren Armen zeigten sich Spuren, die sich zu blauen Flecken entwickeln würden und ihre Augen musterten ihn abschätzig und enttäuscht. "Ich sagte, Du sollst verschwinden, Spike!", wiederholte sie mit mehr Nachdruck. Sam konnte den Blick nicht von ihr wenden, er war unfähig sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. 'Hatte er versucht, sie zu vergewaltigen?' "Ich...ich... es tut mir leid....ich", begann er zu stottern und endlich begann sein Körper, ihm zu gehorchen. Langsam ging er auf sie zu, die Arme hielt er eng an seinen Körper gepresst. "Verschwinde!" Sam ließ den Kopf sinken. Was immer hier gerade geschehen war, er konnte es nicht ändern, nicht ungeschehen machen. Die Frau maß ihn geringschätzig als er sich auf die Tür zubewegte. Sam wollte noch etwas sagen, doch ihr Blick brachte ihn zum Schweigen und er verließ das Bad. Hinter ihm fiel die Tür ins Schloß und er konnte hören, wie sie verrieglt wurde. Sams Knie zitterten als er die Treppe hinabstieg. "Oh Boy!"
Sunnydale
Als Sam vor die Haustür trat, schlug ihm kalte Nachtluft entgegen. Es war dunkel, Sterne leuchteten hell am Himmel, doch das alles sah Sam nicht. Mechanisch setze er einen Fuß vor den anderen. Er hielt den Kopf gesenkt, schämte sich für etwas, an dem ihn keine Schuld traf. Sam wusste nicht, wie lange er so durch die Strassen gelaufen war, er hob erst den Kopf, als er über etwas stolperte. Überrascht stellte er fest, dass er sich auf einem Friedhof befand. Was hatte ihn hierher getrieben? Er setze sich auf eine Bank und wartete, wartete auf Al, der hoffentlich bald auftauchen und ihm sagen würde, was hier passiert war. Minute um Minute verstrich doch von seinem Hologramm keine Spur. Sam sah die junge Frau vor sich, den Ausdruck des Schreckens in ihrem Gesicht. "Was hast Du getan?", fragte er sich und plötzlich schien ihm 'sein' Körper zu eng. Die Luft wollte ihm wegbleiben als er feststellte, dass sich seine Brust gar nicht hob und senkte. 'Was?' Er sprang auf, seine Hände fuhren über 'seinen' Körper, suchten nach einem Puls, den er nicht fand. "Ich bin tot!", rief er erschrocken aus. Noch immer glitten seine Hände an ihm entlang, doch alles, was er fühlte, war Kälte. Und plötzlich rief er sich den Spiegel in Erinnerung, der sein Bild nicht reflektiert hatte. "ALLLLLLLLLL!", schrie er in Panik.
Nur langsam beruhigte sich Sam. Das alles konnte nur ein Traum, ein Alptraum, sein. Es gab keine Menschen, die durch die Gegend liefen und nicht atmeten, deren Herz nicht schlug. "Du bist ein Vampir", erklang plötzlich Als Stimme. Sam drehte sich suchend um. Sein Hologramm stand wohl 15 Meter von ihm entfernt und musterte ihn misstrauisch. Um den Hals trug er ein großes Kreuz und eine Knoblauchkette. "Das ist doch Unsinn", rief Sam aus und bewegte sich auf Al zu. Mit jeden Schritt, den er näher trat, ging das Hologramm einen zurück. "Al?" "Ich weiß, es klingt verrückt", sagte Al und behielt Sam im Auge. "Aber das hier ist Sunnydale, gebaut auf dem Höllenschlund und hier gibt es Vampire, Dämonen und andere schreckliche Kreaturen." Sam schüttelte ungläubig den Kopf. Vampire waren keine Menschen, sie bewegten sich in einer Welt zwischen Leben und Tod - er, Sam, war ein Mensch, wie konnte er existieren ohne zu atmen? "Mein Herz schlägt nicht." Er war über diese Tatsache noch immer verwundert. Das Hologramm nickte. "Du bist ein Vampir, ein Untoter." Sam ließ sich wieder auf die Bank nieder und langsam kam Al näher. "Ein Vampir", flüsterte Sam ungläubig. "Dein Name ist William The Bloody, besser bekannt als Spike." "Al", Sam sah seinen Freund an. "Ich atme nicht, wie.... wie..", er fuhr mit den Händen über seinen Körper, konnte nicht glauben, dass er hier saß, sich mich Al unterhielt und nicht atmete. Das Hologramm schüttelte den Kopf. "Ziggy hat keine Erklärung dafür", sagte er. "Ihr sind fast die Sicherungen durchgebrannt als wir herausgefunden haben, dass Du wirklich ein Vampir bist. Betrachte es als einen Scherz von IHM", Al deutete mit dem Finger in Richtung Himmel. "Ich habe versucht, jemanden zu vergewaltigen.", wandte Sam leise ein, seine Stimme zitterte, war kaum noch ein Flüstern. "Nicht Du, Sam", wandte Al sofort wieder ernst ein. "Spike!" "Er ist ein Monster." Das Hologramm musterte seinen Freund aufmerksam. Er selbst verabscheute Menschen zutiefst, die Frauen soetwas antaten, aber er hatte dem Vampir im Waitingroom gegenübergestanden. Er hatte sehen können, wie sehr er unter seiner Tat litt. Spike hatte ihn nicht mit Fragen nach dem wo, wie oder was bedrängt. Er hatte nur wissen wollen, ob es Buffy gut ging und wie er es ungeschehen machen könne. Als Al ihm dann erklärte, dass Sam an seiner Stelle in Sunnydale sei, um etwas zu korrigieren, was nicht hätte passieren sollen, hatte der Vampir geseufzt und gefragt, warum Sam nicht 10 Minuten früher aufgetaucht war. "Du solltest ihn nicht vorschnell verurteilen", sagte Al leise. "Was?", Sam war völlig überrascht. Wie konnte Al Partei für den Vampir ergreifen? Das Hologramm hob über Sams bösen Blick abwehrend die Hände. "Hör Dir erst seine Seite der Geschichte an." "Seine Seite? Al, er hat versucht, sie zu vergewaltigen, er hat keine Seite!", Sam schüttelte entschieden den Kopf. "Sam, beruhige Dich", forderte das Hologramm. Widerwillig ließ Sam sich wieder auf der Bank, von der er erregt aufgesprungen war, nieder. "Was ist passiert?" Al tippte einige Befehle ins Handlink. "Buffy, so heißt die junge Frau", erklärte er, "und Spike waren ein Paar..." "Sie waren ein...?" Diese Tatsache machte es für Sam noch unbegreiflicher. Wie konnte man eine Person, die man vorgab zu lieben, so verletzen? "Naja, nicht ein Paar im herkömmlichen Sinne. Du musst wissen, dass Buffy eine Jägerin ist..." "Eine Jägerin?" "Sie ist DIE Jägerin, eine Vampirjägerin." "Sie jagt also Vampire und gleichzeitig ist sie mit einem zusammen?" Al kratzte sich hinterm Ohr. Die Sache war ganz schön schwierig. "Eigentlich schon", gab er zu. "Gott, Al", Sam fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. "Ich weiß, es ist kompliziert, aber hör mir zu." Sam nickte. "Vor knapp einem halben Jahr wurde Buffy getötet, sie opferte ihr Leben für ihre Schwester Dawn und das Wohl der Menschheit. Willow, sie ist Buffys beste Freundin und eine Hexe, eine sehr mächtige Hexe", fügte er hinzu, "und ihre Freunde holten sie ins Leben zurück. Der Haken war nur, dass Buffy sich sehr wohl fühlte, da wo sie war, und sie mit dem Leben hier nicht mehr zurecht kam..." "Sie war im Himmel?", fragte Sam verblüfft. "Sie sieht es so", antwortete Al. "Jedenfalls wandte sie sich an Spike, der als Vampir ja auch schon die Erfahrung des Todes gemacht hatte und eins ergab das andere." "'Eins ergab das andere'? Al, er hat versucht, sie zu vergewaltigen!" "Ich weiß.", Al schlug die Augen nieder. "Nichts, was sie getan hat, kann das rechtfertigen." "Du hast Recht, Sam. Das will ich auch gar nicht", erwiderte das Hologramm. "Du sollst nur verstehen, dass ihre Beziehung nicht auf Gefühlen aufgebaut war - es ging einfach nur um Macht und Sex, jedenfalls für Buffy." "Jetzt willst Du ihr die Schuld geben?", Sam war entrüstet. Egal, was Al ihm auch erzählte, er würde nicht auf Seiten des Vampirs stehen. ER hatte ihr Gewalt antun wollen, nicht anders herum. Al hob abwehrend die Hände. "Nein, Sam! Alles, was ich sagte, ist, dass die Macht, die Buffy über Spike gewann, zu groß für ihn wurde, übermächtig. Im Gegensatz zu ihr, hat er Gefühle entwickelt - die Sache ist außer Kontrolle geraten." "So kann man es auch nennen", sagte Sam sarkastisch. Das Hologramm ließ resigniert die Schulter sinken. Es würde ihm nicht gelingen, Sam milder zu stimmen. "Warum bin ich hier, Al?" "Du bist hier, um eine klare Grenze zwischen Buffy und Spike zu ziehen, in Freundschaft", er machte ein Pause und fuhr dann fort. "In der Originalgeschichte ist Spike nach dem Vergewaltigungsversuch verschwunden. Er ist irgendwo nach Afrika gegangen...", das Hologramm schüttelte das Handlink doch mehr Informationen erschienen nicht. "Mehr kann Ziggy nicht rausfinden", sagte er. "Ich kann ihr nicht unter die Augen treten", sagte Sam leise. Al hatte Mitleid mit seinem Freund. "Heute kannst Du sowieso nirgends mehr hin", sagte er und blickte in Richtung Himmel. Fragend sah Sam ihn an. "Die Sonne geht bald auf", Al deutete auf den Horizont. "Du bist ein Vampir, Sam, vergiß das nicht! Wir wissen zwar nicht, wie Du in einen Vampir springen konntest, aber Ziggy sagt, dass die Chancen bei 85,3% liegen, dass Du in Flammen aufgehst, wenn Du Dich dem Sonnenlicht aussetzt." Sam schüttelte ungläubig den Kopf. Er konnte noch immer nicht ganz begreifen, wie er in einen Vampir, einen Untoten, hatte springen können. "Ich schlaf doch nicht in einem ... einem...". "Einen Sarg, meinst Du?", Al zog belustigt die Brauen hoch. "Nein." Etwas erleichtert atmete Sam aus. "Deine... Behausung ist dort drüben", sagte das Hologramm und deutete auf eine Gruft am Ende des Friedhofs.
Buffy zitterten auch noch nach Stunden die Knie. Sie hatte hinter Spike die Tür verriegelt und hatte sich am Boden zusammengerollt. Ihre Arme hatte sie ganz fest um ihren Körper geschlungen. 'Spike' Sie hatte nie für möglich gehalten, dass er in der Lage war, ihr so etwas anzutun. Natürlich, er war ein Vampir, ein Monster, aber sie hatte gedacht, dass sie so etwas ähnliches wie eine Beziehung zueinander entwickelt hatten. Sie hatte immer gewusst, wie viel Gewalt in ihm schlummerte, aber in letzter Zeit, seit sie mit ihm schlief, korrigierte sie sich, hatte sich diese Gewalt nicht gegen sie gerichtet. 'Warum?' Sie sah vor sich, wie er das Bad betrat. Er hatten einen ernsten, reuevollen Eindruck gemacht. Er hatte sich für das was er ihr angetan hatte, entschuldigen wollen. Und dann war die Situation plötzlich außer Kontrolle geraten... Sie hatte sich am Boden wiedergefunden mit Spike über sich... Buffy kniff die Augen zusammen. Er hatte gesagt, dass er sie liebe und sie hatte ihn zurück gewiesen. Hatte ihm, wie immer, deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nicht das gleiche für ihn empfand und nie empfinden würde. Wie oft hatte sie ihm das gesagt und wie oft hatte sie sich trotzdem in seine Arme geflüchtet? Buffy schüttelte den Kopf. Sie wusste, dass sie Spike benutzt hatte, ihn und seine Gefühle für sie. War sie zu weit gegangen? Ein Klopfen an der Tür ließ sie aufsehen. "Buffy?", erklang Xanders Stimme.
Sam lief in der Gruft unruhig auf und ab. Hier war es dunkel und kalt, ungemütlich. Wie konnte ein Mensch hier leben, fragte er sich und schüttelte dann den Kopf. Kein Mensch lebte hier, sondern ein Vampir. Er war in einen Vampir gesprungen. Das allein war schon erschreckend genug, aber bei weitem noch nicht alles. Nein. Er hatte versucht, jemanden zu vergewaltigen und nun lag es an ihm, Sam, die Sache wieder geradezurücken. Sam schüttelte den Kopf. Wie sollte er das anstellen? Er fühlte sich so unwohl in seinem Körper, wie nie zuvor. Wie er auch versuchte, die Dinge zu betrachten, er konnte nichts finden, das diesen Spike weniger grausam erscheinen ließ. Natürlich hatte ihn gewundert, dass ausgerechnet Al Partei für ihn ergriff, aber er konnte die Ansicht seines Hologramms nicht teilen. Vielleicht wusste er aber auch nur zu wenig über Spike, um wirklich ein gerechtes Urteil über ihn fällen zu können? Sam ging zur Tür, öffnete sie einen Spalt breit. Draußen schien hell die Sonne. Der Blick über den Friedhof erschien Sam so friedlich. Er war gewillt, hinauszutreten, um die Stille zu genießen und seinen kreisenden Gedanke zu entkommen. Kaum hatte er seinen Fuß über die Schwelle gesetzt, begann sein Schuh zu qualmen. "Au!", rief Sam und schlug die Tür wieder zu. Offensichtlich hatte Ziggy Recht behalten und er hatte die Eigenschaften eines Vampirs übernommen. Fasziniert betrachtete Sam den angesengten Schuh. Sam hatte sich nicht lange genug der Sonne ausgesetzt, um sich wirklich zu verletzten und so starrte er nur weiter auf seine schwarzen Boots...
Buffy hatte Xander, nachdem er herausgefunden hatte, was passiert war, überreden können, nicht gleich zu Spike zu laufen und ihn in Staub zu verwandeln. Nicht nur, dass der Vampir sich nicht hätte wehren können, sie wusste einfach nicht, wie es jetzt weitergehen sollte. Selbst kurz nachdem Spike gegangen war, hatte sie nicht den Wunsch verspürt, ihn zu töten. Buffy verstand sich selbst seit geraumer Zeit nicht mehr. Spike hatte versucht, ihr Gewalt anzutun. Warum hatte sie nicht nach einem Pflock gegriffen und ihn in Staub verwandelt? Warum hatte sie es überhaupt soweit kommen lassen? Buffy schüttelte den Kopf. Sie war schon einmal mit einem Vampir zusammen gewesen. 'Angel' Sie hatte ihn geliebt, so sehr, dass sie beide fast den Untergang der Welt herbeigeführt hatten. Buffy versuchte, ihre Gedanken an Angel zu verdrängen. Angel und Spike waren beide Vampire, aber das war auch schon alles, was sie gemeinsam hatten. Vielleicht war es gerade der Unterschied, den Spike für sie so interessant gemacht hatte? Sie hatte von Anfang an gewusst, zu was Spike fähig war. Es lag in seiner Natur, vielleicht konnte er, selbst, wenn er es wollte, diese Tatsache nicht ändern? Der Chip in seinem Kopf hatte alles für ihn verändert und manchmal glaubte Buffy, dass Spike aus reinem Überlebenswillen einen Weg in ihr Leben gesucht hatte. Dass ihm weniger an ihr und Dawn gelegen war als an seinem eigenen Wohl. Ja. Das wollte sie glauben. Dann konnte sie ihn wenigstens hassen, ihm die Schuld an der ganze Sache geben. Aber das stimmte so nicht, gestand sie sich widerwillig ein. Natürlich, Spike hatte sie betrogen, sie hintergangen und verraten. Aber wenn es wirklich drauf ankam, hatte er an ihrer Seite gestanden. Er hatte Dawn geschützt, als Glory verzweifelt nach dem Schlüssel gesucht hatte. Er wäre bereit gewesen, sein Leben zu opfern, um ihr den Verlust ihrer Schwester zu ersparen. Und er hatte ihrem Wunsch entsprochen, sich um Dawn zu kümmern, als sie gestorben war. Warum? Mit ihrem Tod war auch seine Sicherheit dahin. Niemand, weder Willow, Giles noch Xander hätten ihn vor den Mächten der Finsternis auf Dauer schützen können... Eine einzelne Träne lief über Buffys Gesicht. Entschieden wischte sie sie fort. Sie wollte nicht um Spike weinen, zugestehen, dass sie selbst ein Teil der Schuld traf. Und doch setzte sich bei ihr der Gedanke fest, dass sie sich ihm gegenüber falsch verhalten hatte. Sie hatte ihm nie für seine Hilfe gedankt, sie hatte sie stets wie selbstverständlich angenommen, aber sie hatte nie etwas zurückgegeben...
Sam waren doch noch die Augen zugefallen. Nachdem er die ganze Nacht auf gewesen war und den halben Tag damit zugebracht hatte, einen Sinn in seinem Sprung zu suchen, war er erschöpft auf Spikes Bett gesunken. Tief im Innern fragte er sich noch, ob Untote wohl träumten, als Buffy vor seinem inneren Auge erschien. Er sah sie langsam eine Treppe hinunterkommen. Sie sah verwirrt, erschreckt aus. An ihren Händen zeigten sich Spuren eines Kampfes. Neben ihr stand ein junges Mädchen mit langen, dunklen Haaren, das irgendetwas zu ihm zu sagen schien. Was es war, konnte Sam nicht hören. Seine Augen war ganz auf Buffy konzentriert, ließen sie nicht los. Er fühlte unendlich Freude, als er sie da auf der Treppe stehen sah... Die Freude wurde von Schrecken verdrängt als er erfuhr, was mit ihr passiert war, dass ihre Freunde sie aus dem Reich der Toten zurückgeholt hatten. War sie noch Buffy? Was hatte sie erleiden müssen? Er fand in seinen Träumen eine Antwort auf diese und noch mehr Fragen. Er begriff ihre Unsicherheit, ihren Unmut wieder in dieses Leben gebracht worden zu sein. Und er konnte spüren, was Spike dabei durchmachte. Er war von einem widerwillig geduldeten Gast zu einem Freund geworden. Buffy ging jetzt mit ihren Sorgen zu ihm statt zu ihren Freunden - er war ein Teil ihres Lebens geworden. Aber ein Teil, den sie nur eingeschränkt anerkannte. Sie wollte seine Hilfe, sein Vertrauen und seine Berührung, aber sie wollte nicht, dass es jemand erfuhr. Sie versteckte ihn vor ihren Freunden und sich selbst vor ihren Gefühlen... "Sam!", Al war schon seit einigen Minuten in der Gruft und betrachtete seinen schlafenden Freund. Es schien als würde er träumen und das Hologramm fragte sich, ob es Sam's eigene Träume oder die des Vampirs waren. "Sam!", rief er etwas lauter. Da er als Hologramm seinen Freund nicht berühren konnte, musste er es weiter mit seiner Stimme versuchen. "Al?", langsam kam Sam zu sich. "Na endlich", seufzte das Hologramm. "Ziggy hat neue Informationen", fuhr er fort. "Vielleicht gibt es doch einen Weg, um das Geschehene wieder gut zu machen." Fragend sah Sam seinen Freund an. "Wie?" "Was bist Du bereit, zu riskieren?", stellte er als Gegenfrage. "Al!", sagte Sam widerwillig. Er wollte keine Spielchen spielen. Er wollte nur wissen, was er tun musste, und dann hieraus springen. Al tippte einige Befehle ins Handlink. Schüttelte es kräftig hin und her als die Informationen nicht schnell genug erschienen. "Ziggy sagt, dass ein gewisser Warren heute versuchen wird, Buffy zu töten..." "Wann?", Sam war aufgesprungen, schon auf halben Weg zur Tür. "Sam!", rief ihn das Hologramm zurück. "Wann, Al?" "Uns bleibt noch genügend Zeit", sagte Al mit einem Blick auf seine Uhr. "Zeit genug, damit ich Dir erklären kann, was genau passieren wird." Langsam kam Sam von der Tür zurück und setzte sich. "In der Originalgeschichte", fuhr das Hologramm fort, "wurde Buffy schwer verletzt. Sie schwebte in Lebensgefahr als sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde..." "... ist sie gestorben?", unterbrach Sam. "Nein", antwortete Al. "Ziggy kann nicht genau sagen, was im Krankenhaus passiert ist, aber die Kugel in ihrer Brust verschwand einfach." "Verschwand einfach? Al, das ist unmöglich", als Arzt konnte Sam diese Erklärung auf keinen Fall akzeptieren. Das Hologramm zuckte mit den Schultern. "Als Buffy eingeliefert wurde, steckte eine Kugel in ihrer Brust und dann verließ sie mit ihren Freunden Willow und Xander das Krankenhaus, als wäre nie etwas geschehen." "Willow", überlegte Sam. "Du hast doch gesagt, dass sie eine Hexe wäre...sie...", Sam hielt inne. Er konnte kaum glauben, was er gerade sagen wollte. War ihm tatsächlich der Gedanke gekommen, dass es einem Menschen möglich war, eine Kugel verschwinden zu lassen? "Eine sehr mächtige Hexe", flüsterte Al jetzt und sah sich suchend um. Nur bruchstückenhaft hatte er durch Ziggy erfahren, zu was Willow in Zukunft imstande sein würde und ihn fröstelte. Sie war Buffys beste Freundin, sie hatte sie von den Toten zurückgeholt, ihr das Leben gerettet und doch würde sie in naher Zukunft alles auf Spiel setzen, um Rache zu üben. Al hatte nicht erfahren können, für wen oder warum; was diesen Rachedurst ausgelöst hatte, aber Willow würde sich der schwarzen Magie bedienen und ihre Freunde verletzten. "Möglich, dass Willow ihre Hand im Spiel hatte", sagte er jetzt zu Sam. "Viel wichtiger ist, dass Du die ganze Sache verhindern könntest." Sam nickte. "Aber es wird am Tag passieren", ergänzte Al und deutete auf das Sonnenlicht. Sam dachte an den kurzen Moment, den er seinen Schuh der Sonne ausgesetzt hatte. "Ich wäre verbrannt, bevor ich bei Buffy angekommen bin", flüsterte er. "Nicht unbedingt", wandte das Hologramm ein. "Du könntest Dich mit einer Decke schützen. Für eine Weile funktioniert das", fügte er hinzu, als er Sams zweifelnden Blick sah. "Aber Du musst bedenken, falls es zu einem Kampf mit Warren kommen sollte..." Sam hatte verstanden. "Hast Du mit Spike gesprochen?" Al nickte. "Er würde es tun." Sam hatte geahnt, dass Al das sagen würde. Inzwischen hatte er genug über den Vampir erfahren, um zu wissen, dass es stimmte. Spike würde nicht nur wegen den Geschehnissen gestern alles wagen. Er konnte einfach nicht ertragen, wenn Buffy verletzt wurde. "In Ordnung", erwiderte Sam. "Sag mir, was ich tun soll!"
Buffy fühlte sich so gut, wie seit langem nicht mehr. Sie saß im Garten ihres Hauses, zusammen mit Xander. Ihr bester Freund war gekommen und sie hatten sich versöhnt, hatten sich gegenseitig verziehen und es war so einfach gewesen. Es hatte nicht vieler Worte beduft, sie kannten sich zu gut und zu lange, trotz der Dinge, die in der letzten Zeit auf sie beide eingestürzt waren. Sie hatte ihre Arme um Xander gelegt, hielt ihn fest an sich gedrückt. Sie schöpfte Kraft aus diesem Moment, war überzeugt, dass sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen würde. Plötzlich hörte Buffy Xander ihren Namen rufen, er ließ sie los und für einen Augenblick war sie verwirrt, die Panik in seiner Stimme machte ihr Angst...
"Gott Al, es ist so heiß!", rief Sam als er mit einer Decke über dem Kopf in Richtung Buffys Haus lief. Seine Hände hielten die Decke krampfhaft fest. Er dachte an seinen angesengten Schuh und ihm schauderte, was passieren würde, wenn er seinen Schutz fallen lassen musste. "Wir sind gleich da", sagte das Hologramm und gab hektisch Befehle ins Handlink ein. Sie liefen um die nächste Hausecke und blieben dann wir angewurzelt stehen. Offensichtlich waren sie zu spät, ein Mann mit einer Waffe in der Hand stand im Garten von Buffys Haus.
"Du glaubst, dass Du mir das antun könntest und ungeschoren davon kommst?", schrie Warren und fuchtelte wild mit seiner Waffe. Buffys Gedanken rasten. So schnell wie sie auch war, einer Kugel konnte sie nicht ausweichen, das konnte niemand. 'Xander' Ihr Freund stand etwas hinter ihr, vielleicht würde es ihr gelingen, wenigstens ihn zu schützen...
"Warren!", schrie Sam, ließ seine Decke fallen und stürzte auf den bewaffneten Mann zu. "Sam!", Al starrte entsetzt auf die fallengelassenen Decke zu seinen Füßen. Warrens Gesicht war wutverzerrt und ohne zu zielen begann er seine Kugeln abzufeuern. Buffy hörte ein Geschoss neben sich einschlagen, hinter ihr ging Xander zu Boden, ein Fenster zerbarst und dann sah sie die Mündung direkt auf sich gerichtet. Ihr blieb keine Zeit, um zu reagieren. Sie war so gut wie tot, nichts und niemand konnte ihr jetzt mehr helfen. Sie schloß mit ihrem Leben ab, verabschiedete sich still von Dawn, von ihren Freunden als plötzlich Spike um die Ecke gesprintet kam. Sein schwarzer Mantel stand in Flammen, doch es schien ihn nicht zu kümmern. Als Warren seinen Finger am Abzug krümmte, erreichte Sam den Schützen, riß ihn mit sich zu Boden. Doch es war zu spät. Eine Kugel löste sich, hielt direkt auf Buffy zu. "Nein!", ächzte Sam und schloß die Augen. Sein ganzer Körper schien zu brennen, der Schmerz war unerträglich.
Buffy stand wie erstarrt an ihrem Platz. Sie sah Spike mit Warren zu Boden gehen, sie hörte den Schuß, sah Warren die Flucht ergreifen, doch sie rührte sich nicht. Das Leben ging wie in Zeitlupe an ihr vorbei. Bis ein heftiger Schmerz sie herumriß. Beinahe fassungslos blickte sie auf ihren linken Arm, langsam floß Blut aus der Wunde.
"Al! Al!", rief Sam nach seinem Freund. Sein ganzer Körper stand in Flammen und so sehr er sich auch bemühte, es zu löschen, es gelang ihm nicht. "Sam!", Al musste mit Entsetzen zusehen, wie sein Freund langsam vor seinen Augen verbrannte. "Tu doch etwas, verdammt!", brüllte er in Buffys Richtung. Als hätte Buffy das Hologramm gehört, kam endlich Bewegung in ihren Körper. "Spike!" Sie zog ihre Jacke aus, schlug damit auf die Flammen ein und versuchte dann den Vampir mit ihrem eigenen Körper vor den tödlichen Sonnenstrahlen zu schützen. "Xander?", rief sie und versuchte ihren Kopf in die Richtung ihres Freundes zu drehen. "Xander?!" Als sie aus dem Augenwinkel sah, wie Xander sich vom Boden erhob, dass ihm nichts passiert war, atmete sie erleichtert aus. "Hol eine Decke, Xander!" "Al!", Sams Stimme war kaum noch zu verstehen. "Es tut so weh!" "Halt durch, Sam", bat das Hologramm und kämpfte um seine Fassung.
Buffy schien es wie Stunden, ehe Xander mit einer schützenden Decke zurückkehrte. "Nur noch einen Augenblick, Spike", flüsterte sie. Sie konnte ihn nicht berühren ohne ihn erneut der Sonne auszusetzen und sie wollte es auch nicht, hatte Angst, ihm noch mehr Schmerzen zuzufügen als er offensichtlich schon empfand. Seine Hände, sein Gesicht, alles war mit Brandblasen bedeckt und mit Schrecken musste sie feststellen, dass salzige Tränen ihr Gesicht entlang liefen. Sie konnte ihre Gefühle für Spike nicht deuten, aber sie hatte nie gewollt, dass er solche Schmerzen erleiden musste. Für sie. "Die Decke", sagte Xander endlich neben ihr und Stück für Stück schob Buffy sich von Spike und bedeckte ihn mit dem Stoff. Zusammen trugen sie ihn ins Haus, legten ihn aufs Sofa. "Sam?", Al stand dicht neben der Couch, versuchte an Buffy und Xander vorbei einen Blick auf seinen Freund zu werfen. Langsam öffnete Sam seine Augen. "Al?", flüsterte er. Das Sprechen fiel ihm schwer, zu verbrannt waren seine Lippen. "Ich bin hier, Sam", dem Hologramm liefen Tränen übers Gesicht. "Al?", fragend sah Xander Buffy an. Buffy schüttelte den Kopf, bedeutete Xander, nicht auf die Worte des Vampirs zu achten. Sie streckte ihre Hand aus, wollte ihn berühren, zuckte dann aber zurück. "Ich gehe Eis holen", sagte sie mit zittriger Stimme und ging in Richtung Küche. Dort angekommen, stütze sie sich an der Spüle ab und versuchte tief durchzuatmen. Nur langsam drang in ihr Bewusstsein vor, was gerade eben passiert war. Sie hatte sich mit Xander versöhnt, Warren hatte mit einer Waffe in ihrem Garten gestanden und dann war Spike aufgetaucht. Er hatte sich dem für ihn tödlich Sonnenlicht ausgesetzt, um sie zu beschützen. "Spike!", flüsterte sie und schüttelte den Kopf. Sie hatte keine Ahnung, wo sie mit ihm stand. Er war so widersprüchlich, so voller Gegensätze. Sein Verhalten heute zeigte ihr deutlich, was er für sie empfand, was er bereit war, zu riskieren. Aber gestern. Gestern war er außer Kontrolle geraten. "Buffy?", hörte sie Xander besorgt rufen. "Ich komme!", rief sie, holte Eiswürfel aus dem Kühlschrank, wickelte sie in ein Tuch und eilte zurück ins Wohnzimmer. Dort angekommen, sah sie wie Spike vorsichtig mit den Fingern über sein Gesicht fuhr. Erstaunen zeigte sich auf seinem Gesicht als er feststellte, dass die Wunden zu heilen begannen. Nur langsam, da die Verletzungen schwer waren, aber sie heilten. Ein kleines Lächeln schlich sich auf Buffys Gesicht, der Ausdruck der Verwunderung in Spikes Augen erinnerte sie an ein kleines Kind, so voller Unschuld. "Was?", Sam blickte sein Hologramm an. Al lächelte. "Es hat einige Vorteile, ein Vampir zu sein", sagte er. "Spike!" Sam drehte den Kopf in Buffys Richtung. Erst jetzt sah er, dass sie blutete. "Du bist verletzt", rief er aus und wollte aufspringen, sich um die Wunde kümmern. "Ach das", sagte Buffy leicht, "ist gar nichts." Sie suchte Blickkontakt mit Sam. "Danke!", flüsterte sie. Auch wenn diese Worte leise ausgesprochen waren, wog ihre Bedeutung schwer. Nicht oft kamen Buffy diese Worte über die Lippen, vor allem Spike gegenüber hatte sie sie viel zu selten benutzt, das erkannte sie jetzt. Sam hielt ihrem Blick stand, las die Wichtigkeit in ihren Augen. Sein Kopf neigte sich leicht zur Seite und ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht bevor er wieder ernst wurde. "Es tut mir unendlich leid", sagte er voller Aufrichtigkeit und Buffy glaubte ihm. Sie nahm vorsichtig seine Hand in ihre und drückte sie leicht. "Ich werde für eine Weile fortgehen", sprach Sam weiter. "Ich... wir brauchen Abstand voneinander." Buffy nickte zustimmend. Sie wusste, dass Spike recht hatte. Zu viel stand zwischen ihnen, die Wunden waren noch zu frisch. Vielleicht konnten sie ihre Probleme lösen, irgendwann. Das Knallen der Haustür klang wie ein Gewehrschuß und alle 4 fuhren erschrocken herum. Ohne das sie es bemerkt hätten, war Willow die Treppe heruntergekommen und hatte das Haus verlassen. "Willow?", fragte Xander verwundert und sah Buffy an. Beide sprangen auf, ahnten, dass etwas schreckliches passiert war und eilten ihrer Freundin nach.
"Was ist passiert?", fragte Sam sein Hologramm und erhob sich langsam vom Sofa. Al tippte einige Befehle ins Handlink und hielt erschrocken inne als die Informationen erschienen. "Al?" "Oben", sagte er nur und deutete auf das obere Stockwerk. Langsam erhob Sam sich, mühte sich die Treppen rauf. In einem der Zimmer fand er eine junge Frau am Boden liegend. Eine Kugel hatte sie mitten ins Herz getroffen. "Al!" "Ziggy wusste es nicht", beteuerte Al. "Zu viel Dinge geschehen hier, sie konnte nicht wissen, dass das passieren würde." Sam ging neben der Frau in die Knie, suchte nach einem Puls, den er nicht fand. "Ihr Name war Tara", sagte Al leise. "Sie war Willows Freundin." "Warum, Al?", fragte Sam und Tränen liefen über sein Gesicht. "Ich weiß es nicht", sagte das Hologramm bedauernd. "Hätte ich... ich meine, hätte...?" "Nein, Sam", unterbrach Al. "Du hättest unmöglich beide retten können, selbst, wenn Du es gewusst hättest!" Sam nickte resigniert. "Wie geht es jetzt weiter?" "Ziggy weiß es nicht", das Hologramm schüttelte den Kopf. "Du hast getan, was Du tun solltest. Alles weitere liegt in den Händen von Buffy und ihren Freunden." Sam fuhr sanft über Taras Gesicht. "Es tut mit leid!", flüsterte er und sprang...
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