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Hoheitsvoll thronten die uralten Hafengebäude - ein Vermächtnis derer, die diese Gestade bereits verlassen hatten - über der Bucht. Der Wind, leicht und kühl, durchstreifte rastlos die verlassenen Mauern. Selbst das Meer, in einem wehmütigen Zauber gefangen, liebkoste mit silberglänzenden Wellen die einsamen Stege fast lautlos. Unaufhaltsam näherte sich die Sonne dem Horizont, ihre Strahlen tauchten die Felsen Grey Havens in warmes, goldenes Licht und verweilten dann auf dem letzten verbliebenen Schiff der Elben. Die majestätische Silhouette zeugte von der Anmut seiner Baumeister, die für die Menschheit auf immer verloren sein würde. In nicht allzu langer Zeit würden die Reisenden das jetzt noch leere Deck aus dunklem Holz betreten und gen Westen segeln.
Etwas flog ihn hohem Bogen aus dem Bauch des Schiffes über die Reling und landete mit lautem Klatschen auf dem Wasser. Ein großer weiß-blonder Elb kam an Deck und blickte mit einer Mischung aus Entsetzen und Vergnügen auf den versinkenden Marmorblock. "Galadriels Spülbecken," sagte er vorwurfsvoll zu dem dunkelhaarigen Elb, der sich zu ihm gesellt hatte. "Sie wird nicht gerade glücklich sein." "Du bist dir doch im Klaren darüber, dass wir auch noch etwas Platz für Gandalf und die beiden Hobbits brauchen?" "Keine Sorge, mein Lieber, Gandalf hat mir versichert, dass sie mit leichtem Gepäck reisen werden." "Das bedeutet aber wohl kaum, dass du jede verfügbare Stelle auf diesem Schiff mit nutzlosem Tand belagern musst." "Nutzlos? Elrond, dieses Kaffeeservice ist das Kostbarste, was ich besitze! Denk doch nur, all die schönen Erinnerungen an alte Zeiten! Ich hatte diese Tassen schon, als Gil-galad damals..." "Schon gut," unterbrach ihn der dunkelhaarige Elb. "Wir finden bestimmt noch etwas anderes, das wir wieder ausladen können. Müssen wir unbedingt die ganze Bettwäsche mitnehmen?" fragte er dann. "Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich auch nur ein einziges Stück hier zurücklasse?! Allein an diesem Kopfkissen hier habe ich beinahe fünf Jahre gestickt." "Was ist mit den Pantoffeln?" "Ich kriege immer so schnell kalte Füße..." "Celeborn, du bist ein Elb! Du kannst keine kalten Füße haben!", seufzte Elrond entnervt. "Aber es klang doch zumindest überzeugend, oder?", erkundigte sich Celeborn. Elrond verkniff sich einen weiteren Kommentar, drehte sich um und fiel über eine Kiste aus dunklem Holz, unter deren Deckel mehrere schmale, metallisch-silberne Streifen aus Lametta hervorquollen. "Bitte sag mir, dass das nicht dein Ernst ist." "Wieso denn nicht?" "Vermutlich hast du auch noch die Kugeln eingepackt." "Natürlich. Wenn du mir schon nicht erlaubst, den Weihnachtsbaum..." "Der Baum bleibt hier!", donnerte Elrond. "Aber für deine Sonnenbrille ist Platz..," gab Celeborn schmollend zurück. "Im Gegensatz zu dir habe ich all meine persönlichen Erinnerungsstücke in einer Kiste untergebracht." "Und was ist mit den ganzen Büchern?!" Der blonde Elf deutete auf einen großen Stapel Bücher, die sorgsam im Schiffsrumpf aufgeschichtet waren. "Das ist Kulturgut. Bildung und Wissen für die Zukunft. Und sinnvolle Unterhaltung für die Reise." "Hast du auch an Legolas' Tagebücher gedacht?" "Ich sagte 'sinnvoll'..." "Du hast einfach keinen Sinn für Humor, Elrond." "Was ich nicht habe..," knirschte sein Gegenüber gereizt, "...ist Platz für all diese Sachen. Meine Geduld für deine lästigen Vorlieben ist am Ende!" Damit griff Elrond nach einem kleinen Päckchen und machte Anstalten, es über Bord zu werfen. "Nein, nicht die Lockenwickler! Die brauche ich noch..." "Wir können nicht alles mitnehmen, Celeborn. Entscheide dich, bevor ich es mir anders überlege und dich hier lasse!" "Wir könnten Galadriel hier lassen!", verkündete Celeborn plötzlich. Elrond blickte ihn entgeistert an, doch der blonde Elb nickte nur begeistert und erklärte: "Wenn wir Galadriel hier lassen, haben wir mehr als genug Stauraum." "Das ist keine Option." "Aber du kannst mich doch nicht zwingen, mich von diesen kostbaren Schätzen zu trennen!" Der Herr von Imladris beschloss angesichts des jammernden Tonfalls seine Taktik zu ändern. "Und wenn du sie für einen guten Zweck zur Verfügung stellst?" "Was meinst du?" "Weißt du, da du dich ja stets für die Sitten und Bräuche der Menschen interessierst... Wusstest du, dass die Menschen anlässlich einer bevorstehenden Vermählung Porzellan zu Boden werfen und zu Scherben zertrümmern? Das soll angeblich Glück bringen." "Du erwartest doch nicht wirklich, dass ich dir das glaube, oder?" "Das ist mein voller Ernst, Celeborn. Ich denke, wir sollten dein Kaffeeservice zum Wohle von Arwens Glück opfern." "Glück wird sie brauchen. Seitdem dein Schwiegersohn diese Krone auf dem Kopf hat, scheint er sich für intelligent zu halten. Glaubst du, er verfasst diese heroischen Reden selbst?" "Bedeutet das, du stimmst mir zu?", erwiderte Elrond zähneknirschend. "Natürlich, aber ich werde auf gar keinen Fall mein Geschirr dafür opfern. Galadriels Teeservice eignet sich hervorragend für diesen Zweck. Außerdem hätten wir dann wieder genügend Platz." "Ich glaube nicht, dass sie davon allzu begeistert wäre." "Warum? Dann soll sie halt ihr Gebräu aus meinen Kaffeetassen trinken." "Du glaubst doch nicht wirklich, dass sie Tee aus Kaffeetassen trinkt!?" "Wir müssen mein Pferd noch irgendwo unterbringen!", tönte es aus dem Hintergrund. Elrond und Celeborn drehten sich beim Klang der bekannten Stimme verwirrt um, tauschten einige skeptische Blicke und bedachten den Neuankömmling dann mit einem hämischen Grinsen. Celeborn ergriff das Wort, "Erstens, hast du gar kein Pferd, Haldir,..." "...und zweitens, bist du schon seit dem letzten Film tot!", vollendete Elrond den Satz. Plötzlich erschien Galadriel am Eingang des Frachtraums. "Mit wem redet ihr? Ihr habt doch wohl nicht schon wieder dieses Hobbit-Kraut geraucht?" Die beiden männlichen Elben setzten Unschuldsmienen auf und verschränkten die Arme hinter dem Rücken. "Kommt endlich an Deck, Gandalf und die Hobbits nähern sich." Nachdem seine Frau wieder verschwunden war, wandte sich Celeborn nervös an Elrond., "Bei den Valar... Wo sind meine Taschentücher?"
Mit Tränen in den Augen blickten die verbliebenen Hobbits dem Schiff hinterher, das ihren Freund Frodo in die heiligen Lande der Elben brachte. Eine leichte Brise trieb das Boot aus dem Hafen in die Weiten des Meeres. Obwohl Sam um seinen besten Freund trauerte, gönnte er ihm den tiefen Frieden und die Ruhe, die er bei den Elben erfahren würde. Als er sich zum Gehen wandte, schallte Galadriels Stimme über das Wasser, "Ihr habt WAS mit meinem Teeservice gemacht???"
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