|
Ich weiß, was du letztes Jahrhundert getan hast!© by Chrissie ()
Ein leises Schnarchen störte die Stille des Raumes, in dem man die Hand vor Augen nicht sehen könnte, wenn überhaupt jemandem was daran liegen würde genau dies auszuprobieren. Im Schlaf sind derartige Umstände das Beste was man sich nur wünschen kann. Man kuschelt sich in sein Kopfkissen, freut sich über die Ruhe und schwebt bald in den süßesten Träumen... schwebt in den süßesten Träumen bis einen ein penetrantes Klingeln aus dem Schlaf reißt!
Mit einem Grummeln auf den Lippen wälzte sich nun dieser Mann, an die 30, der wenige Sekunden zuvor ein solch zufriedenes Schnarchen von sich gab, hin und wieder zurück und starrte, nun nicht mehr ganz so zufrieden, an den Ort, an dem er sein Telefon in Erinnerung hatte. Nein! Nein, er wollte einfach nicht. Noch nicht! Nur noch ein Stündchen. Das Klingeln schien ihm immer hartnäckiger zu werden. Noch fünf Minuten. Was kann so ein Klingeln einem doch Kopfschmerzen bereiten, wenn man gerade noch von ein paar netten Hula Mädchen an den Stränden von Hawaii verwöhnt wurde. Ok. Ok. Widerwillig tastete er mit einer Hand nach dem Telefonhörer neben seinem Bett, mit der anderen nach dem Schalter seiner Nachttischlampe und im gleichen Moment in dem das Licht ansprang, meldete er sich mit einem knappen "Ja" am Telefon. Es war wohl mehr ein Grummeln, als ein tatsächliches Wort, aber zumindest konnte man sich nun sicher sein, dass er doch mehr oder weniger noch am schlafen war, als alles andere.
Seine müden Augen wurden langsam immer größer, immer wacher, als er den Worten des Anrufers lauschte. Langsam nahm sein Gesicht eine blassere Farbe an und er ließ den Hörer wieder aufs Telefon sinken. Mit beiden Händen fuhr Parker sich durch seine Haare und ließ sich wieder zurück auf sein Bett fallen. Ein Attentat auf das britische Königshaus... und der Täter war erfolgreich, und wie.
Ein Riesenansturm von Menschen wuselte auf dem großen Platz vorm Buckingham Palast. Jeder geduldig darauf wartend, dass ihre Royal Family bald auf den Balkonen des Schlosses erschien und sie die Windsors zu Ehren des 100sten Geburtstages der Queen Mum bejubeln durften. Jede Menge Reporter standen bereits an den besten Plätzen und hielten ihre Kameras, schussbereit auf das Gebäude, um eines der doch allzu begehrten Familienfotos zu ergattern. Das zu erwartende Blitzlichtgewitter brach los, als sich die Seniorin im "schlichten" rosa Kleid, mit den dazu passenden Schuhen und ebenso farbigen Hut, ihren Landsleuten zeigte. Die Handtasche natürlich nicht zu vergessen. Direkt neben ihr ihre Tochter. Prinz Andrew und Prinz Charles, dessen Lippen eine qualmende Zigarre zierte, etwas weiter an der Seite. Gerade hob die ältere Dame ihre Hand, um all den Gratulanten vor dem Haus zu winken, da schoss in dem Bruchteil einer Sekunde ein Geschoss durch die Luft, riss dem Prinzen die Zigarre aus dem Mund und schlug in der Wand des Gebäudes ein. Beinahe noch im selben Moment drang ein ohrenbetäubender Knall durch die Stadt. Wie ein Kartenhaus stürze das Gebäude auf einmal in sich zusammen, samt der königlichen Familie. Vor dem Gebäude herrschte Entsetzen. Doch ein Mann, optisch etwa Mitte bis Ende 30 lief mit einem ruhigen, gelassenen Gesichtsausdruck an einer Gruppe von Sicherheitsleuten vorbei. Die Hände in seinem langen schwarzen Mantel vergraben, schien er völlig uninteressiert an dem Geschehen und blickte sich suchend um...
Irgendwie kam Parker zumindest etwas an dem Attentat bekannt vor. Der Täter musste wohl Anhänger alter englischen Geschichte sein. In einem Sprung hüpfte er aus seinem Bett, zog sich etwas an und machte sich auf zu dem Meeting, welches soeben einberufen worden war.
Durch den Flughafen Heathrow ertönte lautstark die Durchsage, die vernehmen ließ, dass der Flug von Paris nach London gerade britischen Boden erreicht hatte. Langsam konnte man beobachten, wie die ersten Passagiere das Flugzeug verließen. Hastig holten die hauptsächlich adrett gekleideten Personen, vorwiegend Männer, mit der einen Hand ihre Handys aus den Taschen, die sie ja nun immerhin eine ganze Stunde nicht benutzen durften, während die andere fest den Griff der Tasche ihres Notebooks umfasste. Mitten unter ihnen stach ein Mann, optisch etwa Anfang 40, in einem langen braunen Ledermantel hervor. Mit langen Schritten lief er an den anderen Passagieren vorbei und steuerte Richtung Ausgang. Gepäck hatte er nicht. Es ging alles viel zu schnell und außerdem hatte er eh nicht vor sehr viel länger in dieser Stadt zu bleiben. Immer wieder schweiften seine Blicke suchend nach links und rechts. Noch ein letzter Blick um die Ecke, Richtung Kaffeeautomat, dann war er sich sicher. Er würde sich wohl ein Taxi suchen müssen und darauf warten, dass der Gute sich, nachdem er gut und gemütlich ausgeschlafen hatte und sich bequemte sein Bett zu verlassen, sich bei ihm meldete. Wozu gab es auch Handys? MacLeods Blick wurde immer grimmiger. Wie hat er bloß glauben können dass sein "guter, alter Freund" sich um diese Zeit aus den Federn bemühte, um ihn vom Flughafen abzuholen, wo er ihn doch unbedingt und auf der Stelle sehen wollte. Während er bereits seit 04:00 auf seinen Beinen war, schwebte der alte Mann wahrscheinlich noch immer in den süßesten Träumen.
Zwei Schritte später schnellte MacLeods Blick dann plötzlich nach oben. Er spürte einen Unsterblichen! Sollte sich Methos tatsächlich doch noch aus seinen Feder erhoben haben, um ihn abzuholen? Mit suchenden Blicken ging der Highlander weiter und nur wenige Sekunden später erblickte er ihn. Einen Mann, etwa Mitte 40, kurzes blondes Haar, gekleidet mit einer beigen Bundfaltenhose, einem beigen Pulli von Hugo Boss und einem langen beigen Mantel. In seiner Hand hielt er ein Schild, auf dem in großen Buchstaben sein Name geschrieben stand. MacLeod runzelte die Stirn, - wo es Unsterblichen doch für gewöhnlich immer so schwer fällt sich zu finden!! Ansonsten wirkte dieser Mann aber recht friedlich und MacLeod ging schnellen Schrittes auf ihn zu. Sofort ließ der Fremde das Schild sinken und reichte ihm die Hand. "James Harris", stellte er sich in einem außergewöhnlich höflichen Ton vor und streckte dem Highlander seine Hand entgegen. Grübelnd darüber, wen Methos ihm da geschickt hatte, erwiderte Duncan mit einem deutlich fragenden Blick den Handschlag. "Ähm,...", begann Harris ein wenig schüchtern, " Adam hatte mich gebeten, Sie abzuholen. Er lässt sich entschuldigen, er hatte noch etwas wichtiges zu tun." Ja, schlafen und gemütlich Frühstücken!, dachte MacLeod, behielt aber doch den nötigen Rückhalt, dies für sich zu behalten und folgte dem fremden Mann.
Er war zwar herausragend nett und freundlich, irgendwas kam ihm an diesem Unsterblichen aber doch komisch vor. Er hatte ein so durchdringendes Gefühl, dass mit ihm irgendwas nicht stimmte, wobei er sich fragte, ob dies bei einem Freund von Methos ungewöhnlich sei, denn bisher waren die doch alle irgendwie nicht ganz normal. "Kennen Sie Adam schon lange?", begann Harris, in einem scheinbar verzweifelten Versuch einen Smalltalk zu beginnen. Doch bevor MacLeod auch nur mit einem Wort anfangen konnte, legte der Fremde los: "Wissen Sie, im Grunde genommen habe ich ihn gerade erst kennengelernt. Ein netter Mann, finden Sie nicht, Mr. MacLeod?", schmetterte Harris in einem Tempo heraus, das man beinahe schon Schwierigkeiten hatte ihn zu verstehen. "Mmm", begann MacLeod, doch weiter kam er mit seiner Antwort nicht. "Ich habe ihn an der Uni durch einen Freund kennen gelernt", fuhr er im gleichen Tempo fort, während beide in einen neueren, blauen Nissan Micra stiegen plapperte er beinahe ohne Luft zu holen weiter. MacLeod seufzte und hoffte innig, dass sie schnell ihr Ziel erreichen, denn LANGE würde er das hier bestimmt nicht mehr durchhalten.
Mit viel Anstrengung versuchte MacLeod seine Gedanken von Harris' Worten abzulenken und sich auf Methos' Anruf zu konzentrieren. Es war doch recht selten, dass Methos ihn anrief und ihn um einen schnellen Besuch batt. Meistens war es doch eher umgekehrt, wobei er doch irgendwo sogar das Gefühl hatte, dass Methos bei ihren letzen Treffen immer abweisender wurde. Gut! Abwarten, es würde sich sicherlich bald alles herausstellen. Gerade hatte er diesen Satz zuende gedacht - ...und Harris war noch immer dabei, frei fröhlich von diversen Alltagsgeschichtchen zu erzählen... - da fiel MacLeod ein schwarzer Mercedes hinter ihnen auf, und irgendwie hatte er das Gefühl, dass er schon eine ganze Weile da war. "Drücken Sie aufs Gaspedal", sagte MacLeod, laut genug um Harris' Geplapper zu übertönen. Der sah ihn darauf hin, überrascht über die Unterbrechung, fragend an. "Und sehen Sie nicht nach hinten", fügte er noch schnell hinzu. Harris' Blick wurde fragender und MacLeods Stirn immer runzliger. "Anscheinend wollen uns ein paar Freunde von Ihnen auf die Pelle rücken, nun drücken Sie schon aufs Gas", meinte er dann aber doch relativ ruhig. Harris nickte ihn nur kurz an, blickte starr auf die Straße und innerhalb kurzer Zeit schoss der Micra nur so über den Asphalt. MacLeod hätte nie gedacht, dass sich so viel aus dem kleinen Wagen herauskriegen lassen würde, doch irgendwie war dies schon eine ziemlich wacklige Angelegenheit. Mit jeder Kurve stieg das Gefühl, das sich dieses Auto jeden Moment in seine Bestandteile zerlegen würde.
"Was wollen die von Ihnen?", fragte der Highlander. "Kann ich ihnen nicht sagen", antwortete Harris hektisch und blickte verbissen auf die Straße, seinen Fuß noch immer wie erstarrt auf dem Gaspedal. Ein kurzer Blick nach hinten bestätigte MacLeods Verdacht, der Mercedes hing immer noch dicht hinter ihnen ... und er wurde schneller. Nur wenige Minuten später war das Auto direkt neben ihnen.
Mit einem Rumms krachte der Wagen gegen die Seite des Nissans. Hecktisch riss Harris das Lenkrad hin und her. Wieder ein Stoß. Der Unsterbliche schien mehr und mehr die Kontrolle über den Wagen zu verlieren. Erneut donnerte der Mercedes gegen das Auto und nur einen kurzen Moment später bekamen Duncan und Harris nur noch mit, wie das Auto zur Seite schleuderte und der Wagen in einem unbeschreiblichen Tempo den Abhang an der linken Seite der Fahrbahn, etwa 20 m steil hinunter raste. Wo sie dann von einem dicken Baum gestoppt wurden.
Langsam kam der Highlander wieder zu sich. Plötzlich realisierte er, was geschehen war, und sein Kopf schoss nach oben. Leichter Rauch zog durch den Wagen und MacLeod konnte nicht wirklich gut sehen, doch die Flammen, die hinten am Auto loderten, waren nicht zu verkennen. Vorsichtig versuchte er sich aus seiner Lage zu befreien. Die Beine aus dem zerquetschten Vorderteil gezogen, mit seinem Schwert die Tür auf gehebelt und draußen war er.... doch wo war Harris? Weder war er im Auto, noch war er draußen. Er war weg!...
* * * * * * * *
Irgendwie überkam MacLeod plötzlich ein ziemlich komisches Gefühl. Er hob den Kopf und blickte sich um. Beinahe noch im gleichen Moment hörte McLeod einen lauten Knall und alles, was er dann sah, war ein riesiger Feuerball, der in einem rasenden Tempo auf ihn zu schoss. Der Motor! Das musste ja passieren, doch der Highlander sah ein, dass diese Feststellung doch nun einige Minuten zu spät kam.
Langsam erlangte MacLeod das Bewusstsein wieder. Es war wirklich kalt, zumal er spürte, dass er eindeutig zugedeckt war. Der Boden, auf dem er lag, schien eisig und irgendwie waren seine Füße ziemlich kühl. Vorsichtig öffnete er seine Augen. Er musste schlucken. Den Raum, in dem er sich befand, nannte man im Volksmund meist schlicht "Leichenhalle"!! Wie lange war ihm etwas derartiges schon nicht mehr passiert? Es dürfte gut ein Vierteljahrhundert her gewesen sein, das er zum letzen mal auf diese Art erwacht war, zumal die "Schublade" beim letzen mal geschlossen gewesen war und er doch noch eine Weile länger gebraucht hatte, bis er realisiert hatte, wo er war. Das schlimmste daran war das Problem aus diesen Räumlichkeiten wieder heraus zu kommen, vor allem in einem solch netten, knappen Hemdchen. Doch bisher hatte er dies doch fast immer geschafft. Mit einem Ruck setzte der Highlander sich auf und streifte sich das Zettelchen vom Fuß. Gerade wollte er das erste Bein auf den Boden setzen, da sprang auf einmal die Tür des Raumes auf. MacLeods Herz blieb beinahe ein weiteres Mal stehen. Starr blickte er auf den Mann im weißen Kittel, der nun direkt im Eingang zur Halle stand. "Du guckst, als hättest du ein Gespenst gesehen", hörte er eine ihm bekannte Stimme, mit flachem Ton sagen. Methos! Dem Highlander fiel ein Stein vom Herzen. Kein aufgeregter Gerichtsmediziner, dem er nun hätte eine glaubhafte Geschichte auftischen müsste warum er nicht brav, regungslos und vor allem auch mausetot in seiner Schublade lag und nur so auf seine Obduktion wartete. Der alte Mann warf MacLeod einen schrägen Blick zu. "Was ist? Willst du warten, bis Quincy kommt, um dich zu obduzieren?" Der Highlander antwortete nur mit einem glatten, ernsthaften "Nein", und obwohl ihm noch etliche Fragen auf den Lippen brannten, sprang von seiner Pritsche und, ... und bemerkte, dass er im Grunde genommen mit gar nichts bekleidet war. Mit gerunzelter Stirn sah er zu dem anderen Unsterblichen hinüber. "So??!!?", fragte er mit einem Hauch von Ironie in der Stimme. Er war sich sicher, Methos konnte einfach nicht vergessen haben, dass man Leichen in der Regel ihrer Kleidung entledigt. Oder doch?! Der alte Mann grinste ihn an. "Das kann nicht dein Ernst sein", meinte Duncan im tiefen Ton. "Nun komm schon, oder wartest du noch auf die Erlaubnis des zuständigen Pathologen? Der müsste jeden Moment hier herein schneien. Du bist doch sonst nicht so zimperlich." Mürrisch hängte der Highlander sich das Laken über die Schlultern und folgte dem anderen Unsterblichen. Es ist sicherlich überhaupt nicht auffälig nur mit einem Laken bekleidet geradewegs aus der Leichenhalle hinaus, durch die Flure eines Krankenhauses zu spazieren. Er sah schon förmlich die Schlagzeilen vor sich. "Wunder?! Mann nach tödlichem Autounfall auferstanden." MacLeod konnte den Gedanken partout nicht akzeptieren, dass der alte Mann ihn tatsächlich fast nackt aus dem Gebäude bringen wollte. Gut, Methos musste wissen, was er tat, schließlich könnte es genauso gut heißen "Wunderheiler erweckt Toten zum Leben". Würde ihn sicherlich etwas beleben, sein Foto auf einmal auf der Titelseite zu sehen ...!
"Was ist eigentlich mit Harris?" fragte Methos beim Verlassen des Raumes. "Harris?!", meinte MacLoed, in einem leicht energischem Ton. "Dein guter alter Freund ist daran schuld, dass wir nun hier sind," fuhr er in einem noch lauteren Ton fort. "Was hast du ..." "Schhhh", surrte Methos und beinahe im selben Moment riss er den Highlander durch eine Tür, die direkt neben ihnen war. MacLeod blickte in dem stockdunklen Raum, den Hauch eines Schreckens noch in den Knochen, dahin wo er nun Methos vermutete. "Was?!" "Visite", erwiderte der alte Mann, der noch kurz zuvor Stimmen und Schatten am Ende des Ganges wahrgenommen hatte, die einfach nur von Ärzten stammen konnten. Wenn man mal zu lange mit Ärzten zusammen war, kannte man sich damit aus. Vor allem aber, wenn man selber oft genug einer war!
Beide atmeten einmal tief aus und gerade als Methos die Türklinke in die Hand nahm, um zu sehen, ob die Luft wieder rein war, hörte er den Highlander aufeinmal laut schlucken ... Irgendwie wurde dem Highlander von diesem eigensinnigen Geruch in diesem Raum ein wenig übel und er stützte sich mit einer Hand auf einem Behälter, der direkt neben ihm stand ab. Doch das, was er dann fühlte, löste irgendwie Unwohlsein in seinem Inneren aus. Er hielt etwas in seiner Hand. Etwas kaltes, weiches und er glaubte an diesem etwas genau 5 Finger spüren zu können. MacLeod schluckte ein weiteres mal und ließ das Körperteil ruckartig zurück in den Behälter fallen. Auch wenn er es in seinem 400 Jahre langen Leben schon öfters mit abgetrennten Körperteilen zu tun gehabt hatte, dies war doch eindeutig etwas anderes! "Laß' uns gehen", meinte der Highlander klamm und nacheinander verließen beide aufmerksam den Raum.
"Miez, miez, miez!" Auf allen Vieren krabbelte Parker auf dem Flur herum und schaute unter sämtlichen Tischen und anderen Versteckmöglichkeiten nach. Dieses Vieh konnte sich doch nicht in Luft aufgelöst haben! Er konnte es immer noch nicht glauben, dass er sich tatsächlich darauf eingelassen hatte und der Lohn dafür waren nichts weiter als ein Paar zerkratzte Hände. Irgendwie hatte er die ganze Zeit schon das Gefühl gehabt, das dieses Tier ihn nicht leiden konnte. Wenn sie nicht gerade seine Hände im Angriff hatte, fauchte sie ihn aus tiefster Lunge an oder ignorierte ihn gleich, wobei ihm letzteres doch noch am liebsten war. Wie auch immer, Olga wäre sicherlich nicht begeistert, würde sie hören, dass ihr Kollege ihre Pflegekatze einfach so verloren hatte. "Warum sitzen Sie unter einem Tisch und miauen, Mr. Parker?", hörte er eine ihm bekannte Stimme, in einem leicht, aber doch eindeutig, genervtem Tonfall von oben herab sagen. "Sie habe hier auch nirgends eine gutgebaute, grau-blaue Katze durch die Gänge streunen sehen, Mr.Ramsey? Nein?", fragte er die eine der beiden Gestalten, die nun direkt vor ihm standen, mit einem doch leicht verzweifelten Gesichtsausdruck. "In diesem Gebäude sind keine Haustiere erlaubt, Mr. Parker!", erwiderte der ebenso genervt. "Sie lassen ihren Hund doch auch ihr rumstreunen", begann er verständnislos. "Es ist Olgas Katze. Ähm, die ihrer Freundin, ich sollte sie nur füttern", erklärte er in dem doch allzugerne benutztem "Damit habe ich nichts zu Tun" Ton. Ramsey verdrehte noch einmal wenig begeistert die Augen und wechselte das Thema. "Talmadge hat gerade mit der NSA-Führung gesprochen. Der Tod der britischen Königsfamilie könnte unerwartete Auswirkungen haben. Der Zeitsprung ist genehmigt." "Gut!" "Nicht wirklich!" mischte sich der Dritte im Bunde ein. "Es liegen starke temporale Unebenheiten in der Luft. Wir können nicht sagen, wie der Zeitsprung ausgehen wird. Es wäre ein bedeutender Grund, den Sprung abzublasen." "Ich mache es!", sagte Parker geradewegs und erntete somit einen ernsten, besorgten Blick von Ballard. Frank zuckte mit den Schulten. "Es ist mein Risiko!" Er musste zugeben, irgendwie musste er bei dieser Entscheidung doch weniger an die englische Königsfamilie als an Olga, die Katze und wie lieb ihm doch sein Leben war, denken. Er konnte sich bildlich vorstellen, wie Olga ausflippen würde, wenn sie erfuhr, dass ihre neugewonnene Liebe einfach zwischen seinen Beine durch und hinaus in die weiten Räumlichkeiten des NSA Backstep-Projects war. "Dies kann ungeahnte Folgen haben", meinte Ballard besorgt und begann nervös an seiner übergroßen Fliege zu zupfen. Bla, bla, bla. Immer dasselbe, dachte Parker und sagte: "Ich weiß, schließlich wäre es nicht das erste Mal."
Plötzlich ließ sich aus weiterer Ferne ein leises Schluchzen wahrnemen. Nein, die Katze war es eindeutig nicht, dafür hörten sich die Laute viel zu menschlich an. Die Männer sahen sich fragend an, zuckten mit den Schultern und begannen, den Geräuschen, die geradewegs auf sie zuzukommen schienen, entgegen zu laufen. Irgendwie hatte Parker ein flaues Gefühl im Magen, was mit jedem Schritt immer unangenehmer wurde. Am Ende des Ganges war er kurz davor wieder umzudrehen, doch da waren sie auch um die Ecke gegangen. Alle blieben abrupt stehen und blickten verdutzt auf das Bild, das sich ihnen bot. Olgas Blick stach förmlich auf Parker zu. "Es ist alles Ihre Schuld!", fauchte sie ihm in einem weiteren tiefen Schluchzen entgegen. In ihren Händen hielt sie eine bewusstlose Katze, an deren Rücken eine deutliche Bisswunde zu erkennen war. Parker mußte schlucken. Scheiße. "Sie sollten sie füttern, Mr. Parker", schluchzte sie weiter "Nicht... einem Hund zum Fraß vorwerfen." "Ich wollte sie doch...", begann er sich zu verteidigen, doch Olga ging mit schnellen Schritten, ohne Frank noch einen Blick zu widmen, an ihm vorbei. Sein Blick wich zurück und fuhr zu den anderen Männern hinüber. "Die Wunde läßt sich doch behandeln, oder?", fragte er in einem doch recht skeptischem Unterton. Als Antwort bekam er nur ein paar verzogene Blicke und ein Achselzucken.
Nur einen kurzen Moment später sprintete er auch schon in die Richtung, in die seine Kollegin vor nur wenigen Sekunden verschwunden war. "Olga!", begann er ihr hinterher zu rufen "Olga warten Sie! Es ist alles nur ein Mißverständnis." Plötzlich hörte er den Knall einer Tür. Olgas Tür! Parkers Schritte wurden langsamer und kurz vor dem Zimmer der Russin blieb er stehen. Warum bemühte er sich eigentlich? Würde der Zeitsprung durchgeführt werden - und das würde er! - war Miezie wieder ein quietschfideler Stubentiger und Olga nicht mehr sauer auf ihn. Ein Zeitsprung kann einem wirklich ungeahnte Vorteile verschaffen. Parker seufzte tief, schüttelte seinen Kopf und klopfte an die Zimmertür. Nichts tat sich. Er klopfte ein weiteres Mal. Einen kurzen Moment später bewegte sich die Tür ein kleines Stück nach vorn und eine kleine Stupsnase schob sich durch den Spalt. "Was?", fragte eine agressive Stimme. Ein Grinsen zog durch Parkers Gesicht. Es war einfach nur zu niedlich, wenn Olga sich aufregte! "Sie ist mir entwischt, Olga! Sie war einfach zu schnell! Wir finden bestimmt einen guten Tierarzt, der das wieder hinkriegt."
* * * * * * * *
"Mir ist kalt", sagte Duncan, große Augen auf den Mann neben ihm im Auto gerichtet. Es war ein regelrechtes Wunder, dass sie auf diese Art und Weise aus dem Krankenhaus hinaus gekommen waren. Als sie sich weit genug von der Leichenhalle entfernt hatten, waren sie an Schwestern, sogar an Ärzten vorbei gekommen und alles, was sie taten - wenn sie denn was taten - war Methos freundlich zu entgegen, zu nicken und ihm einen "Guten Tag, Herr Doktor" zu wünschen. MacLeod seufzte, aber wunderte ihn das noch? Eigentlich sollten ihn derartige Dinge bei dem alten Mann nicht mehr wirklich überraschen. "Du hast doch ein Tuch", antwortete Methos, den Hauch eines Grinsens auf dem Lippen. Der Highlander runzelte die Stirn. "Komm schon, Methos, das kann doch nicht dein Ernst sein. Ich kann in diesem Aufzug doch keine Stadtrundfahrt durch London machen!" Die Antwort, die er auf seine Frage bekam, war nichts weiter als ein kurzes Achselzucken und ein weites Grinsen auf den Lippen seines Platznachbars. Er wusste wirklich nicht, warum er sich darauf eingelassen hatte. Er kannte Methos. Na ja, nicht wirklich. Zumindest aber wusste er, dass er ein verdammtes Schlitzohr war und dass er manchmal schon das Bedürfnis hatte, dem alten Mann nach seinen makaberen Spielchen einfach mal eine runter zu hauen, aber er war doch auch irgendwo sein Freund. Ihm war schon bewusst gewesen, dass Methos ihm keinen Begrüßungskuchen backen würde, aber mit so etwas hatte er nun auch nicht gerechnet. Urplötzlich bog Methos ab und fuhr auf einen Parkplatz. Einen Parkplatz, der ohne Zweifel Teil eines Autohändlers war. MacLeod sah den anderen Unsterblich ungläubig an. "Was tun wir hier?", fragte er, mit einem mittlerweile leicht verzweifeltem Ausdruck in seiner Stimme. "Mein Wagen ist kaputt. Ihr habt ihn zu Schrott gefahren", antwortete der alte Mann mit aller Selbstverständlichkeit. "Aber doch nicht jetzt!" Der Highlander schien immer verzweifelter zu werden. Was hatte er Methos bloß getan?! "Das Auto ist nur geliehen. Sie haben es mir zu Verfügung gestellt, bis der neue Wagen da ist." "...Und das ist er jetzt?", fragte MacLeod, dessen Blick viel skeptischer hätte gar nicht mehr sein könne. Der alte Mann nickte nur bestätigend und verließ das Auto.
Der Highlander lehnte sich zurück und seufzte ein weiteres Mal. Er würde doch wirklich zu gerne wissen, was es mit diesem Harris auf sich hatte, aber irgendwie zweifelte er an, dass Methos ihm das verraten würde. Er zweifelte sogar an, dass er ihm im klarem deutlichen Text erklären würde, warum er denn nun letztendlich hier sei! Duncan sah, wie der andere Unsterbliche mit einem adrett gekleideten Autoverkäufer in seine Richtung lief. MacLeod ließ sich tiefer in den Sitz rutschen. Auch wenn die Beiden nur zu sehr in ihr Gespräch vertieft waren, musste er nicht riskieren, sich eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses einzufangen. Nun saß da also Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod, aus den schottischen Highlands, beinahe nackt, mit einem Leichentuch behangen, schon mehr auf den Boden als noch im Sitz, die Knie aus Platzgründen gegen seinen Oberkörper gequetscht in Methos' Leihwagen, fröstelte so vor sich hin und kam sich um, ehrlich zu sein, doch ziemlich lächerlich vor. Plötzlich kam Methos lächelnd geradewegs auf das Auto zu und öffnete den Kofferraum. MacLeod fragte sich langsam wirklich, ob Methos ihn nur zur Erfüllung seines alltäglichen Quantums an Unterhaltung von Paris hatte einfliegen lassen. Na ja, zumindest war er doch bisher immer noch heil aus Methos' kleinen Spielchen heraus gekommen, wenn er da an Marcus Constantin dachte, füllte sich sein Magen nur noch mit tiefster Wut. Denn den hatte es schließlich letztendlich den Kopf gekostet.1 Ein Klopfen an der Scheibe holte MacLeod aus seinen Gedanken. Der andere Unsterbliche winkte mit einer kleinen Reisetasche vor der Tür herum. Endlich! Mit der Zeit wurde es immer frischer. Auch wenn die Außentemperatur sicherlich ca. 20 Grad Celsius betragen musste, wurde es, nur mit einem dünnen Leichentuch bekleidet, schon auf die Dauer ziemlich kühl! Der Highlander öffnete die Tür und Methos warf die Tasche auf seine Schoß. "Kommst du gleich rüber, der neue Wagen steht bereit!" sagte Methos, als wäre nichts gewesen. MacLeod blickte den alten Mann ernst an. " ...Und warum hast du mir die Tasche nicht schon im Krankenhaus gegeben?", meinte er ein wenig genervt. "Erstens hätte es schon ziemlich merkwürdig gewirkt, als Arzt mit einer Reisetasche in die Pathologie zu spazieren." Über sein Gesicht zog sich ein breites Grinsen "Und zweitens wollte ich es mir nicht entgehen lassen, dass Gesicht eines gestandenen Highlanders in solch einer Situation betrachten zu dürfen." "Ich hoffe, ich habe deine Erwartungen erfüllt." erwiderte MacLeod, während er sich den letzten Schnürsenkel zuband. Sein Ton war unverkennbar ärgerlich. "Und wie!", antwortete Methos, noch immer grinsend. "Kommst du? Es ist der blaue Lancia Y direkt da vorne." Mürrisch stieg der Schotte aus und folgte dem anderen Unsterblichen.
Nervös lief Harris am Terminal auf und ab. Musste die Maschine unbedingt Verspätung haben? Ausgerechnet heute? Ihn musste nur jemand wieder erkennen, vielleicht gab es ja sogar schon ein Phantombild von ihm... Ruhig James, es kann dich niemand erkennen. Niemand hat dich gesehen. Harris seufzte und setzte sich auf einen Stuhl im Wartebereich. Ich muss paranoid sein, führte er seinen Gedanken zuende. Er musste sich nun zusammenreißen, schließlich hatte er ein Ziel, und das allein war alles was nun zählte. Harris blickte auf die Uhr und beinahe noch im selben Moment dongte es in der Halle zu einer Durchsage. - Der Flug von London nach Berlin um 11:30 ist auf Grund von Streiks der Lufthansa AG leider gecancelt worden. Bitte wenden sie sich an die Information! -
Verzweifelt ließ der Unsterbliche den Kopf in seine Hände sinken. Womit hatte er das bloß verdient!? Es wäre immerhin möglich, dass die Polizei eine Spur bekommen - wenn auch alles so schön geplant war - und ihn identifiziert hatte. Nein! Samantha würde schon wissen, was zu tun war. Sie wusste immer, was zu tun war. Mit einem Ruck sprang er von seinem Sitz auf und stürmte geradewegs auf die nächste Telefonzelle zu, schob seine Telefonkarte in den dafür bestimmten Schlitz und begann zu wählen.
"Sam? Mein Flug wurde gestrichen." - ... - "Weiß nicht, wann der nächste Flieger geht." - ... - "Muss ich wirklich? Bin doch schon ganz nah an ihm dran." - ... - "Ich weiß, ich soll ihm nicht gleich den Kopf abschlagen."
Irgendwie fühlte sich Harris plötzlich ziemlich beobachtet. Er hatte das Gefühl, die Leute um ihn herum würden ihn regelrecht anstarren. Dann fiel es ihm ein. Mist! Es war immer wieder das Gleiche. Er mußte einfach lernen aufzupassen, was er in der Öffentlichkeint sagte. Manche Menschen reagierten nun mal nicht sehr positiev darauf, wenn man auf einmal begann von abgetrennten Köpfen zu sprechen. Er konnte nur hoffen, dass noch niemand die Polizei gerufen hatte. Wahrscheinlich aber würde es eh nicht mehr sehr lange dauern, bis sie auf ihn aufmerksam würden. Schließlich sollte er seine Spur in London verfolgen. Aber gut, Adam würde ihm da sicherlich helfen!
Mit suchendem Blick lief Methos an den Reportern am Platz vor dem Buckingham Palast vorbei. Der Wind fegte ihm die Haare seiner roten Langhaarperücke ins Gesicht und er musste höllisch aufpassen, dass sich nicht auch sein roter Vollbart in den Weiten der Winde verlor. Wirklich wohl fühlte er sich so auch nicht. Irgendwie hatte er das Gefühl, von allen Seiten angestarrt zu werden. Zumindest aber würde er so von niemandem erkannt werden. Er musste einfach hier sein und er musste ihn gefunden haben, bevor er... Methos musste schmunzeln. Eine interessante Idee, gibt garantiert jede Menge Publicity. Käme er zu spät, wäre Plan A vertan, wobei er bei diesem wirklich noch am unkompliziertesten aus der Sache rauskäme. Methos begann noch mal alles zu checken: Pistole - an Ort und Stelle und geladen! Schwert - griffbereit! Es konnte also losgehen. Methos nahm jeden Reporter genau unter die Lupe, schaute sich jeden an, der sich auch nur etwas mehr als gewöhnlich vermummt hatte. Jemanden in einer solchen Menge aufzufinden war gar nicht so einfach, aber ein bisschen Zeit hatte er ja schließlich noch. Von der linken Seite kamen zwei Polizisten auf ihn zu, ihre Augen direkt auf seine gerichtet. In dem alten Mann breitete sich Unwohlsein aus. Die konnten unmöglich ihn meinen, was hatte er denn schon verbrochen - in der letzter Zeit? Sein neues Outfit vielleicht?! Methos musste schlucken, der Blick der Bobbys war eindeutig. "Dürften wir mal ihren Ausweis sehen?", begann der eine. Brav zückte der Unterbliche das kleine Heftchen aus der Tasche seiner blauen Jeans. "Gut Mr. Pearson", fuhr der Bobby mit Blick auf seinen Ausweis fort. "Tragen Sie irgendeine Art Waffe bei sich?" Scheiße, das hatte ihm gerade noch gefehlt. Vielleicht war es doch ein wenig zu auffällig, wie er hier in langem schwarzen Mantel, mit hochgeklapptem Kragen, dem Bart und der netten kleinen Perücke durch die Gegend lief und die umstehenden Leute musterte, vor allem da sein "neuer Freund" unbedingt meinte, die zukünftigen Geschehnisse ankündigen zu müssen. Er musste tatsächlich einen Faible für Publicity zu haben. Methos schluckte, seine Kanone war gut versteckt. Manche würden wahrscheinlich sogar schon sagen 'zu gut', doch es war immer wieder eine wacklige Situation den Leuten erklären zu müssen, warum man in aller Öffentlichkeit mit einem Schwert herum lief. Da lobte er sich doch die gute alte Zeit, in der man komisch angesehen wurde, als man das als gestandener Mann nicht getan hatte! "Ein Schwert!", begann der Unsterbliche ruhig zu antworten. "Ich bin auf dem Weg zu dem Antiquitätenladen an der Lambert Street." Die Stirn des Polizisten legte sich in fragende Falten, doch gerade bevor dieser auch nur irgendetwas sagen konnte, fuhr Methos in seinem freundlichsten Ton fort. "Ich weiß, dass es nicht üblich ist eine solche Waffe einfach so spazieren zu tragen. Mein Wagen ist in der Werkstatt und ich habe um 15:00 nun mal diesen Termin." Immer noch wirkte der Gesetzeshüter ein wenig verunsichert. Methos setzte den Hauch eines Lächelns auf. "Glauben Sie, ich ziehe damit durch die Straßen und schlage Leuten damit die Köpfe ab?" "Gehen Sie, Mr. Pearson", antwortet der Polizist mit einem ebenso aufgesetztem Lächeln und wies ihn mit einem ausgestreckten Arm in die Menge zurück. Die Polizei, unser Freund und Helfer... Noch noch ca. 5 Minuten und sein toller Plan verflüchtigte sich in die vergessenen Weiten seines Unterbewusstseins. Methos' Schritte wurden schneller. Irgendwo musste er doch sein, schließlich hatte er ihm den Ort doch ziemlich präzise angegeben, doch das einzige, was er im Moment sah, war einen Haufen Reporter, die ihre Kameras schussbereit auf das Königshaus hielten. Methos seufzte. Gut, dass es zu den heutigen Zeiten wohl nicht mehr nötig sein würde, die rechte Hand einer Adelsfamilie zu spielen. Beim heutigen Eifer der Reporter würde er dann wahrscheinlich morgen als neue Liebschaft an der Seite von Fergie im 'Mirrow' abgelichtet sein.
Plötzlich brach eine Welle von Jubel und Applaus durch die Menge. Die 'Royal Family' hatte den Balkon betreten, beinahe noch im selben Moment blieb Methos ruckartig stehen. Etwa 10 m vor ihm stand er. Mit dunkelbrauner Lockenperrücke, aber doch immer noch eindeutig Harris! Die Hand unterm Mantel, bereit, um die Armbrust hervor zu ziehen und den zerstörerischen Schuss abzugeben. Methos griff nach seiner Waffe. Es lag alles nur noch am Timing, drückte er nur eine Sekunde später ab, wäre seine Chance vertan. Der alte Mann versuchte Harris keine Sekunde lang aus den Augen zu lassen, jede seiner Bewegungen zu studieren, um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen. Er visierte seine Schläfe an, denn genau da wollte er ihn treffen. Einen Unsterblichen in den Kopf zu schießen war die effektivste Methode, ihn für möglichst lange Zeit außer Gefecht zu setzen. Methos versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben und atmete noch einmal tief durch, in solchen Situationen lobte er sich dann doch immer seine Erfahrung in solchen Dingen. Im Bruchteil einer Sekunde hatte Harris plötzlich seine Waffe gezogen und beinahe noch im selben Moment zog Methos nach, blickte genau in das Gesicht des anderen Unsterblichen. Mit dem Schrei einiger Passanten in den Ohren entsicherte der ältere Unsterblcihe seine Pistole und...
Plötzlich ertönte ein Schuß. Eine Kugel traf Harris zielgenau in den Hinterkopf und der Unsterbliche brach, sich mit letzer Kraft an seine Armbrust klammernd, in sich zusammen. Verdutzt strarrte Methos auf das Geschehene und bewegte sich langsam zu Harris' Leiche hin. Er hielt seine Waffe immer noch in der Hand, während ein dunkelhaariger Mann in schwarzer Lederjacke, der einige Meter hinter Harris stand, auf den erschossenen Unsterblichen zurannte, ihm plötzlich gegenüber stand und direkt in seine Augen blickte...
* * * * * * * *
Die Leute, die um Methos herum standen, huschten plötzlich wie die aufgescheuchten Hühner durch die Gegend und irgendwie konnte keiner von Ihnen begreifen, was nun letztendlich geschehen war. Doch jeder einzelne von ihnen wusste, dass er einen Schuss gehört hatte, und das allein war Grund genug für sie, in Panik auszubrechen. So hatte sich Methos das ganz gewiss nicht vorgestellt. Seine Pistole hatte einen Schalldämpfer. Wäre er dann noch rechtzeitig bei Harris gewesen, wäre es wahrscheinlich kaum jemandem aufgefallen. Gut, nun war es zu spät. Harris lag nun von einem Fremden erschossen, mitten in einer Massenpanik, vor seinen Füßen und seine Chance Harris aus der Welt zu schaffen ohne dass es auch nur eine einzige Person auf Mutter Erde merkte, war vergeben. Apropos Harris! Mit einem Blick auf dem Boden blieb Methos beinahe das Herz stehen, wo war er? Der Unsterbliche blickte sich zu allen Seiten um, doch Harris war verschwunden. Er musste sich die ganze Unruhe zu Nutzen gemacht haben, um sich schnellstens aus dem Staub zu machen. Auch der Fremde blickte fragend auf den Platz, an dem nur wenige Sekunden zuvor noch ein toter Mann gelegen hatte.
Einen kurzen Moment später realisierte Methos die vielen Polizisten, die sich mittlerweile um Sie herum tummelten und die Passanten fragten, was genau sie beobachtet hatten. Einer von ihnen bewegte sich nun gerade auf ihn und den Fremden zu. "Einer der Passanten sagte, Sie hätten mit einer Waffe auf einen Mann gefeuert", sprach ein Beamter den Fremden an. Noch immer nachdenklich über die Geschehnisse, mehr auf den Platz als auf den Polizisten blickend, zog der Mann einen Ausweis aus der Jackentasche und antwortete: "Frank B. Parker, NSA. Der Mann plante ein Attentat auf das britische Königshaus." Wie konnte er sich da bloß so sicher sein fragte sich Methos. Seines Wissens nach wussten nur 3 Personen was es mit dem Attentat wirklich auf sich hatte. "Wie können Sie sich da sicher sein?", fragte der Polizist. Immer noch konnte er sich nicht wirklich auf den Uniformierten konzentrieren. "Geheime Informationen der NSA", antwortete er ihm. Unmöglich, dachte Methos und begann, den Mann von oben bis unten zu mustern. Irgendwie kam ihm diese Nase bekannt vor. So wohlgeformt groß! Hatte er irgendwo schon mal gesehen, nur wusste er gerade in diesem Moment nicht mehr wirklich wo genau! "Und wo soll dieser Mann nun sein?", fuhr der Polizist, einen leicht zynischen Unterton, mit seinen Fragen fort. "Das wüsste ich auch gerne", murmelte der NSA Mann in seinen nicht vorhandenen Bart. Caesar hatte auch so eine, dachte Methos Nase! Aber das war es nicht. Der alte Mann atmete einmal tief aus. Das war noch eine interessante Zeit, als er mit dem alten Knaben und einer Flasche Wein zusammen am Tisch saß und den nächsten Schlag gegen Gallien plante. Er musste schmunzeln - und dann das all-wöchndliche Nacktbaden in Caesars bescheidenem Wohnsitz! "Eine Dame meinte, Sie mit einer Pistole in der Hand beobachtet zu haben. Es tut mir leid, Sir, ich muss Sie durchsuchen", holte ihn dann die Stimme eines der Polizisten aus seinen Gedanken. Bereitwillig stellte sich Methos mit gespreizten Beinen und erhobenen Amen, fertig zum abtasten vor den Mann. Dieser begann ihn dann an den Fußknöcheln abzutasten. Er fuhr an seinen Beinen hoch und begann mit seinem Mantel. Plötzlich verwandelte sich das Gesicht des Polizisten in eine bitterernste Miene. Mit der rechten Hand griff er in die Tasche des Unsterblichen und mit der rechten unter seinen Mantel und in der Hand hielt er den Griff einer Pistole und den eines Schwertes. Eines von beiden wäre in solch einer Situation schon Grund genug den Mann erst mal mit aufs Revier zu nehmen, aber beides ließ den Polizisten doch schon recht skeptisch schauen. Soweit nun also zu Plan A. irgendwie schien heute nicht unbedingt Methos' Tag zu sein. Zumindest aber, würde er auf dem Revier telefonieren dürfen und er hätte immerhin noch ein wenig Chance etwas mehr über den Mann mit der Nase heraus zu finden, denn irgendwo wunderte ihn es ja doch, woher der Gute seine Informationen hatte.
Patschnass tastete der Highlander mit seiner Hand, aus der kleinen Dusche seines Hausbootes hinaus nach einem Handtuch. Das war das Einzige, was ihn hin und wieder an dem Leben hier störte. Ein richtig schönes heißes Schaumbad begann man, bei aller Liebe zu dem Boot, dann ja doch irgendwann zu vermissen. Aber gut, vielleicht würde er sich irgendwann, in den nächsten Jahren, ja noch mal eine kleine Badewanne einbauen lassen. Denn was gab es Schöneres, als hin und wieder ein wenig planschen zu gehen..., mit Amanda zum Beispiel. "MacLeod!??!", ertönte plötzlich eine, ihn nur zu gut bekannte Stimme, aus dem Eingangsbereich des Haubootes. MacLeod band sich mit schnellen Handbewegungen sein Handtuch um die Hüften, trat den einen Schritt aus der Duschkabine hinaus und setzte sich ein gezwungenes Grinsen auf. "Abend, Maurice!" "MacLeod, mein alter Freund! Ich bin wieder in der Stadt und da musste ich doch meinen alten Freund besuchen", sprudelte es geradezu aus Duncans ehemaligem Nachbarn heraus. Der Blick des Highlanders fuhr an dem Franzosen hinunter bis auf den Fußboden und urplötzlich legte sich seine Stirn in tiefe Falten. "Besuchen? Du hast eine Reisetasche dabei, Maurice!", sagte Der Highlander skeptisch. "Aaa, MacLeod! Wir sind doch alte Freunde", begann er in seinem bekannt freudigen Ton "Ich nahm an, ich würde bei dir übernachten. Du weißt, ich habe mein Boot und mein Restaurant verkauft. Alles verkauft", fuhr er schon etwas trauriger fort. MacLeod seufzte und sah Maurice mit einem Leicht genervten Blick an. "Maurice, ich..." Plötzlich unterbrach ihn das Klingeln des Telefons. Mit einem Achselzucken in Richtung seines alten Nachbars, wandte der Highlander sich dem Apparat zu.
"Ja, MacLoed" - ... - "Me...." - ... - "Wo warst..."
Mit einem ziemlich baffen Ausdruck in seinem Gesicht legte MacLeod den Hörer wieder auf. Er nahm eine Flasche 18 Jährigen Glenmorangies aus dem Schrank - während Maurice hellauf begeistert über die Flasche auch gleich 2 Gläser holte - und plumpste ins Sofa.
Ein Notfall! Jetzt!? Da meldete sich dieser Kerl, den er, wie er doch immer wieder mit Schrecken feststellen musste, selbst nach über 5 Jahren Freundschaft, viel zu wenig kannte, nach vielen Monaten mal wieder bei ihm und beorderte ihn in einem 5 Sekunden Gespräch mit dem morgigen Frühflug nach London. Ticket lag am Schalter bereit. Sollte er wirklich? Amanda hatte sich für Morgen angekündigt - was sie wirklich selten tat - und sie hatten jede Menge geplant. Schließlich hatten sie eine Menge nachzuholen. Der Highlander atmete einmal tief aus. Auf der anderen Seite war Merhos sein Freund!
"Maurice?" "Ja, Monsieur MacLeod?" "Du kannst für ein paar Tage hier bleiben." "Ohh, Monsieur MacLeod. Sie können sich gar vorstellen, wie mich das freut", sprang es voller Enthusiasmus aus dem Franzosen. "Bis ich aus London zurück bin", setzte MacLeod nach. "Sie verreisen Monsieur MacLeod?", fragte Maurice, ein wenig enttäuscht. "Zu einem Freund.... aber lass das Boot bitte heil." "Aah, Monsieur MacLeod, habe ich mich schon jemals nicht gut um Ihr Boot gekümmert? Ich werde es hüten, wie mein eigenes."
Der Highlander nahm noch einen Schluck von dem Whisky und schloss die Augen. Viel Schlaf würde er in dieser Nacht wohl nicht bekommen!
"Und Sie wollen mir wirklich weismachen, Sie seien der Anwalt des Opfers und wollten ihn nur davon abhalten, einen Fehler zu begehen?" "Ja", antwortete Methos mit einem selbstverständlichen Schulterzucken. "... und laufen dabei einem - Ihnen natürlich völlig unbekannten - NSA-Mann mit dem gleichen Vorhaben in die Arme" Methos nickte. "Tut mir leid, Mr. Pierson. Das hört sich für mich alles ziemlich unlogisch an. Vor allem da, von diesem angeblichen Attentäter - toten Attentäter!! - nicht die geringste Spur vorhanden ist. Und nehmen sie verdammt noch mal diese schlechte Perücke ab. Ein Blinder würde erkennen, das sie eine Verkleidung tragen." Grinsend legte der Unsterbliche seine Haarbedeckung samt dem Bart beiseite und zuckte erneut mit den Schultern. "Irgendwie muss ein braver Bürger sich ja vor der uniformierten Bevölkerung schützen!" Plötzlich ertönte eine piepsige Version des Queen-Klassikers 'We will rock you' aus Methos' Manteltasche. "Mein Telefon. Darf ich?", fragte Methos in einem extra freundlichen Adam-Pierson-Unschulds- Ton. Der Polizist nickte.
Die Stimme des Anrufers ließ seine Augen urplötzlich riesengroß werden.
* * * * * * * *
"Du musst wissen was du nun tun kannst. Ruf Samantha an." - ... - "Kein Problem, James." - ... - "Nein, du musst dir sicher keine Sorgen machen."
Methos verabschiedete sich und ließ das Telefon wieder in seiner Tasche verschwinden. Zumindest wusste er nun, wo Harris war, und er konnte damit weiter machen, seinen kleinen, Jahrtausende alten Hintern zu retten. Fragend blickte er den Officer an. "Gut, Mr. Pierson, Sie können dann erst mal auf dem Gang Platz nehmen. Wir sagen Ihnen Bescheid, wenn Sie das Gebäude verlassen können."
Methos schwang seinen Mantel über die Schulter, nahm seine Perücke und den Bart in die Hand und verließ den Raum um sich auf die Bank im Flur zu setzten auf der es sich bereits der NSA-Mann so bequem wie möglich gemacht hatte. Irgendwie erinnerte ihn immer mehr an jemanden... wenn ihm doch nur einfallen würde an wen. Er hatte doch sonst immer ein solch fotografisches Gedächtnis. "Adam Pierson", stellte er sich dem Fremden vor und reichte ihm die Hand. "Frank Parker." Methos blickte scheinbar uninteressiert auf den Boden. Wenn er wirklich was heraus kriegen wollte, musste er sein Vertrauen gewinnen. Wer weiß, vielleicht würde ihm das später ja sogar noch helfen, beinahe war er sich da sogar sicher. Der NSA-Mann machte nicht gerade den Eindruck, als würde er einfach so aus dem Nähkästchen plaudern. Wäre bei dem Job auch äußerst ungünstig. Irgendwie hatte es auf den alten Mann den Eindruck, er würde eine Menge hinter seiner Fassade verstecken, also nahm er sich vor erst mal ein wenig an der Oberfläche zu kratzen. Wie sah es mit ein wenig Smalltalk aus?! "Ein Freund von Ihnen?", kam der andere ihm plötzlich zuvor. "Den Attentäter meine ich." Methos schüttelte den Kopf "Eine geschäftliche Sache." Na ja, mehr oder weniger stimmte das sogar, vorausgesetzt man betrachtete sein eigenes Leben als Geschäft. Irgendwie mochte er diesen Mann. Er wusste noch nicht wirklich warum, aber er mochte ihn. "Und Sie wissen auch nicht wohin unsere hübsche Leiche gewandert ist", fragte Parker mit einem doch eindeutig misstrauischem Klang. Methos zuckte mit den Schultern. "Zumindest aber ist doch das Königshaus wohl auf." Bei diesen Worten fiel dem alten Mann ein ihm irgendwie bekannter Polizist auf, der ihn bereits eine Weile mit einem skeptischen Blick ansah. "Entschuldigung", sprach der Beamte ihn plötzlich an "Kennen wir uns nicht irgendwoher?" fragte er in einem Ton der nicht wirklich freundlich Klang. Sein Blick war schräg auf die rote Langhaarperücke und dem Bart in Methos Hand gerichtet. Der Polizist musterte ihn von oben bis unten "Vielleicht hätte ich sie doch nicht so schnell gehen lassen sollen", setzte er mit dem Hauch von Sarkasmus nach und lief and dem Unsterblichen vorbei. Wollte er ihn wütend machen? Nein, wohl eher nicht. Solche Männer tun so etwas hauptsächlich für ihr Selbstwertgefühl. Vor allem nach einem schlechten Tag, dachte sich der Unsterbliche. Und selbst wenn, hätte er da bei ihm sicherlich nicht viel Glück. Ein fragender Blick schoss von dem NSA-Mann auf Methos hinüber, doch die einzige Antwort, die er bekam, war ein Achselzucken und ein schwaches Grinsen des alten Mannes.
Beinahe im gleichen Moment kam der Polizist, der beide nacheinander verhört hatte, aus seinem Büro heraus. An seiner Seite ein adrett gekleideter Mann, Mitte bis Ende 30, dunkles Haar. "Dies ist Agent Jarod Steward vom FBI. In den Staaten sind ähnliche Drohungen eingegangen und Mr. Steward hätte gerne noch mal mit Ihnen Beiden gesprochen." Der Agent lächelte beide freundlich an und steckte ihnen seine Hand entgegen. "Jarod Steward", stellte er sich noch mal mit eigenen Worten vor. Parker seufzte. Irgendwie ging ihm die ganze Geschichte langsam wirklich auf den Keks. Er wollte ein Attentat verhindern und nun fühlte er sich schon beinahe wie ein Schwerverbrecher dem man nicht ein Wort von seiner Geschichte glaubte. Überhaupt kam ihm diese Sache von Minute zu Minute suspekter vor. ... und das alles für so eine kleine, kratzbürstige Katze!! Plötzlich sprang er von seinem Platz auf. "Hören Sie, ich bin von der NSA. Ich hatte den Auftrag das Attentat zu verhindern. Das habe ich erfüllt und würde nun gerne wieder zurück fliegen." "Es dauert nur 5 Minuten, Mr. Parker", meinte der FBI Agent freundlich. Ein wenig murrend trabte Parker also dem Herrn hinterher, zurück in das Büro des Officers.
Irgendwie bekam der Highlander langsam aber sicher das Gefühl sein Schädel würde ihm zerspringen. Es war wirklich erstaunlich, was eine einzige Person innerhalb einer halben Stunde alles erzählen konnte und wie viel Whisky dafür nötig war dies zu ertragen. Gut, so viel hatte er von Flasche nicht wirklich abbekommen, was auch vielleicht ganz gut so war, denn schließlich musste er in den frühen Morgenstunden ja noch nach London, zumal die Flasche für 300 Fr nicht gerade billig war... oder halt 50 Euro, wie man es gerade nahm.
Plötzlich riss das Klingeln des Telefons Duncan aus seinen Gedanken. MacLeod seufzte, irgendwie brachten die Anrufer heute alle nichts Gutes. Der Scherzkeks heute früh um 5:00 hrs., der unbedingt wollte, dass MacLeod ihm am Telefon seinen Körper beschrieb und dann immer nur noch schrie: "Machs mir! Ja, mach's mir!" Und dann der Anruf von Methos, der ihn aus seiner wohl verdienten Ruhe nach London beorderte. Mit gerunzelter Stirn nahm der Highlander den Hörer ab.
"Joe?"
Nach wenigen Sekunden wurde MacLeod leichenblass und ließ, ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, den Hörer wieder auf das Telefon fallen. "Monsieur MacLeod, ist ihnen nicht gut? Kann ich Ihnen helfen?", fragte Maurice voll übertriebenen Eifers. "Nein, Maurice, ist schon gut. Aber du kannst noch eine Flasche Whisky aus dem Schrank nehmen. GlenBroch, 8 Jahre." - war zumindest etwas günstiger als der andere, dennoch auch sehr gut... - Den brauchte er nun wirklich. Nun hatte er noch einen Grund nach London zu fliegen. Doch wer hatte Interesse daran, Amanda zu entführen?
Nervös lief der Unsterbliche in seinem Zimmer auf und ab. Wie konnte nur alles so schief laufen? Wie konnte er nur so versagen? Samantha war sauer auf ihn. Auf ihn, aber vor allem auf Adam. Sie traute ihm nicht. Sie war von Anfang an misstrauisch. Sie verstand nicht warum sich Adam in alles einmischte. Akzeptierte nicht, dass Adam sein Freund sein wollte und nun gab sie ihm sogar an seinem Versagen die Schuld. Er verstand einfach nicht, was Sam gegen ihn hatte, dabei kannte sie ihn doch gar nicht richtig. Er war so nett und hilfsbereit. Das hat er ihr doch so oft erzählt, dann sagte sie immer, er solle sich von ihm fernhalten. Harris verstand seine Frau nicht? War sie eifersüchtig? Mochte sie Adam nicht, weil er so gut von ihm redete? Dachte sie seine Freundschaft zu ihm würde über ihre langjährige Ehe gehen? Harris nahm sich ein Glas und eine Flasche billigen Whisky aus der Hotelbar, setzte sich ans Telefon und wählte Sams Nummer. Es klingelte einmal, zweimal, dreimal - niemand nahm ab. Es klingelte zum vierten Mal, zum fünften Mal, zum sechsten Mal - noch immer ging niemand ran. Enttäuscht ließ der Unsterbliche den Hörer fallen. Sie war um diese Zeit sonst doch immer zu Hause.
Mit einem eindeutig grimmigen Gesichtsausdruck kam Parker aus dem Büro des Officers. Auch wenn der FBI Agent wirklich freundlich war, war es doch immer wieder eine Sache für sich zu erklären, wie er von all diesen Attentaten und anderen Katastrophen wissen konnte, denn die meisten ließen sich nicht mit der Aussage abwimmeln, dass es sich dabei um geheime Informationen der NSA handelte. Die Tür des Büros öffnete sich erneut und der Polizist kam heraus. "Sie dürfen nun erst mal gehen. Wir haben schon seit einiger Zeit Feierabend und meine Frau ist wahrscheinlich jetzt schon stinksauer. Agent Steward wird sie dann morgen noch mal zu dem Vorfall befragen, Mr. Pierson. Ich muss sie allerdings beide darum bitten, uns für weitere Fragen zur Verfügung zu stehen." Parker stand auf und blicke sich suchend um. Irgendwie drückte es ihm die ganze Zeit schon auf der Blase und in Anbetracht dessen, dass er noch nicht wirklich wusste, wo er die heutige Nacht verbringen würde, sollte er doch zusehen, dass er dies kleine Bedürfnis bereits hier befriedigen konnte. Mit schnellen Schritten bewegte er sich auf die Tür mit der Aufschrift "MEN" zu. Bevor er auf Hotelsuche ging, sollte er doch schnell noch mal im trauten Heim anrufen. Bisher war er noch nicht dazu gekommen und wie er seine Kollegen kannte, waren diese bereits wieder fleißig dabei auf ihn zu fluchen, zumal es sie sicherlich auch interessieren würde, dass die Leiche des Attentäters urplötzlich ins Nichts verschwunden war. Auf dem Weg hinaus zog er sein Funktelefon aus der Tasche und wählte im Dämmerlicht des Abends die Nummer des Backstepprojects, während er den Mann ein paar Meter vor sich beobachtete, der nun bereits den gesamten Abend seine Wege begleitete. Parker atmete tief aus. Der hatte bestimmt schon eine Unterkunft, wo er nun den Rest des Abend ausspannen konnte. Plötzlich hörte er ein leises stumpfes Zischen, welches er eindeutig als Schuss einer schallgedämpften Pistole einordnete. Beinahe noch im selben Moment fasste sich der Mann vor ihm krampfhaft an die Brust und brach in sich zusammen. Sofort ließ Parker sein Telefon fallen und rannte auf den Getroffenen zu, die Blicke ständig auf seine Umgebung gerichtet. Es lohnte sich nicht dem Täter nach zu rennen. Bei derartigen Attentaten waren die Täter schneller verschwunden als man einatmete.
"Mr. Pierson?" Keine Reaktion. Kein Puls.
* * * * * * * *
Parker blickte auf die blutverschmierte Brust des Fremden. Es schien ein direkter Schuss ins Herz gewesen zu sein. Da war eindeutig nichts mehr zu machen.
Interessieren würde es ihn aber doch, was dieser Kerl so alles für Leichen im Keller hatte. Dass an diesem freundlichen Mr. Pierson irgend etwas nicht so ganz koscher war, schien offensichtlich. Parker holte noch einmal tief Luft. Er sollte langsam mal rein gehen, um einen Officer zu holen. Irgendwann setzte die Leichenstarre ein und er hockte noch immer da. Auf jeden Fall war es schade um den Mann. Irgendwie war er ihm sympathisch. Gerade wollte Parker aufstehen, da stoppte er ruckartig seine Bewegung und starrte auf den Toten. Hat er sich gerade bewegt? Nein! Unmöglich! Der Mann ist so tot wie nur irgend möglich. Der NSA-Mann schaute Methos noch mal genau auf die Augen, beinahe im selben Moment riss der "Tote" diese weit auf und blickte Parker direkt an. Ein Schreck jagte durch jeden Winkel in Parkers Körper. Das ist unmöglich. Unmöglich! Das muss ein Traum sein. Aufwachen Frank, los, aufwachen!! Doch Frank wachte nicht auf. Stattdessen beobachtete er, wie sich die "Leiche" aufsetzte und sich mit beiden Händen durchs Gesicht fuhr.
Methos atmete einmal tief durch. Es ist nicht der angenehmste Tod, so ein Schuss ins Herz, aber doch immer noch besser, als zu verbrennen. Zum Glück war ihm das in den letzten 5000 Jahren doch recht selten passiert. Interessieren, wer da auf ihn geschossen hatte, würde es ihn aber schon. War Harris doch schon hinter sein kleines Geheimnis gekommen? Nein! Wie auch? Wenn er dem auch mehr und mehr gefährlich nahe kam, so müsste er zu diesem Zeitpunkt doch schon einen enormen Geistesblitz bekommen haben und das konnte er sich bei Harris nun wirklich nicht vorstellen. Doch was war mit Samantha? Langsam fuhr er mit seinem Kopf zu Seite und blickte erneut auf dem doch ziemlich verdutzten Mann neben ihm. Der NSA-Mann hatte ihn ohne irgendwelche Zweifel sterben sehen und da sollte noch mal einer eine Ausrede finden. Dass das kein Streifschuss war, hätte ein Blinder gesehen. Aber gut, zumindest rannte er nicht hysterisch durch die Gegend und trommelte Polizei, Presse, Nachbarschaft und den Schützenverein von nebenan zusammen. Irgend etwas musste er nun allerdings tun und dass er ihm nicht die Wahrheit sagen konnte, stand außer Frage. Wie sollte er ihm das klar machen? - Mein Name ist Methos. Ich bin 5000 Jahre alt und man kann mich nur töten, wenn man mir den Kopf abschlägt! - Nein! So würde er mich wahrscheinlich in die nächste Psychiatrie einliefern lassen und sich selbst gleich daneben legen.
Schweigend saß der NSA-Mann vor ihm und blickte ihn fragend an. Der Schweiß lief an seinem Rücken hinunter und er brannte nur so darauf, dass der "Tote" endlich etwas sagte. Er hatte schon vieles erlebt. Vieles, an das er noch vor einigen Jahren nicht im Traume gedacht hatte. Doch dass ein Toter einfach so wieder aufstand, als wäre nichts gewesen, war ihm doch ein wenig unheimlich.
Plötzlich sprang Methos auf. Rannte hin und her. Krallte seine Finger in die Perücke, die er in der Hand hielt und schrie heraus, was seine Kehle in sich hielt. "Ich bin tot! Ich bin tooooooot! Ich hab' ein Loch in meiner Brust. Ich bin tooooot!" Auf einmal rannte Methos, so schnell er konnte, auf Parker zu. Er rannte bis er mit ihm zusammen stieß und nur einen kurzen Moment später kam Methos, Brust an Brust auf dem NSA-Mann, am Boden zu liegen.
Parker wusste langsam nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Er wollte gar nicht mehr darüber nachdenken, was hier vor sich ging. Er wollte nur noch nach Hause. Ganz schnell noch Hause und sich zusammen mit Donovan und einer leckeren Flasche Bier den Boxkampf heute ansehen. Er war verrückte Geschichten gewohnt. Er hatte in seinem Leben schon genug davon erlebt, aber dies ließ das Fass regelrecht überfluten. Frank wusste nicht wirklich, woran es lag. Doch irgendwo hatte er das Gefühl, der Kerl, der momentan sein volles Gewicht auf seinen Brustkorb drückte, wolle ihn verarschen. Er konnte sich nicht vorstellen, wie es möglich war, dass ein Toter plötzlich wieder putzmunter rumlief, dennoch ahnte er, dass dieser Mr. Pierson das sehr gut können würde. "Ich will ja nicht...", begann der NSA-Mann "Sie sind ein wenig schwer." Der Hauch von Zynismus in seiner Stimme war nicht zu verkennen. Mit einem eleganten Schwung war der Unterbliche von dem Mann herunter gesprungen und stand nun wieder auf beiden Beinen. Hatte er was gemerkt? War er zu energisch gewesen? Zu eifrig? Na ja, es würde sich schon noch rausstellen. Für gewöhnlich waren seine Schauspielküste hervorragend. Er erinnerte sich noch zu gut daran, wie sein alter Kumpel Albert immer zu ihm sagte, wie perfekt er doch Konrad Adenauer kopieren konnte. Schade, dass der Gute nicht mehr unter uns weilt. Waren immer nette Abende, als wir zwei mit einer Flasche Wein über der Relativitätstheorie hockten. "Und...?", fragte ihn Parker. "Und?", fragte der Unsterbliche zurück. "Habe ich keine Erklärung verdient?" Wahrscheinlich hat er das, dachte Methos. Na ja, schließlich musste er ihm ja nicht die ganze Wahrheit erzählen. "Gehen wir ein Bier trinken?", beantwortete Methos seine Frage.
Die zweite Flasche Whisky stand halb voll auf den Tisch. Maurice lag schlaftrunken halb auf der Couch, halb auf dem Boden und MacLeod hatte endlich mal ein paar Minuten, um die Augen zu schließen und sich für den nächsten Tag auszuruhen. War es Zufall, dass zwei seiner Freunde zur gleichen Zeit in der gleichen Stadt in Schwierigkeiten gerieten? Wahrscheinlich ja. Wo sollte auch der Zusammenhang liegen? Er legte seine Füße auf das Sofa und versuchte seine Gedanken an Amanda und Methos zu verdrängen, doch einen kurzen Moment später hörte er ein lautes Klopfen an der Tür. MacLeod legte seine Stirn in tiefe Falten. Wer würde um diese Zeit noch etwas von ihm wollen? Nein! Er war nicht da oder schlief tief und fest. Was auch immer. Auf jeden Fall würde er die Tür nicht öffnen. Nicht um diese Zeit. Nicht in dieser Situation. Es klopfte erneut. Noch lauter, noch hartnäckiger.
MacLeod seufzte. "Ja! Die Tür ist offen!" Mit einem Quietschen öffnete sich die Tür und ein Junge kam herein. Er war etwa sechzehn, hatte blondes kurzes Haar, abgetragene Kleidung und in seiner Hand hielt er einen Strauß dunkelroter Rosen. Fragend blickte der Highlander den Jungen an. "Die soll ich übergeben." Der Junge hielt ihm die Blumen entgegen. "Um diese Zeit?", fragte MacLeod skeptisch. "Ein Mann hat sie mir gerade auf der Straße gegeben" , antworte der Junge und drehte sich wieder um, um das Boot zu verlassen. "Warte!", rief der Highlander ihm hinter her, während er die Karte, die zwischen den Blumen steckte, hinauszog und öffnete.
- Morgen. 18:00 Uhr. Vorm Buckingham Palast. Komm unbewaffnet und allein, oder Deine kleine, unsterbliche Beischlafdiebin verliert ihren hübschen Kopf. -
"Wie sah der Mann aus?" Der Junge blickte den Highlander ein wenig verwirrt an. "Ähm, älter. Etwa Anfang 60", begann er seine Beschreibung. "Mehr konnte ich nicht sehen. Es war dunkel", setzte er dem schnell nach, während er mit einem ängstlichem Ausdruck in seinem Gesicht die Treppen wieder rauf und aus dem Boot hinaus lief.
Der Highlander lehnte sich wieder zurück. Amandas Entführung hatte also was mit ihm zu tun. Ein zweiter O'Rourke? Nein, das konnte er sich nicht vorstellen. Der Mann war einmalig. So etwas gab es kein zweites Mal. MacLeod blickte noch einmal auf die Karte.
- Deine kleine unsterbliche Beischlafdiebin - Wem würde so was einfallen?!
"Und Sie sind tatsächlich ein Unsterblicher?", fragte Parker Methos nach einer doch recht ausführlichen, wenn auch nicht ganz wahrheitsgemäßen Erklärung von Methos, der mit einem Nicken auf diese Frage antwortete, während er an seinem viertem Glas Bier nippte. Der Laden erschien auf den ersten Blick relativ klein, dennoch war Methos immer überrascht, wie viele Leute dort doch hinein passten. Seitdem er in London lebte, war er recht oft da. Das Bier war gut. Die Musik war gut. Lauter nette Menschen, von denen keiner ein Schwert unter seinem Mantel versteckt hatte, tummelten sich dort und hin und wieder gab es sogar mal Live-Musik. Was will man mehr?
"Und in Ihrem Jahrhunderte langen Leben haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen, die in Not geraten sind zu helfen?", fragte der NSA-Mann noch mal nach. Methos nickte, konnte sich allerdings den Hauch eines Schmunzelns nicht verkneifen. Na ja, er hatte das Gefühl, das würde positiv rüber kommen...! "Das ist alles eine sehr merkwürdige Geschichte", setzte Parker nach. "Mag sein. Hätten Sie eine andere Erklärung?" Der alte Mann winkte mit einer Hand den Wirt herbei, der an der anderen Ecke des Tresens stand und bestellte sich das nächste Bier.
Plötzlich schoss Methos' Blick wach wie der eines Fuchses nach oben. Ein anderer Unsterblicher. Hier?! Methos seufzte. Na ja, zumindest aber konnte derjenige ihm hier nichts, schließlich waren dafür ein paar Menschen zu viel in diesem kleinen Laden und wer weiß, vielleicht würde der andere ja auch nur gemütlich sein Bierchen trinken wollen und ihn letztendlich ignorieren.
"Alles in Ordnung,... Opa?", fragte Parker. "Nur ein wenig Übelkeit", antwortete Methos. "Muss wohl an dem Schlafmangel liegen." Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, da hörte er aus dem Kaminzimmer im hinteren Bereich der Kneipe eine ihm doch all zu gut bekannte Stimme.
Amanda?!?
Mit einem Satz war Methos von seinem Barhocker hinunter gesprungen und warf einen Blick um die Ecke. Tatsächlich, da saß die Meisterdiebin mit einem Glas Cider in der Hand und unterhielt sich mit... Das war unmöglich. Nicht hier, nicht jetzt. Mit der einen Hand legte er eine Banknote auf den Tisch, während er mit der anderen den Arm des NSA-Manns fasste. "Wir müssen hier raus. Sofort!", sagte er in einem derart ruhigen und ernsten Ton, dass es einem Angst machen konnte.
* * * * * * * *
Methos zuckte mit den Schultern. "Ein alter Bekannter! Wir sollten so schnell wie möglich gehen." "Muss ja ein sympathischer Bekannter sein. Ist er auch...?", fragte Parker, noch immer ein wenig skeptisch, dem alten Mann gegen über. "Sie!", begann Methos seine Antwort. "Sie ist auch eine Unsterbliche, ja!" Mit schnellen Schritten stürmten beide auf den kleinen, blauen Nissan Micra zu. "Vor wem laufen wir eigentlich weg?", begann Parker, in der Hoffnung, ein wenig mehr von dem Geheimnis des Fremden zu erfahren. Methos' Blick wurde auf einmal bitter ernst. "Sagte ich bereits. Vor einer alten Bekannten." Der plötzlich eiskalte Blick des alten Mannes sollte in Parker eigentlich alle Neugier abgetötet haben, doch musste er irgendwie erfahren, in welchem Zusammenhang der mit dem Attentat stand. Könnte er der Auftraggeber sein? Nein! Dann hätte er nicht versucht, das Attentat zu verhindern. Doch hatte er das überhaupt versucht? Wer wusste schon, was in dem Kopf eines Mannes vorging, der mit Sicherheit ein paar Jahrhunderte alt war. "Vor alten Bekannten läuft man im Normalfall nicht weg", stocherte er weiter. Methos' Gesicht lockerte sich wieder und man konnte sogar den schwachen Hauch eines Grinsens auf dem Selbigen erkennen! "Vor manchen schon!"
Parker hatte das Gefühl, die Straßen, durch die sie fuhren, würden immer dunkler werden, immer leerer. Wo zum Teufel waren sie? Irgendwie wurde er langsam immer müder und wusste, dass er nun wirklich so schnell wie möglich aus dieser Situation heraus und in ein schönes warmes Hotelbett wollte.
"Wo sind wir, Pierson?", fragte Frank müde und mit leicht gereizten Nerven. Beinahe noch im selben Moment drückte Methos verbissen auf das Gaspedal. "Keine Ahnung. War hier noch nie", antwortete er ihm nebenbei. "Ich weiß allerdings, das uns meine *alte Bekannte* am Kofferraum klebt." "So plötzlich? Wir sind doch schon viele Kilometer weit weg von dem Laden." "Oh, sie war schon die ganze Zeit da. Sie hat nur so ein gewisses Talent sich verdeckt zu halten", erklärte Methos, zumal er selber nicht wirklich verstand, wie er sie solange übersehen konnte. Auch wenn Sam in solchen Spielchen sehr geübt war, so konnte er die Engländerin doch sonst immer recht gut durchschauen. Methos' kleiner Wagen wurde immer schneller. Man ahnte gar nicht, was sich aus einem solchen Auto alles rausholen lassen würde, doch wenn ein Mercedes hinter einem her war, sollte man doch mal versuchen, das Unmögliche wahr zu machen. Man musste ja nicht unbedingt schneller sein, geschickter reichte alle mal.
Ein grelles Quietschen ertönte und man meinte, der Wagen würde sich jedem Moment in seine Bestandteile auflösen, als Methos mit fast 140 km/h in eine kleine Seitenstraße einbog. Parker schluckte. "Meinen Sie nicht, dass es in dieser Situation mal an der Zeit wäre, mir zu sagen, weshalb ich hier gerade drauf gehe?" Starr blickte Methos auf die Straße. "Ihr Name ist Samantha Harris und sie kann mich nicht besonders gut leiden. Reicht das?" Der NSA-Mann runzelte die Stirn. "Das ist nicht zu übersehen." Ein Name war zumindest schon mal ein Anfang, allerdings wagte er zu bezweifeln, dass er noch sehr viel mehr aus dem Mann heraus bekommen würde, voraus gesetzt natürlich, er würde diese Autofahrt lebend überstehen.
Wieder quietschten die Reifen in den höchsten Tönen. Es hatte schon seinen Sinn, dass es in Ortschaften Geschwindigkeitsbegrenzungen gab, vor allem wenn man in einem kleinen, blauen Nissan Micra fuhr. Die Kurve hinter sich lassend, rissen beide Männer gleichzeitig panisch die Augen auf und drückten schon fast automatisch ihre Rücken an die Lehnen. Im selben Moment trat Methos kräftig aufs Bremspedal und das Letzte, was die beiden nun noch sahen, war, wie der ältere Volvo vor ihnen immer näher auf sie zu kam. Quietschende Reifen und zwei direkt nacheinander folgende Knaller der drei Wagen, riss die Hälfte der umliegende Nachbarschaft aus ihren süßen Träumen. Nach wenigen Sekunden klebten an viel zu vielen Fenstern eine Schar von mehr oder weniger leicht bekleideten Menschen, um zu sehen, was sich da mitten in der Nacht vor ihren Fenstern abspielte.
Vorsichtig öffnete Methos wieder seine Augen, doch das einzige, was er sah, war weiß und besonders gut Luft bekam er auch nicht. War er gestorben? Nein, das fühlte sich anders an. Vorsichtig hob er den Kopf an und versuchte sich mit Händen und Füßen von dem Airbag vor ihm zu befreien. Er hatte wirklich nicht gewusst, wie riesig diese Dinger waren! Plötzlich wurden seine Augen größer. Samantha! In Anbetracht dessen, dass sie jeden Moment vor seinem Auto, oder dem was davon übrig geblieben war, stehen könnte, war seine momentane Lage wirklich nicht gerade vorteilhaft. Er musste hier raus und sehr viel Zeit sollte er sich damit nicht lassen. Mit dem Ellenbogen schubste Methos vorsichtig seinen Beifahrer an. Er atmete noch, allerdings konnte er so noch nicht wirklich sagen, für wie lange noch.
"Parker?" Plötzlich schoss der NSA-Mann erschrocken hoch. "WAS?", begann er in einem Ton, der ein wenig verzweifelt klang. "Wer sind Sie? Was machen wir hier?" Methos brach innerlich beinahe zusammen. Heute war wirklich nicht sein Tag. Harris überlebte. Er verbrachte einen langen Abend in Gesellschaft jeder Menge englischer Polizisten, eines FBI- und eines NSA-Agenten. Dann tauchte Samantha auf. Sein Wagen wird von zwei weiteren Wagen zur Zieharmonika ummodeliert und seinen Beifahrer befiel in der ungünstigsten Situation Amnesie. Hoffentlich ist es nur einer dieser 5 Minuten Gedächtnisverluste, dachte Methos. Das war in solchen Fällen nicht selten. Er versuchte, Parker am Arm zu fassen und ihn aus dem Wagen zu ziehen, denn abgesehen von einer kleinen Platzwunde an der Stirn schien er wohl auf. Ruckartig schubste ihn der NSA-Mann zurück. "Was soll das? Erklären Sie mir erst mal, was ich hier mache und wer Sie sind", meinte Parker, noch immer ziemlich wirr. "Erklären Sie mir, wer Sie sind", erwiderte der Unsterbliche. Fragende Augen blickten von Parker aus zu ihm. Methos grinste. "Sehen Sie!", antwortete der ein wenig hämisch.
Parkers Blick wurde noch fragender. Was war bloß passiert? Er konnte sich an nichts mehr erinnern. Nicht mal seinen Namen wusste er noch. Er fühlte sich völlig verloren. Wie ein kleiner Junge, der seine Familie verloren hatte. Konnte er diesem Mann trauen. Wahrscheinlich nicht, aber was blieb ihm anderes übrig? Ein paar Fragen würde er ihm schon beantworten können. Wer weiß, vielleicht waren sie sogar verwandt.
Plötzlich schreckte MacLeod auf. Es war ein merkwürdiger Traum. Ein Traum von Methos. Eine scheinbar endlose Jagd durch einen dunklen Wald. Der alte Mann wollte ihn töten. Er jagte ihn, wie es schien, stundenlang und er spürte, wie er selbst immer schwächer wurde und Methos immer näher und näher kam. Er blickte in eiskalte Augen, dessen Besitzer nicht zögern würden ihn zu töten, als er von seinem Unterbewusstsein erlöst wurde und aufwachte. So etwas hatte er noch nie geträumt, zumal er sich sowieso recht selten an seine Träume erinnern konnte. Doch warum ließ ihn sein Unterbewusstsein so etwas durchleben? Er wusste, dass Methos ihm niemals wirklich weh tun würde, auch wenn seine makaberen Späße manchmal nicht wirklich ungefährlich waren. Na ja, er sollte dies schnell wieder vergessen und sich langsam auf den Wag machen. Er wollte schließlich spätestens in zwei Stunden am Flughafen sein. Er fuhr mit seinen Händen durch sein Gesicht und einen kurzen Moment später sprang er auf. Packen wollte er nicht, schließlich sollte er am Abend schon wieder zurück sein. Er kannte da ein paar Studenten, die sicherlich nicht begeistert wären, würde er sein Geschichtsseminar einfach so sausen lassen. Er zog sich seine schwarze Lederjacke über und begann durchs Boot zu laufen und alles zusammen zu suchen, was er auf der Reise brauchen könnte. Brieftasche, Schwert, Schlüssel, Ehre. Ja, er glaubte so weit alles beisammen zu haben. Vielleicht sollte er noch eine Sonnenbrille einstecken. Auch wenn es für August ziemlich kalt war, wusste man ja schließlich nie was passierte.
Plötzlich spürte der Highlander bei seinem nächsten Schritt ein Hindernis vor seinem vorderen Fuß. Er begann mit beiden Händen wild zu wedeln, versuchte, irgendwie sein Gleichgewicht zu bewahren, doch trotz aller körperlichen Geschicklichkeit war das in dieser Situation nicht so einfach, wie er anfangs dachte. Eine weitere Umdrehung mit den Händen und Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod verlor jeden Halt und stürzte im hohen Bogen zu Boden, direkt auf den volltrunkenen Franzosen, der direkt vor ihm auf dem Fußboden seinen Rausch ausschlief. Maurice! An den hatte er nun gar nicht mehr gedacht. Der Highlander stützte sich mit beiden Händen wieder ab und blickte auf. Er sollte noch irgendwie versuchen, den armen Kerl zumindest ein wenig nüchtern zu bekommen. Erfahrungen nach hatte er irgendwie die Vermutung, dass Maurice sonst am nächsten Morgen aufwachen würde ohne zu wissen, warum er auf dem Boot bzw. überhaupt in Paris war und vor allem, wo MacLeod hin war. Er packte den immer noch tief und fest schlafenden Franzosen unter den Armen und versuchte ihn vorsichtig hoch zu nehmen. Plötzlich aber gab dieser ein grummelndes Geräusch von sich, hob seinen Arm und schlug mit seinem Ellenbogen nach dem Störenfried. Ruckartig wich der Highlander aus und ließ den betrunkenen Mann wieder fallen, der dann wieder friedlich vor sich hin schnarchend auf dem Boden lag.
"Und sie können sich wirklich an gar nichts mehr erinnern, Mr. Parker?", fragte Methos. Doch der NSA-Mann schüttelte den Kopf, während sie durch die dunklen Straßen Londons streunten. Der Unsterbliche hatte nicht den geringsten Schimmer, wo sie waren und er musste zugeben, dass er sich im Moment auf nichts lieber als auf den Tagesanbruch wartete. Im Hellen würde die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Und was solle er mit seinem Amnesiepatienten machen. Vor vielen Jahrtausenden litt er selber mal daran und er hatte sich in mehreren Studien intensiv damit beschäftigt, daher wusste er auch, dass man bei einem solchen Fall nicht viel mehr als hoffen konnte. Im Moment wünschte er sich wirklich, er hätte den Mann nicht mit sich geschleppt. Parker versuchte sich wieder und wieder zu konzentrieren, versuchte sich zu erinnern, doch das einzige, was er vor sich sah, war eine hübsche Rothaarige in einem weißen Kittel. Wenn er diese Frau finden würde, würde ihm das wahrscheinlich schon einen Schritt weiter helfen. Er spürte, wie seine Knochen immer schwerer und schwerer wurden. Er wusste nicht mehr viel, doch er wusste, dass er todmüde war und im Moment kaum was dringender brauchte als ein Bett. Wie lange liefen sie nun hier schon durch die Straßen? Eine Stunde? Zwei? Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. "Ich erinnere mich an eine Frau", sagte er plötzlich, "eine Rothaarige, sehr hübsch, trägt einen weißen Kittel. Sagt Ihnen das was?" "Einen weißen Kittel?", fragte Methos noch mal nach. "Vielleicht eine Ärztin. Eine Wissenschaftlerin, oder ähnliches?" "Mag sein", begann Parker. "An eine große, leuchtende Kugel kann ich mich erinnern. Macht das Sinn?", fragte er skeptisch. "Wird es sicherlich", antwortete der Unsterbliche tiefsinnig. Plötzlich spürte Parker, wie etwas seinen Fuß erfasste. Sein Bein schüttelnd blickte er sich um. "Hey, haste mal ein paar Pence?", grölte ihn der Penner hinter ihm auf dem Boden an. Parker warf ihm einen skeptischen Blick zu, während sich auf Methos' Gesicht ein freudiges Grinsen bildete. Er ging auf den in Lumpen gekleideten Obdachlosen, den er auf zirka Dreißig schätzte, zu und hielt ihm 5 Pfund entgegen. "Das gehört dir, wenn du mir verrätst, wo wir ihr sind und wo hier die nächste Telefonzelle ist", sagte der Unsterbliche. Der Obdachlose zuckte mit den Schultern und sagte freundlich: "Hey, tut mir leid, Partner. Bin auch erst seit gestern hier. Wir sind irgendwo am Stadtrand. Mehr weiß ich auch nicht. Eine Telefonzelle habe ich ganz in der Nähe gesehen. Geh die Straße bis zum Ende weiter und dann links rein." Mit diesen Worten riss der Penner Methos das Geld aus der Hand und drehte sich wieder zurück in seine Ecke. "Ist doch schon mal etwas", sagte Methos, während erste Regentropfen auf sie beide niederfielen.
MacLeod atmete einmal tief aus. Endlich. Er hatte es nach schier unendlichen Strapazen geschafft, den Franzosen in die Dusche zu schaffen. Man konnte gar nicht glauben, zu was ein Mann im volltrunkenen Zustand so alles fähig war, vor allem im Schlaf. Hin und wieder hatte er das Gefühl, Maurice wäre kurz wach geworden. Er konnte sich wirklich nicht vorstellen, dass ein Schlafender es im Liegen fertig bringen würde zu versuchen, jemanden zwischen die Beine zu treten. Whisky hin oder her, er hatte getroffen. Und wie...! Da gelobte sich der Highlander doch wieder mal seine Unsterblichkeit, wahrscheinlich wäre ihm sonst wohl eine Menge Spaß am Leben verloren gegangen. Seufzend stellte der Highlander das kalte Wasser an, doch der Franzose regte sich nicht. Eine kleine Ohrfeige links, eine rechts, doch nichts passierte. MacLeod begann den Mann zu schütteln, immer wieder seinen Namen zu rufen, doch die einzige Antwort, die er bekam, war ein weiteres Grummeln und einen schlaffen Faustschlag ins Gesicht. Hoffnungslos stellte der Schotte das Wasser wieder aus. Er würde ihm einen Zettel schreiben, der alles erklärte. Ja, so würde er es machen. Alles andere wäre sinnlos, schließlich wollte er schon längst am Flughafen sein. Noch zwei Stunden, bis sein Flug ging, aber das sollte zu schaffen sein.
Mit finsterer Miene kam Methos, bei mittlerweile strömendem Regen, aus der Telefonzelle heraus. "Keine Chance", begann er. "Wenn es nicht gerade von vorn herein besetzt ist, dann heißt es, sämtliche Taxen wären durch und durch überlastet. Wie es aussieht, müssen wir uns wohl weiter durchschlagen." "Diese Kugel ist eine Zeitmaschine", warf Parker plötzlich, mit sehr skeptischem Unterton, ein. "Kann das sein? Das ist doch völlig wirr!" Methos blickte ihn mit großen Augen an, während er versuchte, sich mit seinem völlig durchnässten Mantel noch irgendwie zu wärmen. War das möglich? Eine Zeitmaschine. Na ja, der gute Albert hielt es für möglich. Wenn es auch nur schwer vorstellbar war, vielleicht hatte es tatsächlich wer geschafft. Wer weiß. Das wäre auch eine Erklärung dafür, warum dieser Mann von dem Attentat gewusst hatte. Der Unsterbliche klappte seinen Mantelkragen hoch und erwiderte: "Das ist vielleicht gar nicht so wirr, wie es scheint." "Wissen Sie etwas darüber?", fragte Parker neugierig. Methos grinste. "Nein, aber Sie sind von der NSA. Da ist eine Menge möglich."
Ein greller Blitz erleuchtete die Straßen der Stadt, dicht gefolgt von einem Donner, der beinahe schon in den Ohren weh tat. Etwa im gleichen Moment, erblickte Methos einen blauen Mercedes, der ihm gefährlich bekannt vorkam, auf sie zukommen. Der alte Mann brach innerlich fast zusammen. Das manche Leute auch immer so nachtragend sein mussten. Womit hatte er das bloß verdient? Methos warf Parker einen Blick zu. "Renn!" Er mochte diese Idee zwar nicht besonders, doch irgendwie schien das in diesem Moment einfach am Effektivsten. Somit nahm er also seine Beine in die Hand und rannte. Rannte so schnell er konnte. Parker, der nicht den geringsten Schimmer hatte warum, immer dicht hinter ihm.
Der Regen wurde immer stärker und das Donnern immer lauter. Die Wege, auf denen sie liefen, schienen unendlich zu werden. Ecke um Ecke. Sie rannten über kleine Hinterhöfe, kleine Wege und so ziemlich alles andere, durch das Autos nur schwer drüber und durch kamen.
Plötzlich stoppte Methos und blickte sich um. Ein Blick nach links und ein weiterer nach rechts. Es war nichts von einem blauen Mercedes zu sehen. Es war nicht einmal irgend ein Auto zu sehen, geschweige denn zu hören, was den alten Mann in diesem Moment doch irgendwie beruhigte. Erschöpft lehnten sich die beiden Männer an die Hauswand und schlossen die Augen. Langsam begann Methos sich zu wünschen, jeden Moment in seinem warmen Bett aufzuwachen und von einem netten Menschen ein umfangreiches Frühstück gebracht zu bekommen. Doch irgendwie ahnte er, dass genau das nun nicht passieren würde.
Urplötzlich spürte er einen Buzz und nur einen kurzen Moment später meinte er zwischen dem Prasseln des Regens Schritte direkt neben sich zu hören. Ruckartig riss er die Augen auf und blickte direkt in ein ihm sehr bekanntes Gesicht. "Harris!", brach es aus Methos hinaus. Der Blick des anderen Unsterblichen war eiskalt und voller Abscheu.
"Ich weiß was du letztes Jahrhundert getan hast, Adam!"
* * * * * * * *
"Du warst es!", giftete Harris ihn an. "Du hast vor 80 Jahren unseren Sohn Billy umgebracht!"
Gut, wenn er spielen wollte, würde er den jungen Knaben nicht enttäuschen. Methos schlug die Zeitung zu und legte sie zurück ins Archiv. Der kleine Billy war ein Kopfgeldjäger, oder er wäre gern einer. Wie auch immer. Wer hätte das gedacht? In solchen Situationen lobte er sich immer den Zugang zu derartigen Zeitungsarchiven. Es war erstaunlich, wie viel sich da über manche Leute herausfinden ließ. Wirklich verlassen sollte man sich aber nicht darauf, dort etwas zu finden. Es war doch immer vorteilhaft, sich viele verschiedene Informationsquellen anzusammeln. Am günstigsten wäre es natürlich, wenn jemand mal eine Maschine für den alltäglichen Gebrauch erfinden würde, aus der man gemütlich von zu Hause all diese doch immer notwendigen Informationen ziehen konnte, aber wer weiß, vielleicht lag diese Idee gar nicht mal so fern. Methos seufzte. Zumindest wusste er nun, dass er aufgefallen war. Irgendwie hatte er schon vermutet, dass es dem MI6 nicht schmecken würde, wenn jemand sich ihre Akten unter den Nagel riss, dennoch konnte er es nicht riskieren, dass jemand hinter sein hübsches kleines Geheimnis kam. Er konnte es schon förmlich vor sich sehen:
-Unsterblicher in England entdeckt!-
Erst würden Tests durchgeführt werden und dann würde schon irgendwer kommen, um ihn seines Kopfes zu entledigen. Er fragte sich wirklich, wie er immer wieder in solche unangenehmen Situationen kam, aber so war wohl das Leben! Er sollte sich so schnell wie möglich aus dem Staub machen. Am besten weit weg von Europa. In ein kleines Dorf in den Staaten. Da dürfte ihn niemand finden. In den nächsten Tagen sollte die Jungfernfahrt des Nobelschiffes Titanic in Southhamton starten. Unvorstellbar groß und unsinkbar sollte sie sein. Er würde gleich heute versuchen noch ein Ticket für die Fahrt zu ergattern. Würde sicher interessant werden, mit dem Schiff seinen Verfolgern zu entkommen!
Der alte Mann zupfte sich seinen beigekarierten Gehrock zurecht, fuhr sich mit der Hand durch seinen Zwirbelbart und verließ das Gebäude. Er musste schnellstens eine Karte für das Schiff bekommen. Es wäre doch zu schade, würde er diese Gelegenheit versäumen. Gerade hatte er das Gebäude verlassen, da lief ein junger Mann auf ihn zu. Er war gutaussehend, etwa Anfang zwanzig, dunkelhaarig und gutgekleidet. "Mr. Stevens! Ich bin bereits den ganzen Morgen auf der Suche nach ihnen. Wo haben Sie bloß gesteckt?", sprach er den Unsterblichen an. "Oh, ich war im Archiv. Ich habe mich schon als kleiner Junger immer für alte Zeitungsartikel interessiert. Ich bin immer auf der Suche nach besonderen Geschichten, Billy!" "Ich habe ihnen die Freibier-Gutscheine besorgt, die sie wünschten, Mr. Stevens." "Danke, Billy. Das war alles, was du mir sagen wolltest?", fragte Methos ungläubig nach. "Nein, Sir!", begann er. "Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie zu meiner Geburtstagsfeier heute Abend kommen würden, Mr. Stevens." "Du hast Geburtstag?", fragte er scheinbar interessiert. "Natürlich komme ich. Wie alt wirst du?" Billy grinste verlegen. "Dreiundzwanzig, Sir", antwortete er. Kein schlechter Schauspieler, der Kleine, dachte Methos. Dennoch, so wusste er, war er selbst da noch um Längen besser. Nun wollte er ihn also in die Falle tappen lassen, aber so ganz problemlos, wie er sich das vorstellte, würde es wohl nicht ablaufen. Heute Abend würde er verschwunden sein. Niemand würde auch nur ahnen, wo er war, bis in ein paar Tagen das Schiff vom Hafen ablegte. Bevor er seine Sachen packte, würde er sich aber erst auf den Weg machen um das Bier abzuholen. Ein Geschenk sollte man schließlich nicht ablehnen. Gerade hatte er diesen Gedanken zu Ende geführt, da schoss sein Kopf mit aufgerissenen Augen nach oben. Ein Unsterblicher! Irgendwie kam ihm das gerade nicht sehr gelegen.
"Ist alles in Ordnung, Mr. Stevens?", fragte Billy besorgt nach. "Ja, natürlich. Ich habe nur ein wenig Kopfweh." "Soll ich Ihnen etwas aus der Apotheke holen?" Kurz nachdem diese Worte über die Lippen des jungen Mannes traten, bildete sich auf seinen Lippen ein breites Lächeln. Eine Frau, Mitte 30, mit langen, mittelblonden Haaren kam von der Seite her auf sie zu. Eine Unsterbliche! Freudig zog Billy die Frau zu sich. "Darf ich vorstellen, Mr. Stevens? Samantha Harris. Meine Mutter." Lächelnd streckte Methos der Frau seine Hand entgegen. "Michael Stevens. Sie haben einen wundervollen Sohn, Mrs. Harris", tat er extrem freundlich. "Vielen Dank. Ich habe schon viel von Ihnen gehört, Mr. Stevens", erwiderte sie. Das konnte sich Methos gut vorstellen. Wahrscheinlich würde es auch nicht mehr lange dauern, bis der gute Billy wissen würde, dass sein Arbeitgeber ein wenig älter war, als erwartet was die ganze Sache nicht einfacher machte. Methos war alles andere als unglücklich, als die Frau sich dann auch relativ schnell entschuldigte und anderen Verpflichtungen nachging. Er hoffte nur, dass auch ihr Sohn ihm bald ein wenig Spielraum lassen würde. "Sie ist extra zu meinem Geburtstag gekommen", log der junge Mann. "Sie ist eine wunderbare Frau, nicht wahr, Mr. Stevens?" Methos grinste. "Ja, das ist sie. Sie scheint sehr jung. Sie ist nicht deine richtige Mutter, stimmt's?" Billys Blick wurde traurig. "Nein, ist sie nicht. Ist das so offensichtlich? Sie fand mich, als ich noch ein kleiner Junge war, doch sie und ihr Mann James liebten mich immer wie ihr leibliches Kind." Irgendwie war Methos bei dem Gedanken gar nicht wohl. Ein Kopfgeldjäger mit einer unsterblichen Mutter. Was für ein Duo! Er konnte es förmlich vor sich sehen...
Mit einem kleinen Koffer in der Hand stieg Methos aus dem Zug. Er hatte es so gut wie geschafft. Nun hieß es nur noch gesund an Bord zu kommen und Billy und seine Familie ganz schnell zu vergessen. Er hatte sein restliches Hab und Gut, halt alles, was er so im alltäglichen Leben brauchte, schon voraus geschickt. Ein wenig Kleidung, ein paar gute Bücher, sein Schwert und eine kleine 'Kanone' sollten reichen, bis sie in den Staaten waren. Für die Unterhaltung, soll ja den Zeitungsartikeln nach, auf dem 'Bötchen' ausreichend gesorgt sein. Es war nicht weit und plötzlich war er da. Er stand vor dem sichersten und nobelsten Schiff der Welt und er musste zugeben, dass es selbst für ihn gigantisch erschien. Würde sicherlich interessant werden, die Fahrt. Plötzlich spürte er, wie es in ihn fuhr, das Gefühl, dass ein Unsterblicher in der Nähe war. Konnte das sein? Konnte es wirklich sein, dass die glückliche Familie Harris ihn hier aufgespürt hat? Methos versuchte, keinen voreiligen Schlüsse zu ziehen. Genauso gut war es möglich, dass es ein anderer Unsterblicher war, doch irgendwie konnte er das nicht wirklich glauben. Mit schnellen Schritten tummelte er sich unter die Menschenmenge vor dem Schiff, dort würden sie ihn nicht so schnell finden und ihm mal nebenbei den Kopf abschlagen war hier auch ziemlich ungünstig.
Es waren wirklich unglaublich viele Leute gekommen, um sich das Schiff anzusehen. Menschen jeder Hautfarbe und Klasse tummelten sich am Hafen herum und starrten besessen auf die Titanic. Plötzlich spürte Methos deutlich den Lauf einer Pistole in seinem Rücken und eine ihm wohlbekannte Stimme sagte: "Sie wollen verreisen, Mr. Stevens? Ich habe ein paar Freunde, die wollen sie unbedingt noch kennenlernen." Billys Ton war auf einmal ernst und kalt, nicht mehr so freundlich und aufopferungsvoll wie zu vor. "Ich weiß, seinem Chef gegenüber benimmt man sich nicht so, doch in Anbetracht der Tatsachen ist es, denke ich, angebracht." Ruhig ließ sich der Unsterbliche von Billy wegführen. Schließlich konnte er es sich nicht leisten, hier mitten in der Menge Aufsehen zu erregen.
Anhand seiner eindeutig wackelnden Hand erkannte Methos, dass Billy nicht annährend so locker war, wie er versuchte es ihm weis zu machen. Er war eben, doch nicht so ein guter Schauspieler. Wahrscheinlich, so vermutete Methos, lief er momentan schweißgebadet hinter ihm her und wünschte sich nichts mehr, als möglichst schnell das versprochne Geld für den Gesuchten in den Händen zu halten. Er spürte deutlich, dass der Unsterbliche, den er wahrnahm, immer näher kam und sobald sie das Getümmel verlassen hatten, stand Samantha Harris plötzlich vor ihnen. Sobald ein Unsterblicher mit im Spiel war, sah die Sache immer gleich ganz anders aus. So hätte ein Schuss nicht wirklich dramatische Folgen, doch wenn es nicht gerade ein Unsterblicher mit einer extrem hohen Moralvorstellung war, konnten die Nachwirkungen schnell dramatisch werden. Auf der anderen Seite aber, dachte er ebenfalls, dass er sich hin und wieder auch mal auf sein Geschick verlassen musste. Mal abgesehen davon wollte Klein-Billy ja auch sein wohlverdientes Geld haben und sie würden dem MI6 wohl kaum den Gesuchten ohne Kopf vorführen können. Zumindest nicht, ohne mit einer Menge Fragen bombardiert zu werden. Langsam ließ der alte Mann seine Hand unter seinen Gehrock wandern. Mit jeder Bewegung ein wenig mehr, so das niemand auch nur den geringsten Verdacht schöpfen konnte. Dann ging alles ganz schnell. Methos riss sich los und hatte beinahe noch im selben Moment seine Pistole gezogen. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, bis der erste von den zwei Schüssen fiel, die zwei Menschen vor ihm tödlich trafen. Der eine würde nie wieder das Licht der Welt erblicken, während die andere in wenigen Minuten wieder wie neu war.
Methos spürte wie der Lauf einer Waffe in seinen Bauch drückte. "Harris! Das ist ein Missverständnis. Ich habe deinen Sohn bestimmt nicht umgebracht", begann der alte Mann sich zu verteidigen. "Samantha sagt, du warst es. Sie hat dich gesehen und sie hat dich wiedererkannt", sagte Harris ein wenig traurig. "Menschen verändern sich, Harris. Sie muss mich verwechseln." Methos hatte das Gefühl, Harris wusste, dass Samantha recht hatte, nur wollte er es nicht glauben. Er wollte nicht glauben, dass sein Freund, sein großes Vorbild Adam Pierson, tatsächlich derjenige war, der seinen Sohn erschossen hatte und genau so sollte es sein.
Parker fühlte sich derzeit noch verwirrter als zu vor. Der Mann, dem er die ganze Zeit über zwangsläufig bis aufs Blut vertraute, sollte ein Mörder sein? Irgendwie konnte er sich das nicht vorstellen. Und was hieß vor 80 Jahren? Ihr Verfolger musste verrückt. Irgendwas musste er unternehmen, nur was? Der NSA-Mann beobachtete, wie der Mann immer unruhiger wurde und irgendwie hatte er das Gefühl, er würde allein aus Panik jeden Augenblick abdrücken. Plötzlich trat Parker, beinahe schon instinktiv, dem Angreifer mit einem Sidekick ins Gesicht. Der Mann brach sofort bewusstlos in sich zusammen und ohne zu wissen, wie er das gemacht hatte und woher er das konnte, rannte Frank los und der alte Mann gleich hinter her. Sie rannten so schnell sie konnten und sie hatten bereits mehrere Straßen hinter sich gelassen, als Methos plötzlich stoppte. Er spürte keinen Unsterblichen mehr in unmittelbarer Nähe und er hatte noch immer nicht geringsten Schimmer, wo er war. Auch sonst sah er keinen Menschen auf den Straßen.
Plötzlich schien es als, würde ihm ein Stein die Kehle runter rutschen.
Wo war Parker?
|