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Ich weiss, was du letztes Jahrhundert getan hast!
Teil 1
Teil 2
 
 

Ich weiß, was du letztes Jahrhundert getan hast!

© by Chrissie ()

 

Disclaimer: Mit diesem kleinen Schriftstück werden keinerlei kommerziellen Absichten verfolgt, mit anderen Worten ich werde mit dieser Story keinen Pfennig Geld verdienen. Alle Ähnlichkeiten mit waren Personen oder Begebenheiten sind rein zufällig (meistens ;-)!)
Vorwort: Dies ist eine vielleicht "leicht" satirische Highlander / 7Days Geschichte rund um die alltäglichen Begebenheiten die so auf Unsterbliche und durch die Zeitreisende NSA Mitglieder zukommen.
Danken möchte an dieser Stelle noch schnell Antje M. (aka Amy) und Susanne (aka Shendara) - für ihr fleißiges Korrekturlesen, meinem Freund Andreas für die tatkräftige Unterstützung beim auffrischen meines 7D-Backgroundwissens und natürlich Birgit L., die mir (mehr oder weniger freiwillig ;-)!) ergeben die Erlaubnis gab, die Unglücksgeschichte rund um ihre nagelneuen Fahrgelegenheit, zu verwursten.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion und unter Diverse Serien.

 
Teil 9

 
- zur gleichen Zeit, an einer anderen Ecke des Viertels -

 

Völlig aus der Puste blickte Parker sich verwirrt um. Wie konnte er bloß seine einzige Hilfe verlieren. Nun war er mutterseelenallein und hatte nicht den geringsten Schimmer, wer er war und wo er hin sollte.

Er fragte sich immer wieder, ob es richtig war, dem Mann zu helfen, schließlich sollte er einen Menschen getötet haben, doch irgend etwas in ihm musste es ja scheinbar für richtig gehalten haben. Wer weiß, vielleicht war es eine Verwechslung oder ein Missverständnis. Er musste halt nun voll und ganz auf sein Unterbewusstsein vertrauen, denn das war alles, was er noch hatte.

Es war ein unerträgliches Gefühl, gar nichts mehr aus seinem Leben zu wissen. Krampfhaft versuchte er, sich wieder und wieder an etwas zu erinnern, doch außer der rothaarigen Frau im weißen Kittel und dieser merkwürdigen Kugel, die ihn mehr verwirrte als half, blieb sein gesamtes Leben ein einziges schwarzes Loch.

 

Erschöpft setzte sich Parker auf eine Mauer. Half es ihm, ziellos in der Gegend herum zu irren? Er musste systematisch vorgehen, versuchen, Bilder oder Telefonnummern in seinen Taschen zu finden. Er holte seine Brieftasche heraus und blickte auf seinen NSA - Ausweis. Der Mann hatte also tatsächlich recht, er war bei der NSA und sein Name war wirklich Frank Parker. Irgendwie wirkte das beruhigend auf ihn.

Er begann eine streunende Katze zu streicheln, die sich eben neben ihn setzte und kläglich begann zu maunzen.

Eine Katze?

Plötzlich erinnerte er sich an eine Katze, eine grau-blaue Karteuser. Hatte er eine Katze? Eine Katze namens Olga? Irgendwie fiel ihm der Name in dieser Verbindung ein. Ja, er musste eine Katze haben, die Olga hieß.

Plötzlich hörte er das Klingeln des Telefons in seiner Tasche. Er wusste nicht wirklich warum, doch irgendwie wirkte das auf ihn erschreckend. Sollte er ran gehen. Er würde diese Person nicht kennen, doch sie würde ihn kennen. Sie könnte ihm helfen sich zu erinnern. Skeptisch nahm er das Telefon aus seiner Tasche.

 

"Hallo?", sprach er vorsichtig in den kleinen Apparat.

"Parker! Wo stecken sie zum Teufel noch mal. Sie sollten sich schon vor Stunden gemeldet haben."

"Es tut mir wirklich sehr leid, Mister. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wer sie sind und um ehrlich zu sein, genau so wenig weiß ich, wer ich bin."

"Sehr witzig, Parker und nun legen Sie schon ihren Bericht ab", sagte der Mann aggressiv.

"Bericht? Hören Sie, ich sage die Wahrheit."

"Das ist nicht witzig, Parker und um ehrlich zu sein, bin ich Ihre makaberen Scherze langsam wirklich leid."

"Es ist kein Scherz. Das Einzige an was ich mich erinnere, ist meine kleine Katze Olga."

"Spinnen sie nicht rum, Parker. Sie haben doch gar keine Katze. Olga ist unsere Ärztin."

"Dann ist Olga die Rothaarige im weißen Kittel, richtig?"

"Sie wissen es wirklich nicht, oder?", fragte der Mann skeptisch.

"Nein", antwortete Parker. "Ich weiß es wirklich nicht und ich weiß auch noch immer nicht, mit wem ich überhaupt spreche."

"Nat Ramsey, NSA - Sicherheitsbeauftragter. Frank, wenn Sie mich verarschen...ich sorge dafür, dass Sie im Leben nicht mehr glücklich werden."

"Ich verarsche Sie nicht, Mr. Ramsey. Glauben sie mir. Ich suche nur dringend jemanden, der mir helfen kann."

"Ich schicke Ihnen Olga und Donovan nach London. Stellen Sie bloß solange nichts an, Parker."

 

 
- 7:00 Heathrow Airport, London-

 

Todmüde stieg der alte Mann aus dem Taxi aus. Jeder einzelne Knochen in seinem Leib tat ihm weh, aber war das ungewöhnlich, nach dem er die ganze Nacht durch die dunkelsten Ecken Londons geirrt war und ständig aufpassen musste, nicht einer gewissen Familie Harris in die Arme zu laufen. Es war das reinste Wunder, dass er eine Viertelstunde zuvor tatsächlich endlich ein Taxi bekommen hat. Gerade pünktlich, um MacLeod abzuholen.

Eigentlich sollte er nun mit dem nächsten Flieger nach Bora Bora fliegen. Dort gäbe es keine Samantha und er war auch schon viel zu lange nicht mehr da gewesen, doch dann würde Harris wahrscheinlich in hundert Jahren wieder vor ihm stehen und sagen: 'Ich weiß, was du vorletztes Jahrhundert getan hast' und irgendwann, wenn er nicht mehr damit rechnete, würden sie ihm hinterrücks den Kopf abschlagen. Nein, das wäre keine gute Idee. Er musste dafür sorgen, dass Beide noch in den nächsten Stunden ihre hübschen englischen Köpfe verlören.

Schnellen Schrittes steuerte Methos das Terminal an. Der Highlander musste bereits gelandet sein und er hoffte, ihn nicht verpasst zu haben, aber wo sollte er auch hin? Schließlich wusste er ja gar nicht, wo Methos nun wohnte. Der älteste aller Unsterblichen hielt es nun mal für sicherer, regelmäßig um zu ziehen. Er hatte eine Gewohnheit daraus gemacht.

 

Gerade hatte er das Terminal betreten, da durchfuhr ihn das ihm nur all zu bekannte Gefühl, dass ein anderer Unsterblicher in der Nähe war. Er hatte ihn also nicht verpasst. Er war hier. Nicht von der Stelle weichend blickte Methos sich um. Er spürte, das der Andere sehr nahe war, doch es tummelten sich so viele Menschen in diesem Gebäude, dass es schwierig war, MacLeod auf den ersten Blick zu erkennen.

Zielstrebig ging der alte Mann erst mal Richtung Kaffeeautomat, denn einen Kaffee brauchte er nun wirklich. Sobald sie zu Hause waren, würde er sich erst mal für ein paar Stunden aufs Ohr hauen. Harris hin oder her, schließlich brauchte er seinen Schönheitsschlaf.

Er hoffte wirklich, dass seine Pechsträhne mit dem Erscheinen von MacLeod ein Ende hatte, aber noch mehr hoffte er, dass er mit der Hilfe des Highlanders das ganze Problem aus der Welt schaffen könnte. Während seiner Zeit bei den Beobachtern hatte er es unter anderem auch geschafft, die Familie Harris ein wenig zu studieren und er wusste, MacLeod war genau der Richtige für den Job.

 

Gerade hatte er diesen Gedanken zu Ende geführt, da erblickte er den Schotten auch schon direkt vorm Kaffeeautomat und stürmte zu ihm.

MacLeod lächelte den alten Mann an. "Und ich hätte meinen Kopf verwettet, du würdest noch in den süßesten Träumen schweben."

"Sagen wir's so, Mac. Ich war gerade in der Gegend und dein Abholdienst ist verhindert."

"Du siehst schrecklich aus, Methos. Hat es etwas damit zu tun, warum ich her kommen sollte?", fragte der Highlander ernst.

"Ich erkläre dir alles, sobald wir zu Hause sind und ich ein wenig Schlaf nachgeholt habe. Zuvor haben wir allerdings noch was anderes vor", sagte er so, dass es selbst einen Duncan MacLeod neugierig machte.

Der alte Mann legte seinen Arm um Duncans Schulter und grinste ihn an. "Wir gehen ein Auto kaufen!"

Skeptische Blicke trafen den ältesten Unsterblichen. "Ein Auto? Jetzt?"

"Na ja, mein Auto hat gestern durch einen unglücklichen Zwischenfall seinen Geist aufgegeben. Ich brauche ein neues."

"Jetzt?", fragte der Highlander erneut ungläubig nach.

"Jetzt!", antwortete Methos. "Ich habe den Wagen schon genau vor Augen. Ein blauer Lancia Y."

"Seit wann fährt du Kleinwagen, Methos?"

Der alte Mann zuckte mit den Schultern. "Hin und wieder ändere ich halt mal meinen Stil."

"Und für diesen neuen Stil brauchst du einen Lancia Y? Jetzt?"

Methos antwortete mit einem völlig selbstverständlichem Nicken, während er mit einer Hand ein Taxi herbei winkte.

Beim Betreten den Taxis blickte der Highlander Methos bitterernst an. "Methos? Amanda ist hier in London entführt worden. Weißt du etwas davon?"

Seufzend ließ der alte Mann sich in den Sitz rutschen. "Ja, ich habe davon gehört", antwortete er locker. "Aber glaube mir, MacLeod, sie kommt da heile wieder heraus. Du kennst doch Amanda. Unkraut vergeht nicht. Sieh mich an."

"Ich weiß, du willst mich nur beruhigen, aber nachdem, was Joe sagte, ist sie von einem Killer - Ehepaar entführt worden. Methos, was weiß du darüber?" MacLeods Stimme klang wirklich besorgt.

"Nicht viel, MacLeod. Ich erkläre dir alles, wenn wir bei mir sind. Was hat Joe noch über sie erzählt?", fragte Methos skeptisch.

"Nicht viel, warum?"

"Nicht so wichtig."

 

 
- währenddessen, in einem kleinen Haus am Stadtrand von London -

 

"Habe ich das richtig verstanden. Du hast mich nur eingeladen, um an Billys Mörder zu kommen?", fragte Amanda erschrocken und nippte an ihrer Tasse Frühstückskaffee.

"Amanda, du musst das verstehen. Das war die beste Chance, an ihn heran zu kommen und sie ist es noch. Wir hätten ihn gestern fast gehabt, doch sein Freund hat unsere ganze Verfolgungsjagd wieder zunichte gemacht."

"Ich kann dich auch ein wenig verstehen, Sam. Sicher willst du Rache an dem Mörder deines Sohnes ausüben, aber was habe ich damit zu tun?"

Samantha begann ein wenig hämisch zu lachen. "Dieser Mann, Amanda, ist DEIN Freund."

Amanda begann zu grübeln. Wen könnte sie meinen? MacLeod? Nick? Nein. Keiner von beiden war ihres Wissens nach hier. "Wie ist sein Name, Sam?", fragte Amanda skeptisch nach.

"Pierson, meine Süße. Adam Pierson. James kam an die Information, dass ihr beide seit ein paar Jahren ein Paar seid und da wir beide ja alte Freunde sind..."

Nun konnte sich Amanda ein Lachen nicht verkneifen. "EIN PAAR? Samantha, Adam und ich kennen uns schon ziemlich lange, aber ein Paar wären wir sicher nicht."

"Das kann nicht sein Amanda. Die Informationen passen genau zusammen." Plötzlich stockte die Frau und blickte Amanda erschrocken an. "Mein Gott!"

"Was?", fragte Amanda nach.

"Die Informationen stammten von James' neuem Freund."

"Und...?"

"James' neuer Freund war Adam Pierson. Ich verstehe das nicht. Warum sollte er das tun? Warum würde er dich mit in die Sache hinein ziehen wollen?"

"Das ist Adams Handschrift, Sam. Warum er das tut, wird sich noch herausstellen"

Plötzlich sprang Samantha von ihrem Stuhl auf, ihr Blick war starr geradeaus gerichtet.

"Dieser Kerl hat mich an der Nase herum geführt", schrie sie hysterisch in den Raum. " Er wollte mich zu Narren halten, aber nicht mit mir. Nicht mit mir. Dieser Mann wird sterben... und dieser Mann wird leiden. Er wird leiden, bis er vor mir auf den Knien um Vergebung bettelt..."

 

Entsetzt blickte Amanda ihre alte Freundin an. Kann sich ein Mensch in dreihundert Jahren so sehr verändern? Konnte der Tod ihres Ziehsohnes sie so verwirrt haben? Das war nicht die Samantha, die sie kannte. Die Samantha, die sie kannte, war eine rechtschaffene englische Kopfgeldjägerin und eine gute Freundin, die immer für sie da war. Sie hoffte nur, MacLeod würde sie niemals so sehen.

"Sam, beruhige dich. Adam kann ein verdammtes Mistvieh sein, ich weiß. Aber er hat auch gute Seiten, glaube mir", versuchte sie die andere Unsterbliche zu beruhigen.

Amanda nahm einen weiteren Schluck Kaffee und senkte den Kopf. Was sollte sie bloß tun. Sie konnte weder Methos noch Samantha ans Messer liefern und eine Alternative fiel ihr in dieser Situation wirklich nicht ein. Samantha hatte sich wirklich sehr verändert, aber sie hatte doch damals eine wirklich schöne Zeit mit ihr erlebt.

Urplötzlich zog Samantha ihr Schwert hervor und hielt es der anderen Unsterblichen an den Hals. "Sag mir, wo ich diesen Pierson finden kann, Amanda. Sag es mir und glaube nicht, ich würde nicht zuschlagen."

 

Vor lauter Schreck und Überraschung hatte Amanda das Gefühl, ihr Herz würde jeden Moment aufhören zu schlagen. Sie konnte nicht glauben, dass dies tatsächlich die Samantha war, die sie einst gekannt hatte.

 

* * * * * * * *

 
Teil 10

 
- 10:00 hrs., In einer Häuserecke, irgendwo an einem dunklen Vorort von London -

 

Er sah Olgas Gesicht, sah es direkt vor sich. Er lag in einem Bett und ihre Hände wischten ihm den Schweiß von der Stirn. Sie lächelte ihn an.

Sein Blick bewegte sich nicht aus ihrem Ausschnitt und es störte sie nicht einmal. War ihr Kittel immer so weit ausgeschnitten? Trug sie ihn immer auf nackter Haut?

Plötzlich riss eine Hand, die fest seine Schulter umfasste, Parker aus dem Schlaf und in dem Bruchteil der Sekunde saß er aufrecht und blickte einen unrasierten in Lumpen gekleideten Mann an.

"Hey, Bruder, gehen wir zusammen frühstücken? Ich wette, du hast noch ein paar Pfund dabei, richtig?", fragte der Penner und grinste ihn freundlich an.

Erschrocken blickte Parker den Fremden an, blickte sich um. Er lag auf ein paar Kartons, in mitten einer Häuserecke. Was zum Teufel tat er hier?

"Sag bloß du erinnerst dich nicht, Bruder?", fragte der Penner. "Wir hatten einen so lustigen Abend mit deiner gesponserten Flasche Whisky. Hey, ich habe dir sogar mein Bett überlassen!"

"Ja. Ich kann mich so ganz schwach erinnern", antwortete Parker. Tausende von Gedanken schossen durch seinen Kopf. Olga, Ramsey, eine Katze und irgendwie konnte er sich auch an einen Unfall und einen sehr alten Mann erinnern. Es war alles so verwirrend. Er wusste nicht einmal wirklich, warum er eigentlich hier war. Sollten Olga und Donovan ihn nicht abholen?

"Was ist nun, Bruder?", riss ihn der Obdachlose aus den Gedanken.

"Tut mir leid", antwortete Parker und drückte dem Mann einen Geldschein in die Hand. "Vielen Dank für dein Bett, ich muss weiter."

 

Freudig blickte der Mann auf den Geldschein, während Parker sich ein wenig ziellos wegbewegte. Er sollte sich irgendwo ein schönes teures Zimmer suchen, schließlich war er ja beruflich unterwegs und wozu sonst hatte er diese tolle limitfreie Kreditkarte?!

Langsam aber sicher konnte er sich auch an den gestrigen Abend wieder erinnern. Ohne zu wissen, wer und wo er war, hatte er sich diesem Obdachlosen anvertraut, der von Parkers Brieftascheninhalt wirklich begeistert war.

Na ja, zumindest war sein Gedächtnis nun wieder da, wenn auch einiges noch ein wenig verschwommen war. Was hatte es bloß mit diesem Unsterblichen auf sich? Hatte er es bloß geträumt? Nein, er hatte es wieder genau vor Augen. Wie der Mann vor dem Polizeirevier erschossen wurde und ohne einen Kratzer wieder aufstand. Er wusste auch wieder, wie sie aus dem Pub geflohen waren und während der Verfolgungsjagd in einen Autounfall verwickelt waren. Irgendetwas stimmte mit diesem Mr. Pierson nicht und er würde heraus finden was, soviel war sicher!!

Mit noch immer müden Augen, wollte Parker auf seine Uhr sehen, doch statt dessen blickte er nur auf sein leeres Handgelenk. "Das war eine Spezialanfertigung", schrie Parker auf die leere Straße.

Er hätte diesem Penner niemals vertrauen sollen und überhaupt, er musste schon ziemlich verzweifelt gewesen sein, gestern Abend.

 

 
- etwa zur gleichen Zeit vor Methos' Haus -

 

Vorsichtig parkte der alte Mann seinen nagelneuen, blauen, Lancia Y in die Einfahrt vor seinem Haus ein. So ein kleiner Wagen war einfach zu praktisch und zudem auch noch sehr bequem. Allerdings hätte selbst der beste Autofahrer Schwierigkeiten, an dem schräg parkenden Wohnmobil seiner Nachbarin vorbei zu kommen. Aber mit der Zeit lernte man alles und er hatte es sich abgewöhnt, sich noch darüber aufzuregen.

"Bist du mir nicht langsam mal eine Entschuldigung schuldig, Methos?", fragte MacLeod im ernsten Ton auf dem Weg ins Haus.

"Nicht so eilig, Mac. Ich habe seit über 24 Stunden kein Auge mehr zu getan. Ohne ein paar Stunden Schlaf erzähle ich gar nichts und du siehst auch so aus, als würde dir ein kleines Nickerchen nicht schaden", antwortete er mit dem Hauch eines Grinsens auf seinen Lippen. Irgendwie fand er MacLeods Ungeduld doch zu amüsant. Es konnte nicht schaden, ihn da noch ein wenig schmoren zu lassen, zumal er den Schlaf nun wirklich brauchte. Etwas wie das Ehepaar Harris sollte man nicht unausgeschlafen anpacken.

Müde war MacLeod wirklich, doch war er bestimmt nicht nur zum Schlafen hergekommen, das hätte er zu Hause genauso gekonnt. Warum hatte er bloß ständig das Gefühl, der alte Mann würde ihn an der Nase herumführen? Na ja, wahrscheinlich kannte er ihn mittlerweile einfach ein wenig besser. Er hoffte nur, dass Methos ihn nicht einfach nur zu seiner Unterhaltung hatte einfliegen lassen, schließlich machte er sich auch noch höllische Sorgen um Amanda.

"Und du willst wirklich schlafen? Jetzt?", fragte MacLeod skeptisch nach, während sie von der Haustür aus geradewegs ins Schlafzimmer marschierten.

"Natürlich", antwortete ihm der alte Mann völlig locker, während er sich seinen dreckigen Sweater abstreifte und ihn in den Flur schmiss. "Und das solltest du auch tun, Mac. Glaube mir, das wirst du brauchen."

"Du hast wahrscheinlich recht", antwortete MacLeod während er den ersten Schritt ins Schlafzimmer setzte. Wenn ihm auch noch immer nicht ganz wohl bei dem Gedanken war, während Amanda irgendwo in Gefahr war, sich hier nun einfach aufs Ohr zu hauen.

Methos streifte sich seine Hose runter und zeigte auf das Bett. "Linke oder rechte Seite. Du kannst es dir aussuchen, Mac."

Der Highlander starrte auf das französische Bett vor ihm. "Mit dir unter einer Decke? Methos?! Das kann nicht Dein Ernst sein!"

"Keine Angst. Ich werde dir deinen Teil schon nicht klauen", antwortete Methos, der nun splitternackt vor dem Highlander stand.

Mit gerunzelter Stirn zog der Schotte sich seine Jacke aus und legte sich auf die rechte Seite. Er war sich nicht sicher, ob Methos ihm auch wirklich nicht seinen Teil der Decke klauen würde, aber hier war es immer noch besser, als auf dem Boden oder auf der Couch schlafen zu müssen.

 

 
- 11:00 hrs. an einem anderen Ort in London -

 

"Sam, ich schwöre dir. Ich kenne seine Adresse nicht", versuchte Amanda ihre alten Freundin zu überzeugen.

"Amanda, ich bin mir sicher. Auch wenn du seine Adresse nicht hast, weißt du, woher ich sie bekomme", sagte Samantha und drückte ihr Schwert so stark gegen Amandas Hals, dass die ersten Tropfen Blut über ihre Haut liefen.

"Er ist einfach übervorsichtig, Sam. Es ist nicht so einfach ihn zu finden, wie du denkst. Er zieht nun mal häufig um."

Samantha nahm das Schwert von Amandas Hals und holte aus. "Glaube nicht, dass ich dich nicht töten würde, nur weil wir alte Freunde sind. Wenn du mir nicht helfen willst, brauche ich dich nicht mehr, Amanda", zischte Samantha sie regelrecht an.

"Vielleicht kann ich dir doch helfen", versuchte Amanda ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen und die andere Unsterbliche setzte das Schwert wieder ruhig gegen Amandas Hals.

"Na bitte, geht doch", meinte sie selbstzufrieden.

"Ich habe eine Telefonnummer", begann Amanda gleich. Sie wusste nicht einmal, ob diese noch aktuell war, aber es war zumindest etwas, um Samantha ruhig zu stellen. Sollte die Nummer tatsächlich noch funktionieren, sollte sich Methos doch mit ihr herum schlagen.

 

Urplötzlich schlug die Tür auf und James Harris kam in das Zimmer gestürmt.

"Ich hab es", schrie er und wedelte mit einem Zettel in der Hand herum. "Ich hab die Adresse. Es war so simpel und niemand ist darauf gekommen. Ich habe seine Adresse aus dem Verzeichnis der Universität, Sam."

Lachend klatschte er seiner Frau den Zettel auf den Tisch. "Er hat zeitweise an der Uni gearbeitet, er musste einfach im Verzeichnis stehen."

Amanda fiel förmlich ein Stein vom Herzen. Nun würde hoffentlich alles vorbei sein und sie würden sie in Ruhe lassen. Wieso Methos in diesem Falle allerdings so nachlässig war, verstand sie nicht wirklich.

 

Samantha warf einen Blick auf das Blatt Papier und stand auf.

"Wir fahren sofort los. Diesmal kriegen wir ihn", sagte sie und ließ von Amandas Hals ab.

"OK. Dann wünsche ich euch noch einen schönen Tag.... Ich werde dann mal gehen", sagte Amanda, mit einem falschen Lächeln auf den Lippen und stand auf.

Mit einem Schwung drehte sich die andere Unsterbliche wieder um und hielt Amanda die Schwertspitze unter ihr Kinn.

"Nicht so schnell, Amanda. Ich weiß nicht, ob du uns nicht doch noch helfen könntest. Du kommst mit", sagte sie und zog sie an dem Arm aus dem Haus hinaus.

 

 
- etwa zur gleichen Zeit vorm Piccadilly Circus -

 

Wieder und wieder blickte Parker auf seine Uhr. Eine Viertelstunde hatte Donovan am Telefon gesagt. Eine Viertelstunde und dies war mittlerweile genau eine ganze Stunde her. Er hätte sie doch vom Flughafen abholen sollen. Wer weiß, vielleicht wollte sich Donovan ja noch dafür rächen, dass er ihn überredet hatte, mit ihm zum alljährlichen Ferkelrennen mit musikalischer Unterstützung der Pig-Sisters zu kommen und ihn dann dort zu versetzen. Er hätte doch zu gerne Craigs Gesichtsausdruck gesehen, als er sich dieses aufregende Ereignis allein ansehen musste, zumal sein Gesicht nach dem Rennen auch nicht von schlechten Eltern war.

Parker musste grinsen. Was war er doch froh, dass er sein Gedächtnis wieder hatte, er hätte einfach zu viele amüsante Dinge vergessen. Zumal er zugeben musste, dass es wahrscheinlich noch mehr Erinnerungen gab, die er am liebsten auf ewig meiden würde, aber so war es doch besser.

 

Plötzlich spürte er, wie ihm eine Hand auf die Schulter schlug. "Frank, du stinkst, als hättest du seit drei Wochen kein Wasser mehr gesehen."

Freudig drehte Parker sich um. "Schön deine Stimme zu hören, Craig!", begrüßte er seinen Freund und schlug ihm ebenfalls auf die Schulter. "Wo hast du Olga gelassen?"

"Ach, du weißt doch, wie das mit den Frauen ist, wenn die mal in einer Stadt wie London sind. Sie ist auf der Oxfordstreet in einem Laden hängen geblieben, aber, hast du mir nicht irgendwas zu sagen Frank?"

"Willst du die kurze oder die lange Version, Craig?"

"Ich denke, die kurze reicht erst mal. Spar dir die ausführliche Fassung lieber für Olga auf", antwortete Donovan.

"Also", Parker räusperte sich künstlich, "ein Mann, Adam Pierson, wurde vor einem Polizeirevier erschossen. Dann nahm er mich mit in seine Stammkneipe, wir lieferten uns von dort aus eine Verfolgungsjagd, bauten einen Unfall und ich hatte nicht mehr die geringste Ahnung, wer ich war", schoss im ICE-Tempo aus ihm heraus.

Donovan musste grinsen. "Du warst mit einem Toten ein Bier trinken??! Also, Frank, wenn du Ramsey diese Geschichte erzählst, dreht er dich durch den nächsten Fleischwolf."

Mit großen Augen blickte Parker Donovan an. Irgendwie fiel ihm gerade selber auf, wie sich das Ganze für Donovan anhören musste. Vielleicht wäre die längere Geschichte doch noch besser gewesen. "Ich schwöre dir, es ist die Wahrheit, Craig. Ich erkläre dir alles, wenn Olga da ist, noch mal genau. Ich weiß, dass sich die Geschichte ziemlich abwegig anhört und gerade deshalb will ich wissen, was dahinter steckt...!!"

 

 
- 12:45 Methos' Schlafzimmer -

 

Ein lautes Knallen vor der Haustür riss die beiden Unsterblichen aus dem Schlaf. Sofort saß der Highlander kerzengerade im Bett und starrte den alten Mann an.

"Was war das?", fragte er entsetzt.

"Hörte sich an wie ein Autounfall. Dreh dich wieder um und schlaf weiter, Mac", grummelte Methos müde und drehte sich zur Seite.

Beinahe noch im selben Moment stand MacLeod auf und ging in Richtung Fenster.

"Du bist doch sonst immer so übervorsichtig, Methos", wunderte sich der Highlander, doch die einzige Antwort, die er bekam, war ein weiteres Grummeln aus dem Bett.

"Ich glaube, dass solltest du dir doch mal ansehen. Dein..." MacLeod stockte und blickte entsetzt an sich hinab. "Wo, wo sind meine Sachen, Methos? Bevor wir eingeschlafen sind, hatte ich sie noch an. Also, Methos, wo sind meine Sachen?"

Ohne dem Highlander zu antworten, sprang Methos aus dem Bett und stürmte zum Fenster. Sein Auto!! Da stand es nun vor dem Haus, inmitten der Seite die Stoßstage des Wohnmobils seiner Nachbarin. Sein nagelneuer Lancia Y. Seufzend ging er einen Stück zurück.

 

"Methos!", holte Duncan ihn aus seinen Gedanken und blickte an seinem nackten Körper auf und ab. "Warum habe ich nichts mehr an?"

Ein kleines hämisches Grinsen bildete sich auf dem Gesicht des alten Mannes.

"Das müsstest du doch am besten wissen, Mac. Schau doch mal unterm Bett nach", meinte er, während er schnell in eine Hose schlüpfte und sich einen Pulli überzog. "Ich bin gleich zurück."

Methos stürmte die Treppen herunter, während sich MacLeod im Schlafzimmer mit dem Bauch nach unten auf den Boden legte und versuchte, so gut es möglich war, an seine Wäsche heran zu kommen. Wenn er bloß verstehen konnte, wie sie darunter gekommen war. Er hatte doch die ganze Zeit geschlafen wie ein Baby, oder hatte er nicht? Na ja, zumindest sollte er nun weiter daran arbeiten, sie zurück zu bekommen.

 

Als Methos herunter kam, stand auch schon seine Nachbarin vor der Tür und begrüßte ihn traurig. "Mr. Pierson, es tut mir ja so schrecklich leid. Sie können sich ja nicht vorstellen wie. "Der Frau standen die Tränen in den Augen. "Bitte rufen Sie nicht die Polizei, Mr. Pierson. Ich komme ganz gewiss für den Schaden auf. Wenn heraus kommt, das ich schon wieder.... Ich meine, ich verliere doch meinen Führerschein!"

"Mrs. Walters, gehen sie erst mal nach Hause und beruhigen sich. Wir klären das morgen, ja?", sagte Methos und bewegte sich langsam zurück zur Haustür. Er hatte nun wirklich keine Lust, sich damit auseinander zu setzen, auch wenn er wusste, dass es sicherlich besser wäre. Er würde sich nun zurück in sein Bett begeben und noch ein wenig Schlaf nachholen, schließlich hatte er sich den verdient.

Er schloss die Tür hinter sich und lehnte sich an diese an. Mittlerweile wurde er sich immer sicherer, dass er sich mitten in einer Pechsträhne befand.

 

Plötzlich hörte er das Quietschen von Autoreifen vor seiner Haustür und beinahe noch im gleichen Moment spürte er auch ganz deutlich die Anwesenheit von weiteren Unsterblichen.

Hektisch drehte er sich zur Seite und blickte aus dem Fenster neben seiner Tür.

Der Anblick ließ ihm beinahe sein Herz erfrieren. Vor dem Haus parkten gerade Samantha und Begleitung. Wieso bloß jetzt? Wieso kamen sie so früh? Nach seinem Plan hätte Harris frühestens morgen früh seine Adresse finden dürfen.

Methos nahm seine Beine in die Hände und rannte zum Hinterausgang. Er musste so schnell wie möglich hier raus, es war einfach viel zu früh. Er hatte MacLeod doch noch gar nicht darauf vorbereitet.

Mit diesem Gedanken war der alte Mann auch schon zu Hintertür hinaus und über alle Berge.

 

* * * * * * * *

 
Teil 11

 
Noch immer ein wenig verwirrt, versuchte MacLeod seine Kleidung unterm Bett hervor zu holen. Wie kam sie nur so weit darunter und vor allem, wie kam es überhaupt dazu, dass sie nicht mehr an seinem Körper war. Dies war ein Moment, in dem er sich wünschte, er wäre ein wenig kleiner und zierlicher, so hätte er sicherlich kein Problem an die Sachen heran zu kommen.

Plötzlich spürte er die Anwesenheit eines weiteren Unsterblichen. War Methos wieder da? Na ja, sicher konnte er sich da nicht sein und seine robbenartigen Bewegungen, die er dort nun splitternackt auf dem Fußboden liegend absolvierte, wurden immer hektischer. Es wurde langsam wirklich Zeit, dass er wieder an seine Sachen kam, schließlich lag sein Schwert auch darunter.

"Dein Hintern ist noch immer genau so knackig wie vor 200 Jahren, Duncan MacLeod vom Clan der MacLeods", hörte er plötzlich eine ihm bekannte weibliche Stimme vom Eingang des Schlafzimmer her sagen. Erschrocken schmiss sich der Highlander vom Bauch auf den Rücken und blickte die Frau vor ihm an.

"Samantha!", schoss es aus ihm heraus.

"Mmm, die andere Seite ist auch nicht schlecht. Schön, dich wieder zu sehen, Duncan", zischte sie. "Auch ein Freund des allzu berüchtigten Mr. Piersons?"

"Ähhm, Freund. Ja, so was in der Art", antworte MacLeod ein wenig unbeholfen.

Samantha grinste. "Na ja, immerhin liegst du nackt in seinem Schlafzimmer."

MacLeod versuchte sich wieder zu fassen und sprang vom Fußboden aus, wäre doch gelacht, wenn sich in Methos' Kleiderschrank nichts zum Anziehen finden würde. "Du suchst Adam, Sam? Was Ernsthaftes?"

"Sehr ernsthaft, Duncan. Er hat meinen Sohn getötet. Ich fand ihn, als er noch ein Baby war, zog ihn auf, als wäre er mein eigenes Kind und dann kommt dieser elende Bastard und jagt ihm eiskalt eine Kugel ins Herz", erklärt die Unsterbliche. "Ich werd' mich an ihm rächen. Ich werde ihn töten und dafür tue ich alles, MacLeod." Mit diesen Worten zog Samantha ihr Schwert raus und hielt es dem Highlander unter die Nase. " Wo ist er, Duncan?"

Genauso ernst wie schockiert blickte MacLeod die Frau vor ihm an. Mit den Händen umklammerte er fest einen Pullover von Methos. "Sam, wir haben uns geliebt, du kannst mich nicht ernsthaft bedrohen."

"Wie ich bereits sagte, Highlander", zischte sie ihm ins Ohr. "Ich würde alles dafür tun, also sag mir, wo ich dieses elende Schwein finden kann."

"Es tut mir leid Sam. Wenn er nicht vor dem Haus steht und nach seinem kaputten Auto sieht, ist er nicht da, Sam. Mehr kann ich nicht sagen."

"Gut", Samantha begann zu grinsen. "Dann werden wir eben alle hier auf ihn warten, irgendwann muss er ja wieder kommen."

 

 
- nur kurze Zeit später im einem kleinen Café nahe dem Piccadilly Circus -

 

"Unsere Freundschaft in allen Ehren, Frank, aber es ist wirklich nicht einfach, dir das abzunehmen", sagte Donovan, mit einem ernsten Blick auf Parker gerichtet, während Olga als Dritte am Tisch saß und sie das Gefühl hatte, vor Wut bald zu zerspringen.

"Mr. Parker, Sie haben sich schon eine Menge schlechter Scherze erlaubt, aber dies ist wirklich die geschmackloseste Idee, die Sie hatten. Nicht nur, dass Sie uns wegen nichts und wieder nichts nach Europa haben fliegen lassen. Nein! Zudem versuchen Sie uns noch weis zu machen, ihr toller neuer Freund sei ein Unsterblicher, der nur durch eine Enthauptung entgültig getötet werden kann." Olga musste kurz Luft holen. "Warten Sie nur, bis Ramsey davon erfährt, Mr. Parker, der wird Sie vierteilen", schrie sie und lehnte sich mit verschränkten Armen wieder zurück.

Parker konnte sich ein gewisses Grinsen nicht verkneifen, es war doch immer wieder zu schön, wenn die Russin sich so aufregte. Er fragte sich allerdings schon, warum er ihnen die Geschichte so ausführlich erzählt hatte. Gut, es dürfte hilfreich sein, ein wenig hinter das Geheimnis dieses Mr. Pierson zu kommen, aber hätte er es sich eigentlich denken können, dass die beiden das für einen üblen Scherz hielten.

"Ich kann euch wirklich nur noch mal sagen, dass die Geschichte wirklich wahr ist. Dieser Mann ist unsterblich."

Schräge Blicke fielen auf Parker. "Hey, oder hättet ihr früher geglaubt, dass mal jemand in die Vergangenheit reisen kann?"

"Das ist was anderes, Mr. Parker. Die Zeitmaschine existiert. Der Unsterbliche nicht", zischte Olga ihn an.

 

Beinahe noch im selben Moment stürmte ein nassgeschwitzter Methos in das Café und schwang sich gleich auf einen Stuhl. Sie würden ihm nicht mehr auf den Fersen sein, das spürte er. Er hatte sich eine kleine Verschnaufpause verdient. Ein schöner schwarzer Kaffee war nun genau das, was er brauchte.

Ein erleichtertes Grinsen zog sich über Parkers Gesicht, als er Methos erblickte.

"Da ist ja der Unsterbliche", sprang es förmlich aus ihm heraus und er zeigte mit seinem Zeigefinger auf den Mann, der mit dem Rücken zu ihnen hin saß. Mit diesem Mr. Pierson vor der Nase würde seine Geschichte wohl niemand mehr anzweifeln.

Fragende Blicke fielen auf ihn, als er aufstand und geradewegs zu dem Unsterblichen ging. Mit einem Ruck schwang er sich auf den Stuhl vor dem Unsterblichen und sah ihn mit einem schwachen Grinsen auf den Lippen an.

"Mr. Pierson! Lange nicht gesehen. Ich hoffe, Ihre Verfolger haben Ihnen nicht wieder eine Kugel ins Herz gejagt."

Methos wollte nicht.... Nein, er konnte sich nun nicht auch noch damit auseinander setzen. Er musste denken und das ziemlich schnell. Er brauchte eine neue Lösung für sein kleines Problem, sonst käme er in verdammte Schwierigkeiten. Na ja, wer weiß, vielleicht war der Highlander gerade schon dabei alles wieder in Ordnung zu bringen.

"Sie können sich erinnern, Mr. Parker?"

"Seit heute Morgen. Meinen sie nicht, sie sind mir einige Erklärungen schuldig?" Parkers Augen sahen Methos durchdringend an.

Methos seufzte. "Ja, sicher bin ich ihnen eine Erklärung schuldig."

"Und?", stocherte Parker nach.

"Was, Und? Ich denke nicht, dass das etwas ist, was sie wissen sollten." Methos stand auf und legte ein paar Francs auf den Tisch. Er wollte nicht auch noch die NSA am Hals haben. Es reichte schon, dass Parker ihn hatte sterben sehen, er wusste schon viel zu viel.

"Was soll das werden?" Parkers Hand umfasste blitzschnell das Handgelenk des Unsterblichen.

"Ich gehe. Hören sie, heute ist nicht gerade mein Tag und ich habe noch eine Menge zu erledigen." Methos versuchte sich vergeblichst von dem Griff des NSA - Mannes zu lösen. Er konnte sich nicht helfen, aber irgendwie hatte dieser Mann etwas an sich, was dem Hauch von Wahnsinn nahe kam. Die Art, wie er ihn ansah, irgendetwas stimmte mit ihm nicht, aber würde die NSA einen Verrückten einstellen? Schade, dass er kein Unsterblicher war. Es wäre interessant gewesen, eine Person wie Parker unter seine Hand zu nehmen.

Parker stellte sich protestierend vor ihn, sein Handgelenk noch immer fest im Griff. "Ich habe Sie gerettet, Mr. Pierson, schon vergessen?", fragte er genau so ernst wie auch locker.

Was für ein Tag, dachte Methos. Vielleicht sollte er sich doch kurz zu ihnen setzen. Fünf Minuten mehr oder weniger, würden nun auch nichts mehr verändern und vor allem, was soll ihm in diesem Kaff auch schon passieren? Wahrscheinlich würde ihm eh nicht anderes übrig bleiben, als mit der nächsten Maschine als Mr. Nobody nach Nirgendwo zu fliegen. Schade, ihm hatte London gefallen.

 

 
- 13:30, Methos' Schlafzimmer -

 

"Sam, verstehe doch. Es bringt dir Billy nicht zurück, wenn du Amok läufst und er wird auch nicht zurück kommen, wenn du Adam tötest", versuchte Mac ruhig auf Samantha einzureden, während er splitternackt neben Amanda auf dem Bett saß, immer noch das Schwert der Unsterblichen unter seiner Nase.

"Auch du musst akzeptieren, dass meine Geduld Grenzen hat. Ich will diesen Mann. Ich will vor meinen Augen sehen, wie er leidet, wie er stirbt und das um jeden Preis. Wenn du mich noch länger an der Nase herum führst, töte ich dich, ganz egal, ob wir uns mal geliebt haben oder nicht."

Immer wenn MacLeod auf die Unsterbliche blickte, sah er die Samantha, die er einst kannte. Sogar ihre Frisur war ähnlich der, die sie damals getragen hatte. Sie war so gefühlvoll, so leidenschaftlich und verführerisch gewesen. Sollte es wirklich möglich sein, dass eine solche Frau sich in so ein mordlustiges Monster verwandelt hatte?

 

"Du würdest mich wirklich töten, Sam?", fragte er traurig.

"Wenn es sein muss."

"Es muss sein, wenn du mich herausforderst, Samantha. Das hier ist gegen die Regeln und das weißt du."

Samantha begann zu lachen "Du hast dich wirklich nicht verändert, Duncan. Noch immer der alte Moralapostel. Glaubst du, ich schere mich noch um die Regeln?", fragte sie beinahe schon schreiend. "Wenn ich das tun würde, wäre ich lange schon nicht mehr am leben. Gewöhne dich daran, Highlander, es läuft nun nicht mehr alles nach deinen doch all zu geliebten Regeln."

MacLeod blickte sie ernst an. Er wusste, dass sie auf eine gewisse Art und Weise recht hatte. Immer mehr Unsterbliche handelten entgegen der Regeln, aber bis jetzt war ihm noch nicht eingefallen, was er dagegen tun konnte. Er war sich nur sicher, dass ein unglaubliches Chaos ausbrechen würde, würde es so weiter gehen.

 

"Hat Adam nicht sein Handy dabei?", mischte sich Amanda auf einmal ein. "Die Nummer wird sich doch sicher irgendwo finden lassen."

"Amanda!" MacLeod sah die Frau entsetzt an und sofort hatte er ihren Ellenbogen in den Rippen.

"Ich versuche gerade, dir deinen Arsch zu retten", flüsterte sie ihm zu.

"Ach, ja?", fragte Samantha skeptisch. "Und wo meinst du, werden wir die finden?"

"Notizblock, Rechnungsordner, was weiß ich. Man müsste halt suchen."

"Damit ihr beim suchen die Gelegenheit kriegt, euch aus dem Staub zu machen. Vergiss es, Süße. Ich schätze, ihr Zwei könnt mir wirklich nicht mehr helfen. James, kümmere dich Amanda." Mit diesen Worten nahm die Unsterbliche ihr Schwert von MacLeods Nase und holte aus.

"Warte!!", rief MacLeod plötzlich.

"Doch noch anders überlegt, Highlander."

"Ich würde mir gerne noch was anziehen. Ich möchte nicht unbedingt nackt sterben." So würde er zumindest noch ein wenig Zeit schinden. Sobald er die Möglichkeit hatte, sich zu bewegen, sollte es schon irgendwie möglich sein, Samantha zu überwältigen.

Wieder begann die Unsterbliche zu lachen und ohne ein Wort zu sagen, setzte sie erneut zum Schlag an.

 

* * * * * * * *

 
Teil 12

 

Mit großen entsetzten Augen starrte MacLeod Samantha an, als plötzlich ein Klingeln an der Tür ertönte. Die Unsterbliche senkte ihre Klinge wieder und ein Gefühl der Erleichterung breitete sich in MacLeod aus. Er hoffte nur, Methos hätte die Polizei gerufen und diese würde nun vor der Tür stehen und nur so darauf warten, sie aus dieser misslichen Lage zu befreien.

"Sieh nach, wer da ist, James", beorderte Samantha ihren Mann, der, ohne ein Wort zu sagen, sofort nach unten ging.

"Samantha, denk doch nur darüber nach, was du da tust. Du kannst so viel erleben, stattdessen lässt du dich von deinem Schmerz führen und machst aus deinem Leben einen einzigen Rachefeldzug. Glaubst du nicht, es ist Zeit, dem ein Ende zu setzten?", versuchte MacLeod erneut Samantha zu beruhigen.

"Wenn du glaubst, du könntest so deinen Kopf aus der Schlinge ziehen, hast du dich geirrt, Duncan", antwortete Samantha.

Gerade hatte Samantha diese Worte ausgesprochen, hörte man die Schritte von 2 Männern auf der Treppe. MacLeod hoffte noch immer innig, dass es sich hierbei um zwei Polizisten handelte und James Harris bereits vor der Tür festgenommen im Polizeiauto saß, doch diese Hoffnung hielt nicht lange an. Nur einen kurzen Moment später stand Harris wieder in der Tür, vor ihm ein ihm nur zu gut bekannter Beobachter mit dem Lauf einer Waffe in seinem Rücken.

"Tut mir leid, Sam", begann Harris. "Der Mann ließ sich nicht abwimmeln."

"James! Bist du wahnsinnig, ihn mit hier hoch zu nehmen. Der Kerl könnte ein Bulle sein", sagte Samantha aufgeregt.

"Ist er nicht", mischte sich der Highlander ein. "Warum bist du nicht einfach wieder gegangen, Joe? Die beiden sind gefährlich."

"Ich weiß, deshalb bin ich hier. Eigentlich wollte ich dich warnen, aber wie ich sehe, komme ich da wohl zu spät", erklärte der Beobachter, während ihn Harris mit seiner Waffe neben den nackten MacLeod aufs Bett zwang.

 

 
- 14:00, noch immer in dem Londoner Café -

 

Olga nahm einen Schluck von ihrem Cappuccino, ein charmevolles Grinsen wich nicht von ihren Lippen.

"Gut, somit hat sich unser kleines Missverständnis ja aufgeklärt, Mr. Pierson. Ich werde Mr. Parker noch mal gründlich durchchecken, aber, ich denke, sie werden wohl recht haben mit ihrer Diagnose."

"Ich denke, es ist ein sehr interessanter Fall. Wenn Sie mögen, können wir uns ja noch mal in Verbindung setzen und uns über den Fortlauf der Amnesie unterhalten, Miss Vucavic", sagte Methos in dem freundlichsten und charmantesten Ton, den er in seinem Repertoire hatte.

Olgas Lächeln wurde breiter. "Das müssen wir auf jeden Fall tun."

Parker hatte sich schweigend in seinen Stuhl sinken lassen. er hatte das Gefühl, er würde jeden Moment vor Wut platzen. Nachfolgen der Amnesie, fehlerhafte Erinnerung....! Der tickt ja wohl nicht mehr ganz richtig, schließlich wusste er, was passiert war und das hatte sicher nichts mit fehlerhafter Erinnerung zu tun. Aber natürlich, so was glaubten Olga und Craig natürlich wesentlich lieber als seine Geschichte. Und dann diese ständige Schleimerei. Wenn er das noch fünf Minuten länger hätte ertragen müssen, wäre ihm übel geworden. Im Moment war ihm einfach nur danach, diesen Typ windelweich zu schlagen. Verdammtes Arschloch!

"Wenn sie mich nun einen Augenblick entschuldigen würden, Miss Vucavic", fuhr Methos fort. "Ich müsste kurz telefonieren." Und mit diesen Worten stand er auch schon auf und ging in Richtung des Fernsprechautomaten an der anderen Seite des Cafés.

Mit schwärmenden Blicken sah Olga ihm hinter her. "Hach, was für ein Mann. So charmant, so verständnisvoll und so intelligent. So was findet man wirklich selten." schwärmte sie und warf einen Blick auf Parker. "Nicht so wie Sie, Frank. So ungehobelt und verlogen", meinte sie spitz.

Parkers Stirn legte sich in immer tiefere Falten. Nicht verlogen! Das er nicht lachte. Und wie verlogen er war. Der glaubt doch nicht im Ernst, dass er ihm seine kleinen Geschichtchen abnimmt. Er wurde vor dem Revier erschossen und er hatte ihm in der Kneipe die ganze Geschichte erzählt. Es war einfach viel zu verrückt, um sich das alles einzubilden. "Und dann hat er auch noch Medizin studiert. Wir haben wirklich unglaublich viel gemeinsam", schwärmte Olga weiter.

"Es reicht! Ich glaube nicht ein einziges Wort über diesen verlogenen Schleimbeutel und ich muss kotzen", meinte er plötzlich angewidert.

Olga warf Parker einen beleidigten Blick zu. "Och, Sie sind doch bloß eifersüchtig."

 

Nur einen kurzen Augenblick später kam Methos wieder zurück an den Tisch. "Ich denke wir sollten langsam gehen. Sie sind selbstverständlich eingeladen. Bezahlt ist bereits."

Olga lächelte Methos freundlich an " Vielen Dank, Dr. Pierson. Sie wissen ja, wenn sie mal in den Staaten sind..."

"...rufe ich sie an", ergänzte Methos den Satz selbst, während sie gemeinsam das Lokal verließen.

Parker spürte, wie seine Wut bis an die Grenzen aller Erträglichkeit stieg. Er konnte es einfach nicht glauben, was dieser Kerl da tat, dabei hatte er anfangs doch einen so sympathischen Eindruck auf ihn gemacht und nun wurde ihm bei jedem Wort, dass er von sich gab, immer übler.

"Wir sollten uns noch über die weitere Behandlung ihres Kollegen unterhalten", sprach Methos Olga an, wobei er sich ein Grinsen krampfhaft verkneifen musste. Es war einfach zu amüsant, wie Parker sich über ihn aufregte. Der Gesichtsausdruck war einfach göttlich, nun fehlte nur noch, dass er sich dunkelrot verfärbte und Rauchschwaden über ihm aufstiegen...!

"Natürlich, Dr. Pierson. Was würden Sie empfehlen?"

"Nun ja, anhand meines zusätzlichen Psychologiestudium würde ich sagen, ihn erst mal unter Beobachtung zu halten. Er wird sich langsam erholen, aber ich denke, er sollte von seiner Arbeit erst mal freigestellt werden."

Parker schüttelte ungläubig grinsend den Kopf. "Jetzt reicht es", brüllte er stumpf, packte Methos an seinem Arm, zog ihn zu sich und holte mit seinem rechten Arm aus. Methos sah nur noch, wie eine Faust auf ihn zu kam, bis er sich dann auf dem Boden wieder fand. Gerade wollte sich Parker auf ihn stürzen, da sah er, wie Donovan ihn von hinten festhielt und versuchte, ihn zu beruhigen. War er doch ein wenig zu weit gegangen?

Methos packte sich an seine Nase. "Aua!", sagte er vorwurfsvoll.

Sofort stürmte Olga zu ihm hin und half ihm wieder auf. "Alles in Ordnung, Dr. Pierson?"

 

 
- 14:30, Methos' Haus -

 

"Aus und Schluss! Ich lasse mich von euch doch nicht zum Narren halten. Wir werden diese Nummer niemals finden. Ich hätte mich niemals dazu überreden lassen sollen. Unseren Freund würde es sicherlich sehr freuen, wenn er all seine Liebsten tot in seinem Haus vorfindet."

"Sam! Ich habe was", rief Amanda der anderen Unsterblichen plötzlich zu und hielt einen kleinen Zettel in die Luft.

Sofort stürmte Samantha zu ihr und riss ihr den Zettel aus der Hand. Plötzlich runzelte sie die Stirn.

"Meine eigene liebe Handynummer...? Und das lag dort in der Kommode. Willst du mich verarschen, Amanda?"

Amanda musste sich ein Schlucken verkneifen. Hatte sie was gemerkt? Dabei hatte sie sich doch so eine Mühe gegeben, ihre Handschrift zu ändern. Na ja, sie hätte es eh bald gemerkt, aber zumindest gewannen sie somit noch ein paar Minuten.

"Nein, um ehrlich zu sein lag es auf der Kommode. Hier direkt unter dem Quietschentchen."

"Quietschentchen?", fragte Samantha skeptisch.

"Oh, das ist Harry", warf MacLeod plötzlich ein. "Ich habe ihn letztes Jahr Adam geschenkt. Er wollte ihn unbedingt haben...!"

Bevor Samantha noch irgend etwas sagen konnte, klingelte es erneut an der Haustür. Nur ein Blick in James Richtung genügte und er sprang sofort auf und ging zum Eingang.

 

Harris öffnete die Tür und vor ihm standen mehrere Männer. Manche in Zivil, manche in Uniform. Vorne an ein Mann, Ende dreißig, ca. ein Meter achtzig groß, mit dunklen Haaren, der vor dem Unsterblichen seinen Ausweis ausklappte.

"Agent Jarod Steward. Lassen Sie uns bitte hinein."

 

 
- gegen 15:15 hrs. Heathrow -

 

Egal was passierte, so wusste Methos, er musste hier weg. Es sah nicht so aus, als ob irgendeine seiner Ideen Erfolg haben würde und egal, ob das Ehepaar Harris nun überlebte oder nicht, ob er den KGB auf den Fersen hatte oder nicht. Er würde nicht länger hier bleiben können und er brauchte schleunigst eine neue Identität, doch die würde er sich dann erst in den Staaten beschaffen. Hätte er MacLeod sagen sollen, dass Samantha KGB-Killer war? Hätte er ihm sagen sollen, dass sie dem KGB eine Menge wert war. Na ja, er würde das schon gebacken kriegen, schließlich würde er ja auch jetzt schon Besuch von unserem lieben Agent Steward haben und für später hatte er dann ja auch noch die NSA-Agenten eingeladen. Let's Party.

 

Als Methos nun endlich die lange Warteschlage hinter sich gelassen hatte und sein Ticket in den Händen hielt, steuerte er direkt auf die nächste Telefonszelle zu. Er sollte sich doch langsam mal überzeugen, ob sein Haus noch stand und vor allem, ob er sich wieder dort hin trauen konnte, schließlich hatte er nicht ewig vor, durch die Gegend zu irren.

Er nahm den Hörer ab, warf ein paar Münzen in das Gerät und begann seine eigene Nummer zu wählen. Er hoffte, es würde überhaupt jemand ran gehen, aber MacLeod war eigentlich nicht einer dieser Typen, die sich nicht trauen an anderer Leute Telefon zu gehen, wenn es klingelte.

 

Nach dem Wählen wartete Methos einen Moment, doch nichts geschah. Er hörte weder ein Freizeichen noch ein Besetztzeichen. Die Leitung schien tot.

Unmöglich! Methos versuchte es noch mal. Nichts.

Hektisch kramte er nach MacLeods Handynummer und tippte diese ein, doch das einzige, was er zu hören, bekam war die Stimme seiner Mailbox.

 

Methos musste schlucken. Sollte Samantha ihn etwa doch...

 

* * * * * * * *

 
Teil 13

 
- 16:30 In einem Polizeirevier irgendwo in der Londoner City -

 

Wie drei Schulkinder, die darauf warteten sich im Zimmer des Direktors eine Moralpredigt anzuhören, saßen Amanda, MacLeod und Joe nun auf einer Holzbank im Polizeirevier und starrten in ihren Gedanken versunken geradeaus.

Sie hatten wirklich Glück, dass Methos nun doch noch die Polizei gerufen hatte, lange hätten sie Samantha sicherlich nicht mehr davon abhalten können, sie alle samt einen Kopf kürzer zu machen. Und auch wenn er sicherlich kein übertriebenes Schamgefühl besaß, so war MacLeod wirklich sehr froh darüber, sich aus Methos' Schrank endlich ein paar Sachen nehmen zu dürfen. Der Highlander hätte allerdings nie gedacht, dass er sich mal darüber ärgern würde, dass Methos seinen Look änderte und nun seine Kleidung nicht mehr fünf Nummern größer trug. Nun ja, somit hatte er sich nun das Größte aus dem Schrank genommen, was drin war und auch wenn dieses mint-grüne Hemd ein wenig an der Brust spannte und er Probleme hatte, die Hose zuzubekommen, so war es doch besser als nackt hier zu sitzen.

 

Plötzlich öffnete sich die Tür eines der Büroräume und Agent Jarod Steward kam freundlich lächelnd auf die Drei zu.

"Ich möchte mich bei Ihnen bedanken", begann er, "Sie haben uns geholfen, ein Ehepaar zu fassen, was bei uns in den Staaten schon seit längerer Zeit wegen Mordes an der Mutter dreier Kinder gesucht wurde."

MacLeod musste schlucken, was war bloß aus Samantha geworden. Es war immer noch schwer für ihn zu begreifen, wie sehr Menschen sich doch mit der Zeit verändern konnten.

"Brauchen Sie uns noch, Agent Steward?", fragte der Highlander, während Amanda aufstand und nach ihrem halblangen Jäckchen griff.

"Für mich ist die Angelegenheit hier in London erledigt. Ich werde morgen zurück in die Staaten fliegen, wo ich mich dann weiter um die Harris' kümmern werde."

Amanda lächelte den FBI - Agenten charmant an.

"Bevor sie wieder fliegen, Mr. Steward, hätten sie nicht Lust, heute Abend zum Essen zu kommen? Als Zeichen meiner Dankbarkeit", fragte sie in einer Glanzvorstellung ihrer unwiderstehlichen Art.

"Als Zeichen ihrer Dankbarkeit kann ich das Angebot, denke ich wohl, bedenkenlos annehmen", antwortete er "Das Ehepaar Harris sitzt erst mal gut verschlossen in einer Zelle und ich hätte bis morgen früh wohl eh nichts besseres zu tun."

"Sehr schön. Gegen 20:00 Uhr..."

Amanda kramte einen Stift und einen Zettel aus ihrer Tasche und begann darauf zu schreiben.

"...unter dieser Adresse", sagte sie und drückte dem Agenten das Stück Papier in die Hand.

"Bis dahin", verabschiedete sich Jarod Steward freundlich und ging zur Tür hinaus.

 

Fragend blickte MacLeod sie an.

"Wo hast du ihn hin geschickt? Doch nicht auf dein Hotelzimmer, oder?", fragte er skeptisch.

"Zu Methos", meinte Amanda freudig grinsend und machte sich ebenfalls auf den Weg zur Tür nach draußen.

 

 
- 17:00 hrs., vor Methos Haustür-

 

Seufzend blickte Methos seinem Wagen hinterher. Gerade erst gekauft und schon wurde er von einem Abschleppwagen wieder weg gefahren. Na ja, zumindest aber war der Wagen gut versichert.

Langsam nahm Methos den Haustürschlüssel aus seiner Tasche. Das Haus schien still, zu still, wie er fand. Was würde er nun dort vorfinden? Einen geköpften MacLeod? Ein leeres Haus? Zumindest aber spürte er keinen Unsterblichen mehr in der Nähe, was ihm schon irgendwie das Gefühl von Sicherheit gab.

Methos betrat sein Haus und blickte sich aufmerksam um. Keine Leiche weit und breit. Das Haus war verlassen, allerdings wirkte es, als hätte ein Horde von Einbrechern bei ihm gewütet. Beinahe jede Schublade war aus den Schränken gerissen. Seine gesamten Bücher, Ordner und Videos lagen auf dem Boden verteilt, einschließlich seiner Neuanschaffung "Lasst die Lederhosen runter", die er sich vorgestern gekauft hat. Zu reinen Forschungszwecken, versteht sich, denn was könnte interessanter sein, als das sexuelle Verhalten der Bayern?

Na ja gut, wahrscheinlich hatte der Agent sie mit seinen Leuten allesamt mit aufs Revier genommen und Sam und Harris saßen schon längst hinter Gittern. Es war sicherlich keine schlechte Idee, den guten alten Jarod Steward vom Café aus anzurufen, aber sie hätten ja wenigstens einen Zettel hinterlassen können! Was er aber noch immer nicht wirklich verstand, war, wieso seine Wohnung so unglaublich verwüstet war. Die Polizei hätte keinen Grund für eine Durchsuchung gehabt und Sam...? Sollte Sam Interesse an "Lass die Lederhosen runter" gehabt haben? Unwahrscheinlich! Na ja, er hoffte, er würde es bald erfahren und ließ sich mit diesem Gedanken in sein Sofa fallen.

 

Auf jeden Fall wusste er, dass er nun auch mit Plan B nicht mehr viel erreichen würde. Anscheinend hatte er, und so was passierte ihm wirklich sehr selten, Samantha doch falsch eingeschätzt. Wie hatte er bloß denken können, dass ein Gespräch mit ihrer großen Liebe sie noch umstimmen könnte. Oder, hatte es vielleicht doch geklappt? Unwahrscheinlich, dann säßen sie hier nun alle gemeinsam gemütlich bei einer Tasse Kaffee und Kuchen.

Seufzend stand Methos wieder auf und begann mit schnellen Handgriffen aufzuräumen, schließlich würden die NSA-Leute ja gleich kommen und er wollte nicht noch mehr Fragen von ihnen kassieren.

 

 
- 18:00, inmitten von London -

 

Skeptische Blicke fielen von MacLeod auf Amanda.

"Und? Sagst du uns jetzt, was du nun unbedingt noch in diesem Laden wolltest?"

Amanda sah auf den Juwelierladen hinter sich und lächelte freundlich. "Einen alten Freund besuchen. Hab ich doch schon gesagt. Ich musste ihn doch wissen lassen, dass ich noch am Leben bin."

"Deinen alten Freund? Deinen alten Hehler, meinst du?", warf Joe darauf spitz ein.

Strenge Blicke fielen auf Amanda und sie versuchte, ihr unschuldigstes Grinsen aufzusetzen.

"Kann er denn deshalb nicht mein Freund sein? Und außerdem sollten wir uns beeilen, schließlich können wir Jarod doch nicht mit Methos alleine lassen, nicht wahr?", lenkte sie ab und begann nach einem Taxi zu rufen.

"Jarod?", fragte Joe nach "Du meinst Agent Steward?"

Ohne zu antworten stieg Amanda in ein Taxi ein und nannte dem Fahrer Methos' Adresse.

 

- während dessen in Methos' Haus -

 

Gerade hatte er das letzte Buch wieder zurück ins Regal gestellt, da hörte Methos plötzlich das Klingeln seines Telefons. Mit schnellen Schritten folgte er dem Geräusch ins Badezimmer. Sie konnten sein Telefon doch nicht wirklich... .Doch, sie konnten, musste er mit einem Blick in seine Wäschetonne feststellen. Wie bloß kam sein schnurloses Telefon in die Wäschetonne? Aber das würde MacLeod ihm ja nun hoffentlich selber erklären können. Mit diesem Gedanken nahm er das Telefon auf, ziemlich sicher, nun MacLeods Stimme zu hören zu bekommen.

"Ja?", meldete er sich.

"Werkstatt Johnson & Partners. Mr. Pierson, sie hatten vor einigen Stunden ihren Lancia Y bei uns in Auftrag gegeben", begann eine männliche Stimme.

"Ja. Kann ich ihn schon abholen?"

"Es tut mir wirklich aufrichtig leid, Mr. Pierson, doch uns ist da ein kleines Missgeschick unterlaufen. Ihr Wagen ist uns ein wenig angekokelt. Am besten, sie kommen gleich vorbei und sehen es sich selber an."

Methos musste schlucken.

"Das ist im Moment wirklich sehr schlecht. Ich erwarte Besuch. Wie hoch ist denn der Schaden?", fragte der alte Mann noch relativ gelassen.

"Nun ja, Mr. Pierson, schon sehr hoch. Um ehrlich zu sein, Mr. Pierson, existiert ihr Wagen nicht mehr. Er ist durch einen Fehler unseres Lackierers abgebrannt."

"Ab..." Vor Schreck ließ Methos den Hörer fallen. Sein nagelneuer Lancia Y war abgebrannt? Der Unsterbliche musste sich setzten. Dabei hatte er das hübsche kleine Auto doch so sehr gemocht...

 

Gerade hatte er den Gedanken zu Ende geführt, da spürte er plötzlich die Anwesenheit eines anderen Unsterblichen in unmittelbarer Nähe. Sein Blick schoss blitzartig in die Höhe und er griff nach seinem Schwert. Sam!

In schnellen Bewegungen stellte er sich in Position neben die Tür. Wurde er langsam schon paranoid? Woher sollte er wissen, ob es Sam war, es konnte genauso gut MacLeod sein, wobei Sam und Harris nun auch eigentlich hinter Gittern sitzen sollten.. Na ja, wie auch immer, Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Nur einen kurzen Moment später wurde ihm klar, das es sich um mehrere Unsterbliche handelte. Sollte sein geschätztes Gangsterehepaar tatsächlich zurück gekommen sein?

Konzentriert blickte er seitlich auf die Tür, die jeden Moment aufgehen musste. Jeder Muskel in seinem Körper war angespannt, vorbereitet auf Bewegungen, die ihm sein Leben retten würden. Er spürte, wie sie näher kamen. Wie sie immer näher kamen.

 

Plötzlich klingelte es an der Tür. Skeptisch legte Methos seine Stirn in Falten. Würde Samantha klingeln?

Das Schwert immer fest in seiner Hand, öffnete er die Tür und holte aus.

 

* * * * * * * *

 
Teil 14

 
- gegen 19:00 in Methos' Haus -

 

Methos' kramte in seinem Schrank und zog letztendlich eine Flasche hinaus.

"Dies ist ein Whisky, den ich vor 50 Jahren mal von einem alten Freund bekam. Unbezahlbar, aber ich denke, dies ich der richtige Augenblick, um sie anzubrechen", erklärte er.

"Zur Feier des Tages", fügte Amanda amüsiert hinzu.

Auf Methos' Gesicht bildete sich ein kleines Grinsen.

"Nichts für jemanden, der ein derartiges Getränk nicht zu schätzen weiß."

Mit diesen Worten hatte er die Flasche auch schon geöffnet und goss MacLeod, Joe und sich etwas ein.

"Mögen Samantha und James Harris möglichst lange hinter Gittern bleiben", sagte der alte Mann, in dem er sein Glas hob.

Die anderen beiden Männer stießen mit Methos an, während Amanda sich ein wenig schmollend ins Sofa fallen ließ, doch plötzlich begann sie sanft zu grinsen.

"Bist du uns nicht noch eine Erklärung schuldig, alter Mann?"

Methos setzte sein Glas ab und meinte völlig ahnungslos: "Wozu noch eine Erklärung? Ich dachte, Samantha hatte die heutige Geschichtsstunde übernommen?"

"Ach", begann der Highlander ein wenig energisch, "und wieso musste ich unbedingt nach London kommen? Um der verrückt gewordenen Samantha in die Arme zu laufen?"

"Und warum", warf Amanda ebenso energisch ein, "erzählst du deinem lieben Freund James Harris, wir seien ein Paar, so dass sie mich darauf hin bei der nächstbesten Gelegenheit entführen? Das wäre etwas, was mich wirklich interessieren würde."

Methos steckte seine Nase ins Whiskyglas und nippte an dem noblen Getränk.

"Ich habe ihm gesagt, du wärst die Freundin des Mörders seines Sohnes, nicht meine", berichtigte Methos sie im lockeren Ton.

"Was auf dasselbe rauskommt, Methos und nun weiche uns nicht weiter aus", forderte Amanda ihn auf.

"Ich glaube, ich werde mal nach dem Essen sehen", meinte der alte Mann und gerade in dem Moment, wo er versuchte aufzustehen, sprang die Unsterbliche auf und schwang sich in ihrer hautengen Latexhose auf den Schoß des alten Mannes.

"Sagst du mir jetzt, wofür ich entführt worden bin?", fragte sie grinsend.

Beinahe schon flehend wartete Methos darauf, dass endlich die NSA - Agenten an der Tür klingelten, doch nichts geschah. Er könnte sie nun natürlich... . Ach, was soll's. Was könnte ihm schon passieren, wenn er es erzählte. Wahrscheinlich nicht viel mehr, als wenn er es nicht täte.

"Amanda, du musst das doch am Besten verstehen", versuchte er die Diebin auf seine Seite zu ziehen. "Ich musste mir einfach sicher sein, dass MacLeod auch wirklich nach London kommt. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Samantha mittlerweile so besessen war, dass sie selbst der Schottencharme ihrer großen Liebe Duncan MacLeod von Clan MacLeod nicht mehr umwirft... und ich hätte doch wetten können.... Ich mein , hätte ich sie getötet, hätte ich wohl auf ewig den KGB auf den Fersen gehabt", erklärte der alte Mann.

Böse Blicke fielen auf Methos und gerade wollte MacLeod etwas sagen, da klingelte es an der Haustür.

 

Gott sei Dank, die NSA Agenten, dachte Methos und setzte in einer schnellen Bewegung Amanda wieder von seinen Beinen hinunter.

"Mein Besuch", sagte Methos scheinbar entschuldigend und ging zu Tür. Er hoffte nur, dass sich Parker mittlerweile wieder ein wenig beruhigt hatte. Seine Nase hatte für heute schon genug abbekommen, aber Olga wird sicherlich ihr Bestes getan haben und den Guten wieder zur Ruhe gebracht haben. Da war er sich sicher.

Er setzte sein freundlichstes Lächeln auf und öffnete die Tür.

"Mr. Pierson?", fragte plötzlich eine überraschte männliche Stimme.

"Agent Stewart", meinte Methos ebenso überrascht "Haben Sie nun doch noch Fragen?"

"Ähm. Ich bin eingeladen. Man hatte mir diese Adresse gegeben."

Noch bevor Methos irgendetwas sagen konnte, war auch Amanda schon zur Tür gesprungen und lächelte den Agent freundlich an.

"Kommen sie doch rein. Freut mich wirklich, dass sie es geschafft haben", sagte sie zu dem Agent in dem charmantesten Ton, den sie in ihrer großen Sammlung hatte, bevor sie sich locker Methos zuwand.

"Tut mir leid, alter Mann, ich kam leider nicht mehr dazu dir etwas zu sagen."

Mit diesen Worten schloss sie die Tür und führte Jarod zu den Anderen ins Wohnzimmer, doch gerade als der FBI Agent die Anwesenden begrüßen wollte, ertönte erneut die Haustürklingel.

"Na, ich hoffe wir sind bald alle vollzählig", meinte Joe spitz, während sich Methos erneut auf den Weg zur Tür machte.

 

Der alte Mann überlegte, ob es wirklich gut war, die NSA - Leute zu sich einzuladen, aber es war doch einfach zu schön mit anzusehen, wie dieser Frank Parker sich aufregen konnte und diese Olga war ja schließlich auch nicht von schlechten Eltern. Irgendwie, so hatte er das Gefühl, war doch zwischen den Beiden etwas. Musste wohl so ein Mulder/Scully - Phänomen sein. Sie suchten sich und fanden sich nie.

Wieder setzte er sein freundlichstes Grinsen auf und öffnete die Tür.

 

 
- ca. eine halbe Stunde später -

 

Mehrere Flaschen Bier hatten sich auf dem Tisch angesammelt, der teure Whisky war schon lange in den Mägen der Anwesenden verschwunden und aus dem Haus hörte man wieder und wieder Gelächter dröhnen. Methos blickte amüsiert zu Parker hinüber, der ohne viel zu sagen mit seiner dritten Flasche Bier auf dem Sofa saß. Man sah es förmlich, wie er vor Wut beinahe zu platzen schien, aber vielleicht war der alte Mann doch ein wenig zu weit gegangen, als er plötzlich den Arm um die hübsche Ärztin legte. Zumindest sie aber schien es nicht zu stören.

"Wie sieht es mit unserem Patienten aus", fragte Methos mit einem schrägen Blick auf Parker gerichtet "Macht er langsam Fortschritte?"

Auf seinem Gesicht hatte sich der Hauch eines Grinsens gebildet.

Freundlich lächelte Olga in ihrer leichten Trunkenheit den Unsterblichen an und meinte: "Leider nein, Mr. Pierson. Er ist noch immer der Meinung, sie seien unsterblich. So lächerlich sich das auch anhört. Sie müssen wissen, Parker hat schon seit längerer Zeit psychische Probleme und sollte eigentlich ständig unter ärztlicher Aufsicht stehen."

"Machen Sie sich da nicht all zu große Sorgen. Sicher kann er sich in ein paar Tagen schon wieder an den tatsächlichen Ablauf erinnern."

"Da muss ich ihnen recht geben, Mr. Pierson", mischte sich Jarod auf einmal ein "Wissen Sie, ich kenne mich auch ein wenig mit dem Thema aus und in den meisten Fällen ist es doch immer so gewesen, dass die Patienten nach einiger Zeit ihr Gedächtnis wieder erlangten."

Methos spürte regelrecht, wie Parker nur so zu platzen schien. Nur gut, dass er so weit von ihm weg saß. Es war einfach zu amüsant, um das Ganze nun einfach so abzubrechen.

"Zur Not gibt es dann aber sicherlich auch Spezialisten, die ihm helfen können", fuhr er fort und begann zu lachen, " ... bevor er noch kleine grüne Männchen sieht."

Alle Anwesenden begannen zu lachen, doch urplötzlich sprang Parker auf und blickte Methos mit ernsten Augen an. "Glauben sie nicht, sie können mich hier zu Narren halten, Mr. Pierson", begann er, zog seine Pistole hervor und richtete sie auf Methos. "Ich habe immer noch die Möglichkeit, den Leuten hier zu beweisen, dass ich recht habe."

Starr und still blickten alle auf Parker und beinahe noch im gleichen Moment feuerte er ab und traf Methos direkt in den Kopf. Donovan wollte gerade aufspringen, um Parker von seinem Vorhaben ab zu halten, doch es war zu spät. Methos lag leblos auf dem Boden. Mitten auf seiner Stirn war deutlich eine Schusswunde zu erkennen.

"Was hast du getan...", schrie Olga panisch auf und blickte entsetzte auf Methos' Körper, während Donovan Parker die Waffe abnahm. Eine dicke Träne kullerte an der Wange der Ärztin hinab. Sie hatte diesen Mann gemocht. Sie hatte ihn wirklich gemocht. Dieser Charme, der Verstand und dann diese Augen. Das ließ Parker schon beinahe blass erscheinen. Was war bloß in ihren Kollegen gefahren? Er musste bei dem Unfall doch stärkere Schäden mit sich getragen haben als erst befürchtet.

 

MacLeod, Amanda und Joe überlegten schärfstens, wie sie das Unheil noch abwenden konnten, doch bevor auch nur einer von ihnen etwas sagen konnte, öffnete Methos auch schon wieder ruckartig seine Augen.

Ein lauter Schrei drang aus Olgas Kehle und sie wich beinahe schon instinktiv einen Schritt zurück, während Methos sich langsam wieder aufrichtete.

Erleichtert ließ sich Parker zurück in seinen Stuhl sinken. Einen Moment lang hatte er selbst an sich gezweifelt, doch er hatte recht behalten. Er war nicht verrückt. Na ja, zumindest nicht völlig.

"Was...was sind sie?", fragte Olga entsetzt.

Methos war klar, dass leugnen nun wohl fehl am Platz war. Doch der NSA sein kleines Geheimnis anvertrauen? Schließlich konnte man einem amerikanischen Geheimdienst nicht einfach anvertrauen, dass man so ein paar Jahre älter als der Durchschnittsbürger war. Aber gut, was blieb ihm nun anderes übrig?

"Ein....", doch bevor er antworten konnte, ertönte plötzlich das typische Piepsen eines Handys und beinahe synchron griffen Donovan, Jarod und Joe nach ihren Handys. Zwei von ihnen steckten es dann ein wenig beschämt wieder zurück, nur Jarod lauschte aufmerksam der Stimme, die aus dem Telefon kam und mit jedem weiteren Wort wurde er immer blasser und blasser. Ohne dem Anrufer ein Wort zu sagen, legte er wieder auf. "Ist etwas passiert?", fragte Amanda scheinbar besorgt und legte dem Agenten ihren Arm um die Schulter.

"Die Harris", begann er "Sie sind vor etwa einer Viertelstunde mit einem Feldzug durch das Revier aus ihrer Zelle geflohen. Fünf Polizisten sind tot", berichtete er schockiert.

Geschockt starrten alle Anwesenden starr gerade aus. Methos hofft nur, ihnen würde mehr an ihrer Freiheit als an seinem Tod liegen und sie würden fliehen, doch war das wirklich möglich? Nein! Dazu war Sam viel zu fanatisch.

Plötzlich sprang Methos auf und meinte: "Ich glaub, ich muss nun ganz schnell weg und wenn ihr mich fragt, solltet ihr das gleiche tun."

Der alte Mann schnappte sich seinen Mantel und sein Schwert, doch beinahe noch im gleichen Moment schossen die Blicke dreier Unsterblichen in die Luft und ehe sie wieder zu Ruhe gefunden hatten, sprang auch schon mit einem Knall die Tür des Hauses auf und alle Acht blickten Sam und Harris entgegen, die bewaffnet mit Schwert und Waffe nun im Eingang standen.

Ohne auch nur eine Sekunde zu verschwenden, zielte Samantha mit ihrer Pistole auf Methos und grinste.

"So, nun habe ich dich endlich, Adam, oder wie auch immer du wirklich heißen magst. Du wirst sterben...und du wirst qualvoll sterben, das verspreche ich dir."

"Sei doch vernünftig", meldete MacLeod sich plötzlich zu Wort "Das wäre gegen die Regeln, das weißt du Sam. Gib ihm eine Chance. Liefert euch einen fairen Kampf."

"Regeln?", brüllte Samantha. "Lass doch mal deine Regeln aus dem Spiel, Highlander, hier geht es um meinem Sohn. War dieser Bastard fair, als er Billy tötete? Sag mir, war er das?"

"Nein", antwortete MacLeod still, "aber willst du wirklich nur für deine Rache unsere Regeln brechen?"

"Ich interessiere mich nicht für die Regeln", schrie sie noch lauter, "aber wenn du unbedingt einen Kampf sehen willst... . Gebt ihr ein Schwert."

Ihr Finger zeigte auf Olga.

"Sam, sie ist keine Unsterbliche, das weißt du. Wahrscheinlich hatte sie nie zuvor ein Schwert in der Hand. Sie hat keine Chance."

"Eben, es ist genauso unfair wie Billys Kampf damals war. Mit ein bisschen Verstand und Geschick hat sie sogar eine kleine Chance und wenn sie gewinnt, könnt ihr alle gehen, ansonsten", Sam machte eine kurze Pause und grinste, "seid ihr alle tot."

"Das ist völlig unmöglich, Samantha. Du kannst nicht wirklich mit einer Sterblichen kämpfen wollen."

"Ist schon gut", meinte Olga plötzlich ein wenig zurückhaltend. "Vielleicht habe ich tatsächlich eine kleine Chance. Ich kann Kampfsportarten nicht ausstehen, aber wenn wir eh alle sterben."

Olgas Stimme war zitterig, doch man spürte, dass sie Vertrauen in sich hatte und ohne noch ein Wort zu sagen, reichte MacLeod ihr sein Schwert herüber. Sie hatte eine ehrenhafte Einstellung, das imponierte ihm.

 

Olga nahm das Schwert in ihre linke Hand und stellte sich etwas unbeholfen vor Samantha, während der Lauf von Harris' Pistole nicht einen Moment von ihnen wich.

Jeder der Anwesenden war bis in den kleinen Muskel angespannt. Parker biss sich auf die Lippen. Wollte er das wirklich mit ansehen? Es war schon beinahe vorprogrammiert, wie das ausgehen würde. Unbemerkt griff er nach seiner zweiten Pistole an seinem Fußgelenk. Wer weiß, vielleicht hatte er die Chance, sie doch noch daraus zu holen.

Sam schlug grinsend auf Olga ein, die es mit Mühe schaffte, den ersten Schlag abzuwehren, doch bereits nach dem zweiten Schlag flog Olgas Schwert im hohen Boden aus ihrer Hand, geradewegs auf Jarod zu, der sich nur noch mit einer schnellen Bewegung aus der Gefahrenzone retten konnte.

Einen Moment lang stand Olga ein wenig verdutzt da, doch plötzlich schmiss sie sich zu Boden und zog eine Spritze aus ihrer Hosentasche. In dem Bruchteil einer Sekunde hatte sie auch schon ausgeholt und Samantha die Nadel in die Wade gerammt.

Überrascht von der Reaktion, blieb das Ehepaar für einen kurzen Moment tatenlos. Ein kurzer Moment, in dem Parker seine Waffe zog und zweimal abfeuerte. Eine Kugel traf Sam direkt in den Kopf, die andere James.

Völlig fassungslos blickten alle auf die erschöpfte Olga.

"Beruhigungsmittel...war eigentlich für Parker vorgesehen", meinte sie noch, bevor sie vorsichtig wieder aufstand und sich zu den anderen setzte.

Niemand konnte es wirklich fassen, was gerade geschehen war und es herrschte eine Totenstille bis MacLeod plötzlich sagte: "Me..., ähm, Adam, denkst nicht wir, sollten langsam was unternehmen. Ich meine, sie bleiben nicht ewig so."

Über Methos' Gesicht breitete sich ein breites hämischen Grinsen aus.

"Nein, bleiben sie nicht!"

 

 
- bei Sonnenaufgang, an der Südküste Englands -

 

Methos blickte an die meterhohen Felsen hinter ihm und steckte zufrieden grinsend die Schaufel in den Sand. Kein Schreien war mehr unter ihm zu hören, kein Schimpfen und Rufen. Es war still. Nur der Wind und die Wellen waren noch zu hören.

Er wusste, es würde sich irgendwann bezahlt machen, sich diesen Platz zu merken. Er wusste nicht wirklich, woher dieses Loch stammte, aber das war auch nicht so wichtig. Für die nächsten paar Jahrhunderte würde niemand hier herkommen und Samantha und James hatten genug Zeit für ihre Flitterwochen einige Meter unter der Erde. Immer das Meer nahe über sich. Wie romantisch.

 
The End...

 

 
Was wurde aus...

 

Methos: Er wohnt noch immer in seinem kleinen Häuschen in London und gießt friedlich und ungestört seine Blümchen. Nachdem seine Nachbarin nun auch noch seinen neuen Mercedes zu Schrott gefahren hat, parkt er nun nur noch ein Stück die Straße hinunter.

 

MacLeod: Ist mit Sack und Pack zu seinem zweiten Wohnsitz nach Seacouver gefahren und liest Bücher über die Veränderung des menschlichen Wesens.

 

Amanda: Sitzt neben dem Highlander und versucht mit all ihrer Überzeugung, den Guten zu verführen.

 

Joe: Spielt weiterhin in seiner Bar die Bluesgitarre und hält ein großes Auge auf die Unsterblichen.

 

Parker: Ist nun wieder zurück in Nevada und lebt schwer mit seinem Versprechen niemandem etwas von dem Unsterblichen zu erzählen.

 

Olga: Schwärmt noch immer von dem netten Mr. Pierson, ohne wirklich weiter daran zu denken, dass er sie belogen hatte.

 

Donovan: Versucht mit aller Macht auf seinen guten Freund Frank B. aufzupassen.

 

Ramsey: Hat die Sicherheitsbestimmungen um Parker auf das Doppelte erhöht.

 

Die Katze: Lebt nun wieder gesund und munter bei ihrer Besitzerin.

 

Jarod: Hat versprochen, niemals etwas von Methos' kleinem Geheimnis preis zu geben. Im Gegenzug dazu würde Methos eine hübsche Frau, ca. Mitte dreißig, und einen Mann mit Halbglatze gleichen Alters, die nach ihm fragen, in Richtung Südpol schicken.

 

Harry: Hat sich von dem Schock erholt und sitzt nun wieder friedlich auf seiner Kommode.

 
Ende

 
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