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Mom© by Sam80853 ()
Als sich der Nebel vor Sams Augen lichtete, starrte er auf einen eingeschalteten Computerbildschirm. Sein Kopf fuhr herum, doch der Computer war die einzige Lichtquelle in einem ansonsten dunklen, trostlosen Raum und er konnte anhand seiner Umgebung nicht ausmachen, wo er sich befand. Sams Nackenhaare stellten sich auf und ein kalter Schauer lief über seinen Rücken. Irgendetwas ließ ihn an ein Verließ denken - an einen Ort, an dem es keine Hoffnung gab. "Oh Boy!", flüsterte er leise und rieb sich kurz über die Arme als könne er so die plötzliche Kälte vertreiben. Da er im Raum selbst keinen Hinweis darauf finden konnte, wo und wann er sich befand, betrachtete er den Computerbildschirm genauer. Eine Abfolge von Zahlen lief vor seinen Augen ab und Sam hatte den Verdacht, dass er gerade dabei war, irgendeinen Code zu knacken. 'Ein Hacker?' "Schon was interessantes gefunden?", fragte plötzlich Al, der wie immer ohne Vorwarnung neben ihm durch die Imaging Chamber Tür trat. Sam fuhr von seinen Stuhl hoch, er stolperte rückwärts, fast wäre er gefallen. "Al!" Sein Herz raste. Allein dieser Ort gruselte ihn schon, da musste nicht auch noch sein Hologramm ihn in Schrecken versetzen. "Tut mir leid", sagte Al ohne wirkliche Reue und zog genüsslich an seiner Zigarre. "Wo bin ich hier, Al?", fragte Sam leise. Er wusste nicht, warum er flüsterte, doch hatte er das Gefühl, dass es nötig war, als hätten die Wände Ohren. Al griff nach seinen Handlink, tippte einige Befehle ein. "Dein Name ist Broots, Du arbeitest als Computerspezialist für eine Firma, die sich 'The Center' nennt." "The Center?", Sam schaute sich ihm Raum um. "Was tun die hier?" "Laut Ziggy ist es eine Art Denkfabrik." Sam runzelte die Stirn. Er konnte sich nicht vorstellen, dass aus einen Ort wie diesem etwas Gutes kommen sollte. All seine Instinkte sagten ihm, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. "Warum bin ich hier?" Al lief im Raum auf und ab. "Ziggy arbeitet noch dran", antwortete er ausweichend. "Sie hat Schwierigkeiten, mehr über diese Firma zu erfahren", er sah Sam an. "Du müsstest mal die Barrieren sehen, die die in ihre Computer eingebaut haben. Man könnte glauben, die wollen was verheimlichen." "Es gefällt mir hier nicht", sagte Sam noch immer im Flüsterton. "Es ist.....", er sah sich im Raum um und schluckte, "...gruselig." "Führen Sie wieder Selbstgespräche, Broots?", erklang plötzlich die sarkastische Stimme einer Frau und Sam zuckte erschrocken zusammen. Als er sich etwas gefangen hatte, drehte er sich langsam um als erwarte er eine Schreckensgestalt in der Tür stehen zu sehen. Stattdessen sah er sich einer jungen, dunkelhaarigen und sehr attraktiven Frau gegenüber. Sie trug ein dunkles, enganliegendes Kostüm, das ihre schlanke Figur betonte. Völlig lässig stand sie in der Tür und blickte auf ihn herab, ein leicht abfällig Grinsen zog sich um ihre Mundwinkel. Für einen Moment blieb Sam die Luft weg. "Wow!" Auch Al hatte es fast die Sprache verschlagen. Bewundernd betrachtete er die Göttin, die soeben sein Leben betreten hatte. Nur leider war er nur ein Hologramm und sie konnte ihn weder sehen noch hören. Aller Calavicci-Charme würde daran leider nichts ändern. Bedauernd zuckte er mit den Schultern. "Tut mir leid, meine Schöne", sagte er. "Wenn ich kein Hologramm wäre, dann könnten wir...", seine Finger glitten langsam ihren Arm entlang. "AL!", Sam sprang auf die Frau zu als könne er sie so vor den lüsternen Gedanken seines Freundes schützen. Während Al beschwichtigend die Hände hob, sah die Frau ihn an als hätte er den Verstand verloren. Sie trat einen Schritt von ihm zurück und maß ihn abschätzig. Ihre Augen funkelten dunkel und gefährlich. 'Sie braucht ganz sicher niemanden, der sie beschützt', stellte Sam fest und ging etwas auf Abstand. "Wissen Sie Broots, Sie sollten sich ein Hobby zulegen", ihre Stimme war eisig, langsam ging sie an ihm vorbei zum Computer. "Ich...ich...ich wollte...", stotterte Sam und gestikulierte mit den Händen. "Gibt es etwas neues von Jarod ?", wechselte sie das Thema, als hätte sie eben erst den Raum betreten. "Jarod?", hilfesuchend sah Sam auf sein Hologramm. "Nada", antwortete Al mit einem Blick auf sein Handlink. Sam kniff die Augen zusammen, deutete mit dem Kopf auf die Frau, die sich jetzt über den Computer beugte. "Oh!", entfuhr es Al. "Das ist Miss Parker, ihr Vater leitet die Firma." "Broots?!" "Ich...ähm....nein."
Miss Parker schlug frustiert mit der Faust auf den Tisch. Seit Jarod aus dem Center geflohen war, gehörte ihr Leben nicht mehr ihr allein. Sie wusste nicht genau, ob es vorher so gewesen war, aber jetzt bestand es nur noch aus der Jagd nach Wonder-Boy und es ärgerte sie. Immer war er ihnen einen Schritt voraus, sie hatte das Gefühl als würden sie nur soviel erfahren, wie er ihnen gestattete zu wissen. "Verdammt!", fluchte sie. "Miss Parker...", begann Sam, wurde aber von einer abwehrenden Hand aufgehalten. "Suchen Sie Sidney und finden Sie Jarod", sagte sie und stürmte aus dem Raum. Etwas erleichtert atmete Sam auf. "Was für eine Frau", flüsterte Al. Sam warf seinem Freund einen warnenden Blick zu und das Hologramm verschluckte einen weiteren Kommentar.
"Ich werde zurückgehen und mich um Ziggy kümmern", schlug er vor und als Sam nickte, verschwand er durch die Imaging Chamber Tür.
Jarod wand sich unruhig in seinem Sitz. Er hatte die Augen geschlossen, doch die Ruhe des Schlafes stellte sich nicht ein. Immer wieder blitzte die Feuerwand vor ihm auf, die vor nur wenigen Stunden die einzige Familie, die er bisher kannte, getötet hatte. 'Kyle!' Alles in ihm schrie auf, sein Herz war schwer wie Blei und hinter seinen geschlossenen Lidern löste sich eine Träne, die langsam seine Wange entlang lief. Er hatte seinen Bruder gefunden, hatte erfahren müssen, dass ihn das gleiche Schicksal ereilt hatte wie ihn selbst. Nur hatte er, Jarod, das Glück gehabt, jemanden wie Sidney zu haben. Eine Art Vater, der ihn beschützt hatte, so gut er nur konnte. Kyle dagegen hatte niemanden gehabt, war schutzlos den Grausamkeiten von Mr. Raines ausgeliefert gewesen. Immer mehr Tränen liefen über Jarods Gesicht als er an die Qualen dachte, die sein Bruder hatte erleiden müssen. "Mister?", hörte Jarod die besorgte Stimme einer Frau, eine Hand legte sich auf seinen Arm, schüttelte ihn sanft. Langsam öffnete Jarod die Augen, blickte in das Gesicht einer älteren Frau, die rechts neben ihm saß. "Geht es Ihnen gut?", ihre Stimme klang weich und mitfühlend. "Danke!", Jarod nickte, legte seine Hand über ihre und war froh über den Trost, den sie ihm mit dieser Geste spendete.
Sam lief unruhig auf und ab. Noch immer war ihm unbehaglich in seiner jetzigen Umgebung, umso mehr da er ganz allein war. Weder sein Hologramm, noch Miss Parker oder ein Mann namens Sidney waren aufgetaucht. Für eine Weile hatte er versucht, aus dem Computer einige Informationen herauszuholen, hatte aber aufgeben müssen, als er feststellte, dass er entweder nicht über Mr. Broots' Fähigkeiten verfügte oder aber der Rechner zu gut gesichert war. Jetzt wanderte er durch den Raum und grübelte, was an diesem Ort vorging. Unter einer Denkfabrik stellte er sich ein Gebäude voller Wissenschaftler vor, die zusammen arbeiten und Entdeckungen zum Nutzen der Menschheit machten. Hier aber hatte er das Gefühl als wäre das Gegenteil der Fall. Eine dunkle Ahnung, dass unglaubliches hier vorging, beschlich ihn. "Sam?", rief Al leise und trat vorsichtig durch die Imaging Chamber Tür. Sowohl Sams Schreckhaftigkeit, die in diesem Fall nicht unbegründet war, als auch die Informationen, die er bekommen hatte, ließen ihn seine sonstigen Angewohnheiten vergessen. "Al!", rief Sam erleichtert. "Was hat Ziggy herausgefunden?" Das Hologramm machte ein betretenes Gesicht und Sam fröstelte. "Was?", er traute sich kaum zu fragen. "Dieser Ort", Al sah sich vorsichtig um, "ist die Hölle auf Erden..." 'Hölle auf Erden', wiederholte Sam stumm. "...zumindest für einige Geschöpfe, die hier leben müssen", fuhr er fort. "Geschöpfe?", Sam verstand die Ausdrucksweise nicht. Das Hologramm nickte. "Kinder, die entführt und für Experimente missbraucht wurden. Viele sind kaum noch ein Schatten ihrer selbst", Al hielt inne, zu unglaublich waren die Dinge, die er erfahren hatte. "Was ist hier los, Al?" Sam sah sich misstrauisch um. "Ziggy hat sich in den PC von einem gewissen Sidney einloggen können", erklärte Al, sein Blick wanderte durch den Raum als drohe selbst ihm hier Gefahr. "Sidney ist ein Psychologe, der das sogenannte 'Pretender'-Projekt geleitet hat. Pretender sind Menschen, die sich in jeden verwandeln können, der sie sein wollen..." "Verwandeln?" Al nickte. "Sie werden zu der Person - nicht die Person selbst, aber sie können und wissen alles, was diese Person konnte und wusste." Langsam begann Sam zu ahnen, was hier passierte. "Jarod?" "Er ist ein Pretender", erklärte Al weiter. "Er kam als Kind ins Center und ist vor einem Jahr geflohen." "Geflohen", wiederholte Sam. "Wie kam er hierher? Wo sind seine Eltern?" Al schüttelte den Kopf. "In Sidneys Tagebuch steht, dass er als Kind gestohlen wurde. Jarod weiß weder, wer seine Eltern sind, noch woher er kommt. Auch Sidney weiß es nicht, er hat sich um ihn gekümmert, ihn aufgezogen." Fassungslos schüttelte Sam den Kopf. Wie konnte man ein Kind seinen Eltern stehlen? Und was würde aus einem Kind werden, das in einer solchen Umgebung aufwachsen musste? "Was ist aus ihm geworden, aus Jarod?" "Seit er aus dem Center geflohen ist, sucht er nach seiner Familie - vor ein paar Tagen fand er seinen Bruder Kyle. Leider war das Wiedersehen nur von kurzer Dauer", Al winke ab als Sam ihn fragend ansah. Er wollte ihm nicht erzählen müssen, dass Kyle tot war. Er selbst wusste, was es hieß, ein Familienmitglied zu verlieren. Sein Vater war an Krebs gestorben, als er noch ein Junge war - er war zusammen mit seiner am Downsyndrom erkrankten Schwester Trudy in einem Heim gelandet. Als er alt genug war, um für sie sorgen zu können, war es für sie zu spät gewesen. Trudy war an einer Lungenentzündung gestorben. Al schluckte, versuchte die schmerzlichen Erinnerungen zu verdrängen. "Was für ein Mensch ist aus ihm geworden?" "Er ist wie Du", antwortete Al und Sam sah überrascht auf. "Er hilft den Menschen, wo immer er kann." "Bin ich seinetwegen hier?" Das Hologramm nickte. "Jarod hat die Information bekommen, dass seine Mutter und seine Schwester heute um 3:00 Uhr in Boston aus einem Taxi vor Martha's Coffee Shop steigen werden. Leider erfahren das auch die Leute vom Center und das Treffen findet nicht statt. Für einen Augenblick wird Jarod seine Mutter sehen...", Al bricht ab. "Du sollst dafür sorgen, dass er sie wenigstens einmal in die Arme schließen kann." "Einmal?", ungläubig sah Sam seinen Freund an. Unvorstellbar war für ihn der Gedanken, seine Mutter nicht zu kennen, nicht zu wissen, wer sie war und dann sollte er sie nur einmal berühren dürfen? "Sam!", Al erkannte genau, was in Sam vorging. "Für alles andere ist es bereits zu spät", erklärte er mit einem Blick auf sein Handlink. "In diesem Moment belauscht Miss Parker ein Gespräch, sie erfährt von dem Treffen in Boston und...." Sam hörte nicht weiter auf die Ausführungen seines Hologramms und stürmte zur Tür. Kaum hatte er sie erreicht als er mit jemandem zusammestieß. "Broots!" Ein älterer Mann mit grauen Haar versperrte ihm den Weg. Sam wollte sich an ihm vorbeischieben, doch der Mann hielt ihn fest. "Miss Parker lässt den Jet klarmachen, wir fliegen nach Boston", sagte er und zog Sam hinter sich her.
Jarod stand auf der Gangway, blickte auf die Stadt vor ihm und holte tief Luft. Nur ein paar Stunden noch und sein größter Wunsch würde in Erfüllung gehen - er würde seine Mom treffen. Nach 30 Jahren würde er endlich erfahren, wer er war.
Während Jarod bereits auf dem Weg in die Stadt war, saß Sam Miss Parker und Sidney im Flugzeug gegenüber. Beide schienen in Gedanken versunken und Sam fragte sich, ob sie sich im Klaren waren, dass sie das Schicksal eines Mannes in ihren Händen hielten. Aber war es nicht immer so gewesen? Aus Als Berichten hatte Sam erfahren, dass Sidney sich als Jarods Beschützer sah - als eine Art Vater und Mentor. Aber warum hatte er zugelassen, dass Jarod gefangen gehalten und missbraucht worden war? Und Miss Parker? Sie und Jarod hatten sich schon als Kinder gekannt. Laut Sidneys Aufzeichnungen war sie Freunde gewesen - hatten Geheimnisse geteilt, nur um einmal Jäger und Gejagder zu sein? Sam schüttelte ungläubig den Kopf.
"Was?", Miss Parker war diese Geste nicht entgangen und sie funkelte ihn an. Schon die ganze Zeit über hatte Broots sie und Sidney mit Missbilligung betrachtet. "Es ist seine Mutter", sagte Sam und sah von einem zum anderen. "Sollte nicht jeder Mensch wissen, wer seine Mutter ist?" Miss Parker wandte den Kopf ab. Sie wollte nicht darüber nachdenken. Alles, was sie wollte, war ihr Leben zurück. Sie wollte nicht an den Jungen denken, den sie einst gekannt hatte. Der ihr Trost zugesprochen hatte, als ihre Mutter getötet worden war, der selbst heute noch Teil ihres Lebens und vielleicht der Schlüssel zu ihrer Vergangenheit war. Sidney blickte ihm direkt ins Gesicht, offensichtlich war er seiner Meinung, aber was wollte er tun?
Diese Frage stellte sich Sam noch, als sie gegenüber Martha's Coffee Shop aus dem Auto stiegen. Miss Parker sah sich aufmerksam um und entsicherte ihre Waffe. Sam zog sich der Magen zusammen, als Sidney das gleiche tat und Miss Parker ihm eine Waffe in die Hand drückte. "Sie gehen nach Westen", sagte sie zu Sidney. "Und Sie nach Norden." Regungslos blieb Sam stehen, als die beiden sich auf den Weg machten. "Sam!", rief Al und Sam drehte sich suchend um seine Achse. An einer Hausecke entdeckte er das Hologramm, das ihm mit den Händen bedeutete, näher zu kommen. "Jarod ist zwei Häuserblocks von hier entfernt", sagte Al und deutete dabei auf mehrer dunkle Wagen, die die Strasse säumten. "Sweeper." "Sweeper?" "Die Leute vom Center." "Wo ist das Taxi?", wollte Sam wissen, während er sich aufmerksam umsah. "Auf dem Weg", antwortete Al. "Du musst Dich beeilen, um es abzufangen. Ziggy sagt, Deine Chancen sind drei Querstrassen von hier am größten." Sam eilte die Strasse entlang. Sein Herz raste. Er wusste, wie viel von ihm abhing, er durfte nicht versagen. Um Jarods Willen musste er es schaffen. Die Gedanken an seine eigene Familie, die er selbst vor scheinbar Jahren zum letzten Mal gesehen hatte, trieben ihn an. Das Gesicht seiner Mutter tauchte vor seinen Augen auf, seine Schwester Katie an ihrem Hochzeitstag, Tom, wie er aus Vietnam zurückkehrte, sein Vater, wie er stolz über seine Farm in Indiana schritt. "Da ist es", rief Al und deutete auf ein entgegenkommendes Taxi. Sam trat auf die Strasse, blockierte den Verkehr. Wildes Gehupe ertönte, wütende Stimmen erklangen, doch nichts davon drang zu Sam vor. Seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Taxi und den Menschen, die voller Erwartung darin saßen.
Jarod schritt eiligen Schrittes die Strasse in Richtung Martha's Coffee Shop entlang, als der Verkehrsstau neben ihm sein Interesse erregte. Er fragte sich gerade, ob es an der Kreuzung einen Unfall gegeben hatte, als er Broots auf ein Taxi zu laufen sah. Jarods Herz setze einen Moment aus. Wenn Broots in Boston war, dann sicher auch Miss Parker. "Mom!", rief er aufgeregt und lief nun ebenfalls auf das Taxi zu.
Sam sprang vor die Motorhaube des Taxis, achtete nicht auf die Beschimpfungen des Fahrers. "Da ist Jarod", rief Al und deutete auf einen dunkelhaarigen, ganz in schwarz gekleideten Mann, der schnell näher kam. Auf seinem Gesicht lag Verzweiflung und die bittere Entschlossenheit, zu tun, was auch immer getan werden musste. Sam öffnete die Tür des Taxis, blickte in das Gesicht einer Frau, die ihm bittend entgegensah. "Sind Sie Margaret, Jarods Mutter?" Die Frau nickte langsam, wusste nicht, ob sie ihm vertrauen konnte oder nicht. Sie war so nah dran, endlich ihrem Sohn zu begegnen. Nach all den langen Jahren der Suche, dem Hoffen und Bangen, wusste sie, dass er hier zusammen mit ihr in Boston war. "Haben Sie keine Angst", sagte Sam gerade als die zweite Frau, Jarods Schwester, zu sprechen begann. "Wer sind Sie? Lassen Sie uns gehen!" "Mom!", erklang wieder Jarod's Stimme und die Köpfe der beiden Frauen fuhren herum. Jarods Schritt verlangsamte sich, als seine Augen denen seiner Mutter begegneten. Er bewegte sich wie in Zeitlupe während das Leben um ihn herum weiter lief. Margaret stieg aus dem Auto, nicht für einen Moment ließ sie ihren Sohn aus den Augen. Aus dem Kind, das sie einst gekannt hatte, war ein Mann geworden. So viele Jahre war es her, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte und doch durchströmte sie Liebe und Stolz, als sie in seine dunklen Augen, die sich jetzt langsam mit Tränen füllten, blickte.
"Sam!", aufgeregt deutete Al auf näherkommende Männer in dunklen Anzügen. Sie hatten ihre Waffen gezogen und drängten sich durch den Verkehr ihnen entgegen. Sam sah hektisch zwischen den Männern und Jarod und seiner Mutter hin und her. Er versuchte zu erfassen, wie viel Zeit ihnen noch blieb.
Jarod bekam von all dem nichts mit. Alles, was er sah, war seine Mutter. Ihre Augen, die ihn voller Liebe ansahen und dann hatte er sie endlich erreicht. "Mom", flüsterte er mit brüchiger Stimme, seine Augen schwammen in Tränen als sie ihre Arme nach ihm ausstreckte und an sich zog. "Jarod." Ihre Hände wanderten über sein Haar, sie bedeckte sein Gesicht mit Küssen während über ihrer beiden Wangen ungehindert Tränen der Freude liefen. "Jarod!", Sam hasste es diesen Augenblick zu zerstören doch es blieb ihm keine Wahl, zu nah waren die Sweeper. "Jarod!", Sidney bog um die Ecke, kurz hinter ihm Miss Parker. Jarods Kopf fuhr hoch. Ein Blick und er erkannte die Lage. Wie immer in seinem Leben war das Center ihm dicht auf den Fersen, trennte ihn von denen, die er liebte. Jarods Hand glitt ins Taxi, berührte zum allerersten Mal in seinem Leben das Gesicht seiner Schwester. "Ihr müsst gehen, Mom", sagte er dann und schob sie sanft zu seiner Schwester ins Taxi. "Komm mit uns", bat Margaret und hielt seine Hand fest umschlossen. "Sie werden euch nicht folgen, wenn ich hier bleibe", flüsterte Jarod, Tränen füllten seine Augen. "Ich liebe Dich", sagte Margaret. "Ich liebe Dich, Mom", mit diesen Worten schloss er die Autotür. Die Hand seiner Mutter war gegen die Fensterscheibe gepresst, als das Taxi Gas gab und davon brauste. Jarod war wie erstarrt, blickte unverwandt dem Auto, seiner Familie, hinterher. "Du musst gehen, Jarod", sagte Sam eindringlich und schüttelte ihn. "Jarod!", rief er lauter als von ihm keine Reaktion kam. Noch immer rührte er sich nicht und Sam drehte sich in Richtung der Sweeper, die sie nun fast erreicht hatten. Er machte sich bereit, es mit ihnen allen aufzunehmen.
Ganz langsam holte Jarod die Wirklichkeit wieder ein - die Geräusche der Autos, die Rufe Sidneys und Miss Parkers und als Sam sich zu ihm drehte, war er verschwunden. Verwundert drehte Sam sich um seine Achse, doch von Jarod war nichts mehr zu sehen. Die Sweeper eilten an ihm vorbei, stießen ihn zu Boden doch das kümmerte ihn wenig. Er hatte es geschafft, er hatte Jarod und seiner Mutter diesen einen Augenblick geschenkt und er war glücklich. "Gut gemacht, Broots!", sagte Sidney und half ihm auf. Sam lächelte und sprang...
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