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Eure Kinder

© by Shiun ()

 

Disclaimer: Ich spiele nur in Mr. Lucas Sandkasten.
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Eure Kinder
sind nicht eure Kinder -
sie sind die Söhne
und Töchter
der Sehnsucht des Lebens
nach sich selber
 
Khalil Gibran
 
~*~
 
 

"Und der Jedi-Meister besiegte den Drachen, und das Dorf war gerettet und die Menschen waren alle sehr froh."

Mit offenen Mündern starrten neunzehn kleine Jedi-Kinder auf ihre Märchenerzählerin und deren langen Tentakel, die sich sanft bewegten. Nur das zwanzigste kleine Jedi-Kind starrte lieber aus dem bodenlangen Fenster in den Garten.

Dort stand ein riesiger Mann, mit Bart und langen Haaren und blauen Augen und sah aus, als wäre er der Jedi-Meister aus der Geschichte. Und für einen Moment starrte er zurück.

Obi-Wan wurde rot - es war garantiert unhöflich, einen riesigen Jedimeister anzustarren - und legte seinen Kopf auf seine Knie. Aber er spürte ein Prickeln im Nacken, und irgendwas flackerte zwischen ihm und dem Mann im Garten, und er hatte gelernt, seinen seltsamen Gefühlen auf den Grund zu gehen.

Er tapste durch das offene Fenster in den Garten, ungesehen von den anderen neunzehn Kindern und der Märchenerzählern, die schon wieder in einer anderen Geschichte versunken waren.

 

"Hallo?"

Er stand vor dem Mann, und der Mann wich kein bisschen zurück, aber er kniete sich zu ihm herunter und schaute ihm in die Augen.

"Hallo, kleiner Mann."

Irgendwas an dem Mann war warm, und irgendwas war nicht richtig an ihm, aber er hatte ganz blaue Augen, viel blauer als der Himmel über Coruscant.

"Bist du ein Jedi-Meister?"

"Ja, das bin ich."

"Oh."

Obi-Wans Mund wurde rund, und seine Augen groß, und er wollte vor Erfurcht erstarren. Es kamen nie Meister zu ihnen, nur Meister Yoda, aber vor Meister Yoda hatte keiner Angst, denn warum soll man vor etwas Angst haben, das kleiner war als man selber?

Der Jedi-Meister lächelte, nur ein bisschen, und er verschränkte seine Arme in den weiten Ärmeln seines Umhangs, und er sah ganz und gar still und leise und wie eine Statue aus. Aber um ihn herum schwirrte und flimmerte etwas Blauleuchtendes, blau wie seine Augen, aber scharf und schmerzhaft, und Obi-Wan wusste auf einmal, was es war.

"Bist du traurig?"

Der riesige Jedi-Meister guckte erschrocken, wenn so was überhaupt möglich war, und Obi-Wan zuckte zusammen. Es war sicher nicht gut, einen Jedi-Meister zu erschrecken, und Obi-Wan wollte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn der Meister sich beschweren würde, und er müsste dann sicher Teller abwaschen und zeitig ins Bett gehen.

"Ich ... ich glaube ja."

"Oh!" Obi-Wan schlug seine Hände über den Mund. "Können Meister denn traurig sein?"

Da war wieder ein kleines Lächeln im Gesicht des riesigen Meisters, und Obi-Wan spürte, das es nicht echt war, wie eine dieser grünen Früchte, die es manchmal zum Frühstück gab, und die so lecker aussahen, aber so bitter waren, das es ihm Tränen in die Augen trieb.

"Ja, genauso wie kleine Jedi-Kinder."

Der Jedi-Meister nahm eine Hand aus seinen Ärmeln, und sie war genauso riesig wie der Rest von ihm, und dann legte er diese Hand auf Obi-Wans Brust, über sein Herz. Obi-Wan wusste plötzlich, dass das scharf Blauglänzende um den Jedi-Meister herum das selbe war, was er manchmal fühlte, wenn er nachts allein in seinem Bett lag und alle anderen schliefen und nur er wusste, das ihm irgendetwas fehlte.

 

Und sein Mund verzog sich, aber er würde nicht weinen, weil er ein großer Junge war, und Jedis weinen nicht, und er wollte doch ein Ritter werden, eines Tages.

"Ich kann Drachen bekämpfen und böse Menschen einsperren und schöne Prinzessinen retten, aber ich bin genauso allein wie ein kleines Kind." Die Stimme des Meisters war leise, und seine Augen warm, so warm, aber ...

"Ich bin kein kleines Kind", protestierte Obi-Wan entrüstet, aber es klang erstickt, weil er sich die Ärmel vor den Mund hielt.

"Natürlich nicht." Der Meister nickte, und Obi-Wan verstand plötzlich, so wie er manchmal Sachen sah die kein anderer sah, und Dinge vorher wusste, und ein schlechtes Gefühl hatte, wenn die anderen auf viel zu hohe Bäume klettern wollten; - es gab nur einen Weg, seine Traurigkeit und die des Meisters zu überwinden.

 

Er ging noch ein paar Schritte auf den Meister zu, und der schaute wieder erschrocken, aber dann sah auch er es, ganz bestimmt, denn er hielt seine Arme auf, und Obi-Wan fiel hinein, fiel in den großen Jedi-Meister, der Drachen besiegt hatte und genauso traurig war wie ein kleiner Junge, der einmal ein Ritter werden wollte.

 

"Ich bin Obi-Wan Kenobi", murmelte Obi-Wan in die Tunika des Meisters, genau über der Stelle, wo Schulter in Hals überging, und der Meister rückte ein wenig, verschränkte seine Beine und zog Obi-Wan in seinen Schoß. Er war ein großer Junge, ja, das war Obi-Wan, aber ab und zu mal weinte jeder ein bisschen, nicht war? Sogar ein riesiger Jedi-Meister weinte manchmal.

Große, raue Hände in seinem Haare, sie kämmten durch seine Strähnen, und das fühlte sich viel besser an als von den Frauen, die ihn manchmal auf den Schoß nahmen und Märchen erzählten, und der Herzschlag unter seinem Ohr war ihm irgendwoher bekannt, und nun fehlte Obi-Wan nichts mehr.

 

"Ich bin Qui-Gon Jinn", sagte der Jedi-Meister, und Obi-Wan schaute auf, in warme hoffnungsvolle Augen, nahm seinen ganzen Mut zusammen, und er war sich sicher, das es leichter sein musste, gegen Drachen zu kämpfen und Prinzessinnen zu retten und Meister Yoda vernünftiges Standard beizubringen, als den Jedi-Meister - Meister Qui-Gon - das zu fragen, was ihm auf den Herzen lag. Aber er nahm seinen Mut zusammen, denn er war kein Baby mehr, und er wollte mutig sein.

 

"Brauchst du einen Padawan?"

 
Ende

 
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