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Am Ende einer Reise© by Dashan ()
Ich weiß nicht recht, wie ich anfangen soll, so lange habe ich schon nicht mehr versucht, mit Dir zu sprechen. Zuerst einmal die gute Nachricht. Mit Sevens Hilfe haben wir es geschafft! Wir konnten eine Transwarpspule der Borg so abstimmen, dass sie sich in unsere Systeme einfügen ließ. In einigen Stunden werden wir an DeepSpace9 andocken und unsere Reise da beenden, wo sie vor so langer Zeit für Dich angefangen hat. Als Du damals bei diesem letzten Angriff der Hirogen gestorben bist, als die Konsole direkt vor Dir explodierte... damals ist etwas von mir mit Dir gegangen. Ich war wie paralysiert, konnte keinen klaren Gedanken fassen, keine Entscheidungen treffen. Tuvok hat uns allen, der ganzen Crew, sehr geholfen. Er nahm mir von dem Augenblick an, als Du sterbend auf der Brücke lagst, alles ab, übernahm meine und Deine Pflichten, beendete den Kampf und brachte das Schiff aus der Reichweite der Hirogen. Ich konnte nur noch zusehen, wie das Leben Dich verließ, fühlte mich hilflos und nutzlos, versuchte nur, Dir beizustehen. Aber eigentlich sah ich Dir nur beim Sterben zu. Ich war lange Zeit so nutzlos, wie ich es in dem Moment gewesen war, als Du von mir gingst. Es dauerte, bis ich begriff, dass ich nicht nur einen - nein - dass ich nicht nur DEN Menschen, der mir über alles wichtig gewesen war, verloren hatte. Ich musste auch Dein Erbe antreten, ein schweres Erbe, wie ich jetzt erst in vollem Umfang verstand. Die Crew war immer noch so entschlossen, nach Hause zu kommen, wie am ersten Tag unserer Reise, obwohl ihr Captain sie verlassen hatte. Als ich das begriff, als diese Erkenntnis endlich zu mir durchdrang, wusste ich auch, was ich zu tun hatte... Ich war verpflichtet, Deine Aufgabe zu übernehmen, das Schiff und seine Mannschaft wieder zurück zu bringen. Glaub bitte nicht, dass es leicht war, wieder ins Leben zurück zu kehren. - Was rede ich da, Du wärst der letzte Mensch, der nicht so gehandelt hätte, davon bin ich überzeugt und nur das ließ mich weitermachen... -
Mit der Zeit kehrte eine gewisse Normalität in den Alltag zurück, auch in meinen. Neben Dir haben wir auch andere Crewmitglieder verloren, Neelix, Jenny Delani, B'Elanna, um nur einige zu nennen. So hart es klingt, B'Elanna war am schwersten zu ersetzen, außer dem Captain natürlich. Ich verlor bei diesem Angriff nicht nur Dich, sondern auch eine alte Freundin und den besten Chefingenieur, den dieses Schiff sich wünschen konnte ("Ein Schiff kann sich nichts wünschen, Commander", höre ich Tuvok sagen, ich sehe seine hochgezogene Augenbraue direkt vor mir, siehst Du es auch?) Tom hat sich von dem Verlust B'Elannas nie erholt. Er macht seine Arbeit und er macht sie gut genug, aber er ist nicht mehr mit ganzem Herzen dabei, nicht wie früher. Er tut seine Pflicht, mehr nicht. Aus dem leichtlebigen jungen Mann ist ein ernster, fast melancholischer Offizier geworden. Als ich ihn einmal darauf ansprach, sagte er nur, ohne weitere Ablenkungen könne er endlich den Anforderungen seines Vaters gerecht werden. Es tut weh, ihn leiden zu sehen, aber nicht einmal Harry dringt zu ihm durch. Vielleicht wird es ihm helfen, wieder unter andere Leute zu kommen, Neues zu sehen, wenn wir auf DS9 ankommen...
Die Voyager wurde während der letzten Jahre zu einem "Generationenschiff". Diese Entwicklung begann ganz allmählich nach Deinem Tod. Die Crew schien sich mit der Vergänglichkeit des Lebens abzufinden und nicht mehr "nur" auf eine Heimkehr zu dem jeweiligen Partner im Alpha-Quadranten zu hoffen. In meinen ersten Wochen als stellvertretender Captain (anders kann ich meine Position einfach nicht nennen, Dich vollständig zu ersetzen wird mir niemals möglich sein), habe ich mehr Paare getraut, als ich jetzt noch zählen kann... wir werden mit 182 Crewmitgliedern bei DS9 andocken.
Damit bin ich bei dem Thema angekommen, das für mich am schwersten ist. Als ich nach langer Zeit soweit war, Deine Pflichten zu übernehmen, zu versuchen, den Platz des Captains auszufüllen, meldete sich auch mein Seelenfreund zurück. Seine Botschaft war eindeutig, kehre zurück ins Leben, nur so kannst Du der Crew genug Kraft und Zuversicht geben, um diese Reise zu überstehen! Du weißt, wovon ich spreche, nicht war? Nur die Erkenntnis, der Crew ein Beispiel zu sein, das Leben auf der Voyager als lebenswert zu gestalten, es nicht nur als übergangsweise zu betrachten, hat Dich damals dazu veranlasst, mir endlich Deine Liebe zu zeigen, unserer gemeinsamen Zeit eine Chance zu geben. Und wir haben ihn genutzt, diesen viel zu kurzen Moment in der Ewigkeit...
Als ich die Position des Captains übernahm, brauchte ich lange, um über Toms Stadium der Trauer hinweg zu kommen. Aber eines Tages war ich dann soweit, auch über die Pflicht hinaus wieder ins Leben zurückzukehren. Um es kurz zu machen, es ist schwer genug, ausgerechnet zu Dir darüber zu sprechen. Ich habe eine neue Beziehung begonnen, langsam zwar, aber ich war wieder in der Lage, mich einem anderen Menschen zu öffnen, jemanden an mich heran zu lassen. Samantha Wildman kam ausgerechnet zu mir, um mich um Rat zu fragen. Ihre Tochter Naomi war nach diesem katastrophalen Ereignis nicht mehr dieselbe, sie hatte mit vielen Freunden auch jede Lebensfreude verloren und Sam machte sich große Sorgen um sie. Gemeinsam versuchten wir, einen Weg zu finden, die Kleine wieder aufzumuntern, und irgendwie fanden wir durch die Sorge um das Kind zueinander. Es ist nicht dasselbe, aber es wir haben eine harmonische Beziehung und sind glücklich miteinander. Kathryn, ich wünsche mir, ich könnte Dich nachträglich um Deinen Segen für die Entscheidung bitten, die ich getroffen habe, aber ich bekomme keine Verbindung zu Dir in der Welt der Geister. Trotzdem sage ich mir immer wieder, dass Du nicht gewollt hättest, dass ich nicht ins Leben zurückkehre. Sam hat noch eine Tochter bekommen vor 8 Jahren. Sie heißt Kathryn und entwickelt prächtig. Du wärst sicher stolz auf diesen kleinen Crewman, obwohl sie nicht so intensiv dem Captain nacheifert, wie ihre große Schwester es in diesem Alter getan hat.
Nun bist Du wieder auf dem neuesten Stand, was die Entwicklung auf der Voyager angeht, ich habe meinen Bericht abgeliefert, so, wie ich es früher als Dein Erster Offizier immer getan habe. Er kommt natürlich viel zu spät. Ich habe sehr lange gebraucht, um Dir wieder alles erzählen zu können, ohne das Gefühl, mich selbst und mein neues Leben ohne Dich in Frage zu stellen. Jetzt bin ich soweit. Und jetzt, nachdem ich zu Dir gesprochen habe, habe ich auch die Kraft, der Sternenflotte gegenüber zu treten und unsere Zukunft anzunehmen. Wer weiß schon, was jetzt kommt? Werden alle ehemaligen Maquisards rehabilitiert, werden wir verurteilt? Wird das Sternenflottenkommando mit der Anwendung von Borg-Technologie einverstanden sein? Wir haben immerhin fast das ganze Schiff umgebaut, um die Transwarp-Spule integrieren zu können.
Es ist soweit. Die Andocksequenz beginnt, Tom wird die alte Voyager gut an DS9 heranbringen, ich kann mich hundertprozentig auf ihn verlassen. Jetzt werde ich mich von Dir verabschieden, denn wer weiß, ob ich jemals an Bord dieses Schiffes zurückkehren werde. Du bist für mich immer hier präsent gewesen und wirst auch immer hier sein. Auf Wiedersehen, Captain, ich wünsche es mir...
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