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Der Morgen vor dem Abend danach

© by Clivia ()

 

Disclaimer: Okay, zuerst also die üblichen Disclaimers. Die Jungs gehören mir nicht und ich verdiene kein Geld mit ihnen, das tun andere, wir alle wissen wer. R/P/D bekommen sie zurück, wenn ich mit ihnen fertig bin (das dauert noch ein bißchen *g) und ich schicke sie auch zur Arbeit, sollten oben genannte in nächster Zeit wieder etwas für sie haben. Bis dahin aber nutze ich ihre Arbeitskraft schamlos aus, ohne gewollte Copyrightverletzung,- natürlich.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion.
Freya und Tara haben eine absolute Superleistung vollbracht und das Ding in Rekordzeit ein wenig betagelesen. Alle verbliebenen Fehler gehen auf meine Kappe (ich llliiiebe Kommata *g). Eigentlich war dies ein Geburtstagsgeschenk für Angelique. Nochmal Happy Birthday, Große.

 

Es war lausiges Timing, so viel stand fest und es hätte kaum schlimmer kommen können. Der älteste Unsterbliche spürte die Präsenz Sekunden, bevor es resolut an der Tür seines Pariser Apartments klopfte. Er schoß aus seiner Position im Bett hoch und versuchte, sich mit den Füßen in den dunkelgrünen Laken verheddernd, aufzuspringen und gleichzeitig nach seinem Schwert zu greifen. Es erwies sich ob des erstaunlich hohen Restalkohols in seinem Blut als unmöglich. Kurz bevor er mit einem resignierten "Uff" auf dem Boden aufschlug, erkannte er Duncans Präsenz.

"MacLeod----Shit!" Gab es einen ungünstigeren Zeitpunkt, daß Duncan MacLeod vom Clan MacLeod sein Gewissen entdeckte, um seinen Freund nach Monaten des Schweigens zu besuchen - ganz nach Pfadfinderart. Nein.

Jeden Tag eine Gute Tat, ts!

Es klopfte erneut, etwas lauter als eben, und der Schotte hatte wohl gleichzeitig entdeckt, daß es einen Klingelknopf gab.

"Fuck!"

Methos' Blick fiel auf den Wecker neben dem Bett. 6:15 verkündete die rote Leuchtanzeige fröhlich blinkend und entlockte ihm ein verzweifeltes Stöhnen. Ein weiterer Blick und aus dem Stöhnen wurde ein heftiger Wortschwall in einer Sprache, in der heutzutage niemand mehr fluchte, als er entdeckte, daß eine weitere Person sich in seinem Bett befand. Ein Fuß und ein Arm schauten unter der Bettdecke hervor und Methos' Kopfschmerzen wurden, wenn irgend möglich noch einen Hauch intensiver. Schließlich regte sich der grüne Klumpen aus Bettwäsche und ein Kopf lugte hervor, ein überaus männlicher Kopf mit ebenso verquollenen Augen wie Methos' und anscheinend demselben Kater, wie er ihn verspürte, auch wenn seiner gnädigerweise von erheblich kürzerer Dauer sein würde.

"Shitfuck!"

Methos suchte verzweifelt nach seiner Jeans und machte diese schließlich an einem Flügel des Deckenventilators aus, der sich mit einem trägen "whhhop,klick,whhhop,klick" langsam drehte. War wohl eine wilde Nacht. Schade, daß ich mich nicht erinnern kann...- Halt! Ich kann mich erinnern---------***Oha!----

Es klingelte wieder, diesmal penetranter.

"Ich komme ja schon! Mooomeheennt!"

Es klang wenig überzeugend unbesorgt, doch es war alles was er zuwege brachte, während er auf dem Bett stand und nach seiner Jeans angelte. Die Boxershorts waren nirgendwo zu sehen, und sein T-Shirt lag halb unter dem Bett. Er schlüpfte wildhüpfend in die Hosenbeine und schloß hektisch die Knöpfe, während er sich nach dem T-Shirt bückte, nur um festzustellen, daß es vom Kragen her aufgerissen worden war.

Wirklich eine wilde Nacht, dachte er und riskierte einen raschen Seitenblick auf den anderen Inhaber des Bettes, der sich jetzt mittlerweile ebenfalls erhoben hatte und gähnend seine Sachen Stück für Stück zusammensuchte, ohne besondere Eile an den Tag zu legen. "Morgen! - Wo ist denn die Dusche?" fragte ihn der junge Mann und Methos wunderte sich bei dem Anblick, der sich ihm bot, kaum noch, daß er ihn mit nach Hause genommen hatte.

Nackt vor ihm stand, seine Jeans über dem Arm, eine Art Halbgott. Ein Mann, etwa 30 Jahre alt, mit dunklen langen Haaren, tiefblauen Augen, makelloser Haut, groß, breitschultrig und im Besitz der natürlichen Grazie eines Sportlers und dazu mit einem scharfgeschnittenen Gesicht, das Künstler aller Epochen inspiriert hätte. Er erinnerte vage an einen bestimmten Schotten, der immer noch ungeduldig vor der Tür wartete und den Klingelknopf malträtierte. Prägung!

Methos' Mund öffnete sich, aber er brachte kein Wort heraus.- Es war definitiv nicht sein Tag und das, wo der Tag doch gerade erst angefangen hatte.

Wow! - Und ich weiß nicht mal, wie er heißt. Wann ist mir das das letzte Mal passiert?

Methos gestikulierte schließlich wortlos in Richtung Badezimmer und konnte nicht umhin, die Kehrseite seiner nächtlichen Bekanntschaft ausgiebig zu bewundern, als dieser sich umdrehte, um die Dusche aufzusuchen.

 

Ein fortgesetzter Klingelton schreckte Methos aus seinen Beobachtungen und er beschloß, die Türe zu öffnen, egal was dann passierte. Hauptsache dieser enervierende Lärm hörte endlich, endlich auf. Vielleicht gelang es ihm ja Duncan von der Anwesenheit seines "Übernachtungsgastes" abzulenken.

Ein kurzer Blick über den Wohnbereich belehrte ihn eines besseren. Es war zu spät die umgestoßenen Möbel aufzurichten und den Teppich an seinen Platz zu rücken. Die Kondompackungen konnte er zur Not noch verschwinden lassen, aber zu mehr würde die Zeit nicht reichen. Alles was ihm übrig blieb, wäre Duncan draußen warten zu lassen, bis er angezogen war, und mit ihm einen Spaziergang zu machen, bis 'werauchimmer' entschwunden war. Das war ein Plan, ja, definitiv.

Die beste und einzige Lösung sein Gesicht zu wahren.

Es würde die Sache enorm vereinfachen, wenn Mac von seinen nächtlichen Aktivitäten keinen Wind bekam. Auch wenn es wohl kaum möglich war in Duncans Ansehen noch tiefer zu rutschen, als es ihm durch die Horsemen-Geschichte gelungen war, blieb doch abzuwarten, wie Duncan mit der Tatsache fertigwürde, daß sein Freund gerade mit einem Mann eine offensichtlich heiße Nacht verbracht hatte. Noch dazu mit einem Mann den er nicht einmal kannte.

Wie der Vorzeigeheterosexuelle Duncan reagieren würde war eine überaus beunruhigende Vorstellung und Methos sah dem alles andere als freudestrahlend entgegen. Das einzig positive an dieser Sache wäre, daß man an der Reaktion des Highlanders eventuell feststellen konnte, woran Methos mit ihm war.

Duncan MacLeod- Das Objekt seiner geheimen Liebe über all die Jahre, die sie sich kannten, hatte allem bisherigen Anschein nach keine Ahnung, wie sein Freund für ihn fühlte. Er hatte nicht einmal bemerkt, daß Methos seit ebensovielen Jahren keine Gelegenheit ausließ, mit ihm zu flirten. Vielleicht würde ja heute die Erkenntnis dämmern. Vielleicht war somit heute das Ende ihrer ohnehin instabil gewordenen Freundschaft gekommen, wenn Duncan sich angeekelt ob dieser Vorstellung von ihm abwandte. Vielleicht blieb ja auch alles, wie es war und Mac zeigte sich tolerant aber uninteressiert. Vielleicht, mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit aber vielleicht, gestand der Highlander sich auch endlich ein, daß es ihm wie seinem Freund erging und alles würde endlich so werden, wie Methos es sich wünschte.

Die letzte Möglichkeit hielt der älteste Unsterbliche allerdings für extrem unwahrscheinlich, doch es war schön einen Hoffnungsschimmer zu haben und nach Jahren der unerwiderten Liebe, in denen er sich Duncan so nah, aber nicht nah genug, gefühlt hatte, griff sein Innerstes nach jedem Strohhalm.

Er wußte, daß Duncan etwas für ihn fühlte, hatte oft genug die dunklen Augen seines Freundes versonnen auf sich ruhen gespürt, hin und wieder hatte sogar Duncan mit ihm geflirtet, vielleicht unbewußt, aber es war geschehen, doch Methos war sich sicher, daß der Highlander niemals solche Gefühle offen zugeben würde. Es waren zwei Paar Schuhe, Verlangen zu verspüren oder dem Verlangen nachzugeben. Gute Freunde, ja, freundschaftliche Liebe, vielleicht, Waffenbrüder, definitiv, Lust, eventuell, aber Liebe, richtige Liebe, das waren völlig verschiedene Dinge und Duncan würde nicht dahingehend agieren, geschweige denn, den ersten Schritt machen, so viel stand fest.

Es klingelte noch einmal und eine bekannte Stimme rief: "Adam, bitte mach endlich auf."

Methos seufzte noch einmal, beschloß, auf ein T-Shirt aus Zeit- und Dramatik-Gründen zu verzichten, fuhr sich noch einmal durch das zerzauste Haar und atmete tief ein, dann trat er an die Tür und öffnete sie mit Schwung.

"Duncan? Was tust du denn hier ?" Oh, zu vorwurfsvoll,...Vorsicht!

Trotz allem brachte Methos ein leichtes Lächeln zustande.

MacLeod stand wie angewurzelt in der Tür und starrte sein Gegenüber an, wie ein Kaninchen die Schlange. Er konnte nicht anders als den überaus attraktiven Körper seines Freundes zu bewundern, sein Blick wanderte über den wohlbemuskelten Brustkorb, die langen, sehnigen Arme und den eleganten Nacken seines Freundes. Die Jeans, die Methos trug, hing gefährlich tief auf den schmalen Hüften und Duncan mußte sich von diesem Anblick regelrecht losreißen, ehe er in der Lage war, einen zusammenhängenden Satz zu bilden.

"Methos,...ich...äh, entschuldige, daß ich dich so früh störe, aber ich muß mit dir sprechen. Es ist wichtig und äh...naja. -Darf ich reinkommen?"

Da Methos wie angewurzelt im Türrahmen stehen blieb, redete Duncan einfach weiter und bemerkte, wie ihm Röte ins Gesicht stieg. Etwas einfacher hatte er sich den Anfang dieses Gespräches doch ausgemalt und er hatte nicht erwartet, bereits an der Haustür aufgeben zu müssen. Seine Joggingroute hatte nun schon zum dritten Mal in dieser Woche, ohne daß er es wollte, eine Wendung genommen, die ihn an Methos' Apartmenthaus vorbeiführte und endlich hatte er sich ein Herz gefaßt ganz spontan bei ihm vorbeizuschauen und endlich, endlich seine wahren Gefühle zu offenbaren. Das jedenfalls war sein Plan gewesen.

Jetzt mit dem Objekt seiner Begierde so verführerisch nahe, war er sich seiner Sache plötzlich überhaupt nicht mehr sicher. Seine beinahe 400 Jahre Erfahrung in solchen Dingen schienen sich ob dieser Hürde, die sich ihm da mit einer fragend erhobenen Augenbraue präsentierte, in Nichts aufzulösen. Nicht sehr hilfreich.

"Sorry, ich weiß, du bist kein Morgenmensch", fuhr er fort, "aber ich kam gerade vom Joggen und habe unterwegs Frühstück mitgebracht. Ich dachte, wir könnten..."

Im hinteren Teil der Wohnung klapperte es und MacLeod reckte den Hals, um an seinem Gegenüber vorbeischauen zu können, doch Methos kam ihm zuvor und zog die Türe etwas weiter hinter sich zu, so daß beide im Gang standen und nur noch ein Spalt blieb, durch den Duncan beim besten Willen nichts mehr sehen konnte. Methos blasse Haut nahm eine ungesunde Färbung an, als ihm alles Blut aus dem Gesicht wich.

Frühstück...Nett, aber was nun? Dazu müßte ich ihn reinlassen und was dann passiert...Fuck! Duncan du hast ein Gefühl für schlechtes Timing, das muß man dir lassen.

Zum Glück war MacLeod abgelenkt genug von dem, was er sagen wollte, daß er keine weiteren Anstalten machte, die Wohnung zu betreten. Es schien ihn nicht einmal zu stören, daß Methos diese Sache offensichtlich im Hausflur hinter sich bringen wollte.

"Schau, es ist jetzt lange her, daß wir uns getroffen haben und ich habe das Gefühl, daß du dich seit O'Rourke von mir distanziert hast." Duncan drehte den Beutel mit Brötchen unschlüssig in den Händen und sprach leise, beinahe beschwörend, während Methos angestrengt auf seine Zehen blickte und sich bemühte, nicht nervös zu wirken. Was Mac da erzählte, war die Wahrheit, aber wenn er jetzt den Grund wissen wollte, konnte er ihm beim besten Willen nicht weiterhelfen.

Er konnte schlecht hingehen und sagen: "Hey, sorry, aber ich konnte es nicht mehr ertragen, in deiner Nähe zu sein und von dir behandelt zu werden, als wäre ich nicht erwünscht, so wie damals nach dem Keane Debakel. Ich kann nicht mehr zusehen, wie du hinter jedem Rock her bist und tun, als sei ich dein Freund, wenn ich in Wahrheit viel mehr von dir will als Freundschaft. Ich schaffe das nicht mehr. Jedesmal, wenn wir zusammen sind, brauche ich hinterher eine kalte Dusche. Es tut mir leid, wir können Freunde sein, aber nur von Ferne. Alles andere ist zuviel für mich." Nein, unmöglich. Das konnte er Mac wohl kaum auf diese Weise schonend beibringen.

Unbehaglich verlagerte er sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen und fixierte weiterhin seine Zehen.

"Methos?"

"Hm?"

"Was ist passiert? Ist es immer noch wegen den alten Geschichten? Ich weiß, daß ich dich oft genug verletzt habe, ohne mich auch nur ein einziges Mal zu entschuldigen, aber ich dachte, wir hätten das an dem Abend auf meinem Boot endlich aus der Welt geschafft. Also, was ist los?"

Methos blickte überrascht auf. "Hör zu, MacLeod. Ich...äh..."

Duncan beäugte Methos mißtrauisch. Irgend etwas war ganz und gar nicht in Ordnung mit dem ältesten Unsterblichen. Ein Methos ohne Worte war ein seltenes Ereignis und er hätte zu gerne gewußt, was der Grund dafür war. Auch daß der andere ihm nicht in die Augen blicken konnte, war überaus beunruhigend. Im Stillen ging Duncan noch einmal ihre letzte Begegnung bei Joe vor gut 4 Monaten durch, doch fand er nichts, was dieses seltsame Benehmen gerechtfertigt hätte.

In diesem Moment hörte Duncan im Inneren der Wohnung die Dusche und jemand begann mit einem nicht ganz astreinen Bariton zu singen. *Bariton*? Methos hatte einen Mann bei sich? Und dieser Mann duschte -morgens um 6 - in Methos' Wohnung-?

Vielleicht nur ein Freund?

MacLeods Gedanken überschlugen sich bei dem Versuch, die Tatsache, die er da so unerwartet entdeckt hatte, ins rechte Licht zu rücken, doch es gelang ihm nicht. Methos' merkwürdiges Verhalten ließen nur einen Schluß zu und Duncan fühlte sich, als hätte man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen und Hitze stieg ihm ins Gesicht.

Methos hatte eine Beziehung. Mit einem Mann!

Das erklärte auch, warum er Mac so lange nicht mehr unangemeldet auf dem Boot besucht hatte und es erklärte ebenso Methos' seltsames Benehmen und warum er ihn hier draußen abfertigte.

MacLeod konnte es nicht fassen. Endlich hatte er den Mut gefunden, doch nun war es zu spät.

Er war mit dem festen Vorsatz zu Methos gekommen, endlich und ein für allemal reinen Tisch zu machen. Er wollte Methos seine Gefühle gestehen, egal, ob der alte Mann sich vor Lachen auf dem Boden rollen würde oder ihn angeekelt stehenließ (letztere Möglichkeit zog Mac nicht wirklich in Erwägung, in Anbetracht der vielen Kulturen, in denen Methos mit Sicherheit an dieser sexuellen Variation nicht vorbeigekommen war) und nun stellte sich heraus, daß er zu spät war. So starrte er Methos nur mit offenem Mund an und bemerkte, wie sein Magen sich hob, als er sich der Tragweite dieses Momentes bewußt wurde.

Es war wieder wie damals, als Methos von seiner ersten Begegnung mit Alexa nervös, verliebt und völlig neben sich stehend zu ihm gekommen war. Damals hatte er den Funken von Eifersucht und das Aufflackern eines bisher völlig unbekannten Verlangens, das nach ihm gegriffen hatte, beiseite geschoben und hatte versucht diese Gefühle zu ignorieren. Zuerst hatte er der Sterblichen Alexa das Feld geräumt und dann, als nach ihrem Tod Methos die Trauer zu erdrücken drohte, hatten sie sich einander wieder genähert.

Die Horsemengeschichte hatte ihm Methos jedoch wieder genommen und nun, da endlich Klarheit in MacLeods Gedanken eingekehrt war und er endlich wußte, was ihn wirklich so an den alten Mann band, glitt er ihm zum dritten Mal aus den Händen. MacLeod, dem Unsterblichen, lief immer wieder die Zeit davon. Methos wüßte die Ironie der Situation mit Sicherheit zu schätzen, aber Mac dachte nicht daran ihn einzuweihen.

Das Singen wurde lauter und Methos wand sich vor Unbehagen.

MacLeod beobachtete beklommen, wie Methos Gesichtsausdruck, soeben noch gefaßt, von einer Sekunde zur anderen entgleiste, ja er errötete sogar bis in die Haarspitzen und schaute sich nach einem Loch um, in dem er versinken konnte. Nachdem er darin wie zu erwarten erfolglos geblieben war, begegnete er schließlich widerwillig Macs Blick.

"Dein Timing war schon mal besser", war alles, was ihm einfiel. Duncan nickte nur und schaute nun seinerseits auf seine Fußspitzen. Seine Stimme klang in seinen eigenen Ohren fremd und er hörte sein Blut überlaut durch seine Adern rauschen.

"Warum hast du mir nicht gesagt daß du mit jemandem zusammen bist, Methos? Ich,...ich...freue mich doch für dich, - wenn du jemanden gefunden hast und - glücklich bist. Es gibt keinen Grund, ihn vor mir zu verstecken", erklärte der Schotte in müdem Tonfall. Methos öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch er kam nicht dazu, weil MacLeod wie aufgezogen weiterbrabbelte.

"Wenn du in Sorge warst, daß ich mich aufgrund der Tatsache, daß du einem Mann dein Herz geschenkt hast, peinlich berührt fühlen würde, sag' ich dir eins: Kein Problem, Ok? Ich bin nicht so engstirnig, wie meine Freunde manchmal denken. Ich, wir, im Gegenteil, ich wollte gerade...wir haben so lange miteinander...ach, vergiß es. Es ist zu spät, oder? Ich ... ich bin auch schon wieder verschwunden."

Methos blinzelte verwirrt und versuchte, das eben gehörte in einen Zusammenhang zu bringen. Er war plötzlich absolut nüchtern.

"MacLeod....!So ist es nicht... bleib, wir sollten reden, - denke ich?!" Methos' Tonfall klang unsicher und unwillkürlich faßte er MacLeod am Arm, um ihn zurückzuhalten. MacLeod entzog sich dem Griff und betrachtete ihn mit traurigen Augen, bevor er herausbrachte, was unvermeidlich war. Er würde Methos' Glück nicht im Weg stehen.

"Ich denke, daß es keine gute Idee ist, jetzt zum Frühstück zu bleiben. Ihr wollt sicher unter Euch sein und da würde ich nur stören...Was ich mit dir zu besprechen habe, kann auch bis später warten."

Viel später, ein Leben später, oder so lange es eben dauert. fügte MacLeod im Stillen hinzu.

Der Highlander verschluckte den Rest des Satzes in einem mühsamen Atemzug und schenkte Methos ein gequältes Lächeln, bevor er ihm die Brötchentüte vor die Brust drückte. Dann drehte er sich auf dem Absatz um und eilte so würdevoll es ihm möglich war die Treppe hinunter, die er eben so voller Hoffnung erklommen hatte.

Methos blickte ihm sprachlos nach und blieb wie angewurzelt stehen.

Was hatte Mac gesagt? Im Gegenteil?

Die mühsam hervorgebrachten Worte alarmierten Methos und er wußte, wenn er Duncan jetzt gehen ließe, wäre es ein für allemal vorbei. Eine Freundschaft, über der die Möglichkeit für mehr immer wie ein funkelnder Stern gestanden hatte, würde an dieser neuen Entwicklung zerbrechen. Alles wegen eines grauenvollen Mißverständnisses.

Methos überlegte nicht lange und setzte MacLeod nach.

 

Er achtete nicht darauf, daß er nur mit seinen Jeans bekleidet war und er bemerkte kaum, daß er barfuß war. Seine Beine flogen wie von selbst die Stufen hinunter und er schoß mit ungebremster Geschwindigkeit aus der Haustür und auf die Straße als er mit einem dumpfen Knall auf eine lebendige Mauer aus 180 Pfund Highlander prallte, der unerwartet im Weg stand.

Beide konnten sich nicht aufrecht halten und landeten in einem Gewirr aus Beinen und Armen mitten auf dem Gehweg.

Methos japste einen Moment nach Luft und wollte sich aufrichten, als ein scharfer Schmerz in seiner Brust ihm deutlich zeigte, daß er sich mindestens eine Rippe gebrochen hatte. Stöhnend hielt er sich den schmerzenden Brustkorb und versuchte Atem zu holen, was ihm ein weiteres leises Stöhnen entlockte. Auch MacLeod rappelte sich hoch und schenkte Methos einen ungläubigen Blick.

"Warum bist du mir nachgekommen? Oben wartet jemand auf dich."

Lahm fügte er mit einer müden Geste zu dem verlockend halbnackten Körper seines Gegenüber hinzu: "- und schau dich an, du bist nicht einmal angezogen."

Methos blickte an sich hinunter und begann hysterisch zu lachen.

MacLeod starrte ihn indigniert an. "Was? Schön, daß du das lustig findest."

Kichernd und sich vor Schmerzen die Rippen haltend, kollabierte Methos auf dem Pflaster. Als er sich schließlich langsam beruhigte, setzte er sich auf und ließ sich von MacLeod auf die Beine helfen.

"Mac, das alles ist ein grausames Mißverständnis. Ein fürchterlicher Schlamassel."

MacLeod beäugte Methos mißtrauisch, der plötzlich wieder sehr ernst aussah.

"Mißverständnis?"

"Mißverständnis.- Du sagtest, du freust dich für mich, daß ich jemanden gefunden habe."

"Ja." Duncans Stimme war leise, kaum hörbar und er drehte sich um, damit er dem intensiven Blick aus grüngoldenen Augen nicht mehr länger standhalten mußte.

Methos atmete tief ein. Was er jetzt sagen mußte, war schwer und furchtbar gefährlich. Wenn er sich verschätzt hatte, könnte das das Ende ihrer Freundschaft bedeuten, wenn nicht, dann einen neuen Anfang und auch das barg Gefahren in sich, an die er im Moment lieber gar nicht erst denken wollte,denn dann würde es ihm nie gelingen, das auszusprechen, was ihm seit so langer Zeit auf der Seele lag. Es war eine Alles-oder-Nichts-Situation und Methos hätte sich nichts sehnlicher gewünscht, als diese Worte zu einer anderen, romantischeren Gelegenheit sagen zu können, doch es war jetzt soweit und einen Aufschub konnte er sich nicht mehr leisten. Methos musterte MacLeod versonnen und sprach schließlich mit leiser, aber fester Stimme: "Duncan?"

MacLeod zuckte unwillkürlich zusammen, als Methos ihn mit seinem Vornamen ansprach, was nur zu selten geschah. Er liebte den Klang den Methos Stimme dabei annahm und ob der Wärme, die in diesem einen Wort lag, wandte er sich Methos mit fragendem Blick wieder zu.

"Duncan. Ich habe schon seit langem jemanden gefunden, aber derjenige ist nicht in der Wohnung oben."

Methos schluckte hart, musterte für einen Augenblick die Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite, doch seine Augen nahmen nichts wahr. Dann hob er langsam, unendlich langsam wie es Duncan schien, seine Augen, die jetzt bernsteinfarben im Licht der Morgensonne glitzerten, und blickte Duncan offen an. Dieser Blick offenbarte sein ganzes Wesen und MacLeod verstand und war für einen Moment wie gelähmt.

Methos hatte alle Barrieren, alle Mauern mit denen er sonst schützend sein Selbst umgab, beiseite gelegt und ließ Duncan für einen kostbaren Moment den wahren Methos sehen. Goldenes Leuchten und der Blick aus den dunkelbraunen Augen des Highlanders trafen sich für einen Augenblick und die Zeit schien stehenzubleiben. MacLeod hätte in der Wärme dieser Augen versinken mögen und wäre für alle Zeiten glücklich gewesen, doch allzu kurz nur hielt die Magie. Ein Auto fuhr hupend vorbei und schreckte sie beide auf.

Methos lächelte beinahe scheu zum Highlander auf und strich ihm in einer unbedachten, zärtlichen Geste eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht, als er leise sagte: "Ich habe jemanden gefunden und dieser jemand steht direkt vor mir."

Jetzt war es raus. Er hatte es gesagt. Er erwartete ein Erdbeben, eine Flutkatastrophe oder irgendein sonstiges, schreckliches Ereignis, doch der Untergang blieb aus. MacLeod starrte ihn nur ungläubig an und Methos glaubte den vorsichtigen Beginn eines leichten Lächelns in den Mundwinkeln des Schotten auszumachen. Der ältere atmete tief durch und fuhr in seinem melodiösen, kultivierten Ton fort: "Ich weiß nicht, was du von mir willst und ob es das gleiche ist, was ich mir schon seit Jahren erträume, aber wir sollten die Gelegenheit nicht verpassen, es zu ergründen."

Als Duncan sprechen wollte, legte Methos ihm einen langen, schlanken Zeigefinger auf die Lippen und sagte: "Sch! Ich weiß. Du denkst, jemand wartet auf mich, aber Highlander, so ist es nicht. Er ist gleich verschwunden und er ist nicht von Bedeutung. Ich kenne ihn nicht. Ich kenne nicht einmal seinen Namen und doch bin ich neben ihm aufgewacht. Das ist alles. Eine heiße Nacht und der schale Nachgeschmack des Morgens danach."

Duncan zuckte unter der sachten Berührung zusammen, als hätte er einen Stromschlag erhalten. Die Wärme dieses einen Kontaktpunktes zwischen ihren Körpern schoß von seinen Lippen direkt weiter in südlicher Richtung. Er hätte nie geglaubt, daß eine einzige winzige Berührung von diesem Mann so etwas bei ihm auslösen konnte und starrte Methos geschockt an. Eifersucht auf den Mann, der oben in der Wohnung duschte, breitete sich wie ein Buschfeuer in ihm aus. Er wäre am liebsten nach oben gestürzt, hätte den Fremden am Kragen gepackt und aus dem Haus geworfen. Nur schwer konnte er sich zurückhalten.

Ob Duncans entgeistertem Blick, in dem Bedauern und, wenn er es richtig deutete, verletzter Stolz lag, fügte Methos heftiger als beabsichtigt hinzu: "Sex, MacLeod. Es ging nur um Sex. Nicht um Liebe. Das Konzept ist dir weißgott nicht unbekannt, oder? Hast du ein Monopol darauf?"

MacLeod starrte ihn sprachlos an. Warum attackierte Methos ihn jetzt so plötzlich. Er versuchte verzweifelt mit Methos Schritt zu halten, doch sein Verstand rebellierte und war immer noch dabei, das gehörte zu verarbeiten. Es war nur ein One-night-stand, worüber er mehr als erleichtert war, aber er fühlte seine Eifersucht hochkochen, als er daran dachte was in den letzten Stunden oben in Methos Wohnung abgelaufen war, während er seine Pläne schmiedete, um Methos für sich zu gewinnen. Ihm wurde schlecht.

Duncans Ausdruck wechselte in schnellerer Reihenfolge, als Methos in der Lage war zu folgen. Hatte er da einen Anflug von Widerwillen gesehen, erschien da nicht wieder diese harte Falte zwischen Duncans Brauen, ein klarer Indikator für seinen Ärger? Oh nein. Es war geschehen. Er hatte geahnt, daß so etwas passieren würde. Der Blick sprach Bände. Es war eingetreten, was er so sehr gefürchtet hatte. Er hatte Duncan falsch gelesen, hatte einen fatalen Fehler begangen und nun würde er endgültig aus MacLeods Leben geworfen werden. Er hatte es geschafft, ihn endgültig zu verlieren. MacLeod war angeekelt, enttäuscht von ihm, wieder einmal. Wieder einmal war es Methos nicht gelungen, den hehren Anforderungen des ältesten Pfadfinders der Welt zu entsprechen.

Er stöhnte gequält auf und drehte sich um. Wie hatte er nur so dumm sein können? Hätte er nicht, wenn er sich nur ein kleines bißchen mehr bemüht hätte, noch einen überzeugteren Heterosexuellen finden können, um ihm mit Herz, Seele und Körper zu verfallen.

5000 Jahre und immer noch hatte er nichts gelernt. Jedesmal, wenn es um Liebe ging, war er nicht in der Lage, sich selbst zu kontrollieren, jedesmal wieder stürzte er sich kopfüber ins Feuer und jedesmal verbrannte er darin mit Haut und Haar. War es Schicksal, Strafe, oder einfach nur Dummheit, die ihn immer wieder dazu trieb, seinen Gefühlen zu folgen und bedingungslos zu lieben? Warum mußte es ausgerechnet Duncan MacLeod sein, der Mann, der die besten Chancen auf den Preis ihres tödlichen Spiels hatte, der Mann, dem die Frauen geradezu zu Füßen lagen, der Mann, der immer bemüht war, alles in seinem Leben gut und richtig zu machen? Bildete er sich tatsächlich ein, daß ein solcher Mann, nach allem was zwischen ihnen vorgefallen war, ihn, ausgerechnet ihn lieben konnte. Death on Horse zusammen mit dem noblen Pfadfinder MacLeod. Schier unmöglich. Methos' üblicherweise bereits blasse Gesichtsfarbe war einem ungesunden graugrün gewichen und er fühlte sich elend. Er begann in der kalten Morgenluft zu zittern und versuchte, mit beiden Armen seinen Oberkörper umschlingend, sich zu wärmen, während seine Gedanken rasten.

Duncan MacLeod- warum sollte sich ein solcher Mann zu ihm hingezogen fühlen? Wunschdenken, es war reines Wunschdenken und nun würde er gleich die Quittung serviert bekommen. Es war nicht anders zu erwarten gewesen, daher wußte Methos nicht, warum er so wütend wurde, oder warum er sich so in die Ecke gedrängt und bloßgestellt fühlte. Er hatte es nicht nötig sich vor Duncan zu rechtfertigen. Sie waren kein Paar und würden es wohl auch nie werden. Wahrscheinlich hatte er Duncans Reaktion falsch gedeutet und der Andere wollte einfach nur höflich sein und nicht stören. Aber Duncan hatte so tief verstört und traurig ausgesehen und diese Bemerkung... In Methos krampfte sich alles zusammen. Seine Gedanken wirbelten und hinterließen in seinem Kopf nur wirres Zeug und einen nagenden Schmerz. Nein, es konnte nicht sein. Duncan würde nie etwas anderes für ihn empfinden können als Freundschaft und manchmal gelang dem Schotten ja nicht einmal das.

Hatte er wirklich angenommen, der Highlander könne tatsächlich eifersüchtig auf den Mann in seiner Wohnung sein? Was hatte er sich bloß eingebildet. Eifersüchtig, verletzt, Duncan, drei Worte die im Zusammenhang mit Methos nichts miteinander zu tun haben konnten. Vielleicht war es das, was Methos so in Rage brachte. Er sollte nach oben gehen und sich in die Arme des Fremden stürzen, sollte ihn nach allen Regeln der Kunst verführen, sich in körperlicher Nähe verlieren bis zur Erschöpfung, ohne die Distanz einzubüßen, die er für seine Sicherheit brauchte. Ertrinken in der Umarmung eines Fremden, keine Stricke, keine Verantwortung, keine Liebe, keine Gefahr im Feuer der Leidenschaft zu verbrennen.

Aber es war einsam und kalt so ein Leben. Er hatte es jahrhundertelang versucht und es war besser als zu sterben, so viel war sicher, aber aus heutiger Sicht erschien ihm der Tod beinahe verlockender als ein Leben ohne Duncan MacLeod. Er hatte alle ausgefeilten und endlos geübten Überlebensprinzipien für diesen einen Mann über Bord geworfen und nun stand er vor den Scherben seines Lebens.

MacLeods dunkelbraune Augen, die in geduldiger Neugier auf ihm ruhten, machten ihn nur noch nervöser und er fühlte sich als hätte man ihn aller Schutzmauern, die er so verzweifelt brauchte, um sich zu verteidigen, beraubt und ihn bloßgestellt als das menschliches Wesen, das er immer noch war. Auch nach all diesen Jahrtausenden. Brüsk drehte er sich um und ging ein paar Schritte bis zur Hausmauer, wo er sich anlehnte, als bräuchte er Halt.

"Dieser Mann in deiner Wohnung..." Duncans Stimme klang immer noch leicht verwirrt und verletzt. Methos blickte auf und sah wieder das Aufblitzen von tiefer Traurigkeit in den dunklen Augen, das ihn schon eben so aus der Balance gebracht hatte. Der Funken der Hoffnung glühte von neuem zaghaft auf und ein klein wenig dieser Hoffnung wollte er nicht aufgeben, konnte er nicht aufgeben. Er klammerte sich daran, als er sich erneut zu erklären versuchte, obwohl er nicht wußte warum er sich überhaupt damit abgab, warum er nicht einfach sein letztes bißchen Selbstachtung und Würde zusammenkratzte und verschwand. Zurück in seine Wohnung, zurück in sein Leben, das keines mehr war, zurück in die Dunkelheit, aus der ihn Duncan MacLeod vor Jahren ans Licht gezerrt hatte.

"Ich war sehr betrunken und...und...Verdammt, ich bin auch nicht aus Holz. Manchmal brauche auch ich so etwas wie Nähe und manchmal...auch nur einen warmen, lebendigen, willigen Körper, damit ich weiß, daß ich noch lebendig bin. Verflixt! Ich weiß gar nicht, warum ich mich rechtfertige! Ich weiß auch nicht, warum dich das überhaupt etwas angeht. Vielleicht ist es gut, daß du jetzt meine wahren Gefühle kennst, auch wenn du sie nicht erwiderst. Ich frage mich nur: Habe ich jetzt unsere Freundschaft total zerstört? Hätte ich besser nichts gesagt, ich Idiot. Aber ich war so sicher, daß du auch etwas fühlst ich...ich weiß eigentlich gar nichts mehr." Der älteste seiner Art sackte mit einem schmerzhaften Seufzen an der Hauswand hinunter und saß wie ein Häufchen Elend auf dem kalten Beton und umklammerte seine Knie. Das Gesicht hielt er starr geradeaus gewandt und blickte auch nicht auf, als Duncan sich neben ihm nieder ließ. MacLeod saß stumm neben der, in diesem Moment so zerbrechlich wirkenden, Figur des Mannes, den er als Überlebenskünstler, unerbittlichen Zyniker, Pragmatiker beherzten Kämpfer und vor allem aber als Freund über die Jahre zu schätzen und wie er nun seit ein paar Wochen wußte auch zu lieben gelernt hatte. Methos war ein Mann, der den Worten Widerspruch und Gegensatz eine völlig neue Bedeutung gab. Es war MacLeod unerklärlich, warum er sich ein Leben ohne Methos nicht mehr vorstellen konnte, aber er konnte es nicht mehr verleugnen. Und das, obwohl der alte Mann nicht immer ganz einfach zu ertragen war.

Eins stand fest: endlich war Mac sich darüber klar geworden, daß ein Leben mit Methos darin wesentlich besser war, als ein Leben ohne ihn. Die Zeiten, in denen Methos auf MacLeods Couch kampiert hatte waren, trotz aller Probleme, die sie selten hatten zur Ruhe kommen lassen, die besten Wochen der letzten Jahre gewesen. Ein Leben ohne den alten Pragmatiker, der zu allem seine zynischen Kommentare und vorsichtig verpackten, subtilen Weisheiten lieferte, erwünscht oder nicht, war leer und MacLeod hatte ihn sehr vermißt. Er wollte Methos in allen Belangen: in seinem Leben, in seiner Seele, in seinem Bett. Besser gesagt: er wollte Methos. Punkt.

Lange Nächte hatte er damit verbracht, jedes Gespräch, jede Geste, jeden Blick, den Methos ihm unter seinen unglaublich langen Wimpern zugeworfen hatte, zu analysieren und er war zu dem erstaunlichen Ergebnis gekommen, daß nicht nur er Methos liebte, sondern daß auch Methos mehr als Freundschaft für ihn empfand.

Es war die ganze Zeit greifbar gewesen, er hätte nur seine Hand auszustrecken brauchen, doch jetzt, da er so weit war, schien sein Ziel aufs neue in unerreichbare Ferne zu rücken. Methos war dabei sich wieder in sein Schneckenhaus zurückzuziehen, nur warum war Duncan nicht ganz klar. Wenn es MacLeod nicht gelang, diese Entwicklung aufzuhalten, wäre der ältere schneller am Flughafen, als man auch nur einmal Zeit haben würde das Wort Seacouver auszusprechen.

Die ganze Situation schien nur noch aus Mißverständnissen zusammengesetzt zu sein und es war an der Zeit endgültig klare Verhältnisse zu schaffen. Er überlegte nur einen winzigen Moment und beschloß dann auf sein Herz zu hören. Schlimmer konnte diese surreale Situation wohl kaum noch werden und so faßte er seinen Mut zusammen.

Sachte veränderte er seine Position, bis er vor Methos kniete und ihm in die Augen sehen konnte, dann nahm er sanft das schmale Gesicht in beide Hände und senkte seinen Mund in einem zärtlichen Kuß auf Methos vor erstaunen halb geöffnete Lippen. Kühl und unsagbar süß, das war es, was er als letzten zusammenhängenden Gedanken zuende führen konnte, kurz darauf öffnete sich Methos ihm mit einem verzweifelten, kleinen Laut und erwiderte den Kuß mit einem Enthusiasmus, der Duncan buchstäblich den Atem raubte. Methos Arme fanden seine Schultern und Duncans Hände glitten tiefer, um die schmalen Hüften des anderen zu umfassen.

Zu seinem eigenen Erstaunen fühlte MacLeod sich nicht ein bißchen peinlich berührt, hier draußen am hellichten Tag vor einem Apartmentgebäude mit einem nur halb bekleideten Mann in seinen Armen auf den Knien zu hocken und ihn hemmungslos atemlos zu küssen. Im Gegenteil. Es fühlte sich völlig richtig an und er spürte, wie sich die Schlinge um sein Herz löste, die der Gedanke von Methos mit einem anderen Mann verursacht hatte und Wärme flutete sein Innerstes wie ein unerwarteter Sonnenstrahl.

Die Welt um sie herum verschwamm und er ließ sich einfach fallen und wußte, Methos war bei ihm, fiel mit ihm, fing ihn auf. Er spürte die kühlen Hände in seinem Haar, dann überall auf seinem Torso, als Methos begann seinen Körper zu erkunden. Sweatshirt und T-Shirt wurden sanft hochgeschoben, lange Finger fanden eine Brustwarze und...

Die Haustüre klappte und neben ihnen tauchte Methos' nächtlicher Gast auf und räusperte sich.

Die beiden Männer lösten sich nur widerwillig voneinander, standen aber schließlich leicht verlegen grinsend auf. Duncan musterte sein Gegenüber mit einem Blick, der hätte töten können. Dieser Typ sah wirklich gut aus und irgendwie störte es ihn, zu bemerken, wie ähnlich sie sich sahen. Hatte Methos bewußt oder unbewußt nach einem Ersatz für ihn gesucht? Diese Frage hob er sich jedoch für später auf. Jetzt gab es wichtigere Dinge zu klären.

Nach einem kurzen Moment peinlicher Stille, in dem klar wurde, daß es Methos offensichtlich die Sprache verschlagen hatte, ergriff MacLeod die Gelegenheit und sprach den jungen Mann an. Subtil schlang er dabei einen Arm um Methos Taille.

"Es ist wohl besser, wenn Sie jetzt gehen. - Sie sehen ja, er ist mit mir zusammen."

Methos schaute erstaunt über seine Schulter zu MacLeod hoch und konnte sich eines breiten Lächelns nicht erwehren, als er den besitzergreifenden Blick des Schotten und die kaum gebändigte Leidenschaft in den Augen des Mannes sah, den er seit so langer Zeit liebte. Normalerweise hätte er nicht zugelassen, daß jemand so über seinen Kopf hinweg Entscheidungen traf, doch in diesem Fall war es etwas ganz anderes. Er sonnte sich in der Leidenschaft, die sein Highlander so unerwartet für ihn entwickelte und war zum xten Mal an diesem Tag sprachlos. Ein seltenes Ereignis, das sich heute zu seinem Schicksal zu entwickeln schien. Vielleicht war es wirklich nicht sein Tag, andererseits, so wie die Dinge voranschritten, war er mit dem Endergebnis überaus zufrieden.

Methos seufzte und drängte sich noch etwas enger an die breite Brust hinter sich. Schließlich, nach einer Pause, in der sein Besuch verwirrt von einem zum anderen schaute, ergriff Methos das Wort. Entschuldigend sagte er zu seiner nächtlichen Bekanntschaft: "Es tut mir leid, so sollte es nicht laufen. Es ist ein fürchterliches Chaos, und es war nicht so geplant, aber nun hat sich etwas ergeben, von dem ich nicht erwartet hätte, daß es einmal geschehen würde."

Leise fuhr er zu Duncan gewandt fort: "Duncan, ich kläre das wohl besser, Love. Bin sofort wieder da."

Wie hat er mich genannt???

Duncan konnte nicht verhindern, daß sich ein albernes Grinsen über sein Gesicht legte. Eine schlanke Hand strich ihm noch einmal das Haar aus dem Gesicht, dann löste sich Methos aus MacLeods Armen und betrat den Hauseingang mit einer Geste, die seinem "Gast" signalisierte, ihm zu folgen.

Die beiden Männer verschwanden und MacLeod hörte den weichen Tonfall von Methos kultivierter Stimme und den Bariton, den er eben noch hatte singen hören in ein kurzes Gespräch fallen, von dem er ahnte, nein, von dem er wußte, was der Inhalt war. Methos würde seiner nächtlichen Bekanntschaft mit blumigen Worten die Situation erklären und jedes weitere, eventuell zu ihrem beiderseitigen Vergnügen getroffene Arrangement absagen. So hoffte er jedenfalls. MacLeod starrte immer noch ein wenig unbehaglich auf die Tür, als der Fremde 'Fabio - Typ' auch schon wieder herauskam. "Machs gut und...danke", hörte er Methos sagen, der im Türrahmen lehnte und ihm mild lächelnd nachschaute, dann ging der Fremde in Richtung U-Bahn davon. Im Vorbeigehen warf er noch einen Blick zurück und rief grinsend: "Meine Telefonnummer liegt auf dem Nachttisch. Falls du es dir doch nochmal überlegst oder falls du irgendwann genug von dem da hast. Für dich hab ich immer Zeit", und zu MacLeod gewandt fuhr er augenzwinkernd fort: "Junge, du bist ein Glückspilz. Ich wünschte, er würde so auf mich fliegen. Er ist ein echt netter Kerl - Und im Bett erst..." Mit einem leicht anzüglichen Lächeln und einem weiteren Augenzwinkern machte sich der 'Halbgott', wie Methos ihn im Stillen getauft hatte, pfeifend davon und ließ MacLeod und Methos allein zurück.

Die kühle Morgenluft sandte eine Gänsehaut über Methos Körper und Duncan tat, was von ihm als Pfadfinder erwartet wurde. Er zog den Sweater, den er über dem T-Shirt trug über den Kopf und legte ihn seinem Freund um die Schultern. "Pfadfinder!" kam es prompt zwischen klappernden Zähnen hervor, was Methos einen tadelnden Blick einbrachte, doch Duncan konnte das Lächeln, das gleichzeitig in seinen Mundwinkeln spielte, nicht lange verbergen.

"Ja, ja, schon gut! Aber gib es zu, du genießt es!" Methos sandte ihm ein erstaunlich fröhliches Lächeln, was Duncan strahlend erwiderte. Wortlos legten sie einander die Arme um die Taille und verschwanden zusammen im Inneren des Gebäudes, das um sie herum langsam zu Leben erwachte.

Es war an der Zeit, an der wichtigsten Beziehung in ihrem Leben zu arbeiten.

 

* * * * *

 

Zwei Minuten später vor der Wohnungstür: "Oh nein! "

"Was?"

"Die Türe ist zu!"

"Sag nicht, du hast keinen Schlüssel!"

"Ähem!"

"Methos?"

"- sehe ich so aus, als hätte ich Zeit gehabt, einen einzustecken?"

"Methos!!!"

"Ich fürchte, wir werden den Schlüsseldienst rufen müssen, oder wir gehen zu dir und holen Werkzeug...Hast du Geld für ein Taxi dabei?"

"Methos! Ich glaube das einfach nicht! Aber das kommt davon, wenn man sich mit Typen einläßt, die ihr Gehirn in südlicheren Körperpartien aufbewahren. "

*Kichern* "Anwesende ausgeschlossen???"

*entnervtes Seufzen*

"Meethos! --Warum hat der bloß die Tür zugemacht? Dieser Idiot! Ich kann es einfach nicht fassen. Nun sind wir so weit gekommen und dann das!"

*Stille*

"Duncan?"

"Hm?"

"Kannst du mir vielleicht auch noch deine Schuhe leihen, ich habe wirklich sehr kalte Füße!"

"Kommt nicht in Frage."

"Dabei ist das alles doch nur deine Schuld. Du bist mir ein schöner Pfadfinder. Zumindestens könntest du mir deine Socken anbieten. Aber ich habe ja immer gesagt, wenn es wirklich drauf ankommt...hmpf-----* hmmmm*."

*Stille*

"Hätte ich früher gewußt, wie man dich zum Schweigen bringen kann, hätte ich dich schon vor Jahren geküßt Methos."

"HmHm. Wäre besser gewesen...Hätte uns bestimmt eine Menge Ärger erspart. --Jetzt, wo das geklärt ist: - Gibst du mir nun endlich deine Schuhe?"

 
Ende

 
Du bist der 1873. Leser dieser Geschichte.