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Schatten

© by Clivia ()

 

Disclaimer: Die Jungs gehören mir nicht, genau wie das Konzept Diese Geschichte spielt direkt nach TB/NTB.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion.

 

Angst, ein Gefühl von hilfloser Panik, Orientierungslosigkeit, das ist alles, was er fühlt.

"Verloren, ich bin verloren!"

Er wird gejagt.

Er weiß nicht warum.

Er weiß nicht von wem oder von was.

Er weiß nur eins: es geht um sein Leben.

Und so rennt er, flieht, kopflos und ohne Plan, und doch weiß er, daß es irgendwo Schutz und Sicherheit gibt.

Nur wo, das weiß er nicht.

Also rennt er einfach, jagt daher durch die Dunkelheit, die droht, ihn zu verschlingen, läuft um sein Leben.

Ein Leben, das er gestern noch bereitwillig geopfert hätte. Doch das war gestern.

Heute gab es da diese unglaubliche, wilde, verrückte Hoffnung. Hoffnung worauf?

Er weiß es nicht, aber sie glüht in ihm wie eine brennende Kerze in der Dunkelheit, spendet Licht und Wärme wo vorher nur Trostlosigkeit herrschte.

Willst Du sterben?

Tausend Stimmen,- nur eine Frage, die in seinem Kopf dröhnt.

"Nein! Nicht mehr!"

Du bist uns versprochen! Du kannst nicht fliehen! kreischen die Stimmen.

"Nein! Ich muß leben! Ich will leben! Es gibt da etwas, wofür es sich zu leben lohnt."

Geckerndes Lachen treibt ihn weiter, spornt ihn an.

Er weiß, er muß es finden, was immer es ist, bevor es zu spät ist.

 

Der Wald ist schrecklich dunkel. Die Nacht ein undurchdringlicher Mantel aus schwarzem Samt, der sich um ihn legt, ihn zu ersticken droht und doch ist dieser Mantel weich und verlockend. Einfach stehenbleiben, sich der Dunkelheit ergeben, nicht mehr sein - das Verlangen danach ist stark und doch schreit sein Innerstes empört auf.

"Ich will leben!"

Da ist etwas am Ende des Weges.

Es ruft nach ihm, doch er kann die Stimme nicht vernehmen, so sehr er sich auch bemüht.

Tränen strömen über seine Wangen und er schluchzt hilflos in die alles verschlingende Nacht hinaus: "Hilf mir!"

Doch als Antwort hört er nur die tausend anderen Stimmen, die ihn verspotten, die ihn verhöhnen und ihn weiter jagen, tiefer in die Nacht hinein.

Du bist allein! Niemand hört dich, wenn du schreist! Dafür hast du gesorgt.

Seine Panik wird schier unerträglich.

Du bist nicht allein. Nicht hier draußen und nicht da drinnen...

Ein weicher Bariton dringt beruhigend zu ihm durch, besänftigt ihn, hält ihn, lindert die Panik.

Hat er diese Stimme wirklich gehört, oder spielen sie ein grausames Spiel mit ihm?

Er klammert sich verzweifelt an den schmerzhaft vertrauten Ton, versuchte ihm zu folgen, als sei es eine Rettungsleine, hinaus aus der Dunkelheit.

 

Er rennt schneller. Sein Puls rast und das Blut rauscht dröhnend durch seine Adern.

Vielleicht kann er es schaffen.

Die Hoffnung in ihm wird stärker mit jedem Schritt, doch bevor die Flamme heller brennen kann, hört er seine eigene Stimme leise und schmerzhaft Worte hervorstoßen, die er für immer bereut hat: "Das war es dann mit uns."

Er schreit unwillkürlich auf, als das Licht in seiner Nacht flackert und verglüht.

Seine Lungen schmerzen, Atmen wird zur Qual und er muß stehenbleiben, kann nicht mehr weiter und da geschieht es.

Er verliert sie, kann sie nicht mehr hören, nur noch betäubende Stille, die lauter in seinen Ohren dröhnt, als das Kreischen all der anderen. Die Stimme, SEINE Stimme ist fort. Seine einzige Hoffnung.

Der Verlust zerrt an seinem Verstand und er fühlt sich schutzloser denn je.

 

Keuchend fällt er auf die Knie, vergräbt die Finger im feuchten Waldboden und Tränen strömen über sein Gesicht.

Er wird verlieren, dessen ist er sich sicher.

Keine Hoffnung mehr, den Schutz zu finden, den er so sehnlich wünscht und doch kann er nicht aufgeben.

Er muß das Ziel erreichen, koste es was es wolle. Er spürt bereits, daß er ihm näher gekommen ist und so rafft er sich auf und läuft weiter.

Kein Mond und keine Sterne beleuchten seinen Weg und sein Körper ist müde und zerschlagen, doch er darf nicht aufgeben. Die Schritte, die ihn verfolgen, scheinen jetzt aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen und so wendet er sich mal in diese, mal in jene Richtung.

Kaum spürt er die Äste, die ihm auf seiner Flucht, - auf seiner Suche - , ins Gesicht schlagen und brennende Striemen aus weißglühendem Schmerz auf seiner nackten Haut hinterlassen. Er spürt nur die Kälte, die ihn umgibt, die in ihn eindringt und sein Herz umschließt.

Du hast es nicht anders gewollt, Highlander! Du bist eine Gefahr für alle, die dich lieben und so hast du dich von ihnen abgewandt, bist fortgegangen. Jetzt bist du allein. Für alle Zeiten!

Er spürt, wie die Kälte in ihm hoch kriecht, wie sie versucht, von ihm Besitz zu ergreifen. Die Dunkelheit um ihn herum wird undurchdringlicher mit jedem Schritt.

Du bist allein! Du hast alle vertrieben. Niemand wird dir jetzt noch beistehen. Du gehörst MIR!

Eine Stimme, vertraut und verhaßt dringt aus dem Chaos zu ihm durch, seidenweich und hart wie Stahl.

Kronos.

Du bist allein. Das ist der Preis für ihre Sicherheit. Bist du willig, ihn zu zahlen?

Gestern noch hätte er ohne zu zögern ja gesagt, doch heute?

Alles in ihm schreit auf: "NEIN!"

Er will nicht mehr allein sein, nie mehr.

Er war schon zu lange allein.

Es gibt jemanden, der auf ihn wartet, jemand in den er all seine Hoffnungen setzen kann, jemand, der ihm Trost und Schutz bringen kann.

Nur warum kann er dieses Wesen nicht finden. Warum muß er vor sich selbst fliehen? Was hat er verloren, um es hier in der Finsternis verzweifelt zu suchen. Was kann seiner Seele Schutz, Licht und Wärme bringen?

 

Es gibt Dinge, für die es sich lohnt zu leben, Highlander!

Überrascht bleibt er stehen.

Da ist sie wieder, SEINE Stimme.

Die Stimme, die ihm helfen kann, an sein Ziel zu gelangen, den Schatten zu entfliehen und das Licht zu finden.

Duncan! Ich kann dir helfen, wenn du mich läßt!

Er erschaudert und kann die Worte wie eine Liebkosung auf der Haut spüren. Die Flamme der Hoffnung in ihm beginnt erneut aufzuflackern, fängt zaghaft an, den Weg für ihn zu beleuchten.

Komm zurück zu mir, Duncan, hab keine Angst.

Die Flamme brennt heller und er kann den Windungen des Pfades jetzt leichter folgen.

Es ist einfach,den tief hängenden Zweigen ausweichen und es scheint, als würden die Stimmen, die eben noch durch sein Innerstes rasten und schrien, stetig an Kraft verlieren.

Duncan, ich liebe dich. Bitte komm zurück.

Die Panik schwindet und tiefe Ruhe erfaßt ihn. Jetzt ist alles klar. Oh so klar. "Ich liebe dich auch."

Aus der lichter werdenden Dunkelheit dringt ein leises, glückliches Lachen zu ihm, wie der Ton einer tiefen Glocke, dann umfängt ihn Licht und Wärme und alle Kälte schwindet. Sein müder Körper wird von neuer Energie durchströmt und ein unglaubliche Freude steigt in ihm auf.

"Ich weiß es jetzt. Du bist es, den ich suche. - Ich liebe dich, Methos. Laß mich nie wieder allein."

Nie wieder, Highlander. Ich werde dir immer beistehen, das weißt du. - So lange ich lebe.

Er spürt den Hauch eines Kusses auf seinen Lippen, eine Liebkosung aus Licht und Wärme und er schließt die Augen.

Die Stimmen werden schwächer, verhallen.

Die Schatten ziehen sich zurück und die Sonne geht bereits über den naheliegenden Bergen auf.

Er atmet auf, doch da spürt er eine eisige, körperlose Hand an seinem Fußgelenk, die nach ihm greift.

Er strauchelt und stürzt und erneut macht sich Panik in ihm breit. Wo ist seine Stimme? Sie muß ihm beistehen, die Schatten zu besiegen. Aufgeregt lauscht er in sich hinein. Nichts. Kein Ton.

Er schaut sich um, willig zu kämpfen, doch der Schatten ist verschwunden.

Statt dessen greift eine warme, feingliedrige Hand nach der seinen und eine weiche Stimme sagt: "Komm, Duncan. Du hast nichts mehr zu fürchten. Du hast mich gefunden. Jetzt wird alles gut."

Er fühlt noch, wie ihm sanft auf die Füße geholfen wird und erleichtert legt er seine Arme um den Nacken des Wesens, das für ihn das Licht in der Dunkelheit ist.

Dann umhüllt ihn Dunkelheit, jedoch nicht die Dunkelheit, vor der er eben noch geflohen ist, sondern eine Dunkelheit, in der er sich warm, geborgen und geliebt fühlt.

 

Er driftet in Bewußtlosigkeit und erwacht, als ihn jemand sanft anspricht: "Duncan? Geht es Dir gut?"

Duncan MacLeod schlägt die Augen auf und starrt in die tiefen, goldgrünen Augen des Mannes, der ihn gerettet hat.

Lächelnd setzt er sich auf und bemerkt, daß er in seinem Bett auf der Barge ist und daß Methos, der wohl auf der Couch übernachtete, mit besorgtem Gesichtsausdruck neben ihm auf der Bettkante sitzt.

"Ja", antwortet er ehrlich. "Ja, bestens."

Methos Gesichtsausdruck mit einer hochgezogenen Augenbraue und einem kleinen Lächeln im Mundwinkel zeigt deutlich, daß er ihm diese Aussage nicht abnimmt. "Ich denke, du hattest einen ziemlich schweren Alptraum und jetzt sagst du mir, dir geht es bestens?"

Duncan kann sich eines Lächelns nicht erwehren.

"Ja. Im Endeffekt ging es mir schon lange nicht mehr so gut. Ich hatte einen Alptraum, aber er hat mir geholfen, eine Entscheidung zu fällen, die längst hätte gefällt werden müssen."

Methos' Gesicht wirkt wie ein Barometer für seine Verwirrtheit. Die Augenbrauen haben sich bereits in Richtung Haaransatz verabschiedet.

Oh, hoffentlich kommt jetzt nicht noch einmal eine solch hübsche, kleine Abschiedsansprache, wie gestern Abend. denkt er. Das verkrafte ich nicht. Ich weiß auch so, daß er gehen will. Ich weiß, er will allein sein, aber er muß es nicht noch betonen.

"Methos. Ich habe von dir geträumt."

Der ältere sieht jetzt ehrlich geschockt aus.

"Alpträume von mir, wie schmeichelhaft."

Duncan schüttelt ungeduldig den Kopf.

"Nein! Du hast mir beigestanden und hast mir den Ausweg gezeigt aus diesem Alptraum hinaus. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft. Und weißt du was?"

"Nein."

"Das, was mir geholfen hat, war deine Liebe zu mir."

Duncan schaut sein Gegenüber bei diesen Worten direkt an, möchte die Reaktion auf diese Enthüllung auf keinen Fall missen und er wird nicht enttäuscht.

Methos zuckt zusammen, als hätte er einen unerwarteten Schlag erhalten. Dann schlägt er die Augen nieder, kann diesem intensiven Blick aus braunen Rehaugen nicht mehr standhalten, errötet und versucht, aufzustehen und den Raum zu verlasen. Duncans Griff um sein schmales Handgelenk hindert ihn daran.

"Duncan!" Verzweiflung und ein Hauch Hoffnung schwingen in diesem einen Wort mit.

"Duncan, ich - Du hattest einen Alptraum. Leg dich hin und schlaf weiter. Wir können morgen darüber reden."

Beinahe flehend blicken ihn die ausdrucksvollen Augen an, doch Duncan weiß, wie in seinem Traum: er darf jetzt nicht aufgeben. Er muß das Ziel finden.

"Nein, Methos. Ich weiß jetzt, daß du mich liebst. Ich hätte es viel früher sehen müssen, doch meist sieht man gerade das, was direkt vor einem ist, erst, wenn es zu spät ist. - Ist es zu spät?"

Methos starrt ihn an, als könne er nicht glauben, was er hört. Sein Blick sucht Duncans und das, was er in den Augen des Highlanders findet, läßt ihn alle Vorsicht vergessen.

Lange hat er auf einen solchen Moment gewartet, ohne Hoffnung, das so etwas einmal Wirklichkeit werden würde, doch jetzt ist der Moment endlich da.

Zögernd schüttelt er den Kopf.

"Nein, Duncan. Es ist nicht zu spät".

Das Lächeln des Highlanders ist offen und froh und sanft legt er seine Arme um Methos Nacken, wie er es im Traum getan hat.

Methos seufzt leise und seine Hände finden Duncans Rücken, den er sanft streichelt.

Die Worte, die er dann mehr spürt, als hört, so leise sind sie, verändern sein Leben für immer.

"Egal, wer du einmal warst, ich weiß jetzt endlich, wer und was du bist, Methos. Du bist mein Licht in der Dunkelheit und ich liebe dich."

 
Ende

 
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