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Nightbreeze© by Ziyal (), 26.01.2004
Der Abend war sternenklar und die Luft angenehm kühl im Gegensatz zur Luft in der großen Halle von Edoras, in der sich noch eine recht große Anzahl Gäste aufhielten. Der Mond war fast rund, und er erleuchtete das Land mit seinem fahlen Licht. Am Morgen hatten sie König Thèoden zu Grabe getragen und neben seinem Sohn zur letzen Ruhe gebettet. Es war eine bewegende Feier gewesen, die durch die Trauer, aber auch durch den Stolz der Menschen auf die Leistung ihres Königs geprägt war. Gandalf, der weiße Zauberer, war mit Thèodens Familie voraus geritten, um alle Feierlichkeiten vorzubereiten. Legolas war zusammen mit seinem alten Freund und Wegbegleiter Aragorn und dessen frisch angetrauter Frau Arwen angereist. Mit ihnen waren auch Gimli und die Hobbits ins Lande Rohan gekommen, denn sie alle hatten Seite an Seite mit Thèoden gekämpft, gelacht und geweint. Hier kamen sie wieder mit Thèodens Familie zusammen: mit Èowyn, Theodens Nichte, einer starken und tapferen Frau und ihrem zukünftigen Mann Faramir, Sohn des einstigen Truchsesses von Gondor und Aragorns Heerführer; sowie noch Eowyns Bruder Èomer, Èomunds Sohn und Thèodens Erbe, der nun am kommenden Tag zum König der Riddermark gekrönt werden sollte.
Èomer. Legolas stand vor der Halle, über die Stadt und die sich dahinter wie ein ruhiges Meer aus Steppengras ausbreitende Ebene schauend. Sein blondes Haar wirkte im Mondlicht wie flüssiges Silber und sein geschmeidiger Körper, in eine elbische Robe aus feinstem hellblauen und schwarzen Tuch gehüllt, zeichnete sich scharf gegen das Mondlicht ab. Ein paar Wochen waren nun vergangen, seitdem er sich dem künftigen König der Mark gegenüber offenbart hatte. Alle Menschen faszinierten ihn, weil sie aufgrund ihrer kurzen Lebensspanne viel intensiver lebten als Seinesgleichen. Und doch war es mit Èomer noch etwas Anderes. Auf der einen Seite war die kaum gezügelte Kraft und Männlichkeit, die der Marschall von Rohan ausströmte wie einen Lockstoff und die nahezu jede Faser in Legolas zum vibrieren brachte. Auf der anderen Seite waren da ein großes Herz und eine ungewöhnliche Verletzlichkeit, gepaart mit einem Verständnis für den Puls der Schöpfung, welches er selten bei einem Menschen erlebt hatte und die seine elbische Seele zutiefst berührten. Diese letzen Aspekte waren aber für ein ungeübtes Auge unter der disziplinierten Maske des künftigen Königs nicht zu erkennen. Der Gedanke an Thèodens Erben versetzte Legolas einen leichten Stich. Morgen Abend würde Èomer König von Rohan und damit außerhalb seiner Reichweite sein. Der König musste heiraten und einen Thronerben zeugen; dies ließ keinen Platz für große Gefühle, schon gar nicht für die Art, die Legolas empfand. Bilder ihrer letzten Begegnung in Minas Tirith tauchten vor seinen Augen auf. Er konnte sich wieder an den Duft erinnern, der von Èomer ausgegangen war in jener Nacht, als er dort von silbernem Mondlicht umrandet auf dem Vorhof des Palastes stand. Legolas lächelte bei dem Gedanken an den überraschten Gesichtsausdruck seines Gegenübers, als dieser seine Offenbarung vernahm. Die Erinnerung an die vollen, weichen Lippen, die die Seinen teilten, erzeugten einen Knoten in seinem Magen und die Härchen auf seinen Armen stellten sich auf. Lange schon hatte Legolas nicht mehr so viel für ein anderes Wesen empfunden, egal ob Mann oder Frau; und nie zuvor war das Gefühl so bittersüß gewesen wie dieses Mal. Èomer war ihm heute aus dem Weg gegangen, wann immer es möglich war, aber er hatte in den paar Augenblicken, die sie nahe genug beieinander standen, die Sehnsucht und das Verlangen in seinen Augen flackern sehen. Mit einem Wimpernschlag hatte sich der künftige König wieder im Griff gehabt und verbarg das Feuer, welches in seiner Seele brannte. Oh, dieses Gefühl kannte Legolas nur zu gut. Sein Magen krampfte sich zusammen und er atmete schwer ein.
Legolas begann, sich vom Eingang entfernend, das Gebäude zu umrunden. Er wollte nicht, dass ihn einer seiner Gefährten so sah. Zumindest Aragorn, Gandalf und Gimli gegenüber könnte er nicht verheimlichen, dass er nicht so ausgeglichen war wie sonst. Nach ein paar Metern war er im Schatten der großen Halle verschwunden und ließ sich auf der Mauer nieder, das fein geschnittene Gesicht zu einem bittersüßen Lächeln verzogen. Sein Blick wanderte ein wenig durch die Dunkelheit; aber er sah nicht die Umrisse der Gebäude Edoras', sondern die Gestalt Èomers, die sich in seinem Geist verfestigte. Er war gerade wieder in seine Erinnerungen an den muskulösen, warmen Körper und dessen Reaktion auf den seinen versunken, als er plötzlich das Geräusch von nackten Füßen auf den Steinen hörte. Sein Gesicht wurde wieder zur undurchdringlichen Maske, bevor die Person neben ihm erschien. Es war Pippin.
"Legolas, was macht Ihr hier draußen denn ganz allein? Die Leute drinnen sind alle in guter Stimmung und freuen sich auf das morgige Fest. Und das Essen ist nahezu delikat!" Legolas musste unwillkürlich lächeln. Diese Hobbits und das Essen! Pippin ließ sich links neben ihm auf die Mauer sinken und kramte einen Apfel aus der Jackentasche. "Mal beißen?" fragte er, aber Legolas schüttelte den Kopf, sein Lächeln größer werdend. Schulterzuckend biss Pippin herzhaft in den Apfel und kaute geräuschvoll auf ihm herum. Nach einem Moment sah er Legolas erschrocken an. "Ihr wolltet bestimmt allein sein und ich hab' mich einfach aufgedrängt!" entfuhr es ihm erschrocken und er machte Anstalten, sich zu erheben. " Nein, bleibt ruhig, Pippin." antwortete Legolas, seinen Begleiter betrachtend. Diese Hobbits waren fast noch faszinierender als Menschen, dachte er. "Oh, gut." sagte Pippin, es sich wieder bequem machend, und biss erneut ein großes Stück von seinem Apfel ab. Zwischen kauen und schlucken fragte er: "Ist alles in Ordnung mit Euch?" Legolas sah den kleinen Kerl überrascht an. "Wie kommt Ihr darauf, dass dem nicht so sei? fragte er. "Na, ganz einfach. Ihr habt heute in der Halle so einen merkwürdigen Blick in den Augen gehabt. Erinnerte mich daran, wie ich mich fühle, wenn mich das Heimweh packt - oder wenn ich ausgehungert bin. Aber da das Essen für Euch ja nicht denselben Stellenwert hat wie für mich, und ihr noch nie von Heimweh spracht, muss es etwas anderes sein." Ungläubig schaute Legolas zu dem schmatzenden Pippin herüber, der seinen Gesichtsausdruck offensichtlich nicht sehen konnte oder wollte. Er war fest davon überzeugt gewesen, sich wie immer benommen zu haben, aber offensichtlich war das nicht der Fall. Er hob die linke Augenbraue und fragte dann: "Und wer ist noch dieser Meinung?" "Niemand." antwortete Pippin. "Die anderen haben nicht drauf geachtet, das hätte ich sonst mitbekommen." Er biss noch einmal vom Apfel ab und warf das Kerngehäuse in die Dunkelheit. Dann wischte er sich den Mund am linken Ärmel ab und drehte sich zu Legolas um. "Also ist doch was dran!" stellte er fest und betrachtete den Elb mit unverhohlener Neugier. Legolas blieb regungslos und Pippin starrte ihn einen Augenblick an, bevor er den Blick senkte. "Entschuldigt bitte, ich wollte Euch nicht zu nahe treten. Ich bin einfach so - taktlos", flüsterte Pippin beschämt und lief rot an. "Ich lasse Euch nun lieber allein." Er erhob sich und wollte gerade wieder in der Dunkelheit verschwinden, da ertönte leise die Stimme des Elben. "Es ist eine Sache des Herzens." Pippin blieb erstaunt stehen und dreht sich zu Legolas um, der immer noch in die Dunkelheit starrte. Dann begab er sich langsam wieder an den Platz zu dessen Linken und ließ sich nieder. Lange Zeit sagte keiner von beiden etwas, sondern ließen die Gedanken und Blicke durch die Nacht streifen. Legolas konnte nicht glauben, dass er tatsächlich etwas gesagt hatte. Aber viel bemerkenswerter war für ihn dieser kleine Hobbit, der sonst mehr durch seine Unbesonnenheit und seinen Hang zu gutem Essen, Bier und Tabak auffiel als durch Weisheit. Aber im Grunde überraschte es ihn nicht. Pippin hatte in den vergangenen Monaten immer wieder bewiesen, dass weit mehr in ihm steckte als man vermuten konnte. Und er war Legolas ans Herz gewachsen, war jemand, dem er vertraute.
Schließlich drehte er sich zu Pippin um, der inzwischen seine Pfeife herausgeholt, gestopft und entzündet hatte und nun kleine weiße Wolken in den klaren Nachthimmel blies. "Ich habe noch kein Wort darüber verloren." sagte er schließlich. Pippin lächelte in sich hinein, als ob er sagen wollte, dass alles Andere ihn auch sehr verwundert hätte. "Sagt mir, Legolas, warum bedrückt Euch eine Herzenssache? Das ist doch eher ein Grund zu feiern. Oder ist es eine von diesen Geschichten, die sich bei uns die Frauen am Feuer erzählen, um anschließend einen Grund zum weinen zu haben?" Legolas atmete schwer ein. Welch ein Vergleich! Ja, wäre er ein Hobbit oder ein Mensch, ließe er seinem Kummer freien Lauf. Doch er war elbischen Blutes, ein Prinz dazu. Nein, diese Art der Trauer war nicht die Seine. Bei seinem Volk nahm man solche Vorkommnisse einfach als gegeben hin. Bisher war er auch immer schnell wieder eins mit sich und der Welt gewesen, aber dieses Mal war einfach alles anders. "Eure Frauen erzählten die Geschichte sicher am Feuer", sagte er schließlich. Pippin nickte und blies eine weitere Wolke in den Himmel. "Und warum?" fragte der Hobbit eine Weile später. "Weil es nicht sein kann", antwortete ihm Legolas. "Oh!?" sagte Pippin, den Kopf Legolas zugewandt. Der Elbenprinz blickte zu Boden und das seidige Haar glitt über seine Schultern nach vorne ins Gesicht, doch er blieb stumm. "Aber die Liebe, die man im Herzen trägt, kann einem doch keiner nehmen, oder?" sagte Pippin dann. Legolas lächelte schwach. "Das mag stimmen, aber es ist nicht nur das Herz, das verlangt." Nach einer kleinen Weile hob Pippin erneut an zu sprechen: "Ich habe eine Frage an Euch, wenn ich darf...". Legolas bedeutete ihm fortzufahren. "Ist es schon zu spät?" Der Elb hob den Kopf, runzelte die Stirn und schaute der kleinen Gestalt neben ihm prüfend an. "Zu spät? Wofür?" "Na, ist die Person Eures Herzens bereits... unpässlich?" Pippin schaute zu Boden und wippte verlegenen mit den Füßen. Obwohl er sonst nicht grad auf den Mund gefallen war, hatte er wohl das Gefühl, mit Legolas keinen deutlicheren Ton anschlagen zu können. Ein schwaches Lächeln erschien auf des Elbs Gesicht. "Noch nicht ganz, wenn ich Eure Frage richtig deute." Pippin nestelte an seiner Pfeife herum und nachdem er sie erfolgreich geleert, neu gefüllt und entzündet hatte, stiegen wieder kleine weiße Wölkchen aus dem Pfeifenkopf auf. "Merri sagt, Ihr raucht zu viel, Pippin. Ich glaube, er hat recht", sagte Legolas mit einem leisen Lachen in der Stimme. "Ja ja ja", murmelte Pippin vor sich hin, anscheinend in der Pfeife eine Art Sicherheit für dieses Gespräch wiederfindend und die Bemerkung abtuend. Er ließ den Blick wieder in die Dunkelheit gleiten. "Um auf das Thema zurück zukommen: Wenn ihr noch eine Chance habt, dann nutzt sie doch. Nichts ist schlimmer als sich hinterher vorzuwerfen, man habe es nicht einmal versucht! Es spielt auch keine Rolle, ob sich die Situation nun dadurch ändert oder nicht. Man hat dann zumindest eine schöne Erinnerung, die man immer im Herzen behalten kann. So macht man das zumindest im Auenland." Mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht drehte er sich wieder zu Legolas um. "Außerdem sind das die Helden, deren Geschichten die Frauen besonders gerne erzählen und bei denen am meisten geweint wird!"
Legolas musste einfachen lächeln. Die Logik war so simpel und doch so einleuchtend. Die Kurzlebigen hatten immer so pragmatische Ideen, auf die ein normaler Elb nicht kam. Sein Herz machte einen kleinen Sprung und er atmete tief ein. Spontan legte er die Hand auf Pippins Schulter und schaute ihm in die Augen. "Freund Hobbit, Ihr wart mir eine große Hilfe. Ich weiß nicht, wie ich das wieder gut machen kann. Ich danke Euch von Herzen!" "Och, gern geschehen!" antwortete Pippin mit einem Anflug von Stolz in der Stimme. Nach einem kleinen Moment ergänzte er: " Ihr könnt mich ja bei Gelegenheit mal zum essen einladen." und zauberte sein breitestes Grinsen auf's Gesicht. Legolas lachte laut auf. Diese Hobbits dachten wirklich immer ans Essen! "Abgemacht!" antwortete der Elb und erhob sich. Pippin tat es ihm gleich. " Ich wünsche Euch viel Glück, wer die Glückliche auch sein mag - oder der Glückliche..." setzte Pippin nach und legte dabei den Kopf etwas schräg. Legolas sah ihn perplex an. "Liebe ist doch was universelles, oder?" sagte der kleine Mann. "und gerade bei Euch Elben dürften solche Unterschiede doch keine Rolle spielen, nicht wahr?" Er grinste spitzbübisch, nahm einen kräftigen Zug aus der Pfeife, verneigte sich und verschwand in der Dunkelheit. Legolas blieb noch einen Moment stehen. Das Allerletzte, was er von einem Hobbit erwartet hätte, war eine solche Aussage! Er lächelte in sich hinein und begab sich, nun froheren Mutes, wieder in Richtung Eingang.
Im schummrigen Licht der Fackeln und des großen Feuers brauchten selbst die elbischen Augen einen Moment, um sich anzupassen. Die Halle war immer noch sehr gut gefüllt, obwohl sich inzwischen einige Gäste im Hinblick auf die kommenden Feierlichkeiten zurückgezogen hatten. Auch Aragorn, Arwen sowie Èowyn und Faramir hatten den Saal bereits verlassen. Legolas entdeckte Èomer am Kopfende der Halle, wo er und in ein Gespräch mit Gandalf vertieft stand. Er trug eine samtene dunkelblaue Tunika mit Borten aus Goldbrokat und den Insignien Rohans darauf gestickt, dazu eine schwarze Hose und Stiefel. Das Schwert hing in einem Gürtel an seiner Seite. Die dunkelblonden Haare fielen ihm über die Schultern wie ein Schwall goldbrauner Seide. In seinen grünbraunen Augen spiegelten sich die Lichter der Halle wider. Er wirkte schmaler als sonst, aber unter der Tunika zeichnete sich der muskulöse Körper deutlich ab.
Legolas beschloss, sich einen Kelch mit Wein zu nehmen und abzuwarten. Nachdem er sich von dem nächststehenden Tisch bedient hatte, schlenderte er durch die Halle und ließ den Blick schweifen. Pippin und die anderen Hobbits saßen mit Gimli zusammen, tranken Ale und sangen lauthals Trinklieder. Eine Traube Menschen hatte sich um die kurzen Leute versammelt und klatschte und lachte mit. Andere Personen standen in Gruppen in der Halle oder saßen noch an den Tischen und waren in ausgelassene Konversationen vertieft; der Geräuschpegel war noch fast so hoch wie zu der Zeit, als Legolas sich nach draußen zurückgezogen hatte. Die Stimmung in der Halle war geprägt von der Freude auf den nächsten Tag. Thèodens Andenken wurde dadurch keinesfalls geschmälert, aber den Menschen war zu eigen, nur kurz zu trauern und sich schnell wieder den Dingen des Lebens, besonders den Fröhlichen, zuzuwenden. Legolas lehnte sich an eine Säule und ließ den Blick erneut durch den Saal schweifen. Ab und an nahm er abwesend einen Schluck aus seinem Kelch. Er fühlte seit Wochen das erste Mal so etwas wie Hoffnung. Dieses Gefühl breitete sich warm in seinem Herzen aus, wanderte von dort durch seinen Körper und verband sich in seinen Adern mit der Hitze des Weines zu einem leichten Rausch. Während die Zeit verging, brannten die Fackeln herunter und die Halle leerte sich unmerklich. Irgendwann sah Legolas, wie sich Gandalf von Èomer verabschiedete und sich zurückzog. Der künftige König blickte suchend durch die Halle. Sein Blick blieb an Legolas haften; ein Anflug von Freude zeigt sich darin, aber nur um gleich wieder hinter dem Mantel der Disziplin zu verschwinden. Èomer griff nach seinem Kelch und leerte ihn in einem Zug. Er füllte den Kelch erneut und leerte ihn auch dieses Mal ohne ihn abzusetzen. Dann stellte er den Kelch auf dem Tisch ab und schloss für einen Moment die Augen.
Legolas löste sich von seiner Säule und schritt langsam auf den Menschen zu, der sein Herz berührte. Kurz bevor er Èomer erreichte, trat Gimli zwischen sie und begann leicht lallend einen Lobgesang auf des künftigen Königs vergangene Heldentaten anzustimmen. Legolas zog die Augenbrauen hoch und schaute Èomer an. Ihre Blicke trafen sich kurz; eine Mischung aus Ironie, Verzweiflung und Resignation fand sich darin. Manchmal war man gegen das Schicksal machtlos! Legolas verneigte sich kurz und zog sich zurück. Er spürte Èomers Blick auf sich ruhen, als er den Weg zu den Schlafgemächern antrat und dann in der Dunkelheit verschwand.
Dieses Mal teilte sich Legolas das Schlafgemach mit Gimli. Zum Glück gehörte der Zwerg zu der Sorte pflegeleichter Zimmergenossen, auch wenn er mit Sicherheit in einer Nacht wie der Heutigen einen kleinen Wald schnarchenderweise roden würde. Aber der Zwerg fragte nicht nach, wenn Legolas des Nachts nicht erschien oder einfach nach einer Weile wieder verschwand. Seine Neugier wurde nur selten geweckt. Mit dieser Gewissheit im Kopf fasste der Elbenprinz einen Entschluss und ging zielstrebig an seiner Zimmertür vorbei. Er bog in einen anderen Gang ein, folgte ihm bis zur nächsten Gabelung, bog nach rechts ab und folge diesem bis zum Ende. Der Gang war nur spärlich beleuchtet. Die Fackeln in den Wandhaltern waren fast ganz heruntergebrannt und die ersterbenden Flammen warfen tänzelnde Schatten an die Wand. Legolas blieb vor der letzten Tür stehen. Er zögerte einen Augenblick und beschloss dann, sich in den Schatten an die gegenüberliegende Wand zurück zu ziehen und zu warten . Unaufgefordert wollte er nicht in eine Privatsphäre eindringen. Er lehnte sich an die Wand und war im selben Moment mit dem Schatten verschmolzen.
Er musste nicht lange warten. Nach ein paar Minuten hörte er sich nähernde Schritte auf dem Gang. Einen Augenblick später kam eine männliche Gestalt um die Ecke, die auf die Tür am Ende des Gangs zuhielt. Als die Gestalt vor der Tür zu stehen kam, löste sich Legolas aus dem Schatten der Wand und schritt lautlos bis auf Armeslänge auf den Mann zu. Mit einem Ruck drehte sich dieser um, die Muskeln gespannt und zur Verteidigung bereit. Beim Anblick des Elben entspannte er sich, aber ein Anflug von Schmerz erschien in seinem Antlitz. Einen Moment betrachtete er das fein schnittene Gesicht des Elben, das durch das Licht der Fackeln kaum beleuchtet wurde. "Warum tut Ihr das, Legolas, warum seid Ihr her gekommen? Habt Ihr mir den Dolch noch nicht tief genug ins Herz gestoßen?" brachte Èomer mit einem Anflug von Schmerz in der Stimme hervor. Legolas kam einen Schritt näher, streckte die rechte Hand aus und strich sanft über Èomers Gesicht. "Glaubt Ihr wirklich, ich verletzte Euch absichtlich?" fragte er leise, den Kopf leicht schräg haltend und sein Gegenüber zärtlich betrachtend. Èomer schloss die Augen und versank in der leichten Berührung. Die Härchen an seinem Körper richteten sich auf und er bekam eine Gänsehaut. Er spürte, wie Legolas noch einen Schritt näher kam. "Diese Klinge zerschneidet mein Herz ebenso wie das Eure", flüsterte der Elb in sein Ohr. Èomer konnte Legolas' Atem an seinem Hals spüren. Ein leichter Schauer lief über seinen Rücken und seine Knie wurden weich. Er nahm das leicht Aroma des Weines und den Duft von Legolas' seidiger Haut war und ihm wurde schwindelig. Er schluckte hart. Dann öffnete er die Augen und zwang sich, in die Realität zurück zu kehren. Legolas stand nun direkt vor ihm. Die Spannung zwischen ihnen war fast greifbar geworden und drohte ihn zu zerreißen. Èomer wusste weder ein noch aus. Dann zwang er sich, Legolas in die Augen zu schauen. Blau. Der Blick des Elben war so intensiv, dass Èomer augenblicklich darin versank und sich in die verborgensten Regionen seines Selbst entführen ließ. Er war unfähig sich zu bewegen; das Blut raste durch seinen Körper und seine Sinne waren bis zum Anschlag gereizt. Er spürte, wie Legolas mit der rechten Hand durch sein Haar fuhr, es dann sanft packte und seinen Kopf zurückzog. Einen Moment später spürte er die samtigen Lippen auf den seinen und mit einem Seufzen öffnete er sie bereitwillig. Als sich ihre Zungen berührten, glaubte Èomer, seine Nerven würden explodieren. Er tauchte ein in ein Meer aus Farben und sich überschlagender Gefühle. Er zog Legolas fest in seine Arme und küsste ihn so leidenschaftlich, wie er zuvor noch nie jemanden geküsst hatte. Legolas hatte seine Arme um Èomers Hals und Taille gelegt und presste seinen Körper gegen den des Mannes. Mit einer Hand schaffte es Èomer irgendwie, seine Zimmertür zu öffnen und beide taumelten eng umschlungen in den dunklen, nur von einer Spur Mondlicht erhellten Raum. Legolas schloss die Tür mit einem leichten Fußtritt, ohne sich dabei von Èomer zu lösen. Er ließ sich gegen die Tür sinken, Èomer immer noch eng umfasst. So standen sie eine lange Weile in der Dunkelheit und gaben sich einer ersten vorsichtigen Leidenschaft hin. Nach einer kleinen Ewigkeit löste sich Legolas sanft und schob Èomer ein Stück von sich weg, um ihn betrachten zu können. Er legte den Kopf ein wenig schräg und lächelte sanft. Was für ein faszinierendes Wesen dieser Mann doch war! So wild und voller Leidenschaft, so mutig und stark, aber auch so verletzlich. So begehrenswert. Er streckte erneut die Hand aus und liebkoste das bärtige Gesicht des Mannes. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass es nur diese eine Nacht geben würde, dass der nächste Tag ihre Schicksale besiegelte und ihnen die Zeit durch die Hände sickerte wie Sand in einer Sanduhr. Die Traurigkeit stieg in Legolas hoch und sein Blick trübte sich. Auch wenn es eine Zukunft für sie gegeben hätte, wäre sie für ihn immer tragisch gewesen. Er war ein Elb, ein beinahe ewiges Leben war ihm beschieden, aber Èomer hatte eine solch kurze Lebensspanne im Vergleich zu den Seinen. Er schüttelte den Kopf, um die negativen Gedanken zu vertreiben. "Was hast Du?" fragte Èomer. "Zu wenig Zeit" antwortete Legolas. Èomer sah ihn verwundert an. "Mit Dir!" setzte der Elb nach und sein Gegenüber nickte verstehend und seufzte leicht. "Dann sollten wir die wenige Zeit nutzen. Ich will jede Minute, die mir mit Dir gegeben ist, voll auskosten." Èomer sah Legolas in die Augen und löste dabei seinen Gürtel. Das Schwert fiel leise polternd zu Boden. Dann streifte er seine Tunika über den Kopf und ließ sie ebenfalls zu Boden fallen. Legolas betrachtete ihn in dem fahlen Mondlicht. Die breiten Schultern, auf die Èomers Haare flossen wie ein seidiger Wasserfall, der muskulöse Oberkörper, die kräftigen Arme und das schmale Becken und die schlanken, wohlgeformten Beine standen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, das dem Auge schmeichelte. Legolas biss sich sanft auf die Oberlippe, als er Èomer betrachtete. Er schlüpfte aus den Schuhen; dann öffnete er sein Gewand und ließ es geräuschlos zu Boden sinken. Èomer betrachtete ihn mit wachsendem Verlangen in den Augen. Die seidige Haut des Elben und sein blondes Haar wirkten wie flüssiges Silber im Licht des Mondes. Der drahtige Körper war von makelloser Schönheit, einer marmornen Statue gleich. Die Muskeln zeichneten sich sanft unter der straffen Haut ab, uns es gab keine Region an seinem Körper, die nicht perfekt zu sein schien. Èomer war überwältigt. Von Allen, mit denen er bisher zusammen gewesen war, egal ob Mann oder Frau, war niemand so unglaublich gewesen wie dieses bezaubernde Wesen, dass ihm nun in seiner vollen Schönheit gegenüber stand. Èomer starrte Legolas sprachlos an, den Mund leicht geöffnet, als ob er sonst keine Luft mehr bekäme. Mit einem seichten Lächeln auf den Lippen schritt Legolas auf Èomer zu und öffnete ihm die Hose. Die Berührung seiner Hände holte Èomer zurück in die Wirklichkeit und sofort stieg ihm das Blut in den Kopf, um sich danach sofort in seiner Körpermitte zu sammeln. Unbeholfen versuchte er, sich parallel zu Legolas' Aktivitäten die Stiefel auszuziehen, wobei er beinahe über sein linkes Hosenbein gestolpert wäre, welches er schneller als seinen Stiefel von seinem Bein entfernen wollte. Leise lachend hielt ihn Legolas fest und Èomer war erstaunt, wie viel Kraft in diesem schlanken, fast hageren Körper steckte. Schließlich standen sie nackt voreinander, in der vollen Schönheit ihrer Körper. Èomer schaute Legolas lange in die Augen, dann beugte er sich vor und berührte sanft die samtigen Lippen des Elben. Bereitwillig ließ ihn dieser ein und einen Moment später standen sie eng umschlungen in der Mitte des Raumes, die Sensation von sich berührender nackter Haut erlebend. Mit ein paar geschickten Drehungen manövrierte Legolas sie in die richtige Position, dann drückte er Èomer sanft nach hinten, bis dieser sich auf das Bett fallen ließ, Legolas mit sich hinab ziehend. Wie im Rausch erkundeten sie sich gegenseitig, entdeckten die kleinen und großen Wunder des anderen Körpers, erlebten Hingabe und Eroberung und versanken im Strudel ihrer Empfindungen.
Als sie langsam erschöpft von der Verausgabung zur Ruhe kamen, Èomer in Legolas' Armen liegend, den Kopf auf seine Schulter gebettet, nahmen sie das Zwitschern der Vögel und den roten Schimmer am Himmel wahr, die durch das schmale Fenster in das Zimmer drängten. Èomer schloss die Augen und schluckte hart. In einer halben Stunde würde er geweckt werden, damit er sich für die Feierlichkeiten des Tages zurecht machen konnte. Nur noch so wenig Zeit! Ein Schauer lief ihm über den Rücken und Legolas drückte ihn fester an sich, sein Gesicht in die dichte dunkelblonde Lockenpracht vergraben. "Verzage nicht, mein Herz." sagte er sanft. "Ein kluger Mann hat mal gesagt, dass nichts schlimmer sei, als es nicht einmal versucht zu haben. Die Erinnerung kann man einem nicht mehr nehmen, auch wenn sich die Situation dadurch nicht ändert. Also sollten wir uns freuen, dass uns zumindest diese Stunden vergönnt waren." Èomer atmete schwer. Am liebsten würde er mit Legolas verschwinden, dahin, wo sie niemand kannte. Aber bei dem Gedanken meldete sich sofort sein Verantwortungsbewusstsein. Er hatte ein Volk zu führen. Ihm war es nicht vergönnt, so zu leben, wie er es wollte. Er öffnete die Augen. "Werden wir uns wiedersehen?" fragte er den Elbenprinz. Legolas lächelte. "Natürlich werden wir das. Du hast einen Platz in meinem Herzen und deine Familie wird in meinem Hause immer willkommen sein. Aber wir werden uns nicht mehr als Geliebte sehen. Du musst den Weg beschreiten, der Dir vorbestimmt ist - aber ich werde immer da sein, wenn Du mich brauchst." Èomer versuchte die Tränen zu unterdrücken. Sein Herz drohte zu zerspringen. Mit einer sanften Berührung wischte Legolas ihm eine Träne aus den Wimpern. "Verzage nicht, mein Herz", wiederholte Legolas. "Mit der Zeit wirst Du Dich nur noch an diese Nacht als ein besonderes Geschenk erinnern, ohne den bittersüßen Beigeschmack. Du wirst Erfüllung finden mit denen, die Deinen Weg noch kreuzen werden. Dieser Tag ist ein besonderer Tag. Erlebe ihn fröhlich und lache für mich!" Legolas drehte Èomers Gesicht zu dem Seinen und küsste ihn sanft. Èomer entspannte sich ein wenig. Dann strich Legolas ihm über die Augen und sagte leise: "Schlaf nun, die paar Minuten, die Dir noch vergönnt sind, und erwache frohen Mutes." Èomer sah ihn noch einmal voller Liebe aus seinen grünbraunen Augen an, dann schlossen sich die Lider und er begann gleichmäßig zu atmen. Keine halbe Minute später war er eingeschlafen.
Legolas löste sich vorsichtig von dem schlafenden Körper und stand auf. Wenn seine eigenen Worte doch auch einen solch tröstlichen Effekt auf ihn selbst hätten! Er atmete schwer und schluckte den Kloß herunter der sich in seiner Kehle gebildet hatte. Der Schmerz würde vergehen, dass wusste er, aber es würde mehr als ein halbes Menschenleben dauern. Auch für ihn würde es neue Partner geben, Mensch oder Elb, Mann oder Frau, doch ob ihm irgendwann das Glück begegnete, wie es seinem Freund Aragorn passiert war, wusste er nicht. Nun war es in erster Linie wichtig, dem künftigen König von Rohan ein würdiges Krönungsfest zu ermöglichen und eine passende Mutter für seinen Thronfolger zu finden. Der Gedanke an eine andere Person an Èomers Seite schmerzte, aber so musste es sein. Daher galt es, zumindest jemanden zu finden, mit dem Èomer auch glücklich werden konnte. Er schlüpfte in sein Gewand und in die Schuhe, öffnete die Tür und schritt heraus. Bevor er die Tür schloss, warf er noch einen letzen Blick auf den schlafenden Èomer, dessen Körper sich im zarten Rot der Morgendämmerung deutlich abzeichnete. Legolas lächelte traurig, als er sich diesen Anblick für immer ins Gedächtnis brannte.
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