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Nur ein Wort...© by Birgitt (), Februar 2004
Die Luft ist voll Staub und es fällt schwer, richtig zu atmen, aber ich weigere mich, der Verlockung nachzugeben und in den sicheren Hafen namens Millennium Falcon zurückzukehren. Es besteht noch Aussicht, daß Menschen das Erdbeben überlebt haben. Unwahrscheinlich, aber möglich. Mein ganzes Leben lang habe ich mit Hoffnung als dem einzigen Antrieb gekämpft. Irrational vielleicht, aber wenn da sonst nichts ist, auf das man sich verlassen kann, ist es Grund genug, um weiterzumachen. Dieses Desaster mag eine neue Herausforderung sein, aber sie war mir nicht fremd. Ich stolpere durch die Überreste der einstmals so wunderschönen Stadt Gerath, um der hochaufgeschossenen Gestalt Han Solos zu folgen. Meine Augen brennen, und die Erklärung, daß es an dem Staub liegt, ist eine willkommene Entschuldigung. Doch ich bin mir natürlich bewußt, daß ich weine. Aus Wut. Ich will stehenbleiben und die Natur selbst anbrüllen. Ich weiß, ich weiß, eine solche Reaktion wäre völlig sinnlos und würde uns nicht weiterbringen. Also schlucke ich meinen Ärger runter und laufe weiter, vorbei an den Bürogebäuden von Niniads Hauptstadt. Hier werden wir niemanden finden. Weder tot, noch lebend. Wir hatten Glück, heute ist ein gesetzlicher Feiertag. Ich bezweifle, daß es in Zukunft noch einer sein wird. Wir erreichen das Gebiet, in dem die Wohnanlagen liegen. Schreie gellen uns entgegen und wieder bekämpfe ich den Drang, einfach stehenzubleiben und die Augen zu schließen. Ich kenne den Tod, aber nicht in dieser Häufung und selten in dieser Form. Gegen das Imperium zu kämpfen ist etwas anderes. Meist ist der Feind, dem man entgegentritt, nicht sichtbar, versteckt in Raumschiffen. Und die Opfer verschwinden im All, in einem Ausbruch roher Energie. Lassen nichts als bittersüße Erinnerungen und eine brennende Wut in den Herzen der Überlebenden zurück... Hier sieht man Leichen, teilweise verdeckt von Ruinen und Trümmern. Die Überlebenden sind mit Blut und mit Dreck verschmiert, ihre Kleidung in Fetzen. Und diese Schreie... Es gibt keine Schreie im All. Es ist einfacher, mich auf den rennenden Mann vor mir zu konzentrieren. Und ihm zu folgen. Plötzlich fällt mir etwas ein. Verdammt, wo rennt er eigentlich hin? Diese Leute hier brauchen unsere Hilfe! Als ich ihn anschreien will, damit er stehenbleibt, ändert er die Richtung und läuft zu einem Gebäude, das noch zur Hälfte intakt ist. Ich glaube, ich begreife jetzt. Er sucht nach Überlebenden *in* den Wohnungen. Und richtet sich dabei allein nach seinen Erfahrungen und Instinkten.
Es arbeiten bereits zwei Männer daran, sich Zutritt zu dem Haus zu verschaffen. Han schließt sich ihnen an und langsam machen sie Fortschritte. Ich halte mich zurück, um ihnen nicht in die Quere zu kommen, und sehe mich um, ob ich ein anderes Ventil für meinen Drang zu helfen finde. Eine Frau sitzt auf einem Geröllhaufen. Ihr Gesicht ist bleich und voller Verzweiflung, soweit ich das bei all dem Schmutz ausmachen kann. Sie schluchzt leise und zittert unkontrolliert. Ich ziehe meinen Umhang aus und lege ihn ihr um. Dann setze ich mich neben sie, halte sie fest. "Mein Baby... er ist immer noch drin." Ihre Stimme bricht beinahe und alles, was ich tun kann, ist hoffen. Wieder einmal. "Es wird alles gut. Sie werden ihn finden." Diplomatische Fähigkeiten treten automatisch in Aktion und ich weiß, daß meine Stimme genau den richtigen Klang hat. Ruhig und tröstend, Verzweiflung durch Zuversicht ersetzend. Endlich öffnen die drei Männer die Tür. Sie müssen sich durchkämpfen und verschwinden in dem instabil wirkenden Gebäude. Ich fürchte um ihre Sicherheit, weiß aber, daß sie es trotzdem versuchen müssen. Die Zeit fängt an, Spiele mit mir zu spielen, und als die beiden Niniader hustend zurück ins Freie stolpern, bin ich nicht sicher, ob es eine Minute oder eine Stunde her ist, daß sie im Gebäude verschwanden. Als ich begreife, daß Han noch drinnen ist, stehe ich auf und gehe zu den beiden Männern, ziehe die Frau hinter mir her. "Wo ist er?" "Dummer Mann. Weigert sich aufzugeben. Der Weg zum Schlafraum ist blockiert. Wir konnten den Balken nicht einen Millimeter bewegen. Bevor wir ihn aufhalten konnten, ist der Idiot drunter durch, und einen Augenblick später hat das Teil nachgegeben und die Lücke war zu." "Ihr habt ihn zurückgelassen?" Meine Stimme ist unvorstellbar ruhig. "Mylady", setzt der zweite Mann den Bericht fort, "wir konnten nichts tun. Wir müssen auf die Rettungstrupps von Delam warten. Sie werden die schwere Ausrüstung mitbringen." Er würgt und hustet noch einmal und ich sehe ein, daß die Männer bereits über ihre physischen Grenzen hinaus sind. Wenn nur der Wookiee hier wäre... Aber Chewie haben wir mit einer heftigen Erkältung zurückgelassen. Zu seinem Verdruss und zu Hans noch größerem Vergnügen war er zu schwach, um auch nur auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Han hatte eine diebische Freude daran gehabt, seinen riesigen Freund zu bemuttern und ihn mit einer corellianischen Brühe zu füttern. Bis Chewie die Reste seiner Kräfte zusammennahm und Han nahezu aus dem Zimmer brüllte. Vor ihrem Quartier stehend teilte mir ein lachender Han mit: "Sehr aufmerksam, daß Ihr ihn besuchen wollt, Eure Höchstheit. Aber wie Ihr bestimmt hören konntet, legt er nicht viel Wert auf Gesellschaft. Überlaßt ihn den Ärzten oder..." Er machte eine dramatische Pause, bevor er fortfuhr, "... oder überlaßt ihm die Ärzte." Trotz seines Grinsens konnte ich etwas in seinen Augen erkennen, das mir sagte, daß er seinen Freund bereits vermißte, und er war nur allzu bereit, mich auf meiner Mission nach Niniad zu begleiten. Hätte ich nur von der Instabilität dieses Planeten gewußt... Sobald wir - ich schlucke mühsam - sobald wir zurück waren, würde ich ein langes Gespräch mit diesen ach so kompetenten Idioten vom Rebellen-Geheimdienst führen. Geheimdienst... Zu geheim für meinen Geschmack!
Plötzliches Husten hinter mir ließ mich herumfahren und ich lasse die Frau los. Ich bin zu geschockt, um etwas anderes zu tun, als dazustehen und zu starren. Han Solo, mit Staub bedeckt, seine Kleidung zerrissen. In seinem Gesicht sind Kratzer und Schnitte, doch er grinst. Dieses verdammte, neckende, entnervende Grinsen. In diesem Moment kann ich mir keinen willkommeneren Anblick vorstellen. In seinen Händen hält er das in eine Decke gewickelte Baby. Die Frau schreit auf und rennt zu ihm. Plötzlich bleibt sie stehen, ein paar Schritte entfernt, offensichtlich unfähig weiterzulaufen. Ich gehe zu ihr, fürchte, sie könnte ohnmächtig werden. Hans Grinsen wandelt sich zu einem Lächeln und seine Augen nehmen eine dunklere Farbe an. "Keine Angst, er ist ein Kämpfer. Hat mich in die Hand gebissen, als ich versuchte, ihn aufzunehmen. Ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt, daß er nur vier Zähne hat. Ich habe echt Glück gehabt. Hätte er einen Blaster gehabt, wäre ich jetzt wahrscheinlich tot." Seine Worte sind ohne Belang, ihre Bedeutung geht völlig an der Frau vorbei, aber der Klang seiner Stimme... Die Frau macht einen weiteren Schritt auf ihn zu, so als würde sie schlafwandeln. Han hebt seine Arme, hält der Frau das Baby hin. Ich starre die Szene vor mir an. Seine Hände. Wie sanft und behutsam er den Jungen hält. Hans Hände sind groß und stark genug, um dem Baby ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Hans Hände haben mich schon oft fasziniert. Wenn sie an seinem geliebten Falcon hantieren. So geschickt. Wenn sie mit dem Blaster töten. So gefährlich. Wenn sie die Schulter eines Freundes drücken. So tröstend. Und jetzt... so behutsam. Ich hebe meinen Kopf und unsere Augen treffen sich. Er zwinkert mir zu und ich fühle... mich ertappt. Als könne er meine Gedanken lesen. Jedesmal, wenn er mir diesen neckenden Blick zuwirft, bin ich sicher, daß die Macht stark in ihm ist. Die Mutter schafft es schließlich, die Distanz zu überwinden, und Han legt das Kind in ihre ausgestreckten Arme. "Es geht ihm gut. Hat keinen Kratzer." Die Frau nickt nur und sieht ihren Sohn an. Sie streichelt das kleine Gesicht und das Baby lacht vor Entzücken. Als wäre ich von einem Zauber befreit, bin ich in der Lage, wieder klar zu denken, und - in der Gewißheit, daß Mutter und Sohn in Sicherheit sind - mache mich auf den Weg zum nächsten Gebäude. All meine Fragen, wie das Wunder seines Entkommens aus der Ruine zu erklären ist, schiebe ich beiseite, ebenso wie meinen Ärger über Hans Fähigkeit, mich derart aus der Reserve zu locken. Eine große, starke Hand legt sich auf meine Schulter und dreht mich um. Ich will protestieren, aber Han hält mich davon ab, indem er einen Finger auf meine Lippen legt. "Kein Grund, mich anzuschreien, Leia. Ich dachte nur, daß wir zusammen gehen können." Er lacht über meinen verwirrten Ausdruck und diesmal ist es mir nicht möglich, mein Erstaunen mit diplomatischer Würde zu überdecken. Seine Hand greift die meine und wir laufen weiter. Hoffnung hat sich in etwas... Faßbares verwandelt.
Lust kann ich kontrollieren.
Liebe kann ich bekämpfen. Hoffnung kann ich nicht ersetzen. Und so drang er in mein Herz.
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