|
Cole-lateral Damage© by Jimaine ()
Ich kann so nicht weitermachen. Genaugenommen kann ich überhaupt nicht weitermachen. Will es eigentlich auch gar nicht. Die Situation ist schmerzhaft vertraut, wir sind wieder dort, wo wir angefangen haben. Damals. Du Hexe, ich...was? Ex-Dämon, Ex-Quelle-des-Bösen, nun einfach nur 'Cole'. Mensch mit dämonischen Kräften und ohne jegliche Zukunft. Eine Zukunft ohne dich verdient die Bezeichnung nicht. Schon eine Ironie des Schicksals: um zu überleben, um der Zwischenwelt zu entkommen und bei dir zu sein, habe ich mir diese Kräfte angeeignet - nur um festzustellen, daß ich gerade deswegen nicht in dieser Welt überleben kann. Beziehungsweise in *deiner* Welt. Trotz all meiner Kräfte bin ich hilflos wie nie zuvor. Allein wie nie zuvor. Ich wünschte nur, ich könnte diesem wahrlich demütigenden Elend ein Ende setzen. Die Balance zwischen Gut und Böse zu halten, erweist sich mit fortschreitender Zeit als unmöglich. Ohne dich in meinem Leben fehlt mir die Entschlossenheit, das Durchhaltevermögen...das Ziel, auf das ich hinarbeiten kann. Und langsam aber sicher treibt mich die Sinnlosigkeit meiner Existenz in den Wahnsinn. Was ist im Leben von Cole Turner noch von Belang? Sogar Liebe wird mehr und mehr zu einer vagen Erinnerung, zu einem Schatten ihrer ursprünglichen Bedeutung, genau wie ich selbst. Nicht länger Liebe, sondern Besessenheit. Nicht länger Cole, sondern...wer? Was? Und die Agenten des Bösen geben nicht auf, wollen mich auf ihre Seite ziehen, mich zum 'Avatar' machen. Eigentlich eine Beförderung, ein Sprung auf der Karriereleiter des Bösen. Aus irgend einem unerfindlichen Grund wehre ich mich dagegen. Ich *will* gut sein, mich deiner würdig erweisen, doch genauso gut könnte man einem Hai verbieten zu beißen. Es ist wie mit der Fabel von dem Frosch und dem Skorpion, die den Fluß überqueren wollen. Es ist halt meine Natur. Mein Wesen. Meine in Teilen vorhandene Seele...oder was immer es ist, das ich anstelle einer Seele habe. Das Ziel, das ich bereits schon einmal erreicht hatte - das gerahmte Photo auf dem Tisch vor mir und meine Erinnerungen an glücklichere Tage sind Beweis genug - ist in weite Ferne gerückt. Mit einem wehmütigen Lächeln beginne ich einen weiteren Abschiedsbrief an dich. Hoffentlich den letzten. Damals hatte ich noch an uns geglaubt. Selbst in den schlimmsten Zeiten gab es immer noch Hoffnung, und egal wie böse ich war, du hast mich im Namen des Guten in mir stets verteidigt. Gerettet. Irgendwann mußtest du mich abweisen, aus reinem Selbstschutz. Und ich kann nicht mehr kämpfen. Jeder Tag ist unerträglicher als der vorhergegangene in seiner Leere, die nichts ausfüllen kann. Um wieviel einfacher ist es, einfach nachzugeben, dem Bösen freien Lauf zu lassen und meine letzte Kraft darauf zu verwenden, alle Weichen für ein schnelles Ende eigenhändig zu stellen, egal wie sehr ich lügen und manipulieren muß. Etwas Würde will ich bewahren. Es muß ein Ende haben. Besser, wenn der letzte Rest Liebe ausgelöscht ist und du mich gehen lassen kannst, ohne Bedauern zu empfinden oder mich zu vermissen. Besser, du haßt mich. Besser, durch deine Hand zu sterben, nicht aus Mitleid, sondern weil es das ist, was du tust. Der Grund deines Seins. Deine Bestimmung. Nun, ich schätze, der Tod ist die meine. Ich habe ihm wohl zu oft ein Schnippchen geschlagen. Er ist weder gut noch sinnvoll, dieser Kurs, den ich einschlage - wahrscheinlich werdet selbst ihr das erkennen - aber ich habe keine andere Wahl. Kein Wahl. Wißt ihr überhaupt, wie sich das anfühlt? Diesmal möchte ich sterben - und wirklich tot bleiben. Dies ist mein Spiel, letzte Runde, alles auf Schwarz, nichts geht mehr. Und wie ich den letzten Brief zuklebe, seid ihr auch schon da, alle drei, die Macht der Drei, die 'Charmed Ones'... Ihr tut genau das, was ich hoffte, daß ihr es tun würdet. Mit Ausnahme von dir, Phoebe. "Wir werden dir nicht helfen, Selbstmord zu begehen." So sehr ich dich auch liebe...in all der mir bekannten Hölle finden sich keine Worte, meinen Haß auf dich (meine Liebe für dich) in diesem Moment zu beschreiben! Weshalb ich auch antworte, "Aber das hast du bereits getan." Das Fläschchen fliegt aus deiner Hand, geführt von meinem Willen, und es ist vorbei. Alles ist vorbei. Liebe wie Haß wie Verzweifelung und Hoffnung enden im Feuer. Sollten sie zumindest. Doch wie Tantalus, wie der Held einer griechischen Tragödie, bin ich gefesselt an dieses Leben, das ich nicht leben will. Nicht einmal diesen finalen Ausweg zu haben, macht die Situation noch unerträglicher. Niemand kann mich töten, egal wie sehr ich mir den Tod herbeisehne. Aber wenn es jemand kann, dann die Frau, die ich liebe.
|