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Die Sockenaffäre

© by Clivia ()

 

Disclaimer: Die Jungs gehören mir nicht, leider, aber die Geschichte drumherum ist meine inklusive aller Fehler. ;-) Kein Betaleser kam hierbei zu Schaden.
Gegen Ende verlangte meine Methosmuse nach einer furchtbar zuckrigen Szene und ich bin ihr gefolgt. Also: Sappy as hell. :-) Schamlose Ausnutzung der üblichen Fanfictionklischees ;-)
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion.
Diese Geschichte ist eine Antwort auf den HLQueer-Pfingst-Challenge 2001.

 

"Wo sind denn bloß meine schwarzen Socken wieder hingekommen. Methos? Hast Du sie nicht vielleicht gesehen? METHOS!"

"WAS!?" Der älteste aller Unsterblichen setzte sich auf und starrte Duncan über die Couchlehne hinweg fragend an. In der Hand hielt er den Kopfhörer seines Walkman.

"Ich fragte, ob Du meine schwarzen Socken nicht gesehen hast. Komm schon, ich hab's eilig!"

"Heißes Date, ja?" Methos grinste und seine grünen Augen glitzerten.

"Nein, rein geschäftlich."

"Und dafür putzt Du Dich so heraus?"

"METHOS!" Der Schotte rollte ungehalten mit den Augen und schüttelte unbewusst den Gürtel, den er gerade in der Hand hielt.

"Ooooh, Drohungen? Du drohst mir? - Mit einem Ledergürtel? Ich hätte nicht gedacht, dass Du so etwas in Dir hast. Wirklich, Du überrascht mich immer wieder. Aber merk Dir eins für die Zukunft: Ich mag keine Gürtel. - Vielleicht Lederbänder, Seidenfesseln, Handschellen, Kerzenwachs, Paddel, wenn die Stimmung es fordert vielleicht sogar Reitgerten aber...niemals Gürtel, ja?" Seine Stimme verlor sich, als sein Blick sich nach innen wandte.

Schließlich bemerkte er MacLeods entgeisterten Gesichtsausdruck. Die Gesichtsfarbe des jungen Unsterblichen hatte ein charmante Rosaschattierung angenommen.

Leise kichernd bedachte Methos den verlegen dreinschauenden Duncan mit einem amüsierten Zwinkern.

Dieser seufzte nur und wandte den Blick gen Himmel. //Gib mir Kraft!//

"Meine Socken?"

"Nicht gesehen. Versuch es doch mal ...unter den Kartoffeln", feixte Methos und machte sich daran, seinen Kopfhörer wieder aufzusetzen, als sein Blick auf seine eigenen Füße fiel.

"Uuups.- Ähhh, Mac?"

Duncan war in der Zwischenzeit schon wieder mit dem halben Oberkörper in einer Schublade der Kommode verschwunden, um nach Ersatz zu graben.

"Hmhm?"

"Mac,...ich hab sie...glaube ich."

"Wo?"

Als Antwort schwang Methos ein langes Bein über die Couchlehne und wippte mit den Zehen. "Hier."

Der Highlander schaute über seine Schulter und erstarrte. "Oh nein! - Musste das sein?"

Methos musterte ihn indigniert und sagte dann als sei es etwas perfekt logisches: "Alles, was ich dabei hatte, war dreckig."

MacLeod wartete ...mit hochgezogenen Augenbrauen.

"Soll ich mich jetzt etwa entschuldigen? Ich habe mich halt bedient. Na und! Da waren aber noch andere!", verteidigte sich Methos schließlich halbherzig.

"-Aber keine schwarzen. Die ganzen anderen sind Anthrazit und Schwarzbraun und ein paar dunkelblaue habe ich auch noch, aber wie ich schon sagte: KEINE SCHWARZEN! Als ob Du nicht wüsstest, wie man eine Waschmaschine bedient."

"Meine Güte, bist Du empfindlich. Ich weiß, wegen so etwas hat man zu Deiner Zeit die Leute auf den Scheiterhaufen geschickt, aber Gott sei Dank leben wir im 21.Jahrhundert. Im Übrigen..." Methos kluge Vogelaugen blinzelten und schauten dann, ein Bild völliger Unschuld bietend groß und rund zu Duncan auf: "Ich dachte, diese Verabredung wäre rein geschäftlich. Wer wird da schon Deine Socken sehen? Oder ist es doch ein Date?"

"Wie?...Nein. Warum interessiert Dich das so sehr?"

"Ach, nur rein wissenschaftliches Interesse am Sexualverhalten junger Unsterblicher. Wer ist es diese Woche?"

"Methos! Das ist nicht komisch."

"Schon gut, schon gut. Du bist wirklich empfindlich. Lange nicht ans Ziel gekommen, hm?"

MacLeod schnappte nach Luft und schaute empört.

"Bingo!" gurrte Methos und grinste wissend von einem Ohr zum anderen.

MacLeod holte noch einmal tief Luft und zählte innerlich auf gälisch bis 10. "Ok, wenn Du es so genau wissen willst. Ich gehe mit meiner Geschäftspartnerin Mary-Anne Lewis zum Abendessen ins Chez Jaque. Zufrieden?"

Methos ließ sich mit einem theatralischen Aufseufzen rückwärts auf die Couch fallen und ächzte. "Die schon wieder. Wah! Das ist jetzt das...Moment...4. Date. Und das innerhalb von vierzehn Tagen. Was findest Du bloß an der. "

"Du zählst ...?"

"Harumpf"

"- Sie ist... nett. Wirklich."

"NETT? Na ja, das ist Geschmacksache. Wenn man auf den lauten, schrillen, aufdringlichen Barbietyp steht. Ihr IQ dürfte unter dem eines handelsüblichen Reißzwecks angesiedelt sein. Ich weiß nicht, wann sich Dein Geschmack für Frauen so dramatisch verändert hat, Mac, wirklich. Vier Dates schon. Das ist bedenklich!"

Methos stand auf und umrundete Mac mehrmals, was den Highlander, der gerade Mary-Annes wenige Vorzüge darlegen wollte, völlig aus dem Konzept brachte. Gemeinsam drehten sie sich ein paar Mal im Kreis und Mac wurde beinahe schwindlig, als er versuchte, den älteren im Auge zu behalten.

"Was?"

Methos prüfte mit sicherem Blick einen Platz dicht über MacLeods Kopf und nickte schließlich erleichtert seufzend. Dann ließ er den Schotten stehen und fläzte sich wieder auf die Couch. Lange Beine wurden unzeremoniell wieder auf dem Couchtisch abgelegt und schlanke, feingliedrige Hände sortierten das Kabel des Kopfhörers, wobei Methos Duncan nicht einmal mehr eines Blickes würdigte sondern still und befriedigt vor sich hin grinste.

"WAS?"

"Ach nichts. Gar nichts", kam es in einem leisen Singsang zurück, der beinahe an ein zufriedenes Schnurren erinnerte.

"Methos, Du machst mich heute wahnsinnig. Zuerst die Socken und dann rennst Du um mich herum wie ein Verstörter und schaust über meinen Kopf. Was ist?"

"Ach, ich habe nur nachgeschaut, ob die Damoklesmotte schon über Dir schwebt."

MacLeod öffnete den Mund und schloss ihn wieder mit einem deutlich vernehmbaren >Klapp<.

"Die was?"

"Damoklesmotte."

"Aha?"

MacLeod umrundete die Couch und setzte sich neben Methos.

Sein Blick forderte eine Erklärung und Methos begann, seine Fabel von der Damoklesmotte zu spinnen: "Du kennst doch das sogenannte Damoklesschwert, ja?"

Duncan nickte.

"Ok, die Damoklesmotte ist so etwas ähnliches wie das Damoklesschwert. Mittlerweile ist diese spezielle Art glaube ich ausgestorben, aber früher, als man noch die bengalische Wurfzitter zur Jagd benutzte, war sie sehr häufig. Wenn also so eine Damoklesmotte für längere Zeit über dem Kopf eines Frischverliebten schwebte, stand sein Schicksal bereits fest. Es hieß, dass man dazu bestimmt war, bald verheiratet zu werden, wenn es dieses Ritual auch damals noch nicht in der Art gegeben hat, wie wir es heute kennen... Darum...Ich...Ich wollte nur mal nachschauen,...so aus Neugier... war aber keine da,-...davon mal ganz abgesehen, dass sie sowieso ausgestorben sind...aber man weiß ja nie."

MacLeod musterte Methos mit einem Blick, der deutlich zeigte, für wie wahr er diese Geschichte hielt.

"Mac, es ist nur so etwas wie ein Omen. So, wie Du wahrscheinlich in Deiner Kindheit gelernt hast, schwarze Katzen und Hexen zu fürchten."

"Bengalische Wurfzitter?"

"Oh,- ja, das war was feines. Mit diesem Ding konnte man wie mit einem Bumerang jagen, es als Waffe im Nahkampf einsetzen, Musik machen und auch als Küchengerät zum Eierschneiden und Käse hobeln war die bengalische Wurfzitter hervorragend geeignet. Ein echtes Multitalent. Leider gibt es niemanden mehr, der sie heutzutage noch herstellen kann. Schade, wirklich schade. Wenn ich es mir recht überlege...damit ließe sich mit Sicherheit jede Menge Geld bei einem dieser Shoppingkanäle machen."

Methos Gesichtsausdruck verklärte sich, als in seinen Gedanken alte Zeiten wieder auflebten und neue Einnahmequellen sich erschlossen. Im Geiste sah er bereits den Moderator von "Amazing discoveries" die bengalische Wurfzitter anpreisen und Realität und Träumerei vermischten sich. Er sah sich im Geiste als den Moderator und gefeierten Star der Werbesendungsbranche und Mary-Anne gab das ahnungslose Opfer.

"Mary Anne- Ich habe viel über Ihre Stimme nachgedacht... und nun habe ich hier das absolut passende Begleitinstrument für Sie gefunden. Die Bengalische Wurfzitter."

Ein Aufjubeln des Publikums, als Barbie...ähem...Mary-Anne das Instrument zum ersten Mal in die Hand nahm und mit ihrer schrillen Stimme ein Countrylied anstimmte, zu dem sie sich nach einer kurzen Anleitung schon selbst auf der Wurfzitter begleiten konnte. Amazing!

Methos lächelte zufrieden in sich hinein und kehrte nur ungern in die Wirklichkeit zurück.

Wie sehr wünschte er sich, Mary-Anne in eine Endlosschleife des Universums schicken zu können, wo sie endlos Countrylieder auf der Wurfzitter spielen konnte und niemals mehr einen Finger an seinen Duncan legen würde. Leider unmöglich.

Stattdessen würde sie den Abend mit seinem Traummann verbringen. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm.

Er seufzte und fuhr fort: "Jaja, diese bengalische Wurfzitter war einfach ein Traum. Habe ich Dir schon erzählt, dass man auf ihr auch hervorragend Musik machen konnte? Es war so ein Mittelding zwischen Banjo und Ukulele mit einem guten Schuss Contrabass in den tieferen Oktaven. Phantastisch. Leider war sie ein bisschen unhandlich, sperrig geradezu..."

MacLeod schüttelte den Kopf und rieb sich die Schläfen.

Methos in erzählseliger Laune war etwas, das viel zu selten passierte. Auch wenn er genau wusste, dass der ältere furchtbar gern Geschichten erfand, wahre Begebenheiten ausschmückte, Dinge wegließ oder nach Stimmungslage dazudichtete, liebte er es einfach, der sonoren, kultivierten Stimme zuzuhören.

Schade, dass er schon verabredet war.

Mary-Anne...eigentlich alles andere als sein Typ. Methos hatte schon Recht, wenn er sie schrill nannte.

Wie viel lieber hätte er heute Abend weiter Methos' wundervoller Stimme gelauscht, den Kopf auf die breite Brust gebettet, die langen, schlanken Finger des Mannes in seinem Haar, den beruhigenden, starken Herzschlag im Ohr, den süßen Atem auf seiner Haut... Duncans eigenes Herz schlug bei dem Gedanken schneller.

Plötzlich drängten sich andere Bilder völlig unaufgefordert in seine süßen Gedanken und weckte in ihm Gefühle, die in diesem Augenblick gänzlich unangebracht waren.

Methos mit Seidenbändern an sein Bett gefesselt, -der nackte, schlanke, schweißglitzernde Körper hilflos der chinesischen Kerzenfolter ausgeliefert, bevor sie gemeinsam .....uuuuuuh//Moment mal! Stop! Haaaalt!//

***********????????????****************

Seine Gedanken kamen schwer atmend mit quietschenden Reifen zum Stehen. Wo war dieses Bild jetzt gerade hergekommen?

MacLeod errötete sacht.

Seit Methos sich auf der Suche nach einer neuen Wohnung bei ihm einquartiert hatte ließen ihn diese Art Gedanken kaum noch zur Ruhe kommen. Sie überfielen ihn spontan und ohne Vorwarnung in den unmöglichsten Situationen. Nicht, dass er nicht schon früher solche Gedanken im Stillen gehegt und gepflegt hatte, doch mit der Zeit wurde diese kleine Obsession lästig.

Methos' Ausspruch eben und seine merkwürdige Eifersucht trugen nicht dazu bei, MacLeod von diesen Hirngespinsten abzulenken. Im Gegenteil. Es war, als hätte Methos Öl auf ein schwelendes Feuer gegossen.

In letzter Zeit hatte MacLeod beinahe erschrocken die Feststellung gemacht, dass er mit Methos lieber zusammen war, als mit all den Frauen, mit denen er sich in den letzten Monaten verabredet hatte. Er fühlte er sich mehr und mehr zu seinem Freund hingezogen und Mary-Anne diente ihm, so musste er sich eingestehen, nur als eine weitere Ausrede, um sich diesem Problem noch nicht stellen zu müssen, das da so großlinig und mit breitem Lächeln auf seiner Couch residierte. Wie konnte jemand in Jeans und ausgeleiertem Sweater nur so sexy aussehen?

"Duncan? Hörst Du mir zu?" Goldgrüne Augen musterten ihn neugierig und MacLeods Gesichtsfarbe vertiefte sich.

"Uuuh, was hast Du gesagt? Ich war gerade mit den Gedanken woanders."

"Das habe ich gemerkt. Ich fragte, ob Du Dich in diesem Jahr zu den Feng-Shui-Weltmeisterschaften angemeldet hast?" //Wie sind wir jetzt auf dieses Thema gekommen. Hab ich was verpasst?//

"Ich? Nein. Ich mag dieses Kampfdekorieren um Punkte nicht. Alles Humbug. Das wahre Feng-Shui hat in einem Wettbewerb nichts zu suchen. Es ist eine Geisteshaltung." Ehe MacLeod jedoch weiter ausholen konnte und das Thema der fernöstlichen Weisheiten noch vertiefen konnte, klopfte es an der Tür. "Oh, nein, sie ist schon da. Tu mir den Gefallen und mach auf, ich muss noch rasch ins Bad und...na ja, ich ziehe denn mal die anthrazitfarbenen Socken an."

Und schon war MacLeod mit einem energischen Rums der Badezimmertüre von der Bildfläche verschwunden und überließ Methos das Feld.

"Du lässt Dich von ihr abholen???", fragte dieser noch verdutzt den Platz auf der Couch, auf dem gerade noch sein bester Freund gesessen hatte.

Es klopfte noch einmal, diesmal kräftiger und Methos erhob sich schließlich graziös und schlenderte zur Tür.

//MacLeod, das war ein strategischer Fehler. Jetzt bin ich mit ihr allein und sie hat keine Chance, das arme Ding.//

Mit Schwung öffnete er die Tür und präsentierter ganz und gar den höflichen Gastgeber.

Ein Blick genügte, um ihre Aufmachung zu katalogisieren und er bemerkte, wie seine Muskeln sich verkrampften.

Die junge Blondine trug ein enganliegendes, schwarzes Schlauchkleid, das ihre Kurven hervorhob, die Haare waren kunstvoll hochgesteckt mit dem rechten Maß Unordnung, um nicht streng zu wirken und das Make-up betonte die puppenhaften Züge mit dem etwas zu breiten Mund.

Hohe Lackschuhe vervollkommneten das Bild von Sünde pur.

"Mary-Anne! Schön, Sie zu sehen. Kommen Sie doch herein. Duncan ist noch nicht ganz fertig. Wir hatten eine kleine Diskussion und darum hat er sich ein bisschen verspätet. Sie sind mir doch hoffentlich nicht böse, meine Liebe?"

Mary-Anne betrat den Raum, als wäre sie hier zuhause und lächelte nur.

"Mr. Pierson, wie könnte ich Ihnen böse sein."

Unaufgefordert schlenderte sie mit wiegenden Hüften zur Couch, schubste Methos' Walkman beiseite, dass er auf den polierten Holzfußboden knallte und die Batterien heraussprangen. "Oh, tut mir leid."

Achtlos legte sie sein Buch auf den Tisch, wobei sie die Seite, die er gerade gelesen hatte, verschlug und nahm schließlich seinen Platz ein.

Methos schluckte und schäumte innerlich vor Wut.

Das bedeutete Krieg.

 

"Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?"

"Oh, ja. Haben Sie ein Mineralwasser für mich?"

"Aber natürlich."

Methos besorgte rasch das Gewünschte und ließ sich dann neben der Frau nieder, die, das wusste er genau, nicht mehr lange seinen Platz einnehmen würde.

Lächelnd begann er den Smalltalk, den man von ihm erwartete.

"Hübsches Kleid, Mary-Anne."

"Oh, vielen Dank Mr. Pierson."

"Nennen Sie mich doch einfach Adam."

"Adam."

Mary-Anne nippte höflich an ihrem Mineralwasser und lächelte gezwungen.

"Mary, ich möchte ja nicht unhöflich sein, aber denken Sie, Ihr Kleid kann von Ihrer grausigen Frisur ablenken? Es sieht so aus, als hätten Sie Ihr Haar mit Elektroschockern bearbeitet. Wirklich. Vielleicht möchten Sie sich ja, bevor Duncan aus dem Bad kommt, noch einmal etwas besser zurechtmachen. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich will ja nur Ihr bestes. So einen Mann lässt man sich ja nur ungern wegen einer solchen Kleinigkeit durch die Lappen gehen."

Mary-Anne musterte ihn entsetzt und sah nur pure Besorgnis und Unschuld in seinen glitzernden, bodenlosen Augen.

"Meinen Sie wirklich?"

Methos nickte ernst.

"Ist es wirklich so schlimm?"

Wieder nur ein ernsthaftes Nicken mit zusammengepressten Lippen. Methos betrachtete noch einmal das aufgetürmte Haar und holte zum Tiefschlag aus.

"Ich sage nur eins: mit einem Schaf wäre das nicht passiert."

"Waaaas? Unverschämt."

Mary-Anne zog einen Flunsch und bedachte ihren gar nicht mehr so höflichen Gastgeber mit einem Blick, der hätte töten können.

Methos starrte zurück, ohne mit der Wimper zu zucken und leitete das nächste Manöver ein.

"Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Entschuldigung. Ich finde nur, dass Sie mit offenen Haaren und weniger Make-up hübscher aussähen. Aber ich verstehe ja, wenn Sie sich für einen Mann wie Mac so zurechtmachen. Sie sind wirklich wunderschön und haben eigentlich etwas besseres verdient. Ich denke, Sie suchen eine feste Beziehung, hm?"

Mary-Anne schaute zur Seite. Waffenstillstand.

"Mary, ich-...ich möchte nicht, dass Sie enttäuscht werden. Duncan wird niemals heiraten. Machen Sie sich keine falschen Hoffnungen. Das alles hängt mit einer Sache zusammen, die vor langer Zeit passiert ist."

Die Blondine betrachtete ihn wieder mit deutlich mehr Interesse. Klatsch war etwas, dem sie immer aufgeschlossen gegenüber stand.

"Vor einigen Jahren sollte er heiraten, als er die Tochter eines Pfarrers verführt hatte und dabei erwischt worden war. Seine Tante MacGrönhoff, ein schwarzes Schaf in der Familie MacLeod, denn eigentlich ist Tante MacGrönhoff ein Mann und ein Priester noch dazu, und sein Onkel Connor hatten schon alles vorbereitet. Einladungen waren geschrieben, ein Saal für die Feier gemietet und so weiter, da überlegte es sich Duncan anders. Die Frage war jetzt noch: Wie sag ich's dem Pfarrer? Er erfand eine Geschichte über ein finsteres Geheimnis und dass ihm ein Fluch verbieten würde zu heiraten. Wenn er dem entgegen handelte, würde seine Frau ein früher Tod ereilen. Nach einigem Hin und Her antwortete der Pfarrer: >Das ist ja mystisch< und gab sich schließlich zufrieden. Alles reiner Aberglauben, aber man war besser vorsichtig."

"Ich verstehe nicht, was diese kleine Notlüge mit mir zu tun hat?"

"Wissen Sie, meine Liebe. Ich sollte das eigentlich nicht erzählen, aber Sie liegen mir wirklich am Herzen. Vielleicht bin ich auch ein klein wenig eifersüchtig auf MacLeod, aber glauben Sie mir. Es wäre besser, ihn nicht mehr zu treffen." Er senkte seine Stimme dramatisch und näherte sich ihrem Ohr, als er ihr zuraunte: "Kurz nach diesem Ereignis geschah es, dass eben dieser Fluch über ihn gesprochen wurde. Eine Zigeunerin weissagte ihm, dass er niemals heiraten würde. So weit ich weiß, sind schon ein paar Mädchen, die mit ihm längere Zeit zusammen waren, krank geworden und erst wieder gesundet, als sie ihn verlassen haben."

"Ach was. Alles reiner Aberglaube."

Methos holte tief Luft. Was jetzt kam war nicht fair und nicht fein, aber er wusste sich nicht mehr anders zu helfen. In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt.

So holte er mit zusammengebissenen Zähnen zum finalen Schlag aus: "Ach ja? Meinen Sie? - Die Frau, die er heiraten wollte, wurde erschossen... Sagen Sie ihm niemals, dass sie es von mir wissen, bitte. Er wird mir die Freundschaft kündigen und dann hätte er niemanden mehr."

// Entschuldige, Tessa, aber ich kann ihn nicht an eine solche Frau verlieren, wo wir uns doch gerade erst näher kommen. Ich liebe ihn. Verzeih mir bitte. //

"Ohh", hauchte Mary-Anne mit großen Augen.

"Ich warne Sie nur. Sie gehen jetzt schon zum vierten Mal mit ihm aus. Das könnte etwas ernsteres werden. Ich möchte nicht, dass Sie sich unnötig in Gefahr begeben."

Liebevoll drückte er ihre Hand und schaute ihr ehrlich besorgt in die Augen. "Ich bin sein bester Freund und er tut mir wirklich leid. Aber auf der anderen Seite kann ich Sie nicht in Ihr Unglück rennen lassen. Das würde ich mir nie verzeihen."

In diesem Augenblick trat Duncan aus dem Badezimmer und räusperte sich vernehmlich.

Jeder Zentimeter ein perfekter Gentleman. Das ebenholzfarbene Haar hatte er im Nacken mit einer Silberspange zusammengefasst, schwarze, sündhaft teure Designerhosen umspielten die kräftigen, wohlgeformten Beine, ein cremefarbener Seidenstrickpullover betonte unaufdringlich seine goldene Hautfarbe und hob seine breite Brust und die schmale Taille hervor.

Methos blieb fast das Herz stehen und ein Seitenblick auf Mary-Anne zeigte ihm die gleiche Reaktion.

Vielleicht spielte bei ihr auch noch ein anderer Grund eine Rolle.

"Mary-Anne. Wie schön." Duncan neigte sich über ihre Hand und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken.

Sie errötete und warf Methos einen beinahe panischen Blick zu.

"Unterhaltet Ihr Euch gut?"

"Ich habe Mary gerade erzählt, dass Du im Ehrenvorstand der Pfadfinder bist."

Zu Mary-Anne gewandt fuhr er fort: "Und, ist das nicht ein wundervoller Zufall? Die Pfadfinder sind sogar in Duncans Heimat Schottland, genauer gesagt in Glasgow 1908 von Sir Robert Baden-Powell gegründet worden. Es gibt schon * Zufälle* im Leben...ts"

Grüne Augen fanden entsetzte blaue Augen und Methos nickte duster.

Den Austausch bemerkend schaute MacLeod irritiert von Methos zu Mary-Anne und zurück.

Mary-Anne schluckte. Dann erhob sie sich und näherte sich der Tür.

"Duncan, ich habe eben einen Anruf von meinem Exmann bekommen. Ich glaube, wir finden wieder zueinander. Bist Du mir sehr böse, wenn ich im Augenblick lieber nicht mehr mit Dir ausgehen möchte? Ich weiß es kommt recht kurzfristig, aber Du weißt ja, wie sehr mich die Trennung getroffen hat und jetzt könnte sich alles wieder einrenken...Es - tut mir leid."

Mit diesen Worten drehte sie sich auf dem Absatz um und flüchtete panisch von Bord.

Methos versteckte sein befriedigtes Grinsen hinter dem Buch, das er vorgab, zu lesen.

Duncan stand nur wie vom Donner gerührt in der Mitte des Raumes und starrte auf die geschlossene Tür.

"Sie hat gar kein Mobiltelefon. Das ist ja merkwürdig."

Ein leiser unterdrückter Laut, der vage an ein Kichern erinnerte, aus Richtung Couch holte Duncan zurück aus seiner Erstarrung.

"Methos? Möchtest Du vielleicht etwas dazu sagen?"

Der angesprochene schaute auf. Er versuchte unschuldig und unbeeindruckt zu schauen, doch es gelang ihm nicht, als er Duncans Gesichtsausdruck bemerkte.

"Nein", sagte er schlicht.

"Wirklich nicht?"

Methos schluckte hart und musterte das Buch in seinen Händen, die plötzlich so kalt waren.

Aus dem geplanten harmlosen Scherz war mehr geworden und sein Freund wirkte wirklich getroffen.

//Mist! Hätte ich mich bloß nicht hinreißen lassen. Aber ich halte das nicht mehr aus. Immer ist er umgeben von schönen Frauen. Er sieht mich einfach nicht.//

"Methos?"

Als der angesprochene das nächste Mal aufschaute, sah er sich mit einem Schotten konfrontiert, der vor der Couch hockte und ihm jetzt auf Augenhöhe kaum 10 Zentimeter von seiner Nasenspitze entfernt in die Augen starrte.

Breite Hände legten sich auf seine Schultern und zwangen ihn mit sanftem Druck, sitzen zu bleiben und sich der Frage zu stellen.

"Ich..."

"Jaaa?"

"Ich weiß nicht..."

"Methos, ich habe alles gehört." Duncans Stimme war leise und eindringlich.

//Oh mein Gott! Mir wird schlecht. Jetzt ist alles aus. Keine Freundschaft mehr, niemals Liebe, kein Duncan...//

Methos Herz raste panisch, seine Augen füllten sich mit ungewollten Tränen.

//Verflixt. Warum muss immer ich in die Fettnäpfchen treten und Duncan's Vertrauen zu mir total zerstören. Dumm, dumm, dumm!//

"Ja? Dann hast Du ja Deine Antwort", die Entgegnung klang schnippisch, wie gewollt.

"Was ich wissen möchte ist: Warum?"

Methos versuchte die Augen zu senken, doch MacLeods Blick hielt ihn gefangen.

Die Hitze der Hände auf seinen Schultern strömte durch seinen dünnen Sweater und all seine Sinne füllten sich mit Duncan. Der Duft, der von ihm ausging, die dunklen Rehaugen, die ihn beobachteten, der Atem des Mannes, den er über seine seiner Haut streichen spürte. Gänsehaut überzog seinen ganzen Körper, nur weil Duncan ihm so nah war.

Atmen wurde zur Qual und er schloss seine Augen, um dem intensiven Blick auszuweichen, der ihn fixierte.

Sein Gehirn versuchte, einen Ausweg zu finden, um nicht die Wahrheit sagen zu müssen, doch rannte in jeder Richtung gegen eine Mauer. Er war eingekesselt und es gab keinen Weg mehr, das Unvermeidliche aufzuschieben.

Zögernd öffneten sich Methos Augen und ihre Farbe veränderte sich vor Duncans Augen von Dunkelgrün zu Bernsteinfarben, als könne Methos willkürlich darauf Einfluss nehmen.

"Duncan..."

MacLeod hielt die Luft an. Methos benutzte seinen Vornamen nur überaus selten. Eigentlich nur, wenn etwas wirklich wichtiges geschah...so wie jetzt?

"Duncan, ich weiß, es war unfair. Sei mir bitte nicht böse. Ich,...ich war eifersüchtig. Ich halte das nicht mehr aus. Du liebst diese Frau nicht ein bisschen und trotzdem bist Du mit ihr zusammen. Seit - langer Zeit schon hoffe ich, dass Du mich einmal bemerkst, dass Du mitbekommst, wie ich für Dich empfinde, und ich habe wirklich geduldig gewartet, aber niemals hast Du ..."

MacLeods Hände wanderten zu den Seiten des schmalen, traurigen Gesichtes und Daumen strichen zart über die scharf geschnittenen Wangenknochen.

"Darum greifst Du zu so unfairen Mitteln? Du hättest es mir einfach sagen können, weißt Du?"

"Hum. Ich dachte nicht, dass Du enthusiastisch darauf reagieren hättest, wenn ich Dir meine unsterbliche Liebe erklärt hätte. Du hast ja nicht mal mitbekommen, dass ich mit Dir geflirtet habe. Und ich war wirklich nicht sehr subtil."

"Liebe? Unsterbliche Liebe? Wirklich?"

Ein Zeigefinger fand die schmalen Lippen und zeichnete sie vorsichtig nach.

"Oh, und ich habe es gemerkt, Methos. Ich wusste nur nicht, wie ich reagieren sollte. Meine Erfahrung mit Männern, die mit mir flirten, ist eher begrenzt. Weißt Du, und Du bist so alt, dass es ja hätte ja sein können, dass das nur so eine Marotte von Dir ist, diese Flirterei. Ich wollte unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzen. Und ehrlich gesagt habe ich mir selbst erst vor kurzem eingestanden, dass ich mehr für Dich empfinde, als Freundschaft. Das ganze ist nicht einfach für mich. Zu akzeptieren, dass ich mich in einen Mann verliebt habe. Und nicht nur in irgendeinen Mann, nein! Es muss der älteste unserer Art sein, ein Mann, der schon so viel in seinem Leben mitgemacht hat, der so viel erlebt hat, dem schon so viel angetan wurde, dass ich mir dagegen vorkomme, wie ein Kind."

Methos sog scharf die Luft ein und er fühlte, wie sich der Stahlgürtel, der sich um sein Herz gelegt hatte, als sie diese Konversation begonnen hatten, löste und verschwand und dafür Wärme sein ganzes Inneres flutete.

"Duncan?"

Ein Arm stahl sich um Methos Taille, eine Hand legte sich sanft in seinen Nacken und er fühlte sich vorwärtsgezogen. Weiche Lippen berührten sich und eine schüchterne Zunge leckte zärtlich fragend an seiner Unterlippe, bat um Einlass und katapultierte seine Empfindungen von 0 auf hundert im Bruchteil einer Sekunde.

Mit einem hilflosen Seufzen öffnete Methos seine Lippen, lange Arme legten sich um Duncans Schultern und clevere Finger öffneten die silberne Spange, die unbeachtet zu Boden fiel.

 

************

 

Etwas später : "Methos?"

"Hmhm?"

"Heute Abend...Du hast da vorhin so etwas von Seidenbändern erwähnt."

Methos wandte sich ihm zu und stützte sich auf den Ellenbogen.

"Ja? Und?"

"Und Kerzen?"

"Jaaa?"

"Hast Du schon einmal von der chinesischen Kerzenfolter gehört?"

"Oh ja."

"Und? Interesse?"

"Vielleicht irgendwann einmal, ja? Nicht gleich morgen. Es gibt vorher noch so viel neues zu entdecken. - Aber viel lieber wäre mir jetzt, wenn Du mich einfach in den Arm nehmen würdest und wir erst mal ein bisschen schlafen könnten."

Duncan lächelte zufrieden und kam der Bitte nur zu gerne nach.

Irgendwann, hatte Methos gesagt. Das hieß: Er würde bleiben und nicht am Morgen verschwunden sein.

Seufzend kuschelte sich Duncan näher an den warmen Körper seines Geliebten.

Methos...

Das war sein letzter Gedanke, bevor er einschlief.

//Methos liebt mich.//

 
Ende

 
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