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Synergie© by Moondancer ()
Paris im Jahre 2000
Nebelschwaden zogen über den Fluss, trübe Straßenlaternen versuchten vergeblich die Dunkelheit zu durchdringen. Das Hausboot lag ruhig auf dem unbewegten schwarzen Wasser und nur ein kleiner Fleck gelblicher Helle ließ darauf schließen, dass sich drinnen jemand aufhielt. Duncan MacLeod saß im Licht einer kleinen Schreibtischlampe über einem Haufen Bücher und wunderte sich, wie viele Tatsachen von den Geschichtsschreibern verdreht, vertuscht oder komplett verschwiegen wurden. Seit er den Job des Lektors für einen Verlag für historische Sachbücher übernommen hatte, gewann er immer mehr die Überzeugung, dass die Geschichte der Menschheit eigentlich neu geschrieben werden müsste. Leider konnte er mit seinen Detailkenntnissen nicht allzu sehr für Aufklärung sorgen. Denn wenn man ihn nach seinen Quellen fragte und seine ehrliche Antwort würde lauten: "ich bin dabei gewesen", nahm ihm das auf Dauer wohl niemand ab. So versuchte er den Spalt zwischen Wahrheit und Dichtung so klein wie möglich zu halten, ohne unnötig aufzufallen.
Er fragte sich gerade, wie er die Beschreibung des Sturms auf die Bastille korrigieren sollte, als er den Buzz spürte. Er erwartete niemanden. Augenblicklich war er hellwach, alle seine Muskeln aufs äußerste gespannt, griff er automatisch nach seinem Katana. Geräuschlos glitt er zur Tür und postierte sich mit abwehrbereitem Schwert, um den Eindringling zu empfangen. Eine endlose Minute lang herrschte Stille, dann näherten sich leise Schritte der Tür. MacLeod überprüfte noch einmal seinen Standpunkt, atmete tief ein, er war bereit. Die Tür wurde geöffnet, MacLeod machte einen Schritt nach vorne als er sprach: "Ich bin Duncan..." "Ja, ja, das weiß ich doch alles," fiel ihm sein Gegenüber lakonisch ins Wort. "Connor...? Connor!" Überrascht ließ MacLeod das Schwert sinken und umarmte seinen alten Freund und Lehrmeister. Connor MacLeod trat ein und warf einen prüfenden Blick in die Runde. "Nett hast du's hier, aber wann haben sie dir denn deine Möbel geklaut?" Duncan folgte Connors Blick über seine spartanische Einrichtung und erwiderte grinsend: "Sie wurden nicht geklaut, es gefällt mir so. Kein überflüssiger Ballast, weißt du?" "So, so," brummelte Connor, "na ja, wir machen alle mal seltsame Phasen durch." "Nun komm doch erst mal rein, möchtest du was trinken? Allerdings kann ich dir nur Tee anbieten." "Nun, wenn es denn gar nichts anderes gibt. Tee wird mich schon nicht umbringen." Antwortete Connor nicht besonders erfreut, als er sich umständlich auf eines der Sitzkissen niederließ. Duncan machte sich an seinem kleinen Küchentresen zu schaffen, um den Tee zu bereiten und Connor wartete ergeben. "Ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich nach so kurzer Zeit schon wieder bei dir auftauche?", fragte er, als Duncan ihm seinen Becher brachte. "Nach so kurzer Zeit? Das letzte mal liegt fast zehn Jahre zurück!", erwiderte Duncan. Er konnte sich noch sehr gut daran erinnern wie Connor in den Antiquitätenladen gekommen war, kurz nach dem der riesige Slan Quince eingedrungen war und für eine Menge Aufregung gesorgt hatte. "Na, das sag ich ja, nach so kurzer Zeit." Connor probierte vorsichtig von dem Tee und seine Miene machte jeden Kommentar überflüssig. "Was ist eigentlich aus diesem Grünschnabel von damals geworden? Richie hieß er, glaube ich. Du wolltest dich doch ein wenig um ihn kümmern?" Duncan nickte. "Ja, das habe ich auch - mehr oder weniger gut." Was Richie anging, gab es einige Erinnerungen, die er lieber vergessen wollte. "Aber es geht ihm gut, er ist in New Mexico und genießt sein Leben." "Gut, gut, und ist er bereits..., ich meine..." druckste Connor etwas herum. "Du meinst, ob er inzwischen ganz zu uns gehört? Ja, allerdings, er ist bereits gestorben, um genau zu sein, sogar schon mehrmals. Aber seine freche Klappe hat er nach wie vor," lachte Duncan und Connor fiel mit ein. Er erinnerte sich an den Jungen, der mitten im Laden gestanden hatte, als sich direkt vor dessen Augen gleich drei Unsterbliche ein Stelldichein gegeben hatten, auf den Mund gefallen war er tatsächlich nicht. "Und was ist mit der hübschen Lady, der kleinen Tessa?", erkundigte sich Connor weiter. Duncans Lächeln verschwand schlagartig. Er senkte den Kopf und versuchte gegen die Trauer anzukämpfen, die ihn jedesmal wieder überfiel, wenn er an Tessa dachte. Leise sagte er: "Sie gehört leider nicht zu uns." Er fühlte wieder, wie sie in seinen Armen lag, als sie von einer Kugel getroffen starb, fühlte wieder die gleiche Verzweiflung und die grenzenlose Wut über seine eigene Hilflosigkeit. "Das tut mir leid, Duncan." Auch nach Hunderten von Jahren der Lebenserfahrung fiel Connor nichts besseres dazu ein. Er wusste, dass es keine Worte in welcher Sprache auch immer gab, die stärker waren als die Trauer. Nach einem Moment des Schweigens versuchte Duncan schließlich, die dunklen Erinnerungen fort zu schütteln und probierte es mit Ablenkung. "Aber was ist mit dir, Connor? Du kommst doch nicht einfach so auf einen Tee hier vorbei, es muss doch noch einen anderen Grund geben?" Connor starrte einen Moment in seine Tasse, bevor er ernst antwortete: "Die große Zusammenkunft rückt näher." Duncan nickte nachdenklich. "So ist das Spiel." "Ja, nur das diesmal jemand die Spielregeln dabei anscheinend völlig außer acht lässt," erwiderte Connor in bitterem Tonfall. "Was meinst du damit?", fragte Duncan wachsam geworden. "Ich meine damit, dass in den letzten Jahren außergewöhnlich viele von uns verschwunden sind und das zum Teil unter sehr mysteriösen Umständen." "Sind die Umstände bei einer Zusammenkunft nicht immer etwas mysteriös?" Connor verzog das Gesicht und erwiderte, als wenn er zu einem Begriffsstutzigen sprechen würde: "Ich meine, auch für unsere Maßstäbe merkwürdig, wie Zusammenkünfte auf heiligem Boden zum Beispiel." "Was??" Duncan war schockiert. Und Connor hatte es auch gar nicht anders erwartet. Doch für Duncan gab es noch einen zusätzlichen Grund schockiert zu sein, von dem Connor nichts ahnen konnte, denn er kannte die Geschichte von Horton nicht. Duncan dagegen hatte sich zu lange mit dem kaltblütigen Mörder von Darius und unzähligen anderen Unsterblichen auseinandersetzen müssen, um nicht sofort an ihn zu denken. Das war eindeutig Hortons Handschrift. Aber er war tot, oder? "Bist du sicher, dass es ein Unsterblicher war?", wollte er wissen. Connor schien die Frage zu überraschen, doch er antwortete: "Sicher? Nun ja, ich war nicht dabei, wenn du das meinst. Es ist nur ein Gerücht. Aber wer sollte es sonst sein? Welcher Sterbliche hat schon ein Interesse an unseren Köpfen?" Duncan schnaubte: "Du würdest dich wundern! Aber das ist eine andere Geschichte. Was weißt du noch über diese Fälle?" "Im Grunde nicht besonders viel. Tatsache ist, dass es kaum noch jemanden von uns gibt, und dass einer von uns systematisch und in irrsinniger Geschwindigkeit dabei ist, alle zu töten. Ehrlich gesagt, hatte ich gehofft, du wüsstest noch etwas mehr darüber, aber offensichtlich bekommst du hier nicht besonders viel mit?" Connors Blick schweifte wieder durch das Boot. Duncan zuckte mit den Achseln und erwiderte fast entschuldigend: "Das mag sein, ich versuche mich im Moment ein bisschen rauszuhalten." "Wieder einmal?" Fragte Connor provozierend. "Ich habe meine Gründe." Duncan wollte nicht darüber sprechen, nicht jetzt. "Es ist wirklich wichtig," drängte Connor, "dieser Unsterbliche hat einige sehr gute Freunde von mir auf dem Gewissen, und er tötet wahllos, egal ob gut oder böse, er scheint seine Opfer nicht einmal zu kennen, geschweige denn, dass er irgendwelchen Streit mit ihnen hatte. Wenn so einer den Sieg davon trägt, dann..." Er sprach den Satz nicht zu Ende. Es war auch nicht nötig. Nach einer Pause sagte Duncan: "Ok, ich kann dir da nichts weiter zu sagen, aber ich kenne jemanden, der dir vielleicht weiterhelfen kann. Gehen wir zu ihm."
Als sie die Bar betraten, bekamen sie von dem Mann, der die Stühle hoch stellte sofort ein: "Tut mir leid, wir haben bereits geschlossen," zu hören. "Heißt das etwa, wir sollen morgen wiederkommen?", fragte Duncan spöttisch. Der eben noch so müde Ausdruck auf dem Gesicht des Mannes mit den kurz geschorenen grauen Haaren wandelte sich in freudige Überraschung. "Mac! Was für eine Überraschung!", rief er aus und kam mit seltsam ungelenken Bewegungen einige Schritte auf die beiden Männer zu. "Was verschafft mir die Ehre?", wollte er wissen und versuchte die Gestalt zu erkennen, die schräg hinter Duncan im Halbdunkeln stand. "Oh, ich wollte dir mal einen alten Freund von mir vorstellen," antwortete Duncan und trat einen Schritt zur Seite. "Connor, das ist Joe Dawson, Joe, das ist Connor MacLeod." Connor trat ein Schritt näher und wunderte sich etwas über den Blick von Dawson, der ihn mit einer Mischung von Überraschung und Wissen ansah. "Connor MacLeod. Nett, Sie kennen zu lernen," sagte Joe schließlich und reichte ihm die Hand. Connor, der sich für einen Moment etwas unbehaglich gefühlt hatte, schlug ein, und registrierte mit Anerkennung den überraschend festen Händedruck, des offensichtlich nicht mehr ganz jungen Mannes. "Tja, dann kommt doch rein," forderte Joe sie auf und ging rüber zur Theke. "Möchte jemand einen Drink?", fragte er und sah dabei Connor an. Der schwieg zunächst und musterte die zahlreichen Flaschen hinter Joe, zumindest war kein Tee dabei. Joe entging der kritische Blick nicht. "Vielleicht davon?" Fragte er und zauberte eine Flasche Glenmoran unter der Theke hervor. Connors Miene hellte sich augenblicklich auf. "Aber gerne," sagte er und fügte mit einem schiefen Grinsen zu Duncan gewandt hinzu: "Gefällt mir dein Freund, er hat wenigstens Geschmack." Duncan zuckte nur lächelnd die Achseln und stellte drei Stühle für sie herunter.
Einen Moment später saßen sie am Tisch und Joe füllte einen Doppelten der bernsteinfarbenen klaren Flüssigkeit in Connors Glas. Als er auch Duncan einschenken wollte, lehnte dieser mit einer Handbewegung ab, was Connor mit einem fassungslosen Blick registrierte. "Gut, dann nicht," sagte Joe nur, und füllte sich einen kleinen Schluck in sein Glas. Es war bereits spät und es war nicht der erste Drink, den er aus Gesellschaft mit Gästen trank. "Joe, um ehrlich zu sein, sind wir noch aus einem ganz bestimmten Grund gekommen," begann Duncan schließlich. "Connor ist da etwas aufgefallen..." Duncan kassierte einen schmerzhaften Tritt an sein Schienbein und einen tiefen warnenden Blick von seinem Clanbruder. Als Antwort zischte er ein "Vertrau mir!" mit einem entschlossenen Blick, der keine weiteren Einwände duldete, zurück. Dann erzählte er Joe alles, was er von Connor erfahren hatte. Als Duncan fertig war folgte eine kurze Pause nachdenklichen Schweigens. Connor rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl herum. Schließlich hob Dawson den Blick von seinem Glas und sagte: "Das hört sich wirklich nach einer ziemlich miesen Geschichte an, aber dabei kann ich dir leider auch nicht helfen." "Genau," warf Connor entschlossen ein und stand auf, "besser wir gehen jetzt." "Setz dich, Connor!", fuhr Duncan ihn an und wandte sich wieder an Dawson. "Joe, das ist alles was wir wissen. Du müsstest uns doch mehr darüber sagen können! Weißt du, was da vor sich geht?", fragte Duncan eindringlich. Dawson schüttelte entschuldigend den Kopf. "Nein, ich habe noch nichts von solchen Auffälligkeiten gehört, tut mir leid." Duncan sah seinen Freund ratlos und ungläubig an. Gut, es war lange her, dass sie sich zuletzt gesehen hatten, aber konnte es wirklich sein, dass ihr jahrelanges Vertrauen dabei verloren gegangen war? Er konnte, er wollte das nicht glauben und hakte noch einmal nach. "Ok, wenn du vielleicht nichts gehört hast, dann aber doch bestimmt deine Leute? So etwas kann doch nicht unbemerkt bleiben, nicht bei den Beobachtern!" Connor der die Unterhaltung schweigend und kritisch verfolgt hatte, stand die Frage ins Gesicht geschrieben, was das nun wieder zu bedeuten hatte, aber er hielt sich zurück. Er versuchte zu ergründen, was da gerade zwischen diesen beiden Männern vorging, von denen er zumindest einen gut zu kennen glaubte, doch langsam bekam er das Gefühl, sich in ihm geirrt zu haben. "Mac," sagte Dawson schließlich und sah ihn beinahe verzweifelt an, "ich würde dir ja gerne mehr sagen können, aber ich kann mich schon glücklich schätzen, dass mich die Organisation überhaupt wieder aufgenommen hat, nachdem ich damals ausgetreten war. Sie haben es allerdings auch nur unter sehr hohen Auflagen getan. Ich muss ihnen zwar alle Informationen liefern, die ich von meinen, übrigens nur noch sehr wenigen Leuten, bekomme, doch sie weigern sich, mir mehr zu sagen, als ich für meine Arbeit wirklich brauche. Die Archive sind für mich gesperrt! Es tut mir wirklich leid." "Nein," erwiderte Duncan leise, "mir tut es leid, ich hatte keine Ahnung, wie sie mit dir umspringen, für einen Moment hatte ich geglaubt, dass du..." Er beendete den Satz nicht, er schämte sich dafür, was er seinem Freund zugetraut hatte. Joe hatte immer zu ihm gestanden und würde es immer tun, er hatte keinerlei Recht daran zu zweifeln. Connor unterbrach sich räuspernd die Stille und sagte: "Ja, dann war es das wohl, vielen Dank für alles." Hatte er gehofft damit die Runde aufheben zu können, so hatte er sich getäuscht. Die beiden anderen taten einfach, als hätten sie ihn nicht gehört und hingen weiter ihren Gedanken nach. Connor hatte sich wirklich selten so überflüssig gefühlt, es gefiel ihm ganz und gar nicht, aber er sah ein, dass er sich weiter in Geduld üben musste. Schließlich war es Dawson, der sich einen Ruck gab und sagte: "Ich werde versuchen, etwas herauszufinden, ich gebe dir Bescheid, sobald ich was weiß." Duncan schüttelte den Kopf. "Ich will dich zu nichts zwingen, Joe! Wenn es für dich zu gefährlich ist..." "Das lass mal meine Sorge sein," unterbrach Dawson ihn, "ich passe schon auf mich auf. Ich werde tun was ich kann, aber versprechen kann ich dir nichts." Duncan nickte und stand schließlich auf. Joe begleitete die beiden zur Tür, wo Duncan ihm die Hand auf die Schulter legte und sagte: "Danke, Joe, und entschuldige bitte, dass ich..." "Schon gut, seht lieber zu, dass ihr hier endlich raus kommt," unterbrach Dawson ihn lächelnd.
Als sie im Wagen saßen folgte unweigerlich das, womit Duncan gerechnet hatte. Connor begann, kaum dass er saß: "Was zum Teufel, ist das da drinnen eben gewesen? Wieso weiß dieser Dawson so viel über uns, hast du ihn mal wieder in alles eingeweiht? Habe ich dir nicht beigebracht, dass unsere Angelegenheiten die Sterblichen nichts angehen? So sind unsere Gesetze und das aus gutem Grund! Und wer oder was sind verdammt noch mal diese Beobachter?" Er sprach das Wort aus als wäre es eine unbekannte Bezeichnung für ein widerliches Insekt. "He, he, Connor, nur eine Frage pro Kandidat, ja! Ich werde es dir ja erklären," versuchte Duncan seinen Lehrer zu beschwichtigen. "Das hoffe ich doch, das ist nämlich kein Spaß, Duncan!" Connor durchbohrte ihn förmlich mit seinen Blicken, es war ihm todernst. "Ok, ich habe Dawson kurz nach Darius' Tod kennen gelernt, und falls es dich beruhigt, ich habe ihm nichts über uns erzählen müssen, er wusste bereits alles." "Das beruhigt mich keineswegs," erwiderte Connor kalt. "Er gehört dieser Organisation von Beobachtern an. Ihre Aufgabe ist es, uns zu beobachten und alles zu dokumentieren, was uns widerfährt. Das geht schon seit Jahrhunderten so, praktisch, seit es Unsterbliche gibt." "Und wieso hatte ich dann keine Ahnung von ihrer Existenz?" "Weil sie sich normalerweise niemals einmischen und alles dafür tun, um unerkannt zu bleiben." "So, so, normalerweise, ja?", eErwiderte Connor und warf Duncan einen schiefen Blick zu. Duncan antwortete seufzend: "Na ja, bei Joe und mir ist alles irgendwie anders verlaufen, als es jemals geplant war. Aber glaube mir, es hat uns schon genügend Schwierigkeiten eingebracht." "Das glaube ich dir unbesehen, aber wieso hast du dich dann jetzt ausgerechnet an ihn gewandt?" "Liegt das nicht auf der Hand? Die Beobachter wissen mehr über uns als wir über uns selber. Wenn irgend jemand Informationen über einen abtrünnigen Unsterblichen hat, dann sie. Ohne Informationen sind wir doch blind und taub. Allerdings hatte ich keine Ahnung, dass Joe nur noch bedingt dazu gehört." "Und nun? Hast du noch mehr solch praktischer Freunde?" Duncan schüttelte den Kopf. "Nein, leider nicht," antwortete und startete endlich den Motor. "Was ist, willst du mit aufs Boot kommen?" Connor winkte energisch ab und antwortete grinsend: "Oh, nein, danke. Ich habe es mir schon vor langer Zeit abgewöhnt auf Reisstrohmatten zu schlafen. Setze mich einfach an meinem Hotel ab. Ich habe mich da bereits eingerichtet.
Duncan wartete drei Tage auf eine Nachricht von Joe. Drei Tage in denen er auch von Connor weder etwas sah noch hörte. So dass er schon anfing zu glauben, dass er sich alles nur eingebildet hatte, als ihn der Anruf erreichte. Er holte Connor am Hotel ab. Als sie die Bar betraten, rechnete Dawson gerade mit seinem letzten Gast ab. Connor und Duncan nahmen im hinteren Bereich an einem Tisch Platz und warteten, bis Joe ausgestattet mit einer Flasche und Gläsern zu ihnen kam. Aus seiner Hosentasche zog er noch ein paar knittrige Computerausdrucke, bevor er sich leise schnaufend setzte. "Und, hast du was in Erfahrung bringen können?", wollte Duncan ungeduldig wissen. Dawson wiegte den Kopf als er sprach: "Tja, viel ist es leider nicht, aber zumindest kann ich Connors Befürchtungen bestätigen." Er schaute auf seine Papiere, ohne wirklich zu lesen was auf ihnen stand, er hatte sie sich oft genug durchgelesen, um den Inhalt auswendig zu kennen. "Es ist tatsächlich so, dass innerhalb der letzten zehn Jahre außergewöhnlich viele Abgänge zu verzeichnen waren." Duncan verzog das Gesicht, als er das Wort "Abgänge" hörte. "Tut mir leid," verteidigte sich Dawson, "so bezeichnen wir nun einmal euren endgültigen Tod. Jedenfalls waren es sehr viel mehr als in den letzten Jahrzehnten, und was noch auffälliger ist, fast vierzig Prozent davon sind ungeklärt, was soviel heisst, dass der Sieger nicht bekannt ist." "Vierzig Prozent? Das ist verdammt viel, oder?", fragte Duncan nachdenklich. "Allerdings," nickte Dawson, "eine gewisse Dunkelziffer gibt es natürlich immer, wir können eben auch nicht immer und überall zugleich sein, aber die normale Quote liegt bei etwa zehn Prozent." Connor pfiff leise durch die Zähne. Duncan runzelte die Stirn und hakte nach: "Zu diesen "Abgängen" zählen da auch die verschollenen Unsterblichen dazu, von denen man einfach lange nichts gehört hat?" "Nein, es zählen wirklich nur die, die ihren Kopf verloren haben. Es kommt ja immer wieder vor, das Unsterbliche für Jahre von der Bildfläche verschwinden, um dann plötzlich irgendwo wieder aufzutauchen. Du selbst bist dafür ja ein leuchtendes Beispiel," entgegnete Joe. "Ja, darin ist er ganz gut, unser kleiner Freund hier," bestätigte Connor spöttisch, was ihm einen giftigen Blick von Duncan einbrachte. "Aber um noch einmal Tacheles zu reden, von wie vielen Köpfen mehr sprechen wir hier denn nun genau?" Dawson wand sich etwas um die Antwort, schließlich rückte er mit der Sprache raus: "Es sind etwa zehn mal soviel als der übliche Durschnitt." "Zehn mal mehr?" Wiederholte Duncan fassungslos, während Connor ebenso entsetzt murmelte: "Das ist ja noch schlimmer, als ich befürchtet habe." Eine Weile herrschte bedrückende Stille, schließlich fragte Duncan: "Gibt es dabei sonst noch irgendwelche Auffälligkeiten? Irgendwelche Anhaltspunkte, die uns weiter helfen könnten?" Dawson schüttelte den Kopf. "Was ist mit diesem Gerücht, dass er auch auf heiligem Boden tötet?", hakte Duncan nach. "Davon ist mir nichts bekannt, Mac. Und glaube mir, davon hätte selbst ich etwas mitbekommen." Duncan nickte nachdenklich. Ja, das hätte er, vorausgesetzt es handelte sich dabei tatsächlich um einen Unsterblichen. "Joe!?" Duncan lehnte sich vor und ließ die Frage unausgesprochen im Raum stehen, Dawson reagierte mit einem energischen: "Nein, Mac, mehr weiß ich nicht darüber, es sind rein statistische Werte, ohne Einzelheiten, und an die zu kommen war schon schwierig genug." Connor hatte das Gefühl, dass Duncan nach etwas ganz anderem gefragt hatte. Doch er hatte keine Ahnung, was das sein sollte. "Aber so nützen uns die Informationen kaum etwas, wenn wir keinen Namen haben, kein Gesicht, keinen Aufenthaltsort! Das ist, als würde man gegen Schatten kämpfen, ein Phantom jagen," erklärte Duncan verzweifelt. "Gibt es nicht doch eine Möglichkeit an weitere Informationen zu gelangen?", fragte er eindringlich. Dawson schaute lange in sein Glas, schließlich holte er tief Luft und sagte: "Mac, das, was du da von mir verlangst..." "Ich verlange es nicht von dir, Joe, ich bitte dich nur darum," fiel Duncan ihm sanfter ins Wort. "Jedenfalls, dafür kann ich in Teufels Küche kommen, das weißt du!" Duncan nickte grimmig. Nach einer weiteren Pause, in der die Stille nur durch das Summen des Ventilators gestört wurde, erklärte Joe schließlich: "Nichts desto Trotz werde ich es versuchen, ich weiß ja wie wichtig es für dich ist." "Falsch!", mischte sich Connor wieder ein und beugte sich vor, er fesselte Dawson buchstäblich mit seinem Blick als er leise und eindringlich sprach: "Es geht hier keinesfalls nur um uns! Im Grunde kann es uns egal sein, ob wir noch ein Jahrzehnt mehr oder weniger leben. Hier geht es um euch! Um die Menschen! Wenn dieser Unsterbliche die Kraft von uns allen in sich trägt und die ewige Macht erlangt, dann werden Pest, Weltkriege und Terror nur noch blaue Flecken sein, im Vergleich zu dem was dann auf die Menschheit zukommt!" Langsam eiste sich Joe von Connors stechendem Blick los und nickte schließlich. "Das ist wohl wahr," sagte er nachdenklich und nach einer kleinen Pause: "Ok, um an die Informationen gelangen zu können, werde ich tief graben müssen, das kann eine Weile dauern." "Nimm dir alle Zeit, die du brauchst," sagte Duncan, "und vor allem Joe, sei vorsichtig!" Duncan sah Dawson besorgt an, er war hin und her gerissen zwischen dem Verlangen, die Angelegenheit aufzuklären und der Sorge um seinen Freund. Das Gefühl, ihn in Gefahr zu bringen, machte ihn krank, doch er sah keinen anderen Ausweg. "Es wird schon schiefgehen," erwiderte Dawson wieder leicht lächelnd. "Du hörst von mir." Sie waren bereits fast aus der Tür, als Dawson noch einfiel: "Ach und Mac, versuche bitte nicht mich zu erreichen, man kann ja nie wissen." Duncan nickte.
Kurz bevor sie das Hotel erreichten, stieß Connor Duncans Arm an und sagte herausfordernd: "Hey, wie wäre es mal mit einer kleinen Trainingseinheit, hm?" "Jetzt?", fragte Duncan ungläubig zurück, es war kurz vor Morgengrauen und er war langsam müde. "Nein, sagen wir mal, morgen gegen 12 Uhr? Ich habe da ein hübsches ungestörtes Plätzchen entdeckt, etwa 50 Meilen von hier." "Ach, das also hast du die letzten Tage getrieben?", bemerkte Duncan lächelnd. "Nach ungestörten Plätzchen gesucht." "Carpe diem, Duncan, carpe diem!", erwiderte Connor lachend. "Also, morgen um zwölf?" "Morgen um zwölf," bestätigte Duncan.
Es war wirklich ein hübsches Fleckchen, das sie nach einer guten Stunde Autofahrt erreichten. Ein flacher Hügel inmitten von Wiesen und kleinen Waldstücken, von dessen Kuppe aus man einen guten Überblick über die gesamte Umgebung hatte. Duncan erreichte als erster die Anhöhe, die sie zu Fuß erklimmen mussten. Während er auf Connor wartete, genoss er den Ausblick und sog tief die würzige Luft ein. Überrascht stellte er fest, dass er viel zu lange in den Mauern der Stadt gefangen gewesen war, begeistert lauschte er der Stille um ihn herum, die nur hin und wieder von einem Vogel unterbrochen wurde. Schließlich stieß Connor zu ihm und bemerkte, dass er das nächste Mal nicht so viel Kaffee vor der Fahrt trinken würde. "Und, gefällt es dir hier?", fragte Connor überflüssiger Weise. Duncan nickte nur und blinzelte gegen die tief stehende Herbstsonne. "Habe ich mir doch gedacht. Jemand der sich immer nur in kleinen Hausbooten und verräucherten Kneipen aufhält braucht mal etwas Auslauf an der frischen Luft. Aber nun zu, wir sind nicht zum Ausruhen hergekommen," sagte Connor energischer während er sich von seinem Mantel befreite und sein Schwert zur Hand nahm. Duncan grinste und griff ebenfalls nach seinem Katana. Das Spiel konnte beginnen. Bald war die Stille erfüllt vom klingenden Geräusch der aufeinander treffenden Schwerter, Funken glänzten mit den Sonnenstrahlen um die Wette, während Angriff und Rückzug immer schneller aufeinander folgten. Sie tanzten umeinander, sprangen vor und zurück, griffen an und parierten. Keiner gönnte dem anderen einen Zentimeter Boden, keiner ließ den anderen zu nahe an sich heran kommen. Schließlich war es Duncans Schwert, das im hohen Bogen durch die Luft wirbelte, Sekundenbruchteile später fühlte er den kalten Stahl von Connors Schwert an seiner Kehle. Connor grinste ihn außer Atem an und sagte: "Ganz schön eingerostet, Junge!" Dann schubste er Duncan mit dem Ellbogen ins Gras und ließ sein Schwert daneben fallen. Duncan ließ sich lachend und ebenfalls außer Atem auf den Rücken fallen. Connor setzte sich grinsend neben ihn, der Schweiß lief ihm herunter, aber auch er hatte den Kampf genossen. "Es tut gut, mit einem Gegner wie dir zu trainieren," sagte er zu Duncan, "auch wenn deine Leistung heute eher jämmerlich gewesen ist," fügte er noch hinzu, woraufhin Duncan sich mit einer blitzartigen Bewegung über ihn legte und zu Boden drückte. Mit einer Hand Connors Hals umfassend zischte er: "Ich habe lediglich Rücksicht auf dich alten Mann genommen!" Dann ließ er lachend von ihm ab und streckte sich wieder aus. Rücklings auf der sonnengewärmten Erde liegend genoss er das Rauschen seines Blutes in den Adern und horchte dem hämmernden Herzschlag in seiner Brust. Während sich sein Atem langsam beruhigte, fragte Duncan sich, wann er sich zuletzt so gut, so lebendig gefühlt hatte. Doch wenn er ehrlich war, musste er sich eingestehen, dass Connor gar nicht so unrecht hatte, er war wirklich nicht in Form. Als wenn Connor seine Gedanken gehört hätte meinte er: "Jetzt mal ohne Spaß, du warst wirklich schon mal besser." Duncan hatte sich aufgesetzt und nickte nur. "Dein letzter Kampf muss schon eine ganze Weile zurück liegen, sonst hättest du deinen Kopf wohl schon längst verloren," stellte Connor sachlich fest. Duncans Blick schweifte ab als er leise antwortete: "Zumindest mein letzter Kampf mit dem Schwert liegt schon eine Weile zurück," stimmte Duncan ihm nachdenklich zu. Dass er vor fast drei Jahren sein Katana neben Richies Leiche hatte liegen lassen, in der festen Absicht es niemals wieder zu benutzen, wollte er Connor lieber nicht erzählen. Dass er sein Schwert überhaupt wieder an sich genommen hatte, war alleine Dawsons Verdienst gewesen. Joe, ob mit ihm alles in Ordnung war? fragte sich Duncan schuldbewusst, als er darüber nachdachte, dass er hier an diesem unschuldigen Ort seinen Spaß hatte, während Dawson möglicherweise schon mächtig in der Klemme steckte. Es war schon fast unheimlich, als Connor im selben Moment fragte: "Diesem Dawson, was kann ihm eigentlich Schlimmes passieren, falls seine komischen Freunde ihm auf die Schliche kommen, wird er dann strafversetzt oder aus der Organisation rausgeworfen, oder was?" Duncans Züge verhärteten sich als er bitter antwortete: "Er wird erschossen." "Oho, das sind aber harte Sitten in dem Verein," bemerkte Connor spöttisch, aber als er Duncans Gesicht betrachtete fügte er etwas unsicher hinzu: "Hey, das ist doch nicht dein Ernst? Die werden ihn doch nicht wirklich dafür erschießen?" Duncan wandte seinen Blick Connor zu. Es bestand nicht der geringste Zweifel daran, dass er es ernst meinte, als er erklärte: "Sie haben es schon einmal getan." Connor schnaubte: "Komm Duncan, jetzt binde mir keinen Bären auf. Dawson ist keiner von uns, und für einen Erschossenen machte er auf mich doch einen etwas zu lebendigen Eindruck." Duncan holte tief Luft, bevor er sich dazu durchrang etwas Licht ins Dunkel zu bringen. "Es liegt schon ein paar Jahre zurück, da hat die Organisation ihn vor ihr Gericht gestellt, weil er Kontakt zu mir aufgenommen hatte. Er hatte damit gegen ihre wichtigste Regel verstoßen, sozusagen die oberste Direktive in dem Sinne: 'Bleibe immer unerkannt und mische dich nie ein', er wusste einfach zuviel und sie konnten ihm nicht mehr trauen - dachten sie zumindest. Das war für ihn das Todesurteil." "Und wieso haben wir dann gestern noch mit ihm gesprochen?" "Bei seiner Exekution gab es einen kleinen Zwischenfall. Gerade als sie das Urteil vollstrecken wollten, hat ein Unsterblicher mit einem Schnellfeuergewehr dazwischen gefunkt und alle Teilnehmer getötet, nur Joe hatte das unglaubliche Glück lediglich verwundet zu werden. Methos war es, der ihn wieder gesund gepflegt hatte." "Und du warst der Unsterbliche mit dem Gewehr!", schlussfolgerte Connor, doch Duncan schüttelte den Kopf. "Nein, ich war zu der Zeit auf der Flucht, denn meinen Kopf wollten sie natürlich auch, schon alleine weil ich von ihrer Existenz erfahren hatte." "Du hattest wirklich schon immer ein ausgesprochenes Talent, dich in Schwierigkeiten zu bringen," bemerkte Connor trocken. "Aber nun verrate mir nur noch, wie ihr aus der Sache wieder raus gekommen seid? Immerhin redet ihr immer noch zusammen, dieser Verein existiert noch und du auch, hm?" "Nicht jetzt," beschloss Duncan, "es wird gleich dunkel, ich möchte gerne zu Hause sein, falls Joe sich meldet. Außerdem ist das eine ziemlich komplizierte Geschichte," wand er sich heraus. Abgesehen davon hatte er einige nicht ganz unwichtige Punkte ausgelassen, weil er das bisschen Vertrauen das Connor zu Dawson gefasst hatte, nicht gleich auf die Probe stellen wollte.
Es vergingen fast zehn Tage, ehe er was von Joe hörte. Connor und er nutzten die Zeit um weiter zu trainieren, wenn auch an näher gelegenen und weniger idyllischen Plätzen. Mit Zufriedenheit stellte Duncan fest, dass er sein altes Können langsam zurück gewann. Immer häufiger war er es, der die Kämpfe für sich entschied, bis Connor schließlich beide Arme hob und atemlos sagte: "Ok, ok, du hast ja gewonnen, es ist wohl besser wir hören jetzt auf, bevor du noch in einen Blutrausch verfällst." "Och," erwiderte Duncan enttäuscht, weiterhin das Schwert in Bereitschaft und nur halb so aus der Puste wie sein Gegenüber, "schade, jetzt wo es mir langsam anfängt Spaß zu machen!"
Sie hatten in angenehmen alten Erinnerungen geschwelgt und waren guter Laune, als sie die "Blues Bar" betraten, doch änderte sich das schlagartig als sie Dawsons Gesicht sahen. "Joe, was ist los?" Fragte Duncan besorgt. Dawson schüttelte nur den Kopf und sagte: "Setzt euch erst einmal, es gibt eine Menge zu berichten." Nachdem sie sich alle drei gesetzt hatten, schaute Dawson erst noch eine Weile in sein Glas und sammelte seine Gedanken. Schließlich holte er tief Luft und begann erst zögerlich aber dann immer sicherer: "Also, es ist tatsächlich so, dass seit ca. zehn Jahren ein Unsterblicher sein Unwesen treibt, für den offenbar weder Regeln noch Skrupel irgendeine Rolle spielen. Sein einziges erklärtes Ziel scheint es zu sein, so schnell und so sicher wie nur möglich die totale Macht zu erlangen. Auf dem Weg dorthin ist ihm buchstäblich jedes Mittel recht, das fängt mit relativ simplen Hinterhalten an, geht über das Erschleichen von Vertrauen von anderen Unsterblichen, die dann dran glauben müssen, wenn sie am wenigsten damit rechnen, und hört bei der Verwendung von Schusswaffen oder ähnlichem, um den Gegner kampfunfähig zu machen, noch lange nicht auf. Außerdem weiß er offensichtlich sehr genau über seine Opfer Bescheid, nicht nur dass er sie alle in so kurzer Zeit findet, er kennt auch ihre Gewohnheiten und, was wohl das Wichtigste ist, ihre Schwächen. Denn jeder hat seinen verwundbarsten Punkt woanders." Connor wollte dazu etwas fragen doch Duncan kam ihm zuvor: "Ist es wirklich sicher, dass es ein Unsterblicher ist?" Connor fand diese Frage höchst merkwürdig doch Dawson anscheinend nicht, er antwortete: "Ja, das ist sicher Mac, es gibt jedesmal deutliche Anzeichen für ein Quickening, zerbrochene Scheiben, gesprungene Lampen und das ganze drum herum." Duncan nickt nachdenklich und fragte dann: "Und was ist mit dem Gerücht, dass er auch auf heiligem Boden tötet. Hast Du dazu etwas erfahren können?" Dawson schüttelte den Kopf. "Nein, Mac, nichts, dazu ist mir nichts bekannt. Außer..." Überlegte Joe und wandte sich an Connor: "Wann soll denn das gewesen sein? Gibt es dazu eine Angabe?" Connor zuckte mit den Achseln als er erklärte: "Nichts Genaues, es muss wohl schon einige Zeit her sein, so etwa sechs bis sieben Jahre schätze ich. Ich weiß nur mit Sicherheit, dass es hier in Frankreich passiert sein soll." Joe und MacLeod sahen sich an, um dann wie aus einem Mund zu sagen: "Darius!" Duncan nickte mit bitterer Miene. Connor schaute die beiden fragend an. "Was ist mit diesem 'Darius'? Ist das etwa unser Mann?" Duncan schüttelte den Kopf. "Nein, Connor, ganz bestimmt nicht. Er war das Opfer eines verrückten Sterblichen. Aber zumindest wissen wir jetzt, das unser Unsterblicher nicht auf heiligem Boden tötet." "Das macht ihn mir auch nicht sympathischer," kommentierte Connor trocken und fügte hinzu: "Welchen Grund sollte es eigentlich für einen Sterblichen geben, so etwas zu tun?" Duncans warnender Blick erreichte Dawson nicht, der antwortete: "Peter Horton hat damals leider einen Sinn darin gesehen, Unsterbliche zu töten, aber," wandte er sich an Duncan, "Horton ist tot, und mit ihm seine Ideologie, kapiere das endlich, die Reihen der Beobachter sind sauber, darauf gebe ich dir mein Wort." Connor war offensichtlich verwirrt. "Kann mich hier mal bitte einer aufklären? Wer ist dieser Horton? Und was ist bei den Beobachtern schief gelaufen, hm?" Er schaute Duncan an, doch der zögerte mit einer Antwort, so dass Joe erklärte: "Horton war der unsinnigen Auffassung gewesen, dass er die Welt von den Unsterblichen befreien müsste, er gehörte mit zu den Beobachtern, was ihm natürlich die Arbeit ziemlich erleichtert hatte. Er hatte auch eine kleine Gruppe Abtrünniger um sich versammelt, die ihn bei seinem miesen Tun unterstützten. Doch, wie gesagt, Horton ist längst tot, es ist vorbei, ein für alle mal. Aber, hat Duncan dir denn nichts von ihm erzählt?", fragte er Connor ungläubig. Connor erwiderte, mit einem Blick auf Duncan, der diesen unter normalen Umständen hätte tot umfallen lassen müssen: "Nein, dieses kleine unwesentliche Detail hat er mir bislang vorenthalten." Duncan schaute den Älteren hilflos an und ersparte sich eine Antwort. Bevor es richtig ungemütlich wurde erzählte Dawson weiter. "Nun, wie dem auch sei, in diesem Fall haben wir es mit einem richtigen Unsterblichen zu tun, mit dem keineswegs zu spaßen ist. So wie die Fakten sind, wird es sehr schwierig werden, ihm das Handwerk zu legen." Dawson legte eine Pause ein und genehmigte sich einen kleinen Schluck aus seinem Glas. Duncan beugte sich vor und fragte langsam und eindringlich: "Wer ist es, Joe?" Dawson schien nicht recht zu wissen, wie er es sagen sollte doch endlich erklärte er: "Es ist eine Frau. Ihr Name ist Gloria Martinez." Seine Antwort stand sekundenlang im Raum, Connor wartete neugierig auf weitere Informationen, doch Duncan konnte es offenbar nicht ganz fassen. Kopfschüttelnd fragte er: "Eine Frau? Dieses skrupellose, hinterhältig meuchelnde Monster ist eine Frau?" Dawson nickte langsam. "Tja, ich wollte es auch erst nicht glauben. Ich habe mich sogar noch mehrmals vergewissert, deshalb hat es auch alles etwas länger gedauert. Doch es gibt keinen Zweifel, dass sie es ist, auch wenn sie immer wieder unter anderem Namen auftritt, so wurde sie von den unterschiedlichen Beobachtern doch fast immer erkannt, und die Fälle, die man ihr zuschreibt, tragen immer wieder ihre Handschrift." "Mit anderen Worten," schaltete sich Connor ein, "diese sauberen Beobachter stehen die ganze Zeit daneben und sehen seelenruhig zu, wie diese Kreatur ihr Unwesen treibt! Warum schreitet da niemals jemand ein?" "Weil das nicht unsere Aufgabe ist. Es ist unser oberstes Gebot, dass wir uns niemals einmischen dürfen. Und das ist auch besser so. Stell dir nur vor, was passiert, wenn jeder Beobachter plötzlich über Leben oder Tod von euch entscheiden würde? Wo sollen da Grenzen gezogen werden? Es kann eben nur einen geben, und wer das am Ende sein wird, liegt an euch, nicht an uns," erklärte Dawson resigniert. Während Connor noch darüber nachdachte, war Duncan etwas anderes aufgefallen: "Wie kann es angehen, dass diese Martinez so viel über jeden einzelnen von uns weiß? Woher hat sie die ganzen Informationen?", wollte er wissen. Dawson wand sich etwas auf seinem Stuhl, ehe er antwortete: "Tja, Mac, und hier wird die Geschichte leider richtig kompliziert. Gloria Martinez gehörte zu unserer Organisation..." "Was?!", fuhr Duncan aufgebracht dazwischen. "Hast du nicht gerade vor einer Minute beteuert, dass deine Leute sauber sind? Verstehst du etwa das darunter?" "Beruhige dich wieder Duncan, hör mir doch erst einmal zu," versuchte Joe ihn zu beschwichtigen. "Ich sagte, sie gehörte zu uns, das heißt, als sie für uns eine ganz normale Sterbliche gewesen ist. Woher zum Teufel hätten wir denn wissen sollen, dass sie eine Unsterbliche wird? Sie hatte ja auch keine Ahnung davon!" Duncan nickte wieder etwas beruhigt. "Jedenfalls, Gloria Martinez ist vor etwa 15 Jahren bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen. Niemand hatte dieses Unglück überlebt, und es war auch nicht möglich gewesen, alle Leiche zu bergen, die meisten liegen noch dort auf dem Meeresgrund. Doch Martinez war anscheinend nicht darunter. Drei Jahre später erst fiel sie einem von uns auf, der sie als Unsterbliche identifizierte. Was sollten wir da noch tun?" Duncan dachte eine Weile über die Ironie in dieser Geschichte nach und meinte dann: "Aber dann sag uns doch einfach, wo sie jetzt ist?" "Das kann ich euch leider nicht sagen." "Joe, sie gehört nicht mehr zu euch, du kannst doch nicht ernsthaft irgendeinen Grund sehen, sie zu decken!", fuhr Duncan ihn wütend an. "Ich will sie keineswegs decken, Mac! Ich weiß nur einfach nicht, wo sie steckt." "Das muss aber doch raus zu finden sein?", hakte Connor nach, "wenn ich alles richtig verstanden habe, braucht man doch nur ihren Beobachter danach zu fragen." Dawson wiegte den Kopf und nahm noch einen kleinen Schluck, bevor er antwortete: "Im Prinzip ist das richtig, Connor, nur dass sie keinen Beobachter mehr hat." "Warum nicht?", wollte Duncan wissen. "Sie hatte insgesamt sechs Beobachter gehabt, alle sind auf unnatürliche Art und Weise ums Leben gekommen, wenn ich es einmal so ausdrücken darf. Daraufhin hat die Organisation beschlossen, keine Leute mehr auf sie anzusetzen," erklärte Dawson in bitterem Tonfall. "Das erklärt also die vierzig Prozent ungeklärter Enthauptungen," schlussfolgerte Connor mehr zu sich selbst. "Die gehen dann wohl auf ihr Konto." "Sechs Leute von euch, die sie auf dem Gewissen hat?", fragte Duncan schockiert. Joe zuckte mit den Achseln. "Ganz genau wissen wir es natürlich nicht, es war ja nie noch jemand von uns dabei, doch sprechen alle Indizien dafür, ja." "Mit anderen Worten," fasste Duncan das eben Gehörte zusammen, "sie weiß alles über uns oder ist zumindest in der Lage, alles über uns herauszufinden, weil sie als ehemalige Beobachterin Zugang zu eurem Netzwerk hat. Aber wir wissen fast nichts über sie, außer dass sie ausgesprochen gerissen und skrupellos ist. Das sind ja schöne Aussichten," seufzte er abschließend. Dawson nickte resigniert und fügte hinzu: "Ich habe ein paar meiner Leute ins Vertrauen gezogen und..." "Joe! Hältst du das für eine gute Idee?", fragte Duncan entsetzt. "Ist schon gut, Mac, anders haben wir nicht den Hauch einer Chance. Außerdem sind es gute Leute, die ich schon ewig kenne, sie stehen voll auf meiner Seite. Und, kannst du dir vorstellen, dass es ihnen auch keinen Spaß bereitet, tatenlos dabei zuzusehen, was Martinez treibt? Wir sind nicht alle seelenlose Schreibtischtäter ohne Gefühl für Recht und Ehre, wir sind lediglich gezwungen, innerhalb unserer Grenzen zu agieren," erklärte Dawson mit Nachdruck. "Jedenfalls," führte er seinen angefangenen Satz zu Ende, "werden sie die Augen nach ihr offen halten, sobald ihnen irgend etwas auffällt, werden sie es mir mitteilen. Was wir jetzt brauchen ist etwas Glück und Geduld."
Duncan stieg ins Auto und wappnete sich innerlich gegen die Moralpredigt, die er von Connor erwartete, weil er ihm nicht die volle Wahrheit erzählt hatte. Doch statt eines Vortrages kam nur eine leise aber sehr ernst gemeinte Frage: "Du traust ihm?" Duncan schaute erst aufs Lenkrad, dann sah er Connor direkt in die Augen und antwortete ebenso ernst: "Mehr als mir selbst." Connor nickte, scheinbar zufrieden mit der Antwort. "Nun, worauf wartest du dann noch? Fahr schon los!"
Eine gute Woche später klingelte auf Duncans Boot das Telefon. "Hallo, Mac!" Meldete sich Joe. "Was gibt es?" "Martinez ist gesehen worden." "Was? Wo?" "In Italien, aber ..." "Wo in Italien, weißt du das auch etwas genauer?" "Äh, also, wir sollten vielleicht vorher..." "Wo ist sie?" "In Venedig, Mac bevor du..." "In Venedig? Ist Francesco Moreno noch dort?" "Das weiß ich nicht genau, hör zu, ich..." "Joe! Bitte!" "Also gut, ja, soweit ich informiert bin ist er noch da, aber Mac..., Mac?...Mac!" "Verdammt!", fluchte Joe, als er merkte, das die Verbindung unterbrochen worden war. Während er vergeblich versuchte, MacLeod noch einmal zu erreichen, hatte dieser bereits eilig ein paar Sachen zusammengesucht. Als Joe es endlich aufgab, saß Duncan bereits im Auto.
Einige Stunden später nahm sich MacLeod in einem kleinen etwas herunter gekommenen Hotel ein Zimmer und rief die Telefonauskunft an, die ihm sehr freundlich die gewünschten Informationen gab. Als erstes suchte er die kleine Galerie direkt am Markusplatz auf, er spürte, dass Francesco nicht da war, trat aber trotzdem ein. Ein paar junge Leute diskutierten über die Anordnung von einigen Bildern, Stühlen und Tischen und es dauerte einen Moment, bis man ihn bemerkte. Eine junge Frau, die einen etwas gestressten Eindruck vermittelte kam auf ihn zu. "Kann ich ihnen helfen?" "Nun, vielleicht, ich wollte gerne zu Francesco Moreno, ist er zufällig da?" "Nein, noch nicht, aber heute abend wird er ja da sein, wenn sie dann wieder kommen möchten? Sie haben doch eine Einladung, oder?" "Eine was? Ach so, ja sicher, sie haben ja recht, es ist ja erst heute abend, dann werde ich mich eben ein wenig gedulden müssen," lächelte Duncan die Frau an, die ihn etwas skeptisch musterte, offensichtlich versuchte sie sich zu erinnern, ob sie den Mann schon einmal in der Galerie gesehen hatte. "Wir sind nämlich alte Freunde müssen sie wissen. Dürfte ich mich trotzdem jetzt schon einmal ein wenig umsehen?" Die Frau nickte nur kurz und wandte sich dann wieder ihren Kollegen zu, die ernsthaft in Streit zu geraten drohten. Duncan sah sich kurz um, offensichtlich war für den Abend eine Vernissage geplant, doch schienen es nicht Francescos Werke zu sein, es war irgendwie nicht sein Stil. Zugegeben, der mochte sich in den letzten Jahrzehnten verändert haben, aber trotzdem. Dann entdeckte MacLeod in einer hinteren Abteilung ein paar Bilder, die eindeutig Morenos Handschrift trugen. Wie damals war er von der Lebendigkeit und Ausdrucksstärke fasziniert, es waren keine Arbeiten darunter, die er kannte, demnach waren sie alle neueren Ursprungs, doch übertrafen sie noch bei weitem alles, was Duncan bisher von seinem Freund gesehen hatte. Ein lautes Geräusch aus den vorderen Räumen erinnerte ihn wieder daran, warum er gekommen war und er verließ die Galerie, ohne dass noch mal jemand von ihm Notiz nahm. MacLeod bog in eine Seitenstraße ein und ließ die Touristenkulisse schnell hinter sich. Er eilte durch die verwinkelten schmalen Gassen und verlief sich gleich zwei mal, ehe er Morenos Haus näher kam. Die Gegend hatte nichts mehr mit dem Postkarten-Venedig zu tun, das die meisten Leute kannten. Die Häuser waren schäbig, zum Teil richtig herunter gekommen oder gänzlich unbewohnt. Menschen sah man so gut wie keine, dafür kreuzten ein paar wohlgenährte Ratten immer wieder seinen Weg. Träge ließen sie sich in das trübe Wasser des kleinen Kanals gleiten, wenn Duncans Schritte zu nahe kamen. Doch man merkte ihnen an, dass sie die eigentlichen Herrscher in der Stadt waren und dass sie sich dessen bewusst waren. Duncan nahm seine Umgebung nur bedingt wahr, er musste daran denken, wie Francesco verzweifelt versucht hatte, ihm den Umgang mit Farbe und Pinsel beizubringen. Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis er eingesehen hatte, dass MacLeod ein hoffnungsloser Fall war. Duncan musste lächeln, als er daran zurück dachte. Dann stand er vor dem Haus, in dem Moreno wohnte. Die Haustür war unverschlossen und MacLeod eilte die ausgetretenen, knarrenden Holzstufen bis ins oberste Stockwerk hinauf, er spürte, dass jemand da war, aber wusste nicht sicher wer. Deshalb hatte er sein Schwert zum Angriff parat als er das Atelier betrat. Das Atelier war ein willkommener Kontrast zu der Trostlosigkeit vor der Tür. Ein großer lichtdurchfluteter Raum mit modernen Dachfenstern und weiß gestrichenen Wänden an denen unzählige Bilder hingen oder standen, eine Flut von Licht und Farbe empfing den Besucher. Moreno stand vor einer großen Leinwand neben den Fenstern zur Gasse und sagte erstaunt: "Duncan?! Ist das eine Art bei seinen Freunden aufzutreten?" Und blickte stirnrunzelnd auf MacLeods Schwert. Etwas verlegen steckte Duncan das Schwert weg. Alles schien in Ordnung zu sein, und er atmete merklich auf als er seinen alten Freund begrüßte. Unwillkürlich musste er an seine erste Begegnung mit Moreno im Schlosspark von Versailles denken.
Er selbst war damit beschäftigt gewesen irgendwelche dürren Sträucher, die er nicht kannte und deren Namen er nicht einmal aussprechen konnte, einzupflanzen. In Gedanken schimpfte er über den mürrischen in seinen Augen völlig verrückten Obergärtner, der gedroht hatte MacLeod einzukerkern, sollte den mickerigen Pflänzchen etwas zustoßen, als er den Buzz spürte. Wachsam geworden schaute er sich um und griff den Spaten fester, der seine einzige Waffe war. Die französischen Edelmänner hatten es da wesentlich besser, bei ihnen gehörte es zum guten Ton mit einem Schwert oder Degen ausgestattet zu sein, doch einem Handlanger wie ihm hätte man das nie gestattet. Der Grund für den Buzz war ein kleiner, dürrer Mann, der mit einer Staffelei bepackt über den frisch gesäten Rasen stolzierte und offenbar nach einem geeigneten Motiv Ausschau hielt. MacLeod stellte sich dem Kerl und sagte, den Spaten drohend erhoben: "Mein Name ist Duncan MacLeod vom Clan der MacLeods." Woraufhin sein gegenüber völlig unbeeindruckt eine kleine Verbeugung machte und antwortete: "Sehr erfreut, edler Herr, mich nennt man Francesco Moreno, und den da," wobei er auf den Spaten deutete, "nehmt ganz beruhigt nur weiter für eure Blumen. Ich will euch gewiss nichts Böses, meine einzige Waffe ist das hier," und zog einen Pinsel aus der Tasche. Verdutzt ließ Duncan den Spaten sinken. Bevor er noch etwas fragen konnte, kam der Obergärtner wütend über den Rasen gestapft. "MacLeod!", schrie er bereits von weitem, "was fällt euch eigentlich ein? Wie könnt ihr es wagen, den edlen Hofmaler zu belästigen, geht gefälligst sofort wieder an eure Arbeit, sonst lasse ich euch doch noch in Ketten legen!" So trennten sie sich zwar schnell wieder, doch Morenos Vorliebe für Motive im Park und Duncans Arbeit brachten es mit sich, dass sie sich häufiger begegneten. Eines schönen Tages zog Moreno wieder einmal durch den Park, er war unzufrieden. Unruhig zog er von einem Fleck zum anderen auf der Suche nach einem geeigneten Motiv, als er MacLeod sah, der eine Hecke beschnitt. Sein Entschluss war schnell gefasst, etwas länger brauchte es, bis er auch MacLeod von seiner Idee überzeugt hatte. Eine Stunde später stand ihm MacLeod in der kompletten Garderobe eines Edelmannes Modell. Moreno stellte ihn an etwa zwei Dutzend verschiedenen Plätzen auf, bis ihm endlich die Umgebung, der Hintergrund und das Licht gefiel. Als er endlich seine Staffelei aufstellte, ohne sie sofort wieder einzupacken, ließ sich Duncan erleichtert auf eine Bank fallen. "Oh, no, no! MacLeod, nicht hinsetzen! Ihr seid doch jetzt ein edler Mann, also müsst ihr stolz und aufrecht stehen, na los, avanti!" Duncan stellte sich seufzend wieder hin, die Kleidung war unbequem und viel zu warm für den Tag, außerdem hatte er Durst und überhaupt keine Lust mehr auf dieses alberne Spiel. Er fragte sich verzweifelt, wie dieser kleine Wicht es nur fertig gebracht hatte, ihn dazu zu überreden. Doch Moreno war sehr zufrieden mit seiner Idee, dieser Schotte mit den markanten Gesichtszügen, dem langen schwarzen glänzendem Haar, in dem sich die Sonnenstrahlen verfingen war eine willkommene Abwechslung zu den aufgeschwemmten, blassen, perückenbesetzten hohen Herrschaften, die er sonst gezwungen war zu malen. Es schien Duncan, als stünde er bereits Stunden unbeweglich an seinem Platz, als der König persönlich vorbei kam. Mit seinem Hofstaat im Schlepptau hatte er sich aufgemacht, um die Arbeiten im Park zu begutachten. Duncan wünschte sich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit, als er den König kommen sah. Er wollte Moreno warnen, der mit dem Rücken zu der Versammlung stand, doch dieser gestattete keine Bewegung und schon gar keine Worte. "Ah, Monsieur Moreno, fleißig bei der Arbeit, wie ich sehe?" Moreno drehte sich herum und verbeugte sich höflich vor dem König, ansonsten schien er nicht unter zuviel Untertänigkeit zu leiden. "Aber ja, eure Hoheit, bei einem so wundervollen Tag wie diesem, noch dazu in eurem herrlichen Park." "Sehr schön, und das ist ein Freund von euch?", fragte er neugierig und deutete auf Duncan, der plötzlich zu keiner Regung mehr fähig war. "Oh ja, ein sehr guter Freund, eure Hoheit, er kommt aus den Bergen Schottlands und ist entzückt von ihrem Reich!", stellte Moreno fest ohne rot zu werden. "Nun denn, so bringt ihn doch heute abend mit, er soll mit an meiner Tafel speisen." Duncan wollte etwas sagen und öffnete den Mund, doch fiel ihm nicht ein, was er sagen sollte. Francesco erledigte das für ihn: "Oh, er ist ein wenig schüchtern, aber er nimmt eure Einladung mit Freuden an!" Moreno verbeugte sich dankend. Der König nickte und zog weiter, seine Hofdamen warfen verstohlene Blicke auf den Fremden, lachten und tuschelten in ihre Fächer. MacLeods Protest kam entschieden zu spät, er konnte nichts mehr dagegen unternehmen am französischen Hof eingeführt zu werden. Als er Francesco später einmal fragte, warum er so verhältnismäßig lässig mit dem König und anderen hochgestellten Persönlichkeiten umsprang, und das tat er beileibe, so antwortete dieser schmunzelnd: "Oh, sie werden mir immer eine Menge nachsehen. Schließlich hängt es alleine von mir ab, wie die Nachwelt sie in Erinnerung behält. Und du musst zugeben, Duncan, was den König angeht, bin ich immer ausgesucht höflich, zumindest was meine Arbeit betrifft."
MacLeod kehrte in die Gegenwart zurück und musterte seinen alten Freund lächelnd. Er hatte sich wirklich nicht verändert, er war immer noch der kleine respektlose Maler mit Farbklecksen auf seiner Kleidung und in seinen dichten schwarzen Haaren. Francesco erklärte fröhlich: "Das ist ja wirklich eine Überraschung, Duncan! So komm doch rein, möchtest du einen Capuccino?" Fragte er und begann an einem alten Büfett herumzuwühlen, das vollgepackt war mit Skizzen, leeren Blättern und Farbtuben. Irgendwie zauberte er daraus einen Topf hervor und als er nach dem Tauchsieder suchte, sagte MacLeod: "Nein danke, Francesco, um ehrlich zu sein, bin ich nicht gerade zufällig vorbei gekommen." Moreno nickte gedankenverloren und kramte weiter durch den Schrank. "Na, das macht doch nichts, deswegen können wir doch trotzdem etwas trinken, oder möchtest du lieber einen Espresso? Wir können natürlich auch in ein Café gehen." Moreno hatte anscheinend die Hoffnung aufgegeben, die notwendigen Utensilien noch zu finden, nachdenklich raufte er sich die Haare. "Es ist wirklich wichtig, Francesco, du musst so schnell es geht von hier verschwinden," erklärte Duncan eindringlich, woraufhin Moreno ihn ungläubig anschaute. "Ach, der alte Duncan MacLeod, immer noch einen Sinn fürs Theatralische! Was sollte es denn für einen Grund geben, von hier zu verschwinden?" "Deinen Kopf. Es ist jemand hinter dir her." Moreno lachte: "Duncan, so ein Unsinn! Hinter mir ist niemand her, bis auf diese reizende kleine Lady ist schon seit Jahrzehnten keiner von uns hier aufgetaucht." "Was für eine Lady? Wann war sie bei dir?", fragte MacLeod gespannt. Moreno zuckte beiläufig die Achseln. "Ich kenne sie nicht, sie kam gestern in die Galerie und hat sich sehr für meine Bilder interessiert. Sie war wirklich ausgesprochen charmant. Du solltest sie mal kennen lernen, sie würde dir gefallen," erklärte Moreno anzüglich. MacLeod ging nicht darauf ein, sondern fragte weiter: "Wie hat sie ausgesehen, Francesco?" Moreno zog die Stirn in Falten, "Ja, wie hat sie ausgesehen, warte wie soll ich sie dir beschreiben... Ah, ich habe eine Idee!" Dann griff er zu einem Skizzenblock, zog einen Bleistift aus der Tasche und entwarf in wenigen Minuten ein original getreues Portrait. Als er mit seiner Arbeit zufrieden war, reichte er den Block Duncan herüber. MacLeod starrte auf das Bild: "Martinez," entfuhr es ihm zischend. Die Zeichnung wirkte lebendiger als das Foto, das Dawson aus ihrer Akte bekommen hatte, doch es gab keinen Zweifel, diese Frau war Gloria Martinez! Etwas irritiert nahm Duncan ihren offenen und freundlichen Blick war, den Moreno ihr gegeben hatte, diese Frau erschien wirklich nicht gefährlich. "Du kennst sie bereits? Na, das hätte ich mir auch denken können, so eine hübsche Frau," plauderte Moreno. "Aber sie hat mir einen anderen Namen genannt, warte..., Pilar Rodriguez, glaube ich, war es. Ach, ich habe einfach kein Gedächtnis für Namen," klagte der Maler. "Das ist wirklich schon immer mein Problem gewesen." MacLeod riss sich von der Zeichnung los und schaute seinen Freund ernst an: "Francesco, wie immer sich diese Person auch nennt, sie ist gefährlich, und sie will deinen Kopf. Du musst hier schnellstens weg!" "Ach, Duncan, immer noch der alte Pessimist, ja? Das du auch immer alles so schwarz sehen musst, das war schon immer dein Problem, weißt du? Ich werde schon auf mich aufpassen, mache dir da mal keine Sorgen." MacLeod stöhnte innerlich über die Ignoranz Morenos und fragte schließlich: "Du passt schon auf dich auf, ja? So wie damals im Wald von Lyon?" Moreno schien erst nicht zu wissen, wovon MacLeod sprach, dann hellte sich seine Miene auf: "Das meinst du? Ach, das war doch halb so wild, da wäre ich auch alleine mit fertig geworden," erklärte Moreno beiläufig. "Ach ja, wärst du das?", fragte MacLeod ironisch zurück. "Du hattest ja noch nicht einmal dein Schwert dabei gehabt! Da fällt mir ein, wo ist es überhaupt?" "Was?" Fragte Moreno verwirrt. "Dein Schwert," langsam aber sicher verlor Duncan seine Geduld, "wo hast du dein Schwert?" "Mein Schwert," erwiderte Moreno nachdenklich, "ja, warte, das habe ich natürlich hier irgendwo, keine Angst, gleich fällt es mir ein." MacLeod schüttelte verzweifelt den Kopf, was sollte er nur mit diesem Mann tun? Plötzlich schritt Moreno zu einer riesigen Eichentruhe, als er den Deckel ächzend öffnete, kam Duncan näher, um einen Blick hinein zu werfen. Die Truhe war randvoll mit Leinwandrollen, Skizzenheften und diversen anderem Malerzubehör. Francesco kramte darin herum und brachte schließlich irgendwo vom Grund herauf ein Schwert zu Tage. "Siehst du," verkündete Moreno stolz, "hier ist es, ich bin also keineswegs hilflos!" MacLeod schüttelte den Kopf und erwiderte resigniert: "Doch das bist du, oder wann hast du zuletzt damit gekämpft?" Moreno machte eine wegwerfende Handbewegung und legte die Waffe zurück in die Truhe. "MacLeod, wirklich, du machst dir viel zuviel Gedanken. Meine Zeit ist noch nicht gekommen, da gibt es noch viel zu viele Bilder, die von mir gemalt werden wollen. Und du willst mir doch nicht ernsthaft weismachen, dass diese Frau von gestern eine Gefahr für mich darstellt? Nein wirklich nicht. Komm, lass uns lieber über etwas erfreulicheres reden." "Nein, Francesco," Duncan packte seinen Freund an beiden Armen, zwang ihn dazu ihm in die Augen zu sehen und erklärte eindringlich: "Bitte hör mir zu. Diese Martinez hat in den letzten zehn Jahren Hunderte von uns geköpft, sie kämpft mit allen Mitteln und sie kennt keine Gnade. Sie will deinen Kopf, und du hast nicht den Hauch einer Chance." Er ließ Moreno los, der sich fröstelnd ein paar Schritte zurück zog. "Komm mit mir nach Paris, dort bist du sicherer als hier. Außerdem," fügte MacLeod aufmunternd hinzu, "bist du doch bestimmt lange nicht dort gewesen, wir könnten uns die Stadt ansehen, alte Erinnerungen auffrischen, neue Motive für deine Bilder finden und so." Moreno stand plötzlich sehr nachdenklich da. Duncan tat es schon wieder leid, dass er seinen Freund so erschreckt hatte, doch hatte er keinen anderen Weg mehr gesehen. Es folgte eine lange Pause, ehe Moreno sprach: "Also gut, MacLeod, ich will dir mal glauben schenken. Aber selbst wenn ich wollte, so schnell kann ich hier nicht weg. Ich habe schließlich Aufträge zu erfüllen und außerdem muss Ich heute abend eine Vernissage eröffnen." "Francesco!" "Nein, auf keinen Fall werde ich das versäumen, die Leute zählen auf mich. Nun gut," lenkte er ein, "der Blick vom Eifelturm soll ja sehr beeindruckend sein, habe ich mir sagen lassen, da du wohl sonst doch keine Ruhe gibst, werde ich eben mit dir mitkommen." MacLeod atmete erleichtert auf. "Aber erst morgen früh. In der Galerie wird mir schon niemand den Kopf nehmen, selbst deine saubere Freundin nicht," erklärte Moreno bestimmt. MacLeod nickte schließlich zustimmend. Mehr konnte er wohl nicht erwarten.
Früh am nächsten Morgen schritt MacLeod wieder an dem kleinen Kanal entlang, um Francesco abzuholen. Als er das Haus erreichte gefror ihm das Blut in den Adern, denn er konnte ihn nicht spüren. Er hastete die Treppenstufen hoch, wobei das Glas der zersprungenen Glühbirnen unter seinen Stiefeln knirschte. Die Tür stand offen, atemlos blieb er einen Moment stehen. Das Atelier war völlig verwüstet, die Bilder lagen auf dem Fußboden herum, man sah, dass auf ihnen herum getrampelt worden war, überall waren Spritzer von explodierten Farbtuben, das Glas der zersprungenen Fensterscheiben reflektierte wie zum Hohn die einfallenden Sonnenstrahlen. Wie in Zeitlupe ging er schließlich durch das Chaos, als wollte er den Augenblick der letzten Erkenntnis hinaus zögern. Francesco lag neben der Truhe, dessen Deckel noch geschlossen war. Duncan sank in die Knie und starrte fassungslos auf den toten Körper, statt des Schreies, der aus seiner Brust wollte, drang nur ein unterdrücktes "Nein" aus seiner Kehle. Minutenlang hockte er neben der Leiche, unfähig sich zu bewegen, gefangen in seiner Trauer und Hilflosigkeit, gequält von Selbstvorwürfen, weil er Francesco nicht schon gestern mitgenommen hatte. Er hätte es wissen müssen. MacLeod starrte auf die bereits geronnene Lache Blut, die sich dort befand, wo Francescos Kopf hätte sein sollen. Langsam schaltete sich sein Verstand wieder ein und sagte ihm, dass Martinez bereits vor Stunden da gewesen sein musste. Je länger er wartete um so größer wurde ihr Vorsprung. Kalte Wut begann alle anderen Gefühle zu erdrücken, als ihm ein Stück Leinwand auffiel, auf der mit einer rotbraunen Flüssigkeit, die keine Farbe war, geschrieben stand: "Dich bekomme ich auch noch, MacLeod!" Das rüttelte ihn endgültig wach, er riss sich los und verließ das Atelier, ohne sich noch einmal umzusehen. Im Hauseingang blieb er einen Moment stehen, die uralten Instinkte des Jägers waren in ihm erwacht und sorgten dafür, dass er zuerst die Umgebung sicherte, bevor er loslief. Nur dadurch bemerkte er den Mann, der auf der anderen Seite des Kanals bewegungslos im Schatten eines Hauseinganges stand. Kurz entschlossen überquerte MacLeod den Kanal bei der nächsten Brücke und schritt die Häuserfront entlang. Er ging zwei drei Schritte an dem Fremden vorbei, der sich, offenbar in der Hoffnung nicht entdeckt zu werden, nicht vom Fleck rührte. MacLeod stoppte und wandte sich dem Mann zu. Er wollte ihn ansprechen, doch der Mann drückte sich mit vor Schreck geweiteten Augen aus seiner kleinen Höhle heraus, mit dem Rücken an der Wand versuchte er Abstand zwischen sich und MacLeod zu bringen. Duncan versuchte es trotzdem: "Hören Sie, ich will Ihnen nichts tun, ich möchte nur wissen..." Doch der Fremde hob abwehrend die Hände, wobei sich MacLeods Verdacht bestätigte, denn er erkannte kurz die Tätowierung der Beobachter an seinem Handgelenk, dann drehte sich der Mann um und rannte um sein Leben.
MacLeod ließ ihn laufen und kehrte in sein Hotel zurück, wo er sofort zum Telefon griff. Joe war merklich erfreut, Duncans Stimme zu hören. "Mac! Ist alles in Ordnung? Geht es dir gut?", wollte er wissen. "Francesco, er ist..." MacLeod brachte es nicht fertig, den Satz zu vollenden. "Ja, ich weiß, ich habe es gerade erfahren," nahm Joe ihm die Bürde ab. "Es tut mir leid, Duncan." MacLeod versuchte sich noch von den Bildern zu befreien, die sich ihm wieder vor Augen drängten als Joe vorwurfsvoll sagte: "Tu so etwas gefälligst nie wieder!" "Wovon sprichst du?", fragte MacLeod verwirrt. "Du weißt schon was, du hast unseren Mann beinahe zu Tode erschreckt!" "Joe, ich wollte doch nur..." "Nie wieder! Hast du verstanden!", ließ Joe ihn gar nicht erst ausreden. MacLeod schwieg dazu, nach einer kurzen Pause fragte er: "Wo ist sie?" Joe holte hörbar Luft, bevor er ruhiger geworden antwortete: "Sie ist nicht mehr dort. Sie hat noch gestern Nacht die Stadt verlassen." "Aber wo ist sie hin, Joe? Ist denn niemand von euch an ihr dran?", fragte Duncan ungehalten. "Nein, Francescos Beobachter hat sie nur verfolgt, bis sie mit einem Motorboot geflohen ist, damit ist er eigentlich schon zu weit gegangen. Alle Beobachter haben strikte Anweisung, von Martinez die Finger zu lassen, es ist einfach zu gefährlich. Deshalb wäre es auch das Beste, du kommst sofort zurück, damit wir gemeinsam..." "Nein!", unterbrach MacLeod ihn und legte auf. Er musste Martinez finden. Er wollte ihren Kopf.
Zwei Wochen später kehrte MacLeod in die Blues Bar zurück. Er kam durch die Tür, die zum Lüften weit offen stand. Es war später Vormittag und niemand war zu sehen. Also ging er zu einem der Tische, die nicht in der Sonne standen und setzte sich mit dem Rücken zur Wand und mit dem Blick zur Tür. Eine alte Angewohnheit, die ihm in den vergangenen Tagen wieder zur Routine geworden war. Müde stützte er seinen Kopf in die Hände und hing so eine ganze Weile seinen Gedanken nach, als er den Buzz spürte. Mühsam sammelte er den Rest Energie, den er noch verspürte, und machte sich innerlich bereit. Insgeheim hoffte, dass es nur Connor war, doch die Gestalt, die durch die offene Tür kam, war kleiner und vor allem sehr viel jünger. "Richie," entfuhr es Duncan ungläubig. Richie blinzelte in die Dunkelheit und musste erst einmal näher kommen, ehe er MacLeod erkannte. "Hi, Mac, freut mich auch, dich wieder zu sehen! Obwohl du ehrlich gesagt furchtbar aussiehst," begrüßte Richie ihn fröhlich und musterte kritisch die müde, unrasierte und zerknitterte Gestalt am Tisch. MacLeod ignorierte seine Bemerkung und fragte hart: "Was tust du hier?" Richie schnappte sich einen Stuhl und setzte sich rittlings darauf. "Ich? Och, ich habe zufällig von deiner überstürzten Abreise gehört, und da habe ich mir gedacht, ich komme mal besser her und kümmere mich ein wenig um dein Boot. Du weißt schon, die Post rein holen, Blumen gießen, die Katze füttern und all das." Richie hatte die Lage eigentlich etwas entspannen wollen, doch MacLeods unbewegte Miene sorgte dafür, dass er sich immer unbehaglicher fühlte. Als Duncan auch weiterhin schwieg, erhob Richie sich und sagte: "Tja, ich werde mal nachsehen, was Joe so treibt." Er fand Dawson in der kleinen Küche hinter der Bar. "Ah, Frühstück," bemerkte Richie anerkennend, als er Joe am Herd stehend vorfand. "Besser du machst noch ein paar Eier mehr, für unseren Gast dort draußen!" "Gast, was denn für ein Gast?", fragte Dawson ärgerlich. "Ich habe noch geschlossen und außerdem ist das hier kein Restaurant." "Tja, das erkläre nicht mir, Joe, sondern unserem Lonesome Rider." Joe brauchte einen Moment um zu begreifen, dann drehte er sich zu Richie um und meinte: "Mac? Ist er etwa zurück?" Richie zuckte die Achseln und antwortete: "Zumindest hat er eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm." "Mensch Richie, warum hast du das denn nicht gleich gesagt?" Dawson drückte Richie die Pfanne mit den Worten: "Hier, kümmere dich darum," in die Hand und eilte nach draußen. "Aye, Sir," salutierte Richie und fügte noch warnend hinzu: "Joe, sei vorsichtig, er ist nicht besonders gut drauf." Das erkannte Dawson auch alleine und anstelle der Vorwürfe, die er MacLeod eigentlich hatte machen wollen sagte er nur: "Hallo, Mac, gut, dass du wieder da bist." "Warum ist er hier?", fragte Duncan nur. "Wen meinst du? Richie?" MacLeod nickte. "Hast du ihn etwa geholt?", fragte er, und der Vorwurf war nicht zu überhören. Dawson holte erst einmal tief Luft und zog sich einen Stuhl heran. "Nein, ich habe ihn nicht geholt. Es war Connors Idee, ihn von der ganzen Angelegenheit in Kenntnis zu setzen. Und das war sicher auch richtig so. Du kennst Richie, stell dir nur vor, diese Martinez wäre bei ihm aufgetaucht. Der Junge hätte doch nicht den Hauch einer Chance gehabt. Sie hätte ihn eiskalt um den Finger gewickelt. Es war dann allerdings Richies Idee gewesen herzukommen, er möchte uns dabei unterstützen, etwas gegen Martinez zu unternehmen." "Es ist hier nicht sicher für ihn." "Sicher ist er nirgendwo auf der Welt, Duncan, aber wahrscheinlich ist er hier immer noch besser aufgehoben als alleine in New Mexico," erklärte Dawson. Er war gerade fertig als Richie mit drei Tellern aus der Küche kam. "So, die Herrschaften, hier kommt ihr Frühstück, eigenhändig von mir zubereitet." Er stellte Duncan einen Teller hin, doch der schob ihn ablehnend von sich fort. "Oh, nein, nein," protestierte Richie, "in dieser Stadt wird gegessen was auf den Tisch kommt, Fremder," und schob ihm den Teller wieder hin. Schließlich griff MacLeod doch zur Gabel und hörte auf seinen Magen, der seit Tagen nichts zu tun bekommen hatte. Nachdem sie schweigend ihre Teller geleert hatten, fragte Dawson leise: "Du hast nichts ausrichten können, nicht wahr?" Duncan schüttelte nur langsam den Kopf. Es war sein Blick, der Dawson von seiner Verzweiflung erzählte. "Ich war ihr bis Rom auf den Fersen, es hat wirklich nicht mehr viel gefehlt, aber dann war sie plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Ich hatte gehofft, du wüsstest inzwischen etwas mehr, deshalb bin ich direkt hierher gekommen," erklärte MacLeod mit müder Stimme. Joe nickte verstehend und sagte schließlich: "Tut mir leid Mac, du musst ihr einen ziemlichen Schrecken eingejagt haben, denn seit Venedig ist sie nicht mehr auffällig geworden. Aber sehe es endlich ein: Einer alleine hat gegen sie keine Chance, Mac, selbst du nicht. Connor wird heute abend kommen, wir wollen gemeinsam überlegen, was zu tun ist. Du solltest auch da sein, aber vielleicht ist es das Beste, wenn du dich vorher ein wenig ausruhst." MacLeod dachte kurz darüber nach, dann nickte er und erhob sich. Mit für ihn ungewohnt schwerfälligen Bewegungen verließ er die Bar.
Als er sich dem Boot näherte, fühlte er, dass jemand da war. Er schlich, alle Sinne angespannt aufs Deck, Sekunden später stand er mit gezogenem Schwert abwartend im Raum. Die Frau kam aus dem Bad und trug lediglich ein Badetuch - sein Badetuch. "Amanda!" MacLeod fragte sich langsam, wie viele Überraschungen er an einem einzigen Tag verkraften konnte. "Duncan! Du bist schon zurück?" Amanda schenkte ihm ihr charmantestes Lächeln, während sie ihn von oben bis unten musterte. "Du siehst ja furchtbar aus," schloss sie ihre Betrachtung. "Danke, dass habe ich heute bereits gehört. Was tust du hier?" "Ich habe geduscht, die Tür war nicht abgeschlossen, und ich habe gedacht, du hättest wohl nichts dagegen. Würde dir übrigens auch nicht schaden," erklärte sie leichthin. MacLeod sah an sich herunter und musste ihr zustimmen. "Ok, wir reden dann später," sagte er und verschwand erst einmal im Bad. Als er wieder heraus kam, gab es bis auf ein nasses Badetuch keinen Hinweis mehr auf Amandas Anwesenheit. MacLeod fragte sich, ob er jetzt schon unter Halluzinationen litt. Trotzdem checkte er das Boot nach möglichen weiteren Überraschungsgästen, ehe er aufs Bett fiel und innerhalb einer Sekunde in einen tiefen und traumlosen Schlaf fiel.
Als er am späten Abend zu Joe zurück kehrte war er nicht der erste. Connor und Richie waren bereits dort. Sie saßen sich an einem Tisch gegenüber und spielten Karten. "Hey, Richie, passe bloß auf, dass er dich nicht reinlegt," warnte MacLeod als er sich neben ihn setzte. "Halt dich da raus Duncan, das ist unser Spiel," erwiderte Connor mit gespieltem Ernst. "Also, wenn Connor falsch spielt, dann nicht besonders erfolgreich," erklärte Richie und deutete auf den Haufen Kleingeld der sich vor ihm stapelte. "Genau das ist ja seine Masche, erst lässt er dich gewinnen und schaukelt dich in Siegerlaune und dann nimmt er dich aus wie eine Weihnachtsgans, wirst schon sehen," beharrte Duncan auf seiner Warnung. "Hör nicht auf ihn, Richie, so etwas würde ich niemals tun," beschwichtige Connor. "Ach nein?", fragte Duncan ihn spöttisch. "Hast du schon vergessen, wie es damals in Texas gelaufen ist, hm? Regelmäßig musste ich mich von dir ausnehmen lassen, das einzig Gute daran war, dass ich dich jedesmal dafür erschießen durfte," erklärte Duncan. "Ja, ja, das hat dir gefallen, was?" "He, Moment mal, Stopp Freunde!", mischte sich Richie ein, "Soll das etwa heißen, dass ihr beiden harmlose Cowboys um ihren schwer verdienten Lohn gebracht habt?" "Na, ob sie immer alle harmlos waren, weiß ich ja nicht so genau, aber gelohnt hat es sich schon," antwortete Connor mit einem schiefen Grinsen, "aber es machte absolut keinen Spaß, jeden Abend über den Haufen geschossen zu werden, das kannst du mir glauben." "Ach, jetzt auf einmal beschwerst du dich darüber? Ich hatte dir doch angeboten, die Rollen zu tauschen." "Ich weiß, Duncan, aber du bist nun einmal ein miserabler Pokerspieler, und wenn du betrügst, sieht das doch jedes Kind auf zehn Meilen. Das hätte einfach nicht funktioniert," erklärte Connor und wandte sich wieder seinem Blatt zu. "Tja, wenn das so ist," überlegte Richie laut, "dann denke ich, wir haben für heute genug gespielt, ich glaube, ich steige aus." "Da siehst du, was du angerichtet hast, du alter Spielverderber!", schimpfte Connor lachend und nahm die Karten zusammen. In dem Moment kam Dawson zusammen mit Amanda aus der Küche. Sie ging zu Duncan und drückte ihm einen Kuss auf jede Wange. "Hallo, Duncan, so gefällst du mir schon viel besser," sagte sie schmeichelnd. "Wieso bist du vorhin so schnell verschwunden? Ich hätte gerne noch mit dir geredet," wollte Duncan wissen. "Ach, Geschäfte, weißt du?", erklärte Amanda zweideutig. "Und wie kommt es überhaupt, dass du hier bist, ich dachte du wärst in den Staaten?" "Das war reiner Zufall, ehrlich. Ich habe Richie im Flieger getroffen und er hat mir erzählt, was vor sich geht, da bin ich natürlich gleich mitgekommen," antwortete Amanda und setzte sich Duncan gegenüber. MacLeod nickte nur. "Dann weißt du ja Bescheid, vielleicht sollten wir dann langsam anfangen, das Problem zu lösen," sagte Duncan auffordernd. "Das werden wir auch tun, "schaltete sich Dawson ein, der gegenüber einem Kopfende des Tisches an der Bar lehnte. "Sobald wir vollzählig sind." "Wieso, wer fehlt denn noch?", fragte Richie. "Na, lasst euch überraschen, es kann eigentlich nicht mehr lange dauern." "Joe,..." begann Duncan ungeduldig und brach ab als er sich zeitgleich mit den anderen der Tür zuwandte. Alle vier am Tisch waren plötzlich äußerst gespannt. Dawson wurde wieder einmal vor Augen geführt, dass er nicht wirklich zu ihnen gehörte, er musste warten, bis sich die Tür öffnete um festzustellen, dass jemand kam. Wenigstens hatte er den kleinen Vorteil, dass er wusste, wer es war. "Oh, was ist denn das hier? Eine Art Generalvollversammlung?", fragte die schlaksige Gestalt als sie zum Tisch schlenderte. "Ich hoffe, ich störe nicht?" "Nein, tust du nicht, Methos, wir haben auf dich gewartet," antwortete Dawson. Methos nickte kurz allen zu und ließ sich dann an der Stirnseite auf einen Stuhl sinken. "Nun, was gibt es denn so furchtbar Dringendes, dass du mich ganz aus Ägypten hierher bestellst?", fragte Methos neugierig. Dawson erzählte ihm die gesamte Geschichte und Methos hörte aufmerksam zu. Als Joe geendet hatte, fragte er nach kurzem Überlegen etwas ratlos: "Hm, schön und gut, dieser Unsterblichen gehört ohne Frage das Handwerk gelegt, nur, was kann ich dabei tun?" "Nun, ich hoffe eine ganze Menge," sagte Joe und strich sich über den Bart. "Es handelt sich dabei nämlich um eine Frau namens Gloria Martinez." Methos eben noch so lässige Haltung veränderte sich schlagartig, gespannt lehnte er sich nach vorne und fixierte Dawson: "Nein Joe, doch nicht die Gloria..." "Doch, leider ja." "Aber,... das ist unmöglich, sie ist..." Methos ließ sich wieder an die Rückenlehne fallen und versank in seinen Gedanken. Es war Richie der aussprach, was alle dachten: "Kann mir mal einer erklären, was hier vor sich geht? Joe? Was ist mit dieser Martinez und Methos?" Dawson schüttelte den Kopf, er ließ Methos nicht aus den Augen und sagte nur: "Das kann er uns lieber selber erzählen, lassen wir ihm noch einen Moment." Schließlich kam Methos wieder zu sich und sagte bestimmt: "Joe, ich glaube das einfach nicht, wir reden hier sicher nicht von derselben Person." Duncan holte aus seiner Innentasche ein zerknittertes Blatt Papier, es war Morenos Zeichnung von Martinez. Er schob es Methos hin und sagte: "Wir reden hier genau von dieser Person." Methos schaute auf das Blatt und nahm es dann fassungslos in die Hand. Er sah diese freundlichen, heiteren Augen und wurde von Erinnerungen überrannt, die er längst verdrängt hatte. Die anderen platzten beinahe vor Ungeduld, doch sie ließen Methos Zeit. Schließlich legte er die Zeichnung auf den Tisch und sprach wie zu sich selber: "Ich habe sie gekannt. Sie kam zu mir, als sie den Beobachtern beigetreten ist. Ich habe sie alles gelehrt, was ein guter Beobachter können muss, und ich habe ihr alles über die Unsterblichen erzählt. Es war schließlich meine Aufgabe," verteidigte er sich im Voraus. "Das ist doch nicht alles?", hakte Duncan nach, als keine weitere Erklärung kam. Methos schaute erst zur Decke und holte tief Luft, bevor er antwortete: "Nein. Wir waren ein Paar. Wir hatten uns geliebt. Sie war ein wundervoller Mensch..., Joe, ich kann einfach nicht glauben, dass sie zu solchen Taten fähig sein soll," sagte er verzweifelt. Duncan schüttelte den Kopf und fragte zweifelnd: "Du hast diese mordende Bestie geliebt?" "Nein," fuhr Methos ihn wütend an, "nicht die mordende Bestie, sondern den Menschen Gloria Martinez! Sie wusste noch nichts von ihrer Unsterblichkeit, und ich habe ihr auch nichts davon erzählt. Jeder von uns erfährt es früh genug, wenn es soweit ist." "Warum habt ihr euch getrennt?" "Es war ihre Idee gewesen. Als sie ihren ersten Auftrag bekam und versetzt wurde, meinte sie, es wäre besser, wenn wir eine Weile voneinander getrennt arbeiten würden. Ich habe das respektiert. Das nächste, was ich von ihr gehört hatte, war, dass sie bei diesem Schiffsunglück ertrunken sei. Ich wusste natürlich, dass sie es überlebt haben musste, aber weiter habe ich nichts von ihr gehört." "Du weißt, wer ihr erster Auftrag war?", fragte Dawson. "Ja, Slater, nicht gerade ein Chorknabe, vielleicht hat er sie so negativ beeinflusst," mutmaßte Methos. "Ja, vielleicht," stimmte Joe nachdenklich zu, "weißt du auch, dass Slater ca. drei Jahre nach dem Schiffsunglück geköpft wurde? Und niemand weiß, wer es getan hat?" "Du meinst doch nicht etwa, dass sie...?", sprach Methos die Frage nicht aus. "Ich weiß es natürlich nicht mit Sicherheit, doch nach allem was wir bis jetzt wissen, spricht wohl einiges dafür. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie sich von ihm hat einweisen lassen und sich dann auf ihre Art dafür bedankt hat." Methos schüttelte langsam den Kopf. Joe sprach weiter: "Wie dem auch sei, ich habe gehofft, dass du uns bei der Suche nach ihr weiterhelfen kannst. Du kennst sie am besten von uns allen, du weißt wie sie denkt, kennst ihre Gewohnheiten. Ich weiß, dass das alles ziemlich überraschend kommt, doch wir haben leider keine Zeit zu verlieren," drang Dawson weiter vor. Methos starrte wieder die Zeichnung an und sagte schließlich: "Nein, Joe, tut mir leid, das kann ich nicht." "Methos, bitte!", forderte jetzt auch Duncan. "Nein, Duncan, nicht mit mir!", fauchte Methos. Dann stieß er seinen Stuhl zurück und verließ das Lokal. Duncan sprang auf und wollte ihm folgen. "Mac," rief Joe ihn zurück, "lass ihn in Ruhe, er muss das erst mal verdauen." "Verdammt, Joe," drehte sich Duncan wütend zu ihm um, "Methos ist wahrscheinlich wirklich der Schlüssel zu Martinez! Wir müssen doch bei kleinem mal was unternehmen, während wir hier untätig herum sitzen, hat sie sich bereits das nächste Opfer ausgesucht!" "Duncan, rege dich wieder ab," ging Connor dazwischen, "es ist niemanden damit geholfen, wenn du deinen Kopf bereits verlierst, bevor er dir abgeschlagen wurde. Versuche Methos zu verstehen, er hat sie schließlich geliebt." "Das mag ja sein, trotzdem kann ich nicht verstehen, dass er uns nicht helfen will. Martinez ist schlimmer als Kurgan, Kalas und Kronos zusammen und wenn er sie deckt kommt das einem Verrat an jedem anderen von uns gleich!" "Lass ihn das besser nicht hören," riet Richie. "Warum nicht? Wenn er doch recht hat?", fragte Methos aus dem Hintergrund, niemand hatte gemerkt, dass er wieder hereingekommen war. Er setzte sich wieder auf seinen Platz und fuhr fort: "Tut mir leid, aber ich musste kurz an die Luft. Das Ganze ist nicht gerade einfach für mich, und ehrlich gesagt, sehe ich noch nicht, wie ich euch überhaupt helfen kann. Ich kenne diese mordende Unsterbliche nicht. Ich kenne nur Gloria Martinez, die Normalsterbliche und Beobachterin, genau so wie sie mich nur als Adam Pierson den Beobachter von Methos kennt. Sie war einfach eine tolle Frau, ich hatte keinen Grund ihr nicht zu vertrauen. Wie kann euch das weiterhelfen?" "Das wissen wir auch noch nicht so genau," sagte Connor, "aber vielleicht kommen wir ja noch dahinter. Kannst du uns sagen, warum sie so genau Bescheid weiß? Ich meine, sie scheint jede Einzelheit aus dem Leben ihrer Opfer zu kennen, sonst könnte sie gar nicht so präzise vorgehen. Das kann sie nicht alles von dir haben, und diesen Beobachtern gehört sie schließlich nicht mehr an." "Connor hat recht," stimmte Joe ihm zu, "sie hat Informationen, an die nicht einmal ich herankommen würde, und das, obwohl die Organisation laufend die Passwörter und Zugangscodes für das Netz ändert." Methos nickte nachdenklich und sagte: "Ja, sie hat mir damals von einem Freund erzählt, den sie einmal gehabt hatte, er war wohl ein begnadeter Hacker und hat ihr einiges beigebracht. Das war ja auch der Grund gewesen, warum sie zu den Beobachtern gekommen ist." "Weil sie so ein toller Hacker war?", fragte Richie entgeistert. "Genauer gesagt, weil sie irgendwann durch Zufall in den Archiven der Beobachter gelandet ist. Was sie dort erfahren hatte, hat sie so fasziniert, dass sie sich an die Organisation gewandt hat, weil sie auch dazu gehören wollte. Man wollte sie erst nicht nehmen, als man aber erfahren hat welche Informationen sie bereits hatte, blieb gar keine andere Möglichkeit mehr offen, als sie aufzunehmen." "Es hat sie also keineswegs beunruhigt, dass in ihrer Welt Typen wie wir herumlaufen?", fragte Richie ungläubig.. "Nein, sie fand das spannend. Sie konnte gar nicht schnell genug alles darüber lernen." Methos machte eine kurze Pause, bevor er nachdenklicher fortfuhr: "Allerdings hat sie diese idiotische "Es kann nur einen geben" - Regel immer ganz besonders fasziniert." "Nun, wenigstens in dem Punkt hat sie sich dann ja nicht verändert," bemerkte Connor trocken. "Ich weiß nicht, was ich euch noch über sie erzählen soll," sagte Methos und lehnte sich zurück, "außer vielleicht, dass sie schon immer genau gewusst hat, was sie wollte. Und irgendwie hat sie auch immer Mittel und Wege gefunden, ihren Kopf durchzusetzen. Doch wie wir sie finden sollen, da habe ich wirklich keine Ahnung." "Also, wenn ich das mal auf den Punkt bringen darf," meldete sich Amanda zum ersten Mal zu Wort, "diese Frau weiß alles über uns und wir kaum etwas über sie. Sie zu finden ist praktisch unmöglich, weil sie zu viele Infos hat und außerdem sehr auf ihre Sicherheit bedacht ist. Darauf zu warten, dass sie einen Fehler macht, kann jeden von uns in der Zwischenzeit den Kopf kosten. Außerdem hat sie scheinbar ein besonderes Geschick darin, sich andere Leute zu nutzen zu machen. Ist das soweit alles korrekt?", fragte sie rhetorisch und registrierte ein allgemeines Nicken. "Gut, dann sollten wir langsam anfangen, in ihren Dimensionen zu denken. Wir wissen doch was sie will, geben wir es ihr!", verkündete Amanda triumphierend und erntete ratlose Gesichter. Sie schaute mitleidig in die Runde und sagte mit einem verzweifelten Augenaufschlag: "Ok, ich habe vergessen, dass ich es hier ja nur mit Männern zu tun habe. Dann muss ich es wohl etwas ausführlicher erklären. Es ist doch ganz einfach: Hinter ihr herzulaufen ist aussichtslos, also lassen wir sie zu uns kommen! Sie will alle Unsterblichen erledigen und das ist trotz aller Insider Infos ein ziemlich mühseliges Geschäft, das müsst ihr zugeben. Wenn jetzt aber zum Beispiel Methos Gloria, als Adam Pierson natürlich, rein zufällig wieder entdeckt, könnte er ihr stecken, dass wir uns hier alle ganz gemütlich versammelt haben. Versetzt euch doch mal in ihre Lage! Vier Unsterbliche in ein und derselben Stadt, praktisch auf dem Silbertablett serviert, die Chance wird sie sich kaum entgehen lassen. Wir müssen nur noch auf sie warten und bereit sein. Na, was haltet ihr davon?" Aufmunternd blickte sie in die Runde. Schließlich sagte Richie halb im Spaß: "Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll, aber dass du sie so gut verstehst, Amanda, das kann einem ja fast Angst machen." "Ach, Richie, so sind wir Frauen eben. Duncan, was hältst du davon?" Er wiegte den Kopf. "Das klingt ziemlich riskant, Amanda, ich weiß nicht." "Na, ihr seid mir ja schöne Helden," kommentierte Amanda spöttisch. Connor lehnte sich vor und sagte langsam: "Also, ich glaube sie hat recht, das wäre eine reelle Chance. Allerdings gibt es da einige Punkte, die beachtet werden müssten..."
Es folgte eine lange und zum Teil ziemlich hitzige Diskussion in der Pläne geschmiedet, Vorschläge gemacht und wieder verworfen wurden. Es war ein heikles Unternehmen und sie versuchten alle Möglichkeiten abzuschätzen und Alternativpläne zu erstellen. Schließlich beendete Connor die Diskussion. "Ok, es reicht, ich denke die Sache ist jetzt klar, jeder weiß, was er zu tun hat." Der Morgen graute bereits als sie Joes Bar verließen und sich ihre Wege trennten.
Duncan wurde brutal durch das Klingeln des Telefons aus tiefer Meditation gerissen. Er brauchte eine Weile, bevor er das aufdringliche Geräusch zuordnen konnte, doch dann schaffte er es gerade noch rechtzeitig zum Telefon. "Duncan MacLeod?", fragte eine unbekannte Stimme. "Wer ist da?", fragte er zurück. "Sie ist in der Stadt." Das war alles, doch es reichte, um MacLeod endgültig in die Realität zurück zu holen. Das Warten hatte ein Ende. Er hatte den Hörer gerade aufgelegt, als er die Schritte auf Deck hörte. Reflexartig griff er nach seinem Schwert und war mit zwei Schritten an der Tür, als ihm auffiel, dass er gar nichts spürte. So gut konnte nicht einmal Martinez sein, dachte er und legte das Schwert zur Seite, wer immer da auch kam, hatte es nicht auf seinen Kopf abgesehen. Es wurde geklopft, er öffnete und traute seinen Augen nicht. "Anne?!" In seiner Stimme schwang neben der Überraschung auch etwas Entsetzen mit, und das machte die Frau vor ihm noch nervöser als sie es ohnehin schon war. "Hallo, Duncan," sagte sie und schaute verlegen auf ihre Füße. "Wie kommst du denn hierher?" Fragte MacLeod fassungslos. "Ich bin zufällig in der Stadt und da habe ich gedacht, ich schau mal vorbei. Aber, wenn es dir nicht passt dann..." "Ähm, nein, es ist schon in Ordnung, nur..." Duncan kämpfte noch mit dem Adrenalin, von dem mehr in seinem Blut war, als er momentan gebrauchen konnte. "Also, ich will ja nicht aufdringlich sein, aber es ist ziemlich kalt hier draußen." "Oh, entschuldige, bitte, komm doch rein," löste sich MacLeod langsam aus seiner Erstarrung. Anne trat ein und sah sich neugierig um. Sie registrierte die Veränderungen seit ihrem letzten Besuch, der ein halbes Leben zurück zu liegen schien. Sie fragte sich, wie Duncan sich in der spartanischen Einrichtung wohl fühlen konnte. Doch wer sagte, dass er sich wohl fühlte? schoss es ihr durch den Kopf. "Tja, also," begann sie das erneute Schweigen zu brechen, "ich habe ja nicht wirklich erwartet, dass du in einen Freudentaumel ausbrichst, doch eine etwas andere Begrüßung hätte ich mir schon erhofft," sagte sie mit einem leisen Vorwurf in der Stimme, der zum Teil ihr selber galt. Sie hatte sehr lange überlegt, ob sie kommen sollte, wirklich sehr lange, bis zum Schluss war sie nicht sicher gewesen, ob es richtig sein würde, nun sah sie ihre Befürchtungen bestätigt. Duncan lächelte endlich und nahm sie in die Arme. "Entschuldige, Anne, natürlich freue ich mich, es ist nur, mit dir habe ich nun ganz und gar nicht gerechnet." Sie lösten sich voneinander und Anne sagte entschuldigend: "Ich wollte ja vorher anrufen, aber ich konnte deine Nummer einfach nicht heraus bekommen." Duncan nickte schon wieder etwas gedankenlos. "Duncan? Was ist denn los, stimmt was nicht?", fragte Anne inzwischen leicht besorgt. Die Ärztin in ihr registrierte, dass der Mann vor ihr unter einer ungeheuren Anspannung stand. Sie konnte nicht ganz glauben, dass sie alleine dafür der Grund sein sollte. MacLeod schüttelte den Kopf, als wollte er sich von unliebsamen Gedanken befreien. "Entschuldige bitte..." "Ach, Duncan, jetzt hör schon auf dich dauernd zu entschuldigen, sag mir lieber was los ist. Ich verkrafte es schon, wenn ich hier im Weg bin." "Das ist es nicht Anne," versuchte Duncan zu erklären, "es ist nur..., es ist hier im Moment einfach nicht sicher, verstehst du?", brachte er schließlich heraus. Er wollte sie nicht mit Martinez belasten, aber er wollte sie genau so wenig vor den Kopf stoßen. Anne nickte langsam. "Verstehe, Duncan, wieder diese alte Sache, ja?", sagte sie leise und erinnerte sich plötzlich daran, warum sie sich eigentlich getrennt hatten. Sie hatte die Tatsache, dass MacLeod ein Unsterblicher war mit allem, was es mit sich brachte, erfolgreich verdrängt gehabt. "Ja, wieder, immer noch, nenn es wie du willst," bestätigte MacLeod resigniert. "Auf jeden Fall ist es nicht gut, wenn du hier bleibst." Anne nickte nur. So hatte sie sich das Wiedersehen wirklich nicht vorgestellt. "He, Anne, lass den Kopf nicht hängen. Hast du Hunger? Wir könnten etwas Essen gehen," schlug Duncan versöhnlich vor und ließ den Zusatz "in der Öffentlichkeit sind wir einigermaßen sicher" wohlweislich weg. Doch Anne verstand ihn auch so und nahm seinen Vorschlag dankbar an. Sie wartete auf Duncan, der sich kurz umzog. Als er seinen Mantel anzog, sah sie, wie er sein Schwert darin verstaute und verspürte einen Stich. Wieso hatte sie nur glauben können, dass sich für ihn irgend etwas geändert hatte? Sie parkten in der Nähe eines Restaurants. Als sie die paar Meter vom Auto zum Restaurant zurück legten, entging Anne nicht MacLeods gesteigerte Wachsamkeit. Er schien seine Augen überall zu haben und hörte ihr nur mit halbem Ohr zu. Erst als sie an ihrem Tisch saßen, schien er sich ein wenig zu entspannen. Nachdem sie bestellt hatten fragte Duncan: "Nun, wie kommt es denn nun, dass du in Paris bist, du bist doch nicht nur meinetwegen hier?" "Das wäre doch wohl wirklich zuviel der Ehre, findest du nicht?", neckte Anne ihn. "Nein, es findet gerade ein Ärztekongress statt, ich habe nämlich wieder angefangen zu arbeiten, musst du wissen." "Das freut mich für dich, ehrlich, du warst immer eine ganz besonders gute Ärztin. Aber was ist mit...?" "Mit meinem Kind, meinst du? Oh, Mary ist sehr gut aufgehoben, ich mache noch keine vollen Schichten und habe ein paar sehr liebe Betreuer für sie." "Wie alt ist sie jetzt eigentlich schon?", fragte Duncan und dachte an den Moment, als er von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte, damals war ihm klar geworden, dass sie nicht zusammen bleiben konnten. Die Gefahr war einfach zu groß gewesen. Es hätte nicht funktioniert. "Sie wird fünf nächsten Monat. Sie ist wirklich ein ganz tolles Mädchen," schwärmte Anne mit leuchtenden Augen und spürte wie sehr sie ihre Tochter vermisste. Es war das erste Mal, dass sie mehrere Tage von ihr getrennt war. "Du solltest sie mal besuchen kommen." Duncan nickte lächelnd, "ja, das wäre schön. Wohnt ihr noch in dem Haus?" "Aber natürlich, es gibt kein schöneres! Du hast uns das perfekte Nest gebaut, Duncan, dafür bin ich dir wirklich dankbar." "Ach, das war das wenigste, was ich für euch tun konnte. Gibt es denn wenigstens noch einen, na ja, du weißt schon," druckste MacLeod herum. "Einen Vater?", half Anne nach. "Nein, wir kommen ganz gut alleine zurecht," behauptete sie, auch wenn es nicht ganz der Wahrheit entsprach. Der eigentliche Vater des Jungen hatte sich schnell als Windei entpuppt, und der Mann, den sie sich als Vater wünschte, befand sich leider ständig in der Gefahr, den Kopf zu verlieren. Dann wurde ihr Essen gebracht. Sie unterhielten sich noch lange über alles mögliche, nur nicht mehr über die Dinge, die sie wirklich berührten. Anne bestritt den größten Teil der Unterhaltung und musste MacLeod immer wieder aus seinen Gedanken holen. Schließlich gähnte Anne und sagte: "Ich glaube, wir sollten gehen. Morgen früh gehen die Vorträge weiter, und ich möchte ungern dabei einschlafen."
MacLeod brachte sie bis zu ihrem Hotel, einen Moment standen sie sich etwas unschlüssig gegenüber, dann umarmte Anne ihn endlich und sie schenkten sich einen langen, schmerzvollen Abschiedskuss.
Amanda stand vor dem Juweliergeschäft und musterte kritisch die Auslage, "Nein, hier lohnt es sich nicht," entschied sie gerade für sich, als sie es spürte. Im Glas des Schaufensters entdeckte sie den Grund. Auf der anderen Straßenseite stand eine junge Frau, die sich suchend umschaute, offenbar hatte sie Amanda noch nicht als Auslöser für ihren eigenen Buzz erkannt. Kurz entschlossen überquerte Amanda die Straße und ging auf die attraktive Frau zu. "Hi!", grüßte sie, "Ich bin Amanda, du bist wohl neu in der Stadt, stimmt's?", fragte sie und reichte der Unbekannten die Hand. "Hallo," antwortete die Fremde etwas verunsichert, "ja, das ist richtig," antwortete sie schließlich und schüttelte endlich Amandas Hand. "Hast du vielleicht Lust auf einen Kaffee? Ich kenne da ein nettes kleines Café, es ist gleich um die Ecke," schlug Amanda mit einem offenen Lächeln vor. "Ja, also ich weiß nicht,..." überlegte die Frau unsicher. "Na, komm schon, ich beiße nicht. Ich würde dir wirklich gerne ein wenig die Stadt zeigen," erklärte Amanda aufmunternd. "Also gut, warum nicht? Gehen wir," "Fein, also, was führt dich..., äh wie war noch gleich dein Name? Eigentlich hierher?", wollte Amanda wissen. Die Fremde lachte und sagte entschuldigend: "Oh, tut mir leid, ich habe ganz vergessen mich vorzustellen. Ich heiße Carmen, Carmen Sánchez. Und, na ja, nichts besonderes, ich wollte nur mal die Stadt kennen lernen. Paris soll ja immer eine Reise wert sein." "Das ist wahr und ich kann dir auch zeigen, wo es sich besonders lohnt. Falls du auf einen Reiseführer wert legst." "Na klar, das Angebot nehme ich gerne an." Sie erreichten das Café und setzten sich an einen kleinen Tisch am Fenster. Amanda musterte ihr Gegenüber und musste feststellen, dass sie wirklich unverschämt gut aussah. Lange schwarze Locken umrahmten ihr ebenmäßiges Gesicht mit markanten Wangenknochen und intelligenten dunkelbraunen Augen. Der volle Mund kräuselte sich immer wieder zu einem reizenden kleinen Lächeln. Es war alleine Amandas ausgeprägtem Selbstbewusstsein zu verdanken, dass im Laufe der Jahrhunderte gewachsen war, dass sie auf diese Frau nicht eifersüchtig wurde. Sie bestellten ihren Kaffee und Croissants und nach einer kleinen Pause seufzte Amanda: "Ach, es ist so schön, endlich mal wieder jemanden wie dich zu treffen." "Wirklich?" Frage Carmen erstaunt. "Ja, weißt du, selbst in einer Stadt wie Paris kann es manchmal recht langweilig werden. Ich meine, gut, ich habe einen Freund, aber das ist nicht dasselbe. Mit einer Frau kann man doch ganz anders reden. Nur, dass die anderen Frauen hier alle so furchtbar jung sind. Wenn du verstehst was ich meine." Carmen lächelte und nickte. Dann sagte sie nachdenklich das, was ihr anscheinend schon die ganze Zeit auf der Zunge brannte: "Aber, ist es nicht eigentlich so, dass..., na ja, das unsereiner sich nicht unbedingt zu Stadtbesichtigungen einlädt?" Amanda erwiderte lachend: "Du meinst wohl die Sache mit..." und machte eine Handbewegung, die nicht nur unter normal Sterblichen für Kehle durchschneiden stand. Sie waren schließlich nicht alleine im Café und wollten kein unnötiges Aufsehen erregen. "Ach, weißt du Carmen, die Geschichte sollte man wirklich nicht so schrecklich ernst nehmen. Klar, in den ersten Jahrzehnten glaubt man noch hinter jedem Schatten das Unglück zu sehen. Und sobald man einem von uns begegnet, denkt man, das letzte Stündlein hätte geschlagen. Aber mit der Zeit wird man doch ruhiger. Es sind schließlich nicht alle hintereinander her. Mit einigen kann man doch ganz prima auskommen. Und warum zum Beispiel sollten wir beide uns bekämpfen? Wir haben doch gar keinen Streit miteinander. Nein, lass das man andere erledigen." "Aber,..." versuchte Carmen nicht ganz überzeugt anzuführen. "Du bist wohl noch nicht so lange dabei, was?", unterbrach Amanda sie und bekam eine vage Kopfbewegung zur Antwort. "Dann will ich dir mal was verraten," sie lehnte sich nach vorne, um leiser sprechen zu können, "es kommt gar nicht darauf an, so viele wie möglich zu erwischen. Der Trick ist, solange am Leben zu bleiben, bis keiner mehr übrig ist. Und wenn ich dir noch was verraten darf, die, die am härtesten Kämpfen, sind am schnellsten weg vom Fenster." Carmen rührte nachdenklich in ihrem Kaffee. Von der Seite hatte sie es anscheinend noch nicht betrachtet. "Hattest du denn niemanden, der dich eingewiesen hat?", fragte Amanda erstaunt. "Doch, schon, aber anscheinend gehörte der zu der Sorte 'harter Kämpfer'," antwortete Carmen ironisch. Amanda nickte und sagte: "Hast du zum Beispiel schon von Methos gehört?" "Dem ältesten von uns? Aber das ist doch eine Legende. Ihn gibt es nicht wirklich, oder kennst du ihn etwa?", fragte Carmen aufmerksam geworden. "Nein, leider nicht persönlich, aber ich habe Hinweise darauf, dass er tatsächlich noch existiert. Und warum? Weil er sich im Hintergrund hält, er zieht nicht von einer Schlacht in die nächste und riskiert dabei seinen Kopf." "Das klingt irgendwie ein bisschen feige, findest du nicht?", wollte Carmen provozierend wissen. Amanda winkte ab. "Unsinn, Carmen! Aus dir spricht wirklich noch die Jugend, das ist nicht feige. Ich würde es eher weise nennen. Du kommst auch schon noch dahinter, wart's nur ab." Carmen zuckte die Schultern und strich sich Butter auf ihr Croissant. Sie aßen eine Weile schweigend, dann fragte Amanda: "Hast du eigentlich schon eine Unterkunft?" "Na ja, es ist nicht gerade das Hilton, ich bin im Moment ein wenig klamm, weißt du. Ich habe mir ein kleines Zimmer genommen, das ich mit ein paar Kakerlaken und Ratten teile." Amanda schüttelte sich. "Uah, das klingt ja furchtbar! Wenn du möchtest, könntest du ein Weilchen bei mir wohnen, natürlich nur so lange, bis es dir wieder besser geht," schlug sie vor. "Nein, das kann ich doch nicht annehmen, Amanda, das ist doch wirklich zu viel," wehrte Carmen ab. "Das lass mal mich entscheiden. Und stell dir nicht zuviel vor, ich habe auch nur eine kleine Wohnung, aber die teile ich mir nur mit meinem Freund. Für Fälle wie dich haben wir extra ein Gästezimmer, wird Zeit, dass wir das auch mal benutzen können. Also, was ist?" "Ja, wenn es dir und deinem Freund nichts ausmacht, nehme ich dein Angebot gerne an," schlug Carmen schließlich ein und freute sich offensichtlich darüber.
Nachdem sie Carmens Sachen aus der Absteige geholt hatten gingen sie zu Amandas Wohnung. Sie befand sich in einem Haus aus der Jahrhundertwende. Ein Mietshaus mit mehreren Parteien, für eine Zusammenkunft denkbar ungeeignet, wie Carmen beruhigt feststellte. Hier war sie anscheinend tatsächlich sicher. "Es ist ein wenig chaotisch," entschuldigte sich Amanda, als sie Carmen herumführte. Carmen bestaunte die bunte Mischung aus modernen Designerstücken und Antiquitäten und sagte: "Also, mir gefällt das, ist wenigstens nicht langweilig." "Tja, das wäre dann dein Zimmer," sagte Amanda und räumte einen Haufen Klamotten vom Bett, "nicht besonders groß, aber wenigstens für dich alleine." Carmen nickte zufrieden. "Das ist wirklich toll von dir, Amanda, ich weiß gar nicht, wie ich dir dafür danken soll." "Ach, Blödsinn, du dankst mir doch schon durch deine Gesellschaft."
Sie hatten sich auf ein Glas Wein hingesetzt und plauderten über alles Mögliche als Carmen sich plötzlich versteifte und wachsam um sich schaute. Amanda lächelte und sagte beruhigend: "Nur keine Panik, Carmen, das ist sicher nur mein Freund." "Was, dein Freund ist auch ein..." fragte Carmen ungläubig. "Sicher, warum denn nicht," erklärte Amanda Achsel zuckend. "Weißt du auf die Dauer ist das einfach praktischer. Nichts gegen die normalen Männer, aber mal ganz unter uns, die werden doch einfach viel zu schnell alt," sagte Amanda und zwinkerte Carmen zu, die daraufhin lächeln musste. Sie hörten, wie sich ein Schlüssel in der Haustür drehte und dann rief jemand fragend: "Amanda?" "Wir sind hier, im Wohnzimmer," antwortete Amanda. Schritte kamen näher, "Oh, du bist nicht alleine?", fragte der Mann, als er das Wohnzimmer betrat. Amanda stand auf und drückte ihrem Freund einen Kuss auf den Mund. "Darf ich vorstellen? Das ist Carmen, eine Freundin, ich habe sie heute vormittag getroffen. Sie hat keine anständige Bleibe und da habe ich sie zu uns eingeladen. Du hast doch nichts dagegen, oder?", fragte Amanda und strich dem Mann schmeichelnd übers Haar. Ihr Freund befreite sich aus der Umklammerung, um Carmen die Hand zu reichen. "Aber nicht das Geringste," erklärte er und konnte seine Augen gar nicht von der hübschen Frau lassen. "Freut mich sehr dich kennen zu lernen, ich bin Richie, aber das weißt du ja wahrscheinlich schon." Carmen erwiderte den Händedruck und musterte ihr Gegenüber etwas kritischer als er sie. Doch er erschien ihr harmlos - ein gut aussehender scheinbar junger Bursche, gut durchtrainiert - aber harmlos.
Am nächsten Tag gingen Amanda und Carmen zusammen Shoppen und hatten sehr viel Spaß dabei. Amanda ließ es sich nicht nehmen, Carmen ein paar hübsche Sachen zu kaufen, auch wenn diese dagegen protestierte. Dass Amanda hin und wieder auch einige exquisite kleinere Gegenstände bereits in ihrer geräumigen Handtasche verschwinden ließ, bevor sie die Kasse erreicht hatte, bekam Carmen zwar durchaus mit, aber sie ignorierte das großzügig. Am späten Nachmittag kehrten sie erschöpft vom Herumlaufen und schwer bepackt aber glücklich wieder in die Wohnung zurück. Sie waren gerade dabei die Sachen auszupacken und Amanda probierte schon einmal eines der neuen Kleider an, als Richie nach Hause kam. Er traf die beiden im Schlafzimmer an und sein Gesichtsausdruck reichte aus, um die gute Laune der Frauen verschwinden zu lassen. "Was ist los, Richie?", wollte Amanda wissen. "Passt es dir etwa nicht, dass wir ein wenig eingekauft haben?" Richie schüttelte den Kopf, dann sah er sich das Chaos an, das sich im Schlafzimmer ausgebreitet hatte und sagte: "Vielleicht gehen wir lieber ins Wohnzimmer, ich glaube, ich könnte einen Drink gebrauchen." Er ging vor und die beiden Frauen folgten ihm neugierig. Richie schenkte sich erst mal einen doppelten Whisky ein und rückte schließlich mit der Sprache raus. "Ich habe ihn getroffen," wandte er sich an Amanda. Amandas erschrockener Ausdruck ließ keinen Zweifel daran, dass sie wusste von wem die Rede war. "Richie..." hauchte sie fassungslos, "hast du ihn etwa..?" Richie schüttelte den Kopf. "Nein, er war im Park, hat dort ein paar Kindern Tai Chi Übungen gezeigt." "Pah," schnaubte Amanda abfällig, "das sieht ihm mal wieder ähnlich, einen auf lieben Freund und Helfer zu spielen!" "Ich habe mich mit ihm verabredet," erklärte Richie. "Richie!" Amanda war ehrlich entsetzt. "Hältst du das wirklich für eine gute Idee?" "Es muss sein," bestätigte Richie entschlossen. Amanda nickte nur und schien keineswegs glücklich. "Wann?", flüsterte sie. "Heute abend, in der alten Lagerhalle oberhalb der Stadt." Richie genehmigte sich in Gedanken versunken noch einen Schluck. Schweigen senkte sich über sie, bis Carmen es nicht mehr aushielt. "Darf ich fragen, um wen es sich dabei handelt?" Richie schien sie gar nicht zu hören. Amanda schaute Carmen erstaunt an, als hätte sie völlig vergessen, das sie auch noch da war. Dann antwortete sie: "Oh, ja, natürlich, es ist ein alter Bekannter von uns, wahrscheinlich kennst du ihn nicht, sein Name ist MacLeod." "Duncan MacLeod?", fragte Carmen plötzlich hellwach geworden zurück. Amanda nickte. "Du kennst ihn?" "Allerdings," bestätigte Carmen in bitterem Tonfall. Nun hing auch sie einen Moment ihren Gedanken nach, bis sie fragte: "Warum will Richie seinen Kopf?" Amanda lachte einmal kurz und humorlos, bevor sie erklärte: "Eigentlich ist es genau anders herum. MacLeod wollte Richies Kopf und das gleich zwei mal. Er hat es nur einem Haufen glücklicher Umstände zu verdanken, dass er noch lebt." "Ja," mischte sich nun auch Richie ein und fuhr kalt fort, "und jetzt ist endgültig Schluss mit dem Versteckspiel, ich werde das heute ein für allemal beenden." "Du bist wirklich ganz schön sauer auf ihn, wie?", bemerkte Carmen. Während Richie nur grimmig nickte, erklärte Amanda: "Ja, es geht nicht nur um die Tatsache, das MacLeod ihn töten wollte - so ist nun einmal unser Spiel - sondern darum, dass er jahrelang Richies Vertrauen missbraucht hat. Er hat ihn bei sich aufgenommen, ihm alles beigebracht, was ein Unsterblicher wissen muss und ihn wie einen Freund behandelt, nur um ihn hinterrücks und feige umbringen zu können. Kannst du die so etwas vorstellen?", fragte Amanda mit zitternder Stimme. Carmen schüttelte schweigend den Kopf. "Und dann hat er noch nicht einmal die Courage zu seiner Tat zu stehen," fügte Richie hinzu. "Faselt irgend etwas von: Er wäre vom "Bösen", vom Teufel persönlich besessen gewesen und hätte nicht gewusst, was er da tut - so ein Schwachsinn!" "Und so etwas hat man mal geliebt," zischte Amanda. "Du warst mit ihm zusammen?" "Na ja," Amanda wand sich etwas auf ihrem Sitz, "so ein oder zwei Jahrhunderte lang habe ich wirklich geglaubt, wir wären füreinander bestimmt, doch dann, als er das mit Richie abgezogen hat..." Amanda schüttelte den Kopf, "ich hatte ja keine Ahnung!", verteidigte sie sich. "Und dann ist er auch noch mit dieser Schlampe Namens Anne zusammen, einer Sterblichen!" Es war nicht ganz sicher, was von alledem sie am meisten störte. "Nein, für mich ist Duncan MacLeod bereits gestorben, die Zeiten sind vorbei," schloss Amanda bestimmt. Nach einer Pause sprach sie in einem ruhigeren und fast verzweifelten Ton weiter: "Es ist nur so..., MacLeod ist wirklich ein verdammt guter Kämpfer und wenn Richie gegen ihn antritt, und womöglich..., Ich will ihn nicht verlieren, verstehst du? Ich habe einfach Angst um ihn!", flüsterte sie. Carmen nickte verständnisvoll. Richie erwachte aus seiner Trance und sagte: "Amanda, es wird schon schiefgehen, ich habe schließlich nicht umsonst die letzten Monate so hart trainiert. Außerdem weiß ich diesmal, was auf mich zukommt. Noch mal wird MacLeod mich nicht reinlegen!" Endete er mit bitterer Miene. "Sicher, ich weiß das ja," stimmte Amanda widerstrebend zu, "aber trotzdem..., ich weiß einfach nicht, ob ich es ertragen könnte, wenn ..." Amanda schaffte es nicht, den Satz zu beenden. Carmen unterbrach die darauf folgende Stille und sagte: "Bitte lasst mich gehen." "Wie bitte? Das ist doch wohl ein Scherz, oder?", lachte Richie, doch als er Carmens finstere Entschlossenheit bemerkte, erstarb sein Lächeln schlagartig. "Carmen?!", fragte auch Amanda fassungslos. "Es ist absolut kein Scherz, ich will Duncan MacLeod." Erklärte Carmen, und ließ keinen Zweifel daran, wie Ernst es ihr damit war. Richie schüttelte den Kopf. "Also, wirklich Carmen, es ist ja toll, das du für mich einspringen möchtest - aber das kommt überhaupt nicht in Frage! Du kannst einfach nicht meine Kämpfe kämpfen!" "Es ist auch kein Freundschaftsdienst, Richie - jedenfalls nicht nur, es ist nur weil..." Carmens eben noch so feste Stimme erstarb, sie starrte auf ihre Hände, die plötzlich angefangen hatten zu zittern. Amanda beugte sich vor und legte ihr mitfühlend eine Hand aufs Knie. "Was hat er dir angetan?" Carmen rang sichtlich um Worte und es dauerte einen Moment, ehe sie stockend begann: "Er..., er war auch ein Unsterblicher, aber er hat nie mit jemanden Streit gesucht, sein ganzes Leben lang nicht. Dann ist dieser verfluchte MacLeod aufgetaucht und hat wohl eine leichte Beute gewittert." Carmen musste eine kleine Pause machen, überwältigt von ihren Erinnerungen. "Er war Maler, weißt du? Ein Künstler, ganz mit seinen Werken beschäftigt und völlig arglos. MacLeod hat das gnadenlos ausgenutzt und ihn kaltblütig abgeschlachtet, er hat meinem Freund nicht einmal Zeit gelassen, sein Schwert zu ziehen. Kannst du dir das vorstellen?" Tränen ließen Carmens Augen glänzen, und Amanda legte tröstend den Arm um ihre Schultern. "Ich bin zu spät gekommen. Es war bereits passiert. Seit dem Tag bin ich hinter ihm her," langsam bekam die Wut in ihrer Stimme die Oberhand, "MacLeod gehört mir, Amanda, bitte lasst mich gehen, für Francesco." Amanda sagte leise: "Das ist ja furchtbar, Carmen, es tut mir so leid um deinen Freund. Ich kann verstehen, dass du ihn rächen willst. Aber traust du dir das wirklich zu? MacLeod ist ein schwerer Gegner." Carmen nickte. "Ich weiß, aber ich bin auch nicht aus Watte, und außerdem kenne ich einige Tricks, mit denen er wahrscheinlich nicht rechnen wird." Amanda wiegte nachdenklich den Kopf. Richie sagte sanft: "Carmen, ich weiß, du möchtest es lieber selber tun, aber letztlich kommt es doch nur darauf an, dass MacLeod seine gerechte Strafe erhält, oder? Sieh mal, bei so einem starken Gegner..., ich denke einfach, ich habe da die besseren Chancen, verstehst du? Und ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ich dich auch noch auf dem Gewissen hätte." Carmen schwieg einen Moment nachdenklich, bevor sie erwiderte: "Es geht nicht nur darum, dass er stirbt, Richie," flüsterte Carmen beinahe, "es ist auch..., verstehst du, als er Francescos Kopf genommen hat, ist ein Teil von ihm in MacLeod übergegangen und wenn ich nun MacLeod besiege, dann ist dieser Teil meines besten Freundes wieder bei mir. Nur so kann ich ihm wenigstens noch ein kleines Stückchen nahe sein." Carmen schaute Richie direkt an, ihre Augen voller Trauer aber gleichzeitig auch fordernd. Sie machte deutlich, dass sie in dieser Angelegenheit keinen Widerspruch duldete.
Amanda sah Carmen an und fragte eindringlich: "Und du willst das wirklich tun?" "Ja, Amanda, ich will seinen Kopf," sagte Carmen entschlossen, "ihr könnt mir keinen größeren Gefallen tun, als mich gehen zu lassen." "Tja, also..., Richie?" Amanda schaute ihn fragend an und er nickte nur. "Dann soll es wohl so sein, es ist dein Kampf, Carmen," rang er sich schließlich ab. Carmen umarmte Amanda und flüsterte ihr ein "Danke" ins Ohr.
Richie gab Carmen die Adresse und klärte sie über einige Besonderheiten der Lagerhalle und der Gegend auf. "Ich kenne die Halle recht gut, MacLeod hat ein paar mal mit mir dort trainiert," erklärte er und fügte nach einer kleinen Pause bitter hinzu: "Früher, in einem anderen Leben - Jedenfalls liegt sie auf einer kleinen Anhöhe, die Straße kannst du nur vom Tor aus einsehen. Es gibt zwei Tore, doch das eine lässt sich nicht mehr öffnen, somit gibt es nur einen Eingang. Sieh dich nach Möglichkeit gut vorher um," riet Richie ihr. "Das werde ich Richie, mache dir mal keine Sorgen," versuchte sie ihn zu beruhigen. Richie nickte. "Ok, dann..., dann bleibt mir wohl nur noch, dir alles Gute zu wünschen," sagte er schließlich und küsste sie zum Abschied auf die Wangen. Es fiel ihm schwer, sie gehen zu lassen. Amanda schloss Carmen fest in ihre Arme, auch sie war besorgt. "Passe bloß gut auf dich auf, Carmen, wenn alle Stricke reißen, musst du eben versuchen zu fliehen. Er hat deinen Kopf jedenfalls nicht verdient!" "Keine Sorge, Amanda, ich passe schon auf mich auf. Vielen Dank erst noch einmal, für alles."
Es war kurz vor Sonnenuntergang als sie die Halle erreichte. Carmen sondierte gründlich die Lage, bevor sie sich hinter einem Mauervorsprung in Deckung brachte und wartete. Lange dauerte es nicht bis sie spürte, dass jemand kam. Dann hörte sie auch den Motor des Wagens. Sie konnte ihn von ihrem Standpunkt aus nicht sehen, doch sie hörte wie er vor der Halle geparkt wurde und dann folgte das Klappen einer Autotür. Sie machte sich bereit. Der Mann trat in das große offene Tor, blieb stehen und sagte: "Guten Abend, Carmen! Oder sollte ich besser sagen: Gloria?" Sie trat aus dem Schatten der Mauer und erwiderte kalt: "Du bist nicht Duncan MacLeod!" "Sehr richtig erkannt," lobte der Mann. "Ich bin Connor MacLeod, der gleiche Clan, nur ein etwas anderer Jahrgang. Duncan ist leider verhindert, du musst also schon mit mir vorlieb nehmen," erklärte Connor und zog sein Schwert aus dem Mantel. Endlich stand er der Person gegenüber, die er so lange gesucht hatte. Gloria taxierte Connor und kam ein paar Schritte näher. "Nun gut, mir soll es Recht sein, dann kommt er eben als nächstes dran," sprach sie lächelnd und führte plötzlich ihre rechte Hand, in der sich eine Art Röhrchen befand, an den Mund und blies hinein. Bevor Connor begriffen hatte, was das zu bedeuten hatte spürte er auch schon den stechenden Schmerz in seinem Oberschenkel. Erstaunt und wütend zugleich zog er den Pfeil aus seinem Muskel und wusste in dem Moment, dass es zu spät war. Das Gift begann bereits zu wirken. Gloria kam langsam näher, amüsiert betrachtete sie Connors Miene. Von der Einstichstelle aus breitete sich eine Welle heißen Schmerzes aus, der eine eisige Kälte folgte. Connor beschloss, das alles zu ignorieren, er hob sein Schwert und wollte auf Gloria zugehen, doch er war dazu nicht in der Lage. Nach dem Schmerz, der nun auch seinen Oberkörper erreicht hatte, kam die Lähmung, er befahl seinen Beinen sich zu bewegen, doch sie gehorchten ihm nicht. Wütend musste er sich eingestehen, dass er praktisch hilflos war. So kurz hatte er sich den Kampf mit Martinez nicht vorgestellt. Gloria wartete genüsslich ab. Sie kannte die Wirkung der Substanz genau und kostete sie gerne gründlich aus. Sie konnte sich Zeit lassen, bevor sie den entscheidenden Schlag tat. Als Connors kraftlose Hand das Schwert zu Boden fallen ließ, fand sie den Zeitpunkt für gekommen. Das Schwert zum Schlag über den Kopf erhoben trat sie noch einen Schritt näher, Connor sah sie kommen, denn sein Bewusstsein war ungetrübt, verzweifelt versuchte er seinem Körper eine Reaktion abzugewinnen, doch es war aussichtslos. Martinez holte zum Schlag aus, als die Worte: "Tu es nicht!" Sie kalt und hart wie eine Ohrfeige trafen. Irritiert hielt sie inne. Connor hatten jetzt auch die letzten Kräfte verlassen und er sank hilflos zu Boden. Hinter ihm trat ein weiterer Mann durch das Tor. Martinez ließ das Schwert sinken und blinzelte gegen die tief stehende Sonne an, dann erkannte sie ihn. "Duncan MacLeod!", spuckte sie seinen Namen voller Verachtung aus. MacLeod trat rasch näher, warf nur einen kurzen Blick auf Connor, bevor er sagte: "Genau der, und falls du tatsächlich vorhast, Connor zu köpfen, dann werde ich mich anschließend um dich kümmern." Martinez zog sich in die Halle zurück und fauchte: "Das ist nicht fair!" "Ach, ist es das nicht? Nein? Und das, was du mit Moreno abgezogen hast, war das etwa fair?", fragte Duncan voller kalter Wut. Gloria antwortete nicht darauf, sie versuchte einen Ausweg aus ihrer Lage zu finden. Sie ging weiter rückwärts in die Halle hinein, Duncan folgte ihr mit einigen Schritten Abstand. Sie wusste, dass es nur einen Ausgang gab, und versuchte sich diesem in einem Bogen zu nähern. Vielleicht konnte sie es ja bis zu dem Auto schaffen, das draußen stand und sich in Sicherheit bringen. Sie verfluchte sich selber, dass sie nur einen Pfeil mitgenommen hatte, sie hatte einfach nicht mit mehreren Gegnern gerechnet. "Vielleicht solltest du langsam aufhören wegzulaufen," riet ihr ein weiterer Mann, der sich schräg hinter Connor in das Tor gestellt hatte. Martinez traute ihren Augen nicht. "Adam? Adam Pierson?!" "Nun, du kannst mich auch einfach Methos nennen," erwiderte er und deutete eine Verbeugung an. Martinez verstand erst nicht, doch dann sagte sie fassungslos: "Du bist Methos? Du gehörst zu uns? Dann hast du es damals die ganze Zeit gewusst, das ich...?" Methos nickte nur mit einem schiefen Grinsen. Man sah förmlich wie in Martinez Kopf die Gedanken rasten. "Dann hast du mich gar nicht zufällig entdeckt? Du hast nach mir gesucht! Und deshalb gab es nur eMails zwischen uns, damit ich nicht merke, dass du auch zu uns gehörst! Du warst gar nicht in Kapstadt!", folgerte Gloria wütend. Methos nickte beifällig. "Du hast schon immer schnell kapiert, Gloria," lobte er sie zynisch. Gloria schnaubte vor Wut: "Du hast mir all die Informationen nur gegeben, damit ich hierher komme! Du hast mich in eine Falle gelockt!!" Die hasserfüllten Blicke, die sie Methos zuwarf, hätten ihn alleine schon erledigen müssen, doch sie prallten an seiner aufreizenden Gleichgültigkeit einfach ab. Martinez Ton änderte sich plötzlich, wurde ruhiger, fast flehend, als sie sagte: "Aber..., was tust du hier, du willst doch nicht etwa...? Wir haben uns doch geliebt!" "Falsch, Gloria, du hast mich niemals geliebt, weil du zu so etwas nämlich gar nicht fähig bist," erklärte Methos voller Abscheu. "Du hast mich immer nur benutzt, so wie du jeden benutzt. Ich glaube, du hattest immer nur vorgehabt, dich an den Sieger in diesem Spiel zu halten, um mit ihm die Macht zu teilen. Du wolltest nur Beobachter werden, um dir den richtigen dafür auszusuchen. Und mit deinem Wissen als Beobachterin wäre es ein leichtes gewesen, jemanden wie Slater gewinnen zu lassen." Martinez erwiderte kalt lächelnd: "Sieh an, sieh an, unser kleiner Adam ist ja gar nicht mal so dumm. Und ich habe gedacht, du würdest nie dahinter kommen. Wie dem auch sei, es kam ja noch viel besser. Als ich unsterblich wurde, war mir natürlich klar, dass ich nun den Preis mit niemandem mehr würde teilen müssen. Das war wirklich ein Glücksfall, findest du nicht?" Methos schüttelte nur angewidert den Kopf. "Was ist? Hast du etwa ein Problem damit? Willst du etwa deswegen jetzt mit mir kämpfen?", fragte Gloria provozierend und kam mit ausgestrecktem Schwert auf ihn zu. Methos lehnte ungerührt am Tor und zuckte nicht mit der Wimper, als sie ihm gefährlich nahe kam. "Wieder falsch, Gloria, ich kämpfe nicht gegen dich. Ich habe nicht vor, dir auch nur ein Haar zu krümmen," erklärte er ruhig. "Es sei denn," fügte er gedehnt hinzu, "du versuchst zu fliehen." "Du elender Mistkerl, dir werde ich...", fluchend sprang sie vor, als ihre Klinge von MacLeods Schwert zu Boden gedrückt wurde. "Na, na, was sind denn das für Ausdrücke aus dem Mund einer Lady?", tadelte er spöttisch. "Tut mir leid, aber bevor du dich um Methos kümmern kannst, bin ich erst mal dran. Du bist doch wegen mir gekommen, Martinez, also, was ist? Hier bin ich."
Gloria war hin und her gerissen. Sie wollte fliehen, wollte Methos überreden, sie gehen zu lassen, doch sie wollte auch Duncan MacLeod. Sie erkannte, dass sie keine Wahl hatte und ihr Gesicht wurde zu einer Maske als sie sich zu MacLeod umwandte, ihr Schwert wieder hob und sprach: "Also gut, Highlander, du hast es so gewollt." Mit einem markerschütternden Schrei stürzte sie plötzlich auf ihn zu, Duncan konnte ihren Angriff erst in letzter Sekunde abwehren. Martinez tanzte um ihn herum und griff erneut an. MacLeod hatte damit gerechnet, dass es nicht einfach werden würde, trotzdem war er überrascht über die Härte ihrer Schläge. Sie kämpfte gar nicht schlecht und sie war schnell, verdammt schnell. Methos beobachtete sie gebannt und konnte sich nicht dagegen wehren, dass er die raubtierhafte Eleganz und Kraft in Glorias Bewegungen extrem attraktiv fand. Duncan musste sich bald eingestehen, dass sie noch besser war als er angenommen hatte. Offenbar war Slater ein guter Lehrer gewesen und außerdem trug sie die Energie zahlloser Unsterblicher in sich. Hätte er die Zeit dazu gehabt, hätte er Connor im Stillen gedankt für jede Minute Training, die er ihm aufgedrückt hatte. Doch er musste sich voll darauf konzentrieren Glorias Angriffe zu parieren. Mit der Kraft und der Entschlossenheit einer Mutter, die ihr Kind verteidigt ging sie immer wieder auf Duncan los und versuchte seine Deckung zu durchbrechen. Martinez kämpfte wie noch nie zuvor in ihrem Leben, doch letztendlich fehlte es ihr an der nötigen Kampferfahrung. Vergeblich versuchte sie Duncan zu überlisten, doch was den Schwertkampf anging, konnte sie mit keinem Trick aufwarten, den er nicht bereits kannte. Langsam spürte sie, wie ihre Kräfte nachließen. MacLeod wartete auf einen Fehler von ihr, um dem Ganzen ein Ende bereiten zu können, als Gloria plötzlich zurück sprang und alle Kräfte sie zu verlassen schienen. Mit gesenktem Kopf stand sie da und rührte sich nicht mehr, das Schwert zeigte zu Boden als sie so leise, das Duncan sie kaum verstand sprach: "Es tut mir leid, MacLeod." Duncan stutzte blieb aber in Abwehrhaltung. "Ich habe das alles gar nicht tun wollen," schluchzte Martinez jetzt vernehmlich, "es tut mir alles so leid. Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist, ich habe keine Ahnung, wie das alles passieren konnte," erklärte sie verzweifelt. "Es ist..., es ist wie ein böser Zwang, als wenn jemand in mir mich zu all dem zwingt, ohne dass ich mich dagegen wehren kann." MacLeod ließ sein Schwert sinken, in seinem Kopf, eben noch ausschließlich auf den Kampf fixiert, nur mit Aktion und Reaktion beschäftigt, schaltete sich langsam der Verstand mit ein. Er kam ins Grübeln, als er die verzweifelte Frau vor sich sah und er konnte sich nicht gegen die Erinnerungen wehren, die in ihm hochstiegen. Erinnerungen daran, wie er selber dem Bösen ausgeliefert war. Wie er, nicht mehr Herr seiner selbst, Dinge getan hatte, für die es keine Entschuldigung gab. Er war es schließlich gewesen, der Richie geköpft hatte, auch wenn es letztendlich nur ein Trugbild gewesen war, er hatte es getan. Und er hatte es ganz gewiss nicht gewollt. Er war damals hilflos gewesen gegen den Einfluss des Bösen. War es möglich, dass Martinez das gleiche durchmachte? MacLeod war so mit sich und Martinez beschäftigt, dass er Methos' Warnung nicht hörte. Methos stand in der Nähe und ahnte was sich dort anbahnte, doch er konnte nichts tun. Das war der Kampf zwischen MacLeod und Martinez. Er war noch nicht dran. Gloria ging langsam ein paar Schritte auf Duncan zu, das Schwert kraftlos hinter sich her ziehend, schaute sie auf den Boden und stammelte: "Bitte, MacLeod, ich brauche deine Hilfe, bitte hilf mir doch..." "Gloria...," sagte MacLeod nur, immer noch verwirrt. "Es tut mir wirklich leid," wiederholte Martinez, "es tut mir leid, aber ich will deinen Kopf, MacLeod!", sprach sie plötzlich wieder voller Energie und Hass und im gleichen Moment holte sie aus und rammte MacLeod ihr Schwert tief in den Bauch. Duncan stöhnte auf, die flammende Glut des Schmerzes packte ihn, er krümmte sich nach vorne, schaute fassungslos in das triumphierende Grinsen vor seinem Gesicht. Martinez zog das Schwert wieder heraus, machte sich bereit für den letzten Schlag. Duncan kämpfte verzweifelt gegen den Schmerz an, der ihn lähmte, er presste die linke Hand auf die Wunde, in dem sinnlosen Versuch die Blutung zu stillen. Heiß quoll das Leben durch seine Finger. Er hörte Methos nicht, der entsetzt: "Nein!!" schrie. Es waren nur die uralten Instinkte und die Reflexe des Kämpfers und Jägers die es irgendwie schafften, dass sein rechter Arm in einer letzten verzweifelten aber blitzschnellen Bewegung ausholte und Martinez den Kopf abtrennte, bevor sie begreifen konnte, was geschah. Als ihr Kopf auf den Boden schlug, brach Duncan zusammen. Er fiel auf die Knie, sein Schwert glitt klirrend zu Boden, als er hilflos auf die Belebung wartete.
Die Blitze züngelten erst langsam und unauffällig aus Glorias Körper und suchten nach Nahrung, sie trafen auf MacLeods Körper und ließen ihn aufstöhnen. Langsam wurde die Energie stärker, breitete sich weiter aus. Die ersten Lampen zersprangen, und Duncans Körper wurde wieder auf die Füße gerissen. Er hatte keine Chance gehabt, sich gegen den Ansturm zu wappnen, mit voller Wucht trafen ihn die Energieladungen wie Schockwellen und drohten ihn zu zerreißen. Die Scheiben zersprangen, die Halle wurde in blaues zuckendes Licht getaucht und MacLeod schrie das Leid hunderter Unsterblicher aus sich heraus als es plötzlich vorbei war. Die Stille war ohrenbetäubend, als Duncan stöhnend zusammen brach und starb.
Methos wartete bis die Stille nicht mehr in seinen Ohren dröhnte, dann wandte er sich Connor zu, der sich langsam wieder regte. "Alles in Ordnung, Connor?" Connor antwortete mit einem unverständlichen Krächzen. Das Gefühl kehrte langsam in Form von tausend Nadelstichen in seine Glieder zurück. Methos half ihm sich aufzusetzen und ließ ihm Zeit wieder zu sich zu kommen. Er hockte sich an die Wand und starrte auf die beiden leblosen Körper. "Verflucht noch mal," entfuhr es Connor heiser, "dieser verdammte Idiot hätte es um ein Haar vermasselt!" Methos nickte mit ausdruckslosem Gesicht. Connor musterte ihn und fragte: "Hättest du es zu Ende bringen können?" Methos reagierte erst nicht, dann sagte er als er wieder aufstand: "Sie hätte es verdient." Connor gab sich mit der wenig eindeutigen Antwort zufrieden und rappelte sich stöhnend auf. Er half Methos dabei, Duncan zum Auto zu schaffen. Sie wollten sich nicht länger als unbedingt nötig aufhalten.
Amanda lief unruhig wie ein Tiger im Käfig umher und zerkaute systematisch sämtliche Fingernägel. Richie kippelte mit seinem Stuhl und wahr mehrfach kurz davor umzufallen. Die Warterei machte sie verrückt. Es fielen ihnen längst keine beruhigenden Worte mehr ein die sie sagen konnten, um sich gegenseitig Mut zu machen. Es blieb ihnen nichts anderes übrig als in stummer Ungeduld zu warten.
Joe hatte versucht, sich die Zeit mit der Gitarre zu vertreiben, doch weder sein Kopf noch sein Herz waren bei der Musik, und so fanden auch seine Finger nicht mehr die richtigen Plätze auf den Saiten. Resigniert stellte er schließlich das Instrument in die Ecke und widmete sich dem Polieren der Gläser. Er hoffte, dabei nicht allzu viele zu zerstören. Endlich, nach einer besonders langen Ewigkeit, hörte er den Wagen. Jemand kam zurück, aber wer?
Amanda hielt es nicht mehr aus, sie stürzte zur Tür. "Duncan!", rief sie erleichtert aus und fiel ihm stürmisch um den Hals. "He, he, nun bringe ihn nicht gleich um," warnte Connor spöttisch, und Methos fragte im beleidigten Tonfall: "Und was ist mit uns?" Woraufhin Amanda auch die beiden in ihre Arme schloss. "Ihr habt es also geschafft," folgerte Joe anerkennend und fügte mit einem Blick auf Duncans blutverschmierte Kleidung hinzu: "Scheint nicht ganz einfach gewesen zu sein, was?" Connor nickte nur. Nachdem sie sich gesetzt hatten, verteilte Joe die Gläser und stellte eine volle Flasche auf den Tisch. Dankbar bediente sich Connor als erster. Es folgte eine Pause, die Richie schließlich unterbrach, ungeduldig forderte er: "Nun spannt uns doch nicht noch länger auf die Folter, Jungs, erzählt schon wie es gewesen ist!" Methos und Connor schauten sich erst gegenseitig und dann Duncan an, doch dieser schien kein Interesse daran zu haben irgend etwas zu sagen. Gedankenverloren starrte er in sein noch leeres Glas und schien ziemlich weit weg zu sein. Also zeigte sich Connor nachsichtig und erzählte die ganze Geschichte. "Diese Bestie!", schimpfte Amanda voller Verachtung, als Connor geendet hatte. Mitleidig legte sie ihren Arm um Duncan. "Kein Wunder, wenn du so einen mitgenommenen Eindruck machst," stellte sie fest und fügte mit gerunzelter Stirn hinzu: "Wieso habe ich eigentlich den Eindruck, dass du gar nicht erleichtert darüber bist, dass dieses Subjekt endlich aus der Welt geschafft ist?" Duncan zuckte nur schwach mit den Achseln. Connor beugte sich vor, um ihm in die Augen sehen zu können. "Amanda hat recht, Duncan, was ist eigentlich mit dir los? Glaubst du etwa immer noch nicht, das du sie erledigt hast?" Er spielte damit auf den Moment an, als MacLeod wieder zu sich gekommen war. Als das Leben wieder von seinem Körper Besitz ergriffen hatte, hatte er eine Weile gebraucht um zu realisieren, dass er sich mit Methos und Connor im Auto befand. Seine Erinnerung reichte nur noch bis zu dem Moment, als sich Glorias Gesicht zu einer triumphierenden Fratze verzerrt hatte. Er spürte noch den tödlichen Schmerz in seinem Körper und erinnerte sich an die Gewissheit verloren zu haben. Er hatte keine Ahnung, wie er in das Auto gekommen war und warum er seinen Kopf noch hatte. Connor hatte es ihm zweimal erklären müssen und Methos hatte es ebenfalls bestätigt - Martinez war tot.
Duncan schüttelte den Kopf und starrte weiter auf das Glas in seinen Händen als er antwortete: "Das ist es nicht, ich glaube durchaus, dass sie tot ist." "Was hast du dann für ein Problem?", fragte Methos lauernd, denn er fürchtete die Antwort zu kennen. Duncan brauchte noch eine Weile, bevor er zögernd erklärte: "Sie hat gesagt, sie wurde zu alledem gezwungen, dass es gar nicht ihr eigener Wille gewesen ist, der sie zu all dem getrieben hat. Was ist, wenn sie die Wahrheit gesagt hat?" "Ich fasse es nicht!", rief Methos aus und ließ sich stöhnend an die Rückenlehne fallen. "Du hast ihr das doch nicht etwa geglaubt? Nicht nach dem was sie anschließend getan hat! Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein?" "Wieso eigentlich nicht?", fragte Duncan zurück und schaute Methos herausfordernd an. "Du weißt, dass so etwas möglich ist, wir alle hier wissen das." "Dürfte ich erfahren, was genau hier jeder weiß?", mischte sich Connor ein. Joe fragte erstaunt: "Du hast es ihm nicht erzählt?" Duncan schüttelte nur den Kopf. "Was, zum Teufel?" Connor verlor die Geduld. Joe erzählt ihm in Kurzfassung, wie es dazu gekommen war, das Duncan Richie enthauptet hatte, oder zumindest das, was er für Richie gehalten hatte. Connor pfiff leise durch die Zähne. "Ach, und du meinst, diese Martinez war auch von Ahriman oder dergleichen besessen gewesen?" "Es wäre immerhin möglich," gab Duncan zurück. "Wenn Methos und Joe mir damals nicht vertraut hätten, dann wäre ich schon längst tot. Ich zumindest habe mir selbst nicht mehr getraut. Vielleicht hätte sie diese Chance auch verdient." "Das ist doch Unsinn," meldete sich Amanda zu Wort. "Ich habe Gloria einige Zeit länger genießen dürfen als du, und ich sage dir, diese Frau war von Natur aus durch und durch böse. Sicher, sie konnte das, wenn sie wollte, hervorragend verstecken und sogar richtig liebenswert wirken. Doch alles, was sie getan oder gesagt hat, war immer eiskalt kalkuliert. Wir hatten ihr von dieser Geschichte mit Richie erzählt und sie hat damit zielsicher deinen wunden Punkt getroffen. Sie hat genau gewusst, wie du darauf reagieren würdest und es eiskalt ausgenutzt." Amanda schüttelte sich, "Mir ist ja jetzt noch ganz übel, wenn ich daran denke, dass sie es beinahe geschafft hätte. Immerhin bin ich schuld, dass sie davon wusste." Duncan zuckte die Achseln. "Nun gut, vielleicht war sie böse, aber wer sagt, dass sie sich nicht hätte ändern können?", gab er zu bedenken. Methos stöhnte nur kopfschüttelnd. "Was ist, Methos?", fixierte Duncan ihn. "Willst du damit etwa sagen, dass sich ein Mensch nicht ändern kann? Willst ausgerechnet du das behaupten?" Und die Worte: "Du als ein Reiter der Apokalypse!" standen unausgesprochen in der Luft. Methos starrte zurück, er hatte es verstanden. Aus seinem Gesicht war jede Andeutung eines Lächelns verschwunden. Man konnte die Spannung praktisch mit Händen greifen, als er schließlich mit gepresster Stimme entgegnete: "Nein, das will ich bestimmt nicht behaupten, aber was ich sagen kann, ist, dass selbst wenn sich Gloria noch irgendwann geändert hätte, niemand von uns das erlebt hätte und wahrscheinlich auch kein anderer Unsterblicher. Sie hätte es vorher geschafft die Macht zu erlangen." "Methos hat vollkommen recht," mischte sich Connor ein, "und das Risiko wollte schließlich niemand von uns eingehen. Offensichtlich hat sie dir den Kopf zwar nicht abgeschlagen aber dafür gehörig verdreht. Hör endlich auf daran zu denken, was sie gesagt hat. Wenn es dir hilft, denke an das, was sie getan hat. Moreno wäre dir jedenfalls dankbar dafür. Wenn Gloria nicht gewesen wäre, könnte er noch leben und eine Menge wunderschöner Bilder malen." Es war vielleicht nicht ganz fair, aber Connor verlor langsam die Geduld. Mitleid war wirklich das Letzte, was er Gloria Martinez entgegen bringen konnte. "Also, ich kapiere das alles nicht ganz, Mac," mischte sich jetzt auch Richie ein, "du warst es doch, der am verrücktesten hinter ihr her war. Das ganze letzte halbe Jahr haben wir alle nur für dieses eine Ziel gelebt und jetzt kommen dir plötzlich Zweifel. Ich verstehe das nicht, kann mir das mal einer erklären?" Er schaute fragend in die Runde doch erntete er nur Ratlosigkeit. Schließlich rüttelte Amanda Duncan am Arm und sagte entschlossen: "Also, ich werde es ganz bestimmt nicht zulassen, dass diese Person dich für die nächsten vierhundert Jahre in Selbstzweifel stürzt. Und ich lasse es auch nicht zu, dass sie sich noch zwischen uns stellt, obwohl sie längst tot ist. Nichts gegen dich Richie," wandte sie sich mit einem entschuldigenden Lächeln an ihn, "es war ja ganz nett mit dir, aber..." Richie nickte nur säuerlich und grummelte nicht ganz ernst gemeint: "Ja, ja, ich habe schon verstanden, der Mohr hat seine Pflicht getan, der Mohr kann gehen." Amanda schenkte ihm ihr charmantestes Lächeln, bevor sie sich mit ernster Miene wieder an Duncan wandte: "So, und wir beide gehen jetzt am besten ganz schnell nach Hause und ich werde dir dabei helfen, diese Frau zu vergessen. Morgen früh wirst du dich nicht einmal mehr an ihren Namen erinnern," versprach sie selbstsicher. "Ach ja? Und wie willst du das anstellen?", ging Duncan grinsend auf sie ein. "Da lass dich mal überraschen, ich habe da nämlich auch so meine Tricks." "Da bin ich aber mal gespannt," erwiderte MacLeod, schenkte sich einen Whisky ein und leerte das Glas in einem Zug.
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