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Mit Herz und Handschuhen

© by Jimaine ()

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)

 

In einem Münchener Vorort werkelten zwei Männer in stillem Einvernehmen in der Küche zwischen Schüsseln, Töpfen und Backblechen herum. Es war ein Freitag im Dezember, Adventszeit, und das Haus war erfüllt von Zimt- und Vanilleduft.

Der Backwahn war ausgebrochen!

Dazu mischte sich jetzt am frühen Abend der Geruch brutzelnden Fleisches.

 

"Ich bräuchte die Margarine."

"Okay." Bereitwillig unterbrach der Koch seine Arbeit und holte das gewünschte Objekt aus dem Kühlschrank. Blieb mit dem Rührlöffel in der Hand hinter dem Bäcker stehen, dessen einst blaues Sweatshirt mit den verblichenen Buchstaben "Polizeisportverein München" schon voller Mehl und Teigspritzer war. Abgesehen davon war es seit der Begegnung mit einem roten Schal zu einem interessanten Batik-Violett geworden und eignete sich daher nur zum Tragen unter Ausschluß der Öffentlichkeit. "Vorsicht, daß du dich nicht schneidest."

"Sagt der Profi-Musiker, der im Akkord und fast ohne hinzusehen Zucchini hackt! Anders kriege ich diesen klebrigen Teig nicht von den Fingern..." Er brach ab und drehte sich um, sah seinen Lebenspartner ernst an. "Wir müssen uns noch dringend unterhalten." Und dann wünschte er sich nichts so sehr wie eine Polaroid, um den Moment als Material für zukünftige Schlafzimmererpressungen festzuhalten.

Denn der andere Mann hob eine fragende Augenbraue. Mit dem Soßenlöffel im Mund. "Mm? Worüber?"

"Über die noch ausstehenden Weihnachtseinkäufe."

"Später. Wenn du die Kipferl im Ofen hast."

"Die sind schon längst fertig. Ich bin bereits bei den Zimtsternen!"

"Na, dann danach." Und schon war er zurück an den Töpfen. "Der Reis braucht auch noch etwas..." Zum x-ten Mal schmeckte er die Soße ab. Irgendwie wollte die ihm heute nicht gelingen. "Beim Nachtisch haben wir alle Zeit der Welt zum Reden." Prompt bekam Leo diesen skeptisch-kritischen Gesichtsausdruck, den er oft - viel zu oft - von der Arbeit mit nach Hause brachte. Der Löwe hatte einen Dorn in der Pfote...und kämpfte mit der Entscheidung, ob er auf seinem Punkt bestehen oder tapfer alles herunterschlucken sollte, um in drei Wochen wegen einer anderen Lappalie in die Luft zu gehen. Leo konnte meisterhaft schmollen. Er fühlte sich dann immer *so* klein mit Hut unter dem Vergrößerungsglas des Herrn Kommissar! Als hätte er etwas falsch gemacht. Und das stieß ihm jedes Mal auf wie ein versehentlich verschlucktes Glas Ameisen. "Oder vielleicht wäre genau *jetzt* der richtige Moment. Leo?" hakte er nach. Wenn man dem Mann nicht *sofort* Aufmerksamkeit schenkte, wenn er danach verlangte...

Offenbar war *jetzt* auch nicht genehm! "Thorsten...Weihnachten ist nur einmal im Jahr. Und die Kocharbeit ist ohnehin schon ungleich genug verteilt. Wenn ich also backe, dann backe ich. Du sagtest es bereits: später."

Täuschte er sich, oder klang Leo tatsächlich immer mehr wie Nina, wenn er sich aufregte? Ob weibliche Zickigkeit ansteckend war? Der Klügere, so sagte er sich schließlich, gab nach und schwieg. Als die Zimtsterne fertig waren, hatte er auch das Soßenproblem gelöst.

 

***********
 

Es wurde letztendlich halb zwölf und der Nachtisch war längst verdaut, ebenso wie die Kabbelei von vorhin, als sie ans Ende ihrer Listen kamen.

Thorsten wechselte zum vierten Mal die CD und goß ihnen den Rest der zweiten Flasche Wein ein, studierte die letzten Namen. "So...das war deine Liste und meine. Jetzt nur noch die gemeinsame, dann sind wir fertig. Kommen wir also zu den wichtigsten Frauen in unserem Leben. Zum Beispiel...unsere werte Nachbarin." Irgendwo mußte man ja anfangen.

Leo antwortete wie aus der Dienstwaffe geschossen: "Oh, die bekommt eine neue Gartenkralle und die '1003 Pflanz - und Pflegetipps für Tomaten' vom Weltbild-Verlag."

"Das hat nicht zufällig was mit der Tatsache zu tun, daß ihr Tomatenbeet auf der *anderen* Gartenseite liegt, hinter ihrem Haus und nicht am Zaun zu unserer Einfahrt?"

"Ach, ich bin so leicht zu durchschauen..."

"Übung, Schatz, Übung. Als nächstes wäre da -"

"Deine Mutter", riet Leo.

Da überlegte Thorsten nicht lange. "Verlängertes Wochenende in Maastricht, etwas Taschengeld inklusive, dann kann sie sich in den Coffeeshops mit ihrer *Arthritismedizin* eindecken." Der Knuff in die Schulter erinnerte ihn daran, daß ein Polizist immer im Dienst war. "Okay, das hast du jetzt nicht gehört."

"Klingt aber nach einer guten Idee. Angenommen. Weiter."

"Nina."

"Aaah", machte sein Freund, schloß seufzend die Augen. "Nina."

"Nina. Deine Kollegin und zweitbeste Hälfte, ja."

"Neben einem Quartalsvorrat Nikotinpflaster habe ich da ein Buch aufgetan. 'Kartoffelchips im Wandel der Zeiten', ein schöner Bildband. Hat eine abschreckende Wirkung", versicherte er. "Wird bei ihr aber wohl nichts nützen. Vermutlich wird sie es lieben." Der '85er Barolo war exzellent...genau wie die Gesellschaft. Die ihn nun allerdings weniger freundlich fragte: "Die Schlüssel sicherlich auch, hm?"

Der Schluck Barolo wäre fast auf dem Berber gelandet. "Was...? Thorsten!"

Doch der Kleinjungentonfall zog nicht. "Die Quittung des Schlüsseldienstes lag auf der Kommode im Flur - Leo, ich bin der letzte, der was dagegen gehabt hätte, daß du Nina einen Satz Schlüssel zu unserem Haus schenkst...schließlich ist sie so oft hier, daß das nur eine Frage der Zeit war.... Aber du hättest mich fragen sollen!" Der zerknirschte Gesichtsausdruck war herzerweichend, doch so schnell würde er keine Gnade zeigen. _Lover Leo leidet..._ "Ich möchte nämlich nicht, daß sie mal unangemeldet als Zuschauer im Schlafzimmer steht."

"Nicht Nina. Die würde klopfen."

"Ja", räumte er ein. "Und *dann* fragen, ob sie zuschauen darf."

"Wir sollten sie Heiligabend zum Essen einladen."

"Warum nicht gleich adoptieren?"

 

**********
 

"Hey, Schlafmütze."

"Jaaa..." Thorstens Stimme war ein gedämpftes Murmeln, halbverschluckt vom Kopfkissen. "Wassissen?" Im nächsten Moment schlüpfte sein Kuschelbär zurück unter die Decke, noch immer herrlich schlafwarm nach dem kurzen Ausflug ins Bad. Entfernt registrierte er den Kuß, der ihm auf die Schulter gepreßt wurde, und die Bartstoppeln, die an seinem Ohr kratzten. Schööön... Erfahrung hatte ihn aber gelehrt, solche Avancen als Anzeichen dafür zu verstehen, daß Leo gleich wegen irgendeinem Notfall ins Büro verschwinden würde. "Leo?"

"Hm?"

"Es ist Samstag. Mußt du wirklich -?"

"Was? Gehen? Nein, mein Lieber, ich wollte nur sagen, daß es in der Nacht geschneit hat. Draußen ist alles watteweiß. Wir werden Schnee schippen müssen. Wo hast du meine Handschuhe hingepackt?"

"Schnee? Jetzt?"

"Nein", versprach Leo. "Später... viiiel später. Erst werde ich noch etwas tun, für das ich keine Handschuhe brauche...und ich könnte etwas Hilfe gebrauchen."

 
Ende

 
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