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Buon Natale a Venezia© by Jimaine ()
Kirchenglocken schallten über die Dächer der Palazzos, über die Plätze und Kanäle, und lullten 'La Serenissima' in einen vorweihnachtlichen Schlummer. Wenn schon kein Schnee, dann wenigstens die entsprechende Stimmung. Es war nach dem Abendessen. Die Kinder waren in ihren Zimmern und brüteten mehr oder minder enthusiastisch über den Hausaufgaben, der Abwasch war auch erledigt, und so machte es sich Guido Brunetti, seines Zeichens commissario bei der örtlichen Polizei, auf der Dachterrasse gemütlich. Sternenlicht, der Schein mehrerer Windlichter, das Leuchten in den Augen seiner Frau, die nun hinaustrat, um ihm Gesellschaft zu leisten...
"Alle Einkäufe erledigt, Signora Professoressa?" "Heute um Punkt Fünf, jawohl." Mit dem Glas in der Hand setzt sich Paola auf seinen Schoß. "Ich habe mich nach der Uni erfolgreich gegen die Touristenhorden behauptet, kauflustige italienische mammas mit ihren Rudeln von bambini ausgetrickst und meine Beute wieder in die sichere Höhle geschafft. Unbemerkt von Chiara und Raffi, was ich hier hervorheben möchte, eine Heldentat, denn schließlich liegen die zwei schon seit Wochen auf der Lauer. Cin cin." Ein helles Klirren sang durch die Luft, als sie darauf anstießen; der Ton wurde verschluckt von brummenden Außenbordmotoren und Wasserplätschern, der normalen venezianischen Geräuschkulisse. Guido Brunetti mußte zugeben, schon seit langer Zeit keinen so friedlichen Abend mehr erlebt zu haben. Heute schien die Welt zur Abwechslung mal völlig in Ordnung. Er war nach einem erfüllten Arbeitstag zu Hause, seine Frau und seine Kinder waren bei ihm, gesund und sicher, er hatte ein gutes Essen im Magen und genoß einen exzellenten sizilianischen Chardonnay. Was konnte ein Mann seines Alters mehr wollen? "Hast du auch alles bekommen?" "Alles, was auf unseren Zetteln stand. Ich kann mir den Weihnachtsabend schon vorstellen." Sie imitierte die Stimme ihrer Tochter perfekt, bis hin zu der unnachgiebigen Logik einer Vierzehnjährigen: "'Warum bekommt Raffi seine Playstation 2, wenn die neuen Skier, die ich haben wollte, immer noch im Laden stehen?'" "Ganz einfach. 'Weil deine alten Skier noch hervorragend in Schuß sind und du selbst sagtest, daß du die nächsten Feste, sprich Geburtstage und Weihnachten, nur Zubehör für deinen Computer haben wolltest.'" Paola schenkte ihnen beiden nach. "Ich wünschte, wir hätten uns das schriftlich geben lassen." "Chiara wird darüber hinwegkommen." "Und was ist mit mir? Bekomme wenigstens ich das, was ich haben will?" "Wenn du brav bist..." Ohne die Augen zu öffnen, legte er Paola einen Arm um die Schultern und zog sie näher zu sich heran. "Immer. Solange ich nicht in die Questura muß." Er seufzte, ließ den Kopf gegen die Schulter seiner Frau fallen. "Du weißt ja...Weihnachten...das Fest der meisten Fälle von häuslicher Gewalt."
Ungesehen von ihrem Mann spielte ein grimmiges Lächeln um Paolas Lippen. Oh ja. Sie würde ein informelles Gespräch mit Guidos Vorgesetztem führen. Und wenn der werte Vize-Questore Patta Einwände hatte, würde sie ihm schlicht und einfach mit einer Dosis *häuslicher Gewalt* drohen. Als letzten Ausweg würde sie das Telefonkabel aus der Dose ziehen und Guidos telefonino verstecken. Dieses Jahr, komme, was wolle, würde die Familie zu Weihnachten zusammen sein, *basta*!
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