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Der cremeweiße Briefumschlag

© by Clivia ()

 

Disclaimer: Die Charaktere gehören mir nicht, die gehören nach wie vor R/P/D und den netten Leuten von Miramax und wem auch immer (außer dem kleinen, cremeweißen Briefumschlag, der gehört den Jungs ).
Ach ja, und es handelt sich hierbei um slash!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion

 

Der Brief war ganz und gar unerwartet eingegangen.

Eines Morgens hatte er unschuldig und kaum zerknittert in Adam Piersons Briefkasten gelegen.

Es war ein kleines Kuvert aus cremeweißem, handgeschöpften Papier, aufwendig gearbeitet und mit einer großen, bunten Sondermarke frankiert, die zweifellos irgendeinem karitativen Zweck gewidmet war. In sauberer, flüssiger Schrift stand darauf: An Dr.Adam Pierson und darunter seine augenblickliche Adresse.

Der kleine Umschlag lehnte nun an einer halbausgetrunkenen Wasserflasche auf Adam Piersons Küchentisch in dessen neuem Apartment in Seacouver und dort lehnte er jetzt schon seit über einer Woche.

Er wurde ignoriert.

Genau wie die Wasserflasche.

Auch an diesem späten Sonntagmorgen, dem 24.12.2000 blieb er unbeachtet, als Methos, aka Adam Pierson frischgeduscht die Küche aufsuchte und begann, sich etwas zum Frühstück zusammenzusuchen. Eigentlich war es bereits Mittag, aber wen störte das?

Methos tappte barfuss, nur mit einer schwarzen Jeans bekleidet und ein Handtuch um die Schultern geschlungen, mit dessen Ecke er sich noch die Haare abrubbelte, zum Kühlschrank und griff nach einem Joghurt und der Kondensmilch für den Kaffee. Das war alles.

Die Kaffeemaschine kündigte bereits gurgelnd und zischend die Fertigstellung des heißen Getränkes an, das gewöhnlich als einziges in der Lage war, Methos am Morgen in einen verträglichen Unsterblichen zu verwandeln. Er war absolut kein Morgenmensch und ohne seinen starken Kaffee vor 12:00 Uhr mittags ungenießbar. Mittlerweile war es zwar schon fast 14:00Uhr, aber trotzdem war er sich nicht so sicher, ob dieses Mittel ihm heute würde helfen können.

Die anstehenden Feiertage verursachten ihm ein flaues Gefühl im Magen und er wünschte sich, er könne sich einfach wieder ins Bett legen und bis zum 2. Januar 2001 durchschlafen.

Nicht, dass er viele soziale Verpflichtungen gehabt hätte, denen er hätte nachkommen müssen, aber Essen und etwas Bewegung waren auch für ihn als Unsterblichen vonnöten, um das Leben auf angenehmem Niveau zu gestalten. Einkaufen und kurze Spaziergänge durch die mit hastenden, gestressten Menschen gefüllten Straßen waren unvermeidlich, auch wenn er dem größten Trubel geflissentlich aus dem Wege zu gehen bemüht gewesen war. Ganz konnte er sich dem Feiertagstrubel daher nicht entziehen, aber er würde sein möglichstes geben, dass sich sein Kontakt zur Außenwelt in Grenzen hielt.

Der Jahreswechsel bereitete ihm jedes Mal Unbehagen , denn an diesen Tagen des Jahres wurde ihm sein Alter schmerzhaft bewusst. Alle Verluste seines langen Lebens schienen sich vor ihm aufzutürmen und manchmal drohte ihn die Last der Erinnerungen zu erdrücken.

Seufzend ließ sich der älteste aller Unsterblichen (und so fühlte er sich heute zur Abwechslung auch) am Küchentisch nieder, um seinen Joghurt zu löffeln, als sein Blick wiedereinmal auf diesen vermaledeiten Briefumschlag fiel, der da so unschuldig an der Wasserflasche lehnte.

Er drehte sich weg und senkte seinen Blick auf die Hände, die den Becher umkrallten, als handele es sich um den heiligen Gral und nicht einen Plastikbehälter für Erdbeerjoghurt 'extra lowfat', aber es nützte nichts. Er fühlte die Präsenz dieses kleinen, cremeweißen Eindringlings, so als würde ihn der unschuldige Umschlag aus blutunterlaufenen Augen anstarren.

Methos stand seufzend auf und stellte den halbgeleerten Becher zurück in den Kühlschrank zu seinen Leidensgenossen von gestern und vorgestern. Er hatte keinen Appetit mehr.

Er füllte sich den Kaffeebecher und gab reichlich Kondensmilch und Zucker hinein. Trotzdem schüttelte es ihn nach dem ersten, vorsichtigen Schluck von dem heißen Gebräu und angewidert stellte er die Tasse auf die Arbeitsplatte. Nichts schmeckte mehr.

Nicht einmal Bier war erstrebenswert und das wollte was heißen, war doch gerade Bier sein Lebenselixier Nummer eins, das er zu jeder Tages- oder Nachtzeit zu sich nehmen konnte.

Wieder spürte er dieses unangenehme Prickeln im Rücken, so, als würde ihn jemand anstarren und er drehte sich müde um, wohlwissend, dass da niemand war, außer diesem fiesen, kleinen Briefumschlag, der ihm hämisch zuzuzwinkern schien.

Die Schrift war ihm bekannt, wie seine eigene.

Es war Duncan Mac Leods Schrift, ordentlich, gezirkelt und sauber. Unter normalen Umständen hätte er sich über einen Brief von Duncan sehr gefreut, aber dieser Umschlag bereitete ihm Magenschmerzen.

Es war die edle Note und die Wichtigkeit und Feierlichkeit, die von dem handgeschöpften Büttenpapier ausging, die ihm eine Gänsehaut über den Rücken jagte.

Es war die Art Umschlag, die man für offizielle Einladungen verwandte und Methos hatte ein mehr als ungutes Gefühl bei der Sache.

Ganz nebenbei: Warum sollte ihm Duncan schreiben? Er weilte zur Zeit genau wie Methos in Seacouver. Mac hatte sich zwar nach Connors Beerdigung mehr in sich selbst zurückgezogen, um die Wunden, die dieses Debakel geschlagen hatte, zu heilen, doch trafen sie sich nach wie vor sporadisch bei Joe's und hin und wieder besuchte Methos das Loft für einen kurzweiligen Schachabend.

Es war also nicht so, als müssten sie sich schreiben und es gab schließlich auch noch Email und Fax Trotzdem wartete da dieser schrecklich arrogante, cremeweiße, gefütterte Brief auf dem Tisch darauf, geöffnet zu werden und Methos wusste, er würde nicht mehr länger drumherum kommen.

Lieber hätte er sich in ein Duell auf Leben und Tod gewagt, doch diese Option stand nicht zur Debatte. Gestern hatte er kurz erwägt, die Stadt für einen längeren Asienaufenthalt zu verlassen, nur um diesem verflixten Brief zu entkommen und dessen schrecklichen Inhalt Monate später durch die Watchergerüchteküche zu erfahren. Auf diese Art hätte er das Wissen um die schmerzhafte Tatsache, die der beinahe blütenweiße Umschlag barg, noch ein kleines bisschen aufschieben können, doch er hatte sich dagegen entschieden. Nun war es an der Zeit, den Tatsachen ins Auge zu blicken. Es konnte so nicht weitergehen.

Er atmete tief durch und näherte sich zögernd seinem blassen Gegenüber. Seine schlanke Hand zitterte nur unmerklich, als er das Kuvert aufhob.

Unschlüssig drehte er es zwischen den Fingern und schloss die Augen. Auch ohne den Brief zu öffnen, wusste er, was er in Händen hielt und das Wissen um diese unumstößliche Tatsache ließ sich nicht länger verleugnen, so sehr es auch schmerzte.

Der grausige, ach so niedlich elegante Umschlag konnte nur bedeuten, dass er zu einer Hochzeit eingeladen wurde, von der er so sehr gehofft hatte, dass sie niemals stattfinden würde.

Warum sonst sollte ihm MacLeod einen solchen Brief schicken?

Er hörte immer noch Amandas Stimme in seinem Kopf, die ausgelassen kicherte: "Wenn er mich fragt, -und er wird mich bald fragen- werde ich ja sagen!"

Duncan hatte anscheinend nun endlich den Mut aufgebracht, Amanda um ihre Hand zu bitten und wie es aussah mit Erfolg. Ein glückliches Ereignis, das Methos fröhlich stimmen sollte, doch stattdessen stürzte es ihn in ein tiefes, schwarzes Loch aus Selbstmitleid und tiefer Trauer.

Duncan MacLeod vom Clan MacLeod, die geheime Liebe seines Lebens, heiratete Amanda und er war dazu eingeladen.

Wie wundervoll.

Was konnte schlimmeres passieren?

Kopfschüttelnd, verwundert über seinen eigenen, emotionalen Zustand wanderte er mit unsteten Schritten ins Wohnzimmer, schlüpfte in den Sweater, den er am Abend zuvor auf der Couchlehne zurückgelassen hatte und ließ sich dann mitsamt dem Brief aufs Sofa fallen.

Eine Träne stahl sich unter seinen Wimpern hervor und rollte unbeachtet einen hohen Wangenknochen hinab, um im Kragen des Sweatshirts zu zerschellen während er mit blinden Augen auf das unscheinbare Kuvert starrte.

Es war ein völlig inakzeptabler Zustand, in dem sich der älteste aller Unsterblichen befand, aber so war die Liebe. So sehr ihn auch seine innere Stimme als sentimentalen Volltrottel beschimpfte, er war nicht in der Lage, seine Verzweiflung einzudämmen und zu seinem alten, distanzierten Ich zurückzufinden, das ihm jahrhundertelang so zufriedenstellend gedient hatte. Duncan hatte sein Glück gefunden.

Wie konnte er nur so egoistisch sein und nur an seinen eigenen Schmerz denken, statt sich wenigstens ein kleines bisschen für seinen Freund zu freuen. Seine eigene Liebe zu dem schottischen Dickschädel wäre ohnehin und wahrscheinlich für immer nur eine Träumerei geblieben.

Wie konnte er verletzt und traurig sein, hatte sein Freund doch nicht den Hauch einer Ahnung, dass Methos ihn mehr liebte, als sein eigenes Leben.

Er hatte es geschickt nicht nur vor dem Schotten, sondern zuerst auch vor sich selbst verborgen bis er es sich schließlich im Zuge des ganzen Kristen-Debakels zum ersten Mal hatte eingestehen müssen. Während dieser Geschichte und danach war es sogar langsam aber sicher zu einer Annäherung zwischen ihm und Duncan gekommen und der Mann hatte tatsächlich mit ihm geflirtet.

Es hätte gar nicht viel gefehlt seinen Traum wahr zu machen. Ein Lächeln, eine Bewegung in die richtige Richtung, ein Kuß...

Doch das Schicksal wollte es anders. Es hatte mit einem Dolch in Methos' Herzen und der Ankunft seiner Vergangenheit in ihrer beider Leben abrupt einen Schluss-Strich unter ihre Beziehung gezogen, die Blume getötet, bevor sie die zarten Blütenblätter der Liebe hatte entfalten können.

Und nun war es zu spät.

Für immer!

Duncan würde Amanda zum Traualtar führen und Methos würde dabei stehen, die Eide hören, die sie einander schworen und die Küsse sehen, die sie tauschten.

Blanke Agonie,doch er würde eine strahlende Mine aufsetzen und sich so sehr für die beiden freuen, dass es ihm die Tränen in die Augen triebe. Ein stählerner Ring legte sich um Methos Herz und nahm ihm die Luft zum atmen als er daran dachte, wie wunderschön Amanda und Duncan zusammen aussehen würden, wenn sie die Glückwünsche all ihrer zahlreichen Freunde entgegennähmen. Das weiße Kleid, Kerzen, eine feierliche Zeremonie...

Methos wischte sich ungeduldig die Tränen aus dem Gesicht.

//Verdammter Narr!//

Er starrte den Brief noch einmal angewidert an wie ein Insekt, das es nicht wert war, auf Erden zu krauchen. Dann atmete tief ein und begann, die Klebeschicht zu lösen.

Seine zitternden Hände hielten inne.

Nein, er war noch nicht bereit für diesen Schmerz. Nur noch für eine kleine Weile wollte er die Illusion aufrecht erhalten und das Fünkchen Hoffnung in seinem Herzen halten, das ihn die letzten Jahre am Leben erhalten hatte.

Fluchend zerknüllte er den Umschlag und warf ihn in eine Ecke.

Es war nicht fair Duncan gegenüber und er wusste es, doch in seinem Inneren tobte ein Sturm aus Verzweiflung und hinterließ nur noch eine taube Leere, wie er sie schon lange nicht mehr verspürt hatte.

Ungehalten wischte er sich die Tränen, die er gar nicht mehr eindämmen zu können schien, mit einem überlangen Ärmel seines Lieblingssweaters aus den brennenden Augen.

Technisch gesehen war es Duncans Sweater.

Kupferfarben, grobgestrickt und Methos um ein paar Nummern zu weit, doch weil es etwas war, das Duncan so dicht an seinem Körper getragen hatte, liebte Methos das hässliche Ding mehr als jedes andere Kleidungsstück, auch wenn er sich deswegen albern vorkam und alles andere als fünftausend Jahre alt. Irgendwann hatte er den Sweater versehentlich mitgenommen und dann nie wieder herausgerückt.

Wenn er Trost suchte oder es ihm nicht gut ging, gab ihm der Pullover auf eine merkwürdige Art und Weise Geborgenheit und um nichts in der Welt hätte er dieses kleine Stückchen Duncan wieder hergegeben.

//Dir ist nicht mehr zu helfen// schalt sein Unterbewusstsein, doch er ignorierte diesen Einwand mit all seiner jahrelangen Praxis. Innere Stimmen konnten ja so penetrant sein. Eigentlich war er immer ganz gut damit gefahren, auf sie zu hören, doch in Gefühlsdingen überrannte er sie regelmäßig und um ehrlich zu sein, war nur selten etwas gutes dabei herausgesprungen.

Trotzdem würde er mit dieser Tradition wohl niemals brechen können und das war gut so.

Hätte er damals auf die Stimme der Vernunft gehört, hätte er Alexa niemals kennen- und lieben gelernt und das wäre ein großer Fehler gewesen, denn die Alternative war schlichtweg unvorstellbar.

Für diese kurzen Momente des Glücks und der Lebendigkeit in seiner Geschichte war er durchaus bereit, auch das eine oder andere Mal böse auf die Nase zu fallen und schlimmeres in kauf zu nehmen und er würde sie um keine Macht der Welt missen wollen.

Einmal dieses Gefühl tiefer Liebe zu haben war Jahrtausende aus Schmerz wert und das war es, was sie als Unsterbliche lebendig hielt und verhinderte, dass sie zu gleichgültigen Statisten wurden, die zwar in der gleichen Welt wie die Menschen lebten, aber nicht mit ihnen.

Methos seufzte und faltete seine gesamte Länge gekonnt auf der Couch zusammen, dass seine Arme die Knie umschlangen und er den Kopf auf seine Unterarme betten konnte.

Ein wundervoller Tag für eine hübsche, kleine Winterdepression.

 

* * * * *

 

Er schloss die Augen und watete in seinen depressiven Gedanken, als ihn unvermittelt das Telefon aus den Betrachtungen der Geschichte an sich und der Unsterblichkeit im Besonderen riss.

Ohne sich aus seiner Haltung zu lösen, griff er nach dem Telefon, das neben der Couch auf dem Boden stand und schnarrte schärfer als gewollt "Ja!" in den Hörer.

Die kurze Stille am anderen Ende zeigte ihm, dass sich sein Anrufer ob dieser freundlichen Begrüßung noch einmal überlegte, ob er wirklich mit ihm sprechen wollte, doch Millisekunden später drang ein sanft rollender, wohlbekannter Bariton durch die Leitung und konfrontierte Methos zum xten Mal an diesem Tag mit der bitteren Wahrheit des verhassten Stückes Papier, das da zusammengeknüllt auf dem Boden unter der Heizung lag und gar nicht mehr feierlich und unschuldig wirkte.

"Hier MacLeod--Methos, bist du das?"

"Welche Nummer hast du gewählt?" schnappte er zurück und bedauerte es kurz darauf.

Mac hatte ihm nichts getan.

// Nein, überhaupt nicht, er heiratet nur und lässt mich allein- So ein blödsinnig eifersüchtiger Gedanke! Ich bin wirklich nicht mehr ich selbst. Muss diese schottische Sentimentalität sein, die langsam abfärbt! Höchste Zeit für einen ausgedehnten Urlaub.//

"Methos, ich wollte nur fragen, ob du die ....äh....Einladung nicht bekommen hast?!"

Methos fühlte sich, als hätte man ihm den Boden unter den Füßen respektive die Couch unter seinem Hinterteil weggezogen.

Das schwarze Loch, das eben noch aus sicherer Entfernung gedroht hatte, lauerte jetzt an der Schwelle seines Bewusstseins und war kurz davor, ihn zu verschlingen.

"Einladung? Ach du meinst DIE Einladung?- Natürlich- Habe ich bekommen, ja." Er heuchelte wissende Distanziertheit, obwohl sich sein Inneres nach außen zu kehren drohte und das bisschen Joghurt von eben ihm sauer in die Kehle stieg.

Nach kurzem, unbehaglichen Schweigen drang ein leises "Und?" an sein Ohr. Duncans Stimme klang zittrig und unsicher.

"Was???"

"Und, kommst du, -du hast dich nicht gemeldet!?"

Methos kämpfte mit den Tränen und versuchte völlig sorglos zu klingen, als er fröhlich bejahte.

"Klar, ich hoffe, du hast für genügend Bier gesorgt. Und...Na ja...Herzlichen Glückwunsch und so, du weißt schon."

Kurz schwieg die Leitung und schließlich verabschiedete sich ein völlig irritiert klingender Duncan: "Hmmm? -Ja,dann,- dann bis Sonntag. Ist Dir 19:00 Uhr recht?"

//Recht? Wieso das denn, ist das meine Hochzeit, oder deine? Schusseliger Schotte.// Methos schüttelte genervt den Kopf.

"Klar!"

"Dann bis Sonntag. Ich koche, darum sei bitte pünktlich."

Es klickte in der Leitung und das stetige Summen erinnerte Methos daran, den Hörer aufzulegen.

Er war wie versteinert. Hatte er einen schweren Hörfehler oder hatte der Schotte tatsächlich gesagt, er kocht. Wie passte denn das mit der Hochzeit zusammen? Und wer heiratete schon am Sylvesterabend? Gedanken überschlugen sich, versuchten eine gemeinsame Basis zu finden, von der aus sie in gewohnten Bahnen operieren konnten und versagten kläglich.

Methos' Irritation wuchs von Minute zu Minute. Irgendetwas stimmte an diesem Bild ganz und gar nicht und er musste herausfinden, was. Die einzige Möglichkeit dafür lag darin, den dreimal verfluchten Brief zu öffnen. Er seufzte, warf den Kopf in den Nacken und atmete tief durch.

Schließlich raffte er sich von der Couch auf und kniete sich auf den Boden, um nach dem Umschlag unter der Heizung zu angeln. Als er ihn schließlich hervorzog, glättete er ihn und riss ihn ungeduldig und mit zitternden Händen auf.

Eine Goldene, engbeschriebene Karte fiel heraus und darauf stand in Duncans ordentlicher Schrift:

 

"Methos!

Du wunderst dich sicher, dass ich dir schreibe, aber ich ergreife diese Gelegenheit, damit du mir nicht wieder ins Wort fällst, wenn ich dazu ansetze, etwas sehr wichtiges mit dir zu besprechen. So kannst du mich nicht wieder ablenken oder geschickt das Thema wechseln. Ich hoffe, ich habe deine Aufmerksamkeit.

Wir haben in den letzten Jahren viel miteinander durchgemacht, was uns im Großen und Ganzen immer weiter auseinandergetrieben, uns aber gleichzeitig auch auf ganz eigene Art auch zusammengeschweißt hat.

Ich habe das Bedürfnis, das Auseinanderdriften zu stoppen. Es kann so nicht weitergehen.

Du bist ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben und unsere Freundschaft bedeutet mir sehr viel.

Ich hoffe nicht, dass du jetzt lachst, aber wenn, ist es mir egal, weil ich dir nicht in die Augen sehen muss.

Was ich dir jetzt sagen will, klingt furchtbar abgedroschen, aber es muss endlich raus. Also habe bitte Verständnis.

Endlich weiß ich, warum du mir so besonders wichtig bist.

Du bist so viel mehr für mich geworden, als ein Freund und ich habe lange Zeit gebraucht, das zu akzeptieren, aber es ist so. Liebe ist so.

Ich weiß nicht einmal genau, wann und wie mir das passieren konnte. Du kennst ja schließlich meine Vorliebe für Frauen, und ehrlich gesagt, habe ich so etwas noch nie für einen Mann empfunden, aber es ist da und ich kann es nicht mehr länger verleugnen. Weder vor mir, noch vor dir oder der ganzen Welt, wenn du so willst.

Sicher hatte ich auch schon früher sexuelle Beziehungen zu Männern, ich bin schließlich nicht erst gestern geboren, aber geliebt habe ich keinen davon und es ist mir ein Rätsel, warum ich gerade dich liebe. Ich habe mich oft gefragt: Warum gerade er? Aber genau das ist auch die Antwort.

Von der körperlichen Seite möchte ich jetzt gar nicht anfangen.

Wir wissen beide, dass zwischen uns jede Menge Spannung in dieser Hinsicht besteht und ich habe oft genug bemerkt, wie du mich anschaust. Manche bezeichnen mich als stur, aber ich bin nicht dumm und gefühllos wie eine Planke, Methos. Ich könnte mich selbst dafür ohrfeigen, dass ich meine Gefühle für Dich nicht eher bemerkt und akzeptiert habe, aber es ist nun einmal so. Man sieht manchmal nicht, was besonders offensichtlich ist.

Ich hoffe, du bist jetzt nicht vor Lachen von der Couch gefallen oder hast im Schock das Zimmer verlassen. - Nein? Schön. Du bist noch da und ich hoffe, dass du weiter liest. - Ich denke, es ist nur fair, dir endlich meine wahren Gefühle zu offenbaren und tief in meinem Herzen glaube und hoffe ich, dass du sie erwiderst.

In jedem Falle sollten wir reden und welcher Tag wäre dazu besser geeignet, als der letzte Tag dieses Jahrtausends. Daher möchte ich dich gerne ganz formell am frühen Sylvesterabend zu mir ins Loft einladen, um mit dir den Beginn des neuen Jahrtausends und vielleicht einen Neubeginn für uns beide zu feiern.

Bitte, ruf mich an.

P.S.:

Es war nicht einfach, meine Gefühle in Worte zu fassen. Du bist derjenige von uns der so geschickt mit Worten umzugehen versteht.

Ich weiß, dass dir viel an mir liegt, aber ich kann nur ahnen, wie tief deine Gefühle für mich wirklich gehen.

Egal, was nun passiert, ich möchte, dass du weißt, dass ich sehr stolz darauf bin, dich meinen Freund nennen zu dürfen. Ich wünschte, wir könnten so viel mehr sein.

Bis bald, mein Freund.

Ich hoffe sehr, dich Sonntag zu sehen,

Duncan"

 

* * * * *

 

Methos' Tränen ließen diese letzten Zeilen vor seinen Augen verschwimmen und er hatte das Gefühl, sich nicht mehr auf den Beinen halten zu können.

Da hatte er eine Katastrophe erwartet und bekam ein kleines Stück Himmel für sich ganz allein.

Er musste sich setzen, so sehr zitterte er.

In seine Freude mischte sich der Schock über das, was er unwissentlich Duncan soeben angetan hatte. Er stöhnte auf und schloss die Augen für einen Moment. Warum konnte er nicht ein einziges Mal in seinem langen Leben einem Fettnäpfchen geschickt ausweichen? Das war wohl zu viel verlangt. Er bildete sich ein, dass er, wenn er ganz genau hinhörte, die Schicksalsgöttin milde kichern hören konnte.

//Vielen Dank auch! Schlampe!//

Bei dem Gedanken, dass Duncan ihm seine Seele zu Füßen gelegt hatte und er ihn nicht nur über eine Woche lang hatte warten lassen, sondern ihn auch noch auf grausame Art und Weise am Telefon abgefertigt hatte, wich ihm alles Blut aus dem Gesicht und in die alberne Freude mischte sich ein Hauch Schuldgefühle.

// Schuldgefühle? Nicht mehr seit dem...ach zum Geier, ja, Schuldgefühle!!//

Wenn er nicht zu feige gewesen wäre, diesen verflixten Umschlag zu öffnen, wäre ihnen beiden eine grausige Woche erspart geblieben.

Es musste etwas geschehen.

Verrückte, schwindelerregende Freude machte Entschlossenheit Platz.

Er konnte Duncan nicht so lange im Ungewissen lassen.

Eine Idee formte sich, als er wild zielbewusst ins Schlafzimmer stapfte und begann, in den Schränken und dem Schuhschrank nach dem passenden Outfit zu graben.

Beim Gedanken an den Schuhschrank, ein IKEA-Modell, grinste er und dachte an einen verrückten Traum, den er neulich gehabt hatte. Er, Duncan, eine Gebrauchsanleitung, ein paar Bretter und Sex.

Vielleicht war es an der Zeit, diesen Traum wahrzumachen. Ohne den Schuhschrank allerdings.

Verträumt seufzend strich er über das Möbelstück und musste sich mit Gewalt zurück in die Wirklichkeit rufen.

Pfeifend wühlte er in den Schränken, begutachtete dieses, verwarf jenes, doch nach einer Weile stand sein Outfit fest. Er legte die Sachen säuberlich aufs Bett und schlenderte ins Bad, um sich zu rasieren und seine Haare zu trocknen.

Er benutzte das teure Aftershave, das ihm Amanda zu Weihnachten geschickt hatte und zog sich dann sorgfältig an.

Es wurde draußen bereits dunkel, als er nach einigem hin und her und ungewohnt strapaziöser Spiegelkontrolle endlich fertig war.

Ja, so würde es gehen.

Er war bereit, Sylvester um eine Woche vorzuverlegen.

In Sekundenschnelle schlüpfte er in seinen Mantel und versicherte sich mit einem routinemäßigen Griff der Anwesenheit seines Schwertes in den Falten des schweren Gewebes. Die Autoschlüssel griff er im Vorbeigehen und ein kurzer Umweg führte ihn in die Küche, wo er eine exzellente Flasche Wein aus dem Vorratsraum hervorholte und diese dann sorgfältig in der Mantelinnentasche verstaute.

Kurz bedauerte er, keinen Champagner zu besitzen, aber er wischte diese Bedauern leichten Herzens beiseite. Wein würde den gleichen Zweck erfüllen, wenn nur die Rahmenbedingungen stimmten.

Noch ein Blick in den Spiegel und er machte sich auf den Weg.

 

* * * * *

 
Zur gleichen Zeit im Loft

 

Duncan starrte immer noch auf das Telefon und fühlte sich, als hätte man ihm die Luft zum Atmen genommen.

Er hatte Methos in seinem Brief seine Gefühle offenbart und das war dem älteren noch nicht einmal einen Anruf wert gewesen?

Immerhin würde Methos Sonntag kommen, auch wenn er nicht gerade glücklich geklungen hatte.

Vielleicht war ja noch nicht alles verloren und sie konnten zumindestens die Reste ihrer Freundschaft retten, wenn sein Geständnis ihn nicht auch noch den letzten Rest davon gekostet hatte.

Verdammt, und er war sich so sicher gewesen, dass auch Methos mehr für ihn empfand und nun das.

Eine solche Reaktion hatte er im Leben nicht erwartet.

Zurückhaltung, ja, Nervosität, vielleicht sogar Angst, ja, der Einwand, das "für immer" für Unsterbliche reichlich lang sein konnte, gewiß, - aber nicht diese völlig emotionslose Distanz, die er in Methos' Tonfall gehört hatte.

Und was sollte dieses Glückwunsch Getue? Dachte Methos im Ernst, ihm noch nachträglich zum Geburtstag am 21.12. gratulieren zu müssen, nachdem etwas so wichtiges, wie ihre Beziehung zueinander zur Diskussion stand. Duncan MacLeod verstand die Welt im Allgemeinen und fünftausendjährige Unsterbliche im Besonderen, nicht mehr.

Eins stand fest: Methos und Romantik waren offensichtlich zwei Worte, die man nicht in einem Atemzug nennen sollte.

Er beschloss, sich den restlichen Scotch einzuverleiben, den er in der Anrichte aufbewahrte und sich in Bewusstlosigkeit zu trinken.

Vielleicht würde er nach Weihnachten wachwerden und es würde nicht mehr ganz so weh tun...

Kaum hatte er diesen Gedanken ausgedacht, spürte er die unmissverständliche Präsenz eines anderen Unsterblichen seine Wirbelsäule entlangkriechen und in seinem Schädel explodieren.

Nicht das auch noch.

Obwohl - Ein Kampf wäre jetzt vielleicht genau das richtige , um sein Temperament unter Kontrolle zu bringen. Ihm war danach, jemanden einen Kopf kürzer zu machen. Vorzugsweise jemanden mit einer sehr langen Lebenslinie, aber das stand nicht zur Debatte.

Wachsam griff er sein Schwert fester und öffnete die Hintertür, von wo aus die Präsenz zu kommen schien.

Ihm stockte der Atem.

Da stand Methos an das Geländer der Feuertreppe gelehnt und bot einen gnadenlos guten Anblick.

Er trug einen schwarzen Smoking komplett mit goldenen Manschettenknöpfen, einem schneeweißen Hemd, einer seidenen Fliege in schimmerndem grau und sogar blitzsauber geputzten Schuhen.

Den Mantel hatte er über dem Arm und in der Hand hielt er eine einzelne, langstielige rote Rose, nach der er lange gesucht haben musste, um noch am heiligen Abend eine zu bekommen.

Minuten verstrichen, in denen sie sich nur anstarrten und Methos verlagerte sein Gewicht unbehaglich von einem Fuß auf den anderen, als Duncan das Schwert nicht senkte.

"Mac? Ich weiß, ich war ein Ekel am Telefon. Könntest du mir trotzdem den Gefallen tun und das Ding runter nehmen?"

Mac Leod lief puterrot an und verstaute das Katana ohne nachzudenken im Schirmständer, dann bat er Methos hinein.

"Hallo! Ich habe nicht mit dir gerechnet, nach unserem ...Telefonat. Aber komm rein. Du weißt ja...Mi Casa...."

Bevor er weiterreden konnte sagte Methos nur schlicht :"Ich weiß." und trat weiter in den Raum hinein, um die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Das Loft hatte immer schon etwas besonderes an sich gehabt und heute, nur erleuchtet von ein paar Kerzen, einer kleinen Lampe in der hinteren Ecke des großen Raumes und dem Kaminfeuer, hatte es einen ganz eigenen Zauber inne.

Lächelnd fiel sein Blick auf den kleinen Weihnachtsbaum neben der Couch, dessen winzige, weiße Lichter ihn beinahe unwirklich erstrahlen ließen.

Methos atmete tief den satten Tannenduft ein, der in der Luft hing und ein irrationaler Teil von ihm hätte schwören können, auch einen Hauch von dem wahrzunehmen, was er als Duncans ganz eigenen Duft so sehr liebte.

Zögernd legte er den Mantel über eine Stuhllehne und zog den Wein hervor. Er stellte die Flasche auf den Küchentresen und überreichte Duncan dann mit einem ungewöhnlich scheuen Lächeln und rasendem Herzen die Rose.

Duncan presste unbewusst die Rose an sich und starrte Methos für einen Moment lang an, bevor er wieder klar denken konnte.

"Danke, - glaube ich. Was...?" setzte er an, doch Methos schnitt ihm das Wort ab. Diesmal jedoch, um etwas zu tun, was er schon sehr, sehr lange nicht mehr für irgendjemanden getan hatte. - Er entschuldigte sich.

"Duncan, gib mir einen Moment Zeit. Ich möchte dir etwas erklären, bevor diese ganze Situation noch verfahrener wird...", hub er an und dann erzählte er von seinen schrecklichen Vermutungen und von seiner Liebe zu diesem schottischen Kind, das sein altes Herz im Sturm erobert hatte.

Merkwürdigerweise war nichts peinliches daran und nach dem ersten gescheiterten Versuch, gelang es ihm, Duncan mit den richtigen Worten die Geschichte darzulegen, ohne anzuecken.

Mit jedem Wort spürte Methos die Schwere, die die ganze Woche über und noch viel, viel länger auf seiner Seele gelastet hatte, verebben und einem schwindelerregenden Glücksgefühl platzmachen, das sich in den schokoladenfarbenen Augen Duncans widerspiegelte.

Als er geendet hatte, saßen sie beide nebeneinander auf der Couch. Duncan hielt immer noch die Rose fest an sich gepresst und für einen Moment genossen sie gemeinsam die Stille, in der nur das Kaminfeuer leise und behaglich knisterte.

"Du meinst", begann Duncan zögernd, "dass du mich auch ...?" und schlug die Augen nieder, wie ein unsicherer Schuljunge. Methos grinste und bemerkte, wie sich sein Selbst weit öffnete ob dieses unschuldigen und herzzerreißenden Anblickes. Gegenüber Duncans Charme war er völlig machtlos.

Kaum zu glauben. Da saßen fünfeinhalbtausend Jahre gesammelte sexuelle Erfahrung nebeneinander auf einer abgewetzten Ledercouch und schauten einander unsicher an, wie unerfahrene Teenager.

"Was? Zweifelst du daran - Schau mich an! Für niemanden, den ich nicht abgöttisch liebe, würde ich mich freiwillig in einen Smoking zwängen."

Mac Leod schaute auf und lachte ob des indignierten Gesichtsausdruckes, den Methos ihm zeigte, befreit auf.

"Nein, sicher nicht. Aber es sieht wirklich gut aus - Du siehst gut aus." Duncans Gesicht überzog ein glückliches Lächeln.

Sie hatten die erste Hürde überwunden und alles was nun kam konnte nur noch besser werden.

Auch Methos lächelte.

Nicht dieses kleine, zynische Lächeln mit den leicht nach unten gezogenen Mundwinkeln, sondern ein weitoffenes, glückliches Lächeln, das die grünen Augen aufflammen ließ und viele kleine Lachfältchen hervorzauberte. Duncan hatte ihn noch nie so lächeln sehen.

"Nur für dich", sagte der ältere und strich Duncan vorsichtig mit unendlicher Zartheit eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Duncan lehnte sich in diese winzige Berührung und atmete tief ein. Es war zu wundervoll, um wahr zu sein. Er musste träumen. Methos im Smoking auf seiner Couch, das konnte nur ein Traum sein und so schloss er die Augen, um nicht wachzuwerden.

Ein sanfter Bariton riss ihn aus seiner absoluten, watteweichen Zufriedenheit und die Realität kehrte zurück und sie war besser als jeder Traum.

"Duncan?"

"Hmmm?"

"Ich möchte nicht mehr bis nächste Woche warten."

Duncan schaute ihn verständnislos an.

"Hm?"

Methos schaute auf seine Finger und dann wieder in Duncans Gesicht. Ein Hauch von Röte überzog die scharfen Gesichtszüge und ein nervöses Lächeln ließ ihn jünger aussehen, als je zuvor.

"Duncan, ich - ich meine...können wir deinen folgenschweren Entschluss und mein tiefes Einverständnis nicht heute feiern? "

Duncans Gesicht leuchtete auf, sein Lächeln wurde breiter und sein Blick, wenn es irgend möglich war noch zärtlicher, als Methos beinahe schmollend fortfuhr: "Immerhin ist Weihnachten das Fest der Liebe, - ääh, Nächstenliebe... Ich glaube, ich bin in diesem Falle dein Nächster, oder?"

Der Tonfall und der hoffnungsvoll, absolut unschuldige Blick aus weitoffenen Augen ließ Duncan beinahe in ein albernes, nervöses Kichern ausbrechen.

 

Schließlich legte er zögernd zuerst, doch nach einem Blick in diese unendlich tiefen, erwartungsvoll glitzernden Augen, liebevoll fester den Arm um Methos' Schultern und zog ihn eng an sich. Methos folgte ihm mit einem kleinen Seufzer und lehnte seinen Kopf an die breite Brust.

"Du klingst, wie ein Kind, das die Geschenke schon vor Weihnachten haben möchte", sagte Duncan in tadelndem Tonfall und drückte Methos einen liebevollen Kuss auf die Stirn.

Methos schmunzelte und lugte verschmitzt unter seinen langen Wimpern zu seinem Freund hoch.

"Abgesehen davon, dass ich kein Kind bin, möchte ich tatsächlich mein sehr, sehr großes Weihnachtsgeschenk von sagen wir - hmm etwa 1,85m Highlander vor dem Weihnachtsmorgen haben und ich möchte es auch selbst auspacken."

Duncan errötete bis unter die Haarwurzel, doch Methos knuffte ihn spielerisch in die Seite und beide brachen gleichzeitig in Gelächter aus. Langsam löste sich die fast unerträgliche Spannung und sie fanden sich beim vertrauten Gekebbel wieder und ganz ohne irgendjemandes Zutun oder bewusster Steuerung hielten sie einander bald darauf vor dem Kaminfeuer in den Armen. Eine Weile saßen sie einfach nur da, tauschten zärtliche Küsse und sanfte Berührungen und genossen diese neue Zweisamkeit in dem stillem Einvernehmen, sich Zeit zu lassen.

Es wurde ein gemütlicher Abend, wie sie ihn schon so oft miteinander erlebt hatten, doch beide waren sich der neuen Perspektive bewusst, in der sie die Stunden verbrachten. Dem Schachspiel, das unentschieden endete, weil Methos, wie er betonte, zu abgelenkt war, um Duncan wie sonst üblich 'wegzuputzen' folgte ein spontanes Picknick. Duncan breitete ein paar Decken aus und sie ließen es sich bei der Flasche Wein und etwas Käse, Weintrauben und Crackern gut gehen.

Im Laufe des Abends hatte Methos die Jacke abgelegt und saß nun hemdsärmelig mit Duncan zwischen seinen geöffneten Knien die Arme um dessen Schultern gelegt und den Rücken an die Couch gelehnt auf dem Boden. Sie starrten beide ins Feuer und ihre Nähe war so natürlich, wie das Atmen.

Methos brach die Stille mit einem Satz, der Duncans Herz in Flammen setzte: "Wie lange ich hiervon geträumt habe, kann ich dir gar nicht sagen. So oft habe ich hier auf der Couch gesessen, dir beim Lesen zugeschaut und habe mir einfach nur gewünscht, dich einmal so halten zu dürfen, wie ich dich jetzt halte. Dir einmal so nah sein zu dürfen, dich anschauen zu können, ohne gleich wieder wegsehen zu müssen. Der Gedanke, dich zu verlieren, - dich für immer an Amanda zu verlieren, war unerträglich. Ich habe mich nicht getraut, diesen verflixten Brief zu öffnen. Das muss man sich mal vorstellen. Ich! Da siehst du, was du aus mir machst.." Methos küsste Duncans Haar und drückte ihn noch ein bisschen enger an sich.

"Ich kann noch immer nicht glauben, dass jetzt alles gut ist. Du bist hier, in meinen Armen, wo du hingehörst. Darauf habe ich so lange gewartet, so unerträglich lange, und es tut so gut. Ich hätte nie geglaubt, dass es mal dazu kommt."

Methos' Stimme war leise, beinahe als fürchtete er, sich selbst aus diesem Traum zu wecken. Es lag ein so verzweifelter Ton von Unsicherheit und Verwunderung darin, dass Duncan erschauderte.

Wie lange? Wie lange schon hatte ihn Methos geliebt und wie oft hatte er den Mann in diesen ganzen Jahren verletzt. Dieses Wesen vom Anbeginn der Zeit, ein Krieger, ein Überlebenskünstler, stark und couragiert war gleichzeitig ein ganz normaler Mensch, verletzlich, unsicher, aber mit einem leidenschaftlichen Willen zu überleben und diesem unerklärlichen, unglaublichen, unumstößlichen Vertrauen in Duncan MacLeod.

Duncan drehte sich mit einer fließenden Bewegung um, setzte sich auf die Knie zwischen Methos gespreizte Beine und küsste ihn auf die mobilen, zierlich geformten Lippen, die so zynisch schnarren konnten und sich ihm nun so süß hingaben, sich ihm gierig öffneten und nach mehr verlangten.

Die zurückhaltende Zärtlichkeit des Abends machte dem Feuer der Leidenschaft Platz.

Weich, so weich und kühl, das waren Duncans letzte zusammenhängende Gedanken, bevor ihn das Bewusstsein der Realität um ihn herum völlig verließ und er in einem Feuerwerk von Sinneseindrücken devongeschwemmt wurde. Der Duft von Methos, seine weichen, fordernden Lippen, die Duncans in Flammen setzten, sein Aroma auf der Zunge, die glitzernden, goldgrünen Tiefen seiner Augen, die leisen, kleinen Töne, die aus Methos' Kehle zu ihm drangen und still um mehr flehten, das Gefühl der seidigen Bewegungen ihrer Zungen, die miteinander zu tanzen schienen, all das ließ sein Blut in Gier aufschreien. Er brauchte mehr, wollte Haut spüren, sich an den schlanken, harten Körper drängen, in ihn eintauchen, das Spiel ihrer Zungen imitierend, ihn verzehren, wie ein alles verbrennendes Feuer, um mit ihm eins zu werden. Methos.

Mit immer noch unsicherem Blick löste sich Methos Sekunden später von ihm und schaute ihn aus weitoffenen Augen an, als könne er noch immer nicht glauben, dass es wirklich geschah, dass dies kein weiterer, schöner Traum war.

Vorsichtig und beinahe zaghaft näherten sich Methos' lange Finger Duncans Wange und er strich ihm sanft mit den Fingerspitzen über den markanten Kiefer, die hohen Wangenknochen und die dichten Brauen, so als wolle er sich das Gesicht einprägen, um es nie wieder zu vergessen.

MacLeod konnte Methos' Atem auf seiner Haut spüren, nahm schwach den Geruch von Aftershave und etwas wie Orangenblüten wahr, der ihm wohl noch vom Duschen anhaftete. Das Gefühl der langen, grazilen Finger auf seiner Haut, wie kleine, delikate Stromschläge, veranlassten seine Augen dazu, sich mit flatternden Lidern zu schließen und sandte Schauder über seinen ganzen Körper. Die Sensationen, die auf ihn einstürmten, waren die gleichen, wie eben, als Methos nur kurz seine Lippen berührt hatte, nur stärker, so viel stärker. Die Liebkosungen setzten seinen Körper in Flammen. Sein Herz begann zu rasen und er verlor sich in dem schwindelerregenden Taumel aus Ton, Geschmack, Geruch und Gefühl.

Die Wirklichkeit verschwamm und es gab nur noch ihn und dieses erstaunliche Wesen in seinen Armen.

Ein Ton, ein sachtes Flüstern in diesem wirbelnden Chaos ließ MacLeod verwirrt die Augen öffnen und als er Methos ansah, machte er in der leisen Beschwörungsformel, die sein Freund //sein Geliebter?// über und über wiederholte, wie ein Mantra, seinen Namen aus. Die anderen Worte waren fremd, guttural, doch über ihre Bedeutung bestand kein Zweifel, als er Methos' Blick auf sich ruhen fühlte und eine Zartheit und tiefe Liebe darin fand, die ihn ganz bescheiden machten. So viele Emotionen, die so lange geduldig weggeschlossen worden waren, um eine Freundschaft am Leben zu erhalten, die noch nicht bereit war, für mehr.

Jetzt war es soweit, aber konnte er diese Gefühle jemals so zurückgeben? War er es wirklich wert? Wusste er wirklich, was er tat? Hatte Methos Recht, ihm darin zu vertrauen, dass er ihm nicht wieder wehtun, ihn nicht mehr zurückweisen würde. Konnte er es tatsächlich verantworten, diesen Überlebenskünstler, Meister der Tarnung, der Unauffälligkeit und der Flucht in sein gefährliches Leben einzubeziehen? Wollte er ihn diesem Risiko aussetzen?

Methos' sanfter Griff mit der rechten Hand um seinen Nacken ließ MacLeod schnell alles Grübeln vergessen.

Er spürte nur noch die kräftigen, langen Finger, die ihn langsam und unwiderstehlich nach vorn zogen, bis ihre Gesichter nur noch Zentimeter voneinander entfernt waren. Methos' andere Hand grub sich in seine Haare und er spürte das leichte Seufzen des anderen in einem winzigen Hauch auf seinen Lippen, der ihm erneut Schauder über den Körper jagte.

Erregung loderte in ihm auf wie ein plötzlich entfachtes Feuer und er spürte wie die Hitze ihn begann von innen zu verbrennen. Er konnte nicht anders, als Methos noch enger an sich zu ziehen, seine schmalen Hüften zu umfassen, zunächst zögernd, dann mit mehr Selbstbewusstsein, als er es sich selbst zugetraut hätte. Mit diesem Manöver hatte er Methos nun beinahe auf seinen Schoß gezogen und die Nähe und der Duft seines Freundes, seines Liebsten machten ihn rasend vor Verlangen.

So hielten sie sich minutenlang engumschlungen, nicht bereit, einander auch nur eine Sekunde lang loszulassen. Es war eine Zeit für Küsse und zärtliche Berührungen unterbrochen nur von atemlosem, glücklichem Lachen und gehauchten Liebkosungen.

Methos' biegsamer Körper harmonierte ideal mit dem des Highlanders. Sie passten zueinander, wie zwei völlig verschiedene Puzzleteile, die gemeinsam ein harmonisches Ganzes ergaben.

Ihre Lippen fanden sich erneut und später wusste keiner mehr ganz genau, von wem eigentlich dieser Kuss initiiert worden war, doch vergessen würden sie ihn niemals.

Zuerst ganz sacht wisperten Duncans Lippen über Methos' eigene in einer Berührung zarter als eine Feder, dann nippte er schließlich an Methos' Unterlippe in einer sanften Bitte um Einlass. Mit einem hilflosen kleinen Laut öffnete der ältere seine Lippen und begegnete Duncans forschender Zunge mit gleicher Zärtlichkeit. Seidig, sehnsüchtig, heiß, so heiß - Himmel.

Sie verschmolzen miteinander, eins in ihrem Verlangen. Zwei Seelen auf der Suche nach ihrem verlorenen, anderen Ich.

Methos hätte diesem Kriegerprinzen aus den Highlands, den er zwar immer für einen Gentleman und gekonnten Verführer gehalten hatte, so viel Zartheit nicht zugetraut. Nicht mit einem Mann.

Er hatte intensive Leidenschaft erwartet, Gier, Passion, doch die Sensibilität und herzzerreißende Zärtlichkeit, mit der er sich in diesem unvergesslichen Augenblick stattdessen konfrontiert sah, löste in ihm ein nagendes Verlangen aus, das weniger mit dem Körper, als mit der Seele zu tun hatte.

Sein Selbstschutzmechanismus kreischte noch ein letztes Mal das Wort Gefahr, doch bewusst ignorierte er den penetranten Quälgeist. Er wollte nicht mehr nur Sicherheit, er wollte Leben. Leben und lieben und fallen und aufgefangen werden, sich an der Flamme der Leidenschaft wärmen und wenn es sein musste, in ihr verbrennen. Vorbei die Tage, als existieren genug war, es wurde Zeit, zu leben.

Er ließ sich ganz in diesen Kuss fallen und hatte ein Gefühl, das er schon sehr lange nicht mehr so intensiv gespürt hatte. Mit Alexa war er dem nahegekommen, doch Perfektion erreichte er in diesem einen, schwindligmachenden, seelenverzehrenden Kuss.

Es war ein Gefühl der tiefen Verbundenheit, als wären nicht nur ihre Körper in diesem Kuss vereint worden, sondern ihr ganzes Selbst. Zwei Seelen, die sich zu einer einzigen verbanden.

 

Methos legte jedes Gefühl, das er für 'seinen' Highlander hegte, in diese leidenschaftliche Begegnung ihrer Lippen und Zungen. Auch wenn nichts weiter geschehen würde als dieser eine Kuss, Methos wäre glücklich.

Sein Körper jedoch war anderer Meinung und reagierte mit einer Heftigkeit aus Macs sanfte Berührungen, die ihn selbst erschreckte und er spürte, wie seine Erregung von Sekunde zu Sekunde wuchs.

//5000Jahre Praxis. Trotzdem reichen ein paar gehauchte Küsse und der Highlander in meinen Armen aus, mich zu einem hilflosen Trottel zu reduzieren. Fein. Was ist bloß aus dir geworden, Methos? Was macht dieses Kind aus dir?//

Er hatte nicht viel Zeit, weiter diesem völlig unerheblichen Gedanken nachzuhängen, denn plötzlich fanden Duncans geschickte Finger seinen Hosenbund und nestelten das weiße Hemd so weit hervor, dass er seine Hände unter den gestärkten Stoff schieben konnte.

Methos' Haut überzog ein Schauer nach dem anderen, als Duncans breite, starke Hände seine Flanken streichelten, seinen muskulösen Rücken liebkosten und das Hemd langsam aber sicher immer höher hinaufschoben, während der sinnliche Mund, den er so lange aus der Ferne bewundert hatte, ihm mit Küssen den Verstand raubte.

Schließlich lösten sich ihre Lippen voneinander und sie starrten einander mit erhitzten Gesichtern und Hunger in den Augen an. Die Zeit schien eine Sekunde lang stillzustehen, doch dann riss Duncan mit einem Knurren, das tief aus seiner Kehle zu kommen schien, Methos' Hemd vom Kragen nach unten auf, dass die Knöpfe wild durch den Raum flogen und klappernd in alle Himmelsrichtungen davon rollten.

"Methos!" keuchte er.

Dessen halbindigniertes "Hey!" ging unter, als sich Duncans Mund gierig auf eine Brustwarze senkte und eine seidige Zunge den sensiblen Punkt stimulierte, bis das Verlangen Methos zu verzehren drohte.

Methos' suchende Hände fanden Duncans Haare und massierten die Kopfhaut synchron mit den Bewegungen von Duncans Zunge, deren Aufmerksamkeit jetzt der anderen Seite galt.

Ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle und er bog seinen Körper dem Mann entgegen, dem er mit Körper, Geist und Seele gehörte. Duncans Hände fanden Methos' festen Hintern und er begann die Pobacken sanft zu massieren.

Methos saß mittlerweile mit gespreizten Knien auf Duncans Schoß.

Ihre Erektionen streiften einander das erste Mal, als MacLeod ihn noch enger an sich drückte und die schmalen Hüften nach vorn zog und beide keuchten ob dieser Sensation auf. MacLeods Zunge wanderte quälend langsam von den köstlichen Nippeln hoch über das Brustbein bis zu der kleinen Kuhle, an der sich die feingemeißelten Schlüsselbeine trafen. Ein wenig Schweiß hatte sich dort gesammelt, den er gierig aufleckte.

Er wollte seinen Geliebten spüren, schmecken, riechen, sehen, ihn mit allen Sinnen in sich aufnehmen, dieses Wesen für immer in seine Nervenenden einbrennen, um diesen Augenblick niemals zu vergessen.

Einen Moment verweilten seine Lippen an dieser verwundbaren Stelle und er platzierte dort ein paar Küsse, wobei er Methos' stetigen Puls mit jeder Faser seines Körpers spüren konnte. Seine Hände schoben sich in den Bund der Anzughose und endlich konnte er den wohlgeformten, festen Hintern liebkosen, endlich Haut auf Haut spüren.

Der Kontrast zwischen der weichen, heißen Haut unter seinen Händen, und dem rauen, kühlen Stoff, der über seine Handrücken glitt hatte seine ganz eigene Erotik und brachte seine Erektion mit flammender Plötzlichkeit zu schmerzhafter Härte.

Ein Stöhnen drang aus Duncans Kehle, primitiv, brennend und verlangend. Bei diesem Ton stellten sich Methos' feine Körperhärchen auf und seine ganze Haut überliefen unstillbare Schauder.

Seine Hände, die immer noch locker in den dichten, dunklen Haaren vergraben waren, lösten sich. Die eine streichelte jetzt den schlanken, muskulösen Nacken, was Duncan ein Schnurren entlockte und die andere umfasste fest die schmale Taille des Schotten. Nach einem kurzen Kampf, hauptsächlich gegen sich selbst, gelang es Methos sich von Duncan zu distanzieren. Der Verlust der warmen Hände auf seiner Haut ließ ihn unkontrolliert aufseufzen, aber es gab jetzt wichtigeres.

Er wollte nicht, dass ihr erstes Mal auf dem Boden stattfand. Es erschien ihm zu profan und dem Anlass nicht gerecht. Nicht wenn da ein perfektes, riesiges Bett mit weichen Kissen nur ein paar Meter weiter geradezu auf sie wartete. Mühsam zwang er seine zitternden Beine unter sich und war endlich in der Lage, aufzustehen.

Mit einer raschen Bewegung gelang es ihm, den sich erstaunlich eigensinnig weigernden Schotten mit sich auf die Beine zu ziehen und schließlich standen sie dicht aneinander gepresst vor der Couch, jeder nicht willig, den anderen auch nur einen Millimeter mehr als notwendig, gehen zu lassen. Duncan blickte zuerst fragend, doch rasch widmete er sich wieder jedem Zentimeter alabasterfarbener Haut, den er mit Lippen und Zunge erreichen konnte.

Methos war der Meinung, da er der ältere war, müsse er die Situation in die Hand nehmen und die profunden Worte der Weisheit sagen, die ihnen aus dieser Situation helfen würden.

Mühsam suchte er seine Fähigkeit zusammen, ganze Sätze zu bilden und sagte schließlich mit vor Verlangen heiserer Stimme: "Bett?"

Duncan löste seine Lippen von Methos' schlanker, langer Kehle und schnurrte: "Bett!"

 

* * * * *

 

Damit war alles gesagt.

Der Weg dorthin war eine abenteuerliche Reise, da keiner den anderen freigeben wollte. Möbel, Teppiche, alles war im Weg und so taumelten sie die wenigen Meter in einem uneleganten Tanz.

Beinahe da.

Methos löste sich so weit von Duncan, dass er mit einer lasziven Bewegung das Hemd ganz abstreifen konnte. MacLeods gemurmelten Protest über die unerwünschte Trennung erstickte der Anblick, der sich ihm bot, im Keim.

Das Kaminfeuer zauberte goldene Reflexe auf Methos' blasse Haut und der Mond, der zum Fenster hereindrang, schien Methos in eine lebende, atmende Statue aus feinstem Marmor zu verwandeln. Grüne Augen glitzerten erwartungsvoll. Ein lebendiges Kunstwerk und Mac Leod bildete sich nur für eine Sekunde ein, dass dieses Meisterwerk nur für ihn geschaffen worden war. Er sonnte sich in diesem Gedanken und eine albern kichernde, kleine Stimme in seinem Kopf gurrte immer wieder "MEIN".

Das Verlangen, den anderen zu berühren, um sich davon zu überzeugen, dass er tatsächlich Realität war, wurde beinahe übermächtig.

Schon immer hatte der schlanke, biegsame Körper seines Freundes seine Phantasie beflügelt und oft schon hatte er sich ausgemalt, was die ausgebeulten Sweatshirts vor den Augen der Welt verbargen, doch die Wirklichkeit übertraf seine kühnsten Träume.

Die helle, seidige Haut kontrastierte perfekt zu dem dunklen Haar und den unendlich tiefen, grünen Augen und wie schon so oft vorher erinnerte Methos Duncan an ein Fabelwesen, einen Waldgeist oder einen antiken Gott, so als sei er kein menschliches Wesen. Ihm war nicht bewusst, dass er starrte, erst als Methos leicht entnervt zurückstarrte
"Was?"
erwachte MacLeod aus seiner stillen Huldigung.

 

"Warum?"

"Warum was, Duncan?" //In einem solchen Augenblick Fragen zu stellen...Typisch Duncan.//

"Warum versteckst du deinen Körper immer unter so schäbigen, weiten Sweatern? Du bist wunderschön."

Methos gab einen eigenartigen, belustigt schnarrenden Laut von sich: "Unauffälligkeit ist mein zweiter Name, Mac. Ich bin nicht wie du. Ich bevorzuge den Wolf im Schafspelz Look. Hat mir jahrelang gute Dienste geleistet."

"Schade."

"Hm?"

"Hätte ich eher gewusst, was du vor der Welt verbirgst, hätte ich dich vielleicht früher zu einem intimen Sparring gebeten." Methos rollte entnervt mit den Augen, konnte sich aber ein breites Lächeln nicht verbeißen.

"MacLeoood! Ich wusste es, du willst nur meinen Körper!" grinste er und warf Duncan einen unglaublich unschuldigen, leicht gekränkten Blick zu, der jeder alten Jungfer in viktorianischen Zeiten zur Ehre gereicht hätte.

"Wenn du es sagst.- Und wo du schon mal dabei bist, ich hätte gerne mehr davon."

"Mehr wovon?"

"Mehr hiervon!" sprachs und stürzte sich auf den kichernden Unsterblichen.

 

Beide taumelten auf das breite Bett und nach einem kurzen Gerangel endete Methos unter MacLeod, lachend und atemlos mit geröteten Wangen.

Duncans Hand wanderte zum Hosenknopf, löste ihn geschickt und zog den Reißverschluss mit einer fließenden Bewegung herunter.

"Wo waren wir doch gleich? Ah - ich glaube, genau hier!"

Methos' Atem stockte bei der ersten Berührung von Duncans warmer Hand auf seinem erhitzten Fleisch.

"Keine Unterwäsche, Methos? Hattest du irgendetwas besonderes vor?"

Methos' Augen umwölkten sich vor Lust und schauten in die Ferne, als zärtliche Finger den harten Schaft liebkosten ."Das Konzept ist mir nie eingängig gewesen", murmelte er, bevor sich seine Welt nur noch auf diesen einen Berührungspunkt zu konzentrieren begann.

Duncan glitt nun an dem Körper, der sich ungeduldig unter ihm zu winden begann, herab und küsste und leckte sich seinen Weg nach unten.

Die hilflosen kleinen Laute, die Methos von sich gab und der Anblick des sich hin und her werfenden, harten Körpers ließ sein Verlangen nur noch unerträglicher werden.

Geduld, sagte er sich. Jetzt galt es zuerst, die störende Kleidung loszuwerden.

Es war ihm gelungen auf seiner Reise über Methos' Körper, sein eigenes Hemd zu lösen und es beiseite zu werfen. Nun versenkte er seine Zunge spielerisch in Methos' Bauchnabel und schob gleichzeitig dessen Hose über die schmalen Hüften ganz nach unten.

Hilfreich streifte Methos die Schuhe ab und schlängelte sich endgültig aus der Hose, dann stützte er sich mit beiden Ellenbogen auf und beobachtete mit glitzernden Augen, wie MacLeod sich aufrichtete und sich mit ein paar ungeduldigen Bewegungen von Hose, Slip und Schuhen befreite, um schließlich nackt vor ihm zu stehen.

//Überwältigend!!!// war alles, was Methos denken konnte, als sein hungriger Blick über Duncans nackten Körper strich.

Die breite, starke Brust, die überhaucht war mit dunklem Haar, verjüngte sich über den flachen, hart bemuskelten Bauch zu schmalen Hüften und wohlgeformten, langen Beinen. Goldene, makellose Haut schimmerte im Schein des Feuers und der Kerzen und Duncans schon feuchtglitzernde Erektion ragte stolz aus einem Bett schwarzer Locken. Perfektion.

So etwa musste Mutter Natur es sich vorgestellt haben, als sie den männlichen Körper erschuf. Hier stand der Prototyp.

Einen Moment lang trafen sich ihre Blicke. Keiner von ihnen war sich sicher, ob dieser Schritt, den zu tun sie im Begriff waren, ein Schritt in Richtung Himmel oder Hölle war. Alles war neu, das Terrain unsicher, ihr Leben alles andere als einfach und es mit einem anderen Unsterblichen zu teilen ein Wagnis, doch ihre Unsicherheit verblasste, wurde unwirklich und verschwand im Angesicht ihrer Gefühle, die keiner von ihnen mehr verbergen konnte und die so deutlich auf ihrer beiden Gesichter geschrieben stand, dass es keinen Zweifel mehr daran gab.. Vergangenheit und Zukunft wurden unwichtig, das Jetzt hatte die Führung übernommen. Methos streckte die Hand nach Duncan aus und Duncans warme, große Hand umfasste sie sanft.

In diesem kurzen Augenblick sprachen ihre Seelen zueinander und Freundschaft und Lust machten Raum für etwas neues, zerbrechliches.

Liebe.

Licht und Wärme füllte die Räume in ihrem Sein, die dunkel, kalt und einsam waren und das Glücksgefühl, endlich zusammen zu sein leuchtete aus braunen und grünen Augen.

Methos zog Duncan zu sich und hauchte mit heiserer Stimme einfach nur:
"Komm zu mir!"
und Duncan wäre niemals etwas anderes in den Sinn gekommen, als zu gehorchen.

 
Ende

 
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