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In Bolivien gibt's keine Weihnachtsbäume© by Jimaine ()
Es ist Dezember 1906...zwei Ex-Banditen-Ex-Rancher-Ex-Wachmänner (und mittlerweile wieder Banditen) verbringen das Weihnachtsfest in einem kleinen Ort im windigen, kalten Hochland von Bolivien. Es könnte so romantisch sein, wenn da nicht etwas fehlen würde...
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"Ich will einen Weihnachtsbaum!" Was? Er traute seinen Ohren nicht, ließ Revolver und Putztuch sinken und drehte den Kopf in Richtung Bett. "Wie meinen?" "Du hast mich gehört!" Ohne dem fragenden, nein, wohl eher entgeisterten Blick seines Partners zu begegnen, setzte Butch Cassidy seine Tätigkeit fort. Die darin bestand, Spielkarten in seinen Hut am Fußende des Bettes zu schnippen. Ein wahrlich erbaulicher Zeitvertreib, aber bis Februar würden sie sich von Banken fernhalten müssen. "Ich. Will. Einen. Weih-nachts-baum." "Einen Weihnachtsbaum." "Genau, Kid. Seit vier Jahren habe ich keinen Weihnachtsbaum mehr gesehen, weder Tanne, noch Fichte, noch *nichts*. Dieses Weihnachten will ich einen. Groß, grün, mit Nadeln und allem. Kerzen, Schmuck und so weiter", zählte er auf. "Und dazu ein prasselndes Feuer im Kamin, ein gutes Essen...und", er senkte die Stimme zu einem rauhen Flüstern, "dich." "Sonst geht's dir gut, eh?" Sundance nahm seinen Hut ab und warf ihn, obwohl er wußte, daß er Butch garantiert verfehlen würde. "Blendend, danke." Er reagierte mit einem strahlend-unschuldigen Lächeln, das die Raumtemperatur - und Sundances Blutdruck - prompt erhöhte. Und genau darauf legte er es an. "Ein bißchen kalt, aber ansonsten hervorragend." "Kannst du mir verraten, wo ich hier im bolivianischen Altiplano einen *Tannenbaum* auftreiben soll? Vielleicht soll ich Etta ein Telegramm schicken: 'Butch will Weihnachtsbaum. Stop. Bitte kaufen. Stop. Expreßzustellung bevorzugt. Stop. Danke, Santa Claus aka Sundance. Stop und Ende.' Hah! Mit etwas Glück käme das Paket so gegen Ostern an, wenn die Schneeschmelze eine Zustellung erlaubt. Und dabei ist doch angeblich im Moment SOMMER! Davon merke ich nicht viel..." Butch rollte mit den Augen, setzte sich auf und schlug die Beine unter. "Mußt du dich gleich so aufregen? Kid. Hey. Wie lange kennen wir uns jetzt?" "Zehn Jahre." "Zehn Jahre. Und nach all der Zeit nimmst du immer noch alles für bare Münze, was ich sage?" Er konnte sein Lachen nicht unterdrücken, auch wenn Sundance ihn dafür mit bösen Blicken strafte. Manchmal ließ sich der Blondschopf einfach zu leicht aus der Reserve locken. Etwas verstimmt - wenngleich in seinem Mundwinkel bereits ein Lächeln zuckte - kommentierte dieser nun, "Nach all der Zeit weiß ich manchmal immer noch nicht, ob du es ernst meinst oder nicht." Er runzelte nachdenklich die Stirn; daß er eigentlich seine Waffe reinigen wollte, hatte er komplett vergessen. "Wie kommt es dann nur, daß du so ein lausiger Pokerspieler bist?" "Wenn ich das mal wüßte..." Butch winkte ihn mit einem Finger heran. "Komm' her." "Wieso?" "Um dir deinen Hut wiederzuholen. Du glaubst doch nicht, daß ich deswegen extra aufstehe? Ich bin immerhin schon vierzig." Er hielt den Hut hoch. "Faulpelz." Aber er stand auf, machte die sechs Schritte vom Tisch zum Bett hinüber, streckte den Arm aus und - "Hey!" Eh er sich versah, lag der Hut auf dem Boden. Statt dessen packte die nun freie Hand seinen Unterarm und zog ihn hinunter, geradewegs in eine kräftige Umarmung. "Vierzig?" ächzte er, als er nach Luft schnappte, teils vor Überraschung, teils vor Lachen. "Nehmen wir die Null weg, dann kommen wir der Wahrheit näher! Allerdings", überlegte er und schaffte es, die Oberhand in dem improvisierten Ringkampf zu gewinnen, "mit einem Vierjährigen könnte ich das hier nicht machen." Nein, das wäre in der Tat nicht möglich. Da war er lieber vierzig, eine Vier und eine Null, und genoß alle damit verbundenen Vorzüge. "Uh...ich denke, wir können auf den Weih-...ah..." Wie hieß das Ding gleich noch, das er hatte haben wollen? Irgendwie konnte er nicht mehr klar denken und mit jedem Kleidungsstück, dessen er entledigt wurde, reduzierte sich die Denkfähigkeit noch weiter. "Können...*oh ja* auf den Weihn-... Ah, Weihnachtsbaum verzichten. Verflucht, Sundance, wo hast du das denn gelernt?" "Von dir", lautete die geflüsterte Antwort und der Gürtel flog in die Zimmerecke. "Deshalb kann ich es ja so gut." "Vergiß den elenden Baum...mit dir bin ich ausgelastet." "Kein elender Baum?" "Kein Baum", bestätigte Butch und ließ den Kopf nach hinten fallen. Genießerisch schloß er die Augen. "Aber den Rest bekomme ich, ja?" "Du wolltest, wenn ich mich recht erinnere, ein prasselndes Feuer -" "- und gutes Essen -..." "- und mich", endete Sundance und gab einen Kuß als Anzahlung und bindendes Versprechen für mehr. "Macht es dir was aus, den Wunschzettel von hinten nach vorne abzuhaken?" "Feliz navidad, Kid. Jetzt zieh' das verdammte Hemd aus, die Stiefel auch, und komm' endlich unter die Decke! Mir wird sonst richtig kalt!" "Was immer du sagst, Butch..." Doch gesagt wurde auf lange Zeit erstmal nichts mehr.
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