|
Ein "Schriiiiieeek!" aus dem Badezimmer schreckte einen gerade noch sanft schnarchenden Schotten vom Bett hoch. Der Schwall aus Flüchen in verschiedensten Sprachen, der danach an sein Ohr drang, ließ sein Herz, das zu rasen begonnen hatte, wieder zu einem normaleren Rhythmus zurückfinden. Was immer es war, dass Methos ein so entsetztes Geräusch entlockt hatte, es schien nicht lebensbedrohlich zu sein. Duncan wollte sich gerade wieder die Decke über den Kopf ziehen, als ein beinahe hysterisch wirkender Methos aus dem Badezimmer schoss und nackt in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer auf und ab zu tigern begann. Hektisch frottierte er sich dabei die Haare mit der Ecke des Handtuches, das er um den Hals geschlungen hatte, und warf es kurz darauf zusammengeballt in eine Ecke. Mit fahrigen Bewegungen kämpfte sich Methos anschließend in seine schwarze Lieblingsjeans, die er aus dem Schrank gezerrt hatte. Duncan beobachtete das Schauspiel mit milder Faszination, als Methos sich aufs Bett warf, um die überaus enge Jeans schließen zu können. Nur Sekunden später war der ältere wieder in Bewegung und wanderte rastlos im Raum auf und ab. Duncan wurde schon nur vom Zusehen schwindlig. "Methos? Was ist los, love? Was ist passiert? Eine Spinne in der Dusche? Oder ist das Duschgel alle? Ist ein feindlich gesonnener Unsterblicher im Bad, oder was?" Methos antwortete nicht, sondern fuhr fort, ein Loch in den Teppich zu marschieren. "Methos!" Der besorgt fordernde Ton ließ den ältesten aus seiner Gedankenverlorenheit zurückkehren. "Hm?" Er blieb stehen und musterte Duncan fragend. "Was ist los?" Methos blickte zu Boden, dann zur Decke, dann zum Schrank, alles, aber nicht in die braunen Augen des Mannes, dem sein Herz gehörte. Schwer ließ er sich auf die Bettkante fallen und schüttelte seufzend den Kopf. "Es ist passiert! Ich wusste immer, dass du nicht gut für mich bist! Das ist nur die Spitze des Eisberges." Er stand auf und verschwand in Richtung Küchenzeile, einen verdutzten und verletzten Schotten im Bett zurücklassend, der gar nicht wusste, wie ihm geschah.
Sekunden später nahm er das Ploppen einer Bier um diese Tageszeit war selbst für Methos ungewöhnlich. MacLeod erhob sich, warf dem Bett noch einen sehnsüchtigen Blick zu, doch dann hüllte er sich entschlossen in seinen Bademantel und eilte in den Wohnbereich. Dort fand er Methos auf der Couch vor. Das Bier in seiner Hand war bereits halb ausgetrunken.
MacLeod entwand dem "Frühstück der Champions, hm? Sag mir doch lieber, was los ist! Wir können doch über alles reden, Methos. - Warum bin ich nicht gut für dich?" Er konnte den verletzten Unterton nicht vermeiden. Methos zog eine Grimasse. "Du bis nicht dran Schuld und eigentlich ist es halb so schlimm, aber ich habe auf diesen Moment schon länger gewartet. Es musste ja so kommen. Ich hoffe es passiert nicht noch mehr. Es ist nur der erste sichtbare Beweis dafür, dass ich mich verändere. Und es ist alles ihre Schuld. Sie haben uns zusammengebracht und nun das! Wer weiß, welche Folgen das noch hat? Das hier ist ja noch harmlos, aber..." "Methos! Wer hat uns zusammengebracht? Und was hat das alles zu bedeuten?" Der älteste Unsterbliche schmollte und fuhr fort, ein Loch in die Tischplatte zu starren. "Methos!?" "Hm?" "WAS. Ist . Passiert???" Mit leiser, beinahe unhörbarer Stimme hauchte der angesprochene: "Ich habe- zugenommen!" und errötete sacht. MacLeod schaute ihn einen Moment lang an, wie vor den Kopf geschlagen, dann lachte er aus ganzem Herzen. "Uuuund?" Methos sah den kichernden Unsterblichen verletzt an. "Du verstehst nicht! Drei Kilo mehr als sonst." "Was? DU regst dich wegen so etwas auf. DUUUU? DREI KILO? My ass. Wenn Du zunimmst ist das doch nur ein Zeichen, dass es dir gut geht. In all den Jahren, die wir uns jetzt schon kennen warst Du hin und wieder,sei mir bitte nicht böse, regelrecht mager! Besonders, wenn es Dir schlecht ging. Meine Mutter hätte Dich immerzu gepäppelt und in dem Zustand, in dem du nach Bordeaux warst, hätte sie dich gar nicht mehr mit ihrer Hühnersuppe in Ruhe gelassen. Vielleicht baust du auch nur ein bisschen Muskelmasse auf. Wir joggen schließlich fast jeden Tag und das Workout sollte sich langsam bemerkbar machen. Also, was ist so schlimm daran?" "Nichts. Gar nichts. Nicht wirklich jedenfalls, aber ich sage doch, du verstehst das nicht. Ich habe einen Ruf zu verlieren. Wenn sie über uns schreiben, bin ich immer leicht, grazil, elegant, zierlich aber kraftvoll, ätherisch, sylphenhaft, und habe die Figur eines griechischen Gottes, eines Schwimmers, eines Läufers. Ich habe Alabasterhaut, bin ein lebendiges Kunstwerk, mein Hals ist schwanengleich, graziös, anmutig,..." "Methos! Übertreibe es nicht!" "Du hast gut reden. Du warst immer der muskulöse, kräftige Typ. Aber mein Ruf könnte leiden, wenn ich nicht mal mehr ein kleines bisschen ausgezehrt und verwundbar aussehen kann. Es gibt mir etwas unschuldiges, zerbrechliches. Ideal für hurt/comfort-Geschichten. Ich liebe es, wenn sie so schreiben... Ich muss sagen, ich bin süchtig danach...ich..." "Methos?" "Eine Frühlingsdiät! Das ist es! Eine MacLeod Diät! Ha! Ich mache einfach nicht mehr mit! Genau! Bora-Bora ist schön zu jeder Jahreszeit!" "Methos? Was brabbelst Du da? Wer schreibt? Was ist los? Diät?? Von mir?" "Ach Duncan! Diese Diät würde ich nie durchhalten, Love. Nein! Ich meine nur, wir könnten einfach verschwinden. Urlaub machen, von all der Fanfiction! Es ist schließlich nicht unsere Schuld, sondern ihre. Sollen sie doch sehen, wie sie ohne uns zurecht kommen. Vielleicht schreiben sie ja ein bisschen was über uns auf Bora-Bora. Nur Sonne auf unserer Haut, und jede Menge Sonnenöl, Strand, Palmen, kleine lauschige Lagunen, du in diesen unsagbar knackigen, unsagbar kurzen, abgeschnittenen Jeans, riesige, weiche Badelaken an unserem Privatstrand, Sex, -ganz viel Sex. Dann ein bisschen Schlaf unter unserer Lieblingspalme, den Wind auf nackter Haut...habe ich schon Sex erwähnt?..." Methos' Gesicht nahm einen träumerischen Ausdruck an und seine Augen verloren für einen kurzen Moment den Focus. "Nur wir beide auf einer einsamen Insel. Ohne Schokolade, ohne Eiscreme, Nudeln, Pizza, chinesisches take-out, Antipasti, Mousse au chocolat, italienische Nudelgerichten a la MacLeod, 4-Sterne-Hotelrestaurants, Pralinen, selbstgebackene Kekse, Salate mit Meeresfrüchten, Risotto , Hühnersuppe,... - Bier darf natürlich nicht fehlen, aber sonst...Wir könnten Fische fangen und Kokosnüsse knacken, Salate aus Meeresalgen zubereiten, Kaninchen mit Pfeil und Bogen jagen und über dem Feuer braten, back to the roots sozusagen..." "Methos? WER? WER SCHREIBT?" Methos rollte nur mit den Augen und stieß einen schnarrenden Laut aus. "Sie! Es ist alles ihre Schuld!" Er zeigte mit dem Finger in eine unbestimmte Richtung. MacLeods Verwirrung wuchs ins Unermessliche. "Wessen Schuld? Ich sehe da niemanden." "Diese Slash-Schreiberinnen, siehst Du sie nicht, wie sie hinter ihrem Bildschirm kauern und sich überlegen, was sie mit uns noch so alles anstellen könnten? " "Ich sehe nix." "Ständig schreiben sie mich mit Schokolade zusammen auf eine Seite. Woher sie wissen, dass ich Eiscreme liebe, weiß ich nicht. Die Sache mit den Erdbeeren..." Methos sah irritiert auf, als MacLeod einen Laut, der auffällig an ein Schnurren erinnerte, ausstieß und fuhr dann leicht abgelenkt fort: "Wie gesagt: Erdbeeren alleine sind ja okay, aber immer geben Sie uns Sahne dazu, die ich dann von Deinem Körper lecke. Ich liebe Schlagsahne auf Highlander und das nutzen sie schamlos aus. Das letzte Mal war glaube ich auch noch Schokoladensoße involviert. Versteh mich nicht falsch. Es gibt kaum etwas, das ich lieber täte, aber..." Fasziniert beobachtete Methos Duncans Zunge, die genießerisch über dessen volle Lippen glitt, während ein weiteres, leises Grollen ertönte. Die Augen des Schotten waren halbgeschlossen und er musterte Methos mit einem Blick, der dem älteren schlicht und ergreifend den Atem raubte. Lust pur. Duncan hatte sich in seinem Lieblingssessel niedergelassen und der Bademantel öffnete sich in völliger Unschuld und rein zufällig ein wenig und gab den Blick auf einen langen, wohlbemuskelten Oberschenkel frei. Methos schluckte hart. Seine Augen folgten der langen Linie des Oberschenkels bis sie in dem plüschigen, weißen Stoff des Bademantels verschwand, der die bronzefarbene Haut des Highlanders so wundervoll kontrastierte. Nur schwer konnte er sich von diesem sinnlichen Bild losreißen und so schüttelte er nur sichtlich genervt den Kopf und gab Duncan seinen patentierten >get lost< Blick. Wirkungslos! Wie immer. Warum debattierte er überhaupt noch mit diesem schottischen Kind. Dieser Mann war sein ganz persönliches Waterloo. 'Death on horse' verwandelte sich nach und nach in ein Schmusekätzchen. Vom Panther zum Schmusekater in 12 einfachen Schritten. Nicht, dass ihm die drei Kilo, die er zugenommen hatte, etwas schaden würden. Normalerweise hätte er sie nicht einmal bemerkt. Aber es waren die ersten Vorboten einer Änderung, von der er nicht wusste, wohin genau sie führen würde. Duncan MacLeod vom Clan der MacLeod war dabei, das Leben des ältesten Unsterblichen für immer auf den Kopf zu stellen und das Wort Gefahr dröhnte in Methos Kopf, wie eine Alarmglocke. Und doch war er nicht einmal ansatzweise in der Lage, diesem Mann irgendetwas abzuschlagen oder sich gar aus der Beziehung davonzuschleichen. Stattdessen hatte er schon vor geraumer Zeit seine innere Stimme in den Wüste geschickt, in die "Death" gehörte und hatte sich ergeben. Es war um ihn geschehen. Wenn er sich Duncan so anschaute, stand es um ihn nicht viel besser. Sein Blick war wenn irgend möglich noch sinnlicher geworden und Methos spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht und in andere Körperteile stieg. Seufzend rang er die Hände. "Ich wette, auch jetzt gerade hat wieder eine von denen ihre Hände auf der Tastatur - Duncan?" Duncan sprang auf und verschwand in der Küche. Die Kühlschranktür klappte. "Duncan?" "Ich sehe nur rasch nach, ob noch etwas von dem Eis von gestern da ist. Ich habe da so eine Idee, die dich, Champagner, Vanilleeis und Erdbeeren beinhaltet." "MAC-LEOD!" "Ja, Methos?" "Du tust es schon wieder." "Was denn, Love?" Ein Rascheln von Kleidung, das sanfte Klingen von Gläsern, die auf ein Tablett geladen wurden, dann erschien Duncan wieder gewissermaßen ausschließlich mit einem vollbeladenen Tablett bekleidet. Seinen Morgenmantel hatte er in der Küche gelassen. Methos Augen weiteten sich bei dem Anblick, der sich ihm bot, als der Mann den er liebte hinter dem Küchentresen hervortrat. Weiche, goldene Haut, die im Licht der Morgensonne einen leichten Kupferschimmer annahm, das lange, wellige, schwarze Haar, das lose über die makellosen, starken Schultern wallte und der Ausdruck von inniger Liebe zusammen mit einem gehörigen Schuss Lust in den schokoladenfarbenen Augen des Schotten, ließen Methos alles andere vergessen. Nur dieser perfekte Mann, der ihm ganz allein gehörte, war noch wichtig. Ein Lächeln stahl sich in seinen Mundwinkel. Manchmal war es gar nicht so schlecht, dass diese Schreiberinnen sich so sehr für sie beide interessierten und vielleicht würde ja auch bald dieses nette, kleine Südsee-Epos für sie geschrieben werden. Alles war möglich. Solange sie nur PWPS und nette firsttime-Stories erzählten, war alles in schönster Ordnung. Alles, außer diesen grausigen Torture-Dingern, nach denen er noch Tage später von Alpträumen heimgesucht wurde. Und dann dieser Muskelkater. Aber selbst damit konnte er leben, wenn hinterher nur genügend Duncan für ihn dabei heraussprang. Ein Hoch auf all die netten Mädels am Computer, dachte er dankbar und seufzte leise. Sie kamen schließlich immer auf neue, prickelnde Ideen. Man musste auch nicht allzu häufig die LLOSD (Last Line Of Slash Defence > Musen und Charaktergewerkschaft) einschalten. Die groben Verstöße hielten sich in Grenzen und hatten ja auch manchmal ganz spaßige Nebenwirkungen. Schließlich stand irgendwo Richie jetzt schon seit Monaten im Fahrstuhlschacht des Loft und sang das Sesamstraßenlied. Niedlich. Und das nur, weil er der LLOSD noch nicht beigetreten war. Putzig, der Kleine. Daher hatten Methos und Duncan schon so lange Ruhe und konnten das Leben zu zweit so richtig genießen, ohne Störungen durch den Jungspund. Das Leben war im großen und ganzen als Slash-Character-Muse gar nicht so übel. War ein Leben als Schmusekätzchen nicht ohnehin auch viel angenehmer als "Death on Horse" oder als freies Raubtier? Wenn er allein an die Wüstensonne und den Geruch von niedergebrannten Dörfern dachte, drehte sich ihm der Magen um. Und Beute zu schlagen und roh zu verspeisen war ebenso wenig erstrebenswert. Nein. An Duncans Seite lebte es sich definitiv besser. Zum Teufel mit "Death on Horse". Zum Teufel mit der Unabhängigkeit, dem'Einsamer Wolf-Gehabe', Bora-Bora. Zum Teufel mit der Freiheit. Duncan, Champagner, Eis und Sex. Das war eine Mischung, die immer größere Anziehungskraft auf ihn auszuüben begann. Es war im Prinzip alles, was er brauchte. Definitiv. Und jetzt, da diese wichtige Entscheidung gefällt war, konnte er sich ganz diesem essentiellen Lebensinhalt widmen. Die ganzen überzähligen Kalorien aus ihren kulinarischen Eskapaden mussten sich schließlich auch auf angenehmem Wege abbauen lassen. Graziös erhob er sich immer noch lächelnd von der Couch und wanderte Gelassenheit heuchelnd zum Bett hinüber. Ein sacht klirrendes Geräusch hinter ihm verriet, dass Duncan ihm mit dem Tablett folgte. Methos lächelte, als er dem Highlander so den Rücken zuwandte, weil er Duncans Blicke deutlich spüren konnte. Fast meinte er den Herzschlag seines Geliebten hören zu können. Die Spannung in der Luft war beinahe greifbar. Methos wartete noch einen Wimpernschlag lang, dann öffnete er endlich den Knopf seiner Jeans. Absichtlich langsam und dementsprechend laut folgte der Reißverschluss und dann drehte sich zu dem Mann um, der sein Herz in seinen Händen hielt. Duncan blieb die Luft weg, als ihre Blicke sich trafen. Pure Lust mit einer geballten Ladung Liebe strahlte ihm aus Methos unendlich tiefen Augen entgegen. Der Anblick seines Geliebten ließ sein Herz schneller schlagen und seine Hände begannen zu zittern vor Verlangen den anderen zu berühren, das zerzauste Haar zu streicheln, die weiche Haut über den starken, flachen Muskeln zu spüren. Er konnte sich nur schwer beherrschen. Methos war einfach nur atemberaubend, wie er da vor dem Bett stand, die Morgensonne auf der noch feuchten Haut, die Jeans tief auf den Hüften hängend und gerade so weit geöffnet, das ein Hauch schwarzer Locken zu sehen war. Der Highlander seufzte begierig auf. Gab es einen schöneren Anblick? Die Stimme seines Geliebten erklang plötzlich dicht an seinem Ohr, und sie war süßer als alles Eis der Welt. "Stell das Tablett weg und komm zu mir. Ich könnte hier eine Hand gebrauchen." Der Ton war tief und verlockend, die dunkelgrünen Augen blitzen mit einem inneren Feuer wie Smaragde auf und Duncan war nur zu glücklich zu gehorchen. Das Tablett wurde neben dem Bett positioniert und dann gab es nur noch sie beide, heiße Haut, Champagner, Erdbeeren, Gelächter, viel, viel Liebe und Vanilleeis zum Frühstück.
********
In einem kleinen Zimmer irgendwo in Deutschland saß lächelnd eine junge Frau vor einem Computerbildschirm und drückte die Send-Taste.
|