Zurück
 

Durchzechte Nächte

© by Clio (), Herbst 2003

 

Disclaimer: Duncan MacLeod und Methos sowie die Highlander-Idee gehören mit allen Rechten Davis-Panzer-Anderson etc. und wurden von mir lediglich für eine völlig unkommerzielle Fanfiction ausgeliehen. Ich möchte und werde hiermit keinen finanziellen Gewinn erwirtschaften! Judith und Mathilde/Matilda hingegen (letztere wird in dieser kurzen Erzählung nur am Rande erwähnt - man muss sie also nicht kennen und kann sie ignorieren) sind allein meine Schöpfungen.
Des Weiteren liegen auch die völlig unkommerziell zitierten Songtextauszüge rechtlich bei deren Autoren.
Kommentar: In der vorangegangenen Erzählung kam Duncan MacLeod vom Klan etcblabla... noch recht gut weg. Nun, die Schonzeit ist vorbei! Was nicht bedeutet, dass es Freund Methos besser ergeht.
Liebe Slash-Fans, ich bin zwar immer noch nicht auf Eurer Seite, aber...
Zuletzt noch ein herzlicher Dank an meinen geduldigen Beta-Leser.
Über konstruktives Feedback würde ich mich sehr freuen. So, enjoy!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion.

 

"Come my lady / Come, come my lady / You're my butterfly / Sugar baby" -
Mantra aus "Butterfly" von Crazytown.
 

Ein friedlicher, nebliger Novembermorgen im letzten Jahr des zweiten Jahrtausends nach christlicher Zeitrechnung. Eines der frühesten Touristenschiffe passierte das MacLeodsche Hausboot und die daraus resultierende Bugwelle brachte es zum Schaukeln. Der schöne Schotte schlief friedlich schnarchend in seinem breiten französischen Bett und der uralte, nicht minder attraktive Haus(boot)gast bekam es mit einer Übelkeitsattacke zu tun. 'Weshalb bin ich gestern nicht noch nach Hause gegangen?... Ich HASSE Schiffe', dachte er und schwang sich - so schwungvoll wie es sein verkaterter Adonisleib erlaubte - von der Couch hoch und wankte zur Sanitäranlage. 'Bin ich nicht eigentlich alt genug, um zu wissen, wo die Grenze liegt', schoss es ihm noch durch den Kopf, bevor es aus seinem Kopf geradewegs in die Toilettenschüssel hinein schoss.

Nachdem genügend eiskaltes Wasser seinen Geist und sein Gesicht erfrischt hatte, schlurfte er zurück in die Wohnkabine.

Der Haus(boot)herr wälzte sich gerade, begleitet von einem gutturalen Grunzen, auf die andere Seite. Zumindest das Schnarchen hatte er damit vorerst erstickt.

Der älteste Unsterbliche ließ sich wieder auf die Couch fallen und versuchte sodann auf dem niedrigen Tisch zwischen diversen besten Scotchsorten sowie einzelner Wodka- und Ginflaschen, Raum für seine unteren Extremitäten zu finden. In seinem Hirn waberten noch ähnlich dichte Nebelschwaden wie draußen auf dem Wasser. 'Weshalb haben wir uns eigentlich gestern so zugeschüttet?'

"Uahr." Der Schotte wendete sich wieder: "Grmm."

Die unvollendete Regeneration seines Körpers forderte ihren Abschluss und das sehr sanfte Schaukeln des Schiffes tat sein Übriges. So zog ihn Freund Morpheus zurück in sein Reich.

"Babe? Hey, Babe", säuselte eine weibliche Stimme an seinem Ohr. Weiches Haar streifte seine Wange. - Mit Herzrasen erwachte Methos und sah sich erschrocken um. Niemand da. Er lag noch auf der Couch und der Highlander sägte schottische Kiefern. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er lediglich eine Viertelstunde weggenickt war. Aber diese Stimme... diese vertraute Stimme... die gehörte doch... 'Oh, verdammt! Judith!'

Wie hatte das alles angefangen?

Methos beugte sich vor und schenkte sich Whisky nach. Der Schotte wälzte sich ein weiteres Mal lautstark: "Bist du immer noch da?"

Methos drehte den Kopf. MacLeod saß bereits aufrecht im Bett: "Allerdings, Mac. Auch 'nen Scotch?"

"Danke. Aber ich brauch' jetzt 'nen starken Kaffee." Er erhob sich aus dem Bett und ging die wenigen Stufen hinab in den Wohnraum, direkt zur Espressomaschine auf dem kleinen Schrank aus hellem Eichenholz. Methos schob sein Glas zur Tischmitte: "Dann nehm' ich auch einen. Ich brauch' jetzt wieder einen klaren Kopf."

Der Schotte verzog das Gesicht und konzentrierte sich auf die Maschine, die umgehend unter lautem Zischgeräusch zu arbeiten begann.

Duncan reichte Methos die kleine heiße Tasse und kippte seine eigene Portion eilig hinunter, dann stellte er sie auf dem überfüllten Couchtisch ab: "Mach' was du willst - aber das machst du ja sowieso. Ich geh' jetzt duschen."

Methos drehte die zierliche Tasse in seinen Händen, lehnte sich zurück und rief sich das Wiedersehen mit Judith, zwei Tage zuvor, in Erinnerung.

 

* * * * *
 

Er hatte MacLeod zu einem Abendessen in seinem Appartement überreden können. So trafen sie sich auf dem Gemüsemarkt unweit seiner Wohnung, um frische oder zumindest frisch gekühlte Zutaten einzukaufen.

Sie beugten sich gerade über eine Auswahl junger Kartoffeln, als sie beide den "Buzz" spürten und hinter ihnen eine Frauenstimme in unverkennbar kanadischem Englisch ausrief: "What a marvellous incident! Dass ich deinen hübschen Arsch noch 'mal wiedersehen würde, hätt' ich auch nicht gedacht!"

Natürlich war es Duncan, der sich mit seinem charmantesten Lächeln gewappnet umdrehte. Und er hätte Methos gar nicht anstoßen müssen, denn der hatte längst die Besitzerin dieser Stimme erkannt: "Hi, Judith." Mit freundlicher Miene stellte er sich dem Wiedersehen. Und der Anblick war wie erwartet alles andere als unansehnlich. Judith war eine ausgesprochen schöne Frau. Hoch gewachsen, sehr schlank und ihr gebräuntes, fein geschnittenes Gesicht mit schmaler Nase, vollen Lippen, wohl geschwungenen Augenbrauen, die ihre großen brauen Augen noch betonten, war von hellem blonden Haar umrahmt, das in duftigen Locken bis über ihre Schultern fiel.

Duncan war sichtlich hingerissen von ihrer ELLE-... äh... engelsgleichen Erscheinung. Judith schürzte ihren Schmollmund und wandte sich mit sanfter Stimme an Methos: "Oh, Ben, wie unhöflich. Möchtest du mich nicht deinem Begleiter vorstellen?"

Methos nahm die Hände aus den tiefen Manteltaschen: "Judith, darf ich dich mit Duncan MacLeod bekannt machen. - Duncan, Judith Harris. Eine Freundin."

Judith und Duncan reichten sich die Hände: "Vielleicht möchten Sie ja mit uns zu Abend essen. Wie kochen in... äh... Bens Wohnung. Sie müssen sich ja viel zu erzählen haben, nach..."

"... einem knappen Vierteljahrhundert", murmelte Methos unhörbar für die beiden.

"... viel zu langer Zeit", Judith lachte und offenbarte zwei Reihen makelloser Zähne.

Mürrisch ergab sich Methos in sein Schicksal und notierte seine Adresse auf einer abgerissenen Ecke der Tomatentüte. Judith nahm den Zettel lächeln entgegen: "Ich habe noch einen Termin... See you later, guys." Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und sie und ihr karamellfarbener Kaschmirmantel verschwanden in der Menge der Feierabendeinkäufer.

Duncan riss die Augen auf und grinste Methos fragend an. Dieser hob abwehrend die Hand und griff nach den Einkaufstüten, um sich wortlos zu seiner Wohnung aufzumachen. Duncan folgte ihm. Spätestens beim Essen würde er mehr erfahren.

 

Tatsächlich sparten sie während des Kochens das Thema aus. Stattdessen öffnete Methos einige Flaschen besten französischen Rotweins und goss ihnen großzügig ein und nach.

So waren sie bereits in reichlich gelöster Stimmung, als es klingelte.

Methos hing gerade mit der Nase, vermutlich abschmeckend, im Kochtopf, während Duncan letzte Stücke klein geschnittenen Gemüses in die Pfanne warf. So fühlte der Jüngere von ihnen sich verantwortlich, dem Gast zu öffnen.

Judith sah genauso bezaubernd aus wie am Nachmittag und als er ihr aus dem Mantel half, enthüllte er zarte, makellos gebräunte Schultern, denn sie trug einen beigefarbenen ärmellosen Rollkragenpullover zu einer eng anliegenden weißen Jeans.

Er führte sie in die Küche, wo Methos gerade den Tisch deckte: "Hi, Judith, take a seat. Was möchtest du trinken?" Er deutete fragend auf die geöffnete Rotweinflasche neben dem Herd.

"Bordeaux? Gern."

Methos griff nach einem sauberen Weinglas und Duncan schob einen Stuhl zurück, damit sie sich setzen konnte. Nachdem Judith Platz genommen hatte, griff der Schotte nach seinem Glas und wählte den Stuhl neben ihr.

Der Gastgeber wendete ein letztes Mal das Fleisch in der Pfanne, stellte anschließend den Herd aus und begann, aufzutischen.

Duncan ließ seinen erprobten Charme spielen und Judith wiederum ließ sich davon einfangen. Unbefangen plauderten sie über das Wetter und das Leben in Paris. So erfuhr Methos en passant, dass Judith aus beruflichen Gründen für wenige Tage in der Stadt logierte. Wie Jahrzehnte zuvor arbeitete sie als Fotomodell. [Selten blöde Idee, ich weiß. - Anm. d. Autorin] Nachdem die Teller leer und nur noch Gläser und Gäste gut gefüllt waren, fühlte sich Duncan endlich dazu berechtigt, die Frage zu stellen, die ihm bereits seit Stunden unter den Nägeln brannte: "Und woher kennst du unseren Freund... Ben?"

Methos nahm einen sehr, sehr langen Schluck aus seinem Rotweinglas und Judith sah nur verwundert von Duncan zu ihm und umgekehrt: "Hat er es dir nicht erzählt?"

Diese rhetorische Frage bedurfte keiner antwortenden Mimik, befand der Highlander und hob die Augenbrauen nur ein wenig höher. Judith verstand die Aufforderung sofort: "Babe...", sagte sie kopfschüttelnd und meinte damit Methos. Schließlich wandte sie sich wieder Duncan zu: "Nun, das ist jetzt auch schon... hm... 1976/77... fast vierundzwanzig Jahre her. Ich war zum Jahreswechsel für ein paar Aufnahmen in die Schweizer Alpen nach Davos geflogen. Das Hotel war überfüllt mit Ärzten. Wieder so ein Kongress. Aber feiern können sie, die Mediziner. Und auf einer dieser ausgelassenen Silvesterpartys haben wir uns dann getroffen... Ich war schon viel zu betrunken, um seinen Kopf zu wollen und er... Na ja, wie er halt so ist..." Sie lächelte Methos an.

"Wie ist er denn so?" Duncan beugte sich zu ihr vor.

"Einfach reizend", sie schenkte Methos ein weiteres großzügiges Lächeln: "Und so ein Gentleman..." Sie senkte den Blick und bot Duncan so die Möglichkeit, einen mehr als ungläubigen Blick an Methos zu richten. Dieser antwortete mit einem leicht überheblichen 'Hab-ich's-dir-nicht-schon-immer-gesagt'-Gesicht. Aber dieses Triumphgefühl war nicht von langer Dauer.

"... Und der SEX erst!" Vielleicht hatte Judith doch schon etwas zu viel Wein gekostet.

Methos verspürte das starke Bedürfnis, mit dem Kopf auf die Tischplatte zu schlagen oder mit der flachen Hand auf die Stirn. So hätte er es sich wenigstens ersparen können, in das Gesicht seines Freundes sehen zu müssen. Den er noch nie zuvor derart breit hatte grinsen sehen.

"Oh, really?..." Das Grinsen hatte sich festgesetzt.

"Ich hätte am nächsten Morgen fast mein Shooting verpasst...", Sie lachte laut auf.

Und Duncan bekam allmählich das Gefühl, im falschen Film zu sein.

"... Und als ich in mein Hotelzimmer zurückkam, war er schon weg... abgereist... Hm." Sie nippte am Wein.

"Ein ganz Eiliger...", platzte es aus dem Schotten heraus.

"Aber wir hatten eine schöne Zeit." Noch ein Schluck.

"Sonst wäre er sicher schon früher gegangen..." Duncan wurde wagemutig in dieser surrealen Situation. Und der Wein tat sein Übriges. Der Raum verschwamm und drehte sich leicht.

Methos zog es vor, zu schweigen und stattdessen die leeren Teller abzuräumen. Er wollte sogar anfangen, abzuspülen, aber da kam Judith seine Anwesenheit in Erinnerung: "War doch schön, oder?"

Sanft lächelnd fixierte er ihre großen Rehaugen: "Wunderschön, Judith, unvergesslich... Ich werde es nie vergessen." Er dachte an die Desserts im Kühlschrank, aber sein schottischer Freund war sichtlich angeschlagen und würde seine Kochkunst sicher nicht mehr würdigen können. Und Judith... Leicht glasig schimmernde Rehaugen sahen ihn an, oder waren sie eher feucht von Tränen... der Rührung...? Er konnte sich gar nicht mehr richtig an die besagte Nacht erinnern, aber glücklicherweise hatte er ein ausgezeichnetes Namens- und Personengedächtnis.

Es konnte ja nicht schaden, also öffnete er eine weitere Flasche und lotste seine Gäste in das Wohn- und Arbeitszimmer.

Nach wenigen Minuten war der Schotte im Sessel eingenickt. Auch zu zweit könnten sie ihn weder aufs Sofa geschweige denn zum Hausboot befördern, also blieb er, wo er war. Und Methos hatte Zeit, sich Judith zu widmen. Er erzählte ihr von seinen Studien an der Sorbonne und sogar ein bisschen von seinen Erlebnissen während der letzten hundert Jahre. Es war gegen drei Uhr und er begann gerade von seinem Kurztrip nach Venedig zwei Wochen zuvor zu berichten, als Judith ihr Gähnen nicht länger unterdrücken konnte: "Excuse me", seufzte sie: "Es ist Zeit für mich zu gehen..." Sie erhob sich langsam und leicht schwankend.

Er sprang auf. Vielleicht...: "Soll ich dir ein Taxi rufen? Oder hast du Lust auf einen Spaziergang? Dein Hotel ist ja nicht weit und... Paris ist wunderschön um diese Zeit..."

"Babe,..." Sie sah nachdenklich zum Fenster hinaus, dann breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus: "Why not?" Sie zwinkerte ihm auffordernd zu. Dann ging sie mit kaum merklicher Schlagseite zur Garderobe, nahm ihren Mantel und öffnete die Tür. Methos griff sich schnell seinen Mantel und folgte ihr hinunter auf die Straße.

Unten empfing ihn der kühle Morgen. Eiskalter Wind und feuchtkalte Nebelschwaden, aber fast frische Luft. Straßenlaternen erhellten die Nacht. Nur wenige Autos und Nachtschwärmer waren noch unterwegs. Der Weg zu ihrem kleinen aber exklusiven Hotel führte durch einige der verstecktesten Winkel der Stadt und vorbei an alten, halbverfallenen, aber stolz in ihrer ruinösen Schönheit inne haltenden Häuser.

"Warte, ich glaube, mein Absatz..." Judith blieb plötzlich stehen und beugte sich zu ihrem Stiefel hinunter. Methos war fasziniert von dem Gebäude auf der rechten Straßenseite. Es musste von der Zeit vor den Haussmannschen Stadtordungsplänen übrig geblieben sein. Gebrochene Giebel, an denen die polychrome Fassung abblätterte und rundbogige Doppelfenster mit eingestellten Säulen.

So bemerkte er gar nicht, wie Judith in die Innenseite ihres Mantels griff und ihr solides Breitschwert herauszog. "Du hast nie angerufen!", rief sie noch, bevor das Schwert auf seine Schulter hinabsauste. Er hatte sich noch rechtzeitig umgedreht und ducken können. Aber vorerst blieb ihm nur die Flucht. Im Lauf zerrte er sein Schwert aus dem Mantel und wandte sich um: "Judith, bitte!"

"Warum hast du mich verlassen, Ben! Oder wie auch immer du heißt..." Ihren darauf folgenden Hieb konnte er parieren und ein metallenes Klirren hallte durch die leeren Gassen.

"Judith..." Er wich ihr aus.

"Ich habe lange gebraucht, dich wieder zu finden..." Sie setzte nach.

"Judith..." Er tat einen Schritt zu Seite.

"Wie hätten ewig glücklich sein können..." Sie folgte ihm in die abzweigende Gasse.

Sie griff wieder an und er wehrte sie ab. Da kam ihm eine Idee...

"Judith... Lass' mich erklären... Duncan und ich... Wir... Wir sind ein Paar... Und damals..."

Für einen unüberlegten Moment ließ sie ihr Schwert leicht absinken. Methos tat zwei schnelle Schritte auf sie zu und stieß die Spitze seiner Waffe in ihren Brustkorb.

Sie torkelte rückwärts: "Das kann nicht sein... Wieso...?"

 

Duncan erwachte langsam aus seinem Delirium. Warmer Speichel lief seinen Mundwinkel und das Kinn herab. Was? Wo? Weshalb?

Er sah sich um und verschwommen erkannte er den Schreibtisch, die mit Büchern voll gestopften Regale und die leeren Weinflaschen auf dem Tisch. Er befand sich noch in Methos' Wohnung. Aber wo war der Eigentümer und... Judith? Er wandte vorsichtig den Kopf nach rechts zur halb geöffneten Schlafzimmertür. Mühsam stemmte er sich aus dem Sessel und torkelte zum Schlafzimmer: "Hallo?" Er schob die Tür weiter auf und betätigte den Lichtschalter. Das Bett war zerwühlt, aber leer. Das gab ihm ein Rätsel auf, das zu lösen, er sich momentan nicht in der Lage fühlte. Also kehrte er um, wankte zur Haustür, griff nach seinem Mantel und machte sich in leicht gebeugter Haltung auf den Weg zu seinem Boot.

 

Auf diesem Weg, den er mit verbundenen Augen - aber vielleicht nicht mit 2,0‰ - zu finden glaubte, musste er sich irgendwie verlaufen haben, denn die Häuser kamen ihm plötzlich gänzlich unbekannt vor. Dafür drang ein wohlbekanntes Geräusch an seine Ohren. Der unverkennbare Klang von aufeinander treffenden Schwertklingen. Alkoholbedingt stärker von seiner Neugier als seiner Vernunft angetrieben, folgte er dem Klirren. So wurde er staunend Zeuge des Kampfes zwischen Judith und Methos und dessen wohl kalkulierter Bemerkung.

"Du spinnst wohl!", kam es aus ihm heraus, bevor er nachdenken konnte.

So starrte ihn Methos irritiert an und auch Judith begann sich wieder aufzurappeln. Geistesgegenwärtig rief Methos: "Darling, don't worry. Es wird keiner erfahren", und holte zum finalen Schlag aus.

"Vielleicht hättet ihr ja 'mal Lust zu dritt...", meinte Judith, aber schon im nächsten Moment lag ihr Kopf auf dem Pflaster.

"Idiot", grunzte Duncan und machte kehrt, um weiter den Weg zu seinem Boot zu suchen.

"Mac...!" Methos wollte ihm hinterher laufen, aber da riss ihn das Quickening auf die Knie.

 

Am Abend, mit zwei Flaschen bestem schottischen Single Malt Whiskys ausgestattet bzw. gewappnet, betrat Methos das Hausboot.

Der Haus(boot)herr las gerade wieder einmal Sartre ( »... l'enfer sont les autres ...« ) als ihn der "Buzz" ereilte.

"Hey, Mac."

Er verzichtete darauf, den Kopf zu heben: "Du schon wieder?"

Der Ältere stellte die Flaschen wie Tributgeschenke vor ihm auf den Couchtisch: "Ich habe dir auch etwas mitgebracht..."

Duncan sah erst auf den Tisch und im Anschluss mit zusammengezogenen Augenbrauen in Methos' unergründliche Augen: "Mir ist gerade nicht nach Alkohol."

Ungefragt holte Methos zwei Gläser aus dem Schränkchen und ließ sich neben ihm in die Polster fallen. Zwei Finger breit goss er die honigfarbene Flüssigkeit ein und reichte dem Highlander ein Glas. Dieser klappte kapitulierend sein Buch zu und nahm den Whisky entgegen.

Methos stieß die Gläser aneinander: "Auf die Frauen!"

"Möge uns nie wieder eine deiner Verflossenen begegnen", ergänzte Duncan und nahm einen Schluck, den er langsam und genussvoll die Kehle hinabgleiten ließ.

Methos setzte das Glas wieder auf dem Tisch ab: "Oh, entschuldige 'mal! Hier taucht alle naselang eine DEINER Verflossenen auf, zusammen mit einem Problem, das nur du lösen kannst. Und wenn sie dich weichgeheult hat, stehst du vor meiner Tür und ziehst mich da mit 'rein... Da lobe ich mir 'meine Frauen'. Die sind zumindest alle selbständig. Matilda zum Beispiel..."

"Da bin ich ja gespannt auf die anderen selbständigen Frauen, die da noch kommen mögen", fiel Duncan ihm ins Wort und erhob das Glas: "Auf deine selbständigen Frauen!" Und trank es in einem Zug aus.

Methos goss ihnen nach: "Ich trinke lieber auf deine unselbständigen Frauen. Ohne sie wäre das Leben ja doch recht eintönig."

"Cheerio!" Sie ließen die Gläser klirren und stürzten den weichen Whisky hinunter. Dann griff Duncan nach der Flasche und füllte die Gläser: "Lass uns auf alle Frauen trinken... damit ich nie mit dir ins Bett gehen muss."

"Aber auf die menage à trois hättest du dich eingelassen, oder wie?"

Der Schotte bedachte ihn mit böse zusammengekniffenen Augen, hob aber dennoch das Glas und trank es aus. Methos verzeichnete das als indirektes Eingeständnis und tat es ihm gleich.

Bis zum zwölften Trinkspruch hatte er noch mitzählen können, der Rest war Nebel. Bis er am Morgen mit Kopfschmerzen und aufwallender Übelkeit erwachte.

 

* * * * *
 

Gerade kam Duncan aus dem Bad zurück, nur mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet: "Du bist ja immer noch da."

Methos sah ihn verblüfft an, als wollte er sagen: 'Hast recht, tatsächlich'. Sodann sprang er mit katzenhafter Agilität auf und griff auf dem Weg zum Ausgang nach seinem Mantel: "Dann werde ich mich 'mal auf den Heimweg machen... - Bye, DARLING."

Laut klappte die Tür zu und der für einen kurzen Moment hineinströmende kalte Wind sorgte dafür, dass sich Duncans Körperhaare aufstellten. Mit grimmiger Miene ging er zum Schreibtisch. Wo hatte er nur Matildas Nummer in Osaka hingelegt. Es gab da dringend etwas zu klären...

 

"Don't look back in anger / At least not today" -
Schlusszeile von "Don't Look Back In Anger" von Oasis.

 
Ende

 
Du bist der 1805. Leser dieser Geschichte.