|
Angriff ist die beste Verteidigung© by Tatjana ()
"Es macht mich echt fertig! Jedesmal, wenn ich mich umdrehe, blicke ich in dieses rattige Gesicht und sehe es förmlich hinter seiner Stirn arbeiten! Daß er einen Notizblock mit Stift immer so halb aus der Manteltasche hängen hat, ist natürlich purer Zufall!" Methos schnaubte wütend. "Keinen Schritt kann ich mehr alleine machen, immer ist er da! Als ob er mein Schatten wäre!!" Der Älteste der Unsterblichen nahm einen großen Schluck aus seiner Bierflasche. "Ist es eigentlich strafbar, jemanden umzubringen, wenn ich ein Gutachten ranbringen könnte, daß ich unter Verfolgungswahn leide?" fragte er hoffnungsvoll, aber Duncan winkte lächelnd ab. "Wenn dieser Reporter dir soviel Unbehagen bereitet..." "Aus gutem Grund! Stell dir vor, er berichtet in so einem Sensationsblatt über uns! Dann können wir einpacken!" "... dann solltest du dir Gedanken darüber machen, wie du ihm den Wind aus den Segeln nehmen kannst. Vielleicht redest du mal mit ihm? Ich meine, es könnte doch durchaus sein, daß er nur ein heimlicher Bewunderer deines athletischen Körpers ist, hast du daran schon mal gedacht?" Methos strafte diese teils ernste, teils ironische Rede mit einem finsteren Blick und versank in brütendes Schweigen. Welch Erleichterung für Joe und Duncan, die sich endlich mal in Ruhe unterhalten konnten, ohne daß der alte Mann ständig spitze Kommentare abgab!
Weshalb dieser Klatschreporter ausgerechnet hinter ihm her war - und das schon seit Wochen! - wußte Methos nicht und er konnte sich auch beim besten Willen keinen Reim darauf machen. Er vermied eine Teilnahme am "Spiel", wenn es sich umgehen ließ und hatte auch sonst keinen Anlaß gegeben, daß man auf ihn hätte aufmerksam werden können. Naaa gut, vielleicht das ein oder andere Mal, aber er hatte sich unbeobachtet gefühlt. - Ein Trugschluß? Vielleicht. Fakt war, daß ihm seit einigen Wochen dieser Schmierfink auf den Fersen war und Methos berechtigte Angst hatte, es könnte einen Enthüllungsreport über die Unsterblichen geben. Damit wäre seine schöne Tarnung hin und sein bislang friedliches Leben auch. Denn dann würde die Welt wissen, daß Methos, der Älteste der Unsterblichen, die Legende, der Mythos, noch immer unter den Lebenden weilte und er wollte sich gar nicht ausmalen, wie viele Unsterbliche dann zur Jagd auf seinen Kopf blasen würden! Und Sterbliche. Sie würden sich selbst davon überzeugen wollen, ob die Kraft des Unterlegenen auf den Sieger überging, und die Vorstellung an sinnlos abgeschlachtete Unsterbliche flößte Methos Unbehagen ein, das einen Klumpen im Magen bildete und ihn nachts nur unruhig schlafen ließ. - Sterbliche hatten die unangenehme Angewohnheit, daß man sie nicht schon weit im voraus spürte! Jäh fuhr Methos aus seinen Betrachtungen hoch, griff sich seine Jacke und stürzte raus. "He!" rief Duncan ihm nach. "Was'n los?" "Ich weiß jetzt, wie ich den Spieß umdrehe!" rief Methos zurück und schwupps!, weg war er.
Still war es um den alten Mann geworden; keine Kneipenbesuche mehr, er verließ kaum noch das Haus, aber in seiner Wohnung zeugte das Geklapper einer Schreibmaschine von hektischer Betriebsamkeit. Und nach einigen Wochen schließlich kam er quietschvergnügt in Joes Bar und ließ mit einem klatschenden Geräusch ein Paket Papier auf den Tresen knallen. "Was ist das?" Mißtrauisch beäugte Joe das mit Schnur zusammengehaltene Machwerk, dessen erste Seite weiß war. Ihm kam die gute Laune des alten Mannes höchst fragwürdig vor. "Duncan hat doch gesagt, ich soll dem Typen den Wind aus den Segeln nehmen... Haste mal'n Bier?... Tja, und genau das habe ich mit diesem Buch getan." Wenig schlauer, aber nicht minder mißtrauisch reichte Joe das Bier über die Theke. "Du hast also ein Buch geschrieben!? Und wovon handelt es?" Statt einer Antwort schlug Methos das Deckblatt zurück und präsentierte mit zufriedenem Gesichtsausdruck seine Alternative, dem Klatschreporter das Maul zu stopfen, ehe er Unheil anrichten konnte: "»Highlander« by Gregory Widen" stand in schön geschwungener Handschrift in Tinte auf der ersten Seite, darunter: »Am Ende kann es nur Einen geben«. Joe verzichtete auf die Frage, wie Methos auf den Namen Gregory Widen gekommen war, kam jedoch der Bitte des alten Mannes nach, es sich einmal durchzulesen und danach mußte der Beobachter Methos - wenigstens in Gedanken - Respekt zollen für die hervorragende Umsetzung der Materie und der lebendigen Darstellung des Titelhelden: Connor MacLeod, vom Clan der MacLeod. Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits toten Personen sind - natürlich! - rein zufällig und nicht beabsichtigt!
Schlußbemerkung: Unnötig zu erwähnen, daß dieses Buch nicht nur ein Bestseller, sondern obendrein auch noch verfilmt wurde. Übrigens hat Methos den Reporter nach Erscheinen des Buches nie wieder gesehen......
|