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Ein Mountie?© by Sam80853 ()
Als Sam sein Umgebung wahrnahm, stellte er fest, dass er vor einem großen Gebäude stand und eine Tür mit der Hand geöffnet hielt. Unentwegt gingen Menschen an ihm vorbei. Einige strömten in das Gebäude und andere hinaus. "Fraser!", erklang eine leicht genervte Stimme neben ihm. "Wie lange willst Du noch so dastehen?" Ungeduldig hüpfte der Mann neben ihm von einem Bein auf das andere. "Es ist ein Gebot der Höflichkeit anderen den Vortritt zu lassen", sagte Sam automatisch. Überrascht hob er die Brauen. 'Wo war das hergekommen?' Seine Hände machten ohne sein Zutun eine einladende Bewegung und ohne einen Blick oder Dank liefen die Leute an ihm vorbei. "Dann bleib Du hier während ich mich drinnen umsehe", sagte der Mann und ging durch die Tür, die Sam noch immer geöffnet hielt. Sam schüttelte seinen Kopf, entschloß sich dann aber seinen Posten zu verlassen und dem Mann ins Innere zu folgen. Als er die Tür los ließ, warf sie sein Spiegelbild zurückt. Verwundert blieb Sam stehen. Er bot von oben bis unten einen sonderbaren Anblick. Er war in einer roten Uniform gekleidet, trug braune, kniehohe Stiefel und ein riesiger Hut trohnte auf seinem Kopf. 'Ich bin ein Mountie', schoß es Sam durch den Kopf, als plötzlich hinter ihm ein Schuß fiel. "Oh Boy!" Ruckartig drehte Sam sich um, sah nur ein paar Schritte vor sich den Mann am Boden liegen, mit dem er das Gebäude betreten hatte. Eilig lief er an seine Seite, ging neben ihm in die Knie und untersuchte die Wunde. Die Kugel war in seine Schulter eingedrungen und die Wunde blutete stark. Der Aufprall hatte den Mann zu Boden gerissen und ihn das Bewusstsein verlieren lassen. "Rufen Sie einen Rettungswagen", rief Sam und beugte sich dann erneut über den Mann. Er zog ein Tuch aus seiner Tasche und versuchte die Blutung zu stoppen. Ein Gefühl von Trauer und Schmerz durchfuhr ihn. Hätte er sich nicht im Spiegel betrachtet, hätte er die Tat vielleicht verhindern können... Langsam kam Bewegung in den Mann, seine Lider zuckten und ganz langsam öffnete er seine Augen. "Fraser!", flüsterte er und griff nach Sams Hand. "Es ist nicht so schlimm", sagte Sam und erwiderte den Händedruck, "Die Kugel ist in die Schulter eingedrungen, kein Problem." Der Mann lächelte. "War klar, dass Du das sagst. Hast Du nicht eine Geschichte dazu auf Lager", fragte er mit leichtem Spott in der Stimme, während er vor Schmerz das Gesicht verzog. Sam schüttelte verneinend den Kopf. Die ankommenden Sanitäter zogen ihn von dem Verletzten fort, legten den Mann auf eine Trage und luden ihn in den Krankenwagen.
Sam saß schon seit Stunden im Wartesaal. Ihm wurde bewusst, dass er nicht einmal den Namen des Mannes kannte, der in diesem Augenblick in einem der Operationssäale lag und dem eine Kugel entfernt werden musste. "Hi Sam!", erklang endlich die Stimme seines Hologramms neben ihm. "Al!", Sam sprang von seinem Stuhl auf. "Wo bist Du so lange gewesen?" "Du müsstest den Typen mal sehen, in den Du gesprungen bist", sagte Al sarkastisch und sah langsam an Sam herunter. "Er erfüllt jedes Klischee, das man sich von einem Kanadier machen kann..." "Wer bin ich?", unterbrach er seinen Freund. Al zog das Handlink aus seiner Hosentasche und gab einige Befehle ein. "Dein Name ist Constable Benton Fraser, Du gehörst zur Kanadischen Berittenen Polizei....also ein Mountie", Al lächelte kopfschüttelnd und fuhr dann fort: "Du bist ursprünglich..." "...nach Chicago gekommen, um den Mörder meines Vaters zu suchen...", überrascht hielt Sam inne und sah Al an. Dieser nickte bestätigend. "Woher weißt Du das?" "Ich habe keine Ahnung", flüsterte Sam beunruhigt. "Du arbeitest jetzt im Kanadischen Konsulat und hältst den Kontakt zur örtlichen Polizei...", las Al weiter vom Handlink ab. "Dann ist er ein Polizist", dachte Sam laut. "Polizist?", fragte Al. "Wer?" "Der Mann, der angeschossen wurde...Al, wer ist er? Und warum bin ich hier?" Verwirrt sah Al ihn an. "Ziggy sagt nichts von einer Schießerei", er schüttelte seinen Kopf. "Sie sagt fast überhaupt nichts", frustriert schlug er mit der flachen Hand gegen das Handlink. "Dieses Ding ist mal wieder zu nichts zu gebrauchen", fluchte er. "Al!", Sam versuchte ihn zu beruhigen. "Wer ist der Mann?", fragte er erneut. "Der Mann?", Al sah ihn verständnislos an. "Der Mann, Al!", Sam zeigte auf die geschlossene Krankenzimmertür. "Oh...ach so...", das Hologramm schien endlich begriffen zu haben und Sam atmete erleichtert auf. Al drückte einige Tasten auf dem Handlink und wartete ungeduldig auf Ziggys Informationen. "Sein Name ist Raymond Vecchio, Detectiv bei der Chicagoer Polizei....", er hielt inne. Verwundert blickte er erst auf das Handlink dann auf Sam. "Was ist los?" "Jetzt sagt Ziggy, dass sein Name Stanley Kowalski ist.... merkwürdig...", das Hologramm schüttelte seinen Kopf. "Was denn nun? Raymond oder Stanley?", Sam wurde langsam ungeduldig als sich die Tür hinter ihm öffnete. "Constable Fraser?", fragte der Doktor, sah dann Sams Uniform, schüttelte den Kopf und bat ihn stumm ins Zimmer. "Hey, Fraser!", grüsste der Mann, dessen Namen Sam noch immer nicht wusste, leise. Sam nickte nur. "Alles in Ordnung?", fragte er und sah zwischen Arzt und Patient hin und her. Der Doktor nickte. "Wir haben die Kugel entfernt, es gab keine Probleme", sagte er. "Detective Vecchio wird schon bald wieder seiner Arbeit nachgehen können." Sam atmete aus. 'Raymond Vecchio' "Davon können Sie ausgehen", sagte Ray und versuchte aus dem Bett zu klettern. "Ich werde das Schwein kriegen, das auf mich geschossen hat. Der wird schon sehen....", fluchte er weiter, während er sich bemühte auf eigenen Beinen zu stehen. Als Sam sah, dass Ray unmöglich selbst sein Gleichgewicht halten konnte, trat er an seine Seite. Sanft drückte er ihn zurück aufs Bett. "Ray!", sagte er nur. "Niemand schießt auf Ray Vecchio", schimpfte er weiter. "Niemand!", sagte er etwas leiser, als er Sams Hand auf seiner Schulter spürte. "Wir werden den Schützen finden, Ray", sagte Sam leise. Ray nickte und legte seine Hand über Sams. "Danke!" Auf Sams Drängen hin, legte Ray sich wieder ins Bett. "Wir möchten Detectiv Vecchio noch für ein paar Tage zur Beobachtung hierbehalten", sagte der Doktor und Sam nickte zustimmend. "Aber...", wollte Ray einwenden, verstummte aber als er Sams Blick auffing. "Ist ja schon gut", murmelte er und zog die Decke bis unters Kinn. "Wir sehen uns morgen", verabschiedete sich Sam und verließ mit dem Arzt das Zimmer. Als sich Tür hinter ihnen schloß, rollte Ray mit den Augen und sprang aus dem Bett. Vorsichtig zog er sich an und verließ, sich nach allen Seiten umsehend, das Krankenhaus.
Auf Als Anweisung hin, betrat Sam das Polizeirevier, in dem Ray Vecchio seinen Dienst tat. Er hatte kaum zwei Schritte getan als eine junge dunkelhaarige Frau mit einem Wolf an ihrer Seite auf ihn zu stürmte. 'Ein Wolf?' "Fraser!", säuselte sie leise. Ihre Hand strich an seinem Jackenaufschlag entlang und blieb auf seiner Brust liegen. Sam begann sich unwohl zu fühlen. Wer war diese Frau und was wollte sie von ihm? Als hätte Al seine Fragen gehört, tauchte er plötzlich mit einem dicken Grinsen im Gesicht neben ihm auf. "Das ist Rays Schwester, Francesca", sagte er und betrachtete sie ausführlich. "Francesca....", begann Sam, als sie ihn mit großen Augen ansah. "Ray geht es gut." "Dir ist nichts passiert?", fragte sie als würde sie das Befinden ihres Bruders nicht im geringsten interessieren. Sam schüttelte den Kopf. Als würde sie ihm nicht glauben, glitten ihre Finger an seinem Körper entlang. "Ms. Vecchio!", erklang eine männliche Stimme hinter ihnen und Francesca ließ augenblicklich von ihm ab. Erleichtert atmete Sam aus. "Constable Fraser?", mit einem Wink deutete der Mann auf sein Büro und verschwand darin. Schnellen Schrittes folgte Sam ihm, wollte nicht riskieren, dass Francesca ihn wieder in die Finger bekam.
"Wie geht es Detectic Vecchio?", fragte Welsh als er hinter seinem Schreibtisch Platz nahm. "Die Kugel wurde entfernt, es gab keine Problem", antworte Sam, sah dabei fragend sein Hologramm an, dass noch immer Francesca durch die Glastür studierte. "Irgednwelche Verdächtige?" "Nein, tut mir leid." Welsh nickte. "Sie kümmern sich um die Sache?" "Mit ihrer Erlaubnis, Sir!", verdutzt hielt Sam inne, auch Al sah ihn misstrauisch an. Das hatte eben gar nicht nach Sam geklungen... Da Lt. Welsh aber in keinster Weise befremdlich reagiert, war ein solcher Ausspruch wohl normal für Constable Benton Fraser. Ohne weiter auf Sam zu achten, griff Welsh nach einer Akte und begann zu lesen. Als Sam nicht reagierte, sah er auf. "Noch irgendwelche Fragen, Constable?" "Äh...nein, Sir!" "Gut.", wieder wandte er sich seiner Akte zu. "Was machen wir jetzt?", flüsterte Sam und warf seinem Hologramm fragende Blicke zu. "Constable?", Welsh blickte auf. "Nichts, Sir!", Sam drehte sich um und verließ das Büro. "Vielleicht solltest Du Dich am Tatort umsehen?", schlug Al vor. "Am Tatort? Was soll ich dort?", fragte Sam. "Ich bin kein Polizist, ich..." "Fraser!", erklang Francescas Stimme. Ruckartig blieb Sam stehen und holte Luft. Fast hätte er es bis zum Ausgang geschafft. "Francesca", gezwungen lächelnd drehte er sich zu ihr um. Francesca sah ihn an als müsste er wissen, was sie von ihm wollte. Als Sam nicht reagierte, deutete sie auf den Wolf neben sich. Noch immer verstand Sam nicht. "Willst Du Dief nicht mitnehmen?", half sie ihm auf die Sprünge. "Dief?" "Deinen Wolf!" "Wolf?" Sam schüttelte ungläubig den Kopf. Nicht, dass er in einem Mountie gesprungen war, er hatte auch seinen Wolf dabei... Diefenbaker jaulte leise und ließ sich zu Francescas Füßen nieder. "Ist alles in Ordnung, Fraser?", sie streckte ihre Hände nach ihm aus und ging auf ihn zu. Sam nickte und trat mit jedem Schritt, den sie näher kam einen zurück. "Er kann auch hier bleiben", bot sie an. "Nein, nein. Ist schon gut....", wehrte Sam ab. "Dief!" Der Wolf hob langsam seinen Kopf und sah ihn misstrauisch an. "Komm schon, Dief. Lass uns gehen", sagte Sam erneut und deutete zur Tür, dabei lächelte er Francesca entschuldigend an. Verwundert legte sie den Kopf auf die Seite, ihre Blicken sogen ihn förmlich auf. "Dief?" Sams Stimme wurde ungeduldiger. Er wollte unbedingt das Revier verlassen, bevor Francesca noch misstrauischer wurde. Langsam setzte der Wolf sich in Bewegung, sah skeptisch erst Sam, dann das Hologramm an und trottete zur Tür. Sam seuftze glücklich und folgte dem Wolf schnell nach draußen.
"Was jetzt?", fragte Sam und sah sich auf dem Polizeiparkplatz um. Al zuckte mit den Achseln. "Hab ich ein Auto?" Der Wolf winselte leise und ließ sich an Sams Seite nieder. "Nein", sagte Al. Er nahm das Handlink zur Hand. "Wie es aussieht, hat Fraser keinen Führerschein..." "Was? Er kann nicht Auto fahren?" "Das hab ich nicht gesagt", wandte Al ein. "Sicher weiß er wie man ein Schneemobil bedient oder einen Hundeschlitten..." "Al!", unterbrach Sam. "Ray hat doch sicher ein Auto." Das Hologramm nickte bestätigend. "Einen Klassiker, einen grünen 1972iger Buick Riviera." "Und?" "Wurde versengt", sagte Al und hob misstrauisch die Brauen. "Versengt? Al, was meinst Du damit?", ungläubig sah Sam sein Hologramm an. "GTO", las Al jetzt vom Handlink ab. "Ray fährt einen schwarzen GTO - der steht sicher noch am Tatort", bedauernd sah er Sam an. "Du wirst wohl zu Fuß gehen müssen." Ohne weitere Fragen zu stellen, machte Sam sich auf den Weg, Dief an seiner Seite. Auf dem Weg begegnete er vielen Leuten, die ihm freundlich anlächelten und grüßten. "Kenne ich all diese Leute?", wollte Sam wissen. "Fraser ist ein sehr beliebter Mann", sagte Al. "Er hilft gern...auch wenn seine Hilfe nicht immer gewollt wird", fügte er schmunzelnd hinzu. "Erzähl mir etwas über ihn!", forderte Sam ihn auf. "Und über Ray." Die Art wie Sam den Namen seines Partners betonte, ließ Al aufhorchen. Misstrauisch sah er seinen Freund, der gedankenverloren weiter lief, von der Seite an. "Ray?" "Ja, er ist doch Frasers Partner oder?" Al nickte langsam und gab dann einige Befehle ins Handlink ein. "Als Fraser nach Chicago kam, wurde ihm Ray zur Seite gestellt....zusammen haben sie den Mord an Deinem...seinem Vater aufgeklärt....", Al hielt inne, wieder erschienen unterschiedliche Informationen auf den Handlink. "Was?" "Irgendetwas stimmt hier nicht", sagte Al. "Ziggy bringt andauernd die Daten von Ray und einem gewissen Stanley Kowalski durcheinander." "Wie kann das sein?" Al zuckte mit den Schultern. "Ich hab keine Ahnung. Erst sagt Ziggy, dass Ray Dein Partner ist und dann wieder, dass es Kowalski ist...." Grübelnd fuhr Sam sich mit der Hand übers Gesicht. "Sind die beiden vielleicht ein und dieselbe Person?" Das Hologramm schüttelte zweifelnd den Kopf. "Ray ist Italiener und Kowalski ganz eindeutig nicht...." "...was erklärt, dass er und Francesca nicht die geringste Ähnlichkeit haben...", dachte Sam laut. Dieser Gedanken war ihm schon viel früher gekommen, nur hatte er keinen Zeit gehabt, darüber nachzudenken, da Fransesca ihn so bedrängt hatte. "Was geht hier vor?", wollte Sam wissen. "Wem soll ich nun helfen?" "Du bist ein Mountie, Du hilfst jedem", sagte Al leicht und lächelte Sam verschmitzt an. "Al!" Vorwurfsvoll sah Sam sein Hologramm an. "Lass Dich von Ziggy auf Ray und dann auf Kowalski zentrieren. So finden wir sicher heraus, was hier vor sich geht." Zustimmend nickte Al, gab einige Befehle ins Handlink und verschwand. Nur ein paar Sekunden später tauchte Al wieder neben Sam auf. "Also, der richtige Ray Vecchio liegt schlafend in seinem Bett in Florida und der andere Ray...", Al holte tief Luft, "schleicht am Tatort herum und stellt Fragen." "Was?.... Aber...aber er sollte doch im Krankenhaus sein...", vergessen war die Frage, warum Kowalski Vecchio hieß. Alles, was jetzt zählte war, schnell zum Tatort zu kommen. "Wie er aussieht, hat er andere Pläne...", sagte Al. Sam beschleunigte seine Schritte, wollte so schnell wie möglich am Ort des Geschehens sein, um einen Blick auf Ray zu werfen. Mit einer Schußwunde war nicht zu spaßen und wenn der Täter auch vor Ort war.... Sam wollte gar nicht über diese Möglichkeit nachdenken. "Hat Ziggy inzwischen mehr herausgefunden", fragte Sam während er zügig durch die Straßen Chicagos lief. "Ziggy hat sich in die Datenbank des FBI gehackt und herausgefunden, dass Ray Vecchio....", Sams fragendes Gesicht ließ Al etwas deutlicher werden. "...der echte Ray Vecchio Undercover in einer Mafiafamilie arbeitet und um seine Identität zu schützen, hat Ray..., ich meine Kowalski", Al drehte sich schon der Kopf bei dem ganzen Durcheinander, "seinen Platz eingenommen." "Er und ich sind also Partner, so wie ich es vorher mit dem anderen Ray war?" "Sieht ganz so aus", bestätigte Al. Sam fragte sich unbehaglich, was für ein Gefühl es für Ray sein musste, das Leben eines anderen zu führen. Immer damit rechnen zu müssen, dass der echte Ray Vecchio wieder auftauchte und seine Identität und sein Leben zurückforderte. Würde er genauso einfach aus Frasers Leben verschwinden wie er aufgetaucht war? Sam bezweifelte das. Trotz des rauen Umgangstons war ihm aufgefallen, dass die beiden nicht nur Partner sondern auch Freunde waren. Die Panik, die ihn selbst ergriffen hatte, als er Ray bewusstlos am Boden liegen sah, verdeutlichte ihm wie eng die beiden befreundet waren.
"Al?" Zögernd sah Sam seinen Freund an. "Hm?" "Al....kann es sein, dass Fraser und Ray....ich meine, dass sie...sie", stotterte Sam. Er wusste genau, wie sein Freund auf dieses Thema reagieren würde. "Was sind sie?", fragte Al verständnislos. "Das sie mehr als nur Freunde sind?" "Mehr...?", noch immer schien Al nicht begriffen zu haben, worauf Sam hinaus wollte. Sam nickte nur. "Du meinst...?", Als Gesicht verzog sich als er endlich Sams Frage verstand. "Sam, wie kommst Du auf so was? Fraser ist ein Mountie und Ray ein Gott verdammter Polizist!" Die Möglichkeit, die Sam da ansprach, schob er ganz weit von sich. "Was hat ihr Beruf mit ihren Gefühlen zu tun?", wollte Sam wissen. "Sam!", Al winkte ab. "Komm schon, Al!", forderte Sam ihn auf sich Situation zu stellen. "Als ich in Tommy York gesprungen bin, hast Du immerhin eingesehen, dass Homosexuelle auch gute Soldaten sein können." "Das war etwas anderes", wehrte Al ab. "Warum?", Sam ließ nicht locker. Ein Gefühl in seiner Magengegend sagte ihm, dass es mehr zwischen Fraser und Ray gab als man auf den ersten Blick sah. Er wusste, wie es sich anfühlte, wenn man sich Sorgen um seinen besten Freund machte, aber das, was er gespürt hatte am Tatort und auch im Krankenhaus war mehr als nur Besorgnis gewesen. "Das waren doch noch Kinder..." "Al!" "Ich will es nicht wissen, Sam!", winkte das Hologramm ab und verschwand durch die Imaging Chamber Tür. Missmutig lief Sam weiter. Er konnte nicht begreifen, warum Al sich dieser Möglichkeit verschloß.
Chicago
Ray schlich schon seit Stunden am Tatort herum, ohne eine nennenswerte Spur gefunden zu haben. Im Moment arbeitete er an keinem brisanten Fall und er konnte sich nicht vorstellen, wer ihn aus dem Weg räumen wollte. 'Wo steckt Fraser?', fragte er sich schon zum hundertsten Male. Ray hatte angenommen, dass der Mountie ebenfalls hier sein würde, um nach einer Spur zu suchen. Seine Abwesenheit machte ihn etwas depressiv. War er nicht wichtig genug für Fraser? Noch einmal ging Ray alle Möglichkeiten durch. Die Kugel hatte ihn direkt am Eingang zum Gebäude erwischt, wo er das perfekte Ziel geboten hatte. Im Stillen beglückwünschte er sich zu seinem Glück, nicht getötet worden zu sein. Der Innenraum des Gebäudes war völlig offen. Man hatte einen guten Blick von allen drei Etagen aus auf den Eingang und es gab genügend Möglichkeiten, Deckung zu suchen. Ray schüttelte den Kopf. Der Schütze konnte überall gestanden haben. 'Wenn doch bloß Fraser hier wäre', bedauerte er und drehte sich um seine eigene Achse als sein Blick in der zweiten Etage hängen blieb. Nahe des Aufzuges stand eine riesige Palme, deren Blätter sich bewegten als würde sich dort jemand versteckt halten.
Sam hatte das Gebäude fast erreicht als plötzlich Al neben ihm auftauchte. Ziggy gab laute Geräuschte von sich. Fragend sah Sam sein Hologramm an, das schnelle Befehle ins Handlink eingab. "Schnell, Sam!", rief Al. "Ziggy sagt, dass Ray in einer Minute und 15 Sekunden von einer Kugel getroffen wird." Sams Herzschlag setzte für einen Moment aus, bevor er mit einer Geschwindigkeit, die er sich selbst nach einem so langen Marsch nicht mehr zugetraut hätte, in Bewegung setze.
Für Ray schien die Zeit still zu stehen. Ganz deutlich sah er den Lauf einer Waffe, die auf ihn gerichtet war, doch er rührte sich nicht. Seine Instinkte und langjährige Erfahrung als Polizist hätten ihn eigentlich in Deckungen gehen lassen sollen, aber er tat es nicht. Wie erstarrt, blickte er seinem sicheren Tod entgegen.
Der Finger am Abzug krümmte sich bereits als Sam ins Gebäude stürmte. Ohne auf sein Umfeld zu achten, lief er auf Ray zu, der wie hypnotisiert in die zweite Etage starrte und riß ihn mit sich zu Boden. Ray hörte das zischende Geräusch einer vorbei fliegenden Kugel, ehe er unsanft auf dem Boden aufschlug. Der Schmerz, der durch seine verletzte Schulter ging, ließ ihn pfeifend Luft holen. "Verdammt!", fluchte er und blinzelte Sam böse an. "Geh von mir runter!", forderte er ungehalten als Sam keine Anstalten machte, ihn freizugeben. "Unten bleiben!", rief Al und sah nach oben, wo eben noch der Schütze gewesen war. "Fraser!", drängelte Ray, dem das Gewicht des Mounties auf ihm nur allzu bewusst war. "Die Luft ist rein", sagte das Hologramm und Sam erhob sich von dem wütenden Ray. "Er flüchtet über den Hinterausgang", las Al die Informationen vom Handlink ab. "Los, Dief!", rief Sam dem Wolf zu und lief ohne sich weiter um den schimpfenden Ray zu kümmern, Richtung Hinterausgang. "Fraser!", schrie Ray ihm hinterher als er mühsam auf die Beine kam. Doch sein Partner hörte ihn nicht mehr. Alles war Ray noch sah, war die rote Jacke seines Freundes eher er aus seinem Blickfeld verschwand. "Danke auch.", flüsterte er und hielt sich seine schmerzende Schulter, bevor er dem Mountie folgte, bei dem offensichtlich der Jagdtrieb eingesetzt hatte.
Ohne zu überlegen, was er tat, stürmte Sam dem Wolf hinterher. Alle seine Vorsichtsmaßnahmen ließ er außer Acht, für ihn zählte nur, den Schützen dingfest zu machen und ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen. Hätte Sam eine Sekunde Zeit gehabt, um die Situation zu überdenken, hätte er erkannt, dass nicht er sondern der Mountie im Moment die Entscheidungen traf. "Da ist er!", rief Al und zeigten auf einem Mann, der kurz bevor er den rettenden Ausgang erreicht hatte, von einem wütenden Diefbaker gestoppt worden war. Der Wolf hatte sich in den Arm des Mannes gebissen und ließ ihn nicht mehr los. "Rufen Sie ihn zurück", winselte der Mann unter Schmerzen. Als Sam den Wolf erreicht hatte und den Mann in sicherem Griff hatte, forderte er Dief auf, los zu lassen. Dief schien eine Sekunde darüber nachzudenken, bevor er böse knurrend von seinem Gegner abließ. Kaum das sich Sam auf den Rückweg zu Ray machte, erschienen Polizisten, die ihm seinen Gefangenen abnahmen. "Verlesen Sie ihm seine Rechte", sagte Sam den Uniformierten. Da er selbst kein Polizist war, hatte er nicht das Recht Verhaftungen durchzuführen und ging so sicher, dass der Mann seine Rechte kannte und er nicht wegen Formfehlern wieder freigelassen wurde.
Ray saß erschöpft auf einer Bank nahe am Ausgang. Eigentlich hatte er seinem Freund zu Hilfe kommen wollen doch die Schmerzen in seiner Schulter hatten ihn eines besseren belehrt. Mit wutverzerrtem Gesicht sah er Sam entgegen. "Geht es ihm gut?", wollte Sam von seinem Hologramm wissen. Al nickte. "Wenn seine Wut verraucht ist, wird der Schmerz größer sein, aber sonst geht's ihm gut." Das Hologramm lächelte als er das Gesicht des jungen Detectives sah. Ganz deutlich konnte er die Erleichterung darüber sehen, dass Sam nichts passiert war. "Ray!", sagte Sam als er sich neben ihn setzte. "Fraser!", Ray nickte mit dem Kopf. Minuten vergingen, in denen sie sich stillschweigend ansahen. Rays Zorn verrauchte, während er den Mountie neben sich betrachtete. Eigentlich war er wütend über ihn gewesen, wütend, dass er nicht früher am Tatort gewesen war und wütend darüber, dass Fraser den Täter geschnappt hatte und er selbst nur tatenlos zusehen konnte. Doch das alles spielte keine Rolle mehr, jetzt, wo er unverletzt neben ihm saß und ihn besorgt anschaute. "Alles in Ordnung?", fragte Sam leise und seine Hand legte sich sanft auf Rays verletzte Schulter. Ray nickte nur und legte seine Hand über Sams.
Fragend blickt Sam auf sein Hologram als er den nahenden Abschied spürt. Al ist von der Szene, die deutlich macht, wie tief die Freundschaft des Mounties und des Polizisten ist, gerührt. "Vielleicht hast Du recht", flüstert er als Sam, in blaues Licht gehüllt, springt...
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